Diese Website verwendet nur technisch notwendige Cookies.
19.05.2021

Sterblichkeit - Fallzahlen nach Monaten für Deutschland 2016 - 2021


                       Rohdaten Statistisches Bundesamt, aktueller Stand: 18. Mai 2021


   Jan.
   Feb.   März   April   Mai  Juni  Juli   Aug.  Sept.   Okt.   Nov.   Dez.
2021 106193  81568
   81079
  80976







2020   85421  80070   87517  83885  75823 72177
 73822  78711 74089  79672  86083 108726
2019   85105  81009   86739  77410  75669 
 73483
 76926  73444 
 71022  77006  78378   83329
2018   84973  85799 107104  79539  74648 69328 75605  78370 69708  74039  74762   80999
2017   96033  90649   82934  73204
  75683 69644 71411  71488 69391  75229  74987   81610
2016   81742  76619
   83668  75315  74525 69186 72122  71295 69037  76001  77050   84339

Gesamtsterblichkeit: 2021 bis Apr. = 349 816 ; 2020 = 985 996 ; 2019 = 939 520 ; 2018 = 954 874 ; 2017 = 932 263 ; 2016 = 910 899


Info: https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Bevoelkerung/Sterbefaelle-Lebenserwartung/Tabellen/sonderauswertung-sterbefaelle-pdf.pdf?


                     V.i.S.d.P.: Initiative: "Kein Militär mehr", Leinaustraße 3, D-30451 Hannover
19.05.2021

"Aktives Programm im ganzen Land" – USA betreiben in Russland ein illegales Aktivisten-Netz   

https://de.rt.com/international/117638-aktives-programm-im-ganzen-land-usa-betreibt-illegales-aktivisten-netz-russland

19.5.2021, aus E-Mail von Doris Pumphrey
*Mit geheimdienstlichen Methoden fördert der Verein National Endowment for Democracy (NED) weltweit oppositionelle Gruppen, die im US-Interesse agieren – darunter auch Alexei Nawalny und Swetlana Tichanowskaja. Der langjährige NED-Chef hat das bei einem Prankster-Anruf aus Russland eingestanden.
Der US-Kongress schuf die "gemeinnützige" Organisation National Endowment for Democracy im Jahre 1983 als halbstaatlichen Arm der US-Außenpolitik. Gegründet wurde die "Denkfabrik" vom Direktor des US-Auslandsgeheimdienstes CIA William J. Casey. Für dessen Ziel der weltweiten Förderung der "liberalen Demokratie" bekommt sie seitdem jährlich ihre Finanzierung aus dem US-Bundeshaushalt, in den letzten Jahren im dreistelligen Millionenbereich.
Von Anfang an stand NED im Verruf <https://www.freitag.de/autoren/sebastianus/das-wesen-der-intervention>, Umsturzversuche weltweit zu organisieren und finanziell zu unterstützen – zunächst in Lateinamerika, später in Osteuropa und im arabischen <https://www.nytimes.com/2011/04/15/world/15aid.html>  Raum. "Vieles von dem, was wir heute tun, wurde vor 25 Jahren von der CIA im Geheimen gemacht",  sagte <https://de.rt.com/international/117638-aktives-programm-im-ganzen-land-usa-betreibt-illegales-aktivisten-netz-russland/Allen%20Weinstein>  der Vordenker und Mitbegründer des NED Allen Weinstein noch im Jahre 1991.
Damals – zur Zeit der Wende, als prosowjetische Regierungen in Ostmitteleuropa und die Sowjet Union selbst zusammenbrachen – wurde ernsthaft diskutiert <https://www.washingtonpost.com/archive/opinions/1991/09/22/innocence-abroad-the-new-world-of-spyless-coups/92bb989a-de6e-4bb8-99b9-462c76b59a16/>, ob die Geheimdienste in ihrem üblichen Sinne überhaupt noch nötig seien. Es hieß, Stiftungen wie jene des Finanzspekulanten George Soros würden für das Erreichen der gleichen Ziele wie jener der Geheimdienste ausreichen.
Doch sowohl NATO als auch die Geheimdienste blieben nach dem Ende des Kalten Krieges nicht weniger einflussreich. Im Gegenteil, sie wuchsen weiter. Genauso wie NED und ähnliche Organisationen – wie USAID, Freedom House oder Open Society. Wegen ihrer Beteiligung bei den "farbenfrohen" Revolutionen werden sie in vielen Ländern inzwischen als "unerwünscht" eingestuft, so auch in Russland. Für die Zusammenarbeit mit einer unerwünschten Organisation drohen in Russland kleinere Geldstrafen, in Falle einer aktiven Teilnahme kann jedoch ein Strafverfahren eingeleitet werden.
Obwohl es NED untersagt ist, eigene Büros in Russland zu betreiben, sei der Status einer "verbotenen" Organisation für den US-Fonds kein Problem. Er könne trotzdem ein ausgedehntes Netzwerk von Aktivisten, oppositionellen Gruppen und Medien in Russland finanziell unterstützen und zusammenführen, welches tief in die Regionen hineinreiche. Dazu zähle auch das Nawalny-Netzwerk. Das sagten kein Geringerer als der NED-President Carl Gershman <https://www.ned.org/experts/carl-gershman/>  und seine Stellvertreterin für Politik und Strategie Barbara Haig <https://www.ned.org/experts/barbara-haig/>  in einer Video-Konferenz. Bei dem Anruf waren sie im Glauben, mit der weißrussischen Ex-Präsidentschaftskandidatin Swetlana Tichanowskaja und ihrem Stabschef zu sprechen.
/Hier weiterlesen:/https://de.rt.com/international/117638-aktives-programm-im-ganzen-land-usa-betreibt-illegales-aktivisten-netz-russland  
18.05.2021

Lehren aus der Reaktorkatastrophe    -    35 Jahre Tschernobyl

untergrund-blättle.ch, 14. Mai 2021
35 Jahre nach der Reaktorkatastrophe in Tschernobyl erinnert Matthias Eickhoff an die damaligen Geschehnisse und zieht eine Bilanz sowohl für die (Energie-)Politik, als auch für die Anti-Atom-Bewegung in Deutschland.


Zitat: In der Nacht vom 25. auf den 26. April 1986 trat im sowjetischen AKW Tschernobyl das bis dato Undenkbare ein: Reaktor 4 geriet bei einem Experiment ausser Kontrolle und explodierte. Aus einem GAU – dem „Grössten Anzunehmenden Unfall“ – wurde über Nacht ein Super-GAU. Die Folgen waren und sind bis heute katastrophal. Zunächst unterschätzte die sowjetische Parteiführung in Kiew und im zentralen Moskau die Auswirkungen sträflich und verordnete absolute Geheimhaltung. So wurden die Menschen in Westeuropa erst einige Tage später durch die Messung von erhöhter Radioaktivität in Schweden alarmiert. Nicht nur in der ukrainischen Hauptstadt Kiew – nur rund 100 km südlich von Tschernobyl – fanden noch am 1. Mai die gewohnten „Arbeiter“-Paraden statt.


Dabei hatte man in Moskau schon begriffen, dass Tschernobyl mehr als nur eine ärgerliche Panne war. Die angrenzende Stadt Pripjat war komplett evakuiert worden, insgesamt wurden 350.000 Menschen auf Dauer umgesiedelt. Hunderttausende Notkräfte wurden mobilisiert, um die verheerende Katastrophe unter Lebensgefahr unter Kontrolle zu bekommen. Das Ausmass des menschlichen Einsatzes war gewaltig, bis der erste Sarkophag über der Reaktorruine geschlossen werden konnte.

Wer in Tschernobyl arbeitete, musste mit einer tödlichen Strahlendosis rechnen – die sogenannten „Liquidatoren“ taten trotzdem ihren Dienst. Nur wenigen ist für ihren selbstlosen Einsatz in der Todeszone jemals richtig gedankt worden. Die Sonderrenten waren und sind nur kümmerlich und durch die Aufteilung der verstrahlten Zone 1991 auf die drei Nachfolgestaaten Ukraine, Belarus und Russland wird auch die Verantwortung für Tschernobyl und die Opfer oftmals bequem über die jeweilige Grenze abgeschoben. Der Ukraine-Krieg 2014 und das Verhalten des autoritären Lukaschenko-Regimes in Belarus haben die Lage weiter verkompliziert.

Viele der Liquidatoren starben früh an den Folgen ihrer Strahlendosis, ohne dass diese von staatlichen Stellen, der Weltgesundheitsorganisation oder der Internationalen Atomenergiebehörde IAEO als solche anerkannt wurden. Die unabhängige Ärzteorganisation IPPNW ging 2016 von 160.000 km² kontaminiertem Gelände aus, mit bis zu 9 Mio. betroffenen Menschen. (1) Die Auswirkungen reichen von Strahlenkrankheiten über verseuchte Böden und Nahrungsmittel bis zu psychischen Problemen und fehlender ärztlicher Versorgung sowie finanzieller Unterstützung.

Die internationale Folgen

Der Super-GAU hatte international grosse Konsequenzen: In der Sowjetunion war er einer der Sargnägel auf dem kommunistischen Zeitalter. Partei- und Regierungschef Michail Gorbatschow schwieg zunächst genau wie die gesamte Staatsführung. Erst später leitete er unter dem Druck der Ereignisse seine berühmt gewordenen Ansätze der „Perestroika“ (Politik des gesellschaftlichen Öffnung) und „Glasnost“ (Politik der Transparenz) ein. Diese öffneten die bis dahin hermetisch abgeschirmte sowjetische Gesellschaft und führten schliesslich zum Zerfall der Sowjetunion.

Auch im restlichen Europa waren die Folgen dramatisch, wurden aber sehr unterschiedlich wahrgenommen. In Osteuropa wurde versucht, Tschernobyl in seinem ganzen Ausmass zu verschweigen. Auch in Ländern wie Frankreich fand die Reaktorkatastrophe offiziell kaum statt. Das ist sicherlich ein Grund, warum in Frankreich, aber auch in Tschechien, der Slowakei und Ungarn die Atomkraft bis heute nicht wirklich hinterfragt wird. Durch das vollkommene Ausblenden von Tschernobyl sind die offensichtlichen Risiken der Atomkraft niemals wirklich ins gesellschaftliche Bewusstsein eingedrungen.

Anti-Atom-Bewegung in Deutschland

Heftig erwischte es 1986 jedoch die bundesdeutsche Öffentlichkeit und Politik. Dazu trugen mehrere Faktoren bei: Die Anti-Atom-Bewegung war seit den 1970er-Jahren sehr stark und kämpfte gerade schwerpunktmässig in Bayern gegen den Bau der Wiederaufbereitungsanlage Wackersdorf, an der Elbe gegen das kurz vor der Fertigstellung stehende AKW Brokdorf und in Gorleben gegen das bundesdeutsche Endlagerprojekt für hochradioaktiven Atommüll. Auch in Hamm-Uentrop, Lingen, Neckarwestheim und unweit des bayrischen Landshut standen AKW-Neubauten kurz vor der Fertigstellung. Es gab also mehrere Protest-Zentren quer durch die Republik.

Ende April nahmen die Warnmeldungen in der Bundesrepublik zu. Die Bundesregierung reagierte hilflos. Zuständig für Umweltpolitik und Reaktorsicherheit war damals noch das Innenministerium – kein Zufall, denn die Nutzung der Atomkraft galt bis dahin offiziell nicht als Umweltthema, sondern vielmehr als ein rein wirtschaftliches, das primär mit polizeilichen Mitteln durchgesetzt wurde. Innenminister Friedrich Zimmermann (CDU) sagte damals sinngemäss, man wisse zwar nichts Genaues aus Tschernobyl, aber Anlass zur Sorge bestünde nicht.

Doch dann wurde vor der Nutzung von Kinderspielplätzen, dem Verzehr von frischer Milch und frischem Gemüse und später auch von Pilzen etc. abgeraten – kein Anlass zur Sorge? Die Menschen glaubten der Bundesregierung nicht. Im Frühjahr und Sommer 1986 gingen Hunderttausende in Wackersdorf, Brokdorf und anderswo auf die Strasse. In Wackersdorf starben zwei DemonstrantInnen an den Folgen der harten Polizeieinsätze.

Der Staat demonstrierte auch in Brokdorf Härte und nahm den Reaktor ungerührt im Oktober 1986 in Betrieb. Erst Ende diesen Jahres soll Brokdorf nach nunmehr genau 35 Jahren vom Netz – ein Symbol für die atomare Halsstarrigkeit der Bundesrepublik. Die neue Legende lautete nämlich, dass Tschernobyl eben ein marodes „sowjetisches“ AKW gewesen und nicht mit westlichem High-Tech zu vergleichen sei. So wurde nach 1986 auf kein einziges noch in Bau befindliches AKW in Westdeutschland verzichtet. Einzige Ausnahme war das Aus für den Schnellen Brüter in Kalkar. In der DDR konnte durch den Umbruch 1989/90 immerhin die Inbetriebnahme des AKW Stendal verhindert werden. Und die Legende von den angeblich so viel besseren „West“-AKWs wurde erst 2011 durch Fukushima widerlegt.

Tschernobyl als Zeitwende

Dennoch markiert Tschernobyl für die Nutzung der Atomkraft in Deutschland eine Zeitenwende. Nach 1986 wurde kein einziges AKW mehr in Auftrag gegeben. Viele Menschen machten sich zudem daran, die Energiewende in die eigenen Hände zu nehmen. Der Ausbau von Solar- und Windenergie kam in der Bundesrepublik von unten und ist ein grosser Erfolg mündiger BürgerInnen, die live gesehen hatten, dass sie von der Bundesregierung und den Stromkonzernen nichts zu erwarten hatten. Daran änderte auch die Gründung des Bundes-Umweltministeriums 1986 nichts.

Im Gegenteil: Noch nach Fukushima haben diverse Bundesregierungen intensiv versucht, die bürgernahe Solar- und Windenergie in die Knie zu zwingen, weil sie den vier verbliebenen Energieriesen RWE, EON, EnBW und Vattenfall sowie diversen Kohlekonzernen (u.a. Fortum, Steag) zunehmend das Geschäft streitig machen. Der rapide voranschreitende Ausbau von Sonne und Wind wurde in den letzten Jahren politisch gezielt sabotiert. Aber ohne die Energiewende von unten wäre selbst heute noch keine Alternative für Atom und Kohle am Markt. Unsere Nachbarn Frankreich und Belgien demonstrieren, wie man sich bis heute komplett an der Atomenergie festbeissen kann, ohne den Erneuerbaren eine Chance zu geben.

Viele der Liquidatoren starben früh an den Folgen ihrer Strahlendosis, ohne dass diese von staatlichen Stellen, der Weltgesundheitsorganisation oder der Internationalen Atomenergiebehörde IAEO als solche anerkannt wurden. Die unabhängige Ärzteorganisation IPPNW ging 2016 von 160.000 km² kontaminiertem Gelände aus, mit bis zu 9 Mio. betroffenen Menschen.

Tschernobyl bewirkte zudem, dass es leichter wurde, Atomkraft fachlich und politisch erfolgreich zu kritisieren. Ernste Fehler und Pannen konnten nicht mehr ganz so leicht vertuscht werden. Genau das hatten die Betreiber des Thorium-Hochtemperatur-Reaktors (THTR) in Hamm-Uentrop Anfang Mai 1986 im Schatten von Tschernobyl versucht, als es im THTR zu einem eigenen Störfall kam. Die Öffentlichkeit erfuhr wochenlang nichts von dem Störfall. Das Vertrauen in den THTR schwand daraufhin dramatisch. Viele kreative Protestaktionen später musste der THTR 1989 endgültig vom Netz, auch die WAA Wackersdorf wurde nach dem Tod von CSU-Übervater Franz-Josef Strauss schliesslich aufgegeben.

Bedeutung von Tschernobyl heute

Tschernobyl hingegen ist zu einem medialen Mythos geworden. Eine erfolgreiche britisch-amerikanische Filmserie führte in den letzten Jahren zu einem skurrilen Tourismus in die ukrainische Sperrzone. Ende 2016 wurde ein neuer Sarkophag über den brüchigen ersten gezogen. Die Folgekosten zur Verhinderung weiterer Verstrahlung steigen Milliarde um Milliarde an – Ende offen. Erst 2020 machten grosse Waldbrände in der Region wieder deutlich, wie hoch die Strahlenbelastung noch immer ist. Die unmittelbar Betroffenen werden weitgehend allein gelassen.

Stattdessen unterstützte die Bundesregierung vor einigen Jahren den Einstieg des Urananreicherers Urenco bei der Belieferung der ukrainischen Alt-Reaktoren mit Uranbrennstoff. Urenco gehört in Deutschland bekanntlich RWE und EON. Anstatt die Ukraine beim Umstieg auf erneuerbare Technologien zu unterstützen, hilft auch die Bundesregierung dabei, die Ukraine im Atomzeitalter festzuhalten. Einige Reaktoren stehen nur 200 km von der Bürgerkriegs-Kampflinie im Osten des Landes entfernt. Der Super-GAU von Tschernobyl wird auf vielen Ebenen weiter negiert und klein geredet.

Genau wie die Ukraine hält auch Russland an der Atomenergie fest. Tschernobyl liegt nun ja im Ausland und kann damit bequem ignoriert werden. Beängstigend ist die Tatsache, dass Belarus derzeit durch die Inbetriebnahme eines ersten AKW überhaupt erst ins Atomzeitalter einsteigt. Auch hier leugnet die Lukaschenko-Regierung die Folgen von Tschernobyl.

Deshalb ist es heute, 35 Jahre nach der verheerenden Explosion, nötiger denn je, die Erinnerung an den Super-GAU wachzuhalten und die Menschen nicht zu vergessen, die Europa vor einer noch grösseren Katastrophe bewahrt haben. Noch immer gilt Atomkraft vielerorts als Heilsbringer – ein internationaler Atomausstieg ist weiterhin nicht in Sicht. Und dass sich die Bundesregierung über die Urananreicherung in Gronau und die Brennelementfertigung in Lingen grenzüberschreitend am Weiterbetrieb und Neubau von Atomkraftwerken beteiligt, zeigt, dass auch in Deutschland die Lehren aus der Reaktorkatastrophe noch längst nicht mit der nötigen Konsequenz gezogen wurden.

Matthias Eickhoff / Artikel aus: Graswurzelrevolution Nr. 459, Mai 2021, www.graswurzel.net

(1) Vgl. http://www.ippnw.de/commonFiles/pdfs/Atomenergie/IPPNW_Report_T30_F5_Folgen_web.pdf


Info: https://www.untergrund-blttle.ch/gesellschaft/oekologie/tschernobyl-reaktorkatastrophe-6429.html

18.05.2021

Brisante Kehrtwende: Die Energieexperten der IEA fordern, keine weiteren Vorkommen mehr zu erschließen. Und sie machen eine dramatische Vorhersage für den Ölpreis.

faz.net, Aktualisiert am 18.05.2021-07:23,  Von Marcus Theurer
Die Internationale Energieagentur (IEA) ruft den Abschied vom Erdölzeitalter aus: Ab sofort sollen keine Investitionen in die Erschließung neuer Öl- und Gasvorkommen mehr erfolgen, fordern die Energieexperten aus Paris in einem neuen Bericht, der beschreibt, wie die Welt bis zur Mitte des Jahrhunderts ihre Emissionen an klimaschädlichem CO2 netto auf Null senken kann. Darin empfiehlt die IEA auch, ab dem Jahr 2035 den Verkauf von Autos mit Verbrennungsmotor auf der ganzen Welt zu stoppen und den Bau weiterer konventioneller Kohlekraftwerke unmittelbar einzustellen.


Zitat: Die Energieagentur ist eine dem Industriestaatenverbund OECD angegliederte multinationale Organisation und genießt wegen ihrer Expertise im Energiesektor großes Ansehen. Der rund 220 Seiten starke Bericht ist nach ihren Angaben die erste umfassende Studie, wie der globale Übergang zu einem klimaneutralen Energiesektor gelingen kann. Das Papier dient als Vorbereitung auf die Weltklimakonferenz der Vereinten Nationen im November im schottischen Glasgow.


Die Forderung der Energieagentur nach einem Investitionsstopp für neue Öl- und Gasvorkommen hat Signalwirkung: sie liefert den Gegnern der Ölindustrie, aber auch kritischen Aktionären, die auf eine entschlossenere Neuausrichtung der Energieunternehmen dringen, Argumente an die Hand. Zugleich ist der Kurswechsel der IEA symbolträchtig: Gegründet worden ist die Energieagentur vor knapp einem halben Jahrhundert als Reaktion auf die Knappheit fossiler Brennstoffe infolge der ersten Ölkrise 1973. Noch vor wenigen Jahren haben die IEA-Fachleute mit Nachdruck auf höhere Investitionen in neue Öl- und Gasfelder gedrungen, weil sonst Versorgungsengpässe drohten.


Klimaschutz im Mittelpunkt

Jetzt dagegen macht die IEA ein ganz anderes Szenario auf, in dem der Klimaschutz im Mittelpunkt steht. Die Eindämmung des Temperaturanstiegs auf der Erde sei „die vielleicht größte Herausforderung, der die Menschheit jemals gegenüberstand“, mahnt IEA-Generaldirektor Fatih Birol. Es gebe einen „tragfähigen Pfad“ hin zu einem klimaneutralen globalen Energiesektor. Allerdings sei dieser „schmal“ und er erfordere „eine noch nie dagewesene Transformation“, sagte Birol. Statt in neue Öl- und Gasfelder müsse die Welt dringend viel mehr Geld in erneuerbare Energien und Innovationen für den Klimaschutz investieren. Die Energiefachleute plädieren deshalb dafür, nur noch in laufende Projekte zur Erschließung von Öl- und Gasquellen zu investieren, aber keine neuen mehr anzugehen


Laut IEA hat das Ende des Erdölzeitalters bereits begonnen. Der globale Ölverbrauch werde nie wieder das Niveau von 2019 erreichen, prognostizieren die Energiefachleute. Im vergangenen Jahr ist die Ölnachfrage wegen der Covid-Pandemie bereits gesunken. Aber auch wenn diese überwunden sei, werde der Verbrauch nachhaltig zurückgehen und bis Ende des Jahrzehnts um 18 Prozent niedriger liegen als 2020. Bis 2050 prognostiziert die IEA einen globalen Nachfragerückgang um drei Viertel. Der Verbrauch von Erdgas werde gegen Ende des Jahrzehnts seinen Höhepunkt erreichen und dann ebenfalls stark sinken.


Matthias Eickhoff / Artikel aus: Graswurzelrevolution Nr. 459, Mai 2021, www.graswurzel.net



Verwandte Artikel


Info: https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/klima-energie-und-umwelt/iea-keine-neuen-oel-und-gasfelder-mehr-17346121.html?premium=0x49ca73d9e87c3195276b4ca88a4c03ac#?cleverPushBounceUrl=https%3A%2F%2Fwww.faz.net%2Faktuell%2F&cleverPushNotificationId=LEeLgFKSeQGsB8zv4



Kommentar: Wenn Bill Gates und Konsorten schon darauf warten uns mittels "neuer Atomenergie" aus der drohenden Energiekrise zu helfen, wird spätestens an diesem Punkt die Doppelmoral und Kurzsichtigkeit solch umweltrettender Akteure für jeden offenkundig.  Thomas Bauer

18.05.2021

Schweigegeld statt Entschädigung    Herero und Nama protestieren gegen eine "Versöhnungsvereinbarung" zwischen Deutschland und Namibia: Entschädigung für den Genozid ist nicht vorgesehen.

German-foreign-policy.com, 18. Mai 2021

BERLIN/WINDHOEK (Eigener Bericht) - Die legitimen Vertreter der Herero und der Nama erheben scharfen Protest gegen eine angebliche "Versöhnungsvereinbarung" zwischen Berlin und Windhoek zum Genozid an ihren Vorfahren. Die Vereinbarung sieht laut Berichten vor, dass die Bundesrepublik erstmals den Genozid als solchen anerkennt - allerdings lediglich "historisch-politisch" unter explizitem Ausschluss rechtlicher Folgen. Die irritierende Unterscheidung führt dazu, dass die Bundesrepublik gesichtswahrend Entschädigungen verweigern kann. Berlin stellt Namibia lediglich etwas umfangreichere Entwicklungshilfegelder in Aussicht, sollte Windhoek zustimmen und damit den Entschädigungsforderungen ein Ende setzen. Herero sowie Nama sind nicht bereit, den Deal, der noch der offiziellen Zustimmung unter anderem des namibischen Präsidenten bedarf, umstandslos hinzunehmen. Es handle sich um "einen PR-Coup Deutschlands und einen Akt des Verrats der namibischen Regierung", erklären die Herero und die Nama, die ausdrücklich die Vereinten Nationen auffordern, den deutschen "Trick" zurückzuweisen.


Zitat: Deutsche Massenverbrechen

Die Herero und die Nama haben den Kampf um die Anerkennung des Genozids an ihren Vorfahren und um Entschädigungszahlungen der Bundesrepublik schon in den 1990er Jahren aufgenommen - kurz nachdem Namibia im Jahr 1990 unabhängig geworden war. Die Bundesrepublik hat sich beidem von Anfang an strikt verweigert: Die Anerkennung eines Massenverbrechens zwänge zur Zahlung teurer Entschädigungen; diese wiederum würfe die Frage auf, ob Deutschland nicht auch Reparationen für andere Massenverbrechen zahlen müsste, etwa für den Maji-Maji-Krieg mit wohl 180.000, vielleicht sogar mehr Todesopfern im heutigen Tansania [1] oder auch für die deutschen Vernichtungsfeldzüge in Ost- und Südosteuropa im Zweiten Weltkrieg [2]. Zur Abwehr der Forderungen hat die Bundesregierung auf bemerkenswerte Argumente und Tricks zurückgegriffen, zum Beispiel auf die Behauptung, die Völkermordkonvention von 1948 könne nicht rückwirkend angewandt werden und die Haager Landkriegsordnung habe für die Herero und Nama nicht gegolten, da diese - den deutschen Kolonialherren unterworfen - kein Völkerrechtssubjekt gewesen seien.[3] 2004 suchte Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul die Forderungen der Herero und der Nama zu brechen, indem sie "im Sinne des gemeinsamen 'Vater unser' um Vergebung" bat: Rechtsfolgen ergeben sich aus religiösen Bekenntnissen nicht.[4]


Prozesse und Verhandlungen

Aktuell findet die Auseinandersetzung auf zwei Ebenen statt. Die legitimen Organisationen der Herero und der Nama suchen ihre Forderungen vor der US-Justiz durchzusetzen. Ein New Yorker Gericht hat das Anliegen im März 2019 mit der Begründung zurückgewiesen, Deutschland genieße in der Sache "Staatenimmunität".[5] Zuvor hatte sich Berlin dem Verfahren mit allerlei Tricks, etwa der Weigerung, Vorladungen zu Gerichtsterminen entgegenzunehmen, zu entziehen versucht (german-foreign-policy.com berichtete [6]). Vekuii Rukoro, Paramount Chief der Ovaherero Traditional Authority (OTA), hat vor kurzem bestätigt, seine Organisation habe am 16. April 2021 beim höchsten Gericht der Vereinigten Staaten Widerspruch eingelegt.[7] Parallel verhandelt die Bundesregierung seit 2015 mit der namibischen Regierung über eine Lösung des Konflikts - jedoch unter Ausschluss der legitimen Vertreter der Herero und der Nama; diese protestieren dagegen, dass sie als direkte Nachkommen der Opfer von Berlin übergangen werden. Zuletzt kam es im August vergangenen Jahres zu offenem Protest: Rukoro und der Vorsitzende der Nama Traditional Leaders' Association (NTLA), Johannes Isaack, erhoben Einspruch gegen ein Angebot aus Berlin.[8] Die Bundesregierung wollte zehn Millionen Euro zahlen - ein lächerlicher Betrag, explizit nicht deklariert als Entschädigung.[9]


Genozid ohne Folgen

Seit Ende vergangener Woche melden nun deutsche Medien, es gebe im Entschädigungsstreit eine Einigung zwischen Windhoek und Berlin. Demnach sei Berlin bereit, die Einstufung des Genozids an den Herero und den Nama als solche anzuerkennen, will dies jedoch offenbar - der Gedanke kursiert seit mehreren Jahren - lediglich in einem "historisch-politischen" Sinne verstanden wissen und legt daher Wert darauf, dass Namibias Regierung offiziell bestätigt, der Berliner Anerkennung des Genozids keine völkerrechtliche Verbindlichkeit beizumessen, aus der sich Ansprüche auf Entschädigung ableiten ließen.[10] Vor diesem Hintergrund werde dann, heißt es, Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier offiziell um Entschuldigung bitten - ein folgenloser, billiger Schritt, der die Entschädigungsforderungen nicht erfüllen, sondern sie vielmehr endgültig abwürgen soll. Laut den Berichten ist Berlin bereit, Windhoek eine gewisse, noch unbekannte Summe zu zahlen - als "Versöhnungs- und Aufbauhilfe"; genutzt werden soll das Geld für entwicklungspolitische Ziele - für Bildung, Infrastruktur und das Gesundheitswesen. Stellt man in Rechnung, dass Windhoek damit zum abschließenden Verzicht auf Entschädigungsforderungen gedrängt werden soll, handelt es sich faktisch um eine Art Schweigegeld.


"Ein PR-Coup Deutschlands"

Entsprechend scharf protestieren die Vertreter der Herero und Nama gegen das Ansinnen Berlins. So heißt es in einer gestern bekannt gewordenen gemeinsamen Stellungnahme der Ovaherero Traditional Authority (OTA) sowie der Nama Traditional Leaders' Association (NTLA), bei der Einigung zwischen Berlin und Windhoek handle es sich um "einen PR-Coup Deutschlands und einen Akt des Verrats der namibischen Regierung", die sich von der Bundesregierung habe hereinlegen lassen.[11] Die OTA und die NTLA bestehen weiterhin darauf, die Bundesrepublik müsse den Genozid völkerrechtlich korrekt anerkennen und Entschädigungen zahlen; bloße "Kompensationen" in Form einer Förderung von Sozialprojekten seien nichts anderes als übliche Entwicklungshilfe. Beide Organisationen bekräftigen erneut, sie lehnten Verhandlungen "ohne Beteiligung der legitimen Vertreter der Mehrheit der Opfer ab - mit der Verachtung, die sie verdienen". "Wir dringen darauf, dass die Vereinten Nationen, die Afrikanische Union sowie der Rest der internationalen Gemeinschaft diesen Trick Deutschlands und Namibias zurückweisen", heißt es weiter; man fordere die Vereinten Nationen auf, "das von Deutschland verübte Massaker der Jahre 1904 bis 1908" ausdrücklich "als Genozid anzuerkennen".


Die AfD als Peitsche

Die deutsch-namibische "Versöhnungsvereinbarung" muss noch von den zuständigen staatlichen Organen bestätigt werden. Auf namibischer Seite ist dies unter anderem Präsident Hage Geingob. Geingob hatte bereits im August 2020 eine entschädigungslose Einigung mit Berlin schroff zurückgewiesen, nachdem die OTA und die NTLA entschlossen gegen sie protestiert hatten - mit ähnlichen Argumenten wie jetzt. Äußerungen aus der namibischen Verhandlungsdelegation lassen allerdings darauf schließen, dass Windhoek sich von der Bundesregierung vor die Alternative gestellt sieht, entweder die angebotenen Brosamen zu akzeptieren oder leer auszugehen. So hatte Namibias Verhandlungsführer Zed Ngavirue im Verlauf seiner Verhandlungen in Berlin den Eindruck vermittelt bekommen, man wisse nicht, wie sich die Situation nach der Bundestagswahl im September entwickle; die AfD sei im Auftrieb, und wenn sie einen Erfolg erziele, dann werde die Bundesregierung von der nun vorliegenden Vereinbarung mit Windhoek womöglich abrücken müssen.[12] In der Debatte fungiert Deutschlands extreme Rechte demzufolge als Peitsche, die Berlins namibische Verhandlungspartner zum Einlenken nötigen kann.

 

[1] S. dazu Meilensteine deutscher Erinnerung.

[2] S. dazu Reparationsabwehr aus der Trickkiste.

[3] S. dazu Der Genozid, der nichts kostet.

[4] Wieczorek-Zeul bittet um Vergebung. tagesschau.de 14.08.2004.

[5] Felicia Jaspert: Setback for the descendants of the Nama and Ovaherero indigenous peoples. voelkerrechtsblog.org 08.05.2019.

[6] S. dazu Deutschlands koloniale Arroganz.

[7] Kandjemuni Kamuiiri: Genocide reparations case cost millions. observer24.com.na 08.05.2021.

[8] Entschuldigung nicht akzeptiert. Allgemeine Zeitung Namibia 06.08.2020.

[9] Dominic Johnson: Zeit für angemessene Reparationen. taz.de 12.08.2020.

[10] Aussöhnung mit Namibia. Frankfurter Allgemeine Zeitung 17.05.2021.

[11] Charmaine Ngatjiheue: Ngavirue confirms 'fruitful' genocide talks. namibian.com.na 17.05.2021.

[12] Charmaine Ngatjiheue, Shelleygan Petersen: German elections could derail genocide talks. namibian.com.na 14.04.2021.


Info: https://www.german-foreign-policy.com/news/detail/8600  

17.05.2021

MONOPOLY - FOLGE DEM GELD

Geschrieben von ⋅ vom 16. Mai 2021 ⋅

Wem gehört hier eigentlich was?

„Dieses informative Video (45 Min.) gibt einen Überblick über das, was derzeit in der Welt passiert und zeigt die modernen globalen Systeme auf.


Zitat: Die deutschsprachige, leicht gekürzte Version des niederländischen von „Vrouwen Voor Vrijheid“ bearbeiteten Tim Gielen Videos „Monopoly – Follow the Money“, auf Deutsch übersetzt und gesprochen durch „Video Translate Projects Team“ https://t.me/VideoTranslateProjects


Siehe Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode– 55 –Drucksache 17/12051 - Pandemie durch Virus „Modi-SARS“ Stand: 10.12.2012 - siehe PDF ab Seite 55 von 88 http://dipbt.bundestag.de/doc/btd/17/120/1712051.pdf


Siehe auch:

  • Wer kontrolliert die Gates Familie?                                                                           https://www.bitchute.com/video/0dL9wIHJnwOk


Info: https://www.nachrichtenspiegel.de/tag/monopoly-follow-the-money

17.05.2021

Die neue deutsche Kanonenbootpolitik (III)           FDP fordert für die Ostasienfahrt der Fregatte Bayern provokative Aktionen. Berichten zufolge stehen Kampfjetverlegungen nach Australien bevor.

german-foreign-policy.com,  17. Mai 2021

BERLIN/BEIJING (Eigener Bericht) - In Berlin werden Forderungen nach militärischen Provokationen bei der bevorstehenden Ostasienfahrt der Fregatte Bayern und nach dem Aufbau eines "ständigen maritimen Einsatzverbandes für den indopazifischen Raum" laut. Es könne nicht angehen, dass sich das Kriegsschiff bei der geplanten Durchquerung des Südchinesischen Meeres "brav auf internationalen Handelsrouten" bewege, heißt es bei der Friedrich-Naumann-Stiftung (FDP); die Fregatte solle zumindest in die Zwölf-Meilen-Zone um von China beanspruchte Inseln eindringen oder die Taiwanstraße passieren. Beides würde die Spannungen mit Beijing deutlich erhöhen. Die Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) warnt zudem vor einer "Überdehnung" der deutschen Marine und schlägt die Gründung eines Indo-Pazifik-Einsatzverbandes vor - mit Frankreich, Großbritannien und Staaten der Asien-Pazifik-Region. Wie die SWP berichtet, sind darüber hinaus ab 2022 "Langstreckenverlegungen" deutscher Kampfjets nach Australien geplant, um die "Bereitschaft" zu demonstrieren, "schlagkräftige Mittel der Luftwaffe einzusetzen".


Die Überdehnung der deutschen Marine

Die bevorstehende Entsendung der Fregatte Bayern in die Asien-Pazifik-Region ist die erste seit rund 16 Jahren. Im Jahr 2002 hatte die deutsche Marine die Fregatten Mecklenburg-Vorpommern und Rheinland-Pfalz auf eine mehrmonatige Übungsfahrt nach Asien geschickt; die beiden Kriegsschiffe trafen damals nicht nur in Indien, Südkorea, Japan und den Philippinen ein, sondern auch in der chinesischen Hafenstadt Qingdao, ehedem Hauptstadt des "Deutschen Schutzgebiets Kiautschou". Anfang 2005 steuerte der Einsatzversorger Berlin Indonesien an, um nach dem verheerenden Tsunami vom 26. Dezember 2004 Unterstützung zu leisten. Seitdem wurden zwar, wie es in einer aktuellen Analyse der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) aus Berlin heißt, wiederholt "Anläufe" unternommen, um erneut in Ostasien Präsenz zu zeigen; das scheiterte aber: "Ihre aktuellen Aufträge", heißt es mit Blick auf die deutsche Beteiligung an den Seeoperationen von NATO und EU, "fordern die Marine bereits derart, dass sie neue nur übernehmen kann, wenn die bestehenden reduziert werden".[1] Schließlich verfügten die Seestreitkräfte nur "über eine begrenzte Zahl von Einheiten", die aufgrund ihrer "Einsatzreichweite", ihrer "Durchhaltefähigkeit auf Hoher See" und ihrer logistischen "Unabhängigkeit" für eine Entsendung geeignet seien.


Die Fregatte Bayern auf Asien-Pazifik-Fahrt

Trotz einer drohenden "Überdehnung" [2] der Marine ist Berlin bestrebt, den jüngsten Anlauf in diesem Jahr zum Erfolg zu führen, nachdem eine bereits für 2020 geplante Asienfahrt der Fregatte Hamburg [3] pandemiebedingt hatte abgesagt werden müssen. Die Fregatte Bayern, die längst tief in den Vorbereitungen steckt, soll im August mit rund 200 Soldaten aufbrechen; sie wird gut ein halbes Jahr unterwegs sein. Wie es heißt, sind im Indischen sowie im Pazifischen Ozean "etwa ein Dutzend Hafenbesuche geplant" - in Indien, Australien, Japan und Südkorea sowie in vier Staaten des südostasiatischen Bündnisses ASEAN (Singapur, Indonesien, Vietnam, Kambodscha).[4] Darüber hinaus wird ein Hafenbesuch der Fregatte in Shanghai angekündigt - als eine Geste der Kooperationsbereitschaft mit der Volksrepublik. Anschließend soll das deutsche Kriegsschiff das Südchinesische Meer durchqueren, auf dem Weg dorthin allerdings nicht die Taiwanstraße passieren. Im Südchinesischen Meer wiederum wird die Fregatte das provozierende Eindringen in die Zwölfmeilenzone rings um von Beijing beanspruchte Inseln vermeiden, bevor sie durch den Indischen Ozean, den Suezkanal und das Mittelmeer in ihren deutschen Heimathafen zurückkehrt.


Mit dem Grundgesetz kaum vereinbar

Die Entscheidung, auf die Durchfahrt durch die Taiwanstraße und durch die Zwölfmeilenzone um von China beanspruchte Inseln zu verzichten, wird nun von der FDP und von ihrer Parteistiftung (Friedrich-Naumann-Stiftung, FNSt) scharf kritisiert. US-Kriegsschiffe kreuzen regelmäßig in Zwölfmeilenzonen im Südchinesischen Meer, um Beijings Ansprüche aggressiv herauszufordern; offiziell heißt es dazu, man setze sich für die "freie Seefahrt" (Freedom of Navigation Operations, FONOPS) ein. Wie die Naumann-Stiftung berichtet, hatte Washington in Berlin bereits im Jahr 2019 ausdrücklich deutsche FONOPS im Südchinesischen Meer eingefordert; dazu ist die Bundesregierung aber offenkundig nicht bereit. Die Naumann-Stiftung wirft Berlin deshalb einen "Schmusekurs" gegenüber Beijing vor - verärgert, dass sich das deutsche Kriegsschiff lediglich "brav auf internationalen Handelsrouten bewegen" soll.[5] "Das reicht nicht aus", wird Marie-Agnes Strack-Zimmermann, die verteidigungspolitische Sprecherin der FDP-Bundestagsfraktion, zitiert. Freilich sei "fraglich", heißt es bei der FNSt, ob es "mit dem Grundgesetz vereinbar" sei, "auf der anderen Seite der Erde durch umstrittene Seegebiete zu fahren". Empfehlenswert sei deshalb für künftige Asienfahrten ein offizielles Einsatzmandat des Bundestags.


Ein ständiger Indo-Pazifik-Einsatzverband

Die SWP schlägt darüber hinaus - auch mit Blick auf die drohende "Überdehnung" der deutschen Marine - eine Kooperation mit anderen europäischen Mächten oder mit Ländern der Region vor. So bestehe eine Option darin, sich mit Frankreich und Großbritannien abzustimmen, die beide über Militärstützpunkte in der Asien-Pazifik-Region verfügten - so etwa auf Neukaledonien (Frankreich) oder auf den Pitcairn-Inseln (Vereinigtes Königreich). Auch Kooperationen mit den asiatisch-pazifischen Ländern des Quad-Pakts (Japan, Australien, Indien) oder des ASEAN-Bündnisses seien denkbar. "Vorstellbar wäre die Einrichtung eines ständigen maritimen Einsatzverbandes für den indopazifischen Raum", heißt es bei der SWP: Dessen Einheiten könnten "zum Lagebildaufbau beitragen" und "Aufgaben längs ihrer Route übernehmen", aber auch Ausbildungsmaßnahmen oder "gemeinsame Manöver" durchführen.[6] "Die operative Führung und Planungsarbeit" lasse sich "in einem neuen, ortsfesten und regional ansässigen Hauptquartier" organisieren - gegebenenfalls mit den Quad-Staaten als "notwendige[m] militärische[m] Kern". Weiter urteilt die SWP, "als regionale Heimat der Stabsstruktur" ließen sich möglicherweise auch Singapur oder Indonesien einbinden.


"Zum Luftwaffeneinsatz bereit"

Nicht zuletzt berichtet die SWP, dass sich die Berliner Pläne für eine militärische Präsenz in der Asien-Pazifik-Region nicht auf die Seestreitkräfte beschränken. "Analog zur Marine", teilt der deutsche Think-Tank mit, "soll auch die Luftwaffe im indopazifischen Raum Flagge zeigen".[7] Diese werde schon kommendes Jahr beginnen, "Tank- und Kampfflugzeuge im Rahmen von Langstreckenverlegungen nach Australien zu entsenden". Dies diene "nicht allein dem Training" derartiger Verlegemaßnahmen, sondern sei auch "zu verstehen als Zeichen der Präsenz in der Region, der Abschreckung gegenüber Störern der stabilen Ordnung im Indo-Pazifik" sowie "der Bereitschaft, schlagkräftige Mittel der Luftwaffe einzusetzen". Als "Störer" der internationalen "Ordnung" gelten dabei nicht die westlichen Mächte, die mit ihrer Kanonenbootpolitik in den Gewässern rings um China in zunehmendem Maße gezielte Provokationen durchführen, sondern vielmehr die Volksrepublik.

 

S. dazu Die neue deutsche Kanonenbootpolitik und Die neue deutsche Kanonenbootpolitik (II).

 

[1], [2] Göran Swistek: Quadratur des Kreises im Indo-Pazifik. SWP-Aktuell Nr. 29. Berlin, März 2021.

[3] S. dazu Asiens Schlüsselmeer.

[4], [5] Anna Marti, Moritz Kleine-Brockhoff: Fregatte Bayern - Deutscher "Schmusekurs" im Südchinesischen Meer. freiheit.org 14.05.2021.

[6], [7] Göran Swistek: Quadratur des Kreises im Indo-Pazifik. SWP-Aktuell Nr. 29. Berlin, März 2021.


Info: https://www.german-foreign-policy.com/news/detail/8599  

17.05.2021

Amerika unter Biden: Cyber-Angriffe legen das Land lahm

NEOPresse, 17. Mai 2021
Cyber-Angriffe haben tagelang eine Öl-Pipeline an der amerikanischen Ostküste lahmgelegt. Es wurden Versuche unternommen, eine Wasseraufbereitungsanlage in Florida zu vergiften und IT-Systeme von Krankenhäusern zu kapern. Während die Biden-Administration tagelang versucht hat, einen Weg zu finden, um die Hacker-Angriffe zu stoppen, konnten die Hacker über Systeme des IT-Unternehmens SolarWinds eine unbekannte Menge an Informationen erlangen.


Cyberangriffe immer häufiger

Cyberangriffe sind auf dem Vormarsch, insbesondere die USA sind seit Monaten immer wieder in unterschiedlichen Bereichen betroffen. Die Angriffe zielen zunehmend auf große Infrastruktureinrichtungen wie Verkehrsknotenpunkte, Energieanlagen und Versorgungsunternehmen ab.

Doch auch große Unternehmen und Wahl-Automaten sind von Hackerangriffen bedroht und betroffen. Laut amerikanischen Experten gibt es bereits Technologien, um Hacks abzuwehren. Um künftig besser gegen Angriffe auf kritische Infrastrukturen gewappnet zu sein, hat Präsident Biden am Mittwoch eine längst überfällige Exekutivanordnung zur Stärkung der Cyberverteidigung und zur Stärkung der Cybersecurity and Infrastructure Security Agency, bekannt als CISA unterzeichnet.


Das Weiße Haus erklärte, dass „öffentliche und private Einrichtungen in den USA zunehmend mit ausgeklügelten Cyber-Attacken sowohl von nationalstaatlichen Akteuren als auch ausländischen Cyber-Kriminellen konfrontiert seien“. Der ehemalige Abgeordnete der Republikaner in Virginia, Denver Riggleman, sagte, dass Bidens Exekutivmaßnahmen verlangen, ein Minimum an Cybersicherheitsprotokollen zu erfüllen – doch das reiche nicht annähernd aus, um die USA von weiteren Attacken zu schützen, so Riggleman gegenüber Fox News. Seiner Ansicht nach müssten die Ausgaben gegen Cyber-Attacken drastisch erhöht werden, vor allem wenn sie mit den Regierungen Russlands, Chinas, des Irans oder Nordkoreas verbunden seien.


Nichtstaatliche Hacker sollten wie Terroristen behandelt werden, so Riggleman weiter. „Wenn wir 96 Stunden in 10 Bundesstaaten ohne Gas und Strom wären, würden die Leute in 72 Stunden Häuser und Geschäfte plündern. Es ist eine beängstigende Sache, wenn man weder Strom, Wasser noch Energie habe.“ Die Biden-Administration müsse mit größerer Entschlossenheit gegen die Cyber-Bedrohung vorgehen, sagte er.


Zwar habe die Biden-Administration Sanktionen gegen Russland eingeführt, nachdem das Land in die SolarWind-Hacks von 2020 verwickelt gewesen sein soll. Im vergangenen Jahr waren mindestens ein Dutzend Regierungsbehörden, Wahlsysteme und etwa 100 Privatunternehmen, darunter Microsoft, von Cyber-Angriffen betroffen.


Die Exekutivverordnung von Biden am Mittwoch soll lediglich ein nationales Cybersecurity Safety Review Board einsetzen, um künftig größere Vorfälle zu untersuchen. Die Verordnung sieht aber nicht vor, dass Finanzmittel in die Stärkung der Cybersecurity, also in Technologien zur Abwehr von Hackerangriffen investiert werden. Biden steht deswegen unter großer Kritik, wie „Fox News“ berichtete.


Info: https://www.neopresse.com/politik/amerika-unter-biden-cyber-angriffe-legen-das-land-lahm/?source=ENL   


Weiteres:



siehe auch im Blog am 30.04.2021


Auszug:

Systemfrage: Vom “Event 201” zu “Cyber Polygon” – Die WEF-Simulation einer kommenden “Cyber-Pandemie”


konjunktion.info, Veröffentlicht vom 15. März 2021 · 2.821 Aufrufe

Zitat: Event 201 gilt vielen als Blaupause für die aktuelle P(l)andemie. Nur wenige dürften allerdings wissen, dass es ähnliche “vorausschauende Übungen” auch für den Bereich der “Cyber-/Security und IT-Welt” gibt. Johnny Vedmore und Whitney Webb haben sich in ihrem nachfolgend ins Deutsche übersetzen Artikel From “Event 201” to “Cyber Polygon”: The WEF’s Simulation of a Coming “Cyber Pandemic” mit einer dieser “Übungen” befasst: Cyber Polygon.

16.05.2021

*Eine Stimme aus Gaza:*

Sehr geehrte Damen und Herren, Liebe Freundinnen und Liebe Freunde,


Gaza am 16 Mai 2021


In mir wächst die Wut, die Unruhe, die Trauer und die Ohnmacht bzw. die Hilflosigkeit. Natürlich muss jeder Mensch/Staat das Recht haben, auf Selbstbestimmung und Selbstverteidigung und das für ALLE Menschen weltweit, Unabhängig von Hautfarbe, Religion, ethnischem Hintergrund.

Wenn es aber um uns Palästinenser geht, dann gesteht uns die Weltgemeinschaft dieses Recht leider NICHT ZU. Diese Frage möchte ich dem Bundesaußenminister stellen, warum? Sind wir keine ebenbürtigenMenschen!!! Verdienen wir nicht auch mit Respekt und Würde behandelt zu

 werden?


Die zweite Frage: Wie rechtfertigt der Staat Israel mit amerikanischerund deutscher Unterstützung, Zivilisten kaltblütig zu ermorden, indem ihre Häuser mit F 35 Flugzeugen nachts zu bombardieren während siegeschlafen haben und ohne sie vorzuwarnen. Stell(t)en diese Familien

e ine Gefahr für die Sicherheit des Staates Israels dar. Oder waren sie im Schlaf an aktiven Handlungen gegen Israel beteiligt. Oder wurden Raketen von diesen Häusern abgefeuert. Oder gehen die Tunnel der Widerstandsbewegungen durch die fünfte Etage oder 14 Etage...


Das Dilemma ist es, dass die Weltgemeinschaft diesen israelischen Lügen Glauben schenkt. Was ist mit den Zerstörungen von Arbeitsministerium und ebenso das Ministerium für soziale Entwicklung (Sozialamt). Was ist mit den Zerstörungen von Straßen, Schulen, Moscheen, Postämtern, Banken?


Bringt diese Zerstörungen ihnen und uns Frieden??? Gestern waren 200 Flugzeuge im Einsatz, nach israelischen Angaben….


Mein Sohn (11 Jahre alt) fragte mich, warum können wir nichts gegen diese Zerstörungsflugzeuge unternehmen???Ich habe ihm gesagt, wir haben NICHTS….


Vor lauter Lügen und Ungerechtigkeit fühle ich mich total niedergeschlagen.


Die Medienmacher stellen Fakten und Tatsachen umgedreht dar. Verwechseln immer Täter und Opfer, Besatzer und Besetzte. Diese einseitige Parteinahme schockiert mich und macht mich einfach nur traurig. Wie ich gelesen habe, stellt sich sogar die Kanzlerkandidatin der Grünen absolut einseitig auf die Seite von Israel. Ich hatte von einer dynamischen jungen Politikerin mehr Wissen in Bezug auf die Situation und auf dieGeschichte erwartet, mehr Sinn für Gerechtigkeit,  mehr Mut eine Position zu beziehen, die sich vom allgemeinen Mainstream in Deutschland unterscheidet, die einfach auf mehr Fairness beruht. Aber auch sie nutzt den von der Kanzlerin Angela Merkel geprägten Begriff der Staatsräson für Israel. Damit hat sich Deutschland im Grunde als Vermittler selbst ausgeschlossen. Zeigt man seine absolute Einseitigkeit, KANN man kein fairer Vermittler sein. Ich verstehe, dass Deutschland aufgrund seiner Geschichte mit großer Schuld fertig werden muss. ABER wenn Israel das Völkerrecht (z.B. Siedlungen), die Menschenrechte (z.B. Ungleichbehandlung, Besatzung) gesetzlich verankert, ständig mit Füßen betritt, dann kann doch Deutschland trotz aller Schuld nicht schweigen. Es kann doch nicht einfach zusehen, wenn Israel mit der eigenen schrecklichen historischen Erfahrung seine Wut darüber an UNS ohne alleSkrupel auslässt. WIR haben die jüdischen Einwanderer nicht vertrieben. Wir Palästinenser wurden vertrieben mit Unterstützung, mindestens mit schweigendem Zusehen der am Krieg beteiligten Mächte. PalästinensischeDörfer wurden niedergebrannt, Menschen mussten fliehen. Ich habe Ihnenschon einmal geschrieben, dass meine Familie von nördlich der „Grenze“ nach Gaza vertrieben wurde.


Man kann die Geschichte nicht rückgängig machen. Das meine ich nicht, aber man kann, ja, man muss wenigstens in der Gegenwart fair bleiben. Ja, ich und alle Palästinenser, wir hätten gern gewählt. Die Wahl wurde abgesagt. Darüber sind die beiden bzw. alle Seiten wahrscheinlich froh.

Was wäre denn, wenn die Fatah gewonnen/verloren hätte? D.h. MUSS man nicht auch mit dem „Feind“ verhandeln. Will man eine kriegerischeAuseinandersetzung beenden, verhandeln nicht  auch zwei Freunde miteinander. Es müssen die an den Kämpfen Beteiligte, die Feinde also, miteinander verhandeln. Aber es kann gut sein, dass gar kein Frieden gewollt ist, man gar keine dauerhafte Lösung will. Ein Waffenstillstand ist der erste Schritt, aber wenn es keine dauerhafte Lösung gibt, wird es immer wieder zum Krieg kommen.


In der israelischen Tageszeitung Haaretz von heute steht, dass niemand in Israel dem Krieg widerspricht. Es lohnt sich übrigens, ab und zu Haaretz im Netz zu lesen. Dort kann man die Stimmen von Israelis lesen, die es zum Glück auch gibt. Menschen die ebenso wie wir Frieden wollen.

Immer wieder denke ich, warum hassen die meisten Israelis uns und nicht die Deutschen, die ihnen vor ca. 80 Jahren Leid angetan haben?


Das alles macht mich traurig, gerade weil ich mich Deutschland so verbunden fühle.


Wir werden so dargestellt als wären wir die Schuldigen. Wir, die eingesperrten Einwohner in Gaza. Wir, die wir fast 70% Arbeitslosigkeit haben, in jedem Lebensbereichs (Wasser, Strom usw.) auf das „Wohlwollen“ der Besatzer angewiesen sind. Das ist es, was mich sehr bedrückt, und

mich ohnmächtig macht.


Meine Mail ist etwas lang geworden. Ich habe einfach aufgeschrieben, was mir durch den Kopf geht. Ich hoffe so sehr, dass meine Familie, dass wir alle in Gaza die unfassbare Übermacht des israelischen Militärs überleben. Ich wünsche allen Menschen, auch den friedlichen Menschen in

Israel, dass wir alle im Anderen, in unserem Gegenüber den Menschen erkennen, der nichts Anderes will als in Frieden mit seiner Familie ein normales Leben zu leben.


Mit der Hoffnung, dass dieser Alptraum möglichst sehr bald endet, verbleibe ich


Mit traurigen und hilflosen Grüßen


Abed


--

Dr. Abed Schokry

Gaza City

Gaza Strip

Palestine

16.05.2021

Projekt Globale Gesellschaft    -   Fragen und Antworten zur Förderung durch die Gates-Stiftung

spiegel.de, 14.05.2020, 19.32 Uhr

Migration, Klimawandel, soziale Ungleichheiten: Über diese Themen berichten wir im Projekt Globale Gesellschaft. Hier beantworten wir Fragen zur Kooperation mit der Gates-Stiftung, die das Projekt fördert.


Zitat: Was ist das Projekt Globale Gesellschaft?  Unter dem Titel Globale Gesellschaft berichten Reporterinnen und Reporter aus Asien, Afrika, Lateinamerika und Europa über Themen, die Gesellschaften weltweit spalten: Migration, Klimawandel, soziale Ungleichheiten. Der SPIEGEL verstärkt damit seit 2019 online seine Berichterstattung über diese Themen. Das Projekt ist langfristig angelegt und wird über drei Jahre von der Bill & Melinda Gates Foundation (BMGF) unterstützt. 


Wie kam die Kooperation zustande?  

Der SPIEGEL hat die Themenfelder, über die in diesem Projekt berichtet wird, definiert und dafür bei der Gates-Stiftung Projektgelder beantragt. Ziel ist es, die Berichterstattung zu drängenden globalen Themen unserer Zeit, die ohnehin Gegenstand unserer täglichen Arbeit sind, zu verstärken.


Wer entscheidet über die Themen des Projekts?  

Die SPIEGEL-Redaktion entscheidet jederzeit allein und unabhängig, worüber sie berichtet. Alle Artikel, Fotostrecken und Videos des Projekts Globale Gesellschaft entstehen genau wie alle anderen SPIEGEL-Stücke: Die Redaktion bestimmt anhand journalistischer Kriterien, ob und wie sie ein Thema aufgreift. Die Gates-Stiftung nimmt inhaltlich keinen Einfluss und ist redaktionell zu keinem Zeitpunkt an der Entstehung von Artikeln beteiligt. Im Redaktionsalltag oder zu Themen und einzelnen Artikeln gibt es keinen Austausch zwischen Redaktion und der Stiftung. Auch die Reporter und Reporterinnen des SPIEGEL stehen in keinerlei Verbindung mit der BMGF. 


Wann hat der SPIEGEL über die Kooperation informiert? 

Wir haben all das von Anfang an transparent gemacht, also seit dem offiziellen Start im April 2019: wie das Projekt Globale Gesellschaft zustande gekommen ist und dass es von der Bill & Melinda Gates Foundation finanziell unterstützt wird. Zudem legen wir die Förderung unter allen im Projekt veröffentlichten Artikeln offen und beantworten auch dort die wichtigsten Fragen zur Kooperation, beispielhaft zu sehen etwa hier. Auch die Stiftung veröffentlicht hier, welche Projekte sie unterstützt und wie hoch deren Fördersummen sind. 


Wie sieht die Förderung konkret aus? 

Die Bill & Melinda Gates Foundation (BMGF) unterstützt das Projekt über drei Jahre mit einer Gesamtsumme von rund 2,3 Millionen Euro - das sind 760.000 Euro pro Jahr. Reporter­innen und Reporter berichten für das Projekt aus Asien, Afrika, Latein­amerika und Europa. Auf diese Weise bauen wir unsere Berichterstattung zu den genannten, selbstgewählten Themen aus. Konkret bedeutet das: Wir veröffentlichen pro Woche fünf bis sieben Texte, Fotostrecken oder Videos, die meist aufwändig vor Ort recherchiert sind. Die Förderung der Gates-Stiftung ist an das Projekt Globale Gesellschaft gebunden.


Hat der SPIEGEL eine Spende bekommen? 

Nein. Es handelt sich nicht um eine Spende. Der Unterschied ist: Eine Förderung gibt es für ein von beiden Seiten vereinbartes, konkretes Projekt. Sie kann nur für Aufwände und Kosten verwendet werden, die in diesem Projekt auch tatsächlich anfallen, zum Beispiel für Personalkosten, Honorare, Reisen, Fotografen, Übersetzer. 


Wie bedeutend ist die Förderung finanziell für den SPIEGEL?  

Die Förderung für das Projekt Globale Gesellschaft beläuft sich auf 760.000 Euro pro Jahr (begrenzt auf drei Jahre). Der Gesamtumsatz der SPIEGEL-Gruppe betrug im Jahr 2019 insgesamt 267 Millionen Euro. Mehr Zahlen und Daten über die SPIEGEL-Gruppe finden Sie hier.


Sind journalistische Inhalte unabhängig von der Stiftung? 

Ja. Die redaktionellen Inhalte im Projekt Globale Gesellschaft entstehen ohne jeden Einfluss der Stiftung, so ist es auch vertraglich festgehalten. Auch darüber hinaus ist eine Einflussnahme der Stiftung auf redaktionelle Inhalte des SPIEGEL ausgeschlossen. Das gilt für die Gates-Stiftung genauso wie für unsere Anzeigenkunden, die ebenfalls keinerlei Einfluss auf unsere Berichterstattung haben. 


Kann der SPIEGEL noch unabhängig über Gates berichten?  

Der SPIEGEL hat über die Tätigkeiten der Gates-Stiftung stets kritisch und unabhängig berichtet. Dasselbe gilt für Bill und Melinda Gates sowie ihre persönlichen Investments. Wir werden das auch weiterhin tun. Die kritische, investigative Recherche und die journalistische Unabhängigkeit des SPIEGEL werden durch die Kooperation an keiner Stelle beeinträchtigt. Die redaktionelle Unabhängigkeit ist für den SPIEGEL zentral. Ein Beispiel finden Sie hier.


Wo finde ich alle Veröffentlichungen zur Globalen Gesellschaft? 

Die Stücke sind beim SPIEGEL zu finden auf der Themenseite Globale Gesellschaft, sie sind außerdem gekennzeichnet mit dem Logo Globale Gesellschaft. Ein Hinweiskasten unter den Beiträgen weist ebenfalls auf das Projekt hin. Englische Übersetzungen ausgewählter Artikel veröffentlichen wir hier.


Warum lässt sich der SPIEGEL von einer Stiftung unterstützen? 

Themen wie Migration und Klimawandel betreffen Menschen in allen Ländern der Erde, soziale Ungerechtigkeiten nehmen vielerorts zu. Wir möchten diese Entwicklungen noch stärker mit journalistischen Recherchen begleiten. Daher haben wir uns entschieden, unsere Berichterstattung in diesen Bereichen mithilfe einer Förderung weiter auszubauen. So möchten wir unseren Leserinnen und Lesern einen Blick auf diese Themen in einer Tiefe und in einem Umfang ermöglichen, den nicht viele deutsche Medien bieten können. Ein derart besonderes Angebot können wir aber nur mit finanzieller Unterstützung auf die Beine stellen – so wie immer mehr Medien, die ebenfalls stiftungsfinanzierte Angebote in ihre Geschäftsmodelle integriert haben (dazu unten mehr). Das bedeutet auch: Über all diese Themen haben wir bereits vor der Förderung berichtet; lediglich die Intensität der Berichterstattung hat zugenommen. 


Wer hat beim SPIEGEL das Sagen? 

Der SPIEGEL ist besonders unabhängig, weil 50,5 Prozent des Unternehmens den Mitarbeitenden gehören, die in der Mitarbeiter KG organisiert sind. Sie wählen fünf Vertreter in die Mitarbeiter KG. Weitere 25,5 Prozent gehören dem Verlag Gruner + Jahr (der wiederum zu Bertelsmann gehört). Alle wichtigen Unternehmensentscheidungen müssen von der Mitarbeiter KG und von Gruner + Jahr gemeinsam getroffen werden. 24 Prozent gehören außerdem den Erben des SPIEGEL-Gründers Rudolf Augstein.


Welchen Einfluss haben Werbekunden? 

Der SPIEGEL finanziert sich als privatwirtschaftliches Medienunternehmen primär aus Abonnements, Werbeeinnahmen und dem Verkauf von Einzelheften. Um wirtschaftlich und politisch unabhängig berichten zu können, müssen wir uns also im Markt behaupten – anders als beispielsweise öffentlich-rechtliche Sendeanstalten, die gesetzlich garantierte Gebühreneinnahmen erhalten. Obwohl Werbung für unsere Arbeit wichtige Erlöse bringt, haben auch werbende Unternehmen keinerlei Einfluss auf unsere Berichterstattung. Das gleiche gilt für Stiftungen. Nur so können wir unsere Unabhängigkeit garantieren. (Mehr zum Trennungsgebot in unseren Standards.)


Gab es beim SPIEGEL bereits ähnliche Projekte? 

Der SPIEGEL hat in den vergangenen Jahren bereits zwei journalistische Projekte mit dem European Journalism Centre (EJC) und der Förderung der Bill & Melinda Gates Foundation umgesetzt: Die "Expedition Übermorgen" über globale Nachhaltigkeitsziele (Laufzeit: 2016-18, Förderung: 250.000 Euro) sowie das journalistische Flüchtlingsprojekt "The New Arrivals", in deren Rahmen mehrere preisgekrönte Multimedia-Reportagen zu den Themen Migration und Flucht entstanden sind (Laufzeit: 2017/18, Förderung: 175.000 Euro). Diese Projekte sind inzwischen abgeschlossen.


Haben auch andere Medien ähnliche Projekte? 

Ja. Große europäische Medien wie "The Guardian" und "El País" haben mit "Global Development" beziehungsweise "Planeta Futuro" ähnliche Sektionen auf ihren Nachrichtenseiten mit Unterstützung der Gates-Stiftung aufgebaut. Auch viele weitere internationale Medien sind eine Kooperation mit der BMGF eingegangen, darunter "Le Monde”, "BBC” und "CNN”. Auch in Deutschland werden Redaktionen von Stiftungen unterstützt, etwa die investigativen Teams von "Correctiv”und "Investigate Europe”, ebenso die Wissenschaftsredaktion des Science Media Center Germany (SMC) 


Hat der SPIEGEL noch weitere solcher Kooperationen? 

Nein, derzeit nicht. Allerdings veröffentlichen wir gelegentlich Arbeiten von Journalistinnen und Journalisten, deren Recherchen über Stipendien gefördert wurden – etwa durch Stiftungen oder Journalistenvereinigungen wie Netzwerk Recherche. Diese Beiträge akzeptieren wir nur für eine Veröffentlichung, wenn die Ergebnisse unseren redaktionellen Standards entsprechen. Die Förderung legen wir transparent und klar im direkten Umfeld der Beiträge offen.


Was ist stiftungsfinanzierter Journalismus? 

Wollen Medien Projekte umsetzen, die sie nicht allein aus ihren Einnahmen finanzieren können, können auch Stiftungen einspringen. Sie ermöglichen umfangreiche Recherchen, fördern größere Projekte wie Globale Gesellschaft oder Redaktionen wie "Correctiv” in Deutschland und "ProPublica” in den USA. In Deutschland ist der stiftungsfinanzierte Journalismus anders als in den USA noch nicht sehr verbreitet, auch weil die meisten Stiftungen gemeinnützig sind und entsprechend nur Projekte fördern können, die ebenfalls in diese Kategorie fallen. Oftmals stehen hinter den Stiftungen die Familien von ehemaligen Eigentümern großer Medienunternehmen, wie bei der "Zeit-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius” oder der "Rudolf Augstein Stiftung”. Letztere wurde aus dem privaten Nachlass des Journalisten und SPIEGEL-Herausgebers Rudolf Augstein gegründet. Sie fördert Projekte aus den Bereichen Journalismus, Kunst und Soziales.


Warum fördern Stiftungen Medien?  

Indem sie den Journalismus unterstützen, engagieren sich Stiftungen für eine aufgeklärte Gesellschaft und die kritische Begleitung staatlichen Handelns. Sie stärken also die Demokratie – eine Zielsetzung, der sich viele Stiftungen verschrieben haben. Natürlich ist es theoretisch denkbar, dass eine Stiftung mit einer Förderung im Medienbereich die öffentliche Meinung zugunsten eines bestimmten Themas beeinflussen möchte. Aber hier sind die Medien gefragt. Sie müssen sicherstellen, dass eine inhaltliche Einflussnahme der Stiftung ausgeschlossen ist und die journalistische Unabhängigkeit gewahrt bleibt. Dazu dienen Vereinbarungen, die zu Beginn einer Förderung geschlossen werden. Auch für das Projekt Globale Gesellschaft haben wir diese Grundsätze vertraglich festgehalten.     red


Kommentar:  Allein über das Geld ist der Einfluss bereits sehr groß, so gilt doch weiterhin: "Wessen Brot ich ess, dessen Lied ich sing."         Thomas Bauer



Weiteres:



Wohnungskrise in Portugal »Lissabon hat sich in ein Monster verwandelt«


spiegel.de, vom 08.05.2021, 21.35 Uhr, Ein Interview von Jan Petter
Lissabon gehört zu den beliebtesten Städten Europas, doch der Tourismus hat das Wohnen für viele Einheimische unbezahlbar gemacht. In der Krise probiert die Regierung nun den Rückwärtsgang.


Zitat: Globale Gesellschaft In Reportagen, Analysen, Fotos, Videos und Podcasts berichten wir weltweit über soziale Ungerechtigkeiten, gesellschaftliche Entwicklungen und vielversprechende Ansätze für globale Probleme. Alle Artikel


Die gelbe Tram auf der Linie 28, die sonst immer knallvoll durch die Gassen der Altstadt von Lissabon quietscht, ist auf den meisten Instagrambildern plötzlich ganz leer. Auf dem Praça do Comércio sitzen jetzt mehr Möwen als Touristen. Und an den Fenstern der sonst meist ausgebuchten Ferienwohnungen im Stadtteil Alfama sieht man immer öfter ein Schild mit der Aufschrift »à venda« – zu verkaufen.


Die Pandemie hat Portugal zum Stillstand gebracht, wochenlang durfte praktisch niemand ins Land einreisen, schon gar nicht für Sightseeing und Städtetourismus. Nach Rekordzahlen bei den Neuinfektionen stand das Land kurz vor dem Kollaps. Mit konsequenten Beschränkungen

gelang es der Regierung, die Zahlen zu senken, heute sind sie niedriger als in Deutschland. Doch das öffentliche Leben kam weitgehend zum Erliegen.


Auch in Barcelona, Amsterdam und Paris gab es im vergangenen Jahrzehnt einen Ansturm der Rucksacktouristen, doch wohl keine Metropole lieferte sich dem Tourismus so aus wie die Stadt am Tejo. Die Reisenden halfen den Portugiesen vor zehn Jahren aus der Krise, im Gegenzug dafür nahmen Politik und Einheimische viele Veränderungen in Kauf. In der Altstadt gibt es heute teilweise mehr Ferienwohnungen als private Haushalte, die Mieten sind innerhalb weniger Jahre explodiert, alteingesessene Läden verschwunden.


Der Stadtgeograf Luís Filipe Gonçalves Mendes verfolgt seit zwei Jahrzehnten, wie sich das Zusammenleben in Lissabon verändert. Mendes forscht zu Verdrängungseffekten auf dem Wohnungsmarkt und zu einer Entwicklung, die er als »Touristification« bezeichnet. Wie blickt er auf das Stadtleben? Und welche Chancen sieht er in der Pandemie für Veränderungen?


Zur Person


Luís Filipe Gonçalves Mendes, Jahrgang 1979, forscht am Institut für Geografie und Raumplanung der Universität Lissabon zu Gentrifizierung und Stadtentwicklung. Darüber hinaus ist er im Mieterverband »Morar em Lisboa« (Wohnen in Lissabon) aktiv, der sich für bezahlbaren Wohnraum einsetzt. Mendes gilt als Ratgeber der linken Regierung Portugals und war wiederholt als Sachverständiger aktiv.


SPIEGEL: Herr Mendes, Sie leben seit Jahrzehnten in Lissabon, mit welchen Gefühlen gehen Sie zurzeit durch Ihre Stadt?

Luís Filipe Gonçalves Mendes: Mit sehr gemischten. Lissabon ist aktuell eine Geisterstadt, vor allem die Straßen im Zentrum sind abends leer. Die Fallzahlen gehen zwar zurück, doch ich frage mich oft, wie es in Zukunft hier aussehen wird.

SPIEGEL: Sie meinen, wenn die Touristen, wie derzeit geplant, ab dem 16. Mai zurückkehren?

Mendes: Ja. Alle sehnen sich nach Normalität, doch wir befinden uns immer noch in einer Pandemie. Ich habe Angst, dass wirtschaftliche Interessen im Zweifel jetzt wieder wichtiger werden als der Schutz der Menschen. Es darf nicht weitergehen wie vor Corona.

SPIEGEL: Was haben die Besucher mit der Not der Einheimischen zu tun?

Mendes: Die Mischung funktioniert nicht mehr. Ich bin für den Tourismus und freue mich, dass so viele Menschen zu uns kommen. Aber die Anwohner, die kleinen Läden und einheimischen Kulturangebote werden verdrängt. Die vielen Touristen zerstören, was sie an Lissabon so lieben. In Stadtteilen wie Alfama waren vor der Krise bereits etwa 60 Prozent der Wohnungen in Kurzzeitunterkünfte umgewidmet worden. Die Mieten haben sich innerhalb weniger Jahre mehr als verdreifacht, in manchen Fällen verzehnfacht. Wir sind ein armes Land. Die Pandemie hat dazu geführt, dass zusätzlich Tausende ihre Wohnung verloren haben, weil sie die Miete nicht mehr

bezahlen konnten. Wir müssen aufpassen, dass Lissabon nicht zu einem Disneyland ohne echtes

Leben wird. Wenn überall nur noch Airbnbs sind, funktioniert eine Stadt nicht mehr.
SPIEGEL: Ist das nicht ein europaweites Phänomen?

Mendes: Die Lage in Lissabon ist anders, weil wir so abhängig vom Tourismus sind wie kaum eine andere Hauptstadt. Ich habe mir die Zahlen für Paris, Kopenhagen, Madrid oder Berlin angeschaut. In absoluten Zahlen gibt es dort teilweise noch mehr Urlauber. Im Verhältnis zu den Einwohnern ist aber bereits nur noch Venedig vergleichbar. Die Lage ist auch dort wirklich schlimm. Aber Venedig ist so groß wie der Vorort, in dem ich lebe. Lissabon ist dagegen eine Hauptstadt, die sich in ein Monster verwandelt hat. Wir hatten im Tourismus zeitweise zweistelliges Wachstum pro Jahr. Hier in der Region leben mehr als zwei Millionen Menschen und aktuell gibt es kaum noch Sozialwohnungen. Selbst die Reisebranche versteht, dass sich etwas ändern muss.

SPIEGEL: Sie sprechen von »Touristification« – was meinen Sie damit?

Mendes: Ich verstehe darunter drei Punkte: Die Entwicklung des Tourismus passiert sehr schnell, sie ist unreguliert und wird dann dominant. Genau das ist in Lissabon passiert. Unsere Stadt lebte schon immer vom Tourismus, aber die Jahre nach der Finanzkrise haben alles in den Schatten gestellt. Das sorgt für eine gefährliche Abhängigkeit. Und für Frust. Wenn die extreme Rechte in Portugal etwas schlauer wäre, hätte sie die Wohnungsnot der Menschen längst zum Thema gemacht.

SPIEGEL: In Barcelona setzt man jetzt auf Luxustouristen aus Russland, um mit weniger Gästen mehr Geld zu verdienen. Wäre das eine Lösung?

Mendes: Davon halte ich gar nichts. So macht man sich nur von der nächsten Gruppe abhängig. Außerdem sollte das Reisen allen offenstehen.


SPIEGEL: Die Stadtregierung hat im vergangenen Jahr angekündigt, Ferienappartments zu bezahlbaren Mietwohnungen machen zu wollen, um die Wohnungsnot zu lindern. Was halten Sie von diesem Schritt?

Mendes: Das war ein sehr cleveres und pragmatisches Konzept. Die Stadt mietet die Wohnungen für fünf Jahre und zahlt je nach Größe einen festen Preis. Wer zum Beispiel eine Einzimmerwohnung besitzt, bekommt dafür 400 Euro im Monat. Vor der Krise hätte man damit wohl 2000 Euro verdienen können. Aber die Touristen sind eben weg und die Stadt hat sich bereit erklärt, die Miete für drei Jahre gleich auf einmal zu überweisen. Die neuen Mieterinnen und Mieter wiederum zahlen maximal ein Drittel ihres Einkommens für die Wohnung, den Rest übernimmt die Stadt. Das ist für alle ein Deal, mit dem man kalkulieren kann.

SPIEGEL: Wird das Programm angenommen?

Mendes: Es gibt bislang 10.000 Miet-Interessenten, aber leider nur 200 Wohnungsangebote. Das heißt, die Eigentümer lassen ihre Wohnungen lieber leer stehen, anstatt sie an die Stadt zu vermieten. Viele fürchten, dass sie sie sonst später nicht mehr touristisch anbieten dürfen. Andere setzen auf mittelfristige Vermietungen an Geschäftsleute und Studierende aus dem Ausland. Aktuell hoffen wohl viele darauf, dass es bald weitergeht wie vor der Pandemie.

SPIEGEL: Was fordern Sie, um die Krise zu entschärfen?

Mendes: Wir müssen größer denken und uns fragen, wie sich unsere Stadt entwickeln soll. Die Mietdauer von fünf Jahren ist zu kurz. Selbst wenn das Programm besser liefe, würde diese Zeit nicht ausreichen, um neue Wohnungen zu bauen oder politisch alle Probleme zu lösen. Aber eine Erhöhung der Vertragsdauer allein wird auch nicht reichen. In dieser Stadt sind aktuell 22.000 Ferienwohnungen und 3000 Wohnhäuser unbewohnt. Dass sie bei dieser Nachfrage nicht genutzt werden, ist ein Armutszeugnis. Es gibt dafür aber Gründe: Der Steuersatz für Mieteinnahmen liegt aktuell bei 28 Prozent. Ich stehe den Kommunisten nahe, aber das ist viel zu viel.

SPIEGEL: Ihr Vorschlag?

Mendes: Mit Wohnraum verdient der Staat ohnehin kein Geld. Aber es wird teuer, wenn er fehlt. Die Regierung sollte die Steuer auf fünf Prozent senken und dafür die Vorgabe machen, dass jede vierte Wohnung in renovierten und neuen Gebäuden für Bedürftige reserviert wird. Auch genossenschaftliches Wohnen sollte gefördert werden. Das alles zusammen könnte helfen, dass Touristinnen und Einheimische wieder zusammen in dieser Stadt leben können.


Dieser Beitrag gehört zum Projekt Globale Gesellschaft

Unter dem Titel Globale Gesellschaft berichten Reporterinnen und Reporter aus Asien, Afrika, Lateinamerika und Europa - über Ungerechtigkeiten in einer globalisierten Welt, gesellschaftspolitische Herausforderungen und nachhaltige Entwicklung. Die Reportagen, Analysen, Fotostrecken, Videos und Podcasts erscheinen im Auslandsressort des SPIEGEL. Das Projekt ist langfristig angelegt und wird über drei Jahre von der Bill & Melinda Gates Foundation (BMGF) unterstützt.

Ein ausführliches FAQ mit Fragen und Antworten zum Projekt finden Sie hier.

Mehr lesen über Globale Gesellschaft Europa Gentrifizierung Lissabon Tourismusbranche Airbnb Spiele


Info: https://www.spiegel.de/ausland/corona-krise-der-airbnb-tourismus-war-ein-problem-in-lissabon-wird-er-jetzt-zur-rettung-a-86ec039d-2975-4648-a143-fab32314601a?utm_source=pocket-newtab-global-de-DE  



Weiteres:  



Global Investigative Journalism Network


What Is Investigative Journalism?


While definitions of investigative reporting vary, among professional journalism groups there is broad agreement of its major components: systematic, in-depth, and original research and reporting, often involving the unearthing of secrets. Others note that its practice often involves heavy use of public records and data, with a focus on social justice and accountability.

MagnifyerStory-Based Inquiry, an investigative journalism handbook published by UNESCO, defines it thus: “Investigative journalism involves exposing to the public matters that are concealed–either deliberately by someone in a position of power, or accidentally, behind a chaotic mass of facts and circumstances that obscure understanding. It requires using both secret and open sources and documents.” The Dutch-Flemish investigative journalism group VVOJ defines investigative reporting simply as “critical and in-depth journalism.”

Info: https://gijn.org



Weiteres:



Netzwerk Recherche


Fachgruppe Datenjournalismus

Der Bereich des Datenjournalismus hat sich in den vergangenen Jahren zu einem lebendigen Schwerpunkt im Netzwerk Recherche entwickelt. Der intensive Austausch zwischen Datenjournalisten und Investigativen, ob auf der Jahreskonferenz, unseren Fachkonferenzen oder innerhalb großer Rechercheprojekte, hat immer wieder gezeigt, wie sehr sich die Felder bereichern und ergänzen. Wir sind überzeugt, dass die datenbasierte Recherche den Journalismus entscheidend vorantreiben kann – gerade auch vor dem Hintergrund einer fortschreitenden und umfassenden Digitalisierung, die den öffentlichen Raum prägt, immer mehr relevante Datenquellen hervorbringt und die Entwicklung neuer Methoden im Journalismus forciert.


Seit Herbst 2020 verstärken wir daher unser Engagement im Bereich des Datenjournalismus innerhalb einer Fachgruppe. Sie wurde gegründet, nachdem sich mehr als hundert Datenjournalist:innen aus dem deutschsprachigen Raum mehrheitlich für das Netzwerk Recherche als Dachorganisation entschieden haben. Diesem Auftrag folgend begreifen wir uns als allgemeine Interessenvertreter:innen für den gesamten Datenjournalismus und alle seine Ausprägungen.

Das wollen wir erreichen

Wir sind überzeugt, dass es in einer zunehmend digitalisierten Gesellschaft einen starken Datenjournalismus braucht. Nur dann können Medien auch sehr umfangreiche digitale Quellen in ihre Recherchen einbeziehen, strukturierte Informationen nach eigenen Fragestellungen auswerten und technologische Entwicklungen kritisch begleiten. Das ermöglicht große investigative Recherchen, stärkt aber auch die tagesaktuelle Arbeit im Newsroom. Die Fachgruppe Datenjournalismus im Netzwerk Recherche fördert den Datenjournalismus im deutschsprachigen Raum primär in diesen Feldern:

  • Offenes Netzwerk: Viele Datenjournalist:innen arbeiten in sehr kleinen Teams oder als Einzelkämpfer. Wir bieten die nötigen Räume für eine bessere Vernetzung der Branche – intern und mit Vertretern angrenzender Fachbereiche. Je mehr Methodenwissen wir teilen, desto wirksamer können unsere Projekte sein.
  • Mehr Sichtbarkeit: Wir geben dem Datenjournalismus eine starke Stimme in öffentlichen Debatten – etwa zu Informationsfreiheit und Datenschutz im Allgemeinen, aber auch für bessere Zugänge zu bestimmten Datenquellen. Unser Ziel ist es, diese Themen im Sinne der Datenjournalist:innen streitbar und konstruktiv zu beeinflussen.
  • Data Literacy: Wir fördern durch Wissenstransfer, Veranstaltungen und vielseitige Vernetzung den Aufbau von Kompetenzen, digitalem Mindset und datengetriebenen Rechercheansätzen unter Journalist:innen. Unser Ziel ist es, dass in den Redaktionen der Umgang mit großen Datenquellen und das nötige Handwerk dazu selbstverständlich werden.
  • Evidenzbasierte Recherche: Wir setzen uns dafür ein, datenjournalistische Methoden noch besser und tiefgreifender im Journalismus zu verankern. Daher engagieren wir uns als Berater:innen, Referent:innen oder Trainer:innen für Weiterbildungsangebote – ob übergreifend oder in einzelnen Redaktionen, für Anfänger und Profis.
  • Offene Daten: Datenjournalist:innen müssen nutzbare Zugänge zu strukturierten Informationen erhalten, die im öffentlichen Interesse sind. Wir unterstützen die Bemühungen um Open Data und arbeiten eng mit den in diesem Bereich aktiven Organisationen und Initiativen zusammen.
  • Diverse Perspektiven: Wir sind überzeugt, dass es im Datenjournalismus eine größere Diversität braucht, um gesellschaftliche Themen in ihrer Vielfalt angemessen erfassen, analysieren und hinterfragen zu können. Wir engagieren uns deshalb besonders für die Belange und die Förderung von Gruppen, die im Datenjournalismus derzeit unterrepräsentiert sind.


Info:  https://netzwerkrecherche.org



Weiteres:



ProPublica


The Mission
To expose abuses of power and betrayals of the public trust by government, business, and other institutions, using the moral force of investigative journalism to spur reform through the sustained spotlighting of wrongdoing.


ProPublica is an independent, nonprofit newsroom that produces investigative journalism with moral force. We dig deep into important issues, shining a light on abuses of power and betrayals of public trust — and we stick with those issues as long as it takes to hold power to account.

With a team of more than 100 dedicated journalists, ProPublica covers a range of topics including government and politics, business, criminal justice, the environment, education, health care, immigration, and technology. We focus on stories with the potential to spur real-world impact. Among other positive changes, our reporting has contributed to the passage of new laws; reversals of harmful policies and practices; and accountability for leaders at local, state and national levels.

Investigative journalism requires a great deal of time and resources, and many newsrooms can no longer afford to take on this kind of deep-dive reporting. As a nonprofit, ProPublica’s work is powered primarily through donations. The vast bulk of the money we spend goes directly into world-class, award-winning journalism. We are committed to uncovering the truth, no matter how long it takes or how much it costs, and we practice transparent financial reporting so donors know how their dollars are spent.

ProPublica was founded in 2007-2008 with the belief that investigative journalism is critical to our democracy. Our staff remains dedicated to carrying forward the important work of exposing corruption, informing the public about complex issues, and using the power of investigative journalism to spur reform.


Info: https://www.propublica.org



Weiteres:



CORRECTIV


Recherchen für die Gesellschaft

CORRECTIV ist eine gemeinnützige und unabhängige Redaktion.
Wir bringen systematische Missstände ans Licht und stärken eine demokratische und offene Zivilgesellschaft. Wir stehen für investigativen Journalismus. 


Über uns

CORRECTIV ist das erste spendenfinanzierte Recherchezentrum in Deutschland.
Als vielfach ausgezeichnetes Medium stehen wir für investigativen Journalismus. Wir lösen öffentliche Debatten aus, beteiligen Bürgerinnen und Bürger an unseren Recherchen und fördern Medienkompetenz mit unseren Bildungsprogrammen.


Info: https://correctiv.org

16.05.2021

Versäumnisse in der Coronaforschung: Es fehlen die Daten

taz.de, vom 13.05.2021

Über ein Jahr schon versetzt uns Covid-19 in den Ausnahmezustand. Viele Fragen hätte die Wissenschaft schon längst beantworten können.


Zitat: BERLIN taz | Wissenschaft gilt als schärfstes Schwert im Kampf gegen das Coronavirus. Enorme Summen werden in die Impfstoff­forschung gepumpt, um der Pandemie Einhalt zu gebieten. Weniger wird dagegen über die Schattenseite der Heldengeschichte gesprochen: wo Wissenschaft in der Covid-19-Krise scheitert oder erst gar nicht in die Gänge kommt. Das Ausmaß an Wissenschaftsversagen tritt immer deutlicher zutage.


An diesem Mittwoch war es wieder so weit: Forschungsministerin Anja Karliczek trat mit ihrem Kabinettskollegen aus dem Gesundheitsressort Jens Spahn vor die Bundespressekonferenz, um ein neues, 300 Millionen Euro schweres Förderprogramm für die Entwicklung von Coronamedikamenten zu verkünden. Dabei geht es um Patienten, die bereits erkrankt sind und in einer Klinik behandelt werden müssen. Die neuen Arzneimittel sind seit Anfang des Jahres bereits in den klinischen Testphasen I und II geprüft worden. „Ich freue mich, dass wir nun die Forschung und Entwicklung auch auf die finale Testphase und die Herstellungskapazitäten ausdehnen können“, sagte Karliczek. Ziel sei es, dass „damit wirksame und sichere Arzneimittel gegen Covid-19 möglichst rasch bei den Patientinnen und Patienten ankommen“.


Leider müsse damit gerechnet werden, dass selbst bei einer hohen Impfrate Menschen weiter an Covid-19 erkrankten, für die dringend neue Therapieoptionen bereitgestellt werden müssten. Mit dem neuen Programm sollen auch bereits für andere Krankheiten zugelassene Arzneimittel darauf geprüft werden, ob sie gegen Covid-19 wirken.


Das neue BMBF-Programm (Bundesmin. f. Bildung u. Forschung) ist auch eine Reaktion auf die Kritik des Wissenschaftsrats (pdf-Datei), der im Januar bemängelt hatte, dass in Deutschland bei klinischen Studien das „Potenzial für die Verbesserung der Versorgung hierzulande nicht ausgeschöpft wird“. Insbesondere bei Studien zu Wirkstoffen und Therapieverfahren für Covid-19 spiele die universitäre und außeruniversitäre Gesundheitsforschung in Deutschland „jedenfalls zu Beginn der Pandemie keine führende Rolle“, stellte der ­Wissenschaftsrat fest. In anderen europäischen Staaten wie den Niederlanden, Großbritannien und der Schweiz liege die Anzahl öffentlich finanzierter Studien zu Covid-19 deutlich höher.


Wo ist das Infektionsrisiko hoch?

Eine weitere Leerstelle deutscher Forschung zeigte sich beim Auftreten erster Mutanten von SARS-CoV-2. „Gefährliche Mutationen erkennt man nur dann rechtzeitig, wenn man die Virusgenome aus Infizierten durch engmaschige Überwachung (Surveillance) via Komplett-Sequenzierung überprüft“, stellte das Fachmagazin Laborjournal Anfang des Jahres fest. Dies sei „ein Aspekt, der in Deutschland bisher auf fahrlässige Weise vernachlässigt wurde“. Überschrift des Fachartikels: „Deutschland blamabel bei Corona-Sequenzierung“.


Keine Verbesserung gibt es auch auf der epidemiologischen Seite, wo es um die infektiöse Verbreitung des Virus geht. So schreibt das Robert Koch-In­sti­tut (RKI) in einem aktuellen Lagebericht über Covid-19-bedingte Ausbrüche: „Beim Großteil der Fälle ist der Infektionsort nicht bekannt.“ Betroffen seien insbesondere private Haushalte, aber auch Kitas, Schulen und das berufliche Umfeld, wird vage mitgeteilt. Warum hat die In­fek­tions­schutz­be­hör­de nach über einem Jahr nicht eine präzisere Sicht auf die Verbreitung?


Auch die Schwachstelle der Datenvernetzung und des Datenmanagements im Gesundheitsbereich, wo es „zahlreiche Mängel“ gebe, hatte der Wissenschaftsrat angeschnitten. So fehle „ein standortübergreifender Zugang zu standardisierten Daten aus medizinischer Forschung und Versorgung“. Als noch gravierender stellt sich mittlerweile die generell unzureichende Erhebung von Daten über die Covid-19-Verbreitung heraus.


„Seit Beginn der Pandemie erleben wir ein Versagen der Fachgesellschaften von der Statistik über die Epidemiologie bis zur Soziologie“, sagt der Datenerhebungsexperte Rainer Schnell von der Universität Duisburg-Essen. Keine wissenschaftliche Organisation habe die, wie er es nennt, „Datenerhebungskatas­trophe“ kritisiert.


„Deutschland läuft englischsprachigen Ländern hinterher“

„Deutschland läuft der Datenerhebungsqualität der englischsprachigen Länder meilenweit hinterher“, ergänzt der Medizinstatistiker Gerd Antes, Mitbegründer des Deutschen Netzwerks Evidenzbasierte Medizin. Am schlimmsten sei, dass es „weder in der Politik noch in der Wissenschaft vielversprechende Anstrengungen gebe, das Empirie-Defizit zu beheben“, wird Antes im Wissenschaftsblog des Berliner Fachjournalisten Jan-Martin Wiarda zitiert: „Da herrscht eine Mischung aus Inkompetenz, Arroganz und Interessenkonflikten.“


Wiarda ist in einer ausführlichen Recherche der Frage nachgegangen, warum es in der deutschen Forschung kein „Corona-Panel“ gibt, das die Verbreitung des Virus repräsentativ misst. „50.000 bis 100.000 Stichprobentests alle ein bis zwei Wochen würden genügen“, so seine Einschätzung. Stattdessen herrsche ein Datenflickwerk, das keine valide Grundlage für politische Entscheidungen von großer Tragweite darstellen könne.


Ein Anlauf des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW) zusammen mit dem Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie (BIPS) in Bremen hatte keinen Erfolg, fand Wiarda heraus. Die Idee war, das Corona-Panel an das wissenschaftliche Datengroßprojekt „NAKO – Nationale Gesundheitskohorte“ anzudocken, bei dem 200.000 Deutsche zwischen 20 und 69 Jahren kontinuierlich Auskunft über Lebensumstände und Krankheitsgeschichte geben. Das Konzept habe auch die Zustimmung des RKI gefunden. Doch das BMBF habe die Bedeutung des Vorhabens nicht erkannt und eine Finanzierung verweigert, kritisieren die Forscher. Als wenig kooperativ habe sich zudem die NAKO-Leitung gezeigt: „Die saßen auf ihrer Studie und wollten nicht teilen.“


Jenseits von Eifersüchteleien verhindert ein gesundheitswissenschaftliches Struk­tur­pro­blem eine Besserung. „Die Pleiten, Pech und Pannen der deutschen Coronapolitik haben eine gemeinsame Ursache“, so Wiardas Analyse. „Das Zusammenspiel von Politik, Administration und Wissenschaft wird nicht funktionieren, solange ‚­Public Health‘ nicht zu einer Leitdisziplin in Deutschland wird.“ Die gesellschaftliche Gesundheitsversorgung ist ein Stiefkind des patientenzentrierten Medizinsystems.


Welchen Weg nimmt das Virus? Unbekannt

Weil weiterhin unbekannt ist, welche Wege das Virus genau nimmt, kommen die politischen Präventionsmaßnahmen vielfach einem Stochern im Nebel gleich. Ganze Bevölkerungsgruppen wie Migranten oder sozial Benachteiligte fallen mit ihrer besonderen Belastungssituation aus dem Blick. Andere Gruppen wie Schüler und Studierende werden mit ihrem Infektionspotenzial wahrscheinlich falsch eingeschätzt. Das Ergebnis sind „Notbremsen“, die nicht geringen Kollateralschaden produzieren, etwa über die strikten Inzidenzwerte.


Ein Leser des viel kommentierten Wiarda-Blogs schrieb, dass der Frust unter Schulrektoren, Lehrern und Eltern steige. „Bei uns im Landkreis wurden alle Schulen geschlossen, nachdem Infektionen in sechs Betrieben und einer einzigen Kita den Inzidenzwert nach oben katapultiert haben.“ In den ihm bekannten Schulen wurden drei Reihentests die Woche durchgeführt – ohne Funde. Ein Rektor meinte verzweifelt: „Wir testen wie blöde, aber keiner ­interessiert sich für unsere ­Zahlen.“


Bildungspolitische Lang­zeitschäden durch Corona sind ebenfalls ein Forschungsthema. Aber dieses Großexperiment mit zehn Millionen Teilnehmern läuft noch eine Weile.


Info:  https://taz.de/Versaeumnisse-in-der-Coronaforschung/!5766391   



Weiteres:



Was ist die NAKO Gesundheitsstudie?

Die NAKO Gesundheitsstudie (kurz: NAKO) ist eine Langzeit-Bevölkerungsstudie (Dauer 20-30 Jahre). Sie wird von einem Netzwerk deutscher Forschungseinrichtungen, bestehend aus der Helmholtz-Gemeinschaft, den Universitäten und der Leibniz-Gemeinschaft, organisiert und durchgeführt. Ziel ist es, den Ursachen für die Entstehung von Volkskrankheiten, wie beispielsweise Krebs, Diabetes, Infektionskrankheiten und Herzinfarkt auf den Grund zu gehen.


Die zentralen Fragen der NAKO lauten: Warum wird der eine krank, der andere aber bleibt gesund? Welche Faktoren spielen dabei eine Rolle? Ist es die Umwelt, das soziale Umfeld oder die Situation am Arbeitsplatz? Ist es die Ernährung? Sind es die Gene? Eine Mischung von allem? Auch wenn bereits einiges erforscht werden konnte, die genauen Zusammenhänge sind noch nicht bekannt.

Die NAKO schafft bessere Möglichkeiten, um

  • eine Krankheit durch Vorbeugung zu verhindern
  • sie möglichst früh zu erkennen
  • sie bestmöglich zu behandeln


Um dies zu erreichen, werden deutschlandweit in insgesamt 18 Studienzentren 200.000 zufällig ausgewählte Bürgerinnen und Bürger im Alter von 20-69 Jahren umfassend medizinisch untersucht und nach ihren Lebensgewohnheiten befragt, (z.B. körperliche Aktivität, Rauchen, Ernährung, Beruf). Die NAKO wird von dem Verein NAKO e.V. durchgeführt und vom Bundesministerium für Bildung und Forschung, der Helmholtz-Gemeinschaft und den beteiligten Ländern finanziert. Auch die Mitgliedsinstitutionen beteiligen sich an der Finanzierung.

Presse

Info: https://nako.de



Weiteres:



jmwiarda.de, Blogger JAN-MARTIN WIARDA   -   Journalist     Moderator     Fragensteller


Willkommen auf meiner Website.

Wenn Sie mehr erfahren wollen über mich und meine Themen, sind Sie hier richtig. Schauen Sie doch auch mal in meinen Blog, in dem ich regelmäßig aktuelle Ereignisse in Bildung und Forschung aufspieße. Ich freue mich auf Ihr Feedback.


Info: https://www.jmwiarda.de

15.05.2021

Rubikon-Newsletter der Kalenderwoche 20/2021     Teil I von II

Rubikon ist das Magazin für die kritische Masse. Wir berichten über das, was in den Massenmedien nicht zu finden ist. Anbei übersenden wir Ihnen die Übersicht unserer Artikel der letzten 7 Tage.


Zitat: Inhaltsverzeichnis

1. Roland Rottenfußer: Die Erfindung der Schuld

2. Gerd Reuther: Mehr Fluch als Segen

3. Jens Wernicke: Die Zukunft beginnt jetzt

4. Elisa Gratias: Die Corona-Aufklärungsoffensive

5. Anselm Lenz: Journalistisches Widerstandsnest

6. Diana Johnstone: Die Olivgrünen

7. Jens Fischer Rodrian: Wertvolle Basisarbeit

8. Elisa Gratias: Die neue Welt

9. Susan Bonath: Repressionen, Propaganda, Profite

10. Nicolas Riedl: Frischer Wind

11. Rubikons Weltredaktion: Die Mythen des Systems

12. Ulrike Meier: Unerhörte Proteste

13. Karl Anders Bickel: Das rettende Licht

14. Markus Keimel: Der Schalk im Nacken

15. Pepe Escobar: Das Gesetz des Dschungels

16. Ralf Rosmiarek: Die Einwegkommunikation

17. Rubikons Leserinnen und Leser: Lernziel Angst

18. Nicolas Riedl, Adriana Sprenger: Der ganz normale Wahnsinn

19. Werner Köhne: Die instrumentalisierte Trauer

20. Erika Helene Etminan: Wohlergehen statt Wohlstand

21. Sven Böttcher: Die Pflichtenfalle

22. Christina Winterholler: Die Mörder im Dunkeln

23. Roberto J. De Lapuente: Die Lach- und Spießgesellschaft

24. Marcus Pacem: Gebrannte Kinder im Feuer

25. Daniel Lewitz: Die Befreiung der Sprache

26. Jochen Mitschka: Umweg zu mir selbst

27. Kerstin Chavent: Danke Corona!

28. Liane Kilinc: Die Täter-Opfer-Umkehr

29. Wolfgang Jeschke: Die überschätzte Gefahr

30. Rubikons Weltredaktion: Der Anfang vom Ende

31. Ulrich Gellermann: Der Staat gegen Ken Jebsen

32. Andreas Schell: Das Auswanderungsland

33. Felix Feistel, Rubikons Mutmach-Redaktion: Das Team Mensch




Die Erfindung der Schuld

Anderen ein schlechtes Gewissen einzureden ist oft mit einem Zuwachs an Geld und Macht verbunden — wir sollten uns diesem bösen „Spiel“ verweigern.

rubicon.de, 15. Mai 2021, 15:59 Uhr von Roland Rottenfußer

Ein Gefängnissystem „braucht“ Gefangene, so wie ein Feuer darauf angewiesen ist, dass beständig Holzscheite nachgelegt werden. Es muss also immer Straftaten geben. Nicht wegen des unausrottbaren Bösen in den Köpfen der Menschen, sondern wegen der Arbeitsplätze derer, die mit ebendiesem Bösen ihren Lohn und damit ihr Brot verdienen. Schuld wird, wo sie nicht unabweisbar ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit ist, in sehr vielen Fällen „gemacht“. Man kann dabei auch — parallel zur Geldschöpfung — von Schuldschöpfung sprechen. Bei Strafen und Schuldzuschreibungen ist immer das „Cui bono?“ zu beachten: Wem nützt es? Mit dem Finger auf andere zu zeigen, kann ein lukratives Geschäft sein — oder ein Mittel, um sich gut, überlegen und mächtig zu fühlen. Besonders effektiv ist es insofern, Menschen wegen Eigenschaften schuldig zu sprechen, die sie nicht ändern können.

Zum Artikel https://www.rubikon.news/artikel/die-erfindung-der-schuld



Mehr Fluch als Segen

Um die derzeitige Kampagne besser einordnen zu können, muss man den Nutzen und die Gefahren von Impfungen aus historischer Perspektive betrachten.

rubicon.de, 15. Mai 2021, 15:58 Uhr von Gerd Reuther

Impfungen gelten als Teil der schulmedizinischen „DNA“. Impflobbyisten verweisen gerne auf eine 300-jährige Erfolgsgeschichte. Vergessen ist, dass sich der ärztliche Berufsstand im ersten Jahrhundert der Impfgeschichte diesen Versuchen der Krankheitsprävention mit allen Mitteln widersetzte. Impfungen wurden von Laien ein- und auch durchgeführt. Erst mit dem Aufkommen der Pharmaindustrie im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts rückten Impfungen auf der Agenda der Schulmedizin ganz nach oben. Bereits mit dem Reichsimpfgesetz von 1874 avancierte eine Impfung in ganz Deutschland zur bürgerlichen Pflicht. Trotz massenhafter Durchführungen verzichtete man bis heute bei allen Impfungen auf solide Studien zur Beurteilung von Nutzen und Risiken.

Zum Artikel https://www.rubikon.news/artikel/mehr-fluch-als-segen-2



Die Zukunft beginnt jetzt

„Wenn wir die neu entstehende Ordnung menschlich gestalten wollen, muss jeder einzelne von uns jetzt klug und entschlossen handeln“, appelliert Rubikon-Herausgeber Jens Wernicke in seinem Aufruf an die Demokratinnen und Demokraten im Land.

rubicon.de, 15. Mai 2021, 15:57 Uhr von Jens Wernicke

Wir befinden uns inmitten einer historischen Auseinandersetzung, deren Hauptfrontlinie zwischen Oben und Unten, zwischen Arm und Reich verläuft. Menschen, die mit immenser Macht ausgestattet sind, deren Freunde Gesetze erlassen und über das staatliche Gewaltmonopol verfügen, stehen Menschen gegenüber, die als Einzelne kaum Einfluss auf Staat und Gesellschaft nehmen können — und die immer häufiger zu Objekten elitären Handelns degradiert werden. Die einen verfügen mehr oder minder über alle Macht, die anderen hingegen stellen die überwältigende Mehrheit der Menschheit dar. Entschlossenheit und strategisches Geschick sind entscheidend, diesen Konflikt zugunsten von Mehrheit, Menschlichkeit und Vernunft zu entscheiden, meint Rubikon-Herausgeber Jens Wernicke. Es gilt, den Ernst der Lage zu erkennen und entsprechend zu handeln, um einem übermächtigen Gegner stets einige Schritte voraus zu sein. Dazu gehört vor allem, ein kritisches Magazin gegen Angriffe abzusichern, die diesem im Prozess der geplanten Umwandlung von einer leidlich funktionierenden Demokratie in eine Diktatur unweigerlich drohen. Angriffe technischer wie juristischer Art — als Versuch, einen lästigen und hartnäckigen Kritiker zum Schweigen zu bringen. Im folgenden Text skizziert er nicht nur seine Einschätzung der Lage, sondern auch einen Aktionsplan, der erreichen soll, dass unabhängiger Journalismus auch zukünftig überlebt.

Zum Artikel https://www.rubikon.news/artikel/die-zukunft-beginnt-jetzt



Die Corona-Aufklärungsoffensive

Flo Osrainik stellt sein Buch „Das Corona-Dossier“ bei KenFM im Gespräch vor.

rubicon.de, 15. Mai 2021, 15:00 Uhr von Elisa Gratias

Ende 2019 gründete das Online-Medium Rubikon gerade noch rechtzeitig vor Beginn der Corona-Krise einen eigenen Buchverlag, um seine Inhalte auch offline einer breiten Öffentlichkeit anzubieten und eine demokratischere Meinungsbildung zu fördern. Heute ermöglicht diese Entscheidung es dem Rubikon, unabhängig von großen Verlagshäusern eine umfassende Corona-Aufklärungsoffensive zu starten — mit Erfolg. Die ersten drei Bücher zur aktuellen Situation sind bereits Bestseller. „Das Corona-Dossier“ von Flo Osrainik ist das zweite Buch dieser Aktion. Nun sprach der Autor bei KenFM im Gespräch darüber, weshalb er ein so umfassendes Werk verfasste und wie er mit der Wut umgeht, die das aktuelle „Schmierentheater“ in Politik und Gesellschaft in ihm auslöst.

Zum Artikel https://www.rubikon.news/artikel/die-corona-aufklarungsoffensive-3



Journalistisches Widerstandsnest

Das Wochenmagazin „Demokratischer Widerstand“ ist ein Bollwerk gegen die um sich greifende Zensur in Deutschland.

rubicon.de, 15. Mai 2021, 14:00 Uhr von Anselm Lenz

Die deutsche Corona-Regierung will oppositionelle Stimmen aus den Bereichen des Rechtsstaats, des Journalismus und der Medizin einschüchtern und sogar zensieren. Landesmedienanstalten verschickten zuletzt Drohbriefe an Journalisten; die Ärztekammer vertritt eher die Regierung als die Interessen ihrer Berufsgruppe. Seit dem 17. April 2020 erscheint die einzige regierungs- und konzernunabhängige Wochenzeitung „Demokratischer Widerstand“. Diese muss weiter gestärkt werden.

Zum Artikel https://www.rubikon.news/artikel/journalistisches-widerstandsnest



Die Olivgrünen

Diana Johnstone klärt über Annalena Baerbock und die Russlandfeindlichkeit der deutschen und französischen Grünen auf.

rubicon.de, 15. Mai 2021, 13:00 Uhr von Diana Johnstone

Manche Erlebnisse sind prägend. Wer als Kind seinen Geburtstag bei McDonalds feiern durfte, behält die Fastfoodkette zeitlebens in positiver Erinnerung. Und wer als Student eine transatlantische Kaderschmiede durchlaufen hat, der sieht die Welt ganz selbstverständlich aus angloamerikanischer Perspektive. Hinzu kommt die Protektion der transatlantischen Netzwerke für die Absolventen der „Young Leader“-Programme, sie befördert deine Karriere ganz erheblich. Man nennt das „Elitenbeeinflussung“ — die loyalsten Leute werden gefördert und auf die richtigen Posten gehievt, Transatlantiker fördern andere Transatlantiker. Annalena Baerbock ist das erste Produkt dieses Auswahlprozesses mit Aussichten auf die deutsche Kanzlerschaft. Man kann davon ausgehen, dass ihr Denken und ihre Loyalitäten mehr angelsächsisch als deutsch geprägt sind.


Zitat: Der Kern des amerikanischen Imperiums ist seine Dominanz über Europa, direkt durch die NATO und indirekt durch ein Geflecht von Verträgen, Institutionen und Eliteorganisationen, in denen politischer Konsens entwickelt und zukünftige Führer europäischer Länder ausgewählt werden. Der allgegenwärtige Einfluss der USA hat zu einer drastischen Verschlechterung der Beziehungen der westeuropäischen Länder mit Russland geführt.

Russland ist eine große Nation mit einem wichtigen Platz in der europäischen Geschichte und Kultur. Washingtons Plan ist es, Russland aus Europa hinauszudrängen, um seine eigene Dominanz im Rest dieses Kontinentes zu sichern. Zu diesem Plan gehört es, Feindseligkeiten zu provozieren, wo keine existieren, und sämtliche potentiell fruchtbaren Beziehungen zwischen Russland und dem Westen zu zerstören.


Nordstream 2

Für alle ernsthaften Beobachter ist es offensichtlich, dass das rohstoffreiche Russland und das hochindustrialisierte Deutschland sich als Handelspartner optimal ergänzen, zum gegenseitigen Nutzen, besonders aus deutscher Sicht. Ein Symbol dieser vorteilhaften Zusammenarbeit ist die Pipeline Nordstream 2, die kurz vor der Fertigstellung steht und Deutschland und andere europäische Kunden mit dringend benötigtem Erdgas zu günstigen Preisen versorgen würde.


Die USA sind fest entschlossen, die Fertigstellung und den Betrieb von Nordstream 2 zu verhindern. Die offensichtlichen Motive sind das Abblocken des „russischen Einflusses“, zweitens die Möglichkeit, an Deutschland das teurere Frackinggas der USA zu verkaufen, und drittens, Putin zu schwächen, um ihn dereinst durch eine US-Marionette abzulösen, jemanden wie den Säufer Boris Jelzin, der Russland in den 1990er Jahren zugrunde richtete.


Aber für diejenigen Europäer, die Nordstream 2 aus hochmoralischen Gründen ablehnen, steht eine große Auswahl weitgehend fiktionaler Vorwände bereit: das Votum der Krim, sich Russland anzuschließen, fälschlich dargestellt als militärische Übernahme, die unglaubliche Geschichte der Nicht-Vergiftung des Alexej Nawalny, und als Neuestes eine obskure Explosion im Jahre 2014 in Tschechien, die nun plötzlich den gleichen zwei russischen Spionen zugeschrieben wird, die angeblich die Skripals 2018 in Salisbury vergiften wollten.


Gemäß der liberalen Doktrin, die den kapitalistischen „freien Markt” rechtfertigen soll, lässt wirtschaftlicher Eigennutz die Leute sinnvolle Entscheidungen treffen. In diesem Sinne haben viele vernünftige Beobachter ihre Hoffnungen auf eine Opposition gegen Washingtons Plan, Russland zu isolieren, auf das Eigeninteresse deutscher Politiker und vor allem deutscher Wirtschaftsbosse gegründet.


Pragmatismus gegen Selbstgerechtigkeit

Im kommenden September gibt es in Deutschland Parlamentswahlen, in denen sich entscheidet, wer, in Nachfolge von Angela Merkel, der oder die nächste KanzlerIn wird. Für die Außenpolitik wird das eine Wahl zwischen Pragmatismus und moralischem Posieren, und es ist noch nicht klar, welches von beiden sich durchsetzen wird.

Die Kandidatin für aggressive Selbstgerechtigkeit, Annalena Baerbock, wurde von der grünen Partei als nächste Kanzlerin erkoren. Der geforderte Tugendbeweis besteht im Schimpfen auf Russland.

Mit ihren 40 Jahren ist Baerbock etwa ein Jahr jünger als die grüne Partei selbst. Sie ist Mutter zweier kleiner Kinder, eine ehemals gefeierte Trampolinspringerin, die sogar beim Sprechen noch lächelt — ein sauberes Bild glücklicher, unschuldiger Fitness.


Dank einem Schüleraustauschprogramm lernte sie in Florida flüssig Englisch sprechen, studierte Völkerrecht an der London School of Economics (LSE) und befürwortet (welche Überraschung) eine starke Partnerschaft mit der Biden-Regierung, um das Klima im Besonderen und die Welt im Ganzen zu retten.


Unmittelbar nachdem Baerbock als Kanzlerkandidatin der Grünen feststand, zeigte eine Kantar-Umfrage, dass sie das Bewerberfeld mit 28 Prozent anführte, just einen Prozentpunkt vor Merkels CDU mit 27 Prozent. Überraschender war jedoch eine Umfrage unter 1.500 Firmenchefs in der Wochenzeitung Wirtschaftswoche, der zufolge diese Baerbock klar favorisierten.


Umfrageergebnis:

  • Annalena Baerbock: 26,5 Prozent
  • Christian Lindner, FDP: 16,2 Prozent
  • Armin Laschet, CDU: 14,3 Prozent
  • Olaf Scholz, SPD: 10,5 Prozent
  • Unentschlossen: 32,5 Prozent


Es war zu erwarten, dass die liberale FDP bei den Firmenchefs gut abschneidet. Auch Christian Lindner befürwortet harte Sanktionen gegen Russland. Die Befragten bevorzugten also von allen Parteiführern die zwei russlandfeindlichsten. Natürlich können auch innenpolitische Gründe entscheidend gewesen sein.


Der CDU-Kandidat Armin Laschet hingegen ist vernünftig und moderat und steht für bessere Beziehungen zu Russland. Aber man sagt, ihm fehle das Charisma.


Zwei weitere Parteien wurden in der Kantar-Umfrage erwähnt. Die Linkspartei erreichte 7 Prozent. Ihre bekanntesten Mitglieder, Sahra Wagenknecht und ihr Ehemann Oskar Lafontaine, sprechen ihre Kritik an der NATO und der aggressiven Außenpolitik der USA offen aus. Aber die Führer der Linkspartei, die ihre fragilen Hoffnungen in einer Regierungsbeteiligung als Juniorpartner irgendeiner linken Koalition sehen, hüten sich davor, sich durch die Einnahme derartiger Positionen selbst zu disqualifizieren.


Die „Alternative für Deutschland“ (AfD) spricht sich für die Normalisierung der Beziehungen zu Russland aus. Aber sie gilt als rechtsextreme Partei, und keine andere Partei würde es wagen, eine Koalition mit ihr einzugehen.


Deutsche Regierungen werden aus Koalitionen gebildet. Die Grünen sind nach links (wo ihre Ursprünge liegen) oder rechts für Koalitionen offen. Der historische Abstieg der Sozialdemokraten (SPD) und die Schwäche der Linkspartei machen eine Koalition der Grünen mit der CDU wahrscheinlicher. Je nach Wahlausgang kann zusätzlich noch die SPD oder FDP mit ins Boot geholt werden.


In einem westlichen Land nach dem anderen steht die Opposition zur Politik der NATO am rechten oder linken Rand des politischen Spektrums, getrennt durch zu viele andere Themen, um zusammenzufinden. So bleibt das konformistische Zentrum dominant. Doch seit die ehemals stärksten Parteien CDU und SPD viel an Unterstützung verloren haben, gelingt es den Grünen, dieses Zentrum zu besetzen.


Das grüne Wahlprogramm

Baerbock ist ein perfektes Produkt der transatlantischen Selektion von Führungskräften. Zwischen ihren Trampolinübungen bestand ihr Interesse immer in internationalen Beziehungen aus der anglo-amerikanischen Perspektive. Dazu gehört auch ihr Masterabschluss in Völkerrecht an der London School of Economics (LSE).

Zu ihrer Initiation in die transatlantische Regierungsführung gehört ihre Mitgliedschaft im German Marshall Fund, dem „Young Leaders Program“ des Weltwirtschaftsforums und dem europäisch/transatlantischen Ausschuss der Heinrich-Böll-Stiftung, die mit der grünen Partei assoziiert ist.


Auf dieser Basis ist sie sehr schnell zur Vorsitzenden der linken Partei aufgestiegen, mit wenig politischer und keiner administrativen Erfahrung.

Die Grünen befinden sich in perfekter Übereinstimmung mit dem neuen ideologischen Kreuzzug der Biden-Regierung, die Welt nach dem amerikanischen Modell neu zu erschaffen.

Durch Aufgreifen der Vorwürfe von Russiagate und ohne die geringste Evidenz bezichtigen sie Russland der böswilligen Einmischung in Europa und betreiben gleichzeitig ihre eigene „wohltätige“ Einmischung in Russlands innere Angelegenheiten zugunsten einer theoretischen „demokratischen Opposition“.


„Russland hat sich immer mehr zu einem autoritären Staat entwickelt, und unterminiert in zunehmendem Maße die Demokratie und Stabilität in der EU und der gemeinsamen Nachbarschaft“, heißt es in ihrem Wahlprogramm. Gleichzeitig wollen die Grünen „den Austausch unterstützen und intensivieren“ mit der russischen Demokratiebewegung, die angeblich in zunehmendem Maße „für Menschenrechte, Demokratie und die Herrschaft des Rechts“ eintritt.


Die Grünen favorisieren harte Sanktionen gegen Russland und einen kompletten Baustopp für Nordstream 2:

„Das Pipelineprojekt Nordstream 2 ist nicht nur schädlich für die Klima- und Energiepolitik, sondern auch geostrategisch — besonders im Hinblick auf die Ukraine — und muss daher gestoppt werden.“


Die Grünen verlangen auch, dass die russische Regierung ihre Verpflichtungen aus dem Minsker Abkommen einhält, um den Konflikt in der Ostukraine zu beenden, und ignorieren die Tatsache, dass es die Kiewer Regierung ist, die sich weigert, die Vereinbarungen umzusetzen, und dadurch eine Lösung verhindert.


Baerbock ist zu 100 Prozent für „humanitäre Interventionen“. Deshalb schlagen die Grünen vor, die Regeln bei der UN so zu ändern, dass auch gegen das Veto einer Großmacht (das die USA, Russland, China, das UK und Frankreich einlegen könnten) eine militärische Intervention zur „Verhinderung eines Genozids“ beschlossen werden kann. Ihr Enthusiasmus für R2P („Responsibility to Protect“, das in Libyen so effektiv zur Zerstörung des Landes benutzt wurde (1)) sollte in der Biden-Administration auf freudige Zustimmung stoßen, wo Samantha Power, die frühere UN-Botschafterin der USA, Ausschau hält nach zu rettenden Opfern.


Selbstverständlich haben die Grünen auch die Umwelt nicht vergessen, und betrachten „Klimaneutralität“ als „große Chance für den Industriestandort Deutschland”. Die Entwicklung „klimaneutraler Technologien“ sollte den „Anreiz für neue Investitionen schaffen“. Das Wahlprogramm sieht die „Schaffung eines digitalen Euro” vor sowie sichere und mobile „digitale Identitäten” und „digitale Verwaltungsdienste“.

In der Tat liest sich das Wirtschaftsprogramm der Grünen weitgehend wie der vom Weltwirtschaftsforum in Davos propagierte „Große Reset“.

Die neue Wirtschaft dreht sich um die Klimakrise, künstliche Intelligenz und die Digitalisierung aller Lebensbereiche. Der internationale Kapitalismus braucht „Innovation“, um „produktives Investment“ zu stimulieren, und die Klimakrise sorgt für die nötigen Anreize. Als „Young Leader“ des Weltwirtschaftsforums hat Baerbock diese Agenda gewiss verinnerlicht.


Joschka Fischer, der Verräter

Vor 40 Jahren verlangten die deutschen Grünen ein Ende des Kalten Krieges und verdammten die „Feindbilder“, die negativen Stereotypen, mit denen man Deutschlands frühere Feinde bedachte (2). Heute sind es die Grünen, die das russische Feindbild pflegen und den Hauptbeitrag zu dem neuen Kalten Krieg leisten.


Baerbock blieb es erspart, die grünen Ideale zu verraten — diese waren schon gründlich verraten worden, als sie vor 22 Jahren in die Partei eintrat — durch einen Herrn Joschka Fischer.

Fischer war ein schnell sprechender ehemaliger Radikaler, der den „Realo“-Flügel der deutschen Grünen anführte. Seine Nominierung als deutscher Außenminister im Jahre 1998 wurde von der Spitze der US-Regierung enthusiastisch begrüßt, obwohl er ein Gymnasialabbrecher ist, der seine Jugend als linksorientierter Straßenkämpfer in Frankfurt verbracht hat, unweit der US-Militärstützpunkte.

Im März 1999 bewies Außenminister Fischer seinen Wert, indem er Deutschland und seine „pazifistische“ grüne Partei in den Bombenkrieg der NATO gegen Jugoslawien führte (3). Ein Verräter kann in solchen Umständen besonders nützlich sein.

Viele prinzipientreue grüne Kriegsgegner traten aus der Partei aus, während eine Flut von Opportunisten in sie eintrat. Fischer verstand es, den richtigen Ton zu treffen: Sein Grund, in den Krieg zu ziehen, sei „Nie wieder Auschwitz!“ — völlig irrelevant für das Geschehen im Kosovo, aber moralisch einschüchternd.


Von seiner Mentorin, der früheren US-Außenministerin Madeleine Albright, lernte Fischer die Geheimnisse des Drehtürprinzips und stieg ab 2007 mit seiner eigenen Firma ins Beratungsgeschäft ein, wobei er Unternehmen darin anleitete, sich auf die politischen Gegebenheiten in verschiedenen Ländern einzustellen. Opportunismus kann eben auch eine Kunstform sein.


Er sammelte auch lukrative Redeengagements und Ehrendoktorate von Universitäten rund um den Erdball — er, der nie seinen Oberschulabschluss machte. Von seinem jugendlichen Unterschlupf ist er aufgestiegen zu einer Luxusvilla in der besten Berliner Wohngegend, mit der fünften aus seiner Serie attraktiver Ehefrauen.


Als er reicher wurde, nahm sein Interesse für Politik und die Grünen ab, aber die Kandidatur von Baerbock scheint dieses Interesse wieder geweckt zu haben. Am 24. April 2021 publizierte Der Spiegel ein Interview mit Fischer und dem führenden FDP-Politiker Alexander Graf Lambsdorff, unter der Überschrift „Wir müssen Russland dort treffen, wo es wirklich wehtut“. Fischer deutete an, dass sein Treffen mit Lambsdorff eine Vorahnung auf die mögliche Integration der FDP in eine grüne Koalition wecke.


Inzwischen, in Frankreich

Auf der anderen Rheinseite, in Frankreich, haben die französischen Grünen (EELV, Europe Ecologie les Verts) auch von der Ernüchterung mit den etablierten Parteien profitiert, insbesondere die verschwindenden Sozialisten und die geschwächten Republikaner. Die EELV hat mehrere Rathäuser erobert, infolge der schwach besuchten Wahlen während der Pandemie.

Sie haben einigen Wirbel verursacht durch das Verdammen von Christbäumen (weil diese der Axt zum Opfer fielen), durch Streichen von Fördergeldern für einen Luftsportverein, denn die Kinder sollten nicht mehr vom Fliegen träumen, weil das die Umwelt schädigt, und durch Förderung des Baus einer Riesenmoschee in Straßburg mit zweieinhalb Millionen Euro an öffentlichen Geldern. Dieser Bau wird auch vom türkischen Präsidenten Recep Tayyib Erdogan gesponsert, um den Islam in Europa zu fördern. Straßburg verfügt bereits über ein halbes Dutzend kleinerer Moscheen für seine türkischen Immigranten.


Der EELV-Kandidat für die französischen Präsidentenwahlen 2022, Yannik Jadot, wird von Baerbocks gegenwärtiger Popularität zu kühnen Plänen inspiriert. In einem Beitrag für Le Monde vom 15. April 2021 schrieb er:

„Die Ankunft der deutschen Grünen im Kanzleramt im Herbst 2021 wird, falls 2022 auch die EELV gewinnt, die Bedingungen schaffen für eine [starke europäische] Außen- und gemeinsame Verteidigungspolitik ...“


Jadot überschrieb seinen Gastbeitrag mit: „Autoritäre Regime verstehen nur die Sprache der Gewalt.“ „Sie verstehen nur Gewalt“ ist das abgestandene Klischee, das ständig wiederholt wird von Mächten, die gerne selbst Gewalt anwenden.


Jadot beklagt die „wachsende Aggressivität der autoritären Regime, die China, Russland und selbst die Türkei regieren“ und die „Tatsache, dass sie unseren Demokratien schaden durch Verbreitung falscher Nachrichten“ oder indem sie „unsere wichtigsten Unternehmen aufkaufen“. (Das Letzte ist ein guter Witz, da die USA mit ständigen Interventionen gegen Frankreichs Kernkraftunternehmen Alstom den Boden für den Ankauf von Alstom durch General Electric vorbereiteten. Mehr darüber in „The American Trap“ von Frédéric Pierucci).


Etwas, das die deutschen und französischen Grünen gemeinsam haben, ist Daniel Cohn Bendit, der in beiden Parteien Mitglied war und sie jeweils in die Arme der NATO und Washingtons trieb. Der Unterschied ist, während die deutschen Grünen sich ihre Koalitionspartner im rechten oder linken Lager aussuchen können, werden die französischen Grünen noch als Teil der Linken gesehen, und die Linke hat sehr schlechte Gewinnchancen bei den nächsten Präsidentschaftswahlen, sogar mit einem Spitzenkandidaten in grün und khaki.


Biden hat das 21. Jahrhundert zum Jahrhundert des Wettbewerbs zwischen den USA und China erklärt. Für die USA muss es immer um Wettbewerb gehen, niemals um Kooperation. Europa ist nicht mit im Rennen, es ist längst ausgeschieden. Europas Rolle ist die des Nachfolgers, damit die USA den Anführer geben können. Die europäischen Grünen wollen die Nachfolger anführen, wohin immer Washington sie führen will.


Redaktionelle Anmerkung: Dieser Text erschien zuerst unter dem Titel „Diana Johnstone: Washington‘s Green Branches in Europe“ auf consortiumnews.com und wurde vom ehrenamtlichen Rubikon-Übersetzerteam übersetzt und vom ehrenamtlichen Rubikon-Korrektoratteam lektoriert.


Diana Johnstone war von 1989 bis 1996 Pressesprecherin der grünen Gruppe im Europäischen Parlament. In ihrem letzten Buch, Circle in the Darkness: Memoirs of a World Watcher (Clarity Press, 2020), erzählt sie Schlüsselepisoden aus der Zeit der Umwandlung der deutschen Grünen von einer Friedens- zu einer Kriegspartei.


Quellen und Anmerkungen:

Anmerkungen des Übersetzers:
(1) Der Wunsch, R2P (deutsch: Schutzverantwortung) als Interventionsgrund bei der UN einzuführen, war wohl von der NATO-Intervention des Jahres 1999 im Kosovokrieg inspiriert, die keine UN-Rechtsgrundlage besaß. Dies wurde laut Wikipedia auf dem Weltgipfel 2005 der Vereinten Nationen in New York, beschränkt auf den Schutz der Bevölkerung vor Völkermord, Kriegsverbrechen, ethnischer Säuberung und Verbrechen gegen die Menschlichkeit — von fast allen Staaten der Erde in einer — völkerrechtlich allerdings nicht verbindlichen — Erklärung vom 24. Oktober 2005 ausdrücklich anerkannt.


(2) Für das deutsche Wort „Feindbild“ scheint es im Englischen kein Äquivalent zu geben — deshalb greift die Autorin hier zu dieser nicht ganz treffenden Erklärung.


(3) Die Bereitschaft der rot-grünen Regierung, in diesem Konflikt, falls nötig, das amerikanische Eingreifen zu unterstützen, war schon vor dem Wahlsieg Gerhard Schröders zwischen ihm, Fischer und Bill Clinton abgestimmt worden — das berichtete jedenfalls Oberstleutnant a.D. Jochen Scholz. Quelle: https://www.heise.de/forum/Telepolis/Kommentare/Schroeder-US-Botschafter-fuehrt-sich-wie-ein-Besatzungsoffizier-auf/Der-Kosovo-Deal-zwischen-Clinton-und-Schroeder/posting-33443516/show/

Zum Artikel https://www.rubikon.news/artikel/die-olivgrunen



Wertvolle Basisarbeit

Ein Musiker geht das Wagnis ein, sich nach schweren politischen Enttäuschungen eine neue weltanschauliche Heimat zu suchen.

rubicon.de, 15. Mai 2021, 12:00 Uhr von Jens Fischer Rodrian

Jens Fischer Rodrian ist in eine Partei eingetreten. Ungewöhnlich für ihn, denn ihm war stets daran gelegen gewesen, unabhängig zu bleiben. Die jüngeren Ereignisse, insbesondere das weitgehende Versagen des links-grünen Lagers in der Corona-Krise, haben ihn in die politische Heimatlosigkeit getrieben. Verbitterung und politische Wirkungslosigkeit waren aber keine Option. Der Komponist, Gitarrist und Liedermacher („Die Armada der Irren https://hinter-den-schlagzeilen.de/jens-fischer-rodrian-die-armada-der-irren  “) trat in die neugegründete Partei „dieBasis“ ein, hervorgegangen aus dem „Corona-Skeptiker“-Milieu, ihrem eigenen Anspruch nach eine Partei der Freiheit, der Bürgerrechte, der Mitbestimmung. Ohne Zweifel repräsentiert dieBasis eine Farbe in der Parteienlandschaft, die in dieser freiheitsvergessenen Zeit schmerzlich fehlt. Es ist ein Experiment, das gelingen oder auch aus verschiedenen Gründen schiefgehen kann. Umso wichtiger, jemanden „vor Ort“ zu haben, der einen wohlwollenden, jedoch nicht unkritischen Blick darauf wirft.

Zum Artikel https://www.rubikon.news/artikel/wertvolle-basisarbeit



Die neue Welt

Wir können uns aus den Fesseln des auf der Illusion vom grenzenlosen Wachstum basierenden Systems befreien.

rubicon.de, 15. Mai 2021, 11:00 Uhr von Elisa Gratias

Bereits vor über 25 Jahren schrieben Vandana Shiva und Maria Mies ein Buch, das nicht nur alle Probleme der modernen Industriegesellschaft — wie Kriege, Flüchtlingsströme, Wirtschaftskrisen, politische Ratlosigkeit und Zukunftsängste — analysiert, sondern auch konkret zeigt, wie wir diese erfolgreich überwinden können. Eine Rezension zu „Ökofeminismus — Die Befreiung der Frauen, der Natur und unterdrückter Völker“.

Zum Artikel https://www.rubikon.news/artikel/die-neue-welt



Repressionen, Propaganda, Profite

Das Paul-Ehrlich-Institut verschleiert gefährliche Nebenwirkungen der Covid-19-Impfungen und stützt so die Regierungspropaganda.

rubicon.de, 14. Mai 2021, 17:00 Uhr von Susan Bonath

Details ausblenden, Informationen zerstückeln, Verdachtsfälle nur auf Druck untersuchen lassen: Das gehört offenbar zum Konzept des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI), um die politisch-mediale Covid-19-Impfkampagne zu stützen. Zwar berichtet das Bundesinstitut unregelmäßig über „unerwünschte Reaktionen“ und weist mittlerweile auf einige wenige Risiken hin. Doch das ist nur die halbe Wahrheit. So warnte beispielsweise der Pharmakonzern AstraZeneca selbst davor, dass ein enormer Teil der Geimpften von einer gefährlichen Autoimmunreaktion betroffen sein könnte, ohne es unmittelbar zu spüren. Öffentlich kommuniziert wird das nicht. Wächst sich die Covid-19-Impfkampagne zu einem der größten politischen Medizinskandale der Geschichte aus?

Zum Artikel https://www.rubikon.news/artikel/repressionen-propaganda-profite



Frischer Wind

Die Coronakrise hat viele zuvor passive Menschen politisiert — dies birgt Chancen, aber auch Risiken.

rubicon.de, 14. Mai 2021, 16:00 Uhr von Nicolas Riedl

Die Art und Weise, wie das Virus SARS-CoV-2 politisch instrumentalisiert wurde, hat zahlreiche Menschen in Deutschland politisiert, die vorher apolitisch waren. Das birgt neue Potenziale, eine historisch einzigartige Emanzipationsdynamik anzustoßen, aber auch das Risiko, dass viele Menschen erneut in die Irre geführt werden. Es gilt, unbedingt zu verhindern, dass eine historische Chance in einer historischen Enttäuschung und Niederlage mündet. Mit welchen Methoden das fassadendemokratische Herrschaftssystem versucht, systemgefährdende Kräfte zunichte zu machen, sollte „politischen Fahranfängern“ mitgeteilt werden. Das ist von enormer Bedeutung, damit die frisch politisierten Teile der Bevölkerung nicht in die Fallen tappen, die abgebrühten Aktivisten hinlänglich bekannt sind. Diese wiederum sollten nicht glauben, dass das Wissen um ebendiese Tricks und Maschen selbstverständlich wäre. Jene, die frischen Wind in die — bis Corona — stagnierende Polit-Landschaft Deutschlands bringen, müssen gegenüber derlei Manipulation immunisiert werden.

Zum Artikel https://www.rubikon.news/artikel/frischer-wind



Die Mythen des Systems

Die Realität der Welt und des menschlichen Bewusstseins wie sie tatsächlich ist. Exklusivabdruck aus „Die 33 Mythen des Systems. Ein kurzer Leitfaden zur Unwelt“, Teil 4/8.

rubicon.de, 14. Mai 2021, 15:00 Uhr von Rubikons Weltredaktion

Das von uns geschaffene System ist zu einer autonomen, sich selbst aufrechterhaltenden Maschine geworden, die — um sich zu bewahren — Menschen verschlingt. Wenn die Zivilisation beginnt, sich aufzulösen, wenn die Illusionen von links und rechts verschmelzen, wenn jeder entwurzelte Geist unmittelbar bedrückende Dystopien erlebt, dann ist es an der Zeit, das ganze System von A bis Z zu verstehen. Das Buch „Die 33 Mythen des Systems“ ist ein radikaler Leitfaden durch die Unwelt unserer heutigen Zeit. Autor Darren Allen stützt sich auf die Universalgeschichte des radikalen Denkens. Seine Synthese unabhängiger Kritik ist zugleich eine direkte Aufdeckung der Rechtfertigungen. Er bietet eine neue Art der Wahrnehmung, sich nicht nur der Welt da draußen zu stellen, sondern auch den Ängsten und Sehnsüchten tief in uns selbst.

Zum Artikel https://www.rubikon.news/artikel/die-mythen-des-systems-4



Unerhörte Proteste

Die Nähe zur Macht bestimmt darüber, ob jemandem zugehört wird oder ob er totgeschwiegen und ausgegrenzt wird.

rubicon.de, 14. Mai 2021, 14:00 Uhr von Ulrike Meier

„Den Bürgern mehr zuhören“ — immer wieder versuchen Politiker mit diesem Slogan zu punkten, weil er beliebt ist. Es bleibt aber in der Regel bei der Simulation eines Gesprächs auf Augenhöhe. Vor allem sollen die Menschen gebannt den Herrschaftsdiskursen „ihrer“ Regierung lauschen. Und wer nicht hören will, muss fühlen. Den Medien soll zugehört werden, aber nur denen, die innerhalb eines schmalen erlaubten Denkkorridors bleiben, die sich nicht ungehörig verhalten oder Unerhörtes verlauten lassen. Wer aus der Phalanx der Rechtgläubigen ausschert, muss mit Sanktionen rechnen. „Dies ist keine Diktatur, denn alle dürfen ja noch sagen, was sie wollen.“ Ja, in diesem sauberen Land wird normalerweise nur der Ruf von Oppositionellen ermordet. Wer sich ein dickes Fell zugelegt hat, Diffamierungen an sich abregnen lässt, wer auf ein stabiles soziales und berufliches Umfeld keinen Wert legt, wer sich außerdem mit einem sehr kleinen Hörerkreis zufrieden gibt, weil sich ihm die größeren Foren nach und nach verschließen, der darf hier seine Meinung ziemlich frei äußern. Noch.

Zum Artikel https://www.rubikon.news/artikel/unerhorte-proteste



Das rettende Licht

Auch wenn wir die Außenwelt nicht verbessern können, versetzt uns innere Arbeit in die Lage, uns selbst zu bewahren.

rubicon.de, 14. Mai 2021, 13:00 Uhr von Karl Anders Bickel

In Zeiten der Anfechtung zeigt sich, was wirklich zählt. Wir werden herausgefordert, zu entscheiden, welcher Kraft wir wirklich vertrauen. Die materielle Weltsicht führt dazu, dass wir den Tod übermäßig fürchten, denn mit ihm stirbt, womit wir uns am meisten identifizieren: unser Ego. Wer sich aber an den göttlichen Funken und die Liebe hält, die er im innersten Bezirk seines Wesens vorfindet, der wird die Angst überwinden, Hass nicht mit Gegenhass beantworten und in Gemeinschaft mit Gleichgesinnten selbst dunkle Zeiten überstehen. Der nachfolgende Text mag im ersten Moment wie eine religiöse Abhandlung erscheinen. Wer ihn zu Ende liest, merkt aber, dass es dem Autor nicht darum geht, seinen Leserinnen und Lesern irgendeine Religion oder ein Dogma aufzuschwatzen. Vielmehr will er auf Wirkprinzipien hinweisen, die ihren Ursprung in uns selbst haben, die aber auf das äußere Geschehen einwirken können.


Zum Artikel https://www.rubikon.news/artikel/das-rettende-licht



Der Schalk im Nacken

Eine kurze Geschichte deutschsprachiger Redewendungen

rubicon.de, 14. Mai 2021, 12:00 Uhr von Markus Keimel

Reden, wie einem der Schnabel gewachsen ist. Etwas im Schilde führen. Den Löffel abgeben. Jemanden auf die Folter spannen ... Redewendungen sind aus dem alltäglichen Sprachgebrauch nicht wegzudenken. Menschen verwenden sie seit jeher als sprachliches Stilmittel, um etwas bildhaft auszudrücken. Auch in der Moderne verwenden wir Ausdrücke, deren Bildlichkeit archaischen Epochen zu entspringen scheint. Wenig bekannt ist meist, welchen Ursprung und welche Entstehungsgeschichte Phrasen oder Idiome haben — wie man Redewendungen in der Sprachwissenschaft nennt.

Zum Artikel https://www.rubikon.news/artikel/der-schalk-im-nacken



Das Gesetz des Dschungels

Wladimir Putin nimmt Stellung zu Washingtons Blockadehaltung sowie den kriminellen Machenschaften in Kiew und Weißrussland

rubicon.de, 13. Mai 2021, 17:00 Uhr von Pepe Escobar

Russiagate war ein Riesenschwindel — konstruierte Vorwürfe, in die die US-Demokraten und ihre Medien sich hineinsteigerten, um einen Schuldigen für Hillary Clintons Wahlniederlage 2016 zu haben. Was als Kopfgeburt einiger fantasiebegabter Geheimdienstler begann, wurde bald zum allgemein akzeptierten Narrativ des Westens (9). Mittlerweile hat die paranoide Russophobie in Washington und anderswo absurde Ausmaße angenommen. Die Russen stehen ratlos vor einem Geschehen, bei dem die Gegenseite den Verstand verloren zu haben scheint. Nicht weniger schädlich als der offenkundige Verlust aller Skrupel und Maßstäbe im Washingtoner Establishment ist das lautstarke Heer der europäischen Transatlantiker, die entschlossen scheinen, der westlichen Vormacht bis in die Hölle zu folgen. Putin vergleicht sie mit dem Schakal Tabaqui aus Rudyard Kiplings „Dschungelbuch“.

Zum Artikel https://www.rubikon.news/artikel/das-gesetz-des-dschungels



Die Einwegkommunikation

Die etablierte Politik ist unfähig, die berechtigten Sorgen vieler Bürger aufzugreifen, und spult ungerührt ihre Angstrhetorik ab.

rubicon.de, 13. Mai 2021, 16:00 Uhr von Ralf Rosmiarek

„No reply“ heißt es in der Betreffzeile vieler Werbe-E-Mails, die wir derzeit erhalten. Gemeint ist: Wir wollen etwas mitteilen, wünschen aber keine Antwort von dir, auf die wir eingehen müssten. Das mag in der Werbung ein übliches Verfahren sein, sollte aber in der Kommunikation zwischen Staat und Bürgern in politischen Fragen ein No-Go sein. Der Autor hatte eine unheimliche Begegnung der grünen Art, als er versuchte, von Deutschlands derzeit beliebtester Partei eine Auskunft zu den Gründen ihrer Corona-Politik zu erhalten. Er bekam zwar eine Antwort, jedoch eher eine, die man als Nicht-Antwort bezeichnen könnte. Es war, als würde jemand während eines Gesprächs ein Tonband mit einer zuvor aufgesprochenen Standard-Antwort abspulen. „Besorgniserregend ... drohende Eskalation ... Schutz der Bürger vor Infektionen ... Notwendige Maßnahmen ... Bleiben Sie gesund!“ In der aseptischen Angstgesellschaft ist die Predigt die von den Wahrheitsbesitzern priorisierte Kommunikationsform.

Zum Artikel https://www.rubikon.news/artikel/die-einwegkommunikation



Lernziel Angst

Lehrer, denen ihre Fürsorgepflicht für die Kinder wirklich am Herzen liegt, müssen sich jetzt gegen das Corona-Regime wehren.

rubicon.de, 13. Mai 2021, 15:00 Uhr von Rubikons Leserinnen und Leser

„Nicht für die Schule, sondern für das Leben lernen wir“, lautet der gerade von Lehrern häufig zitierte Satz von Seneca. Aber was lernen Kinder derzeit an deutschen Schulen? Vor allem Konformismus und Ohnmachtsgefühle gegenüber dem „Apparat“, Angst vor Krankheit, Angst voreinander, Angst vor menschlicher Nähe. In einem frühen Alter, in dem Kinder unbeschwerte Gemeinschaftswesen sein sollten, lernen sie vor allem, sich selbst als potenzielle tödliche Gefahr zu begreifen. Nach dem Corona-Test ist vor dem Corona-Test, und jeder Tag kann die Enthüllung einer Infektion mit sich bringen, die dazu führt, dass Kinder der Klassengemeinschaft entrissen und „weggesperrt“ werden. Lehrer haben eine besondere Verantwortung nicht nur für die Wissensvermittlung, sondern auch für das soziale und emotionale Wohlergehen ihrer Schüler. Nur selten wird diese von heutigen Lehrern ernstgenommen. „Die Kinder schützen vor allen Gefahren“ (Reinhard Mey) bedeutet heute, sie vor der Schule zu schützen. Die Autorin hat einen bewegenden Appell an den Schulleiter geschrieben und bittet darum, ihren Sohn vom Präsenzunterricht freizustellen.

Zum Artikel https://www.rubikon.news/artikel/lernziel-angst



Der ganz normale Wahnsinn

Das Massenphänomen der Normopathie bricht sich Bahn in der neuen Normalität, erklärt der Psychoanalytiker Hans-Joachim Maaz im Interview.

rubicon.de, 13. Mai 2021, 14:00 Uhr von Nicolas Riedl, Adriana Sprenger

Bei einem Forscher kann es Staunen, aber auch Grauen auslösen, wenn das Forschungsobjekt auf seinem Seziertisch plötzlich lebendig wird. Der Psychoanalytiker Hans-Joachim Maaz, der sowohl das System der DDR als auch das der BRD hautnah miterlebt und analysiert hat, beschäftigt sich seit geraumer Zeit mit dem Massenphänomen der Normopathie. Dieses war beziehungsweise ist sowohl in der sozialistischen als auch in der narzisstischen Gesellschaft des Westens zu finden. Bis zum März 2020 beobachtete er in seinem Berufs- und Forschungsalltag eine Dynamik, die unter der hauchdünnen Decke der Zivilisation schwelte. Doch mit dem Eintritt der sogenannten neuen Normalität bekam diese Decke große Brandlöcher. Die gesellschaftliche Pathologie wurde so greifbar und allumfassend, wie das seit den dunkelsten Kapiteln der deutschen Geschichte nicht mehr der Fall gewesen war. Auf der „Menschen machen Mut“-Veranstaltung „Psyche, Hirn und Corpus Delicti — Ist Liebe wirklich die Antwort?“ sprach Maaz im Interview mit den Rubikon-Jugendredakteuren Adriana Sprenger und Nicolas Riedl über diese beispiellose Gesellschaftskrise, über Strategien, solche Zeiten halbwegs unbeschadet zu überstehen, sowie über die nicht sonderlich heiteren Zukunftsaussichten. Er habe — wie er im Vorgespräch berichtet — innerlich den Schalter wieder von „BRD“ auf „DDR“ umgestellt.

Zum Artikel https://www.rubikon.news/artikel/der-ganz-normale-wahnsinn



Die instrumentalisierte Trauer

Die Politik missbraucht das Totengedenken für die an COVID-19 Verstorbenen, um „Corona-Verharmloser“ ins Unrecht zu setzen.

rubicon.de, 13. Mai 2021, 13:00 Uhr von Werner Köhne

Jeder Todesfall ist eine menschliche Katastrophe — speziell für die Angehörigen. Es ist angemessen, sich vor Augen zu führen, dass wir es nicht nur mit statistischen Spielereien zu tun haben, sondern mit individuellen Schicksalen. Trotzdem: Eine bestimmte Art der Inszenierung einer Gedenkfeier in einem bestimmten politischen Kontext hat ein „Gschmäckle“. Gedenkt die offizielle Politik der Toten von Kriegen, will sie sich selbst als mitfühlend in Szene und den Feind ins Unrecht setzen, will sie die vereinzelten Menschen zu einer Volks- und Trauergemeinschaft zusammenschweißen. Ähnlich auch die Gedenkfeier für die Corona-Toten in Anwesenheit von Frank Walter Steinmeier am 18. April 2021. Die außergewöhnlich pompöse Inszenierung wollte gezielt eingesetzte Botschaften transportieren. Eine irreführende Anzahl von Toten — 80.000 — sollte in die Köpfe gepflanzt werden. Die Verstorbenen sollten posthum als Unterstützer für Freiheitseinschränkungen herangezogen, Maßnahmen-Skeptiker als Unmenschen gebrandmarkt werden. Zugleich wurde der unbequemere Teil der Wahrheit, wurden die ungesehenen „anderen“ Toten und Leidenden konsequent ausgeblendet.

Zum Artikel https://www.rubikon.news/artikel/die-instrumentalisierte-trauer-2



Wohlergehen statt Wohlstand

Wir können die Welt noch retten, wenn wir den radikalen Umbruch im eigenen Leben vollziehen. Exklusivabdruck aus „Reset: Weniger ist mehr“. Teil 1/2.

rubicon.de, 13. Mai 2021, 12:00 Uhr von Erika Helene Etminan

Unser bisheriger Lebensstil führte uns in eine globale Krise, die wie eine Sackgasse erscheint. „Der Wandel“ ist in aller Munde und notwendig. Viele Autoren veröffentlichen Bücher mit Ideen, wie er gelingen kann: Klaus Schwab schreibt in „Covid-19 — The Great Reset“ darüber, dass der globale Kampf gegen das Virus eine günstige Gelegenheit für einen kompletten Neustart unserer Welt ist. Er sieht für die „schöne neue Welt“ die Verschmelzung großer Konzerne mit staatlichen Strukturen vor, also die Errichtung des autoritären Korporatismus, einer Spielart des Faschismus (1). Sven Böttcher setzt dieser menschenverachtenden Vision sein Werk „Wer, wenn nicht Bill?“ entgegen und entwickelt darin eine Alternative zum Plan der technokratischen Weltenherrscher: die Vision des „Team Mensch“, das auf Güte, Vertrauen, Recycling und Selbstversorgung setzt. Erika Helene Etminan griff ebenfalls zur Feder und beschreibt in „Reset: Weniger ist mehr — Auf der Suche nach einem neuen Lebensstil“, wie jedes Individuum zum Wandel im Sinne der Menschlichkeit selbst konkret beitragen kann. Packen wir es an.

Zum Artikel https://www.rubikon.news/artikel/wohlergehen-statt-wohlstand



Die Pflichtenfalle

Ein Beschluss der deutschen Ärzteschaft stellt Eltern vor eine heikle Wahl: Flucht ins Exil oder Zwangsimpfung für die Kinder?

rubicon.de, 12. Mai 2021, 17:00 Uhr von Sven Böttcher

Die deutsche Ärzteschaft fordert in einem Beschluss von der deutschen Politik, die „gleichberechtigte gesellschaftliche Teilhabe“ dürften „Familien nur mit geimpften Kindern zurückerlangen“. Damit droht renitenten Eltern weit mehr als die familiäre Abschiebung in die Impfapartheid — der weltweit einzigartige deutsche Staatsschulzwang stößt eine ganz andere Tür sperrangelweit auf: Wer sein Kind nicht beschulen lassen kann, weil es ungeimpft ist, verliert das Sorgerecht. Ein nicht journalistischer, sondern ganz persönlicher Zwischenruf von Sven Böttcher, Autor des im Rubikon-Verlag erschienen Spiegel-Bestsellers „Wer, wenn nicht Bill?“.

Zum Artikel https://www.rubikon.news/artikel/die-pflichtenfalle



Die Mörder im Dunkeln

In Kolumbien forderte Polizeigewalt Tote und Verletzte — Auslöser ist die wegen der Corona-Maßnahmen explodierende soziale Ungleichheit.

rubicon.de, 12. Mai 2021, 16:00 Uhr von Christina Winterholler

Zu einer noch größeren Krise als COVID-19 selbst entwickeln sich die soziale Ungleichheit und die staatlich legitimierte Ausbeutung der kolumbianischen Mittelschicht in Form einer geplanten Steuer- und Gesundheitsreform. Gegen die angekündigte Steuererhöhung und Gesundheitsreform hatten Arbeiter- und Studentenorganisationen zu Protesten aufgerufen. Zwei Tage nach Beginn der landesweiten Proteste forderte der Ex-Präsident Álvaro Uribe Soldaten und Polizisten über Twitter auf, gegen die Demonstranten Waffen einzusetzen. Was seither täglich darauf folgt, ist der Beweis dafür, dass die Polizeigewalt in Kolumbien nicht auf das Fehlverhalten einiger weniger Beamter zurückzuführen ist. Sie ist ein strukturelles und systematisches Problem, das seine Wurzeln im Wesentlichen in der gesetzgeberischen Unterlassung und in veralteten Vorstellungen hat, wonach die Gewalt die öffentliche Ordnung garantiert und Heimat auf dem Fundament von Waffen gebaut wird.

Zum Artikel https://www.rubikon.news/artikel/die-morder-im-dunkeln


Ende Teil I von II

15.05.2021

Rubikon-Newsletter der Kalenderwoche 20/2021     Teil II von II

Rubikon ist das Magazin für die kritische Masse. Wir berichten über das, was in den Massenmedien nicht zu finden ist. Anbei übersenden wir Ihnen die Übersicht unserer Artikel der letzten 7 Tage.


Zitat: Inhaltsverzeichnis

1. Roland Rottenfußer: Die Erfindung der Schuld

2. Gerd Reuther: Mehr Fluch als Segen

3. Jens Wernicke: Die Zukunft beginnt jetzt

4. Elisa Gratias: Die Corona-Aufklärungsoffensive

5. Anselm Lenz: Journalistisches Widerstandsnest

6. Diana Johnstone: Die Olivgrünen

7. Jens Fischer Rodrian: Wertvolle Basisarbeit

8. Elisa Gratias: Die neue Welt

9. Susan Bonath: Repressionen, Propaganda, Profite

10. Nicolas Riedl: Frischer Wind

11. Rubikons Weltredaktion: Die Mythen des Systems

12. Ulrike Meier: Unerhörte Proteste

13. Karl Anders Bickel: Das rettende Licht

14. Markus Keimel: Der Schalk im Nacken

15. Pepe Escobar: Das Gesetz des Dschungels

16. Ralf Rosmiarek: Die Einwegkommunikation

17. Rubikons Leserinnen und Leser: Lernziel Angst

18. Nicolas Riedl, Adriana Sprenger: Der ganz normale Wahnsinn

19. Werner Köhne: Die instrumentalisierte Trauer

20. Erika Helene Etminan: Wohlergehen statt Wohlstand

21. Sven Böttcher: Die Pflichtenfalle

22. Christina Winterholler: Die Mörder im Dunkeln

23. Roberto J. De Lapuente: Die Lach- und Spießgesellschaft

24. Marcus Pacem: Gebrannte Kinder im Feuer

25. Daniel Lewitz: Die Befreiung der Sprache

26. Jochen Mitschka: Umweg zu mir selbst

27. Kerstin Chavent: Danke Corona!

28. Liane Kilinc: Die Täter-Opfer-Umkehr

29. Wolfgang Jeschke: Die überschätzte Gefahr

30. Rubikons Weltredaktion: Der Anfang vom Ende

31. Ulrich Gellermann: Der Staat gegen Ken Jebsen

32. Andreas Schell: Das Auswanderungsland

33. Felix Feistel, Rubikons Mutmach-Redaktion: Das Team Mensch



Die Lach- und Spießgesellschaft

Was darf Satire in Zeiten der Pandemie eigentlich? Offenbar gar nichts. Lachen wird zu einer Regung aus der rechten Ecke erklärt.

rubicon.de, 12. Mai 2021, 15:00 Uhr von Roberto J. De Lapuente

„Hey! Das ist keine Spaßveranstaltung hier!“ Manch einer kennt diesen Oberlehrer-Ausruf noch aus der Schulzeit. Derzeit scheint das gesamte gesellschaftliche Leben dem Zweck zu dienen, jeden Spaß sorgfältig zu vermeiden. Also Schimpf und Schande, Gift und Galle auf all jene, die es wagen, sich ihrer Lachmuskeln zu bedienen. Am Ende entsteht noch so etwas wie Heiterkeit! Wie wir ja alle wissen, befinden wir uns in einem vorübergehend dauerhaften, alternativlosen, harten Brückenlockdown. Wer in dieser einträchtig deprimierten Stimmung blasphemisch mit zynischem Humor um die Ecke kommt — wie die #allesdichtmachen-Schauspieler —, kann sich auf was gefasst machen! Die derzeitige Situation mit Zynismus als Überlebensstrategie zu bewältigen ist tabu. Wenn die Gondeln Trauer tragen, ist keine Zeit für lustige Quietscheentchen.

Zum Artikel https://www.rubikon.news/artikel/die-lach-und-spiessgesellschaft



Gebrannte Kinder im Feuer

Wenn wir die Lehren aus dem deutschen Faschismus vergessen, stellt sich die Frage: Müssen wir erst nochmals scheitern, um uns zu erinnern?

rubicon.de, 12. Mai 2021, 14:00 Uhr von Marcus Pacem

Ein Jahr Krise hat uns an den Punkt gebracht, der klarmacht, dass wir die Lehren, denen wir uns verpflichtet fühlten, als Gesellschaft nicht mehr in uns tragen. Vergessen scheint, dass der Faschismus nicht über Nacht kommt, sondern auf leisen Sohlen, Schritt für Schritt. Vergessen scheint, dass den Anfängen zu wehren nicht bedeutet, erst aufzustehen, wenn das eigene Leben bedroht ist — sondern dass dies schon viel früher geschehen muss. Vor allem aber scheint vergessen, dass diejenigen nur allzu oft Recht behalten, die jene Anfänge benennen. Zu Grabe tragen wir die Demokratie, wenn wir diese Wachsamkeit stigmatisieren und verschreien. Wenn wir die Vergangenheit nicht mehr ernst nehmen, sind wir dazu verurteilt, sie zu wiederholen.

Zum Artikel https://www.rubikon.news/artikel/gebrannte-kinder-im-feuer



Die Befreiung der Sprache

Aus Angst, auf „Verschwörungstheorien“ hereinzufallen, akzeptieren Menschen schwerwiegende Denkblockaden.

rubicon.de, 12. Mai 2021, 13:00 Uhr von Daniel Lewitz

Wo man Sprache einsperrt, sperrt man auch Menschen ein. Zwar muss man derzeit in Deutschland nicht mit Verhaftung rechnen, wenn man sich kritisch zu den Corona-Maßnahmen der Regierung äußert; Diffamierung, gesellschaftliche und berufliche Nachteile sind jedoch ziemlich wahrscheinlich, wenn man sich so weit „vorwagt“. Schlimmer noch ist die Schere im Kopf. In einem aufgeheizten, zunehmend unduldsamen politischen Klima vermag man bestimmte „gefährliche“ Gedanken gar nicht mehr im eigenen Geist zuzulassen. Man denkt bestimmte Dinge nicht mehr zu Ende, weil die Ideologien und Sprachmuster der Herrschenden den eigenen Kopf besetzt halten. „Das sind ja nur Verschwörungstheorien“, „Das sagen doch auch Rechte“, „Das ist eine Verhöhnung der Corona-Toten“ und so weiter. Unsere Befreiung aus dem zunehmend rigiden Corona-Totalitarismus muss also mit der Befreiung der Sprache beginnen.

Zum Artikel https://www.rubikon.news/artikel/die-befreiung-der-sprache



Umweg zu mir selbst

Ein Sammelband von Björn Gschwendtner porträtiert bedeutende alternative Medienschaffende — wie Jochen Mitschka. Exklusivabdruck aus „Politische Köpfe im Porträt“.

rubicon.de, 12. Mai 2021, 12:00 Uhr von Jochen Mitschka

Was für Persönlichkeiten stecken eigentlich hinter den bekannten Namen in der Alternativ-Medienszene? Das neue Sammelwerk aus dem ProMedia Verlag liefert biografische Einblicke in das Leben der Menschen, die man sonst nur von ihren Büchern, Vorträgen und Interviews kennt. Hier beschreibt Rubikon-Autor Jochen Mitschka, wie er zwischen radikalem Pazifismus, Einsicht in die Notwendigkeit von Wehrhaftigkeit und Widerstand gegen die Inszenierung eines neuen kalten Kriegs zu dem kritischen Geist wurde, als den wir ihn heute kennen. Seine kurze politische Autobiografie gibt Inspiration, um selbst aktiv zu werden.

Zum Artikel https://www.rubikon.news/artikel/umweg-zu-mir-selbst



Danke Corona!

Diese Zeit hat uns vieles genommen, uns aber ein unschätzbares Geschenk mit auf den Weg gegeben: das Bewusstsein unserer Schöpferkraft.

rubicon.de, 12. Mai 2021, 11:00 Uhr von Kerstin Chavent

Die Corona-Maßnahmen sind darauf ausgerichtet, uns alles zu nehmen: unsere Freiheit, unsere Würde, unsere Gesundheit, unser Leben. Es ist an der Zeit, den Spieß umzudrehen und zu schauen, was uns diese Zeit gibt. Es geht hier nicht darum, sich damit zu trösten, dass ja alles auch immer sein Gutes hat, und denjenigen, die die schlimmsten Menschheitsverbrechen begehen, in die Hände zu spielen. Wir haben seit dem Ausruf der Pandemie gelernt, dass vieles nicht so ist, wie es scheint. So sind die Dinge vielleicht auf dem richtigen Weg, wenn wir uns für eine neue Sichtweise öffnen.

Zum Artikel https://www.rubikon.news/artikel/danke-corona



Die Täter-Opfer-Umkehr

Der Westen verweigert der Roten Armee die Anerkennung für die Befreiung Deutschlands vom Faschismus — stattdessen wird der Kalte Krieg mit Russland fleißig geschürt.

rubicon.de, 11. Mai 2021, 17:00 Uhr von Liane Kilinc

Frankreich und Westdeutschland wurden durch die Landung der Westalliierten in der Normandie befreit — ganz Osteuropa muss das Joch des Nationalsozialismus jedoch offenbar ganz von selbst abgeschüttelt haben. Jedenfalls kann man diesen Eindruck gewinnen, wenn man beobachet, wie schwer sich deutsche Politiker tun, den Soldaten der Sowjetarmee bei offiziellen Jubiläen für ihre Befreiungstat zu danken. Wer der „falschen“ Ideologie angehörte, wird solchen Dankes offenbar nicht für wert befunden. Auch die millionenfachen Verbrechen der Wehrmacht an Menschen der Sowjetunion lässt man gern unter den Tisch fallen. Um die neue Spannungspolitik gegenüber Putins Russland zu rechtfertigen, scheut man wohl die klare Einsicht, wer historisch gesehen Täter und wer Opfer gewesen ist. Eine Rede der Autorin zum 08. und 09. Mai 2021 bei einer Veranstaltung der Friedensbrücke-Kriegsopferhilfe e.V.

Zum Artikel https://www.rubikon.news/artikel/die-tater-opfer-umkehr-2



Die überschätzte Gefahr

Selbst Berater des Bundesgesundheitsministeriums geben zu, dass die medizinische Versorgung der Bürger nie „wegen Corona“ infrage stand.


rubicon.de, 11. Mai 2021, 16:00 Uhr von Wolfgang Jeschke

„Die Mitglieder des Beirats betonten, dass die Pandemie zu keinem Zeitpunkt die stationäre Versorgung an ihre Grenzen gebracht hat.“ So trocken kann das Fazit der Analyse des Beirates des Bundesgesundheitsministeriums klingen, die belegt, dass es nie eine epidemische Notlage von nationaler Tragweite gegeben hat und somit alle „Maßnahmen“ verfassungswidrig waren. Die Erhebung des RWI-Leibniz-Institutes widerlegt das Pandemie-Narrativ, mit dem die Regierungen des Bundes und der Länder Deutschland in die Krise stürzten, und gibt den Kritikern Recht.


Zitat: Das RWI–Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung an der Technischen Universität Berlin erstellte im Auftrag des Bundesministeriums für Gesundheit die Analysen zum Leistungsgeschehen der Krankenhäuser und zur Ausgleichspauschale in der Corona-Krise. Die Ergebnisse für den Zeitraum Januar bis Dezember 2020 sind beeindruckend.


So heißt es in diesem Bericht (S. 12):

„Im betrachteten Zeitraum 2020 gab es in Deutschland seit Beginn der COVID-19-Pandemie Mitte März durchgehend weniger stationäre Fälle, und zwar im Zeitraum bis Ende Mai um ca. -30 % und ab dann — einschließlich des Zeitraums der zweiten Welle — um -10 %. Über das Jahr gesehen beläuft sich das Minus auf 13 %, d.h. ohne Berücksichtigung der ersten zehn COVID-19-freien Wochen auf ca. -16%. Da die durchschnittliche Verweildauer nur minimal stieg, sanken auch die Verweildauertage um -12 %. Im Resultat sank die Bettenauslastung auf ein Allzeittiefpunkt von 67,3 % (und 68,6 % auf den Intensivstationen). Dies berücksichtigt bereits die Versorgung der COVID-19-Patienten, für deren stationäre Versorgung im Jahresschnitt unter Berücksichtigung der Überlieger 2 % aller Betten und knapp 4 % der Intensivbetten benötigt wurden, natürlich mit zeitlichen und geographischen Spitzen.“


„Nach einem Rückgang der Krankenhausfälle im Frühjahr um ca. 30 Prozent, wurden auf Jahressicht im Bereich der allgemeinen Krankenhäuser 13 Prozent und im Bereich der psychiatrischen Kliniken 11 Prozent weniger Fälle als im Vorjahr versorgt. Im Jahresdurchschnitt waren vier Prozent aller Intensivbetten mit Corona-Patientinnen und -Patienten belegt.“


„Behandlungen in Zusammenhang mit Covid-19: Insgesamt wurden im Jahr 2020 172.248 Behandlungsfälle mit der Nebendiagnose U07.1 (Covid-19, Virus nachgewiesen) behandelt. Es sei ausdrücklich darauf hingewiesen, dass es sich um Fälle, nicht Personen handelt, da verlegte Patienten entsprechend mehrfach zählen. (…) Gemessen an der vorhandenen Bettenkapazität ergibt sich eine durchschnittliche Belegungsquote von 1,3 % durch COVID-19. Die höchsten tagesbezogenen Belegungsquoten gab es in der zweiten Dezemberhälfte mit knapp 5% aller Betten.“


Zu beachten ist bei der Bewertung dieser Zahlen der Hinweis der Autoren auf die Nebendiagnose: „Da die Nebendiagnose U07.1 gemäß der ICD-10-GM dann, „wenn Covid-19 durch einen Labortest nachgewiesen ist, ungeachtet des Schweregrades des klinischen Befundes oder der Symptome“ kodiert werden soll, dürfte es sich hierbei um eine gemischte Gruppe handeln, die sowohl Patientinnen und Patienten mit keinen oder milden Symptomen als auch solche mit schwerem Verlauf umfasst.“


Die Autoren der BGM-Analyse: Prof . Dr. Boris Augurzky (RWI/Leiter), Prof . Dr. Reinhard Busse (TU Berlin/Leiter), Alexander Haering (RWI), Dr. Ulrike Nimptsc h (TU Berlin), Dr. Adam Pilny (RWI) und Anna Werbeck (RWI).


Für die von der Merkel-Regierung immer wieder behauptete Bedrohung des Gesundheitssystems kommt die RWI-Analyse zu einem klaren Urteil:

„Die Mitglieder des Beirats betonten, dass die Pandemie zu keinem Zeitpunkt die stationäre Versorgung an ihre Grenzen gebracht hat.“

Bei alledem bleibt unberücksichtigt, dass bis heute nicht festgehalten wird, wer tatsächlich eine klinische Covid-Symptomatik aufweist, dass keine differenzierenden Tests auf Influenza A und B gemacht werden und ebenfalls der Umstand bleibt unberücksichtigt, dass ein positiver PCR-Test an sich klinisch überhaupt keine Aussage im Hinblick auf Krankheit oder Ansteckungsrisiken machen kann.


Corona — die Pandemie die keine war, wird genutzt, um Milliarden Menschen jetzt ein Gentherapeutikum zu injizieren, das nicht ordentlich zugelassen ist und schon heute in vielen Ländern mehr Menschen tötet als die angebliche Pandemie.


Hier finden Sie die Pressemitteilung des Bundesgesundheitsministeriums zur RWI-Analyse.
Hier finden Sie die RWI-Analyse im Auftrag des Bundesgesundheitsministeriums.

Zum Artikel https://www.rubikon.news/artikel/die-uberschatzte-gefahr



Der Anfang vom Ende

Den Lockdown-Befürwortern läuft die Gefolgschaft davon, beliebt sind liberale Politiker, die ihre Bevölkerung nicht mit existenzvernichtenden Maßnahmen zermürben.

rubicon.de, 11. Mai 2021, 15:00 Uhr von Rubikons Weltredaktion

Es hat viel länger gedauert als gedacht, aber endlich scheint es zu passieren: Das Lockdown-Paradigma bricht zusammen. Die Zeichen sind überall unverkennbar. Die Unterstützung für den einstigen Helden des Lockdowns, New Yorks Gouverneur Andrew Cuomo, sank von 71 auf 38 Prozent (1). Immer mehr Rücktrittsforderungen werden gestellt. Inzwischen zeigen Umfragen (2), dass Floridas Gouverneur, der Lockdown-Gegner Ron DeSantis, an Einfluss in der Republikanischen Partei gewinnt. Diese bemerkenswerte Wendung des Geschehens hat vor allem einen Grund: Vielen dämmert die Erkenntnis, dass die Lockdown-Politik katastrophal war. DeSantis und seine Mitstreiterin, die Anti-Lockdown-Gouverneurin Kristi Noem, sind die Ersten, die diese Wahrheit unverblümt aussprechen. Ihre Ehrlichkeit hat beiden Glaubwürdigkeit verschafft.

Zum Artikel https://www.rubikon.news/artikel/der-anfang-vom-ende-2



Der Staat gegen Ken Jebsen

Die Corona-Diktatur will Schweigen im Land.

rubicon.de, 11. Mai 2021, 14:00 Uhr von Ulrich Gellermann

Stellen wir uns vor, es gäbe in einer wichtigen politischen Frage zwei voneinander abweichende Meinungen. Die Vertreter von Meinung A können den Anhängern von Meinung B jederzeit einen Brief schreiben: „Wir haben Sorge, dass Sie die Öffentlichkeit durch Falschmeldungen verstören könnten. Rechtfertigen Sie sich bitte für Ihr Verhalten. Fällt die Auskunft nicht zu unserer Zufriedenheit aus, schließen wir Ihre Webseite.“ Das klingt absurd. Und es wäre das Ende jeder freien Berichterstattung. So oder ähnlich ergeht es derzeit einigen alternativen Medien, speziell solchen, die zu Corona eine andere Meinung vertreten als die Bundesregierung. Auch KenFM, einem der größten unter den unabhängigen Kanälen, geschah es so. Derzeit nimmt das Abmahnwesen groteske und gefährliche Ausmaße an. Überall sollen „Leitplanken“ eingezogen werden, womit die Freiheit der Rede mit der Verursachung gefährlicher Unfälle, Zensur mit notwendiger Verkehrssicherheit verglichen wird. Höchste Zeit, dass nicht nur die unmittelbar Betroffenen dagegen aufstehen!

Zum Artikel https://www.rubikon.news/artikel/der-staat-gegen-ken-jebsen



Das Auswanderungsland

Die Zustände in Deutschland sind mittlerweile unerträglich geworden — ein kritischer Bürger wendet sich an seine Mitmenschen.

rubicon.de, 11. Mai 2021, 13:00 Uhr von Andreas Schell

Es sind die Kleinigkeiten eines immer mehr sich verdüsternden Alltags, die uns mitunter mehr zu schaffen machen als die „große“ Politik. Irreführende Statistiken, verängstigte Nachbarn, verhinderte Gartenfeste und Konzertbesuche, der Konformismus der Anständigen und das selbstgerechte Eindreschen auf Andersdenkende, das Sterben der Läden und die Geburt einer neuen Form von Totalitarismus. Man muss über all das nicht verzweifelt sein; wenn man noch selbstständig denken und gesund fühlen kann, ist es jedoch sehr schwer, einer düsteren Grundstimmung zu entgehen. Nein, dieses „freie“ Land ist nicht die DDR — es ist in vieler Hinsicht schlimmer.

Zum Artikel https://www.rubikon.news/artikel/das-auswanderungsland



Das Team Mensch

Der Rubikon rief dazu auf, Visionen für eine lebenswerte neue Welt zu teilen — so sehen sie aus. Teil 1.

rubicon.de, 11. Mai 2021, 12:00 Uhr von Felix Feistel, Rubikons Mutmach-Redaktion

Vor einiger Zeit hat der Rubikon in Anlehnung an den neuen Bestseller „Wer, wenn nicht Bill?“ von Sven Böttcher seine Leser dazu ermutigt, ihre Visionen für eine Welt jenseits von Corona und totalitärer Macht mit uns zu teilen. Wir erhielten eine erfreulich große Anzahl von Zuschriften und haben eine Auswahl davon hier zusammengestellt. Die Visionen unserer Leser sind dabei genauso vielfältig wie die Menschen selbst. Sie mögen als Inspirationsquelle dienen. Denn wir können nur die Zukunft erschaffen, die wir bereit sind uns vorzustellen.

Zum Artikel https://www.rubikon.news/artikel/das-team-mensch

15.05.2021

ZEIT: Die Panik der liberalen Geister

zeit.de, vom 10. Mai 2021, 20:59 Uhr, Von

Freiheit! Die verlangen Kritiker der Corona-Maßnahmen zurück. Der Preis wären Tote. Und die Pandemie ist nur eine Vorbotin kommender Krisen. Über die Zukunft der Freiheit


Zitat:  Corona-Ausgangssperren, Klimakatastrophe, künstliche Intelligenz – bei den großen Themen unserer Zeit wird letztlich immer die gleiche Frage verhandelt: Was ist Freiheit? Zeit für eine Neubestimmung also. ZEIT ONLINEversucht in einer losen Artikelreihe zu vermessen, was Liberalismus heute bedeutet.


Wie egalitär Bilder doch sein können. Das Fernsehen zeigt Aufnahmen von Covid-Infizierten, auf Intensivstationen künstlich beatmet, umsorgt von erschöpften Helfern, isoliert von ihren Angehörigen. Der Anblick schwarzer Leichensäcke bleibt der Zuschauerin erspart. Dann ein Beitrag über wütende Bürger. Politiker, sagen sie, hätten ihnen die Freiheit geraubt, nicht einmal ihr Stammlokal dürften sie noch betreten. Schließlich kommen Gastronomen zu Wort, sie sind ruiniert und den Tränen nah. Sie waren ohne Schuld – und haben nun nichts als Schulden. 


"Freiheit" lautet der Schlachtruf der FDP, sie ist in Sorge um liberale Grundrechte und das Wohlleben der Wirtschaft. Freiheit fordern Lockerungslobbys und liberale Philosophen angesichts von "Ausnahmezustand" und Ausgangssperre. Nach Freiheit verlangt die Künstlerinitiative #allesdichtmachen; die Mitwirkenden, bekannt aus Funk und Fernsehen, wollen nicht länger die Pizza im Pappkarton an der Haustür entgegennehmen, sondern in alter Freiheit zu Papà Pane gehen, ihrem Lieblingsitaliener in Berlin-Mitte.


Über ein Jahr schon wütet das Virus im liberalen Weltempfinden, inzwischen liegen die Nerven blank. Covid-19 ist eine narzisstische Kränkung für die Freiheit, denn schon ihr einfacher Gebrauch kann für Mitmenschen lebensgefährlich sein. Jeder Einzelne ist ein Risikosubjekt, zugleich infektiös und verletzlich, zugleich Gefährder und Gefährdeter. Die schöne liberale Freiheit, das Tun nach Belieben, hat ihre Unschuld verloren und ist toxisch geworden. Sie endet nicht mehr an den Grenzen des Rechts, sondern am Leib und Leben des anderen.


Sind Tote das Gerücht der Freiheit? Wie viele Tote möchte die Freiheit in Kauf nehmen, um wieder frei zu sein? Als die Pandemie ausbrach, war das eine talkshowübliche Frage; ein Jahr und 85.000 Tote in Deutschland später klingt sie wie ein Skandal. Sie macht ein schlechtes Gewissen, sie schmeckt nach Hypermoral und politischer Erpressung. "Es darf nicht zum allgemeinen Ton werden, anderen Ministerpräsidenten ihre Todeszahlen vorzuhalten", mahnte kürzlich der CDU-Kanzlerkandidat Armin Laschet, der es erst locker, dann streng und nun wieder locker will. Soll man über Todeszahlen nur noch leise flüstern? Sind Tote das Gerücht der Freiheit?


Kein Zweifel, das Virus wirkt wie eine fortgesetzte Erpressung, denn ein unsichtbares Band verbindet Freiheit und Tod. Die Gefahr ist abstrakt, körperlos, bilderlos, statistisch und anonym, man muss sie verdrängen oder innerlich verpixeln. Hinzu kommt die Existenzangst, nicht jeder ist Beamter auf Lebenszeit. Und als würde das alles nicht reichen, nötigt das Virus unschuldige Bürgerinnen zur Solidarität mit Fremden und Unbekannten, mit allen und überall und jederzeit. Diese Lage überfordert die Duldsamen und macht die Vernünftigen verrückt. Ihre Selbstvertröstungsbereitschaft ist aufgezehrt, nun erfinden sie Schuldige: Vielleicht ist das Virus ja eine linksgrüne Erfindung?


Wenn Armin Laschet nicht über Todeszahlen reden will, tun es andere. Niemand spricht so entwaffnend ehrlich über das Verhältnis von Freiheit und Tod wie rechte Parteien und ihre nächsten Verwandten, die Corona-Leugner. Sie haben den Gordischen Knoten zerschlagen und fordern "Freiheit statt Notstand". Damit lösen sie zugleich das Problem der Solidarität: Es braucht keine, denn sterben müssten wir irgendwann alle. Der Tod gehöre zum Leben wie die Nacht zum Tag; niemand könne sich den Zeitpunkt seines Ablebens aussuchen, jeder hat eine persönliche Verabredung mit dem Tod, mal früher, mal später, bei Corona eben früher. Der Tod, kurz gesagt, ist immer gleich, und das Einzige, was sich ändere, sind die wechselnden Masken, hinter denen er ins Leben tritt und unseren Namen ruft. Mal, könnte man sagen, ist es ein Weltkrieg, mal ein Verkehrsunfall, mal der Krebs – oder eben eine Seuche. Als Trump-Fans gegen Corona-Maßnahmen (stay at home) protestierten, brachten sie es auf den Punkt. Der Staat, riefen sie, solle ihre Freiheit schützen und nicht den Tod abschaffen.


Die rechte Todesmetaphysik kollaboriert mit einer Verhaltenslehre der Kälte. Anstößig daran ist nicht, dass sie auf der Unwiderruflichkeit des Todes beharrt, auf seiner herrischen Macht. Anstößig ist, dass sie den Lebenskampf, die Selbstbehauptung des Einzelnen, gnadenlos absolut setzt. Die rechte Freiheit ist eine sozialdarwinistische Freiheit und geht über Leichen. Sie weigert sich, zwischen einem Alterstod und einem vorzeitigen, das heißt vermeidbaren, Tod zu unterscheiden. Im rechten Weltbild ist der Seuchentod eine Mutante unserer natürlichen Sterblichkeit. Irgendwann erwischt es jeden.


Tatsächlich starben die meisten Menschen, die dem Virus erlegen sind, vor ihrer Zeit, ihr Tod war verfrüht und gewaltsam. Mütter und Väter, Töchter und Söhne, Schwestern und Brüder, Großeltern, Ehefrauen, Ehemänner: Viele könnten noch leben, wenn Politikerinnen verantwortungsvoller gehandelt hätten, nicht nur in Indien, Brasilien, Schweden oder in Großbritannien, wo fast 130.000 Todesfälle mit Covid-19 in Verbindung gebracht werden. Sieben tödliche Wochen lang zögerte Boris Johnson, bis er dem Rat der Virologen folgte und eine Ausgangssperre verhängte. BBC und Daily Mail zitieren ihn mit dem Ausruf, er nehme es lieber in Kauf, "dass sich die Leichen zu Tausenden auftürmen" als einen "verdammten" dritten Lockdown zu verhängen. Menschenopfer für die Freiheit? Johnson bestreitet die Aussage.


Der Staat hat einen Schutzauftrag

Nur am Rande: Artikel 2, Absatz 2 des deutschen Grundgesetzes ist von großer Klarheit: "Jeder hat das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit." Damit wird der Lebensschutz zwar nicht absolut gesetzt, aber er genießt eine stark herausgehobene Stellung und lässt sich nicht im Handstreich durch liberale Freiheitsrechte relativieren. Der Staat hat einen Schutzauftrag; jedes Leben zählt gleich viel, keines darf aufgrund fiktiver Nützlichkeitserwägungen einem fiktiven Gesamtwohl geopfert werden. Der unermüdliche Gerhart Baum (FDP) sagt es zum Glück in jedes Mikrofon, und Ralph Brinkhaus, der Fraktionsvorsitzende von CDU und CSU, erklärte in einer furiosen Bundestagsrede das Grundgesetz so: Die Pandemie bringe ihn um den Schlaf, doch als Erstes denke er "nicht an Gastronomen und Einzelhändler", sondern "an die Menschen, die krank geworden sind, und an die Menschen, die sterben. Auch alte Menschen sind wertvolles Leben, es ist Verlust, es ist Leere".


Ausgangssperren und Kontaktsperren, Verhaltensanweisungen und Denkanweisungen sind Angriffe auf die Freiheit und gehören abgeschafft, sobald es die Pandemie erlaubt. Doch warum klingen die liberalen Beschwerden über Freiheitsberaubung so schrill, ja fast panisch? Warum klagen Intellektuelle, an deren Urteilsvermögen selten Zweifel bestand, edelzynisch über Fürsorgeradikalismus oder, kein Witz, über eine Politik der "Todesverhinderung"? Warum sprechen kluge Philosophen vom Ausnahmezustand und immer nur davon? Die Bundesregierung hat Grundrechte eingeschränkt, aber dauerhaft abgeschafft hat sie sie nicht. Von einer Corona-Diktatur schwadroniert nur die AfD, das Wort tut ihr gut, sie braucht es, sie labt sich dran. Und Corona-Leugnerinnen dürfen auf Demonstrationen immer noch das Virus verbreiten, das es angeblich gar nicht gibt.


Vielleicht klingt das liberale Freiheitsverlangen deshalb so gereizt, weil die Pandemie ein heimliches Unbehagen verstärkt, den chronischen Zweifel am eigenen, auf Wachstum und Steigerung angewiesenen Gesellschaftsmodell. Sogar unter liberalen Kapitalisten hat sich herumgesprochen, dass der ganz legale Gebrauch ökonomischer Freiheit die Welt in Habenichtse und Superreiche spaltet und soziale Revolten nicht dauerhaft niedergeknüppelt werden können. Und am eigenen Leib ist das Paradox zu spüren, dass kapitalistische Gesellschaften sich nur durch extraordinäres Wachstum stabilisieren, dieses Wachstum aber seine natürliche Grundlage, die Erde, auf eine Weise ruiniert, die alles menschliche Vorstellungsvermögen übersteigt.


Die Natur rebelliert Abschmelzende Polkappen, das atmosphärische Fieber, Extremwetter, die Verwandlung der Meere in eine planetarische Mikroplastiksuppe, das Wegsterben der Arten: Das alles sind Prozesse, die die kleine viereckige Menschenvernunft naturgemäß nicht fassen kann. Es war dann die Pandemie, die dem Unfassbaren eine greifbare Realität verliehen und die virulente Bedrohung ans Licht gebracht hat: Ja, das Menschheitsunternehmen könnte auch schiefgehen – der Zusammenbruch des Gattungsprojekts ist keine Fantasie aus Hollywoods dystopischer Dunkelkammer.


Sagen wir es so: Die Pandemie, die vermutlich in den schrumpfenden Pufferzonen zwischen Natur und Gesellschaft ihren Ausgang nahm, ist eine schockierende Chiffre für die Selbstgefährdung der Zivilisation. Sie setzte eine Endlichkeitserfahrung frei, die die Panik liberaler Geister verständlich macht, ihre rigorose Forderung nach sofortiger Rückerstattung einer vollumfänglichen Freiheit. Die demokratischen Freiheiten gibt es hoffentlich bald zurück, kaum aber die alte Freiheit im Umgang mit der zivilisatorisch beschädigten Natur. Denn die ausgeplünderte Natur, wenn man so lyrisch reden will, hat das Duldungsabkommen mit der entgrenzten liberalen Freiheit aufgekündigt – sie rebelliert und weigert sich, die Zuwachsgesellschaften bis in alle Ewigkeit mit ihren Gratisgaben zu beliefern. Was man verharmlosend Klimakrise nennt, beendet den himmlischen, im langen fünfzehnten Jahrhundert entstanden Traum vom friedlichen Zusammenspiel aus Natur und Kultur, aus göttlicher Materie und menschlicher Technik.


Man müsse linke Hirngespinste in die Tonne treten, um endlich in der rauen Wirklichkeit anzukommen, so lautet eine populäre liberale Phrase aus den Nullerjahren. Heute scheint es, als fiele es liberalen Geistern schwer, in der Wirklichkeit anzukommen und die richtigen Schlüsse aus ihrer Lage zu ziehen. Zwar dämmert es ihnen, dass die Pandemie eine Vorbotin kommender Großkrisen und Verwerfungen ist. Aber diese düstere Vorahnung klingt so, als sei das Spiel bereits verloren und als tue die ängstliche Menschenfantasie gut daran, sich in Verteidigung ihrer allzeit bedrohten Freiheit so wunderbar unaufgeregt mit den künftigen Opfern abzufinden, wie sie sich mit den Corona-Toten abgefunden hat.


Ist das gemeint? Falls ja, dann bliebe der liberalen Freiheit allein die präventive Gefühlsabkühlung, nur die vorlaufende Einübung in die Katastrophe und die Warnung vor einer Politik der Todesverhinderung, kurz: nur die Gewöhnung an das Opfer. Es bliebe, mit einem Wort Theodor W. Adornos, nur die bürgerliche Kälte.


Es war einmal der ganze Stolz des Liberalismus, das Opfer abgeschafft zu haben, doch mit der Normalisierung künftiger Schrecken holt er das Opfer in sein Weltbild zurück. Kein anderer als Richard Wagner hat den heimlichen Masochismus dieses Gedankens durchschaut. Begegnen die Akteure dem selbstverschuldeten Unheil, unterwerfen sie sich vorschnell ihrem Schicksal: "Weißt Du, was Wotan will? Das Ende."


Gegenvorschlag: Vielleicht denkt man lieber über eine Freiheit nach, die heute ihre selbstzerstörerische Praxis begrenzt, damit sie morgen noch die freie Wahl hat. Bislang ließen Krisen sich durch die Steigerung der liberalen ökonomischen Freiheit lösen. Die Krise der Biosphäre gehört nicht dazu.



Info: https://www.zeit.de/kultur/2021-05/freiheit-corona-todeszahlen-liberalismus-politik-kulturbetrieb?utm_source=pocket-newtab-global-de-DE&utm_referrer=https%3A%2F%2Fgetpocket.com%2Frecommendations    


Kommentar:  Ist das ein Selbstverriss?  Denn die transatlantische sozialdarwinistische Freiheit insbesondere unserer dieser "ZEIT" lässt unschwer erkennen wolang und wohin es weiterhin gehen soll.  Z. B. in eine ökologische Diktatur!       Thomas Bauer

15.05.2021

Sonderrechte für Geimpfte       
War das wirklich die richtige Entscheidung?

n-tv.de, vom 08. Mai 2021, Von Hubertus Volmer

Eines ist seltsam am deutschen Beschluss, vollständig gegen Corona Geimpften ihre Rechte zurückzugeben: In Großbritannien, wo es deutlich mehr Geimpfte gibt, ist nichts dergleichen geplant. Wie kann das sein?


Zitat: Auf einmal musste es schnell gehen. Am Donnerstag stimmte der Bundestag der Rücknahme von Corona-Beschränkungen für vollständig Geimpfte und Genesene zu, am Freitag folgte der Bundesrat. Bei privaten Zusammenkünften sollen sie künftig nicht mehr mitgezählt werden. Auch die nächtlichen Ausgangsbeschränkungen gelten für sie nicht.


Vollständig geimpft, das heißt im Sinne der Verordnung, die an diesem Wochenende in Kraft tritt, dass "seit der letzten erforderlichen Einzelimpfung mindestens 14 Tage vergangen sind". Am Sonntag betrifft das knapp sechs Millionen Menschen - so viele hatten am 25. April, also zwei Wochen vor dem 9. Mai, ihren kompletten Impfschutz.


Die Geschwindigkeit und Einigkeit, mit der die Sonderrechte für Geimpfte beschlossen wurden, war erstaunlich - schon der Begriff "Sonderrechte für Geimpfte" provozierte bei vielen heftige Gegenwehr. In einem Rechtsstaat müsse klar sein, dass Einschränkungen nur mit gutem Grund möglich seien, um Leben und Gesundheit von anderen zu schützen, sagte etwa Bundesjustizministerin Christine Lambrecht. "Sobald dieser Grund wegfällt, muss genauso klar sein, dass dann auch diese Einschränkung nicht mehr erfolgen darf."


 
Kommentare 30.04.21 Absurde Debatte Keine Geiselhaft für Geimpfte!


Umstritten war sowohl im Parlament als auch in den Medien weniger, ob den Geimpften Rechte zurückgegeben werden sollen, sondern ob es genug Rechte sind - das war der Grund, warum die FDP der Verordnung nicht zustimmte. Eine Mehrheit der Bevölkerung scheint diese Sicht zu teilen: In einer Forsa-Umfrage für RTL und ntv sagten 64 Prozent der Befragten, sie fänden es richtig, wenn Hotels, Gaststätten, Theater oder Kinos für vollständig Geimpfte und Genesene wieder aufmachen würden. Nur 33 Prozent lehnten das ab.


Kurzer Blick nach Großbritannien

Angesichts dieser Einmütigkeit erscheint es seltsam, wie die Briten vorgehen. Die Impfkampagne im Königreich ist deutlich weiter fortgeschritten als die in Deutschland. 16 Millionen Menschen sind im Königreich vollständig geimpft, ein Viertel der Bevölkerung. Trotzdem gibt es in Großbritannien bislang weder einen Impfpass noch wurden vollständig Geimpften irgendwelche Sonderrechte eingeräumt oder Rechte zurückgegeben. Nur beim Reisen ins Ausland soll ihnen eine App helfen. Der britische Verkehrsminister Grant Shapps warnte am Mittwoch im Sender Sky News allerdings auch davor, dass Reisen ein Risiko darstellten. "Wir müssen sicherstellen, dass wir dabei sehr, sehr vorsichtig sind", sagte er. Die Erfolge des Lockdowns und der Impfungen dürften nicht "weggeschmissen" werden.


Dennoch wurde und wird auch in Großbritannien immer wieder über einen Impfpass und damit verbundene Sonderrechte für Geimpfte diskutiert. So lobte der britische Kabinettsminister Michael Gove nach einem Besuch in Israel den dortigen "grünen Pass", mit dem geimpfte Israelis in Nachtclubs, Fußballstadien und Theater gehen können. Doch die Debatte verläuft ganz anders als in Deutschland - nämlich bislang im Sande. Der digitale Impfpass soll den geimpften Briten das Reisen zwar erleichtern. Weitere Sonderrechte sind für sie aber nicht geplant. Wer sich vor einen englischen Pub setzt - bislang ist nur die Außengastronomie geöffnet -, der muss sich entweder über die Corona-App des britischen Gesundheitssystems anmelden oder seine Kontaktdaten auf anderem Wege hinterlassen. Ob geimpft oder nicht, spielt keine Rolle.


 
Panorama 07.05.21 Ab Sonntag mehr Freiheit Diese Lockerungen gelten bald für Geimpfte


"Aus meiner Sicht ist die Einführung eines Impfpasses ein Zeichen, dass die Impfpolitik gescheitert ist", sagt der britische Sozialpsychologe Stephen Reicher, der an der schottischen Universität von St. Andrews lehrt und einem wissenschaftlichen Beraterkreis angehört, der die britische Regierung in der Pandemie berät. "Wenn alle geimpft wären, bräuchte man keinen Impfpass." Auch in Großbritannien wird nach Priorisierungsgruppen geimpft, auch dort müssen die Jungen länger warten. Reicher sagt im Interview mit ntv.de, er fände es "höchst ungerecht, der jungen Generation zu sagen: Nun, man darf gewisse Dinge nur tun, wenn man geimpft ist - und ihr habt Pech, ihr könnt euch noch nicht impfen lassen. Vor allem, wenn es dabei um Dinge geht, die vor allem junge Leute machen, wie in den Pub zu gehen. Das ist doch paradox."


Minderheiten sind schwerer zu erreichen

Es gibt einen weiteren Grund, der aus Reichers Sicht gegen Impfpässe und damit gegen Vorteile für Geimpfte spricht. "Gruppen, die negative Erfahrungen mit staatlichen Autoritäten gemacht haben, sind beim Impfen generell zurückhaltender. Diese Gruppen fragen: Wurden diese Impfstoffe entwickelt, um uns zu helfen und unsere Gesundheit zu schützen? Oder werden sie uns aufgezwungen, um uns zu kontrollieren?" Impfpässe würden den Eindruck erwecken, dass die Impfung so gut wie verpflichtend sei. "Das verstärkt die Ängste, dass es dabei um Kontrolle geht. Der Erfolg der Impfkampagne wird so untergraben."


Tatsächlich zeigen Zahlen des staatlichen Gesundheitssystems NHS, dass in jeder Altersgruppe in Großbritannien mehr Weiße geimpft wurden als Angehörige von ethnischen Minderheiten. Unter den über 80-Jährigen etwa wurden 97 Prozent der Weißen geimpft, aber nur 75 Prozent der Schwarzen. Mit sinkendem Alter steigt die Differenz noch. Bei den 50- bis 54-Jährigen, der jüngsten Altersgruppe, für die Daten vorliegen, sind es 87 der Weißen und nur noch 59 Prozent der Schwarzen. Gleiches gilt für die Kategorie Wohlstand: Je ärmer eine Gegend ist, desto weniger Personen wurden dort geimpft. Praktiker wissen, dass es in Deutschland ähnlich ist. Alter, Geschlecht, Einkommensstatus und Bildungsstatus seien die Größen, die über die Gesundheit eines Menschen bestimmen, sagt etwa der Chef des Neuköllner Gesundheitsamtes, Nicolai Savaskan, im Gespräch mit ntv.de. "Das ist Sozialmedizin, erstes Semester."



Politik 08.05.21Impfstoff für Problemviertel "Corona-Leugner schaffen das doch auch"


Reicher verweist auf Studien auch aus Deutschland, die belegen, dass die Wahrscheinlichkeit, dass eine Impfung angenommen wird, sinkt, je stärker Druck auf die potenziellen Empfänger ausgeübt wird. Und er berichtet von Kollegen, die eine Umfrage unter 17.000 Personen im Vereinigten Königreich durchgeführt hätten. "Dabei kam heraus, dass beispielsweise die schwarze Bevölkerung einen Impfpass viel eher als Verstoß gegen ihre bürgerlichen Freiheiten und als faktische Einführung einer Impfpflicht ansieht." Von Umfragen, in denen eine Mehrheit sich für Vorteile für Geimpfte ausspricht, hält er nichts. Viele von denen, die so etwas sagen, hätten sich ohnehin impfen lassen. "Vielleicht gehen manche nun noch begeisterter zur Impfung, weil sie einen Impfpass haben wollen. Der Punkt ist: Die Aussicht auf den Impfpass ändert nichts an ihrem Verhalten." Relevant seien jene, die zögerlich seien. "Sie wollen wir überzeugen, nicht abschrecken."


"Wir können schneller öffnen, je schneller wir impfen"

Das Fazit des Sozialpsychologen: "Wir können umso schneller öffnen, je schneller wir impfen. Und wir können umso sicherer öffnen, je mehr Menschen sich impfen lassen." Die Priorität müsse daher darauf liegen, so viele Menschen wie möglich so schnell wie möglich zu impfen. Das gelte für Großbritannien wie für Deutschland.


Einen Unterschied gibt es allerdings: In Großbritannien weckt die Debatte um Impfpässe Assoziationen an eine Ausweispflicht - die es im Königreich nicht gibt. "Wir sehen Personalausweise und die Pflicht, einen Ausweis mit sich zu führen, als un-britisch an", sagt Reicher. "Solche Sichtweisen sind sowohl unter Konservativen als auch unter Linken verbreitet. Vielen erscheint die Einführung eines Impfpasses als Trojanisches Pferd für die Einführung einer generellen Ausweispflicht."



Politik 07.05.21 Erleichterungen für Geimpfte Bundesrat stimmt Lockerungsverordnung zu


Bis Ende Juli will Großbritannien allen Erwachsenen ein Impfangebot gemacht haben - und

mittlerweile geht auch die Bundesregierung davon aus, dieses Ziel für Deutschland erreichen zu können. Im Bundestag sagte Justizministerin Lambrecht, nun müssten "wir alle" mit Hochdruck daran arbeiten, "dass diese Schritte in die Normalität alsbald eben nicht nur für Geimpfte und für Genesene gelten".


Reicher glaubt, dass Impfpässe und die damit verbundenen Sonderrechte für Geimpfte für dieses Ziel die falschen Schritte sind. "Impfpässe schaffen Kontroversen und Spaltung in einer Zeit, in der wir Klarheit und Einigkeit brauchen", sagt er.


Kurioserweise könnte die bereits zitierte Umfrage, die eine große Mehrheit für den Bundestagsbeschluss ergeben hatte, ihm recht geben. Dass durch die unterschiedliche Behandlung von Geimpften und noch Ungeimpften der Zusammenhalt in der Gesellschaft nicht gefährdet werde, sagen nur 19 Prozent. 48 Prozent sehen den gesellschaftlichen Zusammenhalt etwas gefährdet, 32 Prozent sogar stark gefährdet.


Argumenten, die auf den sozialen Zusammenhalt abzielten, wurde in der Debatte in Deutschland keine Chance gegeben. Vielleicht war das richtig so. Einiges spricht jedoch dafür, dass dies ein Fehler gewesen sein könnte.       Quelle: ntv.de


Info: https://www.n-tv.de/politik/War-das-wirklich-die-richtige-Entscheidung-article22541629.html?utm_source=pocket-newtab-global-de-DE  

15.05.2021

Shitstorms für Genpioniere : Im sozialen Strudel von Sars-Cov-2

faz.net, Aktualisiert am15.05.2021-12:00, Von Joachim Müller-Jung

Der Ursprung bleibt unklar, die genetischen Tricks von Sars-CoV-2 ein Rätsel. Zwei Genpioniere, die auch im hohen Alter nach Antworten darauf suchten, fanden sich plötzlich in Deutungskämpfen verwickelt, die in den sozialen Netzwerken toben.


Ursprung des Pandemie-Virus oder nicht: Das staatliche Institut für Virologie in Wuhan, das auch mit westlichen Virologen kooperiert hat? Bild: Reuters


Zitat: Nur wer die Labore von Nobelpreisträgern als heilige Stätte betrachtet und Wissenschaftshochburgen generell als Tempel und eben nicht als das, was sie sind: die üblichen Orte wissenschaftlicher Selbstbefragung, der musste in den vergangenen Tagen einige Male heftig schlucken beim Blick ins Twitter-Netzwerk. David Baltimore, amerikanische Ikone der Molekularbiologie, wurde darin systematisch dekonstruiert. Der 83-jährige kalifornische Medizin-Nobelpreisträger hatte sich als Virologe in die anhaltende, von Verschwörungstheorien reich gesegnete Debatte um die Herkunft von Sars-CoV-2 eingeschaltet. Dabei ging es um eine bestimmte Stelle im „Spike“-Protein des Erregers – den Stachel –, das schon im vorigen Jahr als entscheidende Aktivierungssequenz identifiziert und in „Molecular Cell“ publiziert worden war – übrigens von einer deutschen Gruppe um Markus Hoffmann und Stefan Pöhlmann vom Deutschen Primatenzentrum in Göttingen.


Joachim Müller-Jung Redakteur im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.


Ohne die Aktivierung an der Stelle durch das Enzym Furin kommt es nicht zur Vermehrung des Virus. Im Gegenteil: Die Furin-Spaltstelle im Stachel macht Sars-CoV-2 erst zu einem hochinfektiösen Erreger für uns. Deshalb blühten von Anfang an auch Ideen und Gerüchte, „wer“ diese molekulare Sequenz konstruiert haben könnte – die Natur oder eben doch chinesische Corona-Forscher in ihrem Labor in Wuhan. David Baltimores Mutmaßung war nun in einem Beitrag öffentlich geworden: „Als ich diese Furin-Spaltstelle mit ihren Arginin-Kodons in der Virensequenz sah, sagte ich zu meiner Frau, das sei der unwiderlegbare Beweis für den Ursprung des Virus.“


Baltimore glaubte also, das Virus sei von chinesischen Forschern konstruiert worden. Beweise lieferte er nicht. Der Furor in der Twitter-Blase schwoll weiter an. Und sowenig der zwischenzeitlich publizierte Bericht des offiziellen Suchtrupps der Weltgesundheitsorganisation die Gemüter beruhigen konnte, so wenig konnten Baltimores Bewunderer verhindern, dass der Nobelpreisträger von der Verschwörungsgemeinde vereinnahmt wurde. Zuletzt versuchte es der kalifornische Immunologe Kristian Andersen vom Scripps Research Institute, ein ausgewiesener Sars-CoV-2-Spezialist. Er widerlegte glaubhaft und mit aller verfügbaren Empirie die Behauptung Baltimores, die Furin-Stelle könne nur ein Laborprodukt sein.



Mancher junge Forscher dürfte die öffentliche Dekonstruktion Baltimores durch Andersen als geharnischte Attacke eines Jüngeren gegen einen verdienten Kollegen gesehen haben. Das Gegenteil war es in Wirklichkeit: Es zeigte Wissenschaft als Prozess und diente letzten Endes sogar dem Schutz des Laureaten vor einer pseudowissenschaftlichen Horde im Netz.


Ähnlichen Attacken sah sich in den vergangenen Tagen noch ein anderer Pionier aus der Branche ausgesetzt: der deutschstämmige Genforscher Rudolf Jaenisch vom Whitehead Institute am Massachusetts Institute of Technology, einer der meistzitierten Gen- und Stammzellforscher der Welt, hat zusammen mit Richard Young einen Beitrag in den „Proceedings“ der amerikanischen Nationalen Akademie der Wissenschaften zu Sars-CoV-2 veröffentlicht. Thema: die Eingliederung von Teilen der Sars-CoV-2-Erbinformation in das menschliche Genom. Leicht vorstellbar, welchen Sprengstoff das birgt. Immer wieder äußerten Impfskeptiker Zweifel an der Zusicherung, die mRNA aus den Covid-19-Impfstoffen könne nicht in den Zellkern und also auch nicht in unser Genom gelangen.


Schon als die Jaenisch-Gruppe vor Monaten die ersten Ergebnisse auf einem Preprint-Server vorstellte, gab es deshalb Aufschreie: „Labor-Artefakte“, hieß es, weil anfangs lediglich Belege aus Zellkulturen vorlagen. Tatsächlich finden sich in menschlichen Zellen sogenannte Line-1-Sequenzen, in denen – vermutlich aus früheren Viren-Infektionen – die Information für das Enzym Reverse Transkriptase eingebaut ist. Mittlerweile legten Jaenisch und Young entsprechendes Gewebematerial aus Kliniken vor: Mit der „alten“ Reverse Transkriptase können offenbar Teile des Virus-Genoms – aber eben nicht etwa infektiöse Virenpartikel – in DNA übersetzt und in menschliche Erbsubstanz eingebaut werden. Das würde erklären, warum manche Covid-19-Genese ohne weitere Infektion noch Monate später positiv getestet werden.


Was das medizinisch bedeutet, ist völlig unklar. Akut gefährlich sind die Sars-CoV-2-Schnipsel offenbar nicht. Doch die lauter werdende Impfskeptiker-Gemeinde macht natürlich wie zu erwarten mehr daraus – und nicht nur die Kollegen Jaenischs sind deshalb unglücklich über den in dieser Pandemiephase unwillkommenen Befund.


Info: https://www.faz.net/aktuell/wissen/leben-gene/wie-zwei-genpioniere-in-den-sozialen-strudel-von-sars-cov-2-gerieten-17335968.html#?cleverPushBounceUrl=https%3A%2F%2Fwww.faz.net%2Faktuell%2F&cleverPushNotificationId=rv3ML2hqHFkLR7Pv2

15.05.2021

Medien-Hintergrund zu Bildern vom Ganges in Indien

NEOPresse, 15. Mai 2021

In Zeiten von Corona kursiert viel Desinformation in allen erdenklichen Medien jeder Seite– sowohl in den Mainstream-Medien als auch in sozialen Kanälen. Nun haben verschiedene Medien über die Bilder vom Ganges in Indien geschrieben, als Leichen angeschwemmt worden sind. Diese Leichen werden den vorliegenden Berichten nach noch obduziert.


Zitat: Doch schon jetzt wird berichtet, dass „mutmaßlich Corona-Opfer im Ganges“ treiben würden. Die Macht der Bilder ist schockierend. Leider gehört es auch zur traurigen Wahrheit in Indien, das praktisch täglich Leichen im Ganges auftauchen. Deshalb ist es erforderlich, bei Bildern genau hinzusehen.


Mutmaßlich und könnte – in einem Satz


Denn an den Ufern des Ganges sind „mehrere Leichen angeschwemmt worden, bei denen es sich angeblich um mutmaßliche Corona-Todesopfer handeln könnte“, so der Autor der FAZ. Die Corona-Nachrichten, die von den Medien in den vergangenen Tagen über die „gefährliche Virus-Mutante“ in Indien verbreitet worden sind, lässt offenbar nur den Schluss zu, dass es sich bei dem im Ganges treibenden oder am Ufer angeschwemmten Leichen folgerichtig nur um Corona-Tote handeln könne. Auch der ORF schrieb, dass „die im Ganges angeschwemmten Leichen mutmaßliche Covid-19-Opfer“ seien. Die Medien beziehen sich dabei eigenen Angaben zufolge auf die Berichterstattung vor Ort.


Auf den ersten Blick mag das für den Indien-unerfahrenen Leser erschreckend klingen. Doch dass Leichen im Ganges treiben, gehört in Indien zur traurigen Normalität, von denen Reisende und Indien-Kenner seit Jahren berichten. Dass es sich um Covid-Tote handelt, ist zumindest statistisch fraglich. Der Economist berichtete noch im März, dass die Corona-Todesrate in Indien überraschend niedrig sei. Zum internationalen Vergleich laut JHU und Our World in Data:


Weltweit sind etwa 156 Millionen Fälle gemeldet worden, denen 3,256 Millionen Todesfälle zugeordnet werden. Dies entspricht einer weltweiten Todesrate von 2 %. Pro 1 Million Menschen sind weltweit 20.000 Fälle (an Infektionen)zugeordnet worden.


In Indien sind bis dato 23,7 Millionen Fälle gemeldet worden, bei denen es 258.317 zugeordnete Todesfälle gab. Dies entspricht einer Todesrate von 1,1 %. Pro 1 Million Menschen sind in Indien 17.400 Fälle (an Infektionen) zugeordnet worden.


Demnach ist im internationalen Vergleich das Geschehen in Indien leicht unterdurchschnittlich (bislang), sodass die Informationen mit hoher Vorsicht interpretiert und dargestellt werden müssen. Deshalb stellt sich auch die Frage, wie es um die Leichen im Ganges bestellt ist.


Seit 2008 bekannt: Leichen im Ganges

Doch woher kommen die Leichen im Ganges? Bereits seit 2008 ist das Phänomen der im Ganges treibenden Leichen bekannt. Reisende berichten seit Jahren von den gruseligen Bildern. Was die wenigsten wissen: Gläubige Inder betrachten und nutzen den Ganges als Fluss, um darin zu beten, sich darin zu waschen, ihr Geschäft darin zu verrichten und als Müllkloake. Doch viele gläubige Inder bestatten auch ihre Toten am Ganges. Gerade in dem bekannten heiligen Wallfahrtsort Varanasi werden immer wieder viele Leichen an die Ufer des Ganges getrieben.


Varanasi ist die religiöse Hauptstadt Indiens und des Hinduismus. Viele Hindus wollen dort sterben oder die Asche ihrer verstorbenen Angehörigen im Ganges verteilen. Verstorbene werden an den Ufern des Ganges von ihren Angehörigen verbrannt. Deshalb brennen dort rund um die Uhr Leichenfeuer an den Ufern.


Die Feuerbestattung von Leichen ist seit Jahrtausenden Tradition in Indien. Pro Tag werden bis zu 100 Menschen verbrannt. Das Problem: Bei der Feuerbestattung haben die Angehörigen oftmals nicht genug Holz, um die Leichen vollständig zu verbrennen. Eine vollständige Verbrennung dauert mindestens drei Stunden.


Da das Holz oftmals aus Geldmangel nicht reicht, werden die Überreste der teilweise nur verkohlten Leichen trotzdem in den Ganges geworfen, damit die Hindus ihrem Abschiedszeremoniell dennoch gerecht werden können. Indien kämpft seit Jahren mit steigenden Zahlen der Leichen im Ganges. 2014 versprach der indische Premierminister Modi den Ganges sauber zu halten. Denn dieser wird nicht nur von Leichenteilen überschwemmt, sondern auch von Fäkalien, die Inder in den Fluss leiten und von Abwässern aus Fabriken vergiftet.


Das Problem der Leichen ist schon seit Jahren bekannt und auch für Medien wird dieser Umstand bekannt sein. Die Schlagzeile von „über 70 angeschwemmten, mutmaßlichen Covid-Leichen“ ist in diesem Zusammenhang fragwürdig, solange keine Obduktionen vorgenommen worden sind – womit die Lage in Indien in keiner Weise verharmlost werden soll.


Info: https://www.neopresse.com/politik/medien-hintergrund-zu-bildern-vom-ganges-in-indien/?source=ENL

15.05.2021

Befremden über Auftritt von NATO-Generalsekretär und Minister a.D. de Maizière beim Kirchentag

Pressenza Berlin, vom 14.05.2021

Im Rahmen des dritten Ökumenischen Kirchentages werden vom 13. bis 16. Mai 2021 rund 80 digitale Veranstaltungen gesendet. Erstmals auf einem Ökumenischen Kirchentag vertreten ist NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg.


Befremden über Auftritt von NATO-Generalsekretär und Minister a.D. de Maizière beim Kirchentag


Zitat: Wir – Aktive aus der Friedensbewegung – sehen mit großem Befremden, dass der oberste NATO-Repräsentant sein Propagandagift auf einem Kirchentag verstreuen darf und von einem ehemaligen deutschen „Verteidigungsminister“, der für Kriegseinsätze Verantwortung trägt, unterstützt wird.


Die 60-minütige Veranstaltung *) mit NATO-Generalsekretär Stoltenberg „Wie gelingt Friedensicherung in einer unsicheren Welt?“ unter der Moderation von Thomas de Maizière wurde bereits in Frankfurt/M. aufgezeichnet und ist ab Samstag, 15. Mai, online abrufbar.


Der Bundesminister a.D. ist maßgeblich für den 67-seitigen Bericht „NATO2030“ **) verantwortlich. Die Vorschläge für eine neue NATO-Agenda, die in „NATO 2030 skizziert sind, stellen nach unserer Auffassung gefährliche Expansionspläne vor, die die Spannungen und die Kriegsgefahr erhöhen werden.


Wir leben bereits heute in einer Zeit zahlreicher Kriege und enormer Aufrüstung. Kriege und Bürgerkriege haben unvorstellbar grausame Folgen. Über das Konstrukt der „nuklearen Teilhabe“ hat sich die Bundesregierung dem Atomkriegskurs von NATO und USA verpflichtet. Der Einsatz von und die Drohung mit Atomwaffen widersprechen gemäß des Rechtsgutachtens des Internationalen Gerichtshofes von 1996 dem humanitären Völkerrecht. Jeder Einsatz von Atomwaffen hätte verheerende Auswirkungen und kann nie gerechtfertigt werden!


Deshalb: Die Kirchen sollten ein Zeichen gegen Kriege, für Frieden und Abrüstung setzen, statt Aufrüstungsbefürwortern und Militaristen ein Podium zu bieten.

Im Gegensatz zu den Organisatoren der Veranstaltung, die in ihrer Einladung von der NATO als „Wertegemeinschaft freier demokratischer Staaten“ sprechen, sagen wir, dass die NATO – von Jugoslawien bis Libyen – eine verheerende und völkerrechtswidrige Politik betrieben hat. Sie trug auch ein verheerendes Denken in die Köpfe der Friedens- und Sicherheitspolitiker, das nur eine Richtung kennt: Aufrüstung.


Wir brauchen stattdessen eine Entmilitarisierung des Denkens. Wir brauchen kooperative Nachbarschaft statt Militarisierung und aggressive Konfrontation, wir brauchen Abrüstung statt Aufrüstung, und wir brauchen faire Handelsbeziehungen statt Ausbeutung des globalen Südens.

Wir rufen zu Aktionen gegen den NATO-Gipfel am 14. Juni 2021 in Brüssel online und offline auf.

Reiner Braun (Berlin), Kristine Karch (Düsseldorf), Ekkehard Lentz (Bremen), Pascal Luig (Berlin), Karl Heinz Peil (Frankfurt/M.), Dr. Werner Ruf (Kassel), Bernhard Trautvetter (Essen), Willi van Ooyen (Frankfurt/M.)

Pressemitteilung 14. Mai 2021


* Link zur Veranstaltung: https://www.oekt.de/index.php?id=188#session/130020101/V.DHP-003
** Mehr Informationen zu NATO 2030: https://www.no-to-nato.org/no_nato2030/

Info: http://www.pressenza.net/?l=de&track=2021/05/befremden-ueber-auftritt-von-nato-generalsekretaer-und-minister-a-d-de-maiziere-beim-kirchentag

15.05.2021

Lasst die Drohnen am Boden!

pressenza.com, 13.05.2021, By David Swanson, World BEYOND War, May 2, 2021

Dieser Artikel ist auch auf Englisch verfügbar.

 Es gibt eine Reihe von Barrieren zu überwinden, ehe man die Bevölkerung dazu bringt, ein Verbot von Kampf- oder Überwachungsdrohnen zu unterstützen. Eine davon ist die Existenz nützlicher Drohnen.

Es klingt ein wenig albern, aber genau das ist die Hauptursache für das Scheitern von lokalen Resolutionen gegen Drohnen. Anders als andere Barrieren, ist diese faktenbasiert – schlicht und einfach, aber faktenbasiert. Es gibt tatsächlich Drohnen für Feuerwehr und Rettung, wissenschaftliche Forschung, Spielzeug, Technikliebhaber und sogar für Friedensaktivisten, die Waffentransporte verfolgen.


Wir können den Verkauf von todbringenden Giftpilzen verbieten, auch wenn andere Pilze in Nudelsoße hervorragend schmecken. Wir können das Kochen dieser Pilze in einer Bratpfanne erlauben, auch wenn es verboten ist, dem Nachbarn mit der Bratpfanne auf den Kopf zu schlagen. Wir können Killerdrohnen verbieten, ohne das mit Spielzeugdrohnen zu tun. Wir können sogar Wege finden, die Drohnenüberwachung zu verbieten, ohne Drohnen mit Kameras zu inkludieren. Alles ist möglich, wenn wir nur halb so viel Mühe darauf verwenden, wie in die Entwicklung von Drohnen fließt.


Eine weitere große Hürde ist das, was sich die Menschen (zumindest in den Vereinigten Staaten) unter Drohnen vorstellen, was sich stark von dem unterscheidet, was Drohnen tatsächlich tun. Die Menschen stellen sich vor, dass Killerdrohnen gegen identifizierte Ziele eingesetzt werden, die in Abwesenheit für schreckliche Verbrechen verurteilt wurden, die unmöglich verhaftet werden können, die gerade dabei sind, Massenmord an den wertvollsten Lebewesen der Erde (US-Bürgern) zu begehen, und die allein in ihren üblen Verstecken sind, weit weg von allen unschuldigen Menschen, die man nicht in die Luft jagen müsste. Nichts von alledem ist wahr. Aber wir werden Drohnen niemals verbieten, solange die Menschen diese vom Pentagon und Hollywood mitproduzierte Fantasie glauben.


Eine zusätzliche Barriere auf dem Weg zum Verbot aller Killerdrohnen ist die Idee, dass wir nur Drohnen verbieten müssen, die völlig autonom sind. Eine Drohne, die von sich aus entscheidet, wann und wo sie eine Rakete abschießt, ist inakzeptabel, während eine Drohne, die sich darauf verlässt, dass eine künftig selbstmordgefährdete Person den Befehl erhält, einen Knopf zu drücken, akzeptabel ist. Während ich gerne jede Art von tödlicher Waffe verbieten würde, ist die Normalisierung von nicht vollautonomen Drohnen einfach verrückt. Es verstößt gegen Gesetze gegen Mord, Gesetze gegen Krieg und den Kern der grundlegenden Moral.


Wenn ich bei Google nach den Worten „Drohnen“ und „Moral“ suche, sind die meisten Ergebnisse aus den Jahren 2012 – 2016. Wenn ich nach „Drohnen“ und „Ethik“ suche, erhalte ich einen Haufen von Artikeln aus den Jahren 2017 – 2020. Die Lektüre der verschiedenen Websites bestätigt die offensichtliche Hypothese, dass (in der Regel, mit vielen Ausnahmen) „Moral“ das ist, was die Leute erwähnen, wenn eine bösartige Praxis noch schockierend und verwerflich ist, während „Ethik“ das ist, was sie verwenden, wenn sie über einen normalen, unvermeidlichen Teil des Lebens sprechen, der in die allerbeste Form gezwickt werden muss.


Die USA exportieren mehr Waffen, als sie kaufen, und führen alle ihre Kriege mit Waffen aus amerikanischer Produktion, und dennoch werden die Leute bei der bloßen Erwähnung der Waffenindustrie weinerlich, flaggenliebend und bösartig patriotisch. Nicht nur, dass Drohnen, wie andere Waffen auch, nicht eindeutig mit Nationalismus zu identifizieren sind, sondern das US-Militär befindet sich jetzt in Kriegen mit Drohnen auf der anderen Seite, nachdem es führend bei der Verbreitung von Drohnen und der Förderung eines Drohnenwettrüstens war – auch durch absichtliche Verkäufe und durch den Nachbau von erbeuteten US-Drohnen. Eine Studie stellt fest, dass inzwischen fünf Nationen bewaffnete Drohnen exportieren, während Dutzende von Nationen und einige Nicht-Nationen sie importieren. Ein Bericht fand über drei Dutzend Nationen mit bewaffneten Drohnen.


Bewaffnete Drohnen sind in unserer Vorstellung weit weg. „Hätten Sie lieber einen echten Krieg?“, wird gefragt. „Bei einem Drohnenkrieg wird wenigstens niemand getötet.“ Menschen, die als niemand gelten, sind oft weit weg. Aber natürlich werden Drohnenstützpunkte angegriffen. Militärs, die Drohnen einsetzen, erzeugen mehr Feinde als sie töten. Drohnenpiloten begehen Selbstmord. Drohnen überwachen Black-Lives-Matters-Kundgebungen in der unverzichtbaren Nation selbst und an ihren Grenzen und überall in Flugdistanz zu diesen Grenzen. Sie machen Testflüge und stürzen manchmal in US-Städten ab, und die örtlichen Polizeibehörden bewundern sie.


Drohnen sind geheimnisvoll, präsidial, imperial, eingesetzt von Leuten, die weiser sind und über bessere Informationen verfügen als einfache Menschen. Es ist das Beste für uns, nicht zu hinterfragen. Wenn es keinen guten Grund für die Drohnen gäbe, warum würden sie dann Leute ins Gefängnis schicken, die uns sagen, was die Drohnen tun? Auch das ist Propaganda, die überwunden werden muss.


Drohnen sind etwas Besonderes, stehen über dem Gesetz, außerhalb des Gesetzes. Wie Henry V. oder Karl Rove (ehem. stv. Stabschef des Weißen Hauses) machen sie ihre eigenen Gesetze. Krieg ist nach der UN-Charta und dem Kellogg-Briand-Pakt illegal. Mord ist in jeder Ecke der Welt illegal. Warum überflüssigerweise bewaffnete Drohnen verbieten? Die Antwort liegt natürlich in der Möglichkeit, dass dieses neue Gesetz von einigen Parteien eingehalten wird. Drohnen beleidigen einige Leute, weil sie feige oder unfair sind, aber sie sollten uns beleidigen, weil sie das Morden einfacher machen, und wir sollten über den Grund empört sein, warum sie das Morden einfacher machen, nämlich die Idee, dass Menschen, die keine Rolle spielen, abgeschlachtet werden können, ohne das Leben von jemandem zu riskieren, der wichtig ist.


Mit meilenweitem Abstand haben wir in den US-Medien eine deutliche Bewegung gesehen, was den Wert schwarzen Lebens angeht, solange dieses schwarze Leben ein schwarzes Leben in den USA ist. Das Drohnenproblem könnte angegangen werden, wenn die anderen 96% der Menschenleben auch nur einigermaßen wichtig wären, und es gäbe kein Drohnenproblem, über das man sich Sorgen machen müsste, wenn sie als völlig gleichwertig verstanden würden.


Es ist nicht alles hoffnungslos in der Welt des Anti-Drohnen-Aktivismus. In meiner Stadt Charlottesville, Virginia, haben wir 2013 den Stadtrat erfolgreich dazu gedrängt, eine Resolution gegen Drohnen zu verabschieden. Darin stand: „Der Stadtrat von Charlottesville, Virginia, befürwortet den Vorschlag für ein zweijähriges Moratorium zum Einsatz von Drohnen im Staat Virginia; und fordert den Kongress der Vereinigten Staaten und die Generalversammlung des Commonwealth of Virginia auf, eine Gesetzgebung zu verabschieden, die es verbietet, Informationen, die durch den Einsatz von Drohnen im Inland erlangt wurden, in ein Bundes- oder Staatsgericht einzubringen, und die den Einsatz von Drohnen im Inland ausschließt, die mit Antipersonenvorrichtungen ausgestattet sind, d.h. mit Projektilen, chemischen, elektrischen, gerichteten Energien (sichtbar oder unsichtbar) oder anderen Vorrichtungen, die dazu bestimmt sind, Menschen zu verletzen, kampfunfähig zu machen oder anderweitig negativ zu beeinflussen; und verpflichtet sich, auf ähnliche Verwendungen von stadteigenen, geleasten oder geliehenen Drohnen zu verzichten. “

Die Präsentation kann als Powerpoint oder PDF heruntergeladen werden.
Der Originalartikel kann hier auf der Seite unseres Partners besucht werden

Die Übersetzung aus dem Englischen wurde von Anita Köbler vom ehrenamtlichen Pressenza-Übersetzungsteam erstellt. Wir suchen Freiwillige! 


nfo:  https://www.pressenza.com/de/2021/05/lasst-die-drohnen-am-boden

15.05.2021

Sauerstoffgeräte statt Impfstoffpatente                    Der Westen blockiert weiterhin die Freigabe von Covid-19-Impfstoffpatenten. BioNTech soll mit Milliardenprofiten den Biotech-Standort Deutschland stärken.

german-foreign-policy.com, vom 27. April 2021
Sauerstoffgeräte statt ImpfstoffpatenteDer Westen blockiert weiterhin die Freigabe von Covid-19-Impfstoffpatenten. BioNTech soll mit Milliardenprofiten den Biotech-Standort Deutschland stärken.BERLIN/WASHINGTON (Eigener Bericht) - Angesichts der dramatischen Eskalation der Covid-19-Pandemie in Indien nimmt der Druck auf die wohlhabenden westlichen Staaten, darunter auch Deutschland, zur Freigabe der Impfstoffpatente zu. Anders könne die dringend erforderliche Produktionssteigerung bei den Vakzinen nicht erreicht werden, heißt es in einem aktuellen Aufruf von Amnesty International und rund 30 weiteren Hilfs- und Menschenrechtsorganisationen: Der Kampf gegen die Pandemie drohe zu scheitern. Indien und Südafrika setzen unterdessen ihre Bemühungen fort, die Patentfreigabe in der WTO zu erreichen, werden dabei allerdings weiterhin von den EU-Staaten, darunter Deutschland, und den USA ausgebremst. Berlin kann sich aktuell Hoffnungen machen, dass BioNTech mit der neuen mRNA-Technologie zu einem mächtigen Pharmakonzern aufsteigt - "eine große Chance für den Biotech-Standort Deutschland", heißt es in Branchenkreisen. Aufstiegsförderlich ist, dass die EU mittlerweile fast ausschließlich auf den Milliardenprofite erzielenden BioNTech/Pfizer-Impfstoff setzt. Indien wird mit Sauerstoffanlagen statt mRNA-Patenten abgespeist.


Info: http://www.pressenza.net/?l=de&track=2021/05/sauerstoffgeraete-statt-impfstoffpatente

Seite 1067 von 1116

< 1 2 3 4 .. 10 .. 20 .. 30 .. 100 .. 200 .. 300 ... 800 .. 900 .. 1000 .. 1040 .. 1050 .. 1060 .. 1064 1065 1066 1067 1068 1069 1070 .. 1080 .. 1090 .. 1100 .. 1110 .. 1113 1114 1115 1116 >