02.07.2021

Denkanstöße

aus Email von paulitz@akademie-bergstrasse.de, 02.07.2021 02:49


Sehr geehrte(r) . . . 


aus Respekt vor den zunehmenden Irrungen und Wirrungen unserer Zeit versteht die Akademie Bergstraße für Ressourcen-, Demokratie- und Friedensforschung ihren Auftrag primär darin, Denkanstöße zu geben.


Zitat: Zwar sind die Aussagen meistens sehr klar und unmissverständlich. Gelegentlich aber geht es auch (nur) darum, Unstimmigkeiten anzusprechen und Fragen aufzuwerfen. Ihnen, den Leserinnen und Lesern, soll dann das weitere Nachdenken selbst überlassen bleiben. Zu irritieren hat gelegentlich mehr Aufklärungspotenzial und hilft uns allen manchmal sehr viel mehr, als alles bis ins Letzte nur aus der eigenen subjektiven Sicht durchzudeklinieren.


Die Rundschreiben der Akademie Bergstraße folgen keinem strengen Muster, keiner starren Linie. Die Didaktik der Ansprache erfolgt oft spontan, aus der Sache heraus. Das Ziel ist immer, Ihnen mal mit viel und mal mit weniger Text, sinnvolle Denkanstöße zu geben. Es geht darum, Ihnen "guten Stoff" zum möglichst zielführenden Nachdenken anzubieten. Es geht um ein kommunikatives Miteinander in einer freiheitlichen Demokratie, die gerade in den aktuellen Zeiten mehr denn je mit aller Kraft verteidigt werden muss. Umso mehr kommt es auf ein gemeinsames Nachdenken, auf intelligente Austausch-Prozesse in unserer Gesellschaft an.


Die jüngste Rundmail https://www.akademie-bergstrasse.de/dokumente/AE/Warum%20schweigen%20Atomkraftgegner%20neuerdings%20zum%20islamistischen%20Terror.pdf  mit dem Betreff "Warum schweigen Umweltministerien und Atomkraftgegner zum islamistischen Terror?" ließ natürlich sehr viel Interpretationsspielraum offen. Das führte zu vielen interessanten Rückmeldungen, aus denen ich hier nur zwei Sätze aus einer längeren, sehr interessanten Email zitieren möchte:


".. haben Sie herzlichen Dank für ihre rege Email Korrespondenz mit unserem Lehrstuhl, die aufmerksam zur Kenntnis genommen wird. Ihre letzte Mail hingegen lässt einen etwas erstaunt auf der Suche nach Ziel und Aussagekraft zurück."


Es ist das Wesen, die Essenz, das Schöne an unserer Demokratie, dass eine solche Kommunikation aus der Irritation heraus entsteht.


Es ging in der Rundmail nicht wirklich vertieft um die nur angetippten und in eine kursorische Zusammenschau gebrachten Themen - 9/11, islamistischer Terror, Umweltministerien, Atomkraftgegner, Morde in Würzburg, in Wien und anderswo - im engeren Sinn.


Vielmehr ging es um eines der zentralen "Meta-Themen" unserer Zeit, um die Spaltung dieser Gesellschaft, die nicht zuletzt auch sehr leicht zu einer Spaltung Europas führen kann - mit allen denkbaren Folgen, bis hin zum Krieg.


Es ging darum, beispielhaft aufzuzeigen, dass Thematiken zunächst - aus Überzeugung vieler - als "gut", "wichtig" und "richtig" (so der aktuelle Polit-Sprech) empfunden werden können, die aber schon wenige Jahre später aus einer dann aktuell ganz anderen Sichtweise heraus als "weniger gut", als "problematisch", wenn nicht sogar als "populistisch" - oder gar eventuell als "rassistisch" oder sonstwas - bewertet werden können.


Über solche potenziell "zerstörerischen Brandsätze für die demokratische Debattenkultur" sollten wir alle sehr gründlich nachdenken.


Wenn alle nur noch um sich schlagen und die freie, öffentliche Diskussion regelrecht zur "No-Go-Area" wird, dann ist diese Demokratie, wie schon einmal, verloren.


Die Spaltung dieser Gesellschaft, die Spaltung Europas zu verhindern, ist keine abstrakte Aufgabe. Sie ist meiner Überzeugung nach sehr konkret, sehr greifbar und für jeden Demokraten eine Pflicht, die von uns allen mitzugestalten ist.


Es ist wichtig, Argumente nüchtern und hart in der Sache vorzutragen und andere damit herauszufordern. Es ist dann aber auch wichtig, dass derartige Sachvorträge nicht als "Hass und Hetze" diffammiert oder gar kriminalisiert werden, nur weil die vorgetragenen Argumente anderen nicht gefallen ...


.. die dann ihrerseits gelegentlich in einer Weise reagieren, die man tatsächlich nur noch als "Hass und Hetze" interpretieren kann, weil es an nüchterner und fairer Sachauseinandersetzung fehlt, was heutzutage insbesondere auch deswegen oftmals "durchkommt", weil ein solches, z.T. sehr ungleiches Vorgehen mehr und mehr mit einseitig missbräuchlich-medialer Macht hinterlegt ist, was den Kern unserer Demokratie tief ins Mark trifft, erschüttert und beschädigt.


Unser Land und Europa befinden sich derzeit in einem höchst problematischen "Sortierungsprozess", in dem sich möglicherweise schon recht schnell die Spreu auf die eine oder andere Weise vom Weizen trennt.


Bewundernswert viele sachkompetente und z.T. auch sehr "hochrangige" Persönlichkeiten ergreifen mehr und mehr das Wort.


Um dies weiter zu begünstigen kommt es in einer Demokratie ganz entscheidend darauf an, dass "die Basis und der Mittelbau unserer Gesellschaft" mitziehen, wenn es darum geht, die Verfassung und die Demokratie zu verteidigen. Das freie, offene und kompetente Wort ist die Grundlage unserer freiheitlichen Gesellschaft, die es gerade jetzt zu schützen, zu bewahren und zu ermutigen gilt.


Mit freundlichen Grüßen

Henrik Paulitz



Akademie Bergstraße

für Ressourcen-, Demokratie- und Friedensforschung

gUG (haftungsbeschränkt), Darmstädter Straße 12, 64342 Seeheim-Jugenheim, Tel. 06257-505-1707

Email: paulitz@akademie-bergstrasse.de, www.akademie-bergstrasse.de

02.07.2021

Eine bittere Bilanz

Alfred Müller, Hildesheim, 01.07.2021 

Was hat der Bundeswehreinsatz in Afghanistan gebracht? Die Bilanz ist erschütternd: eine Viertelmillion Todesopfer, 59 getötete deutsche Soldaten, eine schwer geschädigte Bevölkerung, schwerste Kriegsverbrechen westlicher Militärs, die Taliban rasant auf dem Vormarsch. Fast sieben Millionen Afghanen sind auf der Flucht; zahllose Menschen sind verletzt oder verstümmelt, darunter Zehntausende Kinder. Zu den Todesopfern kommen gewaltige materielle Schäden. Zahlreiche Schulen und unzählige andere Gebäude, zuweilen auch Krankenhäuser, wurden teilweise oder ganz zerstört.


Die Armutsrate ist deutlich gewachsen - von 33,7 Prozent im Jahr 2007 auf 54,5 Prozent im Jahr 2016. Im Jahr 2019 berichtete UNICEF, dass 3,7 Millionen afghanische Kinder im Schulalter die Schule nicht besuchten. Der Krieg in Afghanistan hat darüber hinaus riesige Summen an Geld verschlungen, die für soziale Zwecke fehlten. Allein die US-Aufwendungen für das Gemetzel belaufen sich auf mehr als 2,2 Billionen US-Dollar; die Bundesregierung gibt die Ausgaben für den Bundeswehreinsatz mit 12,2 Milliarden Euro an.


Das Ziel in Afghanistan war nie, der Bevölkerung zu helfen und ein demokratisches System nach westlichem Vorbild aufzubauen. Der Militärallianz ging es um den billigen Zugang zu Rohstoffen. Afghanistan ist reich an Bodenschätzen. Es hat riesige Vorkommen an Mineralien, Seltenen Erden, Edelsteinen, Gold und Silber. Besonders begehrt ist Lithium, das für Batterien in der Elektromobilität graucht wird. Wer über diese Schätze verfügt, kann seine Wirtschaft voranbringen und seinen Unternehmen reiche Gewinne verschaffen.


Daher musste die Talibanherrschaft verhindert und eine westlich getreue Regierung aufgebaut werden. Erreicht wurde das Gegenteil. Während die westlichen Truppen abziehen, erobern die Taliban immer weitere Teile Afghanistans. Sie sind davor, die Hauptstadt Kabul zu erobern. In Kürze dürften dort die Machtverhältnisse vor Kriegsbeginn (September 2001) wiederhergestellt sein.


Was lernen wir aus dieser erschütternden Bilanz? Ausländische Kriegseinsätze schaffen keine Besserung für die heimische Bevölkerung, sondern nur Elend und Zerstörung. Nach dem 2. Weltkrieg hieß es „Nie wieder Krieg“ und „Frieden schaffen ohne Waffen“. Doch unsere Bundespolitiker treiben die Rüstung und die Auslandseinsätze weiter voran. Es wird Zeit, dass nach Afghanistan die Bundeswehr auch aus Mali abgezogen wird. Nach dem Scheitern in Afghanistan müssen alle Einsätze der Bundeswehr auf den Prüfstand. Dies sind wir den Opfern schuldig.

02.07.2021

Wirtschaft als Waffe (III)           Die EU bereitet ein Instrument zur Abwehr extraterritorialer US-Sanktionen und weiterer ökonomischer Zwangs-maßnahmen im globalen Machtkampf vor.

german-foreign-policy.com, 02. Juli 2021

(Eigener Bericht) - Die EU treibt ihre Arbeit an einem Abwehrinstrument gegen extraterritoriale Sanktionen und weitere wirtschaftliche Zwangsmaßnahmen voran und will im Oktober ein Konzept dazu vorlegen. Hintergrund ist, dass bisherige Versuche, etwa die extraterritorialen US-Sanktionen gegen Iran abzuwehren, erfolglos geblieben sind; die Furcht, die Vereinigten Staaten könnten mit weiteren extraterritorialen Sanktionen auch das Russland- und China-Geschäft deutscher und weiterer europäischer Unternehmen zerstören, hat im vergangenen Jahr zu ersten koordinierten Planungen für Abwehrmaßnahmen geführt. Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) befürwortet den Aufbau eines "Anti-Coercion Instrument", für das die EU-Kommission im Oktober ein Konzept vorlegen will. Vorarbeiten leistet der European Council on Foreign Relations (ECFR) mit Hauptsitz in Berlin. In einem vergangene Woche präsentierten Papier schlägt der ECFR die Gründung einer EU-Behörde vor, die Handlungsoptionen gegen wirtschaftliche Zwangsmaßnahmen entwickeln soll: von Strafzöllen über Exportkontrollen bis zu etwaigen Gegensanktionen.


Zitat:  Hilflos gegen extraterritoriale Sanktionen

Die Suche nach Mitteln, sich in den globalen Machtkämpfen gegen Strafzölle, Sanktionen - nicht zuletzt extraterritoriale - und andere Instrumente ökonomischen Zwangs zu behaupten, dauert in Berlin und Brüssel bereits seit Jahren an. Forciert worden ist sie durch die Erfahrung, den Aggressionen der Trump-Administration auf diesem Feld kaum etwas entgegensetzen zu können. So gelang es nicht, das Iran-Geschäft von Unternehmen aus Deutschland und aus anderen EU-Staaten gegen die extraterritorialen Iran-Sanktionen der Vereinigten Staaten abzuschirmen: Das eigens dazu geschaffene und mit großem Gestus präsentierte Finanzvehikel Instex (Instrument in Support of Trade Exchanges) erwies sich als vollkommen unwirksam.[1] Die - begründete - Befürchtung, Washington könne mit extraterritorialen Sanktionen auch gegen weitere Länder die Daumenschrauben anziehen und nicht nur das Russland-, sondern auch das China-Geschäft deutscher bzw. europäischer Firmen signifikant schädigen [2], hat die Suche nach Abwehrmitteln im vergangenen Jahr noch weiter verstärkt, umso mehr, als die Vereinigten Staaten schließlich begannen, mit Sanktionen gegen Nord Stream 2 die stärkste Macht der EU - die Bundesrepublik - unmittelbar aufs Korn zu nehmen [3].


Das "Anti-Coercion Instrument"

Besondere Aktivitäten hat in diesem Kontext der European Council on Foreign Relations (ECFR) entfaltet. Der Think-Tank mit Hauptsitz in Berlin hat im vergangenen Jahr eine Task Force initiiert, die sich mit der Entwicklung eines Instrumentariums gegen wirtschaftliche Zwangsmaßnahmen befasst; von einem "Anti-Coercion Instrument" ("Instrument gegen Zwang") ist die Rede. Die Task Force versammelt zusätzlich zu den Experten des ECFR Parlamentarier, Ministerialbeamte und Wirtschaftsvertreter aus mehreren EU-Staaten; involviert sind inzwischen Deutschland, Frankreich, Spanien, die Niederlande, Schweden und Tschechien. Insbesondere das Auswärtige Amt hat sich Berichten zufolge an der Arbeit beteiligt; sein Staatssekretär Miguel Berger hat die Auftaktsitzung der Task Force geleitet.[4] An einer Onlinetagung, die der ECFR Mitte vergangener Woche zum "Anti-Coercion-Instrument" abhielt, nahm neben Carl Bildt, einem ehemaligen Ministerpräsidenten Schwedens, die Leiterin der Generaldirektion Handel der EU-Kommission, Sabine Weyand, teil. Die deutsche Beamtin war als Stellvertreterin von Michel Barnier auf Seiten der EU maßgeblich an den Brexit-Verhandlungen beteiligt; sie gilt in Brüssel als überaus einflussreich.[5]


Lob aus der deutschen Industrie

Mittlerweile ist auch die EU-Kommission selbst in der Sache aktiv; sie orientiert sich dabei, heißt es, an den Vorarbeiten des ECFR. Am 16. September 2020 kündigten EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und ihr Stellvertreter Maroš Šefčovič an, ein "Instrument" zu schaffen, "das Zwangsmaßnahmen von Drittstaaten abschreckt und ihnen entgegenwirkt".[6] Am 23. März 2021 startete die Kommission einen "Konsultationsprozess", der Stellungnahmen insbesondere von Wirtschaftsvertretern aufnehmen sollte. Die Frist für das Vorlegen von Stellungnahmen ist am 15. Juni abgelaufen; die Kommission bereitet nun die Vorlage des "Anti-Coercion Instrument" im Herbst, voraussichtlich im Oktober, vor.[7] Aus der deutschen Wirtschaft sind positive Reaktionen zu hören. So erklärt der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI): "Die deutsche Industrie begrüßt das Vorhaben", die "Schaffung eines reaktiven Instruments zur Abschreckung und Erwiderung geoökonomischer Maßnahmen" in die Wege zu leiten.[8] Dies sei unumgänglich, weil "extraterritoriale Sanktionen", aber auch andere "Maßnahmen gegen europäische Unternehmen" "mehr und mehr" zur "wirtschaftlichen Austragung geopolitischer Auseinandersetzungen" genutzt würden. Das neue Instrument erlaube es, "die europäischen Handelsinteressen zu schützen".


Ein "EU Resilience Office"

Vergangene Woche hat der ECFR ein neues Papier vorgelegt, das Optionen für das künftige "Anti-Coercion Instrument" der EU skizziert. So könne, heißt es, ein "EU Resilience Office" geschaffen werden - eine neue EU-Behörde, die "möglichen Zwang" durch Drittstaaten auf ökonomischer Ebene umfassend analysiere, gegebenenfalls Handlungsoptionen entwickle und diese gemeinsam mit der EU-Kommission der Entscheidungsinstanz - mutmaßlich dem Europäischen Rat - vorlege.[9] Zu überlegen sei, gegen welche ökonomischen Zwangsmaßnahmen man sich zur Wehr setzen solle; so müsse darüber nachgedacht werden, ob man neben extraterritorialen Sanktionen auch informelle Boykotte mit Gegenmaßnahmen beantworte, wie sie jüngst etwa in China gegen europäische Modemarken gestartet worden seien. Sodann sei zu entscheiden, welche Maßnahmen man selbst in Betracht ziehe. Der ECFR listet unter anderem Investitionsbeschränkungen, Strafzölle, Einschränkungen beim Zugang zum öffentlichen Beschaffungsmarkt in der EU sowie Exportkontrollen auf. Reserviert äußert sich der ECFR zu offenen Gegensanktionen: Für sie seien einstimmige Beschlüsse notwendig, urteilt der Think-Tank; ob diese unter den Mitgliedstaaten tatsächlich zu erreichen seien, sei ungewiss.


Chinas Anti-Sanktions-Gesetze

Der ECFR weist schließlich darauf hin, dass die Lage durch aktuelle Beschlüsse der Volksrepublik China erheblich schwieriger wird. So hat Beijing nicht nur ein "Blocking Statute" nach EU-Vorbild verabschiedet, das es Unternehmen mit Sitz in China - darunter auch chinesische Standorte europäischer Konzerne - untersagt, gegen die Volksrepublik gerichtete Sanktionen einzuhalten.[10] Darüber hinaus sieht ein weiteres Gesetz Strafen für Firmen vor, die diskriminierende Schritte gegen China einleiten. Beide Gesetze haben das Potenzial, deutschen Unternehmen ganz erhebliche Probleme zu bereiten - german-foreign-policy.com berichtet in Kürze. Auch sie wären ein Fall für ein "EU Resilience Office" und das neue "Anti-Coercion Instrument" der Union.

 

[1] S. dazu Vor dem Scheitern.

[2] S. dazu Aus der Folterkammer des Wirtschaftskriegs.

[3] S. dazu Wirtschaft als Waffe.

[4] Moritz Koch: Die EU schlägt zurück: Wie sich die Staatengemeinschaft gegen Sanktionen wehren will. handelsblatt.com 21.10.2020. S. auch Wirtschaft als Waffe (II).

[5] Moritz Koch: Europa rüstet sich für Handelskriege - um sich vor wirtschaftlicher Erpressung zu schützen. handelsblatt.com 23.06.2021.

[6] State of the Union 2020. Letter of Intent to President David Maria Sassoli and to Chancellor Angela Merkel. Brussels, 16 September 2020.

[7] Strengthening the EU's autonomy - Commission seeks input on a new anti-coercion instrument. ec.europa.eu 23.03.2021.

[8] Bundesverband der Deutschen Industrie: Level Playing Field im internationalen Wettbewerb - Handlungsfähigkeit der EU erhöhen. Berlin, Mai 2021.

[9], [10] Jonathan Hackenbroich, Pawel Zerka: Measured Response: How to Design a European Instrument Against Economic Coercion. European Council on Foreign Relations Policy Brief. June 2021.


Info:   https://www.german-foreign-policy.com/news/detail/8647

01.07.2021

5. UMFANG DES GESETZLICHEN VERBOTS DER KEIMBAHNEINGRIFFE IN DEUTSCHLAND

Das in Deutschland geltende Embryonenschutzgesetz verbietet strafbewehrt in § 5 Abs. 1 ESchG jede künstliche Veränderung der Erbinformation von Keimbahnzellen und in § 5 Abs. 2 die Verwendung einer menschlichen Keimzelle mit künstlich veränderter Erbinformation zur Befruchtung. Damit verbietet das Gesetz auch den Versuch einer Keimbahntherapie, also den Versuch der Heilung genetisch bedingter Krankheiten und Leiden durch Veränderung oder Austausch der defekten DNA-Sequenz mittels Eingriffs in die Gameten, die Vorkerne oder die Zellen der Keimbahn. Ausgenommen von dem Verbot ist die künstliche Veränderung der Erbinformation einer außerhalb des Körpers befindlichen Keimzelle, wenn ausgeschlossen ist, dass diese zur Befruchtung verwendet wird (§ 5 Abs. 4 Nr. 1 ESchG). Auch eine künstliche Veränderung der Erbinformation einer sonstigen körpereigenen Keimbahnzelle, die einer toten Leibesfrucht, einem Menschen oder einem Verstorbenen entnommen worden ist, ist nicht verboten, wenn ausgeschlossen ist, dass diese auf einen Embryo, Fötus oder Menschen übertragen wird oder aus ihr eine Keimzelle entsteht (§ 5 Abs. 4 Nr. 2 ESchG). Eine Keimbahn-veränderung als unbeabsichtigte Nebenwirkung von Impfung, Chemotherapie oder Bestrahlung ist ebenfalls von dem Verbot ausgenommen (§ 5 Abs. 4 Nr. 3 ESchG). Nicht ausdrücklich von dem zuletzt genannten Ausnahmetatbestand erfasst ist die Keimbahnveränderung als unbeab-sichtigte Folge einer somatischen Gentherapie. Nach der ratio legis muss auch sie straflos sein.


Für den Begriff „Keimbahnzelle“ liefert das Gesetz eine Definition,9 die sich auf eine direkte Abstammungskette von individuellen Zellen („eine Zell-Linie“), von Eizelle, Samenzelle, befruchteter Eizelle bis zu den Keimzellen des Nachkommen bezieht. Diese Legaldefinition beinhaltet insofern eine Lücke, als der frühe Embryo nach der ersten Zellteilung keine Zellen enthält, die als Keimzellen anzusprechen wären. Bis etwa zur dritten Entwicklungswoche steht nicht fest, welche von den vorhandenen Zellen direkte „Vorfahren“ der späteren Urkeimzellen („primordial germ cells“) werden, sodass zwischen „Somazellen“ und Keimbahnzellen nicht unterschieden werden kann. Zwar wird man die totipotenten Zellen im frühesten Stadium der Embryonalentwicklung als „Keimbahnzellen“ ansehen können;10 bezogen auf Zellen nach dem 8-Zell-Stadium bleibt aber unklar, ob eine Gentherapie in vitro an einzelnen dieser Zellen verboten ist.11 Zur Beseitigung gewisser genetischer Defekte (z. B. die Fähigkeit zur Einnistung oder die korrekte Ausbildung von Organanlagen betreffend) wäre man jedoch auf eine Therapie gerade in dieser frühen Embryonalphase angewiesen. 


Unklar ist ferner, ob die Keimbahnänderung dann von der Strafbarkeit ausgenommen ist, wenn sie in einem Embryo stattfindet, der – wie bei einer kürzlich publizierten Studie12 – nicht entwicklungsfähig ist. Zwar werden arretierte Embryonen, bei denen keine Zellteilung (mehr) stattfindet, nicht vom Em­bryonenschutzgesetz geschützt,13 der § 5 ESchG mit seinem Verbot der Keimbahnänderung stellt aber nicht auf einen Embryo ab und nimmt vom pauschalen Verbot der Keimbahnänderung lediglich Keimzellen aus, die nicht zur Befruchtung verwendet werden.14 Eine Befruchtung oder ein Befruchtungsversuch hat aber bei arretierten Embryonen bereits stattgefunden. Zudem ist unklar und umstritten, ob die fehlende Entwicklungsfähigkeit nur bei Fehlen jeglicher Zellteilung anzunehmen ist oder ob dies auch auf Embryonen zutrifft, die aus genetischen Gründen nicht zur Nidation oder nicht zur weiteren Entwicklung bis zur Geburt gelangen können.15

   _______________________________________________________________________________________________


9 § 8 Abs. 3 ESchG: „Keimbahnzellen im Sinne dieses Gesetzes sind alle Zellen, die in einer ZellLinie von der befruchteten Eizelle bis zu den Ei- und Samenzellen des aus ihr hervorgegangenen Menschen führen, ferner die Eizelle vom Einbringen oder Eindringen der Samenzelle an bis zu der mit der Kernverschmelzung abgeschlossenen Befruchtung.“ 10 Günther (2014), § 5 Rdnr. 9. 11 Zur Unklarheit, ob die Keimbahn bei Säugetieren, also auch beim Menschen, durch die Pluripotenz der Blastomeren des Embryos unterbrochen ist, siehe Taupitz (2014), § 8 Rdnr. 65. 12 In China wurde die CRISPR/Cas9-Technik bei nicht entwicklungsfähigen Embryonen zu Forschungszwecken eingesetzt (Liang et al. 2015). 13 Taupitz (2014), § 8 Rdnr. 20 f. 14 Im Übrigen auch die in § 5 Abs. 4 Nr. 2 genannten Handlungen. 15 Dazu Taupitz (2014), § 8 Rdnrn. 14 ff.

   _______________________________________________________________________________________________


Schließlich enthält das Gesetz keine Aussage dazu, ob der Begriff „Keimzelle“ nur natürlich entstandene Ei- und Samenzellen oder auch (etwa aus induzierten pluripotenten Stammzellen (iPS-Zellen)) künstlich hergestellte Ei- und Samenzellen umfasst.16 Angesichts fehlender gegenteiliger Angaben im Gesetz sind wohl auch künstlich hergestellte Keimzellen gemeint, sofern sie den auf natürlichem Wege entstandenen Keimzellen funktional äquivalent sind.17 Sofern Keimzellen aus iPS-Zellen hergestellt werden und für die Herstellung der iPS-Zelle keine Keimbahnzelle verwendet wurde, liegt allerdings keine künstliche Veränderung der Erbinformation einer menschlichen Keimbahnzelle im Sinne des § 5 Abs. 1 ESchG vor.18 Ein solches Verfahren ist also nicht vom Embryonenschutzgesetz verboten.


Eindeutig vom Verbot der Keimbahnänderung nicht erfasst ist auch die Veränderung der Erbinformation einer somatischen Zelle. Auch der Transfer des Zellkerns einer derart veränderten Zelle in eine entkernte Eizelle ist nicht von § 5 ESchG verboten;19 der Transfer eines genetisch veränderten Zellkerns in eine entkernte Eizelle stellt zudem keinen Verstoß gegen das Verbot des Klonens gemäß § 6 ESchG dar, weil kein Embryo mit der „gleichen“ Erbinformation wie ein anderer Embryo, Fötus oder Mensch entsteht. 20


Insgesamt sind die Verbote des § 5 ESchG wenig klar bzw. wenig konsistent. 


Info: 
Auszug aus den Seiten 15, 16 u. 17 von Genomchirurgie beim Menschen

https://edoc.bbaw.de/ous4-bbaw/files/2483/2015_Analyse_GenomchirurgieBeimMenschen.pdf 


Weiteres:  

01.07.2021

Genome Editing oder Genomchirurgie

de.wikipedia.org, Diese Seite wurde zuletzt am 16. Oktober 2020 um 12:59 Uhr bearbeitet.

Zur Navigation springenZur Suche springen

Genome Editing oder Genomchirurgie[1], deutsch häufig Genom-Editierung,[2] ist ein Sammelbegriff für molekularbiologische Techniken zur zielgerichteten Veränderung von DNA, einschließlich des Erbguts von Pflanzen, Tieren und Menschen.[3]

Wirkungsweise

Grafik zur anschaulichen Erklärung von Genome Editing


Zum Einführen zielgerichteter Veränderungen im Erbgut von komplexen Organismen werden sogenannte Designer-Endonukleasen eingesetzt.[4] Diese Enzyme schneiden doppelsträngige DNA an einer vorbestimmten Zielsequenz, wodurch Doppelstrangbrüche entstehen.[5] Die Doppelstrangbrüche wiederum aktivieren DNA-Reparatur-Prozesse in der Zelle, wie das Non-homologous end-joining (NHEJ) oder die Homologe Reparatur, die auch als homology directed repair (HDR) bezeichnet wird. Während mittels NHEJ Gene gezielt inaktiviert werden, kann die HDR zum gezielten Einfügen definierter Mutationen oder ganzer DNA-Abschnitte ins Genom herangezogen werden.

Die Zeitschrift Nature Methods kürte das Genome Editing 2011 zur Methode des Jahres.[6]

Enzyme

Zu den häufig verwendeten Klassen von Designer-Nukleasen zählen Zinkfingernukleasen (ZFN), Transcription Activator-like Effector Nucleases (TALENs), die CRISPR/Cas-Methode, das CRISPR/Cpf1-System und Meganukleasen (modifizierte Homing-Endonukleasen).[7][8][9] Die spezifische Erkennung der DNA erfolgt bei der Zinkfingernuklease, der TALEN und der Meganuklease durch einen bestimmten Proteinteil, während sie bei den CRISPR-Systemen durch eine spezifische RNA vermittelt wird.

Anwendungen

Genome Editing wird für gezielte Veränderungen des Genoms von Mikroorganismen (weiße Gentechnik),[10] Pflanzen (grüne Gentechnik),[11] Tieren (rote Gentechnik)[12] und beim Menschen (Gentherapie)[13] eingesetzt. Das Genome Editing kann zum gezielten Zerstören eines Gens (Gen-Knockout), zum Einführen eines Gens an einer spezifischen Stelle im Genom (Gen-Knockin) oder zur Korrektur einer Punktmutation in einem Gen verwendet werden.[3]

Base Editing

Eine neue präzise Methode des Genome Editing besteht darin, einzelne Basen in der DNA-Sequenz zu verändern (Base Editing).[14] Hierbei wird eine mutierte Form der Cas9-Nuklease, die die DNA nicht mehr schneiden kann, mit einer Deaminase gekoppelt. Dieses Fusionsprotein ist in der Lage, mit der sgRNA eine gewünschte DNA-Sequenz spezifisch zu erkennen und verändert durch Desaminierung eine Base. Im Falle der Fusion mit Cytidin-Deaminase wird das Cytidin in Uracil umgewandelt, das durch DNA-Reparatur und Replikation mit Thymidin ersetzt wird. Dadurch wird das Basenpaar C-G zu T-A mutiert.[15] Alternativ kann Cas9 mit einer Adenosin-Deaminase gekoppelt werden, so dass das Adenosin in Inosin umgewandelt wird, das nach DNA-Reparatur und Replikation mit Guanosin ersetzt wird. In diesem Fall wird das Basenpaar A-T zu G-C umgewandelt.[16] Die Effizienz des Base Editing liegt zwischen 5 % und 50 %. Da die DNA nicht geschnitten wird, sind unerwünschte Veränderungen weniger häufig.[17] Alle 12 möglichen Punktmutationen sind mit Prime Editing möglich.[18] 2020 gelang es Forschern erstmals, die Gene von Mitochondrien zu bearbeiten. Sie erstellten dazu einen neuartigen CRISPR-freien Base-Editor „DdCBE“ auf Basis eines Bakteriengifts.[19][20]

Regulatorische Aspekte

Zurzeit besteht keine einheitliche Meinung, ob Genom-editierte Organismen wie gentechnisch veränderte Organismen (GVO) einzustufen und somit die für GVO geltenden Richtlinien anzuwenden sind. Der Zusammenschluss nationaler Wissenschaftsakademien von Mitgliedsstaaten der Europäischen Union (EASAC) weist darauf hin, dass die Regulation des Genome Editing nicht die Technik als solches erfassen soll, sondern die spezifischen Anwendungen in den einzelnen Fachgebieten.[21] Zur Zeit stehen die möglichen Anwendungen in der Landwirtschaft, aber auch der denkbare Einsatz in der Medizin im Vordergrund.


Pflanzenzucht

Experten aus verschiedenen Ländern haben vorgeschlagen, dass Genom-editierte Pflanzen, sofern sie keine Fremd-DNA enthalten, Pflanzen aus konventioneller Züchtung gleichzustellen sind.[22] Diese Meinung berücksichtigt die Tatsache, dass sich Genom-editierte Pflanzen häufig nicht von konventionell gezüchteten Pflanzen unterscheiden und sie sich auch durch herkömmliche Methoden züchten lassen.[23]

Ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) vom 25. Juli 2018 setzt Genom-editierte Pflanzen gentechnisch veränderten Organismen (GVO) gleich. Der Gerichtshof argumentiert, dass durch Genome Editing eine auf natürliche Weise nicht mögliche Veränderung am genetischen Material einer Pflanze vorgenommen werde. Er hält fest, dass Genome Editing nicht der konventionellen Mutagenese gleichzusetzen sei, die von den der Regulierung ausgenommen ist, da diese seit Jahrzehnten in der konventionellen Pflanzenzüchtung eingesetzt werde.[24] Diese Beurteilung wird von Wissenschaftlern kritisiert, die darauf hinweisen, dass durch Genome Editing eine wesentlich präzisere Veränderung des Genoms erfolgt als dies bei Mutationszüchtung der Fall ist, bei der durch ionisierende Strahlung oder Genotoxine ziellos Gene verändert werden.[25] Die Zentrale Kommission für die Biologische Sicherheit (ZKBS) sieht keine naturwissenschaftliche Grundlage für die enge Auslegung der GVO-Richtlinie durch den EuGH im Hinblick auf das Genome Editing.[26] In einer Stellungnahme zum EuGH-Urteil weist der Bioökonomierat darauf hin, dass alle Produkte, die mit den neuen Verfahren hergestellt werden, eine sehr aufwendige und teure Zulassungsprozedur durchlaufen müssen. Er plädiert für ein risikobasiertes Genehmigungs- und Zulassungsverfahren.[27] Die Kritik am EuGH-Urteil widerspiegelt die fundamentale Kontroverse über die Gentechnik im Allgemeinen.[28][29]

In den USA sind eine Reihe von Genom-editierte Pflanzen ohne Auflagen durch deren Landwirtschaftsministerium für den kommerziellen Anbau freigegeben worden. Hierbei kann eine Firma vor der Entwicklung der entsprechenden Pflanze beim Ministerium abklären, ob eine Regulation notwendig ist oder nicht. Diese Vorabfrage beschleunigt die Entwicklung neuer Pflanzen wesentlich.[30] Ähnliche Bestimmungen gelten unter anderem in Argentinien, Australien, Brasilien und Japan.[31]

Die international unterschiedlichen Zulassungsvorschriften für Genom-editierte Pflanzen stellen für die Überwachungsbehörden ein kaum lösbares Problem dar, da ohne Vorkenntnisse der genetischen Veränderungen eine Kontrolle importierter Lebensmittel sehr aufwendig ist. In konkreten Fällen wird es nicht möglich sein, zu entscheiden, ob eine Mutation durch Genome Editing oder spontan entstanden ist.[32]

Eine Arbeitsgruppe berichtet im Jahr 2020, dass es ihr gelungen sei, mit PCR eine genomeditierte herbizidresistente Rapslinie spezifisch nachzuweisen.[33] Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) weist darauf hin, dass mit der Methode die Punktmutation nachweisbar ist, dass es aber nicht möglich ist, zu entscheiden, ob die Mutation durch Genome Editing oder durch traditionelle Züchtungsmethoden hergestellt wurde. In der Tat scheint die mit PCR untersuchte Rapslinie durch eine spontane Mutation entstanden zu sein.[34]


Therapie beim Menschen

Siehe auch: Gentherapie

Die Anwendung des Genome Editing beim Menschen durch die Arbeiten des chinesischen Wissenschaftlers He Jiankui im November 2018 hat Kritik ausgelöst. Er hat nach eigenen Angaben den CCR5-Rezeptor bei mehreren menschlichen Embryonen deaktiviert, um so die dann geborenen Kinder immun gegen HIV zu machen[35][36]. Das Vorgehen des chinesischen Forschers widerspricht nach [37] sowohl den internationalen als auch den chinesischen ethischen Richtlinien. Nach [38] sei ein internationales Gremium nötig, um bindende Vorschriften zu erlassen. Die Technik sei noch nicht ausgereift und es gäbe Alternativen wie die Präimplantationsdiagnostik, als dass man in jedem Falle zu dieser Methode greifen könne. Es gäbe jedoch auch die Auffassung, dass das Verfahren begrenzt sei und dass es wichtige medizinische Erfordernisse gäbe, die anders nicht zu erreichen seien.

Literatur

Weblinks


Fortsetzung im Anschluss

Info: https://de.wikipedia.org/wiki/Genome_Editing

01.07.2021

Genome Editing oder Genomchirurgie 

de.wikipedia.org, Diese Seite wurde zuletzt am 16. Oktober 2020 um 12:59 Uhr bearbeitet.

Zur Navigation springenZur Suche springen

Fortsetzung und Schluss


Einzelnachweise  

  1.  BBAWGenomchirurgie beim Menschen. https://edoc.bbaw.de/opus4-bbaw/files/2483/2015_Analyse_GenomchirurgieBeimMenschen.pdf (PDF) S. 10, abgerufen am 2. November 2018.
  2.  siehe etwa Genom-Editierung: Patentstreit um Crispr ist entschieden
  3. ↑ Hochspringen nach:a b J. Lee et al.: Designed nucleases for targeted genome editing. In: Plant Biotechnology Journal. Band 14, Nr. 2. Wiley, 2016, ISSN 1467-7652, S. 448–462, doi:10.1111/pbi.12465 (wiley.com).
  4.  Christien Bednarski, Toni Cathomen: Maßgeschneidertes Genom — Designer-Nukleasen im Einsatz. In: BIOspektrum. Band 21, Nr. 1, 2015, ISSN 1868-6249, S. 22–24, doi:10.1007/s12268-015-0528-4.
  5.  Royce Wilkinson, Blake Wiedenheft: A CRISPR method for genome engineering. In: F1000Prime Rep. Band 6, Nr. 3, 2014, S. 3, doi:10.12703/P6-3PMID 24592315PMC 3883426 (freier Volltext) – (facultyopinions.com).
  6.  Method of the Year 2011. In: Nature Methods. Band 9, Nr. 1, Januar 2012, ISSN 1548-7105, S. 1, doi:10.1038/nmeth.1852PMID 22312634 (nih.gov).
  7.  K. M. Esvelt, H. H. Wang: Genome-scale engineering for systems and synthetic biology. In: Mol Syst Biol. Band 9, Nr. 1, 2013, S. 641, doi:10.1038/msb.2012.66PMID 23340847PMC 3564264 (freier Volltext).
  8.  W. S. Tan, D. F. Carlson, M. W. Walton, S. C. Fahrenkrug, P. B. Hackett: Precision editing of large animal genomes. In: Adv Genet. Band 80, 2012, S. 37–97, doi:10.1016/B978-0-12-404742-6.00002-8PMID 23084873PMC 3683964 (freier Volltext).
  9.  H. Puchta, F. Fauser: Gene targeting in plants: 25 years later. In: Int. J. Dev. Biol. Band 57, 2013, S. 629–637, doi:10.1387/ijdb.130194hp.
  10.  Timothy R. Sampson, David S. Weiss: Exploiting CRISPR/Cas systems for biotechnology. In: BioEssays. Band 36, Nr. 1, 2014, ISSN 1521-1878, S. 34–38, doi:10.1002/bies.201300135PMID 24323919 (wiley.com).
  11.  Daniel F. Voytas, Caixia Gao: Precision Genome Engineering and Agriculture: Opportunities and Regulatory Challenges. In: PLOS Biology. Band 12, Nr. 6, 2014, ISSN 1545-7885, S. e1001877, doi:10.1371/journal.pbio.1001877PMID 24915127 (plos.org).
  12.  Götz Laible, Jingwei Wei, Stefan Wagner: Improving livestock for agriculture – technological progress from random transgenesis to precision genome editing heralds a new era. In: Biotechnology Journal. Band 10, Nr. 1, 2015, ISSN 1860-7314, S. 109–112, doi:10.1002/biot.201400193 (wiley.com).
  13.  David Benjamin Turitz Cox, Randall Jeffrey Platt, Feng Zhang: Therapeutic genome editing: prospects and challenges. In: Nature Medicine. Band 21, Nr. 2, 2015, ISSN 1546-170X, S. 121–131, doi:10.1038/nm.3793PMID 25654603 (nature.com).
  14.  Williams. R.: "Better Base Editing in Plants, The Scientist, February 2019". S. 23, abgerufen am 10. Februar 2019.
  15.  Andrew May: Base editing on the rise. In: Nature Biotechnology. Band 35, Nr. 5, 2017, ISSN 1546-1696, S. 428–429, doi:10.1038/nbt.3871 (nature.com).
  16.  Nicole M. Gaudelli, et al.: Programmable base editing of A•T to G•C in genomic DNA without DNA cleavage. In: Nature. Band 551, Nr. 7681, 2017, ISSN 1476-4687, S. 464–471, doi:10.1038/nature24644PMID 29160308 (nature.com).
  17.  Jin-Soo Kim: Precision genome engineering through adenine and cytosine base editing. In: Nature Plants. Band 4, Nr. 3, 2018, ISSN 2055-0278, S. 148–151, doi:10.1038/s41477-018-0115-z (nature.com).
  18.  Md Mahmudul Hassan, et al.: Prime Editing Technology and Its Prospects for Future Applications in Plant Biology Research. In: sciencemag.org. BioDesign Research, 2020, S. 1–14, abgerufen am 7. Oktober 2020 (englisch, doi:10.34133/2020/9350905).
  19.  The powerhouses inside cells have been gene-edited for the first time. In: New Scientist, 8. Juli 2020. Abgerufen am 12. Juli 2020. 
  20.  Beverly Y. Mok, Marcos H. de Moraes, Jun Zeng, Dustin E. Bosch, Anna V. Kotrys, Aditya Raguram, FoSheng Hsu, Matthew C. Radey, S. Brook Peterson, Vamsi K. Mootha, Joseph D. Mougous, David R. Liu: A bacterial cytidine deaminase toxin enables CRISPR-free mitochondrial base editing. In: Nature. 583, Nr. 7817, Juli 2020, ISSN 1476-4687, S. 631–637. doi:10.1038/s41586-020-2477-4PMID 32641830PMC 7381381 (freier Volltext).
  21.  Robin Fears, Volker ter Meulen: How should the applications of genome editing be assessed and regulated? In: eLife. Band 6, 2017, ISSN 2050-084X, S. e26295, doi:10.7554/eLife.26295PMID 28375079.
  22.  Sanwen Huang, et al.: A proposed regulatory framework for genome-edited crops. In: Nature Genetics. Band 48, Nr. 2, 2016, ISSN 1546-1718, S. 109–111, doi:10.1038/ng.3484 (nature.com).
  23.  Lutz Grohmann, et al.: Detection and Identification of Genome Editing in Plants: Challenges and Opportunities. In: Frontiers in Plant Science. Band 10, 2019, ISSN 1664-462X, S. 236, doi:10.3389/fpls.2019.00236PMID 30930911 (frontiersin.org).
  24.  Gerichtshof der Europäischen Union: Durch Mutagenese gewonnene Organismen sind genetisch veränderte Organismen (GVO) und unterliegen grundsätzlich den in der GVO-Richtlinie vorgesehenen Verpflichtungen. Abgerufen am 13. Februar 2019.
  25.  Ann Ehrenhofer-Murray: Chance verpasst: ein rückwärtsgewandtes Urteil des EuGH zu Genom-editierten Organismen. In: BIOspektrum. Band 24, Nr. 6, 2018, ISSN 1868-6249, S. 573–575, doi:10.1007/s12268-018-0959-9.
  26.  ZKBS: Genome Editing – Auswirkungen des EuGH-Urteils auf die Pflanzenzüchtung. Abgerufen am 13. Februar 2019.
  27.  Bioökonomierat: Genome Editing: Europa benötigt ein neues Gentechnikrecht. In: BÖRMEMO 07. 19. Januar 2019, abgerufen am 13. Februar 2019.
  28.  Eva Gelinsky, Angelika Hilbeck: European Court of Justice ruling regarding new genetic engineering methods scientifically justified: a commentary on the biased reporting about the recent ruling. In: Environmental Sciences Europe. Band 30, Nr. 1, 2018, ISSN 2190-4715, S. 52, doi:10.1186/s12302-018-0182-9PMID 30613460.
  29.  IG Saatgut: Interessengemeinschaft für gentechnikfreie Saatgutarbeit: Neue Gentechnik: Präzise, sicher und unentbehrlich?! Abgerufen am 26. Februar 2019.
  30.  Emily Waltz: With a free pass, CRISPR-edited plants reach market in record time. In: Nature Biotechnology. Band 36, Nr. 1, 2018, ISSN 1546-1696, S. 6–7, doi:10.1038/nbt0118-6b (nature.com).
  31.  Stefan Jansson: Gene-edited plants: What is happening now? In: Physiologia Plantarum. Band 164, Nr. 4, 2018, ISSN 1399-3054, S. 370–371, doi:10.1111/ppl.12853 (wiley.com).
  32.  Heidi Ledford: CRISPR conundrum: Strict European court ruling leaves food-testing labs without a plan. In: Nature. Band 572, Nr. 7767, 2019, S. 15, doi:10.1038/d41586-019-02162-x (nature.com).
  33.  P. Chhalliyil, et al.: A Real-Time Quantitative PCR Method Specific for Detection and Quantification of the First Commercialized Genome-Edited Plant. In: Foods. Nr. 9, 2020, S. 1245 ff., doi:10.3390/foods9091245.
  34.  Neue Nachweismethode verspricht spezifsche Detektion genom-editierter Rapslinien – was kann das Verfahren tatsächlich leisten? Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit, 9. September 2020, abgerufen am 14. Oktober 2020.
  35.  ZEIT online: Emmanuelle Charpentier:Crispr-Entdeckerin kritisiert Genversuche an Babys. Abgerufen am 20. Februar 2019.
  36.  Robin Lovell-Badge: CRISPR babies: a view from the centre of the storm. In: Development. Band 146, Nr. 3, 2019, ISSN 0950-1991doi:10.1242/dev.175778PMID 30728161 (biologists.org).
  37.  Sheldon Krimsky: Ten ways in which He Jiankui violated ethics. In: Nature Biotechnology. Band 37, Nr. 1, 2019, ISSN 1546-1696, S. 19–20, doi:10.1038/nbt.4337 (nature.com).
  38.  Jon Cohen: What now for human genome editing? In: Science. Band 362, Nr. 6419, 2018, ISSN 0036-8075, S. 1090–1092, doi:10.1126/science.362.6419.1090PMID 30523087 (sciencemag.org).
Normdaten (Sachbegriff): GND1116095971

Kategorien


Info: https://de.wikipedia.org/wiki/Genome_Editing

01.07.2021

Der Zwanzigjährige Krieg  Die Bundeswehr hat Afghanistan verlassen. Kriegsbilanz: eine Viertelmillion Todesopfer, eine schwer geschädigte Bevölkerung, die Taliban rasant auf dem Vormarsch.

german-foreign-policy.com, 01. Juli 2021

BERLIN/WASHINGTON/KABUL(Eigener Bericht) - Der zweitlängste und bislang blutigste Militäreinsatz der Bundesrepublik Deutschland ist zu Ende. Nach einem knapp zwanzigjährigen Krieg trafen am gestrigen Mittwoch die letzten Soldaten der Bundeswehr, die in der Nacht zuvor Afghanistan verlassen hatten, auf dem Luftwaffenstützpunkt Wunstorf nahe Hannover ein. In den Kämpfen am Hindukusch sind dem "Costs of War Project" an der US-Elitehochschule Brown University zufolge ungefähr eine Viertelmillion Menschen ums Leben gekommen; hinzu kommt eine unbekannte Zahl von Opfern, die an direkten Kriegsfolgen verstarben. Fast sieben Millionen Afghanen sind auf der Flucht; zahllose Menschen sind verletzt oder verstümmelt, darunter Zehntausende Kinder. Allein die US-Aufwendungen für das Gemetzel belaufen sich auf mehr als 2,2 Billionen US-Dollar; die Bundesregierung gibt die Ausgaben für den Bundeswehreinsatz mit 12,2 Milliarden Euro an. Während die westlichen Truppen abziehen, erobern die Taliban immer weitere Teile Afghanistans; in Kürze dürften dort die Machtverhältnisse vom September 2001 wiederhergestellt sein, also unmittelbar vor Kriegsbeginn.

Zitat:  Eine Viertelmillion Todesopfer

Der Krieg in Afghanistan hat einen furchtbaren Blutzoll gefordert. Verlässliche, der Lage im Land entsprechend jedoch wohl nicht ganz vollständige Opferzahlen legt in regelmäßigen Abständen das "Costs of War Project" vor, das bereits seit dem Jahr 2010 am Watson Institute for International and Public Affairs an der Brown University (Providence/Rhode Island) betrieben wird, einer der acht "Ivy League"-Elitehochschulen der Vereinigten Staaten. Laut dem Projekt sind bis Mitte April 2021 in Afghanistan und in den angrenzenden Gebieten Pakistans, auf die der Krieg übergegriffen hat, rund 241.000 Menschen zu Tode gekommen, darunter rund 71.300 Zivilisten und ungefähr 69.000 afghanische Soldaten und Polizisten.[1] Das "Costs of War Project" listet zudem 2.442 getötete US-Soldaten, 1.144 Militärs verbündeter Streitkräfte sowie beinahe 4.000 umgekommene US-Söldner inklusive weiteren Security-Personals auf. Das Projekt weist ausdrücklich darauf hin, dass diese Aufstellung lediglich die direkten Kriegsopfer umfasst, nicht aber die Afghanen und Pakistaner, die den unmittelbaren Kriegsfolgen zum Opfer gefallen sind. Das bezieht sich etwa auf all diejenigen, die durch Krankheiten, durch Mangel an Wasser, Nahrung und Unterkunft oder vergleichbare kriegsbedingte Umstände ihr Leben verloren haben.


Verletzt, verstümmelt, hungernd

Zu den Todesopfern kommen immense weitere menschliche sowie gewaltige materielle Schäden hinzu. Zahllose Afghanen sind im Krieg verletzt oder verstümmelt worden; die Vereinten Nationen registrierten allein in den vergangenen zehn Jahren außer 7.792 getöteten 18.662 verletzte Kinder - oft Kinder, die durch Sprengfallen, durch liegengebliebene Streumunition oder bei Luftangriffen Gliedmaßen verloren haben.[2] Afghanistan, dessen Bevölkerung zur Zeit mit 36 Millionen Menschen beziffert wird, verzeichnet vier Millionen Binnenvertriebene; weitere 2,7 Millionen Menschen sind ins Ausland geflohen, die meisten davon nach Pakistan oder Iran.[3] Während die Lebenserwartung von 56 Jahren (2001) auf 64 Jahre (2019) gestiegen ist - einer der recht wenigen Fortschritte -, ist die Armutsrate deutlich gewachsen - von 33,7 Prozent im Jahr 2007 auf 54,5 Prozent im Jahr 2016. Im Jahr 2019 berichtete UNICEF, dass 3,7 Millionen afghanische Kinder im Schulalter die Schule nicht besuchten. Zahlreiche Schulen sind - wie unzählige andere Gebäude, zuweilen etwa auch Krankenhäuser - teilweise oder ganz zerstört worden; die Schäden an der ohnehin schwach ausgebildeten Infrastruktur Afghanistans wiegen schwer.


Billionen für den Krieg

Der Krieg in Afghanistan hat darüber hinaus riesige Summen an Geld verschlungen, die für andere Zwecke fehlten. Das "Costs of War Project" beziffert die Ausgaben allein der Vereinigten Staaten von 2001 bis 2021 auf rund 2,26 Billionen US-Dollar. Darin nicht enthalten sind die Beträge, die Washington in den kommenden Jahren und Jahrzehnten an Kriegsveteranen zahlen muss; auch fehlen die Zinsbeträge, die in Zukunft aufgebracht werden müssen, um kriegsbedingt aufgenommene Kredite zu bedienen.[4] Im März wurde bekannt, dass hohe Beträge, mit denen der begleitende Aufbau ziviler Infrastruktur finanziert wurde, verpufften. Laut einem Bericht des Special Inspector General for Afghanistan Reconstruction (SIGAR), einer Aufsichtsstelle der US-Administration, stellte Washington zwar seit 2008 alles in allem 7,8 Milliarden US-Dollar für die Errichtung von Gebäuden und den Erwerb von Fahrzeugen zur Verfügung. Allerdings wurde lediglich ein Teil von ihnen mit einem Wert von nur 1,2 Milliarden US-Dollar wie geplant genutzt.[5] Die meisten wurden im Lauf der Zeit zerstört oder verfielen, weil die Instandhaltung nicht geregelt war; aktuell befinden sich nur noch Gebäude und Fahrzeuge im Wert von 343,2 Millionen US-Dollar "in gutem Zustand".


Milliarden für's Militär

Auch Deutschland hat für den Afghanistan-Krieg hohe Beträge ausgegeben. Allein für den Einsatz der Bundeswehr hat die Bundesregierung von 2001 bis Ende 2020 rund 12,2 Milliarden Euro aufgewandt.[6] Hinzu kamen im selben Zeitraum Ausgaben für humanitäre Hilfe im Wert von 425 Millionen Euro - keine vier Prozent der Summe, die in unmittelbar militärische Belange investiert wurde. Die Höhe weiterer Ausgaben für zivile Projekte, die einsatzbegleitend realisiert wurden, ist nicht genau bekannt; sie lässt sich allerdings anhand einer Auskunft der Bundesregierung vom 11. September 2018 abschätzen, der zufolge von den ressortübergreifend mindestens 15,82 Milliarden Euro, die bis zum 27. August 2018 in Afghanistan ausgegeben wurden, 11,22 Milliarden der Bundeswehr zugute kamen.[7] Für nicht unmittelbar militärische Zwecke wurden demnach gut 4,6 Milliarden Euro genutzt.


Die Taliban in der Offensive

Die voluminösen Finanzmittel - zu den US-amerikanischen und den deutschen Beträgen kommen diejenigen diverser weiterer westlicher Mächte sowie ihrer Verbündeten hinzu - sind in einen Krieg geflossen, der nicht zur zahllose Menschenleben gekostet, kaum bezifferbare soziale Schäden und immense materielle Zerstörung verursacht hat, sondern der zudem de facto verloren, also sogar nach den Maßstäben der kriegführenden Staaten erfolg- und damit sinnlos gewesen ist. Dies belegt, dass inzwischen sogar der ranghöchste Kommandeur der abziehenden US-Truppen, General Austin "Scott" Miller, einen rasanten Vormarsch der Taliban einräumt. Laut Schätzungen von Experten kontrollieren die Taliban mittlerweile rund 140 der insgesamt 370 Distrikte des Landes und verfügen in 170 weiteren über signifikanten Einfluss. "Fast täglich", heißt es, "fallen mehr Distrikte an die Taliban, entweder in gewaltsamen Zusammenstößen oder durch friedliche Kapitulation."[8] Miller spricht von einer "landesweiten Offensive", die eine Entwicklung wie diejenige in den 1990er Jahren nach dem Abzug der sowjetischen Armee befürchten lasse. Nach Lage der Dinge kämen dann in absehbarer Zeit die Taliban in Kabul an die Macht. Damit wäre im Wesentlichen der Zustand des Landes unmittelbar vor Beginn des Krieges im Jahr 2001 erreicht.

 

Mehr zum Thema: Abzug aus Afghanistan und Einbahnstraße nach Kabul.

 

[1] U.S. Costs to Date for the War in Afghanistan, in $ Billions, 2001-2021. watson.brown.edu.

[2] Afghanistan. Visualising the impact of 20 years of war. interactive.aljazeera.com.

[3] Isabel Debre: Counting the costs of America's 20-year war in Afghanistan. apnews.com 30.04.2021.

[4] U.S. Costs to Date for the War in Afghanistan, in $ Billions, 2001-2021. watson.brown.edu.

[5] Kathy Gannon: Report: US wasted billions on cars, buildings in Afghanistan. abcnews.go.com 01.03.2021.

[6] Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Heike Hänsel, Christine Buchholz, Sevim Dağdelen, weiterer Abgeordneter und der Fraktion Die Linke. Deutscher Bundestag, Drucksache 19/28361. Berlin, 12.04.2021.

[7] Afghanistan: rund 16 Milliarden Euro für Frieden und Aufbau. bundeswehr-journal.de 14.11.2018.

[8] Pamela Constable: U.S. military commander in Afghanistan warns of chaotic civil war. washingtonpost.com 29.06.2021.


Info: 
 https://www.german-foreign-policy.com/news/detail/8645
30.06.2021

Die kruden Programmforderungen der GRÜNEN

aus einer Email eines ehemaligen GRÜNEN, der Name ist uns bekannt, 30. Juni 2021 08:03


Nicht genug, dass das grüne Spitzenpersonal Waffenlieferungen an die Ukraine vertritt, das Wort "deutsch" im Programmentwurf vermeidet, die Zuwanderung vergrößern will, welche den Lohndruck auf die unteren Lohngruppen erhöhen wird und zudem ein Braindrain in weniger

entwickelten Ländern bedeutet, streng zur NATO hält, die Energiepreise erhöhen will, ohne dass es sichtbare Alternativen gibt, den Sondermüll in Form von Autobatterien vergrößern möchte, den Menschen durch die Lithiumförderung in Lateinamerika das Wasser abgraben wird, uns abhängig machen wird vom dreckigen Frackinggas aus den USA, uns mit Gendersternchen beglücken möchte, uns im Bereich der EU leichter den Industrieinteressen ausliefern wird und in diesem Rahmen noch die wenigen vorhandenen demokratische Rechte nehmen wird, die

Menschenversuche mit Gentechnik weiter ausbauen wird. Nun fordert Frau Baerbock auch noch ohne Einschränkungen den Ausbau der Mobilfunkversorgung, ohne zu bedenken, was sie der Gesundheit der Menschen damit antut und was dies für die Sondergruppe der Elektrosensiblen bedeutet. Gleichheit jedenfalls nicht! Mit Baerbocks Forderung könnte man dann auch 5G flächendeckend durchdrücken, auch gegen alle Proteste, denn dann zählt 5G zu den

"Menschenrechten", wie von Baerbock hier gefordert. Kruder und verantwortungsloser geht es nicht!


Die Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock hat sich für eine Änderung des Grundgesetzes zur Schaffung gleichwertiger Lebensverhältnisse in Deutschland ausgesprochen.

„Ich möchte den Einsatz für gleichwertige Lebensverhältnisse in ganz Deutschland zu einem Leitmotiv der nächsten Bundesregierung machen“, schreibt Baerbock in einem Fünf-Punkte-Plan, aus dem die Zeitungen der Funke Mediengruppe zitieren. Zur Daseinsvorsorge zählt die Grünen-Chefin auch schnelles Internet. „Deshalb werden wir einen Rechtsanspruch auf

eine ausreichend schnelle Breitband- und Mobilfunkversorgung einführen“, heißt es in dem Papier. NATO- und kapitalkonformer geht es kaum noch. Dieses Programm ist weder sozial, noch ökologisch, noch basisdemokratisch noch gewaltfrei. Für diese Forderungen förderte ich

als Gründungsmitglied vor 40 Jahren diese Partei, ohne damals zu ahnen was daraus werden würde! Hoffentlich merken es die Wähler!

 

( https://www.welt.de/politik/deutschland/article231554075/Annalena-Baerbock-will-gleichwertige-Lebensverhaeltnisse-fuer-Internet-Verkehr-und-mehr.html )
30.06.2021

Panzerverkäufe und Bedrohungsanalysen  Berlin treibt die Anbindung der slowenischen Streitkräfte voran und will gemeinsam mit Ljubljana den "Strategischen Kompass" der EU für mehr Militäreinsätze fertigstellen.

german-foreign-policy.com, 30. Juni 2021

BERLIN/LJUBLJANA(Eigener Bericht) - Die Bundeswehr wird ihre Zusammenarbeit mit den Streitkräften Sloweniens intensivieren und damit die Anbindung ost- und südosteuropäischer Truppenverbände stärken. Dies ist ein Ergebnis des Besuchs von Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer am Montag in Ljubljana. Bislang operieren Einheiten beider Länder vor allem in Einsatzgebieten wie Mali oder Irak Seite an Seite. Darüber hinaus weitet Slowenien seine Einkäufe bei deutschen Waffenschmieden aus und wird für einen dreistelligen Millionenbetrag Radpanzer vom Typ Boxer erwerben. Diese werden von Rheinmetall und Krauss-Maffei Wegmann produziert und sind bisher unter anderem in beträchtlicher Stückzahl an Litauen verkauft worden, mit deren Streitkräften die Bundeswehr an ihrem litauischen Einsatzort Rukla kooperiert. Kramp-Karrenbauer und ihr slowenischer Amtskollege Matej Tonin besprachen zudem den von Berlin initiierten "Strategischen Kompass" der EU, für den die slowenische EU-Ratspräsidentschaft einen fertigen Entwurf vorlegen soll. Er soll mehr EU-Militäreinsätze ermöglichen; dabei basiert er auf einem geheimdienstlich erstellten, unter Verschluss gehaltenen Kern.


Zitat: Der "Strategische Kompass" der EU

Gegenstand der Gespräche, die Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer am Montag mit ihrem slowenischen Amtskollegen Matej Tonin führte, war zunächst der "Strategische Kompass" der EU. Dabei handelt es sich um ein Vorhaben, das von Berlin während der deutschen EU-Ratspräsidentschaft im zweiten Halbjahr 2020 angestoßen wurde. Ziel ist es, die erheblich divergierenden außen- und militärpolitischen Interessen der EU-Mitgliedstaaten, die bislang einer Ausweitung gemeinsamer Militäreinsätze im Wege standen, auf einen einheitlichen Nenner zu bringen; das soll die Schwelle zu EU-Interventionen in aller Welt senken. Zuletzt berieten die EU-Außen- und Verteidigungsminister am 6. Mai dieses Jahres über das Projekt. Geplant ist, bis Ende 2021 einen fertigen Entwurf für den Strategischen Kompass vorzulegen. Zuständig ist die EU-Ratspräsidentschaft, die im zweiten Halbjahr 2021 bei Slowenien liegt. Weil Slowenien und Portugal, das die Ratspräsidentschaft im ersten Halbjahr 2021 innehatte, sich mit Deutschland zu einer sogenannten Triopräsidentschaft zusammengetan haben, sprachen und sprechen sich beide intensiv mit Berlin ab. Aufgrund der Kräfteverhältnisse verlängert dies faktisch die deutsche Ratspräsidentschaft auf eineinhalb Jahre.


Geheimdienste als Stichwortgeber

Der Strategische Kompass basiert dabei auf einem Kern, der jeglicher parlamentarischen Kontrolle entzogen ist: auf einer gemeinsamen "Bedrohungsanalyse", die am 9. November 2020 präsentiert wurde und die als Grundlage für jegliche weitere Diskussion dient. Die Bedrohungsanalyse ist von den geheimdienstlichen Lagezentren INTCEN und EUMS INT erstellt worden, die Teil der Krisenmanagementstrukturen des Europäischen Auswärtigen Diensts und in der Single Intelligence Analysis Capacity (SIAC) verbunden sind. Das INTCEN versammelt neben einem eigenen Stab Vertreter der nichtmilitärischen Geheimdienste der Mitgliedstaaten; für die Bundesrepublik sind Bundesnachrichtendienst (BND) und Verfassungsschutz (VS) beteiligt. Das EUMS INT wiederum bündelt Vertreter der militärischen Nachrichtendienste. War schon die geheimdienstliche Erstellung der Bedrohungsanalyse parlamentarischer Mitwirkung entzogen, so wird auch das fertige Papier keiner parlamentarischen Kontrolle ausgesetzt: Es ist offiziell als "geheim" eingestuft und damit jeglicher Einsichtnahme von Abgeordneten sowohl aus dem Europaparlament als auch aus nationalen Parlamenten entzogen.[1] Damit entwickelt die EU ihre Strategie für ihre Militärinterventionen auf Grundlage eines reinen Geheimdientspapiers.[2]


Künftige Kooperationen

Jenseits ihrer Absprachen über den Strategischen Kompass der EU befassten sich Kramp-Karrenbauer und Tonin am Montag mit dem Ausbau der Kooperation zwischen den Streitkräften beider Länder. Wie das deutsche Verteidigungsministerium mitteilt, wird jetzt "ein gemeinsames Expertenteam etabliert", das "analysieren" soll, "wo Möglichkeiten für künftige Kooperationen bestehen und welche man weiter vertiefen kann".[3] Bereits 2017 hat die Bundeswehr begonnen, große Einheiten des tschechischen sowie des rumänischen Heeres in ihre Landstreitkräfte zu integrieren; damit werden Truppen der östlichen und der südöstlichen Nachbarstaaten für Berlins militärische Aktivitäten verfügbar gemacht.[4] Ähnliches wäre mit Einheiten der slowenischen Streitkräfte denkbar; diese umfassen zur Zeit rund 6.400 Soldaten, sollen aber auf gut 10.000 aufgestockt werden, wozu eine deutliche Erhöhung des slowenischen Militärhaushalts eingeplant wird. Schon heute operieren slowenische Soldaten an mehreren Einsatzorten an der Seite der Bundeswehr: nach Angaben aus Berlin im Irak, im Kosovo und in Mali. Insgesamt befinden sich gegenwärtig rund 300 slowenische Militärs im Auslandseinsatz - unter der Flagge der NATO (Kosovo, Irak) wie auch der EU (Mali).


Deutsche Radpanzer für die Welt

Der zunehmende Anschluss fremder Truppen an die deutschen Streitkräfte geht immer wieder mit dem Kauf deutscher Waffensysteme einher - auch im Fall Sloweniens. Wie Verteidigungsminister Tonin am Montag ankündigte, werden die slowenischen Streitkräfte im Zuge ihrer Modernisierung 45 Radpanzer vom Typ Boxer erhalten.[5] Produziert werden die Panzer von den deutschen Rüstungskonzernen Rheinmetall und Krauss-Maffei Wegmann. Der genaue Preis steht noch nicht fest; Tonin bezifferte ihn allerdings auf eine dreistellige Millionensumme.[6] Slowenien strebt eine Teilproduktion durch slowenische Waffenschmieden an. Kramp-Karrenbauer stellte am Montag eine "Vertiefung der deutsch-slowenischen Rüstungskooperation" in Aussicht; dabei ist allerdings noch unklar, inwieweit die - zu Lasten deutscher Profite gehende - Einbindung slowenischer Rüstungsfirmen gehen soll. Der Radpanzer Boxer wird bislang neben der Bundeswehr von den Streitkräften der Niederlande, Großbritanniens, Australiens und Litauens genutzt. Der Preis für die 88 Boxer, die Litauen bestellt und zum Teil bereits erhalten hat, wird mit 385,6 Millionen Euro angegeben.[7] Die litauischen Streitkräfte haben zudem zum Beispiel 168 Gefechtsstandfahrzeuge M577 (Rheinmetall) sowie 340 Militärunimogs (Daimler) bestellt.


Top-Rüstungskunden

Mit Waffenkäufen wie dem Erwerb der Radpanzer Boxer, den Slowenien jetzt plant, sind in den vergangenen Jahren mehrere vergleichsweise finanzschwache Länder Ost- und Südosteuropas auf Spitzenplätze der deutschen Rüstungsexportlisten gerückt. Als hilfreich für die deutschen Waffenschmieden hat sich dabei die NATO-Forderung erwiesen, die nationalen Rüstungsetats auf mindestens zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts anzuheben und mit den dadurch zusätzlich verfügbaren Mitteln die jeweiligen Waffenbestände zu modernisieren. Zählen zu den Top Ten-Kunden deutscher Rüstungsunternehmen gewöhnlich reiche NATO-Staaten (USA), wohlhabende Verbündete (Südkorea, Australien) oder Erdölstaaten wie Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate, so schaffte es Litauen im Jahr 2017 (damaliges Bruttoinlandsprodukt: 42,1 Milliarden Euro) mit der Bestellung der Radpanzer und anderen Kriegsgeräts im Gesamtwert von fast einer halben Milliarde Euro auf Platz 3. Im Jahr 2019 stand Ungarn (Wirtschaftsleistung damals: 124 Milliarden Euro) mit Rüstungskäufen im Wert von fast 1,8 Milliarden Euro sogar auf Platz 1. Die jüngste "Boxer"-Bestellung könnte in Kürze Slowenien (Bruttoinlandsprodukt 2020: 46,3 Milliarden Euro) zu einem der Top-Kunden deutscher Waffenschmieden werden lassen.

 

[1] Matthias Monroy: Geheimdienste dürfen militärischen Kurs der EU mitbestimmen. netzpolitik.org 06.05.2021.

[2] S. auch Der strategische Kompass der EU (II).

[3] Kramp-Karrenbauer: Expertenteam soll Zusammenarbeit mit Slowenien vertiefen. bmvg.de 29.06.2021.

[4] S. dazu Unter deutschem Kommando.

[5] Gerhard Heiming: 45 Boxer für die slowenischen Streitkräfte? soldat-und-technik.de 29.06.2021.

[6] Kramp-Karrenbauer: Expertenteam soll Zusammenarbeit mit Slowenien vertiefen. bmvg.de 29.06.2021.

[7] S. dazu Jubiläum mit Truppenbesuch.


Info: https://www.german-foreign-policy.com/news/detail/8644    
29.06.2021

„Lügen und Doppelmoral“ - Lafontaine geht mit der EU hart ins Gericht

snanews.de, 28.6.2021

Mit gewohnt spitzer Zunge kommentiert Oskar Lafontaine (Linke) in einem Post auf Facebook die Ablehnung der Staats- und Regierungschefs der EU, wieder das Gespräch mit Moskau zu suchen. Der Politiker wirft der EU Doppelmoral vor.


Da hätten Merkel und Macron mal eine vernünftige Idee gehabt, als sie vorschlugen, dass die europäischen Regierungschefs sich mit Russlands Präsident Putin treffen sollten, schreibt Oskar Lafontaine einleitend. Aber die Mehrheit der europäischen Staatenlenker habe dies abgelehnt. Stattdessen sei beschlossen worden, es gäbe „die Notwendigkeit einer entschlossenen und koordinierten Reaktion der EU und ihrer Mitgliedstaaten auf jede weitere böswillige, rechtswidrige und disruptive Aktivität Russlands“.


„Welch eine Heuchelei. Gilt das auch für böswillige, rechtswidrige und disruptive Aktivitäten der USA“, fragt der Linke-Politiker. „Wie wäre es denn mit entschlossenen und koordinierten Reaktionen auf die rechtswidrigen Drohnenmorde der USA von deutschem Boden aus? Wo bleiben die entschlossenen und koordinierten Reaktionen der EU auf die von den USA 'vom Zaun gebrochenen' völkerrechtswidrigen Kriege? Und ist es nicht böswillig, wenn Washington Deutschland wie bei Nord Stream 2 vorschreiben will, von wem es Gas oder Öl beziehen darf? Von 'Hütern der Menschenrechte' wie den USA und Saudi-Arabien können wir Gas und Öl beziehen, vom bösen Putin nicht?“


Wie lange glaubten die EU-Regierungschefs eigentlich noch, zusammen mit den USA gegenüber Russland eine Politik der doppelten Moral machen zu können? Trotz all ihrer Lügen bleibe wahr:
Die Nato gebe mehr als 17mal so viel für Krieg aus wie Russland (Rüstungsausgaben 2020: Nato: 1,103 Milliarden Dollar, Russland: 61,7 Milliarden Dollar, Quelle: Friedensforschungsinstitut Sipri).


Entgegen den Zusagen, die man Gorbatschow gegeben hätte, sei die Nato an die russische Grenze vorgerückt, und als Dank für die Auflösung des Warschauer Paktes und der Wiedervereinigung Deutschlands werde Russland weiter eingekreist und mit Manövern (Defender 21) vor seiner Grenze provoziert, resümiert Lafontaine.

„Und ob es der Lügenbande passt oder nicht: Die Krim wäre nicht annektiert worden, wenn die USA nicht mit fünf Milliarden den Putsch in der Ukraine finanziert hätten“, stellt Lafontaine klar und verweist auf die entsprechende Aussage der ehemaligen US-Staatssekretärin Victoria Nuland.


„Die Folgen dieser Regime-Change-Politik müssen die unterwürfigen europäischen Vasallen ausbaden. Sie glauben immer noch Joe Bidens Erzählung: Das Eintreten für die Menschenrechte gehöre zur DNA der USA. Wahr ist eher: Lügen und Doppelmoral gehören zur DNA der 'westlichen Wertegemeinschaft'.“


Info: https://snanews.de/20210628/lafontaine-eu-gericht-2647845.html    

29.06.2021

Lufttransportstützpunkt in Georgien       Die Bundeswehr nutzt Georgien als Drehkreuz für ihren Abzug aus Afghanistan. Das Land kooperiert mit EU und NATO, immer stärker aber auch mit Russland.

german-foreign-policy.com, 29. Juni 2021

BERLIN/TIFLIS(Eigener Bericht) - Deutschland verfügt seit kurzem über einen - temporären - Lufttransportstützpunkt in Georgien. Wie die Luftwaffe mitteilt, dient der Stützpunkt in der georgischen Hauptstadt Tiflis als Drehscheibe für den Rückzug der Bundeswehr aus Afghanistan. Seine Einrichtung ausgerechnet in Georgien trägt der Tatsache Rechnung, dass das Land sich nicht nur der EU per Assoziierung angenähert hat, sondern auch seine Bindungen an die NATO intensiviert; so hat sich Georgien an den Manövern im Rahmen von "Defender Europe 2021" beteiligt. Dem steht allerdings die innenpolitische Entwicklung des Kaukasuslandes entgegen, das seit einem Regierungswechsel im Jahr 2012 seine Beziehungen zu Russland weiter ausbaut - unter Protest nationalistischer bzw. prowestlich orientierter Milieus. Bei der Grünen-nahen Heinrich-Böll-Stiftung ist bereits von einer "schleichenden Russifizierung" Georgiens die Rede. Der Vertreter der Stiftung im Südkaukasus fordert, die EU-Politik in der Region müsse eine stärkere außen- und militärpolitische Komponente erhalten - etwaige "Friedensmissionen" inklusive. 


Zitat:  Die lange Geschichte deutscher Einflussnahme

Ein georgischer Staat entstand im 20. Jahrhundert erstmals unter deutscher Besatzung - für eine kurze Zeit gegen Ende des Ersten Weltkriegs.[1] Nach dem Zerfall der Sowjetunion erkannte die Bundesrepublik 1992 als erster Staat überhaupt die Unabhängigkeit Georgiens an und eröffnete noch im selben Jahr eine Botschaft in Tiflis.[2] Bereits 1990 hatte Georgien - noch innerhalb der Sowjetunion - die Flagge des 1918 unter deutscher Besatzung geschaffenen georgischen Staats angenommen. Schon bald versuchte die Bundesrepublik, in dem strategisch wichtig gelegenen Land im Südkaukasus politisch, wirtschaftlich und militärisch Präsenz zu zeigen. Ab 1994 beteiligte sich die Bundeswehr an der UN-Beobachtermission UNOMIG und stellte dabei das größte nationale Truppenkontingent.[3] Die damalige georgische Regierung unter dem einstigen sowjetischen Außenminister Eduard Schewardnadse verfolgte allerdings eine polyvektorielle Außenpolitik und pflegte stets auch relativ gute Beziehungen nach Moskau.


Umsturz und Deregulierung

Das änderte sich radikal nach dem Umsturz des Jahres 2003 ("Rosenrevolution"). Nach diesem unterstützte die Bundesrepublik direkt die Vorbereitungen für die Neuwahl in Georgien.[4] Den Urnengang gewann dann der nationalistisch-neoliberale Hardliner Micheil Saakaschwili, der sein Land eng an die USA und die EU anlehnte und eine Reihe wirtschaftsliberaler Reformen forcierte. Dies führte dazu, dass Georgiens Arbeitsmarkt, wie die bundeseigene Außenwirtschaftsagentur Germany Trade & Invest (gtai) urteilt, "stark dereguliert" und das "Lohnniveau [...] niedrig" ist.[5] Saakaschwilis Reformen bewirkten außerdem, dass der georgische Staat von ausländischen Geldgebern - hauptsächlich von der EU und den USA - abhängiger wurde.[6] Diese Abhängigkeit wurde in konkreten politischen Einfluss umgemünzt: Seit dem Umsturz von 2003 hatten "die USA und die EU immer großen Einfluss auf politische Entscheidungen in Georgien", urteilt Stefan Meister, Büroleiter der Grünen-nahen Heinrich-Böll-Stiftung in Tiflis.[7]


Wieder bessere Beziehungen zu Moskau

Nach Saakaschwilis Abwahl kam erstmals die Partei Georgischer Traum (GD) des Millionärs Bidzina Iwanischwili an die Regierung. Dieser forcierte eine politische und wirtschaftliche Wiederannäherung an Russland. So ernannte Iwanischwili, 2012 bis 2013 georgischer Premierminister, einen Sonderbotschafter für die Wiederherstellung der diplomatischen Beziehungen zu Moskau, bemühte sich um eine Wiederaufnahme der Handelsbeziehungen und kooperierte mit Russland bei der Absicherung der Olympischen Winterspiele 2014 in Sotschi.[8] Im Zuge der politischen Annäherung Georgiens an Russland hielt der russische Parlamentarier Sergej Gawrilow im Rahmen der Orthodoxen Inter-Parlamentarischen Versammlung (IAO) im Sommer 2019 auf Russisch eine Rede im georgischen Parlament. Aus Protest randalierten nationalistische Anhänger der Opposition in Tiflis. Dabei wurden rund 240 Menschen verletzt und 300 Menschen festgenommen.[9] Der Vorfall führte in eine anhaltende innenpolitische Krise.


Anhaltender Einfluss von EU und USA

Nach den Parlamentswahlen im Herbst 2020 blockierten fast alle georgischen Oppositionsparteien das Parlament, da sie der GD-Regierung Manipulationen vorwarfen. Durch die Vermittlung von EU-Diplomaten konnte die politische Krise entschärft werden.[10] Der Umstand, dass EU-Diplomaten in solch einer Krise vermitteln, zeigt den großen Einfluss, den EU-Botschafter in Tiflis haben. Der erhebliche Einfluss verschiedener Organisationen aus EU und USA führte 2019 auch zu vermehrter öffentlicher Kritik. Im November 2019 kritisierte Iwanischwili US-amerikanische Organisationen wie das National Democratic Institute (NDI) und das International Republican Institute (IRI) als parteiisch, da sie irreführende Umfragen zu Ungunsten des Georgischen Traums verbreiteten.[11] Sogar die weiterhin von dem im Exil lebenden Ex-Premierminister Saakaschwili dominierte nationalistische Partei Vereinte Nationale Bewegung (VNB) kritisierte den Einfluss von Diplomaten aus EU und USA.[12]


"Schleichende Russifizierung"

Im Zuge der innenpolitischen Krise zog sich Bidzina Iwanischwili Anfang dieses Jahres offiziell aus der Politik zurück und gab auch den Posten des GD-Parteivorsitzenden, den er seit 2018 innehatte, ab. Trotzdem wird er bis heute "verdächtigt, [...] noch immer eine enorme informelle Macht über die staatlichen Institutionen Georgiens zu besitzen".[13] Gleichzeitig attestieren Experten der EU trotz der im Jahr 2016 vollzogenen EU-Assoziierung Georgiens eine Verringerung ihres Einflusses auf die Kaukasusrepublik. Stefan Meister (Heinrich-Böll-Stiftung) sieht in Georgien gar eine "schleichende Russifizierung" vonstatten gehen, die sich in einer "Schwächung formeller Institutionen zugunsten informeller und korrupter Praktiken" ausdrücke. Damit führe der Georgische Traum das Land "weg von den Werten und Prinzipien der EU".[14]


Arbeitsbeziehungen mit Abchasien

Während manche den inneren Einfluss des Westens in Georgien sogar schon als gering einstufen, haben EU-Vertreter im Südkaukasus die Flucht nach vorn angetreten. In Abchasien, das sich nach dem Zerfall der Sowjetunion von Georgien lossagte, dessen Unabhängigkeit bis heute aber nur von wenigen Staaten - darunter Russland - anerkannt wird, wurde Anfang des Jahres 2020 Aslan Bschania zum Präsidenten gewählt. Dieser gehört der auf größere Unabhängigkeit von Russland orientierten Strömung in Abchasien an.[15] Im Oktober 2020 besuchte der EU-Repräsentant für den Südkaukasus Abchasien und erklärte, es sei sein Ziel, "Arbeitsbeziehungen" der EU mit Abchasien zu etablieren.[16] Im November 2020 Jahres sowie im März, April und Juni 2021 kehrte er jeweils in die abchasische Hauptstadt Suchum zurück und traf sich dort mit hochrangigen Mitgliedern der abchasischen Regierung.[17]


Grüne: Mehr Militär!

Laut dem Büroleiter der Grünen-nahen Böll-Stiftung besteht ein mögliches Mittel des Westens, der für EU und USA nicht vorteilhaften innenpolitischen Entwicklung Georgiens zu begegnen, in stärkeren außen- und militärpolitischen Aktivitäten in der Region. Stefan Meister kam im März dieses Jahres zu dem Schluss, nach dem Erstarken der Türkei, aber auch Russlands im Südkaukasus infolge des Krieges um Bergkarabach im Herbst 2020 benötige die EU-Politik in der Region "eine stärkere sicherheitspolitische Komponente", die Entsendung sogenannter Friedensmissionen inklusive: "Georgien braucht einen Kompass, der in Teilen von der EU von außen gegeben werden kann."[18]


Militärische Kooperation

Bei etwaigen stärkeren militärpolitischen Aktivitäten in Georgien kann die Bundesrepublik auf eine 25-jährige Geschichte aufbauen. Ab 1996 spendete Deutschland Georgien unentgeltlich aus Bundeswehrüberbeständen ausgemusterte Rüstungsgüter wie Küstenwachboote, Feldfernsprecher und Funkgeräte.[19] Nach dem Kaukasuskrieg des Jahres 2008 entsandte die Bundeswehr darüber hinaus einen Berater in das südkaukasische Land. Der Beratereinsatz dauerte bis zum Jahr 2012.[20] Im selben Jahr erkundete eine Beratermission der Bundeswehr, inwiefern sich georgische Flugplätze für den Rückzug der deutschen ISAF-Truppen eignen würden.[21] Bis zum vergangenen Jahr bildeten deutsche Soldaten in der Bundesrepublik georgische Soldaten für den Einsatz in Afghanistan aus. In dem zentralasiatischen Land dienten georgische und deutsche Militärs dann gemeinsam.[22] Unabhängig davon bildet die Bundeswehr an der Führungsakademie in Hamburg im Rahmen des "Lehrgangs Generalstabsdienst/Admiralstabsdienst International" hochrangige georgische Offiziere aus.[23] Wie die deutsche Luftwaffe Anfang des Monats mitteilte, unterhält sie seit Neuestem einen - temporären - Lufttransportstützpunkt in der georgischen Hauptstadt Tiflis. Dieser dient dem Abzug der Bundeswehr aus Afghanistan.[24]

 

[1] Winfried Baumgart: Das Kaspi-Unternehmen - Größenwahn Ludendorffs oder Routineplanung des deutschen Generalstabs?, in: Jahrbücher für Geschichte Osteuropas, Jg. 18 (1970), S. 231–278.

[2] Georgien: Beziehungen zu Deutschland. auswaertiges-amt.de 05.03.2021.

[3] Georgien - UNOMIG und OSZE-Mission. bundeswehr.de (ohne Datum).

[4] S. dazu Keine Großmachtspiele!

[5] Uwe Strohbach: Liberales Regelwerk und niedrige Lohnkosten prägen Arbeitsmarkt. gtai.de 10.06.2020.

[6] Lincoln A. Mitchell: Compromising democracy: state building in Saakashvili's Georgia, in: Central Asian Survey, Jg. 28 (2009), Nr. 2, S. 171–183 (hier: S. 181).

[7] Stefan Meister: Georgien: Gefangen in der Eskalationsspirale. boell.de 03.03.2021.

[8] Regis Gente: Bidzina Ivanishvili, a man who plays according to Russian rules?, in: Caucasus Survey, Jg. 1 (2013), Nr. 1, S. 117–126 (hier: S. 124/125).

[9] Shota Kincha: Die Georgische Demokratie ist von lebenserhaltenden Maßnahmen abhängig. boell.de 19.02.2021.

[10] Jan Dresel: Demonstrationen und Proteste. hss.de 03.08.2019.

[11] Götz-Martin Rosin, Peter-Andreas Bochmann: Innenpolitische Krise in Georgien beendet? freiheit.org 11.06.2021.

[12] Stefan Meister: Georgien: Gefangen in der Eskalationsspirale. boell.de 03.03.2021.

[13] Franziska Smolnik, Mikheil Sarjveladze, Giorgi Tadumadze: Patt in Georgien. SWP-Aktuell Nr. 27. Berlin, 25.03.2021.

[14] Stefan Meister: Georgien: Gefangen in der Eskalationsspirale. boell.de 03.03.2021.

[15] David X. Noack: Abchasien will Veränderung. junge Welt 26.03.2020.

[16] Toivo Klaar: "The purpose of the visit of the European Union delegation is to start working relationship with the leadership of Abkhazia". apsnypress.info 15.10.2020.

[17] Aslan Bzhania: I expect that the upcoming meeting in Geneva will be effective. apsnypress.info 29.11.2020. Irakli Tuzhba: Recent events in Nagorno-Karabakh demonstrate that our region remains explosive enough. apsnypress.info 05.03.2021. Vice President Badra Gunba received EU special representative for the South Caucasus Toivo Klaar. apsnypress.info 12.04.2021. The 53rd round of Geneva discussion on safety and stability in Caucasus will be held on june 29-30. apsnypress.info 16.06.2021.

[18] Stefan Meister: Georgien: Gefangen in der Eskalationsspirale. boell.de 03.03.2021.

[19] Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage des Abgeordneten Hakki Keskin und der Fraktion Die Linke. Drucksache 16/11157: Beteiligung der Bundesrepublik Deutschland und der NATO an der militärischen Aufrüstung Georgiens, 01.12.2008.

[20], [21] Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage des Abgeordneten Alexander S. Neu und der Fraktion Die Linke. Drucksache 18/1410: Auslandsaufenthalte der Bundeswehr ohne Mandat des Deutschen Bundestages, 12.05.2014.

[22] Martin Waltemathe: Fit für den Einsatz - vom Kaukasus nach Augustdorf. bundeswehr.de 27.07.2020.

[23] Sophie Düsing: Patenschaft: Wenn Fremde zu Freunden werden. bundeswehr.de 12.12.2019.

[24] Thomas Wiegold: Abzug aus Afghanistan: Mit dem A400M nach Tiflis, per Charter nach Hause. augengeradeaus.net 10.06.2021.


Info: 
https://www.german-foreign-policy.com/news/detail/8642
28.06.2021

Bundestag beschließt permanente Grundrechts-Eingriffe für Einreisende aus Risikogebieten, während die Deutschen über den „Regenbogen“ debattieren

deutsche-wirtschafts-nachrichten.de, 28.06.2021  15:21

In den vergangenen Tagen wurde im Zusammenhang mit der EM auffällig intensiv eine „Regenbogen“-Diskussion geführt. Währenddessen wurde im Bundestag nahezu klammheimlich eine Novelle des Infektionsschutzgesetzes verabschiedet, wonach nach Auslaufen der „epidemischen Lage“ weiterhin Einschränkungen der Reisefreiheit möglich sind. 

Horst Seehofer (CSU), Bundesminister des Innern, für Bau und Heimat, Jens Spahn (CDU), Bundesminister für Gesundheit, Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) Karl Lauterbach (SPD) und Olaf Scholz (SPD), Bundesminister der Finanzen, nehmen an der Sitzung des Bundestags teil. Thema ist die erste Lesung zur Änderung des Infektionsschutzgesetzes. (ohne Foto: dpa)


Zitat:  

Am 24. Juni 2021 hat der Bundestag völlig unbemerkt von der Öffentlichkeit eine Novelle des Infektionsschutzgesetzes beschlossen. „So „klammheimlich“ wurde gestern vom Bundestag eine 

Novelle des Infektionsschutzgesetzes  (https://dserver.bundestag.de/btd/19/309/1930938.pdf)

beschlossen: spät abends, ohne angemessene Ankündigung oder Debatte, im Schatten d. Coro-na-,Lockerungen', überlagert von einer heuchlerischen ,Regenbogen'-Diskussion und versteckt in einem ablenkenden Gesetzestext. Die Regierung kann demnach bis zu einem Jahr nach einem Auslaufen einer ,epidemische Lage von nationaler Tragweite' die Reisefreiheit weiterhin ein-schränken, unabhängig vom Parlament“, so Tobias Riegel auf „Nachdenkseiten.de“. (s. "Weitere")


In der Novelle heißt es: „§ 36 Absatz 12 des Infektionsschutzgesetzes vom 20. Juli 2000 (BGBl. I S. 1045), das zuletzt durch Artikel 1 des Gesetzes vom 28. Mai 2021 (BGBl. I S. 1174) geändert worden ist, wird wie folgt gefasst: (12) Eine aufgrund des Absatzes 8 Satz 1 oder des Absatzes 10 Satz 1 erlassene Rechtsverordnung tritt spätestens ein Jahr nach der Aufhebung der Feststellung der epidemischen Lage von nationaler Tragweite durch den Deutschen Bundestag nach § 5 Absatz 1 Satz 2 außer Kraft. Bis zu ihrem Außerkrafttreten kann eine aufgrund des Absatzes 8 Satz 1 oder des Absatzes 10 Satz 1 erlassene Rechtsverordnung auch nach Aufhebung der epidemischen Lage von nationaler Tragweite geändert werden.“


„Durch Artikel 9 werden die Grundrechte der körperlichen Unversehrtheit (Artikel 2 Absatz 2 Satz 1 des Grundgesetzes), der Freiheit der Person (Artikel 2 Absatz 2 Satz 2 des Grundgesetzes), der Freizügigkeit (Artikel 11 Absatz 1 des Grundgesetzes) und der Unverletzlichkeit der Wohnung (Artikel 13 Absatz 1 des Grundgesetzes) eingeschränkt.‘ 7. Der bisherige Artikel 9 wird Artikel 11 und Absatz 2 wird wie folgt gefasst: (2) ,Die Artikel 1, 2, 6, 7 Nummer 1, 2 und 4 sowie Artikel 8 treten am 1. Juli 2023 in Kraft.‘“


Riegel kritisiert: „Mit dem Ausnahmezustand einher gehen die fortgesetzten Schikanen, im konkreten Punkt vor allem gegen reisewillige, nicht geimpfte Bürger (…) Dass die Impf-Motivation vieler Bürger mutmaßlich nicht zuerst durch gesundheitliche Sorgen getrieben ist, sondern eher durch den Wunsch, ,die Freiheiten wiederzuerlangen‘, diese Vermutung wird auch durch vor allem auf die ,Freiheit‘ (nicht die Gesundheit) abzielende Impfkampagnen gestärkt.“


Zur Frage, worum es bei dem gesamten Vorgang in Wirklichkeit geht, führt Norbert Häring aus: „Ein weltweit verwendeter digitaler Impfnachweis ist Teil der von der Rockefeller Foundation angestoßenen, von Microsoft und der Impfallianz Gavi vorangetriebenen Kampagne ID2020. Diese zielt darauf ab, jedem Erdenbürger einen digitalen Identitätsnachweis zu verpassen, der für alle möglichen behördlichen und privaten Zwecke Verwendung findet, und so die Totalüberwachung zu vervollkommnen.“


Rockefeller und WEF treiben Einführung einer digitalen Identität voran

Das Weltwirtschaftsforum und die Rockefeller Stiftung sind die Haupttreiber der Einführung von digitalen Gesundheitspässen. Das Weltwirtschaftsforum (WEF) wörtlich: „CommonPass zielt darauf ab, ein globales Standardmodell zu entwickeln und einzuführen, mit dem Menschen ihren COVID-19-Status sicher dokumentieren und präsentieren können (entweder als Testergebnisse oder als eventueller Impfstatus), um internationale Reisen und Grenzübertritte zu erleichtern und gleichzeitig ihre Gesundheitsinformationen privat zu halten. CommonPass erkennt an, dass die Länder souveräne Entscheidungen über Grenzeintritts- und Gesundheitsprüfungsanforderungen treffen werden, einschließlich der Frage, ob Tests erforderlich sind oder welche Art von Tests erforderlich sind.“


Das WEF wirbt in einem Video für das CommonPass-Projekt – HIER.


Mehr zum CommonPass-Projekt - HIER.


Der Guardian berichtet: „Paul Meyer, der CEO des Commons-Projekts, das vor zwei Jahren von der Rockefeller Foundation mit Startkapital ausgestattet wurde und den digitalen Gesundheits-pass erstellte, sagte, Länder, die Grenzen geschlossen und Quarantänen verhängt haben, suchen nach Wegen, ihre Grenzen ,nachdenklich wieder zu öffnen‘. ,Es ist schwer, das zu tun‘, sagte er dem Guardian. ,Es erfordert die Fähigkeit, die Gesundheit ankommender Reisender beurteilen zu können (…) Hoffentlich werden bald einige Impfstoffe auf den Markt kommen, aber es wird nicht nur einen Impfstoff geben.“


Das WEF berichtet: „Das Common Trust Network wird durch ein globales Register vertrauens-würdiger Labor- und Impfdatenquellen, Standardformate für Laborergebnisse und Impfauf-zeichnungen sowie Standardwerkzeuge ermöglicht, um diese Ergebnisse und Aufzeichnungen digital zugänglich zu machen. Das Register wird gemeinnützig als offener, gemeinsamer Dienst für das Gemeinwohl betrieben.


Das Common Trust Network wird auch durch ein gemeinsames globales Register für Regierun-gen und andere Reiseziele ermöglicht, ihre Einreisebestimmungen für Gesundheitsuntersuchun-gen in einem gemeinsamen Format zu veröffentlichen, was es Reisenden und der Reisebranche erleichtert, die Anforderungen der einzelnen Reiseziele zu verstehen und einzuhalten. Die Registrierung besteht aus:


  • CommonTrust-Datenquellen. Die teilnehmenden Gesundheitsorganisationen, einschließlich Labors und Impfstellen, erklären sich damit einverstanden, Einzelpersonen den digitalen Zugang zu ihren Gesundheitsinformationen unter Verwendung offener, global interoperabler Standards (z. B. nachprüfbare HL7 FHIR-, W3C-Berechtigungsnachweise) zu ermöglichen. Datenquellen erklären sich damit einverstanden, Einzelpersonen über eine oder mehrere der folgenden Möglichkeiten Zugriff auf ihre Informationen zu gewähren: Apple Health (iOS) / CommonHealth (Android), Andere digitale Brieftaschen-Apps, mit QR-Codes gedrucktes Papier mit überprüfbaren W3C-Anmeldeinformationen. Diese Datenquellen erklären sich auch damit einverstanden, als Emittenten in der CommonTrust-Registrierung aufgeführt zu werden. Die teilnehmenden Regierungen werden gebeten, Datenquellen in ihrem Hoheitsgebiet als genehmigte Quellen auszuweisen. 


  • CommonTrust-Zielregeln. Die teilnehmenden Länder, Gerichtsbarkeiten und anderen Ziele (Fluggesellschaften, Schiffe, öffentliche Verkehrsmittel, Hotels, Veranstaltungsorte, Veranstaltungen, Büros, Schulen ...) erklären sich damit einverstanden, ihre Anforderungen für die Einreise in ein maschinenlesbares Standardformat im CommonTrust-Register zu veröffentlichen und beizubehalten.“


Aus einem Papier geht die Kollaboration internationaler Fluggesellschaften mit dem WEF zur Einführung eines digitalen Gesundheitspasses als Voraussetzung für internationale Flüge hervor. „Netwoche.ch“ berichtet: „Die Swiss und vier weitere Fluggesellschaften verwenden ab Dezem-ber einen digitalen Reisepass. Dieser soll bestätigen, dass Passagiere nicht positiv auf Covid-19 getestet wurden, wie der Hersteller über Twitter mitteilt. Entwickelt wurde die Lösung von der Foundation The Commons Project mit Sitz in Genf mit Unterstützung vom Weltwirtschaftsforum (WEF). Das System basiert auf dem Commontrust-Netzwerk und wurde im Oktober getestet. Das Commontrust-Netzwerk besteht aus Partnerfluggesellschaften und einer wachsenden Anzahl von Laboren und Gesundheitsdienstleistern auf der ganzen Welt gemäss dem Entwickler. Nun soll es von der Swiss, Jetblue, Lufthansa, United Airlines und Virgin Atlantic auf ausgewählten Flügen von New York, Boston, London und Hongkong eingesetzt werden.“


Zuvor hatte die Präsidentin der EU-Kommission, Ursula von der Leyen, die Idee gemeinsamer Impfbescheinigungen unterstützt , die von der EU erstellt und von den Mitgliedstaaten an jede Person ausgestellt werden können, die gegen COVID-19 geimpft wird. Die EU-Kommission hatte https://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/512877/Bundestag-beschliesst-nahezu-heimlich-permanente-Grundrechts-Eingriffe-waehrend-die-Deutschen-ueber-den-Regenbogen-schwatzenschließlich zwei Jahre vor der Corona-Pandemie eine „Roadmap zur Impfung“ für die öffentliche Gesundheit ausgearbeitet (Mehr HIER und HIER).


Info: 
https://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/512877/Bundestag-beschliesst-nahezu-heimlich-permanente-Grundrechts-Eingriffe-waehrend-die-Deutschen-ueber-den-Regenbogen-schwatzen   



Weitere:  



Reisefreiheit: Beschneidung der Grundrechte bei Nacht und Nebel


nachdenkseiten.de, 25. Juni 2021 um 12:17 Ein Artikel von: Tobias Riegel

In einem skandalösen und geradezu „heimlichen“ Akt wurde im Bundestag beschlossen, auch nach Auslaufen einer „epidemischen Lage“ weiterhin Einschränkungen der Reisefreiheit möglich zu machen. Die Bürger können also weiterhin schikaniert werden – dann sogar entkoppelt von zahlreichen ohnehin ungeeigneten „Virus“-Kriterien. Mögliches Motiv: eine Schwächung des Widerstands gegen Massenimpfung und die Einführung des digitalen Impfpasses als Einfallstor für Überwachung. 


Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verfügbar.

Podcast: Play in new window | Download


Zitat: So „klammheimlich“ wurde gestern vom Bundestag eine Novelle des Infektionsschutzgesetzes (https://dserver.bundestag.de/btd/19/309/1930938.pdf) beschlossen: spät abends, ohne angemessene Ankündigung oder Debatte, im Schatten der Corona-„Lockerungen“, überlagert von einer heuchlerischen „Regenbogen“-Diskussion und versteckt in einem ablenkenden Gesetzestext. Die Regierung kann demnach bis zu einem Jahr nach einem Auslaufen einer „epidemische Lage von nationaler Tragweite“ die Reisefreiheit weiterhin einschränken, unabhängig vom Parlament. Inhalt sowie Art und Weise des Vorgangs sind skandalös.


Der „versteckte“ Entzug von Grundrechten

Versteckt wurde die Änderung im Entwurf eines Gesetzes zur Harmonisierung des Stiftungsrechts: Diesem wurde ein Artikel 9 angehängt, der das erst vor kurzem geänderte Infektionsschutzgesetz weiter verschärft. § 36 Absatz 12 des Infektionsschutzgesetzes wird demnach wie folgt gefasst:


„Eine aufgrund des Absatzes 8 Satz 1 oder des Absatzes 10 Satz 1 erlassene Rechtsverordnung tritt spätestens ein Jahr nach der Aufhebung der Feststellung der epidemischen Lage von nationaler Tragweite durch den Deutschen Bundestag außer Kraft. Bis zu ihrem Außerkrafttreten kann eine aufgrund des Absatzes 8 Satz 1 oder des Absatzes 10 Satz 1 erlassene Rechtsverordnung auch nach Aufhebung der epidemischen Lage von nationaler Tragweite geändert werden.“


Der Journalist Norbert Häring ordnet das folgendermaßen ein:

„Ohne jede öffentliche Diskussion wurde dafür gesorgt, dass die Regierung noch ein Jahr nachdem die epidemische Notlage für beendet erklärt worden ist, per Notstandsermächtigung über Aufhebung, Beibehaltung oder Verschärfung von Einschränkungen unserer Reisefreiheit entscheiden darf, ohne das Parlament zu fragen.“

Artikel 10 stellt zudem fest, dass Artikel 9 die Freiheit der Person, die Freizügigkeit, die Unverletzlichkeit der Wohnung und die körperliche Unversehrtheit von Bürgern einschränkt. Dieser Passus wurde aber bereits im November in das Gesetz eingefügt.*


„Epidemische Lage“ braucht keine Notlage

Erst kürzlich wurde die „epidemische Lage von nationaler Tragweite“ verlängert, obwohl trotz bemühter Dramatisierung keine Notlage zu erkennen ist: Das Ausrufen einer „epidemischen Lage von nationaler Tragweite“ wurde damit von den (bereits ungeeigneten) bisherigen Kriterien weitgehend entkoppelt. Mit der gestrigen Entscheidung erleben wir die zusätzliche Entkoppelung von Ausnahme-Regelungen sogar von der bereits fragwürdig definierten “epidemischen Lage“: Droht also der potenziell stets verlängerbare Ausnahmezustand, der nun gänzlich ohne evidenzbasierte Begründung und ohne gültige Kriterien auskommt?


Mit dem Ausnahmezustand einher gehen die fortgesetzten Schikanen, im konkreten Punkt vor allem gegen reisewillige, nicht geimpfte Bürger. Beobachter sehen ein mögliches Motiv dieser Schikanen darin, dass die Bürger einer Impfung und dem digitalen Impfpass eher zustimmen, wenn durch diese Zustimmung eine Milderung der sie betreffenden Schikanen erreicht werden kann. Dass die Impf-Motivation vieler Bürger mutmaßlich nicht zuerst durch gesundheitliche Sorgen getrieben ist, sondern eher durch den Wunsch, „die Freiheiten wiederzuerlangen“, diese Vermutung wird auch durch vor allem auf die „Freiheit“ (nicht die Gesundheit) abzielende Impfkampagnen gestärkt. Eine fortgesetzte (und von Evidenzen und rationalen Kriterien entkoppelte) Schikane etwa von Reisewilligen wird also wahrscheinlich die „Impfbereitschaft“ stärken. Manche Kritiker bezeichnen diese Motivation durch Freiheitsentzug auch als „Impferpressung“.


Mit Schikanen zur Zustimmung für Überwachung?

Im Lichte von angestrebter Massenimpfung und der Ungleichbehandlung zwischen Geimpften und Nichtgeimpften erscheint der hoch umstrittene digitale Impfpass dann als ein „unverzichtbares Instrument“ – schließlich sei der digitale Impfpass zur Unterscheidung der beiden Gruppen essenziell. Dieser digitale Impfpass kann auch als Einfallstor für sehr weitreichende und sehr beunruhigende Maßnahmen der Massenüberwachung wahrgenommen werden, wie etwa Norbert Häring in zahlreichen Artikeln beschrieben hat. So führt Häring aktuell aus:

„Ein weltweit verwendeter digitaler Impfnachweis ist Teil der von der Rockefeller Foundation angestoßenen, von Microsoft und der Impfallianz Gavi vorangetriebenen Kampagne ID2020. Diese zielt darauf ab, jedem Erdenbürger einen digitalen Identitätsnachweis zu verpassen, der für alle möglichen behördlichen und privaten Zwecke Verwendung findet, und so die Totalüberwachung zu vervollkommnen.“

* Aktualisierung 26.06.2021 10:15 Uhr: Dieser Satz wurde nachträglich ergänzt.


Rubriken:

Audio-Podcast Überwachung Erosion der Demokratie Gesundheitspolitik Innen- und Gesellschaftspolitik Strategien der Meinungsmache

Schlagwörter:



Info: https://www.nachdenkseiten.de/?p=73707

28.06.2021

Defender-Skandal / Biowaffen / "Gerassimow-Doktrin"

aus E-Mail von Doris Pumphrey, vom 27. Juni 2021   27.6.2021 21:15


<https://de.rt.com/international/119830-defender-vorfall-geheimdokumente-britischen-verteidigungsministerium/>

27.6.2021

*Defender-Skandal: Geheimdokumente des britischen Kriegsministeriums beweisen provokative Absicht


*An einer Bushaltestelle in Kent wurden laut BBC Geheimdokumente gefunden. Darin werden mögliche Reaktionen Russlands auf die Durchfahrt der HMS Defender durch Gewässer vor der Krim durchgespielt. Die jetzt veröffentlichten Dokumente belegen die bewusste Provokation dahinter.


Hinter einer Bushaltestelle im britischen Kent wurden am Dienstagmorgen laut Darlegung der /BBC/ <https://www.bbc.com/news/uk-57624942>  geheime Dokumente des Verteidigungs-ministeriums des Vereinigten Königreiches gefunden, die brisante Details über die Operations-planung der HMS Defender im Schwarzen Meer enthalten. Ein Bürger, der anonym bleiben

möchte, kontaktierte die /BBC/, als ihm die Sensibilität der Inhalte bewusst wurde. Die Doku-mente wurden noch einen Tag vor der spektakulären Operation gefunden und dann weitergelei- tet. Es bleibt allerdings unklar, b die /BBC/ noch vor oder erst nach der Operation der HMS Defender vor der Krim die geheimen Dokumente erhielt. Fakt bleibt aber, dass sogar ein /BBC/-Journalist am Mittwoch beim Eindringen des britischen Zerstörers HMS Defender in russische Hoheitsgewässer an Bord war.


In der staatlichen Dokumentation, die insgesamt fast 50 Seiten umfasst, werden die möglichen Reaktionen Russlands auf die Durchfahrt der HMS Defender durch angeblich "ukrainische" Gewässer vor der Küste der Krim diskutiert. Die Dokumente beschreiben außerdem auch Pläne für einen möglichen Fortbestand der britischen Militärpräsenz in Afghanistan nach dem vollstän-digen Abzug der US-Truppen aus diesem Land am Hindukusch.


Die Dokumente zeigen, dass eine vom britischen Verteidigungsministerium als "harmlose Durchfahrt durch ukrainische Hoheitsgewässer" bezeichnete Operation durchaus ganz bewusst mit der Erwartung durchgeführt wurde, dass Russland "aggressiv" reagieren könnte.


Zwischen den russischen Streitkräften und der britischen Marine kam es bekanntlich im Schwarzen Meer am Mittwoch zu einem Zwischenfall. Nach Angaben des Verteidigungsminis-teriums in Moskau feuerten sowohl ein Schiff der russischen Küstenwache als auch ein Su-24-Kampfflugzeug mehrmals angekündigte Warnschüsse gegenüber einem britischen Zerstörer

und warfen neben dem Kriegsschiff noch mehrere Bomben ab.


Die HMS Defender drang unweit der Halbinsel Krim bis zu drei Kilometer weit in russische Hoheitsgewässer ein. Das britische Schiff erhielt mehrere Vorwarnungen, dass Waffen eingesetzt werden, wenn die Staatsgrenzen der Russischen Föderation verletzt werden. Nach den Warnschüssen der russischen Schwarzmeerflotte sowie des Grenzschutzes beim Inlandsgeheimdienst FSB drehte das britische Schiff schließlich ab.


Die Operation war im Vereinigten Königreich offenbar noch am Montag Gegenstand hochran-giger Diskussionen, wie die Dokumente belegen. Beamte hätten über die möglichen Reaktionen Russlands spekuliert, falls die HMS Defender in die Gewässer nahe der Krim einlaufen würde. Drei mögliche russische Antworten werden skizziert, von "sicher und professionell" bis "weder 

sicher noch professionell". Im letzten Szenario wird gemutmaßt, Russland könne sich entschei-den, agressiv zu reagieren: mit Warnschüssen, Küstenwacheschiffen, die sich bis auf 100 Meter nähern, und  Kampfflugzeugen, die das britische Schiff dort überfliegen, heißt es in den Dokumenten.


Es wird in den gefundenen Dokumenten durchaus auch eine alternative Fahrtroute für das Schiff in Betracht gezogen, wodurch die HMS Defender "umstrittene" Gewässer meiden könnte. Diese Route würde zwar eine Konfrontation verhindern, aber damit laufe man Gefahr, dies könne von Russland als Beweis dafür dargestellt werde, dass "das Vereinigte Königreich Angst hat und deswegen wegläuft". Das könne den Russen womöglich sogar erlauben zu behaupten, dass das Vereinigte Königreich Moskaus Anspruch auf die Hoheitsgewässer vor der

Krim nachträglich anerkannt habe, heißt es in den Dokumenten.


Abgesehen von den Spekulationen über die Operation selbst, befassen sich die Dokumente auch noch mit den möglichen Reaktionen der Öffentlichkeit auf den Zwischenfall. Britische Sicherheitsbeamte erwarteten konkurrierende Versionen der Berichterstattung über die Operation: "Wir haben ein starkes, legitimes Narrativ", stellt man in den Dokumenten fest. Die Anwesenheit der  Journalisten (von der /BBC/ und der /Daily Mail/) an Bord des Zerstörers biete "eine Option zur unabhängigen Überprüfung der Aktionen der HMS Defender".


Bei dem Einsatz gehe es nach der Darstellung in den Dokumenten insbesondere um die "Freiheit der Schifffahrt" und eine "klare Bekräftigung der Souveränität der Ukraine" nach der angeblichen "Annexion" der Krim durch Russland im Jahr 2014.


Die Dokumente befassen sich auch mit weiteren, anderen Sicherheitsthemen. Der frühe Fokus der Biden-Administration auf China und den Indopazifik zeige, "dass es immer noch viel Kontinuität zur vorherigen Regierung gibt". Die Dokumente beinhalten auch Vorschläge, was Großbritannien auf geopolitischer Ebene dabei tun könne.


Das Dokument erörtert ein amerikanisches Ersuchen um britische Hilfe in mehreren spezifi-schen Bereichen und befasst sich so zum Beispiel mit der Frage, ob britische Spezialeinheiten nach dem vollständigen Abzug der US-Truppen in Afghanistan verbleiben. Medienberichte deuten bereits darauf hin, dass Großbritannien erwägt, einige Kräfte dort zu belassen.

Aufgrund der Sensibilität des Dokuments hat die /BBC/ beschlossen, keine Details darüber zu veröffentlichen, da dies die Sicherheit von britischem und anderem Personal in Afghanistan gefährden könne. "Jeder britische Fußabdruck in Afghanistan, der fortbesteht, wird als anfällig

für Angriffe durch ein komplexes Netzwerk von Akteuren eingeschätzt", heißt es in dem Dokument.


Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums erklärte, ein Mitarbeiter habe den "Verlust sensibler Verteidigungspapiere bereits gemeldet". Die britische Regierung teilte ebenfalls mit, dass bereits eine Untersuchung eingeleitet worden um herauszufinden, wie Geheimdokumente auf der Straße landen konnten.




<https://de.rt.com/russland/119690-russischer-sicherheitsrat-klare-anzeichen-biowaffe/>

26.6.2021

*Russischer Sicherheitsrat: Klare Anzeichen für eine Wiederkehr von Biowaffen


*Auf der Moskauer Konferenz über Internationale Sicherheit erklärt der Sekretär des russischen Sicherheitsrats Nikolai Patruschew, es gebe klare Anzeichen dafür, dass Biowaffen erneut zu militärischen und politischen Zwecken eingesetzt werden könnten.


Es gebe klare Anzeichen dafür, dass man gefährliche Krankheitserreger militärisch oder politisch zu nutzen versuche. Dies hat der Sekretär des russischen Sicherheitsrats Nikolai Patruschew auf der 9. Moskauer Konferenz über Internationale Sicherheit gesagt. Die Konferenz, die im

vergangenen Jahr pandemiebedingt abgesagt worden war, findet vom 22. bis 24. Juni statt. In Bezug auf Biowaffen teilte Patruschew mit: /"Tatsächlich erleben wir ein Wiederaufleben biologischer Waffen."/


Dem Politiker zufolge solle die Weltgemeinschaft in diesem Zusammenhang erkennen, dass die Orte von Ausbrüchen gefährlicher Krankheiten mit den Standorten ausländischer biologischer Laboratorien in einzelnen Ländern zusammenfallen. Der Sekretär des russischen Sicherheitsrats präzisierte:

/"Ihre Aktivitäten sind streng geheim und führen zum Verlust von Souveränität im Bereich der biologischen Sicherheit der Staaten, auf deren Territorium sich diese Anlagen befinden."/


In Hinsicht auf die COVID-19-Krise betonte Patruschew, dass "Russland den Impfstoff niemals für politische Zwecke missbrauchen wird, wie es leider einige westliche Länder tun". Er unterstrich, Moskau bleibe offen und bereit für eine internationale Zusammenarbeit im Kampf gegen die

Ausbreitung des Coronavirus.




<https://de.rt.com/meinung/119821-echte-gerassimow-doktrin-russland-hat/>

27.6.2021

*Die echte "Gerassimow-Doktrin": Russland hat das Recht, sich nuklear zu verteidigen

*/von Jonny Tickle/

*

*Auf der Moskauer Konferenz für internationale Sicherheit unterstrich Russlands Armeechef Waleri Gerassimow, dass Moskau sich das Recht vorbehalte, Nuklearwaffen einzusetzen, wenn ein Angreifer solche gegen Russland einsetzt oder die Existenz des russischen Staates bedroht wird.


Russland habe das Recht, als Reaktion auf den Einsatz von Massenvernichtungswaffen gegen sich oder seine Verbündeten Nuklearwaffen einzusetzen, selbst dann, wenn Russland lediglich mit konventionellen Waffen angegriffen und dadurch die Existenz des russischen Staates  bedroht wird.


Das sagte Waleri Gerassimow, oberster Armeechef der russischen Streitkräfte, auf der Moskauer Konferenz für internationale Sicherheit. Gerassimow ist seit 2012 auf seinem Posten und wurde 2014 von der EU wegen angeblicher Bedrohung der territorialen Integrität, Souveränität und Unabhängigkeit der Ukraine auf eine Sanktionsliste gesetzt. Er betonte auch, dass die Bedingun-gen für den Einsatz nuklearer Waffen sehr begrenzt und streng reglementiert seien.


Gerassimows Rede erfolgte, nachdem Präsident Wladimir Putin ein Dekret unterzeichnet hatte, das Nuklearwaffen als Teil der Abschreckungspolitik Russlands billigt. Im Dekret ist festgehalten, dass Russland sein atomares Potenzial auf einem "ausreichenden Niveau halten sollte, um

Abschreckung zu gewährleisten" und damit die "Souveränität und territoriale Integrität des Staates" zu verteidigen. "Russland betrachtet Atomwaffen ausschließlich als Mittel der Abschreckung und deren Einsatz als eine extreme Zwangsmaßnahme", heißt es im Dekret.


In derselben Rede sprach Gerassimow über den neuen START-Vertrag, der die Reduzierung von Atomwaffen regelt und Anfang des Jahres von Putin und seinem US-Amtskollegen Joe Biden verlängert wurde. Laut dem Armeechef ist der neue START-Vertrag das "einzige internationale

Abkommen" zur Rüstungskontrolle, das noch existiert. Gerassimow stellte fest, dass seine Verlängerung um fünf Jahre zur strategischen Stabilität beigetragen hat. "Beide Seiten sind an der Vorhersehbarkeit der Entwicklung der nuklearen Streitkräfte der anderen Seite interessiert.

Kontrollmaßnahmen gewährleisten diese Vorhersehbarkeit", sagte er.


Der neue START-Vertrag, der ursprünglich 2010 von den Präsidenten Barack Obama und Dmitri Medwedew unterzeichnet wurde, erlegt Russland und den USA hinsichtlich der zulässigen Anzahl von einsatzbereiten Raketen, nuklear bestückten Bombern und die Anzahl Atomspreng-köpfen Beschränkungen auf. Er hält auch Beschränkungen für ballistische Interkontinental-

raketen und von U-Booten abgeschossene ballistische Raketen fest.


Außerhalb Russlands ist Gerassimow vor allem durch die gleichnamige "Gerassimow-Doktrin" bekannt geworden, die es allerdings nicht gibt. Diese war 2013 kurzerhand von einem britischen "Russland-Experten" erfunden worden, basierend auf einer Fehlübersetzung staatsnaher US-Medien einer Rede Gerassimows. Trotzdem wurde der Begriff "Gerassimow-Doktrin" zum Selbstläufer in den westlichen Mainstream-Medien und zur systemumfassenden hybriden russischen Kriegsführung mit nicht militärischen und militärischen Methoden aufgebauscht. Ironischerweise sprach Gerassimow damals in seiner Rede jedoch über die westliche Verwen-dung solcher Methoden, nicht die russische.

28.06.2021

Im Einsatz am Schwarzen Meer     Britische Marineprovokation vor der Krim geschah parallel zur Stationierung deutscher Eurofighter am Schwarzen Meer. EU verschärft ebenfalls die Spannungen mit Russland.

german-foreign-policy.com, 28. Juni 2021

BERLIN/LONDON/BUKAREST(Eigener Bericht) - Zeitgleich zum jüngsten Marinezwischenfall vor der Krim hat die deutsche Luftwaffe einen Einsatz am Schwarzen Meer begonnen. Während der britische Zerstörer HMS Defender Mitte vergangener Woche in die Hoheitsgewässer vor der Krim eindrang - ausweislich britischer Geheimdokumente in provokativer Absicht - und damit fast einen Zusammenstoß mit den russischen Streitkräften vom Zaun brach, sind zum ersten Mal deutsche Eurofighter im Rahmen der NATO-Luftraumüberwachung auf dem militärischen Flughafen der rumänischen Hafenstadt Constanța stationiert worden. Sie operieren dort innerhalb einer Alarmrotte der britischen Luftwaffe. Gleichzeitig beteiligt sich die Bundeswehr am Aufbau des Multinational Corps South-East, eines regionalen NATO-Hauptquartiers im rumänischen Sibiu. Zeigt die britische Marineprovokation, wie schnell die militärische Lage in einem Einsatzgebiet der Bundeswehr eskalieren kann, so verschärft auch die EU die Spannungen mit Moskau. Pläne, ein Gipfeltreffen der Union mit Russlands Präsident Wladimir Putin abzuhalten, wurden von den östlichen und südöstlichen Mitgliedstaaten torpediert.

Zitat: Zwischenfall vor der Krim

Geheime Papiere aus dem britischen Verteidigungsministerium, die in der Nacht von Montag auf Dienstag vergangener Woche unter nicht geklärten Umständen durchweicht an einer Bushaltestelle in Kent (Südostengland) aufgefunden worden waren, bieten neue Einblicke in die Vorbereitung der Londoner Marineprovokation vor der Krim am vergangenen Mittwoch. An jenem Tag war der britische Zerstörer HMS Defender auf dem Weg aus dem Hafen von Odessa ins georgische Batumi unmittelbar am Südzipfel der Krim vorbeigefahren. Dabei drang er, wie Berichte "eingebetteter" Journalisten von der BBC und dem konservativen Boulevardblatt Daily Mail bestätigen, klar in die Zwölfmeilenzone vor der Halbinsel Krim und damit in deren Hoheitsgewässer ein; diese werden, seit die Krim 2014 der Russischen Föderation beigetreten ist, von Russland beansprucht. Wie aus den in Kent gefundenen Papieren hervorgeht, standen bei der Vorbereitung der Fahrt zwei verschiedene Routen zur Auswahl. Eine vermied das Eindringen in die Hoheitsgewässer; sie wurde letztlich nicht gewählt. Dabei war ausweislich den Dokumenten, die offenkundig bei einem am Montag abgehaltenen "UK-US Defence Dialogue" vorlagen [1], den Planern völlig klar, dass das Eindringen in die Zwölfmeilenzone zu scharfen Reaktionen auf russischer Seite führen würde.


In provokativer Absicht

Die Papiere belegen ebenfalls, dass bei der Auswahl der Route die Absicht im Mittelpunkt stand, mit der demonstrativen Missachtung der russischen Ansprüche Londons Position zu bekräftigen, es handele sich bei der Zwölfmeilenzone vor der Krim um "ukrainische Hoheitsgewässer"; jegliche Abstimmung mit Moskau über die Fahrt der HMS Defender sei deswegen überflüssig.[2] Die Fahrt des Zerstörers verfolgte damit denselben Zweck wie die sogenannten Freedom of Navigation-Operationen der U.S. Navy im Südchinesischen Meer; US-Kriegsschiffe durchqueren dort regelmäßig Zwölfmeilenzonen vor kleinen Inseln, die China für sich beansprucht - ein Anspruch, den Washington nicht anerkennt.[3] Der Zwischenfall vor der Krim belegt das Eskalationspotenzial derartiger Provokationen: Die russischen Streitkräfte brachten, wie ein von russischer Seite publiziertes Video bestätigt, mit Warnschüssen eines Kriegsschiffs sowie dem Abwurf von Bomben aus einem Militärflugzeug die HMS Defender dazu, die Hoheitsgewässer der Krim zu verlassen. Moskau warnt, wiederholte Provokationen werde man nicht hinnehmen - und beim nächsten Mal keine Warnschüsse, sondern gezielte Schüsse auf ein eindringendes Kriegsschiff abgeben.[4] Die HMS Defender ist gegenwärtig mit einer Flugzeugträgerkampfgruppe auf dem Weg ins Südchinesische Meer.


Sea Breeze 2021, Defender Europe 2021

Der Zwischenfall vor der Krim ereignete sich kurz vor dem heutigen Beginn des Manövers Sea Breeze 2021, das von der Sixth Fleet der U.S. Navy gemeinsam mit der ukrainischen Marine abgehalten wird. An der Kriegsübung, die seit 1997 jährlich im Schwarzen Meer stattfindet, nehmen 32 Staaten von allen Kontinenten teil, darunter Australien, Japan und Südkorea, Brasilien, Ägypten, Tunesien, Marokko und Senegal, Großbritannien und zahlreiche Staaten von NATO und EU. Gemeldet sind 5.000 Soldaten, 32 Kriegsschiffe, 40 Flugzeuge und 18 Spezialkräf-teeinheiten; damit ist die Übung die größte ihrer Art seit Beginn der Serie im Jahr 1997.[5] Trainiert werden einer Mitteilung der US-Seestreitkräfte zufolge verschiedene Bereiche der Kriegführung, darunter amphibische Manöver sowie Manöver an Land, maritime Abriegelungs-operationen, Luftabwehr und U-Boot-Abwehr, Rettungs- sowie Spezialkräfteoperationen.[6] Sea Breeze 2021 beginnt unmittelbar nach dem Abschluss von Defender Europe 21, einem Großmanöver, das die Verlegung von US-Großverbänden aus den Vereinigten Staaten nach Europa probte - in diesem Jahr speziell nach Südosteuropa sowie ans Schwarze Meer.[7] Involviert waren rund 28.000 Soldaten aus 26 Staaten, darunter zahlreiche, die auch an Sea Breeze 2021 beteiligt sind.


Eurofighter in Constanța

Zwar nimmt die Bundeswehr - im Unterschied zu früheren Jahren - laut offiziellen Angaben nicht an Sea Breeze 2021 teil. Dennoch sind deutsche Soldaten zur Zeit in der Region im Einsatz - zum ersten Mal im Rahmen der Luftraumüberwachung in Rumänien. Wie im Baltikum [8], so hat die NATO auch an ihrer südosteuropäischen Flanke ein enhanced Air Policing South (eAPS) etabliert, das die sichere Kontrolle des rumänischen Luftraums insbesondere über dem Schwarzen Meer gewährleisten soll. Seit Mitte vergangener Woche sind Eurofighter-Kampfjets vom Taktischen Luftwaffengeschwader 71 "Richthofen" aus Wittmund auf dem militärischen Flughafen der Hafenstadt Constanța am Schwarzen Meer stationiert; sie sind dort in eine Alarmrotte der Royal Air Force integriert, um im Ernstfall an der Seite der britischen Einheit zum schnellstmöglichen Einsatz bereit zu sein.[9] Die Bundeswehr beteiligt sich zudem am personellen Ausbau des Multinational Corps South-East, eines Hauptquartiers der NATO, das in Zukunft für die Führung von Landoperationen in der Region zuständig sein soll. Es hat seinen Sitz in Sibiu und wird ab 2024 voll einsatzfähig sein. Seine "Anfangsbefähigung" wurde vor wenigen Tagen im Rahmen von Defender Europe 21 geprüft.[10]


In der Negativspirale

Zeigt die jüngste britische Marineprovokation vor der Krim, wie schnell die militärische Lage in einem Stationierungsgebiet der Bundeswehr eskalieren kann, so verschärft neben der NATO auch die EU die Spannungen mit Russland. Auf dem EU-Gipfel Ende vergangener Woche in Brüssel behaupteten die Staats- und Regierungschefs der Union, sie sähen "die Notwendigkeit einer entschlossenen und koordinierten Reaktion der EU und ihrer Mitgliedstaaten" auf "jede weitere böswillige, rechtswidrige und disruptive Aktivität Russlands".[11] Dazu soll nun eine Konzeption erarbeitet werden, die bei missliebigen Handlungen der russischen Regierung Strafmaßnahmen vorsieht - neue Wirtschaftssanktionen inklusive. Die EU-Kommission hatte bereits zuvor einen weiteren "Niedergang der Beziehungen zu Russland" prognostiziert.[12] Ein Vorstoß der scheidenden Bundeskanzlerin Angela Merkel und des französischen Präsidenten Emmanuel Macron, ein Gipfeltreffen mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin ins Auge zu fassen, um eine unkontrollierte Eskalation der Beziehungen zu verhindern, wurde vor allem von ost- und südosteuropäischen Mitgliedstaaten erfolgreich torpediert, die sich als EU-Speerspitze im Machtkampf gegen Moskau gerieren: die baltischen Staaten, Polen und Rumänien.

 

[1], [2] Paul Adams: Classified Ministry of Defence documents found at bus stop. bbc.co.uk 27.06.2021.

[3] S. dazu Ostasiens Mittelmeer (II) und Eine Giftpille gegen China.

[4] Jochen Buchsteiner, Friedrich Schmidt, Gerhard Gnauck: Ein gefährliches Spiel. Frankfurter Allgemeine Zeitung 25.06.2021.

[5] Ed Adamczyk: Ukraine, U.S. Navy's 6th Fleet prepare for Black Sea exercises. upi.com 21.06.2021.

[6] U.S. Sixth Fleet announces Sea Breeze 2021 participation. c6f.navy.mil 21.06.2021.

[7] S. dazu Kräftemessen am Schwarzen Meer und Kein Lockdown für Militärs (II).

[8] S. dazu Jubiläum mit Truppenbesuch.

[9] Deutsche Eurofighter über Rumänien - die Mission beginnt. bundeswehr.de 24.06.2021.

[10] In Rumänien wächst ein neues NATO-Korps heran. bundeswehr.de 21.06.2021.

[11] European Council meeting (24 and 25 June 2021) - Conclusions. Brussels, 25 June 2021.

[12] S. dazu In der Negativspirale.



Info: https://www.german-foreign-policy.com/news/detail/8641   
28.06.2021

Endgültige Plenarprotokolle - Deutscher Bundestag

Die Plenarprotokoll-Übersicht umfasst die Plenarprotokolle seit Beginn der 1. Wahlperiode (September 1949). Sie können Plenarprotokolle entweder über die Filterfunktion oben finden oder in der Übersicht darunter navigieren. Ab der 16. Wahlperiode sind neben den Plenarpro-tokollen auch die entsprechenden Videoaufzeichnungen und Tagesordnungen erfasst. 


Tipp: Wenn Sie nach einem bestimmten Thema suchen möchten, so nutzen Sie bitte die Suchfunktionen im Dokumentations- und Informationssystem für Parlamentarische Vorgänge (DIP).



Info:  https://www.bundestag.de/dokumente/protokolle/plenarprotokolle

27.06.2021

Kampf um Anerkennung: LGBTQ in der ukrainischen Armee

dw.com, 27. Juni 2021

Sie sind Patrioten ihres Landes und verteidigten es an vorderster Front im Donbass: Militärs, die der LGBTQ-Gemeinschaft angehören. Doch sie müssen in der Ukraine auch noch für eigene Rechte kämpfen. Eine DW-Reportage.



privat LGBTQ-Abzeichen ukrainischer Militärs


Die Stille im improvisierten Kino wird plötzlich durch das Geräusch einer zerborstenen Fensterscheibe unterbrochen. In den Raum fliegt ein brennender Feuerwerkskörper. Rechtsradikale, die im Zentrum von Kiew die Vorführung eines Films über LGBTQ-Menschen "belagern", gehen in die Offensive. Zum Einsatz kommen Tränengas und Pyrotechnik. Einer der Kinogäste springt auf die Fensterbank und wirft die Rakete wieder auf die Straße. Die maskierten Männer rennen daraufhin erschrocken davon.


Der Name des mutigen Mannes ist Viktor Pylypenko. Er war Angehöriger der Anti-Terror-Operation der ukrainischen Armee im Donbass und ist Gründer der ukrainischen LGBTQ-Vereinigung für Gleichberechtigung. Der schlanke 34-jährige Veteran mit einem Hoodie und Ohrringen sieht eher wie ein großstädtischer Hipster aus. Doch der Eindruck trügt. Von 2014 bis 2016 war er als Freiwilliger des Bataillons "Donbass" während der heftigen Kämpfe in der Ostukraine im Einsatz. Als ausgebildeter Übersetzer für Englisch und Französisch erhielt er an der Front den Spitznamen "Franzose".


"Coming-out ein Schritt ins Ungewisse"

Im Sommer 2018 sprach Pylypenko als erster ukrainischer Soldat öffentlich über seine Homosexualität. "Natürlich war es unheimlich, wie ein Schritt ins Ungewisse", erinnert er sich. Zwei Jahre lang an der Front verheimlichte Viktor vor seinen Kameraden, mit denen er im Schützengraben lag, dass er auf Männer steht.


Mykola Berdnyk/DW Viktor Pylypenko verheimlichte lange seine Homosexualität

"Das war ein ständiges Versteckspiel, ich habe mit Frauen geschlafen, nur damit niemand denkt, ich sei schwul", erinnert er sich. Seine Kollegen hätten ihre Frauen und Kinder manchmal in die Kaserne mitbringen und sie allen vorstellen können. "Für Schwule und Lesben ist so etwas leider unmöglich und das muss sich ändern", sagt Pylypenko.


Er fühlte sich durch sein Coming-Out darin bestärkt, auf Dutzende von Schwulen, Lesben und Transgender-Personen zuzugehen, die beim Militär sind oder in Freiwilligen-Bataillonen waren. 2019 nahmen etwa 30 von ihnen erstmals mit einer eigenen Gruppe am "Marsch für Gleichberechtigung" in Kiew teil. Heute hat die Gruppe "Ukrainische LGBTQ-Militärs für gleiche Rechte" über 100 Mitglieder, und es werden immer mehr, sagt Pylypenko stolz: "In manchen Einheiten wird in Rauchpausen über die LGBTQ-Militärs gesprochen. Danach googelt jemand unsere Gruppe und nimmt mit uns Kontakt auf."


Reaktionen: Von Unterstützung bis hin zu Übergriffen

Einer davon ist der 23-jährige Fernspäher Serhij Afanasjew. Er hat sich erst vor kurzem in sozialen Netzwerken geoutet. Ermuntert wurde er dazu von seinen Kameraden aus der Gruppe der LGBTQ-Militärs. Serhij sagt, er sei nun erleichtert, kein Doppelleben mehr führen zu müssen. Die anderen Militärangehörigen an der Front hätte gelassen reagiert: "Ich habe einen guten Kommandeur, er sagte, es sei mein Leben und er habe kein Recht, sich einzumischen. Ich würde gut dienen, daher sei alles ist in Ordnung."


Anders als Serhij hat sich die Berufssoldatin einer anderen Einheit bei ihren Kollegen noch nicht geoutet. Beim Gespräch mit der DW will sie anonym bleiben. "Dass ich bisexuell bin, wissen nur ganz wenige, denen ich stark vertraue. In der Gesellschaft ist leider immer noch diverser Aberglaube verbreitet. Aber bald will ich mein Coming-out wagen und werde dann wohl meine Freundesliste aufräumen müssen", sagt sie.


Video: US-Armee lässt Müllberge in Afghanistan zurück (AFP)

Video Player von: Glomex (Datenschutzrichtlinien)

Die Reaktion von Kollegen auf ein Coming-out hänge sehr vom Team und dem Kommandeur ab, sagt Pylypenko. Er selbst habe verbale Belästigungen in sozialen Netzwerken erfahren. Doch die meisten Kameraden hätten ihn unterstützt. "Insbesondere diejenigen, die Seite an Seite mit mir gegen den Feind gekämpft haben, mit denen ich Verwundete gerettet habe", erinnert er sich. Doch 2019, bei einer Gedenkveranstaltung an die Toten der Schlacht von Ilowajsk, wurde Pylypenko von einem ehemaligen Kollegen angegriffen. "Ich trug blaue Flecken am Rücken und im Gesicht davon. Ich habe mich nicht gewehrt, sondern versucht, ihn mit Worten zu beruhigen", sagt der Veteran.


Kampferfahrung für LGBTQ-Aktivisten hilfreich

Wie andere LGBTQ-Aktivisten fühlen sich auch Militärs nach einem Coming-out auf den Straßen Kiews nicht ganz sicher. Obwohl es der Polizei seit dem Angriff von Rechtsradikalen auf den "Marsch für Gleichberechtigung" im Jahr 2015, bei dem zehn Teilnehmer verletzt wurden, meist gelingt, Gewalt bei LGBTQ-Aktionen zu verhindern, veranstalten Homophobe oft sogenannte "Safaris". "In kleinen Gruppen jagen sie dann LGBTQ-Aktivisten in der Stadt, wegen ihrer gefärbten Haare oder des Regenbogen-Symbols", so Viktor.


Die Gewalt erwidern die LGBTQ-Militärs aber nicht mit Gewalt. "Es gab Momente, wo mir Leute sagten, ich solle doch zurückzuschlagen. Aber ich habe sie gestoppt. Denn wenn man mit physischer Gewalt reagiert, legitimiert man Gewalt gegen einen selbst", meint Pylypenko, dem seine Kampferfahrung und Menschenrechtsarbeit heute eine Hilfe ist und eine gewisse Gelassenheit verleiht. Er findet, die LGBT-Community sollte Gewalt entschlossen entgegentreten, aber nicht mit Fäusten und definitiv nicht mit Waffen.


Einsatz für das Recht auf Lebenspartnerschaft

Die wichtigste "Waffe" der LGBTQ-Militärs ist Öffentlichkeitsarbeit. Sie setzen sich unter anderem mit anderen LGBTQ-Organisationen für das Recht auf eine Lebenspartnerschaft ein, die es als Alternative zur Eheschließung schon in vielen Ländern gibt. In der Ukraine wird sie Schwulen und Lesben jedoch immer noch verwehrt.


Pylypenko findet, dass eine Legalisierung von Lebenspartnerschaften für diejenigen besonders wichtig ist, die täglich an der Front im Donbass ihr Leben riskieren, aber auch für Veteranen, die im Falle einer Eskalation des Konflikts wieder in die Armee einberufen werden können. Er bedauert, dass die ukrainischen Gesetze Lebenspartnern im Unterschied zu Ehepartnern und Kindern von getöteten oder verwundeten Soldaten keine Präferenzen gewähren. "Wenn ein schwuler Soldat oder eine lesbische Soldatin stirbt, bekommen ihre Familien und Kinder praktisch keine Hilfen", so der Aktivist.


 Mykola Berdnyk/DW Aktion in Kiew gegen die Diskriminierung von Angehörigen der LGBTQ-Gemeinschaft in der Armee

Derzeit gibt es in der Ukraine mehrere Gesetzentwürfe zur Lebenspartnerschaft. Bisher wurde jedoch keiner davon dem Parlament vorgelegt. "Der Krieg dauert schon acht Jahre und die Risiken für uns sind die gleichen geblieben. Gebt uns Gleichberechtigung: Wir haben dem ukrainischen Volk die Treue geschworen. Wir haben für unser Land Blut vergossen. Wir haben es verdient, gleichberechtigt zu sein", betont Pylypenko.


Unterdessen berichten Vertreter von LGBTQ-Organisationen, mit denen die DW gesprochen hat, dass sich die Einstellung der Ukrainer zur LGBTQ-Gemeinschaft dank der Öffentlichkeitsarbeit der LGBTQ-Militärs bereits ändert. Schließlich werden das Militär und Veteranen in der Ukraine als Verteidiger wahrgenommen, und die Armee genießt unter den staatlichen Institutionen laut Meinungsumfragen das größte Vertrauen.


Vorwurf der Zusammenarbeit mit dem Kreml

Im März dieses Jahres lud die Gruppe der LGBTQ-Militärs Vertreter der Gemeinschaft ein, sich für eine neue Teileinheit in den ukrainischen Streitkräften zu melden. Die Initiative, psychologisch angenehme Bedingungen für den Dienst von Schwulen und Lesben in der Armee zu schaffen, ging von einem Kommandeur aus, der selbst der Gruppe der LGBTQ-Militärs angehört. Mit der Führung war das nicht abgestimmt und der Name der Teileinheit wird noch geheim gehalten. "Es können Homophobe im Kommando sitzen, die eine solche Teileinheit einfach nicht zulassen werden", befürchtet Pylypenko.


Ihm zufolge verzögert sich die Rekrutierung für die Teileinheit etwas. Erstens müssten die Angehörigen körperlich und geistig fit sein. Nicht jeder sei den Aufgaben jener Teileinheit gewachsen. Zweitens bereite die Bürokratie Probleme beim Wechsel von einer Einheit in eine andere. Es komme hinzu, dass es sich einige Militärs wieder anders überlegt hätten, aufgrund von Angriffen seitens Rechtsradikaler, die der LGBTQ-Gemeinschaft vorwerfen, mit dem Kreml zu paktieren, um die ukrainische Armee zu diskreditieren.


In Wirklichkeit sei die Aufgabe der LGBTQ-Militärs genau das Gegenteil, betont Pylypenko: "Eines unserer Ziele ist, die Mythen der russischen Propaganda zu entlarven, denen zufolge in der Ukraine eine 'Neonazi-Junta' herrsche. Aber wir wollen zeigen, dass von Neonazis gar keine Rede sein kann, wenn eine LGBTQ-freundliche Teileinheit aufgestellt wird und es Veteranen und Militärs gibt, die keine Angst vor einem Coming-out haben." Der Veteran fügt hinzu: "Warum sollen wir auf Russland schauen? Wir waren Teil von dessen Imperium. Wieso sollen wir uns anhören, wie die ukrainischen Streitkräfte, die LGBTQ-Gemeinschaft und die Ukraine insgesamt besudelt werden? Wir müssen uns hin zur freien Welt, nach Europa, hin zu demokratischen Werten bewegen."

Adaption aus dem Ukrainischen: Markian Ostaptschuk

Autor: Mykola Berdnyk


Info:   https://www.msn.com/de-de/nachrichten/politik/kampf-um-anerkennung-lgbtq-in-der-ukrainischen-armee/ar-AALulg4?ocid=msedgntp

 

Kommentar:  "Coming-out" in Verbindung mit Militarismus und  Gewalt ist auch das Versprechen auf gesellschaftliche Anerkennung, was damit suggeriert wird. - Ein gelegter Irrweg den bereits viele als solchen nicht mehr  erkennen können.  Thomas Bauer

26.06.2021

Zerstrittener Landesverband        Saar-Grüne versinken im Chaos

spiegel.de, 25.06.2021, 17.23 Uhr

Die Grünen im Saarland zerlegen sich: Der Spitzenkandidat für die Bundestagswahl ist höchst umstritten, der Landeschef trat kurz nach seiner Wahl zurück – die Stellvertreterin soll sogar aus der Partei ausgetreten sein.


Zitat: Im Landesverband Saarland der Grünen tobt ein Machtkampf (lesen Sie hier mehr), der nun personelle Konsequenzen hat. Der Landesvorsitzende Ralph Rouget ist übereinstimmenden Berichten zufolge nach dem Streit über die Aufstellung der Kandidatenliste zur Bundestagswahl von seinem Amt zurückgetreten.


Rouget habe seinen Posten nur fünf Tage nach seiner Wahl zum Vorsitzenden niedergelegt, berichteten der Saarländische Rundfunk und die »Saarbrücker Zeitung«. Demnach traten neben Rouget noch weitere Verantwortliche aus dem Landesvorstand zurück, darunter Beisitzerin Ute Kirchhoff. Die stellvertretende Landesvorsitzende Irina Gaydukova verließ die Partei demnach sogar ganz. Sie hatte auf Listenplatz zwei gestanden.


Mehr zum Thema: Wahl des Spitzenkandidaten im Saarland: Das grüne Ein-Mann-Problem Von Sophie Garbe und Jonas Schaible


Am Sonntag hatte sich der frühere Landesparteichef Hubert Ulrich auf einem Landesparteitag als Spitzenkandidat der Partei für die Bundestagswahl durchgesetzt. Zuvor war die inzwischen abgelöste Landesvorsitzende Tina Schöpfer mehrfach durchgefallen. Ulrich setzte sich schließ-lich gegen die Vorsitzende der Grünen Jugend im Saarland, Jeanne Dillschneider, durch.


Ulrichs Wahl sorgte innerhalb der Grünen für heftige Kritik. Ein Bündnis innerhalb der saarlän-dischen Grünen kündigte an, gegen die Listenaufstellung »alle innerparteilichen Möglichkeiten« auszuschöpfen.


Der Ortsverband Rehlingen-Siersburg will Ulrich bei seiner Bundestagskandidatur nicht unter-stützen. »Was hier veranstaltet wurde, hat maximal destruktives Potenzial. Einen größeren Keil hätte man nicht in die saarländischen Grünen treiben können«, sagte der Ortsverbandsvorsitz-ende Alexander Raphael am Donnerstag. Auch Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock

kritisierte die Aufstellung: »Wir haben uns das anders gewünscht.«


Ulrich ist bei den Grünen wegen mehrerer Kontroversen seit Langem umstritten. Unter anderem hatte sich der Landesverband unter seiner Führung im Jahr 2009 für eine Jamaikakoalition an der Saar ausgesprochen, obwohl rechnerisch damals auch Rot-Rot-Grün möglich gewesen wäre. Außerdem sind bei den Grünen die ungeraden Listenplätze Frauen vorbehalten. Dass Ulrich Listenplatz eins übernahm, steht im Widerspruch zu diesem sogenannten Frauenstatut.


»Hier wird gerade ein Mensch kaputtgemacht« 


Gaydukova wiederum, die Nummer zwei der saarländischen Grünenliste, war seit ihrem Auftritt beim Parteitag am vergangenen Wochenende massiv im Netz als inkompetent verhöhnt worden. Es kursierte ein Video, in dem sie keine Antwort auf Fragen zu bundespolitischen Themen findet. Unter anderem konnte sie nicht sagen, wie sie soziale Gerechtigkeit und Klimaschutz sinnvoll verbinden will oder was sie vom Handel mit CO2-Zertifikaten hält.


Die aus dem Saarland stammende Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer sprang der laut Saarländischem Rundfunk inzwischen sogar aus der Partei ausgetretenen Gaydukova auf Twitter bei. Deren Auftritt beim Parteitag sei »sicher alles andere als professio-nell« gewesen. Aber die Reaktionen dazu im Netz finde sie »noch unprofessioneller und beschä-mend. Hier wird gerade ein Mensch kaputtgemacht«, schrieb die frühere CDU-Chefin.      als/AFP


Info: https://www.spiegel.de/politik/deutschland/zerstrittener-landesverband-im-saarland-gruene-versinken-im-chaos-a-657226a5-69c2-4466-8bc0-c3bc5a653df0#ref=rss



Weitere:   



Saarbrücken  Saar-Grüne wollen gegen Listenaufstellung vorgehen

t-online.de, 22.06.2021, 12:11 Uhr | dpa

Mitglieder verschiedener Ortsverbände der Grünen im Saarland wollen in einem Bündnis gegen die aufgestellte Liste ihrer Partei zur Bundestagswahl vorgehen. "Das offensichtliche und rücksichtslose Hinwegsetzen über das Frauenstatut" sei weder für die Grünen im Saarland noch für den Bundesverband hinnehmbar, teilte das sich bildende "Grüne Bündnis Saarland" am Dienstag in Saarlouis mit. Ungerade Listenplätze seien Frauen vorbehalten. Das mit Hubert Ulrich jetzt ein Mann auf Listenplatz eins stehe, stelle eine Verletzung des Satzungs- und Wahlrechts dar.


Zitat: Bei dem Landesparteitag in Saarbrücken am Sonntag war die Kandidatin für den ersten Platz der Liste, die bis dato Landeschefin Tina Schöpfer, in drei Wahlgängen durchgefallen. Gewählt wurde stattdessen Ex-Landeschef Hubert Ulrich, nachdem der Parteitag beschlossen hatte, dass auch ein Mann für den Posten kandieren könne. Ulrich hatte sich dabei in einer Kampfabstimmung gegen die Landeschefin der Grünen Jugend, Jeanne Dillschneider, durchgesetzt.


Dies sei "ein Affront gegenüber dem gesamten Bundesvorstand und brüskiert diesen zutiefst", teilte das Bündnis weiter mit. Man gehe davon aus, dass dieser auch dementsprechend reagie-ren müsse und solche Vorgänge nicht auf sich beruhen lassen werde. Ulrich habe "jedes politi-sche Gespür verloren und sich über sämtliche grünen Schamgrenzen hinweggesetzt", hieß es.


Die Grünen-Kanzlerkandidatin 

Annalena Baerbock hatte am Montag in Berlin ebenfalls Kritik an dem Vorgehen geübt. Sie sagte: "Wir haben aus gutem Grund bei uns in der Partei eine Frauen-quote." Und: "Wir haben uns das anders gewünscht." Der Bundesvorstand habe über die Vor-gänge im Saarland beraten, sagte sie.


Die Querelen könnten womöglich noch das Bundesschiedsgericht der Partei beschäftigen. Einige Delegierte hätten angekündigt, die Wahl von Ulrich zum Spitzenkandidaten für die Bundestags-wahl anzufechten, hatte ein Sprecherin am Montag mitgeteilt. Falls sie dann mit einer Entschei-dung des Landesschiedsgerichts unzufrieden wären, könnte möglicherweise das Bundesschieds-gericht eingeschaltet werden.


Info: https://www.t-online.de/region/id_90274614/saar-gruene-wollen-gegen-listenaufstellung-vorgehen.html    



Weitere:    



"Rückfall in alte, längst überwunden geglaubte Zustände"


Von Constanze von Bullion, Berlin

Die Wahl des ehemaligen Landeschefs Hubert Ulrich auf Listenplatz 1 im Bundestagswahlkampf erregt Unmut bei den Saargrünen - laut Satzung ist der Platz einer Frau vorbehalten. Auch die Parteispitze in Berlin ist verärgert.


Zitat: Es gibt jetzt also Ärger bei den Grünen, im Landesverband Saar, aber auch in Berlin. "Das ist ein Rückfall in alte, längst überwunden geglaubte Zustände im Saarland", sagte der grüne Bundesgeschäftsführer Michael Kellner am Dienstag. "Ich hätte es richtig gefunden, dass auch im Saarland das Frauenstatut angewendet wird und auf Platz 1 eine Frau gewählt wird." Schon am Montag hatte Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock ihr Missvergnügen zum Ausdruck gebracht. "Wir haben uns das anders gewünscht", sagte sie.


Gemeint war die Wahl von Hubert Ulrich, der bei einem Landesparteitag der Saar-Grünen am Wochenende auf Listenplatz 1 im Bundestagswahlkampf gewählt wurde. Bleibt es dabei, kann der ehemalige Landeschef das einzige, als sicher geltende Bundestagsmandat der Saar-Grünen antreten. Das aber ist ein unübliches Vorgehen bei den Grünen. Bei der Aufstellung von Listen bleibt Platz 1 normalerweise einer Frau vorbehalten. "Sollte keine Frau auf einen Frauenplatz kandidieren oder gewählt werden, bleiben diese Plätze unbesetzt", heißt es dort weiter. Gibt es Streit, ob auf einen Frauenplatz auch ein Mann gewählt werden kann oder nicht, kann ein Frauenvotum weiblicher Delegierten entscheiden.


Beim Parteitag der Saar-Grünen am Wochenende war das der Fall. Der bisherige Landeschef Markus Tressel, der als einziger Saar-Grüne im Bundestag sitzt, tritt im Herbst nicht mehr an. Für sein Mandat bewarb sich Co-Parteichefin Tina Schöpfer. In drei Wahlgängen allerdings unterlag sie , bekam nur 40 von gut 140 Stimmen. Daraufhin trat die Chefin der Grünen Jugend Saar Jeanne Dillschneider an, auch sie unterlag. Da eine Mehrheit keine Einwände hatte, die Wahl von Platz 1 für einen Mann zu öffnen, trat der ehemalige Landeschef Hubert Ulrich an. Der 63-jährige ehemalige Landeschef hatte seine politischen Ämter bereits zweimal niedergelegt, zuletzt 2017, als die Grünen aus dem Landtag flogen. Ulrich gilt Kritikern als persönlich schwierig, hatte aber offenbar eine stabile Mehrheit für seine Wahl organisiert.


"Ein Affront gegenüber dem gesamten Bundesvorstand"

Verschiedene Ortsverbände der Saar-Grünen wollen nun in einem Bündnis gegen die aufgestellte Liste vorgehen. "Das offensichtliche und rücksichtslose Hinwegsetzen über das Frauenstatut" sei weder für die Grünen im Saarland noch für den Bundesverband hinnehmbar, teilte das "Grüne Bündnis Saarland" am Dienstag mit. Ungerade Listenplätze seien Frauen vorbehalten. Das mit Hubert Ulrich jetzt ein Mann auf Listenplatz eins stehe, stelle eine Verletzung des Satzungs- und Wahlrechts dar und sei "ein Affront gegenüber dem gesamten Bundesvorstand".


Kritische Töne kamen auch vom scheidenden Bundestagsabgeordneten Markus Tressel. "Einige Leute haben für die persönlichen Interessen eines Kandidaten die Arbeit vieler Jahre kaputt gemacht", sagt er. Unter der Ägide von Hubert Ulrich seien die Grünen zweimal aus dem Landtag geflogen, nun plane er ein Comeback. "Als Politiker muss man im Interesse der Partei auch mal wissen, wann Schluss ist."


Die Sache dürfte das Landesschiedsgericht und vermutlich auch das Bundesschiedsgericht der Grünen beschäftigen. Ulrich gibt sich gelassen. "Wir haben uns, einschließlich Frauenvotum an das Bundesfrauenstatut und die Landessatzung gehalten", sagt er. Dass Landeschefin Schöpfer gescheitert sein, habe sie sich selbst zu verdanken. "Sie hat sich nach den Verzicht von Markus Tressel völlig zurückgezogen und um nichts gekümmert." Auch die zweite Bewerberin sei "eine umstrittene Person". Den bevorstehenden Rechtsstreit werde er gewinnen.



  • Saarland  Der grüne Trickser  -  Wem ist Hubert Ulrich noch ein Begriff?
  •     

      Hier sein neuestes Manöver - um in den Bundestag zu kommen. Von Constanze von Bullion


Info: https://www.sueddeutsche.de/politik/gruene-saarland-frauenstatut-1.5330391  


Kommentar:  Glaubhaft zu machen, dass es nur einer einzigen Person anzulasten ist, wenn Frauen auf einem Plenum der Grünen niedergestimmt werden können, klingt wenig überzeugend. Zumal bei einer Wahl, neben der Erfüllung des grünen Frauenstatuts, und nicht nur im Falle berechtigter Kritik, auch die Eignung der Person hineinspielt.

Besonders "im Jahr der Baerbock-Kandidatur" wird deutlich, dass es Sinn macht hinzusehen bzw. hinzuhören wofür eine Person inhaltlich steht und insbesondere welche besonderen einflussreichen Gruppierungen sich dieser Person "angenommen" und sie besonders zu Gunsten ihrer Interessen aufgebaut haben.

Fazit: Über das Gezänk um einen Frauenlistenplatz im Saarland gelingt es auch den Blickwinkel der öffentlichen Diskussion ,kurz vor der Bundestagswahl, weg von den bellizistischen Positionen der Bundesebene zu lenken.     Thomas Bauer

26.06.2021

Informationsstelle Militarisierung e.V.   IMI 

imi-online.de, "Standpunkte" von 07. Januar bis 25. Juni 2021







  • IMI-Standpunkt 2021/034 FCAS-Appell an die SPD Ein „Nein“ zu Kampfdrohnen ist unvereinbar mit einem „Ja“ zum FCAS Jürgen Wagner (21. Juni 2021)



  • IMI-Standpunkt 2021/032 KI-Drohnen auf Menschenjagd Völkerrechtswidrige Aufrüstung von Proxys in Libyen Pablo Flock (16. Juni 2021)


  • IMI-Analyse 2021/27b (Update: 18.6.2021) Leuchtturmprojekt auf der Kippe Das Luftkampfsystem FCAS erfährt starken Gegenwind Jürgen Wagner (16. Juni 2021)


  • IMI-Analyse 2021/32 NATO-Agenda 2030 Gipfel der Systemkonkurrenz Jürgen Wagner (15. Juni 2021)


  • IMI-Analyse 2021/31 - in: AUSDRUCK (Juni 2021) Geopolitik vor Klimawandel Zypern und Israel wollen ihr Gas in der EU loswerden. Griechenland ist dafür, die Türkei dagegen Pablo Flock (15. Juni 2021)


  • IMI-Analyse 2021/030 - in: AUSDRUCK (Juni 2021) Beispiel Automobil Liefer- und Wertschöpfungsketten übers Mittelmeer Jule Steinert (15. Juni 2021)




  • IMI-Analyse 2021/028 - in: AUSDRUCK (Juni 2021) Klimakrise in Nordafrika Kampf um Lebensgrundlagen Nabil Sourani (14. Juni 2021)




  • IMI-Analyse 2021/27 - in: Telepolis, 8.6.2021 Leuchtturmprojekt auf der Kippe Luftkampfsystem FCAS erfährt starken Gegenwind Jürgen Wagner (8. Juni 2021)



  • IMI-Standpunkt 2021/028 - in: AUSDRUCK (Juni 2021) Militarisierung des Mittelmeers Militäreinsätze, Militärübungen und Militärbasen Jacqueline Andres (7. Juni 2021)



  • IMI-Analyse 2021/25 - in: AUSDRUCK (Juni 2021) Taktiken der Grenzkontrolle Die Kriminalisierung der Seenotrettung in Italien Judith Gleitze und Kristina Di Bella, borderline-europe (7. Juni 2021)



  • IMI-Mitteilung Reden über China IMI lädt ein am Di., 1.6.2021 um 19 Uhr (26. Mai 2021)





  • IMI-Standpunkt 2021/025 Laschets Welt Außen- und sicherheitspolitische Grundsatzrede Jürgen Wagner (20. Mai 2021)



  • IMI-Analyse 2021/23 (Update: 26.5.21) Rüstungsgroßprojekte Milliardenpoker des Verteidigungsministeriums Jürgen Wagner (18. Mai 2021)





  • IMI-Standpunkt 2021/023 Campen mit Komfort Das Beschaffungsvorhaben „Bewegliche Unterbringung im Einsatz Streitkräfte“ Emma Fahr (6. Mai 2021)












  • Dokumentation - Bundesausschuss Friedensratschlag (09.04.2021) Keine Eurodrohne, kein FCAS Jetzt noch aktiv werden gegen Beschlüssen zu bewaffneten Drohnen im Bundestag (12. April 2021)






  • IMI-Analyse 2021/17 Krieg ist Frieden EU-Friedensfazilität als Anreizsystem für Militäreinsätze und Waffenlieferungen Özlem Alev Demirel und Jürgen Wagner (31. März 2021)




  • IMI-Standpunkt 2021/014 - in: junge Welt, 24.3.2021Rüstung trotz Pandemie Veröffentlichung der Eckwerte des Bundeshaushaltes Jürgen Wagner (24. März 2021)



  • Dokumentation - in: junge Welt, 18.3. 2021 Vertuschung beim KSK Kommando Spezialkräfte: Daten zur Inventur für 2018 offenbar absichtlich gelöscht. Munitionswirtschaft nicht im Detail nachvollziehbar Kristian Stemmler (18. März 2021)




  • IMI-Analyse 2021/15 - in: AUSDRUCK (März 2021) Plündern und Rauben Naomi Kleins Schockstrategie und die Pandemie Jacqueline Andres (12. März 2021)


  • IMI-Analyse 2021/14 - in: AUSDRUCK (März 2021) Coronaprofiteur Bundeswehr Steigender Militärhaushalt trotz Pandemie Tobias Pflüger (12. März 2021)


  • IMI-Analyse 2021/13 - in: AUSDRUCK (März 2021) Hannibal-Komplex Parlamentarisches Kontrollgremium bestätigt Existenz rechter Netzwerke Luca Heyer (9. März 2021)



  • IMI-Analyse 2021/11 - in: AUSDRUCK (März 2021) Aufstandsbekämpfung im Sahel Die Gewaltspirale des „Antiterrorismus“ffm-online.de (9. März 2021)


  • IMI-Analyse 2021/10 - in: AUSDRUCK (März 2021) (Tech)Geopolitik in der Pandemie Mit Corona in die „Strategische Autonomie“ Christoph Marischka (8. März 2021)


  • IMI-Analyse 2021/9 - in: AUSDRUCK (März 2021) Chile und die aktuellen Proteste Folgen von Militärdiktatur und Neoliberalismus Valeria Bustamente (8. März 2021)


  • IMI-Analyse 2021/8 - in: AUSDRUCK (März 2021) Die Rohstoffe der Elektromobilität Menschenrechtsverletzungen beim Abbau von Lithium und Bauxit Gertrud Falk, FIAN Deutschland (8. März 2021)


  • IMI-Standpunkt 2021/13 - in: Friedensforum 2/2021 Autonome Waffen und die Politik Die Haltung von Bundesregierung und Bundestag zum Themenkomplex Autonome Waffen Tobias Pflüger (4. März 2021)



  • IMI-Standpunkt 2021/011 KSK auflösen! Rede zur Kundgebung "KSK abschaffen!" des OTKM Stuttgart am 27.2. 2021IMI (4. März 2021)


  • IMI-Studie 2021/03 Zivilklauseln Hochschulen zwischen Vision und RealpolitikElena Bertram (4. März 2021)



  • IMI-Standpunkt 2021/010 - in: Zivilcourage 1-2021 Angriff auf linke Friedenspolitik Linke-Politiker Matthias Höhn legt Konzept vor, das dem Parteiprogramm widerspricht Tobias Pflüger (24. Februar 2021)



  • IMI-Standpunkt 2021/008 - in: UZ, 19.2.2021 Teure Zukunft der Bundeswehr Positionspapier fordert Outsourcing der Rüstungskosten Jürgen Wagner (19. Februar 2021)


  • IMI-Analyse 2021/07 Vision Reserve 2032+ Zurück in die Zukunft eines neuen Kalten Krieges Martin Kirsch (17. Februar 2021)



  • IMI-Standpunkt 2021/007 Black Box Bounti Drohne gegen Aussage Christoph Marischka (17. Februar 2021)







  • IMI-Analyse 2021/05 Gesetzeslose Soldaten Wie Regierungen Kriegsverbrecher vor Bestrafung schützen Pablo Flock (10. Februar 2021)





  • IMI-Analyse 2021/03 (Update: 19.2.2021) Glutkern des Westens NATO-Manifest aus der Böll-Stiftung Jürgen Wagner (27. Januar 2021)




  • IMI-Studie 2021/01 Der heilbare Krieg Diskurse um Traumatisierung und PTBS bei Bundeswehr-Veteranen* Thomas Rahmann (18. Januar 2021)




  • IMI-Standpunkt 2021/002Z orn vs. AKK? Die Debatte um eine pandemiebedingte Absenkung von Fähigkeitsprofil und Militärhaushalt ist eröffnet Jürgen Wagner (11. Januar 2021)


  • IMI-Standpunkt 2021/001 - in: Graswurzelrevolution (Dezember 2020) Umkämpfte Technologie Künstliche Intelligenz und ihre militärische Verwendung - Prozess gegen Antimilitaristen Christoph Marischka (7. Januar 2021)


Info:  https://www.imi-online.de2021

26.06.2021

Barbarossa im Wunderland

freitag.de, freitag.deDaniela Dahn Ausgabe 24/2021  vom 17.06.2021

22. Juni 1941 Was haben wir 80 Jahre nach dem Beginn des deutschen Angriffskrieges gegen die Sowjetunion aus der Geschichte gelernt?


„Erklärte da heute die NATO China und Russland den Kalten Krieg? Zum 80. Jahrestag des Überfalls Deutschlands auf die Sowjetunion. Keine gute Idee.“ So twitterte der Grüne Hans-Christian Ströbele nach der jüngsten NATO-Tagung. An guten Ideen fehlt es dem offiziellen Gedenken an dieses Schanddatum der deutschen Geschichte auch sonst. Ein Kranz des Bundespräsidenten und 60 Minuten Bundestagsdebatte, das war’s. Da immerhin wurde nicht drum herumgeredet, um den beispiellosen Angriffs-, Raub- und Vernichtungskrieg, der allein in Osteuropa mehr als 30 Millionen Leben kostete. Schließlich hatte die Heeresführung Hitlers Anweisung ohne zu murren befolgt: „Die von Stalin eingesetzte Intelligenz muss vernichtet werden. Im großrussischen Bereich ist die Anwendung brutalster Gewalt notwendig.“ Es grenze an ein Wunder, so der Außenminister, dass unsere östlichen Nachbarn die Hand zur Versöhnung gereicht haben. Kein Wunder, dass Maas mit seinem unerlässlichen Verweis auf die „völkerrechtswidrige Aneignung der Krim“ die eigene Hand gleich wieder ein Stück zurückzog.


Die Protagonisten der SPD-Entspannungspolitik hatten einen anderen Zugang zur Geschichte. „Aus der Annexion der Krim zu schließen, dass russische Soldaten demnächst in Riga oder gar Warschau einrücken“, sei uns nicht erlaubt, schrieb Erhard Eppler in einem Aufsatz. Für die weitaus meisten Russen sei die Angliederung der Krim „die angemessene Reaktion“ auf einen vom Westen begünstigten Putsch, „mit dem die Ukraine zum ersten Mal seit tausend Jahren eine Gefahr für Russland geworden“ sei. Den Ausschluss aus der G8 und die Prügelstrafe der Sanktionen hätten die Russen als Demütigung durch die Verbündeten des Großen Vaterländischen Krieges empfunden, für deren Sieg sie mehr Opfer gebracht hatten als diese zusammen. Und als Demütigung durch die Deutschen, denen man vergeben hatte, dass sie die Russen versklaven und vernichten wollten, denen man sogar ihre Einheit mit einer großen, überraschenden Geste geschenkt hatte.


Dabei war schon die vorgetäuschte Strickjacken-Freundschaft von Kanzler Kohl gegenüber Gorbatschow schäbig: den Kumpel vertrauensvoll über den Tisch ziehen, sodass er nichts in der Hand hat und in der Zwangsjacke endet.

Die Phase der Ostpolitik von Egon Bahr und Willy Brandt war wohl die einzige in der Geschichte der Bundesrepublik, in der die Hand zur Versöhnung wirklich angenommen wurde – zum Nutzen beider Seiten. Zuvor und danach lugte das tief sitzende Feindbild keck aus den Knopflöchern der neuen Gewänder. Zu den Stereotypen des jungen Bürgertums im Deutschland des 19. Jahrhunderts hatte schon der herablassende Blick auf die „rassisch minderwertigen Slawen“ gehört und damit auf den „bedrohlichen Koloss im Osten“. Daran konnte die Propaganda der Nazis anknüpfen, von der Hitler in Mein Kampf gefordert hatte, sie müsse die Willensfreiheit des Volkes einschränken und den Fanatismus erzeugen, „der Voraussetzung für die psychische Vernichtung des Feindes ist“. Das Gerede von der „Front gegen Moskau“ zur „Verteidigung des Abendlandes“ hat also Tradition. Die Bedrohung ergab sich aus einem angeblich „geheimen Aufmarsch der Roten Armee gegen Deutschland“. Ohne Freiheitskampf, so eine der zahllosen Propaganda-Richtlinien, drohe „die Vernichtung aller menschlichen und europäischen Werte“. Später erzogen bundesdeutsche Schulbücher eine ganze Generation zu Furcht und Schrecken vor dem russischen Bären. Auch Adenauer verstand sich auf Relativierung – „viel Schlimmes“ sei auf beiden Seiten passiert.


Das neue Feindbild ist das alte. Das der drohenden „jüdisch-bolschewistischen Weltherrschaft“ wird ersetzt durch die Bedrohung der angeblich liberalen Demokratie durch ein autoritäres System. Gibt es bei allem Verteidigungswerten im Detail einen Anspruch auf Dominanz des westlichen Modells in der Welt? „Die NATO dient dazu, unseren Lebensstil zu bewahren“, hatte der damalige US-Verteidigungsminister James Mattis 2017 auf der Münchner Sicherheitskonfe-renz eingeräumt. „Verstärkte Vorwärtspräsenz“ der eigenen, elitären Ansprüche gegenüber dem Rest der Welt.


Als Reaktion auf die Verlegung von vier NATO-Bataillonen in die baltischen Staaten und nach Polen sowie auf US-Abwehrsysteme, die auch mit Angriffsraketen bestückt werden können, hat die russische Regierung Abwehrmaßnahmen in ihrem Vorposten Kaliningrad lange angekündigt. Zu den Putin-Verdrehern gehört der Militärexperte Christian Mölling von der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik, einer exklusiven „Denkfabrik“ von Atlantikern, weitgehend finanziert vom Rüstungskonzern Airbus Group und der Deutschen Bank. Im Deutschlandfunk faselte er am Montag unhinterfragt von einer „riesigen Bedrohung durch russische Raketen“ im Baltikum. „Norwegen, Schweden und Finnland würden sofort in diesen Konflikt mit hineingezogen“, eine „große Operationszone“. Und: „Natürlich heißt das Aufrüstung!“


Die nicht nur hinter den Ohren Grünen haben die Unzeichen der Zeit längst verinnerlicht. Waffenexport an die Gegner Russlands, Einsatz von Drohnen, Krieg als mandatiertes Mittel der Politik. Geschichts- und klimavergessen. Hegels „Wir“ bleibt sich treu: „Wir lernen aus der Geschichte, dass wir überhaupt nichts lernen.“


Info:  https://www.freitag.de/autoren/daniela-dahn/barbarossa-im-wunderland

26.06.2021

NATO-Manöver: Weitere Eskalation in Sicht?

aus E-Mail von Doris Pumphrey, 26. 06. 2021, 07:36 


<https://de.rt.com/europa/119769-vollbewaffnete-deutsche-eurofighter-uber-schwarzem/>

25.6.2021

*Vollbewaffnete deutsche Eurofighter über Schwarzem Meer – Weitere Eskalation in Sicht?

*Nicht nur die HMS Defender treibt sich in der Nähe der Krim herum –´seit gestern sind zwei deutsche Eurofighter in Rumänien stationiert, die zusammen mit britischen Fliegern den Luft-raum über dem Schwarzen Meer überwachen sollen.


Zwei deutsche Eurofighter des Wittmunder Luftwaffengeschwaders "Richthofen" landeten nach Pressemeldungen <https://augengeradeaus.net/2021/06/luftwaffe-fuer-bewaffnete-schutzfluege-ueber-dem-schwarzen-meer-in-rumaenien/>  gestern auf dem rumänischen Militärflughafen Mihail Kogălniceanu bei Konstanza. Sie sollen zusammen mit zwei baugleichen britischen Typhoon für die NATO den Luftraum überwachen. Der Stationierungsort liegt gerade 200 Kilometer Luftlinie von der Krim entfernt. Der Einsatz läuft im Rahmen des "Southern Air Policing" <https://de.wikipedia.org/wiki/Luftraum%C3%BCberwachung>, die euphemistische Bezeichnung für permanente Präsenz von NATO-Flugzeugen über dem Schwarzen Meer und in der Nähe der Krim. Offiziell lautet der Auftrag Überwachung des rumänischen Luftraums. Der Einsatz der beiden Eurofighter läuft bis zum 9. Juli.


Er hat besondere Bedeutung durch das NATO-Großmanöver, das gerade im Schwarzen Meer anläuft (und in dessen Zusammenhang auch der Vorstoß der HMS Defender erfolgte, der von Russland als Provokation verurteilt wurde). Nach Mitteilung der Bundeswehr

<https://www.bundeswehr.de/de/organisation/luftwaffe/aktuelles/eaps-deutsche-eurofighter-ueber-rumaenien-5099416>  erfolgen die Überwachungsflüge stets voll aufmunitioniert. Vor dem Hintergrund des gegenwärtigen britischen Verhaltens in der Region könnte dieser Umstand Anlass zur Beunruhigung bieten.


<https://de.rt.com/europa/119738-russland-warnt-grossbritannien-das-naechste-mal-werden-wir-schiffe-bombardieren/>

25.6.2021

*Russland warnt Großbritannien: Das nächste Mal werden wir eure Schiffe direkt bombardieren


*Nachdem sich russische und britische Seestreitkräfte in umstrittenen Gewässern im Schwarzen Meer begegneten, nehmen die Spannungen zu. Moskau sprach als Reaktion eine deutliche Warnung aus und erklärte, dass beim nächsten Mal mit ernsten Konsequenzen zu rechnen ist.


Russland warnte Großbritannien am Donnerstag, dass es britische Kriegsschiffe im Schwarzen Meer bombardieren werde, wenn es weitere provokative Handlungen der britischen Kriegs-marine vor der Küste der Krim gebe. Russland rief den britischen Botschafter in Moskau zu einer

formellen diplomatischen Schelte auf, nachdem das Kriegsschiff verletzt hatte, was der Kreml behauptet, seien seine Hoheitsgewässer, die aber laut Großbritannien zur Ukraine gehören.


Der Leiter der russischen Delegation bei den Sicherheits- und Rüstungskontrollverhandlungen in Wien Konstantin Gawrilow warnte <https://tass.com/politics/1306883>  Großbritannien nach dem Zwischenfall mit der HMS Defender, dass die Bomben beim nächsten Mal auf das Ziel und

nicht davor abgeworfen werden. Gawrilow erklärte: /"Es ist unmöglich, die Empörung über die Erklärung des britischen Verteidigungsministeriums zu verbergen, dass der erwähnte Zerstörer angeblich 'eine unschuldige Passage durch ukrainische Hoheitsgewässer durchgeführt hat'. Ich muss den ehemaligen Herrscher der Wellen warnen, dass das nächste Mal, wenn eine solche Entscheidung getroffen wird, die Bomben nicht vor dem Ziel, sondern auf das Ziel abgeworfen werden."/


Die russische Regierung in Moskau rief die britische Botschafterin Deborah Bronnert zu einer Verwarnung wegen der, wie sie es bezeichnete, "gefährlichen" Handlungen Großbritanniens im Schwarzen Meer herbei. Die Sprecherin des russischen Außenministeriums Maria Sacharowa warf London "unverschämte Lügen" vor. Der stellvertretende russische Außenminister Sergei Ryabkow sagte: /"Wir können an den gesunden Menschenverstand appellieren und die Einhaltung des Völkerrechts fordern, und wenn das nicht funktioniert, können wir bombardieren." /


Die deutliche Warnung der russischen Regierung wurde ausgesprochen, nachdem am Mittwoch ein britischer Zerstörer unerlaubt in russische Gewässer auf der Halbinsel Krim eingedrungen war. Da er trotz Warnungen per Funk seinen Kurs nicht änderte, wurde dieser durch Warnschüs-se von einem Patrouillenboot und Warnwurf von Splittersprengbomben erzwungen. Nach Anga-ben des russischen Verteidigungsministeriums hatte das britische Kriegsschiff um 11:52 Uhr Ortszeit die russische Grenze überquert und fuhr drei Kilometer weit in die Küstengewässer am Kap Fiolent auf der Krim.


Der britische Premierminister Boris Johnson erklärte, das britische Kriegsschiff, das sich auf dem Weg vom ukrainischen Hafen Odessa zum georgischen Hafen Batumi befand, habe im Einklang mit dem Gesetz gehandelt und sei in internationalen Gewässern gewesen. Johnson betonte:

/"Das sind ukrainische Gewässer, und es war völlig in Ordnung, sie zu verwenden, um von A nach B zu gelangen."/


Nach Angaben <https://de.rt.com/europa/119736-bericht-boris-johnson-hat-provokative-route-kreuzer-krim-befohlen/>  der britischen Zeitung /The Daily Telegraph/ wurde die endgültige

Entscheidung über die Route des britischen Zerstörers HMS Defender vor der Küste der Krim dem Premierminister überlassen und zwei Tage vor dem Vorfall im Schwarzen Meer an das Kontrollzentrum des Schiffes kommuniziert. Johnson vermied am Donnerstag die Beantwortung der Frage, ob er dem Zerstörer befohlen habe, vor der Küste der Krim zu kreuzen.


Das russische Außenministerium bezeichnete den Vorfall im Schwarzen Meer als "eine grobe britische Provokation, die das Völkerrecht und die russischen Gesetze verletzt". Kremlsprecher Dmitri Peskow erklärte gestern, der Vorfall sei "eine bewusste und vorsätzliche Provokation",

und drohte, dass "keine Optionen ausgeschlossen werden können".


Zu diesen zunehmenden Spannungen kam es kurz vor dem US- und NATO-Manöver Sea Breeze 2021, das zwischen 28. Juni und 10. Juli stattfinden wird. An diesem Manöver werden die Streit-kräfte der Ukraine, der Vereinigten Staaten, der Türkei, Frankreichs und anderer NATO-Partner 

beteiligt sein, und es wird auf ukrainischem Territorium sowie im Schwarzen Meer stattfinden. An der Übung werden voraussichtlich 5.000 Soldaten, 32 Schiffe, 40 Flugzeuge und 18 Gruppen von Spezialeinsatzkräften und Kampfschwimmern aus 32 Ländern teilnehmen.

Seite 473 von 528

< 1 2 3 4 .. 10 .. 20 .. 30 .. 100 .. 200 .. 300 .. 400 .. 440 .. 450 .. 460 .. 470 471 472 473 474 475 476 .. 480 .. 490 .. 500 .. 510 .. 520 .. 525 526 527 528 >
Diese Webseite verwendet Cookies. Hier erfahren Sie alles zum Datenschutz ok