Die USA und China versuchen, den von US-Präsident Trump losgetretenen Handelskrieg vergessen zu machen und ihre Beziehungen auf eine stabilere Basis zu stellen. Trumps Charme-Offensive erwischt die EU auf dem falschen Fuß – wieder einmal.
Beim Gipfeltreffen zwischen Trump und Staatschef Xi in Peking war von einer “konstruktiven, strategischen Stabilität“ die Rede; Trump lobte seinen autoritären Gastgeber in höchsten Tönen.
Xi sei eine “großartige” Führungspersönlichkeit, sagte Trump. „Manchmal mögen Leute das nicht, wenn ich das sage, aber ich sage es trotzdem, weil es wahr ist“, so Trump weiter. „Es ist eine Ehre, Ihr Freund zu sein.“
Das darf man natürlich nicht für bare Münze nehmen. Trump versucht, seinen Besuch in Peking als phantastischen Erfolg zu verkaufen. Zudem braucht er dringend gute “Deals”, um vom Debakel im Iran abzulenken.
Die alte Biden-Linie ist überholt
Doch allein schon die Tatsache, daß sich die beiden mächtigsten Männer der Welt treffen und um Annäherung und Entspannung bemühen, ist ein Fortschritt. Kriege und Krisen hat die Welt schon mehr als genug.
Plötzlich sieht die EU verdammt alt aus. Sie folgt immer noch der alten, neokonservativen Linie von Ex-Präsident Biden, derzufolge der “systemische Rivale” China eingedämmt werden müsse. Doch diese Linie ist überholt.
Nicht nur die USA unter Trump, sondern auch Russland und die BRICS-Staaten buhlen um die Großmacht China. Wenn die EU nicht verdammt aufpasst, droht sie geopolitisch und wirtschaftlich ins Abseits zu geraten…
unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine sowie in Israel, Palästina und sonstwo, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.
US-Präsident Trump hat die geplante US-Stationierung von Mittelstreckenraketen in Deutschland gestoppt. Seitdem läuft in Berlin und Brüssel die Suche nach Ersatz: Taurus, ein europäisches Projekt namens ELSA, Tomahawk-Nachbau, türkische Raketen. Die Debatte klingt technisch – und sie verfehlt das Wesentliche.
Von Arno Gottschalk*
Die geplanten US-Raketen waren nie nur Raketen. Sie waren Teil eines viel größeren Systems. Schon in der deutsch-amerikanischen Erklärung vom Juli 2024 stand das ausdrücklich drin: Die Waffen sollten in die sogenannten Multi-Domain Task Forces der US-Armee eingebunden werden. Genau dieser Punkt fehlt in der öffentlichen Diskussion fast vollständig.
Was steckt dahinter? Eine moderne Rakete ist heute militärisch fast wertlos, wenn sie allein dasteht. Sie braucht Augen, die das Ziel finden, ein Gehirn, das in Sekunden entscheidet, und ein Nervensystem, das alles miteinander verbindet. Die Augen sind Satelliten, Drohnen und Aufklärungsflugzeuge. Das Gehirn ist eine Mischung aus Computern, künstlicher Intelligenz und militärischen Kommandostellen.
Das Nervensystem sind sichere Datennetze, die in Echtzeit Informationen austauschen. Die Rakete ist nur das letzte Glied dieser Kette – das, was am Ende abgefeuert wird. Ohne Augen, Gehirn und Nervensystem ist die beste Rakete blind.
Ersatzdebatte führt in die Irre
Genau dieses Gesamtsystem haben die USA. Europa hat es nicht. Wären die US-Raketen in Deutschland stationiert worden, hätte das nicht bedeutet, dass Europa eigene Abschreckungsfähigkeit besitzt. Es hätte bedeutet: Europa hängt an einer Operationsarchitektur, die vollständig in amerikanischer Hand bleibt – Satelliten, Software, Datenleitungen, Entscheidungssysteme. Stationierungsort Deutschland, Steuerung Maryland.
Wenn dieses entscheidende Element fehlt, ist die jetzige Ersatzdebatte strategisch leer. ELSA, Taurus-Modernisierung, Tomahawk-Lizenz, türkische Raketen: All das produziert Waffen ohne das System, in das sie eigentlich gehören. Europa baut Pfeile für einen Bogen, den es nicht besitzt – und zielt auf ein Auge, das entweder im Pazifik gebunden ist oder gar nicht existiert.
Warum wird darüber nicht offen gesprochen? Weil eine ehrliche Antwort die bisherige Erzählung zerstören würde. Der Öffentlichkeit wurde die Stationierung als „Abschreckung gegenüber Russland” verkauft. Die tatsächliche Funktion – die Einbindung in eine globale US-Militärarchitektur mit eigenen Eskalationsrisiken – wurde nie offen erklärt. Würde man es jetzt zugeben, müsste man auch eingestehen, dass Europa sich seit 2024 auf einen Plan eingelassen hat, dessen Voraussetzungen es nie besaß und auch nicht aufzubauen plante.
*SPD-Politiker aus Bremen. Weiterlesen auf Substack. Mehr zur Aufrüstung in EUropa hier
@KK: „keinerlei Einfluss“ – das ist falsch: Rolf Mützenich halten die Granden der Seeheimer für so gefährlich, dass sie ihm keinerlei Funktion in ihrem riesigen Parteiapparat gönnen! Mützenichs Einfluss ist ganz enorm. In der Friedensbewegung ist der Erhard Eppler-Kreis sehr wohl bekannt und gut eingeführt (teils auch ambivalent, wie bei der SPD leider üblich). Und warum soll nicht ein Ökonom, Arno Gottschalk, in Bremen Kommunalpolitik treiben, wenn er sich dadurch die Unabhängigkeit und geistige Frische bewahrt, solche fundierten friedenspolitischen Beiträge in dem bundesweiten Diskussionszusammenhang schreiben zu können?!!
An dem Beitrag des Gottschalk schätze ich sehr hoch, dass er die Grundsätze der Friedenssicherung zum Tragen bringt, die ich einst im Politikstudium gelernt habe, die aber heute weitgehend aus Hochschulen, Politik und Medien vertrieben sind. Vielen herzlichen Dank Ebo! Diesen Blog des Eppler-Kreises kannte ich noch nicht und habe ihn sofort abonniert.
@ebo: Herzlichen Dank für diesen Beitrag und den Link auf den kompletten Artikel von Arno Gottschalk! Offenbar gibt es in der Seeheimer Partei Deutschland (SPD) einzelne Abweichler, die mit der Realität noch nicht gebrochen haben. Leider nicht im Bundestag oder gar auf EUropäischer Ebene. Herr Gottschalk ist Bremer Lokalpolitiker.
Ob der Erhard-Eppler-Kreis, auf dessen Seiten der Artikel veröffentlicht wurde, irgend einen Einfluss in dieser Partei hat, ist mir nicht bekannt. Gemerkt habe ich jedenfalls noch nie etwas davon.
Der Eppler-Kreis geistert doch u.a. mit seinem offenen Brief schon länger herum – allein, er hat keinerlei Einfluss auf die tatsächlich entscheidenden Parteigremien.
Karl 15. Mai 2026 @ 05:43
@KK: “keinerlei Einfluss” – das ist falsch: Rolf Mützenich halten die Granden der Seeheimer für so gefährlich, dass sie ihm keinerlei Funktion in ihrem riesigen Parteiapparat gönnen! Mützenichs Einfluss ist ganz enorm. In der Friedensbewegung ist der Erhard Eppler-Kreis sehr wohl bekannt und gut eingeführt (teils auch ambivalent, wie bei der SPD leider üblich). Und warum soll nicht ein Ökonom, Arno Gottschalk, in Bremen Kommunalpolitik treiben, wenn er sich dadurch die Unabhängigkeit und geistige Frische bewahrt, solche fundierten friedenspolitischen Beiträge in dem bundesweiten Diskussionszusammenhang schreiben zu können?!!
An dem Beitrag des Gottschalk schätze ich sehr hoch, dass er die Grundsätze der Friedenssicherung zum Tragen bringt, die ich einst im Politikstudium gelernt habe, die aber heute weitgehend aus Hochschulen, Politik und Medien vertrieben sind. Vielen herzlichen Dank Ebo! Diesen Blog des Eppler-Kreises kannte ich noch nicht und habe ihn sofort abonniert.
Erneuerung 14. Mai 2026 @ 19:18
Wenn das der Russe liest, greift er morgen Deutschland an, denn er hat das alles, unter seinem Hut. Wir müssen unbedingt und sofort die Mobilmachung starten, damit auch wirklich nichts übrig bleibt, zumindest kein Humankapital.
Ich lese hier etwas über Augen, Nervensystem und Gehirn. Alles Dinge, die unseren politischen Eliten abhanden gekommen sind. Darum sehen sie die einzige Zukunftsperspektive in autonomen Waffen. Keine Tagesschau ohne Waffenschau!
“…die Einbindung in eine globale US-Militärarchitektur mit eigenen Eskalationsrisiken”. Die selbe Ungeheuerlichkeit, wie beim Geheule nach dem europäischen “nuklearen Schirm”: Frankreich oder GB stellen die nuklearen Kapazitäten, haben aber die ausschließliche Befehlsgewalt, der “Nuklearschirm” selbst aber macht Deutschland noch mehr zum Angriffsziel, als es ohnehin schon wäre. Dieses unmenschliche, zynische, nukleare “über-Bande-Spielen” scheinen deutsche Militärexperten nicht zu erkennen – oder ist es ihnen einfach wurscht? Nach alldem, was ich im Hinblick auf Deutschlands “Sicherheitspolitik” seit 2022 mitansehen muss, vermutlich letzteres.
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Kanzler Merz begnügt sich nicht mehr mit einem deutschen Führungsanspruch in der EU. Nun will er EUropa auch noch zu einer “Macht” machen. Das sagte der CDU-Chef bei der Karlspreis-Verleihung in Aachen.
„Europa hat sich aufgemacht, eine Macht zu werden, eine Macht, die den Stürmen dieser neuen Zeit trotzt“, sagte Merz. Dies gehe nur über wirtschaftliche und sicherheitspolitische Stärke.
Dummerweise ist es um die wirtschaftliche Stärke nicht gut bestellt – vor allem nicht in Deutschland. Der Kanzler hat zwar Reformen angekündigt, doch er wirkt konzeptlos und ohnmächtig.
Auch sicherheitspolitisch sieht es nicht gut aus. Deutschland und die EU rüsten zwar massiv auf, doch in der internationalen Diplomatie sind sie kaum noch vertreten.
Laschet kritisiert “Selbstentmündigung”
Dies monierte auch der Chef des Karlspreisdirektoriums, der CDU-Außenpolitiker Laschet. „Europa ist international so schwach, weil es eher moralisiert, statt aktiv Diplomatie voranzubringen“, sagte Laschet laut dpa.
„Zwischen Russland und der Ukraine verhandeln nur amerikanische Geschäftsleute, weil die EU sich weigert, ihre eigenen Positionen diplomatisch mit Stärke gegenüber Russland zu vertreten.“ Das sei absurd.
Laschet sprach von einer „Selbstentmündigung Europas“. Allerdings sieht es nicht so aus, als Merz das ändern wollte. Diplomatie ist seine Sache nicht, er haut lieber auf den Tisch…
P.S. Merz hat sich auch mit EU-Kommissionschefin on der Leyen angelegt. Der von ihr vorgelegte Entwurf für das neue Sieben-Jahres-Budget der EU müsse komplett überarbeitet werden, sagte er. Da streiten sich zwei CDU-Politiker, die die Macht für sich allein beanspruchen…
Soso, ein potenzieller Vermittler zwischen Russland und der Ukraine, Herr La(s)chet, möchte gegenüber Russland Stärke zeigen, macht das nicht die gesamte EU seit 4 Jahren? Die Erfolge sind unverkennbar und springen jeden Erdenbürger förmlich in die Augen. Mit vdL als Queen, Merz als Kanzler, Herrn Wadephul als israelisch-ukrainisch-deutschen Außenminister, Frau Göhring-Eckardt als Bundespräsidentin und vielleicht Herrn Selenskyj als Friedensnobelpreisträger kann nun wirklich nichts mehr schief gehen, außer wir nehmen den heutigen Tag zum Anlass und fahren gemeinsam gen Himmel.
Ebendort verliessen auch diese weisen Worte den Merzschen Mund: “Wir Europäer entscheiden selbst, wer für uns spricht, niemand anders“. Da bin ich sehr gespannt, WER denn ” von uns Europäern” die dafür notwendigen Qualitäten mitbringt. Bitte unbedingt einen der bekannten russophoben Kriegshetzer auswählen, damit die Verhandlungen von vornherein zum Scheitern verurteilt sind! Kallas aka “The Brain” hat sich ja schon selbst ins Spiel gebracht….
Im Ziel sind sich die beiden CDU-Führer einig: Russland muss untergehen. Wäre von der Leyen deutsche Bundeskanzlerin, würde sie möglichst viel vom nationalen Haushalt in den Krieg pumpen. Wäre Merz Kommissionspräsident, würde er möglichst viel vom EU-Haushalt in den Krieg pumpen. Da wetteifern zwei Russenhasser um das grössere Budget für den Krieg gegen Russland. Selenski hat den Jackpot geknackt mit zwei so engagierten Partnern.
Es sind wohl eher zwei Ziele: Neben der Marginalisierung Russlands eben auch die Bereicherung der ohnehin schon Superreichen, die ihr Geld eben auch im MIK stecken haben. Und es fällt nicht schwer zu raten, was in den eigenen Depots (und auch dem ein oder anderen engster Verwandter) der politischen Kriegstrommler so alles der Renditen harrt…
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15.05.2026
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15.05.2026
"Konflikt möglich": Chinas Warnung bezüglich Taiwan und Rubios Reaktion
freedert.online, 15 Mai 2026 19:08 Uhr,
Beim Staatsbesuch in China sprach US-Außenminister Marco Rubio über den Grundsatz der strategischen Zweideutigkeit der USA in Bezug auf Taiwan. Nach diesem Grundsatz wird nicht konkretisiert, ob die USA die Insel militärisch verteidigt würden.
Die US-Delegation beim Staatsbesuch in Peking, China, 15. Mai 2026
Während des Besuchs des US-Präsidenten in China bezeichnete der chinesische Staatschef Xi Jinping Taiwan als "das wichtigste Thema in den chinesisch-amerikanischen Beziehungen". Er warnte davor, dass es "zu Zusammenstößen oder sogar zu einem Konflikt kommen könnte", sollten die beiden Nationen nicht richtig damit umgehen.
US-Außenminister Marco Rubio begleitete Donald Trump auf dem ersten Staatsbesuch eines US-Staatschefs in China seit fast einem Jahrzehnt. Während des Besuches gab Rubio am Freitag dem US-Sender NBCNews ein Interview. Darin betonte Rubio in Bezug auf die Taiwan-Frage, dass "die US-Politik in der Taiwan-Frage bis heute und nach dem Treffen, das wir heute hier hatten, unverändert ist". Er fügte hinzu: "Wir kennen ihren Standpunkt, und ich denke, sie kennen unseren."
Auf die Frage, ob Peking die selbstverwaltete Insel militärisch einnehmen könne, sagte Rubio: "Es wäre ein schrecklicher Fehler, dies mit Gewalt oder ähnlichen Mitteln durchzusetzen." Ihm zufolge hätte dies "weltweite Konsequenzen, nicht nur seitens der Vereinigten Staaten". Gleichzeitig räumte er ein, dass China es vorzöge, wenn "Taiwan sich freiwillig in sein Staatsgefüge eingliedern würde", und zwar durch "eine Abstimmung oder ein Referendum".
Rubio erinnerte zudem an den Grundsatz der strategischen Zweideutigkeit der USA in Bezug auf Taiwan – eine seit Langem verfolgte Politik, bei der nicht konkretisiert wird, ob die Insel militärisch verteidigt werden würde. Dieser Ansatz habe "über mehrere Präsidentschaften hinweg gegolten und gilt auch heute noch". In Bezug auf US-Waffenverkäufe an Taiwan sagte Rubio, das Thema "spielte keine vorrangige Rolle" in den Gesprächen zwischen den USA und China. Diesbezüglich hänge jede Entscheidung über künftige Lieferungen zu einem großen Teil vom Kongress ab.
China betrachtet Taiwan als Teil seines Hoheitsgebiets. Diese Auffassung wird von der überwiegenden Mehrheit der Länder geteilt, darunter auch von Russland. Die USA erkennen Pekings "Ein-China-Politik" zwar ebenfalls an, pflegen jedoch enge Beziehungen zu der selbstverwalteten Insel. Im Jahr 2022 erklärte Xi, Peking würde eine friedliche Wiedervereinigung mit der Insel bevorzugen, schloss jedoch den Einsatz von Gewalt nicht aus.
Durch die Sperrung von RT zielt die EU darauf ab, eine kritische, nicht prowestliche Informationsquelle zum Schweigen zu bringen. Und dies nicht nur hinsichtlich des Ukraine-Kriegs. Der Zugang zu unserer Website wurde erschwert, mehrere Soziale Medien haben unsere Accounts blockiert. Es liegt nun an uns allen, ob in Deutschland und der EU auch weiterhin ein Journalismus jenseits der Mainstream-Narrative betrieben werden kann. Wenn Euch unsere Artikel gefallen, teilt sie gern überall, wo Ihr aktiv seid. Das ist möglich, denn die EU hat weder unsere Arbeit noch das Lesen und Teilen unserer Artikel verboten. Anmerkung: Allerdings hat Österreich mit der Änderung des "Audiovisuellen Mediendienst-Gesetzes" am 13. April diesbezüglich eine Änderung eingeführt, die möglicherweise auch Privatpersonen betrifft. Deswegen bitten wir Euch bis zur Klärung des Sachverhalts, in Österreich unsere Beiträge vorerst nicht in den Sozialen Medien zu teilen.
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15.05.2026
IG-Metaller sowie Vertrauensleute von Ford und Mercedes erklären "Nein zur Kriegswirtschaft"
(Screenshot)
freedert.online, 15 Mai 2026 10:31 Uhr,
Vertrauensleute von Ford in Köln und Mercedes in Düsseldorf berichteten über die Kämpfe gegen Rüstungsproduktion in den Unternehmen. Sie erinnerten auch an die Rolle der Autoindustrie im Zweiten Weltkrieg und den brutalen Umgang mit russischen Zwangsarbeitern bei Ford.
Mercedes einst im Dienste von Faschisten und Kriegstreibern: Adolf Hitler wird im Mercedes-Fahrzeug von Menschenmenge bejubelt.
Am Mittwoch fand im Düsseldorfer Kulturzentrum ZAKK eine Podiumsdiskussion mit gewählten Vertrauensleuten der Kölner Ford-Niederlassung und von Mercedes Düsseldorf statt. Ein Vertreter der Organisation See Red berichtete über die Diskussionen unter Jugendlichen über Wehrpflicht und Kriegstüchtigkeit.
Die Belegschaft in der Kölner Ford-Niederlassung sei zu 95 Prozent gewerkschaftlich organisiert, erklärte der IG-Metaller Nico, der bei Ford als gewählter Vertrauensmann die Anliegen der Beschäftigten an den Betriebsrat vermittelt. Von den einst 24.000 Mitarbeitern in den Kölner Werken gebe inzwischen nur noch rund 10.000. Aber anders als früher, als die Beschäftigten sich auf Versammlungen nicht für politische Themen und Diskussionen interessiert hätten, sei das Interesse an Politik zuletzt in hohem Maße gestiegen. Neben der weit verbreiteten Kritik an Rüstungsproduktionen diskutiere man offen über den israelischen Völkermord an den Palästinensern im Gazastreifen, an Donald Trumps Angriff auf Iran und viele andere Themen.
Zudem bekannten immer mehr Beschäftigte in der Autoindustrie: "Wir wollen keinen Faschismus, wir wollen keinen Krieg, wir wollen keine Kriegswirtschaft – ich will auch keine Panzer bauen." In den Belegschaften würden auch kritische Diskussionen über die Glaubwürdigkeit der Kriegspropaganda geführt, wonach Russland angeblich Deutschland angreifen wolle. Und nicht zuletzt würden Zweifel am kapitalistischen Wirtschaftssystem lauter.
Die Diskussionen zögen sich bei Ford durch alle Gremien und Hierarchien. Während die 300 gewählten Vertrauensleute der IG Metall bei Ford auf ihrer Vollversammlung im Januar einstimmig die Resolution "Nein zur Kriegswirtschaft – Wir geben unsere Kinder nicht für Kriege!" beschlossen hätten, befürworte der Betriebsratsvorsitzende eine Rüstungsumstellung bei Ford. Der zweite Vorsitzende der IG Metall habe wiederum die Resolution der Vertrauensleute mit unterzeichnet.
Die Geschichte der sowjetischen Zwangsarbeiter bei Ford
In seinem Redebeitrag erinnerte einer der Ford-Vertrauensleute auch an das historische Verantwortung, die man als Gewerkschaftler und Mitarbeiter bei Ford habe. Historisch hat Ford "Dreck am Stecken" erklärte der IG-Metaller. In der Nazizeit bzw. während des Zweiten Weltkrieges habe Ford nicht nur Lastwagen für die US-Armee produziert, sondern auch für die deutsche Wehrmacht. Der US-Autokonzern habe im Zweiten Weltkrieg an beiden Seiten verdient. Nico führte aus, weshalb Ford in Köln damals besonders profitierte:
"In Köln haben sowjetische Kriegsgefangene unter erbärmlichsten Bedingungen für Ford gearbeitet. Dann sind sie mit ihren Baracken und Unterkünfte auch noch von den USA weggebombt worden."
Inzwischen arbeiteten in Köln einige Betriebe schon wieder für die Rüstungsindustrie. Viele Beschäftigte, nicht nur in der Autoindustrie, seien in Sorge vor Massenentlassungen und der damit verbundenen Armut. Aber man dürfe sich dadurch nicht in die Rüstung treiben lassen – stattdessen müsse man sich die Kämpfe in Italien und Griechenland zum Vorbild nehmen, appellierte der Ford-Vertrauensmann. Dort weigerten Arbeiter sich, Rüstungsgüter zu verladen, und blockierten Häfen.
Zwischen Ablehnung von Rüstungsproduktion und drohender Arbeitslosigkeit
Ford-Vertrauensfrau Lisa berichtete als Nächstes über Spekulationen, wonach stillgelegte Ford-Produktionsstätten von Rheinmetall übernommen werden sollten. Die Belegschaft diskutierte, dass sie nicht in der Rüstung arbeiten wolle. Es gebe aber durchaus eine Kontroverse. Die Arbeiter lehnten die Rüstungsproduktion zwar aktuell ab, bei drohender Arbeitslosigkeit sehe das aber anders aus.
Auf Betriebsversammlungen präsentieren mittlerweile Vertreter der Bundeswehr und Rheinmetall ihre Jobangebote. Unternehmensberater sprächen dabei beschönigend von Arbeitsplätzen in der Luftfahrt und der Verteidigungsindustrie. Damit die Beschäftigten der Autoindustrie sich konsequent der Rüstungsproduktion verweigerten, brauche man eine richtige Bewegung. Die Rüstungsproduktion widerspreche § 2 der IG-Metall-Satzung, wonach sich die Gewerkschaft "für Frieden, Abrüstung und Völkerverständigung" einsetzt, erklärte die Vertrauensfrau.
Allerdings halte der IG-Metall-Vorsitzende dagegen und habe sinngemäß erklärt: "Die IG Metall muss aber auch Arbeitsplätze fördern. Wenn die Bundesregierung so viel Geld in die Hand nehme, müsse auch die heimische Industrie profitieren. Wir erwarten von Politik und Wirtschaft den sofortigen Umbau der Unternehmen."
Rüstungstradition bei Mercedes vom Ersten Weltkrieg bis heute
Auch bei Mercedes Benz gebe es eine lange Tradition in der Rüstungsproduktion, rief Sascha in Erinnerung, der gewählte Vertrauensmann von Mercedes Düsseldorf. Sowohl im Ersten als auch im Zweiten Weltkrieg habe der Autokonzern Rüstungsgüter nach Bedarf produziert und sei nach Thyssenkrupp eine der wichtigsten deutschen Rüstungsschmieden gewesen. Die damaligen Testhallen von Rheinmetall befänden sich immer noch unter dem Werk in Düsseldorf. Und einer der Nazi-Gauleiter sei direkt nach dem Krieg erster Personalmanager bei Mercedes geworden.
Das von Mercedes getrennte Daimler-Unternehmen gebe heutzutage offen zu, dass die bei ihm produzierte kriegswichtige Fahrzeugtechnik kontinuierlich mit Flugzeugen in Kriegsgebiete transportiert werden. Von den rund 120.000 jährlich im Düsseldorfer Werk produzierten Mercedes-Sprintern werde ein erheblicher Teil auch an die Bundeswehr, die Polizei und nach Israel geliefert. Die Profitrate für dieses Fahrzeug liege auch in der heutigen Zeit noch bei zwölf Prozent.
Es sei jetzt höchste Zeit für Kämpfe gegen die Umrüstung ziviler Produktionen. Sascha erklärte auch, warum: "In Kriegszeiten sind antimilitaristische Kämpfe verboten!" Vor einer Woche habe er auf einer Mercedes-Betriebsversammlung die Resolution über die Verweigerung der Produktion von Rüstungsgütern bei Ford vorgelesen und dafür viel Applaus bekommen. "Wir müssen ab sofort Kämpfe führen, die wir bisher noch nie geführt haben", erklärte der IG-Metaller aus Düsseldorf. Es gebe dafür Vorbilder. Im Buch "Die Moorsoldaten" habe der Autor Wolfgang Langhoff für die Nachwelt dokumentiert, wie Zersetzung und Widerstand unter schwierigsten Bedingungen organisiert werden können. Der Schweißer von Mercedes betonte: "Es gibt keine auswegslose Situation!"
Im Anschluss an die Redebeiträge der Podiumsteilnehmer fand eine Diskussion mit den rund 40 engagierten Besuchern der Veranstaltung teil. Im Laufe der Diskussion erinnerte man sich sowohl an Fehler des Widerstands in den Zwanzigerjahren des letzten Jahrhunderts als auch an alte Aktionsformen gegen Aufrüstung und Militarisierung: Autobahnbesetzungen, Generalstreiks, Überzeugungsarbeit bei Kollegen und Freunden, Blockaden, Aufbau und Organisation von Bündnissen gegen Rüstungsproduktion.
Die Resolution der Ford-Vertrauensleute endet mit den Worten: "Aufrüstung und Kriegswirtschaft sind gegen die Interessen der Kollegen und unserer Familien und widersprechen unseren gewerkschaftlichen Zielen. Unterstreichen wir unsere Losung 'Kampf um jeden Arbeitsplatz!' und setzen wir uns aktiv für unser Ziel 'Frieden, Abrüstung und Völkerverständigung' ein ... Und wir rufen den IG-Metall-Vorstand und alle Mitglieder auf: Nein zum Umbau auf Kriegswirtschaft!"
Durch die Sperrung von RT zielt die EU darauf ab, eine kritische, nicht prowestliche Informationsquelle zum Schweigen zu bringen. Und dies nicht nur hinsichtlich des Ukraine-Kriegs. Der Zugang zu unserer Website wurde erschwert, mehrere Soziale Medien haben unsere Accounts blockiert. Es liegt nun an uns allen, ob in Deutschland und der EU auch weiterhin ein Journalismus jenseits der Mainstream-Narrative betrieben werden kann. Wenn Euch unsere Artikel gefallen, teilt sie gern überall, wo Ihr aktiv seid. Das ist möglich, denn die EU hat weder unsere Arbeit noch das Lesen und Teilen unserer Artikel verboten. Anmerkung: Allerdings hat Österreich mit der Änderung des "Audiovisuellen Mediendienst-Gesetzes" am 13. April diesbezüglich eine Änderung eingeführt, die möglicherweise auch Privatpersonen betrifft. Deswegen bitten wir Euch bis zur Klärung des Sachverhalts, in Österreich unsere Beiträge vorerst nicht in den Sozialen Medien zu teilen.
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15.05.2026
Webinar mit Hauke Ritz am 20. Mai: EU verfälscht Geschichte
danke, dass wir auf diesem Weg miteinander in Kontakt sind. Heute laden wir Sie zu drei sehr verschiedenen Suchen nach Spuren des II. Weltkrieges ein: Einmal in der eigenen Familiengeschichte, dann ausgelöst durch das Grab Nummer 1628 auf einem Soldatenfriedhof und endlich über die Frage zum Charakter des Unternehmens Barbarossa: War es Völkermord? Zuerst aber die Einladung zu unserem nächsten Webinar und weiter unten zur Friedenskundgebung am 20. Juni in Berlin am Brandenburger Tor. Treffen wir uns dort?!
Andreas Grünwald, Petra Hiller, Christiane Reymann, Daniela Schramm, Alexej Stoljarow
Webinar am 20. Mai mit Hauke Ritz Beginn: 18:30 Uhr Hauke Ritz ist der Referent unseres kommenden Webinars am 20. Mai, 18:30-20:30 Uhr zu: Rot = braun? Die EU verfälscht die europäische Geschichte. Hauke Ritz ist promovierter Geschichtsphilosoph und Autor. Ihn treibt vor allem der Ost-West-Konflikt um, den er in Russlandreisen erforscht und zu dem er publiziert. Mit der grassierenden Russophobie setzt er sich auseinander im Interview mit dem Overton-Magazin. Sein Artikel Warum der Weltfrieden von Deutschland abhängt, zuerst in den Nachdenkseiten veröffentlicht, ist zugleich der letzte Beitrag in seinem gleichnamigen Buch, aus dem wir mit freundlicher Genehmigung des Verlags den Essay Die Rückkehr der Geopolitik veröffentlichen: Hauke Ritz - Die Rückkehr der Geopolitik.
Zur Teilnahme am Webinar ist eine Anmeldung erforderlich:
Bitte vormerken: Webinar am 09. Juni: Warum sollen wir die Russen hassen? Beginn ist um 18:30 Uhr. Mit Patrik Baab.
Neues auf der Webseite
Im Großen und Ganzen der Geschichte sind es oft die Einzelschicksale, die dann das Herz erreichen. Auf dem russischen Friedhof „Gänsewag“ auf dem früheren Truppenübungsplatz Münsingen, Schwäbische Alp, tragen viele Grabstellen nur eine Nummer. Der Grabstelle 1628 konnten Mitarbeiter der KZ-Gedenkstätte Hailfingen / Tailfingen den Namen Karaped Ossipjan zurückgeben und Momente seiner Geschichte. Eine berührende Recherche mit vielen Beteiligten:
Den Toten den Namen zurückgeben ***Von ihrem Großvater, dem „Zimmermann mit Rückgrat“, Spanienkämpfer, im Widerstand gegen Hitler, Zuchthaus, KZ, Befreiung, Bürgermeister, den Erlebnissen des damals sehr junge Vaters an der Ostfront und ihren eigenen Erfahrungen in der DDR und dem Kontakt mit Russen schreibt Vera Teller:
Russland ist nicht unser Feind Adresse: FRIEDEN! Haus der DemokratieGreifswalder Straße 4 // 10405 BerlinMail-Adresse: 'kontakt@russlandistnichtunserfeind.de'
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Weiteres:
Hauke Ritz
Die Rückkehr der Geopolitik: Eine Ideologie und ihre fatalen Folgen
Zuerst erschienen in: Blätter für deutsche und internationale Politik 3/2013 Seit der Begriff Geopolitik 1899 von dem Schweden Rudolf Kjellén geprägt wurde,1 beinhaltete er eine Denkweise, die versucht, die geografische Lage von Ländern und Kontinenten politisch zu deuten. Aufgrund dieser bereits im Begriff angelegten Überschneidung von Geografie und politischer Vorstellungskraft stellte die Geopolitik allerdings von Anfang an eine eigenartige Mischung aus Wissenschaft und Weltanschauung dar. Zwar kann der konkreten Gestalt und Anordnung der einzelnen Kontinente und Länder tatsächlich eine politische Bedeutung zukommen. Doch sobald sich die Geopolitik auf deren Interpretation einlässt, neigt sie dazu, dieser Logik eine gewisse Ausschließlichkeit zuzusprechen. So tendieren viele geopolitische Analysen dahin, ganze Länder, Kulturkreise, Bevölkerungen und ihre Geschichte unter dem Diktat einer auf Machtausdehnung ausgerichteten Logik zu subsumieren und andere Perspektiven auszublenden. Die geopolitische Denkweise ist somit per se auf Vereinheitlichung ausgerichtet. Sie neigt dazu, das Verschiedene der geografischen, historischen und kulturellen Räume auf ein paar Linien auf einer Landkarte zu reduzieren. Das macht das Befremdliche dieser Logik aus. Die Unabänderlichkeit der Geografie, auf die sich die Geostrategen mit ihren auf Karten eingezeichneten Pfeilen, Kreisen und Linien berufen, verleiht ihren Analysen jedoch den Schein der Objektivität. Sie erzeugen dadurch den Eindruck, die Weltzusammenhänge wären grundsätzlich einschätzbar. Dabei sind die Prämissen der Geopolitik insgesamt ausgesprochen biegsam. Betrachtet man nur die großen geopolitischen Analysen des 20. Jahrhunderts, so wird deutlich, dass es häufig zu einer Art Komplizenschaft zwischen einer bestimmten geopolitischen Analyse und einer politischen Ideologie gekommen ist. So entwickelte Homer Lea in seinem 1912 publizierten Buch The Day of the Saxon2 eine umfassende Rechtfertigung der britischen Kolonialherrschaft, die er als notwendig und unvermeidlich darstellte. Ein weiteres bekanntes Beispiel für diese kaum aufgearbeitete Verkleidung des Zeitgeistes im Gewand der Geopolitik ist das Werk Karl Haushofers, dessen Lehre vom Lebensraum durch seine »Zeitschrift für Geopolitik« erheblichen Einfluss auf die außenpolitischen Zielsetzungen des nationalsozialistischen Deutschlands hatte. Im Übergang vom 20. zum 21. Jahrhundert haben die geopolitischen Analysen Zbigniew Brzezinskis einen gro ßen Einfluss auf die US-amerikanische Politik ausgeübt. Doch auch hier zeigt sich wieder, wie leicht sich geopolitische Argumente mit subjektiven Motiven verbinden und von diesen überlagertwerden können. Brzezinski, der Sohn eines polnischen Diplomaten, blieb sein Leben lang ein Gefangener seiner Familiengeschichte. Nicht umsonst stellte der amerikanische Ökonom James K. Galbraith einst in einem Artikel fest: »Für Brzezinski stellt es eine Art Hobby dar, Russland Schaden zuzufügen.«3
Vieles deutet deshalb darauf hin, dass das Resultat einer geopolitischen Untersuchung weit stärker von der Weltanschauung ihres Autors abhängig ist als von der Geografie. Wer vom machtpolitischen Aufstieg des eigenen Landes träumt, wird schnell die geopolitischen Argumente parat haben, die dieses Ziel als notwendig und alternativlos erscheinen lassen. Die Geografie dient dann oft nachträglich als Versatzstück, um eine weltanschauliche Argumentation im Gewande wissenschaftlicher Objektivität zu präsentieren.
Von Vietnam bis Afghanistan: Die inhärente Schwäche der Geopolitik Diese Eigenart der geopolitischen Logik wäre leicht korrigierbar, wenn sie mit anderen Denkweisen in der öffentlichen Auseinandersetzung konkurrieren müsste. Doch leider besteht ein Merkmal der aktuellen Wiederkehr der Geopolitik darin, dass sie zumindest in der westlichen Öffentlichkeit gerade nicht diskutiertwird, sondern zunächst auf Thinktanks beschränkt bleibt, deren Analysen selten ins Licht der Öffentlichkeit geraten. Das ist kein Zufall: Denn sobald geopolitische Analysen sich dem kritischen Blick der Öffentlichkeit aussetzen müssten, würde die Hybris dieser Disziplin nur allzu deutlich sichtbar werden. Jede öffentliche Debatte über Geopolitik würde früher oder später die oft fiktiven Prämissen dieser Disziplin enthüllen und ihrem politischen Einfluss enge Grenzen setzen. Doch weder gab es in früheren Jahren eine solche Debatte, noch gibt es sie heute. So aber kann die Logik der Geopolitik in ein falsches Sicherheitsgefühl umschlagen. Auf diese Weise werden immer wieder in irgendeinem Thinktank Grand Strategies erdacht, deren Umsetzung dann in der Realität spektakulär scheitert. Es gibt zahlreiche Fälle, die diese inhärente Schwäche der Geopolitik belegen. Ein besonders prominentes Beispiel stellt der Vietnamkrieg dar. Diesem Krieg lag die sogenannte Dominotheorie zugrunde, nach der das Beispiel eines sozialistischen Vietnams alle übrigen Staaten Südasiens wie Dominosteine zum Umfallen, sprich: zum Übertritt ins sozialistische Lager, bewegen würde. Die US-Politik war gänzlich von diesen geografischen Erwägungen bestimmt und übersah deshalb die kulturelle und historische Dimension des Konflikts. So verstanden die amerikanischen Militärexperten nicht, dass die Vietnamesen in erster Linie um die Unabhängigkeit ihres Landes kämpften und der Sozialismus für sie lediglich Mittel zu diesem Zweck darstellte. Weil die USA die Motive ihrer Gegner falsch einschätzten, verloren sie sich immer tiefer in diesem Krieg. Am Ende wurde Vietnam zwar sozialistisch, jedoch ohne dass der von den Geostrategen prognostizierte Effekt eintrat – eine Fehlkalkulation, die 50 000 amerikanische Soldaten und rund 3,5 Millionen Vietnamesen mit ihrem Leben bezahlen mussten. Nicht weniger fragwürdig als die Lehre vom Dominoeffekt ist die auf den Briten Sir Halford Mackinder (1861–1947) zurückgehende Lehre vom Heartland (Herzland), der Klassiker unter den geopolitischen Denkfiguren.4 Fragt man einen Geostrategen, warum die Weltmächte immer wieder in Afghanistan Krieg geführt haben – Großbritannien im 19. und frühen 20. Jahrhundert, die UdSSR von 1979 bis 1989 und die Nato seit 2001 –, so wird er einem wahrscheinlich antworten, dass Afghanistan zu den Ländern gehört, die im »Herzland« lägen. Damit ist die Zentralregion Eurasiens gemeint; besonders die Region zwischen dem Kaukasus und dem tibetanischen Hochland wird als der wichtigste Teil des »Herzlandes« betrachtet. Sie soll deshalb so wichtig sein, weil die Macht, die diese geografische Region beherrscht, sich damit genau zwischen den eurasischen Großmächten China, Indien, Russland und Europa platziert und diese somit militärisch eindämmen sowie ihre Handelsrouten und Energieflüsse besser kontrollieren könnte. Dies wiederum würde es einer solchen Macht ermöglichen, ihren Einfluss vom Zentrum Eurasiens weiter auszudehnen und so allmählich zur wichtigsten Macht der Welt zu werden. Denn Eurasien wird oft als der mit Abstand bedeutendste Kontinent angesehen, da er rund zwei Drittel der Weltbevölkerung, circa zwei Drittel der weltweiten Rohstoffe und auch den größten Teil der globalen Wirtschaftsleistung beherbergt. Hinzu komme noch, dass das »Herzland« die am weitesten vom Meer entfernte Region der Erde ist. Für jede Landmacht, die die herrschende Seemacht USA herausfordern wollte, würde das Herzland somit eine Art natürliche geografische Festung darstellen, von der aus es beginnen könnte, seine Gegenmacht aufzubauen und so auch den Luftstreitkräften der Seemacht den Zutritt ins Innere des Kontinents zu verwehren. So plausibel diese Theorie angesichts der geografischen Lage der Kontinente zunächst klingt, so wenig lässt sich ihre Richtigkeit historisch belegen. Denn in den zurückliegenden 2 500 Jahren gab es immer wieder Phasen, in denen eine der umliegenden Mächte (China, die Mongolei, Persien und Russland) weitreichenden Einfluss im Herzland hatte – wie zuletzt die UdSSR, die bis 1991 einen großen Teil der Region ums Kaspische Meer kontrollierte –, doch nie führte dieser Einfluss, wie von den Geostrategen prognostiziert, zu einer Kontrolle des gesamten eurasischen Kontinents. Dies deutet darauf hin, dass die dem Herzland zugeschriebene Rolle als Machtmultiplikator lediglich ein Mythos ist, eine akademische Kopfgeburt, die, einmal in die Welt gesetzt, ein sonderbares Eigenleben führt, ohne wirklich jemals bewiesen worden zu sein.5 Die fatale Unausweichlichkeit der Geopolitik Eine weitere fatale Besonderheit der Disziplin der Geopolitik besteht darin, dass, sobald ein Land oder Militärbündnis die geopolitische Logik zur Grundlage ihrer Außenpolitik macht, die umliegenden Länder in gewisser Weise gezwungen werden – und sei es nur aus Gründen der Selbstverteidigung –, sich die geopolitische Denkweise ebenfalls zu eigen zu machen. Denn wenn die Geopolitik als bestimmendes Paradigma in die Außenpolitik Einzug hält, so konstituiert sie zugleich auch Realität: Indem ein mächtiger Staat schwächere Staaten zur Berücksichtigung ihrer Logik zwingt, setzt die Geopolitik eine Dynamik in den internationalen Beziehungen in Gang, die zu immer mehr Spannungen und kriegerischen Handlungen führt und am Ende wie die Bestätigung der geopolitischen Prämissen erscheint. Letztlich funktioniert die Theorie wie eine sich selbst erfüllende Prophezeiung: Die Geostrategen fühlen sich durch das Eintreten des Krieges bestätigt und kommen selbst gar nicht auf die Idee, dass ihre eigene Disziplin die Wirklichkeit erst erzeugt haben könnte, die sie wiederum als die Bestätigung ihrer Theorie lesen. Ein Beispiel, das diesen Zusammenhang besonders anschaulich macht, ist das Ende des Kalten Krieges. In der Spätphase dieser Konfrontation gab es zumindest einen ernst gemeinten Versuch, aus dem Zwangscharakter der geopolitischen Logik auszubrechen. Das atemberaubende Wettrüsten der 80er-Jahre hatte auf beiden Seiten des Eisernen Vorhangs Überlegungen in Gang gesetzt, wie sich die Kriegsgefahr wieder eindämmen ließe. Dabei waren verschiedene Sicherheitsexperten auf den Gedanken verfallen, dass es darauf ankäme, Sicherheit so umzudefinieren, dass diese nicht mehr gegen einen Konkurrenten, sondern mit diesem zusammen hergestellt würde. Die Konzeption der »gemeinsamen Sicherheit« setzte jedoch voraus, dass keine der beiden Seiten ernsthaft mit einem Angriff zu rechnen hätte. Diese Voraussetzung konnte nur erfüllt werden, wenn es gelänge, das Militär auf beiden Seiten so umzuorganisieren, dass es zwar stark in der Verteidigung, jedoch schwach in der Offensive wäre. Ein Abbau der offensiven Fähigkeiten der einen Seite hätte das Sicherheitsgefühl der anderen Seite erhöht und dieser so erlaubt, ebenfalls seine Offensivkraft zu reduzieren. Durch diese Form der vertrauensbildenden Verteidigung hätten sich am Ende zwei in der Defensive starke, jedoch in der Offensive schwache Armeen gegenüber gestanden. Ein realer Krieg wäre unter diesen Bedingungen kaum noch denkbar gewesen. Innerhalb der westlichen Öffentlichkeit wurden diese Vorschläge von dem Friedensforscher Horst Afheldt, Oberstleutnant Norbert Hannig sowie von Studiengruppe »Alternative Sicherheitspolitik«, die der Politikwissenschaftler Lutz Unterseher gegründet hatte, vertreten.6 Leider konnten sie sich im westlichen Bündnis nicht durchsetzen. Umso bemerkenswerter ist es, dass diese Ideen schließlich 1989 von Michael Gorbatschow aufgegriffen und in den Staaten des Warschauer Vertrages umgesetzt wurden: Der auf eine Offensive mit konventionellen Streitkräften ausgelegte Militärapparat der Sowjetunion wurde bis zum schließlich eintretenden Zerfall der UdSSR auf eine defensive Struktur umgerüstet.7 Dabei ergriff Gorbatschow die Initiative, ohne einen langen Verhandlungsprozess mit den USA abzuwarten. Gorbatschow und das Versagen des Westens Gorbatschows Skepsis gegenüber der klassischen Geopolitik drückte sich noch in anderen Aspekten seiner Politik aus, wie beispielsweise dem Rückzug aus Osteuropa und die an wenige Bedingungen geknüpfte Wiedervereinigung Deutschlands. Beide Handlungen ergaben aus geopolitischer Perspektive kaum Sinn. Denn deren Lehrsätze sehen so etwas wie eine »freiwillige Aufgabe von Macht« gar nicht vor. Gorbatschow dagegen sah sie als vertrauensbildende Maßnahmen an und wollte auf der Grundlage des so hergestellten Vertrauens die außenpolitische Vision eines gemeinsamen Hauses Europas begründen. Es ging ihm letztlich darum, nicht nur den Kalten Krieg, sondern auch die Spuren des Zweiten Weltkrieges endgültig zu überwinden. Heute wird Gorbatschow diese Form der Politik als Dummheit, Naivität und von manchen sogar als Verrat ausgelegt. Gemessen an den Resultaten trifft dies wohl auch zu. Durch sein einseitiges Zugehen auf den Westen gab er die Verhandlungsmacht auf, die doch die Voraussetzung für einen stabilen Friedensschluss gewesen wäre. Gorbatschow hatte aus heutiger Perspektive höchst naive Vorstellungen von der Natur und der inneren Logik des westlichen Weltsystems. Er nahm das westliche Versprechen von Demokratie und Volkssouveränität für bare Münze und überschätzte so die Friedensfähigkeit der westlichen Gesellschaften. Jedoch stand er damit nicht alleine. Viele sowjetische Bürger der 80er-Jahre hatten nach drei Generationen Sozialismus und Jahrzehnten der Isolierung vom Westen schlicht und ergreifend vergessen, was eine kapitalistische Gesellschaftsordnung im Alltag wirklich bedeutet. Sie sahen nur die Früchte der kapitalistischen Wirtschaftsweise und taten ihre Schattenseite unbekümmert als sozialistische Propaganda ab. Entsprechend leichtfertig war man bereit, den Versprechen westlicher Medien zu glauben. Dass sich hinter der Fassade oberflächlicher Freiheit und Individualität auch im Westen eine straffe Hierarchie verbarg, nahm man so nicht wahr. Stattdessen glaubte man, es wäre möglich, die Vorteile des Kapitalismus und des Sozialismus miteinander zu verbinden, ein fataler Irrtum, wie sich später herausstellte. Gorbatschow war in gewisser Weise die Verkörperung dieser kollektiven Fehleinschätzung. Dennoch, trotz dieses Irrtums, der für die Völker der Sowjetunion fatale Folgen gehabt hat, stellte die Politik Gorbatschows den ersten Versuch in der jüngeren Geschichte dar, aus der Zwangslogik der Geopolitik auszubrechen. Sein Versuch, eine dauerhafte Friedensordnung zu schaffen, scheiterte nicht ausschließlich an seiner eigenen Naivität, sondern auch daran, dass er im Westen keinen Partner fand, für den die Errichtung einer dauerhaften Friedensordnung ebenfalls ein wirkliches Anliegen gewesen wäre. Seine Friedensinitiative wurde von der westlichen Politik nicht als Chance, sondern – ganz im Sinne der geopolitischen Logik – als Schwäche gedeutet. Damit war ein für das 20. Jahrhundert einmaliger und für das 21. Jahrhundert potenziell wegweisender Versuch fehlgeschlagen. Obwohl nach dem Zerfall der Sowjetunion auch Boris Jelzin Gorbatschows Angebot an den Westen über viele Jahre hinweg aufrechterhielt, machte sich die NATO alsbald daran, ihren Einflussbereich auszudehnen. Gegen Ende der 90er-Jahre und insbesondere nach dem 11. September 2001 nahm diese Ausdehnung zusehends die Gestalt einer militärischen Einkreisung an. Russland wurde an seiner Südgrenze mit amerikanischen Militärbasen umstellt. Gleichzeitig schritten die Planungen für einen Raketenschild an der West-, Ost- und Nordgrenze des Riesenlandes immer weiter voran. Zusammen mit der sich gleichzeitig immer weiter entwickelnden Bewaffnung des erdnahen Weltraums sollte das nukleare Patt des Kalten Krieges endgültig zugunsten der USA aufgelöst werden. Die Vereinigten Staaten versuchten ihre eigene Sicherheit durch offensive Rüstung zu maximieren und nahmen dabei den Sicherheitsverlust Russlands billigend in Kauf. Die in den 80er-Jahren diskutierte Idee einer »gemeinsamen Sicherheit« war damit ganz und gar aus der geopolitischen Diskussion verschwunden. Russlands schnelle militärische Reaktion während der vom georgischen Präsidenten Saakaschwili ausgelösten Georgienkrise 2008 erwies sich im Rückblick als ein Signal an den Westen dahingehend, um diesen mit der Instabilität der von ihm selbst gestalteten neuen expansionistischen Weltordnung zu konfrontieren. Tatsächlich kam die NATO-Expansion vorerst zum Erliegen, während jedoch gleichzeitig die Entwicklung des Raketenschildes und der Weltraumbewaffnung weiter vorangetrieben wurden. Parallel dazu begannen die USA einen beispiellosen Informationskrieg gegen die Russische Föderation zu führen. Leider erhielten im so entstandenen Klima auch in Russland geopolitisch interessierte Kreise wieder Auftrieb. Der bloß behauptete Realismus Dieses historische Beispiel zeigt zum einen die Unausweichlichkeit der Geopolitik, sobald eine Seite sie verfolgt. Das Festhalten des Westens an der geopolitischen Logik ließ auch Russland zu dieser Denkweise zurückkehren – eine Kursänderung, die von westlichen Medien seither lauthals angeprangert wird. Zum anderen zeigt es aber auch, dass ein Argument, das von geopolitischen Strategen immer wieder gern geltend gemacht wird, angezweifelt werden kann – nämlich das ihres besonderen Realismus. Geostrategen argumentieren oft, sowohl gegenüber Pazifisten als auch gegenüber Vertretern einer alternativen Sicherheitspolitik, dass die Abschaffung der geopolitischen Logik nicht möglich sei. Die Geopolitik, so ihr Argument, beschreibe Realitäten, mit denen sie sich nun einmal auseinandersetzen müssten. Dass aus diesen Realitäten oft Kriege hervorgehen, sei bedauernswert, aber leider nicht immer zu vermeiden. Sowohl der Pazifismus als auch der Verzicht auf eine offensive Militärstrategie seien dagegen eine Form von Utopie, die mit der Realität letztlich nichts zu tun habe. Doch wie real sind die vermeintlichen Realitäten der Geopolitik wirklich? Gab es nach dem Ende des Kalten Krieges wirklich eine unabänderliche Realität, die uns zwang, einen Raketenschild zu errichten? Die uns zwang, die NATO nach Osten auszudehnen, und die dazu nötigte, Russland militärisch einzukreisen? Letztlich hat diese Politik in erster Linie dazu geführt, dass Russland sich vom Westen wieder distanzierte. Heute bildet das Land zusammen mit China und Iran eine zwar lockere, aber doch wirksame Allianz gegen den Westen. Die Politik des Westens war somit kontraproduktiv. Welche Seite war hier also in einer Fiktion gefangen. die Anhänger der Geopolitik oder ihre Kritiker? Geopolitik wird klassischerweise an Militärakademien gelehrt und unterrichtet. Doch indem die dortigen Studenten etwa den Unterschied zwischen Land- und Seemacht studieren und erfahren, dass einzelnen Ländern bei der Kontrolle des geografischen Raums eine katalytische Funktion zukommt, werden sie blind für andere Faktoren, die die Geschichte gleichfalls beeinflussen – speziell für die Kultur und Historie eines Landes. Hätten etwa jene US-amerikanischen und britischen Geostrategen, die 1953 einen Putsch gegen den iranischen Präsidenten Mohammad Mossadegh organisierten, über diese Faktoren nachgedacht, so wäre ihnen aufgefallen, dass der Iran neben China die vielleicht älteste Tradition von Staatlichkeit besitzt. Der Iran hat 2 500 Jahre vollkommen selbstständig und außerhalb der westlichen Kultursphäre existiert. Er hat dabei seine eigene Antike, sein eigenes Mittelalter, seine eigenen Renaissancen hervorgebracht. Der Iran besaß eine vollkommen eigenständige Philosophie, Literatur- und Kunstgeschichte und verfügte über eigenständige politische Tradition. Seine seit mehr als 2 500 Jahren tradierte Geschichte stiftete Nationalbewusstsein und schärfte das Urteilsvermögen seiner Eliten bei der Beurteilung weltpolitischer Zusammenhänge. All das berücksichtigten die Sicherheitsexperten jedoch nicht, als sie 1953 die »Operation Ajax« planten. Stattdessen waren sie von partikularen Interessen bestimmt. Die Briten wollten den durch demokratische Wahlen an die Macht gelangten iranischen Präsidenten stürzen, um die von ihm durchgeführte Verstaatlichung der Ölquellen zulasten von British Petroleum (BP) wieder rückgängig zu machen. Die USA wiederum wollten Mossadegh von der Macht entfernen, weil sie fürchteten, dass ein demokratischer Iran sich irgendwann in der Zukunft Moskau annähern könnte. Die Lehre vom »Herzland« gebot es, Moskau daran zu hindern, über Teheran einen eigenen Zugang zum Indischen Ozean zu erlangen. Der Putsch wurde durchgeführt und der Schah installiert. Dass nun die Loyalität des Irans nicht länger von Wahlergebnissen abhängig war, wurde in Washington und London als Erfolg gewertet. Mit anderen Worten: Die Sicherheitsexperten Großbritanniens und der USA behandelten Iran so wie später auch Panama, Honduras oder Guatemala. Ihnen kam nicht einmal in den Sinn, dass es langfristig fatale Folgen haben könnte, wenn man in einem Land wie dem Iran einen Putsch nach dem Muster einer Bananenrepublik durchführt. Wie Stephen Kinzer in seinem Buch Im Dienste des Schah8 überzeugend dargelegt hat, ist der Putsch von 1953 die eigentliche Ursache des auch noch heute andauernden Konflikts zwischen dem Iran und den USA. Bis heute rächt es sich bitter, dass die damaligen Sicherheitsexperten zwar viel über die Bedeutung von Meeresengen, Landbrücken und ökonomische Interessen wussten, aber so gut wie nichts über die iranische Geschichte und Kultur. Indem Geostrategen die Geografie für eine feststehende Größe halten, unterschätzen sie die Interpretierbarkeit von Landkarten. Auf diese Weise sind sie blind für partikulare Interessen, die unbemerkt in die Deutung von Karten eingehen und sie verzerren. Oft dient die geopolitische Analyse als ein Schleier, hinter dem sich ganz andere Interessen verbergen, etwa das Bedürfnis nach nationaler Überlegenheit oder Identität, der Wunsch nach Abgrenzung oder Freund-Feind-Unterscheidungen bis hin zum Rassismus. Durch die vielfältigen Deutungsmöglichkeiten der Geografie kann die Geopolitik von den verschiedensten Ideologien instrumentalisiert werden. Erschwerend kommt noch hinzu, dass in geopolitischen Analysen eines regelmäßig zu kurz kommt – nämlich das Nachdenken über die Grundlagen der menschlichen Zivilisation. Geopolitik beschreibt die inhärente Logik von Machtzusammenhängen. Eine Grundannahme der Geopolitik, ja vielleicht deren grundlegendste, ist, dass die Ausdehnung von Macht wünschenswert sei. Doch die Macht des einen ist die Ohnmacht des anderen. Das, was unter dem Gesichtspunkt der Zivilisation etwas Positives wäre, nämlich eine möglichst machtfreie Beziehung zwischen Staaten und Kulturen, stellt sich in der Geopolitik als etwas Negatives dar. Sobald ein Geostratege die Wahl zwischen einer geopolitischen Ausgleichssituation und einer Machtexpansion hat, wird er sich gemäß den Prämissen seines Fachs für die Machtexpansion entscheiden. Ausgleich sieht die Geopolitik nur dort vor, wo eine zwischenzeitliche Pattsituation diesen erzwingt. Kippt die Machtbalance nach einiger Zeit zu der einen oder anderen Seite, folgt daraus aus geopolitischer Perspektive grundsätzlich der Impetus zur Machtexpansion. Die freiwillige Aufrechterhaltung eines Gleichgewichts zwischen Staaten, auch wenn sich ein Machtgefälle herausgebildet hat, macht aus Perspektive der Geopolitik schlicht und ergreifend keinen Sinn. Falsch verstandener »Realismus« versus revolutionäre Werte Welche weitreichenden Implikationen diese Logik beinhaltet, zeigt eine Aussage des berühmten Geostrategen George F. Kennan, der auch als einer der Architekten des Kalten Krieges gilt. In einem von ihm nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges und in der Frühphase des Kalten Krieges 1948 verfassten Strategiepapier heißt es: »Wir müssen sehr vorsichtig sein, von unserer ›Führungsrolle‹ in Asien zu sprechen. Wir betrügen uns und andere, wenn wir vorgeben, eine Lösung für jene Probleme zu besitzen, die die meisten dieser asiatischen Menschen bewegen. Wir besitzen etwa 50 Prozent des Reichtums dieser Welt, stellen aber nur 6,3 Prozent ihrer Bevölkerung. Dieser Unterschied ist im Verhältnis zwischen uns und den Völkern Asiens besonders groß. In einer solchen Situation kommen wir nicht umhin, Neid und Missgunst auf uns zu lenken. Unsere eigentliche Aufgabe in der nächsten Zeit besteht darin, eine Form von Beziehungen zu finden, die es uns erlaubt, diese Wohlstandsunterschiede ohne ernsthafte Abstriche an unserer nationalen Sicherheit beizubehalten. Um das zu erreichen, werden wir auf alle Sentimentalitäten und Tagträumereien verzichten müssen; und wir werden unsere Aufmerksamkeit überall auf unsere ureigensten, nationalen Vorhaben konzentrieren müssen. Wir dürfen uns nicht vormachen, dass wir uns heute den Luxus von Altruismus und Weltbeglückung leisten könnten. […] Wir sollten aufhören von vagen – und für den Fernen Osten – unrealistischen Zielen wie Menschenrechten, Anhebung von Lebensstandards und Demokratisierung zu reden. Der Tag ist nicht mehr fern, an dem unser Handeln von nüchternem Machtdenken geleitet sein muss. Je weniger wir dann von idealistischen Parolen behindert werden, desto besser.«9 Kennan hat in dieser Textpassage eine Grundprämisse der Geopolitik offenbart. Seine Aussage macht deutlich, dass es sich um eine Disziplin handelt, die grundsätzlich nicht die Gattungsfrage stellt, also nicht danach fragt, worauf die Menschheit insgesamt hoffen darf. Die Einsichten dieser Disziplin zielen lediglich darauf ab, den Reichtum und die Macht des einen Landes zu Lasten des anderen zu sichern. Es handelt sich um eine Pseudo-Wissenschaft, die Methoden und Techniken bereitstellt, um schwächere Länder und Kulturen abhängig zu halten und sie eventuell sogar gezielt zu verarmen. Die politischen Werte der europäischen Staaten sind dagegen aus Revolutionen hervorgegangen. Sie orientierten sich an den Idealen der Aufklärung und waren auf die Befreiung nicht nur einzelner Nationen, sondern auf die der Menschheit insgesamt gerichtet. Insofern die westliche Außenpolitik heute in weiten Teilen von der geopolitischen Denkweise bestimmt wird und ihren Prämissen unreflektiert folgt, dementiert sie ihre eigenen politischen Traditionen und gerät in einen schwer auszuhaltenden Widerspruch zu sich selbst. Der Zwangs- und Gewaltcharakter der geopolitischen Denkweise Damit der Zwangs- und Gewaltcharakter der geopolitischen Denkweise durchbrochen werden könnte, bedürfte es deshalb eines weit kritischeren Bewusstseins für die Prämissen der westlichen Außenpolitik. Ansätze hierfür sind immerhin bereits erkennbar. Speziell im Internet ist in den letzten Jahren eine zunehmend kritische Gegenöffentlichkeit entstanden, die sich die geopolitische Denkweise angeeignet hat, deren Grundannahmen allerdings – im Unterschied zu den Regierungen – kritisch diskutiert. Dabei zeigt sich, dass die meisten geopolitischen Konzepte kaum mehrheitsfähig sind, sobald die Öffentlichkeit Kenntnis von ihnen gewonnen hat. So hat die Entstehung einer außenpolitischen Gegenöffentlichkeit im Internet die Wirkungskraft medialer Angstkampagnen zur Durchsetzung von Kriegen bereits stark herabgesetzt. Bisher findet dieser Prozess der Selbstaufklärung jedoch nur in einem kleinen Teil der westlichen Bevölkerung statt. Die meisten Menschen interessieren sich hauptsächlich für Zusammenhänge, die ihr direktes Lebensumfeld betreffen. Die machtpolitischen Auseinandersetzungen im Nahen Osten und in Zentralasien sind viel zu weit weg und zu abstrakt, um von der Mehrheit als Politikum aufgefasst zu werden. Dennoch fühlt die Mehrzahl, dass etwas mit der von westlichen Medien propagierten Weltsicht nicht stimmt. Alternative Erklärungsansätze stoßen auf immer mehr Offenheit und Neugier. Der Wandel muss am Ende aus der Gesellschaft selbst kommen, da die Institutionen strukturell nicht in der Lage sind, ihren Kurs zu ändern. Sollte die westliche Außenpolitik weiterhin undemokratisch von in Thinktanks beschäftigten Geostrategen entworfen werden, werden sich die bisherigen Trends fortsetzen. Wahrscheinlich würde es dann zu weiteren Kriegen im Nahen Osten kommen, die, wie schon in der Vergangenheit, weitere Wellen antiwestlicher Ressentiments auslösen würden. Auch das Verhältnis zu Russland und China könnte sich infolgedessen weiter verschlechtern und schließlich in einen neuen Kalten Krieg einmünden. Im Zuge einer solchen Entwicklung könnten schließlich immer mehr Länder und Kulturen ihre Identität in Abgrenzung zum Westen definieren. Am Ende dieser Entwicklung könnte eine Welt stehen, in der die westlichen Staaten massive Konflikte mit großen Teilen der südlichen und östlichen Hemisphäre unterhalten. Spätestens dann träte das Desaster der westlichen Außenpolitik offen zu Tage und könnte auch von Spin-Doktoren nicht länger geschönt werden. Damit es nicht so weit kommt und der gegenwärtige Übergang von der unipolaren, westlich dominierten zur multipolaren Welt nicht derart verheerend verläuft, muss unsere Gesellschaft endlich den fatalen Einfluss der Geopolitik auf die Außenpolitik thematisieren. Die Rolle sogenannter Sicherheitsexperten in den zuständigen Gremien muss genauso kritisch diskutiert werden wie die Widersprüche der Geopolitik selbst. An die Stelle der zirkulären geopolitischen Rationalität sollten stattdessen philosophische und geisteswissenschaftliche Ansätze treten. Statt um die Deutung von Landkarten ginge es vielmehr darum, unsere eigene Geschichte zu befragen und die geistige Tradition Europas für das tiefere Verständnis unserer Gegenwart und Zukunft heranzuziehen. Sollte ein derartiger Prozess der Selbstaufklärung über die Grundlagen westlicher Außenpolitik tatsächlich in Gang kommen, würde Europa vielleicht vorübergehend an Macht verlieren. Doch auf kultureller und zivilisatorischer Ebene könnte es langfristig nur gewinnen.
unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine sowie in Israel, Palästina und sonstwo, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.
15.05.2026
General Breuer und der Krieg gegen Russland
freedert.online, 15 Mai 2026 21:02 Uhr
Der Generalinspekteur, das ist der oberste Militär in Deutschland. Über ihm steht nur noch der Verteidigungsminister. Derzeit heißt dieser oberste Soldat Carsten Breuer, ein Heeresgeneral. Der nun auch mal wieder seinen Senf dazugegeben hat zur "Kriegstüchtigkeit" gegen Russland.
2029 müsse man "fertig" sein, das meinte auch Carsten Breuer, Generalinspekteur der Bundeswehr, auf dem Katholikentag in Würzburg.
"2029, das heißt nicht für mich, dass dort ein Angriff stattfinden wird, aber wir können sehr klar durch unsere Analysten, sowohl national als auch international, können wir ablesen, dass Russland sich darauf vorbereitet, einen groß angelegten, einen großmaßstäblichen Krieg gegen den Westen führen zu können. Ich sage nicht, dass sie es tun werden, aber sie können es."
Gegen diesen Teil der Aussage kann man noch nicht einmal etwas einwenden. Wer auch immer die öffentlichen Äußerungen westeuropäischer Politiker in den letzten Jahren beobachtet hat, wer Freundlichkeiten wie Veranstaltungen des Europarats über die Aufspaltung Russlands mitbekommen hat, wer das ganze Gerede von "kriegstüchtig" über "fight tonight" bis zu Roderich Kiesewetters Fantasien einer russischen Kapitulation wahrgenommen hat, würde, sofern er in der russischen Politik Verantwortung trägt, daraus die Konsequenz ziehen, dass aus dem Westen wieder einmal Gefahr droht. Nicht zu vergessen, dass diese Gefahr sich längst manifestiert hat, in Gestalt des Maidanputsches 2014 und all der Folgen; westliche Bewaffnung, westliche Aufklärung, westliche Zielkoordinaten, westliche Angriffsplanung und, auch solche Aussagen gibt es zuletzt, zunehmend weniger Ukrainer an der Front, dafür mehr westliche Söldner (wobei Kolumbianer eine der größten Gruppen sind) – das ist bereits, und das haben auch reihenweise russische Politiker bestätigt, längst ein Krieg nicht der Ukraine, sondern des Westens gegen Russland.
Aber darum geht es Breuer ja nicht. Er erklärt, wenn man die Entwicklung betrachte, wirtschaftlich, militärisch, politisch, dann könne eben Russland ab 2029 einen Krieg gegen den Westen führen.
Nur mal so zur Erinnerung: Die Sowjetunion hätte das auch gekonnt, in der ganzen Zeit des Kalten Krieges. Und hat sie ihn deshalb geführt? Nein, hat sie nicht. Im Gegenteil, sie hat sich bemüht, eine derartige Eskalation zu verhindern.
Breuer nennt in seinen Ausführungen sogar einen Namen, der ihm dabei weiterhelfen könnte. Clausewitz. Nur scheint er ihn nie gelesen zu haben, sondern eher beim altrömischen Spruch "si vis pacem, para bellum" (wenn du den Frieden willst, bereite den Krieg vor) hängen geblieben zu sein – der natürlich, wenn man sich ansieht, was das Römische Reich so getrieben hat, ohnehin zumindest in der ersten Hälfte gelogen ist. Die Pax Romana war immer nur das Ergebnis von Eroberung und Unterwerfung.
Clausewitz ist für einige sehr bekannte Sätze verantwortlich. Etwa für diesen: "Der Krieg ist die Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln." Und noch für einen weiteren, der hier in Russland ziemlich häufig zitiert wird: "Der Krieg ist also ein Akt der Gewalt, um den Gegner zur Erfüllung unseres Willens zu zwingen."
Diese beiden Sätze können in ganz verschiedene Richtungen führen. Beispielsweise auch zu der Frage, welche Art der Politik nicht mit anderen Mitteln fortgesetzt werden müsste. Und auch, zur Erfüllung welchen Willens gezwungen werden soll.
Wenn man sich auf die Suche macht, was die deutsche Politik oder die EU Russland als Willen aufzwingen wollen, landet man unweigerlich wieder bei Kiesewetter und den Aufteilungsplänen, die auch unter "Dekolonisierung Russlands" laufen. Pläne übrigens, bei denen man auf das kleingedruckte Copyright achten muss. Da steht nämlich Alfred Rosenberg. Das war der Chefideologe der Nazis (noch so ein unangenehmer Balte) und später der Reichsminister für die besetzten Ostgebiete. Von seinem Schreibtisch stammen die Karten, die heute noch in Westeuropa zirkulieren, und er hat dafür gesorgt, dass aus vielen dieser vermeintlich kolonisierten Völker Nazihilfstruppen gebildet wurden. Nicht nur aus den weidlich bekannten Ukrainern und Balten; das ging bis tief in den Kaukasus.
Genau diese Frage, welcher Wille da aufgezwungen werden soll, stellt man sich selbstverständlich, in guter Clausewitz'scher Tradition, auch in Russland. Und zieht daraus, fast unvermeidlich, den Schluss, dass man sich vor dieser Gefahr schützen muss. Was zuerst mit dem Vorschlag einer europäischen Sicherheitsarchitektur versucht wurde, auf der politischen, diplomatischen Ebene. Wovon aber dieses Westeuropa nichts wissen wollte.
Die normale Reaktion eines an Clausewitz geschulten Geistes angesichts der von Breuer erwähnten Beobachtungen wäre jetzt, zu überlegen, wie man auf dem Feld der Politik bleiben könnte, statt das Feld des Krieges zu betreten. Das wäre im Grunde auch – wir wechseln wieder zur Perspektive der anderen Seite – das Einzige, was den aktuell anzunehmenden Willen entkräften könnte, also davon überzeugen, dass nicht die Absicht besteht, Russland als staatliche Einheit zu vernichten.
"Noch mal, 2029 ist eine Möglichkeit, aber als Soldat, als Militär müssen wir sagen, muss ich sagen, ich mache ein Worst-Case-Denken, ich mache ein Worst-Case-Szenario, und ich gucke darauf und sage, 2029 müssen wir fertig sein, müssen wir fertig sein mit dem, was General Simon gerade eben als Abschreckung beschrieben hat, müssen wir fertig sein, dass Russland eben nicht auf die Idee kommt."
Wir übergehen mal, dass das, was jetzt solche wie Breuer so erschreckt, nämlich die Tatsache, dass die russische Armee, anders als noch 2022, inzwischen völlig auf dem aktuellen Stand militärischer Technik ist und zu großen Teilen Kampferfahrung besitzt und dass auch die industrielle Produktion an die Erfordernisse angepasst wurde, das Ergebnis des westlichen Handelns ist. Ein Ergebnis, das es ohne die Zündelei in der Ukraine gar nicht gäbe. Oder wenn man die Minsker Vereinbarungen umgesetzt hätte. Eine Armee im Frieden und eine Armee im Krieg, das sind zwei Paar Stiefel.
Insofern hat das schon was von einer selbsterfüllenden Prophezeiung. Oder erinnert an den Orakelspruch, der in Delphi einst für den lydischen König Krösus erging: "Wenn du den Halys überschreitest, wirst du ein großes Reich zerstören". Krösus bezog das "große Reich" auf das der Perser; aber es war sein eigenes, das er dadurch zerstörte.
Aber zurück zum Clausewitz'schen Willen: Wie soll er denn aussehen, der Wille, den Russland Westeuropa oder gar Deutschland aufzwingen wollen soll? Das, was die westlichen Kriegsziele wären, ist erkennbar, samt ihres Ursprungs, aber wie sähen denn die russischen aus? Welche Politik sollte da mit anderen Mitteln fortgesetzt werden?
Das ist eine Frage, die sich auch Breuer als oberster deutscher Militär stellen sollte. Seine Aufgabe wäre nämlich eigentlich auch, die politische Ebene gelegentlich darauf hinzuweisen, wenn sie unsinnige Dinge tut. Oder eben im Bedarfsfall zu erläutern, wie das Verhältnis zwischen Politik und Krieg nun einmal aussieht, was auch bedeuten würde, von der Politik einzufordern, ihren Teil zu tun.
Unübersehbar gibt es aber keinerlei Diplomatie mehr, nicht innerhalb der EU. Die müsste ohnehin, nach einer Reihe grober Betrugsmanöver (Steinmeier in Kiew 2014, Merkel und Hollande mit den Minsker Vereinbarungen und zu guter Letzt die Sabotage der Verhandlungen in Istanbul im April 2022), ganz von unten anfangen, um wieder Vertrauen zu schaffen.
Das in Russland aus gutem Grund eben nicht mehr gegeben ist. Stattdessen wird ein Wahn kultiviert, der nach innen so zerstörerisch ist wie nach außen – denn was will Breuer da eigentlich verteidigen, wenn von Jahr zu Jahr das Land weiter ruiniert wird, auch, um die Rüstungskonzerne zu mästen? Sicher, jeder kann bestätigen, was in Deutschland seit Jahren am besten funktioniert, ist eine Politik der Zerstörung, insofern wäre ein Krieg nur die Anwendung dieser inneren Politik nach außen; und natürlich hatte Clausewitz rationale Akteure im Sinn, keinen Kiesewetter und auch keine Kallas.
Breuer jedenfalls sollte vielleicht doch mal einen kleinen Ausflug zur Gedenkstätte im Bendlerblock machen. Vielleicht fällt ihm dann ein, dass es nicht darum geht, den Weg ins Verhängnis besonders gehorsam zu beschreiten. Und dass Deutschland von willfährigen Generälen, die wahnwitzige politische Pläne umsetzen, bereits mehr als genug hatte. Nicht erst 2029, sondern schon 1939.
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Die Russen, das sind die Anderen. Sie denken angeblich anders als wir, fühlen anders – und für manchen sind Russen nicht mal Europäer. Auch wenn sie so aussehen, dürften wir uns nicht täuschen lassen. Woher kommt diese Russenfeindlichkeit?
Roberto De Lapuente fragte den Philosophen Hauke Ritz, wo die Russophobie ihre Wurzeln hat.
De Lapuente: Spätestens mit dem 24. Februar 2022 stellte sich etwas in der bundesdeutschen Öffentlichkeit ein, was vorher überwunden schien: Die Russophobie. Ich denke an Politologin Florence Gaub, die bei Lanz in der Sendung sagte, dass Russen zwar europäisch aussehen, aber keine seien. Außerdem würden sie mit dem Tod von Menschen anders umgehen als wir. Hat Sie die Russophobie, die fast über Nacht salonfähig wurde und für die man sich auch nicht mehr schämte, denn überrascht?
Ritz: Überrascht wurde ich von der Russophobie nicht wirklich. Sie war für mich präsent seit dem Jahr 2007. Bereits damals erschienen in den Zeitungen reihenweise Artikel, die sich von den heutigen nicht grundlegend unterscheiden. Schon damals wurde Russland als vermeintlich »ewige Diktatur«, »stalinistisches Regime« oder gelegentlich sogar als »Nachfolger des Dritten Reiches« porträtiert. In unserem Buch »Endspiel Europa« haben Ulrike Guérot und ich einige Überschriften aus der damaligen Zeit zusammengetragen. Anhand ihrer wird sichtbar, dass der Krieg in der Presse bereits vor 17 Jahren begonnen hatte. Bereits im Jahr 2007 hatte ich eine längere Analyse mit dem Titel »Die Welt als Schachbrett« verfasst, die dann im Sommer 2008 in gekürzten Form in den Blättern für deutsche und internationale Politik und in einer Langfassung im Hintergrund Magazin veröffentlicht wurde. Darin verknüpfte ich damals immer stärker werdende Russland-Bashing mit der geographischen Sichtweise, die Zbigniew Brzezinski bereits 1997 in seinem Buch »Die einzige Weltmacht« enthüllt hatte. Beides kontrastierte ich dann wiederum mit der im gleichen Jahr gehaltenen Rede Putins auf der Münchner Sicherheitskonferenz und dem schärfer werdenden Streit um das Raketenschild, durch den die USA einen nuklearen Erstschlag gegen Russland herstellen wollten.
»Russland trat immer wieder als die ausgleichende Macht auf«
De Lapuente: Und was war Ihre Erkenntnis?
Ritz: Ich schloss damals daraus, dass die USA sich auf einen Krieg mit Russland vorbereiteten und Deutschland und Europa in diesen Krieg einfach mit hineingezogen werden würden, sofern sie kein grundlegend anders Selbstverständnis entwickelten. Im Falle Deutschlands – so glaubte ich – wäre ein solches »Sich-hineinziehen-lassen« auch mit einer Erneuerung der deutschen Schuld gegenüber Russland verbunden. Diese Einsicht war für mich sehr einschneidend. Ich habe danach einfach kein Thema mehr gefunden, das wichtiger hätte sein können als dieses. Meine Pläne im Grenzbereich zwischen Geschichtsphilosophie, Poetik und Religionswissenschaft eine akademische Karriere anzustreben, wirkten angesichts der geschichtlichen Entwicklung wie eine Flucht vor der Realität. Ich konnte nicht anders als den sich zwischen dem sogenannten »Westen« und Russland anbahnende geopolitische Katastrophe zu erforschen und – wenn möglich – meinen Teil dazu beitragen, sie zu verhindern. Es war allerdings klar, dass ein solches Nachdenken über die tieferen Gründe der Feindschaft gegenüber Russland nicht an Universitäten möglich sein würde, die im Zuge der Bologna-Reformen auf die akademische Kultur der USA ausgerichtet worden waren. Und so wählte ich nach dem Abschluss meiner Doktorarbeit die Selbstständigkeit, begann Russisch zu lernen und das Land zu bereisen. Ich wollte dieses Russland, das die USA und ein Teil der deutschen Journalisten bereits 2007, also zu Beginn der Merkel-Ära, zum Feind erklärt hatten, aus eigener Erfahrung kennenlernen. Nein, wirklich überrascht war ich von der Russophobie nicht, die sich nach dem 24. Februar 2022 lediglich noch einmal radikalisierte.
De Lapuente: Nun gut, Sie sagen, dass es diese Russlandfeindlichkeit schon vorher gab – das stimmt natürlich. Aber in den Schröder-Jahren nahm sie erkennbar ab. Wie dem auch sei: Woher kommt diese Feindlichkeit? Speist sie sich aus der traditionellen Russophobie, die es in Europa schon viele jahrhundertelang gab?
Ritz: Dies ist eine sehr fundamentale Frage, die zugleich die Ausgangsfrage meines gerade veröffentlichten Buches »Vom Niedergang des Westens zur Neuerfindung Europas« ist. Ich kann hier nur anreißen, was ich in dem Buch auf über 260 Seiten analysiere. Russland ist in kultureller Hinsicht zweifelsohne ein Bestandteil Europas. Es ist wie Europa vom Christentum und der Aufklärung geprägt und bezieht sich wie Europa auf das antike Erbe. Gleichwohl existiert die europäische Kultur in Russland in einer leichten Brechung. Sie bezieht sich auf Byzanz und nicht auf Rom. Sie wurde von der Orthodoxie und nicht der katholischen oder protestantischen Kirche geprägt. Und schließlich durchlebt Russland die Moderne nicht in der Form des Liberalismus, sondern in Gestalt des Sozialismus. Die europäische Kultur tritt uns in Russland somit in eine leichten Brechung entgegen. Auch von russischer Seite wird diese Brechung wahrgenommen und hat zum ewigen Streit zwischen Westlern und Slawophilen geführt. Russland hat sich zwar in seiner gesamten Geschichte mit Europa identifizierte, sich selbst immer wieder als europäisch definiert und wahrgenommen, sich dabei jedoch vorzugsweise auf die Opposition in Europa bezogen. In der Frühen Neuzeit war dies z.B. die Kritik an der Katholischen Kirche, an die Russland als orthodoxes Land leicht anknüpfen konnte. Im 20. Jahrhundert war dies die aus der Arbeiterbewegung hervorgegangenen politischen Strömungen, die für die Sowjetunion die natürliche Verbindung zu Europa darstellten. Und heute ist dies die Kritik an den postmodernen Werten, die in Russland als fremd und uneuropäisch wahrgenommen werden. Russland ist ein Bestandteil Europas und zugleich Stellvertreter eines anderen Europas. Churchill hat Russland als »ein Rätsel, eingewickelt in ein Mysterium, innerhalb eines Geheimnisses« bezeichnet. Der Geheimnischarakter Russlands, auf den Churchill anspielte, erklärt sich vielleicht daher, dass das Land immer wieder mit den verborgenen und letztlich unbewussten Möglichkeiten Europas verbunden gewesen ist. Denn immer wenn es in Europa zu einer gefährlichen Monopolisierung von Macht oder ideologischem Einfluss gekommen ist, trat Russland als die ausgleichende Macht auf. So war es unter Napoleon, als Europa von Frankreich beherrscht wurde und Russland durch seinen Sieg half, das europäische Mächtegleichgewicht wiederherzustellen. So war es im Zweiten Weltkrieg, als Europa vom Dritten Reich beherrscht wurde. Und so ist es vielleicht auch heute angesichts der US-amerikanischen Dominanz auf dem europäischen Kontinent, die mit der Dominanz postmoderner Werte verknüpft ist?
»Der Informationskrieg gegenüber Russland will das Land und seine Bewohner entmenschlichen«
De Lapuente: War der Osten nicht immer auch ein Sehnsuchtsort Zentraleuropas? Im heutigen Polen veranstalten die Ritter des Deutschordens einen regelrechten Kreuzzug. Russland war ihnen noch zu groß und unübersichtlich. Später, als man Distanzen leichter überwinden konnte, rückte Russland ins Visier. Sieht der Westen – das, was wir Westen nennen – Russland nach wie vor als eine Art Land, das man kolonisieren und damit zivilisieren müsste? Und speist sich der Russenhass nicht auch aus diesen jahrhundertealten territorialen Anspruchsdenken, das der Westen gegenüber der osteuopäischen Hemisphäre an den Tag legt?
Ritz: Sie haben recht, es hat sich historisch immer wieder ein »Drang nach Osten« eingestellt. Und dieser Drang war mit der Einheit Europas verbunden. Immer wenn Europa geeint war, zeigte es dieses Verhalten. Napoleon und Hitler habe ich schon erwähnt. Doch auch die Einheit Europas unter der Katholischen Kirche wäre hier zu erwähnen. Hannes Hofbauer beschreibt in seinem Buch »Feindbild Russland«, dass Russland bereits im 16. Jahrhundert in Polen als asiatische Macht beschrieben wurde, also zu einem Zeitpunkt, da Russland die Grenze zu Asien noch gar nicht überquert hatte. Es hat immer Bestrebungen gegeben Russland Asien oder dem Orient zuzuordnen. In der Frühen Neuzeit diente der Bezug auf die orthodoxe Konfession als Begründung, im 19. Jahrhundert wurde das Festhalten Russlands an der Monarchie und die Verpflichtung innerhalb der Heiligen Allianz diese gegenüber revolutionären Unruhen zu schützen zum Anlass, Russland – insbesondere in liberalen Kreisen – als rückständiges Land zu portraitieren. Im 20. Jahrhundert war es dann gerade die Fortschrittlichkeit Russlands, nämlich die sozialistische Regierungsform, die nun dazu diente das Land zu dämonisieren, wobei die Verbrechen Stalins maximal ausgeschlachtet wurde. In den 1990er Jahren dominierte eine Art Schadenfreude über den ökonomischen und sozialen Absturz Russlands. Die westliche Russlandberichterstattung diente nun vor allem dem Zweck, die auch vorhandenen Erfolge des Sozialismus der Erinnerung zu entziehen. In der zweiten Hälfte der Nullerjahre begann man dann damit, die neuen Propagandatechniken der Informationskriegsführung zu nutzen. Praktisch bedeutete dies, dass nun die gerade genannten Klischeewahrnehmungen mehrerer Jahrzehnte und Jahrhunderte kombiniert und überlagert wurden. Dies führte zur Konstruktion eines extrem karikaturhaften Russlandbildes. Russland wurde nun gleichzeitig als extrem stark und schwach dargestellt. Mal hieß es drohend, russische Truppen ständen kurz davor ins Baltikum und Polen einzufallen, während zugleich suggeriert wurde, Russland sei so schwach, dass die Sanktionen zum Zusammenbruch der russischen Wirtschaft führen würden. Das Hauptziel des Informationskrieges gegenüber Russland bestand nun vor allem darin, das Land und seine Bewohner zu entmenschlichen. Die Entmenschlichung war notwendig, um so eine Öffentlichkeit in Deutschland und anderen EU-Staaten herzustellen, die keinen Widerspruch äußern würde, wenn die NATO ihre militärischen Ressourcen einsetzen würde, um Russland strategisch zu schwächen. Es ging der NATO darum, Russland soweit zu schwächen, dass schließlich ein Regimechange im Land durchgeführt werden könnte, durch den die Souveränität Russlands dauerhaft aufgehoben und die russischen Ressourcen von westlichen Konzernen angeeignet werden würde. Um dieses Ziel zu erreichen wurden einfach alle Klischees genutzt, die über Russland existierten. Mal wurde es als stalinistisches Regime portraitiert, mal als Wiedergänger des Dritten Reiches, mal als eine Art halbmongolisches und asiatisches Land, deren Bewohner wie Florence Gaub es öffentlich im Fernsehen äußerte – Sie machten ja bereits darauf aufmerksam –, zwar europäisch aussehen, aber keine seien. Man konnte sich mitunter des Eindrucks nicht erwehren, dass einige Deutsche, die sich an dieser Entmenschlichung Russlands und seiner Kultur beteiligten, dabei auch von Revanchegelüsten bezüglich des Zweiten Weltkrieges geleitet gewesen sind.
De Lapuente: Russland wurde also immer als Fremdkörper innerhalb Europas begriffen?
Ritz: Doch man darf bei all dem nicht vergessen, dass es immer auch eine gegenteilige Vision gegeben hat, nämlich die, dass ein schwach geeintes Europa Russland miteinschlösse und so eine dauerhafte Friedensordnung in Europa etabliert werden könnte. Auch diese Vision lässt sich Jahrhunderte zurückverfolgen.
»Die Amerikaner haben weder seelisch noch geistig in Europa investiert«
De Lapuente: Können Sie Beispiele für diese gegenteilige Vision anführen, Herr Ritz?
Ritz: Ich erinnere zum Beispiel an die berühmten Worte von Charles de Gaulle, ausgesprochen 1966 auf seiner Reise nach Moskau. Aus dem Flugzeug steigend äußerst dieser Ausnahmepolitiker: »Das große französische Volk grüßt das große russische Volk.« De Gaulle verstand, dass Frankreich auf Dauer seine Souveränität bewahren könne, besonders angesichts der Macht der USA. Er träumte davon, dass Frankreich, Deutschland und Russland zusammen ein souveränes Europa begründen könnten. 2003, als Gerhard Schröder, Jacques Chirac und Wladimir Putin ihr gemeinsames Nein zum Irakkrieg formulierten und sich in kurzer Zeit dreimal trafen, wobei Putin sogar äußerte, dass Brüssel die zukünftige Hauptstadt eines mit Russland verbundenen Europas werden könnte. Damals wurde in Wirtschaftskreisen immer wieder von dem Konzept eines Europas gesprochen, das von Lissabon bis Wladiwostok reichen würde. 2012 als die deutsch-russischen Wirtschaftsbeziehungen ein Handelsvolumen von 100 Milliarden erreichten, schien sich dies auf natürliche Weise herzustellen. Darauf schritten die USA ein und organisierten 2014 in Zusammenarbeit mit der EU-Führung und auch ihren transatlantischen Netzwerken in Deutschland den Putsch in der Ukraine, der als Maidan in die Erinnerung eingegangen ist. In Folge der sich verschärfenden Spannungen wurde der Traum eines mit Russland versöhnten Europas durch den Alptraum eines übermächtig, stets kriegerischen, stets am Rande des Dritten Weltkrieges sich bewegenden Westens ersetzt. Europa kann im Bündnis mit den USA nur verlieren.
De Lapuente: Die europäischen Administrationen, aber auch weite Teile der europäischen Bevölkerung haben kein Problem damit, in einem Bündnis mit den Vereinigten Staaten zu sein, weil sie glauben, sie seien mit den Amerikanern immer gut gefahren …
Ritz: Zwar sind beide, sowohl die USA als auch Russland die beiden Flügelmächte Europas. Doch zwischen beiden besteht ein fundamentaler Unterschied. Beginnen wir mit den USA. Die Vereinigten Staaten sind auf der Annahme gegründet worden sind, dass die amerikanische Revolution und die daraus entstandene Verfassung eine Reaktion auf die Rückständigkeit Europas ist. Die USA fühlen sich den Europäern, die im 19. Jahrhundert noch lange als Monarchien organisiert waren, auf natürliche Weise überlegen. Deshalb ist den Amerikanern der Gedanke fremd, die Europäer könnten ihnen gegenüber als gleichberechtigte Partner auftreten. Hinzu kommt der Einfluss der in die USA ausgewanderten protestantischer Sekten, durch die das politische Selbstverständnis der neuen Staatsgründung religiös aufgeladen wurde. Die USA sehen sich als ein von Gott auserwähltes Land. Sie halten sich für eine außergewöhnliche Nation (Exzeptionalismus), der das offenkundige Schicksal (Manifest Destiny) innewohnt, immer stärker und mächtiger zu werden und die Welt zu führen. Vor dem Hintergrund dieses nationalen Mythos glauben sie grundsätzlich immer im Recht zu sein, selbst dann, wenn sie Böses tun. Sie haben daher auch kein Problem damit, andere Länder als bloße Werkzeuge für ihre nationalen Interessen zu benutzen. Sollten die Europäer also im Bündnis mit den USA bleiben, so könnte es für sie wirklich gefährlich werden. Die USA würden versuchen immer größere Teile der europäischen Industrie bei sich neu anzusiedeln. Zudem bestände die Gefahr, dass die Amerikaner Europa als Schlachtfeld für ihren zukünftigen Krieg mit Russland nutzen und uns auch vom chinesischen Markt abschneiden. Und schließlich würden ein Verbleib Europas im amerikanischen Bündnis mit einer noch weiter zunehmenden Amerikanisierung verbunden sein. Denn die Amerikaner blicken tendenziell mit Neid auf die großen Kulturleistungen Europas. Kurz: Die Amerikaner haben weder seelisch noch geistig in Europa investiert. Sie haben kein Problem damit, Europa bis zur Unkenntlichkeit zu verändern.
»Zwei Weltkriege waren nur möglich, weil die deutsch-russische Allianz zerbrach«
De Lapuente: Und mit den Russen wäre es anders?
Ritz: Allerdings. Denn die Russen haben sich über viele Jahrhunderte selbst als Europäer gesehen. Das heutige Russland ist aus Europa hervorgegangen. Ihr Bildungsniveau, ihr geschichtliches Denken, Ihre Kunst, Musik und Literatur, all dies verdankt Russland seiner Zugehörigkeit zu Europa. Die Russen sind geistig, seelisch mit Europa verbunden, weshalb sie unter der Schwächung und Zerstörung Europas direkt leiden. Während die Amerikaner kein Problem damit hatten im Zweiten Weltkrieg deutsche Fachwerkstädte in Schutt und Asche zu legen, haben die Russen ihre Flugzeuge zur Bombardierung der Wehrmacht eingesetzt. Während die Amerikaner nach 1945 von einer Kollektivschuld aller Deutschen ausgingen und weite Teile der deutschen Kultur (etwa die Philosophie Hegels) als etwas Präfaschistisches deklarierten und an der Umerziehung der Deutschen arbeiteten, lasteten die Russen den Faschismus hauptsächlich den deutschen Eliten, nicht aber der deutschen Kultur als solches an. Direkt nach dem Zweiten Weltkrieg ließen die Russen in Berlin das Lessings »Nathan der Weise« aufführen, als Geste sowohl des Respekts als auch der Versöhnung mit der deutschen Kultur. Während des gesamten Zweiten Weltkrieges wurde der Unterricht der deutschen Sprache an sowjetischen Schulen fortgesetzt. Während also die SS und die Wehrmacht einen Vernichtungskrieg gegen die sowjetische Bevölkerung führten, Tausende von Dörfern samt ihren Bewohnern auslöschte, Petersburg aushungerte und sowjetische Kriegsgefangene in Erdlöchern erfrieren ließ, lernte man an sowjetischen Schulen weiterhin die deutsche Sprache und damit auch die Gedichte Gothes, Schillers, Heine und Rilkes. Bis 1991 war Deutsch die Fremdsprache Nummer eins an Russischen Schulen. Noch heute trifft man unzählige Russen, die hervorragend Deutsch sprechen. Dieser Respekt vor der Kultur Deutschlands, aber auch des übrigen Europas ist auch heute noch in Russland präsent. Sollte der Krieg eines Tages vorüber sein, so wird man in Russland den westlichen Eliten dafür die Schuld geben, nicht aber den Völkern der westlichen Welt. Der tiefe Respekt, den die Russen vor der europäischen Kultur empfinden, bedeutet, dass Europa im Bündnis mit Russland seine Souveränität sowie seine Wirtschaft und Kultur schützen kann, während im Bündnis mit den USA für Europa den absoluten Selbstverlust bedeutet.
De Lapuente: Und diesem Respekt ist es geschuldet, dass die Russen nur 40 Jahre nach all diesen deutschen Verbrechen auf russischem Boden, Deutschland die Wiedervereinigung schenkten? Woher kommt dieser Respekt vor den Deutschen?
Ritz: Wie ich eben schon sagte, reicht der Traum eines Europas, das Russland miteinschließt, weit in die Geschichte zurück. Bereits der deutsche Philosoph Leibniz träumte von engen kulturellen und wissenschaftlichen Kontakten mit Russland. Es gelang ihm, sich dreimal mit Peter dem Großen zu treffen. Leibniz war frustriert von der Engstirnigkeit der deutschen Aristokraten. Umgekehrt faszinierte ihn die Intelligenz Peter des Großen, mit dem er insgesamt mehrere Wochen verbrachte. Leibniz hoffte, durch seinen Einfluss auf den Zaren in Russland eine umfassende Kulturentwicklung anstoßen zu können, die dann wiederum auf Europa zurückwirken könnte. Tatsächlich trug er die Idee einer Akademie der Wissenschaften nach Russland, auch wenn diese Idee erst nach dem Tod der beiden Gesprächspartner realisiert wurde. Die Begegnung zwischen Leibniz und Peter dem Großen steht am Beginn einer zweihundertjährigen Kooperation und Allianz zwischen Deutschland und Russland. Mit Peter dem Großen beginnt eine Zeit, in der die russische Zarenfamilie vorzugsweise deutsche Prinzessinnen heiratet. Schließlich kommt mit Katharina der Großen eine deutsche auf den Zarenthron. Katharina die Große wiederum lädt Hunderttausende von deutschen Bauern nach Russland ein, schenkt ihnen Land und Autonomie. Doch nicht nur Bauern wandern nach Russland aus. Auch Handwerker, Kaufleute, Wissenschaftler, Gelehrte und Aristokraten suchen ihr Glück in Russland, was letztlich dazu führt, dass Russland seine Modernisierung zu weiten Teilen in Zusammenarbeit mit Deutschen erfährt. Deutsche bekleiden im 18. und 19. Jahrhundert zahlreiche Führungspositionen in Russland, machen zwischenzeitlich sogar die Hälfte aller Mitglieder der Akademie der Wissenschaften aus und sind in zahlreichen russischen Regierungskabinetten als Minister und dreimal sogar als Kanzler vertreten. Umgekehrt ist Russland diplomatisch in den einzelnen deutschen Ländern, Königreichen und Fürstentümern präsent. Russisches Geld, dass durch die Heirat des Großherzogs Carl Friedrich von Sachsen-Weimar mit der russischen Großfürstin Maria Pawlowna Romanowa nach Weimar gelangt, trägt im erheblichen Maße zur Entwicklung der deutschen Klassik bei. Auch militärisch tritt Russland als Schutzmacht des Innerdeutschen Gleichgewichts auf und dämmt im Siebenjährigen Krieg das Übergewicht Preußens ein, ohne Preußen dabei zu zerstören – und trug zum Sieg über Napoleon und der Wiederherstellung des europäischen Machtgleichgewichts bei. Diese besonderen Beziehungen währen bis zum Ende der Amtszeit Bismarcks, der vor seiner Kanzlerschaft als preußischer Botschafter in Petersburg gearbeitet hat. Nach Bismarcks Abgang zerbricht die Allianz am aufkeimenden Nationalismus sowohl in Deutschland als auch in Russland. Diese 200 Jahre haben die Russen nicht vergessen und auch für Europa war diese Zeit eine Periode relativer Stabilität. Die zwei Weltkriege waren nur möglich, weil die deutsch-russische Allianz zerbrach. Das heutige Europa wäre sowohl wirtschaftlich als auch kulturell in einem ganz anderen Zustand, wenn es gelungen wäre, die Weltkriege zu verhindern und die deutsch-russische Allianz zu einer Gesamteuropäischen Allianz auszubauen. Der Niedergang der europäischen Zivilisation ist auch mit dem Ausschluss Russlands aus Europa verknüpft.
»Das Bündnis zwischen Zentraleuropa und Russland wird seit Jahrhunderten durch Ideologien hintertrieben«
De Lapuente: Sie sagten vorher, schon im 16. Jahrhundert galt dem europäischen Westen Russland als asiatische Macht, obgleich Russland damals noch gar nicht im asiatischen Raum Fuß gefasst hat – womöglich ist das auf die Tartaren bzw. die Mongolen zurückzuführen, die die Russen unterdrückten – man spricht in Russland vom »tatarischem Joch« – und von heutigem russischen Gebiet aus westliche europäische Länder überfielen. Würden Sie sagen, das ist eine Art europäische Kollektiverinnerung, ein wenig so wie man es dem Dreißigjährigen Krieg auch nachsagt? Haben die Tartaren das schlechte Russlandbild erzeugt, obgleich die Russen selbst Opfer dieses kriegerischen Reitervolkes waren?
Ritz: Man kann es auch so sagen: Geographisch, wirtschaftlich, kulturell und auch militärisch war eine Allianz zwischen Europa und Russland immer unschlagbar. Hier ein Land, das aufgrund seiner Größe geographisch saturiert ist, aber über enorme Rohstoffe verfügt und einen großen Bedarf an wissenschaftlichen, technischen und kulturellen Austausch hat, weil es Europa heimlich bewundert und mit ihm verbunden sein möchte. Und dort ein dicht besiedelter Kontinent, der all dies anzubieten hat, was Russland braucht, aber zugleich durch seine politische Zersplitterung Russland nicht bedrohen kann und durch seine dichte Besiedlung auch nicht einfach erobert werden kann. Beide Seiten waren an der Eroberung der anderen eigentlich nicht interessiert, konnten aber enorm durch Austausch und Kooperation profitieren. Diese Traumehe zwischen Russland und Zentraleuropa wurde dann allerdings immer wieder durch Ideologie gestört. Da ist die Rassenideologie der Nazis zu nenne, die die Russen kurzerhand zu Untermenschen erklärte, da ist die Angst vor dem Kommunismus im Kalten Krieg, da sind die Jahrhunderte alten Vorurteile gegen die orthodoxe Kirche zu nennen und da ist schließlich auch die von ihnen erwähnte Gleichsetzung von Russland mit den Mongolen zu nennen. Wie Sie schon sagten, wurde dies u.a. damit begründet, dass Russland ab Mitte des 13. Jahrhunderts für 240 Jahre von einem mongolischen Reitervolk, der Goldenen Horde, unterdrückt und zu Tributzahlungen verpflichtet wurde. Das tatarisches Khanat Kasan spaltete sich 1438 von der Goldenen Horde ab, weshalb man heute auch vom »tatarischen Joch« spricht. Daraus wird eine angeblich mongolische Prägung der Russen abgeleitet. Das ist ungefähr so, als würde man die Italiener zu Germanen erklären, weil germanische Stämme dort im Zuge der Völkerwanderung eingefallen sind. Weil diese Gleichsetzung von Mongolen und Russen selbst für hartgesottene Ideologen etwas konstruiert erscheint, hat man mitunter einfach die Geographie bemüht, um das Argument zu stützen.
De Lapuente: Wer hat diesen Kniff abgewandt?
Ritz: Besonders hervor tat sich damit Halford Mackinder, ein britischer Geograph, dessen berühmte Rede »Der geographische Drehpunkt der Geschichte« vor der Königlich-Geographischen Gesellschaft in London im Jahre 1904 einen tiefgreifenden Einfluss auf das 20. Jahrhunderts hatte. Demnächst wird dieser einflussreiche Aufsatz übrigens vom Westend Verlag unter dem Titel »Die Heartland Theorie« mit einer begleitenden Analyse von Ulrike Guérot neu herausgegeben. Darin formuliert Mackinder eine Gleichsetzung von Russen und Mongolen allein auf Grundlage der Tatsache, dass das späte Zarenreich zu Beginn des 20. Jahrhunderts und das Mongolenreich aus dem 13. Jahrhundert einen ähnlichen geographischen Raum abgedeckt haben. Auf diese Idee muss man erst einmal kommen, nämlich zwei vollkommen verschiedene Völker, die sich auf ganz unterschiedlichen Entwicklungsstufen befinden, zudem noch verschiedenen Traditionen und Religionen aufweisen, allein aufgrund geographischer Ähnlichkeit in eins zu setzen. Das zeigt, mit welchen manipulativen Argumentationstechniken seit Jahrhunderten am Feindbild Russland gearbeitet wird. Leider hat diese Idee Russland aufgrund seiner Geographie zu mongolisieren auch Pate bei der Entstehung des Kalten Krieges gestanden. Und der geistige Erbe und Nachfolger Mackinders, nämlich Zbigniew Brzezinski leitete 1997 in seinem Buch »Die einzige Weltmacht« – übrigens mit Verweis auf Mackinder – wiederum aus der geographischen Lage Russlands, dessen Rolle als ewiger Feind und Gegner ab. Dies wiederum führt zur Osterweiterung der NATO, damit zum neuen Kalten Krieg und schließlich zum aktuellen Ukrainekrieg. Oder kürzer gesagt: Das natürliche Bündnis zwischen Zentraleuropa und Russland, das so naheliegend wäre, Vorteile für beide Seiten brächte und einzig den Frieden in Europa sicherstellen kann, wird seit Jahrhunderten durch Ideologien hintertrieben. Dabei sind die verwendeten Ideologien oft von erstaunlicher Primitivität. Es wird Zeit aus diesem Albtraum aufzuwachen und die Lage, in der wir uns befinden, vernünftig zu analysieren.
Hauke Ritz studierte an der FU und HU Berlin. Nach seiner Dissertation im Fach Philosophie mit dem Schwerpunkt Geschichtsphilosophie wendete er sich verstärkt Fragen der Außenpolitik und Friedensforschung zu. Dabei stand für ihn der Ost-West-Konflikt im Mittelpunkt, dessen Fortbestehen er seit 2008 im Zuge verschiedener Publikationen und seit 2014 durch regelmäßige Russlandreisen erforscht. Hauke Ritz hat an der Universität Gießen, der MSU und RGGU in Moskau sowie der Universität St. Petersburg und Belgorod unterrichtet und war zuletzt für den DAAD in Moskau tätig.
Man kann sich nur wünschen, dass BRICS so stark werden, dass die Hegemonie der Amerikaner zu Ende geht. Ich möchte natürlich auch keine Hegemonie von Russland, die hatten wir 40 Jahre lang im Osten. Ein gleichberechtigtes Nebeneinander mit für alle vorteilhaften wirtschaftlichen Verknüpfungen wäre wünschenswert. Aber das wird noch dauern und zumindest wir Alten werden es nicht mehr miterleben. Allerdings ist die Zeit für die sich selbst von Gott auserwählten Völker USA und Israel zumindest mental abgelaufen, es ist eh Rassismus pur. Technologisch haben die Anderen aufgeholt und überholt, und die angebliche Stärke des Westens, die Demokratie, hat der Westen selbst abgeschafft. Vetternwirtschaft und Indoktrination stürzen ihn mehr und mehr in Chaos. Die Ideologie wird nicht überleben, auch die Ideologie hat am Ende die DDR und den gesamten Ostblock zugrunde gerichtet. Einfache humane Regeln werden überleben, also z.B. Leistung und Hilfsbereitschaft zusammen, ohne irgendein Klientel künstlich zu überhöhen. Wer viel leistet, darf besser leben, aber nicht über andere bestimmen. Und wer sich nur durch Schleimerei und Anbiederung an die derzeit Herrschenden seinen Luxus aufbaut, der sollte Verachtung spüren. Ja, das sind feuchte Träume, aber der Rest wird nicht dauerhaft funktionieren.
2007 war man sauer das die Zerlegung Russlands unter Jelzin gestoppt wurde. Russland hatte man als Großmacht schon abgeschrieben. 2014 war man dann überrascht und 2022 entsetzt. Dabei hatte Putin 20 Jahre davor gewarnt die aggressive Außenpolitik des Westen fortzusetzen. Leider wurde das nicht zur Selbstreflektion genutzt. Stattdessen wurde die große Propaganda Trommel ausgepackt.
Dazu kam die amerikanische Militärinustrie die in den 1990er Jahren noch ziellos durch die Gegend torkelte auf der Suche nach Gründen warum man se weite so hoch finanzieren sollte. Das konnte mit dem Krieg in Jugoslawien und Irak/ Afgahnistan repariert werden. Da musste das Völkerrecht dann schonmal hintenanstehen.
Einige Tatsachenbehauptungen des Autors sind falsch. Es stimmt nicht, dass „Deutsch bis 1991 die Fremdsprache Nummer eins an russischen Schulen war“. Englisch war und ist die Nummer eins. Und es gibt einfach nicht unzählige Russen, die ausgezeichnet Deutsch sprechen.
Lesetip für alle, die die Herkunft der Russophobie umfassend erforschen möchten: Lossurdo „Der westliche Marxxismus“. Der Titel ist irreführend, aber der Inhalt analysiert umfassend und korrekt die Herkunft der Ideologie der weißen Herrenrasse, die den Kern der Russophobie bildet.
„Beide Seiten waren an der Eroberung der anderen eigentlich nicht interessiert, konnten aber enorm durch Austausch und Kooperation profitieren. Diese Traumehe zwischen Russland und Zentraleuropa wurde dann allerdings immer wieder durch Ideologie gestört. Da ist die Rassenideologie der Nazis zu nenne, die die Russen kurzerhand zu Untermenschen erklärte, da ist die Angst vor dem Kommunismus im Kalten Krieg, da sind die Jahrhunderte alten Vorurteile gegen die orthodoxe Kirche zu nennen und da ist schließlich auch die von ihnen erwähnte Gleichsetzung von Russland mit den Mongolen zu nennen. “
Ritz hat eine sehr selektive lückenhafte Wahrnehmung. Die Bolschewistische Revolution gab es augenscheinlich bei ihm nicht. Die Mär vom armen friedliebenden Mütterchen Russland – das Problem dabei ist nur, das an Mütterchen Russland eine Vergewaltigerbande Notzucht übte und übt.
Die russische/sowjetische Staatsführung zu allen Zeiten Opfer, vor allem des deutschen Erzbösewichtes – wer’s glaubt wird „seelig“.
Ich halte Ritz – ob er sich dessen selber nun bewußt ist oder nicht, sei dahingestellt – für einen Agenten unserer Feinde. Warum? Er überführt sich selber, indem er vom anationalen Europa und dem Nationalstaat Russland schwadroniert. Ritz ist ein Handwerker der geschickt das Werkzeug unserer Feinde – der Feinde der Völker, zu deren ersten Opfern die Völker Russlands gehörten – die Brechstange Marxismus ansetzt.
Die Anglo-Amerikaner haben schon aus den Zeiten des „Great Game“ ein besonderes Konkurrenz Verhältnis zu Russland und lassen jetzt den Krimkrieg 2.0 durchführen. Im Übrigen ist es so, je weiter westlich das Land, desto weiter westlich wird die Ostgrenze Europas angesetzt. Der Frust der Balten und Polen auf Russland ist historisch bedingt. Aber was soll der Sinn des Ganzen sein? Ewige Feindschaft bis zum Weltuntergang, der ja demnächst ansteht? Oder kann man wieder zur friedlichen Koexistenz zurückkehren und die sich der globalen Probleme annehmen, die man ohne China und Russland kaum wird lösen können.
„Man kann es auch so sagen: Geographisch, wirtschaftlich, kulturell und auch militärisch war eine Allianz zwischen Europa und Russland immer unschlagbar. Hier ein Land, das aufgrund seiner Größe geographisch saturiert ist, … Und dort ein dicht besiedelter Kontinent, der all dies anzubieten hat, was Russland braucht, …. Beide Seiten waren an der Eroberung der anderen eigentlich nicht interessiert, konnten aber enorm durch Austausch und Kooperation profitieren.“
Da stellt sich dann doch die Frage, warum diese Konstellation heute nicht mehr möglich ist. Warum gibt es nicht mehr die Möglichkeit der Europäer eine Allianz zum gegenseitigen Interesse mit den Russen einzugehen?
Die Antwort findet sich in der Weltsicht der Regierenden jenseits des Atlantiks. Die USA waren und sind das reichste Volk auf Erden und wollen es auch bleiben. Darum glauben sie, es sei ihr Recht und ihre Pflicht andere Völker daran zu hindern auch reich und mächtig zu werden. Heiner Flassbeck hat die Kriegsgründe der USA für ihren geplanten Krieg gegen China deutlich benannt. Demnach wollen die USA nur deshalb Krieg gegen China führen, weil der durchschnittliche Chinese in Kürze mehr als 20% vom Reichtum des durchschnittlichen Amerikaners habe wird. Weil die Bevölkerung der USA in etwa nur 20& der chinesischen Bevölkerung ausmacht, wäre das BIP der Chinesen ab diesem Zeitpunkt größer als das der USA. Dann wäre China auf Augenhöhe mit den USA und die Dominanz der USA stände in Frage.
Politik auf Augenhöhe ist aber für die Amerikaner undenkbar und darum wird auf die Allianz der Russen mit Westeuropa verhindert. Als Folge haben die Amerikaner sich nun eine Allianz der Russen mit China eingehandelt. Und die europäischen Vasallen werden diese Status nur dann erhalten können, wenn sie ihr demokratisches Gewand abwerfen.
Eins steht fest: das Volk wollte das nicht. Die Deutschen waren regelrecht begeistert von Gorbi und seinem Annäherungskurs. Von links bis rechts, über alle Lager hinweg. Es bedurfte massiver Lügenpropaganda, um das wieder ins Gegenteil zu verdrehen. Beginnend spätestens ab 2007, wie der Artikel richtig feststellt. Ins Hysterische kippend ab 2014, mit dem Maidan. Was hier fehlt, ist die Rolle der Sowjetunion. Sie hat den Imperialismus 74 Jahre lang gezwungen, sich halbwegs zu benehmen. Nach innen, indem man Sozialgesetze erließ, nach außen, indem man so tat, als wolle man Frieden. Aber seit 1991 ist der Imperialismus wieder genau so, wie ihn Staatsgründer Lenin beschrieben hatte. Das könnte durchaus ein Motiv des Westens sein: Rache dafür dass die Sowjets so lange dem Weg des Kapitals im Weg gestanden haben. Was ja noch nicht ganz vorbei war. Die Bürger der Sowjetunion hatten im März 1991 mit überwältigender Mehrheit für ihren Erhalt gestimmt. Der Austritt Russlands, der Ukraine und Weißrusslands widersprachen diesem Referendum: https://de.wikipedia.org/wiki/Referendum_in_der_Sowjetunion_1991 Man sieht: die Balten wollten nicht mehr Sowjets sein. Hingegen die Ukrainer stimmten mit 71,5 Prozent für einen Verbleib. Das heißt, dass dieser Russenhass, der jetzt dominiert, systematisch erzeugt werden musste.
Das, was Herr Ritz beschreibt, habe ich bei meinen Kontakten zu Russland auch erfahren: die Offenheit und auch das Vergeben. Die differenzierte Betrachtung, wer u.a. für den Überfall auf die SU verantwortlich war, gipfelt in den Film „Komm und Sieh“ vom Regisseur Klimow, wo am Ende der gealterte Junge in einer Pfütze sein Spiegelbild als seinen Feind sieht. Eine derartige Tiefe der Aussage, was Krieg ist und für alle bedeutet, habe ich sonst nirgends gesehen. Und in Kontakten mit Russen habe ich nie Hass gesehen, deshalb bin ich auch so wütend, wenn Ukrainer abfällig von Russen als „Moskalis“ reden, oder solche unerträglichen Personen, wie diese Frau Gaub, die von Nicht Europäern reden, als ob die Russen wieder einmal Untermenschen seien. Ich möchte am liebsten mal vorschlagen, Frau Gaub geht nach St. Petersburg, besucht einen der großen Friedhöfe dort, wo 500.000 Menschen begraben sind, alle anonym, weil sie keine Chance hatten, damals während der 880 Tage Belagerung normal bestattet zu werden, und da kann die ja ihre Aussage wiederholen. Ich denke, dort wird selbst diese Rassistin ganz still. Ganz still und schämt sich ihrer Denkweise.
Die Schuldigen am Ukraine-Krieg sind die USA und die von den USA eingesetzten Vasallen Regierungen in der Ukraine.
2014 haben die USA einen Putsch mit Hilfe der UKRO-NAZIS ausgelöst und US-freundlich Politiker an die Macht gebracht.
Damals war die EU mit diesem Vorgehen noch nicht einverstnaden und die Stellvertretende Aussenministerin Nuland quittierte die mit FUCK THE EU !!
Kurz darauf begann der Hass gegen alle Russische auszubrechen und man attakierte am laufenden Band ie Russische Bevölkerung im Donbas & Luhansk.
Diese Republiken wollten darauf sich Russland anschließen, was aber noch mehr Bombardierungen & Tötungendurch die Ukrainer nach sich zog.
Als Republiken hatten sie durchaus das Recht sich von der Ukraine zu trennen !!!
Dann gab es die sogenannten Minsker Verträge, die nachträglich von Merkel & Hollande als reiner Betrug gegenüber Russland dargestellt wurden.
Im Januar 2022 bestand die Chance einen von Erdogan & Schröder ausgearbeiteten Friedensplan zu unterschreiben, was jedoch durch den Einspruch des GB Premier Johnson abgelehnt wurde.
Darauf hin hat sich Russland zu RECHT für seine Spezialoperation zur Befreiung von Donbas & Luhansk entschlossen !!
„Die EU-Führung nimmt auch weiterhin die neuen Realitäten nicht zur Kenntnis, die der Wahlsieg von Donald Trump in den USA nach sich zieht.“
Diese Einschätzung gab Péter Szijjártó vom Treffen der EU-Außenminister am Montag in Brüssel.
Statt sich der neuen Realität zu stellen, unternehme die „Elite der Kriegstreiber“ einen letzten verzweifelten Versuch, gegen den Willen der Völker anzugehen.
Der ungarische Chefdiplomat erinnerte an den Umstand, es handelte sich um das erste Treffen auf Außenministerebene seit dem für die Brüsseler Politikelite so ungünstigen Wahlausgang in Übersee.
Szijjártó: Das Spiel ist vorbei!
„Der kriegsfanatische Mainstream will immer noch nicht einsehen, dass das Spiel vorbei ist.“
Der neue US-Präsident wolle Frieden in der Ukraine, die unter zunehmend intensiveren Angriffen der Russen leide, was zusammen mit dem nahenden Winter die humanitäre Krise verschärfe. ….ALLES LESEN !!!
Ich erinnere mich noch daran, wie man sich über die Erfolge Russlands in der Raumfahrt lustig machte. Sehr auffällig ist schon mal, dass gerade in Ostdeutschland, wo die Bevölkerung am meisten unter Russland zu leiden hatte, AfD und BSW, die Russlandsanktionen und Unterstützung der Ukraine ablehnen, die größten Wahlerfolge haben. Und ich frage mich, wo die Chinaphobie herkommt, wo Deutschland seit Willem zwo keinen Konflikt mehr mit China hatte. Und weshalb hassen die meisten Trump, wo doch selbst in den übelsten Hetzsendungen die schönsten Szenen mit ihm präsentiert werden, und er als Milliardär, TV-Star mit Stern auf dem Walk of Fame, und Präsident wie die Hauptfigur einer Seifenoper wirkt. Die Trumpphobie könnte sich noch zum Antiamerikanismus ausweiten. Kurzum Hetze und Appell an Aggression wirken immer, und Kriegslüsternheit kann jederzeit aktiviert werden. Das Objekt dieser Emotionen ist egal. Das können auch Corona- und Klimaleugner sein. Das kennt man ja auch aus dem privaten Bereich, wo jede noch so blöde Verleumdung begierig aufgenommen wird, selbst von Leuten, die die Opfer gut kennen. Die Realität spielt dabei keine Rolle. Russophobie ist nicht die Ursache für die Einkreisung Russlands, sondern Imperialismus und Geopolitik.
……… man kann doch relativ rasch feststellen, ob Jemandes Beitrag den Geist von Verständigung und Ausgleich atmet oder ob da nur wieder irgendein politischer Nasebohrer seinen Kram loswerden will ….. So: …….. never argue with fools …. ( indisch,grins)
Beide Seiten (Russland und Deutschland) waren an der Eroberung der anderen eigentlich nicht interessiert, konnten aber enorm durch Austausch und Kooperation profitieren. Diese Traumehe zwischen Russland und Zentraleuropa wurde dann allerdings immer wieder durch Ideologie gestört. Da ist die Rassenideologie der Nazis zu nenne, die die Russen kurzerhand zu Untermenschen erklärte, da ist die Angst vor dem Kommunismus im Kalten Krieg, da sind die Jahrhunderte alten Vorurteile gegen die orthodoxe Kirche zu nennen und da ist schließlich auch die von ihnen erwähnte Gleichsetzung von Russland mit den Mongolen zu nennen.
Ja, ja, immer ist die Ideologie im Weg. Woher mag sie nur rühren?! Für einen Philosophie-Absolventen hat Ritz ein seltsam verqueres Verständnis von Ideologie. Die hier als „Ideologie“ betitelten Erscheinungen stellen doch nur einen Ausdruck realer Konflikte und Interessen dar.
Hitler, um das Beispiel zu nehmen, hat doch nicht zunächst in den frühen 1920-ern „als Ideologe“ die nazistische Rassenideologie entwickelt – die im übrigen bereits vor ihm in hohem Maße existierte; Hitler hat vor allem kompiliert – und anschließend „als Politiker“ zu seinem Erschrecken festgestellt, dass er aus seiner Ideologie folgend keine gleichberechtigten Beziehungen zur SU aufbauen kann/darf und sich daraus vielmehr Eroberung ableitet. Umgekehrt war’s: Hitler hat in „Mein Kampf“ ein bereits in der deutschen Rechten kursierendes expansionistisches Ideologem, nämlich das der Notwendigkeit der „Gewinnung von Lebensraum im Osten“ aufgegriffen. https://de.wikipedia.org/wiki/Lebensraum_im_Osten
Und zu diesem Ideologem, sowie den dahinter steckenden real-politischen Zielen, passte es natürlich am besten, wenn man die Russen und sonstigen Slawen, weil sie eben im zu erobernden Osten lebten, unter die „Untermenschen“ einordnete. Vorbild für diesen erneuerten „Drang nach Osten“ waren die USA (was in der Forschung erst langsam zu Kenntnis genommen wird). Die englischen Siedler hatten Nordamerika erfolgreich von der Ostküste zur Westküste kolonisiert, die deutsche herrschende Klasse wollte dieses Projekt in entgegengesetzter Richtung wiederholen.
Oder nehmen wir die erwähnten „Vorurteile gegen die orthodoxe Kirche“. Die gab’s und gibt’s doch hierzulande kaum. In Polen dagegen, dem „katholischen Frontstaat“ gen Osten, spielte das eine viel stärkere Rolle. Dort wurde sogar ein Teil der russ.-orthodoxen Kirche per Kirchenunion 1596 in die katholische Kirche eingemeindet (die heute sogenannte Ukrainische griechisch-katholische Kirche). Natürlich stand dahinter der jahrhundertelange Machtkampf zwischen dem Königreich Polen und dem russ. Zarenreich um die slawisch besiedelten Gebiete der heutigen Mittel- und Westukraine und Weißrusslands. Dieser Kirchenkampf in der Ukraine wiederholt sich übrigens gerade, weil der reale Kampf erneut tobt. Selenskis Parlament hat die kanonische orthodoxe Kirche der Ukraine vor kurzem defacto verboten, gleichzeitig wird eine Gegenkirche unter dem („westlich“ orientierten) Patriarchat des Patriarchen von Konstantinopel aufgebaut.
Mit 10 Millionen Ermordeten in deutschen Konzentrationslagern, hatte Russland mit Abstand das größte Gewicht der NS Zeit zu stemmen. Gefolgt von Millionen Juden, Millionen Polen und tausenden Romas.
Aber statt wie bei den Juden, diesem abscheulichen Rassismus zu gedenken, macht man ihn in den Medien wieder salonfähig.
Frage. Ist jemand denn kein Brauner wenn er rassistisch agiert, nur weil er gegenüber Israeliten in Scheinheiligkeit versinkt?
Nein, die Monster kriechen heute wieder aus ihren stinkenden Löcher und sie sind keine Anderen als damals.
Und schließlich würden ein Verbleib Europas im amerikanischen Bündnis mit einer noch weiter zunehmenden Amerikanisierung verbunden sein. Denn die Amerikaner blicken tendenziell mit Neid auf die großen Kulturleistungen Europas. Kurz: Die Amerikaner haben weder seelisch noch geistig in Europa investiert. Sie haben kein Problem damit, Europa bis zur Unkenntlichkeit zu verändern.
Handelt es sich hierbei tatsächlich um Neid oder eher darum, dass die ‚Amerikaner’ beispielsweise mit Goethe, Schiller oder der originär französischen Kino- und Musikkultur keinen Cent verdienen und quasi nebenher als Kollateralschaden die Kulturleistungen Europas unter ihren Renditestiefeln zermalmen?
Aber die Formulierung „die Amerikaner blicken tendenziell mit Neid auf die großen Kulturleistungen Europas.“ würde ich tendenziell 😉 befürworten. Vielleicht zeigen wir denen mal bei allen kleineren und größeren Veranstaltungen, Demos und sonstigen Aufläufen unsere Kulturleistungen in Form von hochgehaltenen Büchern von Goethe, Schiller, Kant und Nietzsche (gerne auch W. von der Vogelweide) und zur Musik Bachs (Orgelwerke) das Hauptmotiv der 5. Sinfonie Beethovens klopfen? Mit Einsprengseln von Tschaikowskis Nussknacker, Mussorgskis ,Bilder einer Ausstellung‘ gerahmt von K. S. Malewitsch‘ Weißes Quadrat auf weißem Grund (Wiki)? Das dürfte als Chiffre vielleicht wirkungsvoller als der Spruch ‚Amigohome‘ sein, – und auch unsere Qualitätsmedien würden ziemlich blöd aus der Wäsche gucken.
Und zu diesem Ideologem, sowie den dahinter steckenden real-politischen Zielen, passte es natürlich am besten, wenn man die Russen und sonstigen Slawen, weil sie eben im zu erobernden Osten lebten, unter die “Untermenschen” einordnete.
Genau. Haben die Beiden Ritz und RDL, der das durchgehen lässt, noch alle Tassen im Schrank, den Russenhass aus der Geschichte zu erklären, weil Russland Richtung Byzanz orientiert war und es so eine leichte Brechung der europäischen Geschichte gegeben hat. Wenn man will kann man diese „Brechung“ an jeder europäischen Nation auffinden. Es wird also so getan als gäbe es zuerst den Russenhass und daraus würde dann ein Kriegsprogramm folgen. Dabei ist es genau umgekehrt, es gibt ein imperialistisches Kriegsprogramm und das wird dann damit gerechtfertigt, dass der Putin so böse ist und den Russen nicht zu trauen ist, weil die eben anders sind als wir usw. Das ist eine regelrechte Entschuldigung der Kriegstreiber. Ja die können halt nicht anders wegen dem tief eingewurzelten Russenhass und der Geschichte und so.
Und speist sich der Russenhass nicht auch aus diesen jahrhundertealten territorialen Anspruchsdenken, das der Westen gegenüber der osteuopäischen Hemisphäre an den Tag legt?
Knapp daneben ist auch vorbei. Territoriales Anspruchsdenken – Lauwarm Jahrhundertealt – eiskalt, 1. hat das weniger mit Territorium zu tun als mit Macht und ist deshalb auch nicht erwachsen aus traditionellen Ambitionen, die irgendwie von Deutschen Orden vererbt wurden. Sondern das ist der Imperialismus des Westens, der Russland als Störenfried seiner Ordnung identifiziert hat, weil dieses sich der amerikanischen Weltordnung nicht unterwerfen will. Und was sagt Ritz darauf:
Sie haben recht, es hat sich historisch immer wieder ein »Drang nach Osten« eingestellt. Und dieser Drang war mit der Einheit Europas verbunden.
Ja klar, Weiß man ja so einem Drang dem muss man nachgeben, kennt man ja vom Harndrang. Ist ein Bedürfnis das von innen kommt und gegen das man einfach machtlos ist. Die pure Entschuldigung.
Es ging der NATO darum, Russland soweit zu schwächen, dass schließlich ein Regimechange im Land durchgeführt werden könnte, durch den die Souveränität Russlands dauerhaft aufgehoben und die russischen Ressourcen von westlichen Konzernen angeeignet werden würde. Um dieses Ziel zu erreichen wurden einfach alle Klischees genutzt, die über Russland existierten. Mal wurde es als stalinistisches Regime portraitiert, mal als Wiedergänger des Dritten Reiches, mal als eine Art halbmongolisches und asiatisches Land, deren Bewohner wie Florence Gaub es öffentlich im Fernsehen äußerte – Sie machten ja bereits darauf aufmerksam –, zwar europäisch aussehen, aber keine seien.
De Lapuente: Russland wurde also immer als Fremdkörper innerhalb Europas begriffen?
Da sagt der Herr Ritz mal was richtiges. Russlandfeindschaft ist gemacht und dient den Interessen des Westens und seines Kapitals und wie fasst RDL das zusammen? – Ja. ja ich weiß schon – war schon immer so, dass Russland nicht dazu gehört hat.
Und der geistige Erbe und Nachfolger Mackinders, nämlich Zbigniew Brzezinski leitete 1997 in seinem Buch »Die einzige Weltmacht« – übrigens mit Verweis auf Mackinder – wiederum aus der geographischen Lage Russlands, dessen Rolle als ewiger Feind und Gegner ab. Dies wiederum führt zur Osterweiterung der NATO, damit zum neuen Kalten Krieg und schließlich zum aktuellen Ukrainekrieg. Oder kürzer gesagt: Das natürliche Bündnis zwischen Zentraleuropa und Russland, das so naheliegend wäre, Vorteile für beide Seiten brächte und einzig den Frieden in Europa sicherstellen kann, wird seit Jahrhunderten durch Ideologien hintertrieben. Dabei sind die verwendeten Ideologien oft von erstaunlicher Primitivität. Es wird Zeit aus diesem Albtraum aufzuwachen und die Lage, in der wir uns befinden, vernünftig zu analysieren.
So wird das aber nix mit der vernünftigen Analyse. Ja, ja klar. Weil die Amis Brzezinsky und Mackinder gelesen haben, deshalb kommt es zur Osterweiterung der Nato und zum Ukrainekrieg. Und dann kommt Ritz mit dem „natürlichen Bündnis“ an. Der gleiche Schwachsinn, wie der amerikanische Exzeptionalismus. Bloß beim einen ist die Natur der Auftraggeber und beim anderen Gott. Vernunft stell ich mir anders vor.
unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine sowie in Israel, Palästina und sonstwo, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.
Weiteres:
nachdenkseiten.de, 17. Februar 2023 um 9:00 Ein Artikel von Hauke Ritz
Es gibt in jedem Leben etwas, das sich wiederholt. In Indien spricht man diesbezüglich vom besonderen Karma eines Menschen. In gewisser Weise haben auch Länder ihr Karma bzw. ihr wiederkehrendes Schicksal. Was Deutschland betrifft, so scheint es zum Schicksal dieses eigentlich beschaulichen Landes zu gehören, immer wieder von neuem im Zentrum von Weltkriegen zu stehen, ja diese sogar auszulösen. Vom Dreißigjährigen Krieg, dem Siebenjährigen Krieg, den beiden Weltkriegen bis hin zum Kalten Krieg scheinen fast alle globalen Auseinandersetzungen ihr Zentrum in Deutschland gehabt zu haben. Und auch heute steht Deutschland im Mittelpunkt der sich immer weiter zuspitzenden Auseinandersetzung zwischen den USA und Russland.
Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verfügbar.
Es ist mittlerweile ein offenes Geheimnis, dass die Vereinigten Staaten die Ukraine als Stellvertreter benutzen, um ihren „Erbfeind“ Russland zu schwächen. Henry Kissinger machte im vergangenen Dezember in einem Artikel im britischen Spectator[1] sogar den Sachverhalt öffentlich, dass einflussreiche Kreise in den USA die Zerstörung Russlands als geopolitische Macht anstreben. Diese Warnung Kissingers passt zu der immer wieder im Washingtoner Beltway aufkommenden Forderung, „Russland zu dekolonialisieren“, also in mehrere Länder aufzuteilen.[2] Und Russland wiederum benutzt den Ukrainekonflikt, um genau eine solche Schwächung zu verhindern und sich als Akteur auf der Weltbühne zu behaupten.
Deutschland hat mit diesem Konflikt der beiden nuklearen Supermächte zunächst nichts zu tun. Wäre da nicht der Umstand, dass die gesamte Logistik der US-amerikanischen Militärunterstützung für die Ukraine über deutsches Territorium abgewickelt wird. Es sind deutsche Bahnlinien, Hafenanlagen, Autobahnen und Umschlagplätze, die genutzt werden, um US-amerikanische Militärgüter an die neue „Ostfront“ zu schicken. In Deutschland steht zudem das Koordinierungszentrum in Wiesbaden, von wo aus die USA die militärische Unterstützung der Ukraine organisieren. Schließlich beteiligt sich Deutschland auch an der Ausbildung ukrainischer Soldaten und liefert seit neuestem sogar Panzer. Zudem spielen auch die US-amerikanischen Militärbasen, allen voran Ramstein, in diesem Konflikt eine wichtige Rolle. Kurz, ohne Deutschland wäre es für die USA gar nicht möglich, die Ukraine als kriegführenden Stellvertreter für ihre Erbfeindschaft mit Moskau zu nutzen.
Die USA wiederum sind fest entschlossen, Russland eine strategische Niederlage zuzufügen. Russland kann jedoch in einem solchen Konflikt nicht nachgeben, da dies den Souveränitätsverlust des Landes bedeuten würde. Und Souveränitätsverlust bedeutet bei einem so großen Land wie Russland immer auch den territorialen Zerfall. Die USA können wiederum auch nicht nachgeben, da die Stabilität ihres zunehmend fragilen und überschuldeten Finanzsystems mittlerweile von der Fähigkeit abhängt, als globale Supermacht wahrgenommen zu werden. Zöge sich Washington aus der Ukraine zurück, stände durch den Autoritätsverlust nicht nur die Auflösung der NATO auf der Tagesordnung. Nein, auch die Finanzblasenwirtschaft, von der der Wohlstand der USA abhängt, würde dann platzen. Die USA wären fortan statt des globalen Hegemons nur noch eine Großmacht unter mehreren.
Weil das für die US-amerikanischen Eliten undenkbar erscheint, sind sie bereit, im Ukrainekrieg große, nie zuvor gewagte Risiken einzugehen. Immer wieder hört man von hochrangigen NATO-Vertretern selbstgewisse[3] Äußerungen[4], dass Putin sogar im Falle der Eskalation keine Atomwaffen einsetzen werde. Dies deutet darauf hin, dass man bereit ist, das Risiko einer Kubakrise 2.0 einzugehen und eine nukleare Erpressung Russlands zu wagen. Gerade weil die USA so viel zu verlieren haben, könnten sie auf eine Eskalation mit Russland zusteuern, in der sie nicht nur die Roten Linien Moskaus, sondern auch die der Europäer, ja der Zivilisation überschreiten.
Es gibt nur eine Grenze, die Washington in seiner Eskalationsbereitschaft Einhalt gebieten könnte. Und das ist die Grenzlinie, die Berlin zieht! Denn ohne Deutschland, wie bereits erwähnt, könnten die USA die Ukraine militärisch gar nicht unterstützen. Wenn unser Land sich diesem Krieg verweigert, dann endet er auch. Und umgekehrt, wenn wir uns als Logistikknotenpunkt, Koordinationszentrum und zukünftiges Schlachtfeld zur Verfügung stellen, dann wird dieser neue große Krieg mit hoher Wahrscheinlichkeit auch stattfinden. Und damit wären wir wieder bei dem eingangs erwähnten Karma unseres Landes. Setzt die deutsche Regierung den Weg fort, den sie seit dem 24. Februar gegangen ist – nämlich den Weg einer stetigen Anpassung an den Willen Washingtons – dann wird der kommende Weltkrieg auch unser Krieg sein. Dann wird auch der nächste Weltkrieg wie alle vorherigen ein von Deutschland mitverantworteter Krieg sein.
Denn die beiden Nuklearmächte stehen mit dem Rücken an der Wand und wissen sich nur durch Eskalation zu helfen. Ob der große Krieg geführt werden wird, entscheidet somit nicht Washington und auch nicht Moskau, nein, diese Entscheidung fällt in Berlin. Nur Berlin kann die fortschreitende Eskalation unterbrechen. Dazu allerdings müssen wir zunächst aus dem Wiederholungszwang unserer eigenen Geschichte ausbrechen. Wir müssten wenigstens einmal die Fähigkeit haben, uns in einer Vorkriegssituation zu bewähren. Und das heißt heute, die USA mit einem unmissverständlichen, mit Maßnahmen und Taten unterlegtem „Nein“ zu konfrontieren. Wird es uns gelingen?
Zum Autor: Hauke Ritz ist ein deutscher Geschichtsphilosoph und Publizist. Er befasst sich insbesondere mit Themen der Geopolitik sowie Ideengeschichte. Seine aktuellste Veröffentlichung, zusammen mit Ulrike Guérot verfasst, lautet „Endspiel Europa“ und wurde im Westend-Verlag veröffentlicht.
unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine sowie in Israel, Palästina und sonstwo, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.
15.05.2026
Nachrichten von Pressenza: Europas Mittelstreckenwaffen
Pressenza ist eine internationale Presseagentur, die sich auf Nachrichten zu den Themen Frieden und Gewaltfreiheit spezialisiert hat, mit Vertretungen in Athen, Barcelona, Berlin, Bordeaux, Brüssel, Budapest, Buenos Aires, Florenz, Lima, London, Madrid, Mailand, Manila, Mar del Plata, Montreal, München, New York, Paris, Porto, Quito, Rom, Santiago, Sao Paulo, Turin, Valencia und Wien.
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15.05.2026
US-Mittelstreckenraketen
erhardepplerkreis.substack.com, Mai 14, 2026, von Arno Gottschalk, Erhard-Eppler-Kreis
Was bei der Ersatzdebatte verschwiegen wird und warum Rolf Mützenich mit seiner Forderung nach Alternativen richtig liegt
Trump hat die geplante US-Stationierung von Mittelstreckenraketen in Deutschland gestoppt. Seitdem läuft in Berlin und Brüssel die Suche nach Ersatz: Taurus, ein europäisches Projekt namens ELSA, Tomahawk-Nachbau, türkische Raketen. Die Debatte klingt technisch – und sie verfehlt das Wesentliche.
Denn die geplanten US-Raketen waren nie nur Raketen. Sie waren Teil eines viel größeren Systems. Schon in der deutsch-amerikanischen Erklärung vom Juli 2024 stand das ausdrücklich drin: Die Waffen sollten in die sogenannten Multi-Domain Task Forces der US-Armee eingebunden werden. Genau dieser Punkt fehlt in der öffentlichen Diskussion fast vollständig.
Was steckt dahinter? Eine moderne Rakete ist heute militärisch fast wertlos, wenn sie allein dasteht. Sie braucht Augen, die das Ziel finden, ein Gehirn, das in Sekunden entscheidet, und ein Nervensystem, das alles miteinander verbindet. Die Augen sind Satelliten, Drohnen und Aufklärungsflugzeuge. Das Gehirn ist eine Mischung aus Computern, künstlicher Intelligenz und militärischen Kommandostellen. Das Nervensystem sind sichere Datennetze, die in Echtzeit Informationen austauschen. Die Rakete ist nur das letzte Glied dieser Kette – das, was am Ende abgefeuert wird. Ohne Augen, Gehirn und Nervensystem ist die beste Rakete blind.
Genau dieses Gesamtsystem haben die USA. Europa hat es nicht. Wären die US-Raketen in Deutschland stationiert worden, hätte das nicht bedeutet, dass Europa eigene Abschreckungsfähigkeit besitzt. Es hätte bedeutet: Europa hängt an einer Operationsarchitektur, die vollständig in amerikanischer Hand bleibt – Satelliten, Software, Datenleitungen, Entscheidungssysteme. Stationierungsort Deutschland, Steuerung Maryland.
Wenn dieses entscheidende Element fehlt, ist die jetzige Ersatzdebatte strategisch leer. ELSA, Taurus-Modernisierung, Tomahawk-Lizenz, türkische Raketen: All das produziert Waffen ohne das System, in das sie eigentlich gehören. Europa baut Pfeile für einen Bogen, den es nicht besitzt – und zielt auf ein Auge, das entweder im Pazifik gebunden ist oder gar nicht existiert.
Warum wird darüber nicht offen gesprochen? Weil eine ehrliche Antwort die bisherige Erzählung zerstören würde. Der Öffentlichkeit wurde die Stationierung als „Abschreckung gegenüber Russland” verkauft. Die tatsächliche Funktion – die Einbindung in eine globale US-Militärarchitektur mit eigenen Eskalationsrisiken – wurde nie offen erklärt. Würde man es jetzt zugeben, müsste man auch eingestehen, dass Europa sich seit 2024 auf einen Plan eingelassen hat, dessen Voraussetzungen es nie besaß und auch nicht aufzubauen plante.
Damit kommt eine zweite Frage ins Spiel, die noch unbequemer ist: Selbst wenn Europa diese Architektur aufbauen könnte – wollen wir sie überhaupt?
Denn so ein System ist nicht harmlos. Es senkt die Hemmschwelle für einen Angriff, weil es die Möglichkeit eröffnet, in tiefe gegnerische Strukturen hineinzuschlagen, bevor der andere reagieren kann. Es verkürzt Entscheidungszeiten so stark, dass am Ende Computer und nicht mehr Politiker bestimmen, ob geschossen wird. Es macht Europa zur globalen Konfliktpartei. Und es kostet riesige Summen, die in zivilen Bereichen fehlen – Bildung, Gesundheit, Infrastruktur, sozialer Zusammenhalt. Ein einmal aufgebauter militärisch-digitaler Komplex schafft eigene Interessen, aus denen man politisch kaum mehr aussteigen kann.
Rolf Mützenich hat deshalb recht: Jetzt ist die Zeit, ernsthaft über Alternativen nachzudenken – und obenan steht der Neuanlauf zur Abrüstung statt Aufrüstung. Trumps Stopp hat unfreiwillig ein Fenster geöffnet. Statt es sofort wieder mit hektischen Ersatzbeschaffungen zuzuschlagen, sollte Europa die entstandene Pause nutzen, um die strategische Logik selbst infrage zu stellen. Eine neue Mittelstreckenrüstung in Europa – ob amerikanisch, europäisch oder türkisch – wird die Sicherheit unseres Kontinents nicht erhöhen, sondern Eskalationsdynamiken verschärfen, die zuletzt 1987 mit dem INF-Vertrag eingedämmt wurden. Genau dort liegt der eigentliche politische Auftrag: nicht in der Suche nach der nächsten Rakete, sondern im Neuanlauf zu verbindlicher Rüstungskontrolle. Das ist kein nostalgischer Reflex, sondern strategische Vernunft. Wer die Architekturlücke ehrlich benennt und gleichzeitig die Risiken eines eigenen Multi-Domain-Aufbaus mitdenkt, kommt zwangsläufig zu dem Schluss: Der vernünftigere Weg ist, die Spirale anzuhalten, statt sie auf europäischer Ebene neu aufzuziehen.
Die Debatte müsste deshalb auf zwei Ebenen geführt werden, die beide bisher vermieden werden. Erstens: ehrlich darüber reden, was die geplante Stationierung wirklich war – nicht europäische Abschreckung, sondern Einbindung in ein US-System. Zweitens: politisch entscheiden, ob wir die Konsequenz – Aufbau einer eigenen Architektur – wirklich wollen, oder ob die bessere Antwort Abrüstung und Rüstungskontrolle heißt.
Solange diese Fragen ungestellt bleiben, dreht sich die Beschaffungsdebatte um Hardware-Symbole, während die wirklichen Weichen ohne öffentliche Diskussion gestellt werden. Mützenichs Einwurf zeigt, wohin der Kompass jetzt zeigen müsste.
unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine sowie in Israel, Palästina und sonstwo, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.
US-Präsident Trump hat die geplante US-Stationierung von Mittelstreckenraketen in Deutschland gestoppt. Seitdem läuft in Berlin und Brüssel die Suche nach Ersatz: Taurus, ein europäisches Projekt namens ELSA, Tomahawk-Nachbau, türkische Raketen. Die Debatte klingt technisch – und sie verfehlt das Wesentliche.
Von Arno Gottschalk*
Die geplanten US-Raketen waren nie nur Raketen. Sie waren Teil eines viel größeren Systems. Schon in der deutsch-amerikanischen Erklärung vom Juli 2024 stand das ausdrücklich drin: Die Waffen sollten in die sogenannten Multi-Domain Task Forces der US-Armee eingebunden werden. Genau dieser Punkt fehlt in der öffentlichen Diskussion fast vollständig.
Was steckt dahinter? Eine moderne Rakete ist heute militärisch fast wertlos, wenn sie allein dasteht. Sie braucht Augen, die das Ziel finden, ein Gehirn, das in Sekunden entscheidet, und ein Nervensystem, das alles miteinander verbindet. Die Augen sind Satelliten, Drohnen und Aufklärungsflugzeuge. Das Gehirn ist eine Mischung aus Computern, künstlicher Intelligenz und militärischen Kommandostellen.
Das Nervensystem sind sichere Datennetze, die in Echtzeit Informationen austauschen. Die Rakete ist nur das letzte Glied dieser Kette – das, was am Ende abgefeuert wird. Ohne Augen, Gehirn und Nervensystem ist die beste Rakete blind.
Ersatzdebatte führt in die Irre
Genau dieses Gesamtsystem haben die USA. Europa hat es nicht. Wären die US-Raketen in Deutschland stationiert worden, hätte das nicht bedeutet, dass Europa eigene Abschreckungsfähigkeit besitzt. Es hätte bedeutet: Europa hängt an einer Operationsarchitektur, die vollständig in amerikanischer Hand bleibt – Satelliten, Software, Datenleitungen, Entscheidungssysteme. Stationierungsort Deutschland, Steuerung Maryland.
Wenn dieses entscheidende Element fehlt, ist die jetzige Ersatzdebatte strategisch leer. ELSA, Taurus-Modernisierung, Tomahawk-Lizenz, türkische Raketen: All das produziert Waffen ohne das System, in das sie eigentlich gehören. Europa baut Pfeile für einen Bogen, den es nicht besitzt – und zielt auf ein Auge, das entweder im Pazifik gebunden ist oder gar nicht existiert.
Warum wird darüber nicht offen gesprochen? Weil eine ehrliche Antwort die bisherige Erzählung zerstören würde. Der Öffentlichkeit wurde die Stationierung als „Abschreckung gegenüber Russland” verkauft. Die tatsächliche Funktion – die Einbindung in eine globale US-Militärarchitektur mit eigenen Eskalationsrisiken – wurde nie offen erklärt. Würde man es jetzt zugeben, müsste man auch eingestehen, dass Europa sich seit 2024 auf einen Plan eingelassen hat, dessen Voraussetzungen es nie besaß und auch nicht aufzubauen plante.
*SPD-Politiker aus Bremen. Weiterlesen auf Substack. Mehr zur Aufrüstung in EUropa hier
@KK: “keinerlei Einfluss” – das ist falsch: Rolf Mützenich halten die Granden der Seeheimer für so gefährlich, dass sie ihm keinerlei Funktion in ihrem riesigen Parteiapparat gönnen! Mützenichs Einfluss ist ganz enorm. In der Friedensbewegung ist der Erhard Eppler-Kreis sehr wohl bekannt und gut eingeführt (teils auch ambivalent, wie bei der SPD leider üblich). Und warum soll nicht ein Ökonom, Arno Gottschalk, in Bremen Kommunalpolitik treiben, wenn er sich dadurch die Unabhängigkeit und geistige Frische bewahrt, solche fundierten friedenspolitischen Beiträge in dem bundesweiten Diskussionszusammenhang schreiben zu können?!!
An dem Beitrag des Gottschalk schätze ich sehr hoch, dass er die Grundsätze der Friedenssicherung zum Tragen bringt, die ich einst im Politikstudium gelernt habe, die aber heute weitgehend aus Hochschulen, Politik und Medien vertrieben sind. Vielen herzlichen Dank Ebo! Diesen Blog des Eppler-Kreises kannte ich noch nicht und habe ihn sofort abonniert.
@ebo: Herzlichen Dank für diesen Beitrag und den Link auf den kompletten Artikel von Arno Gottschalk! Offenbar gibt es in der Seeheimer Partei Deutschland (SPD) einzelne Abweichler, die mit der Realität noch nicht gebrochen haben. Leider nicht im Bundestag oder gar auf EUropäischer Ebene. Herr Gottschalk ist Bremer Lokalpolitiker.
Ob der Erhard-Eppler-Kreis, auf dessen Seiten der Artikel veröffentlicht wurde, irgend einen Einfluss in dieser Partei hat, ist mir nicht bekannt. Gemerkt habe ich jedenfalls noch nie etwas davon.
Der Eppler-Kreis geistert doch u.a. mit seinem offenen Brief schon länger herum – allein, er hat keinerlei Einfluss auf die tatsächlich entscheidenden Parteigremien.
Karl 15. Mai 2026 @ 05:43
@KK: “keinerlei Einfluss” – das ist falsch: Rolf Mützenich halten die Granden der Seeheimer für so gefährlich, dass sie ihm keinerlei Funktion in ihrem riesigen Parteiapparat gönnen! Mützenichs Einfluss ist ganz enorm. In der Friedensbewegung ist der Erhard Eppler-Kreis sehr wohl bekannt und gut eingeführt (teils auch ambivalent, wie bei der SPD leider üblich). Und warum soll nicht ein Ökonom, Arno Gottschalk, in Bremen Kommunalpolitik treiben, wenn er sich dadurch die Unabhängigkeit und geistige Frische bewahrt, solche fundierten friedenspolitischen Beiträge in dem bundesweiten Diskussionszusammenhang schreiben zu können?!!
An dem Beitrag des Gottschalk schätze ich sehr hoch, dass er die Grundsätze der Friedenssicherung zum Tragen bringt, die ich einst im Politikstudium gelernt habe, die aber heute weitgehend aus Hochschulen, Politik und Medien vertrieben sind. Vielen herzlichen Dank Ebo! Diesen Blog des Eppler-Kreises kannte ich noch nicht und habe ihn sofort abonniert.
Erneuerung 14. Mai 2026 @ 19:18
Wenn das der Russe liest, greift er morgen Deutschland an, denn er hat das alles, unter seinem Hut. Wir müssen unbedingt und sofort die Mobilmachung starten, damit auch wirklich nichts übrig bleibt, zumindest kein Humankapital.
Ich lese hier etwas über Augen, Nervensystem und Gehirn. Alles Dinge, die unseren politischen Eliten abhanden gekommen sind. Darum sehen sie die einzige Zukunftsperspektive in autonomen Waffen. Keine Tagesschau ohne Waffenschau!
“…die Einbindung in eine globale US-Militärarchitektur mit eigenen Eskalationsrisiken”. Die selbe Ungeheuerlichkeit, wie beim Geheule nach dem europäischen “nuklearen Schirm”: Frankreich oder GB stellen die nuklearen Kapazitäten, haben aber die ausschließliche Befehlsgewalt, der “Nuklearschirm” selbst aber macht Deutschland noch mehr zum Angriffsziel, als es ohnehin schon wäre. Dieses unmenschliche, zynische, nukleare “über-Bande-Spielen” scheinen deutsche Militärexperten nicht zu erkennen – oder ist es ihnen einfach wurscht? Nach alldem, was ich im Hinblick auf Deutschlands “Sicherheitspolitik” seit 2022 mitansehen muss, vermutlich letzteres.
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16.05.2026
Presse- und Meinungsfreiheit....
aus e-mail von Doris Pumphrey, 15. Mai 2026, 11:31 Uhr
„Jeder hatte Angst, was Falsches zu sagen. Jeder hatte Angst, den Job zu verlieren“
Der Journalist Fabian Goldmann hat in seinem Buch „Staatsräsonfunk: Deutsche Medien und der Genozid in Gaza“ über das Versagen der sogenannten deutschen „Leitmedien“ in der Berichterstattung zum Gaza-Krieg geschrieben. Im hier abgedruckten Kapitel „Druck von allen Seiten“ (im Buch Kapitel 8.6.) berichtet Goldmann über die Angst in den Redaktionen und den Druck auf Journalisten – durch ihre Vorgesetzen, Social-Media-Kampagnen sowie israelische Regierungsvertreter und Organisationen. Ein Blick hinter die Kulissen, der zeigt, wie stark die Pressefreiheit beim Thema Israel und Gaza in Deutschland aktiv eingeschränkt wird und wie sehr auch die Journalisten selbst darunter leiden. Ein Buchausschnitt von Fabian Goldmann.< Hier weiterlesen:https://www.nachdenkseiten.de/?p=150342
„Blacklisting“ freier Medien? Offener Brief fordert Stellungnahme des Deutschen Bundestages
Nach einem Interview mit Björn Höcke rief SPD-Politikerin Saskia Esken zu Werbeboykotten gegen freie Medien auf. Der Verfasser eines offenen Briefs warnt vor Eingriffen in die Pressfreiheit. Die Berliner Zeitung und die Ostdeutsche Allgemeine Zeitung veröffentlichen im Folgenden einen offenen Brief, adressiert an den Deutschen Bundestag und die Bundestagsfraktionen. Anlass sind öffentliche Äußerungen der SPD-Politikerin Saskia Esken im Zusammenhang mit dem Podcast „Ben ungeskriptet“ von Benjamin Berndt und einem dort veröffentlichten Gespräch mit dem AfD-Politiker Björn Höcke. Hier weiterlesen:https://www.berliner-zeitung.de/article/offener-brief-wahrung-der-pressefreiheit-und-demokratischen-debattenkultur-10036333
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16.05.2026
„Die Perspektive des Friedens“ Interview mit Ulrike Eifler über den stärker werdenden Kampf der Gewerkschaften auf nationaler wie internationaler Ebene gegen die Kriegsgefahr und darüber, warum dieser Kampf für Gewerkschaften unumgänglich ist.
german-foreign-policy.com, 15. Mai 2026
AACHEN Über den stärker werdenden Kampf der Gewerkschaften gegen Militarisierung und Kriegsgefahr sprach german-foreign-policy.com mit Ulrike Eifler. Eifler ist Gewerkschaftssekretärin in Würzburg und setzt sich bereits seit Jahren für eine entschiedene Friedenspolitik der Gewerkschaften ein. Das sei unumgänglich – denn „wenn eine Gesellschaft militarisiert wird“, dann werde immer „auch die Arbeitswelt militarisiert“. Das erlebe man „ganz aktuell“ als Konsequenz aus der „Jahrhundertaufrüstung“, die die Bundesregierung zur Zeit vorantreibt. So müssten etwa Krankenschwestern lernen, Kriegswunden zu versorgen, während Sachbearbeiterinnen in der Agentur für Arbeit darin geschult würden, Arbeitslose an die Bundeswehr zu vermitteln. Die Gewerkschaften müssten sich der Thematik noch stärker annehmen; auch, weil alles, wofür sie einstünden – von Lohnerhöhungen bis zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf –, „nur im Frieden“ möglich sei: „Im Krieg funktioniert das nicht“, hält Eifler fest. Sie weist auf die vierte Gewerkschaftskonferenz für den Frieden am 24./25. Juli in Würzburg und auf eine aus der Arbeiterbewegung heraus organisierte internationale Anti-Kriegs-Konferenz am 20. Juni in London hin.
german-foreign-policy.com: Sie laden für den 24./25. Juli zu einer Gewerkschaftskonferenz für den Frieden nach Würzburg ein. Warum?
Ulrike Eifler: Weil wir in unseren Gewerkschaften die Diskussion über Krieg und Frieden organisieren wollen. Wenn die Gesellschaft militarisiert wird, dann wird auch die Arbeitswelt militarisiert. Und wir müssen feststellen: Die Militarisierung ist inzwischen bis in die letzten Winkel der Arbeitswelt vorgedrungen. Kollegen, die jahrzehntelang zivile Fahrzeuge gebaut haben, finden sich plötzlich in Rüstungsbetrieben wieder. Lehrer sind verpflichtet, Soldaten in den Unterricht einladen. Journalisten haben mehr und mehr der außenpolitischen Linie der Bundesregierung zu folgen. Sachbearbeiterinnen in der Agentur für Arbeit werden dazu angehalten, ja sogar darauf geschult, arbeitslose Menschen in die Bundeswehr zu vermitteln. Hafenarbeiter müssen Waffenlieferungen verladen, und so weiter und so fort. All das zeigt, wie sehr sich Militarisierungsfragen und Arbeitsweltfragen ineinander verschränken.
Es ist wichtig zu verstehen, dass die Perspektive der Arbeitgeber die Perspektive des Krieges ist. Sie verdienen am Krieg oder haben entschieden, Teil einer funktionierenden Kriegsmaschinerie zu sein. Das gilt nicht nur für Rüstungsunternehmen. Auch staatliche Strukturen haben sich in den Dienst der Kriegsvorbereitungen gestellt. Denken wir beispielsweise an kommunale Busunternehmen, die ihre Busse mit Bundeswehrwerbung bekleben. Denken wir an die Karrierecenter der Bundeswehr, die für die Wehrerfassung zuständig sind. Denken wir an Krankenhäuser, wo das Pflegepersonal die Verwundung von Kriegswunden erlernen und an Evakuierungstrainings teilnehmen muss. Oder denken wir an den Verfassungsschutz, der minderjährige Schüler einschüchtert, die an ihren Schulen Schulstreiks organisieren. Die Friedensfrage ist deswegen wichtig, weil die Kriegsvorbereitung zum Teil der Arbeitswelt geworden ist. Und weil wir unsere gewerkschaftlichen Umverteilungskämpfe nur erfolgreich führen können, wenn wir die Militarisierung der Arbeitswelt zurückdrängen. Lohnerhöhungen, Arbeitszeitverkürzungen oder die Vereinbarkeit von Familie und Beruf – all das funktioniert im Krieg nicht. Deshalb ist die Perspektive des Friedens unsere Perspektive.
Und dann sehen wir natürlich, dass die Aufrüstung zum Frontalangriff auf die abhängig Beschäftigten wird. Die Bundesregierung hat sich zu einer Jahrhundertaufrüstung entschieden und will sie über Eingriffe in unsere Renten, unsere Bildung, unsere Gesundheit finanzieren. Ein Panzer kostet im Schnitt 28 Millionen Euro - ein einziger! Das alles muss finanziert werden. Und die Milliarden und Abermilliarden dafür holt sich die Bundesregierung bei den einfachen Leuten. Sie haben seit der Corona-Pandemie mit einer sich ständig verschärfenden Krise der Lebenshaltungskosten zu kämpfen. Diese Krise wird sich durch die herannahende Weltwirtschaftskrise zusätzlich verschärfen. Wenn dann noch der Sozialstaat zerstört wird, worauf aktuell alles hinweist, dann wird das viele Menschen in große Nöte und Unwägbarkeiten stürzen. Um wirksam Protest dagegen zu organisieren, müssen wir uns darüber verständigen, was genau da eigentlich passiert. Um das zu organisieren, dafür ist unsere Konferenz da.
german-foreign-policy.com: Die Konferenz ist bereits die vierte Gewerkschaftskonferenz für den Frieden. Wie sind denn die ersten drei Konferenzen verlaufen?
Ulrike Eifler: Die Konferenzen waren ein wichtiger Kristallisationspunkt für die innergewerkschaftliche Debatte. Auch weil daraus zwei Sammelbände entstanden sind – mit Texten zum Thema. Geschrieben von Gewerkschaftern für Gewerkschafter. Sie bieten Orientierung und sollen den Kolleginnen und Kollegen helfen, die Welt besser zu verstehen. Inzwischen finden überall in der Republik Veranstaltungen statt, auf denen diskutiert wird, wie sehr die „Zeitenwende“ die Bedingungen für die Gewerkschaften verändert. Manchmal organisiert von lokalen Friedensinitiativen, in denen Gewerkschafter sitzen, manchmal organisiert von ganzen Gewerkschaftsgremien. Damit sind die Konferenzen der inzwischen wichtigste Referenzpunkt für friedensbewegte Gewerkschafter geworden.
Im Verlauf der Konferenzen hat sich allerdings auch die politische Ausrichtung verändert. Auf der ersten Konferenz war es uns noch wichtig, die Rolle der Gewerkschaften in der Friedensbewegung zu diskutieren. Gewissermaßen aus einem moralischen Anspruch heraus und im wesentlichen aus unserer Geschichte begründet. Im Verlauf der Konferenzen haben wir jedoch verstanden, dass wir aufgrund der heftigen Angriffe auf soziale Errungenschaften ganz andere Fragen miteinander besprechen müssen. Wie verhalten wir uns als Gewerkschaften beispielsweise dazu, wenn die Bundesregierung auf Kriegswirtschaft umstellt? Wie verhalten wir uns zu dem grassierenden Sozialabbau, mit dem die Aufrüstung finanziert wird? Wie verhalten wir uns zur Militarisierung des Bildungsbereichs, zu der Tatsache etwa, dass Lehrer verpflichtet werden, Soldaten in den Unterricht einzuladen? In diese Diskussion sind wir eingestiegen und haben dann unsere Konferenzen stärker thematisch ausdifferenziert.
german-foreign-policy.com: Inzwischen nehmen immer mehr Unternehmen, die aufgrund der Wirtschaftskrise in die Bredouille geraten, einen Einstieg in die Rüstungsproduktion in den Blick. Wie wirkt sich das auf die Debatte in den Betrieben und in den Gewerkschaften aus – wird es schwerer, für Frieden zu argumentieren?
Ulrike Eifler: Einerseits ja, andererseits nein. Das Problem ist in der Tat, dass die Militarisierung vor dem Hintergrund einer Industriekrise stattfindet. Und sowohl die Bundesregierung als auch die Arbeitgeber versuchen den Eindruck zu ermitteln, dass die Jobs, die in der zivilen Produktion wegfallen, durch Rüstungsproduktion gerettet werden können. Das macht es in der Tat schwierig, Anti-Kriegs-Proteste zu organisieren. Aber es gibt auch hier durchaus interessante Entwicklungen. So haben zum Beispiel die Vertrauensleute bei VW, bei Ford und bei ZF Resolutionen verabschiedet, in denen sie sich von der Umstellung auf Rüstungsproduktion in ihrem Unternehmen distanzieren.
Aber unabhängig davon müssen wir die Frage diskutieren, was die richtige gewerkschaftliche Strategie in Rüstungsbetrieben ist. Dazu gehört zu berücksichtigen, dass auch die Kollegen in Rüstungsbetrieben und in bisher zivilen Betrieben, die teilweise oder sogar ganz in die Rüstung wechseln, wie alle anderen ihre Rechnungen bezahlen müssen und ihren Kindern eine Ausbildung ermöglichen wollen. Daraus ergibt sich aus meiner Sicht die originäre Aufgabe, die Arbeitsplätze auch in Rüstungsbetrieben zu schützen – wie in allen anderen Betrieben auch. Doch der Aufbau von starken Vertrauensleutestrukturen und die politische Diskussion, was mit den hergestellten Rüstungsgütern am Ende passiert, was sie anrichten, wenn sie zum Einsatz kommen, diese Arbeit ist in Rüstungsbetrieben unersetzlich.
Auch deshalb, weil Beschäftigte in der Rüstungsindustrie durchaus eine Distanz zum eigenen Unternehmen haben. Politische Gewerkschaftsarbeit muss das auffangen, denn genauso schnell wie die politischen Entwicklungen in Bewegung sind, genauso schnell kann auch Bewusstsein in Bewegung geraten. Ich habe vor Jahren mal einen alten italienischen Arbeiter getroffen, der in den 1940er Jahren in einer Waffenfabrik gearbeitet hat. Er war stets pünktlich, nie krank, immer der Schnellste im Akkord. Und er machte sich keine Gedanken über die Waffen, an deren Produktion er beteiligt war. Als er miterlebte, wie die Polizei auf eine Demonstration schoß und Menschen dabei starben, hat er den Job gekündigt und sich den italienischen Partisanen angeschlossen.
Am Ende aber ist es eine konsequente gewerkschaftliche Interessenvertretung, die die Beschäftigten in einem Rüstungsunternehmen in den Widerspruch zu ihrem Management bringt. Den Hafenarbeitern in Genua, die sich geweigert haben, die Rüstungsexporte nach Israel zu verladen, ging es auch um den Arbeitsschutz, weil das Arbeiten an Containern mit Sprengstoffen gefährlich ist. Ähnliches habe ich aus dem Hafen von Piräus gehört. Hier haben die Kollegen argumentiert, dass die Abwicklung von Rüstungsexporten den Hafen zu einem Ziel macht, und die Verladung deshalb abgelehnt. Wer in Rüstungsbetrieben für gute Arbeitsbedingungen kämpft, gerät in den Widerspruch zum Management. Die Lohnfrage ist die entscheidende Frage, sie legt den Widerspruch offen. Die Debatte darüber müssten wir in den Gewerkschaften stärker aufgreifen.
german-foreign-policy.com: Die klassische Konversionsdebatte, die Entwicklung von Plänen, Rüstungsbetriebe in die zivile Produktion zu überführen – das ist heute wahrscheinlich schwierig, oder?
Ulrike Eifler: Ja, diese Debatte ist in der Tat heute sehr viel schwieriger geworden als in den siebziger und achtziger Jahren. Konversion war ja immer die Strategie, durch eine gezielte Umstellung der Rüstungsproduktion auf zivile Produktion die Arbeitsplätze und Einkommen der Kollegen zu schützen. Jetzt aber erleben wir das Gegenteil. Die Umstellung von ziviler auf Rüstungsproduktion wird zur Strategie, um Jobs zu retten. Zumindest ist das die Erzählung. Und die Bundesregierung stellt gezielt die Weichen dafür. Ihre industriepolitische Strategie orientiert darauf, die Rüstungsindustrie zu stärken und auszuweiten. Das erreicht sie durch staatliche Aufträge, staatliche Abnahmegarantien, die prioritäre Versorgung mit Rohstoffen, Unterstützung bei der Rekrutierung von Fachkräften und durch die Anwendung des Arbeitssicherstellungsgesetzes. Bei letzterem handelt es sich um ein Notstandsgesetz, das im Spannungs-, Bündnis- oder Verteidigungsfall die Aussetzung des Streikrechts und sogar den Arbeitszwang regelt.
Vor dem Hintergrund dieser schwierigen Entwicklung gibt Konversion heute keine ausreichende Antwort mehr auf die Widersprüche, zumal der Erfolg der Konversionsprojekte ohnehin sehr überschaubar ist und in der Vergangenheit häufig nur funktionierte, wenn sich kein Geld mehr verdienen ließ. Das ist heute aber nicht mehr der Fall. Entscheidend ist es aus meiner Sicht daher, dass wir die Konversionsidee einbetten in eine industriepolitische Debatte darüber, was für eine Industriepolitik wir eigentlich wollen, und auf dieser Grundlage die Kämpfe organisieren.
Und da sage ich ganz deutlich: Eine Industriepolitik, die nicht auf Frieden orientiert, ist keine Industriepolitik im Interesse der Kolleginnen und Kollegen. Warum? Weil die Umstellung auf Rüstungsindustrie die Deindustrialisierung, von der ja so oft die Rede ist, nicht verhindert, sondern diese sogar noch beschleunigt. Warum? Weil man Arbeitskräfte und finanzielle Ressourcen aus produktiven Industriebereichen abzieht und in eine Industrie umlenkt, die keinerlei gesellschaftlichen Nutzen hat. Das befördert die Herausbildung einer industriellen Monostruktur, die den wirtschaftlichen Erfolg von einer globalen Kriegsentwicklung abhängig macht.
Gleichzeitig wissen wir, dass Investitionen in den Bau von Krankenhäusern, Schulen, Kindergärten oder den öffentlichen Nahverkehr nicht nur einen größeren gesellschaftlichen Nutzen haben, sondern auch deutlich höhere Wachstums- und Jobeffekte. Von jedem Euro, den die Bundesregierung in unsere Infrastruktur investiert, kommen 1,50 Euro in der heimischen Wirtschaft an. Bei Investitionen in die Bildung sind es sogar drei Euro. Bei Investitionen in die Rüstung nur null bis 0,50 Euro. Das heißt also, Investitionen in die Rüstung sind nicht nur nicht alternativlos, sondern im Hinblick auf Wachstumseffekte regelrecht nutzlos.
german-foreign-policy.com: Kommt denn neben der Debatte über Krieg und Frieden in den Gewerkschaften auch schon eine Debatte in den Betrieben in Gang?
Ulrike Eifler: Ja, die Diskussion in den Betrieben kommt durchaus in Gang. Die Menschen spüren, dass wir uns an einem historischen Wendepunkt befinden, dass die 80 Jahre, die wir in Frieden gelebt haben, in eine neue, kriegerische Ära übergehen. Ich war kürzlich beim Schulstreik gegen die Wehrpflicht. Da hat eine Altenpflegerin spontan das Wort ergriffen und den streikenden Schülern erzählt, wie sehr die älteren Menschen in ihrem Pflegeheim noch immer von Kriegserfahrungen geprägt sind und selbst nach 80 Jahren noch hochtraumatisiert von Bombennächten, verlorenen Angehörigen und vor allem von ihrer Kriegsangst berichten. Anwesend war auch ein Lehrer, der mit seinen Schülern teilnahm. In Leipzig hat ein junger DHL-Mitarbeiter eine Kündigung bekommen, weil er sich auf einer Demonstration gegen Waffenexporte nach Israel aussprach. In München verweigern drei Busfahrer die Fahrt der Straßenbahnen, die mit Bundeswehrwerbung beklebt sind. Und ich kenne mehr als einen Kollegen, der sagt, dass er sofort kündigen würde, wenn in seinem Betrieb plötzlich für die Rüstung produziert wird. Das alles sind tolle, inspirierende Beispiele. Aber es sind keine kollektiv organisierten Aktionen, sondern individuelle. Die Kollegen sind deshalb auch leichter angreifbar.
Aber auch wenn wir uns aktuelle gewerkschaftliche Beschlüsse oder Initiativen anschauen, zeigt sich: Da passiert schon richtig viel. Auf dem DGB Bundeskongress, der vor ein paar Tagen stattfand, wurde mit riesiger Mehrheit ein Beschluss gegen die Wiedereinsetzung der Wehrpflicht gefasst. Die IG Metall in Würzburg und in Frankfurt bietet im Rahmen ihrer arbeits- und sozialrechtlichen Beratung auch eine Beratung für Kriegsdienstverweigerer an. Der ver.di-Landesbezirk Baden-Württemberg hat im vergangenen Jahr zur großen Antikriegsdemonstration am 3. Oktober in Stuttgart aufgerufen. In München ist aus den Gewerkschaften heraus eine Initiative entstanden, die sich „Soziales rauf – Rüstung runter“ nennt; die Kolleginnen und Kollegen dort haben aus den Gewerkschaften heraus eine Demonstration organisiert, bei der sie die Rüstungsthematik mit der sozialen Frage verknüpft haben. Es ist bundesweite Initiative „Gewerkschafter*innen für Kuba“ entstanden. Die GEW in Bayern hat eine Popularklage gegen das Bundeswehrförderungsgesetz eingereicht, das Lehrer verpflichtet, Soldaten in den Unterricht einzuladen. Es tut sich einiges in unseren Gewerkschaften. Was bislang fehlt ist eine organisatorische Struktur, die diese Erfahrungen bündelt, verallgemeinert und eine strategische Debatte dazu organisiert.
german-foreign-policy.com: Auch international sind die Gewerkschaften sehr aktiv. Im Juni wird in London eine internationale Anti-Kriegs-Konferenz stattfinden…
Ulrike Eifler: Es gibt auf internationaler Ebene hervorragende, wichtige Stellungnahmen von Gewerkschaften und Dachverbänden zum Genozid in Gaza, zum Überfall auf Venezuela und zu den völkerrechtswidrigen Angriffen auf den Iran und Libanon. Gleichzeitig gibt es aus der Arbeiterbewegung heraus jetzt auch die Initiative zu einer großen internationalen Friedenskonferenz am 20. Juni in London. Das ist schon die zweite Konferenz; eine erste hat im Oktober 2025 in Paris stattgefunden.
Diese internationale Vernetzung ist deshalb wichtig, weil sie uns die Möglichkeit gibt, unsere Aktivitäten europaweit zu vernetzen, zu bündeln und aufeinander abzustimmen. In Belgien gibt es mittlerweile eine starke und inspirierende gewerkschaftliche Bewegung gegen Sozialabbau und Aufrüstung. In Deutschland dagegen steckt der Protest irgendwie fest. Hier hat die jahrzehntelange Tradition der Sozialpartnerschaft dazu geführt, dass die Menschen nicht mehr fühlen können, dass sie ganz persönlich etwas verändern können. Dieses Gefühl muss wiederhergestellt werden. All das zeigt: Der Antikriegsprotest in Europa findet ungleichzeitig statt, aber er findet statt. Überall. Insbesondere deutsche Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter sollten nach London fahren und sich von den internationalen Erfahrungen inspirieren lassen. Ich glaube, wir brauchen das Feuer internationaler Gewerkschaftsproteste, um den Funken auf unsere eigenen Gewerkschaften überspringen zu lassen.
unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine sowie in Israel, Palästina und sonstwo, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.