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28.04.2022

Debatte über Waffenlieferungen für die
Ukraine  Welche Pazifisten treten für den Henker ein?

spiegel.de, 28.04.2022, 20.33 Uhr, Ein Gastbeitrag von Szczepan Twardoch

Seit zwei Monaten kämpft die Ukraine erfolgreich gegen Russland. Deutsche
Intellektuelle können trotzdem nicht aufhören, sie zu bevormunden – und schreiben
einen offenen Brief. Sie sollten sich schämen
.

Wer aus dem Osten auf Deutschland blickt und die deutsche Diskussion über den russischen Krieg in der Ukraine beobachtet, muss sich des Öfteren wundern. Auch nach zwei Monaten des erfolgreichen Widerstands gegen die russische Invasion findet sich dort noch immer die Überzeugung, dass die Ukraine kein selbstbestimmtes politisches Subjekt ist. Dass nur Russland ein Akteur der internationalen Politik sein kann, nicht aber die Ukraine, ein Staat, dem eine eigene Identität abgeht, der nicht mehr als ein Satellit Russlands ist, ein Gegenstand von Machtspielen.

Es gibt einen gedankenlosen Pazifismus, der sich, merkwürdig genug, nie gegen Russland richtet. Und dessen Vorstellungen die Ukrainer am besten dadurch realisieren würden, dass sie nicht nur die Waffen strecken, sondern sich gleich selbst ihre Gräber ausheben, sich hineinlegen und geduldig warten, bis sie »entnazifiziert« werden. Sehr verbreitet scheint auch die spürbare Verärgerung darüber zu sein, dass die Ukraine sich erfolgreich verteidigt, statt einfach zu verlieren. Dass sie dadurch die Rückkehr zum business as usual verhindert und Westeuropa zu schmerzhaften Umwertungen in der Außenpolitik und dem Verhältnis zu Russland zwingt. Wie kann das sein?


Beginnen möchte ich mit dem offenen Brief, mit dem eine Reihe deutscher Intellektueller in
der »Berliner Zeitung« Bundeskanzler Scholz dazu auffordert, jegliche Waffenlieferungen an die

Ukraine einzustellen. Mit dieser rührenden Geste sollen die Ukrainer ermuntert werden, sich zu ergeben und Verhandlungen mit den Russen aufzunehmen.


Zum Autor: Szczepan Twardoch wurde 1979 geboren und ist einer der bedeutendsten polnischen Schriftsteller. Der Roman »Morphin«, der von einem Offizier der polnischen Armee im zweiten Weltkrieg handelt, machte ihn auch in Deutschland bekannt. Sein neues Buch »Demut« ist gerade erschienen (übersetzt von Olaf Kühl).


Gegen jede Erfahrung abgedichtet


Der Brief gibt nicht die Gefühle und Meinungen der deutschen Mehrheit wieder, ich weiß; die

Unterzeichner zählen nicht zu den tonangebenden Stimmen in der deutschen Debatte. Dennoch ist ihre Stimme zu hören, wie die der irischen Europaabgeordneten Clare Daly und Mick Wallace, deren Nato- Abneigung marginal, aber vernehmlich ist. Dieses Ressentiment verblendet sie so sehr, dass sie Opfer und Täter nicht mehr unterscheiden und die putinsche Propaganda von den »Nazis«in der Ukraine nachplappern.


Gleichwohl bin ich den Verfassern aus mehreren Gründen dankbar.


Zunächst einmal deshalb, weil der Brief ein vorzügliches Beispiel dafür ist, wie toxisch und schädlich das Kleben an Dogmen ist, die von der Wirklichkeit längst widerlegt wurden. In diesem Falle geht es selbstverständlich um die Dogmen der durch den 24. Februar kompromittierten deutschen Politik des »Wandels durch Handel«.


Zweitens lassen die Unterzeichner jede Fähigkeit zur Selbstreflexion vermissen, wenn sie im Jahre 2022, im Angesicht eines heißen Krieges und russischer Kriegsverbrechen, weiter ihren Glaubenssätzen ausdem Kalten Krieg nachhängen. Nach dem Sieg der Ukraine, den ich diesem Land nicht nur von Herzen wünsche, sondern an den ich auch aus ganzem Herzen glaube, werden die Unterzeichner des Briefes sich bis ans Lebensende für ihre Unterschriften schämen, und die Welt wird ihnen und ihresgleichen nicht vergessen, dass sie im Augenblick der Bewährung für den Stärkeren Partei ergriffen haben – für den Bösen – und gegen diejenigen aufgetreten sind, die ihre Heimat vor Kriegsverbrechern zu verteidigen suchten. Kanzler Schröder mag jede Scham vermissen lassen, wie er in der »New York Times« bekannt gibt; dabei muss ihm klar sein, dass die von ihm vertretene Politik heute restlos diskreditiert und er selbst mit seinen Millionen auf einem Totgleis der europäischen Politik gelandet ist – dort, wo er und ähnlich Denkende hingehören.


Die Freiheit der moralisch Abstoßenden


Dennoch ist der Brief in der »Berliner Zeitung« natürlich eine berechtigte Stimme in der
demokratischen Debatte. In der EU herrscht erfreulicherweise Meinungsfreiheit. Für diese Freiheit kämpfen auch die Ukrainer. Die Freiheit des Wortes gilt nämlich auch für die Stimmen der Dummen und moralisch Abstoßenden.


Moralisch abstoßend ist es, gegen die Opfer für die Henker Partei zu ergreifen, nur weil der Henker stärker ist als das Opfer – genau das tun die Unterzeichner des offenen Briefes an Kanzler Scholz, wenn sie bei der Erwähnung der Kriegsverbrechen ungesagt lassen, wer der Urheber dieser Verbrechen und wer ihr Opfer ist. Die Partei des Täters, nicht die der Opfer, ergreifen die Unterzeichner, wenn sie sich gegen die Lieferung von Waffen an die Ukraine aussprechen.


Das Einzige, was in der Ukraine zwischen Täter und Opfer steht, ist die ukrainische Armee.

Denn das muss ganz deutlich gesagt werden: Das Einzige, was in diesem Augenblick zwischen den Tätern von Butscha, Borodjanka, Mariupol und ihren potenziellen künftigen Opfern steht, sind die Streitkräfte der Ukraine, die ukrainische Nationalgarde und die Territorialverteidigung. Sämtliche Anrufe von Emmanuel Macron, sämtliche Appelle, Vermittlungsversuche eines Gerhard Schröder, Warnungen, Bitten und Drohungen an Putin vermögen es nicht, die Verbrechen zu verhindern. Dies vermag allein die ukrainische Armee.


Ohne Waffen zu verhandeln, ist lächerlich


Jede Haubitze, jeder Kampfpanzer, jeder Schützenpanzer und jeder Mannschaftstransportwagen, jeder Raketenwerfer, die an die Ukraine geliefert werden, bewirken, dass die russischen Soldaten weniger vergewaltigen, morden und plündern, also das tun, worin sie in diesem Krieg noch am besten sind. Und natürlich – solche Dinge kommen in jedem Krieg vor. Doch nicht jede Armee setzt Kriegsverbrechen, Massenvergewaltigungen und Morde an der Zivilbevölkerung systematisch als Mittel ein, um den Gegner zu terrorisieren. Genau das aber tun die Russen.


Um nicht lange nach Beispielen zu suchen: Besäße die Ukraine mehr moderne Flugabwehrwaffen mittlerer und großer Reichweite, dann wäre vielleicht die auf Odessa abgeschossene Rakete im Flug abgefangen worden. Leider ist sie das nicht, sie hat einen Wohnblock getroffen, und dabei ist Valeria Glodan mit ihrer drei Monate alten Tochter getötet worden. Ich sage es noch einmal: Mehr Waffen für die Ukraine bedeuten stärkere ukrainische Streitkräfte, diese wiederum bedeuten weniger russische Kriegsverbrechen. So einfach ist das.


Die Unterzeichner des Briefes argumentieren dagegen, die Armee der Ukraine sei schwächer als die russische, deshalb solle sie die Waffen niederlegen und anschließend Verhandlungen mit Russland aufnehmen.


Woher glauben die Verfasser dieser These besser als die Ukrainer zu wissen, wie man mit Russland spricht? Jeder Ukrainer und jede Ukrainerin, mit denen ich seit Kriegsbeginn gesprochen habe, und ich habe mit vielen gesprochen (wie viele Ukrainer kennen die Unterzeichner des Briefes an Kanzler Scholz?), glauben an den Sieg ihres Landes, keiner und keine sprachen von einem Frieden um jedenPreis. Viele von ihnen waren Frauen, deren Männer, Söhne und Väter an der Front kämpfen. Sie alle waren überzeugt, dass die Regierenden der Ukraine recht daran tun, für die ukrainische Freiheit und das Recht, Ukrainer zu sein, zu kämpfen. Sie alle waren dankbar für die Hilfe des Westens und baten um mehr davon.


Russland sein Offensivpotenzial nehmen


Die These, man müsse die Waffen niederlegen und dann mit den Russen verhandeln, ist lächerlich – auch wenn es ein Lachen unter Tränen ist. Das begreift jeder, der auch nur ein bisschen Ahnung von Russland hat, der in Russland war, Russland kennt, seine Sprache versteht, die dortige Presse liest und auch nur eine elementare Vorstellung von der Geschichte dieses Landes hat – im Grunde also jeder Ukrainer, viele Bewohner Mittel- und Osteuropas. Aber – wie sich zeigt – nicht unbedingt die deutschen Intellektuellen oder irische Europaabgeordnete, deren Arroganz gegenüber der Ukraine mit ebenso tiefer Ignoranz einhergeht.


Wer auch nur einen Schimmer von Russland hat, wird darauf klar erwidern: Russland verhandelt nicht mit Wehrlosen. Mit Wehrlosen verfährt Russland ganz nach eigenem Belieben, wie es ihm gerade passt. Die einzige Sprache, die Russland versteht, ist die der Stärke, und nur mit den Starken kann es verhandeln. Was für Pläne Russland in Bezug auf eine wehrlose Ukraine hat, erfahren wir von den Russen selbst, die ja nicht zufällig einen auf Jahrzehnte angelegten Plan der vollständigen Ausmerzung der ukrainischen nationalen Identität und Eigenheit veröffentlicht haben. Dass sie diesen Plan heute nicht umsetzen können, ist das Verdienst der ukrainischen Armee und der Unterstützung, die sie von den Nato-Ländern erfährt.


Ich bin überzeugt, dass die Ukraine siegen, ihre Unabhängigkeit bewahren und Europa vor der

russischen Aggression schützen wird – vieles deutet darauf hin, dass Russlands unfähige, von Korruption zerfressene Armee durch die Verluste in diesem Krieg für einige gute Jahre an künftigen Angriffshandlungen gehindert sein wird. Konsequent umgesetzte, harte Sanktionen können den Wiederaufbau dieses Potenzials auf noch längere Zeit vereiteln. Von durchdachten und weitreichenden Plänen, Russland sein Offensivpotenzial zu nehmen, sprach nach seinem Besuch in Kiew der amerikanische Verteidigungsminister Lloyd Austin. Seine Worte klingen tröstlich für die Menschen in jedem Nachbarland Russlands, denn mit einem starken, zur Aggression fähigen Russland wird es keinen dauerhaften Frieden in Europa geben.


Taubheit für ukrainische Bedürfnisse


Der offene Brief in der »Berliner Zeitung« wäre an sich keine eigene Erwiderung wert. Er ist wohl nicht mehr als der ziemlich verzweifelte Versuch einer Minderheit, die allmähliche, aber wahrnehmbare Grundsatzwende in der deutschen Außenpolitik aufzuhalten. In Mittel- und Osteuropa beobachten wir solche Stimmen dennoch mit Sorge, genauso wie die abwiegelnde Haltung von Kanzler Scholz, der im Interview mit dem SPIEGEL, zum Glück, versichert, er sei kein unreflektierter Pazifist, nur um sich dann in Ausflüchten und verworrenen Erklärungen zu verlieren, warum er nicht auf diejenigen hört, auf die wir heute hören sollten, weil sie für Europa kämpfen und fallen – die Ukrainer. Die deutsche Strategie des »Wandels durch Handel«, seit Brandts Zeiten konsequent betrieben, neigt sich wohl ihrem Ende zu. Doch in seiner Taubheit für die ukrainischen Bedürfnisse erinnert Kanzler Scholz beunruhigend an die Postulate des offenen Briefes in der »Berliner Zeitung«. Hören wir also auf die Ukrainer.


In Polen, der Slowakei, Litauen oder Estland wird ihre Stimme wahrgenommen. Schwere Waffen werden in großer Zahl geliefert, das genaue Ausmaß ist geheim und viele Lieferungen bleiben offiziell unbestätigt, doch von Militärexperten ist gerüchteweise von hundert oder mehr Panzern und Schützenpanzern aus Polen zu hören.


Es wird Zeit, dass die Ukrainer auch bei den Deutschen Gehör finden.Übersetzung aus dem Polnischen: Olaf Kühl


Info: https://www.spiegel.de/kultur/welche-pazifisten-treten-fuer-den-henker-ein-a-fb740dd7-b88b-4841-b99a-e34d85a98889

28.04.2022

Russia-Ukraine War

The New York Times, ? 27. April 2022

The Russian invasion has devastated several Ukrainian cities, caused a humanitarian crisis and fueled insecurity around the world.


Russia-Ukraine War



The Russian invasion has devastated several Ukrainian cities, caused a humanitarian crisis and fueled insecurity around the world.


Live Updates: Russia-Ukraine War 8 minutes ago

Russia-Ukraine War: Key Developments


Card 1 of 3Biden’s speech. ​​Speaking to the nation, President Biden asked Congress for $33 billion in additional emergency aid for Ukraine. The request, more than twice the size of a previously approved package, underscores how the United States and its allies are preparing for a protracted struggle.


Concerns of a wider war. Mr. Biden’s remarks come as fear grows in Washington and European capitals that the war could spill beyond Ukraine’s borders. Explosions have rocked a breakaway region of Moldova on Ukraine’s western flank, while blasts were reported in three Russian districts.


Gas supplies. After Russia cut off natural gas supplies to Poland and Bulgaria, other European Union countries are scrambling to work out how to pay for Russian gas without running afoul of their own economic sanctions and still meet the Kremlin’s demand for payment in rubles.


  1. Fears Are Mounting That Ukraine War Will Spill Across Borders

  2. American and European officials say their concern is based in part on a growing conviction that the war will not end any time soon.

    4h agoBy David E. Sanger and Steven Erlanger

  1. Ukraine War Impact Widens: Russia Cuts Gas Flow and Vows More Reprisals

    New explosions across Ukraine’s borders, Russia’s shut-off of natural gas to two European nations and Moscow’s warning of additional “counterstrikes” pointed to escalating hostilities.

    10h agoBy Matina Stevis-Gridneff, Neil MacFarquhar, Shashank Bengali and Megan Specia

  • Russia Uses Cyberattacks in Ukraine to Support Military Strikes, Report Finds

    A new study by Microsoft shows that Russian cyberattacks often happened within days or even hours of missile strikes.

    4h agoBy Kate Conger and David E. Sanger

  • Behind Austin’s Call for a ‘Weakened’ Russia, Hints of a Shift

    The United States is edging toward a dynamic that pits Washington more directly against Moscow, and one that U.S. officials see as likely to play out for years.

    5h agoBy David E. Sanger


  • Defense Secretary Lloyd J. Austin III, center, at the Ukraine Security Consultative Group meeting in Ramstein, Germany, on Tuesday.



    Info: https://www.nytimes.com/news-event/ukraine-russia?name=styln-russia-ukraine&region=TOP_BANNER&block=storyline_menu_recirc&action=click&pgtype=Article&variant=show


    unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

    28.04.2022

    Faktischer Kriegseintritt  Waffenlieferungen an die Ukraine. Gastkommentar

    jungewelt.de, vom 29.04.2022Kommentar, Von Sevim Dagdelen

    Zitat: Im Bundestag wurde am 28. ­April 2022 nicht weniger als der faktische Kriegseintritt beschlossen. Union, SPD, FDP und Grüne haben sich per Antrag als Kriegskoalition konstituiert. Die Einwände, die Kanzler Scholz noch 72 Stunden zuvor gegen die Lieferung schwerer Waffen vorgebracht hatte, dass diese die Gefahr für einen dritten Weltkrieg erhöhten, waren wie weggeblasen. Im Antrag der Kriegskoalition wird die Lieferung schwerer Waffen an die Ukraine geradezu als Allheilmittel beschworen. Neben dem Bekenntnis zum Aufrüstungsfonds von 100 Milliarden Euro wurde die zusätzliche Verpflichtung auf eine weitere jährliche Erhöhung des Militärbudgets auf mehr als 70 Milliarden Euro fixiert.


    In Reden propagieren zahlreiche Abgeordnete dieser Allianz für den Ukraine-Krieg unter Führung des Vorsitzenden der Unionsfraktion, Friedrich Merz, das Ziel eines militärischen Sieges der Ukraine, das bedingungslos von Deutschland unterstützt werden müsse. Dieser Bruch mit allen militärischen Tabus, die aus der Niederlage des deutschen Faschismus 1945 erwachsen sind, und seine gefährlichen Folgen waren den Abgeordneten doch etwas unheimlich. In einer Art Abwehrzauber heißt es gleich am Anfang des Antrags, dass »weder Deutschland noch die NATO zur Kriegspartei werden«. Doch die Lieferung von immer mehr und immer schwereren Waffen sowie der Ruf nach einem Siegfrieden gegen Russland lassen diese Beschwörungsformeln äußerst fragwürdig erscheinen. Diese Leute erinnern an jemanden, der ein Quadrat malt, aber im Begleittext zur Zeichnung schreibt, der Betrachter müsse hier einen Kreis sehen. Surreal und brandgefährlich.


    Neben dem faktischen Kriegseintritt per Lieferung schwerer Waffen und Ausbildung ukrainischer Soldaten an diesen steht der unbedingte Wille eines totalen Wirtschaftskriegs gegen Russland im Vordergrund. Dabei wird die Kampfzone zunehmend ausgeweitet. So wird China offen gedroht, selbst ins Fadenkreuz des Westens zu geraten, sollte Beijing versuchen, die westlichen Sanktionen gegen Russland zu unterlaufen. Sprache kann dabei verräterisch sein. In neokolonialer Manier heißt es, die Bundesregierung habe »der Volkrepublik China gegenüber mit Nachdruck die Erwartung Deutschlands und der Europäischen Union zu kommunizieren«.


    Die Achtung der UN-Charta – alles dahin. Die Kriegskoalition droht offen. Ihre Sprache ist eine Sprache der Gewalt und der Drohungen. Russland soll an die Wand gedrängt werden, und wenn dies einen Weltwirtschaftskrieg auch gegen China bedeutet. Das Problem dieses neuen deutschen Militarismus bleibt die Widerborstigkeit der deutschen Bevölkerung, die mehrheitlich die Lieferung schwerer Waffen ablehnt und laut Spiegel-Umfrage mehrheitlich keine Lust hat, zu hungern und zu frieren für den Krieg. Das gilt es auszubauen gegen den Kriegseintritt der Kriegskoalition.


    Sevim Dagdelen ist Mitglied des Deutschen Bundestages für Die Linke


    Info: https://www.jungewelt.de/artikel/425517.faktischer-kriegseintritt.html

    28.04.2022

    Namentliche Abstimmung Umfassende Unterstützung (Waffen) für Ukraine

    Namentliche Abstimmung am 28.04.22

    https://www.bundestag.de/parlament/plenum/abstimmung/abstimmung?id=771


    Gesamtergebnis, 736 Mitglieder

    • 586 Ja
    • 100 Nein
    • 7 Enthalten
    • 43 Nicht abg.

    Fragt man sich natürlich, warum sieben Abgeordnete der Linken nicht abgestimmt haben?


    Antrag der Fraktionen SPD, CDU/CSU, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und FDP - Frieden und Freiheit in Europa verteidigen - Umfassende Unterstützung für die Ukraine (Drucksache 20/1550) https://dserver.bundestag.de/btd/20/015/2001550.pdf

    28.04.2022

    Stellungnahme zur zunehmenden Russophobie in Deutschland und zu den Anfeindungen gegen das Coop Antikriegscafe Berlin (Heinrich Bücker)

    cooptv.wordpress.com, Berlin am 28. April 2022, Heinrich Bücker


    Zitat: Berlin ist eine Stadt, in der Menschen aus über 150 Ländern leben. Wie kann es sein, dass in dieser so weltoffenen Stadt jetzt wieder ein so unfassbarer Rassismus um sich greift? Diesmal in Form der Russophobie, des Hasses gegen alles Russische. Und es sind im Wesentlichen Deutsche, die sich daran beteiligen und diesen Rassismus mittragen oder ihn tolerieren.


    Dass Deutschland wiedervereinigt werden konnte und dass Berlin in Folge zur deutschen Hauptstadt wurde, wäre ohne die Einwilligung Russlands nicht möglich gewesen. Diese Einwilligung Russlands kam trotz allem Zweifel in Moskau zustande, weil der Westen wiederholt zusicherte, dass die NATO nicht nach Osten vorrücken würde, und zwar keinen Zentimeter.

    Aber Russland wurde verraten, alle Versprechen wurden gebrochen und jetzt bedroht die NATO Russland direkt an seinen Grenzen. Und Deutschland liefert schwere Waffen um den Krieg gegen Russland in der Ukraine zu gewinnen. Und wieder an der Seite von Faschisten, den Nachfolgern der Banderisten, die bereits im 2. Weltkrieg als Hilfstruppen der deutschen Faschisten agierten.


    Ein bekennender Verehrer Stefan Banderas ist Andrij Melnyk, Botschafter der Ukraine in Deutschland. Melnyk ist zu Gast im Deutschen Bundestag, in den Tagesthemen und in deutschen Talkshows.


    Sein Präsident Volodymyr Zelenskyy, selbst jüdischer Herkunft, unterstützt ebenfalls die rechtsextremen Brigaden des Asov-Battalions. Er präsentierte bei seiner per Video übertragenen Rede im griechischen Parlament sogar bekennende rechtsextreme Asov-Kämpfer aus Mariupol. Viele der griechischen Abgeordneten verließen den Plenarsaal oder protestierten danach massiv gegen den Auftritt von Faschisten.


    In den vergangenen Wochen und Tagen kommt es auch zu vermehrten Anfeindungen gegen das von mir betriebene Coop Anti-War Café in Berlin-Mitte.


    Es gibt Schmierereien im Außenbereich des Cafés, sporadisch kommt es auch im Gastraum zu teils lautstarken Anschuldigungen und es gibt inzwischen zahlreiche negative Bewertungen im Internet.


    Hier LINK. Auch langjährige Gäste kommen entweder nicht mehr, oder sie kritisieren mich.

    Die Vorwürfe beziehen sich auf meine ausdrückliche Unterstützung für Russland, für die russische Regierung, für die russische Kultur und für die Menschen in Russland.


    Dass alle Brücken der Verständigung mit Russland in diesen schwierigen Zeiten abgerissen werden, ist außerordentlich deprimierend. Alle verantwortungsvollen Deutschen sollten jetzt Stellung beziehen.


    Wir alle sollten wissen, dass Kriege eine Katastrophe bedeuten, für alle Beteiligten. Aber der Krieg, den Russland jetzt in der Ukraine führt ist die Fortsetzung eines Krieges, den die Ukraine tatsächlich bereits 2014 begonnen hat.


    Nach dem gewaltsamen Umsturz im Februar 2014 begann die extrem russlandfeindliche rechtsextreme Putsch-Regierung in Kiew, Krieg gegen Teile ihrer eigene Bevölkerung zu führen. Einen Krieg gegen die russischsprachige Bevölkerung der Ukraine. Die russische Sprache und Kultur wurde eingeschränkt, es kam zu einem faschistischen Massaker in Odessa im Mai 2014 mit über 40 Toten, es gab Entführungen, Verhaftungen und Folter. Rechte und faschistische Strukturen gruben sich immer tiefer ein, in das Militär, in die Polizei und in den Geheimdienst. Der überwiegende Teil der westlichen Staaten und auch Deutschland unterstützte diese Entwicklungen, in seinem Bestreben Russland zu schwächen und zu dämonisieren.


    Russland wollte diesen Krieg nicht, hat vielmehr immer und immer wieder ein Ende der Gewalt gegen seine Bürger gefordert.

    Moskau stellte zuletzt konkrete Bedingungen: Vertraglich gesicherte Neutralität der Ukraine. Garantie für den Nichtbeitritt der Ukraine in die NATO. Abzug westlicher Waffen aus der Ukraine. Darauf wurde in keiner Weise eingegangen. Sowie zuvor bereits das Minsk-2 Abkommen nicht umgesetzt wurde. Dann kam es noch vor der Invasion Russlands zur Intensivierung der Angriffe aus Kiew auf die Volksrepubliken.


    Jetzt hat sich der Konflikt ausgeweitet und jeder anständige Deutsche sollte Stellung beziehen. Jeder sollte jetzt seine Solidarität mit Russland zum Ausdruck bringen. Die rechte Regierung in Kiew sollte jetzt und zwar sofort aufgeben. Keine Waffen an die Ukraine!

    Berlin am 28. April 2022
    Heinrich Bücker


    Siehe auch:
    Stellungnahme zum Ukraine-Russland Konflikt (Coop Antikriegscafe Berlin)
    https://cooptv.wordpress.com/2022/02/28/stellungnahme-zum-ukraine-russland-konflikt-coop-antikriegscafe-berlin


    Info: https://cooptv.wordpress.com/2022/04/28/stellungnahme-zur-zunehmenden-russophobie-in-deutschland-und-zu-den-anfeindungen-gegen-das-coop-antikriegscafe-berlin-heinrich-bucker


    unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

    28.04.2022

    Diverse Nachrichten (26., 27.,28. April)

    aus e-mail von Doris Pumphrey, 28. April 2022, 14:02 Uhr


    *Stellungnahme der Russischen Botschaft zu Mitteilungen, dass die Teilnahme russischer offizieller Vertreter an Gedenkveranstaltungen anlässlich der Befreiung von Konzentrationslagern in Deutschland unerwünscht ist <https://russische-botschaft.ru/de/2022/04/26/stellungnahme-der-russischen-botschaft-zu-mitteilungen-dass-die-teilnahme-russischer-offizieller-vertreter-an-gedenkveranstaltungen-anlaesslich-der-befreiung-von-konzentrationslagern-in-deutschland-u/>

    *26.4.2022


    Bei der russischen Botschaft in Deutschland sind Mitteilungen deutscher Stiftungen eingegangen, die Gedenkstätten ehemaliger Nazi-Konzentrationslager in Deutschland, unter anderem Buchenwald, Dachau, Sachsenhausen, Ravensbrück und weitere, betreuen. In diesen Mitteilungen wird nachdrücklich gebeten, auf unsere Teilnahme an traditionellen offiziellen Gedenkveranstaltungen anlässlich der anstehenden Jahrestage ihrer Befreiung durch die alliierten Truppen zu

    verzichten.


    Wir sind zutiefst enttäuscht über diese Entscheidungen, die wegen der aktuellen politischen Konjunktur getroffen wurden. Sie sind mit der deutschen Erinnerungskultur unvereinbar, widersprechen der historischen russisch-deutschen Aussöhnung und sind für die Zusammenarbeit unserer Länder im Bereich Kriegsgräberfürsorge und Gedenkarbeit kontraproduktiv.


    Die Mitarbeiter russischer Auslandsvertretungen in Deutschland werden eine Möglichkeit finden, der Opfer von Nazi-Konzentrationslagern und der sowjetischen Soldaten, die den entscheidenden Beitrag zur Befreiung Europas vom Nazismus geleistet hatten, gebührend zu gedenken.



    https://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/518983/Ungarische-Tageszeitung-Ukraine-Krieg-laeutet-Untergang-der-USA-ein

    27.4.2022

    *Ungarische Tageszeitung: Ukraine-Krieg läutet Untergang der USA ein*


    "Jene unipolare Weltordnung, in der sich die USA alles erlauben konnten und auch erlaubten, ist am Ende", prognostiziert die als regierungsnah geltende Budapester Zeitung.


    Die als regierungsnah geltende Budapester Tageszeitung "Magyar Nemzet" sieht im russischen Angriffskrieg in der Ukraine den Anfang vom Ende einer von der bisherigen Weltmacht USA dominierten Welt. "Jene unipolare Weltordnung, in der sich die USA alles erlauben konnten und auch erlaubten", beteuert die ungarische Zeitung, sei am Ende – das sei sie spätestens seit dem Kriegsbeginn am 24. Februar, der durch den russischen Überfall auf die Ukraine besiegelt wurde.


    "Oder vielleicht schon seit 2014, als sich die Russen im Gefolge des CIA-Putsches in der Ukraine die Krim zurückholten", fügt die Tageszeitung hinzu. Vor ihrer Schließung aufgrund finanzieller Gründe und ihrer darauf folgenden Umbenennung galt sie als letzte überregionale Zeitung, die nicht im Besitz von Vertrauten des ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orban war.


    Es sei offensichtlich, heißt es weiter im Artikel, dass "die ukrainische Marionettenregierung der Amerikaner seitdem alle roten Linien überschritten" habe. Nicht der Friede, sondern der Krieg sei das Ziel gewesen. Den russisch-ukrainischen Krieg reduziert die Tageszeitung zu einem "amerikanisch-russischem" Krieg, der "das Gestrampel eines versinkenden Imperiums" sei, das seinen Untergang hinauszögern wolle.


    "Doch der ist unvermeidlich", resümiert die Magyar Nemzet. Mag diese Interpretation der Vorgänge in der Ukraine auch von einer unkritischen Perspektive auf Russland geprägt sein, so wird ihre geopolitische Grundthese, die Verschiebung fort von einer "unipolaren" zu einer "multipolaren" Weltordnung, breit diskutiert.


    Zu den Überlegungen über potenziell nahende geopolitische Umbrüche gesellt sich in der öffentlichen Debatte dabei nicht selten auch die Rede von einem "Ende der Globalisierung", wie der Blackrock-VorstandsvorsitzendeLarry Fink

    <https://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/518383/Blackrock-Chef-Ukraine-Krieg-markiert-das-Ende-der-Globalisierung>  es erst kürzlich verkündet hatte. Wirtschaftsforscher argumentieren dagegen <:" rel="noopener">https://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/518694/Der-Welthandel-befindet-sich-im-Abschwung-und-mit-ihm-die-Globalisierung>:  Die Globalisierung ende nicht, sondern verändere sich lediglich. Und, dass sich etwas verändert, darüber sind die meisten Prognostiker sichwohl einig.



    https://test.rtde.live/international/137219-chinas-und-irans-verteidigungsminister-geben/

    28.4.2022

    *Chinas und Irans Verteidigungsminister geben US-Hegemonie Schuld an wachsender Unsicherheit


    *Bei einem Treffen in der iranischen Hauptstadt Teheran besprachen die Verteidigungsminister beider Staaten Pläne, ihre militärische Zusammenarbeit weiter auszubauen. Die Streitkräfte Chinas und Irans würden eine wichtige Rolle bei der Einschränkung des willkürlichen Vorgehens der USA spielen.


    Die Verteidigungsminister Irans und Chinas haben die Vereinigten Staaten beschuldigt, mit ihren einseitigen Zwangsmaßnahmen in der Welt Unsicherheit und Instabilität zu verbreiten, wie die iranische Nachrichtenagentur /Tasnim/ berichtete. Die Regierungsvertreter beider Staaten besprachen zudem Pläne für eine engere Zusammenarbeit zwischen der Volksrepublik China und der Islamischen Republik Iran im Bereich des Militärs und der Verteidigungspolitik.


    An der Spitze einer hochrangigen Militärdelegation kam Chinas Verteidigungsminister General Wei Fenghe am Mittwoch in Teheran an und traf sich mit seinem iranischen Amtskollegen, Brigadegeneral Mohammad Reza Ashtiani.


    Wei und Ashtiani erklärten, engere bilaterale Beziehungen würden die regionale und internationale Stabilität und Sicherheit stärken. Ashtiani hob die iranische Politik des Ausbaus der Beziehungen zu den benachbarten und asiatischen Staaten hervor und sagte, die "strategische und wichtige" Zusammenarbeit zwischen Iran und China habe ihre Wurzeln in ihren historischen und zivilisatorischen Beziehungen und ihren gemeinsamen Ansichten über internationale Entwicklungen.


    Der iranische Verteidigungsminister bezeichnete die expansionistische und suprematistische Politik des Westens als Hauptursache für die Sicherheitskrisen in der Welt und betonte die Notwendigkeit, der Hegemonie der USA in der Welt durch die Stärkung des Multilateralismus entgegenzuwirken. Der iranische General sagte: /"Die gemeinsamen Sicherheitsherausforderungen und -bedrohungen können durch Interaktion und Zusammenarbeit zwischen den unabhängigen Ländern, die sich dem Unilateralismus in der Welt widersetzen, bekämpft werden."/


    Die militärische Präsenz der USA in allen Teilen der Welt habe nur eine Welle der Unsicherheit, der Instabilität, der Meinungsverschiedenheiten, des Zynismus, der Kriege, der Zerstörung und der Vertreibung ausgelöst, so der iranische General.


    Der chinesische Verteidigungsminister erklärte seinerseits, er sei nach Iran gereist, um die strategische Verteidigungszusammenarbeit zwischen den beiden Ländern auszubauen. General Wei zufolge zeige seine Reise nach Teheran mit einer Gruppe chinesischer Militärs, wie strategisch und tief verwurzelt die Beziehungen zwischen China und Iran seien.


    Das hegemoniale und einseitige Vorgehen der USA sei die Ursache vieler Kriege und von Unsicherheit in der Welt, so Wei. Der General fügte hinzu, dass die Zusammenarbeit zwischen den Streitkräften Irans und Chinas eine wichtige Rolle bei der Vereitelung dieses Vorgehens der USA

    und bei der Bekämpfung des Terrorismus spielen werde.



    https://de.news-front.info/2022/04/28/eine-private-us-militarfirma-experte-dmitri-absalow-enthullt-das-wesen-der-ukrainischen-streitkrafte/

    28.4.2022

    *«Eine private US-Militärfirma»: Experte Dmitri Absalow enthüllt das Wesen der ukrainischen Streitkräfte*


    Die Vereinheitlichung der ukrainischen Streitkräfte nach den Standards des Nordatlantischen Bündnisses stellt eine Bedrohung für das russische Militär dar, das an Spezialoperationen beteiligt ist, so der Leiter des Zentrums für strategische Kommunikation, Dmitri Absalow, vorsichtig. **Dem Experten zufolge sind die ukrainischen Streitkräfte seit Langem ein privates Militärunternehmen, das unter dem aktiven Kommando der Vereinigten Staaten von Amerika steht.


    Die ukrainischen Kämpfer haben acht Jahre lang detaillierte Anweisungen und ein intensives Training unter der klaren Anleitung amerikanischer Ausbilder durchlaufen, wobei eine der Hauptaufgaben darin bestand, den Ukrainern die Fähigkeiten beizubringen, so lange wie möglich im Kampf zu bleiben.


    Die Situation könnte noch komplizierter werden, wenn die USA beginnen, das Personal der Nordatlantischen Allianz mit Waffen zu versorgen. «Wer, glauben Sie, betreibt Drohnen und hoch entwickelte Ausrüstung in der Ukraine?» — fragt der Experte. Dahinter verbirgt sich ein deutlicher Schatten der direkten Beteiligung von Soldaten des Nordatlantikblocks an der Konfrontation mit den russischen Streitkräften auf Seiten der ukrainischen Kämpfer — daran hat

    der Experte keinen Zweifel.


    Es ist erwähnenswert, dass nach den vorliegenden Informationen Mitarbeiter der westlichen Sonderdienste und aktive Offiziere der NATO-Länder intensiv ausländische Söldner für die Ukraine ausgebildet haben.


    unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

    28.04.2022

    Der Ukrainekrieg deckt die massiven Fehleinschätzungen der US-Regierung im endlosen Krieg nach 9/11 auf, EU-Europa muss handeln.

    nachdenkseiten.de, vom 27. April 2022 um 11:00 Ein Artikel von Michael Bildhalter

    Vorbemerkung: Schreitet das Imperium USA zu neuen Höhen, wie man z.B. angesichts der Einladung nach Ramstein und des Auftretens der US-Vertreter in Ramstein denken könnte, oder geht es abwärts, wie viele Zeitgenossen meinen. Unser Autor beschreibt, was er sieht: Niedergang. Albrecht Müller.


    Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verfügbar. Audio-Player

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    Der endlose Krieg

    In der Ukraine versucht Wladimir Putin mit militärischen Mitteln die Ergebnisse eines weiteren in einer endlosen Reihe amerikanischer Regimewechsel-Kriege am Rande Eurasiens – von Osteuropa über den Nahen Osten bis Zentralasien – umzukehren. Diese Bemühungen der USA begannen nach den Anschlägen auf das World Trade Center in New York am 11. September 2001. Um den damaligen Staatssekretär im US-Verteidigungsministerium, Paul Wolfowitz, damals mit Blick auf den Nahen Osten, zu zitieren, dienten die Kriege dort dazu, “ehemalige sowjetische Klientelstaaten in der Region auszuschalten, bevor die nächste Supermacht kommt”. Diese potenzielle Supermacht ist, wie sich inzwischen herausgestellt hat, China.


    In den USA wuchs schon lange vor dem Ukrainekonflikt erheblicher Widerstand gegen den endlosen Krieg heran. Dieser wird aber nach wie vor durch die Unterstützung eines Großteils des politischen Spektrums ermöglicht und vorangetrieben. Insbesondere ist hier die Demokratische Partei zu nennen, die sich unter der Führung von Barack Obama, Joe Biden und Hillary Clinton inhaltlich von den klassischen Zielen der politischen Linken – Internationalismus, universelle Menschenrechte, Abmilderung der sozialen Folgen des Kapitalismus – distanziert hat. Heute treibt die Partei die Neuaufteilung der Welt in “wir gegen sie” voran, führt Regimewechsel-Kriege unter dem Deckmantel der Menschenrechte und lehnt historische sozialdemokratische Politik in wesentlichen Teilen ab. Die Partei John F. Kennedys schwang sich auf bizarre Weise zur Führerin dessen, was viele Beobachter als “Kriegspartei” bezeichnen, auf.


    Die Verschiebung der ehemaligen amerikanischen politischen linken Mitte nach rechts ist ein direktes Ergebnis des wachsenden Einflusses dessen, was Präsident Dwight D. Eisenhower den militärisch-industriellen Komplex nannte. Nach dem 11. September erfuhr dieses Amalgam von Militär, Geheimdiensten, Bürokratien und Industrien durch George W. Bush eine extreme Steigerung seines Budgets, das heute dasjenige aller restlichen Länder der Erde zusammengenommen übertrifft. Begünstigt wurde diese Remilitarisierung der USA trotz des Endes des Kalten Krieges dadurch, dass alle US-Präsidenten seit Ronald Reagan, mit Ausnahme von Donald Trump, enge Verbindungen zu Militär oder Geheimdiensten pflegten. Nach 2001 wurde von jeder neu das Amt antretenden Regierung unabhängig von der Parteizugehörigkeit des Präsidenten erwartet, die vorgezeichnete Agenda des endlosen Krieges weiter zu verfolgen und damit das zugewiesene Budget zu rechtfertigen. Diese Kontinuität der Regierung erklärt beispielsweise, warum heute in der Biden-Regierung Victoria Nuland arbeitet, eine Neokonservative, die bereits unter George W. Bushs Vizepräsident Dick Cheney den Irak-Krieg mitinitiiert hatte.


    Es war Frau Nuland, die 2014 als Unterstaatssekretärin im State Department unter Obama den Kiewer Putsch gegen den gewählten Präsidenten Wiktor Janukowytsch säte und nun unter Biden 2022 einen ausgewachsenen Krieg um die Ukraine erntet. Und ein Putsch war es und keine demokratische Entscheidung der Ukrainer, wie unter vielen der Chef der „privaten CIA“ Stratfor, George Friedman, einräumte. Man mag argumentieren, dass ein offener Krieg mit Russland bereits damals einkalkuliert war. Allerdings weist der aktuell offenbarte mangelhafte Ausbildungs- und Ausrüstungsstand der Kiewer Armee darauf hin, dass man auf dieses Szenario seitens der USA nicht wirklich vorbereitet war. Der Fall Ukraine zeigt deutlich auf, wie sehr die Washingtoner Bürokratie inzwischen mit den Herausforderungen des endlosen Kriegs überfordert ist. Allzu offensichtlich sind die Rückschläge, verursacht durch einerseits zunehmenden wirtschaftlichen, politischen und militärischen Widerstand seitens der Zielländer und andererseits eine bröckelnde Phalanx der Allierten.


    Zunehmender Widerstand

    Ohne den Einmarsch Putins in die Ukraine in irgendeiner Weise aufzuwerten oder zu rechtfertigen, wäre jede russische Regierung letztlich gezwungen gewesen, auf die Bedrohung durch den endlosen Krieg in Afghanistan, Irak, Syrien, Libyen und der Ukraine militärisch zu reagieren. Was das US-Verteidigungsministerium und Denkfabriken wie RAND heute als ein wiedererstarktes, aggressives Russland beschreiben, ist das Ergebnis ihrer eigenen Taktik der letzten 20 Jahre. In einer RAND-Studie aus dem Jahr 2019 werden beispielsweise sechs regionale Angriffsrichtungen auf Russland in einem Zermürbungskrieg beschrieben.[1] Putins Invasion in der Ukraine dient nun dazu, drei von ihnen auszuschalten: die wirtschaftliche Strangulierung der ethnisch russischen Bevölkerung in Transnistrien (einem Teil der Republik Moldau in der Nähe von Odessa), den Regimewechsel in Weissrussland und den für März 2022 geplanten finalen Angriff im ukrainischen Bürgerkrieg auf die in Abspaltung befindliche Region des Donbass.


    Dieser letztere, von der ukrainischen Regierung mit verdeckter Unterstützung der USA hauptsächlich gegen ethnische Russen und russischsprachige Ukrainer geführte Krieg hatte zwischen dem Kiewer Regimewechsel 2014 und dem russischen Einmarsch im Februar 2022 wahrscheinlich mehr als zehntausend zivile Opfer gefordert. Die Bevölkerung zwischen Mariupol, Donezk und Lugansk, die sich 2014 in einem Referendum für den Anschluss an Russland ausgesprochen hatte, wurde faktisch seinerzeit vom neu in Kiew installierten Regime zum Feind erklärt und seitdem entsprechend feindselig behandelt. Hat irgendjemand in den zuständigen amerikanischen Regierungsstellen ernsthaft erwartet, dass Russland eine drohende ethnische Säuberung einer so großen Bevölkerungsgruppe als Konsequenz des geplanten Angriffs akzeptieren würde? Putin wird in Russland dafür kritisiert, dass er zu lange gewartet und versucht hat, einen Ausweg aus dem Bürgerkrieg durch das Minsker Abkommen auszuhandeln, das sowohl Kiew als auch Washington nie umsetzen wollten.


    Die Frage der NATO-Erweiterung wurde von Russland vor langer Zeit auf den Tisch gelegt. Das State Department hat sich entschieden, die offensichtliche historische Vorlage für eine Lösung bezüglich der Ukraine zu ignorieren, nämlich den Vertrag von 1955, durch den Österreich nach dem Zweiten Weltkrieg in die EU, nicht aber in die NATO aufgenommen wurde. Und hat man im Pentagon ernsthaft geglaubt, dass Russland mehrere Dutzend von ihm gesponserte Biolabore mit dubioser Aufgabenstellung in einem instabilen Staat vor seiner Haustür akzeptieren würde, der in einen langjährigen internen Konflikt verwickelt ist? Scheinbar haben die US-Regierungsbeamten vergessen, dass die Ukraine als Nachfolgestaat der Sowjetunion die drittgrößte Atommacht der Welt war, bevor sie im Budapester Memorandum von 1994 auf diese Waffen verzichtete. Im Februar 2022 hatte das Land jedenfalls die technischen Voraussetzungen, um binnen kurzer Zeit Atomwaffen zu entwickeln, und dazu noch vor aller Welt eine mögliche Absicht dazu angedeutet. Auch wenn Putin diese Probleme übertrieben dargestellt haben mag, so erinnert der Irak-Krieg 2003 doch daran, wie stark die USA auf die – dort größtenteils unwesentlichen – Bedrohungen durch Massenvernichtungswaffen reagiert haben. Leider verkennt Washington auch, dass eine voll bewaffnete Ukraine außerhalb der NATO auch für die nationale Sicherheit der USA eine Gefahr gewesen wäre.


    Der Weg vom verdeckten zum offenen Ukrainekrieg, begünstigt durch diese vielen Fehleinschätzungen, wurde durch das fast vollständige Versagen der Kontrolle über die Regierung geebnet. Amerikas Kongress mit seiner sehr begrenzten parlamentarischen Opposition gegen die „Kriegspartei“ ist angesichts einer zunehmenden Neigung, abweichende Meinungen zu zensieren, inzwischen weitgehend dieser Funktion enthoben. Echte politische Opposition findet außerparlamentarisch oder auf Ebene der Bundesstaaten statt, wo oft die außen- und militärpolitische Kompetenz fehlt. Insbesondere der ebenfalls verdeckt geführte, und am Ende gegen den Widerstand Russlands verlorene, Syrienkrieg Obamas wurde nicht aufgearbeitet. Ein völliger Verlust der Ukraine, der immer noch im Raum steht, würde die endgültige Niederlage für dieses zunehmend verkrustete und unbewegliche Regierungssystem bedeuten. Selbst die neue, umfassendere Aufteilung der Ukraine, die einige Gesichter wahrt und von Russland offenbar mit Vorrang verfolgt wird, wird die Probleme offenlegen.


    Bröckelnde Allianzen

    Diese Gründe für die Konfrontation mit Russland liegen für den größten Teil der Welt offen. Einzig die massiv propagandisierten Bevölkerungen und politischen Systeme in Nordamerika und Europa sind kaum in der Lage, sie zu erkennen und zu ihnen eine kritische Diskussion zu führen. Eine Koalition von Schwellenländern hat sich herausgebildet, die konkret den alternativ zur direkten militärischen Intervention geführten Finanz- und Wirtschaftskrieg des Westens gegen Russland ablehnt. Zu allererst steht hier China hinter Russland, weil es weiß, dass es das langfristige Ziel der Regimewechsel-Kriege ist. China wirft den USA offiziell eine Mentalität des Kalten Krieges vor. Aber auch das geopolitisch zunehmend gewichtige Indien beteiligt sich nicht an den Sanktionen. Der ehemalige indische Botschafter in Russland, D. Bala Venkatesh Varma, steht für die dortige Mainstream-Politik, wenn er sagt: “Dies ist kein Konflikt, den wir geschaffen haben”.

    Besonders bitter ist, dass die USA in weiten Teilen des Nahen Ostens ihre Unterstützung verloren haben, nachdem sie Billionen an Staatsgeldern für Kriege in der Region ausgegeben haben. Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate brüskieren Washington mit ihrer Ablehnung von Sanktionen, während sich die Türkei, der historische Erzfeind Russlands, in einer neutralen Vermittlerrolle wiederfindet. Selbst Israel schwankt in seiner Unterstützung für die Haltung der USA in der Ukraine. Die Versuche, die Regimewechsel-Zielstaaten von gestern, den Iran und Venezuela, dazu zu bewegen, mehr Öl zu fördern, sehen erbarmungswürdig aus. Schließlich werden sich Lateinamerika, darunter Schwergewichte wie Mexiko und Brasilien, Afrika einschließlich Südafrika und die meisten anderen asiatischen Länder, mit Ausnahme der westlichen Exklaven am Rand des Pazifiks, den Sanktionen gegen Russland nicht anschließen. Das rohstoffarme und auf Handel angewiesene Europa hat in dieser Konstellation die Wahl, entweder wirtschaftlichen Selbstmord zu begehen oder die Sanktionen so weit zu verwässern, dass es sich dem Rest der Welt anschließt.


    EU-Europa muss handeln

    Die derzeitige Priorität der US-Regierung scheint darin zu bestehen, diese eklatante geopolitische Schwächung zu ignorieren und sich auf die Konsolidierung seiner politischen Allianz mit Großbritannien und seinen osteuropäischen Verbündeten zu konzentrieren. Das heißt, die Ukraine weiter zu bewaffnen und einen Stellvertreterkrieg gegen Russland bis zum letzten Ukrainer zu führen. Gleichzeitig könnte sie als Reaktion auf den fehlschlagenden Finanz- und Wirtschaftskrieg einen offenen Krieg um die Ukraine beginnen, einschließlich direkter Angriffe auf Russland. Anzeichen für Letzteres gibt es bereits, wie die mysteriöse Versenkung des russischen Kriegsschiffes Moskva und Anschläge auf Versorgungseinrichtungen tief im russischen Hinterland zeigen. Eine Ausweitung selbst ‚nur‘ zu einem regional begrenzten konventionellen Krieg mit dieser neuerlichen Koalition der Willigen – nach Vorbild des russischen Bürgerkriegs Weiße gegen Rote Anfang der 1920er Jahre – würde den Westen politisch zerreißen und Europa um Jahrzehnte zurückwerfen.


    Viele in Europa und insbesondere in Deutschland haben sich der öffentlichen Empörung über die russische Invasion angeschlossen. Darunter sind aber nicht wenige, die insgeheim hoffen, dass die Einsicht in die mit dem Konflikt in der Ukraine offenbar gewordenen Fehleinschätzungen der US-Regierung wächst und im Wahljahr 2022 eine kritische Diskussion der Risiken des endlosen Krieges innerhalb der USA zustande kommt. Ein republikanisch dominierter Kongress könnte den notwendigen Druck auf die Regierung erhöhen, wieder der Diplomatie und dem Handel Vorrang vor militärischer Intervention und Wirtschaftssanktionen einzuräumen und so den Krieg so rasch wie möglich zu beenden sowie akut bedrohte Allianzen mit Schwellenländern wieder zu stärken.


    Mit einer solchen Taktik würde man auf strategischer Ebene den seit 22 Jahren regierenden und wahrscheinlich amtsmüden Putin mangels Bedrohung russischer Interessen überflüssig machen und die russische Bindung an China aufweichen. Aber eine rein inner-amerikanische Diskussion wird angesichts der Schwächung des politischen Systems nach über 20 Jahren des endlosen Krieges für das Heranreifen neuer Ansätze nicht mehr ausreichen: vor allem EU-Europa muss, anstatt sich unter dem Trommelwirbel der Propaganda wegzuducken, im Eigeninteresse auf einen kurzfristigen Wandel in Washington drängen, um die dem Kontinent drohende wirtschaftliche, politische und vielleicht sogar militärische Katastrophe noch abzuwenden.


    Der Autor ist finanz- und wirtschaftspolitischer sowie geopolitischer Analyst mit 30 Jahren Berufserfahrung in über 50 Ländern weltweit, darunter fast allen Nachfolgestaaten der Sowjetunion. Er schreibt unter Pseudonym.

    Titelbild: Claudine Van Massenhove / Shutterstock


    [«1] media.washtimes.com/media/misc/2019/04/24/RAND_RR3063.pdf

    https://media.washtimes.com/media/misc/2019/04/24/RAND_RR3063.pdf


    Info: https://www.nachdenkseiten.de/?p=83289


    unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

    28.04.2022

    Rüstungsexporte in die Ukraine
    Ist das alles, was von der Friedensbewegung in
    Deutschland übrig geblieben ist?

    spiegel.de, 28.04.2022, 11.37 Uhr, Eine Kolumne von Sabine Rennefanz

    Warum Waffenlieferungen aber trotzdem nicht die Lösung sind.


    Zitat: Frieden kann man kaufen – neuerdings beim Bäcker, für 3,99 Euro. So viel kostet das »Peace«-Brot, ein runder Roggenlaib, der mit einem Peace-Zeichen bestaubt wurde. Verkauft wird es von einem Berliner Ökobäcker. Es verkauft sich gut, sagt die Verkäuferin. Friedensbewegung als Konsumakt.


    Ist das alles, was von der Friedensbewegung, die einmal in Deutschland so mächtig war, übrig gebliebenist? Im Westen demonstrierten in den frühen Achtzigerjahren Zehntausende gegen Aufrüstung, auch die Grünen verstanden sich lange als Friedenspartei. Im Osten Deutschlands entstand aus den kirchlichen friedensbewegten Gruppen die Opposition, die schließlich zum Fall der Mauer 1989 beitrug.


    Deutschland sah sich auch nach 1989 als pazifistischer Handelsstaat. Joschka Fischer, der grüne
    Außenminister, der mehr militärischen Einsatz forderte, galt nicht als Visionär, sondern als

    Kriegstreiber. In den vergangenen Wochen und Monaten passierten dramatische Veränderungen – und die deutsche Friedensbewegung wirkt hirntot, sprachlos. Gibt es sie überhaupt noch? Oder braucht man sie nicht mehr, so wie Telefonzellen und Pferdekutschen?


    In den Kolumnen, Talkshows und Leitartikeln überschlugen sich in den vergangenen Tagen die
    Forderungen nach Waffen für die Ukraine. Am lautesten rief dabei ausgerechnet der grüne
    Bundestagsabgeordnete Anton Hofreiter, unterstützt von einem lauten Chor von Journalisten,
    Aktivisten, Wissenschaftlern auf Twitter. Auf dem Kanal ist zwar nur ein kleiner Bruchteil der

    Bevölkerung vertreten, aber ein wortgewaltiger.


    Wer nach Frieden fragt, hat es derzeit schwer, durchzudringen, ohne mundtot gemacht zu werden.


    Und schließlich gab die Bundesregierung dem öffentlichen Druck nach, nachdem sie noch am

    Montag Waffenlieferungenausgeschlossen hatte. Waffen gleich Frieden, es scheint im Moment keine andere Gleichung in der deutschen Öffentlichkeit zu geben. An den Abendbrottischen der Republik wird über die Vor- und Nachteile von Füchsen, Mardern, Geparden und Leoparden gestritten.


    Der Tod der Friedensbewegung hat einmal damit zu tun, dass der öffentliche Diskurs von einer
    seltsamen Einseitigkeit geprägt ist, die erschreckt, die aber viele schon so komplett als normal

    verinnerlicht haben, dass sie gar nicht mehr hinterfragt wird. Wer nach Frieden fragt, hat es derzeit schwer, durchzudringen, ohne mundtot gemacht zu werden. Man steht ständig unter Druck, sich positionieren zu müssen. Und zwar auf der »richtigen Seite«. Pazifist ist ein Schimpfwort geworden.


    Pazifisten sind im besten Fall die neuen Lachnummern der Nation – oder Schlimmeres. Der Netzexperte und Autor Sascha Lobo beschreibt Pazifisten als selbstgerechte Lumpen. Es klingt, als sollte Pazifismus eigentlich strafbar sein.


    Info: https://www.spiegel.de/politik/deutschland/krieg-in-der-ukraine-der-tod-der-friedensbewegung-kolumne-a-91e1f053-19ec-4c45-88b0-1c1dfc88f770
    28.04.2022

    Auf dem Weg zur Meinungsdiktatur?

    nachdenkseiten.de, 28. April 2022 um 10:00 Ein Artikel von Michael Fitz

    Nach der Lektüre von Sheldon S. Wolins umfangreichem Werk zum „Umgekehrten Totalitarismus“ und auch Ulrike Guérots neuem Buch „Wer schweigt, stimmt zu“ müssten eigentlich in intellektuellen Kreisen unserer Gesellschaft die Alarmlichter aufleuchten. Deutlicher kann einem die gegenwärtige Situation nun wirklich nicht vor Augen gehalten werden. Was brauchen wir denn noch, um zu verstehen, wie es derzeit wirklich um Demokratie und vor allem um die Meinungs- und Pressefreiheit in diesem Land steht? Selbstverständlich können Sie Ihre Meinung öf fentlich äußern, allerdings werden Sie nicht gehört, zumindest nicht auf ganzer Breite. Ganz egal ob Sie nun Ulrike Guérot oder Wolin heißen oder sonst jemand sind, dessen kluge und umfassende Expertise zu anderen Zeiten durchaus gefragt gewesen wäre. Die NachDenkSeiten, diesbezüglich ein recht einsamer Leuchtturm, und einige andere publizistische Plattformen wirken derzeit wie Inseln in einem großen Meer der Gleichschaltung. Das ist ein stiller Ozean, da gibt es kaum Gegenbewegung zur angeblich vorherrschenden Mehrheitsmeinung und ebenso wenig oder selten kritische Betrachtungen konträr oder abweichend zum politischen Kurs der sogenannten Mitte. Von Michael Fitz.


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    Zitat: Weglassen, Verschweigen, Ausfiltern von unliebsamen Fakten und Theorien ist auch Zensur. Die findet derzeit auch und vor allem in den öffentlich-rechtlichen Medien statt, die ja bekanntlich ihr Existenzrecht vor allem aus ihrer angeblich vorbildlichen, neutralen und objektiven Berichterstattung ableiten, soweit zumindest das im Brustton der Überzeugung formulierte Selbstbild. Ganz zu schweigen von eigentlich ja selbstverständlichen, journalistischen Qualitäten. Mit Sorgfalt, Neutralität, Ausgewogenheit (außer im Kommentar) scheinen nicht erst im Zuge der Corona-Pandemie beinah alle handwerklichen Grundsätze der einstmals so stolzen, vierten Gewalt vollständig über Bord gegangen zu sein.


    Wenn Sie Ihre Meinung ausschließlich auf Basis dessen bilden, was Sie in der Tagesschau, in ZDF-Heute oder auch im Spiegel, in der Süddeutschen oder der FAZ „berichtet“ bekommen, dann müssen Sie derzeit geradezu Putin-Hasser sein, bereits an akuter Russo-Phobie leiden oder auf jeden Fall eine kriegerische Auseinandersetzung zwischen Russland und der Nato förmlich herbeisehnen.


    Eine qualitative Etage darunter (z.B. bei T-Online) wird es gerne regelrechte Russenhetze, vor allem gegen Putin, dem man inzwischen wie selbstverständlich das unschöne Etikett „Kriegsverbrecher“ anheftet. An einen ähnlichen Orkan der moralischen Entrüstung kann ich mich im Zusammenhang mit allen nach 2001 von den USA und der Koalition der Willigen, unter argumentativer Nutzung von inzwischen erwiesenen Lügen, vom Zaun gebrochenen, völkerrechtswidrigen Kriegen nicht erinnern. Diejenigen, die hier zu den Ausnahmen gehören oder gehörten, mögen mir verzeihen, ob dieser Pauschalkritik. Ein anderes Meinungsbild bekommen Sie, bis auf wenige Ausnahmen, derzeit nicht vermittelt.


    Fast jede Meldung, jeder Bericht schließt den Kommentar in die vorgegebene politische Sichtweise und Richtung bereits ein. Das ergibt sich durch Behauptungen, die man der Opportunität halber bereits als erwiesen darstellt, durch Weglassen teils wichtiger Informationen und Hintergründe und geschieht meist nicht ohne die sich daraus ergebende Geschichtsverbiegung, um es mal ganz charmant zu bezeichnen.


    Man muss kein Fan des Altkanzlers Schröder sein, über den derzeit die Lanze allenthalben gebrochen wird, man muss die von ihm erwirkten Änderungen in unserem Sozialsystem, die Deregulierung des Finanzmarktes als die hervorstechendsten seiner innenpolitischen Leistungen für dieses Land nicht gut finden. Aber nein, daran arbeitet sich derzeit interessanterweise niemand ab.


    Allerdings wäre er als politische Figur, die durch seine persönliche Nähe zu Putin und seiner Nomenklatura einen hervorragenden Kontaktweg dorthin darstellen würde, ausgesprochen wertvoll, vor allem für seine Partei und den Kanzler Scholz, den diese im Augenblick stellt. Was derzeit passiert, ist jedoch Schröder-Bashing auf allen Kanälen, ein Shitstorm, der durch sämtliche Leitmedien fegt und versucht, diesen Mann vollständig zu diskreditieren Aber auf jeden Fall einen Ausschluss aus der SPD zu erwirken.


    Man arbeitet sich ab an seiner Nähe zu Putin, seiner wirtschaftlichen Verflechtung – so als ob das Schlimmste, was man sich derzeit leisten könnte, ein „Freund oder Versteher Putins“ zu sein. Nebenbei gesagt ist es ein Skandal, dass prominente Künstler, denen eine Nähe zu Putin nachgesagt wird, in Deutschland von ihren Arbeitgebern öffentlich auffordert werden, sich zu distanzieren. Das tönt wie Inquisition im tiefsten Mittelalter, nach dem Motto „Schwöre ab, Sünder!“. Gerade Gerhard Schröder wäre derzeit als einer der wenigen Polit-Prominenten in der Lage, einen inoffiziellen oder diplomatischen Gesprächskontakt zur russischen Seite herzustellen und Verhandlungen zur Beendigung herbeizuführen, gerade wegen seiner wirtschaftlichen Verflechtungen. Offenbar will das niemand. Offenbar will oder darf niemand verhandeln, weil das ganz und gar nicht in die Hegemonial-Interessen der USA zu passen scheint, deren verdrehte Geschichts-Sicht und Doktrin nicht zuletzt durch die deutschen Leitmedien, vor allem die großen Presseagenturen, unhinterfragt übernommen und so verantwortungslos wie propagandistisch auf allen Kanälen Tag für Tag verbreitet werden. Inzwischen werden Kanzler Scholz und die ganze SPD dafür in Sippenhaft genommen, dass man, was die Lieferung schwerer Waffen in die Ukraine angeht, eine eher vorsichtige und ablehnende Haltung an den Tag legt. Aber der Druck wird durch die mit der Bundesregierung nicht abgesprochene Einladung des US–Außenministers an 40 potentielle (Waffen-)Geberländer nach Ramstein – die Air-Base befindet sich übrigens auf deutschem Territorium – doch mal vorbeizuschauen und das Scheckbuch mitzubringen, noch wachsen. Es ist unbegreiflich, wie sich hier eine komplette Bundesregierung, samt grüner Außenministerin, einfach übergehen lässt.


    Es ist auch unfassbar, dass der Botschafter der Ukraine in Deutschland medial dermaßen die Strippen zieht und für seine Unverschämtheiten gegen Amtsträger noch nicht einmal ermahnt wird. Offenbar hält hier jemand seine schützende Hand über Herrn Melnik und seine politische Agenda, so dass er weiterhin die Axt im Walde sein darf.


    Jeder, der selbst denken kann, muss sich angesichts dessen fragen, ob er einen auf europäischem Boden, möglicherweise mit Atomwaffen ausgetragenen Krieg für wünschenswert hält oder nicht und wessen Interessen ein solcher Krieg letztlich dienen würde. Dass nun die meisten und die willigsten Befürworter für die Lieferung von schweren Waffen in die Ukraine ausgerechnet einer Partei angehören, die einst – das ist lange her – aus der Friedensbewegung erwachsen ist, kann man inzwischen als Treppenwitz der Geschichte bezeichnen, seinerzeit durch Fischers Ja zum völkerrechtswidrigen Serbien-Bombardement der NATO bereits angelegt. Dass nun der Begriff Pazifismus von Medien und allerlei Experten als altmodisch und nicht mehr zeitgemäß interpretiert wird, genauso wie z.B. soziale Gerechtigkeit oder soziale Marktwirtschaft unermüdlich als gestrig und fehlgeleitet bezeichnet wird, passt haargenau in das Phänomen, das Wolin in seinem Buch mit dem Wort „ausgehöhlte Demokratie“ bezeichnet. Konkurrierende Ideen und Weltbilder werden einfach so lange als abseitig dargestellt, bis eine (Wähler-)Mehrheit das als Gegebenheit hinnimmt.


    Genauso wird es, und das geschieht bereits, der von Brandt seinerzeit im Überbegriff Entspannungspolitik zusammengefassten Idee der guten Nachbarschaft und friedlichen Co-Existenz mit Russland gehen. Klaus von Dohnanyi, als offenbar letzter Fels dieser Strömung in der SPD, formuliert das ganz klar und ohne Schnörkel, wie es einem „elder statesman“ gebührt: „Wir müssen Putin verstehen, wenn wir zu einer diplomatischen Lösung dieses Konfliktes kommen wollen.“

    Das bedeutet, dass wir alle, auch der taz-, SZ-, FAZ-Leser – und wie sie alle heißen – und der Tagesschau- und Heute-Seher erfahren und wissen müssen, wie dieser Konflikt entstanden ist, in wessen Interessen er anno 2014 vom Zaun gebrochen wurde, was das für die russische und europäische Sicherheitsarchitektur bedeutet und warum das noch nie ein regionaler Konflikt war. Wissen ist nunmal die Basis für jedwede Meinungsbildung.


    Durch Weglassen, Verschweigen und Vereinfachen entsteht hier, gerade durch die sogenannten Leitmedien ein völlig falsches Bild. Ein Bild, das offenbar gewollt und erwünscht ist, um eigene geopolitische und wirtschaftliche Interessen durchzusetzen. Hinweise darauf finden sich in allen einschlägigen strategischen Planungskonzepten von US-Regierungs- und Nato-Gremien und sogenannten unabhängigen, aber politisch ganz klar ausgerichteten Think-Tanks in den USA und Europa, die teilweise schon weit vor 2014 vorlagen und die Politik der Nato und nun auch Europas maßgeblich beeinflussen. Hier zu forschen und Erkenntnisse zu gewinnen und zu publizieren, insbesondere auch in Schulbüchern und Unterrichtsmaterial für Kinder und Jugendliche, das wäre eine wirklich lohnende und angemessene Aufgabe für den sogenannten Qualitätsjournalismus. Leider beschäftigt sich der aber derzeit ausschließlich mit Propaganda, das heißt mit der Verbreitung von opportunen Halb-Wahrheiten und ebenso Halb-Lügen, die die jüngste Geschichte meist förmlich verbiegen. Ausgestattet mit wirtschaftlicher Macht und dem entsprechenden Geld kann man offenbar alles kaufen und jede noch so absurde und zerstörerische Idee in der öffentlichen Meinung implementieren. Wenn es sein muss, kann man offenbar auch ganze, einstmals auf ihre kritische Berichterstattung so stolze Presse-Konglomerate kaufen und instrumentalisieren.


    Ausgetragen wird das alles auf dem Rücken einer dem täglichen Grauen eines Krieges in und um das eigene Land ausgesetzten ukrainischen Bevölkerung, dem diese hilflos ausgeliefert ist. Waffenlieferungen, egal von wem und welcher Art, werden diesen Krieg letztlich nur verlängern und das Leid der Zivilbevölkerung nur noch steigern. Wie in jedem anderen Krieg auch – siehe Syrien, Afghanistan, Libyen oder Irak.


    Solidarität mit dem ukrainischen Volk heißt eben nicht mehr Waffen liefern, sondern so schnell wie möglich und über alle möglichen Kanäle Gespräche über eine Beendigung dieses Krieges einzuleiten.


    Aber noch ein Wort zu meinem speziellen Künstler-Umfeld. Ich finde es zutiefst beschämend, dass sich in Deutschland aus dieser Ecke bisher noch kein Prominenter zu Wort gemeldet und sein Unbehagen ob der Situation ausgedrückt hat. Bis auf wenige Ausnahmen, z.B. meine streitbare Cousine, der ich dafür großen Respekt zolle. Wo sind denn alle 68er und Baby-Boomer-Linken oder ach so freigeistig gesinnten Künstler, die auch gerne mal alte Arbeiterlieder auf der Bühne anstimmen, abgeblieben? Sind sie untergetaucht? Warten sie auf bessere Zeiten? Die werden, so fürchte ich, nicht kommen. Im Gegenteil.


    Info: https://www.nachdenkseiten.de/?p=83343


    unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

    28.04.2022

    Militärpartner Japan    Kanzler Scholz reist nach Japan, strebt den Ausbau der Wirtschafts- und Militärkooperation an. Die Luftwaffe nimmt im September an Kriegsübungen in der Asien-Pazifik-Region teil.

    german-foreign-policy.com, 28. April 2022

    TOKIO/BERLIN (Eigener Bericht) – Die Bundeswehr wird im September Kampfjets zu Kriegsübungen in die Asien-Pazifik-Region entsenden. Dies bestätigt die Luftwaffe anlässlich eines Besuchs von Bundeskanzler Olaf Scholz in Japan. Demnach werden im September sechs deutsche Eurofighter zu einem Manöver nach Australien aufbrechen und von dort einen Abstecher nach Japan unternehmen. Scholz‘ Reise dient dem Ausbau der deutsch-japanischen Kooperation mit Blick auf die Verschärfung des Machtkampfs des Westens gegen China. Die Bundesregierung will zum einen die deutsch-japanischen Wirtschaftsbeziehungen ausbauen, um die Bedeutung der Volksrepublik für die deutsche Industrie zu relativieren; dabei gilt Japan als fester Teil des westlichen Bündnisses und „konfliktsicher“: Westliche Sanktionen gegen Japan kommen – anders als im chinesischen Fall – nicht in Frage. Zum anderen strebt Berlin eine engere außen- und militärpolitische Zusammenarbeit an. Dazu hielt sich zuletzt die Fregatte Bayern im November 2021 in Yokohama am Eingang zur Bucht von Tokio auf. Die deutsche Militärpräsenz in Japan beginnt sich zu verstetigen.


    Zitat: „Eine Kurskorrektur“In Berlin wird einiger Wert auf die Feststellung gelegt, dass die aktuelle Reise von Kanzler Olaf Scholz nach Japan seine erste Asienreise im Amt ist; mit dieser Tatsache verbinde sich „eine Kurskorrektur“, heißt es.[1] Scholz‘ Amtsvorgängerin Angela Merkel hatte in ihren 16 Jahren im Amt Japan lediglich fünfmal besucht, China hingegen zwölfmal – dies jeweils mit einer großen Wirtschaftsdelegation, um den chinesischen Markt sowie den Produktionsstandort für deutsche Unternehmen zu erschließen. In der deutschen Hauptstadt heißt es nun, Scholz habe für seine erste Chinareise noch nicht einmal einen Termin festgelegt. Einem Kanzlerbesuch in Beijing stünden zur Zeit freilich auch die Restriktionen entgegen, die die Volksrepublik im Kampf gegen die Covid-19-Pandemie aufrechterhält. Ausdruck des Berliner Bestrebens, Japan einen höheren Stellenwert in der deutschen Politik einzuräumen, sei es zudem, dass Scholz regelmäßige Regierungskonsultationen zwischen Deutschland und Japan starten wolle, wird berichtet. Derlei Konsultationen gibt es mit asiatischen Staaten zur Zeit nur im Falle Chinas und Indiens; die nächsten deutsch-indischen Regierungskonsultationen finden am kommenden Montag in Berlin statt.[2]


    Gehemmte Wirtschaftsbeziehungen

    Einen Ausbau der bilateralen Kooperation strebt die Bundesregierung unter anderem auf wirtschaftlichem Feld an. Ähnliche Versuche in den vergangenen Jahren hatten zu keinem echten Fortschritt geführt. Das Volumen des deutsch-japanischen Handels belief sich im vergangenen Jahr auf gut 41,5 Milliarden Euro – kaum mehr als vor zehn Jahren (38,5 Milliarden Euro) und nur ein Sechstel des deutschen Handelsvolumens mit China (245,5 Milliarden Euro). Die deutschen Direktinvestitionen in Japan erreichten im Jahr 2019 nach Angaben der Bundesbank einen Bestand von 15,5 Milliarden Euro; in China inklusive Hongkong belief sich der Wert auf 95,5 Milliarden Euro. Zu den relativ mageren Zahlen kommt hinzu, dass die Stimmung bei den deutschen Unternehmern, die in Japan investiert haben, durch Japans pandemiebedingte Einreiserestriktionen erheblich gelitten hat. Ihretwegen sei Japans „Ruf als ein stabiler und verlässlicher Standort und Partner ... schwer beschädigt worden“, kritisiert ein Vertreter einer deutschen Firma.[3] Einer Umfrage der Deutschen Industrie- und Handelskammer zufolge wollen 13 Prozent der deutschen Firmen ihre Zentrale für das Regionalgeschäft aus Japan in ein anderes Land verlegen. Elf Prozent planen, ihre Aktivitäten in Japan zu verringern, oder haben das schon getan.


    Öl und Gas aus Russland

    Eine zentrale Rolle bei Scholz‘ Gesprächen in Japan spielen die eskalierenden Großkonflikte zwischen dem Westen und seinen asiatisch-pazifischen Verbündeten auf der einen Seite – zu ihnen zählt Japan –, Russland und China auf der anderen Seite. Japan hat sich unter starkem US-Druck dem knappen Viertel aller Staaten weltweit angeschlossen, die Russland nach dessen Überfall auf die Ukraine mit vernichtenden Sanktionen überzogen haben. Allerdings gehört es zugleich zu denjenigen Ländern, die aus Russland Erdöl und Erdgas beziehen; bislang sperrt es sich gegen Forderungen, einen Öl- und Gasboykott zu verhängen. Gewisse Parallelen bestehen dabei zur Position Berlins, das einen solchen Boykott zumindest noch eine Weile hinauszögern will. Tokio hat allerdings darüber hinaus angekündigt, dass es keinesfalls bereit ist, japanische Unternehmen, die in Erdöl- und Erdgasprojekte in Russland investiert haben, zum Rückzug zu nötigen, wie es beispielsweise Großbritannien mit BP getan hat.[4] Scholz will nun die jeweiligen Positionen mit Blick auf den G7-Gipfel abgleichen, der unter deutschem Vorsitz Ende Juni in Elmau stattfinden soll.


    Konfliktsichere Lieferketten

    Erheblich weiter reichen Pläne, die in Berlin zur Zeit mit Blick auf den Machtkampf gegen China geschmiedet werden. So soll nicht nur das deutsche Japangeschäft allgemein gefördert werden, um die hohe Bedeutung Chinas für die deutsche Wirtschaft etwas zu relativieren. Insbesondere hat Berlin Interesse, mit strategisch wichtigen High-Tech-Branchen zu kooperieren. Ziel ist es, die eigenen Lieferketten so zu gestalten, dass sie die Unabhängigkeit der eigenen Industrie von anderen Machtblöcken vergrößern und vor allem bei einer etwaigen Eskalation des Machtkampfs gegen die Volksrepublik nicht kollabieren. Als Negativbeispiel gilt die Abhängigkeit der Bundesrepublik von Erdgasimporten aus Russland, die sich nun wegen der dramatischen Zuspitzung des Konflikts mit Moskau als Nachteil erweist. Japan, ein fester Teil des westlichen Bündnissystems, gilt gerade auch bei einer Zunahme der globalen Spannungen als konfliktsicherer Kooperationspartner. Darüber hinaus heißt es, man könne die Tatsache nutzen, dass die japanische Wirtschaft in Asien „gut vernetzt“ sei; wer mit ihr kooperiere, erhalte leichter Zugänge auch andernorts.[5]


    Mit der Luftwaffe an den Pazifik

    Die deutsch-japanische Kooperation enthält zudem eine militärische Komponente, die seit geraumer Zeit systematisch ausgebaut wird: ebenfalls für den Machtkampf gegen China. Im vergangenen Jahr hielten die Außen- und Verteidigungsminister Deutschlands und Japans zum ersten Mal ein Treffen im sogenannten 2+2-Format ab, um sich außen- und militärpolitisch enger abzustimmen.[6] Anfang April nahm mit Außenminister Yoshimasa Hayashi erstmals ein Japaner an einem Außenministertreffen der NATO teil. Im November vergangenen Jahres traf die Fregatte Bayern im Rahmen ihrer großen Asien-Pazifik-Fahrt in Yokosuka am Eingang zur Bucht von Tokio ein, wo deutsche Militärs nicht nur Übungen mit den japanischen Streitkräften durchführten, sondern auch in Japan verstorbener Soldaten der NS-Marine gedachten (german-foreign-policy.com berichtete [7]). In diesem September wird nun die Luftwaffe sechs Eurofighter zu dem multinationalen Manöver „Pitch Black“ nach Australien entsenden; von dort werden drei Kampfjets nach Japan fliegen – zu einem „Kurzbesuch“, wie es heißt.[8] Für das nächste Jahr ist bereits die zweite Asien-Pazifik-Fahrt der deutschen Marine angekündigt.

     

    [1] Martin Kölling: Tokio statt Peking: Die erste Asienreise des Kanzlers steht für eine Kurskorrektur. handelsblatt.com 27.04.2022.

    [2] S. dazu „Russland isolieren“ (IV).

    [3] Patrick Welter: Japans kleiner Öffnungsschritt. Frankfurter Allgemeine Zeitung 18.02.2022.

    [4] Japan will maintain Russia oil and gas projects: economy minister. asia.nikkei.com 01.04.2022.

    [5] Martin Kölling: Tokio statt Peking: Die erste Asienreise des Kanzlers steht für eine Kurskorrektur. handelsblatt.com 27.04.2022.

    [6] S. dazu Manöver in Ostasien.

    [7] S. dazu Mit der Luftwaffe an den Pazifik.

    [8] Martin Fritz: Kanzlerreise: Deutsche Signale an Japan. dw.com 27.04.2022.


    Info: https://www.german-foreign-policy.com/news/detail/8904

    28.04.2022

    Mariupol: Vorgetäuschte und wahre Barmherzigkeit

    aus e-mail von Doris Pumphrey, vom 27. April 2022, 22:43 Uhr


    https://test.rtde.website/meinung/137002-vorgetaeuschte-und-wahrhafte-barmherzigkeit/

    26.4.2022


    *Mariupol: Vorgetäuschte und wahre Barmherzigkeit

    */Ein Kommentar von Anna Schafran/


    Als die russische Armee Mariupol völlig unter ihre Kontrolle brachte,

    gerieten die verbliebenen ukrainischen Streitkräfte in der Stadt in die

    Katakomben des Azov Stahlwerks. Die russische Armee hätte ihnen niemals

    Gnade erweisen müssen, wenn der Westen nicht beschlossen hätte, sie von

    vornherein gnadenlos als Kanonenfutter zu benutzen.


    Der Präsident Russlands, Wladimir Putin, befahl, die Erstürmung der

    Katakomben des metallurgischen Kombinats "Asowstal" abzubrechen und die

    umzingelten Kampfgruppen so zu blockieren, dass "keine Fliege

    durchkommt". Tatsächlich stellen die ukrainischen Haudegen keine reale

    Gefahr mehr für die Bewohner Mariupols dar, und es ergäbe nicht den

    geringsten Sinn, das Leben unseres Militärs zu riskieren, nur um ein

    formelles Häkchen zu setzen – "Asowstal" ist eingenommen.


    Genau dadurch unterscheidet sich die Logik unseres Landes und unserer

    Armee von der Logik Kiews und denjenigen, die hinter der Ukraine stehen:

    Diese benötigen ein schönes "Bild", sentimentale Geschichten und andere

    Spezialeffekte des Films. Und wir betreiben Realpolitik und die harte

    Arbeit der Entnazifizierung und Entmilitarisierung. Nicht für

    Spezialeffekte. Die Hauptsache ist, Menschenleben zu erhalten, das

    unserer Soldaten und der Zivilisten, und wie wir uns sehr gut erinnern,

    versuchte man in den ersten Tagen der Spezialoperation sogar, das

    ukrainische Militär zu schonen, ohne Anschläge auf Ansammlungen von

    Soldaten zu verüben. Leider schätzte der Feind dieses Vorgehen nicht.


    Der Austausch von Kriegsgefangenen ist eine wichtige humanitäre Aufgabe.

    Als Kiew während des Krieges im Donbass Versuche unternahm, ukrainische

    Staatsbürger gegen ukrainische Staatsbürger auszutauschen, sah es

    logisch aus – auf beiden Seiten waren die meisten Inhaber von Pässen

    dieses Landes. Aber jetzt hat sich die Situation geändert, Russland

    führt eine Spezialoperation durch. Deshalb sieht es äußerst seltsam aus,

    wenn uns angeboten wird, den ukrainischen Politiker Wiktor Medwedtschuk

    durch ukrainische Militärangehörige auszutauschen. Sie sollten uns

    unsere Soldaten übergeben.


    Es ist längst kein Geheimnis mehr, dass sich im "Asowstal" eine große

    Zahl ausländischer Söldner versteckt hält. Zwei Briten sind bereits

    gefangen genommen, und sie seien bereit, gegen denselben Medwedtschuk

    ausgetauscht zu werden. Es ist nur so, dass das "Bild" in diesem Fall

    nicht tauglich wäre, sowohl aus der Sicht der Londoner als auch der

    Kiewer Regisseure. Daher ignorierte der ukrainische Präsident Wladimir

    Selenskij diesen Vorschlag völlig. Weshalb auch nicht? Die Söldner sind

    keine Bürger der Ukraine, und warum sollte der ukrainische Präsident auf

    ihre Worte achten?


    Seinerseits hat der britische Premierminister Boris Johnson die

    russischen Behörden dazu aufgerufen, den Gefangenen "Gnade zu erweisen".

    Eine wichtige Bemerkung hier ist, dass unsererseits kein einziger Fall

    von Verstößen gegen UN-Mindestgrundsätze für die Behandlung der

    Gefangenen festzuhalten ist. Was auf der anderen Seite passiert, das ist

    bekannt – keine Gnade und nicht einmal die einfache Einhaltung

    internationaler Vereinbarungen ist zu erwarten, die die Ukraine

    unterzeichnet hat. Doch dies wird von Johnson und seinen Kollegen

    ignoriert. Auch der zunehmende Einsatz Kiews von verbotenen Waffen und

    die Geiselnahme eigener Bürger wird ignoriert.


    In solch einer Situation befinden sich Medwedtschuk und die Bewohner der

    noch nicht befreiten Städte des Donbass in der gleichen Lage als

    Geiseln. Eine beliebige andere Regierung in irgendeinem anderen Land

    wäre dafür längst als Terrorist eingestuft worden, aber hier sei es

    "eine andere Sache, man muss es verstehen".


    Der Befehl Putins, den Angriff durch Personaleinsatz auf "Asowstal"

    abzubrechen, ist natürlich eine gnädige Entscheidung gegenüber allen,

    die sich jetzt in [den sehr umfangreichen Bunkeranlagen] dieser Fabrik

    verstecken. Und für Kiew wäre es natürlich von Vorteil, wenn alle

    Geheimnisse der Söldner in den Kellern blieben. Ein weiteres "heiliges

    Opfer", weitere "Helden" und "Cyborgs", denen man ein Denkmal setzen,

    einen Film über sie drehen, ein Buch schreiben kann und so weiter – in

    bester Hollywood-Tradition.


    Eines kann ich einfach nicht verstehen: Haben die Menschen in der

    Ukraine diese imaginäre Realität nicht satt, die weder mit einer Reihe

    fiktiver "Siege" noch mit einem unerreichbaren europäischen

    Lebensstandard endete, die sich ganz bestimmt aber in reale

    Kampfhandlungen verwandelt hat?


    Verstehen sie wirklich nicht, dass es nicht gut tut, jahrelang in der

    virtuellen Welt zu leben? Sind sie blind für die enormen Verluste ihrer

    Armee? Oder die einzige Möglichkeit zu sehen, die den Krieg stoppen

    kann, also nicht weitere Lieferung veralteter Waffen aus Europa, sondern

    ehrliche und verantwortungsbewusste Friedensverhandlungen, denen Kiew

    seit fast zwei Monaten ausweicht? Verstehen sie wirklich nicht, dass sie

    nicht die obszönen Propaganda-Gesänge ihrer Politikern nachsagen,

    sondern stattdessen zum selben "Maidan" hinausgehen und von ihrer

    eigenen Führung den sofortigen Beginn echter Friedensverhandlungen

    fordern sollten?


    Es sieht so aus, als würden sie es immer noch nicht verstehen. Hingegen

    versteht Johnson alles perfekt. Einerseits ruft er zur Gnade auf, und

    andererseits – sagt er, dass durch friedliche Verhandlungen nichts

    gelöst werden kann und Kiew bis zum letzten Ukrainer kämpfen muss.


    Was soll's! Mariupol ist eingenommen, "Asowstal" blockiert, die

    Spezialoperation läuft nach Plan. Die britischen Gefangenen werden bei

    uns barmherzig behandelt, und dasselbe können Hunderte und sogar

    Tausende neuer Gefangener erwarten, die sich unweigerlich ergeben

    werden. Wären die westlichen Politiker tatsächlich gnädig gewesen, so

    hätten sie von Anfang an nicht damit begonnen, die Ukraine mit Waffen

    vollzustopfen. Und ich hoffe wirklich sehr, dass die Menschen in der

    Ukraine diese Tatsache früher oder später verstehen werden.



    Einwohner von Mariupol an Selenskij: "Gib Mariupol endlich auf!"

    <https://test.rtde.website/kurzclips/video/137007-einwohner-von-mariupol-an-selenskij/>


    unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

    28.04.2022

    Nur keine Angst vor dem Atomkrieg, oder: Ein Freund, ein guter Freund

    aus e-mail von Doris Pumphrey, vom 27. April 2022, 22:43 Uhr

    https://test.rtde.live/meinung/137107-nur-keine-angst-vor-atomkrieg-oder-ein-freund-ein-guter-freund/

    27.4.2022


    *Nur keine Angst vor dem Atomkrieg, oder: Ein Freund, ein guter Freund *


    /von Dagmar Henn/


    Panzerlieferungen? Abgehakt. Jetzt ist es angesagt, über Befürchtungen

    zu spotten, es könnte zu einem Atomkrieg kommen. Wie hasenfüßig, wo es

    doch darum geht, treu an der Seite unserer US-Freunde Solidarität mit

    der Ukraine zu zeigen …


    Es wird zunehmend schwerer, den galoppierenden Irrsinn in der deutschen

    Politik zu kommentieren. Schließlich finden sich bei Politikern wie in

    den Medien mittlerweile Aussagen, die vor 50 Jahren noch für einen

    längeren Urlaub in der geschlossenen Psychiatrie gut gewesen wären. So,

    wenn inzwischen auf Warnungen vor einem Atomkrieg mit Bemerkungen

    reagiert wird, man dürfe sich von dieser "Angstmacherei" nicht

    "abschrecken" lassen.


    Besonders herzig wird das, weil das unter dem Etikett "Solidarität mit

    der Ukraine" verkauft wird. Schließlich geht es momentan um

    Panzerlieferungen. Nicht, dass diese Panzer irgendetwas am militärischen

    Ergebnis ändern werden oder daran, dass man eine Einschätzung, die

    Ukraine könne den Krieg gewinnen, allerhöchstens als Ergebnis einer

    zerebralen Schädigung durch Long COVID verbuchen kann. Aber inzwischen

    liegt es auf dem Tisch, dass der zynische Spruch, die USA kämpften gegen

    Russland bis zum letzten Ukrainer, der Realität näher ist als alles, was

    die deutschen Gazetten servieren, und seitens der wahren Betreiber

    dieses Krieges, den USA und der NATO, ein Ende überhaupt nicht gewünscht

    ist.


    So geht es scheibchenweise dahin, und mit der heutigen deutschen

    Realität können nur noch Karl Krauss' "Letzte Tage der Menschheit"

    konkurrieren. Denn eines sollte klar sein – um eine vernünftige

    Entscheidung zu treffen, muss man die Fakten betrachten. Fakten

    allerdings sind nicht erwünscht; weder bei der Bewertung der

    militärischen Lage, die zu einem anderen Schluss kommen müsste als der

    ständig wiederholten Beschwörung eines möglichen ukrainischen Sieges,

    noch bei der Betrachtung der Ereignisse im Detail, wie man an den

    hysterischen Schlagzeilen zu vermeintlichen russischen Kriegsverbrechen

    sehen kann, die sich über kurz oder lang in Luft auflösen, sei es

    Butscha, sei es Kramatorsk.


    Wird irgendwo noch erwähnt, dass das russische Kontingent in der Ukraine

    relativ klein ist? Auch im Verhältnis zur ukrainischen Armee, die, wenn

    man die zugegeben militärisch ziemlich wertlosen Territorialbataillone

    mitzählt, immerhin etwa 600.000 Mann umfasst? Nein, das kann man nicht

    erwähnen, denn täte man das, müsste jeder Meter Bodengewinn ein Beleg

    für technische und strategische Überlegenheit der Russen sein. Wird

    irgendwo erwähnt, dass das Vorgehen der russischen Armee tatsächlich

    versucht, sogar die ukrainischen Truppen zu schonen? Ebenfalls nicht.

    Und kann man in der hiesigen Presse lesen, dass schon mehrere Depots mit

    westlichen Lieferungen kurz nach ihrem Eintreffen in Rauch aufgingen?

    Mitnichten.


    Aber ist es realistisch, zu glauben, der politischen Spitze läge kein

    anderes, ehrlicheres Material vor als die wüsten Fantasien, die sich in

    den Zeitungen lesen lassen? Kann man wirklich davon ausgehen, sie hätten

    alle miteinander nichts von der Ermordung russischer Gefangener durch

    georgische Söldner erfahren oder wüssten tatsächlich nicht, dass

    ukrainische Truppen ihre eigenen Städte beschießen? Wenn sie es nicht

    bereits aus den acht Jahren Krieg im Donbass gewusst hätten, Kramatorsk

    zeigte deutlich genug, dass der ukrainische Präsident Wladimir Selenskij

    jeden und alles in der Ukraine für einen kleinen propagandistischen Sieg

    zu opfern bereit ist. Kann man davon ausgehen, dass sie alle blind dafür

    sind, wenn die Entscheidungen Selenskijs bezüglich der Truppen im

    Asowstahlwerk an Hitlers Durchhaltebefehl an Offizier Friedrich Paulus

    während der Schlacht um Stalingrad erinnern?


    Zugegeben, das Personal dieser Bundesregierung ist begrenzt intelligent.

    Aber es gibt darunter noch einen großen Apparat, und Teile dieses

    Apparats müssen imstande sein, die Realität zu erkennen. Manchmal ploppt

    ein Bröckchen davon nach oben, ins Sichtbare, wenn auch meist mit einer

    ganz anderen Absicht. So hat die /Bild/ durchgerechnet

    <https://www.bild.de/bild-plus/politik/ausland/politik-ausland/ukraine-krieg-munition-fuer-20-minuten-gepard-panzer-nicht-einsatzfaehig-79886808,view=conversionToLogin.bild.html>,

    die Menge der Munition, die mit den Flugabwehrpanzern Gepard geliefert

    werden solle, genüge gerade für 20 Minuten. Sie schreibt nicht dazu,

    dass das Ding eine Reichweite von sechs Kilometern hat, aber moderne

    Kampfflugzeuge gar nicht so nahe an das Ziel herankommen müssen, um

    treffen zu können. Aber immerhin, ein Häppchen Wirklichkeit.


    Nein, man muss davon ausgehen, dass sie wissen, dass sie am Verlauf

    dieser militärischen Operation (die übrigens beide Beteiligte keinen

    Krieg nennen, auch die Ukraine nicht, weil das Probleme mit den

    IWF-Krediten gäbe) weder mit diesem Zeug noch mit den alten

    Sowjetbeständen in Polen, Tschechien und sonst wo etwas ändern können.

    Dass sie eigentlich, und zwar im Interesse der Ukraine, auf

    Verhandlungen drängen müssten. Dass die Option, die Volksrepubliken

    Donezk und die Lugansk zurück in die Ukraine zu zwingen, nicht existiert

    und durch die Missachtung der Minsker Vereinbarungen durch den Westen

    endgültig ausgelöscht wurde, von der Krim ganz zu schweigen.


    Welchen Sinn hat dann das ganze Theater? Nun, für die USA ergibt es

    Sinn, auf eine perverse Art und Weise. Indem sie ihre "Verbündeten" (die

    ehrliche Bezeichnung für die USA aus deutscher Sicht wäre mittlerweile

    "Feind") dazu bringen, immer mehr Waffen an die Ukraine zu liefern, die

    sie zur Geisel genommen haben, um den Anschein ihrer Macht

    aufrechtzuerhalten, machen sie sie zu Komplizen bei ihrem Verbrechen.

    Das ist eine Taktik, die man in Deutschland ebenfalls kennen sollte.

    Einer der Gründe, warum die Wehrmacht tief in die Verbrechen der Nazis

    verstrickt wurde, war schlicht, dass die Soldaten, die an ihnen

    teilgenommen oder sie auch nur gesehen hatten, durch die Angst vor

    Vergeltung unter Kontrolle gehalten wurden. Eine Angst, die mit dazu

    beitrug, dass sie nicht an dem Punkt aufgaben, an dem es militärisch

    vernünftig gewesen wäre. Ein bösartiger Trick, der im Zusammenhang mit

    der Ukraine gleich auf zwei Ebenen angewandt wird. In den ukrainischen

    Truppen, nach dem Muster der Naziwehrmacht, und im Binnenverhältnis des

    NATO-"Bündnisses".


    Und natürlich lenken diese Waffenlieferungen auch das geblendete

    westliche Publikum davon ab, dass eigentlich längst ernsthafte

    Verhandlungen durch Kiew angesagt wären, folgte dieser Konflikt den

    Regeln normalen militärischen Handelns. Die ukrainischen Truppen, die im

    Donbass stehen, sind die kampfkräftigsten, die die Ukraine noch hat. Es

    wäre also vernünftig von einer ukrainischen Regierung, diese Truppen

    über Verhandlungen zu retten, weil dann zumindest das, was als Ukraine

    noch übrig bleibt, noch verteidigt werden kann. Selenskij tut auch das

    nicht, und er tut es im Auftrag der US-Amerikaner. Er wirft gerade

    einige Zehntausende seiner eigenen Bürger in den Fleischwolf. Und vor

    den Augen des westlichen Publikums werden Panzer hin- und hergeschoben,

    um davon abzulenken, dass dieses Handeln für die Menschen des Landes,

    deren Präsident Selenskij zu sein vorgibt, absolut schädlich ist und nur

    dem NATO-Interesse an einem möglichst langen Krieg folgt.


    Tatsächlich sind es Selenskij und seine US-amerikanischen

    Marionettenspieler, die gerade ein ungeheures Verbrechen am Volk der

    Ukraine begehen. Die Deutschen lassen sich, wie alle übrigen

    NATO-Kumpane, brav in dieses Verbrechen verstricken. "Die Ukraine darf

    nicht verlieren"? Die Ukraine verliert auf jeden Fall. Sie hätte selbst

    dann verloren, nein, vielleicht sogar am schlimmsten verloren, wenn

    Selenskij und die Macht hinter ihm ihre Pläne erfolgreich verwirklichen

    könnten, die Ukraine zu nutzen, um Russland auszubluten; denn sie würde

    dieses Schicksal teilen. Und gleichzeitig der finstersten,

    menschenverachtendsten Herrschaft ausgeliefert bleiben, die Europa zu

    bieten hat.


    Aber in Deutschland führt es mittlerweile bereits zur öffentlichen

    Aburteilung, wenn man leise Kritik an dem größenwahnsinnigen,

    nazistischen Tertiär-Ami (wenn man Selenskij als Sekundär-Ami zählt)

    Andrei Melnyk übt, wie der Düsseldorfer Ex-OB Thomas Geisel, der seine

    Aussagen

    <https://web.archive.org/web/20220423155014/https:/www.thomasgeisel-wasmichumtreibt.de/post/es-reicht-herr-melnyk

    inzwischen wieder gelöscht hat.


    Übrigens, der US-Kriegsminister Lloyd Austin gab in seiner Aussage zum

    seiner Meinung nach beeindruckenden Widerstand der Ukrainer ganz

    nebenbei zu erkennen, wo er sie einsortiert: "Die Schlacht um Iwo Jima

    im Pazifik habe 36 Tage gedauert, die Ardennenoffensive an der Westfront

    in Europa 40 Tage. Die Ukrainer indessen kämpften nun schon 62 Tage." So

    zitiert

    <https://www.faz.net/aktuell/politik/inland/ukraine-treffen-in-ramstein-kann-russlands-offensive-gestoppt-werden-17984082.html

    ihn die /FAZ/. Jenseits der Tatsache, dass die wirklich großen

    Schlachten des Zweiten Weltkriegs andernorts stattfanden – die

    US-Amerikaner waren in diesen Gefechten die Angreifer (wie meist;

    selbst, wenn damals ausnahmsweise auf der richtigen Seite). Die

    Verteidiger waren in beiden Fällen Faschisten; Japan und

    Nazideutschland. Und in beiden Fällen war es eine verlustreiche

    Verteidigung jenseits militärischer Vernunft. Er hätte die US-Geschichte

    bemühen können, den Bürgerkrieg beispielsweise, aber eingefallen sind

    ihm diese beiden Ereignisse.


    Es gibt nur einen Grund, warum die Ukraine nicht verlieren darf. Weil

    die Welt außerhalb jener schrumpfenden "Weltgemeinschaft" weiß, dass das

    ein Krieg der USA ist, den sie sich ausgedacht und angezettelt haben. Es

    sind die USA, die nicht verlieren dürfen, weil sie sich einbilden,

    dadurch ihre Macht noch ein wenig zu retten. Für diese USA lässt sich

    auch die Bundesregierung instrumentalisieren, zumindest jene Teile,

    deren Verstand den eines Hamsters übersteigt. Aber wie weit wollen sie

    noch gehen, nachdem sie schon den wirtschaftlichen Ruin Deutschlands

    abgenickt haben? Glauben sie wirklich, der Krieg in der Ukraine könne

    Russland brechen und den kostenfreien Zugriff auf russische Ressourcen

    ermöglichen? Das hatte sich ein Herr Hitler auch einmal eingebildet,

    aber auch der schaffte es nur bis Stalingrad und nicht bis Baku. Oder

    glauben sie, wenn der Krieg in der Ukraine bis zum Weltkrieg aufgeblasen

    würde, wäre die westliche Vorherrschaft zu retten?


    Sie ist es nicht. Nicht nur die Ukraine wird sinnlos für Uncle Sam

    geopfert. Eigentlich hätte allein die Forderung aus den USA, Nord Stream

    2 nicht zu nutzen, genügen müssen, um zu zeigen, dass da kein Freund

    etwas fordert, sondern ein Feind. Diese USA, das muss man aus den Folgen

    der Sanktionen folgern, die verheerend genug sind, sind bereit, Europa

    zu opfern. Nicht nur ökonomisch. Aber es gibt niemanden, der diese

    Bundesregierung noch zu warnen vermöchte. Wenn der russische

    Außenminister Sergei Lawrow das tut, wird das unter "Angstmachen"

    verbucht

    <https://www.focus.de/politik/deutschland/ein-kommentar-von-ulrich-reitz-lieferung-von-gepard-panzern-entlarvt-die-angstpolitik-von-kanzler-scholz_id_89855545.html>.

    Als gäbe es irgendwo ein Fleißbildchen für besonderen Mut, wenn man so

    tut, als wäre ein Atomkrieg

    <https://www.welt.de/politik/deutschland/article238383059/Lawrow-Keine-Verhandlungsloesung-fuer-Ukraine-bei-Waffenlieferungen.html

    kein Anlass zur Sorge.


    Es wird keine Fleißbildchen geben. Auch keine Tapferkeitsmedaillen.

    Leider auch keine Denkmäler für besonders ausgeprägte Idiotie, für

    Lakaientum und Unterwürfigkeit. Die USA wollen, das zeigen sie deutlich

    genug, ihren Abstieg auf keinen Fall hinnehmen. Sie können ihn aber

    nicht verhindern. Also signalisieren sie ihre Bereitschaft, große Teile

    der Menschheit bei ihrem Untergang mitzunehmen.


    Wenn die Vernunft etwas gebieten würde, dann wäre es maximaler Abstand

    von diesen USA. Im direkten deutschen Interesse. Nicht nur im Interesse

    eines ökonomischen, nein, inzwischen gar im Interesse eines physischen

    Überlebens. Jedes Kleinkind kann vorrechnen, dass diese

    Waffenlieferungen Show sind und die Ukraine nur auf eine Art gewinnen

    kann – indem sie von der Herrschaft der US-Kriegstreiber und ihrer

    heimischen Fußtruppen befreit wird. Was, dank der europäischen

    Liebedienerei den USA gegenüber, die Aufgabe der russischen Armee zu

    sein scheint.


    In Deutschland wird jedenfalls die Beschwörung, es sei doch kein

    Problem, auf Nord Stream 2 zu verzichten, inzwischen durch die

    Beschwörung ersetzt, vor Atomkriegen müsse man keine Angst haben. Wenn

    man sieht, dass der erste Fall in der völligen Preisgabe eigener

    Interessen endete, kann man sich schon ausmalen, wo der zweite endet.

    Wer solche Freunde hat, braucht keine Feinde mehr.


    Obduktionen zu Butscha: Kein Massaker, keine Russen ...

    <https://test.rtde.live/meinung/136994-obduktionen-zu-butscha-kein-massaker/>


    Millionenvermögen von Wladimir Selenskij – "Woher kommt das Geld?"

    <https://test.rtde.live/europa/137040-niederlaendische-partei-hinterfragt-millionenvermoegen-von-selenskij/>


    Ukrainischer Gouverneur ruft zu Hinrichtung politisch Andersdenkender

    auf

    <https://test.rtde.live/international/136981-ukrainischer-gouverneur-ruft-zu-hinrichtung/>


    unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

    28.04.2022

    Treffen Putin und UN-Chef

    aus e-mail von Doris Pumphrey, vom 27. April 2022, 22:37 Uhr


    *Das Treffen von Präsident Putin und UN-Generalsekretär Guterres im Wortlaut

    */Hier:

    /https://www.anti-spiegel.ru/2022/das-treffen-von-praesident-putin-und-un-generalsekretaer-guterres-im-wortlaut/


    https://test.rtde.live/international/137136-putin-an-un-chef-kosovo/

    27.4.2022

    *Putin an UN-Chef: Kosovo war der Präzedenzfall für Donbass *


    Russlands Präsident Wladimir Putin traf sich in Moskau mit

    UN-Generalsekretär António Guterres, um über die Ukraine-Krise zu

    sprechen. Beim Treffen kam auch der Kosovo-Fall zur Sprache. Die

    abtrünnige Provinz Serbiens wird von zahlreichen westlichen Ländern als

    unabhängig anerkannt.


    Der russische Präsident Wladimir Putin empfing am Dienstag

    UN-Generalsekretär António Guterres im Kreml zu Gesprächen über die

    Ukraine-Krise. Die beiden erörterten die Lage vor Ort. Putin erläuterte

    dem UN-Chef die Gründe Russlands für den Beginn seiner Militäroperation

    gegen das Nachbarland Ende Februar.


    Der Schritt Moskaus, die beiden abtrünnigen Republiken Donezk und

    Lugansk anzuerkennen, basiere auf dem Präzedenzfall Kosovo, der von

    einem von den Vereinten Nationen unterstützten Gericht geschaffen worden

    sei, erklärte Putin gegenüber Guterres. Die zwei Republiken seien

    entstanden, nachdem die Menschen im Osten der Ukraine den vom Westen

    unterstützten Maidan im Jahr 2014 abgelehnt hätten, erklärte er.


    Putin fügte hinzu, dass sich die Regierung in Kiew nach dem Putsch für

    eine militärische Lösung entschieden habe, die zu der achtjährigen

    Pattsituation im Donbass geführt habe. Der russische Präsident erklärte:

    /"Ich erinnere mich sehr gut an die Entscheidung des Internationalen

    Gerichtshofs, die besagt, dass ein Gebiet eines Staates bei der Ausübung

    seines Selbstbestimmungsrechts nicht verpflichtet ist, bei den zentralen

    Behörden des Landes die Erlaubnis zu beantragen, um seine Souveränität

    zu erklären."/


    Guterres wies sofort darauf hin, dass die UNO selbst das Kosovo noch

    immer nicht als unabhängig anerkennt, sondern als Teil Serbiens

    betrachte. Doch Putin erwiderte darauf mit dem Verweis, dass das Gericht

    dies anerkannt habe. Der rechtliche Präzedenzfall bestehe laut Putin

    nach wie vor, und das Kosovo sei im Westen weitgehend anerkannt. Der

    russische Präsident sagte:

    /"So viele Staaten in der Welt, einschließlich unserer Gegner im Westen,

    haben dies in Bezug auf das Kosovo getan. Das Kosovo wird von vielen

    Staaten anerkannt, das ist eine Tatsache. Von vielen westlichen Staaten

    wird es als unabhängiger Staat anerkannt. Dasselbe haben wir in Bezug

    auf die Donbass-Republiken getan."/


    Putin fügte hinzu, dass die Republiken anschließend Moskau um

    militärische Unterstützung baten, die Russland in voller Übereinstimmung

    mit der UN-Charta gewährte.


    Neben der Diskussion über das Völkerrecht und die Rechtsgrundlage für

    die russische Militäroperation sprachen Putin und Guterres auch über die

    humanitäre Lage vor Ort in der Ukraine. Der UN-Chef erklärte, seine

    Organisation und das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) seien

    bereit, Hilfe bei der Evakuierung von Zivilisten zu leisten, die

    zusammen mit den ukrainischen Kämpfern im belagerten Stahlwerk Asowstal

    in der Stadt Mariupol eingeschlossen sein sollen. Guterres sagte:


    /"Dies wird eine Operation zur Evakuierung von Zivilisten aus dem Werk

    sein. Russland ist wiederholt dafür verantwortlich gemacht worden, dass

    diese Evakuierung nicht durchgeführt wurde. Andererseits hat Russland

    die Schaffung von [humanitären] Korridoren angekündigt, die jedoch nicht

    genutzt werden."/


    Der russische Präsident betonte, dass die Zivilisten, die angeblich in

    der Asowstal-Anlage eingeschlossen sind, nur deshalb dort blieben, weil

    die ukrainischen Kämpfer, einschließlich der Neonazi-Gruppen, die sich

    in der Anlage verschanzt haben, sie nicht gehen ließen. Putin sagte:

    /"Wir hören immer wieder von den ukrainischen Behörden, dass sich dort

    Zivilisten befinden. Aber dann sind die Soldaten der ukrainischen Armee

    verpflichtet, sie freizulassen, sonst agieren sie wie Terroristen in

    vielen Ländern der Welt, wie ISIS in Syrien, und verstecken sich hinter

    der Zivilbevölkerung. Am einfachsten ist es, diese Menschen freizulassen."/


    Putin wies auch darauf hin, dass der UN-Chef offenbar "falsch

    informiert" worden wäre, was die von Russland eingerichteten humanitären

    Korridore beträfe, und wies darauf hin, dass mehr als 100.000 Zivilisten

    Mariupol über diese Korridore verlassen hätten. Putin fügte hinzu:

    /"Und sie können überall hingehen: einige wollen nach Russland, andere

    in die Ukraine. Egal wohin, wir halten sie nicht auf, wir bieten jede

    Art von Hilfe und Unterstützung." /


    Russland hatte den Nachbarstaat Ende Februar angegriffen, nachdem die

    Ukraine die im Jahr 2014 unterzeichneten Minsker Vereinbarungen nicht

    umgesetzt und Moskau die Donbass-Republiken Donezk und Lugansk

    schließlich anerkannt hatte. Das von Deutschland und Frankreich

    vermittelte Minsker Abkommen sollte den abtrünnigen Regionen einen

    Sonderstatus innerhalb des ukrainischen Staates gewährleisten.


    Der Kreml fordert seitdem, dass die Ukraine sich offiziell als neutrales

    Land deklariert, das niemals der von den USA angeführten

    NATO-Militärallianz beitreten wird. Kiew jedoch beharrt darauf, dass die

    russische Aggression völlig unprovoziert gewesen sei und hat

    Behauptungen zurückgewiesen, es habe geplant, die beiden Republiken mit

    Gewalt zurückzuerobern.


    UN-Generalsekretär António Guterres war vor dem Treffen mit dem

    russischen Präsidenten noch mit dem Außenminister Sergei Lawrow in

    Moskau zusammengekommen.


    unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

    28.04.2022

    Töne aus Washington...

    aus e-mail von Doris Pumphrey, vom 27. April 2022, 22:27 Uhr


    /Siehe auch: /"NATO ist mit einem Stellvertreter in den Krieg gegen

    Russland gezogen" – Sergei Lawrow

    <https://test.rtde.live/kurzclips/video/137114-nato-stellvertreterkrieg-lawrow/



    https://test.rtde.live/international/137184-ranghoechster-us-general-russland-muss-bezahlen/

    27.4.22

    *Ranghöchster US-General: Russland muss für die "Aggression" in der

    Ukraine bezahlen *


    Wegen des russischen Militäreinsatzes in der Ukraine steht laut dem

    ranghöchsten US-General die "globale internationale Sicherheitsordnung"

    auf dem Spiel. In einem Interview mit "CNN" erklärte Mark Milley, dass

    Russland nicht ohne Folgen mit seiner Offensive davonkommen dürfe.


    Amerikas ranghöchster General hat erklärt, dass Russland mit seiner

    Offensive in der Ukraine nicht "zum Nulltarif" davonkommen dürfe. Denn

    das Zulassen einer solchen "Aggression" würde das Ende der "globalen

    internationalen Sicherheitsordnung" bedeuten, die nach dem Zweiten

    Weltkrieg geschaffen wurde.


    Mark Milley, der Vorsitzende des Vereinigten Generalstabs der

    US-Streitkräfte, sagte

    <https://edition.cnn.com/2022/04/26/politics/mark-milley-interview-cnntv/index.html?utm_content=2022-04-26T15%3A29%3A30&utm_source=twcnnbrk&utm_term=link&utm_medium=social

    am Dienstag in einem Interview mit dem US-amerikanischen Sender /CNN:

    "Wenn man das so durchgehen lässt, wenn es keine Antwort auf diese

    Aggression gibt, wenn Russland zum Nulltarif davonkommt, dann ist es aus

    mit der so genannten internationalen Ordnung. Und wenn das passiert,

    dann treten wir in eine Ära stark erhöhter Instabilität ein."/


    Milley tätigte diese Äußerungen nach einem Treffen führender westlicher

    Militärs auf dem US-Luftwaffenstützpunkt in Ramstein. Bei diesem Treffen

    ging es um die Erörterung der Hilfe für die Ukraine zur Abwehr der

    russischen Offensive. Anfang dieses Monats bezeichnete der US-General

    den Konflikt als "die größte Bedrohung für Frieden und Sicherheit" in

    seiner 42-jährigen Laufbahn. Er sagte, dass China und Russland

    versuchten, "die derzeitige regelbasierte Weltordnung grundlegend zu

    verändern."


    Milley erklärte in diesem Zusammenhang aber nicht, ob in dieser

    "regelbasierten internationalen Ordnung" die gleichen Regeln für alle

    gleichermaßen gelten – ob sie also "symmetrisch" oder "asymmetrisch"

    ist. Wenn nun beispielsweise Russland auf Ersuchen von Damaskus in

    Syrien interveniert und die USA und Großbritannien ohne syrische oder

    UN-Erlaubnis in Syrien einmarschiert sind, könnte er dennoch der

    Auffassung sein, dass Moskau – und nicht Washington – die Regeln

    missachtet hat. Eine solche Auslegung würde indes dem Völkerrecht

    zuwiderlaufen.


    Am Dienstag forderte der US-General, dass Russland für den Angriff auf

    die Ukraine einen Preis zahlen müsse. "Was auf dem Spiel steht, ist die

    globale internationale Sicherheitsordnung, die 1945 eingeführt wurde",

    sagte Milley. Er ergänzte: /"Diese internationale Ordnung hat 78 Jahre

    überdauert. Sie hat Kriege zwischen Großmächten verhindert, und das

    gesamte Konzept beruht auf der Idee, dass große Nationen keine

    militärische Aggression gegen kleinere Nationen durchführen, und genau

    das ist hier geschehen – eine unprovozierte militärische Aggression

    Russlands gegen eine kleinere Nation."/


    Milley erwähnte in diesem Zusammenhang jedoch keinerlei Fälle, in denen

    die USA entgegen dem von ihm vertretenen Standpunkt gehandelt haben, wie

    etwa bei der illegalen Irak-Invasion 2003.


    US-Verteidigungsminister Lloyd Austin und Außenminister Antony Blinken

    waren am Montag nach Kiew gereist, um sich mit dem ukrainischen

    Präsidenten Wladimir Selenskij zu treffen. Anschließend hatte Austin vor

    Reporten erklärt, dass die USA Russland durch den anhaltenden Konflikt

    mit der Ukraine unbedingt "geschwächt" sehen wollen. Laut dem

    US-Verteidigungsminister habe Russland "bereits viele militärische

    Fähigkeiten und Truppen verloren." Washington wolle, "dass es nicht die

    Möglichkeit hat, diese Fähigkeiten sehr schnell wieder aufzubauen."


    Am Dienstag fand dann ein Zusammentreffen mit Bündnispartnern in

    Deutschland statt. Im Anschluss hatte Austin erklärt

    <https://www.defense.gov/News/Speeches/Speech/Article/3010300/secretary-austins-opening-remarks-at-the-ukraine-defense-consultative-group-ram/>,

    die westlichen Staaten würden "weiterhin Himmel und Erde in Bewegung

    setzen", um die Sicherheitsanforderungen der Ukraine zu gewährleisten,

    und würden "mit der Geschwindigkeit des Krieges" handeln, um Kiew zu

    unterstützen.


    An die ukrainischen Streitkräfte gerichtet, sagte Austin: /"Euer

    Widerstand hat die freie Welt inspiriert und die Entschlossenheit der

    NATO noch verstärkt." /Er fügte hinzu: "Ruhm der Ukraine" – und

    wiederholte damit einen Teil des offiziellen Slogans der ukrainischen

    Nazi-Kollaborateure, die sich im Zweiten Weltkrieg mit Hitlerdeutschland

    gegen die Sowjetunion verbündet hatten.


    Ironischerweise könnte die russische Staatsführung einem Teil von

    Milleys Einschätzung sogar zustimmen – nämlich dass die globale Ordnung

    sich verändern könnte. Der russische Außenminister Sergei Lawrow hatte

    selbst Anfang des Monats gesagt, dass Moskaus Militäroffensive in der

    Ukraine darauf abziele, die von den USA dominierte Weltordnung zu

    beenden. Lawrow sagte: /"Unsere militärische Spezialoperation soll der

    unverfrorenen Expansion [der NATO] und dem unverfrorenen Streben nach

    vollständiger Vorherrschaft der USA und ihrer westlichen Untertanen auf

    der Weltbühne ein Ende setzen."/


    Russland hatte seinen Nachbarstaat Ende Februar angegriffen, nachdem die

    Ukraine die Bedingungen der 2014 unterzeichneten Minsker Vereinbarungen

    nicht umgesetzt und Moskau im Gegenzug die Donbass-Republiken Donezk und

    Lugansk anerkannt hatte. Das von Deutschland und Frankreich vermittelte

    Minsker Abkommen sollte den abtrünnigen Regionen ursprünglich einen

    Sonderstatus innerhalb des ukrainischen Staates garantieren.


    https://test.rtde.live/international/137164-washington-usa-wuerden-neutrale-ukraine-akzeptieren/

    27.4.2022

    *Washington: USA würden eine neutrale Ukraine akzeptieren *


    Die USA würden es akzeptieren, falls sich die Ukraine für blockfrei und

    neutral erklärt. Das erklärte Außenminister Blinken am Dienstag. Die USA

    würden die Ukraine nur aufrüsten, um ihre Position am Verhandlungstisch

    zu stärken. Die endgültige Entscheidung liege bei Kiew.


    Die Krise in der Ukraine, die der US-Außenminister Antony Blinken am

    Wochenende zusammen mit US-Verteidigungsminister Lloyd Austin besuchte,

    dominierte am Dienstag die Anhörung vor dem Ausschuss für auswärtige

    Beziehungen des US-Senats zum Haushalt des Außenministeriums für 2023.


    An einer Stelle äußerte Senator Rand Paul seine Besorgnis darüber, dass

    die Ukraine "von der Hälfte der Mitglieder des US-Senats, die sie in der

    NATO haben wollen, gedrängt und getrieben" werde. Andernfalls hätte sie

    vielleicht einer Neutralität zugestimmt, wie Moskau es verlangt, so Paul.


    Auf die Frage von Paul, ob die USA akzeptieren würden, dass die Ukraine

    ein neutraler Staat und nicht Mitglied der NATO werde, deutete Blinken

    an, dass dies durchaus möglich sei. Er fügte hinzu: /"Wir werden nicht

    ukrainischer sein als die Ukrainer. Diese Entscheidungen müssen sie

    selbst treffen."/


    Der Zweck der derzeitigen US-Militärhilfe für die Ukraine bestehe darin,

    Kiew in die Lage zu versetzen, "die russische Aggression abzuwehren und

    seine Position am Verhandlungstisch zu stärken", fügte Blinken hinzu.


    Die USA hätten "bisher keine Anzeichen" dafür gesehen, dass der

    russische Präsident Wladimir Putin "ernsthaft verhandeln" wolle,

    behauptete Blinken und hob hervor: /"Wenn er es tut und wenn die

    Ukrainer sich darauf einlassen, werden wir sie unterstützen."/


    Moskau ist der Überzeugung, dass die USA und Großbritannien Kiew mit

    Unterstützungsversprechen dazu gedrängt haben, die Verhandlungen mit

    Russland abzubrechen. Das teilte der russische Außenminister Sergei

    Lawrow am Montag in einem Fernsehinterview mit. Er sagte auch, dass der

    Versuch, direkt mit den USA und der NATO zu verhandeln, zu keinem

    Ergebnis geführt habe, da sie sich die russischen Bedenken anhörten und

    gleich ignorierten und "ziemlich unhöflich" deutlich machten, dass

    Moskau nicht über seine eigene Sicherheit zu entscheiden habe.


    Falls der Westen die Ukraine weiterhin "mit Waffen vollpumpt", seien die

    Chancen für einen Erfolg der Friedensgespräche gering, erklärte Lawrow.


    Am Dienstag behauptete Blinken, die USA hätten die Sicherheitsbedenken

    Russlands "sehr ernst genommen und versucht, mit Moskau ins Gespräch zu

    kommen". Der US-Außenminister bestritt, dass Gespräche über einen

    NATO-Beitritt Kiews irgendeine Rolle bei der Eskalation der

    Feindseligkeiten in der Ukraine gespielt haben könnten.


    Während Blinken mit dem Senat sprach, hielt sich

    US-Verteidigungsminister Lloyd Austin in Deutschland auf, um die

    US-Verbündeten dazu zu bewegen, mehr Waffen an die Ukraine zu liefern.

    In einem Gespräch mit Reportern sagte Austin, er könne sich einen

    NATO-Beitritt des Landes vorstellen: /"Ich glaube, dass die Ukraine in

    der Zukunft, wenn die Möglichkeit besteht, erneut einen Antrag auf

    Mitgliedschaft in der NATO stellen wird, aber das ist im Moment

    wahrscheinlich nur Spekulation."/


    Außerdem erklärte der Pentagon-Chef, die USA wollten, dass der

    Ukraine-Konflikt Russland derart schwäche, dass es nicht in einen

    Nachbarstaat einmarschieren könne. Seiner Einschätzung zufolge habe

    Russland "bereits viele militärische Fähigkeiten und Truppen verloren"

    und die USA wollen, "dass es nicht die Möglichkeit hat, diese

    Fähigkeiten sehr schnell wieder aufzubauen".


    unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

    28.04.2022

    Linkspartei/Fraktion zum Umgang mit Tag der Befreiung


    /Diese Hinweise wurden per E-Mail verteilt von/*:

    *


    *DIE LINKE. Berlin, Sebastian Koch (Landesgeschäftsführer) DIE LINKE.,

    Jörg Schindler (Bundesgeschäftsführer) Linksfraktion im Bundestag, Jan

    Korte (Parlamentarischer Geschäftsführer)


    *Berlin, 21. April 2022

    *

    **Hinweise zum Umgang mit dem Tag der Befreiung am 8./9. Mai 2022 *


    Die Presse aber auch Genoss*innen und Partner*innen im Ausland werden

    vermehrt hinschauen, welche Personen und Organisationen in diesem Jahr

    zum Tag der Befreiung gedenken werden, wie das Gedenken gestaltet wird

    und mit wem sie das gemeinsam tun.


    Klar ist: Ohne den Einsatz der Roten Armee wäre die Befreiung vom

    Faschismus nicht möglich gewesen. Die Völker der Sowjetunion haben mit

    über 27 Mio. Toten besonders unter dem von Deutschland ausgegangen

    Vernichtungskrieg gelitten. Der 8. Mai ist der Tag der Befreiung und

    unsere Losung bleibt: Nie wieder Krieg! Nie wieder Faschismus!


    Der Krieg Russlands gegen die Ukraine überschattet selbstverständlich

    das diesjährige Gedenken. Es ist außerdem zu erwarten, dass die

    russische Föderation und ihre offiziellen Stellen das Gedenken dabei für

    ihre Propaganda im Rahmen des Krieges nutzen werden. Russland wird die

    Erzählung, dass es sich in der Ukraine um eine Operation gegen den

    Faschismus bzw. ein faschistisches Regime handelt, in die Gedenkfeiern

    einbetten. Mit dieser Art der Propaganda wollen wir uns allerdings

    keinesfalls gemein machen. Gleichzeitig darf der Krieg Russlands gegen

    die Ukraine aber auch nicht dazu führen, die Opfer aller Völker der

    Sowjetunion für die Befreiung vom Faschismus zu relativieren oder eine

    Gleichsetzung des völkerrechtswidrigen russischen Angriffskrieges mit

    dem NS-Vernichtungskrieg zu betreiben.


    Auch wollen wir nicht als Kulisse für derartiges instrumentalisiert

    werden. Um dennoch ein würdiges Gedenken der Opfer des Hitler-Faschismus

    aus linker Sicht in diesem Jahr zu gewährleisten, empfehlen wir als

    Landesverband in Abstimmung mit Bundestagsfraktion und Parteispitze,

    folgende Punkte für das Gedenken am 8. Mai 2022 zu beachten:


    *Gedenken der LINKEN-Spitze *


    Wir orientieren darauf, dass in Berlin eine Delegation der Spitzen von

    Landesverband, Bundespartei und Bundestagsfraktion an einer oder

    mehreren Gedenken zum Tag der Befreiung teilnehmen werden. Damit wollen

    wir die gemeinsame Haltung der LINKEN an diesem Tag unmissverständlich

    zum Ausdruck bringen.


    Zudem wird es eine gemeinsame politische Erklärung der Spitzen von

    Landesverband, Bundespartei und Bundestagsfraktion zum Tag der Befreiung

    geben, die unsere politische Haltung zum Gedenken an die Opfer des

    Hitler-Faschismus, zum Dank an die Befreier sowie zum aktuellen

    Angriffskriegs Russland ausdrücken wird.


    *Von Einladungen offizieller Vertretungen absehen *


    Da das würdige und angemessene Gedenken im Vordergrund steht, empfehlen

    wir euch, offizielle Botschaftsvertretungen o.ä. nicht einzuladen,

    sondern besser kleinere, stille Gedenken zu organisieren. In den letzten

    Jahren konnten Botschaften (z.B. die ukrainische oder russische) z.T.

    noch gemeinsam gedenken, feiern und für eine friedliche Zukunft mahnen.

    In diesem Jahr wird das anders werden. Um die Aufmerksamkeit nicht vom

    8. Mai wegzunehmen, raten wir deshalb zu kleineren Veranstaltungen ohne

    hochrangige Diplomat*innen.


    Wenn Amt- und Mandatsträger*innen offiziell zu Veranstaltungen

    eingeladen sind, können sie selbstverständlich selbst entscheiden zu

    welcher sie gehen. Wir empfehlen allerdings eindringlich, nicht an den

    offiziellen Gedenkveranstaltungen der russischen Föderation

    teilzunehmen, da dort alle Teilnehmer*innen potenziell für die aktuelle

    Propaganda vereinnahmt werden. Kränze können dennoch an den Denkmälern

    abgelegt werden. Dies kann und sollte dann zeitlich vor oder nach den

    offiziellen Terminen der diplomatischen Vertretungen geschehen, um nicht

    gemeinsam aufzutreten.


    Sollte es offizielle Einladungen von ukrainischer Seite geben, spricht

    nichts gegen eine Teilnahme. Hier ist aber vor Ort darauf zu achten, ob

    nationalistische oder rechte Gruppierungen und Symbole auftauchen.

    Sollte dies erkennbar so ein, sollten sich linke Teilnehmer*innen von

    der Veranstaltung wieder entfernen. In jedem Fall sind Angehörige,

    Überlebendenverbände und Initiativen herzlich willkommen an unseren

    Gedenkveranstaltungen teilzunehmen. Die sollte auch so kommuniziert werden.


    *Stilles Gedenken (ohne viele Redebeiträge) *


    Den Opfern würdig zu gedenken, Friedensbotschaften senden und den

    Befreier*innen der Alliierten und der Roten Armee zu danken, sollte am

    8. Mai im Vordergrund stehen. Redebeiträge die den aktuellen Krieg gegen

    die Ukraine klein reden und relativieren oder erwartbar

    nationalistische, unsolidarische Beiträge enthalten, sollten vermieden

    werden. Dazu gehört auch, die Opfer nicht nachträglich zu

    nationalisieren. Die Sowjetunion zahlte im Krieg gegen den

    Hitler-Faschismus mit 27 Mio. Toten den höchsten Blutzoll. All diesen

    Menschen und allen anderen Opfern des NS-Terrors zu gedenken ist unser

    Anliegen. Das schließt heute selbstverständlich alle Nachfolgestaaten

    der Sowjetunion ein und darf nicht auf die russische Föderation

    eingegrenzt werden.


    *Rechte Gruppen, Querdenker, Nationalist*innen *


    Dass das Gedenken am 8. Mai von rechten Gruppen, russischen

    Nationalist*innen und Querdenke*innen instrumentalisiert wird, haben wir

    bereits in den letzten Jahren erlebt. Aus diesem Grund ist es wichtig

    vor Ort zu sein, ein eigenes Gedenken selbst anzumelden und

    durchzuführen, bevor es andere tun.


    Gebt acht auf euch, dokumentiert und meldet verfassungsfeindliche

    Symbole, rechte Übergriffe (auch „Schmierereien“) und rassistische

    Hetze. Sollten sich auf euren Veranstaltungen nationalistische oder

    ähnliche Gruppen sammeln, könnt ihr in Redebeiträgen darauf verweisen,

    dass solche Teilnehmer*innen selbstverständlich nicht erwünscht sind.


    *Veranstaltungen neugestalten und ankündigen *


    In diesem Jahr ist es auch angebracht anders zu Gedenkveranstaltungen

    aufzurufen. Die VVN wird in diesem Jahr auf Kriegsbilder beispielsweise

    verzichten – weniger schwarz/weiß arbeiten, keine Soldat*innen und

    Panzer abbilden. Diesem Vorschlag möchten wir uns anschließen. Auch ist

    „Feiern“ in Zeiten eines Krieges und angesichts Millionen geflüchteter

    nicht das richtige Wort. Da die russische Propaganda im Zusammenhang mit

    dem Kriege gegen die Ukraine das Wort „Faschismus“ nutzt, sollten wir

    diese Erzählung nicht bedienen. Im Zusammenhang mit der Befreiung

    Europas sollte daher in diesem Jahr besser auch vom „Hitler-Faschismus“

    gesprochen werden.


    Zudem bietet es sich an, mit unseren eigenen Gedenkveranstaltungen oder

    Anzeigen, Flugblättern und ähnlichen Veröffentlichungen den Fokus auf

    unsere eigene Geschichte zu lenken. So kann über das Leid, welches von

    Deutschland über Europa gebracht wurde, gesprochen werden und die

    Forderung nach Frieden auch als Lehre aus der deutschen Geschichte

    formuliert werden. So bleibt als Bezugspunkt für das Gedenken zum Tag

    der Befreiung mehr als nur der Dank an die Alliierten und die Rote

    Armee. Die Losung „Nie wieder Krieg! Nie wieder Faschismus!“ gehört für

    uns untrennbar zusammen und ist heute aktueller denn je.


    Bei mehrsprachigen „Danke“-Formulierungen (bspw. auf Plakaten oder

    Flugblättern) sollte in diesem Jahr nicht nur auf russisch, französisch

    und englisch gedankt werden, sondern auch auf ukrainisch. Damit zeigen

    wir Solidarität mit der ukrainischen Bevölkerung, die unter dem

    aktuellen Krieg leidet, und erkennen an, dass es auch ukrainische

    Soldaten der Roten Armee waren, die Europa befreit haben.


    Дякую= Danke auf ukrainisch Спасибо= Danke auf russisch Thank you =

    Danke auf englisch Merci = Danke auf französisch


    /DIE LINKE. Berlin, Sebastian Koch (Landesgeschäftsführer) DIE LINKE.,

    Jörg Schindler (Bundesgeschäftsführer) Linksfraktion im Bundestag, Jan

    Korte (Parlamentarischer Geschäftsführer)/


    Info: aus e-mail von Doris Pumphrey, 28. 04. 2022, 22:06 Uhr

    27.04.2022

    Umstrittener ukrainischer Nationalist Bandera   Als Volksheld verehrt, als Schurke geschmäht

    spiegel.de, vom 26.04.2022, 20:35 Uhr, Ein Gastbeitrag von (Historiker) Grzegorz Rossoliński-Liebe

    Botschafter Melnyk bezeichnete ihn als »Helden«, Kremlchef Putin als »Nazi«: Um Stepan Bandera tobt ein heftiger Streit. Warum manche Ukrainer bis heute einem radikalen Nationalisten und Faschisten huldigen.


    Der Mann ist heute in Deutschland kaum bekannt. Dabei verbrachte er ein Drittel seines Lebens in Berlin und München und prägte die deutsche Politik im und nach dem Zweiten Weltkrieg mit: Stepan Bandera (1909-1959) gehört zu den umstrittensten ukrainischen Figuren und steht wie kaum ein Zweiter für die Zerrissenheit des Landes. Die unzureichende Beschäftigung mit seiner Vita zeigt, dass es Verehrern wie Gegnern nicht um die Person und Geschichte Banderas, sondern um politische Instrumentalisierung geht.


    Zum Autor

    Grzegorz Rossoliński-Liebe, geboren 1979 in Zabrze (Polen), ist Historiker an der Freien Universität Berlin. Er forscht zur jüdischen, ukrainischen, polnischen und russischen Geschichte sowie zum Holocaust, Faschismus, Antisemitismus und Nationalismus. Seine 2014 erschienene Biografie »Stepan Bandera: The Life and Afterlife of a Ukrainian Nationalist: Fascism, Genocide, and Cult« liegt seit Anfang 2022 in ukrainischer und russischer Übersetzung vor.


    Bis vor wenigen Wochen las man in Zeitungen höchstens sporadisch über die Schändungen seines Grabs auf dem Münchner Waldfriedhof durch linke Aktivisten. Doch seit Putin am 24. Februar die Ukraine angegriffen hat, ist der Name Bandera allgegenwärtig, im Geschichtsbild des russischen Präsidenten spielt er eine zentrale Rolle.


    Wer war Bandera genau? Warum erwähnt ihn Putin, wenn er behauptet, dass »Nazis« die Ukraine regieren und einen »Genozid« an den Russen im Land verüben? Wieso beziehen sich Gegner deutscher Waffenlieferungen an die Ukraine auf ihn? Und weshalb legte der ukrainische Botschafter Andrej Melnyk direkt nach seinem Amtsantritt im Jahr 2015 Blumen am Grab Banderas ab – am Grab eines Ultrarechten, der als Führer der faschistisch-terroristischenOrganisation Ukrainischer Nationaliste (OUN) im Zweiten Weltkrieg mit der Wehrmacht kollaboriert hatte und einen ethnisch-homogenen Staat in Hitlers »Neuem Europa« regieren wollte?


    Er sei »unser Held«, twitterte Melnyk damals. Als »SZ«-Journalist Heribert Prantl jüngst genau diese Verehrung Banderas durch den ukrainischen Botschafter zum Thema machte, holte Melnyk zum verbalen Gegenschlag aus: »Weder die Russen noch die Deutschen haben das Recht zu bestimmen, wen die Ukrainer als Helden verehren«, schäumte er auf Twitter. »Stepan Bandera & Hunderttausende meiner Landsleute kämpften sowohl gegen Hitler als auch gegen Stalin für den ukrainischen Staat. Lasst uns in Ruhe mit euren Belehrungen.«


    Um die ideologisch umkämpfte Figur einzuordnen, braucht es keine Belehrungen – es genügt ein Blick in die Geschichte. Geboren 1909 im Dorf Staryj Uhryniw, das damals in der Habsburgermonarchie lag, sah Bandera als Kind zu, wie ukrainische Soldaten im Ersten Weltkrieg auf beiden Seiten der Front nicht weit von seinem Haus gegeneinander kämpfen. Sein Vater, ein griechisch-katholischer Priester, erklärte ihm, dass seine Landsleute 1917 in Kiew und 1918 in Lemberg einen Staat ausgerufen hatten, der von der russischen und polnischen Armee zerstört worden war.


    Terrorakte und nationaler Aufstand


    Bandera wuchs in der Zweiten Polnischen Republik auf, die neben Polen und Ukrainern auch Juden, Deutschen, Litauern und Belarussen als Heimat diente. 1929 schloss er sich der OUN an, gegründet von ukrainischen Veteranen des Ersten Weltkriegs in Wien. Schnell stieg der radikale Nationalist auf, 1933 übernahm Bandera die OUN-Führung in Polen, wo etwa 20 Prozent der Ukrainer lebten. Der Mehrheit der Ukrainer war jedoch weder Bandera noch die OUN bekannt, weil sie in der sowjetischen Ukraine lebten.


    Oberstes Ziel Banderas und seiner Bewegung war es, die Ukraine von der sowjetischen und polnischen »Besatzung« zu befreien und einen ukrainischen Staat zu errichten. Um das zu erreichen, war die OUN zu allem bereit, verübte Terrorakte und wollte einen nationalen Aufstand provozieren.


    Ihre wichtigsten Verbündeten waren Staaten, die mit Polen und Russland verfeindet waren, etwa Deutschland und Litauen. Am besten aber verstand sich die OUN mit der kroatischen Ustascha: einer ultranationalistischen und faschistischen Bewegung, die ebenfalls Terroraktionen durchführte und mit Gewalt einen ethnisch-homogenen Staat gründen wollte.


    Rassistisch und antisemitisch


    Wie die Ustascha bejahte auch die OUN den Aufstieg des Faschismus in Europa: Die neue Ideologie schien den ukrainischen Nationalisten wie geschaffen, um ihre eigenen Ziele umzusetzen. Die OUN orientierte sich am italienischen Faschismus und deutschen Nationalsozialismus. Gleichzeitig erfand die Organisation ihren eigenen ukrainischen Faschismus, den sie als »Nationalismus« bezeichnete, weil sie nicht als Agentin Mussolinis oder Hitlers wahrgenommen werden wollte.


    Zudem war das Denken und Handeln des ukrainischen radikalen Nationalismus rassistisch und antisemitisch geprägt: Judenhasser Adolf Hitler galt als beliebte Figur unter OUN-Mitgliedern; mit ihrem Rassismus hoben ukrainische Nationalisten Unterschiede zwischen Ukrainern, Russen und Polen hervor, weil diese drei ethnischen Gruppen sich kulturell und sprachlich ähnelten.


    Der ukrainische Geograf Stepan Rudnyzkyj hatte bereits in den 1910er-Jahren pseudowissenschaftliche Untersuchungen angestellt, um zu beweisen, wie sich die Schädel und andere Körperteile der Ukrainer von denen der Russen und Polen unterscheiden – und wie verschieden diese drei Gruppen angeblich Fett an Bauch, Brust oder Nacken ansetzen.


    Die ersten Pläne zur »Säuberung« der Ukraine von Juden und Polen konzipierte der OUN-Kader Mykola Kolodzinskyj 1934 in einem Ausbildungslager in Italien. Kolodzinskyj beabsichtigte, Juden und Polen in der Westukraine teils zu ermorden, teils zu vertreiben. Bandera und andere OUN-Mitglieder verinnerlichten diese Absichten und waren bereit, sie bei nächster Gelegenheit in die Tat umzusetzen.


    Im Zusammenhang mit der Ermordung des polnischen Innenministers Bronisław Pieracki wurde
    Bandera inhaftiert; im polnischen Gefängnis radikalisierte er andere ukrainische Häftlinge. Als
    der Zweite Weltkrieg begann, kam Bandera frei und ging nach Krakau, der Hauptstadt des

    »Generalgouvernements«.


    Bandera half Wehrmacht und Abwehr (dem deutschen Militärgeheimdienst), das »Unternehmen Barbarossa« vorzubereiten: den Überfall Nazi-Deutschlands auf die Sowjetunion. Gleichzeitig plante die OUN die »Ukrainische Nationale Revolution«.


    Der OUN-Führer schickte sich an, das Oberhaupt (»Prowidnyk«) eines ukrainischen Staates in Hitlers »Neuem Europa« zu werden. Dieser wurde am 30. Juni 1941 in Lemberg (heute Lwiw) proklamiert – acht Tage nach Beginn des »Unternehmens Barbarossa«. Am selben Tag begann in Lemberg ein blutiger Pogrom.


    Doch während Hitler in Kroatien die faschistische Ustascha und den slowakischen Diktator Jozef

    Tisos gewähren ließ, duldete er keinen eigenständigen ukrainischen, litauischen oder weißrussischen Staat. Die Nationalsozialisten kollaborierten zwar mit ukrainischen Nationalisten, einen eigenen Staat billigten sie ihnen aber nicht zu.


    Im KZ internierter Faschist


    Da Bandera sich zunächst weigerte, die Proklamation des ukrainischen Staates zu widerrufen, wurde er mit seinem Vertreter Jaroslaw Stezko, einem leidenschaftlichen Antisemiten, festgenommen und bis Herbst 1944 in Berlin und dem KZ Sachsenhausen als privilegierter »Sonderhäftling« des Reichssicherheitsamts inhaftiert. Dort saß er mit Horia Sima, Führer der rumänisch-faschistischen »Eisernen Garde«, sowie dem Austrofaschisten Kurt Schuschnigg ein.


    Während Banderas Internierung veränderte sich die Westukraine. Die OUN trug dazu bei. Bis Frühling 1943 ermordeten die deutschen Besatzer etwa 800.000 Juden in der Westukraine. Mitglieder der OUN unterstützten sie dabei als Polizisten.


    Zudem beteiligten sich am Judenmord auch »gewöhnliche« Ukrainer, die (wie etwa Banderas Onkel Josef Bandera) in den Kommunalverwaltungen arbeiteten. Sie errichteten Gettos, denunzierten Juden, jagten und fingen sie, übergaben sie der Polizei. Ohne die Unterstützung ukrainischer Nationalisten und normaler Bürger wäre es den Besatzern sehr wahrscheinlich nicht gelungen, in nur knapp zwei Jahren über 90 Prozent der westukrainischen Juden zu ermorden.


    Nach der Auslöschung der westukrainischen Juden desertierten im Frühling 1943 etwa 5000 ukrainische Polizisten in Wolhynien und schlossen sich der von der OUN aufgestellten Ukrainischen Aufständischen Armee (UPA) an. Befehligt wurde die UPA von Roman Schuchewtsch – der ehemalige Offizier des ukrainischen SS-Bataillons »Nachtigall« kämpfte als Mitglied des Schutzmannschaftsbataillons 201 gegen Partisanen in Belarus und nahm an Massakern gegen Juden teil.


    1943 ermordete die UPA massenweise und systematisch Polen in Wolhynien und ab Anfang 1944 in Galizien. Sie führte Massaker durch und zwang die Menschen dazu, die Westukraine zu verlassen. UPA- Partisanen wandten dabei Methoden an, die sie als ukrainische Polizisten bei der Ermordung der Juden erlernt hatten. Die deutschen Besatzer griffen in diese »ethnischen Säuberungen« nicht ein, unterstützten die UPA aber auch nicht.


    »Nicht nur Hunderte, sondern Tausende Menschenleben müssen geopfert werden.«

    Stepan Bandera 1936 vor Gericht


    Insgesamt wurden in der Westukraine etwa 100.000 Polen ermordet und mehrere Tausend vertrieben. Bandera trug zumindest indirekt die Verantwortung für die an Juden und Polen verübten Verbrechen. Zwar war er oft nicht vor Ort und konnte daher auch nicht selbst Befehle erteilen. Er war es jedoch, der die Bewegung radikalisiert hatte und die ethnische Gewalt als notwendiges politisches Instrument bejahte.


    »Nicht nur Hunderte, sondern Tausende Menschenleben müssen geopfert werden«, sagte Bandera 1936 vor Gericht in Lemberg. Damit meinte er sowohl ukrainische Nationalisten, die im Kampf fallen, als auch Juden, Russen und Polen sowie demokratische und kommunistische Ukrainer, die als »Feinde der Ukraine« ermordet werden müssten.


    Nach der Entlassung aus dem KZ Sachsenhausen im Oktober 1944 hielt sich Bandera einige Monate in Österreich auf und zog dann nach München, um dort mithilfe des amerikanischen, britischen und später des westdeutschen Geheimdienstes ein OUN-Zentrum aufzubauen.


    Von westlichen Geheimdiensten unterstützt


    Wie andere Mitglieder der Bewegung leugnete Bandera nach dem Krieg die Beteiligung der OUN an den Massenmorden an Juden und Polen. Obwohl diese Verbrechen den Geheimdiensten und westdeutschen Politikern bekannt waren, wurde Bandera im Kalten Krieg als ein wichtiger Verbündeter im Krieg gegen die Sowjetunion unterstützt.


    Er schickte seine Agenten in die sowjetische Ukraine und unterhielt freundschaftliche Beziehungen zu Diktator Francisco Franco, der ihm eine Übersiedlung nach Spanien anbot. Dem kam jedoch ein junger KGB-Agent namens Bohdan Staschinski zuvor: Er ermordete Bandera am 15. Oktober 1959 mit einer Giftpistole im Treppenhaus vor seiner Münchner Wohnung in der Kreittmayrstraße 7.


    Der Mord war so perfekt vorbereitet und durchgeführt, dass die Polizei die eigentliche Todesursache und den Tatverlauf erst ermitteln konnte, nachdem KGB-Aussteiger Staschinski sich 1961 der West-Berliner Polizei stellte.


    Das Attentat auf Bandera führte zur Wiederbelebung des Kults um den Politiker und erweiterte ihn um eine antisowjetische Komponente: Seither wurde Bandera als Held erinnert, der im Kampf gegen die Sowjetunion für sein Vaterland fiel. Der 15. Oktober wurde zu einem inoffiziellen Feiertag der Ukrainer stilisiert; alljährlich trauerte die ukrainische Diaspora um ihren ermordeten »Prowidnyk«, dazu zählten unter anderem Veteranen der OUN, UPA und der Waffen-SS-Division Galizien.


    Die Bandera-Verehrer organisierten religiöse und politische Trauerfeierlichkeiten sowie antisowjetische Aufmärsche, bei denen sie sowjetische Flaggen verbrannten oder sowjetische Botschaften und Konsulate stürmten. In München unternahmen sie gar den Versuch, die Kreittmayrstraße in Stepan-Bandera- Straße umzubenennen.


    Nach dem Zerfall der Sowjetunion brachten Veteranen der OUN den Bandera-Kult in die Westukraine zurück. Vor allem in Galizien wurden Straßen nach ihm benannt, westukrainische Historiker verfassten verklärende Schriften. Kommunalpolitiker errichteten für Bandera neben zahlreichen Denkmälern auch vier Museen, eines davon in den Räumlichkeiten der Agrartechnischen Hochschule in Dubljany bei Lemberg. Dort hatte Bandera studiert.


    Am 22. Januar 2010 verlieh der ukrainische Präsident Wiktor Juschtschenko Bandera für dessen »Kampf für die Freiheit der Ukraine« gar den Ehrentitel »Held der Ukraine« – doch Nachfolger Wiktor Janukowitsch sorgte dafür, dass ein Gericht in Donezk diese Entscheidung 39 Tage später annullierte.


    Im Zentrum und Osten bis heute abgelehnt


    Der Bandera-Kult konnte sich allerdings nicht uneingeschränkt entfalten: Zwar fand er in Galizien und Wolhynien viele Anhänger, aber in der Zentral- und Ostukraine wird er bis heute trotz der Aktivitäten ukrainischer Geschichtspolitiker und Historiker abgelehnt.


    Traurig und erschreckend am Bandera-Kult ist, dass Westukrainer ähnlich wie die ukrainische Diaspora oft gar nicht wissen, wen sie eigentlich verehren. Die Vita Banderas sowie die Geschichte der OUN und UPA sind in der Ukraine vielfach nicht bekannt – eine kritische Auseinandersetzung mit dem umstrittenen Politiker wie mit der Geschichte der ethnischen Gewalt in der Ukraine hat nie stattgefunden, weil kritische Historiographie in der Ukraine unbeliebt ist und als eine Bedrohung beziehungsweise russische Propaganda verstanden wird.


    Beigetragen hatte dazu auch die Sowjetunion: Bei der Auflösung von OUN und UPA ab 1944 begingen sowjetische Soldaten in der Westukraine schwere Verbrechen an den Sympathisanten der Bewegung und der Zivilbevölkerung. Mehr als 150.000 Ukrainer wurden ermordet, gut 200.000 in das Innere der Sowjetunion deportiert – die UPA konnte aber nie mehr als 100.000 Menschen mobilisieren.


    Da Bandera in der Sowjetunion als Verräter, Faschist und Kapitalist geschmäht wurde, drehten die Westukrainer im sowjetischen Untergrund sein Bild um und verklärten ihn kurzerhand als Nationalhelden, Dissidenten und Freiheitskämpfer. Ob es ausgerechnet jetzt, im Zuge des blutigen Angriffskriegs, zur Aufarbeitung der Bandera-Problematik in der Ukraine oder Russland kommt, ist ungewiss.


    Info: https://www.spiegel.de/geschichte/stepan-bandera-ukrainischer-nationalist-als-volksheld-verehrt-als-schurke-geschmaeht-a-6b340fa6-310a-4c7b-93c0-3560eb725510


    unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

    27.04.2022

    Bundenministerium für Justiz, Bundesamt für Justiz

    Gesetz zur Verhütung und Bekämpfung von Infektionskrankheiten beim Menschen (Infektionsschutzgesetz - IfSG)
    § 19 Aufgaben des Gesundheitsamtes in besonderen Fällen (1) Das Gesundheitsamt bietet bezüglich sexuell übertragbarer Krankheiten und Tuberkulose Beratung und Untersuchung an oder stellt diese in Zusammenarbeit mit anderen medizinischen Einrichtungen sicher. In Bezug auf andere übertragbare Krankheiten kann das Gesundheitsamt Beratung und Untersuchung anbieten oder diese in Zusammenarbeit mit anderen medizinischen Einrichtungen sicherstellen. Die Beratung und Untersuchung sollen für Personen, deren Lebensumstände eine erhöhte Ansteckungsgefahr für sich oder andere mit sich bringen, auch aufsuchend angeboten werden. Im Einzelfall können die Beratung und Untersuchung nach Satz 1 bezüglich sexuell übertragbarer Krankheiten und Tuberkulose die ambulante Behandlung durch eine Ärztin oder einen Arzt umfassen, soweit dies zur Verhinderung der Weiterverbreitung der übertragbaren Krankheit erforderlich ist. Die Angebote können bezüglich sexuell übertragbarer Krankheiten anonym in Anspruch genommen werden, soweit hierdurch die Geltendmachung von Kostenerstattungsansprüchen nicht gefährdet wird. Die zuständigen Behörden können mit den Maßnahmen nach den Sätzen 1 bis 4 Dritte beauftragen.

    (2) Soweit die von der Maßnahme betroffene Person gegen einen anderen Kostenträger einen Anspruch auf entsprechende Leistungen hat oder einen Anspruch auf Erstattung der Aufwendungen für entsprechende Leistungen hätte, ist dieser zur Tragung der Sachkosten verpflichtet. Wenn Dritte nach Absatz 1 Satz 6 beauftragt wurden, ist der andere Kostenträger auch zur Tragung dieser Kosten verpflichtet, soweit diese angemessen sind.


    Gesetz zur Verhütung und Bekämpfung von Infektionskrankheiten beim Menschen (Infektionsschutzgesetz - IfSG)
    § 20 Schutzimpfungen und andere Maßnahmen der spezifischen Prophylaxe

    (1) Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, die obersten Landesgesundheitsbehörden und die von ihnen beauftragten Stellen sowie die Gesundheitsämter informieren die Bevölkerung zielgruppenspezifisch über die Bedeutung von Schutzimpfungen und andere Maßnahmen der spezifischen Prophylaxe übertragbarer Krankheiten. Bei der Information der Bevölkerung soll die vorhandene Evidenz zu bestehenden Impflücken berücksichtigt werden.

    (2) Beim Robert Koch-Institut wird eine Ständige Impfkommission eingerichtet. Die Kommission gibt sich eine Geschäftsordnung, die der Zustimmung des Bundesministeriums für Gesundheit bedarf. Die Kommission gibt Empfehlungen zur Durchführung von Schutzimpfungen und zur Durchführung anderer Maßnahmen der spezifischen Prophylaxe übertragbarer Krankheiten und entwickelt Kriterien zur Abgrenzung einer üblichen Impfreaktion und einer über das übliche Ausmaß einer Impfreaktion hinausgehenden gesundheitlichen Schädigung. Die Mitglieder der Kommission werden vom Bundesministerium für Gesundheit im Benehmen mit den obersten Landesgesundheitsbehörden berufen. Vertreter des Bundesministeriums für Gesundheit, der obersten Landesgesundheitsbehörden, des Robert Koch-Institutes und des Paul-Ehrlich-Institutes nehmen mit beratender Stimme an den Sitzungen teil. Weitere Vertreter von Bundesbehörden können daran teilnehmen. Die Empfehlungen der Kommission werden von dem Robert Koch-Institut den obersten Landesgesundheitsbehörden übermittelt und anschließend veröffentlicht.

    (2a) Empfehlungen der Ständigen Impfkommission zur Durchführung von Schutzimpfungen gegen das Coronavirus SARS-CoV-2 haben sich insbesondere an folgenden Impfzielen auszurichten:

    1.

    Reduktion schwerer oder tödlicher Krankheitsverläufe,

    2.

    Unterbindung einer Transmission des Coronavirus SARS-CoV-2,

    3.

    Schutz von Personen mit besonders hohem Risiko für einen schweren oder tödlichen Krankheitsverlauf,

    4.

    Schutz von Personen mit besonders hohem behinderungs-, tätigkeits- oder aufenthaltsbedingtem Infektionsrisiko,

    5.

    Aufrechterhaltung zentraler staatlicher Funktionen, von Kritischen Infrastrukturen, von zentralen Bereichen der Daseinsvorsorge und des öffentlichen Lebens.

    Die auf Grund des § 5 Absatz 2 Satz 1 Nummer 4 Buchstabe f sowie des § 20i Absatz 3 Satz 2 Nummer 1 Buchstabe a, auch in Verbindung mit Nummer 2, des Fünften Buches Sozialgesetzbuch erlassenen Rechtsverordnungen haben sich an den in Satz 1 genannten Impfzielen im Fall beschränkter Verfügbarkeit von Impfstoffen bei notwendigen Priorisierungen auszurichten.

    (3) Die obersten Landesgesundheitsbehörden sollen öffentliche Empfehlungen für Schutzimpfungen oder andere Maßnahmen der spezifischen Prophylaxe auf der Grundlage der jeweiligen Empfehlungen der Ständigen Impfkommission aussprechen.

    (4) Zur Durchführung von Schutzimpfungen ist jeder Arzt berechtigt. Fachärzte dürfen Schutzimpfungen unabhängig von den Grenzen der Ausübung ihrer fachärztlichen Tätigkeit durchführen. Die Berechtigung zur Durchführung von Schutzimpfungen nach anderen bundesrechtlichen Vorschriften bleibt unberührt.

    (5) Die obersten Landesgesundheitsbehörden können bestimmen, dass die Gesundheitsämter unentgeltlich Schutzimpfungen oder andere Maßnahmen der spezifischen Prophylaxe gegen bestimmte übertragbare Krankheiten durchführen. Die zuständigen Behörden können mit den Maßnahmen nach Satz 1 Dritte beauftragen. Soweit die von der Maßnahme betroffene Person gegen einen anderen Kostenträger einen Anspruch auf entsprechende Leistungen hat oder einen Anspruch auf Erstattung der Aufwendungen für entsprechende Leistungen hätte, ist dieser zur Tragung der Sachkosten verpflichtet. Wenn Dritte nach Satz 2 beauftragt wurden, ist der andere Kostenträger auch zur Tragung dieser Kosten verpflichtet, soweit diese angemessen sind.

    (6) Das Bundesministerium für Gesundheit wird ermächtigt, durch Rechtsverordnung mit Zustimmung des Bundesrates anzuordnen, dass bedrohte Teile der Bevölkerung an Schutzimpfungen oder anderen Maßnahmen der spezifischen Prophylaxe teilzunehmen haben, wenn eine übertragbare Krankheit mit klinisch schweren Verlaufsformen auftritt und mit ihrer epidemischen Verbreitung zu rechnen ist. Personen, die auf Grund einer medizinischen Kontraindikation nicht an Schutzimpfungen oder an anderen Maßnahmen der spezifischen Prophylaxe teilnehmen können, können durch Rechtsverordnung nach Satz 1 nicht zu einer Teilnahme an Schutzimpfungen oder an anderen Maßnahmen der spezifischen Prophylaxe verpflichtet werden. § 15 Abs. 2 gilt entsprechend.

    (7) Solange das Bundesministerium für Gesundheit von der Ermächtigung nach Absatz 6 keinen Gebrauch macht, sind die Landesregierungen zum Erlass einer Rechtsverordnung nach Absatz 6 ermächtigt. Die Landesregierungen können die Ermächtigung durch Rechtsverordnung auf die obersten Landesgesundheitsbehörden übertragen.

    (8) Folgende Personen, die nach dem 31. Dezember 1970 geboren sind, müssen entweder einen nach den Maßgaben von Satz 2 ausreichenden Impfschutz gegen Masern oder ab der Vollendung des ersten Lebensjahres eine Immunität gegen Masern aufweisen:

    1.

    Personen, die in einer Gemeinschaftseinrichtung nach § 33 Nummer 1 bis 3 betreut werden,

    2.

    Personen, die bereits vier Wochen

    a)

    in einer Gemeinschaftseinrichtung nach § 33 Nummer 4 betreut werden oder

    b)

    in einer Einrichtung nach § 36 Absatz 1 Nummer 4 untergebracht sind, und

    3.

    Personen, die in Einrichtungen nach § 23 Absatz 3 Satz 1, § 33 Nummer 1 bis 4 oder § 36 Absatz 1 Nummer 4 tätig sind.

    Ein ausreichender Impfschutz gegen Masern besteht, wenn ab der Vollendung des ersten Lebensjahres mindestens eine Schutzimpfung und ab der Vollendung des zweiten Lebensjahres mindestens zwei Schutzimpfungen gegen Masern bei der betroffenen Person durchgeführt wurden. Satz 1 gilt auch, wenn zur Erlangung von Impfschutz gegen Masern ausschließlich Kombinationsimpfstoffe zur Verfügung stehen, die auch Impfstoffkomponenten gegen andere Krankheiten enthalten. Satz 1 gilt nicht für Personen, die auf Grund einer medizinischen Kontraindikation nicht geimpft werden können.

    (9) Personen, die in Gemeinschaftseinrichtungen nach § 33 Nummer 1 bis 3 betreut oder in Einrichtungen nach § 23 Absatz 3 Satz 1, § 33 Nummer 1 bis 4 oder § 36 Absatz 1 Nummer 4 tätig werden sollen, haben der Leitung der jeweiligen Einrichtung vor Beginn ihrer Betreuung oder ihrer Tätigkeit folgenden Nachweis vorzulegen:

    1.

    eine Impfdokumentation nach § 22 Absatz 1 und 2 oder ein ärztliches Zeugnis, auch in Form einer Dokumentation nach § 26 Absatz 2 Satz 4 des Fünften Buches Sozialgesetzbuch, darüber, dass bei ihnen ein nach den Maßgaben von Absatz 8 Satz 2 ausreichender Impfschutz gegen Masern besteht,

    2.

    ein ärztliches Zeugnis darüber, dass bei ihnen eine Immunität gegen Masern vorliegt oder sie aufgrund einer medizinischen Kontraindikation nicht geimpft werden können oder

    3.

    eine Bestätigung einer staatlichen Stelle oder der Leitung einer anderen in Absatz 8 Satz 1 genannten Einrichtung darüber, dass ein Nachweis nach Nummer 1 oder Nummer 2 bereits vorgelegen hat.

    Wenn der Nachweis nach Satz 1 von einer Person, die auf Grund einer nach Satz 8 zugelassenen Ausnahme oder nach Satz 9 in Gemeinschaftseinrichtungen nach § 33 Nummer 1 bis 3 betreut oder in Einrichtungen nach § 23 Absatz 3 Satz 1, § 33 Nummer 1 bis 4 oder § 36 Absatz 1 Nummer 4 beschäftigt oder tätig werden darf, nicht vorgelegt wird oder wenn Zweifel an der Echtheit oder inhaltlichen Richtigkeit des vorgelegten Nachweises bestehen, hat die Leitung der jeweiligen Einrichtung unverzüglich das Gesundheitsamt, in dessen Bezirk sich die Einrichtung befindet, darüber zu benachrichtigen und dem Gesundheitsamt personenbezogene Daten zu übermitteln. Die oberste Landesgesundheitsbehörde oder die von ihr bestimmte Stelle kann bestimmen, dass
    1.

    der Nachweis nach Satz 1 nicht der Leitung der jeweiligen Einrichtung, sondern dem Gesundheitsamt oder einer anderen staatlichen Stelle gegenüber zu erbringen ist,

    2.

    die Benachrichtigung nach Satz 2 nicht durch die Leitung der jeweiligen Einrichtung, sondern durch die nach Nummer 1 bestimmte Stelle zu erfolgen hat,

    3.

    die Benachrichtigung nach Satz 2 nicht gegenüber dem Gesundheitsamt, in dessen Bezirk sich die jeweilige Einrichtung befindet, sondern gegenüber einer anderen staatlichen Stelle zu erfolgen hat.

    Die Behörde, die für die Erteilung der Erlaubnis nach § 43 Absatz 1 des Achten Buches Sozialgesetzbuch zuständig ist, kann bestimmen, dass vor dem Beginn der Tätigkeit im Rahmen der Kindertagespflege der Nachweis nach Satz 1 ihr gegenüber zu erbringen ist; in diesen Fällen hat die Benachrichtigung nach Satz 2 durch sie zu erfolgen. Eine Benachrichtigungspflicht nach Satz 2 besteht nicht, wenn der Leitung der jeweiligen Einrichtung oder der anderen nach Satz 3 Nummer 2 oder Satz 4 bestimmten Stelle bekannt ist, dass das Gesundheitsamt oder die andere nach Satz 3 Nummer 3 bestimmte Stelle über den Fall bereits informiert ist. Eine Person, die ab der Vollendung des ersten Lebensjahres keinen Nachweis nach Satz 1 vorlegt, darf nicht in Gemeinschaftseinrichtungen nach § 33 Nummer 1 bis 3 betreut oder in Einrichtungen nach § 23 Absatz 3 Satz 1, § 33 Nummer 1 bis 4 oder § 36 Absatz 1 Nummer 4 beschäftigt werden. Eine Person, die über keinen Nachweis nach Satz 1 verfügt oder diesen nicht vorlegt, darf in Einrichtungen nach § 23 Absatz 3 Satz 1, § 33 Nummer 1 bis 4 oder § 36 Absatz 1 Nummer 4 nicht tätig werden. Die oberste Landesgesundheitsbehörde oder die von ihr bestimmte Stelle kann allgemeine Ausnahmen von den Sätzen 6 und 7 zulassen, wenn das Paul-Ehrlich-Institut auf seiner Internetseite einen Lieferengpass zu allen Impfstoffen mit einer Masernkomponente, die für das Inverkehrbringen in Deutschland zugelassen oder genehmigt sind, bekannt gemacht hat; parallel importierte und parallel vertriebene Impfstoffe mit einer Masernkomponente bleiben unberücksichtigt. Eine Person, die einer gesetzlichen Schulpflicht unterliegt, darf in Abweichung von Satz 6 in Gemeinschaftseinrichtungen nach § 33 Nummer 3 betreut werden.

    (9a) Sofern sich ergibt, dass ein Impfschutz gegen Masern erst zu einem späteren Zeitpunkt möglich ist oder vervollständigt werden kann oder ein Nachweis nach Absatz 9 Satz 1 Nummer 2 seine Gültigkeit auf Grund Zeitablaufs verliert, haben Personen, die in Gemeinschaftseinrichtungen nach § 33 Nummer 1 bis 3 betreut werden oder in Einrichtungen nach § 23 Absatz 3 Satz 1, § 33 Nummer 1 bis 4 oder § 36 Absatz 1 Nummer 4 tätig sind, der Leitung der jeweiligen Einrichtung einen Nachweis nach Absatz 9 Satz 1 innerhalb eines Monats, nachdem es ihnen möglich war, einen Impfschutz gegen Masern zu erlangen oder zu vervollständigen, oder innerhalb eines Monats nach Ablauf der Gültigkeit des bisherigen Nachweises nach Absatz 9 Satz 1 Nummer 2 vorzulegen. Wenn der Nachweis nach Satz 1 nicht innerhalb dieses Monats vorgelegt wird oder wenn Zweifel an der Echtheit oder inhaltlichen Richtigkeit des vorgelegten Nachweises bestehen, hat die Leitung der jeweiligen Einrichtung unverzüglich das Gesundheitsamt, in dessen Bezirk sich die jeweilige Einrichtung befindet, darüber zu benachrichtigen und dem Gesundheitsamt personenbezogene Daten zu übermitteln. Absatz 9 Satz 3 gilt entsprechend.

    (10) Personen, die am 1. März 2020 bereits in Gemeinschaftseinrichtungen nach § 33 Nummer 1 bis 3 betreut wurden und noch werden oder in Einrichtungen nach § 23 Absatz 3 Satz 1, § 33 Nummer 1 bis 4 oder § 36 Absatz 1 Nummer 4 tätig waren und noch sind, haben der Leitung der jeweiligen Einrichtung einen Nachweis nach Absatz 9 Satz 1 bis zum Ablauf des 31. Juli 2022 vorzulegen. Wenn der Nachweis nach Absatz 9 Satz 1 nicht bis zum Ablauf des 31. Juli 2022 vorgelegt wird oder wenn Zweifel an der Echtheit oder inhaltlichen Richtigkeit des vorgelegten Nachweises bestehen, hat die Leitung der jeweiligen Einrichtung unverzüglich das Gesundheitsamt, in dessen Bezirk sich die Einrichtung befindet, darüber zu benachrichtigen und dem Gesundheitsamt personenbezogene Daten zu übermitteln. Absatz 9 Satz 3 und 4 findet entsprechende Anwendung.

    (11) Personen, die bereits vier Wochen in Gemeinschaftseinrichtungen nach § 33 Nummer 4 betreut werden oder in Einrichtungen nach § 36 Absatz 1 Nummer 4 untergebracht sind, haben der Leitung der jeweiligen Einrichtung einen Nachweis nach Absatz 9 Satz 1 wie folgt vorzulegen:

    1.

    innerhalb von vier weiteren Wochen oder,

    2.

    wenn sie am 1. März 2020 bereits betreut wurden und noch werden oder untergebracht waren und noch sind, bis zum Ablauf des 31. Juli 2022.

    Wenn der Nachweis nach Absatz 9 Satz 1 in den Fällen des Satzes 1 Nummer 1 nicht innerhalb von vier weiteren Wochen oder in den Fällen von Satz 1 Nummer 2 nicht bis zum Ablauf des 31. Juli 2022 vorgelegt wird oder wenn Zweifel an der Echtheit oder inhaltlichen Richtigkeit des vorgelegten Nachweises bestehen, hat die Leitung der jeweiligen Einrichtung unverzüglich das Gesundheitsamt, in dessen Bezirk sich die Einrichtung befindet, darüber zu benachrichtigen und dem Gesundheitsamt personenbezogene Daten zu übermitteln. Absatz 9 Satz 3 findet entsprechende Anwendung.

    (12) Folgende Personen haben dem Gesundheitsamt, in dessen Bezirk sich die jeweilige Einrichtung befindet, auf Anforderung einen Nachweis nach Absatz 9 Satz 1 vorzulegen:

    1.

    Personen, die in Gemeinschaftseinrichtungen nach § 33 Nummer 1 bis 3 betreut werden,

    2.

    Personen, die bereits acht Wochen

    a)

    in Gemeinschaftseinrichtungen nach § 33 Nummer 4 betreut werden oder

    b)

    in Einrichtungen nach § 36 Absatz 1 Nummer 4 untergebracht sind und

    3.

    Personen, die in Einrichtungen nach § 23 Absatz 3 Satz 1, § 33 Nummer 1 bis 4 oder § 36 Absatz 1 Nummer 4 tätig sind.

    Bestehen Zweifel an der Echtheit oder inhaltlichen Richtigkeit des vorgelegten Nachweises, so kann das Gesundheitsamt eine ärztliche Untersuchung dazu anordnen, ob die betroffene Person auf Grund einer medizinischen Kontraindikation nicht gegen Masern geimpft werden kann. Wenn der Nachweis nach Absatz 9 Satz 1 nicht innerhalb einer angemessenen Frist vorgelegt wird, kann das Gesundheitsamt die zur Vorlage des Nachweises verpflichtete Person zu einer Beratung laden und hat diese zu einer Vervollständigung des Impfschutzes gegen Masern aufzufordern. Das Gesundheitsamt kann einer Person, die trotz der Anforderung nach Satz 1 keinen Nachweis innerhalb einer angemessenen Frist vorlegt oder der Anordnung einer ärztlichen Untersuchung nach Satz 2 nicht Folge leistet, untersagen, dass sie die dem Betrieb einer in Absatz 8 Satz 1 genannten Einrichtung dienenden Räume betritt oder in einer solchen Einrichtung tätig wird. Einer Person, die einer gesetzlichen Schulpflicht unterliegt, kann in Abweichung von Satz 4 nicht untersagt werden, die dem Betrieb einer Einrichtung nach § 33 Nummer 3 dienenden Räume zu betreten. Einer Person, die einer Unterbringungspflicht unterliegt, kann in Abweichung von Satz 4 nicht untersagt werden, die dem Betrieb einer Gemeinschaftseinrichtung nach § 33 Nummer 4 oder einer Einrichtung nach § 36 Absatz 1 Nummer 4 dienenden Räume zu betreten. Widerspruch und Anfechtungsklage gegen eine vom Gesundheitsamt nach Satz 2 erlassene Anordnung oder ein von ihm nach Satz 4 erteiltes Verbot haben keine aufschiebende Wirkung.

    (13) Wenn eine nach den Absätzen 9 bis 12 verpflichtete Person minderjährig ist, so hat derjenige für die Einhaltung der diese Person nach den Absätzen 9 bis 12 treffenden Verpflichtungen zu sorgen, dem die Sorge für diese Person zusteht. Die gleiche Verpflichtung trifft den Betreuer einer von Verpflichtungen nach den Absätzen 9 bis 12 betroffenen Person, soweit die Erfüllung dieser Verpflichtungen zu seinem Aufgabenkreis gehört.

    (14) Durch die Absätze 6 bis 12 wird das Grundrecht der körperlichen Unversehrtheit (Artikel 2 Absatz 2 Satz 1 des Grundgesetzes) eingeschränkt.



    Gesetz zur Verhütung und Bekämpfung von Infektionskrankheiten beim Menschen (Infektionsschutzgesetz - IfSG)

    § 20a Immunitätsnachweis gegen COVID-19

    (1) Folgende Personen müssen ab dem 15. März 2022 über einen Impf- oder Genesenennachweis nach § 22a Absatz 1 oder Absatz 2 verfügen:

    1.

    Personen, die in folgenden Einrichtungen oder Unternehmen tätig sind:

    a)

    Krankenhäuser,

    b)

    Einrichtungen für ambulantes Operieren,

    c)

    Vorsorge- oder Rehabilitationseinrichtungen,

    d)

    Dialyseeinrichtungen,

    e)

    Tageskliniken,

    f)

    Entbindungseinrichtungen,

    g)

    Behandlungs- oder Versorgungseinrichtungen, die mit einer der in den Buchstaben a bis f genannten Einrichtungen vergleichbar sind,

    h)

    Arztpraxen, Zahnarztpraxen,

    i)

    Praxen sonstiger humanmedizinischer Heilberufe,

    j)

    Einrichtungen des öffentlichen Gesundheitsdienstes, in denen medizinische Untersuchungen, Präventionsmaßnahmen oder ambulante Behandlungen durchgeführt werden,

    k)

    Rettungsdienste,

    l)

    sozialpädiatrische Zentren nach § 119 des Fünften Buches Sozialgesetzbuch,

    m)

    medizinische Behandlungszentren für Erwachsene mit geistiger Behinderung oder schweren Mehrfachbehinderungen nach § 119c des Fünften Buches Sozialgesetzbuch,

    n)

    Einrichtungen der beruflichen Rehabilitation nach § 51 des Neunten Buches Sozialgesetzbuch und Dienste der beruflichen Rehabilitation,

    o)

    Begutachtungs- und Prüfdienste, die auf Grund der Vorschriften des Fünften Buches Sozialgesetzbuch oder des Elften Buches Sozialgesetzbuch tätig werden,

    2.

    Personen, die in voll- oder teilstationären Einrichtungen zur Betreuung und Unterbringung älterer, behinderter oder pflegebedürftiger Menschen oder in vergleichbaren Einrichtungen tätig sind,

    3.

    Personen, die in ambulanten Pflegediensten und weiteren Unternehmen, die den in Nummer 2 genannten Einrichtungen vergleichbare Dienstleistungen im ambulanten Bereich anbieten, tätig sind; zu diesen Unternehmen gehören insbesondere:

    a)

    ambulante Pflegeeinrichtungen gemäß § 72 des Elften Buches Sozialgesetzbuch sowie Einzelpersonen gemäß § 77 des Elften Buches Sozialgesetzbuch,

    b)

    ambulante Pflegedienste, die ambulante Intensivpflege in Einrichtungen, Wohngruppen oder sonstigen gemeinschaftlichen Wohnformen erbringen,

    c)

    Unternehmen, die Assistenzleistungen nach § 78 des Neunten Buches Sozialgesetzbuch erbringen,

    d)

    Unternehmen, die Leistungen der interdisziplinären Früherkennung und Frühförderung nach § 42 Absatz 2 Nummer 2 des Neunten Buches Sozialgesetzbuch und § 46 des Neunten Buches Sozialgesetzbuch in Verbindung mit der Frühförderungsverordnung oder heilpädagogische Leistungen nach § 79 des Neunten Buches Sozialgesetzbuch erbringen,

    e)

    Beförderungsdienste, die für Einrichtungen nach Nummer 2 dort behandelte, betreute, gepflegte oder untergebrachte Personen befördern oder die Leistungen nach § 83 Absatz 1 Nummer 1 des Neunten Buches Sozialgesetzbuch erbringen, und

    f)

    Leistungsberechtigte, die im Rahmen eines Persönlichen Budgets nach § 29 des Neunten Buches Sozialgesetzbuch Personen für die Erbringung entsprechender Dienstleistungen beschäftigen.

    Satz 1 gilt nicht für Personen, die auf Grund einer medizinischen Kontraindikation nicht gegen das Coronavirus SARS-CoV-2 geimpft werden können.

    (2) Personen, die in den in Absatz 1 Satz 1 genannten Einrichtungen oder Unternehmen tätig sind, haben der Leitung der jeweiligen Einrichtung oder des jeweiligen Unternehmens bis zum Ablauf des 15. März 2022 folgenden Nachweis vorzulegen:

    1.

    einen Impfnachweis nach § 22a Absatz 1,

    2.

    einen Genesenennachweis nach § 22a Absatz 2,

    3.

    ein ärztliches Zeugnis darüber, dass sie sich im ersten Schwangerschaftsdrittel befinden, oder

    4.

    ein ärztliches Zeugnis darüber, dass sie auf Grund einer medizinischen Kontraindikation nicht gegen das Coronavirus SARS-CoV-2 geimpft werden können.

    Wenn der Nachweis nach Satz 1 nicht bis zum Ablauf des 15. März 2022 vorgelegt wird oder wenn Zweifel an der Echtheit oder inhaltlichen Richtigkeit des vorgelegten Nachweises bestehen, hat die Leitung der jeweiligen Einrichtung oder des jeweiligen Unternehmens unverzüglich das Gesundheitsamt, in dessen Bezirk sich die jeweilige Einrichtung oder das jeweilige Unternehmen befindet, darüber zu benachrichtigen und dem Gesundheitsamt personenbezogene Daten zu übermitteln. Die oberste Landesgesundheitsbehörde oder die von ihr bestimmte Stelle kann bestimmen, dass
    1.

    der Nachweis nach Satz 1 nicht der Leitung der jeweiligen Einrichtung oder des jeweiligen Unternehmens, sondern dem Gesundheitsamt oder einer anderen staatlichen Stelle gegenüber zu erbringen ist,

    2.

    die Benachrichtigung nach Satz 2 nicht durch die Leitung der jeweiligen Einrichtung oder des jeweiligen Unternehmens, sondern durch die nach Nummer 1 bestimmte Stelle zu erfolgen hat,

    3.

    die Benachrichtigung nach Satz 2 nicht gegenüber dem Gesundheitsamt, in dessen Bezirk sich die jeweilige Einrichtung oder das jeweilige Unternehmen befindet, sondern gegenüber einer anderen staatlichen Stelle zu erfolgen hat.

    (3) Personen, die in den in Absatz 1 Satz 1 genannten Einrichtungen oder Unternehmen ab dem 16. März 2022 tätig werden sollen, haben der Leitung der jeweiligen Einrichtung oder des jeweiligen Unternehmens vor Beginn ihrer Tätigkeit einen Nachweis nach Absatz 2 Satz 1 vorzulegen. Wenn Zweifel an der Echtheit oder inhaltlichen Richtigkeit des vorgelegten Nachweises bestehen, hat die Leitung der jeweiligen Einrichtung oder des jeweiligen Unternehmens unverzüglich das Gesundheitsamt, in dessen Bezirk sich die jeweilige Einrichtung oder das jeweilige Unternehmen befindet, darüber zu benachrichtigen und dem Gesundheitsamt personenbezogene Daten zu übermitteln. Absatz 2 Satz 3 gilt entsprechend. Eine Person nach Satz 1, die keinen Nachweis nach Absatz 2 Satz 1 vorlegt, darf nicht in den in Absatz 1 Satz 1 genannten Einrichtungen oder Unternehmen beschäftigt werden. Eine Person nach Satz 1, die über keinen Nachweis nach Absatz 2 Satz 1 verfügt oder diesen nicht vorlegt, darf nicht in den in Absatz 1 Satz 1 genannten Einrichtungen oder Unternehmen tätig werden. Die oberste Landesgesundheitsbehörde oder die von ihr bestimmte Stelle kann allgemeine Ausnahmen von den Sätzen 4 und 5 zulassen, wenn das Paul-Ehrlich-Institut auf seiner Internetseite einen Lieferengpass zu allen Impfstoffen mit einer Komponente gegen das Coronavirus SARS-CoV-2, die für das Inverkehrbringen in Deutschland zugelassen oder genehmigt sind, bekannt gemacht hat; parallel importierte und parallel vertriebene Impfstoffe mit einer Komponente gegen das Coronavirus SARS-CoV-2 bleiben unberücksichtigt.

    (4) Soweit ein Nachweis nach Absatz 2 Satz 1 ab dem 16. März 2022 seine Gültigkeit auf Grund Zeitablaufs verliert, haben Personen, die in den in Absatz 1 Satz 1 genannten Einrichtungen oder Unternehmen tätig sind, der Leitung der jeweiligen Einrichtung oder des jeweiligen Unternehmens einen neuen Nachweis nach Absatz 2 Satz 1 innerhalb eines Monats nach Ablauf der Gültigkeit des bisherigen Nachweises vorzulegen. Wenn der neue Nachweis nach Satz 1 nicht innerhalb dieses Monats vorgelegt wird oder wenn Zweifel an der Echtheit oder inhaltlichen Richtigkeit des vorgelegten Nachweises bestehen, hat die Leitung der jeweiligen Einrichtung oder des jeweiligen Unternehmens unverzüglich das Gesundheitsamt, in dessen Bezirk sich die jeweilige Einrichtung oder das jeweilige Unternehmen befindet, darüber zu benachrichtigen und dem Gesundheitsamt personenbezogene Daten zu übermitteln. Absatz 2 Satz 3 gilt entsprechend.

    (5) Die in Absatz 1 Satz 1 genannten Personen haben dem Gesundheitsamt, in dessen Bezirk sich die jeweilige Einrichtung oder das jeweilige Unternehmen befindet, auf Anforderung einen Nachweis nach Absatz 2 Satz 1 vorzulegen. Bestehen Zweifel an der Echtheit oder inhaltlichen Richtigkeit des vorgelegten Nachweises, so kann das Gesundheitsamt eine ärztliche Untersuchung dazu anordnen, ob die betroffene Person auf Grund einer medizinischen Kontraindikation nicht gegen das Coronavirus SARS-CoV-2 geimpft werden kann. Das Gesundheitsamt kann einer Person, die trotz der Anforderung nach Satz 1 keinen Nachweis innerhalb einer angemessenen Frist vorlegt oder der Anordnung einer ärztlichen Untersuchung nach Satz 2 nicht Folge leistet, untersagen, dass sie die dem Betrieb einer in Absatz 1 Satz 1 genannten Einrichtung oder eines in Absatz 1 Satz 1 genannten Unternehmens dienenden Räume betritt oder in einer solchen Einrichtung oder einem solchen Unternehmen tätig wird. Widerspruch und Anfechtungsklage gegen eine vom Gesundheitsamt nach Satz 2 erlassene Anordnung oder ein von ihm nach Satz 3 erteiltes Verbot haben keine aufschiebende Wirkung.

    (6) Die Absätze 1 bis 5 gelten nicht für die in den Einrichtungen oder von den Unternehmen behandelten, betreuten, gepflegten oder untergebrachten Personen.

    (7) Die in Absatz 1 Satz 1 Nummer 2 genannten voll- und teilstationären Einrichtungen, die zugelassene Pflegeeinrichtungen im Sinne von § 72 des Elften Buches Sozialgesetzbuch sind, sind verpflichtet, dem Robert Koch-Institut monatlich Angaben zum Anteil der Personen, die gegen das Coronavirus SARS-CoV-2 geimpft sind, jeweils bezogen auf die Personen, die in der Einrichtung beschäftigt sind oder behandelt, betreut oder gepflegt werden oder untergebracht sind, in anonymisierter Form zu übermitteln. Soweit es zur Erfüllung der Pflichten aus Satz 1 erforderlich ist, darf die Leitung der in Satz 1 genannten Einrichtungen zu diesem Zweck personenbezogene Daten einschließlich Daten zum Impfstatus in Bezug auf die Coronavirus-Krankheit-2019 (COVID-19) verarbeiten. Die Daten nach Satz 2 dürfen auch zur Beurteilung der Gefährdungslage in der Einrichtung im Hinblick auf die Coronavirus-Krankheit-2019 (COVID-19) verarbeitet werden, solange und soweit dies erforderlich ist. § 22 Absatz 2 des Bundesdatenschutzgesetzes gilt entsprechend. Bestehen zum Zeitpunkt des Inkrafttretens dieser Regelung bereits landesrechtliche Meldeverfahren, die auf bisherigem Bundesrecht beruhen und die zu den durch das Robert Koch-Institut nach Satz 1 zu erhebenden Daten anschlussfähig sind, bleiben die landesrechtlichen Meldeverfahren von der Änderung unberührt, wenn die Länder nach Kreisen und kreisfreien Städten aufgeschlüsselte Daten direkt an das Robert Koch-Institut übermitteln; insoweit entfällt die Meldepflicht nach Satz 1. Das Robert Koch-Institut führt die ihm übermittelten Daten zusammen und übermittelt sie monatlich in anonymisierter Form dem Bundesministerium für Gesundheit sowie den Ländern bezogen auf Länder- und Kreisebene. Die nach den Sätzen 2 und 3 erhobenen Daten sind spätestens am Ende des sechsten Monats nach ihrer Erhebung zu löschen; die Bestimmungen des allgemeinen Datenschutzrechts bleiben unberührt.

    (8) Durch die Absätze 1 bis 5 wird das Grundrecht der körperlichen Unversehrtheit (Artikel 2 Absatz 2 Satz 1 des Grundgesetzes) eingeschränkt.


    Gesetz zur Verhütung und Bekämpfung von Infektionskrankheiten beim Menschen (Infektionsschutzgesetz - IfSG)
    § 20b Durchführung von Schutzimpfungen gegen das Coronavirus SARS-CoV-2

    (1) Abweichend von § 20 Absatz 4 Satz 1 sind Zahnärzte, Tierärzte sowie Apotheker zur Durchführung von Schutzimpfungen gegen das Coronavirus SARS-CoV-2 bei Personen, die das zwölfte Lebensjahr vollendet haben, berechtigt, wenn

    1.

    sie hierfür ärztlich geschult wurden und ihnen die erfolgreiche Teilnahme an der Schulung bestätigt wurde und

    2.

    ihnen eine geeignete Räumlichkeit mit der Ausstattung zur Verfügung steht, die für die Durchführung von Schutzimpfungen gegen das Coronavirus SARS-CoV-2 erforderlich ist, oder der Zahnarzt, der Tierarzt oder der Apotheker in andere geeignete Strukturen, insbesondere ein mobiles Impfteam, eingebunden ist.

    (2) Die ärztliche Schulung nach Absatz 1 Nummer 1 hat insbesondere die Vermittlung der folgenden Kenntnisse, Fähigkeiten und Fertigkeiten zu umfassen:

    1.

    Kenntnisse, Fähigkeiten und Fertigkeiten zur Durchführung der Schutzimpfung gegen das Coronavirus SARS-CoV-2, insbesondere zur

    a)

    Aufklärung,

    b)

    Erhebung der Anamnese einschließlich der Impfanamnese und der Feststellung der aktuellen Befindlichkeit zum Ausschluss akuter Erkrankungen oder Allergien,

    c)

    weiteren Impfberatung und

    d)

    Einholung der Einwilligung der zu impfenden Person,

    2.

    Kenntnis von Kontraindikationen sowie Fähigkeiten und Fertigkeiten zu deren Beachtung und

    3.

    Kenntnis von Notfallmaßnahmen bei eventuellen akuten Impfreaktionen sowie Fähigkeiten und Fertigkeiten zur Durchführung dieser Notfallmaßnahmen.

    Die ärztlichen Schulungen sind so zu gestalten, dass diese die bereits erworbenen Kenntnisse, Fähigkeiten und Kompetenzen, über die jeder Berufsangehörige, der an der jeweiligen ärztlichen Schulung teilnimmt, verfügt, berücksichtigen und auf diesen aufbauen. Bereits im Rahmen von Modellvorhaben nach § 132j des Fünften Buches Sozialgesetzbuch durchgeführte ärztliche Schulungen berechtigen zur Durchführung von Schutzimpfungen gegen das Coronavirus SARS-CoV-2 bei Personen, die das 18. Lebensjahr vollendet haben.

    (3) Bis zum 31. Dezember 2021 entwickeln in Zusammenarbeit mit der Bundesärztekammer:

    1.

    die Bundesapothekerkammer ein Mustercurriculum für die ärztliche Schulung der Apotheker,

    2.

    die Bundeszahnärztekammer ein Mustercurriculum für die ärztliche Schulung der Zahnärzte und

    3.

    die Bundestierärztekammer ein Mustercurriculum für die ärztliche Schulung der Tierärzte.

    (4) Die Möglichkeit der ärztlichen Delegation der Durchführung von Schutzimpfungen gegen das Coronavirus SARS-CoV-2 auf nichtärztliches Gesundheitspersonal bleibt unberührt.


    Gesetz zur Verhütung und Bekämpfung von Infektionskrankheiten beim Menschen (Infektionsschutzgesetz - IfSG) § 21 Impfstoffe


    Bei einer auf Grund dieses Gesetzes angeordneten oder einer von der obersten Landesgesundheitsbehörde öffentlich empfohlenen Schutzimpfung oder einer Impfung nach § 17a Absatz 2 des Soldatengesetzes dürfen Impfstoffe verwendet werden, die Mikroorganismen enthalten, welche von den Geimpften ausgeschieden und von anderen Personen aufgenommen werden können. Das Grundrecht der körperlichen Unversehrtheit (Artikel 2 Abs. 2 Satz 1 Grundgesetz) wird insoweit eingeschränkt.


    Info: https://www.gesetze-im-internet.de/ifsg/__21.html

    27.04.2022

    Krieg in der Ukraine Sieg statt Frieden

    jungewelt.de, 27.04.2022, Von Ina Sembdner

    Kriegsrat tagt in Ramstein: USA fordern, Berlin folgt und liefert Panzer. Lawrow warnt vor Eskalation. Guterres in Moskau


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    Waffengeschäfte in der US-Exklave Ramstein Air Base: Ministerin Christine Lambrecht (SPD, l.) unter anderem mit Lloyd Austin, US-Verteidigungsminister (3. v. r.)




    Zitat: Immer deutlicher tritt er zutage: der Wille Washingtons, den Krieg in der Ukraine zu einem Sieg der »freien Welt« gegen Russland zu führen. Dazu berief US-Verteidigungsminister Lloyd Austin am Dienstag Minister aus 40 Staaten auf die Ramstein Air Base – Ausgangspunkt für den US-Drohnenkrieg und Kommandoquartier der NATO in Rheinland-Pfalz. »Wir sind hier, um der Ukraine zu helfen, den Kampf gegen Russlands ungerechte Invasion zu gewinnen und die Verteidigung der Ukraine für die Herausforderungen von morgen aufzubauen«, so Austin. Bei der Pressekonferenz am Montag nach seinem Besuch in Kiew mit US-Außenminister Antony Blinken, war ihm noch ein Freudscher Versprecher unterlaufen: »Wir … sie können gewinnen, wenn sie die richtige Ausrüstung und die richtige Unterstützung haben.« Dafür sollte nun beim gemeinsamen Treffen gesorgt werden – und Berlin lieferte. Die USA hatten bereits am Montag weitere 700 Millionen US-Dollar für die Hochrüstung der Ukraine zugesagt.


    Während innenpolitisch noch um den richtigen Antrag für die Lieferung schwerer Waffen gerungen wird, gab Berlin grünes Licht für Panzerlieferungen aus Industriebeständen; Profiteure sind die Konzerne Rheinmetall und Krauss-Maffei Wegmann (KMW). Wie Bundesverteidigungsministerin Christine Lambrecht (SPD) am Dienstag angesichts begrenzter Bundeswehr-Bestände erklärte: »Deshalb unterstützen wir, wenn die Industrie direkt an die Ukraine liefert. Die Ukraine bestellt, und Deutschland bezahlt.« Konkret geht es zunächst um 50 ausgemusterte »Gepard«- Panzer zur Luftabwehr aus KMW-Beständen. Der Rüstungskonzern hatte bereits kurz nach dem russischen Einmarsch um die Genehmigung zur Ausfuhr gebeten. Dem kam die Bundesregierung am Montag nach. Laut Welt will KMW zudem 100 »Panzerhaubitzen 2000« liefern. Rheinmetall hat Kiew nach dpa-Angaben die Lieferung von 88 gebrauchten »Leopard«- Kampfpanzern angeboten, inklusive Werkzeug, Ersatzteilen, einem Servicestützpunkt und Munition sowie einer entsprechenden Ausbildung. Auch Lambrecht kündigte an, ukrainische Truppen an Artilleriesystemen in der BRD zu schulen.


    Linksfraktionschef Dietmar Bartsch kritisierte derweil die Debatte über Waffenlieferungen als unehrlich. »Es gibt nicht einen Panzer der NATO in der Ukraine und auch kaum schwere Waffen«, sagte Bartsch am Dienstag in Berlin. Er hoffe auf einen Waffenstillstand, denn die Gefahr einer Eskalation »bis hin zu einem Weltkrieg, die ist eben nicht von der Hand zu weisen«. Auch UN-Generalsekretär António Guterres, der in Moskau zu Besuch war, forderte zum Auftakt des Treffens mit dem russischen Außenminister Sergej Lawrow, »alles Mögliche« zu tun, um den Krieg und das Leiden der Menschen zu beenden: Dialog und eine Waffenruhe seien nötig, um die Bedingungen für eine friedliche Lösung des Konflikts zu finden.


    Für Lawrow steht jedoch die fortgesetzte Aufrüstung Kiews einer Entspannung der Lage entgegen. »Wenn das so weitergeht, werden die Verhandlungen wohl kaum ein Ergebnis bringen«, so der Außenminister in Moskau. Zudem seien die westlichen Waffenlieferungen weiterhin legitimes Ziel russischer Angriffe. Mit Blick auf die USA kritisierte er, dass es im Westen nun nur darum gehe, Russland zu besiegen. Schon am Montag hatte er in einem Fernsehinterview vor den Risiken eines Atomkriegs gewarnt und erklärt: »Ich möchte nicht, dass sie künstlich aufgebläht werden.«


    Info: https://www.jungewelt.de/artikel/425345.krieg-in-der-ukraine-sieg-statt-frieden.html

    27.04.2022

    „Russland isolieren” (IV)Berlin und Brüssel suchen weiterhin Russland zu isolieren und üben Druck auf Indien aus. New Delhi hält an seiner Kooperation mit Moskau fest. Premierminister Modi kommt nach Berlin.

    german-foreign-policy.com, 27. April 2022

    NEW DELHI/BERLIN (Eigener Bericht) – Berlin und die EU starten den nächsten Versuch, Russland auch jenseits des westlichen Blocks zu isolieren. Aktuelles Ziel ist Indien, dessen Premierminister Narendra Modi am Sonntag in Berlin erwartet wird. Indien hält an seiner Zusammenarbeit mit Russland unverändert fest, weitet seine Erdölkäufe dort aus und sucht nach einem alternativen Zahlungssystem, um seine Exporte in das Land zu stärken. Indische Unternehmen haben die attraktiven Marktanteile im Visier, die westliche Firmen bei ihrem Rückzug aus Russland verlieren. Bisherige Bemühungen des Westens, New Delhi zu einer Positionierung gegen Moskau zu nötigen, sind gescheitert; während eines Besuchs der britischen Außenministerin Liz Truss in der indischen Hauptstadt wurde dort demonstrativ ihr russischer Amtskollege Sergej Lawrow empfangen. Mit den für Montag angekündigten deutsch-indischen Regierungskonsultationen soll New Delhi enger angebunden werden. Mit gleichem Ziel hielt sich EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen Anfang dieser Woche in Indien auf. Experten urteilen, Indien sei inzwischen stark genug, sich gegen westlichen Druck zu behaupten.


    Zitat: ZukunftsmarktUrsprüngliches Ziel der Reise von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen nach Indien war es, den Ausbau der Wirtschaftsbeziehungen zu forcieren. Indiens Wirtschaft wächst und wird laut verbreiteten Prognosen von Ökonomen um die Jahrhundertwende zur drittgrößten Volkswirtschaft weltweit aufgestiegen sein. Damit gilt sie als attraktiver Markt für die deutsche Industrie – umso mehr in Zeiten, in denen aus politischen Gründen der russische Markt komplett zu entfallen droht und auch das Chinageschäft immer mehr unter Druck gerät. Untersuchungen beziffern den jährlich möglichen Anstieg des deutschen Bruttoinlandsprodukts bei einem gelingenden Ausbau des Handels mit Indien auf zwischen zwei und vier Milliarden Euro.[1] Besonderes Interesse äußern bereits seit längerer Zeit Rüstungskonzerne aus Deutschland und weiteren EU-Staaten. New Delhi rüstet massiv auf, will allerdings sein Kriegsgerät in rasch wachsendem Umfang im eigenen Land herstellen lassen. Allein in den kommenden fünf Jahren stehen dafür über 25 Milliarden Euro zur Verfügung.[2] Die deutschen Rüstungsexporte nach Indien schwankten in den vergangenen Jahren meist um einen Wert von durchschnittlich um die 100 Millionen Euro.


    Wettlauf mit Großbritannien

    Um den Handel zu intensivieren, bemüht sich die EU um ein Freihandelsabkommen mit Indien – dies allerdings schon seit vielen Jahren. Im Jahr 2013 wurden die Verhandlungen wegen unüberbrückbarer Differenzen eingestellt. Vor ziemlich genau einem Jahr kamen beide Seiten überein, die Gespräche wieder aufzunehmen. Seitdem ist nicht viel geschehen. Im vergangenen Jahr belief sich das Handelsvolumen zwischen Indien und der EU auf rund 96 Milliarden Euro; das ist nicht einmal die Hälfte des deutsch-chinesischen Handels. Die Investitionen aus EU-Staaten in dem südasiatischen Land werden auf etwa 83 Milliarden Euro beziffert; dies ist in etwa das Volumen allein der deutschen Investitionen in China. Es kommt hinzu, dass die EU mit ihren Freihandelsbestrebungen nicht konkurrenzlos ist. Erst kürzlich hat Australien ein Freihandelsabkommen mit Indien geschlossen, das freilich als wenig ehrgeizig gilt. Größere ökonomische Chancen könnte das Freihandelsabkommen bieten, das die ehemalige Kolonialmacht Großbritannien zur Zeit mit New Delhi erarbeitet; der britische Premierminister Boris Johnson hielt sich dazu in der vergangenen Woche in Indien auf. Das Abkommen soll noch in diesem Jahr fertiggestellt werden; damit käme London der schwerfälligen EU deutlich zuvor.


    „Inzwischen stark genug“

    Überlagert werden die Bemühungen um einen Ausbau der Wirtschaftskooperation aktuell von den Bestrebungen des Westens, Russland nach Möglichkeit weltweit zu isolieren. Indien fordert zwar ein schnelles Ende des Krieges, ist aber – wie drei Viertel aller Staaten – nicht dazu bereit, seine Beziehungen zu Russland einzuschränken. Zur Begründung wird zuweilen auf den völkerrechtswidrigen US-Überfall auf den Irak hingewiesen, der nicht zu Sanktionen gegen die Vereinigten Staaten führte.[3] Hinzu kommt, dass New Delhi schon traditionell gute Kontakte nach Moskau unterhält. Bedeutende Teile der Waffenbestände, die die indischen Streitkräfte nutzen, stammen aus russischer Produktion; nähme Indien an den Russland-Sanktionen teil, wäre es nicht nur von Neuimporten, sondern auch von Ersatzteilen und Wartung abgeschnitten. Wohl entscheidend aber ist, dass die Kooperation mit Moskau New Delhi in die Lage versetzt, eine eigenständige Außenpolitik zu treiben, anstatt, wie einst zu Kolonialzeiten, einseitig vom Westen abhängig zu sein. Mittlerweile sei Indien dank seines Aufstiegs in den vergangenen Jahrzehnten stark genug, trotz heftigen westlichen Drucks weiter mit Russland zu kooperieren, urteilte kürzlich der einflussreiche indisch-US-amerikanische Publizist Fareed Zakaria.[4]


    Druck auf New Delhi

    Ob er richtig liegt, testen die westlichen Mächte seit fast zwei Monaten aus. Um den Druck auf Indien zu erhöhen, sich den Sanktionen gegen Russland anzuschließen, intervenierten im März und im April zahlreiche führende Politiker aus den USA, Europa, Australien und Japan in New Delhi – bislang ohne Erfolg. Nachdem der britische Premierminister Boris Johnson am 22. März seinen indischen Amtskollegen Narendra Modi telefonisch gedrängt hatte, Russland den Laufpass zu geben, lud die indische Regierung eine Delegation einflussreicher britischer Parlamentarier, die New Delhi besuchen wollte, kurzfristig aus. Als die britische Außenministerin Liz Truss am 31. März in der indischen Hauptstadt eintraf, wurde zugleich der russische Außenminister Sergej Lawrow dort empfangen. Auch der US-Administration gelang es bisher nicht, die Regierung Modi zu einem Kurswechsel zu zwingen. Zu Wochenbeginn schloss sich von der Leyen den Bestrebungen an, erreichte jedoch gleichfalls nichts. Die EU wolle Indien mit eigenen Waffenlieferungen von russischen Rüstungsgütern unabhängig machen, hieß es anschließend.[5] Die Strategie könnte allenfalls langfristig aufgehen – und auch dies nur dann, wenn New Delhi es wünscht.


    Kampf um den russischen Markt

    Darauf allerdings deutet zur Zeit kaum etwas hin. Indien hat seine Erdölkäufe in Russland ausgeweitet und allein in den zwei Monaten seit dem russischen Überfall auf die Ukraine von dem Land mehr Öl bezogen als im Gesamtjahr 2021. Zudem plant es etwa den Bezug von Kokskohle zu verdoppeln. Indische Exporteure – zum Beispiel aus der Lebensmittel- und der Pharmabranche – bereiten sich längst darauf vor, abziehende Unternehmen aus westlichen Staaten auf dem russischen Markt zu ersetzen. Noch sind sie mit zahlreichen Schwierigkeiten konfrontiert: Die Bemühungen, alternative Zahlungswege zu etablieren, die eine Abwicklung des indisch-russischen Handels trotz der Sanktionen gegen russische Banken ermöglichen können, haben bislang noch keinen Durchbruch erzielt; zudem sind Transportkonzerne sowie Versicherungen, auf die Exporteure angewiesen sind, häufig in westlicher Hand und stehen daher für das Russlandgeschäft nicht zur Verfügung. Gelingt es freilich, diese Hindernisse zu überwinden, dann ginge Indien wirtschaftlich gestärkt aus dem Konflikt hervor; der Westen hätte den russischen Markt ersatzlos verloren, und Russland wäre in seiner Außenpolitik endgültig nach Asien orientiert.

     

    Mehr zum Thema: „Russland isolieren“ (III) und Machtprobe bei den G20.

     

    [1] EU und Indien verständigen sich auf Neustart von Handelsgesprächen. handelsblatt.com 08.05.2021.

    [2] Europäer wollen Inder gewinnen. Frankfurter Allgemeine Zeitung 25.04.2022.

    [3] Lauren Frayer: Why India has not condemned Russia’s invasion of Ukraine. npr.org 11.04.2022.

    [4] Tanishka Sharma: India more powerful today, can have relations with both Russia, West: Fareed Zakaria. indiatoday.in 15.04.2022.

    [5] Die EU will Indien von Russland loseisen. Frankfurter Allgemeine Zeitung 26.04.2022.


    Info: https://www.german-foreign-policy.com/news/detail/8903

    26.04.2022

    IMI-Studie 2022/03 Drohnen im Ukraine-Krieg

    IMI-Studie 2022/03

    Drohnen im Ukraine-Krieg

    Technologietransfer als Gamechanger – und Kriegsgrund?

    von: Christoph Marischka | Veröffentlicht am: 26. April 2022


    Gesamte Studie hier als PDF

    https://www.imi-online.de/download/IMI-Studie2022-3-Ukraine-Drohnen.pdf


    Zitat: Was heute als Ukraine-Krieg bezeichnet wird, sind die Folgen des klar völkerrechtswidrigen Einmarsches russischer Truppen ab dem 24. Februar 2022. In der Berichterstattung etablierter deutscher Medien erscheint er tendenziell als eher konventionellen Krieg mit massivem Einsatz klassischer Waffensysteme wie Panzer, Artillerie, Infanterie. Beide Seiten nutzen dabei auch unbemannte Systeme, insbesondere Luftfahrzeuge, so genannten UAV, die in vergangenen militärischen Auseinandersetzungen teilweise grundlegend die Kriegführung geprägt und die Kräfteverhältnisse bestimmt haben. So wird v.a. der Krieg zwischen Armenien und Aserbaidschan im zweiten Halbjahr 2020 oft als erster „echter Drohnenkrieg“ bezeichnet,[1] weil entsprechende unbemannte Waffensysteme der vorrückenden Seite (Aserbaidschan) eine deutliche Übermacht verliehen und rasche Geländegewinne ermöglichten. Es existieren auch zahlreiche Berichte, welche aus erster oder zweiter Hand die dabei ausgelöste Angst und Panik innerhalb der angegriffenen Truppen beschreiben. Später gab es vergleichbare Darstellungen aus Libyen und Äthiopien, nach denen zumindest bei entscheidenden Gefechten UAV eine wesentliche Rolle gespielt hätten. Im Folgenden wird der gegenwärtige Einsatz von unbemannten Luftfahrzeugen ausführlicher beleuchtet und der aktuelle Krieg ausschließlich unter diesem Aspekt betrachtet werden. Dies hält allerdings einige Überraschungen parat.


    Türkische Drohnen als Game Changer?

    Unter Beobachter*innen entsprechender Waffensysteme herrscht weitgehend Einigkeit darüber, dass sich in den Konflikten der jüngsten Zeit v.a. die Kampfdrohnen Bayraktar TB2 des türkischen Herstellers Baykar im Kampf bewährt hätten. Die engen Kontakte des Herstellers zur Regierung werden in der Berichterstattung gerne dadurch illustriert, dass der Schwiegersohn des Staatspräsidenten Erdogan aus der Familie der Eigentümer stamme.[2] Obgleich sowohl die Unsicherheiten im „Nebel des Krieges“ berücksichtigt als auch von einer gewissen, beabsichtigten und forcierten Werbewirkung entsprechender Erfolgsmeldungen andererseits ausgegangen werden sollte, sprechen unter anderem auch die Berichte aus Perspektive der Opfer in den kurdischen Gebieten, wo die TB2 offenbar bereits seit 2017 im Einsatz ist, für deren Effektivität.[3]

    Auch in der Ukraine spielte diese Drohne bereits vor dem russischen Einmarsch eine Rolle. Hierüber berichtete etwa die Washington Post in einem Beitrag vom 15. Januar 2022 – der nach dem russischen Einmarsch so wahrscheinlich nicht mehr erschienen wäre. Unter dem Titel „Warum ukrainische Drohnen aus türkischer Produktion zum Zündfunken der Spannungen mit Russland wurden“[4] wird einleitend ein vom ukrainischen Verteidigungsministerium veröffentlichtes Video beschrieben, welches angeblich den Angriff einer TB2 auf eine Artilleriestellung der pro-russischen Separatisten am 26. Oktober 2021 im Osten des Landes dokumentiert. Dabei handele es sich um „mehr als nur einen weiteren Zusammenstoß während der schon fast acht Jahre anhaltenden Kämpfe in der Ost-Ukraine“: „Für Russland war dies ein weiteres Signal, dass die Ukraine aufrüstet und womöglich das militärische Kräfteverhältnis in der Region verändert“ [„For Russia, it was another signal that Ukraine is boosting its arsenal to potentially change the military balance in the region…“]. Während die US-amerikanischen Waffenlieferungen die Schlagzeilen dominiert hätten, so der Beitrag weiter, habe die diskretere Unterstützung aus der Türkei in Moskau mehr Besorgnis ausgelöst. U.a. hätten sich die Ukraine und die Türkei auf den Aufbau einer eigenen Drohnen-Produktion in der Ukraine verständigt. Dies, so wird ein ukrainischer „Militärexperte“ zitiert, schaffe „völlig veränderte Rahmenbedingungen für die [militärischen] Auseinandersetzungen“. Später wird ein weiterer Experte aus Kiew zitiert, der die Drohnen gar als Game-Changer [„game changing app“] bezeichnet habe. Der Artikel berichtet weiter, dass die seit 2019 angeschafften Drohnen von der Ukraine vor dem 26. Oktober nur zur Aufklärung eingesetzt worden seien und zitiert anschließend eine vom ukrainische Verteidigungsministerium veröffentlichte Stellungnahme, wonach man „die Taktik und die Methoden des Kampfeinsatzes der Bayraktars weiter ausbauen“ werde, „um die russische Aggression abzuschrecken und die Interessen der Ukraine zu schützen“.


    TB2 im aktuellen Ukraine-Krieg

    2019 soll die Ukraine für 69 Mio. US$ die ersten sechs TB2-Drohnen zusammen mit zwei Bodenstationen und weiterer technischer Infrastruktur erhalten haben. Laut Angaben der ukrainischen Luftwaffe soll die Ukraine zu Beginn der russischen Invasion über 20 solcher UAS verfügt haben, Schätzungen gingen jedoch bereits damals von einer höheren, womöglich doppelt so hohen Zahl aus.[5] V.a. in den ersten Tagen des Krieges gab es zahlreiche Berichte über den erfolgreichen Einsatz der TB2 gegen russische Panzer, Artillerie und Luftabwehrsysteme.[6] Als „bestätigt“ gelten nur wenige davon. Ein Beitrag von Derek Gatopoulos und Suzan Fraser für APNews vom 17. März 2022 hebt entsprechend v.a. den Nutzen der TB2 im „Informationskrieg“ hervor,[7] denn sie lieferten früh Bilder bzw. Videos von zerstörten russischen Waffensystemen und stellten damit die ukrainische Fähigkeit zur Gegenwehr unter Beweis. Die Fähigkeiten der Drohnen wurden demnach in der Ukraine und von Unterstützer*innen u.a. in musikalisch unterlegten und gelegentlich auch öffentlich vorgespielten Youtube-Videos gefeiert.[8]


    Auch die militärische Potenz der relativ billigen Drohnen zumindest in den ersten Wochen habe einige Expert*innen überrascht, wie APNews weiter berichtet. Anders als in asymmetrischen Konflikten hatten sie den langsam fliegenden, ungeschützten TB2 wenig Chancen gegen die russische Flugabwehr ausgerechnet. Dass diese angeblich trotzdem v.a. in den ersten Tagen viele erfolgreiche Angriffe durchführen konnten, führen die Expert*innen auf anfängliche Schwierigkeiten bei der russischen Flugabwehr zurück, die jedoch behoben werden dürften. Jack Watling vom Londoner Thinktank RUSI (Royal United Services Institute) wird entsprechend mit der Einschätzung zitiert: „Die Spielräume, diese Drohnen einzusetzen, nehmen ab. Wir sehen deshalb, dass die Ukrainer vorsichtiger sein müssen, wann sie diese einsetzen“.[9]


    Zumindest die Kommunikation des russischen Verteidigungsministeriums bemühte sich bald, genau diesen Eindruck zu vermitteln. In den täglichen Erfolgsmeldungen über feindliche Abschüsse spielten die TB2 von Anfang an eine hervorgehobene Rolle. Nur sie werden unter den abgeschossenen UAV besonders hervorgehoben und deren Zahl ansonsten (einschließlich TB2) summarisch aufaddiert. Bereits am Abend nach dem Beginn der russischen Invasion am 24. Februar 2022 wurde in den (später deutlich systematischer meist jeweils gegen 10 und 19 Uhr veröffentlichten) „Briefings“ des russischen Verteidigungsministeriums erstmals der Abschuss von vier TB2 vermeldet. Am Abend des 27. Februar wurde der Abschuss von drei weiteren TB2 nahe Chernihiv bekannt gegeben. Die Gesamtzahl der von Russland zerstörten ukrainischen UAV wurde am Abend des 5. März, als der nächste Abschuss einer achten TB2 vermeldet wurde, auf 59 beziffert. Zu dieser Zeit lag dieser Wert noch deutlich unter der angegebenen Zahl für zerstörte bemannte Luftfahrzeuge, der mit insgesamt 90 angegeben wurde. Weitere Abschüsse von TB2 wurden am Morgen des 6. März und am Abend des 7. März vermeldet. Alleine zwischen dem Morgen des 10. März und dem Morgen des 15. März wurde der Abschuss von 22 weiteren TB2 bekanntgegeben. Die Zahl der von Russland angeblich zerstörten ukrainischen UAV stieg demnach im selben Zeitraum von 107 auf 165. Vom 15. bis 22. März wurde die Zerstörung von acht weiteren TB2 vermeldet. Nachdem in der Nacht zum 23. März angeblich drei weitere abgeschossen wurden, behauptete der stellvertretende russische Generalstabschef, Sergej Rudskoj, dass nun insgesamt 35 der 36 zu Beginn der Operation in ukrainischem Besitz befindlichen TB2 vernichtet seien. Die Summe der einzeln vermeldeten Abschüsse belief sich zu diesem Zeitpunkt zwar bereits auf 42, in der Größenordnung sind jedoch beide Zahlen einigermaßen plausibel. In der Folge wurde jeweils ein weiterer Abschuss in den morgendlichen Briefings am 31. März und 1. April verkündet und dann erst wieder die Vernichtung von fünf weiteren zwischen dem Abend des 6. und dem Morgen des 8. April. In der Gesamtzahl der zerstörten feindlichen Luftfahrzeuge überwiegen nach russischer Darstellung die UAV zu diesem Zeitpunkt (Stand 7. April, 19:30) mit insgesamt 416 klar diejenigen der angeblich zerstörten 95 bemannten Helikopter und 125 Flugzeuge (zusammen 220).[10]


    Ohne zu glauben, den „Nebel des Krieges“ in diesem Verhältnis durchdringen zu können, lassen sich die zitierten Expertisen und die Briefings des russischen Verteidigungsministeriums zu einem zumindest plausiblen Gesamtbild integrieren: Bereits zu Beginn der russischen Offensive stellten die TB2 ein Ziel der zunächst aus der Distanz geführten russischen Angriffe auf die militärische Infrastruktur der Ukraine am Boden dar. Mit dem Vormarsch der russischen Bodentruppen konnten die TB2 zunächst großflächig und relativ erfolgreich gegen diese eingesetzt werden und lieferten wichtige Propaganda-Erfolge oder zumindest -Bilder. Ab der dritten Woche des russischen Vormarsches wurden diese jedoch – zumindest nach russischer Darstellung – auch effektiv von der Flugabwehr bekämpft. Sowohl die ukrainischen Meldungen erfolgreicher Einsätze als auch die russischen Berichte von Abschüssen legen anschließend einen zurückhaltenderen Einsatz der TB2 nahe. Ende März scheinen die Einsätze der TB2 kurzfristig stagniert zu haben, bevor ab dem 31. März zumindest von russischer Seite wieder über Abschüsse berichtet wird. Insgesamt nehmen die Abschüsse von TB2 in der russischen Propaganda eine hervorgehobene Rolle ein. Ähnliches gilt für die Vernichtung feindlicher UAV insgesamt, welche die Zahl vernichteter bemannter Luftfahrzeuge mittlerweile deutlich übersteigt. Die beiderseitige Berichterstattung über die TB2 entspricht damit den Trends zumindest der europäischen Wahrnehmung über die Kräfteverhältnisse, wonach eine zunächst übermächtige russische Invasion auf unerwarteten Widerstand stieß und in die Defensive geriet.


    Kleine Drohnen der dubiosen Einheit „Aerorozvidka“

    Ein Beitrag des Guardian vom 28. März 2022 legt nahe, dass bei dieser Verschiebung der Kräfteverhältnisse auch deutlich kleinere Drohnen eine Rolle gespielt hätten. Demnach sei es u.a. einem „Team von 30 Spezialkräften und Drohnenpiloten auf Quads“ zu verdanken, dass die berühmte, 60-Kilometer-Kolonne russischer Militärfahrzeuge auf ihrem Weg nach Kiew ins Stocken geraten sei, die ansonsten wohl einen „Überwältigungsangriff“ auf die Hauptstadt durchgeführt hätten. So wird von einem Hinterhalt berichtet, bei dem sich die ukrainischen Angreifer der Einheit „Aerorozvidka“ nachts durch die Wälder an den Konvoi angenähert hätten und dabei mit Nachtsichtgeräten, Scharfschützengewehren, ferngesteuerten Minen und Drohnen mit Wärmebildkameras ausgerüstet gewesen seien, die kleine 1,5kg-Bomben abwerfen könnten. So sei es gelungen, mehrere Fahrzeuge an der Spitze des Konvois auszuschalten und ihn somit aufzuhalten, bevor er sich in kleinere Kolonnen aufgeteilt habe. Auch diese seien von dem kleinen Team mehrfach erfolgreich angegriffen worden. Außerdem sei die Spezialeinheit auch daran beteiligt gewesen, die Einnahme des Flughafens Hostomel nahe Kiew durch russische Fallschirmjäger in den ersten Stunden des Krieges zu verhindern. Sie habe dabei „Drohnen genutzt, um die etwa 200 russischen Fallschirmspringer, die sich an einem Ende des Flughafens verschanzt hatten, zu lokalisieren, ins Visier zu nehmen und zu bombardieren“.[11]


    Das Scheitern der frühen russischen Übernahme dieses Flughafens nahe Kiew gilt als erster entscheidender Wendepunkt im Krieg, da die russischen Truppen ihn offenbar nutzen wollten, um weitere schwere Waffen einzufliegen und angeblich einen Enthauptungsschlag gegen die Hauptstadt zu führen. Weitgehend unbestritten ist, dass mehrere russische Transportflugzeuge bereits auf dem Weg nach Hostomel waren und wegen der Niederlage ihrer Luftlandekräfte beidrehen mussten.


    Der Guardian beruft sich bei dieser Darstellung einer geradezu fantastischen Heldengeschichte des militärischen ukrainischen Widerstandes nahezu ausschließlich auf die Berichte des Kommandeurs und eines weiteren Mitglieds der Spezialeinheit und räumt ein, dass diese sich zumindest im Detail nicht verifizieren ließen. Plausibel ist sie u.a. insofern, dass beide Einsatzorte (der Flughafen Hostomel und die Spitze der Kolonne) nahe beieinander liegen und das ukrainische Militär offenbar – vermutlich durch US-Geheimdienste – über die russischen Pläne informiert und darauf vorbereitet war. In jedem Fall, so auch der Guardian, unterstreiche „die große Menge der von der Ukraine veröffentlichten Luftaufnahmen die Bedeutung von Drohnen für ihren Widerstand“.


    Spektakulär ist auch, was der Guardian weiter über die Einheit schreibt. Diese sei 2014, nach dem Maidan und der russischen „Invasion der Krim und im Donbas“, von einem ehemaligen Investmentbanker, freiwilligen IT-Spezialisten und Bastlern gegründet worden. Ihr jetziger Kommandant habe als IT-Berater gearbeitet und sich 2014 der Einheit angeschlossen, sein Stellvertreter sei erst im Februar 2022 richtig eingestiegen, hat aber wohl bereits zuvor seine Fähigkeiten als Managementberater genutzt, um deren Finanzierung zu sichern. Dafür war diese, das erwähnt der Bericht gleich drei Mal, auf Crowdfunding angewiesen. Unterstützung habe die Einheit – die zugleich eher als ein Netzwerk von Aktivisten beschrieben wird – auch bei der Beschaffung von elektronischen Bauteilen erhalten, die teilweise der Exportkontrolle unterlagen und deshalb von „Freunden und Unterstützern“ auf „eBay und anderen Webseiten“ eingekauft und in die Ukraine geschickt wurden. Als einer dieser Unterstützer näher vorgestellt wird Klaus Hentrich, Reservist der Bundeswehr und Molekularbiologe in Cambridge. Für einen sehr flexiblen Übergang zwischen zivilen Berufen und militärischer Berufung spricht auch die Tatsache, dass die Einheit angeblich 2019 vom Verteidigungsministerium aufgelöst und erst im Oktober 2020 angesichts der zunehmenden Spannungen mit Russland wieder aufgestellt wurde. Während sich die Einheit zunächst auf kommerziell verfügbare Aufklärungsdrohnen abgestützt habe, habe sie zunehmend eigene Designs entwickelt, darunter UAV mit acht Rotoren und einer Spannweite von 1,5 Metern, die neben Bomben auch Panzerabwehrgranaten verschießen könnten. Außerdem hätte sie entlang der Frontlinie ein Netz von Sensoren aufgebaut, mit denen Kommandeure der ukrainischen Armee russische Truppenbewegungen in Echtzeit mitverfolgen könnten. Zum Abschluss des Beitrages zitiert der Guardian noch einmal den Kommandeur der Truppe, welche für ihn „die Zukunft der Kriegführung“ verkörpere, in der „Schwärme von kleinen Teams, verbunden durch gegenseitiges Vertrauen und fortschrittlicher Kommunikationstechnik größere und schwerer bewaffnete Gegner überwältigen“ könnten: „Wir sind wie Bienen, aber wir arbeiten nachts“.[12]


    Springmesser aus den USA

    Am 1. April und damit fünf Wochen nach dem Beginn des Krieges kündigte das US-Verteidigungsministerium im Rahmen seiner Ukraine Security Assistance Initiative (USAI) die Lieferungen von Rüstungsgütern und -Dienstleistungen im Wert von 300 Mio. US$ in die Ukraine an.[13] Konkret genannt wurden elf Systeme bzw. Kategorien, darunter Raketen und Maschinengewehre, gepanzerte Fahrzeuge, Munition, Nachtsichtgeräte und andere optische Hilfsmittel sowie Satellitenbilder. Explizit genannt werden außerdem ein System zur Drohnen-Abwehr sowie UAV vom Typ Puma und Switchblade. Beim System Puma handelt es sich um eine batteriebetriebene Aufklärungsdrohne, die aussieht wie ein größeres Modellflugzeug und je nach Ausführung mit einer Reichweite von 20 bis 60km über zwei bis sechs Stunden feindliche Stellungen aufklären kann. Sie wird v.a. von US-Spezialkräften und der Marine verwendet, aber auch in mehrere Länder exportiert, darunter auch an informelle bewaffnete Gruppen wie die Peschmerga. Hergestellt wird sie – ebenso wie das System Switchblade – vom US-Unternehmen AeroVironment, das mehrere Dutzend Typen von UAV v.a. für militärische Zwecke entwickelt hat und vermarktet.

    Bei den Switchblades handelt es sich um kleine Kamikaze-Drohnen, die gelegentlich auch als Munition kategorisiert werden. Sie lassen sich in einem Rucksack transportieren und ähnlich wie Mörsergranaten aus Röhren starten. Nach dem Start klappen sie ihre Flügel aus (daher der Name „Springmesser“) und können entweder von einem Tablet gesteuert oder selbstständig in ein vorher definiertes Zielgebiet fliegen, bewegte und stationäre Ziele identifizieren und dem Bedienpersonal zum Abschuss vorschlagen, den sie nach Bestätigung durch das Personal eigenständig vornehmen. Ihre Reichweite reicht je nach Ausführung bis zu 40 Kilometer. Nach maximal 40 Minuten muss die Drohne entweder im Ziel detoniert sein oder sie zerstört sich selbst in der Luft. Die relativ günstigen Geschosse (die Stückkosten werden tw. auf nur 6.000 US$ geschätzt) kamen 2011 auf den Markt und machten anschließend v.a. in Afghanistan eine steile Karriere, wo etwa 4.000 von ihnen zum Einsatz gekommen sein sollen. Ihr Vorteil besteht u.a. darin, dass mit ihnen aus gesicherten Entfernungen und sicheren Stellungen heraus relativ kurzfristig und präzise feindliche Stellungen und auch bewegte Ziele angegriffen werden können, ohne dass der Ausgangspunkt der Attacke offenbahrt würde. Das US-Verteidigungsministerium konkretisierte am 7. April 2022, „hunderte“ der Drohnen an die Ukraine geliefert zu haben. Es wird allgemein davon ausgegangen, dass auch die bereits am 16. März von den USA angekündigte Lieferung von 100 taktischen unbemannten Luftsystemen sich auf Switchblades bezogen hätten, wobei ein „System“ bis zu zehn Geschosse beinhalten würde. Offiziell mitgeteilt wurde jedenfalls, dass die Switchblades mit unterschiedlichen Sprengladungen geliefert würden, die jeweils auf den Einsatz gegen Menschen oder gepanzerte Fahrzeuge ausgerichtet sind. Mittlerweile wurde auch bekannt, dass eine kleine Zahl ukrainischer Soldaten, die sich angeblich bereits vor dem russischen Angriff in den USA befunden haben sollen, dort im Umgang mit den Kamikazedrohnen ausgebildet wurden, bevor sie in die Ukraine zurückgebracht werden oder wurden.[14] Da es sich um „nicht sehr komplexe Systeme“ handele, würden „etwa zwei Tage“ für die Ausbildung genügen, gab das Pentagon an anderer Stelle bekannt und stellte sowohl weitere Lieferungen als auch Ausbildung der ukrainischen Streitkräfte an diesen Waffensystemen in Aussicht.[15]


    Über tatsächliche Angriffe von Switchblades in der Ukraine finden sich bislang keine Berichte. Das könnte bedeuten, dass es noch zu keinen entsprechenden Einsätzen kam. Allerdings finden sich auch nach über zehn Jahren und hunderten Einsätzen des Waffensystems in Afghanistan zwar zahlreiche Preisungen ihrer militärischen Fähigkeiten, aber wenig konkrete oder anschauliche Darstellungen. Das kann damit zusammen hängen, dass sich deren Einsatz kaum heroisch inszenieren lässt, sondern es sich im Wortsinne um eine hinterhältige Waffe handelt. Axel Zimmermann fasst ihre besonderen Qualitäten für das ZDF entsprechend so zusammen: „Die kommen aus dem Nichts. Die Angegriffenen wissen nicht, wann und wo die Drohne gestartet ist, können sie während des Fluges kaum orten und entsprechend nicht bekämpfen“.[16] Entsprechend schlecht lassen sie sich auch filmisch dokumentieren bzw. inszenieren.


    Ukrainische Produkte und „Terminator-Drohnen“

    Neben den Drohnen, die aktuell in das Land geliefert oder vor dem Krieg importiert wurden, produziert auch die Ukraine selbst mehrere Modelle. Das Rückgrat ihrer Drohnenflotte, so Vikram Mittal von der US-Militärakademie in West Point, stellen etwa 300 Aufklärungsdrohnen vom Typ A1 Fury und Leleka-100.[17] Beide erinnern ebenfalls an größere Modellflugzeuge mit einer Spannweite von zwei Metern oder weniger. Die „Fury“ wird vom ukrainischen Hersteller Athlon Avia nach eigenen Angaben seit 2013 entwickelt und produziert. Außer einer weiteren Drohne bietet das Unternehmen keine weiteren Produkte an. Ende 2020 wurde die Fury von den ukrainischen Streitkräften zugelassen und bestellt und nach Angaben des Herstellers bereits 2021 entlang der Kontaktlinie in der Ostukraine eingesetzt. Mit ihrer Reichweite von 50 Kilometern wird sie v.a. zur Zielaufklärung und Feuerzuweisung für die Artillerie eingesetzt.


    Die etwas kleinere Leleka-100 wird angeblich auf informeller Ebene bereits seit 2015 vom ukrainischen Militär genutzt, erst im Mai 2021 jedoch hat das ukrainische Militär diese offiziell zugelassen und 114 Stück bestellt. Auch das Unternehmen, das die Leleka-100 herstellt, wurde erst 2014 gegründet und stellt ausschließlich unbemannte Flugzeuge her.


    Relativ viel Aufmerksamkeit erhielten auch die Drohnen mit dem Namen „Punisher“ („Strafender“): Sie kann mit einzelnen Raketen mit einer Sprengladung von vier Pfund bestückt werden und wurde nach Angaben des Herstellers in den ersten Tagen des Krieges bereits 60 Mal erfolgreich gegen die russischen Truppen eingesetzt. Begleitet wird sie dabei von einer unbewaffneten Drohne, die Ziele aufklärt und beleuchtet. Auch der Punisher wird in vielen Medienberichten als „Game-Changer“ bezeichnet. Die besondere Aufmerksamkeit für dieses UAV kann – neben den behaupteten militärischen Erfolgen – einerseits mit ihrem sprechenden Namen, andererseits jedoch auch mit der Geschichte der Herstellerfirma zusammenhängen, die häufig Teil der Berichterstattung ist. Die israelische Zeitung Haaretz portraitierte das Unternehmen kurz vor dem russischen Angriff anlässlich eines Besuches des ukrainischen Präsidenten Zelensky am 17. Februar 2022 an der Front in der Ostukraine. „Männer in khaki-farbenen Jacken“ hätten dort selbstgemachte Drohnen vorgeführt bzw. getestet. Sie betonen ihren Status als Veteranen des Krieges gegen die Separatisten im Osten und ihre tiefe Feindschaft gegenüber Russland sowie – explizit! – auch der russischen Bevölkerung als Ganzes. Ihr Unternehmen, UA Dynamics, wurde erst im Monat davor offiziell registriert, war aber offenbar bereits früher aktiv, u.a. bei der Entwicklung der Drohne und in der „taktischen und strategischen Beratung von Staaten, die sich durch Russland bedroht fühlen“.[18]


    Vor allem britische (Boulevard-)Medien haben zwischenzeitlich auch intensiv über „Terminator-Drohnen“ berichtet, um damit die „Kreativität“ des Widerstandes zu unterstreichen. Dabei handelt es sich um kommerzielle und unbewaffnete Drohnenmodelle, denen jedoch – vermeintlich in Anlehnung an die berühmte Filmreihe mit Arnold Schwarzenegger und Linda Hamilton – ein furchterregendes Aussehen verpasst worden wäre. Es finden sich viele Berichte darüber, wie sie angeblich genutzt worden seien, um russische Soldaten in Angst und Schrecken zu versetzen, die daraufhin geflohen seien und damit ihre Stellungen preis gegeben hätten. Es existieren auch Videos, die entsprechende Szenen darstellen sollen und z.B. von der britischen Daily Mail veröffentlicht wurden. Zu sehen ist aus Drohnenperspektive ein (vermutlich) russischer Soldat, der eine Straße entlang rennt, dabei offenbar von der filmenden Drohne verfolgt wird und mehrfach „verzweifelt“ („frantically“) über seine Schulter in Richtung der Drohne blickt, bevor er auf andere Soldaten trifft, die sich am Straßenrand verschanzt haben. Der fliehende Soldat – so ergänzt die Daily Mail auf dem Video nicht erkennbare Ereignisse –habe damit die Stellung seiner Kameraden verraten, die anschließend von der ukrainischen Artillerie beschossen und von den Russen aufgegeben worden sei.[19]


    Russische Drohnen: Wenig Berichte, magere Bilanz

    Über den Einsatz russischer UAV im Krieg in der Ukraine finden sich kaum vergleichbare Berichte, wie überhaupt russische Erfolgsmeldungen zumindest in der westlichen Presse so gut wie nicht stattfinden. Wenn sich dort Berichte über russische Drohnen finden, dann handeln sie sehr oft von deren Abschuss durch die Ukraine und der anschließenden Demontage. Ein solches Video, das der Pressedienst ArmyInform der ukrainischen Streitkräfte veröffentlicht hat, offenbart, dass die russische Drohne „technisch überraschend primitiv“ sei: ausgestattet mit einer einfachen kommerziellen Kamera im Wert von 300-400 US$, teilweise mit Klebeband zusammengehalten, anscheinend fungiert ein abgeschnittener Hals einer Plastikflasche als Einfüllstutzen für den Treibstoff.[20] Auch was den Einsatz unbemannter Bodenfahrzeuge angeht, bietet der aktuelle Krieg in der Ukraine wenig Hinweise darauf, dass Russland hier in den vergangenen Jahren in der Entwicklung solch große Fortschritte gemacht hat, wie gelegentlich spekuliert wurde.

    Unter den englischsprachigen Pressemitteilungen des russischen Verteidigungsministeriums finden sich nach sechs Wochen Krieg eine handvoll Berichte und Videos über den – vermeintlich – erfolgreichen Einsatz russischer UAV. Das erste entsprechende Video wurde dort am 16. März 2022 veröffentlicht, ist wenig aussagekräftig und zeigt Luftaufnahmen von LKW und Lagerhallen. Diese Daten wurden demnach genutzt, um Artillerieangriffe zu koordinieren, bei denen Lagerhallen mit Waffen und „bis zu 20 Einheiten Waffen und militärischer Ausrüstung zerstört wurden“.[21] Zwei Tage später wurde dort ein zweites Video veröffentlicht, das offensichtlich aus mehreren Quellen zusammengeschnitten ist und vermeintliche Abschüsse von Fahrzeugen und Lagerhallen von einer größeren russischen Drohne aus darstellt.[22] Wiederum zwei Tage später findet sich dort ein knapper Bericht, der über einen Angriff auf eine ukrainische Artilleriestellung durch ein russisches UAV berichtet.[23] Am 30. März erschien dann eine etwas ausführlichere Meldung, wonach Drohnen des Typs Orlan-10 sowie deren Bedienpersonal trotz ukrainischer Gegenmaßnahmen („electronic warfare means“) „24 Stunden am Tag“ über feindlichem Gebiet im Einsatz seien, um Stellungen der „nationalistischen Bataillone“ aufzukären. Der Informationsgehalt ist auch hier gegenüber den propagandistischen Kernaussagen gering, die erstens darin bestehen, dass die ukrainischen Gegenmaßnahmen überwunden würden und die ukrainischen Einheiten sich gerne in zivilen Gebäuden verschanzten und Zivilisten als menschliche Schutzschilde nutzten.[24] Auch in den täglichen Berichten des ukrainischen Generalstabes spielen russische UAV keine große Rolle: Gelegentlich, etwa am 16. März und am 11. April, wurde im Kontext konkreter Gefechte über Aufklärungsflüge der Orlan-10 berichtet und am 1. April auch der Abschuss einer solchen Drohne vermeldet.


    Als objektive Quelle für materielle russische Verluste im Krieg gilt in westlichen Medien die Gruppe „Oryx“ bzw. deren Webseite (oryxspioenkop.com), obwohl diese keinen Hehl aus ihrer klaren Parteinahme für die Ukraine und dafür umso weniger Angaben über ihrer Struktur und Finanzierung macht. Sie sammelt Informationen über zerstörte und erbeutete russische Waffensysteme und Fahrzeugen aus öffentlichen Quellen und versucht diese relativ aufwändig und transparent zu verifizieren. BBC berichtete etwa am 12. April 2022 bezugnehmend auf Oryx von 460 russischen Panzern und über 2.000 weiteren gepanzerten Fahrzeugen, die Russland bislang verloren hätte.[25] Die Zahl der demnach erbeuteten oder abgeschossenen russischen UAV belief sich zu diesem Zeitpunkt hingegen auf nur 28.[26] Neben einer Aufklärungsdrohne vom Typ Forpost (eine in Lizenz von Russland produzierte Weiterentwicklung der IAI Searcher aus israelischer Produktion) handelt es sich bei allen anderen Fällen um russische Eigenentwicklungen, mit 15 Stück überwiegend um die bereits mehrfach erwähnten UAV vom Typ Orlan-10. Dabei handelt es sich um eine unbewaffnete Drohne mit einer Spannweite von etwa drei Metern und einem Startgewicht von gut 16kg. Für ihre Größe und ihr Gewicht hat sie mit angeblich 1.400km und 16 Stunden eine erstaunlich große Reichweite und Ausdauer. Deutlich kleiner und in der Reichweite deutlich begrenzter ist die russische Drohne Elron, von der demnach bislang vier von der Ukraine erbeutet wurden. Außerdem seien eine Kampfdrohne vom Typ Orion und vier russische Kamikaze-Drohnen KUB-BLA durch ukrainische Kräfte abgeschossen worden. Die Orion als einzige regelmäßig von Russland eingesetzte Kampfdrohne wurde 2016 erstmals getestet und befindet sich seit dem in verschiedenen Modellen in der kontinuierlichen Weiterentwicklung und Erprobung. Mit einer Spannweite von etwa 30 Metern kann sie bis zu 24 Stunden in der Luft bleiben und vier Raketen mit einem Gesamtgewicht von 250kg tragen bzw. verschießen. Wie viele Exemplare die russische Armee besitzt (Schätzungen belaufen sich auf „etwa 30“)[27] und in der Ukraine einsetzt, ist unbekannt, Hinweise auf einen großflächigen, alltäglichen Einsatz der Orion in diesem Krieg finden sich keine.


    Aufsehen erregte allerdings der Einsatz der russischen Kamikazedrohnen KUB-BLA, von denen bereits vier abgeschossen wurden bzw. abgestürzt sind. Ihre Ausmaße und Ausdauer (30 Minuten) sind vergleichbar mit den größeren Modellen der US-Amerikanischen Switchblades und ihre Sprengladung mit 3kg relativ groß. Im Bulletin of the Atomic Scientists, einer Publikation, die eher der US-amerikanischen Friedensbewegung nahesteht, wurde der Einsatz der KUB-BLA in der Ukraine mit Besorgnis kommentiert, da diese nach Darstellung des Herstellers (einer Tochterfirma der Rüstungsschmiede Kalashnikov) auch über einen autonomen Modus verfüge, in dem Ziele eigenständig identifiziert und angegriffen werden können. Unabhängig davon, ob dieser Modus in der Ukraine bereits aktiviert worden sei, unterstreiche ihr Einsatz, „dass Killer-Roboter [bereits] da sind“.[28]


    Einschätzungen des Drohnenkrieges

    Seit Beginn des russischen Einmarsches haben zahlreiche westliche Expert*innen und Thinktanks Einschätzungen und Analysen zur Rolle von UAV im Krieg in der Ukraine abgegeben. Eine der ersten stammte am 2. März von Lauren Kahn vom Council on Foreign Relations (CFR). Sie handelt letztlich ausschließlich von den TB2 und rechnete diesen wenig Chancen im weiteren Kriegsverlauf aus. Die Autorin äußert darin ihr Unverständnis, warum Russland nicht innerhalb der ersten Tage die ganze ukrainische Flotte außer Gefecht setzen konnte: „Warum Russland nicht in der Lage war (oder zögerte), die ukrainischen Bayraktar-TB2-Streitkräfte am Boden zu halten, obwohl es zu Beginn des Krieges die Möglichkeit dazu hatte und mit den UAVs vertraut war, ist nach wie vor unklar“. Deshalb werde die Ukraine „wahrscheinlich weiterhin ihre Bayraktar TB2 zusammen mit anderen Luftkampfmitteln einsetzen, um russische Panzer, andere Panzer und mobile Flugabwehrsysteme anzugreifen, solange sie über diese Fähigkeiten verfügt“.[29]


    Lesenswert sind die Berichte des Journalisten David Axe für das Forbes Magazine bzw. Forbes.com. Auch er hatte den TB2-Drohnen der Ukraine noch am 8. Februar 2022 wenig Chancen gegen die russische Luftabwehr ausgerechnet[30] (an anderer Stelle jedoch recht gut die Schwachstellen einer möglichen russischen Offensive prognostiziert)[31]. Am 21. und 23. März erschienen Beiträge von ihm, in denen er sein früheres Urteil revidierte. Der Ukraine sei es gelungen, ihre TB2-Flotte mit Beginn des russischen Angriffs auf abgelegene Basen zu verlegen und nach einigen Tagen der Reorganisation von dort aus empfindliche Schläge gegen den russischen Vormarsch durchzuführen. Dabei sei es u.a. durch niedrigen Anflug gelungen, der Luftabwehr auszuweichen und zunächst diese anzugreifen, woraufhin die restlichen russischen Fahrzeuge ein einfaches Ziel gewesen wären. Axe geht entsprechend sogar von deutlich höheren russischen Verlusten durch TB2 aus, als von ukrainischer Seite angegeben: „Bis zum 20. März haben ausländische Beobachter anhand von Fotos und Videos bestätigt, dass fast 60 Panzer, Luftabwehrsysteme, Hubschrauber und Transportfahrzeuge den TB2-Angriffen zum Opfer gefallen sind. Die tatsächliche Zahl der Abschüsse ist zweifellos noch viel, viel höher. Wir kennen die tatsächliche Gesamtzahl nicht, weil die Ukraine nicht will, dass wir wissen, wo und wie oft ihre Drohnen zuschlagen“.[32] Am 31. März 2022 berichtete Axe, dass mittlerweile wohl zwei TB2 vom russischen Militär abgeschossen worden seien,[33] während Russland zu dieser Zeit den Abschuss von mehr als den 20 Exemplaren für sich reklamiert hätte – das entspricht der Zahl, auf die Axe den ukrainischen Bestand zum Beginn des russischen Angriffs geschätzt hatte. Er deutet jedoch in seinen verschiedenen Beiträgen mehrfach an, dass zwischendurch weitere Systeme der modernsten Bauart aus der Türkei geliefert worden sein könnten.


    Am 9. April 2022 zog Axe dann eine vorläufige Bilanz, in der er Fähigkeit und Verfügbarkeit der ukrainischen TB2 mit jenen der russischen Orion vergleicht. Demnach schienen die ukrainischen TB2 quasi pausenlos in der Luft zu sein und die russischen Truppen zu bedrohen, während Flüge der Orion eher sporadischer Natur seien. Den 60 „bestätigten“ Abschüssen durch die TB2 stünden lediglich sechs durch Orion gegenüber – wobei er sich auf Oryx beruft. Demnach stünde bislang drei „bestätigt“ abgeschossenen TB2 lediglich eine abgeschossene Orion gegenüber. Aber: „Kiew bezieht weiterhin neue Luftfahrzeuge – und Bayraktar hat kein Problem, die Produktion aufrechtzuerhalten. Kronstadt [der russische Hersteller der Orion] hingegen könnte Schwierigkeiten haben, die russische Nachfrage nach weiteren Orions abzudecken, da Russland seit langem Probleme bei der Beschaffung von High-Tech-Komponenten hat. Die neuen westlichen Sanktionen werden die Engpässe wahrscheinlich noch verschärfen. Es stimmt also, dass am Himmel über der Ukraine verschiedene und konkurrierende Drohnenkämpfe stattfinden. Aber die Kiewer Kampagne lässt sich aufrecht erhalten. Die russische … nicht so sehr“.[34]


    Auch Vikram Mittal von der US-Militärakademie in West Point beurteilte einen Monat nach Beginn des russischen Einmarsches den russischen Einsatz von UAV als wenig erfolgreich. Stattdessen zeige sich auf diesem Gebiet eher eine Überlegenheit der Ukraine. Das habe 2014 noch ganz anders ausgesehen, als Russland seine Aufklärungsdrohnen in der Ukraine sehr erfolgreich mit der Artillerie kombiniert und damit rasche Erfolge erzielt hätte. Seit dem habe Russland geschätzte 9 Mrd. US$ in die heimische Produktion von UAV gesteckt und sein Drohnen-Arsenal um etwa 500 Exemplare verschiedener Klassen aufgestockt. Dass nun Russland trotzdem auf diesem Gebiet unterlegen sei, erklärt er mit „einer Kombination aus Handels-Embargos, Technologieentwicklung und der wachsenden Bedeutung von Gegenmaßnahmen“.[35] Durch die seit 2014 geltenden Sanktionen sei Russland der Zugang zu wichtigen Komponenten und Schlüsseltechnologien wie Optik, Leichtbau-Technik und Elektronik versagt gewesen und entsprechende eigene Entwicklungen nicht entscheidend vorangekommen, während die Ukraine v.a. mit den TB2 günstige und fortgeschrittene Systeme aus der Türkei erhalten habe. Ähnlich verhalte es sich mit der Drohnenabwehr. Hier seien in den letzten Jahren große Fortschritte gemacht worden, die teilweise an Russland vorbeigegangen seien. So nutze Russland Methoden des Jamming und Spoofing, bei denen der Ausgangspunkt des Störsignals leicht zu identifizieren und angreifbar sei. Außerdem würden einige ukrainische Drohnen über Systeme verfügen, welche entsprechende Angriffe erkennen und ausweichen könnten. Zugleich habe die Ukraine Zugang zu neuen Entwicklungen der NATO im Bereich der Drohnenabwehr. Welche Systeme dabei genau zum Einsatz kämen, sei nicht bekannt, aber alleine die Bilder der – oft äußerlich wenig beschädigten – abgeschossen bzw. abgestürzten russischen Drohnen würden auf fortschrittliche und effiziente Technologien hinweisen.


    Fazit

    Weder die russische Regierung noch westliche Beobachter*innen weisen russischen UAV eine entscheidende Rolle in der Kriegführung in der Ukraine zu. Die ukrainische Regierung hingegen konnte Drohnen in den ersten Wochen des Krieges zumindest propagandistisch nutzen, um die Verwundbarkeit der russischen Truppen zu demonstrieren. Westliche Medien und Expert*innen bezeichnen darüber hinaus ukrainischen UAV verschiedener Typen und Klassen (u.a. TB2, Punisher, Switchblade) als „Game-Changer“, die das Kräfteverhältnis wesentlich zugunsten der Ukraine verschoben hätten und noch weiter verschieben könnten. Das aktuelle Kräfteverhältnis wäre demnach wesentlich durch den Technologietransfer in den vergangenen acht Jahren geprägt sowie durch Rüstungslieferungen der NATO und ihrer Verbündeten an die Ukraine. Relativ klar jedenfalls scheint, dass Russland in dieser Zeit im Bereich der UAV entweder deutlich weniger erfolgreich aufgerüstet hat oder seine Mittel sehr zurückhaltend einsetzt. Im ersten Fall ergäbe sich aus der auf UAV fokussierten Betrachtung sogar die Frage, ob die Aufrüstung der Ukraine mit entsprechenden Waffensystemen nicht sogar eine Motivation für die russischen Aggression dargestellt haben könnte. Aus dieser Perspektive jedenfalls scheint der Technologietransfer wesentlich dazu beigetragen haben, die Kräfteverhältnisse in der Region zugunsten der Ukraine und der NATO zu verschieben – eine Tendenz, der Russland erklärtermaßen entgegentreten wollte.


    Dieser Technologietransfer fand in einigen Bereichen – etwa die Lieferung der TB2 von der Türkei in die Ukraine – offen, in anderen – z.B. der Lieferung von Drohnenabwehrsystemen vermutlich aus den USA – verdeckt ab. Wie zumindest die Berichte über die halb militärisch, halb privat finanzierte und organisierte Spezialeinheit „Aerorozvidka“ nahelegen, waren dabei auch Personen im westlichen Ausland daran beteiligt, Exportrestriktionen für High-Tech-Komponenten in die Ukraine zu umgehen. Auch die Geschichte mehrerer ukrainischer Drohnen-Hersteller, etwa des Punishers, werfen nicht nur Fragen nach deren Finanzierung auf, sondern auch, welche Unterstützung sie (sonst) dabei erhielten, in kürzester Zeit einsatzfähige und der russichen Technologie überlegene UAV zu entwickeln und in den Einsatz zu bringen. Die Geschwindigkeit der sich nun möglicherweise als entscheidend erweisenden Aufrüstung der Ukraine mit UAV ist jedenfalls bemerkenswert: 2019 erfolgte die erste Beschaffung von TB2, 2021 die offizielle Zulassung und Bestellung der Aufklärungsdrohnen Fury und Leleka. Das Unternehmen, welches die Punisher herstellt, wurde erst Wochen vor dem Kriegsbeginn registriert und mittlerweile befinden sich vermutlich zusätzlich hunderte Kamikaze-Drohnen des Typs Switchblade und weitere US-Drohnenmodelle im Besitz der ukrainischen Armee.


    Bei der TB2 hingegen erscheint der damit verbundene Technologietransfer relativ transparent. Entscheidende Bauteile stammen aus den USA, das zentrale Modul, mit dem Ziele erkannt und für den Abschuss „beleuchtet“ werden, stammt zumindest in allen nachgewiesenen Fällen vom deutschen Rüstungshersteller Hensoldt, an dem der Bund über die KfW eine Sperrminorität hält.[36]


    Auf jeden Fall dokumentiert der Krieg in der Ukraine, dass die USA, EU und Deutschland nicht Getriebene sind in der Drohnenentwicklung, sondern führende und treibende Kräfte. Von den Schwärmen gegnerischer Drohnen, mit denen auch hierzulande die Entwicklung und Erprobung von Systemen zur Schwarmsteuerung vorangetrieben wird, ist von russischer Seite jedenfalls aktuell nichts zu sehen. Entsprechende Systeme stehen jedoch z.B. in Deutschland für unbewaffnete Drohnen kurz vor der Einsatzreife, in den USA gilt dasselbe u.a. auch für die Kamikaze-Drohnen vom Typ Switchblade.


    Anmerkungen

    [1] Vgl.: Christoph Marischka: Berg-Karabach und der „erste echte Drohnenkrieg“ – Europas Anteil und deutsche Konsequenz, IMI-Analyse 2021/19.

    [2] Siehe z.B.: Umar Farooq: The second drone Age – How Turkey Defied the U.S. and Became a Killer Drone Power, The Intercept vom 14.5.2019.

    [3] Metin Gurcan: Turkey-PKK ‚drone wars‘ escalate, AL-Monitor vom 18.9.2017.

    [4] Isabelle Khurshudyan, David L. Stern: „Why Ukraine’s Turkish-made drone became a flash point in tensions with Russia“, washingtonpost.com vom 25.1.2022.

    [5] Lauren Kahn: How Ukraine Is Using Drones Against Russia, www.cfr.org vom 2.3.2022.

    [6] Vikram Mittal: Puzzling Out the Drone War Over Ukraine, IEEE Spectrum vom 25.3.2022.

    [7] Derek Gatopoulos, Suzan Fraser: Cheap but lethal Turkish drones bolster Ukraine’s defenses, APNews.com vom 17.3.2022.

    [8] Zur Inszenierung der TB2 in der ukrainischen Propaganda siehe auch: Why Turkey’s Bayraktar TB2 UAV Has Become a Household Name, reconnaissance-europe.com.

    [9] Derek Gatopoulos, Suzan Fraser, a.a.o.

    [10] Die Zahlen dieses Absatzes entstammen einer Auswertung des Autors der englischsprachigen Briefings der russischen Verteidigungsministeriums unter https://eng.mil.ru/en/news_page/country.htm zwischen dem 24.2.2022 und dem 8.4.2022.

    [11] Julian Borger: The drone operators who halted Russian convoy headed for Kyiv, theguardian.com vom 28.3.2022.

    [12] Ebd.

    [13] „Defense Department Announces $300 Million in Additional Assistance for Ukraine“, www.defense.gov vom 1.4.2022.

    [14] Phil Stewart, Idrees Ali: U.S. training small number of Ukrainians on Switchblade drones – defense official,

    www.reuters.com vom 6.4.2022.

    [15] „DOD: More Javelins Approved for Ukraine; Switchblades On their Way“, www.defense.gov vom 6.4.2022.

    [16] Axel Zimmermann: Switchblade-Drohnen – Tod aus dem Nichts, zdf.de vom 9.4.2022.

    [17] Vikram Mittal, a.a.o.

    [18] Liza Rozovsky: Ukrainian Veterans Gird for Another War – and Family Is No Excuse, www.haaretz.com vom 19.2.2022.

    [19] Chris Jewers: Moment a frantically fleeing Russian soldier is chased down by Ukrainian drone… before he unwittingly leads Kyiv’s forces straight to his unit, www.dailymail.co.uk vom 8.4.2022.

    [20] Michael Zhang: Ukraine Opens Russian Drone, Finds Canon DSLR Inside, petapixel.com vom 11.4.2022.

    [21] „Russian gunners with the help of an unmanned aerial vehicle destroyed military equipment and an ammunition depot of the Armed Forces of Ukraine“, www.mil.ru vom 16.3.2022.

    [22] „The Ministry of Defence has published footage of the destruction of armored vehicles and ammunition depots of the Armed Forces of Ukraine by an unmanned aerial vehicle with high-precision missile weapons“, www.mil.ru vom 18.3.2022.

    [23] „Unmanned aircraft of the Russian Aerospace Forces destroyed a self-propelled artillery battery of the Armed Forces of Ukraine“, www.mil.ru vom 20.3.2022.

    [24] „Orlan-10 UAVs perform reconnaissance flights to tactical depth during a special military operation in Ukraine“, www.mil.ru vom 30.3.2022.

    [25] „Ukraine conflict: Why is Russia losing so many tanks?“, www.bbc.com vom 11.4.2022.

    [26] Die fortlaufend aktualisierte Liste „bestätigter“ Verluste findet sich unter: https://www.oryxspioenkop.com/2022/02/attack-on-europe-documenting-equipment.html. Im Text wiedergegeben ist der Stand vom 11.4.2022. Bis 21.4.2022 hat sich die Gesamtzahl der abgeschossenen russischen Drohnen demnach auf 39 erhöht, darunter sieben weitere Aufklärungsdrohnen Orlan, eine weitere Elron und zwei weitere Kamikaze-Drohnen KUB-BLA.

    [27] https://www.forbes.com/sites/davidaxe/2022/04/09/russia-just-lost-a-killer-drone-over-ukraine-it-cant-afford-to-lose-many-more/

    [28] Zachary Kallenborn: Russia may have used a killer robot in Ukraine – Now what?, www.thebulletin.org vom 15.3.2022.

    [29] Lauren Kahn, a.a.o.

    [30] David Axe: Ukraine Reportedly Has 20 TB-2 Drones – They Might Not Matter In A Wider War With Russia,

    www.forbes.com vom 8.2.2022.

    [31] David Axe: How The Russians Crush Ukraine, And How Ukraine Thwarts Them, www.forbes.com vom 16.2.2022.

    [32] David Axe: Ukraine’s Drones Are Wreaking Havoc On The Russian Army, www.forbes.com vom 21.3.2022.

    [33] David Axe: Russia Has Shot Down A Second TB-2. It’s Too Little, Too Late To Stop Ukraine’s Killer Drones, www.forbes.com vom 31.3.2022.

    [34] David Axe: Russia Just Lost A Killer Drone Over Ukraine. It Can’t Afford To Lose Many More, www.forbes.com vom 9.3.2022.

    [35] Vikram Mittal, a.a.o.

    [36] Christoph Marischka, a.a.o.


    Info: https://www.imi-online.de/2022/04/26/drohnen-im-ukraine-krieg

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