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22.10.2023

Bhadrakumar: Biden gibt dem ins Stocken geratenen Ukraine-Krieg neuen Schwung

seniora.org, 22. Oktober 2023, Von M. K. Bhadrakumar 21. Oktober 2023 - übernommen von indianpunchline.com

Die Prognose einer "Kriegsmüdigkeit" der Vereinigten Staaten und ihrer Verbündeten im Stellvertreterkrieg in der Ukraine war stark übertrieben. Im Gegenteil, der Krieg bekommt einen neuen Schwung.


Die Biden-Administration reitet auf einem Tiger, und ein Absteigen birgt die Gefahr, von den bestialischen Folgen einer Kriegsniederlage verschlungen zu werden, die nur zur Diskreditierung des Transatlantismus und zum Zerfall der NATO führen und den Untergang der globalen Hegemonie der USA bedeuten könnte.

Bidens förmliche Ansprache an die Nation am Donnerstag im Oval Office kann nur als Beginn einer neuen Phase des Ukraine-Kriegs gesehen werden, die die Dämonisierung Putins auf eine neue Stufe hebt. Biden spinnt ein neues Narrativ, in dem er behauptet, sowohl die Hamas als auch der russische Staatschef wollten "eine benachbarte Demokratie vollständig auslöschen   – vollständig auslöschen".

Die Hauptaussage von Bidens Argumentation war, dass die entschlossene Unterstützung der US-Verbündeten für die Erhaltung der amerikanischen Vormachtstellung in der Welt unerlässlich ist. Sein Plan ist, dass der hybride Krieg in der Ukraine so lange andauern wird, wie Biden im Weißen Haus im Amt bleibt. Er hat sich in einen "ewigen Krieg" verwandelt. Vor seiner Rede hat Biden den ukrainischen Präsidenten Wladimir Zelenski angerufen.

Analysten wollen uns weismachen, dass Europa dem Krieg zunehmend abgeneigt sei. Doch Polen, ein wichtiger Frontstaat, hat gerade eine zentristische Regierung an die Macht gewählt, was in Kiew (und Washington) ein Grund zum Feiern ist. Auch in Großbritannien ist ein ähnliches Ergebnis zu erwarten   – nur dass hier Tweedledum an die Stelle von Tweedledee treten wird, zwei rundliche kleine Männer des Tiefen Staates, die identisch sind, außer dass sie sich gegenseitig links und rechts umdrehen.

Lassen Sie sich nicht täuschen: Die Gemeinsame Erklärung nach dem US-EU-Gipfel in Washington am 20. Oktober ist ein durchschlagender Sieg für die Biden-Regierung, da sich die EU mit den USA auf eine "unerschütterliche" militärische Unterstützung für die Ukraine geeinigt hat; die Forderung an Russland, "seinen brutalen Krieg zu beenden und seine Streitkräfte, seine Stellvertreter und seine militärische Ausrüstung unverzüglich, vollständig und bedingungslos aus dem gesamten international anerkannten Gebiet der Ukraine abzuziehen"; das Gebot der Wiederherstellung "international anerkannter Grenzen" bei jeder Friedensregelung; die Verpflichtung Russlands, "die rechtlichen Konsequenzen all seiner völkerrechtswidrigen Handlungen" gegen die Ukraine zu tragen; die weitere Vertiefung der "gemeinsamen Arbeit zur Untergrabung der Fähigkeit Russlands, seinen Krieg zu führen und seine rüstungsindustrielle Basis und Kapazität zu erhalten und auszubauen" und so weiter.

Es gibt auch keine Anzeichen dafür, dass die militärische Unterstützung der Ukraine durch Europa ins Wanken geraten könnte. Das jüngste Beispiel ist Schweden, wo, wie in anderen nordischen Ländern und in den baltischen Staaten, die geografische Nähe zu Russland die Sicherheitsbedenken verstärkt hat, und es gibt kaum Anzeichen für ein Wanken.

Politico berichtete am Dienstag, Schwedens Verteidigungsminister Pål Jonson habe die militärische Führung des Landes angewiesen, die möglichen Auswirkungen einer Unterstützung der ukrainischen Kampfflugzeugkapazitäten, einschließlich der Gripen-Flugzeuge, zu prüfen. Die Militärs sollen Jonson bis zum 6. November Bericht erstatten. Zuvor hatten Schwedens europäische Nachbarländer Norwegen, Dänemark, Belgien und die Niederlande angekündigt, Lockheed Martin F-16-Jets nach Kiew zu schicken.

Expertenmeinungen zufolge könnte selbst eine begrenzte Anzahl von Gripen die Bemühungen der Ukraine um die Kontrolle ihres Luftraums sinnvoll unterstützen. Sie gelten als relativ billige und leicht zu wartende Jets, die von kürzeren, schmaleren Start- und Landebahnen aus operieren können, einschließlich improvisierter Landebahnen auf geraden Strecken von Autobahnen, wodurch das Risiko verringert wird, dass sich die Flugzeuge auf einer größeren Basis sammeln und durch einen einzigen feindlichen Angriff zerstört werden.

Was die USA betrifft, so wissen wir jetzt, dass die Biden-Regierung die Öffentlichkeit in Bezug auf die ATACMS-Raketen getäuscht hat, und die Kiewer Streitkräfte bereits heimlich mit diesem System ausgerüstet hatte. Darüber hinaus erwägt die Biden-Regierung, ermutigt durch den Erfolg des verheerenden Angriffs Kiews auf die von Russland kontrollierten Flugplätze in Berjansk und Luhansk am Dienstag, bei dem ATACMS zum Einsatz kam (bei dem Berichten zufolge mehrere russische Hubschrauber, ein Munitionslager und ein Luftabwehrsystem zerstört wurden), nun die Lieferung einer fortgeschrittenen Version der Rakete, die doppelt so weit (190 Meilen) schießen kann wie die, die die Ukraine gerade erhalten hat (nur 100 Meilen).

Die Entschlossenheit Bidens ist keineswegs geschwächt. Tatsächlich hat der nationale Sicherheitsberater Jake Sullivan am Freitag in einer Sondersitzung des Weißen Hauses unverfroren offengelegt, dass Washington "bestimmte Arten von Waffensystemen in Auftrag gegeben hat, die noch nicht geliefert werden können, weil sie sich noch in der Produktion befinden." Im Klartext: Die Biden-Administration hält es für möglich, Waffen und Militärfahrzeuge an die Ukraine zu übergeben, die noch nie geliefert wurden.

"Der Präsident hat den Ermessensspielraum, auf der Grundlage der Umstände des Konflikts, der Situation vor Ort und der Konsultationen mit den Verbündeten zu entscheiden, ob er der Ukraine Waffensysteme zur Verfügung stellt, die wir zuvor nicht geliefert haben", so Sullivan. Er erklärte weiter, dass die USA "bestimmte Arten von Waffensystemen in Auftrag gegeben haben, die noch nicht geliefert wurden, weil sie noch in der Produktion sind. Wir gehen davon aus, dass sie in den kommenden Monaten geliefert werden."

Eine weitere Fehlannahme war, dass sich im US-Kongress ein Meinungsumschwung abzeichnet, der es der Regierung Biden zunehmend erschweren würde, in einem Wahljahr die Zustimmung zur Militärhilfe für die Ukraine zu erhalten. Aber wie es der Zufall will, hat Biden, der ein äußerst erfahrener Politiker im Umgang mit schwierigen Gesetzgebungen ist, einen genialen Weg gefunden.

Der Kandidat Vivek Ramaswamy brachte es auf den Punkt: "Sie kombinieren absichtlich die Debatten um die Ukraine, Israel und unsere Grenze, um die 61 Milliarden Dollar für die Ukraine durchzupeitschen, die sonst niemals verabschiedet worden wären." Laut Dokumenten des Weißen Hauses sieht der Antrag für das Haushaltsjahr 2024 vor, über 61,4 Milliarden Dollar für die Ukraine und über 14,3 Milliarden Dollar für Israel bereitzustellen.

Sullivan bezeichnete den jüngsten Haushaltsantrag der Biden-Administration als "inmitten eines globalen Wendepunkts" nach dem Hamas-Angriff auf Israel "und während das ukrainische Volk weiterhin jeden Tag für seine Freiheit und Unabhängigkeit gegen die russische Brutalität kämpft". Er lenkte den Fokus auf Bidens neue Aussage, dass "der Ausgang dieser Kämpfe für die Demokratie gegen Terrorismus und Tyrannei für die Sicherheit des amerikanischen Volkes von entscheidender Bedeutung ist."

Wer kann jetzt noch sagen, dass das, was in der 10.000 km entfernten Ukraine geschieht, die Vereinigten Staaten nicht betrifft? Biden begann seine Rede am Donnerstag mit einer an Churchill erinnernden Note:

"Wir stehen vor einem Wendepunkt in der Geschichte   – einem dieser Momente, in denen die Entscheidungen, die wir heute treffen, die Zukunft für die nächsten Jahrzehnte bestimmen werden. Darüber möchte ich heute Abend mit Ihnen sprechen."

Er fuhr fort: "Amerikanische Führung ist das, was die Welt zusammenhält. Amerikanische Allianzen sind es, die uns, Amerika, sicher machen. Die amerikanischen Werte machen uns zu einem Partner, mit dem andere Nationen zusammenarbeiten wollen. All das aufs Spiel zu setzen, wenn wir uns von der Ukraine abwenden, wenn wir Israel den Rücken kehren, das ist es einfach nicht wert."

Im Ukraine-Krieg geht es also nicht mehr um das westfälische Prinzip der nationalen Souveränität und die UN-Charta   – oder gar darum, dass dies kein Zeitalter der Kriege ist. In Wirklichkeit geht es um die amerikanische Führung, um amerikanische Bündnisse, um amerikanische Werte   – im Klartext: Hegemonie, NATO, Exzeptionalismus.

Quelle: https://www.indianpunchline.com/biden-gives-booster-dose-to-the-faltering-ukraine-war/
Die Übersetzung besorgte Andreas Mylaeus


Info: https://seniora.org/index.php?option=com_acymailing&ctrl=url&subid=3998&urlid=4592&mailid=1965


unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

22.10.2023

Antisemitismus, Zionismus, "Existenzrecht"

aus e-mail von Doris Pumphrey, 22. Oktober 2023, 18:02 Uhr


*Aus dem Archiv**: */ein Vortrag vom 1. November 2009

/http://www.frikoberlin.de/nahost/zionismus_pumphrey.pdf 

<http://www.frikoberlin.de/nahost/zionismus_pumphrey.pdf>


*Antisemitismus, Zionismus, "Existenzrecht"**

*/von George Pumphrey


/Antisemitismus ist seit geraumer Zeit einer der am häufigsten

gebrauchten und missbrauchten Begriffe der politischen Terminologie. Wie

die Begriffe "Menschenrechte" und "Terrorismus" – wird auch der Begriff

Antisemitismus "dehnbar" benutzt.

Obwohl viele namhafte Juden öffentlich gegen den Missbrauch und die

damit verbundene Verharmlosung dieses Begriffes Stellung beziehen, sind

es nur wenige Nicht-Juden, die sich zu Wort melden.

Der Begriff Antisemitismus wird bewusst missbraucht, um Kritik an der

israelischen Staatspolitik und Kritik an der Rolle der Israel-Lobby hier

und in anderen Ländern zu unterbinden bzw. vor allem nichtjüdische

Kritiker einzuschüchtern.


Ich vermute, dass diese Einschüchterung auf viele Nicht-Juden – vor

allem hier in Deutschland – wirkt, weil sich viele unsicher sind, was

Antisemitismus genau ist, wo er anfängt, wie weit man mit einer Kritik

an Israel gehen kann, ohne Gefahr zu laufen, antisemitisch zu werden.


Also sollten wir zunächst einmal den Antisemitismus definieren.

Wie der Rassismus ist der Antisemitismus die Abneigung oder Feindschaft

– basierend auf Vorurteilen – gegen Menschen, nur weil sie einer

bestimmten Gruppe angehören. Der Jude wird abgelehnt, weil er Jude ist,

egal was er tut oder denkt. Der Antisemitismus dient der Rechtfertigung

von Herrschaftsverhältnissen und der entsprechenden Mobilisierung von

Gruppen, auch gegen ihre eigenen Interessen.


*"/Fremdkörper/" im eigenen Land und christlicher Zionismus


*Antisemitismus ist ein europäisches Phänomen. Juden wurden zu

"Fremdkörpern" in den jeweiligen nationalen Gesellschaften erklärt und

dienten den jeweils Herrschenden als Sündenböcke in Krisenzeiten.


Einige meinen, der Zionismus sei die Antwort auf diesen europäischen

Antisemitismus. Das ist aber falsch. Der Zionismus ist eine ideologische

Fortführung der europäischen Judenfeindlichkeit.


Die ersten Zionisten waren nicht-jüdische Europäer. Mit der Reformation,

die den sich entwickelnden Kapitalismus begleitete, wurde die Bibel in

die jeweiligen nationalen Sprachen übersetzt. Die Bibel wurde damit zur

wichtigsten Geschichtsquelle für die Länder der Reformation und wurde

weitgehend wortwörtlich genommen. Es gab Versuche, Juden in Europa davon

zu überzeugen, Palästina zu kolonisieren um dort ihre "biblische Heimat"

Israel wieder aufzubauen.


Das hätte zwei "Vorteile" mit sich gebracht. Zum einen entsprach es der

christlichen Judenfeindlichkeit – man wäre eine unangepasste Minderheit

losgeworden. Zum anderen entsprach es dem imperialen Bestreben im

Wettkampf um das Erbe des untergehenden osmanischen Reiches. Israel

sollte eine europäische Kolonie im Zentrum dieses Reiches werden. In

ihrem Kampf gegen Rom gab es zudem nicht wenige Protestanten, die

glaubten, dass die Wiedererstehung Israels die Wiederkehr Christi und

die Konvertierung der Juden zum Christentum (vor allem zu

Protestantismus) beschleunigen würde (übrigens ein wesentlicher Grund

für den Zionismus der heutigen fundamentalistischen Christen – nicht nur

- in den USA).


In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts hatte sich Ägypten unter

Führung von Mohamed Ali zu einer wirtschaftlichen, militärischen und

damit auch politischen Macht entwickelt. Natürlich führte diese

Entwicklung zu starken Spannungen und Interessenkonflikten zwischen

Ägypten und seinen Konkurrenten, hauptsächlich den Kolonialmächten

Großbritannien und Frankreich. Sie waren am Erbe des Osmanischen Reiches

interessiert. Der Konflikt zwischen Ägypten und Großbritannien endete im

Sieg über Mohamed Ali 1839 (besiegelt im London-Abkommen von 1840).


Der damalige britische Außenminister Palmerstone hatte wiederholt an

seinen Botschafter in Istanbul geschrieben, er solle dem osmanischen

Sultan den Vorschlag unterbreiten, die Juden nach Palästina immigrieren

zu lassen. /"Die Juden würden eine Menschenmauer gegen Mohamed Ali oder

seine Nachfolger bilden, die zukünftig solche bösen Vorhaben – eine

regionale Macht – zu verhindern wissen."/ Palmerstone erklärte in einer

Note vom 17. Februar 1841, dass Großbritannien für die Realisierung des

Projekts der Siedlung der Juden in Palästina verantwortlich sei.1


1839 rief der britische Abgeordnete Lord Ashley Cooper die Juden dazu

auf, nach Palästina auszuwandern. Cooper war gegen Assimilierung und

gegen die Emanzipierung der Juden, denn er meinte, dass sie immer Fremde

bleiben werden in den Ländern, in denen sie mit Nicht-Juden leben. Für

ihn war es ohne Bedeutung, dass Palästina bereits bewohnt war. Für ihn

war “/Palästina ein Land ohne Nation, für eine Nation ohne Land/”.

(Später wurde dieser Satz etwas abgeändert zum Slogan der jüdischen

Zionisten, die Palästina für sich reklamierten, als “/ein Land ohne

Volk, für ein Volk ohne Land/”.)2


1845 schlug Edward L. Mitford vom Londoner Kolonialbüro vor, eine

„jüdische Nation in Palästina“ unter der Schutzmacht Großbritannien zu

etablieren. Er erklärte, dass ein jüdischer Staat für Großbritannien von

großem Vorteil wäre, denn es hätte damit eine Machtposition im

Morgenland um Feinde in Schach zu halten.


Juden, die in Europa beheimatet waren, lehnten es ab in die ferne Wüste

geschickt zu werden. Sie wollten als vollwertige Bürger ihres jeweiligen

Landes anerkannt werden.

Zionismus war also anfänglich hauptsächlich von protestantischen

Christen vertreten.

Das war 50 Jahre bevor Theodor Herzl 1896 den Zionismus zu einem

jüdischen politischen Programm machte.


*Jüdischer Zionismus


*Herzl behauptete, dass die Juden sich in den Gesellschaften, in denen

sie leben, nicht assimilieren können und dass ihre Intelligenz keinen

gesunden Ausdruck finden kann. In seinen Tagebüchern schrieb er z.B.:

/"Wir werden – nach unten hin – zu Umstürzlern proletarisiert, bilden

die Unteroffiziere aller revolutionären Parteien und gleichzeitig wächst

– nach oben – unsere furchtbare Geldmacht."4/


Er entwickelte die reaktionäre Konzeption von der jüdischen

Gemeinschaft, von der jüdischen Rasse, die keine Klassenfrage kennt. Der

Zionismus sollte zum großen jüdisch-nationalistischen Anliegen werden

und zur Gründung eines Judenstaates führen.

Herzls Zionismus wurde vom deutschen Nationalismus inspiriert.


Der große Unterschied zwischen den zionistischen und nicht-zionistischen

jüdischen Organisationen bestand seitdem darin, dass nicht-zionistische

Organisationen gegen die Diskriminierung der Juden in ihren

Heimatländern kämpften, während zionistische Organisationen den

Antisemitismus als unüberwindbar, als natürliches und vererbbares

Phänomen betrachten.


Zionisten sehen den anti-jüdischen Chauvinismus nicht als ein

gesellschaftliches Phänomen. Für den Zionismus bedeuten anti-jüdische

Vorurteile nicht etwas, was erlernt und deshalb auch überwunden werden

kann. Der Zionismus geht davon aus, dass Antisemitismus so lange

existieren wird, als Juden unter Nichtjuden leben, egal was sie tun oder

nicht tun. Deshalb sollten die Juden in "ihren" Staat – den jüdischen

Staat Israel – gehen.


Da die große Mehrheit der Juden, wie alle anderen Minderheiten, danach

strebte, in ihren Heimatländern gleichberechtigt zu leben, fand der

Zionismus über viele Jahre nur wenige Anhänger. Die Mehrheit empfand

dieses Konzept als anti-jüdisch und gegen ihre Interessen gerichtet.


Der "Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens" war bis

1933 die größte und wichtigste jüdische Organisation in Deutschland und

vertrat 95 % der organisierten Juden. In ihrem Statut verpflichtete sich

der "Centralverein" dem Kampf gegen Antisemitismus und für die

Gleichberechtigung der Juden in Deutschland.5 Die "Zionistische

Vereinigung für Deutschland" (ZVfD) – eine kleine Sekte – hatte sich

nicht am Kampf gegen Antisemitismus und den aufkommenden Faschismus

beteiligt. Nach der Machtübergabe an Hitler betrachteten die Nazis diese

zionistische Organisation als Repräsentant der jüdischen Gemeinde. Die

Nazis wollten ein judenreines Deutschland bzw. Europa, und die Zionisten

wollten, dass alle Juden nach Palästina gehen. Die einen wollten einen

arischen, die andern einen jüdischen Staat. Beide waren gegen die

Assimilierung der Juden in Deutschland und gegen Mischehen.


Mit den Nürnberger Rassengesetzen von 1935 wurden die Juden innerhalb

Deutschlands wirksam isoliert, ihrer Rechte beraubt und zu Parias gemacht.


Die zionistische Zeitung "Jüdische Rundschau" veröffentlichte die

gesetzlichen Beschränkungen zusammen mit einem Kommentar von Alfred

Berndt. Berndt erinnerte daran, dass nur zwei Wochen zuvor der

Internationale Zionistenkongress in Luzern erklärte, dass endlich

Schluss sein müsse, das Judentum nur als eine Religion zu sehen. Juden

seien ein eigenständiges Volk mit nationalen Ansprüchen. Deutschland

habe nur die praktischen Konsequenzen daraus gezogen und habe den

Wünschen des internationalen Zionistenkongresses entsprochen, wenn es

nun die Juden in Deutschland zu einer nationalen Minderheit erklärte.6


Ein Aspekt der Gesetze, der inzwischen längst vergessen ist, hatte

damals große Aufmerksamkeit erregt. Nach den Nürnberger Gesetzen waren

in Deutschland nur noch zwei Fahnen erlaubt, die Hakenkreuzfahne und das

blau-weiße Zionistenbanner. Die deutschen Zionisten der ZVfD freuten

sich und hofften, es handele sich um ein Zeichen der Annäherung von

Seiten Hitlers.7


Während der Nazi-Zeit waren die zionistischen Organisationen vor allem

daran interessiert, dass europäische Juden nach Palästina auswanderten.

Jene, die in andere Länder gehen wollten, erhielten kaum Hilfe von ihnen.


So erklärte z.B. Yitzhak Greenbaum, der Vorsitzende des "Rettung

Komitees der Jüdischen Agentur in Palästina" in Februar 1943, vor dem

"Zionist Executive Council" in Tel Aviv /"als man mich fragte, ob ich

für die Rettung der Juden in Europa nicht Geld aus dem Fond des United

Jewish Appeal geben könnte, sagte ich NEIN und noch mal NEIN! Wir müssen

uns gegen Bestrebungen wenden, die zionistische Aktivitäten als

zweitrangig sehen"./ Greenbaum sagte an anderer Stelle auch: /"Eine Kuh

in Palästina ist mehr wert als alle Juden in Europa.”8/


Die deutschen Zionisten hatten sich natürlich über Hitlers Absichten

Illusionen gemacht. Wie Lenni Brenner in seinem Buch "Zionismus und

Faschismus", schreibt: Die Zionisten /"waren einfach Reaktionäre, die

sich in ihrer Naivität entschlossen hatten, die Gemeinsamkeiten zwischen

ihrer Ideologie und der Hitlers hervorzuheben. Sie versuchten, sich

selbst davon zu überzeugen, dass die Tatsache, dass auch sie Rassisten

waren, dass auch sie gegen Mischehen waren, dass auch sie daran

glaubten, dass Juden als Fremde in Deutschland lebten und dass auch sie

Gegner der Linken waren, ausreichen würde, um Adolf Hitler dazu zu

bringen, sie als einzig ‚ehrliche Partner’ für eine diplomatische

Détente zu sehen."9/


Die Zionisten glaubten, dass ihre Absage an den antifaschistischen

Widerstand und ihre Bereitschaft zur Kollaboration mit den Faschisten

sie am Ende schonen würde. Doch nach der Reichspogromnacht 1938 wurde

auch ihre Organisation, die "Zionistische Vereinigung für Deutschland"

verboten.


*"Existenzrecht Israels" (als jüdischer Staat)


*Ich will aber noch etwas ansprechen, das in unserer Diskussion immer

eine Rolle spielt. Das Existenzrecht Israels. Die Anerkennung des

Existenzrechts Israel wird von jedem, der sich zum Thema äußert, wie ein

Bekenntnis abverlangt, obwohl der Staat seit 60 Jahren existiert, die

Palästinenser aber immer noch auf ihren warten.

Auch wenn wir annehmen, dass damit die physische Existenz Israels

gemeint ist, sind wir immer noch mit der Frage konfrontiert: welches

Israel in welchen Grenzen soll eigentlich anerkannt werden?


Wie der Völkerrechtler John V. Whitbeck fragt:

/"Die *55 Prozent* des historischen Palästinas, die von der

UN-Generalversammlung für einen jüdischen Staat 1947 empfohlen wurden?

Die *78 Prozent *des historischen Palästinas, die 1948 von Israel

besetzt wurden und nun von den meisten als "Israel" oder "das

eigentliche Israel" angesehen werden? Oder die *100 Prozent *des

historischen Palästinas, die von Israel seit 1967 besetzt werden und auf

Landkarten in israelischen Schulbüchern als "Israel" erscheinen? Israel

hat noch nie seine eigenen Grenzen definiert, weil es damit

notwendigerweise seine Handlungsfreiheit einschränken würde. (…) Zu

verlangen, dass die Palästinenser das "Existenzrecht Israels"

anerkennen, heißt zu verlangen, dass ein Volk, das seit 60 Jahren und

heute immer noch als Untermenschen behandelt wird, öffentlich sein

Untermensch-Sein verkündet und damit – zumindest indirekt – einräumt,

dass man verdient, was einem angetan wurde und immer noch angetan

wird.10 "/ /


/Aber es geht hier nicht um die physische Existenz des Staates Israels.

Israel, die einzige Nuklearmacht im Nahen Osten und viertstärkste

Militärmacht der Welt, mit ihren mächtigen Verbündeten, allen voran den

USA, ist in seiner Existenz schon lange nicht mehr gefährdet. Beim

ständig abverlangten Bekenntnis zum Existenzrecht Israels, geht es um

das Existenzrecht Israels als _jüdischer_ Staat. Die neue Regierung hat

dies nun offen erklärt.


Der erste Präsident Israels, David Ben Gurion, hat den Weg

vorgezeichnet, den Israel bis heute geht. Hier nur ein paar Zitate:

/"Die politische Idee des Zionismus stellt an uns eine Forderung: eine

jüdische Mehrheit in Palästina zu schaffen."11

Er sagte ebenfalls, "Wir müssen Terror, gezielte Tötungen,

Einschüchterung, Landbeschlagnahmung und die Verweigerung jeglicher

sozialen Dienste benutzen um Galiläa von der arabischen Bevölkerung zu

befreien."12


/Und in seiner Rede auf dem 20. Zionistenkongress in 1947 prophezeit

er:///"Nachdem wir nach der Staatsgründung eine starke und große Armee

schaffen, werden wir die Teilung des Landes auflösen und uns im ganzen

Land ansiedeln. Ein jüdischer Staat ist kein Zweck an sich, sondern der

Anfang. Wir werden eine hoch qualitative und starke Armee organisieren.

Ohne Zweifel wird diese Armee eine der besten der Welt sein und dann bin

ich zutiefst überzeugt, dass es unmöglich sein wird, uns davon

abzuhalten, die anderen Teile des Landes zu besiedeln (...). Unsere

Forderung ist nicht ein jüdischer Staat in Palästina (Erez Israel)

sondern Erez Israel Palästina als jüdischer Staat."13

/

Viele Zitate ähnlichen Inhalts von israelischen Politikern bis in die

heutige Zeit könnten sich hier anschließen.


Was bedeutet dies gerade im Hinblick auf die deutsche Geschichte? Nach

der grausamen Erfahrung einer völkisch definierten Politik, müssten wir

da nicht besonders skeptisch sein gegenüber der völkisch definierten

Politik des zionistischen Israel? Nach einer Arisierung jüdischen

Eigentums, können wir eine Judaisierung arabischen Eigentums, oder nach

einer arischen Lebensraumpolitik, eine jüdische Lebensraumpolitik

gutheißen?


Ein "reinrassiger" Staat für die Juden auf der einen Seite, könnte das

nicht im Umkehrschluss "judenfreie" Staaten auf der anderen Seite

bedeuten? Denn irgendwo müssen die Juden herkommen, die einen immer

größeren jüdischen Staat bevölkern sollen.


Den alten Nazis, die in der Bundesrepublik wieder an den Schalthebeln

der Macht saßen, kam der Aufschwung des Zionismus nach dem Völkermord an

Juden durchaus gelegen. Das Eintreten für die Existenz Israels war eine

bequeme Ablenkung vom kurz zuvor verübten Verbrechen – man war nun zum

besten Verbündeten des "Judenstaates" geworden. Der Staat war weit genug

weg, auf dem Territorium eines Volkes, das keinerlei Verantwortung für

den deutschen Faschismus trug und Israel gab ihnen doch auch die

Hoffnung, dass Juden künftig in "ihren" Ghetto-Staat gehen würden und

die Bundesrepublik im wesentlichen "judenfrei" bleiben würde. – Die

Gründung des Staates Israel hatte Konrad Adenauer mit der zynischen

Bemerkung kommentiert: «Das Judenproblem haben wir nun asiatisiert!»)14


Immer wieder hören wir die Forderung, die Palästinenser müssten das

Existenzrecht Israels anerkennen und zwar als _Vorbedingung_ für

Verhandlungen.


Durch Massenvertreibung,Enteignung und Entrechtung der Palästinenser

wurde der Staat Israel geschaffen und das ist bis heute israelische

Staatspolitik. Allein seit 1967


– wurden über eine Millionen Palästinenser aus ihrer Heimat vertrieben

Tausende getötet und Zehntausende verwundet.


·650 000 Palästinenser, darunter rechtmäßig gewählte Parlamentarier und

Minister, verschleppt und gefangen gehalten, viele ohne Anklage.


·2 000 palästinensische Häuser zerstört– und mehr als eine Million

Ölbäume – die Grundlage der palästinensischen Landwirtschaft –

vernichtet oder gestohlen.


·Seit Juli 2002 baut Israel eine Mauer in der Westbank, um noch mehr

palästinensischem Land zu annektieren,


·Durch ein System von Abriegelungen, Belagerungen, Ausgangssperren,

Straßenblockaden und Checkpoints wird für die Palästinenser das Leben in

ihrem eigenen Land unerträglich gemacht.


·Nach der vollständigen Belagerung des Gazastreifens, haben wir zu

Beginn des Jahres 2009 den israelischen Massenmord und die mutwillige

Zerstörung der Infrastruktur im Gazastreifen erlebt. Und Israel

verhindert bis heute den Wiederaufbau der Lebensgrundlagen.


·Israel hält nicht nur palästinensische Territorien, sondern Teile des

Libanons und Syriens in Besitz genommen.



Uri Avnery, der israelische Friedensaktivist und langjährige

Knesset-Abgeordnete stellt die Forderung nach der Anerkennung Israels

durch die Palästinenser noch in einen anderen Zusammenhang und fragt:

/"Muss ein Indianer das Existenzrecht der USA anerkennen? Eine

interessante Frage. Die USA wurden von Europäern gegründet, die einen

Kontinent eroberten, der ihnen nicht gehörte, die den Großteil der

indigenen Bevölkerung in einem langen Völkermordfeldzug auslöschte und

die die Arbeit von Millionen Sklaven ausbeuteten, die brutal aus ihrem

Leben in Afrika gerissen wurden. [...] Also warum wird von der Hamas

verlangt, 'Israels Existenzrecht anzuerkennen'? [...] warum wird diese

seltsame Forderung von den Palästinensern verlangt? Warum sollen sie das

Existenzrecht Israels als jüdischen Staat anerkennen?"/


*Zionismus eine imperialistische Ideologie

*

In der DDR und in vielen Teilen der früheren Linken der BRD wurde der

Zionismus verstanden und offen ausgesprochen als das was er ist: ein

imperialistisches, rassistisch-kolonialistisches Projekt, das sein Ziel

noch nicht ganz erreicht hat, dank des Widerstandes der Araber, vor

allem der Palästinenser.


Aber heute, in der weit verbreiteten Verwirrung über den Inhalt linker

Prinzipien, erhält der Zionismus von unerwarteter Seite Unterstützung.

In zynischer**Weise versteckt sich der Zionismus hinter den ermordeten

Juden Europas (deren Rettung er sich oftmals verweigert hatte) und es

gelang ihm weitgehend den faschistischen, antisemitischen Charakter

seines Projekts zu verschleiern.


Der israelisch-palästinensische Konflikt ist ein politischer Konflikt

zwischen einer kolonialen Bewegung und einer nationalen

Befreiungsbewegung. (…) Der Antizionismus ist eine politische Kritik an

einer politischen Ideologie und Bewegung; er greift nicht eine

Menschengruppe an, sondern stellt eine bestimmte Politik in Frage.15


Die Zionisten hätten es nicht so leicht, wenn auch mehr Nicht-Juden die

Trennlinie zwischen Judentum und Zionismus erkennen könnten und sich

aktiv dem Antisemitismus – auch in seiner zionistischen Form –

widersetzen würden.


________________________


1 Gespräch mit Mamdouh Habashi, Junge Welt: 10.01.2009,

http://www.jungewelt.de/2009/01-10/001.php?sstr=Habashi 

<http://www.jungewelt.de/2009/01-10/001.php?sstr=Habashi>


2 Halsell, Grace, Prophecy and Politics, Lawrence Hill Books, Chicago,

USA, 1985,

3 ibid

4 Herzl, Theodor, Briefe und Tagebücher, Zionistisches Tagebuch 1895 -

1899 (Propyläen) S. 199

5 Arendt, Hanna, Eichmann in Jerusalem, Pinquin, Hammondsworth, England,

1994, Pg. 59

6 Brenner, Lenni, Zionismus und Faschismus, Kai Homilius Verlag, 2007,

S. 136

7 ibid

8 Liebermann, Rabbi Gedalya (Australia), "The Role of Zionism in the

Holocaust"

http://www.jewsagainstzionism.com/antisemitism/holocaust/gedalyaliebermann.cfm 

<http://www.jewsagainstzionism.com/antisemitism/holocaust/gedalyaliebermann.cfm>

9 Brenner op cit S. 141

10 Whitbeck, John V., "A Moral Judgment is Called For On Israel's 'Right

to Exist'", CounterPunch, December 21, 2006,

http://counterpunch.org/whitbeck12212006.html 

<http://counterpunch.org/whitbeck12212006.html>

11 Ben Gurion, David, Zitiert von Dscherschinski, Ziel Groß-Israel,

http://de.mailarchive.ca/soc.politik.misc/2006-09/1953.html 

<http://de.mailarchive.ca/soc.politik.misc/2006-09/1953.html>, 6 Sept. 2006

12 Ben Gurion, David, zitiert von Ben-Gurion, A Biography, by Michael

Ben-Zohar, Delacorte New York 1978,

http://www.geri-mueller.ch/media/dokumente/formulare/palaestinensischesland.pdf 

<http://www.geri-mueller.ch/media/dokumente/formulare/palaestinensischesland.pdf>

13 Ben Gurion, David, auf dem 20. Zionistenkongress, zitiert von Reuven

Moskovitz,

http://www.aachener-friedenspreis.de/preistraeger/2003/RedeReuvenMoskovitz.pdf 

<http://www.aachener-friedenspreis.de/preistraeger/2003/RedeReuvenMoskovitz.pdf>

14 Smole, Prof. Ernst, “Europas Schuld am Gaza-Konflikt”, «Jüdische

Zeitung», Februar 2009

15 Warschawski, Michel, "Antizionismus ist nicht Antisemitismus,"

http://www.arendt-art.de/deutsch/palestina/warschawski_michel_antizionismus_ist_nicht_antisemitismus.htm 

<http://www.arendt-art.de/deutsch/palestina/warschawski_michel_antizionismus_ist_nicht_antisemitismus.htm>


unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

22.10.2023

Holocaustforscher: Musterbeispiel für Völkermord

aus e-mail von Doris Pumphrey, 22. Oktober 2023, 17:24 Uhr


-------- Weitergeleitete Nachricht --------

Betreff: Israel. Holocaustforscher: Musterbeispiel für Völkermord

Datum: Sat, 21 Oct 2023 20:55:01 +0100

Von: Martin Leo



*Raz Segal* (hebräisch רז סגל) ist ein israelischer Historiker mit

Schwerpunkt auf Holocaust- und Genozid-Forschung und Autor. Er ist

Associate Professor für Holocaust- und Genozidforschung an der Stockton

University in Galloway, New Jersey, USA.  Er forschte insbesondere über

den Holocaust in den Karpathen, unter anderem für die israelische

Holocaustgedenkstätte Yad Vashem. Er spricht Hebräisch, Englisch,

Deutsch, Jiddisch und Ungarisch. https://de.m.wikipedia.org/wiki/Raz_Segal


_______


https://jewishcurrents.org/a-textbook-case-of-genocide

13. Oktober 2023


*Ein Musterbeispiel für Völkermord*

*Israel hat deutlich gemacht, was es in Gaza tut. Warum hört die Welt

nicht zu?

von *Raz Segal


AM FREITAG befahl Israel der belagerten Bevölkerung in der nördlichen

Hälfte des Gazastreifens, nach Süden zu evakuieren, und warnte davor,

dass es seinen Angriff auf die obere Hälfte des Streifens bald

verstärken werde. Der Befehl hat dazu geführt, dass mehr als eine

Million Menschen, von denen die Hälfte Kinder sind, verzweifelt

versuchen zu fliehen, inmitten anhaltender Luftangriffe, in einer

ummauerten Enklave, in der kein Ziel sicher ist. Wie die

palästinensische Journalistin Ruwaida Kamal Amer heute aus Gaza schrieb

, „treffen bereits Flüchtlinge aus dem Norden in Khan Younis ein, wo die

Raketen nie aufhören und uns Nahrung, Wasser und Strom ausgehen.“ Die

Vereinten Nationen haben gewarnt , dass die Flucht von Menschen aus dem

nördlichen Teil des Gazastreifens in den Süden „verheerende humanitäre

Folgen“ haben und „die ohnehin schon tragische Situation in eine

katastrophale Situation verwandeln wird“. In der letzten Woche hat

Israels Gewalt gegen Gaza mehr als 1.800 Palästinenser getötet, Tausende

verletzt und mehr als 400.000 innerhalb des Gazastreifens vertrieben.

Und doch versprach der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu

heute, dass das, was wir gesehen haben, „nur der Anfang“ sei.


Israels Kampagne zur Vertreibung der Bewohner des Gazastreifens – und

möglicherweise ihrer vollständigen Vertreibung nach Ägypten – ist ein

weiteres Kapitel der Nakba, in der während des Krieges von 1948, der zur

Gründung des Staates Israel führte, schätzungsweise 750.000

Palästinenser aus ihren Häusern vertrieben wurden. Der Angriff auf Gaza

kann aber auch anders verstanden werden: als Musterbeispiel für einen

Völkermord, der sich vor unseren Augen abspielt. Ich sage das als

Völkermordforscher, der viele Jahre damit verbracht hat, über

israelische Massengewalt gegen Palästinenser zu schreiben. Ich habe über

Siedlerkolonialismus und jüdische Vorherrschaft in Israel geschrieben ,

über die Verzerrung des Holocaust, um die israelische Waffenindustrie

anzukurbeln , über die Verwendung von Antisemitismusvorwürfen als Waffe,

um israelische Gewalt gegen Palästinenser zu rechtfertigen, und über das

rassistische Regime der israelischen Apartheid . Nach dem Angriff der

Hamas am Samstag und dem Massenmord an mehr als 1.000 israelischen

Zivilisten passiert nun das Schlimmste vom Schlimmsten.


Nach internationalem Recht ist das Verbrechen des Völkermords definiert

durch "die Absicht, eine nationale, ethnische, rassische oder religiöse

Gruppe als solche ganz oder teilweise zu vernichten", wie es in der

UN-Konvention über die Verhütung und Bestrafung des Völkermords vom

Dezember 1948 heißt. Bei seinem mörderischen Angriff auf Gaza hat Israel

diese Absicht lautstark verkündet. Der israelische Verteidigungsminister

Yoav Gallant erklärte am 9. Oktober unmissverständlich: "Wir verhängen

eine vollständige Belagerung über Gaza. Kein Strom, keine Lebensmittel,

kein Wasser, kein Treibstoff. Alles ist geschlossen. Wir kämpfen gegen

menschliche Tiere, und wir werden entsprechend handeln." Führende

westliche Politiker verstärkten diese rassistische Rhetorik, indem sie

den Massenmord der Hamas an israelischen Zivilisten - ein

Kriegsverbrechen nach internationalem Recht, das in Israel und in der

ganzen Welt zu Recht Entsetzen und Schock auslöste - als einen "Akt des

schieren Bösen" bezeichneten, wie US-Präsident Joe Biden sagte, oder als

einen Schritt, der ein "uraltes Übel" widerspiegelt, wie es die

Präsidentin der Europäischen Kommission Ursula von der Leyen ausdrückte.

Diese entmenschlichende Sprache dient eindeutig dazu, die weitreichende

Zerstörung palästinensischen Lebens zu rechtfertigen; die Behauptung des

"Bösen" verwischt in ihrer Absolutheit die Unterscheidung zwischen

militanten Hamas-Kämpfern und der Zivilbevölkerung des Gazastreifens und

verdeckt den breiteren Kontext von Kolonisierung und Besatzung.


Die UN-Völkermordkonvention listet fünf Taten auf , die unter ihre

Definition fallen. Israel begeht derzeit drei davon in Gaza: „1.

Mitglieder der Gruppe töten. 2. Den Mitgliedern der Gruppe schwere

körperliche oder geistige Schäden zufügen. 3. Der Gruppe absichtlich

Lebensbedingungen aufzuerlegen, die geeignet sind, ihre physische

Zerstörung ganz oder teilweise herbeizuführen.“


Die israelische Luftwaffe hat nach eigenen Angaben bisher mehr als 6.000

Bomben auf den Gazastreifen abgeworfen, der eines der am dichtesten

besiedelten Gebiete der Welt ist - fast so viele Bomben wie die USA in

ihrem rekordverdächtigen jahrelangen Krieg auf ganz Afghanistan

abgeworfen haben. Human Rights Watch hat bestätigt, dass unter den

eingesetzten Waffen auch Phosphorbomben waren, die Körper und Gebäude in

Brand setzen und Flammen erzeugen, die auch bei Kontakt mit Wasser nicht

verlöschen. Dies zeigt deutlich, was Gallant mit "entsprechend handeln"

meint: nicht auf einzelne Hamas-Kämpfer zielen, wie Israel behauptet,

sondern tödliche Gewalt gegen die Palästinenser in Gaza "als solche"

entfesseln, in der Sprache der UN-Völkermordkonvention. Israel hat

außerdem seine 16-jährige Belagerung des Gazastreifens - die längste in

der modernen Geschichte - unter eindeutiger Verletzung des humanitären

Völkerrechts zu einer "vollständigen Belagerung", wie Gallant es

ausdrückt, verschärft. Diese Wendung deutet explizit auf einen Plan hin,

die Belagerung zu ihrem endgültigen Ziel der systematischen Zerstörung

der Palästinenser und der palästinensischen Gesellschaft in Gaza zu

bringen, indem sie getötet, ausgehungert, von der Wasserversorgung

abgeschnitten und ihre Krankenhäuser bombardiert werden.


Es sind nicht nur die Führer Israels, die eine solche Sprache verwenden.

Ein Interviewpartner des pro-Netanyahu-Kanals 14 forderte Israel auf,

„Gaza in Dresden zu verwandeln“. Channel 12, Israels meistgesehener

Nachrichtensender, veröffentlichte einen Bericht über linksgerichtete

Israelis, die dazu aufriefen, „auf dem ehemaligen Gazastreifen zu

tanzen“. Mittlerweile sind genozidale Verben – Aufrufe zur „ Auslöschung

“ und „ Plättung “ von Gaza – in den sozialen Medien Israels

allgegenwärtig geworden . In Tel Aviv hing an einer Brücke ein

Transparent mit der Aufschrift „ Zero Gazans “.


Tatsächlich ist Israels völkermörderischer Angriff auf Gaza ziemlich

deutlich, offen und unverschämt. Völkermordtäter bringen ihre Absichten

in der Regel nicht so deutlich zum Ausdruck, obwohl es Ausnahmen gibt.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts verübten beispielsweise deutsche

Kolonialbesatzer einen Völkermord als Reaktion auf einen Aufstand der

indigenen Herero- und Nama-Bevölkerung im Südwesten Afrikas. Im Jahr

1904 erließ General Lothar von Trotha, der deutsche Militärbefehlshaber,

einen „Vernichtungsbefehl“, der mit der Begründung eines „Rassenkrieges“

begründet wurde. Bis 1908 hatten die deutschen Behörden 10.000 Nama

ermordet und ihr erklärtes Ziel, „die Herero zu vernichten“, erreicht,

indem sie 65.000 Herero, 80 % der Bevölkerung, töteten. Gallants Befehle

vom 9. Oktober waren nicht weniger deutlich. Israels Ziel ist es, die

Palästinenser in Gaza zu vernichten. Und diejenigen von uns, die auf der

ganzen Welt zuschauen, sind ihrer Verantwortung nicht nachgekommen, sie

daran zu hindern.


Korrektur: In einer früheren Version dieses Artikels hieß es, dass

Israel diese Woche mehr Bomben auf Gaza abgeworfen habe, als die USA in

jedem einzelnen Jahr ihres Krieges dort auf Afghanistan abgeworfen

hätten. Tatsächlich haben die USA sowohl 2018 als auch 2019 mehr als

7.000 Bomben auf Afghanistan abgeworfen; Zum Zeitpunkt der

Veröffentlichung hatte Israel in weniger als einer Woche schätzungsweise

6.000 Bomben auf Gaza abgeworfen.


unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

22.10.2023

Schoßhund der USA – Wie sich die EU im Konflikt zwischen Israel und Palästina diskreditierte











  • Die Reaktion der Europäischen Union auf den gefährlichen Konflikt im Nahen Osten diente nur den Interessen der USA. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen zog es vor, sich zum Schoßhund der USA zu machen, der auf Befehl brav kläfft.

    Schoßhund der USA – Wie sich die EU im Konflikt zwischen Israel und Palästina diskreditierteQuelle: www.globallookpress.com © Panoramic/Keystone Press Agency

    Wuff! Ursula von der Leyen, Expertin für transatlantischen Gehorsam, saubere Hände und gelöschte SMS, im Oktober 2023 im EU-Parlament in Strasbourg

    Von Timur Fomenko

    Das protzige Auftreten von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen zur Unterstützung Israels im aktuellen Nahostkonflikt hat Berichten zufolge Gegenreaktionen mehrerer Abgeordneter und Diplomaten der EU hervorgerufen. Den Kritikern zufolge falle die EU-Außenpolitik nicht in den Zuständigkeitsbereich der Kommissionspräsidentin und sie sei auch nicht zu derlei Solidaritätserklärungen befugt.

    Als vor etwas mehr als einer Woche der bewaffnete Konflikt zwischen der Hamas und Israel ausbrach, traf von der Leyen die Entscheidung, Israel bedingungslose Unterstützung anzubieten, anstatt auf eine Waffenruhe oder auf Verhandlungen zu drängen. Demonstrativ ließ sie nachts die Flagge Israels auf die Fassade des Hauptquartiers der Europäischen Kommission projizieren und stattete Israel umgehend einen Besuch ab. Offensichtlich tat sie dies in der Absicht, sich – und die EU – in eine Linie mit den USA zu stellen. Doch mit ihrem Aktivismus steht von der Leyen zunehmend dumm da, nachdem sich nun die Berichte über zivile Opfer und humanitäre Katastrophen im belagerten Gazastreifen häufen.

    Clare Daly: Internationaler Strafgerichtshof sollte endlich gegen Ursula von der Leyen ermitteln

    Clare Daly: Internationaler Strafgerichtshof sollte endlich gegen Ursula von der Leyen ermitteln

    Jeder, der Ursula von der Leyen kennt, weiß, dass sie eine kompromisslose Neokonservative und Transatlantikerin ist, die im Alleingang die Autonomie, den Respekt und die außenpolitische Stellung der EU untergräbt, indem sie aktiv daran arbeitet, die Union in mehreren Bereichen den USA unterzuordnen und sich selbst als Führungspersönlichkeit zu präsentieren. Wenn sich die EU in einem fundamentalen Wettbewerb mit China und Russland sieht, mag es für den Rest der Welt kein schlechteres Aushängeschild geben als ihre oberste Repräsentantin – und ihr "israelischer Aktivismus" könnte ihre bisher schlechteste Entscheidung gewesen sein.

    Das außenpolitische Vermächtnis von Ursula von der Leyen wird darin bestehen, die EU in mehrere Konfrontationen hineingezogen zu haben, auf die diese hätte verzichten können. Demnächst reist sie nach Washington, um dort zu versuchen, ein Abkommen über den Stahl- und Aluminiumhandel abzuschließen, was direkt gegen China gerichtet ist. Aber das wird letztendlich dazu führen, dass der EU-Binnenmarkt erneut unter Druck gerät.

    Zu den weiteren Heldentaten der Ursula von der Leyen gehören die Unterstützung der amerikanischen Position gegenüber der Ukraine und das Vorantreiben einer vollständigen Eskalation des dortigen Krieges, die Forcierung der Abkopplung von den Energielieferungen aus Russland, die Erfindung des Begriffs "Risikominderung" als Maxime im Umgang mit China sowie der Versuch, die lukrativen Beziehungen der Union zu Peking zu untergraben. Dabei war sie immer wieder bestrebt, gigantische Geldsummen aus dem Nichts zu versprechen und Fantasieprojekte vorzuschlagen, die als kaum mehr als Getue zu bewerten sind und die ihr Amt nicht einmal im Alleingang genehmigen kann.

    Dazu gehörte beispielsweise, dem Staat Weißrussland Milliarden zu versprechen, falls dort ein von den USA unterstützter Regimewechsel erfolgreich stattfindet. Oder zahlreiche "Infrastruktur"-Programme aus der Luft zu greifen, um den Anschein zu erwecken, damit mit China in Konkurrenz treten zu können, wie zum Beispiel beim Projekt Global Gateway. Frau von der Leyen hat immer wieder das Gewicht ihres Amtes dafür genutzt, strategischen Zielen der USA zu folgen und zu versuchen, den europäischen Kontinent umzugestalten, ohne einen angemessenen Konsens innerhalb der Mitgliedsstaaten der EU herzustellen.

    Fast unmittelbar nach Ausbruch des Konflikts in Gaza kündigte die Europäische Kommission an, dass sämtliche EU-Hilfen für Palästina eingefroren werden. Unabhängig davon, was man von der Hamas hält – im Nachhinein betrachtet erscheint diese Entscheidung boshaft, reaktionär und unmenschlich. Dies zeigt jedoch, wie bedingungslos und umgehend die Europäische Kommission den amerikanischen Standpunkt einer bedingungslosen Unterstützung Israels übernommen hat.

    Aber dieses Mal verbreitet sich zunehmend das Gefühl, dass die Kommission zu weit gegangen ist. Anstatt zuzulassen, dass die EU im Gaza-Konflikt eine gemäßigte Position einnimmt, auch wenn diese gegenüber Palästina nicht allzu wohlwollend wäre, wurde diese Entscheidung im Wesentlichen an die USA delegiert. Dadurch wurde die EU als Institution diskreditiert, was wesentlich dazu beitrug, dass die wütenden öffentlichen Reaktionen der muslimischen Gemeinschaften in der EU als Antwort auf den Konflikt in Gaza zunahmen. Für Länder wie Frankreich kann eine solche eskalierende Wut katastrophal enden. Überdies schadet ein solches Verhalten der Kommission als Ganzes und dem Ansehen der EU in der islamischen Welt und im Globalen Süden, da sich die Union scheinbar auf die Seite der israelischen Unterdrücker der Palästinenser stellt.

    Streit um von der Leyen: Deutsche Position zum Nahostkonflikt in EU isoliert

    Streit um von der Leyen: Deutsche Position zum Nahostkonflikt in EU isoliert

    Aber schon bald folgte eine Reihe peinlicher Rückzieher seitens der Europäischen Kommission, darunter die Wiederaufnahme der Hilfslieferungen, verbunden mit Kurznachrichten auf der Social-Media-Plattform X (früher Twitter) auf Arabisch, um die Wogen zu glätten. Doch der Schaden war bereits angerichtet, denn die israelische Regierung hatte schon grünes Licht für die beispiellosen Zerstörungen im Gazastreifen gegeben – koste es, was es wolle. Damit hat von der Leyen tatsächlich noch auf andere Weise die Fähigkeit der EU untergraben, sich als seriöser und umfassender politischer Akteur zu präsentieren. Sie scheint die Idee nicht zu mögen, dass die Europäische Union strategische Autonomie wahrnimmt und sich in die Lage begeben sollte, ihre eigenen Interessen zu verfolgen und ihren Platz in der Welt einzunehmen. Von der Leyen scheint es vorzuziehen, sich stattdessen zum Schoßhund der USA zu machen, der auf Befehl brav kläfft.

    Natürlich wäre selbst dies weniger problematisch, wenn von der Leyen zumindest die Interessen und Positionen der Mitgliedsstaaten der Union stärker berücksichtigen würde. Sie tut dies jedoch nicht, sondern agiert im Wesentlichen als störende Kraft, die in der Praxis die europäische Diplomatie untergräbt und die EU daran hindert, Beziehungen zu einer Vielzahl von Staaten aufzubauen. Letztlich begünstigt von der Leyen damit nur die USA.

    Übersetzt aus dem Englischen.

    Timur Fomenko ist ein politischer Analyst.

    Mehr zum Thema - EU-Kommission: Israels Vorgehen nicht mit Russlands Krieg in Ukraine vergleichbar

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    22.10.2023

    Der Mann von gestern: Wladimir Selenskij läuft Gefahr, von den USA fallen gelassen zu werden

    Wenn Washington vor die Wahl gestellt wird, entweder die Ukraine oder Israel in ihren jeweiligen Konflikten zu unterstützen, wird man sich im Weißen Haus umgehend für Israel entscheiden. Mittlerweile scheint es, dass überall, wohin sich Wladimir Selenskij wendet, Ärger für ihn bevorsteht.


    Der Mann von gestern: Wladimir Selenskij läuft Gefahr, von den USA fallen gelassen zu werdenQuelle: Gettyimages.ru © Cemal Yurtas/dia images



    Wladimir Selenskij am 8. Juli 2023 in Istanbul


    Von Chay Bowes

    Anfang dieses Monats war die Welt schockiert über die Angriffe Hunderter Hamas-Kämpfer auf Israel. Dies bedeutete nicht nur den Beginn einer neuen Eskalation im Jahrzehnte alten Kampf zwischen Juden und Palästinensern, sondern möglicherweise auch einen Wendepunkt in der politischen und militärischen Unterstützung der Ukraine für Wladimir Selenskij.

    Vor den grausamen Angriffen der Hamas und der biblisch brutalen israelischen Reaktion darauf konzentriert sich die USA und ihre NATO-Verbündeten fast ausschließlich auf die Ukraine hatten, während sie gelegentlich nervös in Richtung China gekeift hatten. Jetzt, da die westlichen Medien auf Hochtouren laufen und ihren Blick fest auf den Nahen Osten gerichtet haben, werden die Sorgen in Kiew nur noch zunehmen, da sich die globale Aufmerksamkeit von der Ukraine auf Israel, Palästina und den Iran verlagert hat.

    Waffenlieferungen: USA ziehen Munition in der Ukraine für Israel ab

    Waffenlieferungen: USA ziehen Munition in der Ukraine für Israel ab

    Es ist erwähnenswert, dass die Unterstützung für die Ukraine sich bereits vor den Angriffen der Hamas am Abflauen begriffen gewesen war. Noch vor wenigen Monaten wäre die Vorstellung undenkbar gewesen, dass ehemals treue Verbündete wie Polen die Sinnhaftigkeit ihrer unerschütterlichen Unterstützung für den vom Krieg zerrütteten Staat Ukraine offen in Frage gestellt und diesen Staat mit einem "Ertrinkenden" verglichen hätten. In Verbindung mit der weit verbreiteten europäischen Kriegsmüdigkeit, der gescheiterten Gegenoffensive der Ukraine und der schwindenden öffentlichen Unterstützung im Westen für den Ukraine-Krieg hatte sich die Führung der Ukraine bereits einem harten Kampf um die Unterstützung seiner "Partner", seines Volkes und vor allem der US-amerikanischen politischen Eliten gegenübergesehen. Das Letzte, was Selenskij hatte brauchen können, war eine weltweit bedeutsame Eskalation im Nahen Osten, der dem Stellvertreterkrieg, den er im Auftrag Washingtons gegen Russland führt, wertvolle Ressourcen entzieht.

    Tatsächlich könnte ein Skeptiker vermuten, dass die durch die Hamas ausgelöste Eskalation einen unaufhaltsamen und bisher nicht verfügbaren Weg für die USA darstellt, sich von ihren Verpflichtungen gegenüber der Ukraine zu verabschieden. Angesichts der bevorstehenden US-Präsidentschaftswahlen im Jahr 2024 kann ein Konflikt mit der Hamas im Rahmen von "Gut gegen Böse" leicht als existenzielle Bedrohung für den langjährigen und wichtigen Verbündeten und Partner Israel interpretiert werden. Im Gegensatz dazu wird der Stellvertreterkrieg in der Ukraine für US-Präsident Joe Biden sowohl politisch als auch finanziell immer problematischer. Dieser neue Konflikt im Nahen Osten, bei dem angeblich barbarische Gräueltaten verübt werden, lässt sich an der Heimatfront weitaus leichter verkaufen.

    Die Begeisterung für die Entsendung von Militärhilfe in die Ukraine hat trotz gegenteiliger öffentlicher Äußerungen nachgelassen. Ganz zu schweigen davon, dass der Westen einfach nicht über die Produktionskapazitäten verfügt, um selbst in der Ukraine einen groß angelegten Bodenkrieg voranzutreiben, geschweige denn in einem noch größeren Konflikt auf zwei Kontinenten.

    Ein weiterer entscheidender Faktor sind die katastrophalen Kosten der gescheiterten Gegenoffensive der Ukraine. Dieser seit Langem angekündigten Vorstoß, den Russland bezwingen sollte, hat die Ukraine sehr viele Menschen und Material gekostet und ihr Ansehen im Westen geschwächt, ohne dass es auf dem Schlachtfeld irgendwelche Vorteile gebracht hätte. Stattdessen hat es lediglich die stillschweigend unvermeidliche Einsicht im Westen verstärkt, dass Kiew sich mit Moskau arrangieren und dabei Territorium aufgeben muss.

    Es besteht kein Zweifel, dass der sich zuspitzende Konflikt im Nahen Osten die Kontinuität der physischen und emotionalen Unterstützung für den Krieg in der Ukraine gefährdet. Das heißt nicht, dass dieser Konflikt Russland nicht betrifft – das tut er. Allerdings verheißt das nichts Gutes für Selenskij. Während der Druck auf ihn zunimmt, Präsidentschaftswahlen abzuhalten, wirkt er immer verletzlicher, und ein deutliches Gefühl der Verzweiflung dringt in das bisherige Narrativ ein. Dies wurde auf subtile Weise deutlich, als Grant Shapps, der aktuelle britische Verteidigungsminister, kürzlich die üblichen Worthülsen von sich gab, als er auf die Frage nach der Fähigkeit, "zwei Kriege gleichzeitig zu führen", antwortete:

    "Selenskij wird uns alle nicht nur daran erinnern, warum es sehr wichtig ist, dass wir diesen Kampf weiterführen und zeigen, dass wir es können, damit Putin nicht gewinnt, sondern auch daran, dass wir uns nicht von den umfassenderen Themen ablenken lassen dürfen."

    Er fügte hinzu: "Der Krieg in Europa steht für uns absolut im Vordergrund." Diese Beteuerung ist natürlich genau die Art von Dingen, die unheilvoll öffentlich geäußert werden, während im Hintergrund immer mehr das Gegenteil der Fall ist.

    Während Israel angesichts der unterschiedlichen Dynamik beider Konflikte nur begrenzt auf Munition zurückgreifen muss, die von der Ukraine benötigt wird, ist es wahrscheinlich, dass die Anforderung, Munition für einen möglicherweise langen Krieg anzuhäufen und einzulagern, möglicherweise gegeben. Damit würde die ausgedehnte israelische Verteidigungs- und Politiklobby in den USA gegen eine wesentlich schwächere ukrainische Lobby antreten. Und es ist außerordentlich wahrscheinlich, dass die israelische Lobby jedes Mal die Nase vorn haben wird.

    Krieg im Nahen Osten – Ein Strick für Selenskij

    Meinung

    Krieg im Nahen Osten – Ein Strick für Selenskij

    Was Israel betrifft, besteht absolut keine Chance, dass es von einem amtierenden oder potenziellen US-Präsidenten einfach seinem Schicksal überlassen wird. Nehmen wir als Beispiel den angeblichen "Anti-Kriegs"-Präsidentschaftskandidaten Robert F. Kennedy Jr., der sich kürzlich mit lautstarken Worten für die Vergeltung gegen die Hamas aussprach und gleichzeitig Zweifel an den politischen und finanziellen Grundlagen für die weitere Unterstützung für das Regime von Selenskij bekundete.

    Man vergleiche auch das zunehmend beunruhigende Bild, das von der Ukraine in der westlichen Presse gezeichnet wird, mit jenem Israels, das von einem großen Teil der westlichen Öffentlichkeit als heroische Insel der Zivilisation und Demokratie in einem turbulenten Nahen Osten betrachtet wird. Man kann spielend verstehen, weshalb es weitaus einfacher ist, Israel als würdigen Empfänger immer knapper werdender US-amerikanischer Militär- und Finanzhilfen zu positionieren, wenn man Israel der Ukraine gegenüberstellt, die in Korruption und Dysfunktion festgefahren ist.

    In einem kürzlichen geführten Interview mit Bloomberg fasste die CEO der Denkfabrik Chatham House, Bronwen Maddox, die Situation recht prägnant zusammen, als sie sagte:

    "Wenn die USA die Wahl zwischen Israel und der Ukraine treffen müssen, würden sie sich umgehend für Israel entscheiden."

    Selbst wenn die USA nicht unmittelbar vor dieser Entscheidung stünden, kann sie "verstehen, warum Präsident Selenskij besorgt sein könnte, da er bereits darum kämpfe, die Aufmerksamkeit der USA auf sich zu ziehen".

    Während die Ukraine in den Nachrichtenredaktionen westlicher Medien in den Hintergrund geraten ist, dürften sich auch mehrere andere Probleme im Zusammenhang mit der Eskalation im Nahen Osten auf die Aufrechterhaltung des Konflikts in der Ukraine auswirken. Die russischen Streitkräfte halten ihre Linien, die Ölpreise dürften steigen, was zu einer Destabilisierung der Weltmärkte führen wird.

    Die zukünftige Unterstützung des US-Kongresses für die Finanzierung der Ukraine scheint zunehmend schwieriger zu werden, da sich jetzt auch Israel im Krieg befindet. Dann ist da natürlich noch die turbulente politische Situation in Europa, da die Partei des Ukraine-Skeptikers Robert Fico die jüngsten Wahlen in der Slowakei gewonnen hat. Und das, ohne den bevorstehenden Winter und die damit verbundenen Herausforderungen für eine immer zerstrittenere EU auch nur zu erwähnen.

    Es scheint, dass überall, wohin sich Selenskij wendet, Ärger für ihn bevorsteht. Während ein erfahrener Staatsmann, dem das Wohl seines Volkes am Herzen liegt, dies vielleicht erkennen und somit beschließen würde, nach Frieden zu streben, könnte Selenskij sich einfach dafür entscheiden, alles zu ignorieren, im verzweifelten Versuch, im Rampenlicht und auf der Bühne zu bleiben. Und das alles, während Kiew versucht, ein immer kleiner werdendes Publikum davon zu überzeugen, dass Russland irgendwie für die Probleme im Nahen Osten verantwortlich ist, und sogar lächerlicherweise suggeriert hat, dass Russland versucht, die Ukraine zu "verleumden", indem Moskau behauptet habe, dass Kiew westliche Waffen an die Hamas verscherbelt habe.

    Während also die Zeit für den Stellvertreterkrieg der NATO gegen Russland abläuft, erscheint es nun offensichtlich, dass die tragischen Ereignisse vom 7. Oktober in Israel nicht nur die Eskalation eines Konflikts, sondern auch den Anfang vom Ende eines anderen bedeuten könnten.

    Übersetzt aus dem Englischen.

    Chay Bowes ist Journalist und geopolitischer Analyst, erlangte einen Master in strategischen Studien und wirkt als Korrespondent für RT.

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    22.10.2023

    Der Westen hat keine richtige Antwort auf den serbischen "Weg nach Osten"











  • Brüssel missbilligt die Ostorientierung Serbiens, obwohl die offizielle Position Belgrads lautet, dass sich Serbien weiterhin auf dem europäischen Weg befinde. Dieser Weg scheint jedoch immer kurvenreicher zu werden.

    Der Westen hat keine richtige Antwort auf den serbischen "Weg nach Osten"Quelle: AFP © Ludovic MARIN / AFP

    Aleksandar Vučić schüttelt, neben dem ungarischen Regierungschef Victor Orban stehend, bei Gipfeltreffen der Europäischen Politischen Gemeinschaft in Granada, Spanien, dem ukrainischen Staatschef Wladimir Selenskij, die Hand (05.10.23).

    Von Marinko Učur

    "Während sich in Tirana alle im Rahmen des Berliner Prozesses treffen, feiert der Präsident eines Beitrittskandidaten der EU seine Flitterwochen in China. Es ist auch ein Signal an die EU",

    kommentierte die Europaabgeordnete Viola von Cramon-Taubadel sarkastisch auf der X-Plattform den Besuch des serbischen Präsidenten in Peking und bezeichnete ihn als "Flitterwochen". Diese Deutsche, Parteimitglied der Grünen, agile albanische Lobbyistin und Verfechterin der Errichtung des nicht anerkannten Staates Kosovo auf dem Territorium der serbischen Provinz Kosovo und Metochien, nutzt jede Gelegenheit, um auf dem hitzigen, bereits konfliktreichen Balkan, ihre politischen Affinitäten und Feindseligkeiten zu zeigen. Diesmal war ihre Inspiration die Titelseite der ältesten serbischen Tageszeitung Politika vom 17. Oktober, in der Aleksandar Vučić mitteilt, dass sich "der Wohlstand und die Zukunft der Welt in Richtung Asien bewegen".

    Wie der Nahost-Konflikt die Balkanstaaten zur Parteinahme zwingt

    Meinung

    Wie der Nahost-Konflikt die Balkanstaaten zur Parteinahme zwingt

    Als Mitglied des Ausschusses für auswärtige Angelegenheiten des Europäischen Parlaments und stellvertretende Vorsitzende in der Delegation im parlamentarischen Assoziationsausschuss EU-Ukraine verbirgt Cramon-Taubadel auf ihrer eigenen Website, gekleidet in ein T-Shirt mit Motiven der ukrainischen Flagge, ihr leidenschaftliches Engagement für Europa, so wie sie es sich vorstellt, überhaupt nicht. Aber diese politische Färbung und öffentlichen Ansichten, die sie tagtäglich in den Medien und sozialen Netzwerken auslegt, können, zumindest wenn es um den Balkan geht, nicht zur Verbreitung von Toleranz und nachhaltigem Frieden beitragen. Es scheint, dass ihr der serbische Präsident Aleksandar Vučić ein Dorn im Auge ist, vor allem wegen seiner Entschlossenheit, der antirussischen Koalition nicht beizutreten, und weil er sich weigert, Sanktionen gegen Russland zu verhängen und die Unabhängigkeit des Kosovo anzuerkennen.

    Vor allem missbilligt Brüssel die Ostorientierung Serbiens, obwohl die offizielle Position Belgrads lautet, dass sich Serbien weiterhin auf dem europäischen Weg befinde. Aber dieser Weg scheint immer kurvenreicher zu werden und es scheint immer mehr Hindernisse und Abschreckungen zu geben. Alle Einwohner Serbiens sind sich dessen bewusst, und bei über 50 Prozent von ihnen sind die Euro-fanatischen Absichten abgeklungen und haben sich in Euroskepsis umgewandelt. Nicht nur in Serbien. Brüssel ist zu weit entfernt und Forderungen in Form von Erpressungen kommen überwiegend von dieser Seite. Und ein Ende ist nicht in Sicht. Andererseits bedingen Russland und China Serbien in keiner Weise und versuchen auch nicht, seine Entscheidung zu beeinflussen, mit wem und in welcher Form es freundschaftliche und wirtschaftliche Beziehungen aufbauen soll.

    Der serbische Präsident hat recht, dass er sich zwischen der offiziellen Teilnahme am Treffen in Tirana und der Teilnahme am dritten Forum "Belt and Road" für Letzteres entschieden hat. Serbien wird eine Reihe bilateraler Abkommen mit seinen chinesischen Partnern unterzeichnen und die Voraussetzungen dafür schaffen, dass der Handel der beiden Länder von derzeit sechs Milliarden US-Dollar deutlich ansteigt. Deshalb zeigt sich Vučić optimistisch und macht keinen Hehl aus seiner Zufriedenheit darüber, dass er sich auch mit Präsident Xi treffen wird, und genau das hat die Brüsseler Bürokraten und ihre albanischen Favoriten gestört, die versuchen, Serbien und Russland ins Visier zu nehmen, genauso wie der Ministerpräsident des selbst ernannten Kosovo, der sich gegenüber Journalisten darüber beschwerte, dass

    "während der Präsident Serbiens in China mit einem Treffen mit China und Russland beschäftigt ist, habe ich der serbischen Premierministerin angeboten, das ursprüngliche Abkommen und den Anhang für die Umsetzung zu unterzeichnen, aber sie war nicht interessiert".

    Kurti sagte dies in Tirana nach einem Treffen mit europäischen Staats- und Regierungschefs, darunter Vertreter von bis zu fünf EU-Ländern, die die Unabhängigkeit Pristinas nicht anerkennen. Deshalb ist es eine Illusion, dass die serbische Teilnahme an diesem Treffen mehr bringen würde als die bereits bekannten und mehrfach wiederholten Slogans über die Notwendigkeit, "den Dialog zwischen Belgrad und Pristina fortzusetzen". 

    Serbiens Präsident Vučić kündigt Neuwahlen an

    Serbiens Präsident Vučić kündigt Neuwahlen an

    Auch dass Vučić nichts getan hätte, um die Europäische Union den Bürgern Serbiens näherzubringen, sondern das Land an Russland und China gebunden hätte, ist ein ständiger Vorwurf, der dem offiziellen Belgrad täglich vorgebracht wird.

    In der Zwischenzeit muss Belgrad in die Richtung blicken, von der keine Drohungen und Erpressungen kommen und auch keine NATO-Bomben, die Serbien während der Aggression gegen dieses Land 78 Tage lang blindlings zerstört haben. Die Folge erlebten wir im Jahr 2008, als die USA zusammen mit ihren Partnern auf dem Territorium des souveränen, international anerkannten Staates Serbien einen weiteren Staat für die Albaner auf dem Balkan gründeten. Die Unterzeichnung des Freihandelsabkommens mit China ist das wichtigste Dokument, das die serbische Seite mit ihren chinesischen Gastgebern unterzeichnen wird. Der serbische Präsident wird von einer großen Delegation mit bis zu acht Ministern begleitet, darunter vom Außen- und Innenminister sowie vom Verteidigungsminister.

    Auf einen so starken außenpolitischen Kurs Serbiens hat Brüssel vorerst keine Antwort, außer der Wiederholung, dass dieses Land der "Gemeinschaft der europäischen Nationen" gehöre. Vučić hat offensichtlich rechtzeitig erkannt, dass der Wohlstand seines Landes in Asien liegt, und hat in dieser Hinsicht nationale Prioritäten gesetzt. Aber nicht nur er – zur gleichen Zeit, bei der gleichen Gelegenheit ist auch der ungarische Präsident Viktor Orbán in Peking, der ebenfalls Sensibilität für die entstehende multipolare Welt zeigt.

    Mehr zum Thema - Mehrheit gegen EU-Beitritt: Serben entfremden sich zunehmend vom Westen und wenden sich BRICS zu

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    Info: https://freeassange.rtde.life/meinung/184033-westen-hat-keine-richtige-antwort-auf-serbien-ostorientierung


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    22.10.2023

    Ex-CIA Chef Petraeus: Israelische Gaza-Operation könnte "Mogadischu auf Steroiden" werden

    freedert.online, 20 Okt. 2023 14:28 Uhr

    Nach Ansicht des ehemaligen CIA-Direktors und obersten US-Armeegenerals David Petraeus werden die israelischen Streitkräfte in Gaza wahrscheinlich auf Selbstmordattentäter, Hinterhalte und Sprengfallen in bisher noch nie dagewesenem Ausmaß treffen.


    Quelle: Gettyimages.ru © Leigh Vogel


    Der ehemalige CIA-Direktor David Petraeus.


    Israels Konflikt mit der militanten Palästinensergruppe Hamas könnte noch gewalttätiger werden und sich über Jahre hinziehen, wenn die israelischen Streitkräfte eine Bodenoffensive im Gazastreifen starten. Davor warnte der ehemalige CIA-Chef David Petraeus am Donnerstag in einem Interview mit Politico.


    Der US-General, der sowohl im Irak als auch in Afghanistan gedient hat, behauptete im Power-Play-Podcast des Magazins, dass eine Bodeninvasion der israelischen Verteidigungskräfte (IDF) in den Gazastreifen "sehr schnell Mogadischu auf Steroiden werden könnte."


    US-Kriegsschiff greift bereits Ziele im Roten Meer nahe Israel an





    US-Kriegsschiff greift bereits Ziele im Roten Meer nahe Israel an






    Petraeus bezog sich dabei auf einen Vorfall von 1993, bei dem drei US-Black-Hawk-Hubschrauber in der somalischen Hauptstadt abgeschossen wurden, was zu einem erbitterten Kampf zwischen lokalen Militanten und US-amerikanischen Truppen führte, die versuchten, die Überlebenden des Absturzes zu retten.

    Der ehemalige Spionagechef meinte, wenn die Hamas bei der Verteidigung "so kreativ" sei wie bei dem "schrecklichen, barbarischen, unaussprechlichen Angriff" auf Israel am 7. Oktober, "dann wird es Selbstmordattentäter geben, es wird improvisierte Sprengsätze geben, es wird Hinterhalte und Sprengfallen geben, und das städtische Umfeld könnte nicht schwieriger sein."

    Petraeus merkte an, aufgrund seiner persönlichen Erfahrung mit der Führung von Armeen in Aufstandsbekämpfungskampagnen glaube er nicht, dass die Operation der IDF schnell gewonnen werden könne. Vielmehr könnte dieser Kampf sogar mehr als ein Jahrzehnt dauern. Er erklärte:

    "Es fällt mir schwer, mir ein schwierigeres Umfeld als dieses vorzustellen, und ich war einer, der Truppen in einer Reihe von großen städtischen Operationen befehligt hat. Aufstandsbekämpfungen gewinnt man nicht in ein oder zwei Jahren. Sie dauern in der Regel ein Jahrzehnt oder länger, wie wir im Irak und in Afghanistan gesehen haben."

    Updates zum Nahost-Krieg – Netanjahu: Ein Kriegseintritt der Hisbollah wäre verheerend





    Updates zum Nahost-Krieg – Netanjahu: Ein Kriegseintritt der Hisbollah wäre verheerend






    Darüber hinaus erklärte Petraeus, dass Israel bereits darüber nachdenken müsse, wie es den Gazastreifen wiederherstellen und neu aufbauen wolle, sobald es den Kampf gegen die Hamas als gewonnen betrachte.

    Israels ehemaliger Verteidigungsminister Benny Gantz räumte am Mittwoch ebenfalls ein, dass der Konflikt zwischen den militanten Palästinensern und der IDF wahrscheinlich nicht so bald enden, sondern wahrscheinlich noch "Monate" dauern werde. Der Wiederaufbau des Gazastreifens könnte wiederum "Jahre" dauern.

    Der jüngste gewaltsame Konflikt zwischen der Hamas und Israel war am 7. Oktober ausgebrochen, als die militante Gruppe einen überraschenden Raketen- und Bodenangriff auf das Land startete. Daraufhin erklärte der israelische Premierminister Benjamin Netanjahu, dass sich sein Land im Krieg befinde, und kündigte massive Vergeltungsmaßnahmen an. Offiziellen Angaben zufolge hat der Konflikt bislang mehr als 3.700 Palästinenser und 1.400 Israelis das Leben gekostet.


    Mehr zum ThemaIsrael: Militärisch gnadenlos gegen die Menschen in Gaza, aber auch in den verbalen Verfehlungen


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    Info: https://freedert.online/der-nahe-osten/184413-ex-cia-chef-petraeus-israelische


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    22.10.2023

    Schutz der Zivilbevölkerung - Petition s. unten

    aus e-mail von Hans Norden, vom 21. Oktober 2023, 22:09 Uhr


    Liebe Palästina- und Israel-Interessierte,


    das kurze Zitat des israelischen Verteidigungsministers in der

    20Uhr-Tagesschau heute, 20.10. - sinngemäß: Die kommende Operation in

    Gaza werde nicht nur Tage, sondern Wochen, ja einen Monat dauern, aber

    dann sei das Problem Gaza endgültig gelöst - lässt den Eindruck

    entstehen, dass Israel unter dem Schutz der USA sich anschickt, ein

    weiteres Kriegsverbrechen bisher nicht gekannten Ausmaßes an der

    Bevölkerung in Gaza zu begehen. Jewish Voice for Peace in den USA haben

    das schon länger erkannt und haben in den letzten Tagen sehr aktiv den

    Protest dagegen mobilisiert.


    Wir kennen den Anlass: Der Ausbruch der Qassam-Brigaden aus dem

    Gazastreifen vor 12 Tagen, ein gelungener Coup, unerwartet, und eine

    Kränkung der israelischen Machtarroganz. Aber dabei töteten sie

    Hunderte, wohl 1000 Zivilisten, keine Kombattant*innen - ein Verbrechen,

    das wir entschieden verurteilen.


    Aber vergessen wir nicht, es gibt eine Vorgeschichte: Israels

    Regierungen und v.a. die jetzige haben das Land durch ihre

    jahrzehntelange unterdrückerische Besatzungs- und Siedlungspolitik in

    eine Sackgasse geführt und dadurch Perspektivlosigkeit, Wut und Hass

    produziert. Militärisch führt kein Weg hinaus - nur zu unzähligen

    weiteren Opfern -, das müssen nicht nur die Beteiligten in der Region

    sondern auch die USA, die deutsche Regierung und die EU-Spitze

    begreifen, Lippenbekenntnisse reichen nicht.


    Deshalb die hier folgende Petition.


    Herzlichen Gruß   Hans Norden


    *Gesendet:* Freitag, 20. Oktober 2023 um 18:14 Uhr

    *Von:* "Domröse Lisa" <domroese-lisa@t-online.de>

    *An:* "Lisa Domröse" <domroese-lisa@t-online.de>

    *Betreff:* Fwd: Schutz der Zivilbevölkerung


    Vielleicht mögt Ihr auch unterschreiben?


    -------- Weitergeleitete Nachricht --------

    Betreff: Schutz der Zivilbevölkerung

    Datum: Fri, 20 Oct 2023 12:46:42 +0000

    Von: Aleksandra Zielińska - WeMove Europe <info@e.wemove.eu>

    Antwort an: Aleksandra Zielińska - WeMove Europe <info@wemove.eu>

    An: Inge Lisa Domröse <domroese-lisa@t-online.de>


    Wenn Sie sich angesichts der Gewalt in Gaza und Israel hoffnungslos

    fühlen, schließen Sie sich unserem Aufruf an die Staats- und

    Regierungschefs der EU an.


    Die Zivilbevölkerung zahlt den Preis für eine beispiellose Eskalation

    der Gewalt. Die Staats- und Regierungschefs der EU dürfen nicht länger

    schweigen. Fordern Sie sie auf, die Bombardierung von Zivilist*innen in

    Gaza zu verurteilen:


    JETZT UNTERSCHREIBEN!

    <https://action.wemove.eu/sign/2023-10-gaza-civilians-petition-DE/?utm_medium=email&utm_source=akmail-1092&utm_campaign=20231020_DE&t=9&akid=1092%2E148%2EsMDIbo>


    Hallo Inge Lisa Domröse,


    seit dem 7. Oktober sind mindestens 1.400 Israelis und über 3.800

    Palästinenser*innen getötet worden. ^[1]


    *Zivilist*innen auf beiden Seiten zahlen den Preis für eine beispiellose

    Eskalation der Feindseligkeiten zwischen Israel und dem Gazastreifen.

    *Führende EU-Politiker*innen rufen indes nicht zu einem Ende dieser

    Gewalt auf. Die Präsidentin der Europäischen Kommission von der Leyen

    und andere drückten ihre uneingeschränkte Solidarität mit Israel aus,

    sagten aber nichts zu den internationalen Verbrechen, die in Gaza

    stattfinden. ^[2] *Die EU gibt Israel damit einen Freibrief,

    internationales Recht zu brechen. *


    Die EU wurde auf der Grundlage des Engagements für den Frieden

    gegründet. Die Staats- und Regierungschefs der EU haben die Pflicht,

    alle Länder zur Einhaltung des Völkerrechts und zum Schutz der

    Zivilbevölkerung aufzurufen. Unsere Staats- und Regierungschefs müssen

    daran offensichtlich erinnert werden: *Wir müssen sie auffordern, die

    rücksichtslose Bombardierung von Zivilist*innen und Wohngebieten in Gaza

    anzuprangern. *


    Die Staats- und Regierungschefs der EU-Mitgliedstaaten haben kürzlich

    eine außerordentliche Sitzung abgehalten und planen ihre nächsten

    Schritte. *Dies ist der Moment, in dem wir aktiv werden müssen.*


    Sobald 100.000 Europäer*innen unseren Aufruf unterschrieben haben,

    werden wir die Petition in den wichtigsten Publikationen abdrucken,

    damit Politiker*innen nicht an ihr vorbeikommen.


    Aufruf an die Staats- und Regierungschefs der EU zur Verurteilung von

    Kriegsverbrechen

    <https://action.wemove.eu/sign/2023-10-gaza-civilians-petition-DE/?utm_medium=email&utm_source=akmail-1092&utm_campaign=20231020_DE&t=11&akid=1092%2E148%2EsMDIbo>


    Schweigsam gegenüber dem Schicksal der Zivilist*innen in Gaza: So wird

    Europa jetzt in der Welt wahrgenommen. *Aber es gibt den politischen

    Willen einiger EU-Diplomat*innen und Länder wie Irland, diesen Kurs zu

    ändern. *^[3] Egal wie kompliziert der Konflikt auch sein mag, unsere

    führenden Politiker*innen müssen sich immer und überall  für das

    Völkerrecht und den Frieden einsetzen. Sie dürfen Regierungen nicht

    freie Hand lassen, die Sicherheit und Leben Tausender Menschen aus dem

    Blick verlieren.


    Europa darf nicht mit zweierlei Maß messen. Unabhängig davon, wo sie

    stattfinden und wer die Täter sind, müssen Kriegsverbrechen verurteilt

    werden. *Es scheint, dass unsere Politiker*innen die Stimmen der

    Palästinenser*innen nicht hören können - also lassen Sie uns die Stimme

    der Europäer*innen, unsere Stimme hinzufügen:*


    Aufruf an die Staats- und Regierungschefs der EU, sich für den Schutz

    von Zivilist*innen einzusetzen

    <https://action.wemove.eu/sign/2023-10-gaza-civilians-petition-DE/?utm_medium=email&utm_source=akmail-1092&utm_campaign=20231020_DE&t=13&akid=1092%2E148%2EsMDIbo>


    Diese Gemeinschaft hat schon oft bewiesen: Wir können alles erreichen,

    wenn wir uns zusammentun und denjenigen, die in Not sind, zur Seite

    stehen. Als Reaktion auf die russische Invasion in der Ukraine haben

    viele von Ihnen die Stimmen der Ukrainer*innen verstärkt, die eine

    sichere Ausreise forderten. ^[4] Jetzt müssen wir die Stimmen der

    Zivilist*innen in Gaza verstärken, die ein Ende der rücksichtslosen

    Bombardierungen fordern. Schließen Sie sich jetzt unserer Kampagne an.

    <https://action.wemove.eu/sign/2023-10-gaza-civilians-petition-DE/?utm_medium=email&utm_source=akmail-1092&utm_campaign=20231020_DE&t=14&akid=1092%2E148%2EsMDIbo>


    Mit Entschlossenheit,


    Aleksandra Zielińska (Warschau), Rachel Walker-Konno (Amsterdam), Mika

    Leandro (Bordeaux) und das gesamte WeMove Europe Team.


    *Referenzen:*


    [1]

    https://ochaopt.org/content/hostilities-gaza-strip-and-israel-flash-update-13 


    [2]

    https://www.politico.eu/article/eu-governments-fume-at-queen-ursula-von-der-leyen/ 


    [3] https://twitter.com/ClareDalyMEP/status/1714202849930793423


    [4]

    https://act.wemove.eu/campaigns/ukraine-rapid-response?akid=1092%2E148%2EsMDIbo


    WeMove Europe logo


    WeMove Europe ist eine Gemeinschaft von Menschen aus allen

    Lebensbereichen, die Europa ihre Heimat nennen, unabhängig davon, wo wir

    geboren wurden, wo wir leben oder wen wir lieben. Im Namen einer

    besseren Zukunft für die Menschen und den Planeten kommen wir zusammen,

    um Petitionen zu unterschreiben, Briefe zu verschicken und auf der

    Straße zu protestieren, um unseren Stimmen Gehör zu verschaffen.


    WeMove Europe SCE mbH | Planufer 91 Berlin


    unser Kommentar: Gewalt und Gegengewalt bieten keine Lösungen mehr.  

                                                                                                                           Initiative "Kein Militär mehr!"

    22.10.2023

    Putin: Rede und Diskussion beim Valdai-Treffen in Sochi am 05. Oktober 2023  (I von IV )

    seniora.org, vom 21. Oktober 2023, Valdai International Discussion Club meeting, 5. Oktober 2023, Sochi  – übernommen von en.kremlin.ru

    In diesem Jahr lautet das Thema des Treffens: "Faire Multipolarität: Wie können Sicherheit und Entwicklung für alle gewährleistet werden."



    Wladimir Putin nahm an der Plenarsitzung zum 20-jährigen Bestehen des Valdai International Discussion Club teil.

    Der Forschungsdirektor des Valdai International Discussion Club, Fyodor Lukyanov, moderiert die Diskussion.

    (Red.) Dieser Text ist die deutsche Übersetzung des englischen Transkripts, das das Büro von Vladimir Putin auf seiner Website veröffentlicht hat. Putin stellt in seiner Rede seine Ansicht darüber dar, wie die Welt gestaltet werden sollte: Freiheit für alle Zivilisationen, Recht auf Selbstbestimmung der Völker und weltweite Kooperation zum Vorteil aller in Frieden. In der anschließenden dreistündigen Diskussion wurden Fragen von Menschen aus der ganzen Welt gestellt und von Putin frei, spontan, aus dem Stegreif absolut souverän beantwortet. Es ist viel Text, aber es lohnt sich jede Zeile.(am)

    * * *

    Präsident von Russland Wladimir Putin:

    Sehr geehrte Teilnehmer an der Plenarsitzung, liebe Kollegen, meine Damen und Herren,

    ich freue mich, Sie alle in Sotschi zum Jubiläumstreffen des Valdai International Discussion Club begrüßen zu dürfen. Der Moderator hat bereits erwähnt, dass dies die 20. Jahrestagung ist.

    Unser, oder sollte ich sagen Ihr Forum, hat traditionsgemäß führende Politiker und Wissenschaftler, Experten und Aktivisten der Zivilgesellschaft aus vielen Ländern der Welt zusammengebracht und damit seinen hohen Status als wichtige intellektuelle Plattform erneut bestätigt. Die Valdai-Diskussionen spiegeln stets die wichtigsten weltpolitischen Prozesse des 21. Jahrhunderts in ihrer Gesamtheit und Komplexität wider. Ich bin sicher, dass dies auch heute der Fall sein wird, so wie es wahrscheinlich auch in den vorangegangenen Tagen der Fall war, als Sie miteinander debattiert haben. Das wird auch in Zukunft so bleiben, denn unser Ziel ist im Grunde der Aufbau einer neuen Welt. Und in diesen entscheidenden Phasen spielen Sie, liebe Kolleginnen und Kollegen, eine äußerst wichtige Rolle und tragen als Intellektuelle eine besondere Verantwortung.

    Im Laufe der Jahre, in denen der Club tätig ist, haben sich sowohl in Russland als auch in der Welt drastische, ja dramatische, kolossale Veränderungen vollzogen. Zwanzig Jahre sind nach historischen Maßstäben kein langer Zeitraum, aber in Zeiten, in denen die gesamte Weltordnung zusammenbricht, scheint die Zeit zu schrumpfen.

    Ich denke, Sie werden mir zustimmen, dass sich in den letzten 20 Jahren mehr ereignet hat als in den Jahrzehnten mancher historischer Perioden zuvor, und es waren große Veränderungen, die den grundlegenden Wandel der Prinzipien der internationalen Beziehungen diktiert haben.

    Zu Beginn des 21. Jahrhunderts hofften alle, dass die Staaten und Völker die Lehren aus den teuren und zerstörerischen militärischen und ideologischen Konfrontationen des vergangenen Jahrhunderts gezogen hätten, dass sie deren Schädlichkeit und die Zerbrechlichkeit und Vernetzung unseres Planeten erkannt hätten und dass sie verstanden hätten, dass die globalen Probleme der Menschheit gemeinsames Handeln und die Suche nach kollektiven Lösungen erfordern, während Egoismus, Arroganz und die Missachtung echter Herausforderungen unweigerlich in eine Sackgasse führen würden, genau wie die Versuche der mächtigeren Länder, allen anderen ihre Meinungen und Interessen aufzuzwingen. Dies hätte jedem klar werden müssen. Hätte es müssen, aber es ist nicht geschehen. Das ist es nicht.

    Als wir uns vor fast 20 Jahren zum ersten Mal auf dem Clubtreffen trafen, befand sich unser Land in einer neuen Phase seiner Entwicklung. Russland befand sich nach der Auflösung der Sowjetunion in einer äußerst schwierigen Phase der Rekonvaleszenz. Wir begannen den Prozess des Aufbaus einer neuen, unserer Meinung nach gerechteren Weltordnung energisch und mit gutem Willen. Es ist ein Segen, dass unser Land einen großen Beitrag leisten kann, denn wir haben unseren Freunden, Partnern und der ganzen Welt etwas zu bieten.

    Bedauerlicherweise wurde unser Interesse an einer konstruktiven Interaktion missverstanden. Es wurde als Gehorsam angesehen, als Zustimmung dazu, dass die neue Weltordnung von denen geschaffen wird, die sich selbst zu den Gewinnern des Kalten Krieges erklärt hatten. Es wurde als Eingeständnis gewertet, dass Russland bereit sei, in das Kielwasser anderer zu treten und sich nicht von unseren eigenen nationalen Interessen, sondern von den Interessen anderer leiten zu lassen.

    In diesen Jahren haben wir mehr als einmal davor gewarnt, dass dieser Ansatz nicht nur in eine Sackgasse führen würde, sondern auch die zunehmende Gefahr eines militärischen Konflikts in sich birgt. Aber niemand hat auf uns gehört oder wollte auf uns hören. Die Arroganz unserer so genannten Partner im Westen hat sich ins Unermessliche gesteigert. Ich kann es nur so ausdrücken.

    Die Vereinigten Staaten und ihre Satelliten haben einen stetigen Kurs in Richtung Hegemonie in militärischen Angelegenheiten, Politik, Wirtschaft, Kultur und sogar Moral und Werten eingeschlagen. Von Anfang an war uns klar, dass der Versuch, ein Monopol zu errichten, zum Scheitern verurteilt ist. Die Welt ist zu kompliziert und zu vielfältig, um sie einem einzigen System zu unterwerfen, selbst wenn es durch die enorme Macht des Westens gestützt wird, die dieser in Jahrhunderten seiner Kolonialpolitik angesammelt hat. Auch Ihre Kollegen   – viele von ihnen sind heute abwesend   – leugnen nicht, dass der Wohlstand des Westens zu einem erheblichen Teil durch die Ausplünderung von Kolonien über mehrere Jahrhunderte hinweg erreicht worden ist. Das ist eine Tatsache. Im Wesentlichen wurde dieser Entwicklungsstand durch die Ausplünderung des gesamten Planeten erreicht.

    Die Geschichte des Westens ist im Wesentlichen die Chronik einer endlosen Expansion. Der westliche Einfluss in der Welt ist ein riesiges militärisches und finanzielles Pyramidensystem, das ständig mehr "Treibstoff" braucht, um sich selbst zu stützen, mit natürlichen, technologischen und menschlichen Ressourcen, die anderen gehören. Aus diesem Grund kann und wird der Westen nicht aufhören. Unsere Argumente, Überlegungen, Appelle an den gesunden Menschenverstand oder Vorschläge wurden einfach ignoriert.

    Ich habe dies sowohl unseren Verbündeten als auch unseren Partnern gegenüber öffentlich erklärt. Es gab einen Moment, in dem ich einfach vorgeschlagen habe: Vielleicht sollten wir auch der NATO beitreten? Aber nein, die NATO braucht ein Land wie unseres nicht. Nein. Ich möchte wissen, was sie sonst noch brauchen. Wir dachten, wir gehören zur Masse, haben einen Fuß in der Tür. Was hätten wir denn sonst tun sollen? Es gab keine ideologische Konfrontation mehr. Was war das Problem? Ich denke, das Problem waren ihre geopolitischen Interessen und ihre Arroganz gegenüber anderen. Ihre Selbstverherrlichung war und ist das Problem.

    Wir sind gezwungen, auf den immer stärker werdenden militärischen und politischen Druck zu reagieren. Ich habe schon oft gesagt, dass nicht wir es waren, die den sogenannten "Krieg in der Ukraine" begonnen haben. Im Gegenteil, wir versuchen, ihn zu beenden. Wir waren es nicht, die 2014 einen Putsch in Kiew inszeniert haben   – einen blutigen und verfassungsfeindlichen Putsch. Wenn [ähnliche Ereignisse] an anderen Orten geschehen, hören wir sofort von allen internationalen Medien   – vor allem natürlich von denen, die der angelsächsischen Welt untergeordnet sind   –, dass dies inakzeptabel ist, dass dies unmöglich ist, dass dies antidemokratisch ist. Aber der Putsch in Kiew war akzeptabel. Sie nannten sogar die Summe, die für diesen Putsch ausgegeben wurde. Alles war plötzlich akzeptabel.

    Damals hat Russland sein Bestes getan, um die Menschen auf der Krim und in Sewastopol zu unterstützen. Wir haben nicht versucht, die Regierung zu stürzen oder die Menschen auf der Krim und in Sewastopol einzuschüchtern und ihnen mit ethnischen Säuberungen im Sinne der Nazis zu drohen. Wir haben nicht versucht, den Donbass durch Beschuss und Bombardierung zum Gehorsam zu zwingen. Wir haben nicht gedroht, jeden zu töten, der seine Muttersprache sprechen will. Sehen Sie, jeder hier ist ein informierter und gebildeter Mensch. Es mag möglich sein   – entschuldigen Sie mein 'mauvais ton'   – Millionen von Menschen, die die Realität über die Medien wahrnehmen, einer Gehirnwäsche zu unterziehen. Aber Sie müssen wissen, was wirklich los war: Sie haben neun Jahre lang bombardiert, geschossen und Panzer eingesetzt. Das war ein Krieg, ein echter Krieg, der gegen den Donbass entfesselt wurde. Und niemand hat die toten Kinder im Donbass gezählt. Niemand in anderen Ländern weinte um die Toten, vor allem im Westen nicht.

    Dieser Krieg, den das Regime in Kiew mit tatkräftiger und direkter Unterstützung des Westens angezettelt hat, dauert nun schon mehr als neun Jahre an, und Russlands spezielle Militäroperation zielt darauf ab, ihn zu beenden. Und sie erinnert uns daran, dass einseitige Schritte, egal wer sie unternimmt, unweigerlich Vergeltungsmaßnahmen nach sich ziehen werden. Wie wir wissen, hat jede Aktion eine ebenso entgegengesetzte Reaktion zur Folge. Das ist es, was jeder verantwortungsvolle Staat, jedes souveräne, unabhängige und sich selbst respektierende Land tut.

    Jeder ist sich darüber im Klaren, dass in einem internationalen System, in dem Willkür herrscht, in dem alle Entscheidungen von denen getroffen werden, die sich für außergewöhnlich, sündlos und richtig halten, jedes Land angegriffen werden kann, nur weil es einem Hegemon missfällt, der jegliches Augenmaß   – und ich möchte hinzufügen, jeglichen Sinn für die Realität   – verloren hat.

    Leider müssen wir zugeben, dass unsere westlichen Kontrahenten den Sinn für die Realität verloren und jede Grenze überschritten haben. Das hätten sie wirklich nicht tun dürfen.

    Die Ukraine-Krise ist kein Territorialkonflikt, das möchte ich klarstellen. Russland ist das flächenmäßig größte Land der Welt, und wir haben kein Interesse an der Eroberung weiterer Gebiete. Wir haben noch viel zu tun, um Sibirien, Ostsibirien und den Fernen Osten Russlands richtig zu entwickeln. Es geht hier nicht um einen Territorialkonflikt und auch nicht um den Versuch, ein regionales geopolitisches Gleichgewicht herzustellen. Es geht um eine viel umfassendere und grundsätzlichere Frage, nämlich um die Grundsätze der neuen internationalen Ordnung.

    Dauerhafter Frieden wird nur möglich sein, wenn sich jeder sicher fühlt, wenn er weiß, dass seine Meinung respektiert wird, und wenn es ein Gleichgewicht in der Welt gibt, in dem niemand einseitig andere zwingen kann, so zu leben oder sich so zu verhalten, wie es einem Hegemon gefällt, selbst wenn dies der Souveränität, den wahren Interessen, Traditionen oder Bräuchen von Völkern und Ländern widerspricht. In einem solchen Arrangement wird das Konzept der Souveränität schlichtweg geleugnet und, bedauere, auf den Müll geworfen.

    Das Bekenntnis zu blockbasierten Ansätzen und das Bestreben, die Welt in eine Situation ständiger "wir-gegen-sie"-Konfrontation zu treiben, ist eindeutig ein schlechtes Erbe des 20. Jahrhunderts. Es ist ein Produkt der westlichen politischen Kultur, zumindest ihrer aggressivsten Ausprägungen. Um es noch einmal zu sagen: Der Westen   – zumindest ein bestimmter Teil des Westens, die Elite   – braucht immer einen Feind. Sie brauchen einen Feind, um die Notwendigkeit militärischer Aktionen und Expansionen zu rechtfertigen. Aber sie brauchen auch einen Feind, um die interne Kontrolle innerhalb eines bestimmten Systems eben dieses Hegemons und innerhalb von Blöcken wie der NATO oder anderen militärisch-politischen Blöcken aufrechtzuerhalten. Es muss einen Feind geben, damit sich alle um den "Führer" scharen können.

    Die Art und Weise, wie andere Staaten ihr Leben führen, geht uns nichts an. Wir sehen jedoch, wie die herrschende Elite in vielen von ihnen die Gesellschaften zwingt, Normen und Regeln zu akzeptieren, die das Volk   – oder zumindest eine beträchtliche Anzahl von Menschen und in einigen Ländern sogar die Mehrheit   – nicht bereit ist, zu akzeptieren. Dennoch werden sie dazu gedrängt, wobei die Behörden ständig Rechtfertigungen für ihr Handeln erfinden, wachsende interne Probleme auf externe Ursachen zurückführen und nicht existierende Bedrohungen erfinden oder übertreiben.

    Russland ist ein beliebtes Objekt für diese Politiker. Daran haben wir uns natürlich im Laufe der Geschichte gewöhnt. Aber sie versuchen, diejenigen, die nicht bereit sind, diesen westlichen Eliten blindlings zu folgen, als Feinde darzustellen. Das haben sie mit verschiedenen Ländern gemacht, auch mit der Volksrepublik China, und das haben sie in bestimmten Situationen auch mit Indien versucht. Damit liebäugeln sie auch jetzt, wie wir sehr deutlich sehen können. Wir kennen und sehen die Szenarien, die sie in Asien anwenden. Ich möchte sagen, dass die indische Führung unabhängig und stark national orientiert ist. Meiner Meinung nach sind diese [westlichen] Versuche sinnlos, aber sie werden fortgesetzt. Sie versuchen, die arabische Welt als Feind darzustellen; sie tun das selektiv und versuchen, entsprechend zu handeln. Darauf läuft es hinaus. Sie versuchen sogar, die Muslime als eine feindliche Welt darzustellen, und so weiter und so fort. In der Tat wird jeder, der unabhängig und in seinem eigenen Interesse handelt, von der westlichen Elite sofort als Hindernis angesehen, das es zu beseitigen gilt.

    Der Welt werden künstliche geopolitische Zusammenschlüsse aufgezwungen, und es werden Blöcke mit Zugangsbeschränkungen geschaffen. Wir sehen dies in Europa, wo seit Jahrzehnten eine aggressive Politik der NATO-Erweiterung betrieben wird, im asiatisch-pazifischen Raum und in Südasien, wo man versucht, eine offene und integrative Kooperationsarchitektur zu zerstören. Ein auf Blöcken basierender Ansatz schränkt, wenn wir das Kind beim Namen nennen, die Rechte der einzelnen Staaten ein und beschränkt ihre Freiheit, sich auf ihrem eigenen Weg zu entwickeln, indem er versucht, sie in einen "Käfig" von Verpflichtungen zu zwingen. In gewisser Weise läuft dies natürlich auf die Aufhebung eines Teils ihrer Souveränität hinaus, oft gefolgt von der Durchsetzung ihrer eigenen Lösungen nicht nur im Bereich der Sicherheit, sondern auch in anderen Bereichen, vor allem in der Wirtschaft, wie es derzeit in den Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und Europa geschieht. Es ist nicht notwendig, dies jetzt zu erklären. Falls erforderlich, können wir in der Diskussion nach meinen einleitenden Bemerkungen ausführlich darüber sprechen.

    Um diese Ziele zu erreichen, versuchen sie, das Völkerrecht durch eine "regelbasierte Ordnung" zu ersetzen, was immer das auch heißen mag. Es ist nicht klar, welche Regeln das sind und wer sie erfunden hat. Es ist einfach Unsinn, aber sie versuchen, diese Idee in den Köpfen von Millionen von Menschen zu verankern. "Du musst nach den Regeln leben." Was für Regeln?

    Und tatsächlich, wenn ich das so sagen darf, stellen unsere westlichen "Kollegen", vor allem die aus den Vereinigten Staaten, diese Regeln nicht nur willkürlich auf, sondern sie belehren andere, wie man sie befolgt und wie sich andere insgesamt verhalten sollen. All dies geschieht in einer unverhohlen unmanierlichen und aufdringlichen Art und Weise. Dies ist eine weitere Ausprägung der kolonialen Mentalität. Ständig hören wir: "Sie müssen", "Sie sind verpflichtet", "wir warnen Sie ernsthaft".

    Wer sind Sie, dass Sie das tun? Welches Recht haben Sie, andere zu warnen? Das ist einfach unglaublich. Vielleicht sollten diejenigen, die all das sagen, ihre Arroganz ablegen und aufhören, sich gegenüber der globalen Gemeinschaft, die ihre Ziele und Interessen genau kennt, so zu verhalten, und dieses koloniale Denken ablegen? Manchmal möchte ich ihnen sagen: Wacht auf, diese Zeit ist längst vorbei und wird nie wiederkehren.

    Ich will noch mehr sagen: Jahrhunderte lang hat ein solches Verhalten zu einer Wiederholung von etwas geführt   – zu großen Kriegen, für die verschiedene ideologische und quasi-moralische Rechtfertigungen erfunden wurden. Heute ist dies besonders gefährlich. Wie Sie wissen, verfügt die Menschheit über die Mittel, den gesamten Planeten mit Leichtigkeit zu zerstören, und die ständige Bewusstseinsmanipulation, die ein unglaubliches Ausmaß annimmt, führt zum Verlust des Realitätssinns. Es ist klar, dass ein Ausweg aus diesem Teufelskreis gesucht werden muss. So wie ich es verstehe, Freunde und Kollegen, sind Sie deshalb hierhergekommen, um diese lebenswichtigen Fragen im Valdai-Club anzusprechen.

    Im außenpolitischen Konzept Russlands wird unser Land als ursprünglicher Zivilisationsstaat bezeichnet. Diese Formulierung spiegelt klar und prägnant wider, wie wir nicht nur unsere eigene Entwicklung, sondern auch die wichtigsten Prinzipien der internationalen Ordnung verstehen, von denen wir hoffen, dass sie sich durchsetzen werden.

    Aus unserer Sicht ist Zivilisation ein vielschichtiger Begriff, der verschiedenen Interpretationen unterliegt. Früher gab es eine nach außen hin koloniale Interpretation, nach der es eine "zivilisierte Welt" gab, die als Modell für den Rest diente, und jeder sollte sich an diese Standards halten. Diejenigen, die nicht einverstanden waren, sollten mit dem Knüppel des "aufgeklärten" Meisters in diese "Zivilisation" gezwungen werden. Diese Zeiten gehören, wie gesagt, der Vergangenheit an, und unser Verständnis von Zivilisation ist ein ganz anderes.

    Erstens: Es gibt viele Zivilisationen, und keine ist einer anderen überlegen oder unterlegen. Sie sind gleichwertig, da jede Zivilisation einen einzigartigen Ausdruck ihrer eigenen Kultur, ihrer Traditionen und der Bestrebungen ihres Volkes darstellt. In meinem Fall verkörpert sie zum Beispiel die Bestrebungen meines Volkes, zu dem ich glücklicherweise gehöre.

    Herausragende Denker aus der ganzen Welt, die das Konzept eines zivilisationsbasierten Ansatzes befürworten, haben sich eingehend mit der Bedeutung des Konzepts "Zivilisation" auseinandergesetzt. Es ist ein komplexes Phänomen, das sich aus vielen Komponenten zusammensetzt. Ohne zu sehr in die Philosophie einzutauchen, was hier vielleicht nicht angebracht ist, wollen wir versuchen, es pragmatisch zu beschreiben, wie es für die aktuellen Entwicklungen gilt.

    Zu den wesentlichen Merkmalen eines Zivilisationsstaates gehören die Vielfalt und die Autarkie, die meines Erachtens zwei Schlüsselelemente darstellen. Die heutige Welt lehnt Uniformität ab, und jeder Staat und jede Gesellschaft strebt nach einem eigenen Entwicklungsweg, der in der Kultur und den Traditionen verwurzelt und von der Geografie und den historischen Erfahrungen, sowohl der alten als auch der modernen, sowie von den Werten der Menschen geprägt ist. Es handelt sich um eine komplizierte Synthese, die eine eigenständige Zivilisationsgemeinschaft hervorbringt. Ihre Stärke und ihr Fortschritt hängen von ihrer Vielfalt und ihrem facettenreichen Charakter ab.

    Russland hat sich im Laufe der Jahrhunderte zu einer Nation mit unterschiedlichen Kulturen, Religionen und Ethnien entwickelt. Die russische Zivilisation kann nicht auf einen einzigen gemeinsamen Nenner gebracht werden, aber sie kann auch nicht geteilt werden, weil sie als eine einzige geistig und kulturell reiche Einheit gedeiht. Die Aufrechterhaltung des Zusammenhalts einer solchen Nation ist eine gewaltige Herausforderung.

    Wir haben uns im Laufe der Jahrhunderte schweren Herausforderungen gestellt; wir haben sie immer überstanden, manchmal unter großen Kosten, aber jedes Mal haben wir unsere Lehren für die Zukunft gezogen und unsere nationale Einheit und die Integrität des russischen Staates gestärkt.

    Diese Erfahrungen, die wir gesammelt haben, sind heute von unschätzbarem Wert. Die Welt wird immer vielfältiger, und ihre komplexen Prozesse lassen sich nicht mehr mit einfachen Governance-Methoden bewältigen, indem man, wie wir sagen, alle über einen Kamm schert, was einige Staaten immer noch versuchen.

    Dem ist noch etwas Wichtiges hinzuzufügen. Ein wirklich effektives und starkes Staatssystem kann nicht von außen aufgezwungen werden. Es wächst auf natürliche Weise aus den zivilisatorischen Wurzeln von Ländern und Völkern, und in dieser Hinsicht ist Russland ein Beispiel dafür, wie es wirklich im Leben, in der Praxis abläuft.

    Sich auf die eigene Zivilisation zu verlassen, ist eine notwendige Voraussetzung für den Erfolg in der modernen Welt, einer leider ungeordneten und gefährlichen Welt, die die Orientierung verloren hat. Immer mehr Staaten kommen zu dieser Einsicht, werden sich ihrer eigenen Interessen und Bedürfnisse, Möglichkeiten und Grenzen, ihrer eigenen Identität und ihres Vernetzungsgrades mit der Welt um sie herum bewusst.

    Ich bin zuversichtlich, dass die Menschheit nicht auf eine Zersplitterung in rivalisierende Segmente, eine neue Konfrontation von Blöcken, unabhängig von ihren Motiven, oder einen seelenlosen Universalismus einer neuen Globalisierung zusteuert. Im Gegenteil, die Welt ist auf dem Weg zu einer Synergie der Zivilisation   – Staaten, große Räume, Gemeinschaften, die sich als solche identifizieren.

    Zugleich ist die Zivilisation kein universelles Konstrukt, das für alle gilt   – so etwas gibt es nicht. Jede Zivilisation ist anders, jede ist kulturell autark und schöpft aus ihrer eigenen Geschichte und ihren Traditionen für ideologische Grundsätze und Werte. Der Respekt vor sich selbst ergibt sich natürlich aus dem Respekt vor den anderen, aber er setzt auch den Respekt der anderen voraus. Deshalb zwingt eine Zivilisation niemandem etwas auf, lässt aber auch nicht zu, dass ihr etwas aufgezwungen wird. Wenn jeder nach dieser Regel lebt, können wir in harmonischer Koexistenz und in kreativer Interaktion zwischen allen in den internationalen Beziehungen leben.

    Natürlich ist der Schutz der eigenen zivilisatorischen Entscheidung eine große Verantwortung. Es ist eine Antwort auf äußere Verletzungen, die Entwicklung enger und konstruktiver Beziehungen zu anderen Zivilisationen und, was am wichtigsten ist, die Aufrechterhaltung der inneren Stabilität und Harmonie. Wir alle können sehen, dass das internationale Umfeld heute leider instabil und ziemlich aggressiv ist, wie ich bereits sagte.

    Und noch etwas ist wichtig: Niemand darf seine Zivilisation verraten. Das ist der Weg in ein universelles Chaos; es ist unnatürlich und, ich würde sagen, ekelhaft. Wir für unseren Teil haben immer versucht, Lösungen anzubieten, die die Interessen aller Seiten berücksichtigen, und werden dies auch weiterhin tun. Aber unsere Kollegen im Westen scheinen die Begriffe der vernünftigen Selbstbeschränkung, des Kompromisses und der Bereitschaft zu Zugeständnissen im Namen eines Ergebnisses, das allen Seiten gerecht wird, vergessen zu haben. Nein, sie sind buchstäblich auf ein einziges Ziel fixiert: ihre Interessen durchzusetzen, hier und jetzt, und zwar um jeden Preis. Wenn sie sich dafür entscheiden, dann werden wir sehen, was dabei herauskommt.

    Es klingt paradox, aber die Situation könnte sich schon morgen ändern, und das ist ein Problem. Regelmäßige Wahlen können zum Beispiel zu Veränderungen auf der innenpolitischen Bühne führen. Heute kann ein Land darauf bestehen, etwas um jeden Preis zu tun, aber die innenpolitische Situation könnte sich morgen ändern, und dann wird eine andere und manchmal sogar die gegenteilige Idee durchgesetzt.

    Ein herausragendes Beispiel ist das iranische Atomprogramm. Eine US-Regierung hat eine Lösung durchgesetzt, aber die nachfolgende Regierung hat die Sache ins Gegenteil verkehrt. Wie kann man unter diesen Bedingungen arbeiten? Was sind die Leitlinien? Worauf können wir uns verlassen? Wo sind die Garantien? Sind das die "Regeln", von denen man uns erzählt? Das ist unsinnig und absurd.

    Warum geschieht dies, und warum scheinen sich alle damit wohlzufühlen? Die Antwort ist, dass strategisches Denken durch kurzfristige Söldnerinteressen ersetzt wurde, und zwar nicht einmal von Ländern oder Nationen, sondern von den nachrückenden Gruppen mit Einfluss. Dies erklärt die unglaubliche, wenn man es mit den Begriffen des Kalten Krieges beurteilt, Verantwortungslosigkeit der politischen Eliten, die alle Angst und Scham abgelegt haben und sich selbst für schuldlos halten.

    Der zivilisatorische Ansatz stellt sich diesen Tendenzen entgegen, weil er sich auf die grundlegenden und langfristigen Interessen der Staaten und Völker stützt, Interessen, die nicht von der aktuellen ideologischen Situation diktiert werden, sondern von der gesamten historischen Erfahrung und dem Erbe der Vergangenheit, auf dem die Idee einer harmonischen Zukunft beruht.

    Wenn sich alle daran orientieren würden, gäbe es meiner Meinung nach viel weniger Konflikte in der Welt, und die Lösungsansätze wären viel rationaler, weil sich alle Zivilisationen, wie gesagt, gegenseitig respektieren und nicht versuchen würden, jemanden aufgrund ihrer eigenen Vorstellungen zu verändern.

    Freunde, ich habe mit Interesse den Bericht gelesen, den der Valdai-Club für das heutige Treffen vorbereitet hat. Darin heißt es, dass jeder derzeit versucht, eine Vision der Zukunft zu verstehen und sich vorzustellen. Das ist natürlich und verständlich, insbesondere für intellektuelle Kreise. In einer Zeit des radikalen Wandels, in der die Welt, an die wir gewöhnt sind, zerbricht, ist es sehr wichtig zu verstehen, wohin wir uns bewegen und wo wir hinwollen. Und natürlich wird die Zukunft jetzt geschaffen, nicht nur vor unseren Augen, sondern durch unsere eigenen Hände.

    Natürlich ist es bei solch massiven, äußerst komplexen Prozessen schwierig oder sogar unmöglich, das Ergebnis vorherzusagen. Unabhängig davon, was wir tun, wird das Leben Anpassungen vornehmen. Aber wir müssen uns auf jeden Fall darüber klar werden, was wir anstreben, was wir erreichen wollen. In Russland gibt es ein solches Verständnis.

    Erstens. Wir wollen in einer offenen, vernetzten Welt leben, in der niemand versuchen wird, der Kommunikation der Menschen, ihrer kreativen Entfaltung und ihrem Wohlstand künstliche Hindernisse in den Weg zu legen. Wir müssen uns bemühen, ein Umfeld ohne Hindernisse zu schaffen.

    Zweitens. Wir wollen, dass die Vielfalt der Welt erhalten bleibt und als Grundlage für eine universelle Entwicklung dient. Es sollte verboten sein, einem Land oder Volk vorzuschreiben, wie es zu leben und zu fühlen hat. Nur eine echte kulturelle und zivilisatorische Vielfalt kann das Wohlergehen der Völker und einen Ausgleich der Interessen gewährleisten.

    Drittens steht Russland für eine maximale Repräsentation. Niemand hat das Recht oder die Fähigkeit, die Welt für andere und im Namen anderer zu regieren. Die Welt der Zukunft ist eine Welt der kollektiven Entscheidungen, die auf den Ebenen getroffen werden, auf denen sie am wirksamsten sind, und von denjenigen, die wirklich in der Lage sind, einen wesentlichen Beitrag zur Lösung eines bestimmten Problems zu leisten. Es ist nicht so, dass eine Person für alle entscheidet, und nicht einmal alle entscheiden alles, sondern diejenigen, die von diesem oder jenem Problem direkt betroffen sind, müssen sich darauf einigen, was zu tun ist und wie es zu tun ist.

    Viertens steht Russland für universelle Sicherheit und dauerhaften Frieden, der auf der Achtung der Interessen aller beruht: von großen bis zu kleinen Ländern. Es geht vor allem darum, die internationalen Beziehungen vom Blockdenken und dem Erbe der Kolonialzeit und des Kalten Krieges zu befreien. Wir sagen schon seit Jahrzehnten, dass Sicherheit unteilbar ist und dass es unmöglich ist, die Sicherheit der einen auf Kosten der Sicherheit der anderen zu gewährleisten. In der Tat kann in diesem Bereich Harmonie erreicht werden. Man muss nur Hochmut und Arroganz ablegen und aufhören, andere als Partner zweiter Klasse, Ausgestoßene oder Wilde zu betrachten.

    Fünftens: Wir treten für Gerechtigkeit für alle ein. Die Zeit der Ausbeutung ist, wie ich schon zweimal sagte, vorbei. Die Länder und Völker sind sich ihrer Interessen und Fähigkeiten bewusst und sind bereit, sich auf sich selbst zu verlassen, was ihre Stärke erhöht. Jeder sollte Zugang zu den Vorteilen der heutigen Welt haben, und Versuche, dies für ein Land oder ein Volk einzuschränken, sollten als ein Akt der Aggression betrachtet werden.

    Sechstens: Wir stehen für Gleichheit, für das vielfältige Potenzial aller Länder. Das ist ein ganz objektiver Faktor. Aber nicht weniger objektiv ist die Tatsache, dass niemand mehr bereit ist, Befehle entgegenzunehmen oder seine Interessen und Bedürfnisse von irgendjemandem abhängig zu machen, vor allem nicht von den Reichen und Mächtigen.

    Dies ist nicht nur der natürliche Zustand der internationalen Gemeinschaft, sondern die Quintessenz der gesamten historischen Erfahrung der Menschheit.

    Dies sind die Prinzipien, denen wir folgen wollen und zu denen wir alle unsere Freunde und Kollegen einladen.

    Kollegen!

    Russland war, ist und wird eines der Fundamente dieses neuen Weltsystems sein, bereit zu konstruktiver Interaktion mit allen, die nach Frieden und Wohlstand streben, aber auch bereit zu hartem Widerstand gegen diejenigen, die sich zu den Prinzipien von Diktatur und Gewalt bekennen. Wir glauben, dass sich Pragmatismus und gesunder Menschenverstand durchsetzen werden und eine multipolare Welt entstehen wird.

    Abschließend möchte ich mich bei den Organisatoren des Forums für die wie immer gründliche und qualifizierte Vorbereitung sowie bei allen Teilnehmern dieses Jubiläumstreffens für ihre Aufmerksamkeit bedanken. Ich danke Ihnen sehr herzlich.

    (Beifall.)

    Fyodor Lukyanov, Forschungsdirektor des Valdai International Discussion Club, Moderator:

    Herr Präsident, vielen Dank für die ausführliche Darstellung dieser allgemeinen Fragen, der konzeptionellen Fragen. In der Tat haben viele   – im Valdai-Club und anderswo   – versucht, den Rahmen zu verstehen, der den nicht mehr funktionierenden Rahmen ersetzen wird, aber bisher waren wir nicht sehr erfolgreich. Wir wissen, was nicht mehr da ist, aber wir wissen nicht, was an seine Stelle treten wird. Ich denke, die von Ihnen genannten Punkte sind der erste Versuch, zumindest die Grundsätze klar zu umreißen.

    Wenn ich mich Ihren Ausführungen anschließen darf   – der Teil über die Zivilisationen und den zivilisationsbasierten Ansatz ist sicherlich ein Denkanstoß. Sie haben einmal gesagt   – das ist schon sehr lange her   – Sie haben einen anschaulichen Satz verwendet, Sie sagten, Russlands Grenzen "enden nirgendwo". Wenn Russlands Grenzen nicht enden, dann ist die russische Zivilisation per definitionem grenzenlos, ganz klar. Was bedeutet das? Wo ist sie?

    Wladimir Putin:

    Wissen Sie, dies wurde zum ersten Mal in einem Gespräch mit einem der ehemaligen Präsidenten der Vereinigten Staaten gesagt, als er bei mir zu Hause in Ogaryovo eine Karte der Russischen Föderation betrachtete; es war sicherlich ein Scherz.

    Wir alle wissen das, aber ich möchte es wiederholen: Russland ist nach wie vor das flächenmäßig größte Land der Welt. Im Übrigen macht dies vor allem auf zivilisatorischer Ebene Sinn. Unsere Landsleute leben [auf der ganzen Welt] in großer Zahl; die russische Welt ist globaler Natur; Russisch ist eine der offiziellen Sprachen der Vereinten Nationen. Allein in Lateinamerika   – ich habe mich kürzlich mit den dortigen Parlamentariern getroffen   – leben 300.000 Russen. Sie sind überall: in Asien, in Afrika, in Europa und natürlich in Nordamerika.

    Also noch einmal im Ernst: Russland hat als Zivilisation keine Grenzen, so wie andere Zivilisationen auch keine Grenzen haben. Nehmen Sie Indien oder China; schauen Sie, wie viele Vertreter Chinas oder Indiens in anderen Ländern leben. Verschiedene Zivilisationen überschneiden sich und interagieren miteinander. Und es wäre schön, wenn diese Interaktion natürlich und freundschaftlich wäre, mit dem Ziel, dieses Gleichgewicht zu stärken.

    Fyodor Lukyanov:

    Für Sie geht es bei der Zivilisation also nicht um Territorien, sondern um Menschen?

    WladimirPutin:

    Ja, natürlich, in erster Linie geht es um Menschen. Es wird jetzt wahrscheinlich viele Fragen zur Ukraine geben. Unser Handeln im Donbass wird in erster Linie von der Notwendigkeit bestimmt, Menschen zu schützen. Das ist der eigentliche Zweck unseres Handelns.

    Fjodor Lukjanow:

    Können Sie in diesem Fall die spezielle Militäroperation als einen zivilisatorischen Konflikt bezeichnen? Sie sagten, es handele sich nicht um einen Territorialkonflikt.

    Wladimir Putin:

    Es ist in erster Linie... Ich bin mir nicht sicher, welche Art von Zivilisation diejenigen auf der anderen Seite der Frontlinie verteidigen, aber wir verteidigen unsere Traditionen, unsere Kultur und unser Volk.

    Fyodor Lukyanov:

    Da wir nun über die Ukraine sprechen, glaube ich, dass heute in Spanien eine große europäische Veranstaltung beginnt, an der Wladimir Zelensky und einige andere wichtige Persönlichkeiten teilnehmen. Es wird über die weitere Unterstützung für die Ukraine gesprochen. Wie wir wissen, hat es in den Vereinigten Staaten aufgrund der Krise im Kongress eine gewisse Verzögerung gegeben. Es scheint also, dass Europa meint, diese finanzielle Unterstützung übernehmen zu müssen.

    Glauben Sie, dass sie damit zurechtkommen werden? Und was können wir davon erwarten?

    WladimirPutin:

    Wir erwarten, dass zumindest ein gewisses Maß an gesundem Menschenverstand vorhanden ist. Die Frage, ob sie damit fertig werden oder nicht, können sie besser beantworten. Natürlich werden sie damit fertig werden; ich sehe kein Problem darin, die Produktion auszuweiten und die für den Krieg bestimmten Mittel zu erhöhen, um diesen Konflikt zu verlängern. Aber es gibt natürlich Probleme, die, wie ich glaube, diesem Publikum sehr wohl bekannt sind.

    Wenn es, wie Sie sagten, in den Vereinigten Staaten eine Verzögerung gibt, so ist diese eher technischer oder sozusagen politisch-technischer Natur und wird durch Haushaltsprobleme, eine hohe Schuldenlast und die Notwendigkeit, den Haushalt auszugleichen, verursacht. Die Frage ist, wie man ihn ausgleicht? Durch Waffenlieferungen an die Ukraine und Kürzung der Haushaltsausgaben oder durch Kürzung der Sozialausgaben? Niemand ist bereit, die Sozialausgaben zu kürzen, da dies die Oppositionspartei stärken würde. Das war's.

    Letztendlich werden sie wahrscheinlich das Geld finden und noch mehr drucken. Sie haben während der Pandemie und in der Zeit danach über 9 Billionen Dollar gedruckt, also werden sie nicht zweimal darüber nachdenken, noch mehr zu drucken und es weltweit zu verbreiten, was die Lebensmittelinflation verschärft. Das werden sie höchstwahrscheinlich tun.

    Was Europa betrifft, so ist die Lage dort schwieriger, denn während in den USA das BIP-Wachstum in der vergangenen Periode noch bei 2,4 Prozent lag, sieht es in Europa viel schlechter aus. Im Jahr 2021 lag das Wirtschaftswachstum bei 4,9 %, und in diesem Jahr wird es bei 0,5 % liegen. Und selbst dieses Wachstum ist hauptsächlich den südlichen Ländern, Italien und Spanien, zu verdanken, die ein gewisses Wachstum aufweisen.

    Ich denke, dass das Wachstum in Italien und Spanien vor allem auf die steigenden Immobilienpreise und eine gewisse Belebung des Tourismussektors zurückzuführen ist. Die wichtigsten Volkswirtschaften Europas stagnieren derzeit, und die meisten Sektoren des verarbeitenden Gewerbes weisen negative Ergebnisse auf. In der Bundesrepublik Deutschland liegt sie bei minus 0,1 Prozent, in den baltischen Ländern bei minus 2 Prozent, in Estland sogar bei minus 3 Prozent, und auch in den Niederlanden und Österreich ist sie rückläufig. Das gilt vor allem für die Industrieproduktion, die sich in einem kritischen Zustand, wenn nicht gar in einer Katastrophe befindet, vor allem in den Bereichen Chemie, Glas und Metallurgie.

    Wir wissen, dass aufgrund der relativ günstigen Energiepreise in den Vereinigten Staaten und einiger administrativer und finanzieller Entscheidungen, die dort getroffen wurden, viele europäische Produktionsstätten einfach in die Vereinigten Staaten umziehen. Sie werden in Europa stillgelegt und in die USA verlagert. Das ist eine bekannte Tatsache, und darauf habe ich vor einiger Zeit in einer Rede auf diesem Forum hingewiesen. Die Belastung für die Menschen in den europäischen Ländern nimmt ebenfalls zu, und auch das ist eine Tatsache, wie die europäischen Statistiken belegen. Die Lebensqualität verschlechtert sich, sie ist im letzten Monat um 1,5 Prozent gesunken, wenn ich mich nicht irre.

    Kann Europa das schaffen oder nicht? Es kann. Aber wie? Auf Kosten der weiteren Verschlechterung seiner Wirtschaft und des Lebens der Menschen in den europäischen Staaten.

    Fyodor Lukyanov:

    Aber auch unser Budget kann nicht alles abdecken. Werden wir es im Gegensatz zu denen schaffen?

    WladimirPutin:

    Wir haben das bisher geschafft, und ich habe Grund zu der Annahme, dass wir das auch in Zukunft schaffen werden. Im dritten Quartal dieses Jahres hatten wir einen Haushaltsüberschuss von über 660 Milliarden Rubel. Das ist der erste Punkt.

    Zweitens. Bis zum Ende des Jahres werden wir ein Haushaltsdefizit von etwa 1 Prozent verzeichnen. Unsere Berechnungen zeigen, dass das Defizit in den nächsten Jahren (2024 und 2025) bei etwa 1 Prozent liegen wird. Wir haben auch eine rekordverdächtig niedrige Arbeitslosenquote   – sie hat sich bei 3 Prozent stabilisiert.

    Eine weitere wichtige Sache   – das ist ein Schlüsselmoment und vielleicht werden wir darauf noch einmal zurückkommen, aber ich glaube, es ist ein wichtiges und grundlegendes Phänomen in unserer Wirtschaft   –, dass eine natürliche Umstrukturierung der Wirtschaft begonnen hat, weil das, was wir vorher aus Europa importiert haben, von uns abgeschnitten wurde, und wie im Jahr 2014, als wir bestimmte Beschränkungen für den Kauf von westlichen, europäischen, vor allem landwirtschaftlichen Waren einführten, waren wir gezwungen, in die Entwicklung der landwirtschaftlichen Produktion im Land zu investieren. Ja, die Inflation ist gestiegen, aber wir haben dann dafür gesorgt, dass unsere Hersteller die Produktion der von uns benötigten Güter gesteigert haben. Und heute decken wir, wie Sie wissen, unseren Bedarf an allen landwirtschaftlichen Grunderzeugnissen und Grundnahrungsmitteln vollständig ab.

    Das Gleiche geschieht jetzt in der Industrie, und das Hauptwachstum findet in der verarbeitenden Industrie statt. Die Einnahmen aus dem Öl- und Gassektor sind zwar gesunken, aber sie bringen auch zusätzliche 3 Prozent, und die Einnahmen aus dem Nicht-Öl- und Gassektor, vor allem in der verarbeitenden Industrie   – 43 Prozent, und das ist vor allem die Stahlindustrie, die Optik und die Elektronik. Im Bereich der Mikroelektronik haben wir noch viel zu tun. Wir stehen wirklich noch am Anfang unserer Reise, aber es wächst bereits. Alles zusammen ergibt einen Zuwachs von 43 Prozent.

    Wir bauen die Logistik wieder auf, der Maschinenbau wächst, und so weiter. Insgesamt haben wir eine stabile Situation. Wir haben alle Probleme überwunden, die nach der Verhängung der Sanktionen gegen uns auftraten, und wir haben die nächste Phase der Entwicklung eingeleitet: auf einer neuen Grundlage, die äußerst wichtig ist.

    Es ist sehr wichtig für uns, diesen Trend beizubehalten und ihn nicht zu verpassen. Wir haben einige Probleme, unter anderem einen Arbeitskräftemangel, das stimmt, gefolgt von einigen anderen Themen. Aber das real verfügbare Einkommen unserer Bevölkerung wächst. Während es in Europa sinkt, ist es in Russland um mehr als 12 Prozent gestiegen.

    Zu unseren eigenen Problemen gehört die Inflation, und die ist gestiegen: Sie liegt jetzt bei 5,7 Prozent, aber die Zentralbank und die Regierung ergreifen konzertierte Maßnahmen, um diese möglichen negativen Folgen zu neutralisieren.

    Fyodor Lukyanov:

    Sie haben den laufenden Strukturwandel erwähnt.

    Einige Kritiker könnten argumentieren, dass dies in Wirklichkeit die Militarisierung der Wirtschaft ist. Sind diese Behauptungen berechtigt?

    WladimirPutin:

    Sehen Sie, unsere Verteidigungsausgaben sind tatsächlich gestiegen, aber sie umfassen mehr als nur die Verteidigung und schließen auch die Sicherheit ein. Diese Ausgaben haben sich ungefähr verdoppelt und sind von etwa 3 Prozent auf etwa 6 Prozent gestiegen, was sowohl die Verteidigung als auch die Sicherheit umfasst. Ich möchte jedoch betonen, wie ich bereits erwähnt habe und ich fühle mich verpflichtet, dies zu wiederholen: Wir haben im dritten Quartal einen Haushaltsüberschuss von über 660 Milliarden Rubel erzielt, und wir rechnen für dieses Haushaltsjahr mit einem Defizit von nur 1 Prozent. Dies ist ein insgesamt gesunder Haushalt und eine robuste Wirtschaft.

    Die Behauptung, wir würden zu viel für Kanonen ausgeben und die Butter vernachlässigen, ist also unzutreffend. Wichtig ist, dass alle unsere früher angekündigten Entwicklungspläne, die Erfüllung unserer strategischen Ziele und die Wahrung aller sozialen Verpflichtungen, die die Regierung im Hinblick auf das Wohlergehen unserer Bürger übernommen hat, umgesetzt werden.

    Fyodor Lukyanov:

    Ich danke Ihnen. Das ist eine gute Nachricht.

    Herr Präsident, abgesehen vom Ukraine-Konflikt, über den wir zweifellos noch sprechen werden, gab es in den letzten Tagen und Wochen bedeutende Entwicklungen im Südkaukasus. Der Präsident des Europäischen Rates, Charles Michel, hat kürzlich in einem Interview erklärt, Russland habe das armenische Volk verraten.

    WladimirPutin:

    Wer hat das gesagt?

    Fyodor Lukyanov:

    Charles Michel, der Präsident des Europäischen Rates.

    WladimirPutin:

    Wir haben ein Sprichwort: "Es ist schön, sein Pferd so brüllen zu hören".

    Fyodor Lukyanov:

    Seine Kuh.

    WladimirPutin:

    Kuh, Pferd, was auch immer. Ein Tier.

    Gibt es sonst noch etwas? Entschuldigen Sie die Unterbrechung.

    Fyodor Lukyanov:

    Bitte, fahren Sie fort.

    WladimirPutin:

    Verstehen Sie, was vor kurzem geschehen ist? Nach den bekannten Ereignissen und dem Zusammenbruch der Sowjetunion brach ein Konflikt aus, der zu ethnischen Zusammenstößen zwischen Armeniern und Aserbaidschanern führte. Alles begann in der Stadt Sumgait und griff dann auf Karabach über. Dies führte schließlich dazu, dass Armenien die tatsächliche Kontrolle über Karabach und sieben benachbarte aserbaidschanische Bezirke erlangte, die fast 20 Prozent des aserbaidschanischen Territoriums ausmachen. Dies dauerte viele Jahrzehnte.

    Ich will sagen   – und ich verrate hier kein Geheimnis   –, dass wir unseren armenischen Freunden in den letzten 15 Jahren immer wieder vorgeschlagen haben, Kompromisse einzugehen. Was für Kompromisse? Die Rückgabe von fünf Bezirken um Karabach an Aserbaidschan und die Beibehaltung von zwei dieser Bezirke, um die territoriale Verbindung zwischen Armenien und Karabach zu erhalten.

    Unsere karabachischen Freunde haben jedoch immer geantwortet: Nein, das würde eine gewisse Bedrohung für uns darstellen. Wir haben geantwortet: Hören Sie, Aserbaidschan wächst, seine Wirtschaft entwickelt sich, es ist ein Erdöl produzierendes Land, seine Bevölkerung beträgt bereits über 10 Millionen, vergleichen wir das Potenzial. Dieser Kompromiss sollte erreicht werden, solange es noch eine Chance gibt. Wir unsererseits waren zuversichtlich, dass der UN-Sicherheitsrat die entsprechenden Beschlüsse fassen würde und die Sicherheit dieses natürlich entstehenden Lachin-Korridors zwischen Armenien und Karabach sowie die Sicherheit der dort lebenden Armenier garantieren würde.

    Aber man hat uns gesagt, dass sie das nicht tun können. Was werdet ihr also tun? Wir werden kämpfen, sagten sie. Nun gut, es lief alles auf die bewaffneten Auseinandersetzungen im Jahr 2020 hinaus, und dann schlug ich unseren Freunden und Kollegen vor   – ich hoffe übrigens, dass Präsident Alijew mir das nicht übel nimmt, aber irgendwann wurde eine Vereinbarung getroffen, dass die aserbaidschanischen Truppen aufhören würden.

    Ehrlich gesagt, dachte ich, das Problem sei gelöst. Ich rief in Eriwan an, und plötzlich hörte ich: Nein, sie müssen das winzige Gebiet in Karabach verlassen, in das die aserbaidschanischen Truppen eingedrungen waren. Das war's. Ich sagte: Hören Sie, was werden Sie tun? Derselbe Satz: Wir werden kämpfen. Ich sagte: Hört zu, sie werden innerhalb weniger Tage in der Nähe von Agdam in den Rücken eurer Truppen vorrücken, und dann ist alles vorbei. Habt ihr das verstanden? Ja. Was werdet ihr dann tun? Wir werden kämpfen. Nun gut, in Ordnung. Es ist also so gekommen, wie es gekommen ist.

    Schließlich einigten wir uns mit Aserbaidschan darauf, dass nach dem Vorrücken auf die Schuscha-Linie und die Stadt Schuscha selbst die Kampfhandlungen eingestellt würden. Eine entsprechende Erklärung über die Einstellung der Kampfhandlungen und die Entsendung unserer Friedenstruppen wurde im November 2020 unterzeichnet. Und das ist ein weiterer entscheidender Punkt: Der rechtliche Status unserer Friedenstruppen basierte ausschließlich auf dieser Erklärung vom November 2020. Ein friedenserhaltender Status war damit nie verbunden. Ich werde jetzt nicht über die Gründe sprechen. Aserbaidschan war der Ansicht, dass es dafür keinen Bedarf gab, und eine Unterzeichnung ohne Aserbaidschan machte keinen Sinn. Der Status basierte also, ich wiederhole, ausschließlich auf der Erklärung vom November 2020, und das einzige Recht, das die Friedenstruppen hatten, war die Überwachung des Waffenstillstands   – und nichts anderes. Nur die Überwachung des Waffenstillstandes. Dennoch dauerte diese prekäre Situation einige Zeit an.

    Nun haben Sie den Präsidenten des Europäischen Rates, Herrn Michel, erwähnt, den ich sehr schätze. Herr Michel, Frankreichs Präsident Macron und der deutsche Bundeskanzler Scholz haben dafür gesorgt, dass die Staats- und Regierungschefs von Armenien und Aserbaidschan im Herbst 2022 in Prag zusammenkamen und eine Erklärung unterzeichneten, in der Armenien Karabach als Teil der Republik Aserbaidschan anerkannte.

    Darüber hinaus haben die Leiter der Delegationen und die armenische Führung direkt das Territorium Aserbaidschans in Quadratkilometern angegeben, was natürlich auch Karabach einschließt, und betont, dass sie die Souveränität Aserbaidschans innerhalb der Grenzen der Aserbaidschanischen SSR, die einst Teil der UdSSR war, anerkennen. Und wie Sie wissen, war auch Karabach Teil der Aserbaidschanischen SSR. Damit war die wichtigste Frage gelöst, die absolut entscheidend war: der Status von Karabach. Als Karabach seine Unabhängigkeit erklärte, erkannte niemand diese Unabhängigkeit an, nicht einmal Armenien, was für mich ehrlich gesagt seltsam ist, aber dennoch wurde die Entscheidung getroffen: Sie erkannten die Unabhängigkeit Karabachs nicht an. In Prag hat man jedoch anerkannt, dass Karabach zu Aserbaidschan gehört. Und dann, Anfang 2023, wiederholten sie dies ein zweites Mal bei einem ähnlichen Treffen in Brüssel.

    Wissen Sie, unter uns, obwohl wir das wahrscheinlich nicht mehr sagen können, aber dennoch, wenn sie [zu einer Einigung] kämen ... Übrigens hat uns niemand davon erzählt, ich persönlich habe es aus der Presse erfahren. Aserbaidschan hat immer geglaubt, dass Karabach Teil seines Territoriums ist, aber indem es den Status von Karabach als Teil Aserbaidschans definiert hat, hat Armenien seine Position qualitativ geändert.

    Danach kam Präsident Alijew bei einem Treffen auf mich zu und sagte: "Sehen Sie, jeder hat erkannt, dass Karabach uns gehört; Ihre Friedenstruppen befinden sich auf unserem Gebiet. Sehen Sie, sogar der Status unserer Friedenstruppen hat sich sofort qualitativ verändert, nachdem der Status von Karabach als Teil Aserbaidschans festgelegt wurde. Er sagte: Ihr Militär befindet sich auf unserem Territorium, und wir sollten uns jetzt auf bilateraler Basis über ihren Status einigen. Und Premierminister Pashinyan bestätigte: Ja, jetzt müssen Sie bilateral reden. Das heißt, Karabach ist weg. Man kann über diesen Status sagen, was man will, aber das war die Kernfrage: der Status von Karabach. In den vergangenen Jahrzehnten drehte sich alles darum: Wie und wann, wer und wo wird den Status bestimmen. Nun hat Armenien entschieden: Karabach wird offiziell Teil von Aserbaidschan. Das ist die heutige Position des armenischen Staates.

    Was hätten wir tun sollen? Alles, was in der jüngsten Vergangenheit, vor einer Woche, zwei, drei Wochen, passiert ist   – die Sperrung des Lachin-Korridors und andere Dinge   – all das war nach der Anerkennung der Souveränität Aserbaidschans über Karabach unvermeidlich. Es war nur eine Frage der Zeit, wann und auf welche Weise Aserbaidschan dort eine verfassungsmäßige Ordnung im Rahmen der Verfassung des aserbaidschanischen Staates herstellen würde. Was sollten wir sagen? Wie sollten wir sonst reagieren? Armenien hat es anerkannt, aber was hätten wir tun sollen? Hätten wir sagen sollen: Nein, wir erkennen es nicht an? Das ist doch Unsinn, nicht wahr? Das ist eine Art von Unsinn.

    Ich werde nicht auf alle Einzelheiten unserer Gespräche eingehen, da dies meiner Meinung nach unangemessen wäre, aber was in den letzten Tagen oder Wochen geschehen ist, war eine unvermeidliche Folge dessen, was in Prag und Brüssel getan wurde. Deshalb hätten Herr Michel und seine Kollegen damals überlegen sollen, wann sie offenbar   – ich weiß es nicht, wir sollten sie danach fragen   – wann sie privat, hinter den Kulissen, versucht haben, Premierminister Paschinjan zu diesem Schritt zu überreden. Sie hätten damals gemeinsam über die Zukunft der Armenier in Karabach nachdenken und zumindest skizzieren müssen, was sie in dieser Situation erwartet. Sie hätten eine Form der Integration Karabachs in den aserbaidschanischen Staat und eine Reihe von Maßnahmen zur Gewährleistung ihrer Sicherheit und Rechte skizzieren müssen. Das ist nicht geschehen. Es gibt nur eine Erklärung, dass Karabach Teil Aserbaidschans ist, das ist alles. Was sollen wir also tun, wenn Armenien selbst diese Entscheidung getroffen hat?

    Was haben wir getan? Wir haben im Rahmen unserer rechtlichen Möglichkeiten alles getan, um humanitäre Hilfe zu leisten. Wie Sie vielleicht wissen, starben unsere Friedenssoldaten beim Schutz der Armenier in Karabach. Wir haben humanitäre und medizinische Hilfe geleistet und für ihre sichere Ausreise gesorgt.

    Was unsere europäischen "Kollegen" betrifft, so sollten sie jetzt zumindest etwas humanitäre Hilfe schicken, um diesen unglücklichen Menschen   – ich kann es nicht anders ausdrücken   – zu helfen, die Berg-Karabach verlassen haben. Ich denke, sie werden es tun. Aber insgesamt müssen wir über ihre langfristige Zukunft nachdenken.

    Fyodor Lukyanov:

    Ist Russland bereit, diese Menschen zu unterstützen?

    WladimirPutin:

    Ich habe gereade gesagt, dass wir sie unterstützen.

    Fyodor Lukyanov:

    Diejenigen, die gegangen sind.

    WladimirPutin:

    Unsere Leute sind dort gestorben, um sie zu schützen, ihnen Deckung zu geben und humanitäre Hilfe zu leisten. Schließlich versammelten sich alle Flüchtlinge um unsere Friedenssoldaten. Tausende von ihnen sind dorthin gegangen, vor allem Frauen und Kinder.

    Natürlich sind wir bereit, ihnen zu helfen. Armenien bleibt unser Verbündeter. Wenn es humanitäre Probleme gibt, und die gibt es, sind wir bereit, darüber zu sprechen und diese Menschen zu unterstützen. Das versteht sich von selbst.

    Ich habe Ihnen nur kurz geschildert, wie sich die Ereignisse entwickelt haben, aber ich habe die wichtigsten Punkte angesprochen.

    Fyodor Lukyanov:

    Herr Präsident, in diesem Zusammenhang gibt es noch einen weiteren wichtigen Punkt. Derzeit geht die aserbaidschanische Führung sehr hart gegen die Führer vor, die in Karabach gedient haben, darunter auch Personen, die in Russland bekannt sind, wie zum Beispiel Ruben Vardanyan.

    WladimirPutin:

    Soviel ich weiß, hat er die russische Staatsbürgerschaft aufgegeben.

    Fyodor Lukyanov:

    Das hat er, aber er war russischer Staatsbürger. Gibt es eine Möglichkeit, die aserbaidschanische Führung zu mehr Nachsicht zu bewegen?

    WladimirPutin:

    Das haben wir immer getan, und wir tun es auch jetzt. Wie Sie wissen, habe ich mit Präsident Alijew telefoniert, wie wir es immer getan haben, egal was passiert ist, und er hat mir die ganze Zeit versichert, dass er die Sicherheit und die Rechte des armenischen Volkes in Berg-Karabach gewährleisten würde. Aber jetzt gibt es dort keine Armenier mehr. Wissen Sie, dass sie alle von dort geflohen sind? Es gibt dort einfach keine Armenier mehr. Vielleicht tausend Menschen oder so, nicht mehr. Es gibt dort einfach niemanden mehr.

    Was die ehemaligen Führer betrifft, so möchte ich nicht ins Detail gehen, aber ich weiß, dass sie auch in Eriwan nicht besonders willkommen sind. Ich gehe jedoch davon aus, dass die aserbaidschanische Führung nun, da alle territorialen Fragen geklärt sind, bereit sein wird, humanitäre Aspekte zu berücksichtigen.

    Fyodor Lukyanov:

    Ich danke Ihnen.

    Kolleginnen und Kollegen, bitte stellen Sie Ihre Fragen.

    Professor Feng Shaolei ist eines unserer langjährigen Mitglieder.

    Feng Shaolei:

    Ich danke Ihnen vielmals.

    Feng Shaolei, East China Normal University, Shanghai.

    Herr Präsident, ich freue mich sehr, Sie wiederzusehen.

    Peking wird im Oktober Gastgeber der internationalen Konferenz zum 10. Jahrestag der Belt and Road Initiative sein. Gleichzeitig läuft die Initiative zur Verknüpfung der Eurasischen Partnerschaft mit der Belt and Road Initiative, die Sie und Präsident Xi Jinping gefördert haben, seit fast zehn Jahren.

    Meine Frage lautet: Welche neuen Ideen und konkreten Vorschläge haben Sie angesichts der neuen Situation bereits ausgearbeitet?

    Ich danke Ihnen vielmals.

    WladimirPutin:

    In der Tat kehren wir zu diesem Thema zurück, und in der Tat versuchen einige, Zweifel zu säen, indem sie andeuten, dass unser eurasisches Entwicklungsprojekt   – das Projekt der Eurasischen Wirtschaftsunion und die Belt and Road Initiative von Präsident Xi Jinping   – möglicherweise nicht die gleichen Interessen haben und anfangen könnten, miteinander zu konkurrieren. Wie ich schon oft gesagt habe, ist dies nicht der Fall. Im Gegenteil, wir sind der Meinung, dass sich die beiden Projekte harmonisch ergänzen.

    Lassen Sie uns sehen, wo wir jetzt stehen. Sowohl China als auch Russland   – Russland heute in stärkerem Maße, aber China schon lange vor den Ereignissen in der Ukraine   – wurden von einigen unserer Partner mit verschiedenen Arten von Sanktionen belegt; wir wissen, von wem genau. Irgendwann eskalierten diese Schritte zu einer Art Handelskrieg zwischen China und den Vereinigten Staaten, da die gegen Ihr Land verhängten Sanktionen auch Einschränkungen in der Logistik beinhalteten.

    Wir sind daran interessiert, neue Logistikrouten zu schaffen, und auch China ist daran interessiert. Unser Handel wächst. Wir sprechen jetzt über den Nord-Süd-Korridor. China entwickelt Lieferketten durch die zentralasiatischen Staaten. Wir sind daran interessiert, dieses Projekt zu unterstützen, und wir bauen zu diesem Zweck Straßen und Eisenbahnen. Das steht auf der Tagesordnung unserer Verhandlungen. Das ist der erste Punkt.

    Zweitens gibt es ein Segment, das sich reale Produktion nennt, und das wird in die Gleichung aufgenommen. Wir exportieren Waren nach China, und China liefert uns die Waren, die wir brauchen. Wir bauen Logistik- und Produktionsketten auf, die definitiv mit den Zielen übereinstimmen, die Präsident Xi Jinping für die chinesische Wirtschaft festgelegt hat, und die mit unseren Zielen übereinstimmen, zu denen Wirtschaftswachstum und Partnerschaften mit anderen Ländern, insbesondere in der modernen Welt, gehören. Diese Ziele sind eindeutig komplementär.

    Ich werde jetzt keine konkreten Projekte aufzählen, aber es gibt viele davon, auch zwischen China und Russland. Wir haben eine Brücke gebaut, wie Sie wissen, und wir haben andere logistische Pläne. Wie ich bereits sagte, bauen wir die Beziehungen in der Realwirtschaft aus. All dies wird Gegenstand unserer bilateralen Kontakte und Verhandlungen in multilateralen Formaten sein. Das ist eine umfassende, umfangreiche und kapitalintensive Arbeit.

    Ich möchte noch einmal betonen, dass wir diese Bemühungen nie gegen jemanden gerichtet haben. Diese Arbeit war von Anfang an kreativ und ausschließlich darauf ausgerichtet, positive Ergebnisse für uns beide   – für Russland und China   – und für unsere Partner in der ganzen Welt zu erzielen.

    Fyodor Lukyanov:

    Thank you.


    Info: https://seniora.org/index.php?option=com_acymailing&ctrl=url&subid=3998&urlid=4588&mailid=1964


    unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

    22.10.2023

    Putin: Rede und Diskussion beim Valdai-Treffen in Sochi am 05. Oktober 2023  (II von IV )

    Richard Sakwa.

    Richard Sakwa:

    Sie sprachen von Veränderungen in der internationalen Politik, vom Aufkommen souveräner Staaten, die sich als autonome Akteure in der Weltpolitik verteidigen. Das ist in der Tat der Fall. In der BRICS+-Organisation, die vor einigen Monaten gegründet wurde, und in der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit finden sich Akteure zusammen.

    Die Welt verändert sich also, die internationale Politik verändert sich, die Staaten selbst verändern sich: Sie sind jetzt zu postkolonialen Staaten gereift. Viele von ihnen haben auf dieser Konferenz unmissverständlich klar gemacht, dass sie nun aktive Mitglieder der internationalen Gemeinschaft sein wollen.

    Die internationale Politik findet jedoch im Rahmen des 1945 geschaffenen internationalen Systems statt: dem System der Vereinten Nationen. Sehen Sie nun einen sich abzeichnenden Widerspruch zwischen den Veränderungen in der internationalen Politik und, wenn Sie so wollen, der Lähmung des Systems der Vereinten Nationen, des Völkerrechts und all dem? Und wie kann Russland dazu beitragen, die Probleme der Vereinten Nationen zu überwinden und sie besser funktionieren zu lassen? Und wie kann Russland dazu beitragen, dass die Widersprüche in der internationalen Politik einen friedlicheren und entwicklungsfähigeren Weg in die Zukunft finden? Ich danke Ihnen.

    Wladimir Putin:

    Sie haben völlig Recht. Es gibt eine gewisse Diskrepanz zwischen dem Rahmen, der von den Ländern geschaffen wurde, die 1945 den Zweiten Weltkrieg gewonnen haben, und der heutigen Situation in der Welt. Die Situation in der Welt im Jahr 1945 war völlig anders als heute. Und es ist klar, dass die Rechtsnormen geändert werden müssen, um den Veränderungen in der Welt gerecht zu werden.

    Die Meinungen können auseinandergehen. Einige werden sagen, dass die UNO und das auf der Grundlage der UN-Charta geschaffene Völkerrecht überholt sind und verworfen werden sollten, um Platz für etwas Neues zu schaffen. Es besteht jedoch die Gefahr, dass wir das System der internationalen Regeln, die wirklichen Regeln und das auf der UN-Charta basierende Völkerrecht zerstören, ohne etwas zu schaffen, das an seine Stelle tritt, und dass dies zu einem weltweiten Chaos führt. Elemente davon sind bereits erkennbar, aber wenn wir die UN-Charta auf den Müllhaufen der Geschichte werfen, ohne sie durch etwas Neues zu ersetzen, wird das unweigerlich entstehende Chaos zu äußerst schwerwiegenden Folgen führen.

    Daher bin ich der Meinung, dass wir den Weg der Änderung des Völkerrechts in Übereinstimmung mit den modernen Anforderungen und den Veränderungen in der globalen Situation wählen sollten. In diesem Sinne sollten dem UN-Sicherheitsrat Länder angehören, die in internationalen Angelegenheiten ein immer größeres Gewicht haben und über ein Potenzial verfügen, das es ihnen ermöglicht, die Entscheidungen über die wichtigsten internationalen Fragen zu beeinflussen, was sie auch schon tun.

    Welche Länder sind das? Eines davon ist Indien mit einer Bevölkerung von über 1,5 Milliarden Menschen und einem Wirtschaftswachstum von über 7 Prozent, genauer gesagt 7,4 oder 7,6 Prozent. Es ist ein globaler Riese. Es stimmt, dass viele Menschen dort noch Unterstützung und Hilfe brauchen, aber Indiens Hightech-Exporte wachsen mit rasanten Schritten. Kurzum, es ist ein starkes Land, das unter der Führung von Premierminister Modi von Jahr zu Jahr stärker wird.

    Oder nehmen Sie Brasilien in Lateinamerika, mit einer großen Bevölkerung und einem schnell wachsenden Einfluss. Und dann ist da noch Südafrika. Sein globaler Einfluss sollte berücksichtigt werden, und sein Gewicht bei der Entscheidungsfindung in wichtigen internationalen Fragen muss zunehmen.

    Natürlich sollten wir dies so tun, dass wir einen Konsens für diese Änderungen erreichen, damit sie nicht das bestehende System des internationalen Rechts zerstören. Dies ist ein komplizierter Prozess, aber meiner Meinung nach müssen wir uns genau in diese Richtung und auf diesem Weg bewegen.

    Fyodor Lukyanov:

    Sie glauben also, dass das derzeitige System des internationalen Rechts noch existiert? Ist es noch nicht zerstört worden?

    Wladimir Putin:

    Sicherlich ist sie nicht vollständig zerstört worden. Kennen Sie den Kern der Sache? Erinnern wir uns an die ersten Jahre der Vereinten Nationen. Wie nannte man den sowjetischen Außenminister Andrei Gromyko? Man nannte ihn Mr. Nyet (Nein), denn es gab sehr viele Widersprüche und Meinungsverschiedenheiten, und die Sowjetunion machte sehr häufig von ihrem Vetorecht Gebrauch. Das war aber angemessen, und das war von großer Bedeutung, weil dadurch Konflikte vermieden wurden.

    In der jüngeren Geschichte haben wir oft von führenden westlichen Politikern gehört, dass das UN-System veraltet sei und den heutigen Anforderungen nicht mehr genüge. Solche Äußerungen wurden erstmals während der Jugoslawien-Krise laut, als die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten Belgrad bombardierten, ohne dass der UN-Sicherheitsrat Sanktionen ergriffen hätte. Sie schlugen ohne Furcht und Gewissensbisse zu und trafen sogar die Botschaft der Volksrepublik China in Belgrad.

    Wo bleibt da das internationale Recht? Sie sagten, es gäbe kein solches Völkerrecht, weil es unnötig und überholt sei. Und warum? Weil sie handeln wollten, ohne auf das Völkerrecht Rücksicht nehmen zu müssen. Später waren sie bestürzt und empört, als Russland anfing, bestimmte Maßnahmen zu ergreifen und sagten, dass es gegen das Völkerrecht und die UN-Charta verstößt.

    Leider hat es immer wieder Versuche gegeben, das Völkerrecht auf die eigenen Bedürfnisse zuzuschneiden. Ist das gut oder schlecht? Das ist sehr schlecht. Aber es gibt zumindest etwas, das als Referenzpunkt dient.

    Meine größte Sorge ist, dass, wenn das alles weggefegt wird, es gar keine Anhaltspunkte mehr gibt. Meiner Meinung nach sollten wir den Weg der permanenten und schrittweisen Veränderungen gehen. Allerdings sollten wir dies unbedingt tun. Die Welt hat sich verändert.

    Fyodor Lukyanov:

    Danke.

    Sergei Karaganov.

    Sergei Karaganov:

    Herr Präsident, ich gehöre zu den Veteranen und Gründern des Clubs. Ich kann meine Gefühle am Tag des 20-jährigen Bestehens des Clubs als fast vollkommenes Glück beschreiben, denn ... Um ehrlich zu sein, sollten alte Menschen sagen, dass das Leben zu ihrer Zeit besser war. Nein, das Leben war zu unserer Zeit nicht besser; es ist heute besser, spannender, interessanter, heller und bunter. Also, danke, dass Sie auch dabei mitgemacht haben. Hier ist meine Frage ...

    Wladimir Putin:

    Wenn Sie "spannender" sagen, klingt das für mich kühn.

    Sergei Karaganov:

    Es ist spannender, wenn es interessanter ist.

    Wladimir Putin:

    Es ist spannender für Sie, nicht für mich. (Gelächter.)

    Sergei Karaganov:

    Herr Präsident, es gibt eine einfache Frage, die derzeit außerhalb Russlands und im Valdai-Club aktiv diskutiert wird. Ich werde sie folgendermaßen formulieren, und das ist natürlich meine Formulierung, ich spreche nicht für alle. Ist unsere Doktrin über den Einsatz von Atomwaffen nicht veraltet? Ich glaube, dass sie auf jeden Fall veraltet ist und dass sie sogar leichtfertig erscheint. Sie wurde in einer anderen Zeit und vielleicht auch in einer anderen Situation entwickelt und folgt zudem alten Theorien. Abschreckung funktioniert nicht mehr. Ist es nicht an der Zeit, die Doktrin über den Einsatz von Atomwaffen zu ändern, die nukleare Schwelle zu senken und die Treppe der Eskalation, der Abschreckung und der Rückführung unserer Partner auf den Boden der Tatsachen stetig und ausreichend schnell zu beschreiten?

    Sie sind unverschämt geworden. Sie sagen, dass wir nach unserer Doktrin niemals Atomwaffen einsetzen werden. Folglich erlauben wir ihnen unwissentlich, zu eskalieren und eine absolut ungeheuerliche Aggression durchzuführen.

    Dies ist meine erste Frage, und sie beinhaltet die zweite. Selbst wenn wir auf die eine oder andere Weise in oder um die Ukraine herum gewinnen, wird der Westen in den nächsten Jahren weiterhin mit Schwierigkeiten zu kämpfen haben: Es entstehen neue Zentren, und es werden neue Probleme auftreten. Wir müssen die Sicherheitsvorkehrung der nuklearen Abschreckung, die 70 Jahre lang den Frieden gesichert hat, wieder einführen. Heute hat der Westen die Geschichte und die Angst vergessen und versucht, diese Sicherheitsvorkehrung zu beseitigen. Sollten wir unsere Politik in diesem Bereich nicht ändern?

    Wladimir Putin:

    Ich kenne Ihren Standpunkt, ich habe bestimmte Dokumente, Ihre Artikel und Notizen gelesen und verstehe Ihre Gefühle.

    Ich möchte Sie daran erinnern, dass es in der russischen Militärdoktrin zwei Gründe für den möglichen Einsatz von Atomwaffen durch Russland gibt. Der erste ist der Einsatz von Atomwaffen gegen uns, der einen so genannten Vergeltungsschlag nach sich ziehen würde. Aber was bedeutet das in der Praxis? Die Raketen werden gestartet, unser Frühwarnsystem entdeckt sie und meldet, dass sie auf das Territorium der Russischen Föderation zielen   – dies geschieht innerhalb von Sekunden, nur damit es jeder versteht   – und sobald wir wissen, dass Russland angegriffen wurde, reagieren wir auf diese Aggression.

    Ich möchte allen versichern, dass diese Reaktion von heute an für jeden potenziellen Aggressor absolut inakzeptabel sein wird, denn Sekunden, nachdem wir den Abschuss von Raketen entdeckt haben, egal woher sie kommen, von irgendeinem Punkt im Weltmeer oder vom Land aus, wird der Gegenschlag als Antwort Hunderte   – Hunderte unserer Raketen in der Luft umfassen, so dass kein Feind eine Chance hat zu überleben. Und [wir können] in mehrere Richtungen gleichzeitig reagieren.

    Der zweite Grund für den potenziellen Einsatz dieser Waffen ist eine existenzielle Bedrohung des russischen Staates   – auch wenn konventionelle Waffen gegen Russland eingesetzt werden, ist die Existenz Russlands als Staat selbst bedroht.

    Dies sind die beiden möglichen Gründe für den Einsatz der von Ihnen genannten Waffen.

    Müssen wir das ändern? Warum sollten wir? Alles kann geändert werden, aber ich sehe nicht, dass wir das tun müssen. Es ist heute keine Situation vorstellbar, in der etwas die russische Staatlichkeit und die Existenz des russischen Staates bedrohen würde. Ich glaube nicht, dass jemand, der bei klarem Verstand ist, den Einsatz von Atomwaffen gegen Russland in Betracht ziehen würde.

    Dennoch respektieren wir Ihren Standpunkt und die Ansichten anderer Experten, Menschen mit einer patriotischen Einstellung, die Empathie für das haben, was in und um das Land herum geschieht, und die über die Entwicklungen entlang der Kontaktlinie zur Ukraine besorgt sind. Ich verstehe das alles, und wir respektieren Ihre Sichtweise, das können Sie mir glauben. Dennoch sehe ich keine Notwendigkeit, unsere konzeptionellen Ansätze zu ändern. Der potenzielle Gegner weiß alles und ist sich bewusst, wozu wir fähig sind.

    Die Tatsache, dass ich zum Beispiel bereits Aufrufe höre, Atomtests zu beginnen oder sogar wieder aufzunehmen, ist eine ganz andere Sache. Dazu kann ich nur Folgendes sagen. Die Vereinigten Staaten haben ein internationales Instrument, ein Dokument, unterzeichnet   – den Kernwaffenteststopp-Vertrag [Comprehensive Test Ban Treaty]   –, und Russland hat dies auch getan. Russland hat ihn unterzeichnet und ratifiziert, während die Vereinigten Staaten den Vertrag unterzeichnet, aber nicht ratifiziert haben.

    Unsere Bemühungen um die Entwicklung neuer strategischer Waffen stehen kurz vor dem Abschluss. Ich habe bereits vor einigen Jahren darüber gesprochen und ihre Entwicklung angekündigt.

    Der jüngste Teststart von Burewestnik [Sturmvogel] war ein Erfolg. Dabei handelt es sich um einen nuklear angetriebenen Marschflugkörper mit einer praktisch unbegrenzten Reichweite. Auch der superschwere Flugkörper Sarmat ist im Großen und Ganzen fertig. Wir müssen nur noch alle administrativen und bürokratischen Verfahren und Formalitäten abschließen, damit wir zur Massenproduktion übergehen und ihn in Kampfbereitschaft einsetzen können. Das werden wir bald tun.

    Fachleute neigen dazu, zu argumentieren, dass es sich um neuartige Waffen handelt und wir sicherstellen müssen, dass ihre speziellen Sprengköpfe nicht versagen, also müssen wir sie testen. Ich bin nicht bereit, Ihnen jetzt zu sagen, ob wir diese Tests durchführen müssen oder nicht. Was wir tun können, ist, so zu handeln, wie es die Vereinigten Staaten tun. Lassen Sie mich noch einmal wiederholen, dass die Vereinigten Staaten den Vertrag unterzeichnet haben, ohne ihn zu ratifizieren, während wir ihn sowohl unterzeichnet als auch ratifiziert haben. Grundsätzlich können wir in unseren Beziehungen zu den Vereinigten Staaten eine "wie-Du-mir-so-ich-Dir"-Reaktion anbieten. Dies fällt jedoch in den Zuständigkeitsbereich der Abgeordneten der Staatsduma. Theoretisch können wir die Ratifizierung zurückziehen, und wenn wir das tun, wäre das ausreichend.

    Fyodor Lukyanov:

    Heute sagen einige im Westen offen, dass ihr Engagement für eine proaktive Unterstützung der Ukraine aus der Tatsache resultiert, dass die russische Antwort auf die Erhöhung des Einsatzes und die Eskalation der Angelegenheit in den letzten anderthalb Jahren nicht sehr überzeugend war.

    Wladimir Putin:

    Ich weiß nicht, ob das überzeugend war oder nicht, aber zum jetzigen Zeitpunkt und seit Beginn der so genannten Gegenoffensive   – und das sind die neuesten Daten, die ich Ihnen mitteile   – haben die ukrainischen Einheiten über 90.000 Menschen verloren, einschließlich derer, die verwundet wurden und ihr Leben verloren haben, sowie 557 Panzer und fast 1.900 gepanzerte Fahrzeuge verschiedener Typen, und das alles allein seit dem 4. Juni. Wie überzeugend ist das?

    Wir haben unsere eigene Sicht der Dinge, und wir wissen, was wo zu tun ist und wo wir uns besonders anstrengen müssen. Wir gehen gelassen auf unsere Ziele zu, und ich bin sicher, dass wir sie erreichen werden, wenn wir die Aufgaben, die wir uns gestellt haben, auch erfüllen.

    Fyodor Lukyanov:

    Danke.

    Radhika Desai.

    Radhika Desai:

    Vielen Dank, Herr Präsident Putin, vielen Dank für eine weitere wirklich sehr informative und, wie ich sagen würde, historisch sehr lehrreiche und zum Nachdenken anregende Rede. Es ist also wie immer sehr beeindruckend und ein Privileg, sie zu hören.

    Ich habe eine Frage und auch einen persönlichen Appell. Meine Frage bezieht sich auf das Land, aus dem ich komme, Kanada. Wie Sie wissen, hat sich das kanadische Parlament gerade zum Gespött der Welt gemacht, indem es einem ukrainischen Nazi, einem altgedienten Nazi, im Parlament applaudiert hat. Es waren über 440 Abgeordnete anwesend, von denen keiner die Frage gestellt hat: Ist das richtig?

    Wie Sie wissen, hat sich Premierminister Trudeau, ich glaube, zweimal entschuldigt. Der Sprecher des Parlaments ist zurückgetreten. Und für mich zeigt das wirklich, wie sehr die westliche Position, bei der Kanada eine Art Vorreiterrolle spielt, auf anmaßenden Vorstellungen beruht, auf ignoranten anmaßenden Vorstellungen, dass diese Leute vergessen haben, wie viel Russland für die Niederlage des Nazismus getan hat.

    Sie haben vergessen, dass der Zweite Weltkrieg ohne den russischen Beitrag vielleicht nicht gewonnen worden wäre, und dass Russland mit 30 Millionen verlorenen Menschenleben zu diesem Sieg beigetragen hat. Das ist eine erschütternde Zahl, die man sich nicht einmal vorstellen kann. Ich frage mich, ob Sie sich dazu äußern könnten.

    Wie denken Sie darüber?

    Und dann geht es in meinem persönlichen Appell um etwas, das mir sehr am Herzen liegt. Zunächst einmal möchte ich sagen, entschuldigen Sie bitte, wenn ich mich falsch ausgedrückt habe, aber es geht um den Fall eines Freundes von mir und von mehreren anderen hier, meines Mannes, Demetrius Konstantakopoulos, und zwar um den Fall Boris Kagarlitsky. Wir glauben, dass er, wie Sie vielleicht wissen, inhaftiert worden ist, und wir sind sehr besorgt um sein persönliches Wohlergehen.

    Und ich möchte nur ein paar Dinge dazu sagen, warum ich dieses Thema hier anspreche. Es gab viele Petitionen, die in westlichen Ländern zu diesem Fall unterzeichnet wurden. Wir haben keine dieser Petitionen unterzeichnet, weil wir mit dem Inhalt dieser Petitionen, der zutiefst antirussisch ist, nicht einverstanden sind. Wir haben also ein Schreiben für Sie, das Sie hoffentlich lesen werden, und wir hoffen sehr, dass Sie sehen werden, dass wir uns als Freunde Russlands an Sie gewandt haben.

    In der Tat befanden wir uns auch ein wenig in einer Zwickmühle, weil wir mit der Position, die unser lieber Freund eingenommen hat, nicht einverstanden sind. Aber wir erinnern uns auch daran, wie viel wir von seinen ausgezeichneten Kenntnissen der russischen Geschichte und seinem ausgezeichneten Engagement für Russland gelernt haben. Deshalb appellieren wir an Sie, sich persönlich für diesen Fall zu interessieren.

    Ich danke Ihnen.

    Wladimir Putin:

    Wissen Sie, um ehrlich zu sein, weiß ich nicht wirklich, wer dieser Kagarlitsky ist   – also musste mich mein Kollege hier [Fyodor Lukyanov] sogar darüber aufklären. Ich werde den Brief nehmen, den Sie für mich unterschrieben haben, ich werde ihn lesen und Ihnen eine Antwort geben. Das verspreche ich. Einverstanden?

    Was Ihre Frage betrifft, so ist Gott unser Zeuge, dass wir diese Frage nicht im Voraus vorbereitet haben, aber ich habe sie, um ehrlich zu sein, erwartet. Außerdem habe ich sogar einige Hintergrundinformationen zu den Ereignissen mitgebracht. Für uns ist das etwas völlig Ungewöhnliches.

    Ich möchte Sie daran erinnern, dass das Nazi-Kommando die Division, in der dieser ukrainische Nazi diente, am 28. April 1943 eingerichtet hat. Während der Nürnberger Prozesse   – und nicht gestern hier unter uns oder im Eifer des Gefechts   – bezeichnete das Tribunal die SS-Division Galizien, in der dieser ukrainische Nazi diente, als verbrecherische Einheit, die für den Völkermord an Juden, Polen und anderen Zivilisten verantwortlich war. So lautete das Urteil des internationalen Nürnberger Prozesses.

    Ich möchte Sie auch daran erinnern, dass es unabhängige Staatsanwälte und Richter waren, die dieses Urteil gefällt haben, und die Richter hatten natürlich das letzte Wort. Sie taten dies auf der Grundlage der Informationen, die sie von Staatsanwälten aus verschiedenen Ländern erhalten hatten, und bezeichneten die SS-Division Galicia als kriminelle Vereinigung.

    Ich habe auch einige Notizen mit dem genauen Wortlaut mitgebracht, damit meine Antwort konkret ist und auf harten Fakten beruht. Der Sprecher des kanadischen Parlaments sagte: "Wir haben heute hier im Saal einen ukrainisch-kanadischen Veteranen aus dem Zweiten Weltkrieg, der für die ukrainische Unabhängigkeit gegen die Russen gekämpft hat. <...> Ich bin sehr stolz zu sagen, [dass] <...> er ein ukrainischer Held ist, ein kanadischer Held, und wir danken ihm für seinen Dienst."

    Erstens, wenn der Sprecher des kanadischen Parlaments über diesen ukrainischen Kanadier oder kanadisch-ukrainischen Nazi spricht, der gegen die Russen gekämpft hat, muss er wissen, dass er sich auf die Seite Hitlers und nicht auf die des Heimatlandes des Sprechers, Kanada, gestellt hat oder dass er ein Nazi-Kollaborateur war. Auf jeden Fall kämpfte er auf der Seite der Nazi-Truppen. Vielleicht weiß er das nicht. Verstehen Sie mich nicht falsch, ich versuche nicht, die Gefühle des kanadischen Volkes zu verletzen oder es in irgendeiner Weise zu beleidigen. Wir respektieren Kanada und vor allem sein Volk, trotz aller Widrigkeiten. Aber wenn er nicht weiß, dass es Hitler und seine Komplizen waren, die während des Krieges gegen Russland gekämpft haben, dann ist er ein Idiot. Das bedeutet, dass er einfach die Schule geschwänzt hat und es ihm an Grundwissen fehlt. Wenn er aber weiß, dass diese Person auf Hitlers Seite gekämpft hat, während er sie als Held sowohl der Ukraine als auch Kanadas bezeichnet, dann ist er ein Schurke. Es gibt hier also nur diese beiden Möglichkeiten.

    Mit dieser Art von Menschen haben wir es zu tun. Das ist die Art von Gegnern, die wir in bestimmten westlichen Ländern haben.

    Was meiner Meinung nach auch wichtig ist? Der Sprecher des kanadischen Parlaments sagt: Er hat gegen die Russen gekämpft, und [in dem Dokument] wird er zitiert, dass er weiterhin ukrainische Truppen unterstützt, die gegen die Russen kämpfen. Er setzt im Grunde Hitlers Kollaborateure, die SS-Truppen, und die ukrainischen Kampfeinheiten heute   – die, wie er sagte, gegen Russland kämpfen   – gleich. Er hat sie auf ein und dieselbe Stufe gestellt. Das unterstreicht nur unsere Aussage, dass eines unserer Ziele in der Ukraine die Entnazifizierung ist. Offensichtlich existiert die Nazifizierung der Ukraine und wird anerkannt. Und unser gemeinsames Ziel ist die Entnazifizierung.

    Und schließlich sahen natürlich alle, die diesem Nazi applaudierten, absolut widerlich aus, vor allem die Tatsache, dass der Präsident der Ukraine, der jüdisches Blut in sich trägt und von seiner ethnischen Herkunft her ein Jude ist, aufgestanden ist und diesem Mann applaudiert hat, der nicht nur ein Nazi-Kümmerling ist, nicht nur ein ideologischer Mitläufer, sondern jemand, der persönlich jüdische Menschen getötet hat, mit seinen eigenen Händen. Er hat persönlich Juden getötet, weil die deutschen Nazis die 1. galizische SS-Division in erster Linie zur Beseitigung von Zivilisten geschaffen haben, wie es im Urteil der Nürnberger Prozesse heißt. Die Division wurde für den Völkermord an Juden und Polen verantwortlich gemacht. Fast 150.000 Polen wurden getötet, natürlich auch Russen. Niemand hat gezählt, wie viele Roma getötet wurden, da sie nicht einmal als Menschen angesehen wurden. Anderthalb Millionen Juden wurden in der Ukraine umgebracht   – stellen Sie sich diese Zahl einmal vor. Oder hat es das nicht gegeben? Oder wissen sie das nicht? Jeder weiß es. Hat der Holocaust nicht stattgefunden?

    Wenn also der Präsident der Ukraine einer Person applaudiert, die persönlich, mit ihren eigenen Händen, Juden in der Ukraine getötet hat, will er dann sagen, dass der Holocaust nie stattgefunden hat? Ist das nicht ekelhaft? Alles scheint erlaubt, solange diese Menschen gegen Russland gekämpft haben. Alle Mittel sind erlaubt, solange diese Mittel zum Kampf gegen Russland eingesetzt werden. Ich kann mir vorstellen, dass jemand den überwältigenden Wunsch hat, Russland auf einem Schlachtfeld zu vernichten und ihm eine strategische Niederlage zuzufügen. Aber zu diesem Preis? Ich glaube, es gibt nichts Abscheulicheres. Und ich hoffe wirklich, dass nicht nur wir hier in diesem kleinen Kreis des Valdai-Clubs dieses Thema zur Sprache bringen werden, sondern auch zivilgesellschaftliche Organisationen und diejenigen, denen die Zukunft der Menschheit am Herzen liegt, ihren Standpunkt in dieser Angelegenheit klar und deutlich formulieren und das Geschehene verurteilen werden.

    Fyodor Lukyanov:

    Danke.

    Ich habe Gabor Stier vorhin irgendwo gesehen, aber jetzt sehe ich ihn gerade nicht.

    Gabor Stier:

    Ich bin Gabor Stier aus Ungarn.

    Herr Präsident, dieses Mal werde ich nicht fragen, was mit Odessa geschehen wird, obwohl viele Menschen in Ungarn fragen, wie das Nachbarland heißen wird.

    Wladimir Putin:

    Haben Sie Odessa gemeint? Sie haben das letzte Mal danach gefragt.

    Gabor Stier:

    Ja, ich habe diese Frage beim letzten Mal gestellt, aber jetzt habe ich eine andere Frage.

    Wladimir Putin:

    Das tut mir leid.

    Gabor Stier:

    Herr Präsident, wir wissen, dass Sie sich für Geschichte interessieren, und deshalb möchte ich die aktuelle Realität genau unter diesem Gesichtspunkt betrachten. Apropos Geschichte: Wir wissen, dass die Entscheidung von Peter dem Großen, ein Fenster nach Europa zu öffnen, oder den europäischen Aspekt der russischen Identität zu öffnen, für die Entwicklung Russlands von großer Bedeutung war.

    Natürlich ist Europa jetzt dem Verfall anheimgefallen und tut alles, damit Russland es nicht mag. Als Europäer bin ich jedoch manchmal entsetzt, wenn ich Äußerungen höre, dass einige europäische Städte einem Atomschlag ausgesetzt werden sollten.

    Was bedeutet Europa heute für Russland? Dies ist keine Frage über unsere Probleme. Was bedeutet Europa für das heutige Russland? Wird Russland Europa komplett den Rücken kehren? Glauben Sie nicht, dass es ein Fehler wäre, dieses Fenster zu verschließen?

    Wenn wir über die Geschichte sprechen, möchte ich noch eine Frage stellen. Die neuen russischen Geschichtslehrbücher haben in Ungarn eine ernsthafte Diskussion ausgelöst. Ich spreche von Passagen, die die Entwicklungen von 1956 als "Farb-Revolution" bezeichnen. Sind Sie auch der Meinung, dass es sich bei den Entwicklungen von 1956 nicht um eine echte Revolution handelte? Stimmen Sie einer anderen umstrittenen Bemerkung in dem Lehrbuch zu, dass der Abzug der Truppen aus Mitteleuropa in den Jahren 1990 und 1991 ein Fehler war?

    Ich erinnere mich und weiß, dass Sie in Wladiwostok gesagt haben, dass der Einsatz von Panzern in den Jahren 1968 und 1956 ein Fehler war. Wenn das ein Fehler war, warum glauben Sie, dass auch der Truppenabzug ein Fehler war?

    Wladimir Putin:

    Glauben Sie, dass dies eine Frage ist? Es ist eher ein Thema für einen Aufsatz. Sie haben gesagt, dass Sie Odessa nicht erwähnen werden, obwohl Sie es erwähnt haben. Beim letzten Mal habe ich mich enthalten, aber ich kann sagen, dass Odessa natürlich eine russische Stadt ist. Sie ist ein wenig jüdisch, wie wir heute sagen. Ein wenig. Aber lassen wir dieses Thema beiseite, wenn Sie lieber über ein anderes reden wollen.

    Erstens, dieses "Fenster nach Europa". Wissen Sie, unsere Kollegen haben gerade gesagt, die Welt verändert sich. Durch ein Fenster ein- und auszusteigen und sich dabei die Hose zu zerreißen, ist nicht die beste Wahl. Warum sollte jemand das Fenster benutzen, wenn es auch Türen gibt? Das ist der erste Punkt.

    Zweitens. Es besteht kein Zweifel daran, dass der zivilisatorische Code Russlands auf dem Christentum beruht, und das gilt auch für Europa. Das haben wir sicherlich gemeinsam. Aber wir werden uns Europa nicht aufdrängen, wenn Europa uns nicht will. Wir lehnen es weder ab, noch schlagen wir [dieses Fenster] zu. Sie haben gefragt, ob wir das bedauern. Warum sollten wir? Es sind nicht wir, die die Tür zur Kommunikation zuschlagen, es ist Europa, das sich abschottet und einen neuen Eisernen Vorhang errichtet. Nicht wir sind es, die ihn errichten, sondern die Europäer errichten ihn auf Kosten ihrer eigenen Verluste und zu ihrem eigenen Schaden.

    Ich habe es bereits gesagt, aber ich kann es wiederholen: Die amerikanische Wirtschaft wächst um 2,4 Prozent, während die europäische Wirtschaft in eine Rezession abrutscht; sie befindet sich bereits in einer Rezession. Einige europäische Persönlichkeiten, die unserem Land definitiv nicht wohlgesonnen oder freundlich gesonnen sind, haben eine genaue Diagnose gestellt: Europas Wohlstand wurde durch billige Energieressourcen aus Russland und die Expansion auf dem chinesischen Markt erreicht. Dies sind die Faktoren für den Wohlstand Europas. Natürlich gab es Hochtechnologie, eine fleißige und disziplinierte Arbeiterklasse, talentierte Menschen   – all das ist sicherlich richtig. Aber das waren grundlegende Faktoren, die Europa jetzt ablehnt.

    In meinen einleitenden Bemerkungen habe ich von Souveränität gesprochen. Die Sache ist die: Souveränität ist ein multidimensionales Konzept. Warum sagen wir immer wieder, und ich sage immer wieder, dass Russland als nicht-souveräner Staat nicht existieren kann? Es würde einfach aufhören zu existieren. Denn bei der Souveränität geht es nicht nur um militärische oder andere Sicherheitsfragen, sondern auch um andere Komponenten.

    Sehen Sie, was mit Europa passiert ist? Viele europäische Staats- und Regierungschefs - ich hoffe, sie werfen mir nicht vor, dass ich sie schlecht mache oder mit Dreck bewerfe - viele Europäer sagen, dass Europa seine Souveränität verloren hat. In Deutschland zum Beispiel, der wirtschaftlichen Lokomotive Europas, haben führende Politiker immer wieder betont, dass Deutschland seit 1945 kein souveräner Staat im vollen Sinne des Wortes mehr ist.

    Welche Auswirkungen hat das, auch in wirtschaftlicher Hinsicht? Die Vereinigten Staaten   – ich denke, ich habe keinen Zweifel daran, dass es die Vereinigten Staaten waren, die die Ukraine-Krise provoziert haben, indem sie den Putsch in der Ukraine im Jahr 2014 unterstützten. Sie konnten nicht umhin zu verstehen, dass dies eine rote Linie war, wir haben dies tausendmal gesagt. Sie haben nie zugehört. Jetzt haben wir die heutige Situation.

    Und ich vermute, das war kein Zufall. Sie brauchten diesen Konflikt. Infolgedessen musste sich Europa, das einen Teil seiner Souveränität verloren hatte   – nicht vollständig, aber einen beträchtlichen Teil   –, hinter seinen Souverän zurückziehen und dessen Politik folgen, indem es zu einer Politik der Sanktionen und Beschränkungen gegen Russland überging. Europa musste dies tun, wohl wissend, dass dies ihm schaden würde, und nun wird die gesamte Energie, ein Großteil der Energie, von den Vereinigten Staaten zu einem um 30 Prozent höheren Preis gekauft.

    Sie haben Beschränkungen für russisches Öl verhängt. Was ist das Ergebnis? Das ist nicht so offensichtlich wie beim Gas, aber das Ergebnis ist das gleiche. Sie haben die Zahl der Lieferanten reduziert und damit begonnen, teureres Öl von dieser begrenzten Gruppe von Lieferanten zu kaufen, während wir unser Öl mit einem Rabatt an andere Länder verkaufen.

    Verstehen Sie, was die Folge davon ist? Die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Wirtschaft ist gesunken, während die ihres Hauptkonkurrenten   – der Vereinigten Staaten   – gestiegen ist, ebenso wie die Wettbewerbsfähigkeit anderer Länder, auch in Asien. Nach dem Verlust eines Teils ihrer Souveränität mussten sie also aus eigenem Antrieb diese selbstzerstörerischen Entscheidungen treffen.

    Brauchen wir einen solchen Partner? Natürlich ist er nicht völlig überflüssig. Aber ich möchte, dass Sie zur Kenntnis nehmen, dass wir den schwindenden europäischen Markt verlassen und unsere Präsenz auf den wachsenden Märkten in anderen Teilen der Welt, auch in Asien, verstärken.

    Gleichzeitig sind wir mit Europa durch zahlreiche jahrhundertealte Beziehungen in den Bereichen Kultur, Bildung usw. verbunden. Um es noch einmal zu sagen: All dies basiert auf der christlichen Kultur. Aber auch in dieser Hinsicht machen uns die Europäer nicht glücklich. Sie zerstören ihre Wurzeln, die aus der christlichen Kultur erwachsen; sie reißen diese Wurzeln gnadenlos aus.

    Deshalb werden wir nichts verschließen   – weder Fenster noch Türen   – aber wir werden uns auch nicht den Weg nach Europa erzwingen, wenn Europa das nicht will. Wenn es das will   – na gut, wir werden zusammenarbeiten. Ich denke, man könnte bis ins Unendliche reden, aber ich denke, ich habe die wichtigsten Punkte umrissen.

    Nun zum Lehrbuch und den Farb-Revolutionen, dem Jahr 1956. Ich will nicht verhehlen, dass ich diesen Teil des Lehrbuchs nicht gelesen habe. Und was den Abzug der Truppen angeht, so sind das natürlich auch historische Fakten, und damals, 1956, haben viele westliche Länder die bestehenden Probleme geschürt, auch die Fehler der damaligen ungarischen Führung, und es wurden Kämpfer im Ausland ausgebildet und nach Ungarn geschickt. Aber ich denke, es ist immer noch schwierig, dies als Farb-Revolution in Reinform zu bezeichnen, denn immerhin gab es eine interne Grundlage für ernsthaften Protest im Lande. Ich denke, das ist eine offensichtliche Sache. Und dann gibt es kaum einen Grund, die heutigen Begriffe auf die Mitte des letzten Jahrhunderts zu übertragen.

    Was den Abzug der Truppen angeht, so bin ich zutiefst davon überzeugt, dass es keinen Sinn macht, Truppen einzusetzen, um interne Tendenzen in einem Land oder in der Bevölkerung zu unterdrücken, um die Ziele zu erreichen, die sie als ihre Prioritäten betrachten. Dies gilt für die europäischen Länder, einschließlich der osteuropäischen Länder. Es hätte keinen Sinn, Truppen dort zu halten, wenn die Bevölkerung dieser Länder sie nicht auf ihrem Territorium sehen wollte.

    Aber die Art und Weise, wie und unter welchen Bedingungen dies geschah, wirft natürlich viele Fragen auf. Unsere Truppen zogen sich direkt auf ein offenes Feld zurück. Wie viele Menschen wissen davon? Unter freiem Himmel, mit Familien. Ist das akzeptabel? Gleichzeitig wurden weder von der sowjetischen noch von der russischen Führung Verpflichtungen oder rechtliche Konsequenzen für den Rückzug dieser Truppen formuliert.

    Unsere westlichen Partner sind überhaupt keine Verpflichtungen eingegangen. Immerhin sind wir auf die Frage der NATO-Osterweiterung oder Nichterweiterung zurückgekommen. Ja, man hat uns mündlich alles versprochen, und unsere amerikanischen Partner leugnen das auch nicht, und dann fragen sie: Wo ist das dokumentiert? Es gibt kein Dokument. Und das war's, auf Wiedersehen. Haben wir etwas versprochen? Es sieht so aus, als ob wir es getan hätten, aber es war nichts wert. Wir wissen, dass selbst ein schriftliches Dokument für sie nichts wert ist. Sie sind bereit, jedes Papier wegzuwerfen. Aber wenigstens wäre etwas auf dem Papier festgehalten und man könnte sich auf etwas einigen, wenn die Truppen abgezogen werden.

    So etwas wie die Koordinierung von Fragen der Gewährleistung der Sicherheit in Europa oder die Verwirklichung einer Art von neuem Design in Europa. Die deutsche Sozialdemokratie und Herr Egon Bahr hatten ja Vorschläge parat, wie ich schon einmal gesagt habe, ein neues Sicherheitssystem in Europa zu schaffen, das Russland und die Vereinigten Staaten und Kanada einschließt, aber nicht die NATO, sondern gemeinsam mit allen anderen: für Ost- und Mitteleuropa. Ich denke, das würde viele der heutigen Probleme lösen.

    Und er hat damals gesagt, er war ein kluger alter Mann, er hat ganz bestimmt gesagt: Sonst werden Sie sehen, dass sich das alles wiederholt, nur diesmal näher an Russland. Er war ein deutscher Politiker, ein erfahrener, kompetenter und intelligenter Mensch. Niemand hörte auf ihn: nicht die sowjetische Führung und noch viel weniger der Westen und die Vereinigten Staaten. Jetzt erleben wir, wovon er gesprochen hat.

    Was den Rückzug der Truppen betrifft, so war es sinnlos, sie dort festzuhalten. Aber die Bedingungen für den Rückzug, darüber hätten wir sprechen müssen, um eine Situation zu schaffen, die vielleicht nicht zu den heutigen Tragödien und der heutigen Krise geführt hätte. Vielleicht ist das alles.

    Habe ich Ihre Frage beantwortet? Wenn ich etwas vergessen habe, bitte.

    Fyodor Lukyanov:

    Danke.

    Da wir gerade über Deutschland sprechen, bitte ich Stefan Huth, das Wort zu ergreifen.

    Stefan Huth:

    Mein Name ist Stefan Huth. Ich komme aus Deutschland, von der Zeitung Junge Welt. Ich möchte gerne an das anknüpfen, was Sie gerade gesagt haben.

    Der besondere Militäreinsatz in der Ukraine wird oft mit antifaschistischen Motiven begründet. Sie sagten: Wir müssen das ukrainische Volk von den Nazis befreien, wir müssen sie vertreiben, wir müssen das Land befreien.

    Vor diesem Hintergrund muss es etwas verwirrend erscheinen, dass Sie auf hoher Regierungsebene Kontakt zu solchen rechten Parteien wie dem Rassemblement National oder der AfD   – Alternative für Deutschland   – haben, die tief in einem rassistischen Umfeld verwurzelt sind. Sie haben keine Sympathie für das russische Volk, davon kann man ausgehen. Sie haben keine Sympathie für Russland als ein multiethnisches Volk, was Sie gerade in Ihrer Rede betont haben.

    Ich würde gerne wissen, was Sie sich davon erhoffen? Was erhofft sich Ihre Regierung von solchen Kontakten, und was sind die Kriterien für Kontakte mit solchen Parteien? Können Sie verstehen, dass Antifaschisten in Westeuropa dies als einen Widerspruch zu Ihrer Politik sehen?

    Wladimir Putin:

    Entschuldigen Sie bitte, ich möchte Sie bitten, genauer zu werden: Was meinen Sie, wenn Sie von faschistischen Kräften und pro-faschistischen Parteien sprechen, von deren Haltung gegenüber Russland und so weiter? Bitte seien Sie direkt und konkret, sonst sprechen wir in Untertönen, aber es ist am besten, wenn wir direkt sprechen.

    Stefan Huth:

    Der AfD-Vorsitzende Tino Chrupalla hatte einen Kontakt, ein offizielles Treffen mit Außenminister Sergej Lawrow im Jahr 2020. Das war eine Art offizielles Treffen. Ein Teil der AfD, Björn Höcke zum Beispiel, ist tief in der faschistischen Bewegung in Deutschland verwurzelt. Er ging mit Nazis auf Demonstrationen.

    Das ist für Antifaschisten in Deutschland sehr verwirrend. Es ist ein Widerspruch zu Ihrer Politik. Wir erkennen das irgendwie an, zumindest teilweise.

    Wladimir Putin:

    Was sehen Sie und was können Sie vorlegen, um zu bestätigen, was Sie sagten, dass ihre Aktivitäten auf einer Art faschistischem, pro-faschistischem, nationalsozialistischem Gedankengut beruhen? Können Sie mir genau sagen, worum es sich dabei handelt?

    Stefan Huth:

    Björn Höcke, zum Beispiel, ist mit Faschisten verbunden. Er demonstriert in Dresden regelmäßig am Jahrestag der Bombardierung durch die Alliierten, zusammen mit Faschisten, und er ist mit ihnen verbunden. Das ist einer der Gründe, warum der deutsche Inlandsgeheimdienst diese Partei beobachtet und sagt, sie sei rechtslastig.

    Wladimir Putin:

    Ich verstehe. Sehen Sie, Sie haben mit der Ukraine angefangen und mich gefragt, ob es fair ist, dass wir öffentlich erklären, dass wir die Entnazifizierung des ukrainischen politischen Systems anstreben. Aber wir haben gerade die Situation im kanadischen Parlament erörtert, als der Präsident der Ukraine aufstand und einem Nazi applaudierte, der Juden, Russen und Polen getötet hat.

    Zeigt dies nicht, dass wir das derzeitige System der Ukraine zu Recht als pro-nazistisch bezeichnen? Das Staatsoberhaupt steht auf und applaudiert einem Nazi, nicht nur einem ideologischen Anhänger des Nazismus, sondern einem echten Nazi, einem ehemaligen SS-Soldaten. Ist dies nicht ein Zeichen für die Nazifizierung der Ukraine? Gibt uns das nicht das Recht, über die Entnazifizierung der Ukraine zu sprechen?

    Aber Sie könnten antworten: Ja, das ist das Staatsoberhaupt, aber das ist nicht das ganze Land. Und ich würde antworten: Sie sprachen von denen, die zusammen mit Pro-Faschisten zu Kundgebungen gehen. Ist das die gesamte Partei, die zu diesen Kundgebungen kommt? Wahrscheinlich nicht.

    Wir verurteilen natürlich alles, was pro-faschistisch, pro-nazistisch ist. Wir unterstützen alles, was keine solchen Vorzeichen hat, sondern im Gegenteil darauf abzielt, Kontakte zu knüpfen.

    Soweit mir bekannt ist, wurde vor kurzem während des Wahlkampfs ein Attentat auf einen der Vorsitzenden der Alternative für Deutschland verübt. Worauf deutet das hin? Dass Vertreter dieser Partei entweder Nazi-Methoden anwenden oder diese Nazi-Methoden gegen sie eingesetzt werden? Das ist eine Frage für einen akribischen Rechercheur, auch in Ihrer Person und in der Person der Öffentlichkeit der Bundesrepublik selbst.

    Was die antifaschistischen Kräfte angeht, so waren wir immer auf ihrer Seite, wir kennen ihre Haltung gegenüber Russland. Wir sind ihnen für diese Haltung dankbar und unterstützen sie selbstverständlich.

    Ich denke, dass alles, was auf die Wiederbelebung, auf die Aufrechterhaltung der Beziehungen zwischen uns abzielt, unterstützt werden sollte, und dies kann das Licht am Ende des Tunnels unserer derzeitigen Beziehungen sein.

    Fyodor Lukyanov:

    Danke.

    Alexei Grivach.

    Alexei Grivach:

    Ich danke Ihnen für die Gelegenheit, eine Frage stellen zu können. Meine Frage bezieht sich auch auf die Forschung. Wir arbeiten an Themen im Zusammenhang mit den jüngsten Entwicklungen in der Gasindustrie.

    Vor etwas mehr als einem Jahr wurden wir alle Zeugen eines unglaublichen und beispiellosen Akts des internationalen Terrorismus gegen die grenzüberschreitende kritische Infrastruktur Europas. Ich spreche von den Nord Stream-Explosionen.

    Sie haben sich mehrfach zu diesem Vorfall geäußert, auch zu der trotzigen Nachlässigkeit der europäischen Ermittler und Politiker in ihren Bewertungen. Wir waren Zeuge eines eklatanten Mangels an einer klaren Reaktion   – einer Verurteilung des Vorfalls durch führende Politiker wie Bundeskanzler Scholz und Präsident Macron. Obwohl die Unternehmen in diesen Ländern direkt von dieser Tat betroffen waren, da sie Aktionäre und Miteigentümer der betroffenen Anlagen sowie Co-Investoren der Projekte waren und sind.

    Gleichzeitig gab es in letzter Zeit mehrere undichte Stellen, die direkt oder indirekt versuchen, die Schuld zuzuweisen: Angeblich sind die Ermittler zu dem Schluss gekommen, dass die Ukrainer hinter dem Vorfall stecken. Ich habe also zwei Fragen an Sie.

    Erstens: Haben diese politischen Führer, Ihre europäischen Amtskollegen, in direkten Kontakten irgendeine Reaktion angeboten, die über die offiziellen Erklärungen hinausgeht, die, wie ich glaube, nicht abgegeben wurden? Gab es eine Reaktion über diplomatische Kanäle?

    Meine zweite Frage lautet: Welche Konsequenzen sind möglich, wenn die so genannte europäische Untersuchung, die Ermittlungsbehörden der europäischen Länder die Ukraine wegen dieses Vorfalls in irgendeiner Form anklagen?

    Wladimir Putin:

    Zunächst einmal möchte ich darauf hinweisen, dass der US-Präsident lange vor diesen Bombenanschlägen öffentlich erklärt hat, dass die Vereinigten Staaten alles in ihrer Macht Stehende tun würden, um sicherzustellen, dass die Ausfuhr russischer Energieträger über diese Pipelines nach Europa gestoppt wird. Mit einem vielsagenden Lächeln sagte er: Ich werde nicht sagen, wie dies erreicht werden kann, aber wir werden es tun. Das ist mein erster Punkt.

    Zweitens: Die Zerstörung dieser Infrastruktureinrichtungen ist zweifellos ein Akt des internationalen Terrorismus.

    Drittens wurden wir nicht in die Untersuchung einbezogen, trotz unserer Vorschläge und mehrfacher Aufforderungen, uns einzubeziehen.

    Und es wurden und werden natürlich auch keine Ergebnisse bekannt gegeben.

    Und schließlich muss man bei der Suche nach Antworten auf die Frage, wer die Schuld trägt, immer fragen: Wer profitiert? In diesem Fall hätten die amerikanischen Energieunternehmen, die Produkte auf den europäischen Markt exportieren, sicherlich ein Interesse daran. Die Amerikaner wollten das schon lange, und jetzt haben sie es erreicht, wenn auch dadurch, dass jemand anderes es für sie getan hat.

    Die Sache hat aber noch eine weitere Seite. Wenn die Verbrecher jemals gefunden werden, müssen sie zur Rechenschaft gezogen werden. Dies war ein Akt des internationalen Terrorismus. Gleichzeitig hat eine Leitung von Nord Stream 2 überlebt. Sie ist nicht beschädigt und kann genutzt werden, um 27,5 Milliarden Kubikmeter Gas nach Europa zu liefern. Die Entscheidung darüber liegt allein bei der Regierung der Bundesrepublik Deutschland. Mehr ist nicht nötig. Sie entscheiden heute   – morgen öffnen wir das Ventil, und das war's, das Gas ist auf dem Weg. Aber sie werden das nicht tun, zum Schaden ihrer eigenen Interessen, weil, wie wir sagen, "ihre Bosse in Washington" das nicht zulassen werden.

    Wir liefern weiterhin Gas über die TurkStream-Pipelines nach Europa, und allem Anschein nach planen ukrainische Terrorgruppen, auch dort Schaden anzurichten. Unsere Schiffe bewachen die Pipelines, die auf dem Grund des Schwarzen Meeres verlaufen, aber sie werden ständig von unbemannten Fahrzeugen angegriffen, an deren Planung offensichtlich auch englischsprachige Spezialisten und Berater beteiligt sind. Wir haben sie über Funk abgehört: Wo immer diese unbemannten Halbtauch-Boote vorbereitet werden, hören wir englische Sprache. Dies ist für uns eine offensichtliche Tatsache   – aber ziehen Sie Ihre eigenen Schlüsse.

    Aber wir liefern weiterhin Gas   – auch über das Gebiet der Ukraine. Wir liefern Gas über die Ukraine an unsere Kunden und bezahlen das Land für diesen Transit. Ich habe bereits darüber gesprochen. Wir hören immer, dass wir der Aggressor sind, dass wir die Schmutzigen sind, dass wir die Bösen sind. Aber anscheinend stinkt das Geld nicht. Sie werden für diesen Transit bezahlt. Sie sind froh, zu kassieren: schnapp, und das war's.

    Wir handeln offen und transparent, und wir sind zur Zusammenarbeit bereit. Wenn sie das nicht wollen, ist das in Ordnung. Wir werden unsere LNG-Produktion und unseren LNG-Absatz steigern. Wir werden unser Gas auf andere Märkte bringen. Wir werden neue Pipelinesysteme dorthin bauen, wo unser Produkt nachgefragt wird, wo es wettbewerbsfähig bleibt und den Verbrauchern hilft, wettbewerbsfähiger zu werden, wie ich bereits gesagt habe.

    Was die Untersuchung angeht, so werden wir sehen. Letztlich kann man eine Ahle nicht in einem Sack verstecken, wie wir sagen: Es wird am Ende klar sein, wer das getan hat. Die Wahrheit wird ans Licht kommen.

    Fyodor Lukyanov:

    Herr Präsident, Sie haben die Gaslieferungen über die Ukraine erwähnt. Ein Teil unserer Öffentlichkeit ist perplex: Warum tun wir das? Warum zahlen wir ihnen dieses Geld?

    Wladimir Putin:

    Wir bezahlen sie, weil es sich um ein Transitland handelt und wir unser Gas aufgrund unserer vertraglichen Verpflichtungen gegenüber unseren Partnern in Europa über die Ukraine transportieren müssen.

    Fyodor Lukyanov:

    Dies stärkt aber auch die Verteidigungsfähigkeit unseres Gegners.

    Wladimir Putin:

    Aber es stärkt auch unsere Finanzen   – wir werden für das Produkt bezahlt.

    Fyodor Lukyanov:

    Verstanden. Danke.

    Mohammed Ihsan hat schon seit geraumer Zeit die Hand gehoben.

    Mohammed Ihsan:

    Ich danke Ihnen vielmals.

    Ich fühle mich wirklich geehrt. Es ist eine großartige Gelegenheit für uns, direkt von Ihnen zu hören, Herr Putin.

    Ich werde die Aufmerksamkeit ein wenig auf den Nahen Osten lenken, anstatt auf die Ukraine und die internationale Justiz und das internationale System. Ich komme aus dem Irak und in Kürze wird der irakische Premierminister Moskau besuchen. Nochmals vielen Dank, dass Sie ihn persönlich treffen.

    Sie wissen, dass es viele Probleme zwischen Erbil und der kurdischen Regionalregierung (KRG) gibt. Gleichzeitig haben Sie Rosneft und Gazprom, die große Summen in den Irak im Allgemeinen und in Kurdistan investiert haben.

    Glauben Sie, dass Sie unserer Seite helfen könnten, friedlicher zu verhandeln, um den Streit zwischen den Parteien beizulegen und mehr zu helfen? Denn die anderen Parteien in der Region wollen mehr Öl in den Konflikt gießen, um ihn noch komplizierter zu machen, denke ich.

    Ein weiteres Thema, auf das ich Sie aufmerksam machen möchte, ist die Tatsache, dass wir uns dem Ende des Jahres 2023 nähern. Glauben Sie, dass dies der richtige Zeitpunkt für Ihre persönliche Hilfe für alle Parteien in Syrien ist, einschließlich der Regierungsseite, der kurdischen Seite und aller regionalen Mächte, um diesen Konflikt zu beenden?

    Denn Tausende von Syrern wurden in andere Teile der Welt vertrieben und gedemütigt, und es gibt keine friedliche Lösung und keine Vision. Ich denke, es gibt niemanden außer Ihnen, denn die meisten Konfliktparteien respektieren Russland und Präsident Putin und Sie haben sehr gute Beziehungen zu ihnen. Ich denke, es ist der richtige Zeitpunkt, nicht zu intervenieren, sondern zwischen allen Parteien zu vermitteln.

    Nochmals vielen Dank.

    Wladimir Putin:

    Sie haben erwähnt, dass selbst die Konfliktparteien in bestimmten Ländern des Nahen Ostens, darunter auch Syrien, uns hoch schätzen und respektieren. Das ist so, weil wir im Gegenzug alle mit Respekt behandeln.

    Was Syrien betrifft, so setzen wir uns für einen friedlichen Prozess ein, zu dem auch die Unterstützung durch die Vereinten Nationen gehört. Wir können jedoch nicht an die Stelle der Verhandlungsparteien treten. Wir können günstige Bedingungen schaffen und bis zu einem gewissen Grad, wenn es für alle akzeptabel ist, als Garanten für Vereinbarungen unter Einbeziehung unserer unmittelbaren Partner in diesem Prozess, nämlich Iran und Türkei, im Rahmen des Astana-Prozesses auftreten.

    Wir haben erfolgreich zu diesen Bemühungen beigetragen. Vor allem wurde ein Waffenstillstand erreicht, der den Weg für den Friedensprozess geebnet hat. All dies wurde von uns und unseren Partnern in Zusammenarbeit mit der syrischen Führung erreicht. Dennoch bleibt noch viel zu tun.

    Ich glaube, dass die Einmischung von außen und die Versuche, quasi-staatliche Einheiten in Syrien zu schaffen, zu keinem positiven Ergebnis geführt haben. Die Vertreibung der arabischen Stämme, die seit jeher bestimmte Regionen bewohnen, mit dem Ziel, diese quasi-staatlichen Gebilde zu schaffen, ist ein komplexes Thema, das den Konflikt verlängern könnte.

    Nichtsdestotrotz sind wir fest entschlossen, das Vertrauen zu fördern, auch zwischen den zentralen syrischen Behörden und den Kurden im Osten Syriens. Dies ist ein schwieriger Prozess, und ich würde mit großer Vorsicht vorgehen, denn jedes Wort zählt. Dies ist mein erster Punkt.

    Was zweitens den Irak betrifft, so unterhalten wir enge Beziehungen zu diesem Land, und wir begrüßen den Besuch des irakischen Premierministers in Russland. Es gibt zahlreiche Themen von gemeinsamem Interesse, vor allem im Energiesektor. Es gibt auch eine wichtige wirtschaftliche Angelegenheit   – die Logistik. Ich werde nicht auf die Einzelheiten eingehen, aber es gibt mehrere Möglichkeiten, die wir ergreifen können, wenn wir die logistischen Transportwege im Irak ausbauen wollen. Im Allgemeinen sehen sie alle gut aus, und wir müssen uns nur für die besten Alternativen entscheiden. Wir sind bereit, uns an der Umsetzung dieser Alternativen zu beteiligen.

    Während des Besuchs des Premierministers werden wir diese Fragen, einschließlich der regionalen Sicherheit und der inneren Sicherheit des Irak, erörtern. Wir unterhalten seit vielen Jahrzehnten enge und vertrauensvolle Beziehungen zum Irak. Wir haben dort viele Freunde, und wir sind bestrebt, die Stabilität in diesem Land zu fördern und das wirtschaftliche und soziale Wachstum auf der Grundlage dieser Stabilität zu unterstützen.

    Wir freuen uns auf den Besuch des Ministerpräsidenten, und ich bin zuversichtlich, dass er sehr produktiv sein und zum richtigen Zeitpunkt stattfinden wird.

    Fyodor Lukyanov:

    Danke.


    Info: https://seniora.org/index.php?option=com_acymailing&ctrl=url&subid=3998&urlid=4588&mailid=1964


    unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

    22.10.2023

    Putin: Rede und Diskussion beim Valdai-Treffen in Sochi am 05. Oktober 2023  (III von IV )


    Taisuke Abiru, bitte.

    Taisuke Abiru:

    Die Sasakawa-Stiftung, Japan. Das letzte Mal, dass ich die Gelegenheit hatte, eine Frage zu stellen, war 2018, also vor fünf Jahren. Doch nach dem Ausbruch des Krieges in der Ukraine schloss sich Japan den Sanktionen gegen Russland an und Russland kündigte an, die Gespräche über einen Friedensvertrag zwischen den beiden Ländern auszusetzen. Infolgedessen sind die japanisch-russischen Beziehungen in eine Sackgasse geraten. Ich persönlich sehe kurzfristig keine guten Aussichten für eine Besserung.

    Dennoch sind Russland und Japan Nachbarn. Ich denke, dass ein Fenster für den Dialog immer offengehalten werden sollte. In diesem Sinne glaube ich, dass es höchste Zeit ist, dass unsere Länder den Dialog zumindest auf Expertenebene wieder aufnehmen.

    Wenn Japan eine solche Initiative ergreift, Herr Präsident, werden Sie diese Initiative unterstützen?

    Ich danke Ihnen.

    Fyodor Lukyanov:

    Die "Fensteröffnungen" sind heute sehr beliebt, nicht wahr?

    Vladimir Putin:

    Ich habe eine vierte Kategorie im Tischlerhandwerk. Ich weiß, wie man Fenster baut, keine Sorge.

    Anmerkung des Übersetzers: In Russland wird das Zimmererhandwerk in der Regel in vier Hauptkategorien oder Kompetenzstufen eingeteilt. Diese Kategorien werden häufig verwendet, um Tischler auf der Grundlage ihrer Fähigkeiten und Erfahrung zu klassifizieren. Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass die spezifische Terminologie und die Kriterien von Region zu Region unterschiedlich sein können. Die vier Kategorien lauten im Allgemeinen wie folgt: 1.     Zimmererlehrling (Ученик столяр): Dies ist die Einstiegsposition für Personen, die die Grundlagen des Tischlerhandwerks erlernen. Lehrlinge arbeiten unter der Aufsicht erfahrenerer Zimmerleute, um grundlegende Fertigkeiten zu erwerben. 2.     Zimmerergeselle (Столяр-универсал): Zimmerergesellen haben mehr Erfahrung und Fachwissen in diesem Bereich erworben. Sie sind in der Lage, ein breiteres Spektrum von Tischlerarbeiten auszuführen und können selbstständig an vielen Projekten arbeiten. 3.     Zimmerer-Meister (Столяр-мастер): Tischlermeister sind hochqualifizierte und erfahrene Tischler, die komplexe Tischlerprojekte durchführen können. Sie können auch über Fachwissen in bestimmten Bereichen des Tischlerhandwerks verfügen, z.B. im Möbelbau oder in der architektonischen Holzbearbeitung. 4.     Handwerksmeister (Мастер-класса): Die Stufe "Meister" stellt die höchste Stufe des Fachwissens im Tischlerhandwerk dar. Diese Personen verfügen über umfangreiche Erfahrung und werden oft als Experten auf ihrem Gebiet angesehen. Sie können für die Ausbildung und Betreuung anderer Zimmerleute verantwortlich sein. Es ist wichtig zu beachten, dass diese Kategorien nicht standardisiert sind und je nach Region oder Unternehmen variieren können. Darüber hinaus können die Fertigkeiten eines Zimmermanns ein breites Spektrum an Aufgaben umfassen, wie z. B. die Herstellung von Rahmen, die Endbearbeitung, die Herstellung von Möbeln und vieles mehr. Daher kann sich die spezifische Kategorisierung von Zimmerern je nach Spezialisierung und Anforderungen der Tätigkeit unterscheiden.

    Fyodor Lukyanov:

    Wissen Sie, wie man sie verbreitert?

    Vladimir Putin:

    Wenn nötig, werden wir sie vergrössern. Wenn dies unseren nationalen Interessen entspricht, werden wir auch hieran arbeiten.

    Lassen Sie uns nun über Japan sprechen. Sie sagten, Sie hätten 2018 eine Frage gestellt, aber nach dem Beginn der Kampfhandlungen in der Ukraine hat sich alles geändert. Die Kampfhandlungen in der Ukraine begannen 2014, nicht nach 2018, aber Japan zog es vor, dies nicht zu bemerken. Eine akutere Phase begann in der Tat 2022, aber die Kampfhandlungen selbst begannen 2014 mit [ukrainischen] Bombenangriffen und Panzerangriffen auf den Donbass   – damit fing alles an. Das habe ich in meiner Eröffnungsrede gesagt.

    Lassen Sie uns nun über unsere Beziehungen sprechen. Es waren nicht wir, die Sanktionen gegen Japan eingeführt oder dieses "Fenster" geschlossen haben, dieses Mal zu Asien. Das hat Japan getan. Wir haben nichts dergleichen getan.

    Wenn Sie der Meinung sind, dass es höchste Zeit ist, einen gewissen Dialog zu führen, und es für möglich halten, dass Japan eine Initiative ergreift   – es ist nie etwas Schlechtes, wenn es einen Dialog gibt.

    Sie haben mich gefragt, ob wir zu einer Antwort bereit sind? Wir sind es, wenn eine solche Initiative von der Partei ausgeht, die diese "Türen" oder dieses "Fenster" geschlossen hat. Wenn Sie der Meinung sind, dass die Zeit für uns gekommen ist, diesen "fortochka"-Riss zu öffnen   – bitte tun Sie es. Schließlich haben wir nie gesagt, dass wir dagegen sind. Tun Sie es.

    Fyodor Lukyanov:

    Aleksandar Rakovic.

    Aleksandar Rakovic:

    Sehr geehrter Herr Präsident, ich bin ein Historiker aus Belgrad, Serbien. Es ist mir eine große Ehre, hier zu sein, Sie zu sehen und mit Ihnen zu sprechen.

    Meine Frage bezieht sich auf Ihre Meinung zu den gegenwärtigen russisch-serbischen Beziehungen und der derzeitigen Position der Serben auf dem Balkan. Sind wir, Serben und Russen, Zielscheiben des politischen Westens, weil wir uns dem orthodoxen Christentum verschrieben haben?

    Herr Präsident, ich habe Ihnen zwei Bücher aus Belgrad mitgebracht. Bitte nehmen Sie sie für Ihre Bibliothek an. Ich werde sie nach der Sitzung Ihrem Protokoll übergeben. Ich danke Ihnen vielmals.

    Vladimir Putin:

    Ich danke Ihnen vielmals. Ich werde die Bücher auf jeden Fall mitnehmen. Ich danke Ihnen.

    Was die Frage betrifft, ob Russland und Serbien von bestimmten Kreisen im Westen ins Visier genommen werden, so ist das eine Tatsache. Es bedarf keiner besonderen Beweise, um dies zu untermauern; es ist eine kalte, harte Tatsache. Ehrlich gesagt, bin ich mir nicht sicher, warum Serbien ein Ziel ist.

    Es ist wie Anfang der 1990er Jahre   – nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion und in dem Glauben, dass sich die Zeiten geändert hätten   – war Russland bereit, fast jedes Opfer zu bringen, um gute Beziehungen zu den westlichen Nationen aufzubauen. Was bekamen wir im Gegenzug? Sie unterstützten den Separatismus und Terrorismus im Kaukasus direkt politisch, mit Informationen, finanziell und sogar militärisch. Ich war damals Direktor des FSB und habe die Entwicklung dieser Ereignisse mit Verwunderung verfolgt und mich gefragt, warum sie dies zu einem Zeitpunkt taten, als wir auf derselben Seite standen. Sie setzten diese Aktionen jedoch ohne zu zögern fort. Ehrlich gesagt habe ich bis heute kein klares Verständnis dafür.

    Ich glaube, dass dies auf einen Mangel an Bildung zurückzuführen ist, vielleicht auf ein Missverständnis globaler Trends und ein mangelndes Verständnis des russischen Wesens sowie auf die Unkenntnis darüber, wohin solche Aktionen führen könnten. Vielleicht wollten sie uns mit brutaler Gewalt zur Unterwerfung zwingen. Sanktionen sind in der Tat eine andere Form der Gewalt. Die Bereitschaft, Kompromisse zu suchen, scheint völlig zu fehlen. Bei den von mir erwähnten Sprüchen wie "Sie müssen", "Sie sind verpflichtet" oder "Wir warnen Sie" handelt es sich ebenfalls um die Anwendung von Gewalt oder den Versuch, Gewalt auszuüben. Es läuft alles auf das Gleiche hinaus.

    Was zunächst Jugoslawien und dann Serbien betrifft, stellt sich die Frage nach dem Warum. Auch Serbien schien zu Gesprächen über praktisch alle Fragen bereit zu sein. Aber sie haben sich dafür entschieden, immer mehr Druck auszuüben. Ich habe sie bei zahlreichen Gelegenheiten Sätze sagen hören wie "wir müssen sie unter Druck setzen, damit sie unsere Bedingungen akzeptieren" oder "das ist ein schwacher Punkt". Das ist ihre vorherrschende Philosophie. Warum haben sie sich entschieden, Serbien so zu behandeln? Ehrlich gesagt, ich habe keine Ahnung.

    Außerdem: In Zeiten, in denen ich offene Gespräche und gute Beziehungen zu einigen Führungskräften hatte, sagten sie mir, dass wir sie unter Druck setzen müssten, damit sie etwas Bestimmtes tun, worauf ich oft mit der Frage "Warum?" reagierte, aber nie eine Antwort erhielt. Es ist Teil ihrer Philosophie oder ihres Paradigmas: Probleme sollten mit Gewalt gelöst werden, um das gewünschte Ergebnis zu erzielen.

    Aber so sind die Serben mit ihrer Geschichte und Kultur nicht. Ich werde sogar etwas sagen, das vielleicht bedrohlich klingt: Es mag möglich sein, die Serben zu vernichten, aber sie zu irgendetwas zu zwingen oder sie zu unterwerfen ist nicht möglich. Bedauerlicherweise verstehen sie das auch nicht.

    Ich bin jedoch zuversichtlich, dass sie diese Komponente der europäischen und globalen Politik früher oder später begreifen werden. Sie werden endlich begreifen, dass es wichtig ist, konstruktive Gespräche zu führen und nicht zu versuchen, Gewalt auszuüben.

    Arvind Gupta:

    Herr Präsident, vielen Dank für Ihre Ausführungen, sie waren sehr informativ.

    Ich bin Arvind Gupta, Vivekananda International Foundation, Neu Delhi. Vielen Dank für Ihre positiven Äußerungen über Indien. Meine Frage an Sie bezieht sich auf die G20. Die G20-Erklärung wurde schließlich veröffentlicht, und ich denke, jeder hat das begrüßt. Der G20-Gipfel bezieht sich auch auf "Eine Erde, eine Familie und eine Zukunft", was meines Erachtens mit dem zivilisatorischen Ansatz zusammenhängt, über den Sie gesprochen haben. Genau wie die russische Zivilisation   – und Sie fördern den russischen zivilisatorischen Ansatz   – denke ich, dass auch Indien sich selbst als zivilisatorischen Staat bezeichnet und beschreibt. Ich denke, dass ein größerer Dialog zwischen den Zivilisationen notwendig ist. Anstatt den Weg des Aufeinandertreffens der Zivilisationen zu beschreiten, der früher in der westlichen Welt sehr beliebt war, sollte die Initiative meiner Meinung nach von Führungspersönlichkeiten wie Ihnen und Premierminister Modi ausgehen. Dies wird dazu beitragen, einen positiven Dialog zwischen den Zivilisationen in Gang zu setzen, der dazu beitragen könnte, die Grundsätze der internationalen Beziehungen, von denen Sie sprachen, zu konkretisieren.

    Meine Frage an Sie lautet also: Was halten Sie von der G20-Erklärung und wie sehen Sie die Zukunft der G20? Ich danke Ihnen.

    Vladimir Putin:

    Zunächst möchte ich bestätigen, was Sie über die indische und die russische Zivilisation gesagt haben: Das ist genau das, worüber ich in meinen einleitenden Bemerkungen gesprochen habe. Natürlich ist Indien eine alte Weltzivilisation, ein riesiges und mächtiges Land mit einem enormen Potenzial.

    Auch Russland ist eine eigenständige Zivilisation. Sehen Sie, in Russland leben über 190 Völker und ethnische Gruppen mit über 270 Sprachen und Dialekten. Das ist doch sicher eine Zivilisation, oder nicht? Auch Indien ist ein riesiges multikonfessionelles und multiethnisches Land. Wir müssen einen Dialog zwischen allen Zivilisationen führen   – wir sind nicht die einzigen Zivilisationen auf der Welt   – und ein Gleichgewicht der Interessen erreichen und Wege finden, dieses Gleichgewicht zu erhalten.

    Was die Arbeit der G20 anbelangt, so ist dies natürlich ein Erfolg der indischen Führung und von Premierminister Modi persönlich. Es war ein Erfolg, und der indischen Führung ist es gelungen, dieses Gleichgewicht zu finden und zu erreichen, auch in der Erklärung. Es gibt geschlossene Verbände, die nicht sehr aussichtsreich sind, und das Gleichgewicht ist im Wandel.

    Aber worauf führe ich den Erfolg des G20-Gipfels in Indien zurück? Darauf, dass es dem Premierminister gelungen ist, die Beschlüsse der G20 zu entpolitisieren; und das ist der einzig richtige Ansatz, denn die G20 wurde seinerzeit als Plattform zur Erörterung wirtschaftlicher und nicht politischer Fragen geschaffen. Die Politisierung der G20 ist ein sicherer Weg zu ihrer Selbstzerstörung, und die indische Führung hat es geschafft, dies zu vermeiden, was sicherlich ein Erfolg ist.

    Die Tatsache, dass einige geschlossene Verbände fehlerhaft sind, lässt sich meiner Meinung nach nur schwer widerlegen, denn die Machtverhältnisse ändern sich. Sehen Sie, noch vor kurzem haben alle mit Spannung verfolgt, was auf dem G7-Treffen passieren würde: Die größten Volkswirtschaften der Welt kamen zusammen; was würden sie dort beschließen, welche Folgen würde es für die Weltwirtschaft haben?

    Schon vor der Erweiterung machten die BRICS-Volkswirtschaften mehr als 51 Prozent des globalen BIP aus. Die G7-Länder waren also kleiner. Und jetzt, nach der Aufnahme weiterer Mitglieder in die BRICS, ist die Größe der Volkswirtschaften der BRICS-Mitgliedsländer sogar größer als die der G7-Mitglieder, so dass das tatsächliche Gleichgewicht der Kräfte und Potenziale sehr wichtig ist.

    In diesem Sinne sind offene Plattformen immer besser, immer vielversprechender und immer wertvoller, weil sie Bedingungen schaffen, um nach Kompromissen und für beide Seiten akzeptablen Lösungen zu suchen. Aber wenn wir über die Ergebnisse der Arbeit der G20 sprechen, möchte ich meine Antwort auf Ihre Frage zum Schluss hier wiederholen: Das ist natürlich der Erfolg von Premierminister Modi.

    Fyodor Lukyanov:

    Herr Präsident, Sie haben weder am BRICS- noch am G20-Gipfel teilgenommen. Fühlen Sie sich nicht ein wenig wie ein "Lishenets", eine Person, die ihrer Rechte beraubt ist und nicht reisen kann, wohin sie will?

    Vladimir Putin:

    Ein Lishenets war in den ersten Jahren der Sowjetmacht eine entrechtete Person, der bestimmte Sozialleistungen vorenthalten wurden, nicht wahr? Wir brauchen keine sozialen Vergünstigungen. Wir sind ein autarker Staat und gehen diesen Weg.

    Fyodor Lukyanov:

    Einige wurden auch ihrer Bürgerrechte beraubt.

    Vladimir Putin:

    Ja, das ist richtig. Und wir verteidigen unsere Rechte und ich bin sicher, dass wir sie schützen werden. Das ist der erste Punkt.

    Zweitens: Warum sollte ich unseren Freunden, die diese Veranstaltungen ausrichten, Probleme bereiten? Wir sind erwachsen und verstehen: Wenn ich teilnehme, kann das zu politischen Ausbrüchen und Spektakeln führen, um die Veranstaltung zu sabotieren. Warum sollte ich also teilnehmen?

    Wir sind daran interessiert, dass die BRICS-Veranstaltung reibungslos verläuft und zu Ergebnissen führt. Wir wollen, dass der G20-Gipfel auf einem angemessenen Niveau stattfindet. Die Veranstaltungen sind erfolgreich verlaufen, und wir sind zufrieden.

    Schließlich habe ich zu Hause auch viel zu tun.

    Fyodor Lukyanov:

    Heißt das, dass Sie sich nicht durch den südafrikanischen Präsidenten beleidigt fühlen?

    Vladimir Putin:

    Ganz und gar nicht. Er ist unser Freund.

    Fyodor Lukyanov:

    Und war er beleidigt?

    Vladimir Putin:

    Beleidigt durch was? Nein, wir hatten eine Vereinbarung. Er hat Russland zweimal besucht. Wir haben uns getroffen und ein langes Gespräch geführt. Es gibt keine Probleme. Ich glaube, er war ein brillanter Gastgeber des BRICS-Gipfels. Ehrlich gesagt hätte ich nicht einmal erwartet, dass er ein solcher Meister der Diplomatie sein würde. Die Ausweitung der BRICS war keine leichte Aufgabe, aber er hat sie gut gemeistert. Er lenkte das Gespräch mehrmals so höflich und taktvoll auf das gleiche Thema zurück, bis ein Konsens erzielt wurde. Das ist ein positives Ergebnis und wir begrüßen es.

    Fyodor Lukyanov:

    Sie werden im nächsten Jahr der Gastgeber sein. Wissen Sie schon, welche Länder teilnehmen werden?

    Vladimir Putin:

    Nächstes Jahr wird Russland den Vorsitz der BRICS übernehmen. Natürlich werden wir unser Bestes tun, um die Nachfolge Südafrikas anzutreten. Es wird das erste Gipfeltreffen nach der Aufnahme neuer Mitglieder in die BRICS sein. Wir haben 200 Veranstaltungen zum Thema BRICS geplant. Ich bin sicher, dass wir im Laufe des Jahres umfangreiche positive Anstrengungen unternehmen werden, um die Organisation zu stärken, die immer mehr an Macht und Autorität gewinnt   – und das wird sicherlich den Mitgliedern und der gesamten internationalen Gemeinschaft zugutekommen.

    BRICS wurde eigentlich in Russland ins Leben gerufen. Ich möchte Sie daran erinnern, wie es dazu kam. Zunächst schlugen wir vor, ein Drei-Parteien-Forum für Russland, Indien und China einzurichten. Wir kamen überein, regelmäßige Treffen abzuhalten. So entstand das RIC, das für Russland, Indien und China steht. Dann bekundete Brasilien sein Interesse, sich diesen Diskussionen anzuschließen. Und wir wurden zu BRIC. Als nächstes kam Südafrika, also BRICS.

    Jetzt sind wir an einem Punkt angelangt, an dem wir bereit sind, die Zahl der Mitglieder zu erweitern   – und das haben wir auch getan. Meiner Meinung nach ist diese Tatsache sehr wichtig und zeigt, dass unsere Autorität wächst und vor allem, dass die Länder einem Format beitreten wollen, das keine Verpflichtungen auferlegt, sondern einfach die Bedingungen für Kompromisse und die Behandlung von Themen schafft, die für alle teilnehmenden Länder von Interesse sind. Wir freuen uns darüber und glauben, dass es sich um einen positiven Prozess handelt.

    Fyodor Lukyanov:

    Werden wir Algerien aufnehmen?

    Vladimir Putin:

    Algerien ist unser Freund und sicherlich unser langjähriger Freund in der arabischen Welt und in Nordafrika. Wir glauben, dass dies für die Organisation von Vorteil sein wird, aber natürlich müssen wir dies mit all unseren Freunden innerhalb der BRICS besprechen und gleichzeitig mit der algerischen Führung in Kontakt bleiben. Wir werden dies in geordneter Weise tun, ohne der Organisation Probleme zu bereiten, sondern nur zusätzliche Wege für die gemeinsame Entwicklung schaffen.

    Fyodor Lukyanov:

    Danke. Dayan Jayatilleka.

    Dayan Jayatilleka:

    Danke.

    Herr Präsident, ich bin Dayan Jayatilleka, ehemaliger Botschafter von Sri Lanka in der Russischen Föderation.

    Der westliche Block hat beschlossen, die Ukraine mit Langstreckenraketen mit Streumunition und Sprengköpfen auszurüsten, die Ziele ziemlich tief in Russland treffen können. Außerdem hat er beschlossen, F-16-Kampfflugzeuge zu liefern.

    Es ist also offensichtlich, dass Sie es mit einem vom Imperialismus geführten Krieg zu tun haben, einem Stellvertreterkrieg, der, wie Sie sagten, auch nationalsozialistische Elemente enthält.

    Historisch gesehen, Herr Präsident, wurde der Imperialismus auf dem Schlachtfeld von den chinesischen Kommunisten, den nordkoreanischen Kommunisten und den vietnamesischen Kommunisten bekämpft, die die Vereinigten Staaten tatsächlich besiegt haben.

    Was den Imperialismus betrifft, so stammen die besten und bekanntesten Kritiken von Lenin, dem Führer der russischen kommunistischen Tradition.

    Meine Frage ist also die folgende: Ist es angesichts dieser Herausforderung, dieser Bedrohung durch diese Kräfte nicht an der Zeit, das Jahr 1917 neu zu bewerten, denn die Chinesen, die Vietnamesen und die Nordkoreaner, sie alle sind Kinder von 1917, die den Imperialismus bekämpft und besiegt haben.

    Ist es nicht an der Zeit, das Jahr 1917 neu zu bewerten und vielleicht das gleiche Verhältnis zu ihm zu haben wie die Vereinigten Staaten zu ihrer Revolution von 1776, Frankreich zu 1789 und der französischen Revolution und die Chinesen zu 1949 und der chinesischen Revolution? Dies ist meine Frage, Herr Präsident.

    Ich danke Ihnen.

    Vladimir Putin:

    Entschuldigung, aber könnten Sie bitte präzisieren, was genau überprüft werden müsste? Und wer soll was überprüfen   – Sie stellen eine so schwierige Frage   – seit 1917?

    Fyodor Lukyanov:

    Wenn ich richtig verstanden habe, fragt unser Kollege, ob es nicht an der Zeit ist, die Revolution, die Kommunisten und diese Periode unserer Geschichte in einem positiveren Licht zu betrachten.

    Vladimir Putin:

    Die Sichtweise auf die Zeit von 1917 zu überdenken?

    Fyodor Lukyanov:

    1917 und danach. Entschuldigen Sie die Interpretation, aber so habe ich es verstanden, ja.

    Vladimir Putin:

    Warum interpretieren, wenn die Person, die die Frage gestellt hat, hier ist?

    Dayan Jayatilleka:

    Wenn ich ganz kurz erklären darf, was ich damit sagen will: Da wir vom Imperialismus und von Elementen des Faschismus angegriffen werden und diese in der Geschichte von den Kommunisten in China und Nordkorea und Vietnam bekämpft und besiegt wurden, und da der beste Text über den Imperialismus von Lenin geschrieben wurde, ist es dann vielleicht der richtige Zeitpunkt, 1917 weniger kritisch zu sehen und ihm wieder einen historischen Status zu geben, wie der Französischen Revolution, der Amerikanischen Revolution und der Chinesischen Revolution?

    Vladimir Putin:

    Weniger Kritik an den Ereignissen jener Jahre, auch in Russland selbst, wie ich es verstehe?

    Ja, Sie haben Recht. Sie haben insofern Recht, als dass wir weniger Kritik üben und uns mehr mit einer tiefgreifenden   – in diesem Fall sogar wissenschaftlichen   – Analyse dessen befassen müssen, was damals geschah und was heute geschieht. Ja, Sie haben Recht.

    Das Einzige, was Sie tun müssen, ist, gründliche Bewertungen vorzunehmen, auch in Bezug auf die Ideologisierung. Ich werde jetzt meine eigene Meinung darlegen; jeder der hier Anwesenden kann sich mit ihr auseinandersetzen. Es ist auch notwendig, die Ideologisierung der zwischenstaatlichen Beziehungen und der geopolitischen Interessen richtig zu bewerten. Wir hatten nur den Beziehungen zwischen den Klassen, den Beziehungen im Rahmen des so genannten Klassenkampfes, eine Bedeutung beigemessen: Selbst nach den Ereignissen von 1991, nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion, befanden wir uns noch im Paradigma der Klassenbeziehungen und der ideologischen Beziehungen und haben nicht bemerkt, dass es rein geopolitische Interessen gab.

    Nehmen wir die Beziehungen zwischen dem Westen und der Volksrepublik China. Es gab eine Zeit, in der man versuchte   – und das nicht ohne Erfolg   – China gegen die Sowjetunion und Russland auszuspielen, weil China das schwächste Land war, es war nicht furchterregend. Jetzt, da China zu wachsen begonnen hat, unter der Führung der Kommunistischen Partei und des heutigen Präsidenten Xi Jinping, nimmt seine Macht fast täglich zu, es ist jetzt anders, es kommt zurecht. Und damals, als sie versuchten, China zu benutzen, vergaßen sie alle ideologischen Unterschiede, aber jetzt werden sie wiederbelebt.

    Aber im Grunde genommen basiert die US-Politik gegenüber China auf geopolitischen Ängsten. Die wachsende Macht Chinas ist es, die ihnen Angst macht, und nicht die Tatsache, dass dort die Menschenrechte oder die Rechte ethnischer Minderheiten verletzt würden. Beunruhigt das wirklich jemanden? Nein, es ist nur ein Mittel, um China zu bekämpfen, das ist alles. Das Gleiche gilt für Russland.

    Aber generell, global, ja, wir müssen allgemeine, tiefer gehende Bewertungen abgeben. Auf jeden Fall stimme ich Ihnen zu, dass es undifferenziert ist, alles, was unter der Führung der damaligen kommunistischen Parteien geschah, in den "Mülleimer der Geschichte" zu werfen, von dem Sie natürlich sprachen; dies alles ohne Unterscheidung über einen Kamm zu scheren, ist unangemessen und sogar schädlich. In diesem Sinne stimme ich mit Ihnen überein.

    Fyodor Lukyanov:

    Da wir gerade über China sprechen: Herr Liu Gang, bitte.

    Liu Gang:

    Herr Präsident, ich bin vom Xinhua-Institut, China.

    Während des diesjährigen Valdai-Treffens konzentriert sich das Forum auf die BRICS-Mechanismen, die sehr inspirierend sind. Wir beobachten auch, dass der Globale Süden, nachdem die Vereinigten Staaten und einige westliche Länder ihre Sanktionen gegen Russland verschärft haben, nicht nachgezogen hat und strategische Unabhängigkeit bewiesen hat.

    Auf dem BRICS-Gipfel im August dieses Jahres wurden sechs Länder neue Mitglieder der BRICS, was bedeutet, dass der globale Süden an einem neuen historischen Punkt der Zusammenarbeit steht.

    China und Russland sind wichtige Schwellenländer. Was können unsere beiden Länder tun, um die Zusammenarbeit innerhalb des Globalen Südens zu verbessern? Welches sind die Schlüsselbereiche, die in dieser Hinsicht gestärkt werden müssen und gegen die die Vereinigten Staaten und einige westliche Länder immer mehr Sanktionen verhängen? Was muss Russland noch tun, um diese Herausforderung zu bewältigen?

    Ich danke Ihnen vielmals.

    Vladimir Putin:

    Heute ist die Zusammenarbeit zwischen Russland und der Volksrepublik China natürlich ein sehr wichtiger Faktor zur Stabilisierung der internationalen Angelegenheiten. Das ist das Erste.

    Zweitens: Damit dieser Einfluss wächst, müssen wir zunächst darauf achten, das Tempo unseres Wirtschaftswachstums beizubehalten. Das Wirtschaftswachstum in Russland wird in diesem Jahr   – ich weiß nicht mehr, ob ich es gesagt habe oder nicht, aber ich habe einige Aspekte angesprochen, und wenn ich es getan habe, werde ich es wiederholen   – irgendwo bei 2,8, vielleicht drei Prozent liegen; ich bin vorsichtig, wie ich es sage, aber näher an drei Prozent. Für unsere Wirtschaft, für die Wirtschaftsstruktur, die Russland hat, ist das ein gutes Ergebnis. Wir haben den Rückgang des letzten Jahres vollständig überwunden und nehmen jetzt wieder Fahrt auf.

    In China wird das Wachstum, soweit ich weiß, 6,4 Prozent betragen: das ist eine sehr gute Zahl. Egal, was irgendjemand über die Verlangsamung des Wachstums der chinesischen Wirtschaft sagt, es ist alles nur Geschwätz, denn China sorgt für diese hohen Raten und ist in der Tat ein führender Motor der Weltwirtschaft. Das Gleiche geschieht in Indien: Das Wachstum ist dort sogar noch höher: 7,6 Prozent, glaube ich. Die Länder des globalen Südens gewinnen also an Schwung, und unsere Aufgabe ist es, diese Führungsrolle zu sichern. Das ist der erste Punkt.

    Das zweite ist der Bereich der Sicherheit. Wir können sehen, was in Europa geschieht. Wir können sehen, dass die Krise in der Ukraine unter anderem durch den unbändigen Wunsch der westlichen Länder, insbesondere der Vereinigten Staaten, die NATO bis an die Grenzen der Russischen Föderation auszuweiten, provoziert und ausgelöst wurde. Sie tun dasselbe im Osten, indem sie verschiedene geschlossene militärische Gruppen schaffen. Sie treten damit in dieselbe Kerbe wie in Europa. Deshalb ist es wichtig, dass wir rechtzeitig darauf reagieren.

    Wir werden unsere Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Sicherheit ausbauen. Gleichzeitig bilden wir keine Blöcke gegen irgendjemanden, aber wir sind gezwungen, auf das zu reagieren, was um unsere Staaten herum geschieht.

    Natürlich werden wir die Pläne zur Entwicklung der Infrastruktur im Zusammenhang mit dem Aufbau von Greater Eurasia und der Eurasischen Wirtschaftsunion sowie die Pläne unserer chinesischen Freunde zur Entwicklung der Belt and Road Initiative von Präsident Xi umsetzen. Wie ich bereits sagte, finde ich das sehr vielversprechend.

    Und schließlich ist eine umfangreiche Zusammenarbeit im Bereich der zwischenmenschlichen Beziehungen geplant: Kultur, Studentenaustausch und Sport. Dies ist für die Nachbarländer sehr wichtig.

    Wir führen bereits ziemlich große Infrastrukturprojekte auf bilateraler Basis durch und werden dies auch weiterhin tun. Ich hoffe, dass wir all dies in naher Zukunft bei meinem Treffen mit Präsident Xi Jinping im Rahmen des Forums, das der Präsident im Oktober in Peking veranstaltet, besprechen werden.

    Fyodor Lukyanov:

    Mikhail Rostovsky.

    Mikhail Rostovsky:

    Herr Präsident, der mögliche Beitritt der Ukraine zur NATO ist für Russland absolut inakzeptabel. Aber soweit ich mich an Ihre früheren Äußerungen zum Beitritt der Ukraine zur Europäischen Union erinnere, waren Sie weit weniger negativ gestimmt.

    Haben Sie Ihren Standpunkt im Laufe des letzten Jahres geändert? Wird Russland den Beitritt der Ukraine zur Europäischen Union ablehnen? Halten Sie diesen Beitritt prinzipiell für möglich?

    Wladimir Putin:

    Wir haben nie Einwände gegen die Pläne der Ukraine, der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft beizutreten, erhoben oder eine negative Haltung dazu geäußert   – niemals.

    Was die NATO anbelangt, so waren wir immer dagegen, und diese Position beruht auf eindeutigen und ernsthaften Gründen, denn die Ausdehnung der NATO bis an unsere Grenzen bedroht unsere Sicherheit. Dies stellt eine massive Herausforderung für die Sicherheit der Russischen Föderation dar. Sie ist ja nicht nur ein politischer Block, sondern ein militärischer und politischer Block, und das Heranrücken ihrer Infrastruktur ist für uns mit einer großen Gefahr verbunden.

    Was die wirtschaftliche Zusammenarbeit oder die Wirtschaftsunionen anderer Länder betrifft, so sehen wir keine militärische Bedrohung für uns und sind daher der Meinung, dass wir nicht einmal das Recht haben, dieses Thema zu diskutieren. Diese Angelegenheit betrifft nur die Ukraine und die europäischen Staaten.

    Präsident Janukowitsch hat seinerzeit   – ohne übrigens auf die Assoziierung mit der EU zu verzichten   – nur gesagt, dass man diese Fragen genauer untersuchen müsse, weil die Bedingungen des Assoziierungsabkommens mit der EU seiner Meinung nach bestimmte schwerwiegende Bedrohungen für die ukrainische Wirtschaft beinhalteten. Und in der Tat, wenn man sich den Text dieses Assoziierungsabkommens genau ansieht, hatte er absolut Recht.

    Das Abkommen sah die Öffnung der Grenzen und die Schaffung absolut inakzeptabler Bedingungen für das Funktionieren der ukrainischen Wirtschaft und des realen Wirtschaftssektors vor. Die europäischen Waren sind wettbewerbsfähiger. Die Öffnung des ukrainischen Marktes für diese Waren war eine Katastrophe für die ukrainische Realwirtschaft. Durch die Einbindung der Ukraine in die Energiestrukturen der EU wurden der Ukraine auch bestimmte Vorteile genommen. Wenn man also einfach nur analysiert   – und zwar ganz unvoreingenommen   – hatte Janukowitsch recht. Aber das wurde als Vorwand für einen Staatsstreich benutzt. Das ist absolut unsinnig, ich weiß nicht, nur ein Vorwand... Das ist ein echtes Verbrechen!

    Aber heute ist das nicht mehr relevant, denn im Großen und Ganzen kann die ukrainische Wirtschaft nicht ohne externe Infusionen existieren. Heute ist alles anders. Heute ist dort im Allgemeinen alles ausgeglichen   – auf den ersten Blick; auch in der Ukraine ist der Haushalt ausgeglichen und die makroökonomischen Indikatoren sind mehr oder weniger angepasst. Aber zu welchem Preis? Um den Preis von monatlichen milliardenschweren Finanzspritzen.

    Die Ukraine erhält jeden Monat vier oder fünf Milliarden Dollar über verschiedene Kanäle   – Darlehen, Zuschüsse usw. Wenn man diese Finanzierung stoppt, ist das das Ende   – in einer Woche bricht alles zusammen. Ende! Dasselbe gilt für das Verteidigungssystem: Stellen Sie sich vor, die [Waffen-]Lieferungen würden morgen eingestellt   – es bliebe nur noch eine Woche, bis die gesamte Munition aufgebraucht wäre.

    Aber auch der Westen hat seine eigenen Munitionsvorräte fast aufgebraucht. Wie ich bereits sagte, produzieren die Vereinigten Staaten 14.000 155-mm-Granaten pro Monat, während die Ukraine bis zu 5.000 solcher Granaten pro Tag abfeuert. Vergleichen Sie einfach: 14.000 pro Monat und 5.000 pro Tag. Sehen Sie, wovon ich spreche? Ja, sie versuchen, die Produktion bis Ende nächsten Jahres auf 75.000 [Granaten pro Monat] zu erhöhen. Aber bis dahin ist es noch ein weiter Weg.

    Europa befindet sich in einer ähnlichen Situation, wie sie selbst sagen. Sie sagten, sie hätten alles geliefert   – Panzer, Munition, alles Mögliche. "Wir haben alles für die Ukraine getan." Das haben sie selbst in der Öffentlichkeit gesagt (das ist nicht meine Erfindung): "Wir haben alles dafür getan, und jetzt muss die Ukraine ihren Teil tun   – sollen sie doch in die Gegenoffensive gehen." Und dann fügen sie hinter den Kulissen hinzu: "Um jeden Preis!" Glauben Sie mir, ich weiß, wovon ich spreche. Und so tun sie es, oder besser gesagt, sie versuchen es   – um jeden Preis.

    Hier geht es um die Entmilitarisierung der Ukraine. Sie versucht immer noch, etwas zu produzieren, aber sie kann nur wenig tun. Selbst die Drohnen, sowohl in der Luft als auch auf dem Wasser, werden von westlichen Beratern und Vermittlern eingesetzt.

    Ist die EU bereit, diese Wirtschaft in ihren Schoß aufzunehmen? Viel Glück dabei! Aber die Lebensfähigkeit einer Bevölkerung aufrechtzuerhalten, die von 41 Millionen zu Beginn der postsowjetischen Periode auf heute 19,5 Millionen oder sogar noch weniger geschrumpft ist... Trotzdem muss man diese 19 Millionen Menschen ernähren, und das ist nicht so einfach. Sind die europäischen Länder bereit, diese Wirtschaft zu übernehmen? Sollen sie es doch tun. Wir haben uns nie dagegen gewehrt   – weder vor der Verschärfung der Krise noch jetzt.

    Aber ich habe Ihnen bereits gesagt, was in der europäischen Wirtschaft vor sich geht. Es wäre sehr nobel von ihnen, die ukrainische Wirtschaft in ihrem derzeitigen Zustand aufzugreifen. Sie haben bestimmte Grundlagen und Verfahren, um das Niveau der wirtschaftlichen Entwicklung auszugleichen. Kürzlich sprach ein Kollege aus Ungarn; ich weiß nicht, wie viel Ungarn von diesen Fonds erhält. Natürlich nichts, weil alles in die Ukraine fließt und die Mittel nicht ausreichen werden. Niemand wird etwas erhalten, niemand.

    Wenn das Wohlstandsniveau in den letzten Jahren um 1,5 Prozent gesunken ist, wird es nicht nur auf Null sinken, sondern sogar noch niedriger. Dennoch, und ich will nicht sarkastisch sprechen oder übertreiben, aber das ist die Realität: Wenn das passiert, werden wir uns nicht in der Lage fühlen, dem entgegenzuwirken oder gar negativ über dieses Thema zu sprechen.

    Fyodor Lukyanov:

    Herr Präsident, gibt es noch eine Grenze zwischen der NATO und der EU? Es sind dieselben Länder.

    Vladimir Putin:

    Ich glaube nicht, dass die EU ein Militärblock ist. Und warum sollten sie all das in die EU verlagern, wenn es die NATO gibt, wie Sie sagten, sind das dieselben Länder. Sie treffen die relevanten Entscheidungen innerhalb dieser Organisation.

    In der Tat ist die NATO vor allem ein Instrument der US-Außenpolitik. Sie haben die akute Phase des Konflikts in der Ukraine provoziert, ihre Verbündeten und Satellitenstaaten um sich geschart und von ihnen Maßnahmen gegen Russland gefordert. Diese Länder gehorchten, und die Vereinigten Staaten nutzten die wirtschaftliche Situation sofort aus und zwangen ihnen ihre teure Energie auf und trafen dann Entscheidungen zur Verbesserung der Attraktivität ihrer Wirtschaft und ihrer Märkte. Und was nun? Tatsache ist, dass viele Industrieanlagen in Europa und Deutschland beschlossen haben, in die USA zu ziehen. Das ist das Endergebnis dieser Kette von Maßnahmen.

    Ich weiß und bin mir sicher, dass dies vielen in Europa nicht gefällt. Alle sehen und verstehen die Situation, aber sie können nichts dagegen tun. Und die gegenwärtigen europäischen Eliten, so scheint es, sind nicht bereit, für ihre Interessen zu kämpfen. Sie können nicht, sie sind nicht bereit, weil die wirtschaftliche Abhängigkeit zu groß ist. Man kann sie in gewisser Weise verstehen.

    Ich bin sicher, dass sich alles allmählich einpendeln wird. Die USA begehen meiner Meinung nach einen kolossalen strategischen Fehler. Ich habe bei verschiedenen öffentlichen Veranstaltungen gesagt, dass sie ihre Verbündeten unter Druck setzen, und dann kommen Fragen auf, wie bei meinem Kollegen aus Deutschland: Die AfD, die Alternative für Deutschland, erhebt ihren Kopf. Nun, natürlich wird sie das, denn niemand aus der herrschenden Klasse wird für die Interessen Deutschlands kämpfen, und deshalb geschieht es. Versteht ihr das nicht, oder was? Es ist so offensichtlich.

    Warten wir ab, wie sich die Situation entwickeln wird. Die Ukrainer wollen der EU beitreten, also lasst sie; die Europäer sind bereit, sie aufzunehmen, also lasst sie das tun.

    Fyodor Lukyanov:

    Vorgestern wurde der Tag der Deutschen Einheit begangen, und ich habe in einer Zeitung gelesen, dass es ein großes Problem gab, als Gerhard Schröder zu der Festveranstaltung kam und alle amtierenden Politiker versuchten, nicht neben ihm zu stehen, weil er mit Ihnen befreundet ist. Übrigens, haben Sie noch Freunde in Deutschland?

    Vladimir Putin:

    Wissen Sie, es geht nicht darum, ob ich noch Freunde in Deutschland habe, obwohl ich dort Freunde habe, und zwar immer mehr, auch wenn es vielleicht seltsam erscheint. (Beifall).

    Fyodor Lukyanov:

    Wegen der Leute, von denen Stefan sprach, oder?

    Vladimir Putin:

    Das spielt keine Rolle. Vor allem wegen derjenigen, die den Interessen ihres eigenen Volkes dienen und nicht den Interessen anderer dienen wollen.

    Was Herrn Schröder betrifft, so sollte Deutschland stolz darauf sein, Menschen wie ihn zu haben. Er ist ein wahrer Sohn seines Volkes, denn er stellt die Interessen des deutschen Volkes in den Vordergrund. Ich versichere Ihnen, dass er bei jeder Entscheidung und bei jeder Diskussion mit ihm immer die Interessen der deutschen Wirtschaft und des deutschen Staates in den Vordergrund gestellt hat.

    Und was geschieht jetzt? Es war in der Tat mit Herrn Schröder, dass wir Nord Stream 1 gebaut haben und praktisch mit dem Bau von Nord Stream 2 begonnen haben. Wir haben das mit ihm begonnen. Sie haben also diese Infrastruktursysteme in die Luft gejagt, und wo ist die deutsche Wirtschaft jetzt? Wo ist sie? Diejenigen, die jetzt versuchen, von ihm wegzukommen, sollten sich also überlegen, was er im Interesse seines Volkes getan hat und was sie heute tun und welche Ergebnisse sie erzielt haben.

    Fyodor Lukyanov:

    Rakhim Oshakbayev.

    Vladmir Putin:

    Entschuldigen Sie. Wissen Sie, was mich überrascht? Ich will Ihnen ehrlich sagen, dass ich überrascht bin, dass es solche Leute und solche Politiker [wie Gerhard Schröder] noch in Europa gibt, dass es solche Leute noch gibt. Das ist es, was mich überrascht, ich bin jetzt ehrlich, denn die Generation der Menschen, die in der Lage waren, ihre nationalen Interessen zu verteidigen, scheint irgendwo verschwunden zu sein.

    Rakhim Oshakbayev:

    Guten Abend.

    Es gab viele Diskussionen hier im Valdai-Club, in denen die Unzulänglichkeit und Ungerechtigkeit des internationalen Währungs- und Wirtschaftssystems, wie z.B. der globalen Finanzen und der Weltwirtschaft, erklärt wurden. Viele Experten setzen große Hoffnungen auf BRICS+.

    Könnten Sie uns mitteilen, was Ihrer Meinung nach erreicht werden muss und vor allem, wie die Struktur des globalen monetären Wirtschaftssystems aussehen könnte? Welche Diskussionen führen Sie innerhalb der BRICS? Und über die einheitliche Währung.

    Ich danke Ihnen.

    Vladimir Putin:

    Was das globale Finanzsystem anbelangt, so ist es natürlich nicht ideal, nicht ausgewogen und entspricht nicht den Interessen der meisten Teilnehmer der internationalen Gemeinschaft.

    Sehen Sie, ich habe bereits darüber gesprochen und ich werde es wiederholen: Auf dem Russland-Afrika-Gipfel haben unsere afrikanischen Kollegen und Freunde gesagt, dass die Kreditlast der afrikanischen Staaten über eine Billion US-Dollar beträgt. Es ist unmöglich, diese Schulden zurückzuzahlen, das wird niemals möglich sein.

    Was für ein globales Finanzsystem könnte also eine solche Situation schaffen? Es ist eine Art von Abgaben. Es handelt sich nicht nur um Kredite, sondern um etwas, was über normale finanzielle und wirtschaftliche Beziehungen hinausgeht. Und das heutige Finanzsystem hat diese Situation hervorgebracht. Deshalb sagte ich damals scherzhaft, dass nur Feiglinge ihre Schulden zurückzahlen. Ich habe die Zuhörer gewarnt, dass es ein Scherz war.

    Aber es ist nicht normal, wenn eine solche Situation eintritt, und es muss sich etwas ändern. Das Bretton-Woods-System wurde auf der Grundlage des Dollars geschaffen, aber es bricht allmählich zusammen. Denn eine Währung ist ein Derivat der Wirtschaft des Landes, das diese Währung ausgibt.

    Der Anteil der amerikanischen Wirtschaft am globalen BIP schrumpft, was auch eine offensichtliche Sache ist, reine Statistik. Der Anteil der BRICS-Länder, über die ich auch schon gesprochen habe, steigt, gemessen an der Kaufkraftparität, im Verhältnis zu dem der G7-Länder, insbesondere nach der Aufnahme neuer Mitglieder. Dies ist ein ziemlich großer Unterschied.

    Ja, die Volkswirtschaften der Vereinigten Staaten und der Eurozone sind auf modernen Technologien aufgebaut, und ihr Pro-Kopf-Einkommen ist viel höher als das der Entwicklungsländer. Aber wie sieht der Trend dort aus? Ihre Volkswirtschaften befinden sich in der Rezession und weisen negative Ergebnisse auf, während das Wachstum in den BRICS-Ländern beeindruckend ist, selbst nach den Angriffen auf die russische Wirtschaft. Es scheint, dass sie mit dem Zusammenbruch unseres Landes, der Zerstörung unserer Wirtschaft und der Zerstörung Russlands gerechnet haben.

    Wir haben nicht nur alle Härten des vergangenen Jahres überwunden, sondern auch positive Ergebnisse erzielt: Unser Wirtschaftswachstum liegt bei fast 3 Prozent, die Arbeitslosigkeit bei 3 Prozent, und die Verschuldung schrumpft   – wir haben unsere Auslandsverschuldung deutlich reduziert. Alle unsere Unternehmen sind in der Lage, ihre Schulden vollständig zu bedienen. Ja, es gibt noch einige Probleme, wie z.B. uneinbringliche Einnahmen und die Schwächung der Landeswährung. Wir sehen das. Sowohl die Zentralbank als auch die Regierung reagieren auf diese Entwicklungen. Ich bin sicher, dass die Maßnahmen, die sie ergreifen, richtig sind, und dass die Ergebnisse positiv sein werden.

    Aber was die BRICS betrifft, so müssen wir nicht nur eine gemeinsame Währung schaffen, sondern auch ein Abwicklungssystem aufbauen und eine Finanzlogistik schaffen, um die Abwicklungen zwischen unseren Staaten zu ermöglichen. Wir müssen auch zu Abrechnungen in unseren nationalen Währungen übergehen und sie im Auge behalten, um zu verstehen, was tatsächlich mit ihnen geschieht, während wir die makroökonomischen Indizes unserer Volkswirtschaften, Wechselkursunterschiede und Inflationsprozesse berücksichtigen. Das ist keine einfache Situation, aber man kann sie bewältigen, und das müssen wir auch tun.

    Gestern haben wir mit unseren Experten darüber gesprochen, auch über die Möglichkeit der Schaffung einer einheitlichen BRICS-Währung. Theoretisch gesehen ist das möglich. Aber um mit der Arbeit daran zu beginnen, müssen wir eine gewisse Parität in der Entwicklung der Volkswirtschaften der Mitgliedsstaaten erreichen, was eine sehr ferne Perspektive ist.

    Wie mir meine Kollegen erzählten, hat die Eurozone im Laufe der Zeit den Übergang zur gemeinsamen Währung, dem Euro, vollzogen, ohne darüber nachzudenken, wie er in Ländern mit einem anderen wirtschaftlichen Entwicklungsstand funktionieren würde, und es traten Probleme auf. Warum sollten wir denselben Fehler begehen? Dieses Thema steht nicht einmal auf der Tagesordnung. Aber wir sollten und werden daran arbeiten, das gesamte Finanzsystem zu verbessern, sowohl die globalen Finanzen als auch die Finanzbeziehungen innerhalb der BRICS.

    Fyodor Lukyanov:

    Herr Präsident, wir arbeiten nun schon seit drei Stunden. Haben Sie noch nicht genug von uns?

    Vladimir Putin:

    How could I say such a thing?

    Fyodor Lukyanov:

    Aha, ich verstehe. Das ist die richtige Antwort.

    Vladimir Putin:

    Aber wir sollten wahrscheinlich abschließen.

    Fyodor Lukyanov:

    In Ordnung, wir werden bald zum Schluss kommen. Herr de Gaulle.

    Pierre de Gaulle:

    Herr Präsident, ich bin Pierre de Gaulle. Ich bin der Vorsitzende des Mouvement International Russophile (MIR) France & Francophonie.

    Und ich bin ein wahrer Freund Ihres Landes, denn meine Familie kämpft für die französisch-russische Freundschaft, und wir haben immer mehr Menschen in Frankreich und Europa, die den gleichen Glauben und den gleichen Willen haben. Wie Sie wissen, war die Freundschaft und Partnerschaft zwischen Frankreich und Russland eine der Säulen der Politik meines Großvaters. Und ich möchte das Frankreich meines Großvaters wieder aufbauen und wiederherstellen, das Frankreich, das aus Grundwerten wie Glaube, Patriotismus, Familie und wahrer, sagen wir mal, geistiger Verantwortung besteht, die in der westlichen Welt völlig verschwunden sind. Ich glaube, dass diese Grundwerte wesentlich sind, um Frieden und Verständnis zwischen den Menschen zu schaffen. Aus diesem Grund bin ich der Meinung, dass der Konflikt in der Ukraine ein ideologischer Konflikt ist, ja sogar ein Konflikt der Zivilisationen. Denn auf der einen Seite steht die abendländische Welt, die ihre Seele verloren hat, die alles für das Ego, für die kurzfristige Befriedigung, das Vergnügen und die kurzfristige Sicht auf alles, was heilig ist, verloren hat. Und die Geschichte hat gezeigt, dass die Zivilisation nicht überleben kann. Auf der anderen Seite steht eine multipolare Welt, angeführt von Russland, von China, Indien, afrikanischen Ländern, arabischen Ländern und südamerikanischen Ländern. Diese Menschen, diese Nationen sind bereit, für ihre eigenen traditionellen und grundlegenden Werte zu kämpfen. Für mich, Herr Präsident, ist dieser Konflikt also ideologischer Natur. Deshalb denke ich, dass er andauern und sich ausweiten wird. Was ist Ihre Meinung dazu?

    Vladimir Putin:

    Zunächst einmal möchte ich sagen, dass es eine große Ehre ist, den Enkel von General de Gaulle hier in Russland zu empfangen. (Beifall)

    Der amtierende Präsident Frankreichs und ich haben einige dieser Themen kurz angesprochen und ich habe gesagt   – auch das ist kein Geheimnis   –, dass ich keine historische Bewertung abgeben möchte. Es war alles sehr kompliziert, aber trotz des Unterschieds in den militärischen Titeln ist es eher General de Gaulle als Marschall Petain, der in Russland als Held wahrgenommen wird, weil der General Frankreich und sein Streben nach Freiheit, Unabhängigkeit und Würde verkörperte. Auch die Piloten der Normandie-Nieman werden als Helden angesehen.

    Ja, die Situation hat sich geändert, und die Führer Frankreichs sind heute ganz andere Menschen. Ich spreche nicht von ihrem Alter, sondern von ihrer Auffassung von der Rolle und Bedeutung Frankreichs, vielleicht sogar von seiner Geschichte und Zukunft. Ich werde hier nicht meine Meinung kundtun, denn das geht uns nichts an. Das ist Sache der Menschen in Frankreich. Aber ich weiß, dass es in Frankreich viele Menschen mit den von Ihnen vertretenen Ansichten gibt, wahre Freunde Russlands, und ihre Zahl nimmt zu.

    Wird sich die Situation angesichts der allgemeinen Entwicklungen in der Welt, inmitten der ideologischen Konfrontation, wie Sie es nannten, weiter verschärfen? Sie wird natürlich nie enden. Wie auch immer sie aussehen mögen, diese verschiedenen Bewegungen werden sicherlich immer gegeneinander kämpfen, das ist klar. Aber ich bin der Meinung, dass das Tempo, in dem sich die Menschen der Bedeutung und der zeitlosen Bedeutung nationaler Werte und Bräuche bewusstwerden, allmählich zunehmen wird, sowohl in den europäischen Ländern als auch in den Vereinigten Staaten.

    In diesem Sinne denke ich, ja, die ideologische Konfrontation wird weitergehen. Aber die Zukunft liegt in den national orientierten Kräften der Welt. Wie ich in meinen Ausführungen sagte, wird ihr Gleichgewicht auf der Weltbühne durch die Suche nach einem Kompromiss zwischen den Zivilisationen erreicht werden.

    Fyodor Lukyanov:

    Liebe Kolleginnen und Kollegen, wir haben wirklich nicht mehr viel Zeit, also lassen Sie uns eine kurze Fragerunde machen. Ich meine es ernst, ganz kurze Fragen.

    Vladimir Putin:

    Bitte versuchen Sie, eine kurze Frage zu stellen.

    Konstantin Starysh:

    Ich werde es versuchen. Ich danke Ihnen. Konstantin Starysh, Republik Moldawien, parlamentarische Opposition.

    Meine Frage lautet wie folgt. Früher oder später wird dieser Konflikt enden, und ich würde gerne glauben, dass Russland und der Westen beginnen werden, ihre Beziehungen "wiederherzustellen". Ich spreche hier sehr egoistisch, denn diese Art von Konfrontation sendet Schockwellen an Länder wie die Republik Moldau, sowohl in wirtschaftlicher als auch in politischer Hinsicht.

    Ich würde also gerne glauben, dass früher oder später endlich ein Neuaufbau der Beziehungen beginnen wird, der das Schicksal des größeren Europas für die nächsten Jahrzehnte bestimmen wird.

    Herr Präsident, welche Rolle können Ihrer Meinung nach Länder wie die Republik Moldau in diesem Prozess spielen? Welchen Platz können sie in dieser zukünftigen Architektur einnehmen, die als Ergebnis dieses Prozesses entstehen wird?

    Ich danke Ihnen.

    Vladimir Putin:

    Das hängt vom moldauischen Volk ab. Ich werde das erklären.

    Wenn das moldauische Volk Parteien wählt, die einen bedeutenden Teil ihrer Souveränität an andere Länder abtreten und deren Interessen folgen wollen, wird dies seine Rolle bestimmen: Es wird weder gesehen noch gehört werden.

    Wenn sie aber den Weg der Wahrung ihrer Souveränität und ihrer nationalen Würde einschlagen und an ihren nationalen Traditionen festhalten, dann werden wir uns, wie ich in meinen Ausführungen gesagt habe, dafür einsetzen, dass alle Länder, unabhängig von ihrer Größe, unabhängig von ihrer wirtschaftlichen Situation, gleichberechtigt mitreden können und dass alle Länder einander als Gleiche behandeln. Ich weiß nicht, wie das alles funktionieren wird, aber das ist unser Ansatz, und das werden wir anstreben.

    Der Nächste, bitte.

    Kubat Rakhimov:

    Kubat Rakhimov, Kirgisische Republik. Eine kurze Frage.

    Wir sehen die Erfolgsgeschichte der Schaffung einer Gasunion zwischen Russland, Usbekistan und Kasachstan. Dieses Jahr, bereits im Oktober, wird Usbekistan russisches Gas erhalten. Aber wir haben noch zwei weitere Probleme in Zentralasien: Wasser und Energie.

    Herr Präsident, wie beurteilen Sie die Aussichten für die Schaffung einer Wasser- und Energieunion, in der Russland ein aktiver Akteur und Moderator der Prozesse wäre, um soziale Instabilität und sogar bewaffnete Konflikte zu vermeiden? Ich danke Ihnen.

    Vladimir Putin:

    Was die Energie und die Energielieferungen betrifft, so haben wir nie Gas aus Russland nach Zentralasien exportiert. In der Sowjetunion war es andersherum, und Zentralasien lieferte über zwei Pipelinesysteme Gas nach Russland.

    In Anbetracht des wachsenden Energiebedarfs und des Wirtschaftswachstums in den Ländern unserer zentralasiatischen Freunde sowie des Klimawandels sind die Temperaturen in Kasachstan und Taschkent in diesem Jahr auf 21, ja sogar 24 Grad unter Null gesunken, was, so glaube ich, noch niemand zuvor erlebt hat. Es ist wirklich unglaublich, aber es ist passiert, was bedeutet, dass es wieder passieren könnte. Sie sprachen uns auf diese Frage an und baten uns, Gaslieferungen in diese Länder in Betracht zu ziehen. Wir verstehen, dass ein Leben ohne diese Lieferungen eine Herausforderung sein kann.

    Wir haben gemeinsam an diesem Thema gearbeitet. Unsere kasachischen Freunde haben ihren Abschnitt der Pipeline wiederaufgebaut, und Usbekistan hat dasselbe getan. Auch Gazprom sollte das Gleiche in Russland tun und einige unserer technischen Möglichkeiten nachrüsten, denn, um es noch einmal zu sagen, in der Sowjetunion ging das Gas in die entgegengesetzte Richtung, und das müssen wir jetzt umkehren.

    Wir werden dies tun, und aus technischer Sicht ist es auch schon geschehen. Die Lieferungen in vollem Umfang werden im Oktober beginnen. Zunächst in kleinen Mengen, aber sie sind für die Volkswirtschaften Kasachstans und Usbekistans von entscheidender Bedeutung. Wir planen, jährlich bis zu drei Milliarden Kubikmeter Gas in jedes Land zu liefern, mit der Option, die Menge zu erhöhen.

    Darüber hinaus gibt es noch weitere Themen wie allgemeine Energiefragen, Wasserkraft und Wasserressourcen. Sie sind aus wirtschaftlicher und finanzieller Sicht eine Herausforderung, aber lösbar. Bei der Behandlung dieser Fragen dürfen wir jedoch die Umwelt nicht vergessen. Diese Fragen liegen in unserem Blickfeld, auch in den Gesprächen mit unseren kirgisischen Freunden. Wir sind uns dieser Probleme bewusst und arbeiten daran. Ich hoffe, dass ich bald mit dem Premierminister auf dem GUS-Gipfel zusammentreffen werde, wo wir diese Themen besprechen werden. Wir haben also alle diese Punkte auf der Tagesordnung, und wir sind uns ihrer Bedeutung für unsere Länder bewusst.

    Was übrigens unsere Gasexporte nach Moldawien betrifft, so habe ich mitbekommen, dass jemand aus offiziellen Kreisen Moldawiens sagte, Moldawien kaufe kein russisches Gas mehr. Ehrlich gesagt, war ich etwas überrascht, das zu hören, denn die Bedingungen, zu denen wir Gas an die Republik Moldau liefern, sind moldauische Bedingungen. Die Moldawier haben uns um diese Liefer- und Preisvereinbarungen gebeten, und wir haben diesen Bedingungen trotz politischer Differenzen zugestimmt. Wir sind auf den Vorschlag der moldauischen Seite eingegangen. Die Schuldenproblematik muss jedoch angegangen werden, keine Frage.

    Trotz der Erklärung aus offiziellen moldauischen Kreisen, dass die Republik Moldau kein Gas mehr von uns erhält, habe ich Herrn Miller gestern gefragt, was sie denken und ob sie kein Gas mehr benötigen. Er sagte mir, es habe sich nichts geändert und wir würden weiterhin wie gewohnt Gas liefern. Was sind das für Leute? Sie sagen willkürliche Dinge aus unklaren Gründen, und ich denke, das dient keinem anderen Zweck, als der Wirtschaft der Republik Moldau zu schaden.

    Ja, bitte fahren Sie fort.


    Info: https://seniora.org/index.php?option=com_acymailing&ctrl=url&subid=3998&urlid=4588&mailid=1964


    unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

    22.10.2023

    Putin: Rede und Diskussion beim Valdai-Treffen in Sochi am 05. Oktober 2023  ( IV von IV )

    Alexander Prokhanov:

    An die Adresse der Unruhestifter gerichtet, machte Pjotr Stolypin seine berühmte Bemerkung: "Wir brauchen ein großes Russland, und ihr braucht einen großen Umsturz." Damals erlebte Russland turbulente Zeiten. Das letzte Mal, dass wir solche Unruhen erlebt haben, war 1991. Heute befindet sich Russland auf dem Weg von großen Umwälzungen zu Größe.

    Was ist Ihre Vorstellung von Russlands Großartigkeit?

    Ich danke Ihnen.

    Vladimir Putin:

    Wir alle kennen Sie als Schriftsteller, Patriot und, ich würde sagen, als Fundamentalist der russischen Staatlichkeit.

    Was die Größe Russlands betrifft, so liegt sie derzeit in der Stärkung seiner Souveränität. Die Souveränität beruht auf der Autarkie in den Bereichen Technologie, Finanzen, Wirtschaft im Allgemeinen, Verteidigung und Sicherheit.

    In diesem Zusammenhang möchte ich Folgendes sagen. Die Leute, die aus irgendeinem Grund nach 1991 begannen, das heutige Russland zu bekämpfen   – ich habe einige davon in meinen Ausführungen erwähnt   –, ich habe keine Ahnung, warum sie das taten. Vielleicht haben sie es aus Arroganz oder Dummheit getan, eine andere Erklärung kann ich nicht finden. Ich frage mich immer wieder: Warum? Schließlich haben wir unsere Arme geöffnet und gesagt: "Wir sind für euch da." Aber stattdessen haben sie versucht, uns fertig zu machen. Und warum? Trotzdem haben sie damit begonnen. Dies führte uns zu der einzig verbleibenden Wahl, nämlich unsere Souveränität in den Bereichen Wirtschaft, Finanzen, Technologie und Sicherheit zu stärken.

    Diejenigen, die damit begonnen und uns in die gegenwärtige Phase der bereits aufgeheizten Konfrontation gebracht haben, begannen also, Sanktionen gegen uns zu verhängen, und erreichten das Gegenteil von dem, was sie zu erreichen versuchten. Wir sind Zeuge einer deutlichen Verschiebung in der Struktur der russischen Wirtschaft. Ich habe es bereits erwähnt: Wir haben drei Prozent des BIP durch Öl und Gas erwirtschaftet, und 43 Prozent durch die verarbeitende Industrie, einschließlich der Rüstungsindustrie, aber auch der Elektronik, der Optik und des Maschinenbaus. Sie haben unseren Markt verlassen, weil sie wahrscheinlich dachten, dass alles zusammenbrechen würde, aber stattdessen werden die Dinge nur stärker.

    In der Tat ist die Inflation leicht gestiegen und der Rubelkurs schwankt. Wir sehen diese Probleme. Aber die Struktur der Wirtschaft verändert sich; sie wird aus eigener Kraft technologisch fortschrittlicher, und wir müssen diesen Trend konsolidieren. Das werden wir auf jeden Fall tun, und auf dieser Grundlage werden wir unsere Verteidigungsfähigkeit weiter stärken. Wir sehen die Probleme, die sich während der   – ich bitte um Entschuldigung, dass ich es so unverblümt ausdrücke   – Feindseligkeiten ergeben. Wir sehen, woran es uns noch mangelt, und wir erhöhen die Produktion, in einigen Bereichen um Größenordnungen, nicht nur um ein paar Prozent.

    Wir werden diese Tendenzen zweifellos beibehalten und sind auf die Unterstützung und das Vertrauen unserer Bevölkerung angewiesen, was sich unter anderem darin äußert, dass wir eine große Zahl von Freiwilligen haben, die sich den Streitkräften anschließen. Bis heute haben sich 335.000 Personen freiwillig gemeldet und Verträge mit dem Verteidigungsministerium unterzeichnet, und es gibt etwa 5.000 Freiwillige, sogar etwas mehr. Sie alle sind Freiwillige, aber es handelt sich um eine andere Kategorie, da die Verträge für kürzere Zeiträume abgeschlossen werden. Die Gesamtzahl beläuft sich auf etwa 350.000 Personen, was zeigt, wie groß das Vertrauen der Menschen in die Politik des russischen Staates ist.

    Jeder kann sehen, dass wir es nicht mit flüchtigen Themen zu tun haben. Wir machen vielleicht nicht alles genau so, wie wir es gerne hätten, aber die überwältigende Mehrheit unserer Bürger sieht, dass alles auf die Stärkung des russischen Staates und der russischen Staatlichkeit abzielt. Das umfasst viele Aspekte, aber der Trend ist absolut positiv und richtig. Unser Ziel ist es, diesen Trend fortzusetzen, und das werden wir auch tun.

    Ich danke Ihnen.

    (Beifall.)

    Fyodor Lukyanov:

    Herr Präsident, gestatten Sie mir einen kleinen Zwischenruf, da Sie die Freiwilligen erwähnt haben. In den letzten 12 Monaten gab es unter anderem ein sehr dramatisches Ereignis   – eine versuchte militärische Meuterei. Sie haben sich kürzlich mit einem Vertreter der...

    Wladimir Putin:

    Ich wollte mit einer positiven Bemerkung enden, aber Sie haben mich nicht gelassen.

    Fyodor Lukyanov:

    Das ist eine positive Anmerkung. Ich wollte nur fragen: Wissen wir jetzt, wie wir mit privaten Militärfirmen umgehen sollen?

    Vladimir Putin:

    Wissen Sie, das war ein Medienklischee   – eine "private Militärfirma". Es gibt keine echten privaten Militärfirmen in Russland, weil es kein Gesetz über private Militärfirmen gibt. Wir haben sie nicht und hatten sie nie.

    Die Erfahrung, die wir gemacht haben, war so einseitig, weil sie nicht auf dem Gesetz beruhte. Es stimmt, dass die aktuelle Situation auf dem Schlachtfeld dies erforderte, um es ganz offen zu sagen. Und als das Verteidigungsministerium Mitglieder dieser Kompanie einlud, an den Kämpfen teilzunehmen, hatte ich nichts dagegen, denn die Leute handelten freiwillig, und wir sahen, dass sie heldenhaft kämpften. Aber auch innerhalb dieser Kompanie stimmten die Interessen der einfachen Mitglieder und der Geschäftsleitung nicht immer überein. Ich bezweifle, dass sie alle 840 Milliarden Rubel mit der Lieferung von Nahrungsmitteln an die Streitkräfte verdient haben. Es gab noch andere Probleme rein wirtschaftlicher Natur, aber darauf möchte ich jetzt nicht eingehen.

    Wir sind uns noch nicht einig, ob wir solche Unternehmen brauchen oder nicht, aber ich kann heute mit Sicherheit sagen, dass mehrere tausend Kämpfer dieses Unternehmens bereits Verträge mit den Streitkräften unterzeichnet haben. Sie haben sich freiwillig gemeldet. Sie werden also, wenn sie es wollen, an Kampfhandlungen teilnehmen. Das ist der erste Punkt.

    Der zweite Punkt ist, dass sie im Rahmen eines individuellen Vertrags kämpfen werden, den jeder von ihnen unterzeichnet hat, was vorher nicht der Fall war. Und das war ein großer Fehler, denn diese Situation garantierte den Menschen keinen sozialen Schutz: Wenn es keinen Vertrag gibt, gibt es auch keine sozialen Verpflichtungen von Seiten des Staates. Es hat keinen Sinn, etwas zu verheimlichen, was jeder schon weiß: Sie wurden in bar bezahlt. Was meinen Sie mit "bar"? Ehrlich gesagt, war das auch mein Fehler. Ich konnte mir nicht vorstellen, wie das sein würde. Wenn Leute Bargeld erhalten, wie wird dann abgerechnet, wer bezahlt wurde und wer nicht? Wer bestimmt, wie viel jeder bekommt? Das ist die Frage. Wenn wir es also tun, dann müssen wir es innerhalb eines rechtlichen Rahmens tun. Das ist ein schwieriger, komplizierter Prozess. Wir diskutieren darüber und denken darüber nach.

    Diese Unternehmen gibt es in vielen Ländern, sie arbeiten aktiv, vor allem im Ausland, wie wir alle sehr gut wissen. Wir werden darüber nachdenken, ob wir sie brauchen oder nicht. Aber jetzt können wir sehen, was an der Kontaktlinie geschieht. Die russischen Truppen fühlen sich sicher und rücken in viele Richtungen vor.

    Gestern sind wir in 12 Abschnitten entlang der gesamten Kontaktlinie   – wir schenken dem nicht so viel grundsätzliche Aufmerksamkeit, aber es ist wichtig   – in 12 Richtungen vorgerückt: an einigen Stellen etwa 300, 400, 500 Meter und in zwei Abschnitten 1.500-1.600 Meter. Das nennt man einfach Verbesserung der Position auf dem Schlachtfeld; das sind taktische Dinge, aber sie sind trotzdem wichtig. Brauchen wir hier also private Militärfirmen? Wir brauchen Menschen, die kämpfen und die Interessen des Vaterlandes schützen wollen, die für das Vaterland kämpfen. Solche Leute gibt es, auch in dem Unternehmen, das Sie erwähnt haben.

    Nun, um es ganz klar zu sagen, ich weiß, die Frage hängt wahrscheinlich in der Luft: was ist mit der Unternehmensleitung passiert und so weiter. Wir wissen über den Flugzeugabsturz Bescheid; der Leiter des Untersuchungsausschusses [Alexander Bastrykin] hat mir erst neulich darüber berichtet: In den Körpern der beim Flugzeugabsturz Getöteten wurden Fragmente von Handgranaten gefunden. Es gab keine äußere Einwirkung auf das Flugzeug   – das ist das Ergebnis einer Untersuchung, die das Untersuchungskomitee der Russischen Föderation bereits durchgeführt hat. Aber die Untersuchung ist noch nicht abgeschlossen. Ja, leider wurde keine Untersuchung auf Alkohol oder Drogen im Blut der Opfer durchgeführt, obwohl wir wissen, dass der FSB nach den bekannten Ereignissen nicht nur 10 Milliarden [Rubel] in bar, sondern auch fünf Kilogramm Kokain im St. Petersburger Büro der Firma [Wagner] entdeckt hat. Aber ich wiederhole noch einmal: Meiner Meinung nach hätte eine solche Untersuchung durchgeführt werden müssen, aber sie wurde nicht durchgeführt. Ich habe Ihnen gesagt, was es gibt.

    Ich möchte gleich sagen, dass ich den Leiter des Untersuchungsausschusses gefragt habe, ob dies öffentlich gesagt werden kann. Er sagte: Ja, das ist möglich, das ist eine feststehende Tatsache. Es ist also so.

    Lassen Sie uns dann eine andere Frage stellen.

    Fyodor Lukyanov:

    Um nicht mit dieser Bemerkung zu enden.

    Margarita Simonyan, vielleicht?

    Vladimir Putin:

    Ja, Margarita, bitte. Sie haben aber immer die Möglichkeit, vielleicht unseren ausländischen Gästen das Wort zu erteilen.

    Fyodor Lukyanov:

    Das liegt an Ihnen.

    Margarita Simonyan:

    Ich werde mich kurz fassen, Herr Präsident.

    Wladimir Putin:

    Also gut.

    Margarita Simonyan:

    Sie sprachen über Karabach. Als ethnische Armenierin kann ich nicht anders, als Ihnen zu antworten, und ich erlaube mir, Ihnen zu versichern, dass alle normalen Armenier das sehr gut verstehen, dass sie verstehen, dass Herr Pashinyan damals an die Macht gebracht worden ist, um Karabach aufzugeben und für europäische Politiker die von unserem Gastgeber zitierten Fragen zu stellen. Normale Armenier verstehen, dass das armenische Volk ohne Russland ausgelöscht worden wäre. Wie zu Beginn des 19. Jahrhunderts, als sie von Alexander Gribojedow gerettet wurden, werden sie zu Beginn des 21. Jahrhunderts von den Friedenstruppen in Karabach gerettet. Dies ist nur eine Randbemerkung.

    Meine Frage ist kurz. Unser ungarischer Gast wollte nicht nach unserem Odessa fragen, ich aber schon, denn Odessa ist eine wunderbare russische Stadt. Und wir glauben, dass russische Städte in Russland sein sollten. Hier ist also meine Frage. Wo sollen wir aufhören?

    Ich danke Ihnen.

    Vladimir Putin:

    Was den ersten Teil Ihrer Ausführungen betrifft, so kann ich Ihnen nicht zustimmen, dass Premierminister Pashinyan von jemandem von außen an die Macht gebracht wurde, um Karabach aufzugeben. Es war tatsächlich die Wahl des armenischen Volkes. Ja, man kann über Wahlprozesse unterschiedlicher Meinung sein, aber es ist eine Tatsache. Hier stimme ich also nicht mit Ihnen überein. Das ist der erste Punkt.

    Zweitens stimme ich auch nicht damit überein, dass er Karabach aufgeben wollte. Ich habe sehr ausführlich mit ihm gesprochen, sowohl während des Konflikts 2020 als auch davor. Erinnern Sie sich daran, dass er, als er an die Macht kam, sagte, Karabach sei Teil Armeniens. Das hat vorher niemand gesagt. Es stimmt, dass sich sein Standpunkt im Laufe der Zeit radikal geändert hat. Warum das so war, kann ich nicht sagen. Und dann sprachen wir während des Konflikts 2020 miteinander, und meiner Meinung nach wollte er die Situation aufrichtig bewahren.

    Ich sage nicht, dass die Entscheidungen richtig oder falsch waren, es ist nicht meine Aufgabe, darüber zu urteilen. Aber ich glaube, es ist unfair zu sagen, dass er Karabach absichtlich aufgegeben hat.

    Und nun zur Frage, wo wir aufhören sollten. Wissen Sie, es geht nicht um Territorien, es geht um Sicherheitsgarantien für die Völker Russlands und den russischen Staat, und das ist ein komplexeres Thema als irgendein Territorium. Es geht um die Sicherheit der Menschen, die Russland als ihr Mutterland betrachten und die wir als unser Volk betrachten. Dies ist eine komplexe Frage, die eine Diskussion erfordert. Ich bin vorsichtig damit, mit Ihrem Mann zu sprechen, der, wenn nicht ein Extremist ist, so doch zumindest radikale Überzeugungen vertritt. Aber mit Ihnen können wir später mehr darüber sprechen.

    Margarita Simonyan:

    Danke.

    Muhammad Athar Javed:

    Ich danke Ihnen vielmals.

    Herr Präsident, mein Name ist Muhammad Athar Javed, ich bin Generaldirektor von Pakistan House, Islamabad.

    Ich möchte auf Ihre frühere Rede zurückkommen, in der Sie einige Punkte zum Thema Gleichberechtigung und so weiter angesprochen haben. Sie haben eine sehr wichtige Frage aufgeworfen. Es geht um die Frage an den Westen und die Auferlegung eines absichtlichen Konstrukts der Zivilisation. Sie sagten: Wer sind Sie, dass Sie fragen können? Wer sind sie, dass sie uns oder sonst jemanden fragen?

    Wir wissen, dass die Militärbündnisse und die politischen Bündnisse ganze Regionen erschüttert haben, den Nahen Osten und andere, indem sie verschiedene Länder angegriffen haben, darunter Afghanistan, den Irak und so weiter.

    Das ist ein großes Problem. Wir sind der Meinung, dass die Multipolarität, eine multipolare Welt, von einer wirtschaftlichen Orientierung ausgehen muss, wie Sie es bei der Energie erwähnt haben, dass Sie sich um konkurrierende Märkte bemühen werden, wenn Europa nicht in der Lage ist, der Bevölkerung niedrigere Preise zu bieten, und das wiederum ist ein Verbrechen an den eigenen Kunden.

    Ich möchte Sie also fragen, ob es möglich ist, dass es in all den Krisen eine Chance gibt, insbesondere für Russland, diese neue wirtschaftliche Weltordnung zu schaffen, ihr zu folgen. Denn als Politikwissenschaftler glaube ich, dass es sich um eine neue wirtschaftliche Weltordnung handelt.

    Wer auch immer die natürlichen Ressourcen kontrolliert, wer auch immer all diese Teile und Seewege kontrolliert, das sind diejenigen, die die Kontrolle haben werden. Und der Gegenentwurf, gibt es einen Gegenentwurf für uns, um auf diese Sanktionen zu reagieren? Denn die Sanktionen strangulieren nicht nur Russland, sondern auch viele andere Länder.

    Russland überlebt, weil es über viele natürliche Ressourcen verfügt, aber wie andere Länder in Afrika und Asien stehen auch wir vor großen Herausforderungen.

    Ich würde gerne sehen, ob Sie Ihre eigenen Punkte einbringen können, wie z.B. die von Ihnen erwähnte Gleichberechtigung. Wie würden Sie das definieren? Ist es wahrscheinlich, dass wir in Zukunft eine neue Weltwirtschaftsordnung unter der Führung Russlands haben werden?

    Vladimir Putin:

    Ich stimme dem, was Sie gerade gesagt haben, voll und ganz zu. Das ist richtig   – die künftige Weltordnung wird zweifellos auf dem künftigen Wirtschafts-, Währungs- und Finanzsystem basieren. Und sie sollte ausgewogener sein; sie sollte den Interessen der überwiegenden Mehrheit der internationalen Gemeinschaft entsprechen   – das ist richtig.

    Gibt es irgendeine Möglichkeit, dass dies letztlich geschieht? Das ist ein sehr komplexer Prozess. Nach dem Verhalten unserer Gegner zu urteilen   – nennen wir sie so, denn wir sprechen jetzt über die Wirtschaft, wir werden keine anderen Begriffe verwenden   – klammern sie sich um jeden Preis an ihre Privilegien.

    Ich habe bereits gesagt, und viele Menschen stimmen mir zu, dass das Bretton-Woods-System überholt ist. Das sage nicht nur ich, das sagen auch die westlichen Experten. Es muss natürlich ersetzt werden, denn es führt zu solch hässlichen Phänomenen wie zum Beispiel der enormen Verschuldung der Entwicklungsländer oder der vollständigen und bedingungslosen Vorherrschaft des Dollars im internationalen System. Dies ist bereits im Gange, es ist nur eine Frage der Zeit.

    Aber die politischen und finanziellen Autoritäten, die wirtschaftlichen Autoritäten in den Vereinigten Staaten schießen sich selbst in den Fuß, indem sie so unprofessionell handeln, um es gelinde auszudrücken, indem sie Sturheit und Missachtung gegenüber allen anderen Teilnehmern am internationalen Wirtschaftsgeschehen zeigen. Sie haben die Zahlungen in Dollar eingeschränkt   – was können wir jetzt tun? Wir haben keine andere Wahl, als in nationalen Währungen zu zahlen. Wir müssen die Probleme diskutieren, die ich in der Antwort auf eine der Fragen unserer Kollegen erwähnt habe, und eine neue Logistik für diese Transaktionen schaffen.

    Infolgedessen schrumpft natürlich die Verwendung des Dollars, aber das geschieht auch, weil die Vereinigten Staaten   – es ist eine riesige Wirtschaft, und das Land ist riesig und groß, daran gibt es keinen Zweifel, wir unterschätzen oder übertreiben nichts, aber es reduziert seinen eigenen Einflussbereich in der Weltwirtschaft. Mit anderen Worten, dies geschieht ohnehin, aus Gründen, die sich ihrer Kontrolle entziehen   – weil die Schwellenländer, die sich entwickelnden Volkswirtschaften wachsen, schauen Sie sich nur das Tempo an, mit dem Asien wächst. Das ist bereits der Fall. Und die Vereinigten Staaten beschleunigen diese Prozesse, wenn überhaupt, unter dem Einfluss der aktuellen politischen Situation. Tut mir leid, aber um es milde auszudrücken... Kennen Sie diesen Ausdruck? Es ist schlimmer als ein Verbrechen, es ist ein Fehler. Dies ist einer dieser Fälle.

    Gibt es Projekte, die eine neue Wirtschafts- und Logistikarchitektur prägen werden? Natürlich gibt es die. Präsident Xi Jinping schlägt ein solches Projekt vor, die Belt and Road Initiative. Sie steht unter dem Motto "One Belt, one road, alle handeln gemeinsam". Und wir tun dasselbe, indem wir die Eurasische Wirtschaftsgemeinschaft aufbauen: Wir denken gemeinsam darüber nach, wie wir die beiden vereinen können. Und wenn sich die BRICS- und die SCO-Länder ebenfalls daran beteiligen   – hören Sie, das ist echte Zusammenarbeit   – dann ist auch Pakistan daran beteiligt, an der Suche nach einer Lösung. Natürlich ist dies eine schwierige Aufgabe, und es wird Zeit brauchen. Aber die Erkenntnis, dass alle davon profitieren werden, wird diesen Prozess vorantreiben.

    Und ich werde dort enden, wo ich begonnen habe. In diesem Sinne ist die Stärkung der multipolaren Welt unumgänglich.

    Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

    Fyodor Lukyanov:

    Ich danke Ihnen sehr, Herr Präsident. Wir freuen uns darauf, Sie in einem Jahr auf dem 21. Valdai-Forum zu sehen.

    Wladimir Putin:

    Ich freue mich auch darauf, Sie alle bei Veranstaltungen wie dieser zu sehen, und ich möchte Ihnen für Ihren Beitrag danken.

    Ich danke Ihnen sehr.

    Quelle: http://en.kremlin.ru/events/president/transcripts/72444
    Die Übersetzung des englischen Transkripts besorgte Andreas Mylaeus


    Info: https://seniora.org/index.php?option=com_acymailing&ctrl=url&subid=3998&urlid=4588&mailid=1964


    unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

    22.10.2023

    Streit über Krieg in Israel, Hoffnung in Polen – und Flop beim EU-USA-Gipfel

    lostineu.eu, 21. Oktober 2023

    Die Watchlist EUropa vom 21. Oktober 2023 – heute mit der Wochenchronik

    Die Europapolitik dieser Woche wurde vollständig vom Krieg in Israel und dem Streit über das Schicksal der Palästinenser beherrscht.

    Nach dem Blankoscheck, den Kommissionschefin von der Leyen der rechtsradikalen Regierung Netanjahu im Alleingang (ohne EU-Mandat) ausgestellt hat, hagelte es Proteste.

    Ein eigens einberufener Sondergipfel hat die EU-Linie zwar leicht korrigiert, doch der Streit geht weiter. So haben mehr als 800 EU-Offizielle eine Protestnote unterzeichnet.

    Der spanische Premier Sanchez, der aktuell den EU-Vorsitz innehat, hat sich weiter von der EU-Kommission abgesetzt, indem er einen Waffenstillstand forderte.

    „Wir müssen alle Zivilisten schützen, sowohl die Geiseln, die zu ihren Familien zurückkehren müssen, als auch diejenigen, die im Gazastreifen leiden„, sagte er beim Gipfeltreffen zum Nahost-Krieg in Kairo.

    Dabei haben sich von der Leyen und Ratspräsident Michel gegen einen Waffenstillstand ausgesprochen. Nach einem ansonsten erfolglosen EU-USA-Gipfel in Washington folgen sie brav den Amerikanern.

    Diese versuchen offenbar, Ägypten mit Milliardenbeträgen dazu zu bewegen, die Grenze für bis zu 2 Millionen Palästinenser aus Gaza aufzumachen. So wäre der Weg für das israelische Militär frei.

    Dagegen stemmt sich jedoch Palästinenser-Präsident Abbas. „Wir werden niemals gehen. Wir werden niemals unser Land verlassen. Wir werden aufrecht auf unserem Land stehen bis zum Ende“, so Abbas in Kairo.

    Wenn Israel trotzdem in Gaza einmarschiert oder andersweitig in die Offensive gegen Hamas geht, könnte die Lage schnell außer Kontrolle geraten…

    Was war noch? Nach der Wahl in Polen hofft die EU, dass dort bald der europafreundliche Oppositionsführer Tusk die Regierung übernimmt. Doch noch ist es nicht so weit.

    Auch wenn die Medien anders berichten: Noch ist in Warschau die PiS am Ruder, die von Brüssel herbeigesehnte europapolitische Wende lässt auf sich warten…

    …genau wie das Ende des Handelskonflikts mit den USA. Der groß angekündigte EU-USA-Gipfel in Washington ist gescheitert, nun droht eine neue Runde im Stahlstreit!

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    Info: https://lostineu.eu/krieg-in-israel-hoffnung-in-polen-und-flop-beim-eu-usa-gipfel


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    Weiteres:




    EU-Beamte meutern gegen von der Leyen


    lostineu.eu, vom 21. Oktober 2023

    Nicht nur Diplomaten und EU-Beobachter zweifeln am Kurs der Kommissionschefin. Auch mehr als 800 Mitarbeiter der Kommission und anderer Dienste protestieren gegen ihre Nahost-Politik.

    In einem Protestbrief verurteilen die Beamten und andere EU-Mitarbeiter zunächst die Terror-Attacke der Hamas.

    Sie distanzieren sich aber auch von dem „Blankoscheck“, den von der Leyen der Regierung in Israel ausgestellt hat. Damit würden „Grundwerte“ der EU verletzt.

    Die EU habe zudem „doppelte Standards“ in Israel und in der Ukraine an den Tag gelegt, heißt es in dem Schreiben, über das die „Irish Times“zuerst berichtete:

    “We are saddened by the patent show of double-standards which considers the blockade (water and fuel) operated by Russia on the Ukrainian people as an act of terror whilst the identical act by Israel against the Gazan people is completely ignored“

    “We cannot remain silent observers when the Institution you represent as President not only has been unable to halt the Palestinian tragedy unfolding for decades in full impunity, but by its recent unfortunate actions or positions seem to give a free hand to the acceleration and the legitimacy of a war crime in the Gaza Strip“

    The Irish Times

    Die EU-Kommission hat den Empfang des Briefs bestätigt, verweist jedoch auf ihre (neuen) Appelle zu humanitärer Hilfe für die Palästinenser. Zu den Doppelstandards sagt sie nichts…

    Siehe auch „Die neue EU-Krise: Zwei Kriege, doppelte Standards und keine Strategie“

    P.S. Im US- State Department gibt es ähnliche Proteste. Sie richten sich nicht nur gegen Außenminister Blinken, sondern sogar gegen Präsident Biden, berichtet die „Huffpost“. Ein für Waffenlieferungen zuständiger Mitarbeiter hat sogar seinen Rücktritt eingereicht, er begründet dies hier („LinkedIn“)

    9 Comments

    1. Kleopatra
      22. Oktober 2023 @ 09:04

      „Officials“ sind nicht „Offizielle“, sondern Beamte, und insofern kann man sich fragen, mit welchem Recht sie Äußerungen der Kommissionspräsidentin in offenen Briefen kritisieren. Ein Beamter hat kein Recht, die EU-Politik u bestimmen, jedenfalls nicht mehr Recht als jeder andere Bürger auch.

    Reply

    • ebo
      22. Oktober 2023 @ 10:21

      Ruchtig, hab’s geändert. Allerdings sind nicht alle Kommissions-Mitarbeiter Beamte…

      Reply

  • Kleopatra
    22. Oktober 2023 @ 08:28

    Der Vergleich mit der Ukraine ist vollkommen absurd. Aus dem Gazastreifen sind von den dortigen Machthabern protegierte Schwerverbrecherbanden nach Israel eingedrungen, um zu morden, zu vergewaltigen und um Menschen zu entführen. Keinerlei auch nur im geringsten vergleichbaren Verbrechen wurden in Russland von ukrainischem Territorium aus begangen. Wenn ein Vergleich zulässig ist, dann allenfalls zwischen den palästinensischen Terroristen und der russischen Invasionsarmee, auch wenn die im Vergleich zu Hamas fast human wirkt.

    Reply

  • Arthur Dent
    22. Oktober 2023 @ 00:19

    Mal als Vergleich:
    Die RAF waren lauter Freiheitskämpfer und Märtyrer, wenn sie für die gute Sache – die Überwindung des Kapitalismus – gestorben sind. Dafür musste schon mal der eine oder andere Politiker beseitigt werden und Unschuldige sterben. Geht die Diskussion jetzt etwa in diese Richtung, betreiben die 800 Mitarbeiter der EU eine Art Schuldkult, weil die EU nicht genügend humanitäre Hilfe geleistet hat? Da sind die Gewaltausbrüche der Hamas gerechtfertigt? Man sympathisiert mit den Geiselnehmern? Oder verstehe ich hier etwas falsch?

    Reply

    • ebo
      22. Oktober 2023 @ 10:20

      Die Unterzeichner haben sich klar von Hamas distanziert. Steht auch drin…

      Reply

  • Alexander Hort
    21. Oktober 2023 @ 14:26

    Ich finde, dass das ein wirklich bemerkenswerter Vorgang ist. Ich bin mal gespannt, wie man in den großen Medien mit dieser kognitiven Dissonanz umgehen wird. Aber vermutlich wird man das irgendwie gekonnt umschiffen. Da würde mich wirklich mal interessieren, wie man innerhalb so mancher Redaktion über solche Themen debattiert.

    Reply

    • ebo
      21. Oktober 2023 @ 14:31

      In Al Jazeera wird das groß gefahren, in der deutschen Presse habe ich noch NICHTS gesehen. Kein Wunder, denn VDL liegt zu 100 Prozent auf der deutschen Linie. Dummerweise teilt die – außer vielleicht Tschechien – niemand in der EU…

      Reply

  • KK
    21. Oktober 2023 @ 14:09

    Nicht nur die Meuterei wegen Doppelmoral ist überfällig, auch staatsanwaltliche Ermittlungen wegen von der Leyens selbstherrlichen geheim abgewickelten Deals und Auskunftsverweigerung – auch und gerade gegenüber den Kontrollgremien – hierzu.

    Reply

  • Helmut Höft
    21. Oktober 2023 @ 12:32

    EU-Offizielle meutern gegen von der Leyen Das wird auch Zeit. Wollen mal sehen, ob dieser Knilch*in endgültog von der Bühne geschubst wird. Und wer kommt dann? Sry, keine Namen, es kann nicht besser(!) werden, das Niveau ist nach unten offen.


  • Info: https://lostineu.eu/eu-offizielle-meutern-gegen-von-der-leyen


    unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

    22.10.2023

    Lebenshaus-Newsletter 22. Oktober 2023

    Mail im Browser anzeigen (https://mailchi.mp/821035cfa21b/lebenshaus-newsletter-vom-22102023?e=51d2a34ef5)


    Liebe Freundinnen und Freunde,


    heute vor 40 Jahren, am 22. Oktober 1983, fand die aufsehenerregende Menschenkette gegen Atomwaffen über 108 Kilometer zwischen Stuttgart und Neu-Ulm statt, an der rund 400.000 Menschen teilnahmen. Den 40. Jahrestag nehme ich zum Anlass, nochmals an diese riesige "Volksversammlung für den Frieden" zu erinnern (siehe Artikel: "Vor 40 Jahren: Die Menschenkette zwischen Stuttgart und Neu-Ulm 1983").


    Es gibt aktuell weltweit viele Kriege. Nur wenige davon gelangen überhaupt in unseren Fokus. In den vergangenen zwei Wochen richtete sich der Blick vor allem auf die schreckliche Gewalt in Israel und Palästina, wo es wieder sehr viele Tote gibt. Auf unserer Website wurden zahlreiche Texte zum aktuellen Geschehen im Nahen Osten veröffentlicht, allesamt geschrieben ohne Rücksicht auf irgendeine Staatsräson.


    Zunächst folgen hier ein paar Sätze des vor fünf Jahren leider verstorbenen israelischen Friedensaktivisten Uri Avnery, die mir gerade jetzt wieder besonders bedenkenswert erscheinen.


    Ich bin optimistisch im Sinne,

    dass ich darauf gefasst bin,

    dass sehr schlimme Sachen

    passieren werden.

    Warum bin ich optimistisch?

    Wenn das Allerschlimmste

    passiert... was dann?

    Wird sich irgendwas an der Lage,

    an den Grundelementen

    der Lage ändern?

    Am nächsten Tag werden wir wieder

    vor dem selben Problem stehen,

    dass wir zwei Völker in

    diesem Lande haben,

    und zwei Völker in Jerusalem haben.

    Und dass es überhaupt keine

    andere Alternative gibt,

    als zwischen diesen beiden

    Völkern Frieden zu machen.


    Uri Avnery (*10 September 1923 in Beckum; †20. August 2018 in Tel Aviv)


    Auf der Lebenshaus-Website befinden sich rund 750 Artikel von Uri Avnery. Siehe hier >> https://lebenshaus-alb.us2.list-manage.com/track/click?u=38051d55d1f126d064e4cd1f4&id=a7f96cc023&e=51d2a34ef5 (https://lebenshaus-alb.us2.list-manage.com/track/click?u=38051d55d1f126d064e4cd1f4&id=30e28c5b2a&e=51d2a34ef5)

    Leider gibt es zur Zeit Probleme mit unserem Server, an deren Beseitigung gerade gearbeitet wird. Sollten sich unsere Website oder Texte nicht öffnen lassen, dann bitten wir das zu entschuldigen. Bitte in diesem Fall mit ein bisschen Geduld öfter probieren, bis der Zugang dann funktioniert.


    Herzliche Grüße

    Ihr / Euer

    Michael Schmid


    Die Texte und Informationen in unserem Newsletter und auf unseren Webseiten dienen der Information und sollen zum Nachdenken und zur Diskussion anregen. Sie entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorinnen und Autoren und geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.


    Wir freuen uns, wenn unsere Newsletter an andere Menschen weitergeleitet werden. Bitte vorher möglichst die Abmeldefunktion am Ende des Newsletters löschen, sonst kann es zu unbeabsichtigten Abmeldungen aus dem Newsletter-Verteiler kommen.



    ** Artikel

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    ** Vor 40 Jahren: Die Menschenkette zwischen Stuttgart und Neu-Ulm 1983

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    Am 12.12.1979 hatte die NATO einen "Doppelbeschluss" gefasst. Sie kündigte die Stationierung der neuen atomaren Mittelstreckenwaffen Pershing II und Cruise Missiles für Ende 1983 als "Nachrüstung" an, wenn zuvor Verhandlungen über einen Abbau von sowjetischen atomaren Mittelstreckenwaffen scheitern sollten. Dieser NATO-Beschluss hatte unmittelbar eine bisher nicht dagewesene Mobilisierung der Friedensbewegung in der Bundesrepublik Deutschland und in Westeuropa ausgelöst. In der "Nachrüstung" wurde aufgrund völlig neuer Qualitäten der Atomwaffen eine enorm sich steigernde Atomkriegsgefahr gesehen. Die aufsehenerregende Menschenkette über 108 Kilometer zwischen Stuttgart und Neu-Ulm, an der rund 400.000 Menschen teilnahmen, war eine sehr bedeutsame Aktion der damaligen Friedensbewegung. Der 40. Jahrestag am 22. Oktober 2023 ist Anlass, nochmals an diese riesige Volksversammlung zu erinnern. Von Michael Schmid. >> https://lebenshaus-alb.us2.list-manage.com/track/click?u=38051d55d1f126d064e4cd1f4&id=9b42927256&e=51d2a34ef5



    ** "Erinnern, Gedenken, Verantwortung übernehmen - die Häftlinge des KZ Heuberg vor 90 Jahren nicht vergessen!"

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    Der Verein Lebenshaus Schwäbische Alb hat am 15. Oktober 2023 eine Gedenkveranstaltung in unmittelbarer Nähe des früheren Konzentrationslagers Heuberg durchgeführt. Dies wurde wenige Wochen, nachdem Hitler zum Reichskanzler ernannt worden war, als wohl erstes KZ in Deutschland am 20. März 1933 eingerichtet. Dort waren in wenigen Monaten seines Bestehens rund 3400 in erster Linie politische Oppositionelle inhaftiert wurden. Für sehr viele wurde das eine der ersten "Stationen zur Hölle" (Julius Schätzle). Wir dokumentieren nachfolgend die Rede, mit der Michael Schmid über das KZ Heuberg und die Bedeutung der frühen Konzentrationslager informiert. In einem zweiten Teil ging es um Verantwortung, die wir heute und in Zukunft über das Erinnern und Gedanken hinaus übernehmen sollten. In die Rede eingestreut wurden die vier Lieder der "Mauthausen-Kantate" durch das Aktionsorchester Lebenslaute Süd unter Leitung von Bernd Geisler. >> https://lebenshaus-alb.us2.list-manage.com/track/click?u=38051d55d1f126d064e4cd1f4&id=b971630286&e=51d2a34ef5



    ** Nirit Sommerfeld: Blut und Tränen

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    jedes Wort zuviel

    jeder Aufruf zu Vernunft sinnlos

    alles vernichtet

    alles

    Schmerz Schmerz Schmerz Schmerz Schmerz Schmerz Schmerz Schmerz Schmerz Schmerz


    Von Nirit Sommerfeld


    >> https://lebenshaus-alb.us2.list-manage.com/track/click?u=38051d55d1f126d064e4cd1f4&id=3a45ae04b9&e=51d2a34ef5



    ** Israel kann nicht 2 Millionen Menschen in Gaza gefangen halten, ohne einen grausamen Preis dafür zu bezahlen.

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    Auch in Israel gibt es zum neu ausgebrochenen Krieg nicht nur eine Meinung. Gideon Levy beschreibt in der israelischen Zeitung "Haaretz" seit vielen Jahren die menschenverachtende Besatzungspolitik Israels. Hier sein Kommentar zum Angriff der Hamas-Kämpfer auf Israel. >> https://lebenshaus-alb.us2.list-manage.com/track/click?u=38051d55d1f126d064e4cd1f4&id=ee762e226f&e=51d2a34ef5



    ** Die Abrechnung muss mit der Hamas erfolgen, nicht mit allen Menschen im Gaza-Streifen

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    Gideon Levy beschreibt, wie schwierig die Situation zurzeit in Israel ist, wie schwierig es im Moment auch für ihn ist, seinen Gefühlen freien Lauf zu lassen. Aber er hat den Mut, sich einzugestehen, dass er privilegiert ist. Er hat, was es zum Leben braucht. Die Menschen in Gaza haben nichts, kein Wasser, keine Nahrung, keinen elektrischen Strom, keine Medikamente - und sie sollen flüchten! Aber wohin? >> https://lebenshaus-alb.us2.list-manage.com/track/click?u=38051d55d1f126d064e4cd1f4&id=cbbc1ae9ba&e=51d2a34ef5



    ** "Mit amerikanischer und europäischer Unterstützung vernichtet Israel den Gazastreifen."

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    Israel steht kurz vor einer katastrophalen Bodeninvasion des Gazastreifens - oder wird sie bereits gestartet haben, wenn diese Kolumne erscheint. Die Invasion wird wahrscheinlich in einem Fiasko enden, wie es Israel und Gaza noch nie erlebt haben. Dagegen könnten die Bilder, die in den letzten Tagen aus dem Gazastreifen kamen, wie eine Werbeveranstaltung aussehen. Wir könnten es mit einem Massengemetzel zu tun haben. Von Gideon Levy. >> https://lebenshaus-alb.us2.list-manage.com/track/click?u=38051d55d1f126d064e4cd1f4&id=0377797811&e=51d2a34ef5



    ** Stellungnahme des geschäftsführenden Vorstandes des deutschen Zweiges des Internationalen Versöhnungsbundes zur aktuellen Eskalation der Gewalt im Nahost-Konflikt

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    Der Nahost-Konflikt braucht endlich eine dauerhafte Lösung, welche das Lebensrecht aller zwischen Mittelmeer und Jordan lebenden Menschen achtet. Seit 1914 ist der Internationale Versöhnungsbund aktiv gegen Unrecht und Krieg und für Gerechtigkeit und Frieden. Darum unterstützen wir seit vielen Jahrzehnten Menschen in Israel und Palästina, die sich gemeinsam für Gerechtigkeit, Frieden und die gleiche Würde aller Menschen einsetzen. Wir stehen weiterhin an der Seite derer, die trotz ihrer Trauer und Verzweiflung auch jetzt die Hoffnung auf eine Zukunft in gegenseitigem Respekt, Gerechtigkeit und Frieden nicht aufgegeben haben. Frieden im Nahostkonflikt wird die Frucht der Gerechtigkeit sein. >> https://lebenshaus-alb.us2.list-manage.com/track/click?u=38051d55d1f126d064e4cd1f4&id=abd0d773a3&e=51d2a34ef5



    ** Israel: 26 Friedens- und Menschenrechtsorganisationen für Gewaltverzicht

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    Wir, die Mitglieder der unterzeichnenden Menschenrechtsorganisationen in Israel, sind schockiert und entsetzt in diesen schrecklichen Tagen. Die schrecklichen Verbrechen der Hamas gegen unschuldige Zivilisten - darunter Kinder, Frauen und ältere Menschen - haben uns alle erschüttert, und wir kämpfen darum, uns von den unerträglichen Anblicken und Geräuschen zu erholen. Einige von uns waren während des Angriffs in den israelischen Gemeinden an der Grenze zu Gaza; Viele von uns haben Familie, Freunde und Kollegen, die die erschütternden Ereignisse durchgemacht haben und immer noch erleben. Und wir alle kennen Menschen, die ermordet, verletzt oder entführt wurden. Es wird einige Zeit dauern, bis die Implikationen und Folgen des abscheulichen Angriffs der Hamas, für den es keine Rechtfertigung gibt, vollständig verstanden werden. >> https://lebenshaus-alb.us2.list-manage.com/track/click?u=38051d55d1f126d064e4cd1f4&id=55f48dc999&e=51d2a34ef5



    ** Krieg ist ein Verbrechen an der Menschheit: Stoppt sofort die Gewalt in Israel-Palästina

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    Jetzt, da der Krieg wieder in vollem Umfang nach Israel-Palästina zurückkehrt, wenden wir uns der Gründungserklärung der War Resisters' International (WRI) zu: "Der Krieg ist ein Verbrechen an der Menschheit. Ich bin daher entschlossen, keine Art von Krieg zu unterstützen und mich für die Beseitigung aller Kriegsursachen einzusetzen." Krieg wird manches Mal mit Bomben und Kugeln geführt. Manches andere Mal wird er geführt, indem der Zugang zu den Ressourcen eingeschränkt wird, die es den Menschen ermöglichen würden, ihre Grundbedürfnisse zu befriedigen und die Menschheit gedeihen zu lassen. Als Antimilitarist*innen können und werden wir immer sowohl die unmittelbare, vorsätzliche und organisierte Gewalt, die Schlagzeilen macht und die Welt schockiert, ablehnen und verurteilen, als auch gleichzeitig anerkennen, dass die Gewalt, die seit Samstag, dem 7. Oktober, in Israel-Palästina stattgefunden hat, in einem jahrzehntelangen, asymmetrischen und zermürbenden Konflikt wurzelt.  >>

    https://lebenshaus-alb.us2.list-manage.com/track/click?u=38051d55d1f126d064e4cd1f4&id=b173050c1d&e=51d2a34ef5



    ** Breaking the Silence: Israels Politik für den Gazastreifen und warum sie scheitert

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    Eine wichtige Erklärung der israelischen Veteranenorganisation Breaking the Silence zu den jüngsten Ereignissen. Die englische Version folgt unten. >> https://lebenshaus-alb.us2.list-manage.com/track/click?u=38051d55d1f126d064e4cd1f4&id=c209be6723&e=51d2a34ef5



    ** Trotz alledem: Stimmen für ein Ende der Gewalt und für Verständigung in Israel und Palästina

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    Seit 7. Oktober 2023 dringen militante Kämpfer der Hamas von Gaza aus in Israel ein. "Hunderte von Menschen wurden in ihren Häusern und bei einem Musikfestival massakriert, ganze Ortschaften wurden ausgelöscht", berichtet der israelische Kriegsdienstverweigerer Haggai Matar. Es ist ein unvorstellbares Grauen. Israel hat inzwischen rund 300.000 Reservist*innen mobilisiert und bereitet eine Bodenoffensive im Gazastreifen vor. Regierungsvertreter*innen rufen nach Rache. Schon jetzt sind durch die Bombardierungen der israelischen Armee tausende Palästinenser*innen getötet worden. Angesichts dieser Situation wollen wir Kriegsdienstverweigerern und Kriegsdienstverweigerinnen sowie weiteren kritischen Stimmen aus Israel mit Übersetzungen auch im deutschsprachigen Raum Gehör verschaffen. Von Connection e.V.  >> https://lebenshaus-alb.us2.list-manage.com/track/click?u=38051d55d1f126d064e4cd1f4&id=b4ef5044d7&e=51d2a34ef5



    ** Leonardo Boff: Die Apokalyptischen Reiter sind ausgebrochen: der Hamas-Israel-Krieg

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    In diesen Oktobertagen haben wir mit Erstaunen den Ausbruch des Krieges zwischen der Terrorgruppe Hamas in Palästina und dem Staat Israel, der überraschend angegriffen wurde, sowie die heftige Vergeltung des Staates Israel beobachtet. Angesichts der Gewalt, der auf beiden Seiten Hunderte von Menschen zum Opfer fielen, vor allem Unschuldige, scheint es, als sei das Pferd der Apokalypse, das Pferd des Vernichtungskrieges (Offb 9,13-19), ausgebrochen. Die Waffen, die Raketen, die Drohnen, die Panzer, die Bomber, die Kampfflugzeuge, die intelligenten Bomben und die Soldaten selbst, die zu kleinen Tötungsmaschinen gemacht wurden, sehen aus wie Figuren direkt aus dem Buch der Offenbarung. Von Leonardo Boff. >> https://lebenshaus-alb.us2.list-manage.com/track/click?u=38051d55d1f126d064e4cd1f4&id=e598cbaa93&e=51d2a34ef5



    ** "Bündnis für Gerechtigkeit zwischen Israelis und Palästinensern ev. (BIP)" zum Krieg in Israel/Palästina

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    Die deutsche Außenministerin erklärte zum jüngsten Angriff der Hamas auf Ziele in Israel: "Hamas eskaliert die Gewalt. Ich verurteile die terroristischen Angriffe aus Gaza gegen Israel aufs Schärfste. Gewalt und Raketen gegen Unschuldige müssen sofort aufhören." "Israel hat unsere volle Solidarität und das völkerrechtlich verbriefte Recht, sich gegen Terror zu verteidigen." BIP trauert um die Menschen, die bereits ihr Leben verloren haben. Gewalt, egal von welcher Seite, ist inakzeptabel. Jedes Leben ist wertvoll. Daher setzen wir uns weiterhin für eine Zukunft in Freiheit, Sicherheit und Gerechtigkeit für alle Menschen in Israel und Palästina ein. BIP anerkennt das völkerrechtlich verbriefte Recht, sich gegen Angriffe von außen zu verteidigen. Das Völkerrecht betont aber auch die Pflicht zur Verhältnismäßigkeit der Maßnahmen. Daran hat es in der Vergangenheit gemangelt, und so wird es nach den israelischen Ankündigungen auch jetzt wieder zu befürchten sein. >> https://lebenshaus-alb.us2.list-manage.com/track/click?u=38051d55d1f126d064e4cd1f4&id=b36ac1b18f&e=51d2a34ef5.

    de/magazin/014863.html



    ** GENOZID oder: "Euch wird es nie gegeben haben!" - Die Schande von Berg-Karabach

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    Dreitausend Jahre armenische Besiedlungsgeschichte in der südkaukasischen Region Berg-Karabach (armenisch: Arzach) wurden an einem Tag brutalst beendet. Armeniens "Schutzmacht" Russland wechselte die Fronten, der werteorientierte Westen schaute zu und der Rest der Welt hatte wichtigere Sorgen. - Die Armenier aber sind von allen verraten und verlassen. Wie vor über hundert Jahren. Von Leo Ensel. >> https://lebenshaus-alb.us2.list-manage.com/track/click?u=38051d55d1f126d064e4cd1f4&id=9dabad10ca&e=51d2a34ef5



    ** Karabach: Einmal mehr siegt die nackte Gewalt!

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    Nach der gewollten Entvölkerung Berg-Karabachs durch Aserbaidschan bahnt sich im Südkaukasus ein neues Desaster an. Und die Welt schaut einfach zu. Wo bleiben die sogenannten "europäischen Werte"? Von Amalia van Gent. >> https://lebenshaus-alb.us2.list-manage.com/track/click?u=38051d55d1f126d064e4cd1f4&id=f687b9bc65&e=51d2a34ef5



    ** Lebendige Tagung "We shall overcome!" in Gammertingen

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    Wie schon in den vergangenen zehn Jahren hatte der Verein Lebenshaus Schwäbische Alb - Gemeinschaft für soziale Gerechtigkeit, Frieden und Ökologie zu seiner  11. Tagung "'We shall overcome!' Gewaltfrei für die Vision einer Welt ohne Gewalt und Unrecht" eingeladen. Am vergangenen Samstag, den 14. Oktober, berichteten im evang. Gemeindehaus in Gammertingen der ehemalige Mitarbeiter der Werkstatt für Gewaltfreie Aktion, Baden,  Christoph Besemer, die ehemalige Bundestagsabgeordnete und Mitarbeiterin der Gesellschaft Kultur des Friedens, Tübingen, Heike Hänsel, sowie Katrin Warnatzsch und Michael Schmid, die den gastgebenden Verein mitgründeten, ausführlich über ihr jahrzehntelanges Engagement. Die über 40 Teilnehmenden empfanden die Tagungsbeiträge als bewegend und als für sie persönlich anregend und ermutigend. >> https://lebenshaus-alb.us2.list-manage.com/track/click?u=38051d55d1f126d064e4cd1f4&id=5ae9e45f5a&e=51d2a34ef5



    ** Hinweise

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    ** Jetzt Friedensappell unterzeichnen: Für ein Ende der Gewalt in Israel und Palästina!

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    Die schrecklichen Bilder aus Israel und Palästina nehmen kein Ende. Wir möchten dich daher heute bitten, dir kurz Zeit für die Unterschrift des Friedensappells von Netzwerk Friedenskooperative zu nehmen. Jede Unterschrift zählt, denn die Zeit drängt! Unterzeichne deshalb jetzt, um ein Zeichen der Solidarität mit den Menschen in Israel und Palästina zu setzen und die Bundesregierung zum Handeln aufzufordern!

    Wir möchten uns damit eindeutig an die Seite der Zivilgesellschaft stellen und uns gegen jede Gewalt wenden! Unsere Menschlichkeit darf in diesen schwierigen Zeiten nicht verloren gehen. Mit unserem Friedensappell versuchen wir, allen Opfern und Betroffenen Raum zu geben und die Gleichzeitigkeit der schrecklichen Ereignisse auszuhalten. Hier geht es zum Friedensappell >> https://lebenshaus-alb.us2.list-manage.com/track/click?u=38051d55d1f126d064e4cd1f4&id=c867985f57&e=51d2a34ef5



    ** Aufruf und Petition #CeasefireNow - Für eine humanitäre Waffenruhe in Israel und Palästina

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    Angesichts der erschütternden Gewalt in Israel, dem Gazastreifen und auch an der Grenze zum Libanon fordert der  internationale Aufruf #CeasefireNow ein sofortiges Ende der Gewalt und einen Waffenstillstand in Israel und dem Gazastreifen. „Die Ereignisse der letzten Woche haben uns an den Abgrund einer humanitären Katastrophe geführt, und die Welt kann nicht länger warten, um zu handeln“, heißt es in dem Aufruf. Der Kreislauf der Gewalt gegen unschuldige Zivilist*innen müsse umgehend gestoppt werden. Auch wird gefordert, lebensrettende Hilfslieferungen zu ermöglichen und zivile Geiseln sofort freizulassen. Der Aufruf wird bereits von über 500 Organisationen weltweit unterstützt, darunter viele humanitäre Hilfsorganisationen und Initiativen für Frieden und Menschenrechte. Auch palästinensische, israelische, muslimische und jüdische Stimmen sind unter den Unterzeichnenden.

    Auf der Plattform Change.org können auch Einzelpersonen den Aufruf unterschreiben. Jetzt Petition unterschreiben >> https://lebenshaus-alb.us2.list-manage.com/track/click?u=38051d55d1f126d064e4cd1f4&id=48e63247d6&e=51d2a34ef5 (https://lebenshaus-alb.us2.list-manage.com/track/click?u=38051d55d1f126d064e4cd1f4&id=e8f3839f11&e=51d2a34ef5)


    Der Aufruf in deutscher Übersetzung findet sich hier >> https://lebenshaus-alb.us2.list-manage.com/track/click?u=38051d55d1f126d064e4cd1f4&id=ebe94d3257&e=51d2a34ef5



    ** BIP-Aktuell #277: Eine Sprache, die man noch nie gehört hat

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    Nachdem der Anschlag vom 7. Oktober (der) den israelischen Geheimdienst, die Sicherheitskräfte, die Medien und die Regierung überrascht hatte, waren die Reaktionen von hochrangigen israelischen Beamten, Journalisten und Militärs erschreckend. Abgesehen von rassistischen Verallgemeinerungen und Racheaufrufen gegen die Hamas gibt es weit verbreitete Forderungen nach kollektiver Bestrafung und wahlloser Tötung von Zivilisten. Mit anderen Worten: Aufrufe zum Völkermord. Es besteht die reale Sorge, dass das Verbrechen des Völkermords an den Palästinensern in Gaza begangen werden könnte. Aber die deutsche Regierung schweigt. Dieser Bericht beginnt mit einer Liste von Zitaten, die von Menschenrechtsaktivisten als gefährlich eingestuft wurden und enthält anschließend eine Analyse dieser Zitate. Hier weiterlesen. >> https://lebenshaus-alb.us2.list-manage.com/track/click?u=38051d55d1f126d064e4cd1f4&id=26fa6a7bfc&e=51d2a34ef5



    ** Videovortrag mit Michael Lüders: Krieg im Nahen Osten

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    Der Publizist und Nahostexperte Michael Lüdersspricht in seinem aktuellen Beitrag über die menschliche Katastrophe im Gazastreifen. >> https://lebenshaus-alb.us2.list-manage.com/track/click?u=38051d55d1f126d064e4cd1f4&id=6638c16a81&e=51d2a34ef5 utube.com/watch?v=ONeDDZNb8Ks (https://lebenshaus-alb.us2.list-manage.com/track/click?u=38051d55d1f126d064e4cd1f4&id=0b50cd459f&e=51d2a34ef5)



    ** Termine

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    ** :: 27./28.10.2023 - im Gemeindesaal Grabenstraße 2 in Überlingen: Sackgasse Kapitalismus

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    Bei den Überlinger Friedenstagen geht es um die Auseinandersetzung mit der Frage, wie Privat- und Wirtschaftsinteressen Frieden, Demokratie und Mitwelt zerstören – und wie aus der Krise Neues entstehen kann. Mehr >> https://lebenshaus-alb.us2.list-manage.com/track/click?u=38051d55d1f126d064e4cd1f4&id=35442858ed&e=51d2a34ef5   Der Flyer kann hier heruntergeladen werden >> https://lebenshaus-alb.us2.list-manage.com/track/click?u=38051d55d1f126d064e4cd1f4&id=b0ae5e5bde&e=51d2a34ef5



    ** :: 11.11.2023 - 10:30 bis 17:30 Uhr Hybridveranstaltung Online und im Albert-Schweitzer-Saal an der Christus-Kirche in Karlsruhe: Bedrohte Diskurse - Ist bei Themen wie Ukraine und Palästina noch Meinungsfreiheit gegeben?

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    Studientag 2023 des Forum FriedensEthik in der Evangelischen Landeskirche in Baden (FEE). Es gibt Reizthemen, bei denen in unserer Gesellschaft die freie öffentliche Diskussion gefährdet ist. Positionen werden ins Abseits geschoben, skandalisiert oder mundtot gemacht. Der Sachbuch-Bestseller „Die vierte Gewalt“ von Precht/Welzer wirft unseren Leitmedien beim Ukrainekrieg solche Diskursverengungen vor. Schnell ist als Putin-Versteher gebrandmarkt, wer sich Kriegsnarrativen widersetzt. Referentin ist die bekannte Journalistin und Publizistin Gabriele Krone-Schmalz.

    Beim Thema Israel-Palästina wird der offene Diskurs seit Jahren geradezu administrativ be- und verhindert. Hier ist es die Antisemitismus-Keule, mit der Kritik an den beständigen Menschenrechtsverletzungen des Staates Israel in Deutschland zum Schweigen gebracht wird. Die Referentin Karin Wetterau ist Autorin des Buches „Neuer Antisemitismus? Spurensuche in den Abgründen einer politischen Kampagne“.  VA: Forum Friedensethik (FFE) in der Evangelischen Landeskirche in Baden, in Kooperation mit der Arbeitsstelle Frieden im Evangelischen Oberkirchenrat in Karlsruhe, Bezirksstelle für Evangelische Erwachsenenbildung (eeb) Karlsruhe, pax christi - Diözesanverband im Erzbistum Freiburg. Anmeldung: möglichst bald, spätestens 1. November 2023 bei Dr. Werner Schmidt, Email: dr.schmidt-keltern@t-online.de oder Jürgen Stude, Email: juergen.stude@t-online.de. Weitere Infos >> https://lebenshaus-alb.us2.list-manage.com/track/click?u=38051d55d1f126d064e4cd1f4&id=b76616d9ca&e=51d2a34ef5

    (https://lebenshaus-alb.us2.list-manage.com/track/click?u=38051d55d1f126d064e4cd1f4&id=06a5912898&e=51d2a34ef5)



    ** :: 23./24.11.2023 - Großer Saal im Haus am Dom, Frankfurt/M.: "Eine Welt im Ausnahmezustand: Herausforderungen an das ökumenische Engagement für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung"

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    2023 feiert der „konziliare Prozess für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung“ sein 40. Jubiläum. Diese globale ökumenische Reformbewegung hatte als Ziel, Ungerechtigkeit, Unfrieden und Umweltzerstörung zu analysieren und zu deren Überwindung beizutragen. Trotz einer sich verschärfenden globalen Krisensituation erfuhr sie in den vergangenen Jahren eine deutliche Abschwächung.

    Auf diesem Hintergrund möchten wir Schlussfolgerungen und Lehren aus den vier Dekaden des konziliaren Prozesses ins Gespräch bringen. Vor allem soll nach dem künftigen ökumenische Engagement für eine bessere Welt und ein Leben in Fülle für alle gefragt werden. VA: Ökumenische Vernetzungsinitiative in Kooperation mit der Evang. Akademie Bad Boll und der Kath. Akademie Rabanus Maurus. Weitere Infos >> https://lebenshaus-alb.us2.list-manage.com/track/click?u=38051d55d1f126d064e4cd1f4&id=4faba4c43d&e=51d2a34ef5



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    :: 24.-/26.11.2023 - Hepperhalle in Tübingen: IMI-Kongress: Deutschland im Kriegszustand?!

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    Der (anhaltende) russische Angriff auf die Ukraine und die kurz darauf von der Bundesregierung ausgerufene "Zeitenwende" haben hierzulande den wohl größten Militarisierungsschub der letzten Jahrzehnte ausgelöst. Politische, militärische und wirtschaftliche Akteure gerieren sich fast so, als ob Deutschland sich im Krieg befinde. Zur Lösung des Konfliktes wird nahezu ausschließlich auf militärische Gewalt gesetzt. Eine ganze Reihe von gesellschaftlichen Veränderungen vollziehen sich, hin zu noch mehr Geld für noch mehr Waffen, noch mehr Rüstung, noch mehr Militär. Die Veränderungen werfen die Frage auf, ob Deutschland faktisch in einen Kriegszustand übergewechselt ist. Ob dies der Fall ist, und wenn ja, wie sich das zeigt, welche Folgen dies auf verschiedenen Ebenen hätte oder hat und vor allem, was dagegen getan werden könnte, diesen Fragen wollen wir beim diesjährigen Kongress der Informationsstelle Militarisierung nachgehen. Alle Infos zum Kongress finden sich hier >>

    https://lebenshaus-alb.us2.list-manage.com/track/click?u=38051d55d1f126d064e4cd1f4&id=abf466b9b2&e=51d2a34ef5


    Veranstaltungstermine finden sich u.a.:

    * Netzwerk Friedenskooperative (https://lebenshaus-alb.us2.list-manage.com/track/click?u=38051d55d1f126d064e4cd1f4&id=36a4b7c053&e=51d2a34ef5)

    * Die AnStifter (https://lebenshaus-alb.us2.list-manage.com/track/click?u=38051d55d1f126d064e4cd1f4&id=cbeb80b1c4&e=51d2a34ef5)

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    unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

    22.10.2023

    Nachrichten von Pressenza: Gewaltfrei gegen die Heuchelei des bewaffneten Pazifismus

    aus e-mail von  <newsletter@pressenza.com>, 22. Oktober 2023, 7:15 Uhr


    Nachrichten von Pressenza - 22.10.2023


    Gewaltfrei gegen die Heuchelei des bewaffneten Pazifismus


    Als Pazifist*innen und Menschen, die Gewalt ablehnen, wären wir in diesen Tagen gerne vor der palästinensischen Botschaft protestieren gegangen, wenn es denn eine geben würde. Das sollte uns zum Nachdenken über die Ursachen und die Verantwortung für diesen gewalttätigen Krieg&hellip;

    http://www.pressenza.net/?l=de&track=2023/10/gewaltfrei-gegen-die-heuchelei-des-bewaffneten-pazifismus/


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    Julian Assange wurde vom Stadtrat zum Ehrenbürger von Rom ernannt


    Rom, Caput Mundi (Haupt der Welt) zur Zeit des Römischen Reiches, Wiege des Renaissance-Humanismus (zusammen mit Florenz), Goldmedaille für militärische Tapferkeit während des Widerstands, die Stadt, die die Europäische Gemeinschaft (später Europäische Union) ins Leben rief, rühmt sich heute einer&hellip;

    http://www.pressenza.net/?l=de&track=2023/10/julian-assange-wurde-heute-vom-stadtrat-zum-ehrenbuerger-von-rom-ernannt/


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    Israelische und jüdische Frauen zum männerdominierten Krieg


    Bei der Hamas sind es nur Männer, die das Sagen haben. In Israel bestimmen ebenfalls Männer die Politik. Hier vier Frauenstimmen. Redaktion INFOsperber upg. Es waren und sind Männer, die im Nahen Osten seit jeher die Politik bestimmen. Es waren&hellip;

    http://www.pressenza.net/?l=de&track=2023/10/israelische-und-juedische-frauen-zum-maennerdominierten-krieg/


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    Pressenza - ist eine internationale Presseagentur, die sich auf Nachrichten zu den Themen Frieden und Gewaltfreiheit spezialisiert hat, mit Vertretungen in Athen, Barcelona, Berlin, Bordeaux, Brüssel, Budapest, Buenos Aires, Florenz, Lima, London, Madrid, Mailand, Manila, Mar del Plata, Montreal, München, New York, Paris, Porto, Quito, Rom, Santiago, Sao Paulo, Turin, Valencia und Wien.


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    21.10.2023

    Nachrichten von Pressenza: «Nobelpreiskomitee hat Frauen in arabischen Staaten vergessen»

    aus e-mail von <newsletter@pressenza.com>, 21. Oktober 2023, 7:19 Uhr


    Nachrichten von Pressenza - 21.10.2023


    «Nobelpreiskomitee hat Frauen in arabischen Staaten vergessen»


    Der Friedens-Nobelpreis allein für die iranische Frauenrechtlerin zeige die westliche Gleichgültigkeit, kritisiert Zeynep Tufekci. Urs P. Gasche für die Online-Zeitung INFOsperber Tufekci ist eine türkischstämmige US-Soziologin und ausserordentliche Professorin an der Universität von North Carolina. Sie schreibt für das Magazin The Atlantic, für Scientific&hellip;

    http://www.pressenza.net/?l=de&track=2023/10/nobelpreiskomitee-hat-frauen-in-arabischen-staaten-vergessen/


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    Naher Osten: Gewalt ist Selbstmord


    Wenn unsere Nachrichten von unsäglicher Gewalt überquellen, werden wir von Emotionen ergriffen und sind vor Fassungslosigkeit gelähmt. Was soll man denken, was soll man sagen? Der Terror, ob er nun von ideologischen oder staatlichen Gruppen ausgeht, verdient uneingeschränkte Verurteilung. Jedes&hellip;

    http://www.pressenza.net/?l=de&track=2023/10/naher-osten-gewalt-ist-selbstmord/


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    Pauschale Demonstrationsverbote in der Deutschschweiz ausgesprochen


    Zürich, Basel und Bern haben auf unterschiedliche Art und Weise allgemeine Demonstrationsverbote im Zusammenhang mit dem Konflikt im Nahen Osten ausgesprochen. Es handelt sich dabei um schwere und unverhältnismässige Eingriffe in das Recht auf Protest, warnt Amnesty International. Zürich verbietet&hellip;

    http://www.pressenza.net/?l=de&track=2023/10/pauschale-demonstrationsverbote-in-der-deutschschweiz-ausgesprochen/


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    Solidarität mit den landesweiten italienischen Streiks am 20. Oktober


    Die italienischen Basisgewerkschaften mobilisieren gegen den Krieg , soziale Verelendung und die rechtsradikale Meloni-Regierung. 20. Oktober ist Generalstreik &#8211; Gegen Krieg, hohe Lebenshaltungskosten und Prekarität Wir stoppen die Melini-Regierung &#8211; Für allgemeine Lohnerhöhungen in Höhe der Inflation hier die Original&hellip;

    http://www.pressenza.net/?l=de&track=2023/10/solidaritaet-mit-den-landesweiten-italienischen-streiks-am-20-oktober/


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    21.10.2023

    Bundeskongress der Grünen Jugend
    Grüne Jugend fordert Kurswechsel der Partei  (Artikelsammlung)

    Bundeskongress der Grünen Jugend: Die Jungen sind unzufrieden mit ihrer Partei

    Ab heute trifft sich die Grüne Jugend zu ihrem Bundeskongress. Die Nachwuchsorganisation ist unzufrieden damit, welches Bild die Grünen in der Ampelkoalition abgeben. Der Vorwurf lautet: zu viele Kompromisse.


    Bundeskongress der Grünen Jugend Die Jungen sind unzufrieden mit ihrer Partei

    tagesschau.de, Stand: 20.10.2023 09:16 Uhr, Von Oliver Neuroth, ARD Berlin

    Ab heute trifft sich die Grüne Jugend zu ihrem Bundeskongress. Die Nachwuchsorganisation ist unzufrieden damit, welches Bild die Grünen in der Ampelkoalition abgeben. Der Vorwurf lautet: zu viele Kompromisse.


    Timon Dzienus verbreitet gerne gute Laune. Der Co-Chef der Grünen Jugend kommt kumpelhaft rüber und hat meistens ein Lächeln auf den Lippen. Auch wenn die Nachwuchsorganisation von Bündnis 90/Die Grünen im Moment inhaltlich meilenweit von der Mutterpartei entfernt ist - was unter vielen Mitgliedern für schlechte Stimmung sorgt.

    Dzienus spricht im Interview mit dem SWR von einer steigenden Unzufriedenheit von Konflikt zu Konflikt. Die Grüne Jugend stört sich an der Performance der Grünen innerhalb der Ampelkoalition. Die Partei stimmte dafür, dass die Bundeswehr finanziell aufgerüstet wird, die Atomkraftwerke länger liefen als geplant und die Migrationsregeln verschärft werden.

    Für den 27-jährigen Dzienus ist klar: Die grünen Minister im Kabinett setzen sich mit ihren Forderungen nicht gut genug gegen die Koalitionspartner durch. Nach seinen Worten treten sie nicht konsequent genug für die grünen Ideale ein und werden daher oft überstimmt.

     

    Sarah-Lee Heinrich und Timon Dzienus

    interview 14.09.2023

    Grüne Jugend an "Letzte Generation" "Arbeitskämpfe sind besser als Straßenblockaden"

    Die Spitze der Grünen Jugend tritt mit Kritik an der Ampel und einem Angebot an die "Letzte Generation" ab. mehr


    Kritik an den Grünen in der Ampel

    Der Spruch "Der Klügere gibt nach" sei bei den Grünen ein Problem, sagt Dzienus: "Wenn der Klügere nachgibt, dann regieren die Dummen. Und in dem Fall ist das die Unmenschlichkeit in Europa, die sich immer weiter durchsetzt."

    Dem Co-Chef der Grünen Jugend geht es vor allem um die Migrationspolitik. Er wünscht sich weniger Abschottung und mehr Solidarität mit Geflüchteten. "Weil in den nächsten Jahrzehnten, auch durch die Klimakatastrophe, noch viel mehr Menschen fliehen müssen."


    Grüne Jugend sieht Rechtsruck

    Dzienus sieht einen Rechtsruck in Deutschland, eine unhumane Asylpolitik, gegen die die Grünen seiner Meinung nach vehement ankämpfen müssen - anstatt schärferen Asylregeln auf EU-Ebene zuzustimmen, wie es grüne Minister innerhalb der Bundesregierung getan haben.

    Doch für eine humanere Flüchtlingspolitik sieht seine Co-Vorsitzende immer weniger Zustimmung in der Bevölkerung. Sarah-Lee Heinrich spricht von einer starken sozialen Verunsicherung. "Das ist ein Nährboden für die politische Rechte, um die Gesellschaft zu spalten", sagt die 22-jährige Co-Chefin im Gespräch mit dem ARD-Hauptstadtstudio. Sie fordert die Ampel-Regierung auf, verstärkt gegen diese Verunsicherung bei den Menschen vorzugehen und einen Kurswechsel zu mehr sozialer Gerechtigkeit einzuläuten.

    Die Grüne Jugend sieht sich als sozialen Flügel der Partei und ist politisch traditionell eher links geprägt. Die Nachwuchsorganisation hat rund 16.000 Mitglieder. Die exakte Zahl verrät die Spitze der Grünen Jugend nicht. Damit hat die Bewegung etwas mehr Mitglieder als die Jungen Liberalen. Die Junge Union ist die politische Nachwuchsorganisation mit den meisten Mitgliedern, es sind etwa 100.000. Die JuSos kommen auf rund 70.000.

     

    Katharina Stolla und Svenja Appuhn

    16.09.2023

    Grüne Jugend Frauenduo will Grünen-Nachwuchs führen

    Eine Metereologin und eine Medizinstudentin kandidieren für "Klimaschutz im Turbomodus". mehr


    Neues Führungsduo wird gewählt

    Für den Bundeskongress der Grünen Jugend in Leipzig haben sich 750 Mitglieder angemeldet. Neben der Ampel-Halbzeit wollen sie vor allem darüber debattieren, wie sich die Grüne Jugend für das nächste Jahr aufstellt. Thematisch und personell: Heinrich und Dzienus verlassen die Spitze der Bewegung nach zwei Jahren. So sehen es die Regeln vor.

    Beide kündigen an, weiter politisch aktiv zu bleiben, verraten aber bisher keine Details. Die neue Doppelspitze der Grünen Jugend ist schon so gut wie gesetzt: Bisher kandidiert nur das Duo aus Svenja Appuhn und Katharina Stolla, eine Meteorologin und eine Medizinstudentin, beide 25 Jahre alt.

    Zwar sind noch spontane Kandidaturen möglich, gelten aber als wenig aussichtsreich. So bekommt die Grüne Jugend wohl das erste rein weibliche Führungsteam seit zwölf Jahren. Das Motto der beiden lautet: Klimaschutz im Turbomodus. Damit dürfte ein klassisch grünes Thema den Kurs der Grünen Jugend für die nächste Zeit prägen.


    Player: audioBundeskongress Grüne Jugend: Der kritische Blick auf die MutterparteiHintergrundbild für den Audioplayer | ARD-aktuell

    Bundeskongress Grüne Jugend: Der kritische Blick auf die Mutterpartei

    https://www.tagesschau.de/multimedia/audio/audio-173954.html

    00:0002:48


    Oliver Neuroth, ARD Berlin, tagesschau, 20.10.2023 08:28 Uhr


    Info: https://www.tagesschau.de/inland/innenpolitik/gruene-jugend-bundeskongress-102.html



    Weiteres:



    Parteijugend fordert Kurswechsel bei den Grünen

    Klimaschutz, Asylreform – nach Meinung der Co-Chefin der jungen Grünen Sarah-Lee Heinrich verliert ihre Partei in der Ampel an Profil. Vor dem Bundeskongress warnt sie: Die Unzufriedenheit der Basis wachse.


    Vor Bundeskongress Parteijugend fordert Kurswechsel bei den Grünen spiegel.de, 20.10.2023, 11.28 Uhr

    Klimaschutz, Asylreform – nach Meinung der Co-Chefin der jungen Grünen Sarah-Lee Heinrich verliert ihre Partei in der Ampel an Profil. Vor dem Bundeskongress warnt sie: Die Unzufriedenheit der Basis wachse.


     

    Die Grüne Jugend ist mit der Arbeit ihrer Mutterpartei innerhalb der Ampelkoalition alles andere als zufrieden. Co-Chefin Sarah-Lee Heinrich hat einen Kurswechsel von den Grünen gefordert. »Der Planet brennt, Menschen leben im reichen Deutschland in Armut. Wir erwarten von den Grünen mehr im Kampf gegen den Klimawandel und für soziale Gerechtigkeit«, sagte Heinrich der »Süddeutschen Zeitung« 

     

    Ihre Partei müsse innerhalb der Ampel den Druck auf die klimapolitischen Vorhaben erhöhen, sagte Heinrich. Dass sich die Koalition noch immer nicht auf eine Entlastung der Bürger durch das Klimageld geeinigt habe, sei ein »schwerer Fehler«. »Es darf nicht zum nächsten ausgehöhlten Ampelprojekt werden.« Schon die langwierige Debatte über das Heizungsgesetz habe gezeigt: »Ohne wirksame soziale Abfederung wird es keine Akzeptanz für klimapolitische Vorhaben geben.«


    Mehr zum Thema


    Grüne tief gespalten über EU-Asylrechtsverschärfung




    • »Es wird kaum etwas besser und vieles schlimmer«




    Neben der Klimapolitik ärgert sich die Grüne Jugend auch über den Kurs ihrer Mutterpartei in Asylfragen. »Ich halte die Zustimmung der Grünen zur EU-Asylreform für falsch«, sagt Co-Chef Timon Dzienus. Sie bedeute »eine Verschlechterung der humanitären Lage an den EU-Außengrenzen«. »Sie wird kein Problem lösen und schafft nur noch mehr Leid und Chaos«, warnt Dzienus. »Menschen, die eigentlich Schutz brauchen, werden Stück für Stück entrechtet.«


    Du bist ständig müde und erschöpft?

    Das kann an einem Vitamin-B12-Mangel liegen. Jeder Mensch benötigt Vitamin B12 für einen gesunden Stoffwechsel. Fällt der Wert unter einen bestimmten Bereich, entsteht ein Mangel mit typischen Symptomen wie Müdigkeit und Erschöpfung. Die Ursachen sind vielfältig.


    »Junge Menschen in Deutschland sind wütend«Nötig sei dagegen eine ausreichende Finanzierung für die Kommunen, um Unterbringung und Integration zu sichern. Beispielsweise durch ein Sondervermögen. Für Deutschland werde Migration in den nächsten Jahrzehnten durch Klimakatastrophe und Kriege zum politischen Alltag gehören. Sie lasse sich nicht per Knopfdruck steuern.

    Die Führung der Grünen Jugend warnt die Partei eindringlich auch vor wachsendem Unmut in den eigenen Reihen. »Die Unzufriedenheit über den Kurs der Ampel an der Parteibasis, aber auch bei Abgeordneten und Funktionären wächst«, sagt Dzienus. »Junge Menschen in Deutschland sind wütend.« Denn die Regierung spare an der Zukunft der jüngsten Generation.


    Ähnlich wie auch bei anderen Parteiorganisationen gilt die Jugendorganisation der Grünen als rebellisches und wichtiges Stimmungsbarometer für die Partei. Und als Sprungbrett: Die aktuelle Grünen-Co-Chefin Ricarda Lang war vor ihrem Wechsel in die Bundesspitze von 2017 bis 2019 Chefin der Grünen Jugend. An diesem Wochenende trifft sich die Grüne Jugend für drei Tage in Leipzig zu ihrem Bundeskongress. Die Organisation zählt etwa 16.000 Mitglieder

    mrc


    Info: https://www.spiegel.de/politik/deutschland/die-gruenen-co-chefin-der-parteijugend-sarah-lee-heinrich-fordert-kurswechsel-a-db85d42b-6f06-4582-b702-e3a4e99c4dc3




    Weiteres:




    Nachwuchs-Grüne über die Ampel: „Es läuft so viel schief“


    Die Ampel muss radikal umsteuern, finden Svenja Appuhn und Katharina Stolla. Sie wollen Vorsitzende der Grünen Jugend werden.


    taz.de, 19. 10. 2023, 11:13 Uhr, Sabine am Orde
    Nachwuchs-Grüne über die Ampel: „Es läuft so viel schief“ Die Ampel muss radikal umsteuern, finden Svenja Appuhn und Katharina Stolla. Sie wollen Vorsitzende der Grünen Jugend werden.


    Svenja Appuhn und Katharina Stolla

    Svenja Appuhn, links im Bild, und Katharina Stolla, rechts, kritisieren die fehlende Sozialpolitik der Grünen Partei Foto: Elias Keilhauer

    BERLIN taz | Klare Worte scheuen die beiden jungen Frauen nicht. „Die Politik der Bundesregierung braucht eine 180-Grad-Wende“, sagt Svenja Appuhn. „In Zeiten des Rechtsrucks ist es falsch, Rechten hinterherzulaufen“, sagt Katharina Stolla. „Deshalb ist es falsch, was die Ampel tut.“ Appuhn und Stolla wollen neue Sprecherinnen, also Bundesvorsitzende, der Grünen Jugend werden. Und damit den Jugendverband der Partei führen, die in der Ampelregierung viele Zugeständnisse macht. Viel zu viele, so sieht das ein großer Teil der Grünen Jugend.

    Am Wochenende trifft sich der Jugendverband in Leipzig zum Bundeskongress, der Bundesvorstand wird neu gewählt. Die beiden aktuellen Sprecher*innen, Sarah-Lee Heinrich und Timon Dzienus, dürfen nicht noch einmal antreten, die Amtszeit ist auf zwei Jahre begrenzt. Appuhn und Stolla, die beide bereits im Bundesvorstand sitzen, sind bislang die einzigen Kan­di­da­t*in­nen für die Nachfolge.

    Ein Interview wollen die beiden vor ihrer Wahl nicht geben, zu einem Kennenlerntreffen erklären sie sich bereit. Deshalb sitzen sie am Montagvormittag in einem Café im Berliner Regierungsviertel, nicht weit von der Geschäftsstelle der Grünen entfernt, die eine vor einem Cappuccino, die andere vor einem Croissant. Sie sprechen über soziale Gerechtigkeit und solidarische Migrationspolitik, erst nach etwa 20 Minuten kommt das Gespräch auf Klimaschutz.

    Wird der Klimaschutz mit ihnen an der Spitze also in den Hintergrund rücken? Stolla schüttelt den Kopf: „Dass wir die anderen Themen betonen, liegt vor allem an der aktuellen politischen Situation.“ Soll heißen: an den Wahlerfolgen der AfD, der aufgeheizten Asyldebatte, dem fehlenden sozialpolitischen Engagement der Ampel. Und Grünen, die bei den jüngsten Landtagswahlen stark verloren haben.


    Soziale Frage im Mittelpunkt

    Einen Kurswechsel der Grünen Jugend, das betonen beide, wollen sie nicht. Im Gegenteil: Heinrich und Dzienus machten das ausgesprochen gut. Insbesondere Heinrich hatte die soziale Frage stets sehr betont, Dzienus zuletzt die Zugeständnisse der Grünen bei der Verschärfung des Asylrechts scharf kritisiert, beide haben ihren Unmut über die Politik der Ampel immer wieder klar formuliert.

    „Die Grünen müssen lernen, dass immer die soziale Frage zuerst geklärt werden muss, wenn es um Klimapolitik geht“, sagt auch Appuhn. Ohne diese Verbindung würden sich die Grünen die Mehrheit nehmen. Das habe die Debatte um das Heizungsgesetz klar gezeigt.

    Svenja Appuhn und Katharina Stolla sind beide 25 Jahre alt und im selben Geburtshaus in Frankfurt/Main zur Welt gekommen. Appuhn ist in einem wohlhabenden Frankfurter Vorort aufgewachsen, Stolle in der Stadt. Zum Medizinstudium zog Appuhn, die bis zum Abitur Landesschulsprecherin war, nach Hannover, seit dem ist sie in der Grünen Jugend aktiv. Erst in der vergangenen Woche hat sie das zweite Staatsexamen abgelegt. Statt dem Praktischen Jahr im Krankenhaus soll nun ein Vollzeiteinsatz für die Grüne Jugend kommen. „Es läuft so viel schief, deshalb ist jetzt der Moment, das zu machen, anstatt vom Seitenrand zuzuschauen.“

    Katharina Stolla hat nach dem Abitur einen Freiwilligendienst in der Gedenkstätte für Holocaust und Menschenrechte in Belgien gemacht, dann ist sie zum Studium der Meteorologie nach Hamburg gegangen, seit Februar hat sie einen Master. „Ich wollte die physikalische Seite hinter der Klimakrise verstehen“, sagt sie. „Dass wir klimapolitisch nicht vorankommen, liegt aber nicht an fehlendem Wissen, sondern an fehlendem politischen Willen.“


    „Wir haben den Konflikt in der Partei geführt“

    Dass die Grünen in der Regierung sind, hat die Arbeit der Grünen Jugend nicht leichter gemacht. „Die Grünen sind in vielen Fragen unsere Verbündeten, können sich aber in der Regierung zu selten durchsetzen.“ Natürlich sehe man auch die Zwänge, räumt Stolla ein. „Aber wir sind ein eigenständiger Jugendverband und haben eigene Positionen.“ Da müsse man manchmal eben auch Konflikte austragen. „Die Grüne Jugend ist eine starke, wahrnehmbare Kritikerin dieser Regierung und das werden wir auch sein“, sagt auch Appuhn.

    Beide betonen: Die Grüne Jugend, die mit ihren etwa 16.000 Mitgliedern deutlich kleiner als etwa die Jusos oder die Junge Union sind, sei gestärkt aus den vergangenen zwei Jahren hervorgegangen. Ihr Beispiel dafür: die Auseinandersetzung um das Dorf Lützerath im rheinischen Kohlerevier.

    Im Zuge eines Kompromisses mit dem Energiekonzern RWE hatten die grünen Wirt­schafts­mi­nis­te­r*in­nen Robert Habeck (Bund) und Mona Neubaur (NRW) dem Abriss von Lützerath zugestimmt, die Grüne Jugend hatte mit einem Antrag auf dem Parteitag im vergangenen Jahr versucht, das zu verhindern. Sie unterlag zwar, aber denkbar knapp, mit gerade gut 20 Stimmen – obwohl Bundesvorstand und Regierungsmitglieder den Delegierten eindringlich vor den Folgen des Antrags gewarnt hatten. Die Grüne Jugend hatte dem Unmut der Delegierten mit der Regierungspolitik der Grünen eine Stimme gegeben.

    „Wir haben den Konflikt in der Partei geführt und waren davor und danach in Lützerath an der Seite unserer Bündnispartner“, sagt Stolla. Das sei der richtige Weg. Derzeit, sagt ­Appuhn, nage besonders die Migrationspolitik an der Partei. „Viele von uns sind seit 2015 eingetreten, um für eine solidarische Geflüchtetenpolitik einzustehen. Für sie ist der Kurs der Bundesregierung nicht tragbar.“ Die Grünen müssten sich die Frage stellen, wer noch bereit sei, Wahlkampf zu machen, wenn sie das alles mitmachten.

    Jetzt gehe es für die Grüne Jugend darum, junge Menschen zu mobilisieren und für ihre Interessen auf die Straße zu bringen, um die Bundesregierung von links unter Druck zu setzen. „Wir müssen die jungen Menschen aus ihrem Krisengefühl abholen“, sagt Stolla. „Da ist viel Frust, aber auch Trotz.“ Worauf sich die beiden nicht einlassen: rote Linien für die Grünen zu formulieren oder einen Bruch der Koalition zu fordern. Sie wollen zwar neu an die Spitze, gänzlich politisch unerfahren sind sie nicht.


    Info: https://taz.de/Nachwuchs-Gruene-ueber-die-Ampel/!5967377


    unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

    21.10.2023

    UN-Experten warnen vor Völkermord / Die "guten" Deutschen marschieren an der Seite Israels

    aus e-mail von Doris Pumphrey, 21. Oktober 2023, 15:20 Uhr


    */UN-Experten warnen vor Völkermord am palästinensischen Volk

    Die "guten" Deutschen marschieren an der Seite Israels/*


    /(dgp) Während UN-Experten die Verbrechen Israels im Gazastreifen

    anprangern und vor der Gefahr eines Völkermords am palästinensischen

    Volk warnen (siehe Text am Ende), bekundet ein Bündnis in Deutschland

    seine Solidarität mit Israel, in einer Weise, die als Rechtfertigung der

    Verbrechen Israels, wie sie die UN-Experten beschreiben, interpretiert

    werden kann. Sollen diese „guten“ Deutschen am Ende nicht behaupten, sie

    hätten es nicht wissen können.


    Das Bündnis umfasst: SPD, CDU, Die Grünen, FDP, DIE LINKE, Deutsche

    Bischofskonferenz, Evangelische Kirche in Deutschland, DGB, BDI,

    Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände e.V. BDA, Der

    Paritätische Gesamtverband, Deutscher Kulturrat, Deutscher

    Naturschutzring, Zentralrat der Juden in Deutschland,

    Deutsch-Israelische Gesellschaft e. V., Alhambra Gesellschaft e.V.,

    Campact e.V.,


    Siehe Aufruf:

    /*Aufstehen gegen Terror, Hass und Antisemitismus - in Solidarität und

    Mitgefühl mit Israel -* Kundgebung vor dem Brandenburger Tor in Berlin

    am Sonntag, 22. Oktober 2023, 14

    Uhr<https://www.ekd.de/ekd_de/ds_doc/Aufruf_Kundgebung_Israel_final.pdf>

    /Dieser Aufruf findet inzwischen weitere Unterstützer und wird – wie

    könnte es anders sein – sehr breit in den Medien beworben./



    https://www.ohchr.org/en/press-releases/2023/10/gaza-un-experts-decry-bombing-hospitals-and-schools-crimes-against-humanity


    *Gaza: UN-Experten verurteilen Bombardierung von Krankenhäusern und

    Schulen als Verbrechen gegen die Menschheit und rufen zur Verhinderung

    von Völkermord auf


    *GENF (19. Oktober 2023) - UN-Experten* haben heute ihre Empörung über

    den tödlichen Angriff auf das Al Ahli Arab Hospital in Gaza-Stadt zum

    Ausdruck gebracht, bei dem am Dienstag (17.) mehr als 470 Zivilisten

    getötet und Hunderte unter den Trümmern verschüttet wurden. Der Angriff

    erfolgte Berichten zufolge nach zwei Warnungen Israels, dass ein Angriff

    auf das Krankenhaus unmittelbar bevorstehe, wenn die Menschen dort nicht

    evakuiert würden.


    "Der Angriff auf das Al Ahli Arab Hospital ist eine Gräueltat. Ebenso

    empört sind wir über den tödlichen Angriff am selben Tag auf eine

    UNRWA-Schule im Flüchtlingslager Al Maghazi, in dem etwa 4000

    Vertriebene untergebracht sind, sowie auf zwei dicht besiedelte

    Flüchtlingslager", so die Experten.


    Die Experten äußerten ernste humanitäre und rechtliche Bedenken

    angesichts der Verschärfung der seit 16 Jahren andauernden israelischen

    Belagerung der Enklave und ihrer Bevölkerung sowie der langjährigen

    Besetzung, die 2,2 Millionen Menschen den Zugang zu lebenswichtigen

    Nahrungsmitteln, Brennstoff, Wasser, Strom und Medikamenten verwehrt.

    Schätzungsweise 50.000 schwangere Frauen im Gazastreifen benötigen

    dringend pränatale und postnatale Betreuung. Die Zahl der

    Binnenflüchtlinge im gesamten Gazastreifen wird auf rund eine Million

    geschätzt.


    Sie erinnerten daran, dass der UN-Sicherheitsrat wiederholt den Einsatz

    des Aushungerns von Zivilisten als Methode der Kriegsführung verurteilt

    hat, die nach dem humanitären Völkerrecht und dem Strafrecht verboten

    ist. Die rechtswidrige Verweigerung des Zugangs für humanitäre Hilfe und

    der Entzug von Gütern, die für das Überleben der Zivilbevölkerung

    unerlässlich sind, stellen ebenfalls eine Verletzung des humanitären

    Völkerrechts dar, warnten die Experten.


    Die UN-Experten forderten den Schutz aller humanitären Helfer, nachdem

    die Weltgesundheitsorganisation (WHO) mehr als 136 Angriffe auf

    Gesundheitsdienste in den besetzten palästinensischen Gebieten

    dokumentiert hatte, darunter 59 Angriffe auf den Gazastreifen, bei denen

    seit Beginn der Feindseligkeiten am 7. Oktober mindestens 16 Mitarbeiter

    des Gesundheitswesens ums Leben kamen. Beim israelischen Bombardement

    des Gazastreifens wurden auch 15 Mitarbeiter des

    UN-Flüchtlingshilfswerks (UNRWA) und vier Sanitäter des

    Palästinensischen Roten Halbmonds in einem Krankenwagen getötet. Ein

    Krankenwagenfahrer von Magen David Adom in Israel verlor sein Leben, als

    er unterwegs war, um Verletzte zu behandeln.


    "Die vollständige Belagerung des Gazastreifens in Verbindung mit

    undurchführbaren Evakuierungsbefehlen und erzwungenen

    Bevölkerungstransfers stellt eine Verletzung des humanitären

    Völkerrechts und des Strafrechts dar. Außerdem ist sie unsagbar

    grausam", so die Experten.


    Sie erinnerten daran, dass die vorsätzliche und systematische Zerstörung

    von zivilen Häusern und Infrastrukturen, bekannt als "Domizid", und das

    Abschneiden von Trinkwasser, Medikamenten und lebenswichtigen

    Nahrungsmitteln nach internationalem Strafrecht eindeutig verboten ist.


    "Wir schlagen Alarm: Es gibt eine laufende Kampagne Israels, die

    Verbrechen gegen die Menschheit in Gaza darstellt. In Anbetracht der

    Äußerungen führender israelischer Politiker und ihrer Verbündeten, die

    von Militäraktionen im Gazastreifen und einer Eskalation der

    Verhaftungen und Tötungen im Westjordanland begleitet werden, besteht

    auch die Gefahr eines Völkermords am palästinensischen Volk", so die

    Experten.


    "Es gibt keine Rechtfertigungen oder Ausnahmen für solche Verbrechen.

    Wir sind entsetzt über die Untätigkeit der internationalen Gemeinschaft

    angesichts der Kriegstreiberei", so die Experten.


    "Die Bevölkerung des Gazastreifens, von der die Hälfte Kinder sind, hat

    bereits viele Jahrzehnte unrechtmäßiger, brutaler Besatzung erlitten und

    lebt seit 16 Jahren unter der Blockade", so die Experten.


    "Es ist an der Zeit, das Feuer sofort einzustellen und den dringenden

    und ungehinderten Zugang zu lebenswichtigen humanitären Gütern wie

    Nahrungsmitteln, Wasser, Unterkünften, Medikamenten, Treibstoff und

    Strom zu gewährleisten. Die physische Sicherheit der Zivilbevölkerung

    muss gewährleistet sein", so die Experten.


    "Die Besatzung muss beendet werden, und es muss Wiedergutmachung,

    Rückgabe und Wiederaufbau geben, um den Palästinensern volle

    Gerechtigkeit zu verschaffen", erklärten sie.


    /(*Liste der UN-Experten siehe Englische Seite

    <https://www.ohchr.org/en/press-releases/2023/10/gaza-un-experts-decry-bombing-hospitals-and-schools-crimes-against-humanity>)


    unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

    21.10.2023

    „Primitiv, unterwürfig, abartig, kriminell, blutrünstig und böse“ – „ein Problem, dessen man sich entledigen muss“

    Wie israelische Schulbücher Palästinenser beschreiben / Die Analyse von Nurit Peled-Elhanan liegt jetzt auch in deutscher Übersetzung vorMai 22, 2021

    Eine wissenschaftliche Analyse von Schulbüchern wird in erster Linie Pädagogen ansprechen, Leute eben, die beruflich mit dem Thema zu tun haben. Im Fall Israel ist das anders. Denn Israel ist ein Weltanschauungsstaat und in seinen Schulbüchern wird vor allem die zionistische Ideologie vermittelt. Da diese Vermittlung von der Staatsgründung 1948 an mit höchster Intensität betrieben wurde, verwundert es nicht, dass die Gleichschaltung in diesem Staat so gut wie vollständig gelungen ist und entsprechende politische Folgen zeitigte.

    Der Beleg für diese These: Alle politischen Parteien in Israel (abgesehen von den arabischen Listen) bekennen sich ohne Vorbehalte zur zionistischen Ideologie und ihrem Ziel, dass ausschließlich die Juden ein historisches Recht auf das Land Israel/ Palästina (Erez Israel) haben und dass der jüdische Staat auf diesem Territorium möglichst „araberfrei“ sein soll. Keine dieser Parteien setzt sich für eine friedliche Lösung auf gleichberechtigter Basis mit den Palästinensern ein. Und da das zionistische Projekt im Einklang mit dem Völkerrecht und den Menschenrechten nicht durchzusetzen ist, hat der Zionismus seine eigene Moral und Gesetzlichkeit geschaffen, die all das rechtfertigen und legitimieren, was der Umsetzung des ideologischen Ziels dient – und dazu gehören auch extreme Gewalt, also auch Vertreibung und Massaker.

    Die israelische Erziehungswissenschaftlerin Nurit Peled-Elhanan hat eine Studie über die Ideologie in den Schulbüchern ihres Landes vorgelegt, die jetzt auch in deutscher Sprache erschienen ist. Der Titel Palästina in israelischen Schulbüchern weist auf das Schwergewicht ihrer Analyse hin. Was die israelische Wissenschaftlerin da berichtet, ist so ungeheuerlich, dass es dem Leser bei der Lektüre buchstäblich die Sprache verschlägt und dass er sein bisheriges Bild von diesem Staat (der „einzigen Demokratie im Nahen Osten“), auch wenn es bisher schon sehr kritisch war, noch einmal gründlich revidieren muss. Denn man lernt bei Nurit Peled Elhanan, wie jungen Israelis der rassistisch begründete Hass auf die Palästinenser regelrecht eingetrichtert wird. Man wundert sich dann nicht mehr über die brutalen Praktiken der Besatzer gegenüber den von ihnen Besetzten und Kolonisierten oder die gnadenlose Kriegführung, die Israel gegen dieses Volk praktiziert.

    Hier einige Zitate, wie Palästinenser in israelischen Schulbüchern diffamiert und voller Verachtung dargestellt werden: Sie werden da als „schmutzige Massen aufgeputschter Menschen“ mit „Terrorismus, Primitivität, Frauenunterdrückung, Überbevölkerung und Fundamentalismus“ in Verbindung gebracht. (S. 44) Und: „Palästinenser sind primitiv, unterwürfig, abartig, kriminell und böse.“ Sie sind „ein Problem, das gelöst werden muss.“ (S. 75) Und: Die Palästinenser sind „marginale, rückständige, feindselige und störende Elemente.“ (S. 80) Und: „Sie sind alle ähnlich und existieren nur in Herden oder Massen wie Rinder.“ (S. 84) Im Zusammenhang mit der zweiten Intifada werden die Palästinenser als „teuflische Mörder und Terroristen“ bezeichnet. (S. 116) Palästinensische Frauen gelten als so unattraktiv, dass jüdische Israelis nicht einmal sexuelle Phantasien ihnen gegenüber entwickeln können. (S. 45) Auf Bildern in den Schulbüchern werden Palästinenser meistens als Kameltreiber und Bauern, die noch mit Ochsen pflügen, abgebildet. Angehörige dieses Volkes in der modernen Lebens- und Arbeitswelt kommen bildlich nicht vor.

    Palästinenser sind in israelischen Schulbüchern keine Individuen und Persönlichkeiten, sondern „Unpersönlichkeiten“, „Probleme“ und „Bedrohungen“, sie sind „primitiv, parasitär und abstoßend“ und werden als „Gesetzesbrecher und Diebe“ dargestellt. (S.127f.) Und: „…dass die Palästinenser als nichts anderes betrachtet werden können als ein Hindernis oder eine Bedrohung, die überwunden und eliminiert werden muss.“ (S. 260) Und: Palästinenser sind gewalttätige, primitive und unvernünftige Bauern.“ (S. 263) Und: „Sie sind blutrünstige Desperados, die sich nach Rache sehnen.“ (S. 270) Sie sind eben „Arabush“, ein Schimpfwort, das in den USA und England der Beleidigung „Nigger“ entspricht. (S. 44) Und: Sie sind „Schläger und die Israelis die Opfer.“ (S. 259)

    Das ist die Sprache des Unmenschen, man stelle sich vor, irgendjemand würde irgendwo auf der Welt öffentlich mit einer solchen Hass-Sprache Juden diffamieren! Frei nach der alten Volksweisheit „Wer im Glashaus sitzt, soll nicht mit Steinen werfen“, stellt sich die Frage, wie jüdische Israelis oder auch Juden in der Diaspora angesichts eines solchen massiven Gebrauchs von rassistischen Stereotypen, die Chuzpe haben können, andere noch des Rassismus beschuldigen zu können. Man sollte erst einmal gründlich vor der eigenen Haustür kehren. Es bleibt in den Schulbüchern aber nicht bei schlimmen rassistischen Entgleisungen, sondern es wird aus der Minderwertigkeit der „Anderen“ abgeleitet, dass die Landkonfiszierungen, Diskriminierung, Marginalisierung, Teilung, Vertreibung und Vernichtung der palästinensischen Araber legitim sind, die durch den Sicherheitsanspruch [der Juden] gerechtfertigt und gepriesen werden als Verwirklichung der biblischen Prophezeiung und als das zionistische Ideal von der Erlösung des Landes.

    Im Rahmen traditioneller und kultureller (das heißt: zionistischer) Normen und Werte ist die Anwendung extremer und völlig unverhältnismäßiger Gewalt – also Vertreibungsaktionen und sogar Massaker – a priori gerechtfertigt und legitimiert, sie werden üblicherweise verharmlosend als „Operationen“ bezeichnet. Solch brutales Vorgehen, das von einer universalistischen Moral aus überhaupt nicht gerechtfertigt werden kann, erfährt in Israel seine Legitimation durch die Kriterien der Nützlichkeit und des Erfolges für den Staat Israel. Auch die schlimmsten und unmenschlichsten Gewalttaten sind aus zionistischer Sicht vertretbar, wenn sie für den Staat vorteilhaft sind, also seine Sicherheit und Moral stärken sowie (bei Vergeltungsaktionen) die „Würde der Armee“ wiederherstellen. Anders formuliert: Aus völkerrechtlicher Sicht eindeutige Kriegsverbrechen können nach zionistischem Verständnis durchaus den Normen und Werten dieser Ideologie entsprechen.

    In diesem Sinne des Nutzens und Vorteils für den Staat Israel werden auch die furchtbaren während der Nakba und später verübten Massaker wie etwa das in dem palästinensischen Dorf Deir Yassin (über 200 Tote) rechtfertigend beurteilt: Sie waren gut für das Entstehen des israelischen Staates, weil sie die Palästinenser zur Flucht aus ihren Dörfern getrieben und so die Ansiedlung einer jüdischen Mehrheit ermöglicht haben. Der damalige Terrorist und spätere israelische Ministerpräsident Menachem Begin, der selbst als Anführer an dem Morden dort beteiligt war, hat es so formuliert: „Ohne das Massaker von Deir Yassin würde es den Staat Israel nicht geben.“ Schuldgefühle für solche Untaten, ja Empathie mit den Leiden, die die Zionisten den Palästinensern bis heute zugefügt haben und weiter zufügen, gibt es nicht. So etwas kommt in den Schulbüchern nicht vor.

    Dass das Leben von Palästinensern in der „zionistischen Moral“ keine Rolle spielt, ergibt sich aus dem Gesagten von selbst. Und auch: dass kollektive Bestrafungen und Tötungen (Liquidierungen) von Palästinensern ohne Gerichtsurteile zionistischen Normen und Werten entsprechen. Die Israelin Nurit Elhanan-Peled fasst die israelische Position so zusammen: „Die zionistisch-israelische Ideologie, die die jüdischen historischen Rechte auf das Land Israel/ Palästina, die arabische Bedrohung und die Notwendigkeit, die Politik der Trennung für die Sicherheit der Juden beizubehalten, zur Maxime erklärt, legitimiert die ethnische Ungleichheit und Herrschaft der Juden in Israel, welche die Grundlage bildet für die Legitimation von Vertreibung und Massakern.“ Jüdischen Israelis ist eben „alles erlaubt“, wenn es ihren Interessen nützt. Der Sicherheit der Juden wird alles untergeordnet, ihre Sicherheit rechtfertigt es sogar, „sich der ‚Anderen‘ zu entledigen“. (S.271)

    Man kann diese Ideologie, die in israelischen Schulbüchern vertreten wird, nur als inhuman, wenn nicht als barbarisch bezeichnen. Die Zionisten empfinden sich aber in bester kolonialistischer Manier den Palästinensern haushoch überlegen, sie sind die „Vertreter und Repräsentanten des Westens und daher des Fortschritts, während die Nicht-Juden oder Araber den Orient und damit den Rückstand darstellen.“

    Der israelische Historiker Tom Segev, den Nurit Peled-Elhanan zitiert, hat es so formuliert: „Dies ist die grundlegend Annahme des zionistischen Projekts seit Beginn: Wir sind die Repräsentanten der Aufklärung und des Fortschritt, der rationalen Kultiviertheit und Moral, und die Araber sind ein primitiver Pöbel, stürmisch und gewalttätig, ignorante Jungs, die gezähmt und durch unsere Weisheit ausgebildet werden sollten – und dies, ohne Frage mit der ‚Stock-Karotten-Methode‘, die vom Eselstreiber angewandt wird, um seine Esel anzutreiben.“ Das ist noch vorsichtig und zurückhaltend ausgedrückt, denn in israelischen Schulbüchern werden sehr oft auch die Begriffe „vertreiben“, „eliminieren“, „sich entledigen“ und sogar „vernichten“ gebraucht.

    Die israelischen Schulbücher kennen keinen offenen Diskurs, sie hinterfragen die unhaltbaren Zustände nicht, warum sie so sind, wie sie sind, und welches der kausale Anteil ist, den Israels inhumane Politik an ihrer Entstehung hat. Es gibt in diesen Werken nur eine Wahrheit: die zionistische. Das palästinensische Narrativ kommt so gut wie nicht vor, und wenn doch, denn völlig verzerrt. Israels Schulbücher dienen der Legitimation der Handlungen des Staates, und ihre Botschaft ist die Sprache der herrschenden Macht. Weicht ein Schulbuchautor einmal von den vorgebebenen zionistischen Dogmen ab, dann schreitet die „Wahrheitspolizei“ ein und zieht solche Bücher aus dem Verkehr bzw. zwingt die Autoren zu Änderungen. Nirit Peled-Elhanan nennt mehrere Beispiele für solche Eingriffe der Zensur. Diese Bücher spiegeln also genau die politischen und gesellschaftlichen Umstände wider, die sie produzieren.

    Die Bilanz der Autorin ist angesichts solcher Fakten denn auch ziemlich düster. Denn, schreibt sie, nirgendwo in diesen Büchern habe sie einen Hinweis gefunden auf eine Möglichkeit, Absicht oder einen Wunschgedanken, um die Situation zu verbessern, den palästinensischen Bürgern gleiche demokratische Rechte zuzugestehen oder den Druck aus den palästinensischen Gebieten zu nehmen, um Frieden zu schaffen, wie man von einem demokratischen Staat erwarten könnte.“ Frieden ist in diesen Büchern kein Thema, und wenn das Wort doch einmal erwähnt wird, dann bedeutet es Aufgabe, Verlust und eine erzwungene Lösung, nie aber ein gedeihliches Zusammenleben mit den Palästinensern.

    Auf Grund einer solchen ideologischen Indoktrinierung, so die Autorin, werden die jungen Israelis zur regelrechten Ignoranz über die wirkliche politische und soziale Realität ihres Landes erzogen, das heißt: vor allem zur Feindseligkeit und Verachtung gegenüber ihren unmittelbaren Nachbarn und ihrer Umgebung sowie gegenüber internationalen Übereinkünften und Gesetzen. Von der großen jüdischen Philosophin Hannah Arendt stammt der Satz: „Wir können es uns nicht aussuchen, mit wem wir auf dieser Welt zusammenleben.“ Wenn man dennoch anfängt zu selektieren, mit wem man zusammenleben will, dann wird es brandgefährlich – im wahrsten Sinne des Wortes.

    Von dem universalistischen Gedankengut einer Hannah Arendt oder anderer großer universalistischer jüdischer Denker findet sich in den israelischen Schulbüchern keine Spur. Ganz im Gegenteil, dort wird blanker nationalistischer Hass gepredigt. Die Autorin weist immer wieder darauf hin, dass die jungen Israelis direkt nach der Indoktrinierung in den Schulen mit solchem ideologischen Gift in den Köpfen zum Militär gehen und dann das Gelernte in den besetzten Gebieten oder in Israels Kriegen in die Tat umsetzen. Die grausamen Folgen sind bekannt.

    Vor allem deutschen Lesern ist das Buch von Nurit Peled-Elhanan wärmstens zu empfehlen, weil es einen wichtigen Beitrag dazu leistet, unser durch die historische Schuld verzerrtes Bild vom Staat Israel zu korrigieren. Denn hierzulande gilt immer noch der Mythos von den israelischen Juden als den Opfern der bösen Araber. Dass es genau umgekehrt ist, belegt dieses Buch.

    Peled-Elhanan, Nurit: Palästina in israelischen Schulbüchern, Verlag Stiftung Hirschler, Otterstadt 2020, ISBN 978-3-9818916-7-6, 28 Euro

    20.05.2021


    Info: https://www.arnstrohmeyer.de/zeitgeschehen/israelpalaestina/wie-israels-schulbuecher-hass-auf-palaestinenser-verbreiten


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