16.10.2023

Vor der humanitären KatastropheGaza: Humanitäre Katastrophe droht. Von der Leyen ignoriert das und stößt damit in der EU auf scharfe Kritik. Krieg droht auf weitere Staaten in der Region überzugreifen. Iran bündelt gegen Israel gerichtete Kräfte.

german-foreign-policy.com, 16. Oktober 2023

BERLIN/TEL AVIV/TEHERAN (Eigener Bericht) – EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen ruft mit ihren Äußerungen während ihrer Israel-Reise am vergangenen Freitag scharfe Kritik in der EU hervor. Von der Leyen hatte Israels Recht auf Selbstverteidigung betont, die Pflicht zur Einhaltung des Völkerrechts bei den Operationen im Gazastreifen aber unerwähnt gelassen. Dies entspricht der öffentlichen Position Berlins, torpediert allerdings Beschlüsse der EU. Der Schritt wiegt schwer: Dass Israel den Gazastreifen von Wasser, Energie sowie Nahrung abschneidet, bricht das internationale Recht ebenso wie die Tatsache, dass seinen Bombardements zahllose Zivilpersonen zum Opfer fallen. EU-Politiker warnen, von der Leyen setze die Union im Globalen Süden wieder einmal dem Vorwurf aus, doppelte Standards anzuwenden. Dies geschieht, während der Gazakrieg auf weitere Staaten in der Region überzugreifen droht. Iran ist dabei, gegen Israel gerichtete Kräfte etwa im Libanon zu koordinieren. Israelische Geheimdienstler bedauern, einst Mord- und Sabotageoperationen auf iranischem Territorium unterstützt zu haben: Diese Taten hätten beide Länder in ihre gegenwärtige Konfrontation getrieben.


Zitat:  „Tausende werden sterben“Der Gazastreifen steht vor einer humanitären Katastrophe. Laut offiziellen Angaben sind durch israelische Luftangriffe in den vergangenen acht Tagen mindestens 2.670 Menschen zu Tode gekommen; über 9.600 wurden verletzt. Damit übersteigt die Opferzahl schon jetzt diejenige der 51 Tage währenden israelischen Bombardements des Jahres 2014.[1] Dass die israelische Regierung den Gazastreifen von Wasser, Strom, Treibstoff, Nahrungsmitteln und Medikamenten abgeschnitten hat, führt zu desaströsen Zuständen; inzwischen geht sogar Krankenhäusern, die von Verletzten überlaufen sind, Treibstoff für ihre Generatoren aus, was Patienten etwa auf Intensivstationen mit dem unmittelbaren Tod bedroht. „Ohne Wasser, Energie, Nahrung und Medikamente werden Tausende sterben“, warnte am Wochenende der UN-Nothilfekoordinator Martin Griffiths.[2] Berichten zufolge lässt Israel seit Sonntagabend auf Druck der USA wieder etwas Wasser in den Süden des Gazastreifens fließen; dies reicht jedoch nicht zur Versorgung aus. Mehr als die Hälfte der 2,3 Millionen Einwohner ist auf der Flucht, seit Israel die Bevölkerung im Norden des Gebiets aufgefordert hat, umgehend ihre Wohnungen zu verlassen. Berichten zufolge werden sogar Fluchtrouten bombardiert.


„In die Steinzeit bomben“

Hinzu kommt: Die Gefahr, dass der Krieg auf weitere Staaten übergreift und völlig außer Kontrolle gerät, ist unverändert immens. Bereits in der vergangenen Woche kam es mehrmals zu Gefechten zwischen den israelischen Streitkräften sowie der libanesischen Hizbollah. Laut Berichten arabischer Diplomaten droht die Hizbollah offen damit, auf eine israelische Bodenoffensive im Gazastreifen mit der Eröffnung einer zweiten Front im Norden Israels zu reagieren. Israelische Experten gehen davon aus, das gewaltige Hisbollah-Raketenarsenal – die Rede ist von vielleicht 150.000 Stück – werde die israelische Raketenabwehr, den Iron Dome, völlig überfordern; dann könnten hunderte teils recht treffgenaue Raketen Israels Großstädte erreichen, darunter Tel Aviv.[3] Israels Verteidigungsminister Yoav Gallant droht, seine Streitkräfte würden in diesem Fall im Gegenzug „den Libanon in die Steinzeit“ bomben.[4]


Unterstützung aus Teheran

Unklar ist weiterhin die Rolle Irans im Kontext mit dem Hamas-Angriff und dem Massaker an weit mehr als tausend israelischen Zivilisten. Als sicher gilt, dass Teheran die Hamas nicht bloß finanziell, sondern auch mit Know-how in der Raketenherstellung sowie in der Nutzung von Drohnen unterstützt hat.[5] Iranische Quellen bestätigen laut der New York Times, die Hamas-Milizionäre hätten einen Teil ihrer Vorbereitung auf das Massaker, die insgesamt über ein Jahr gedauert habe, im Libanon sowie in Syrien absolviert. Im Libanon hätten sie unter anderem die Bedienung der Paraglider geprobt, die bei ihrem Ausbruch aus dem Gazastreifen zum Einsatz gekommen seien. Die eng mit Iran kooperierende Hizbollah habe ihnen darüber hinaus ihre Fähigkeiten im urbanen Guerillakrieg vermittelt; in Syrien wiederum habe sie Hamas-Einheiten im Überfall auf israelische Dörfer sowie in der Geiselnahme von Zivilisten trainiert.[6] Dass dies ohne jegliche Kenntnis einschlägiger Stellen in Teheran erfolgt sein könnte, kann als unwahrscheinlich gelten.


Irans Netzwerke

Hinzu kommen Berichte über regelmäßige Treffen von Esmail Ghaani, dem Kommandeur der Quds-Brigaden – der Eliteeinheit der iranischen Revolutionsgarde –, mit Organisationen aus dem Gazastreifen und der Hizbollah. Bereits im April berichtete das Wall Street Journal, Ghaani habe Ende März in Syrien Mitglieder palästinensischer Milizen und kurz darauf in Beirut Mitglieder der Hamas, des Islamischen Jihad in Palästina und der Hizbollah getroffen und mit ihnen ein gemeinsames Vorgehen gegen Israel besprochen.[7] Seit August seien Zusammenkünfte in diesem Format wenigstens alle zwei Wochen abgehalten worden – stets im Libanon, wobei anstelle von Ghaani gelegentlich andere Führungsmitglieder der Quds-Brigaden teilgenommen hätten.[8] Zumindest bei zwei Treffen sei Irans Außenminister Hossein Amir-Abdollahian persönlich zugegen gewesen. Unklar ist, ob bei den Gesprächen der jüngste Angriff auf Israel konkret geplant wurde oder ob es nur allgemein darum ging, sich in Zukunft enger gegen Israel zusammenzutun. Als Amir-Abdollahian vergangenen Donnerstagabend zu Gesprächen mit der Hizbollah in Beirut eintraf, warnte er ausdrücklich, die Eröffnung weiterer Fronten sei eine „reale Möglichkeit“.[9] Am Wochenende kam er in Qatar mit Hamas-Chef Ismail Haniyeh zusammen.


In die Konfrontation geführt

Im Hinblick auf die iranischen Aktivitäten zitierte die New York Times kürzlich israelische Geheimdienstler mit der Aussage, sie „bedauerten“ ihre Unterstützung für israelische Mord- und Sabotageoperationen in Iran, die in den vergangenen Jahren durchgeführt worden seien, um Irans Atomprogramm zu stoppen und Teheran am Ausbau seiner Bündnisse mit Hamas und Hizbollah zu hindern. Die Ziele seien nicht erreicht worden, räumten die Geheimdienstler ein. Stattdessen hätten ihre Mord- und Sabotageoperationen Israel und Iran in eine direkte Konfrontation geführt, die nun fatal zu eskalieren drohe.[10]


Doppelte Standards

In dieser Situation, in der sich die humanitäre Katastrophe im Gazastreifen fatal zuspitzt und zudem ein noch weiter ausgreifender Krieg im Mittleren Osten droht, wird in der EU scharfe Kritik an Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen laut. Von der Leyen hatte am Freitag bei ihrem Besuch in Israel ihre bisherigen Sprachformeln wiederholt, laut denen die EU dem Land „zur Seite“ stehe und „Israels Recht auf Selbstverteidigung“ unterstütze.[11] Dies entspricht der Position der Bundesrepublik, wie sie etwa Außenministerin Annalena Baerbock vertritt, gibt jedoch die Position der EU nur zur Hälfte wieder, die ausdrücklich auch auf der Einhaltung des Völkerrechts bei Israels Operationen im Gazastreifen besteht. Damit habe von der Leyen „eine inakzeptable Einseitigkeit“ an den Tag gelegt, „die nur Schaden hervorrufen kann“, protestierte die Fraktionsvorsitzende der Sozialdemokraten im Europaparlament, Iratxe García, am Wochenende.[12] Die Feststellung, sie legten doppelte Standards an, gehört zu den häufigsten Vorwürfen aus dem Globalen Süden gegenüber Politikern aus der EU.

 

Mehr zum Thema: Waffen für Israel.

 

[1] Helen Regan, Hadas Gold, Nadeen Ebrahim, Abeer Salman, Hamdi Alkhshali, Jessie Gretener, Sara Smart: Gaza conditions a ‘complete catastrophe,‘ official warns as Israel prepares for offensive. cnn.com 15.10.2023.

[2] Mai Khaled, Heba Saleh: ‘Why has the world abandoned us?’ Palestinians in Gaza plead for humanitarian relief. ft.com 15.10.2023.

[3], [4] Dion Nissenbaum, Ari Flanzraich: At Israel-Lebanon Border, Fears Grow of a Second Front. wsj.com 12.10.2023.

[5] Joby Warrick, Ellen Nakashima, Shane Harris, Souad Mekhennet: Hamas received weapons and training from Iran, officials say. washingtonpost.com 09.10.2023.

[6] Farnaz Fassihi, Ronen Bergman: Hamas Attack on Israel Brings New Scrutiny of Group’s Ties to Iran. nytimes.com 13.10.2023.

[7] Summer Said, Benoit Faucon: Iran Is Recruiting Militant Allies to Launch Attacks Against Israel. wsj.com 14.04.2023.

[8] Summer Said, Benoit Faucon, Stephen Kalin: Iran Helped Plot Attack on Israel Over Several Weeks. wsj.com 08.10.2023.

[9] Nicolas Camut: Opening of ‘other fronts’ possible in Israel-Hamas war, Iran warns. politico.eu 13.10.2023.

[10] Farnaz Fassihi, Ronen Bergman: Hamas Attack on Israel Brings New Scrutiny of Group’s Ties to Iran. nytimes.com 13.10.2023.

[11] Präsidentin von der Leyen zu Terroranschlägen in Israel: Europa steht Israel zur Seite. germany.representation.ec.europa.eu 11.10.2023.

[12] Eddy Wax, Jacopo Barigazzi: Von der Leyen accused of ‘unacceptable bias’ toward Israel. politico.eu 14.10.2023.


Info: https://www.german-foreign-policy.com/news/detail/9374


Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

15.10.2023

Seymour Hersh: Der Plan zur Auslöschung von Hamas

seniora.org, vom 15. Oktober 2023, Von S. Hersh 15.10.2023 - übernommen von seymourhersh.substack.com

Während sich Flüchtlinge an der Grenze zu Ägypten drängen, bereitet sich Israel darauf vor, Gaza-Stadt mit von den USA gelieferten Bunkerbombern zu beschießen

Palästinenser gehen nach israelischen Luftangriffen am Samstag durch die Ruinen von Gaza-Stadt. / Foto von Ahmad Hasaballah/Getty Images.

Seit den schrecklichen Angriffen der Hamas auf Israel ist nun eine Woche vergangen, und die Form dessen, was von den israelischen Streitkräften kommen wird, ist klar und kompromisslos.

In der vergangenen Woche haben israelische Flugzeuge rund um die Uhr nicht-militärische Ziele in Gaza-Stadt bombardiert. Wohnhäuser, Krankenhäuser und Moscheen wurden ohne Vorwarnung und ohne jeden Versuch, die Zahl der zivilen Opfer möglichst gering zu halten, in Stücke gerissen.

Gegen Ende der Woche warfen israelische Flugzeuge auch Flugblätter ab, die den Bürgern von Gaza-Stadt und den umliegenden Gebieten im Norden mitteilten, dass diejenigen, die überleben wollten, sich besser auf den Weg nach Süden machen sollten   – notfalls zu Fuß, 25 Meilen oder mehr zum Grenzübergang Rafah, der nach Ägypten führt. Zu diesem Zeitpunkt war noch nicht klar, ob das finanziell angeschlagene Ägypten eine Million Einwanderer, von denen sich viele der Hamas angeschlossen haben, passieren lassen wird. Von einem israelischen Insider erfuhr ich, dass Israel versucht, Katar, das auf Drängen von Premierminister Benjamin Netanjahu seit langem die Hamas finanziell unterstützt, davon zu überzeugen, gemeinsam mit Ägypten eine Zeltstadt für die mehr als eine Million Flüchtlinge zu finanzieren, die jenseits der Grenze warten. "Es ist noch nicht beschlossene Sache", sagte mir der israelische Insider. Israelische Beamte haben Ägypten und Katar gewarnt, dass die Flüchtlinge ohne einen Landeplatz "zurück nach Gaza" gehen müssten.

Ein möglicher Standort, so der Insider, ist ein seit langem verlassenes Stück Land im nördlichen Teil der Sinai-Halbinsel in der Nähe des Grenzübergangs zum Gazastreifen, auf dem sich eine israelische Siedlung namens Yamit befand, als die Halbinsel nach dem Sieg im Sechs-Tage-Krieg von 1967 von Israel erobert wurde. Die Siedlung wurde von Israel geräumt und mit Bulldozern platt gemacht, bevor der Sinai 1982 an Ägypten zurückgegeben wurde. Israel hofft, dass Katar und Ägypten ihm die Flüchtlingskrise abnehmen werden.


hersh_2.jpgKarte mit freundlicher Genehmigung von Wikimedia Commons


Israels offensichtliche Missachtung des Wohlergehens der Bevölkerung des Gazastreifens inmitten der erzwungenen Migration von mehr als einer Million hungernder Menschen hat die Aufmerksamkeit der Welt auf sich gezogen und zu einer zunehmenden internationalen Verurteilung geführt, die sich größtenteils gegen Premierminister Benjamin Netanjahu richtet.

Die nächste Etappe muss also bald kommen. In meinen Gesprächen der letzten Tage mit Vertretern Israels und anderer Länder, darunter auch mit Vertretern, mit denen ich seit dem Vietnamkrieg in Europa und im Nahen Osten zu tun hatte, habe ich Folgendes über den israelischen Plan zur Beseitigung der Hamas erfahren.

Das Hauptproblem für die israelischen Kriegsplaner besteht darin, dass sie trotz der Mobilisierung von mehr als 300.000 Reservisten zögern, sich in Gaza-Stadt auf eine Straßenschlacht mit der Hamas einzulassen. Ein Veteran der IDF, der in einem hohen Posten diente, erzählte mir, dass die Hälfte der israelischen Armee in den letzten zehn Jahren oder mehr mit dem Schutz der zunehmenden Zahl kleiner Siedlungen im Westjordanland beschäftigt war, wo sie von der palästinensischen Bevölkerung erbittert angefeindet werden. "Die israelischen Planer haben kein Vertrauen in ihre Infanterie", sagte der Insider, und auch nicht in deren Bereitschaft, in den Krieg zu ziehen, was ein verhängnisvoller Mangel an Kampferfahrung sein könnte.

Da die ausgehungerte Zivilbevölkerung gezwungen ist, den Ort zu verlassen, sieht der israelische Einsatzplan vor, dass die Luftwaffe die verbleibenden Strukturen in Gaza-Stadt und anderswo im Norden zerstört. Gaza-Stadt wird es dann nicht mehr geben. Israel wird dann damit beginnen, 5.000-Pfund-Bomben aus amerikanischer Produktion, so genannte "Bunker Busters" oder JDAMs, auf die zerstörten Gebiete abzuwerfen, in denen Hamas-Kämpfer bekanntermaßen leben und ihre Raketen und anderen Waffen unterirdisch herstellen. Eine verbesserte Version der Waffe, die als GBU-43/B bekannt ist und von den Medien als "die Mutter aller Bomben" bezeichnet wird, wurde im April 2017 von den USA auf eine mutmaßliche ISIS-Kommandozentrale in Afghanistan abgeworfen. Eine frühe Version der Waffe wurde 2005 an Israel verkauft, angeblich für den Einsatz gegen mutmaßliche iranische Atomanlagen, und die verbesserte, lasergesteuerte Version wurde vor einem Jahrzehnt von der Obama-Regierung zum Verkauf an Israel zugelassen. Schon damals, so sagte mir der israelische Insider, war Netanjahu und seinen Beratern klar, dass Netanjahus Unterstützung für die Hamas gefährlich war, so als würde man sich einen Tiger als Haustier halten. "Er würde dich in einer Minute auffressen."

Die derzeitigen israelischen Kriegsplaner sind überzeugt, so der Insider, dass die verbesserte Version der JDAMs mit größeren Sprengköpfen tief genug in den Untergrund eindringen würde, bevor sie detoniert   – dreißig bis fünfzig Meter   –, wobei die Explosion und die daraus resultierende Schallwelle "alle im Umkreis von einer halben Meile töten" würde.

Der Insider sagte, er gehe davon aus, dass die Hamas-Führung wolle, dass einige Zivilisten vor Ort bleiben, weil sie "menschliche Schutzschilde" bräuchten. Der neue israelische Plan des erzwungenen Abzugs bedeute, dass "zumindest nicht alle Menschen getötet würden". Das Konzept, so fügte er pointiert hinzu, gehe auf die frühen Jahre des Vietnamkriegs in Amerika zurück, als die Regierung von Präsident John F. Kennedy den Strategic Hamlet Plan genehmigte, der die Zwangsumsiedlung vietnamesischer Zivilisten in umkämpften Gebieten in eilig errichtete Wohnungen in Gebieten vorsah, von denen man annahm, dass sie von den Südvietnamesen kontrolliert würden. Das verlassene Land wurde dann zu "Free Fire Zones" erklärt, in denen alle, die sich dort aufhielten, von den amerikanischen Truppen ins Visier genommen werden konnten.

Die systematische Zerstörung der verbleibenden Gebäude in Gaza-Stadt werde in den nächsten Tagen beginnen, sagte der israelische Insider. Als Nächstes könnten die bunkerbrechenden JDAMs kommen. Im Szenario der Planer, so wurde mir gesagt, wird die israelische Infanterie dann mit Aufräumarbeiten betraut: Suche und Tötung der Hamas-Kämpfer und Arbeiter, die die JDAM-Angriffe überlebt haben.

Auf die Frage, warum die israelischen Planer glaubten, dass die ägyptische Regierung, wenn auch unter dem Druck der Biden-Administration, zustimmen würde, die mehr als eine Million Flüchtlinge aus dem Gazastreifen aufzunehmen, sagte der Insider: "Wir haben Ägypten bei den Eiern." Er bezog sich dabei auf die jüngsten Anklagen gegen den demokratischen Senator Robert Menendez aus New Jersey und seine Frau wegen Korruptionsvorwürfen, die aus seinen Geschäften mit hochrangigen ägyptischen Beamten und der angeblichen Weitergabe von Informationen über Personen in der US-Botschaft in Kairo herrühren. Der ägyptische Präsident Abdul Fatta el-Sisi, der 2014 durch einen Staatsstreich die gewählte Muslimbruderschaft an die Macht brachte, ist ein General im Ruhestand, der von 2010 bis 2012 den ägyptischen Militärgeheimdienst leitete.

Nicht jeder teilte die Annahme, dass nach den JDAM-Angriffen, sofern sie stattfinden, alles gut gehen würde. Ein ehemaliger europäischer Geheimdienstmitarbeiter, der jahrelang im Nahen Osten tätig war, sagte mir: "Die Ägypter wollen nicht, dass die Hamas nach Ägypten kommt, und sie werden das Minimum tun."

Als er von den israelischen Plänen zum Einsatz von JDAMS erfuhr, sagte er, dass "eine Stadt in Trümmern genauso gefährlich ist wie zu jeder anderen Zeit. Das Gerede über JDAMS ist das Gerede von Leuten, die nicht wissen, was sie tun sollen. Die Hamas sagt: 'Her mit dem Ding.' Sie warten nur darauf." Der Einsatz von JDAMS "ist das Gerede einer Führung, die von ihren Füßen gestoßen wurde. Dies war eine sorgfältig geplante Operation, und die Hamas wusste genau, wie die israelische Reaktion ausfallen würde. Städtische Kriegsführung ist furchtbar."

Der frühere Beamte sagte voraus, dass die israelischen Bunkerbomben nicht tief genug eindringen würden: Die Hamas operiere in Tunneln, die 60 Meter unter der Erde gebaut seien und den JDAM-Angriffen standhalten könnten.

Darauf angesprochen räumte der israelische Insider ein, dass unterirdische Felsen und Gesteinsbrocken die Fähigkeit der Raketen, tief einzudringen, einschränken würden, aber die unterirdische Oberfläche in Gaza-Stadt sei sandig und würde wenig Widerstand bieten, vor allem wenn die JDAMs von einem möglichst hohen Punkt aus abgeworfen würden.

Der Insider sagte auch, dass die derzeitige Planung vorsieht, dass der JDAM-Angriff, falls er genehmigt wird, bereits am Sonntag oder Montag erfolgen soll, je nachdem, wie effizient die gewaltsame Vertreibung der Bevölkerung von Gaza-Stadt und dem Süden abläuft, wobei eine Bodeninvasion sofort folgen soll.


Quelle: https://seymourhersh.substack.com/p/the-plan-to-wipe-out-hamas

Die Übersetzung besorgte Andreas Mylaeus


Info: https://seniora.org/index.php?option=com_acymailing&ctrl=url&subid=3998&urlid=4557&mailid=1950


Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

15.10.2023

Auf dem Weg zur endgültigen Lösung in der Palästinenserfrage

Von Pepe Escobar

Bereits jetzt ist klar, dass der Stellvertreterkrieg gegen Russland in der Ukraine und der israelische "Krieg gegen den Terror", der in Gaza neu aufgelegt werden soll, nur parallel verlaufende Fronten ein und desselben, sich schrecklich entwickelnden globalen Kriegszustands sind.


© AP Photo/Ariel Schalit


Symbolbild


Du hast die Obstgärten meiner Vorfahren gestohlen

und das Land, das ich bebaut habe.

Du hast uns nichts hinterlassen,

abgesehen von diesen Steinen.

Wenn ich hungrig werde,

wird das Fleisch des Eindringlings meine Nahrung sein.

– Palästinensischer Nationaldichter Mahmud Darwisch


Mittlerweile ist bestätigt, dass der ägyptische Geheimdienst seine israelischen Kollegen nur drei Tage vor der Operation Al-Aqsa-Flut gewarnt hatte, dass etwas "Großes" vonseiten der Hamas kommen würde. Tel Aviv, sein milliardenschwerer Sicherheitsapparat und die israelischen Verteidigungskräfte, "die stärkste Armee der Welt", entschieden sich jedoch, dies lieber zu ignorieren.

Dadurch entstanden zwei Schlüsselfaktoren.

1.) Tel Aviv erhält seinen "Pearl Harbor"-Moment, um eine Mischung aus "Krieg gegen den Terror" und eine Art "Endlösung" für das "Gaza-Problem" – das bereits im Gange ist – umzusetzen.

2.) Der Hegemon USA kann abrupt von der bevorstehenden, unvermeidlichen, kosmischen und geballten Demütigung des Weißen Hauses und der NATO in den Steppen der Ostukraine ablenken – eine strategische Niederlage, die die Demütigung in Afghanistan wie einen Maskenball in Disneyland aussehen lässt.


Die Tugendbekundungen des Westens überschlagen sich in Bezug auf Israel





Meinung

Die Tugendbekundungen des Westens überschlagen sich in Bezug auf Israel





Am vergangenen Montag wurde die totale Blockade über die – Zitat israelisches Verteidigungsministerium – "menschlichen Tiere in Gaza" verhängt. Eine Blockade gegen ein Freiluftgefängnis, in dem tatsächlich 2,3 Millionen Zivilisten leben. Das heißt: keine Nahrungsmittel mehr, keine Versorgung mit Wasser und Trinkwasser, kein Treibstoff, keine lebenswichtigen Güter. Das ist ein Kriegsverbrechen und ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit und verstößt gegen die vier Grundprinzipien des Kriegsvölkerrechts, was von der NATO und seinen verschiedenen von Oligarchen kontrollierten Mainstream-Medien wahlweise begrüßt oder bestenfalls völlig ignoriert wird.

Christen, Muslime, Juden und andere ethnische Gruppen lebten jahrhundertelang friedlich in Palästina, bis das rassistische zionistische Projekt implementiert wurde – inklusive aller Merkmale eines "Teile-und-herrsche" des Siedlerkolonialismus.

Die Nakba – zu Deutsch etwa die Katastrophe, das Unglück –, die Vertreibung der Palästinenser aus ihren seit Generationen angestammten Dörfern und Siedlungen durch jüdische Siedler, ist eine alte Erinnerung an die Ereignisse vor 75 Jahren. Wir sind jetzt und heute weit über die israelische Apartheid hinaus. Wir stehen jetzt vor der völligen Ausgrenzung und Vertreibung der Palästinenser aus ihrem Heimatland. Im Januar 2023 bekräftigte der israelische Ministerpräsident Netanjahu dies mit den Worten: "Das jüdische Volk hat ein ausschließliches und unbestreitbares Recht auf alle Gebiete im Staate Israel."

Nun schickte das israelische Verteidigungsministerium eine Aufforderung an die UN, nicht weniger als in Form eines Befehls, alle Bewohner des nördlichen Teils des Gazastreifens – rund 1,1 Millionen Menschen leben dort – vollständig in den südlichen Teil des Gazastreifens, in die Nähe von Rafah, dem einzigen Grenzübergang zu Ägypten, zu evakuieren.

Diese erzwungene Massendeportation von Zivilisten wäre der Auftakt zur Zerstörung des gesamten nördlichen Gazastreifens, verbunden mit der Vertreibung und Beschlagnahmung des angestammten palästinensischen Landes – wodurch wir einer zionistischen Endlösung der Palästinenserfrage näher kämen.

Willkommen bei den Vereinigten Soziopathen

Netanjahu, ein Soziopath mit nachweislichem Leistungsausweis, kann mit seinen Kriegsverbrechen am laufenden Band nur deshalb durchkommen, weil er vom Weißen Haus, der Biden-Bande und dem US-Außenministerium uneingeschränkte Unterstützung erhält – ganz zu schweigen von den irrelevanten Vasallen der USA in der EU.


"Ich stehe als Jude vor Ihnen" – Blinken bekräftigt starke US-Unterstützung für Israel



"Ich stehe als Jude vor Ihnen" – Blinken bekräftigt starke US-Unterstützung für Israel






Wir haben gerade miterlebt, wie ein US-Außenminister – ein Staatsbeamter mit einem tendenziell niedrigen Intelligenzquotienten, der in jeder einzelnen Frage überfordert bleibt – nach Israel reiste, um die Kollektivstrafe gegen die Palästinenser im Gaza "gerade auch als Jude" zu unterstützen und beklagte, dass sein Großvater "vor Pogromen in Russland geflohen" sei – das war 1904. Anschließend stimmte das nationalsozialistisch gestimmte Geigensolo mit ein: "Mein Stiefvater hat Auschwitz, Dachau und Majdanek überlebt." Beeindruckend. Das sind drei Konzentrationslager hintereinander. Der Außenminister ist sich offensichtlich nicht darüber im Klaren, dass es die Rote Armee der UdSSR war, die alle drei Lager befreit hat. Anschließend gab es noch eine Vermengung von Russland, Nazis und Hamas. Zumindest hatte so der Tag für Blinken eine gewisse Struktur.

In Israel kann sich Netanjahu nur wegen zweier fanatischer, ultrazionistischer, rassistischer Koalitionspartner im Amt des Premierministers halten, die sich zudem als Verfechter einer jüdischen Vorherrschaft sehen. Er ernannte Itamar Ben-Gvir zum nationalen Sicherheitsminister und Bezalel Smotrich zum Finanzminister – beide waren de facto für die Ausbreitung von Siedlungen im gesamten Westjordanland im quasi industriellen Maßstab zuständig. Smotrich hat zu Protokoll gegeben, dass es "so etwas wie Palästinenser nicht gibt, weil es so etwas wie ein palästinensisches Volk nicht gibt".

Ben-Gvir und Smotrich sind bestrebt, in Rekordzeit die Siedlerbevölkerung im gesamten Westjordanland von 500.000 auf eine Million zu verdoppeln. Die Zahl der Palästinenser – de facto Nicht-Staatsbürger Israels – beträgt dort 3,7 Millionen. Überall schießen illegale Siedlungen aus dem Boden, die von den Behörden nicht offiziell genehmigt wurden.


Gaza-Eskalation: US-Diplomaten sollen Aufrufe zu einer "Waffenruhe" vermeiden





Gaza-Eskalation: US-Diplomaten sollen Aufrufe zu einer "Waffenruhe" vermeiden 






In Gaza, wo die Armut bei 60 Prozent liegt und die Jugendarbeitslosigkeit überwältigend ist, warnen UN-Organisationen verzweifelt vor einer drohenden humanitären Katastrophe. Über eine Million Menschen in Gaza, hauptsächlich Frauen und Kinder, sind auf UN-Nahrungsmittelhilfen angewiesen. Zehntausende Kinder besuchen Schulen der UNRWA, der UN-Agentur für palästinensische Flüchtlinge.

Israel bring diese Menschen jetzt um – sanft und langsam. In der vergangenen Woche wurden mindestens elf Mitarbeiter der UNRWA – darunter Lehrer, ein Arzt und ein Ingenieur –, mindestens 30 Kinder, sowie fünf Mitglieder des Internationalen Roten Kreuzes und des Roten Halbmonds durch Israel getötet.

Um das Ganze noch abzurunden, gibt es noch den Gas-Aspekt – etwa beim Diebstahl von Gas, das für Gaza bestimmt war. Mindestens 60 Prozent der riesigen Gasvorkommen, die im Jahr 2000 entlang der Küste zwischen Gaza und Israel entdeckt wurden, gehören rechtlich den Palästinensern in Gaza. Eine wesentliche Konsequenz der auf Gaza angewandten Endlösung der Palästinenserfrage besteht darin, dass die volle Souveränität über diese Gasfelder an Israel übertragen wird – ein weiterer massiver Verstoß gegen das Völkerrecht.

Die globale Mehrheit steht auf der Seite Palästinas

Angesichts der schrecklichen Aussicht, dass Israel die gesamte nördliche Hälfte des Gazastreifens entvölkern wird, live im Fernsehen übertragen und angefeuert von Horden von der NATO gesteuerter Zombies, ist es nicht weit hergeholt, die Möglichkeit in Betracht zu ziehen, dass sich die Türkei, Ägypten, Syrien, Irak, Iran, Libanon, Jemen und andere arabische Akteure, wie die Golfmonarchien, auf verschiedenen Ebenen zusammenschließen, um einen überwältigenden Druck gegen die Umsetzung dieser zionistischen Endlösung der Palästinenserfrage aufzubauen. Praktisch der gesamte Globale Süden, die globale Mehrheit, steht auf der Seite Palästinas.


Zum mutmaßlichen Waffenschmuggel aus der Ukraine an die Hamas





Meinung

Zum mutmaßlichen Waffenschmuggel aus der Ukraine an die Hamas





Problematisch ist, dass die Türkei keine arabische Nation ist und der Hamas in der jüngeren Vergangenheit ideologisch zu nahe stand. Unter der Annahme, dass sich die aktuelle Bande rund um Netanjahu bereit erklären würde, sich diplomatisch zu engagieren, würde sich das möglicherweise erfolgversprechendste Team von Vermittlern aus Diplomaten Saudi-Arabiens, Katars und Ägyptens zusammensetzen. Indien hat sich gerade selbst als Anführer der globalen Mehrheit in den Fuß geschossen: Die indische Staatsführung scheint gegenüber Israel tatsächlich jedes Mal einen Steifen zu kriegen.

Dann bleiben noch die großen Souveräne: die strategische Partnerschaft zwischen Russland und China. Russland und Iran sind ihrerseits durch eine strategische Partnerschaft verbunden – auch auf allen militärischen Ebenen. Die von China vermittelte und herbeigeführte iranisch-saudische diplomatische Annäherung hat vergangene Woche dazu geführt, dass der Saudi Mohammad bin Salman und der Iraner Ebrahim Raisi zum ersten Mal überhaupt miteinander telefonierten und ihre unerschütterliche Unterstützung für die legitimen Rechte des palästinensischen Volkes koordinierten. Syriens Präsident Baschar al-Assad hat vor Kurzem China besucht und wurde dort mit allen Ehren empfangen.

Chinas Markenzeichen der diplomatischen Raffinesse – weit umfangreicher als die Operation Al-Aqsa-Flut – läuft auf die Unterstützung legitimer palästinensischer Rechte hinaus. Die gesamte arabische Welt und die Länder des Islam spüren das deutlich – während Israel und die Staaten der NATO für solcherlei Nuancen unempfänglich sind.

Mit Russland betreten wir ein Territorium, wo Heavy Metal herrscht. Anfang vergangener Woche wurde der israelische Botschafter in Russland, Alexander Ben Zvi, nach mehreren Versuchen, endlich vom stellvertretenden Außenminister Michail Bogdanow empfangen. Es war Israel, das förmlich um ein Treffen mit dem russischen Staatsbeamten bettelte.

Bogdanow brachte es direkt auf den Punkt: Ben Zvi wurde gewarnt, dass der Plan Israels, Gaza buchstäblich auszuradieren, die indigene Bevölkerung zu vertreiben und die ethnische Säuberung dieser "menschlichen Tiere" durchzuführen, "mit den verheerendsten Folgen für die humanitäre Situation in der Region" verbunden sei.


Russlands UN-Botschafter: Naher Osten steht an der Schwelle eines großen Krieges





Russlands UN-Botschafter: Naher Osten steht an der Schwelle eines großen Krieges






Das führt zu einem durchaus möglichen Szenario, dessen Folgen ebenso verheerend sein können: Moskau startet – in Zusammenarbeit mit Ankara – eine vom Globalen Süden unterstützte Operation zum Durchbruch der israelischen Blockade von Gaza.

Es ist – abgesehen von der Vorgehensweise – kein Geheimnis, dass Putin und Erdoğan über einen möglichen türkischen humanitären maritimen Konvoi nach Gaza gesprochen haben, der vor einem israelischen Angriff durch die russische Marine und die russische Luftwaffe vom russischen Stützpunkt im syrischen Hmeimim aus beschützt werden könnte. Das würde die Einsätze in diesem Spiel auf ein nie zuvor gesehenes Niveau erhöhen.

Bereits jetzt ist klar, dass der Stellvertreterkrieg gegen Russland in der Ukraine und der israelische "Krieg gegen den Terror", der in Gaza neu aufgelegt werden soll, nur parallel verlaufende Fronten ein und desselben, sich schrecklich entwickelnden globalen Kriegszustands sind.

Diese Analyse erschien zuerst in englischer Sprache in Strategic Culture Foundation.

Pepe Escobar ist ein unabhängiger geopolitischer Analyst und Autor. Sein neuestes Buch heißt "Raging Twenties" (Die wütenden Zwanziger). Man kann ihm auf Telegram und auf X folgen.


Mehr zum ThemaPalästina-Demonstrationen – Befürwortung des Terrors oder legitime Kritik?


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Info: https://freeassange.rtde.life/meinung/183856-auf-weg-in-endgueltige-endloesung


Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

15.10.2023

Neue Konstellationen im Nahen Osten und ihre Bedeutung fürIsrael/Palästina  19. Oktober 2023 — 19.00 UhrReferentin: Karin Leukefeld (Bonn/Damaskus)
Ort: Stadtteilzentrum Vahrenwald, Vahrenwalder Str. 92, Kl. Saal*

Liebe Palästina- und Israel-Interessierte,


wir möchten Sie an unsere nächste FORUM-Veranstaltung erinnern.


In Westasien - von Europa aus gesehen im 'Nahen Osten' - spielen sich

bedeutende Veränderungen ab. Ob die schlimmen Ereignisse dieser Tage

davon weitere Vorboten sind oder nur bei internationaler Untätigkeit die

brutale Routine der Besatzung ins ungekannte Ausmaß steigern, ist noch

nicht abzusehen.


Auf unserer letzten FORUM-Veranstaltung am 7. September ging Nazih

Musharbash auf die innenpolitischen Veränderungen in Israel ein. Sie

können seinen Vortrag und die Powerpoint-Präsentation auf unserer

Webseite www.palaestina-initiative.de unter der Veranstaltungsliste

(September) nachlesen.


Auf unserer nächsten Veranstaltung im Oktober wird Karin Leukefeld auf

die Ebene der Mächtekonstellation in der Region eingehen.

Wir laden Sie hiermit ein zu unserem nächsten FORUM-Abend:


https://www.palaestina-initiative.de/wp-content/uploads/FORUM/2-Youtube-Zur-aktuellen-Lage-in-Syrienkl.jpg*Donnerstag,

19. Oktober 2023 — 19.00 Uhr

Referentin: Karin Leukefeld (Bonn/Damaskus)

Thema: Neue Konstellationen im Nahen Osten und ihre Bedeutung für

Israel/Palästina

Ort: Stadtteilzentrum Vahrenwald, Vahrenwalder Str. 92, Stadtbahn

Dragonerstr., Kl. Saal*

Im Nahen Osten spielen sich allem Anschein nach wichtige Verschiebungen

der Machtverhältnisse ab. Die bedeutendste ist die überraschende

Annäherung zwischen dem Iran und Saudi-Arabien. Ihre Feindschaft schien

bisher eine grundlegende Konstante der Beziehungen in der Region zu

sein. Diese Änderung zieht weitere nach sich wie z. B. die Reintegration

von Assads Syrien in die Arabische Liga oder die Aussicht auf ein Ende

des Krieges im Jemen. Was sind die Auswirkungen auf Israels Politik?

Werden Tendenzen zu einem Militärschlag gegen den Iran gebremst oder gar

längerfristig ein Sinneswandel in der Politik gegenüber der

palästinensischen Bevölkerung in Gang gesetzt? Und vor allem: Wie

verschieben sich die Einflüsse der auswärtigen Großmächte mit ihren

möglichen Rückwirkungen? Stichworte: Aufstieg Chinas, schwindender

Einfluss der USA.

Karin Leukefeld, Journalistin mit langjährigen Erfahrungen in der Region

wird versuchen, in ihrem Vortrag den Stand der Dinge zu analysieren und

mögliche Entwicklungen aufzuzeigen.


Zugleich möchten wir Sie auf unsere Veranstaltung im November aufmerksam

machen:


*Mittwoch, 8. November 2023 — 19.00 Uhr

Referent: Shir Hever (Heidelberg)

Thema: Die Nakba aus einer jüdisch-israelischen Perspektive

Ort: Stadtteilzentrum Vahrenwald, Vahrenwalder Str. 92, Stadtbahn

Dragonerstr., Kl. Saal*


Herzlichen Gruß www.palaestina-initiative.de

<https://www.palaestina-initiative.de/> Hans Norden

15.10.2023

Nahostkonflikt Gezielt getötet

jungewelt.de, 16.10.2023, Seite 7 / Ausland, Von Karin Leukefeld, Beirut

Kriegsstrategie: Journalisten im Südlibanon von israelischem Militär angegriffen. Gegenseitiger Beschuss am Wochenende


 

IMAGO/Xinhua


Große Anteilnahme: Der Journalist und Videofilmer Issam Abdallah wird am Sonntag in Beirut zu Grabe getragen


Als Reaktion auf den Tod von Zivilisten im Süden des Libanon durch Beschuss der israelischen Armee hat die libanesische Hisbollah am Wochenende gezielt Vergeltung geübt. Nach Angaben der Organisation wurden an zwei verschiedenen Orten Stellungen der israelischen Armee sowie Kommunikations- und Überwachungseinrichtungen mit Panzerabwehrlenkraketen getroffen. Bereits am Sonnabend waren fünf israelische Militärstellungen von der Hisbollah angegriffen worden. Die Hisbollah übernahm die Verantwortung für ihre Angriffe. Sie seien eine Antwort auf den anhaltenden Beschuss libanesischer Dörfer seitens der israelischen Armee, bei denen am Freitag und Sonnabend Zivilisten getötet worden waren. Zwei ältere Personen starben, als ihr Haus in Scheeba von der israelischen Armee beschossen worden war. Ein Journalist war am Freitag von der israelischen Armee getötet worden.

Ein Sprecher der israelischen Armee bestätigte die Angriffe und sprach von einem Toten und fünf verletzten Soldaten. Nach Angaben des Armeerundfunks waren bereits zuvor aufgrund »eines operativen Fehlers während militärischer Marine­aktivitäten nahe der Grenze zum Libanon« eine Soldatin getötet und ein Soldat verletzt worden. Die Bevölkerung in verschiedenen Siedlungen südlich der »Blauen Linie«, der Demarkationslinie zwischen Israel und Libanon, wurde aufgefordert, Schutzräume aufzusuchen. In der Siedlung Metulla sollten die Einwohner die Türen geschlossen halten, weil mit »Infiltrationen« zu rechnen sei. Sowohl am Sonnabend als auch am Sonntag griff die israelische Armee libanesische Dörfer unweit der »Blauen Linie« aus der Luft und mit Artillerie an.

Am frühen Freitag abend war das Fahrzeug einer Journalistengruppe, die den ganzen Tag über entlang der »Blauen Linie« unterwegs gewesen war, gezielt von der israelischen Armee beschossen worden. Issam Abdallah, ein libanesischer Videofilmer der Nachrichtenagentur Reuters, wurde getötet, zwei weitere Journalisten von Reuters, zwei Journalisten von Al-Dschasira und ein AFP-Journalist wurden verletzt. Abdallah hatte einige Meter von dem Fahrzeug entfernt auf einer Mauer gesessen, um ein Livesignal mit seiner Kamera herzustellen, damit die Kollegen übertragen konnten, als er getötet wurde. Darauf wurde das Fahrzeug, das mit einer Satellitenschüssel auf dem Dach deutlich als Pressefahrzeug zu erkennen war, direkt beschossen und die anderen Journalisten verletzt. Auch sie waren klar mit Helm und Schutzwesten als »Presse« gekennzeichnet. Die israelische Armee erklärte, den »bedauerlichen Zwischenfall« zu untersuchen. Zu dem Zeitpunkt habe eine Gruppe Bewaffneter versucht, die Sperrmauer zu überwinden, hieß es.


Gezielte Angriffe der israelischen Armee auf Journalisten und Medieneinrichtungen gehören offenbar zur Kriegsstrategie. In Gaza wurden seit Beginn der israelischen Bombardierungen acht Journalisten getötet und die Büros von internationalen Medien, die aus dem Gazastreifen berichten, zerbombt. In Tel Aviv wurde ein Team von BBC Arabisch gestoppt, als es auf dem Rückweg zum Hotel war. Die Journalisten wurden an eine Wand gestellt und ihr Auto komplett durchwühlt. Als der Kameramann den Vorgang mit seinem Handy filmen wollte, wurde es ihm aus der Hand geschlagen und auch er selbst wurde geschlagen. Sollten sie sich bewegen, würden sie erschossen, hieß es in einem späteren Bericht der BBC. Am Sonntag wurde bekannt, dass die französische Firma EUTELSAT die Übertragung des palästinensischen Satellitensenders Al-Aksa unterbrochen hat. Das europäische Satellitenunternehmen ist das drittgrößte Unternehmen weltweit. Das Medienbüro der Hisbollah kritisierte die Entscheidung als Angriff auf die Pressefreiheit. Die Unterdrückung der Palästinenser solle vor den Augen der Welt verborgen bleiben.

Der iranische Außenminister Hossein Amir Abdollahian hatte sich in Beirut u. a. mit dem UN-Beauftragten für den Frieden im Mittleren Osten, Tor Wennesland und dem Leiter des Libanesisch-Palästinensischen Dialogkomittees Basil Al-Hassan getroffen. Aus UN-Kreisen wurde bekannt, dass der Iran offenbar durch die Vereinten Nationen Israel hat auffordern lassen, seine »Kriegsverbrechen und den Völkermord« in Gaza zu stoppen. Andernfalls werde die Situation »weitreichende Konsequenzen« haben und könnte außer Kontrolle geraten. Im Falle einer Bodenoffensive Israels in den Gazastreifen sehe sich Iran gezwungen, eine Antwort zu geben.


Info: https://www.jungewelt.de/artikel/461128.nahostkonflikt-gezielt-get%C3%B6tet.html


Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

15.10.2023

Nahostexperte Shahid Bolsen / UN: Wassili Nebensja...Hamas

aus e-mail von Doris Pumphrey, 15. Oktober 2023, 21: 27 Uhr


*Shahid Bolsen: Jeder, der sich heute hinter Israel stellt, wird verlieren


*"Wer gegen den Wandel kämpft, wird immer das Opfer des Wandels sein,

denn er kommt sowieso." Mit diesen prophetischen Worten richtete der

Nahostexperte Shahid Bolsen eine eindringliche Botschaft an die USA und

ihre Verbündeten angesichts des unvermeidlichen Aufstiegs des Globalen

Südens auf der Weltbühne sowie der erneuten Gewalteskalation im Nahen

Osten.

Dort, wo die Staatsräson Israels im Namen der "alten kolonialistischen,

imperialistischen, rassistischen und suprematistischen Mentalität des

Westens" auf dem Rücken Palästinas durchgesetzt wird. "Der Westen und

insbesondere Amerika müssen verstehen, dass die ganze Welt euch so

sieht, wie ihr seid. Eure Haltung zu Palästina zeigt allen, dass ihr

nicht reif oder entwickelt genug seid, um eine Führungsrolle in der

Weltpolitik zu verdienen, schon gar nicht in den Angelegenheiten des

Globalen Südens", sagte er.

Dabei betonte er, dass nicht nur die arabische Welt, Afrika,

Lateinamerika, Asien und zwei Milliarden Muslime weltweit auf der Seite

der Palästinenser stünden, sondern auch "eure eigene Öffentlichkeit"

weitgehend auf deren Seite sei.

"Wenn ihr also beschließt, euch dem Unvermeidlichen zu widersetzen, dann

seid ihr von vornherein zum Scheitern verurteilt", so Bolsen.

/Siehe Video mit deutscher Simultanübersetzung (12:29 Minuten):

/https://odysee.com/@RTDE:e/Shahid-Bolsen--Jeder,-der-sich-heute-hinter-Israel-stellt,-wird-verlieren:1



https://freeassange.rtde.life/der-nahe-osten/183836-am-rande-grossen-krieges-nahost/

15.10.23

*Am Rande eines großen Krieges –

Wie der palästinensisch-israelische Konflikt voranschreitet

*/Von Roman Schimajew/

*

Der russische UN-Gesandte Wassili Nebensja* warnt vor einem möglichen

Krieg und einer humanitären Katastrophe im palästinensisch-israelischen

Konflikt. Er kritisiert die Untätigkeit des UN-Sicherheitsrats und der

westlichen Welt. Russland fordert einen sofortigen Waffenstillstand und

die Wiederaufnahme von Friedensgesprächen. Die Hamas begrüßt die

russischen Bemühungen.


Die neue Spirale der Eskalation im palästinensisch-israelischen Konflikt

könnte zu einem ausgeprägten Krieg und einer humanitären Katastrophe

führen, so die Einschätzung des russischen UN-Gesandten Wassili

Nebensja. Er bemerkte, dass keine einzige Delegation der westlichen Welt

im UN-Sicherheitsrat irgendwelche diplomatischen Schritte unternommen

habe, um die Kampfhandlungen zu beenden und die Friedensgespräche

aufzugreifen. Unterdessen begrüßte die palästinensische Hamas-Bewegung

die russischen Bemühungen um eine Regelung der Nahostsituation.


Die Wahrscheinlichkeit eines vollumfassenden Krieges im Nahen Osten, der

zu einer humanitären Katastrophe führen wird, ist äußerst hoch. Diese

Meinung vertrat der Ständige Vertreter Russlands bei den Vereinten

Nationen, Wassili Nebensja. "Die Eskalation der Situation vor Ort ist

äußerst alarmierend. Die Region ist am Rande eines groß angelegten

Krieges und einer präzedenzlosen humanitären Katastrophe",

wird er von /RIA Novosti/ zitiert. Gleichzeitig konstatierte er die

völlige Untätigkeit des Sicherheitsrats und des UN-Sekretariats. Unter

anderem habe keine westliche Delegation eine offene Sitzung des

UN-Sicherheitsrates zur Eskalation des palästinensisch-israelischen

Konflikts beantragt.

"Wir sind überzeugt, dass der Sicherheitsrat dem Blutbad ein Ende setzen

muss, und dass die Wiederaufnahme von Friedensgesprächen im Hinblick auf

die Gründung eines palästinensischen Staates notwendig ist", sagte er.


In diesem Zusammenhang ließ Russland einen Resolutionsentwurf des

UN-Sicherheitsrates verbreiten, in dem ein sofortiger, dauerhafter und

vollständig überwachter humanitärer Waffenstillstand sowie die

ungehinderte Bereitstellung humanitärer Hilfe gefordert werden. Zugleich

werden darin Gewalt und alle Terrorakte verurteilt.


*Attacken auf Israel *

Unterdessen teilten die Israelischen Verteidigungsstreitkräfte (IDF)

mit, sie hätten über Nacht zwei Angriffe aus dem Libanon vereitelt. "Vor

einiger Zeit beschoss die IDF ein terroristisches Ziel der "Hisbollah"

im Süden Libanons, als Antwort auf das Eindringen nicht identifizierter

Flugobjekte nach Israel und den Beschuss einer IDF-Drohne. Die IDF

konnten das eingedrungene Flugobjekt abfangen und das Feuern auf die

Drohne unterdrücken", heißt es in der Mitteilung. Das israelische

Militär identifizierte auch eine Terrorzelle, die das Land zu

infiltrieren versucht hatte. "Eine Drohne der IDF hat die Terrorzelle

angegriffen und mehrere Terroristen eliminiert", wurde im Pressedienst

der Israelischen Verteidigungsstreitkräfte betont.


*Evakuierung des Gazastreifens *

Zudem haben die israelischen Streitkräfte den Bewohnern des nördlichen

und zentralen Gazastreifens für sechs Stunden die Möglichkeit einer

sicheren Bewegungsfreiheit in die südliche Richtung gewährt. Am Vortag

hatte Israel der palästinensischen Bevölkerung eine Frist von 24 Stunden

zur Evakuierung eingeräumt. Nach Angaben der UNO sind mehr als 1,1

Millionen Menschen davon betroffen. Laut Medienberichten sind bereits

mehr als 800.000 Palästinenser in den Süden der Enklave gezogen. In der

Zwischenzeit erinnerte UNICEF daran, dass alle Parteien des

militärischen Konflikts gemäß internationalem Recht für den Schutz der

Zivilbevölkerung verantwortlich sind und in der Pflicht stehen, das

Leben und die Sicherheit von Kindern zu schützen.


Dem Vertreter des UNICEF-Büros im Nahen Osten, Salim Oweis, zufolge wird

die Haltung des jüdischen Staates zu einer äußerst komplizierten

humanitären Lage in Gaza führen, berichtet RIA Novosti. "Die Menschen

haben keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser, nachdem die

Wasserversorgung und die Arbeit der Entsalzungs-/Aufbereitungsanlagen

eingestellt wurden. Aus Not greifen die Menschen zu Brackwasser aus

landwirtschaftlichen Brunnen, was ernste Bedenken hinsichtlich der

Ausbreitung von durch Wasser übertragenen Krankheiten aufkommen lässt",

fügte das UN-Büro für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten hinzu.


*Hamas-Erklärung *

Die palästinensische Hamas-Bewegung hat die russischen Bemühungen

begrüßt, vor allem jene, die darauf abzielen, die israelischen Angriffe

auf den Gaza-Streifen zu stoppen, berichtet /RIA Novosti/.

*"Die Hamas-Bewegung weiß die Haltung des russischen Präsidenten

Wladimir Putin bezüglich der anhaltenden zionistischen (israelischen)

Aggression gegen unser Volk und seine Ablehnung der Gaza-Blockade, der

Unterbrechung der Hilfslieferungen und der Angriffe auf die

Zivilbevölkerung zu würdigen",* sagte ein Vertreter der Hamas. Am Vortag

hatte Wladimir Putin darauf hingewiesen, dass Russland von der Tatsache

ausgeht, dass eine Lösung durch Verhandlung für den

palästinensisch-israelischen Konflikt alternativlos ist und dass deren

Ziel die Bildung eines unabhängigen Palästina mit Ost-Jerusalem als

Hauptstadt sein sollte.


Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

15.10.2023

Gaza: Warnung vor Völkermord /Solidarität mit Palästina

aus e-mail von Doris Pumphrey, 15. Oktober 2023, 21:26 Uhr


*Einwohner von Gaza: "Seit fünf Tagen haben wir kein Wasser, kein Essen

- unsere Kinder verhungern"

*Vor dem Hintergrund der verstärkten israelischen Luftangriffe stehen

die Bewohner des Gazastreifens vor großen Herausforderungen bei der

Sicherung ihrer Lebensgrundlagen.

"Wir haben seit fünf Tagen kein Essen und kein Wasser mehr. Warum?",

fragt ein Bewohner und fügt hinzu: "Unsere einzige Forderung ist die

Sicherstellung von Nahrung und Wasser für unsere Kinder, ansonsten

opfern wir uns für unser Heimatland und den Widerstand."

https://odysee.com/@RTDE:e/Einwohner-von-Gaza---Seit-f%C3%BCnf-Tagen-haben-wir-kein-Wasser,-kein-Essen---unsere-Kinder-verhungern-:a


*

*https://freeassange.rtde.life/international/182960-updates-zur-gaza-israel-eskalation/

<https://freeassange.rtde.life/international/182960-updates-zur-gaza-israel-eskalation/>*Arabische 

Liga und Afrikanische Union warnen vor "Völkermord" im Gazastreifen

*Die Arabische Liga und die Afrikanische Union warnen eindringlich vor

den möglichen Folgen einer israelischen Bodenoffensive im Gazastreifen.

Ein solcher Militäreinsatz "könnte zu einem Völkermord von beispiellosem

Ausmaß führen", erklären die beiden Organisationen in einer gemeinsamen

Stellungnahme. Sie rufen die Uno und die internationale Gemeinschaft

dazu auf, eine solche "Katastrophe" zu verhindern, bevor es zu spät sei.


*

**Außenminister von Syrien und Iran geben "rassistischem und Kinder

mordendem Israel" Schuld an Eskalation

*https://odysee.com/@RTDE:e/au%C3%9Fenminister-von-syrien-und-iran-geben-rassistischem-und-kinder-mordendem-israel-schuld-an-eskalation:f

*


**Präsident von Südafrika: "Wir alle bekunden unsere Solidarität mit

Palästina"

*https://odysee.com/@RTDE:e/pr%C3%A4sident-von-s%C3%BCdafrika-wir-alle-bekunden-unsere-solidarit%C3%A4t-mit-pal%C3%A4stina:7



https://freeassange.rtde.life/international/182960-updates-zur-gaza-israel-eskalation/

*Irland verurteilt Belagerung des Gazastreifens*

Der irische Außenminister Micheál Martin zeigt sich "zutiefst besorgt

über die Situation in Israel und den besetzten palästinensischen

Gebieten". Sein Ministerium veröffentlichte diesbezüglich eine

Erklärung. Die Entscheidung des israelischen Militärs, die gesamte

Zivilbevölkerung im Norden des Gazastreifens aufzufordern, zu ihrer

eigenen Sicherheit in den Süden zu ziehen, sei "äußerst gefährlich und

nicht umsetzbar".

"Ich bin auch zutiefst besorgt über die zunehmende Gewalt und die Zahl

der Todesopfer im Westjordanland, einschließlich der zunehmenden Gewalt

von Siedlern und der Vertreibung palästinensischer Gemeinschaften, sagte

der irische Außenminister weiter. Nach internationalem Recht habe Israel

das Recht, sich gegen Angriffe zu verteidigen, aber dies müsse im Rahmen

des humanitären Völkerrechts geschehen.



https://www.jungewelt.de/artikel/461126.solidemos-usa-free-palestine.html

16.10.23

*»Free Palestine«

Zehntausende demonstrieren in den USA gegen Israels Krieg in Gaza und

fordern Ende von US-Unterstützung

*/Von Jürgen Heiser


/Vor dem Hintergrund der militärischen Eskalation Israels gegen die

Bevölkerung des Gazastreifens ist es auch in den USA erneut zu

Massenprotesten gekommen. Aus Solidarität folgten am Freitag (Ortszeit)

Zehntausende landesweit dem von der Hamas ausgerufenen »Tag des Zorns«

zur Unterstützung der palästinensischen Bevölkerung. Das »israelische

Apartheidregime, das Palästina besetzt hält«, begehe »ein schweres

Kriegsverbrechen«, schrieb der US-Newsblog /Struggle for Socialism/

dazu. Das Kriegskabinett des israelischen Premierministers Benjamin

Netanjahu wolle »ein weiteres Kapitel der Nakba – arabisch für

Katastrophe – aufschlagen, bei der 1948 mehr als 15.000 Palästinenser

von Zionisten ermordet und 531 palästinensische Dörfer zerstört wurden«.


Allein in New York versammelten sich laut /Reuters/ Tausende

Demonstranten und forderten auf Transparenten und in Redebeiträgen

»Beendet die Besatzung«. In aller Schärfe wurde die Regierung Netanjahu

verurteilt. Diese hat als Vergeltung für die Welle der von den

Kassam-Brigaden der Hamas durchgeführten Überraschungsangriffe gegen

israelische Siedlungen die Luftangriffe auf die Zivilbevölkerung des

Gazastreifens seit dem 7. Oktober täglich intensiviert.


Das People’s Forum in New York forderte die Einstellung jeglicher

US-Hilfe für Israel: »Keine Gelder mehr für Waffen!« Jetzt sei es »an

der Zeit, bis zur vollständigen Befreiung Palästinas zu mobilisieren«.

Die Demonstranten skandierten »Netanjahu, wie viele Kinder hast du heute

getötet?« und »Free Palestine«. Wegen der Proteste in New York und

zahlreichen anderen US-Städten hatte die Polizei ihre Patrouillen vor

jüdischen und islamischen Einrichtungen verstärkt. Die Behörden betonten

jedoch, ihnen seien »keine konkreten Bedrohungen bekannt«.


Bereits am Wochenende des 8. und 9. Oktober nach dem Beginn der

Offensive der Hamas namens »Al-Aksa-Flut« hatten in den USA landesweit

spontane Solidaritätsdemonstrationen stattgefunden. Vor dem Weißen Haus

in Washington, in den Zentren von New York City, Atlanta, Miami, Tampa,

Chicago, San Francisco und Los Angeles – um nur die größten zu nennen –

lauteten die Parolen »Beendet die Apartheid – Für ein freies Palästina«,

»Keine US-Intervention in Palästina« und »From the river to the sea,

Palestine will be free«.


Die große palästinensisch-US-amerikanische Community hatte zusammen mit

indigenen, schwarzen und hispanischen Bewegungen breite Bündnisse

mobilisiert. So gingen am »Tag der indigenen Völker«, am vergangenen

Montag, in Boston laut /Workers World/ Hunderte auf die Straße, »um sich

mit dem palästinensischen Widerstand gegen den von den USA unterstützten

zionistischen Terror zu solidarisieren«.


Auch die Black Alliance for Peace (BAP) stellte sich in ihrem

landesweiten Aufruf an die Seite der Menschen im »Freiluftgefängnis von

Gaza« und erinnerte »alle afrikanischen/schwarzen Menschen an unsere

lange Tradition der Solidarität mit Palästina«. Mit der vollen

Unterstützung der »westlichen internationalen Gemeinschaft« habe »die

faschistische Netanjahu-Regierung die Folgen der inneren Widersprüche in

Israel nur vorübergehend durch den Krieg gegen Gaza verdrängt«. Der

»ultimative Widerspruch zwischen dem Kolonialregime und dem

kolonisierten Volk« werde jedoch »mit dem Sieg aller kolonisierten

Völker aufgelöst – dessen sind wir uns sicher«, so die BAP.


Bei allen Aktionen wurde jeweils ein starkes Polizeiaufgebot bis hin zu

Antiterrorsondereinheiten des FBI aufgefahren, /Fox News/ und andere

rechte Kampfmedien hetzten für eine starke Repression der Proteste. Die

Organisation Jewish Voice for Peace teilte im Anschluss mit, dass 80

jüdische Demonstranten in fünf Städten verhaftet wurden, »als sie die

Wege zu den Häusern und Büros der Mandatsträger blockierten, während

Tausende von Menschen sie beim Singen jüdischer Widerstands- und

Friedenslieder unterstützten«.


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*DIE LINKE Bundesarbeitskreis Gerechter Frieden in Nahost

Erklärung vom 12. 10. 2023 zur drohenden Invasion in den Gazastreifen:


*Angesichts der drohenden Eskalation des Krieges durch die geplante

Invasion der israelischen Armee in den Gazastreifen appellieren wir an

die deutsche Bundesregierung und die Parteien im Bundestag, sich für

einen Waffenstillstand und Verhandlungen zwischen den Parteien einzusetzen.


Wir erinnern an den Aufruf britischer Persönlichkeiten, die der

„Guardian“ am 9. Januar 2009 veröffentlichte, nachdem die israelische

Armee mit ihrer Bodenoffensive „Gegossenes Blei“ in den Gazastreifen

eingedrungen war und entsetzliche Zerstörungen mit über 1300 Toten

hinterließ:

„Die Massaker in Gaza sind die letzte Phase eines Krieges, den Israel

seit mehr als 60 Jahren gegen die Menschen Palästinas führt. Das Ziel

dieses Krieges hat sich nie geändert: die überwältigende Militärmacht zu

nutzen, um die Palästinenser als politische Kraft auszumerzen, eine

Kraft, die fähig ist, sich der permanenten Aneignung ihres Landes und

ihrer Ressourcen zu widersetzen. Israels Krieg gegen die Palästinenser

hat Gaza und die Westbank in zwei gigantische, politische Gefängnisse

verwandelt. Es gibt keinerlei Symmetrie in diesem Krieg hinsichtlich der

Prinzipien, der Taktik und Wirkungen. Israel ist verantwortlich dafür,

ihn begonnen und intensiviert zu haben ...“

Weiter heißt es: „Israel muss anerkennen, dass seine Sicherheit von

Gerechtigkeit und friedlicher Koexistenz mit seinen Nachbarn abhängt und

nicht vom verbrecherischen Einsatz von Gewalt. Wir glauben, Israel

sollte seinen Angriff auf Gaza unverzüglich und bedingungslos beenden,

die Besatzung der Westbank beenden, jeden Anspruch auf Besitz oder

Kontrolle von Gebieten jenseits der Grenzen von 1967 aufgeben.“


Nichts hat sich seither an der Blockade des Gazastreifens geändert, sie

ist nur durch ihre Dauer und Gnadenlosigkeit immer unerträglicher

geworden. So musste es zum Ausbruch aus diesem Gefängnis kommen.

Inzwischen bekommt Gaza keinen Strom, keine Lebensmittel, keinen

Treibstoff mehr, wie es der israelische Verteidigungsminister Gallant

angekündigt hat. Eine Blockade, die schon seit 2009 gegen das humanitäre

Völkerrecht verstieß, droht unter der Devise von Gallant: „Wir kämpfen

gegen menschliche Tiere und handeln entsprechend“, in unvorstellbare

Gewalt und Zerstörung auszuarten und alle Prinzipien des Völkerrechts zu

verhöhnen.


Nichts, auch nicht die brutale Ermordung Hunderter Menschen in Israel,

kein Verteidigungsrecht rechtfertigt diesen weiteren Völkerrechtsbruch

und eine Vergeltung mit unverhältnismäßiger Gewalt, wie die

augenblickliche Bombardierung von Wohngebieten, Gesundheitseinrichtungen

und Pressebüros sowie die angekündigte Bodenoffensive. Dies muss die

Bundesregierung erkennen und alles unternehmen, die Gewalt von beiden

Seiten durch einen Waffenstillstand und Verhandlungen zu stoppen, um

einen Weg zu einem dauerhaften Frieden in der Region ohne Besatzung und

Apartheid zu ebnen.


**


Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

15.10.2023

Eine Chance für den Frieden

manova.news, 14. Oktober 2023, 14:00 Uhr, von Angelika Gutsche

Die furchtbaren Geschehnisse in Israel und im Gazastreifen könnten auch als das Ende des Status quo und als Neubeginn für Friedensverhandlungen gedeutet werden.


Foto: Hans Verburg/Shutterstock.com


Ein „terroristischer Anschlag“? Das klingt mit Blick auf die Situation in Israel und Gaza wie eine Verharmlosung. Aus dem Zündfunken vom vergangenen Wochenende könnte ohne weiteres ein Flächenbrand entstehen, wenn sich neben der Hisbollah noch der Iran und andere islamische Staaten sowie auf der Seite Israels die USA einmischen würden. Angesichts der militärischen Macht Israels und des Westens scheint das Ergebnis eines solchen Konflikts klar zu sein. Allerdings sind die NATO-Staaten durch ihre Unterstützung der Ukraine stark beansprucht, wirtschaftlich geschwächt und, was ihre globale Bedeutung betrifft, eher auf dem absteigenden Ast. Endlose Kämpfe mit entschlossenen arabischen Kämpfern, die überdies auf eigenem Territorium agieren, könnten die Westallianz überfordern. Trotz der desolaten Lage sieht die Autorin ein Hoffnungszeichen: Die Ereignisse im Nahen Osten sind in ihrer Furchtbarkeit so extrem, dass daraus auf allen Seiten die Entschlossenheit zu einem dauerhaften Frieden erwachsen könnte. So wie es bisher gelaufen ist, konnte es nicht weitergehen. Es ist an der Zeit, neue Wege zu gehen.


Es begann am 7. Oktober mit dem Abschuss von über 2.200 Raketen auf Israel und der anschließenden Überwindung der Grenzsicherungen, dem Eindringen von über tausend Kämpfern auf israelisches Gebiet und einem anschließenden Gemetzel an der israelischen Zivilbevölkerung. Israel bombt vor allem die Zivilbevölkerung in Gaza und steht augenblicklich mit geballter Militärkraft an der Grenze zu Gaza und hat den Kriegszustand erklärt. Mit wem ist Israel eigentlich im Krieg? Dem Gazastreifen, der Hamas, den Palästinensern, denen es immer noch keinen Staat zugesteht?

In Israel befindet sich eine extreme Hardliner-Regierung an der Regierung, die sich seit Wochen mit gegen sie gerichteten Großdemonstrationen einer machtvollen Oppositionsbewegung auseinandersetzen muss. Sogar das israelische Militär wurde geschwächt, indem Reservisten ankündigten, sich einem Militäreinsatz unter dieser Regierung zu widersetzen.

Währenddessen waren die USA in der letzten Zeit verzweifelt bemüht, arabische Länder zu Abkommen mit Israel zu bewegen. Dies erschien umso dringlicher, je stärker sich die Hisbollah im Libanon, unterstützt vom Iran, militärisch entwickelt. Und je mehr sich der Iran und die arabischen Länder, insbesondere Saudi-Arabien, annähern.

Ein Friedensabkommen zwischen Israel und Saudi-Arabien wäre für die USA mehr als wünschenswert, doch kann sich Saudi-Arabien ein derartiges Abkommen nicht leisten, zumindest so lange nicht, solange die Palästinenser nicht endlich einen eigenen Staat haben, der israelischen Apartheitspolitik ausgesetzt sind und mindestens fünf Millionen Palästinenser als Vertriebene im Ausland leben. Selbst wenn bin Salman ein Abkommen wollte, könnte er es nicht durchsetzen, denn die Menschen in allen arabischen Ländern stehen geschlossen, anders als manche arabische Regierung, hinter den Palästinensern.


Die Nachbarstaaten

Im politisch zerfallenen Libanon konnte die vom Iran unterstützte Hisbollah seit einigen Jahren militärisch stark aufrüsten. Schon beim Krieg zwischen Israel und der Hisbollah im Jahr 2006, der mit einem Waffenstillstand endete, machte die israelische Armee keine gute Figur und zog sich aus dem Libanon wieder zurück. Die Hisbollah hatte eine überraschende militärische Stärke gezeigt, die sich inzwischen noch verstärkt haben dürfte.

Im gegenwärtigen Konflikt halten bisher sowohl Israel als auch der Libanon die Füße still. Die Hisbollah drohte jedoch, bei einer Bodenoperation Israels im Gazastreifen militärisch einzugreifen. Sollte sie dies tun, müssten die USA Israel militärisch zur Seite springen, da Israel vermutlich kaum in der Lage wäre, einen Krieg an mehreren Fronten zu gewinnen.

Sollten die USA auf Seiten Israels eingreifen, könnte der libanesischen Hisbollah der Iran zu Hilfe eilen. Damit wäre ein Krieg zwischen dem Iran und den USA vorprogrammiert.

Im Nachbarstaat Syrien ist es den USA nicht gelungen, Präsident Assad zu stürzen. Er sitzt fest im Sattel, die Russen haben ihre dortigen Militär- und Marinestützpunkte behalten und der Iran unterstützt weiterhin die syrische Regierung. Vor wenigen Tagen besuchte der syrische Präsident Saudi-Arabien und versicherte sich bei Mohamed bin Salman der Hilfe für den Wiederaufbau seines Landes. Saudi-Arabien will Syrien nicht allein dem Iran als Einflussgebiet überlassen, verbessert insgesamt die Beziehungen zum Iran und setzt auf eine bedeutendere politische Rolle bei der Neuverteilung der geopolitischen Kräfte. In der jetzigen Situation hat Syrien, dessen strategisch wichtige Golanhöhen völkerrechtswidrig von Israel besetzt sind, sein Militär in höchste Alarmbereitschaft versetzt. Ein militärisches Eingreifen in den Israel-Palästina-Konflikt ist vorerst nicht zu erwarten.

Die längste Grenze Israels ist jene zu Jordanien, das ein fester Verbündeter des Westens ist, der dort auch Militärbasen unterhält. Laut einer Umfrage vom März 2022 sehen sich jedoch 47 Prozent der Jordanier von Israel bedroht und 81 Prozent lehnen einen weiteren Normalisierungsprozess mit Israel ab (1). Und dies, obwohl Jordanien mit Israel seit Jahrzehnten diplomatische Beziehungen pflegt und 1994 die politischen Akteure ein Friedens- und Handelsabkommen unterzeichneten. Nach den jüngsten Geschehnissen in Israel kam es auch in Amman zu Solidaritätsbekundungen mit den Palästinensern. Israel hat die Grenzen zu Jordanien, in dem zwei Millionen Palästinenser leben, geschlossen und sein Botschaftspersonal zurückberufen (2).

Auf dem Sinai liegt die einzige Außengrenze Gazas, das hier an Ägypten grenzt, ansonsten vom Mittelmeer und von israelischen Grenzzäunen umschlossen ist. Auf ägyptischer Seite wird befürchtet, dass Hardliner in Israel den Plan verfolgen, in den Gazastreifen einzumarschieren und die dort lebenden zwei Millionen Palästinenser über die ägyptische Grenze auf den Sinai zu vertreiben, um anschließend den Gazastreifen Israel einzuverleiben. Am 10. Oktober bombardierte Israel nahe des Grenzübergangs Rafah (3). Es wurde befürchtet, dass Grenzbefestigungen beschädigt werden sollten, um den Palästinensern die Flucht nach Ägypten zu erleichtern. Der ägyptische Präsident as-Sisi warnte, er werde es nicht zulassen, dass die Palästinenserfrage auf Kosten anderer Parteien gelöst wird. Ägypten kann kein Interesse daran haben, sich auf der immer wieder von extremistischen Islamisten heimgesuchten Sinai-Halbinsel auch noch ein Hamas-Problem samt Flüchtlingslager anhängen zu lassen.


Verlagerung der geopolitischen Kräfteverhältnisse

Dies alles geschieht in einem Umfeld, in dem sich die geopolitischen Kräfteverhältnisse von der allein tonangebenden Weltmacht USA weg und hin zu einer multipolaren Welt verschieben. Just in dem Moment, wo im Ukraine-Krieg Russland meldet, dass die ukrainische Gegenoffensive gescheitert ist und nun Russland auf dem Vormarsch sei, und während die USA und der Westen einen Großteil ihrer Waffenarsenale an die Ukraine geliefert haben – wobei durch Waffenschieberei ein Teil davon auf Seiten der Hamas gelandet ist – dürfte die USA nicht mehr in der Lage sein, Israel im großen Maßstab militärisch und mit Waffenlieferungen zu unterstützen.

Das Überwinden aller ausgeklügelten Verteidigungsanlagen durch Hamas-Kämpfer, das Eindringen auf israelisches Gebiet und die Ermordung von über tausend Israelis hat den Unbesiegbarkeitsmythos Israels und seines legendären Mossad-Geheimdienstes ebenso erschüttert wie die Überwindung des Iron Domes durch Hamas-Raketen.

Wie sollte es Israel, umgeben von arabischen Nachbarn, insbesondere mit der feindlichen Hisbollah aufnehmen können? Bis jetzt halten die Palästinenser im Westjordanland, in Israel selbst und in den Nachbarstaaten noch still.

Doch wird es so bleiben, sollte Israel in Gaza wirklich ihrerseits eine blutige Bodenoffensive beginnen? Mit einem Eingreifen der Hisbollah muss gerechnet werden, die sich in der Rolle desjenigen sehen könnte, der die Responsibiliy to Protect (Schutzverantwortung) für das palästinensische Volk übernimmt.


UNO

Nachdem Israel noch davor zurückschreckt, eine Bodenoffensive zu beginnen und stattdessen eine Totalblockade des Gazastreifens angekündigt hat, stellte die UNO unverzüglich klar, dass dies völkerrechtswidrig sei. Es sei unter dem humanitären Völkerrecht verboten, Menschen das vorzuenthalten, was sie zum Überleben brauchen. Den Zivilisten im Gazastreifen Nahrungsmitteln, Wasser, Strom, Benzin und medizinische Güter zu entziehen, das geht gar nicht (4).


Globale Kräfteverschiebungen

Wie sollten es Israel, ja selbst die USA oder die Nato, mit dem Iran aufnehmen in Anbetracht der militärischen und wirtschaftlichen Schwächung des Westens, insbesondere durch den Ukraine-Krieg?

Dass der Iran der Drahtzieher der jüngsten Eskalation sein könnte, wird von Politanalytikern wie Roland Popp von einer Schweizer Militärakademie bestritten (5). Der schiitische Iran steht im ideologischen Gegensatz zur sunnitischen Hamas, auch wenn er als wichtiger Unterstützer der palästinensischen Sache gilt.

Thierry Meyssan sieht als Drahtzieher beim Hamas-Angriff auf Israel auch nicht den Iran, sondern ausgerechnet den Nato-Verbündeten Türkei, der enge Beziehungen zu Katar, dem Hauptgeldgeber der Hamas, pflegt und hochrangigen Hamasführern Unterschlupf gewährt (6).

Israel hat viele Palästinenser im eigenen Land, ist umgeben von Palästinensern im Gazastreifen, im Westjordanland, in den Flüchtlingslagern in den arabischen Ländern rund um Israel, während deren arabische Bevölkerung sich mit den Palästinensern solidarisiert, die von einem militärisch starken Iran und einem finanzstarken Katar unterstützt werden. Gleichzeitig strauchelt die israelische Schutzmacht USA, sowohl innen- wie außenpolitisch, und dürfte an keinem Krieg mit dem Iran, und erst recht nicht an einem Dritten Weltkrieg interessiert sein. Israel steckt in einer Sackgasse fest.


Frieden im Nahen Osten möglich?

Russland und China können sich zurücklehnen und auf Friedensverhandlungen drängen, ebenso wie dies viele andere, wie zum Beispiel südamerikanische Länder tun (7). Saudi-Arabien und der Iran werden im Sinne der Palästinenser an einem Strang ziehen, um zu versuchen, eine echte Friedenslösung für Palästina durchzusetzen.

Die Angst vor einer großen Eskalation mit ungewissem Ausgang, die sich sogar zu einem Dritten Weltkrieg ausweiten könnte, birgt die Möglichkeit, eine nachhaltige Friedenslösung im Nahen Osten mit einer Zweitstaatenlösung zu erzwingen. Dies sollten die USA, der Westen und Israel als Chance begreifen.


Quellen und Anmerkungen:

(1) https://www.israelnetz.com/jordanier-lehnen-normalisierung-mit-israel-ab/
(2) https://taz.de/Reaktionen-auf-Angriff-gegen-Israel/!5965614/
(3) https://freede.tech/international/182960-updates-zur-gaza-israel-eskalation/
(4) https://lostineu.eu/total-blockade-in-gaza-ist-voelkerrechtlich-verboten/
(5) https://www.20min.ch/story/angriff-auf-israel-iran-oder-russland-als-drahtzieher-das-sind-schnellschuesse-301842984100
(6) https://www.voltairenet.org/article219782.html
(7) https://www.jungewelt.de/artikel/460760.stimmen-zum-nahostkonflikt-lateinamerika-fordert-frieden.html


Info: https://www.manova.news/artikel/eine-chance-fur-den-frieden-2


Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

15.10.2023

Holocaust- und Genozid-Forscher Raz Segal zu Gaza

aus e-mail von Ingrid Rumpf, 15. Oktober 2023, 15:24 Uhr


Vorausgeschickt, weil ich mich dem voll anschließe:


_Die Nahost-Expertin Sara Roy:_ "I would like to ask President Biden if

the abhorrent murder of 1300 innocent Israelis justifies the abhorrent

murder of what could be thousands, perhaps, tens of thousands of

innocent Gazans and the destruction of their society?"


_Die Nahost-Expertin Sara Roy:_ "Ich möchte Präsident Biden fragen, ob
der abscheuliche Mord an 1300 unschuldigen Israelis den abscheulichen Mord
Mord an Tausenden, vielleicht Zehntausenden von unschuldigen
Unschuldigen im Gazastreifen und die Zerstörung ihrer Gesellschaft rechtfertigt?"


*Hier die Stimme des israelischen Holocaust- und Genozid-Forschers Raz

Segal zu Gaza:*


https://jewishcurrents.org/a-textbook-case-of-genocide


*Ein Fall von Völkermord aus dem Lehrbuch:*


*Israel hat deutlich gemacht, was es in Gaza tut. Warum hört die Welt

nicht zu?*


*13.10.2023, Autor: Raz Segal*


*/Raz Segal/*/(hebräisch

<https://de.wikipedia.org/wiki/Hebr%C3%A4ische_Sprache> רז סגל) ist ein

israelischer <https://de.wikipedia.org/wiki/Israel> Historiker

<https://de.wikipedia.org/wiki/Historiker> mit Schwerpunkt auf

Holocaust- <https://de.wikipedia.org/wiki/Holocaustforschung> und

Genozid

<-Forschung" rel="noopener">https://de.wikipedia.org/wiki/Vergleichende_V%C3%B6lkermordforschung>-Forschung 

und Autor. Er ist Associate Professor

<https://de.wikipedia.org/wiki/Associate_Professor> für Holocaust- und

Genozidforschung an der Stockton University

<https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Stockton_University&action=edit&redlink=1

in Galloway <https://de.wikipedia.org/wiki/Galloway_Township>, New

Jersey <.^[1" rel="noopener">https://de.wikipedia.org/wiki/New_Jersey>.^[1]

<https://de.wikipedia.org/wiki/Raz_Segal#cite_note-:0-1> Er forschte

insbesondere über den Holocaust in den Karpathen

<https://de.wikipedia.org/wiki/Karpaten>, unter anderem für die

israelische Holocaustgedenkstätte Yad Vashem

<https://de.wikipedia.org/wiki/Yad_Vashem>. (lt. Wikipedia)/


Am Freitag wies Israel die belagerte Bevölkerung in der nördlichen

Hälfte des Gazastreifens an, in den Süden zu evakuieren, und warnte,

dass es seine Angriffe auf die obere Hälfte des Streifens bald

verstärken würde. Mehr als eine Million Menschen, darunter die Hälfte

der Kinder, versuchen nun verzweifelt, vor den anhaltenden Luftangriffen

in eine ummauerte Enklave zu fliehen, in der es kein sicheres Ziel gibt.

Die palästinensische Journalistin Ruwaida Kamal Amer schrieb heute aus

Gaza: "Flüchtlinge aus dem Norden kommen bereits in Khan Younis an, wo

die Raketen nie aufhören und uns die Lebensmittel, das Wasser und der

Strom ausgehen." Die UNO hat davor gewarnt, dass die Flucht der Menschen

aus dem nördlichen Teil des Gazastreifens in den Süden "verheerende

humanitäre Folgen" nach sich ziehen und "eine bereits bestehende

Tragödie in eine katastrophale Situation verwandeln" wird. In der

letzten Woche hat die israelische Gewalt gegen den Gazastreifen mehr als

1.800 Palästinenser getötet, Tausende verletzt und mehr als 400.000

Menschen innerhalb des Streifens vertrieben. Und dennoch versprach der

israelische Premierminister Benjamin Netanjahu heute, dass das, was wir

gesehen haben, "nur der Anfang" sei.


Israels Kampagne zur Vertreibung der Bewohner des Gazastreifens - und

möglicherweise zu ihrer vollständigen Ausweisung nach Ägypten - ist ein

weiteres Kapitel der Nakba, bei der schätzungsweise 750.000

Palästinenser während des Krieges von 1948, der zur Gründung des Staates

Israel führte, aus ihrer Heimat vertrieben wurden. Der Angriff auf den

Gazastreifen kann aber auch aus einem anderen Blickwinkel betrachtet

werden: als ein Lehrbuchfall von Völkermord, der sich vor unseren Augen

abspielt. Ich sage dies als Völkermordforscher, der viele Jahre lang

über die israelische Massengewalt gegen Palästinenser geschrieben hat.

Ich habe über den Siedlerkolonialismus und die jüdische Vorherrschaft in

Israel geschrieben, über die Verzerrung des Holocaust, um die

israelische Rüstungsindustrie anzukurbeln, über die Bewaffnung mit

Antisemitismusvorwürfen zur Rechtfertigung israelischer Gewalt gegen

Palästinenser und über das rassistische Regime der israelischen

Apartheid. Jetzt, nach dem Angriff der Hamas am Samstag und dem

Massenmord an mehr als 1.000 israelischen Zivilisten, ist das Schlimmste

vom Schlimmsten eingetreten.


Nach internationalem Recht ist das Verbrechen des Völkermords definiert

durch "die Absicht, eine nationale, ethnische, rassische oder religiöse

Gruppe als solche ganz oder teilweise zu vernichten", wie es in der

UN-Konvention über die Verhütung und Bestrafung des Völkermords vom

Dezember 1948 heißt. Bei seinem mörderischen Angriff auf Gaza hat Israel

diese Absicht lautstark verkündet. Der israelische Verteidigungsminister

Yoav Gallant erklärte am 9. Oktober unmissverständlich: "Wir verhängen

eine vollständige Belagerung über Gaza. Kein Strom, keine Lebensmittel,

kein Wasser, kein Treibstoff. Alles ist geschlossen. Wir kämpfen gegen

menschliche Tiere, und wir werden entsprechend handeln." Führende

westliche Politiker verstärkten diese rassistische Rhetorik, indem sie

den Massenmord der Hamas an israelischen Zivilisten - ein

Kriegsverbrechen nach internationalem Recht, das in Israel und in der

ganzen Welt zu Recht Entsetzen und Schock auslöste - als einen "Akt des

schieren Bösen" bezeichneten, wie US-Präsident Joe Biden sagte, oder als

einen Schritt, der ein "uraltes Übel" widerspiegelt, wie es die

Präsidentin der Europäischen Kommission Ursula von der Leyen ausdrückte.

Diese entmenschlichende Sprache dient eindeutig dazu, die weitreichende

Zerstörung palästinensischen Lebens zu rechtfertigen; die Behauptung des

"Bösen" lässt in ihrer Absolutheit die Unterscheidung zwischen

militanten Hamas-Kämpfern und der Zivilbevölkerung des Gazastreifens

außer Acht und verdeckt den breiteren Kontext von Kolonialisierung und

Besatzung.


In der UN-Völkermordkonvention sind fünf Handlungen aufgeführt, die

unter ihre Definition fallen. Israel begeht derzeit drei dieser

Handlungen in Gaza: "1. die Tötung von Mitgliedern der Gruppe. 2.

Verursachen schwerer körperlicher oder geistiger Schäden bei Mitgliedern

der Gruppe. 3. Vorsätzliche Zufügung von Lebensbedingungen, die darauf

abzielen, die Gruppe ganz oder teilweise zu zerstören". Die israelische

Luftwaffe hat nach eigenen Angaben bisher mehr als 6.000 Bomben auf den

Gazastreifen abgeworfen, der eines der am dichtesten besiedelten Gebiete

der Welt ist - mehr Bomben, als die USA in jedem Jahr ihres Krieges über

ganz Afghanistan abgeworfen haben. Human Rights Watch hat bestätigt,

dass zu den eingesetzten Waffen auch Phosphorbomben gehörten, die Körper

und Gebäude in Brand setzen und Flammen erzeugen, die auch bei Kontakt

mit Wasser nicht verlöschen. Dies zeigt deutlich, was Gallant mit

"entsprechend handeln" meint: nicht auf einzelne Hamas-Kämpfer zielen,

wie Israel behauptet, sondern tödliche Gewalt gegen die Palästinenser in

Gaza "als solche" entfesseln, in der Sprache der

UN-Völkermordkonvention. Israel hat auch seine 16-jährige Belagerung des

Gazastreifens - die längste in der modernen Geschichte - unter

eindeutiger Verletzung des humanitären Völkerrechts zu einer

"vollständigen Belagerung", wie Gallant es ausdrückt, verschärft. Diese

Wendung deutet explizit auf einen Plan hin, die Belagerung zu ihrem

endgültigen Ziel der systematischen Zerstörung der Palästinenser und der

palästinensischen Gesellschaft in Gaza zu bringen, indem sie getötet,

ausgehungert, von der Wasserversorgung abgeschnitten und ihre

Krankenhäuser bombardiert werden.


Nicht nur die israelische Führung bedient sich solcher Worte. Ein

Interviewpartner des pro-Netanjahu-Kanals 14 forderte Israel auf, "Gaza

in Dresden zu verwandeln". Kanal 12, der meistgesehene Nachrichtensender

Israels, veröffentlichte einen Bericht über linksgerichtete Israelis,

die dazu aufriefen, "auf dem zu tanzen, was einmal Gaza war". Inzwischen

sind völkermörderische Verben - Aufrufe zur "Auslöschung" und

"Plattmachung" des Gazastreifens - in den sozialen Medien Israels

allgegenwärtig. In Tel Aviv wurde ein Banner mit der Aufschrift Null

Gazaner" an einer Brücke gesehen.


Der völkermörderische Angriff Israels auf den Gazastreifen ist in der

Tat ziemlich eindeutig, offen und schamlos. Die Täter von Völkermord

drücken ihre Absichten normalerweise nicht so deutlich aus, obwohl es

Ausnahmen gibt. Im frühen 20. Jahrhundert verübten die deutschen

Kolonialherren beispielsweise einen Völkermord als Reaktion auf einen

Aufstand der indigenen Herero und Nama in Südwestafrika. Im Jahr 1904

erließ der deutsche Militärbefehlshaber, General Lothar von Trotha,

einen "Ausrottungsbefehl", der mit einem "Rassenkrieg" begründet wurde.

Bis 1908 hatten die deutschen Behörden 10.000 Nama ermordet und ihr

erklärtes Ziel der "Vernichtung der Herero" erreicht, indem sie 65.000

Herero, 80 % der Bevölkerung, töteten. Gallants Befehle vom 9. Oktober

waren nicht weniger eindeutig. Israels Ziel ist es, die Palästinenser in

Gaza zu vernichten. Und wir, die wir auf der ganzen Welt zusehen, werden

unserer Verantwortung nicht gerecht, sie daran zu hindern.


Übersetzt mit www.DeepL.com/Translator (kostenlose Version)


Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

15.10.2023

Zum Äußersten getrieben

manova.news, Samstag, vom 14. Oktober 2023, 12:00 Uhr, von Craig Murray

Die Gewalttaten der Hamas in Israel sind schlimm — das Entsetzen der Weltöffentlichkeit hielt sich jedoch in Grenzen, solange „nur“ Palästinenser die Opfer waren.


Foto: Anas-Mohammed/Shutterstock.com


Jetzt haben sie unsere Aufmerksamkeit. Zuvor ließen sich die Bewohner des Gaza-Streifens lange Zeit aushungern, schikanieren und demütigen. Ungezählte Gewalttaten an Palästinensern wurden von israelischer Seite begangen. Informationen darüber konnte man außerhalb des Ghettos durchaus bekommen, wenn man daran interessiert war. Das Mitgefühl der Weltöffentlichkeit schlief; es erwachte jetzt „plötzlich“, da Israelis die Opfer sind. Die Humanität der Länder des Nordens ist, wie so oft, eine höchst selektive. Freilich stellt jede Gewalttat eine Niederlage von Vernunft und Menschlichkeit dar. Freilich ist jedes Opfer eines zu viel. Als heuchlerisch kann es aber gewertet werden, wenn die Folgeerscheinungen der Jahre andauernden brutalen Besatzung jetzt als Beweis für die „barbarische“ Natur des geschundenen Volkes gewertete werden — und als Vorwand für weitere Gegengewalt. Bevor wir verurteilen, sollten wir uns ausführlich über die Vorgeschichte des jetzt ausgebrochenen Krieges informieren.


Jahrzehntelang gab es Fotos von toten palästinensischen Frauen und Kindern — Kindern, die von israelischen Soldaten geschlagen, gedemütigt und ins Gefängnis gesteckt wurden. Die historische Tötungsrate in diesem „Konflikt“ war mit 40:1 ziemlich konstant.

Nichts davon führte je zu mehr als einer hochgezogenen Augenbraue und einem milden „ts ts“ vonseiten des westlichen liberalen „Establishments“. Ich kann mich nicht an Kamerateams erinnern, die zionistische Politiker auf der Straße verfolgt und verlangt haben, diese sollten das Wort „verurteilen“ bezogen auf die jüngste israelische Gräueltat verwenden.

Der anfallartige Hass in der politischen und medialen Klasse, ausgelöst durch einen einzigen Tag, an dem der Stiefel mal am anderen Fuß steckt, ist aufschlussreich. Ganz besonders aufschlussreich ist er in seiner annähernd vollständigen Einstimmigkeit — wie viel Prozent der Diskussionen im Fernsehen oder Radio haben Sie die letzten 48 Stunden (der Artikel stammt vom 9. Oktober 23; Anmerkung der Übersetzerin) mit palästinensischen oder propalästinensischen Stimmen gehört?

In den sozialen Medien jedoch zeigt sich sehr deutlich, dass die Öffentlichkeit Israel keineswegs so einmütig unterstützt wie es die politische und mediale Klasse tut. Die Öffentlichkeit wird dafür jedoch nicht gekauft und bezahlt.

Asymmetrische Kriegsführung tendiert dazu, niederträchtig zu sein. Unterdrückte und kolonialisierte Völker genießen nicht den Luxus, Soldaten in gestärkten und gebügelten Uniformen mit polierten Stiefeln aufmarschieren zu lassen, um dann der feindlichen Armee in Waffengleichheit gegenüberzustehen.

Ein kolonialisiertes und unterdrücktes Volk tendiert dazu, die Abscheulichkeiten, die ihm durch den Unterdrücker zugefügt wurden, seinerseits auszuführen, sobald es die Möglichkeit dazu hat.

Selbstverständlich kommt dies dann der Propaganda der Imperialisten sehr zupass. Ein Paroxysmus des Widerstands vonseiten der Unterdrückten wird schließlich von den Imperialisten stets als Beweis für die Bestialität des kolonialisierten Volkes dargestellt — und rechtfertigt dann auch die „zivilisatorische Mission“ des Kolonisators.

So wurde die „Indische Meuterei“ zu einer viktorianischen Erzählung von Vergewaltigung und Ermordung britischer Frauen und des „Schwarzen Lochs“ von Kalkutta. So waren die Mau Mau teuflische Schlächter und die IRA Terroristen — der moderne Kunstbegriff für diejenigen, die dem Bösen und der Fremdherrschaft Widerstand leisten.

Der israelische Botschafter der UN beschrieb die Hamas gestern als „tierähnlich“. Dies ist natürlich nicht wahr. Es sind Menschen, aber Menschen, die durch ein unerträgliches Maß an Ungerechtigkeit und Unterdrückung verrückt gemacht wurden.

Es tut mir — wie bei allen Kriegen — außerordentlich leid um alle, die sterben. Es tut mir auch um die einzelnen getöteten israelischen Soldaten leid, mehr noch um alle Unschuldigen, die starben und nun im Sterben liegen.

Ich werde die Hamas jedoch nicht verurteilen. Dafür muss ich nicht einmal auf die Vorgeschichte der ursprünglichen Unterstützung der Hamas durch Israel zur Spaltung der Fatah zurückgreifen. Das haben sie längst hinter sich gelassen. Ich verurteile die Hamas nicht, weil der Widerstand des palästinensischen Volkes eine reflexhafte Antwort auf seinen langsamen Genozid ist.

Dennoch handelt es sich um eine unausgereifte und brutale Reaktion. Natürlich wünschte ich, es gäbe keine unschuldigen Opfer. Die Menschen, die ich verurteile, sind die internationale politische Klasse, die einstimmig Erklärungen herausgibt, die „Israels Recht zur Selbstverteidigung“ unterstützen. Ein Recht, das sie dem Unterdrücker, nicht jedoch dem Unterdrückten zugestehen.

Dies sind die Menschen, die verurteilt werden müssen.


Redaktionelle Anmerkung: Dieser Text erschien zuerst unter dem Titel „Now We Have Your Attention“ auf dem Blog von Craig Murray. Er wurde von Gabriele Herb ehrenamtlich übersetzt und vom ehrenamtlichen Manova-Korrektoratsteam lektoriert.



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Craig Murray, Jahrgang 1958, ist ehemaliger britischer Diplomat und arbeitet heute als Menschenrechtsaktivist und Blogger. Bekanntheit erlangte er, als er während seiner Zeit als Botschafter in Usbekistan das dortige Karimov-Regime immer wieder wegen dessen Menschenrechtsverletzungen kritisierte. Weitere Informationen unter www.craigmurray.org.uk.


Info: https://www.manova.news/artikel/zum-aussersten-getrieben


Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

15.10.2023

Robert Habeck zu Israel oder: Der Meister des Tunnelblicks

freeassange.rtde.life, vom 14 Okt. 2023 20:12 Uhr, Von Dagmar Henn

Nach Geschichtsterminator Olaf Scholz und Tränenmamsell Annalena Baerbock muss nun auch noch Robert Habeck einen öffentlichen Schwur leisten, nie und nimmer Kritik an der israelischen Regierung zu üben (erst recht nicht, versteht sich, an der US-Regierung). Wenigstens sind wir bald durch damit.


Robert Habeck zu Israel oder: Der Meister des Tunnelblicks

Screenshot


Einer nach dem anderen scheinen sich die Minister der Ampelkoalition verpflichtet zu fühlen, noch ein eigenes Bekenntnis zu Israel abzulegen. Nun hat auch Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck eine getragene Rede abgeliefert, und sein PR-Termin hat das Video mit dem (rechtlich nicht existenten) Titel "Vizekanzler" geschmückt, damit es auch ja wichtig genug genommen wird.

Es hat schon einen besonderen Geschmack, wenn Habeck seine pastorale Rede ausgerechnet mit Babi Jar als Beispiel des absoluten Schreckens bestückt. Habeck, der ebenso getragen immer die "Solidarität mit der Ukraine" beschwört, erzählt ausgerechnet, wie er das Denkmal in Babi Jar besucht hat. Vermutlich war sein Fahrzeug so gut abgedunkelt, dass er unterwegs die Straßennamen nicht sehen konnte; die Straße, die aus der Innenstadt von Kiew zu dieser Gedenkstätte führt, wurde nämlich vor einigen Jahren geschmackvollerweise nach Stepan Bandera benannt. Das ist ein klein bisschen so, als würde man eine Straße nach Auschwitz Heinrich-Himmler-Allee nennen; schließlich waren Bandera-Ukrainer die Gehilfen bei den Morden von Babi Jar.


Human Rights Watch: Israel hat bei Militäroperationen Phosphormunition eingesetzt





Human Rights Watch: Israel hat bei Militäroperationen Phosphormunition eingesetzt






Aber Wahrnehmung und Emotion sind bei Habeck (und nicht nur bei ihm) etwas, das an- und abgeschaltet werden kann, wie es gerade seine Herren gebieten. Er ist ein vollendetes Produkt jener Indoktrination, die die Gräuel der Nazizeit auf Antisemitismus und Holocaust reduziert. Ein politisch äußerst nützlicher Schritt, denn gerade die zutiefst antikommunistischen Grünen hätten ein ernstes Problem damit, wenn das Wissen verbreiteter wäre, dass die ersten Opfer der Nazis – Kommunisten waren.

Da beginnt dann die lange Liste all jener, die vergessen werden. Wie war das mit Griechen und Serben? Wie mit der französischen Résistance? Mit den Kämpfern der Internationalen Brigaden, die aus französischen Lagern an der spanischen Grenze in die deutschen KZs wanderten? Wie mit all den anderen Sowjetbürgern, die zufällig nicht jüdischer Abstammung, aber hinterher genauso ermordet waren?

Da sind die deutschen Erfüllungsgehilfen sogar schlimmer als die Regierung der Vereinigten Staaten, die wenigstens so tut, als legte sie Wert darauf, dass beide Seiten die Genfer Konventionen achten. Habeck tut nicht einmal so. Er sagt:

"Diese Taten, diese Orte, sie sind der Grund, warum jetzt nicht die Zeit ist für Relativierungen, für Aufrechnungen, für Sätze wie 'Aber Israel hat doch ...' Nein. Jetzt ist die Zeit für das klare und unverrückbare Bekenntnis. Israels Sicherheit ist deutsche Staatsräson."

Nun, ginge es wirklich um Israels Sicherheit und nicht darum, brav im Kielwasser der Vereinigten Staaten zu bleiben, dann müsste selbst Habeck genau das tun, was das US-Außenministerium seinen Beschäftigten untersagt hat: eine Einhaltung der Genfer Konvention und eine Waffenruhe zu fordern. Von beiden Seiten.

Woran und an wen erinnert es denn, wenn man ein Gebiet mit zwei Millionen Einwohnern auf einer Fläche, die etwas größer ist als die Münchens, nicht nur von Nahrung, Strom und Medikamenten abschneidet, sondern sogar von der Wasserversorgung, sie dann von oben mit Bomben bedeckt und davon spricht, es handele sich um "Tiere"? Fällt Ihnen da irgendetwas ein, Herr Habeck? Und da geht es nicht um Handlungen irgendwann in der Vergangenheit, um kein "hat doch", sondern um etwas, das jetzt gerade stattfindet, das jetzt gerade verhinderbar wäre ...


Putin: Maßnahmen im Stil der Leningrader Blockade gegen Gaza sind inakzeptabel



Putin: Maßnahmen im Stil der Leningrader Blockade gegen Gaza sind inakzeptabel






Es ist so schön aufgeräumt und einfach, wenn man einfach so tut, als müsse man sich mit keinerlei Unmenschlichkeit mehr befassen, solange man nur immer alles unterstützt, was die jeweilige israelische Regierung tut. Wenn man sich schlicht an den Waschzettel hält, auf dem die jeweils Guten und die jeweils Bösen aufgelistet sind. Aber es gibt keinen Waschzettel, der bei einem ernst gemeinten "Nie wieder" hilft. Im Gegenteil. Wie Habeck als lebendes Beispiel vorführt, macht genau das blind für die Unmenschlichkeit, weil der Waschzettel schon die Teilung in beachtenswerte und nicht beachtenswerte Menschen vollzieht. Wie die Geschichte lehrt, wenn man ihr zuhört, sind diese Positionen austauschbar.

Wenn die Rote Armee mit den Deutschen so umgegangen wäre, wie Habeck es Israel den Palästinensern gegenüber zugesteht, hätte sie Deutschland in eine menschenleere Wüste verwandelt. Dass das nicht geschehen ist, ist auch eine Verpflichtung. Die man völlig zurückweist, wenn man eine Fahrt auf der Stepan-Bandera-Straße nach Babi Jar als Rechtfertigung vorträgt, warum der Tod palästinensischer Kinder deutsche Staatsräson sein sollte.

Aber vielleicht hat das alles mit der Person Robert Habeck gar nichts zu tun und gehört nur zur Rolle "Vizekanzler und Wirtschaftsminister". Denn man weiß ja bereits, wie er ist, wenn die Kamera aus ist:


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15.10.2023

Mehrheit gegen EU-Beitritt: Serben entfremden sich zunehmend vom Westen und wenden sich BRICS zu

freeassange.rtde.life, 15 Okt. 2023 14:35 Uhr

Eine knappe relative Mehrheit der Serben will keinen EU-Beitritt. Sollte der Beitritt an die Anerkennung der abtrünnigen Provinz Kosovo geknüpft werden, ist die Ablehnung überwältigend. Das geht aus einer Studie hervor, die ein serbisches Umfrageinstitut für RT auf dem Balkan durchgeführt hat.


Quelle: www.globallookpress.com


Belgrad (Symbolbild)


Laut aktuellen Meinungsumfragen gibt es immer mehr Serben, die nicht nur einen NATO-Beitritt ablehnen, sondern auch den Beitritt zur EU – das von der politischen Führung des Landes seit Jahren angestrebte Ziel. Die Umfragen werden vom analytischen Portal Neues Serbisches Politisches Denken (NSPM) im Auftrag von RT auf dem Balkan durchgeführt.

"Etwa 41 Prozent der Bürger haben eine allgemein positive Einstellung zur europäischen Integration, von denen nur 21 Prozent sie voll und ganz unterstützen. Die gleiche Anzahl wählte die Option 'eher ja als nein'. Im Gegensatz dazu sind 25 Prozent der Bürger strikt gegen einen EU-Beitritt, während 22,9 Prozent von ihnen 'eher nein als ja' antworteten. Der Trend bestätigt sich erneut: Mehr Menschen sind dagegen als dafür, obwohl die Unterstützung für die Integration immer dann noch geringer ist, wenn sie auch die Anerkennung des Kosovo als Bedingung beinhaltet", erklärt Forschungskoordinator Đorđe Vukadinović.


FDP-Stiftung will Serbien knacken – und widerlegt sich in ihrer Studie selbst





Meinung

FDP-Stiftung will Serbien knacken – und widerlegt sich in ihrer Studie selbst





Im Januar sprachen sich 47,6 Prozent der Bürger gegen einen EU-Beitritt aus, während 79,2 Prozent der Befragten angaben, dass sie die Integration nicht unterstützen würden, wenn die Bedingung die Anerkennung der Unabhängigkeit des Kosovo wäre.

Vergleicht man die Zahl der Personen, die sich in der letzten Umfrage eindeutig für die europäische Integration aussprachen (21 Prozent), mit der Zahl von 38,3 Prozent der Serben, die sich offen für die BRICS aussprachen, so zeigt sich, dass es annähernd doppelt so viele Bürger gibt, die unbeirrt engere Beziehungen zu Russland, China und Indien befürworten, als EU-Optimisten. Weitere 33,1 Prozent der Bürger unterstützen die BRICS prinzipiell, wenn auch etwas zögerlich, d. h. eher befürwortend als ablehnend. Laut Vukadinović ist dies "besonders spektakulär", wenn man bedenkt, dass nur 5,3 Prozent der Menschen diese Vereinigung überhaupt nicht unterstützen.

Der politische Analyst kommt zum Schluss, dass die öffentliche Meinung in Serbien definitiv und überzeugend auf der Seite der BRICS steht, selbst im Vergleich zur Idee eines EU-Beitritts, der seit Jahren auf jede erdenkliche Weise von Politik und Medien aktiv propagiert wird. Einen theoretisch möglichen NATO-Beitritt lehnen 84 Prozent der Serben ab


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"Ein solches Ergebnis sagt indirekt etwas über den Grad der Unzufriedenheit der serbischen Bürger mit dem westlichen Vorschlag aus. Die Tatsache, dass drei Viertel der Bürger die BRICS unterstützen, ist nicht nur ein Ausdruck des Wunsches der Menschen, sich dieser Organisation anzunähern, sondern auch ein Indikator für die Unzufriedenheit mit dem Westen, dem Druck aus Brüssel und Washington", schließt Vukadinović.

Eine weitere NSPM-Umfrage ergab, dass 78,9 Prozent der Befragten kategorisch Nein zu antirussischen Sanktionen sagten. "Wir stellen diese Frage in Umfragen seit Mai 2022, also seit 16 Monaten, und die Ergebnisse schwanken nur um zwei bis drei Prozent, trotz einer massiven Kampagne für Sanktionen in prowestlichen Medien und bei der Opposition. Ein Effekt von zwei bis drei Prozent ist jedoch nichts. Der Protest der serbischen Bürger gegen die Sanktionen ist also zu einer Konstante geworden, an der sich wohl nichts ändern wird", betont Vukadinović.

Die Gründe für diese Haltung sind ebenfalls bekannt: Neben der traditionellen Russophilie gibt es auch schmerzhafte Erinnerungen an die Sanktionen, die Serbien in den Neunzigerjahren erlebt hatte, sowie den bekannten "serbischen Inat" (ein Phänomen der serbischen Mentalität – Sturheit und der Wunsch, sich den Umständen zu widersetzen sowie Leidenschaftlichkeit), der in diesem Fall den Widerstand der Bürger gegen die Auferlegung der westlichen Hegemonie bedeutet.


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Info: https://freeassange.rtde.life/europa/183774-mehrheit-gegen-eu-beitritt-serben-entfremden-sich-zunehmend-vom-westen


Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

15.10.2023

Gideon Levy, Korrespondent von Haaretz zu Gaza

aus e-mail von Doris Pumphrey, 15. Oktober 2023, 11:22 Uhr


*Eine Bodeninvasion in Gaza ist eine Katastrophe, die vorhergesagt wird*


*Gideon Levy

<*//" rel="noopener">https://www.haaretz.com/ty-WRITER/0000017f-da24-d249-ab7f-fbe4caac0000>*//


15. Oktober 2023, 5:07 Uhr IDT


Israel steht kurz davor, eine katastrophale Bodeninvasion im

Gazastreifen zu starten – oder wird sie bereits gestartet haben, wenn

diese Kolumne erscheint. Die Invasion könnte in einem Fiasko enden, wie

es Israel und Gaza noch nie erlebt haben. Es könnte die Bilder, die in

den letzten Tagen aus Gaza kamen, wie eine Promo aussehen lassen. Es

könnte sein, dass wir es mit einem Massenmord zu tun haben.


Eine große Anzahl israelischer Soldaten würde sinnlos getötet werden.

Den Bewohnern des Gazastreifens droht eine zweite Nakba, deren erste

Anzeichen bereits vor Ort zu spüren sind. Niemand würde aus diesen

Schrecken zum Besseren hervorgehen.


Von Stunde zu Stunde werden die Bilder aus Gaza immer erschreckender.

Israelische Medien, die in den Kampf einbezogen wurden, verraten ihre

Rolle und verhindern, dass ihr Publikum die Szenen sieht. Sie begnügen

sich mit endlosem langweiligem Gerede von Generälen.


Aber die Tatsache, dass Israel nicht zeigt, was in Gaza passiert,

bedeutet nicht, dass sich die Katastrophe dort nicht entfaltet. Am

Samstag flohen mehr als eine Million Menschen, die Hälfte davon Kinder,

um ihr Leben

<https://www.haaretz.com/us-news/2023-10-14/ty-article/.premium/u-s-working-with-israel-mideast-nations-to-address-gaza-humanitarian-crisis/0000018b-2ed4-da5e-abef-aff5212d0000> oder

blieben in einem selbstmörderischen Akt in ihren zerstörten Häusern zurück.


Alte, Frauen, Kinder, Behinderte, Kranke sind in Richtung Süden

geflohen, zu Fuß, auf Motorhauben, auf Eseln oder auf Motorrädern mit

nur einem mageren Teil ihres Besitzes. Die Menschen steuern auf ihre

Vernichtung zu, und sie wissen es.


Es gibt niemanden in der riesigen Prozession auf dem Weg nach Süden, der

glaubt, dass er ein Haus haben wird, in das er zurückkehren kann. Es

gibt niemanden, der sich nicht an die Szenen der Nakba erinnert fühlt,

die die vorherige Generation ihrer Familien vor 75 Jahren erlebt hat.

Gaza glich am Samstag Bergkarabach.

<https://www.haaretz.com/israel-news/2023-09-28/ty-article/.premium/nagorno-karabakhs-nakba-parallels-are-haunting/0000018a-db2f-d12f-afbf-db7f54630000>


Wohin werden die Palästinenser in Gaza gehen? Wo werden sie sich

verstecken? Wo werden sie Zuflucht finden? Im Meer vielleicht. Es gibt

keinen Strom, kein Wasser, keine Medikamente und kein Internet.


Diese Vertreibung ist eine kollektive Massenbestrafung

<https://www.haaretz.com/opinion/2023-10-13/ty-article-opinion/.premium/no-to-collective-punishment-against-gaza/0000018b-254d-dd34-afdf-f5cfb9f00000>,

die ein Omen für das ist, was kommen wird. Israel sagt, dass der

nördliche Gazastreifen von der Hamas gesäubert werden muss, und dann

wird sie weiter nach Süden vorrücken. Zwei Millionen Menschen, oder

diejenigen von ihnen, die am Leben geblieben sind, werden dann befohlen,

zurück in den Norden zu fliehen, um den Süden zu säubern.


Die Mission wird erfüllt. Die israelischen Streitkräfte werden die

Massen von Todesopfern zur Kenntnis nehmen, die sie verursacht haben,

und behaupten, dass die meisten von ihnen von der Hamas stammten. Jeder

Teenager wird als Hamas-Mitglied bezeichnet. Mehr als 600

palästinensische Kinder wurden bis Samstagnachmittag bereits getötet,

bevor es zu einer Bodeninvasion kam. Sie waren nicht die Hamas.


Israel wird siegreich sein. Gaza wird dem Erdboden gleichgemacht. Das

unterirdische Tunnelnetz der Hamas wird geräumt. Die menschlichen Tiere

werden ermordet. Der Gestank des Todes, der vom Strip aufsteigen wird,

wird sich mit den Szenen derer vermischen, die an Hunger sterben und in

den überfüllten Krankenhäusern dem Tode nahe sind.


Und die Welt wird Israel weiterhin unterstützen. Israel wurde barbarisch

angegriffen und hatte keine Alternative. Die israelischen Geiseln

könnten den Preis

<https://www.haaretz.com/israel-news/2023-10-14/ty-article-magazine/.premium/angry-and-anxious-families-of-israelis-held-in-gaza-demand-international-support/0000018b-2d07-da5e-abef-ad6744130000> mit

ihrem Leben bezahlen.


Und der Morgen wird dämmern über einem Gaza, das in Trümmern liegt. Und

was dann? Wer wird dort die Zügel der Regierung übernehmen? Vertreter

der Jewish Agency? Gazas Kollaborateure? Und was hat Israel davon? Ganz

zu schweigen von einem Mehrfrontenkrieg, der ebenfalls ausbrechen und

das Spiel komplett verändern könnte.


Israel begibt sich auf eine Militäroperation, die gefährlich und ohne

Aussicht auf Gewinn ist. Sie kann ihren Verbündeten in Washington

fragen, was Amerikas sinnlose Kriege für einen Regimewechsel auf der

ganzen Welt hervorgebracht haben. Darüber, wie viele Menschen

unnötigerweise getötet wurden und wer durch das amerikanische Schwert

die Macht übernahm. Aber wir brauchen nicht Amerika oder auch nur über

die Katastrophe der Palästinenser nachzudenken, um zu verstehen, dass

wir auch für Israel an der Schwelle zu einer historischen Katastrophe

stehen.


Wenn diese Mission tatsächlich durchgeführt wird und Israel den

Gazastreifen gegenüber seinen Herrschern und Bewohnern auf den Kopf

stellt, wird er sich für Generationen in das Bewusstsein der arabischen

Welt, der muslimischen Welt und der Dritten Welt einbrennen. Eine zweite

Nakba würde Hunderte Millionen Menschen auf der ganzen Welt daran

hindern, Israel zu akzeptieren. Es könnte einige arabische Regime geben,

die zunächst Zurückhaltung üben würden, aber die öffentliche Meinung in

ihren Ländern würde diese Zurückhaltung nicht zulassen.


Der Preis würde von Israel gezahlt werden, und er wird höher sein, als

Israel derzeit denkt. Israel steht kurz davor, einen katastrophalen

Krieg zu beginnen – oder hat es vielleicht schon getan.


Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

15.10.2023

Blankoscheck für Israel, scharfe Kritik an von der Leyen – und die neue EU-Krise

lostineu.eu, vom 14. Oktober 2023

Die Watchlist EUropa vom 14. Oktober 2023 – heute mit der Wochenchronik

Israel und der Nahe Osten erleben dramatische Stunden. Der Hamas-Angriff und der israelische Einmarsch in Gaza fordern tausende Todesopfer, vor allem Zivilisten. Die Uno warnt vor Kriegsverbrechen und einem humanitären Desaster.

Doch just in dem Moment, da die Krise in Gaza eskaliert und das israelische Militär die Räumung des Nordteils – also die Vertreibung von mehr als einer Million Menschen – anordnet, stellen führende EU-Politiker einen Blankoscheck für Israel aus.

EU-Kommissionschefin von der Leyen, Parlamentspräsidentin Metsola und Außenministerin Baerbock haben der rechtsradikalen Natanjahu-Regierung nicht nur ihr Beileid bekundet, sondern auch Rückendeckung für die Militäraktionen gegeben.

„Israel has the right and duty to respond to Hamas’ act of war“, erklärte von der Leyen. „Europa steht an der Seite Israels“, fügte sie dazu. Dabei hatte von der Leyen kein Mandat, im Namen der EU zu sprechen. Die Positionen gehen nämlich weit auseinander.

So hat der irische Premier Varadkar Israel vorgeworfen, mit der Blockade des Gaza-Streifens internationales Recht zu brechen. Der EU-Außenbeauftragte Borrell kritisierte die Evakuierung von Nord-Gaza und forderte humanitäre Hilfe.

EU-Diplomaten in Brüssel warnen vor einer „massiven ethnischen Säuberung“ durch das israelische Militär in Gaza. Mit ihrem Alleingang und ihrer einseitigen Parteinahme gefährde von der Leyen die internationale Reputation der EU als „ehrlicher Makler“.

“Our fear is that we’ll pay a heavy price in the global south because of this conflict,” zitiert die britische „FT“ einen EU-Offiziellen. Von der Leyen habe mit ihrem unabgesprochenen Besuch ihre Macht mißbraucht, heißt es in der „Irish Times“.

Es wäre nicht das erste Mal…

Siehe auch Von der Leyen gibt die Hardlinerin – auch in Israel

P.S. Auch wenn die deutschen Medien den Unmut über von der Leyen verschweigen – er ist so groß, dass dass am Dienstag ein EU-Krisengipfel geplant ist. In Brüssel werfen viele der deutschen EU-Chefin vor, mit zweierlei Maß zu messen (Kriegsverbrechen in der Ukraine und in Israel) und so die Glaubwürdigkeit der EU-Außenpolitik aufs Spiel zu setzen! VDL reagiert darauf mit einer Verdreifachung der humanitären Hilfe für die Palästinenser – dabei wollte sie doch alle Hilfen auf den Prüfstand stellen! Unglaubwürdig…

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Info: https://lostineu.eu/blankoscheck-fuer-israel


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15.10.2023

Nachrichten von Pressenza: Keine Räumung des Hauses des Vereins der Archäologen Griechenlands!

aus e-mail von <newsletter@pressenza.com>, 15. Oktober 2023, 7:15 Uhr


Nachrichten von Pressenza - 15.10.2023


Keine Räumung des Hauses des Vereins der Archäologen Griechenlands!


Ein Kollektiv von deutschen Gewerkschaftern erklärt: „Wir – Gewerkschafter*innen aus der Bundesrepublik Deutschland – der Griechenland Solidaritätsgruppe „Gegen Spardiktate und Nationalismus“, sind entsetzt über die geplante Räumung des Hauses des Vereins der Archäologen Griechenlands in Athen. Das Gebäude ist ein&hellip;

http://www.pressenza.net/?l=de&track=2023/10/keine-raeumung-des-hauses-des-vereins-der-archaeologen-griechenlands/


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Solidarität ist kein Verbrechen!


Bei der Berufungsverhandlung am 11. Oktober 2023 in Reggio Calabria im Fall Domenico Lucano, ehemaliger Bürgermeister von Riace, wurden fast alle Anklagepunkte zurückgewiesen (Pressenza berichtete). Der ehemalige Bürgermeister des kalabrischen Bergdorfs Riace, Domenico (Mimmo) Lucano, und 17 seiner Mitstreiter*innen waren&hellip;

http://www.pressenza.net/?l=de&track=2023/10/solidaritaet-ist-kein-verbrechen-2/


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Gemeinsame Erklärung zur jüngsten Eskalation zwischen Israel und Palästina


Das Internationale Friedensbüro (IPB), Middle East Treaty Organization (METO) und die Internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkriegs (IPPNW) sind zutiefst besorgt über die beispiellose gewaltsame Eskalation zwischen Israelis und Palästinensern, die am Morgen des 7. Oktober begonnen und bereits&hellip;

http://www.pressenza.net/?l=de&track=2023/10/gemeinsame-erklaerung-zur-juengsten-eskalation-zwischen-israel-und-palaestina/


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Pressenza - ist eine internationale Presseagentur, die sich auf Nachrichten zu den Themen Frieden und Gewaltfreiheit spezialisiert hat, mit Vertretungen in Athen, Barcelona, Berlin, Bordeaux, Brüssel, Budapest, Buenos Aires, Florenz, Lima, London, Madrid, Mailand, Manila, Mar del Plata, Montreal, München, New York, Paris, Porto, Quito, Rom, Santiago, Sao Paulo, Turin, Valencia und Wien.


Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

15.10.2023

Scott Ritter: Warum ich nicht mehr auf der Seite Israels stehe und es auch nie wieder tun werde (I von II)

seniora.org, vom 14. Oktober 2023, Von Scott Ritter 14.10.2023 - übernommen von scottritterextra.com

Ein Zeitzeugen-Dokument als Pflichtlektüre für jeden, der politisch Verantwortung für den Weltfrieden übernehmen will.



Israelische Bomben bombardieren Gaza, Oktober 2023


Die Tore von Gaza

"Die Angreifer kamen im Morgengrauen und besetzten schnell die Stadt. Die Männer wurden von den Frauen getrennt und erschossen. Einer der Angreifer öffnete die Tür eines der Häuser und fand dort einen alten Mann stehen. Er erschoss ihn. Es hat ihm Spaß gemacht, ihn zu erschießen", sagte ein Augenzeuge des Angriffs später.

Bald war die Stadt leer   – die gesamte Bevölkerung von 5.000 Menschen war entweder getötet oder vertrieben worden, die Überlebenden wurden auf Lastwagen verladen und nach Gaza gefahren. Die leeren Häuser wurden geplündert. "Wir waren sehr glücklich", sagte einer der Teilnehmer hinterher. "Wenn du es nicht nimmst, wird es jemand anderes tun. Man hat nicht das Gefühl, dass man es zurückgeben muss. Sie würden nicht zurückkommen."

Es klingt wie eine Geschichte, die von den Titelseiten der heutigen Zeitungen stammt, eine von vielen Geschichten dieser Art   – zu viele, um sie zu zählen   –, die die Gräueltaten an der Zivilbevölkerung in den israelischen Städten und Kibbuzes beschreiben, die an den von der Hamas kontrollierten Gazastreifen angrenzen.

Aber das ist sie nicht. Vielmehr handelt es sich um die Erinnerungen von Yaakov Sharett, dem Sohn von Moshe Sharett, einem der Väter Israels, einem Unterzeichner der israelischen Unabhängigkeitserklärung und Israels erstem Außenminister und zweitem Premierminister. Yaakov Sharett erzählte von der Eroberung der arabischen Stadt Bersheeba durch israelische Soldaten im Jahr 1948 während des israelischen Unabhängigkeitskrieges.

Als junger Soldat, der 1946 in der Negev-Wüste diente, wurde Sharett zum Mukhtar   – dem Chef eines von elf Soldatenteams   – ernannt. Er war Teil des geheimen "11-Punkte-Plans", mit dem jüdische Außenposten in der Negev-Wüste errichtet werden sollten, die als strategischer Stützpunkt in der Region dienen sollten, wenn der erwartete Krieg zwischen israelischen Zionisten und Arabern ausbrechen würde.

Der Zionismus, wie er vor 1948 existierte, war eine Bewegung für die Wiedererrichtung einer jüdischen Nation auf dem Gebiet des biblischen Israel. Sie wurde 1897 als politische Bewegung, die Zionistische Organisation, unter der Führung von Theodor Herzl gegründet. Herzl starb 1904, und die Zionistische Organisation wurde später von Chaim Weizmann übernommen, der sich für die Verabschiedung der Balfour-Erklärung einsetzte, mit der sich die britische Regierung zur Gründung eines jüdischen Staates in Palästina verpflichtete. Weitzman blieb bis zur Gründung Israels im Jahr 1948 an der Spitze der Zionistischen Organisation und wurde danach zum ersten Präsidenten Israels gewählt.

Im Jahr 1946 hatte ein Teilungsplan der Vereinten Nationen, der das britische Mandatsgebiet Palästina in einen arabischen und einen jüdischen Teil aufteilte, die Negev-Region den Arabern zugewiesen. Die zionistischen Führer des künftigen Staates Israel, angeführt von David Ben Gurion, Moshe Sharett und anderen, die sich den Grundsätzen des Zionismus verschrieben hatten, entwickelten den "11-Punkte-Plan", um den damaligen Status quo in der Negev zu ändern, wo 500 Juden in drei Außenposten unter 250.000 Arabern in 247 Dörfern und Städten lebten. Die 11 neuen Außenposten sollten die israelische Präsenz im Negev verstärken und, wie der palästinensische Historiker Walid Khalidi feststellte, "eine einheimische Mehrheit, die auf dem Boden ihrer Vorfahren lebt", "über Nacht in eine Minderheit unter fremder Herrschaft verwandeln".

In der Nacht des 5. Oktober 1946   – kurz nach Jom Kippur   – führte Yaakov sein Team in den Negev. "Ich weiß noch, wie wir unser Stück Land auf der Spitze eines kahlen Hügels fanden", erzählt Yaakov. "Es war noch dunkel, aber wir schafften es, die Pfosten einzuschlagen, und bald waren wir innerhalb unseres Zauns. Bei Tagesanbruch kamen Lastwagen mit vorgefertigten Baracken. Das war schon eine Leistung. Wir schufteten wie die Teufel."

Als Yaakov der zionistischen Jugendbewegung angehörte, reiste er zu Fuß durch den Negev, machte sich mit den arabischen Dörfern vertraut und lernte ihre hebräischen Namen, wie sie in der Bibel standen. In der Nähe von Yaakovs Siedlung auf dem Hügel, aus der der Kibbuz Hatzerim wurde, lag ein arabisches Dorf namens Abu Yahiya. Eine der Aufgaben der Kibbuzniks von Hatzerim war es, Informationen über die Araber vor Ort zu sammeln, die von den israelischen Militärplanern genutzt werden sollten, die sich zu dieser Zeit auf die groß angelegte Vertreibung der Araber aus dem Negev vorbereiteten.

Die Araber von Abu Yahiya versorgten Yaakov und seine zionistischen Mitstreiter mit frischem Wasser und bewachten oft das Eigentum des Kibbuz, während die Männer zur Arbeit unterwegs waren. Zwischen den Führern von Abu Yahia und dem Kibbuz Hatzerim bestand die Vereinbarung, dass sie bleiben durften, sobald Israel die Kontrolle über den Negev übernahm. Doch als der Krieg ausbrach, gingen die Kibbuzniks aus Hatzerim gegen ihre arabischen Nachbarn vor, töteten sie und vertrieben die Überlebenden für immer aus ihren Häusern.

Die meisten der Überlebenden lebten schließlich in Gaza.

Die Abschlachtung und physische Auslöschung des Dorfes Abu Yahiya, der Stadt Bersheeba und der 245 anderen arabischen Städte und Dörfer im Negev durch israelische Siedler und Soldaten ist als Nakba oder "Katastrophe" in die Geschichte eingegangen. Wenn die Palästinenser von der Nakba sprechen, meinen sie nicht nur die Ereignisse von 1948, sondern alles, was seither im Namen der Aufrechterhaltung, Ausweitung und Verteidigung des Zionismus, der das heutige Israel ausmacht, geschehen ist. Israelis sprechen nicht über die Nakba, sondern bezeichnen die Ereignisse von 1948 als ihren "Unabhängigkeitskrieg".

"Das Schweigen über die Nakba", so hat ein zeitgenössischer Wissenschaftler zu diesem Thema festgestellt, "ist auch Teil des Alltags in Israel".


Palästinenser fliehen vor israelischen Soldaten und Siedlern um ihr Leben, 1948


Nach der Gründung des jüdischen Staates Israel im Jahr 1948 wandte sich eine Gruppe jüdischer Siedler an Premierminister David Ben-Gurion mit der Bitte, die Männer aus ihren Siedlungen als Gruppe zum Militärdienst zuzulassen. Daraufhin wurde das Nahal-Programm ins Leben gerufen, das den Militärdienst mit landwirtschaftlicher Arbeit verband. Die Nahal-Kräfte sollten eine Garnison bilden, die dann in einen Kibbuz umgewandelt werden sollte, der als erste Verteidigungslinie gegen jeden künftigen arabischen Angriff auf Israel dienen sollte. 1951 wurde die erste dieser Nahal-Siedlungen, Nahlayim Mul Aza, an der Grenze zum Gaza-Streifen errichtet. Weitere folgten, da das Nahal-Projekt darauf abzielte, den Gazastreifen mit diesen Festungssiedlungen zu umgeben. Im Jahr 1953 wurde Nahlayim Mul Aza von einem militärischen Außenposten in einen zivilen Kibbuz umgewandelt und in Nahal Oz umbenannt.

Einer der ersten Siedler in Nahal Oz war ein Mann namens Roi Ruttenberg. Im Alter von 13 Jahren diente er als Botenjunge während des Unabhängigkeitskrieges von 1948. Als er 1953 18 Jahre alt wurde, trat er in die IDF ein und erhielt dann sein Offizierspatent. Seine erste Aufgabe als Offizier war es, als Sicherheitsoffizier für Nahal Oz zu dienen. Er war verheiratet und wurde 1956 stolzer Vater eines kleinen Sohnes. Am 18. April 1956 geriet Roi in einen Hinterhalt von Arabern, die ihn töteten und seine Leiche nach Gaza brachten. Nach dem Eingreifen der UNO wurde sein Leichnam zurückgebracht und am nächsten Tag, dem 19. April, beigesetzt. Der Tod von Roi hatte die israelische Nation wütend gemacht, und Tausende versammelten sich zu seiner Trauerfeier.



Moshe Dyan, der israelische Generalstabschef, verliest die Grabrede für Roi Ruttenberg, 19. April 1956


Moshe Dyan, der israelische Stabschef, war anwesend und hielt eine Grabrede, die als eine der wichtigsten Reden der Nation in die israelische Geschichte eingegangen ist. "Gestern am frühen Morgen", begann Dyan, und seine Stimme war weithin hörbar in der Menge der Trauernden, "wurde Roi ermordet. Die Stille des Frühlingsmorgens hat ihn geblendet, und er sah nicht die, die am Rande der Furche auf ihn lauerten."

"Schieben wir die Schuld heute nicht auf die Mörder. Warum sollten wir ihren brennenden Hass auf uns erklären? Seit acht Jahren sitzen sie in den Flüchtlingslagern in Gaza, und vor ihren Augen haben wir das Land und die Dörfer, in denen sie und ihre Väter wohnten, in unser Eigentum verwandelt.

Nicht unter den Arabern in Gaza, sondern in unserer eigenen Mitte müssen wir nach dem Blut von Roi suchen. Wie konnten wir unsere Augen verschließen und uns weigern, unserem Schicksal ins Auge zu sehen und in all seiner Brutalität das Schicksal unserer Generation zu erkennen? Haben wir vergessen, dass diese Gruppe junger Menschen, die in Nahal Oz wohnt, die schweren Tore von Gaza auf ihren Schultern trägt?

Jenseits der Furche der Grenze schwillt ein Meer von Hass und Rachegelüsten an, das auf den Tag wartet, an dem die Gelassenheit unseren Weg trüben wird, auf den Tag, an dem wir den Botschaftern der bösartigen Heuchelei, die uns auffordern, die Waffen niederzulegen, Gehör schenken werden.

Rois Blut schreit zu uns und nur zu uns aus seinem zerrissenen Körper. Obwohl wir tausendfach geschworen haben, dass unser Blut nicht vergeblich fließen soll, wurden wir gestern wieder versucht, wir haben zugehört, wir haben geglaubt.

Wir werden heute mit uns selbst abrechnen; wir sind eine Generation, die das Land besiedelt, und ohne den Stahlhelm und den Schlund der Kanone werden wir nicht in der Lage sein, einen Baum zu pflanzen und ein Haus zu bauen. Lassen wir uns nicht davon abhalten, den Abscheu zu sehen, der das Leben von Hunderttausenden von Arabern um uns herum entflammt und erfüllt. Wenden wir unsere Augen nicht ab, damit unsere Arme nicht schwächer werden.

Dies ist das Schicksal unserer Generation. Dies ist die Entscheidung unseres Lebens   – vorbereitet und bewaffnet, stark und entschlossen zu sein, damit das Schwert nicht aus unserer Faust gezogen und unser Leben ausgelöscht wird.

Der junge Roi, der Tel Aviv verließ, um sein Haus vor den Toren des Gazastreifens zu errichten, um eine Mauer für uns zu sein, war geblendet von dem Licht in seinem Herzen und sah den Blitz des Schwertes nicht. Die Sehnsucht nach Frieden machte seine Ohren taub, und er hörte nicht die Stimme des Mörders, der im Hinterhalt lauert. Die Tore von Gaza lasteten zu schwer auf seinen Schultern und überwältigten ihn."

Die Rede zeichnet sich dadurch aus, dass sie den Hass der im Gazastreifen inhaftierten Palästinenser auf Israel offen anerkennt, die Quelle dieses Hasses nennt und Verständnis für die Legitimität der palästinensischen Gefühle zeigt.

Aber es ist auch unentschuldbar, wenn es um die Rechtmäßigkeit der israelischen Sache geht, unabhängig von der Rechtmäßigkeit der palästinensischen Sache. Israel, so Dyan, kann nicht ohne "Stahlhelm und Kanonenschlund" regiert werden. Der Krieg sei Israels "Lebensentscheidung", und als solcher sei Israel zu einem Leben in militarisiertem Fleiß verdammt, "damit das Schwert nicht aus unserer Faust geschlagen und unser Leben ausgelöscht wird".

Wenn man über die Gewalt vom 7. Oktober nachdenkt, als Hunderte von schwer bewaffneten Hamas-Kämpfern aus dem Gazastreifen auf die militärischen Außenposten und Kibbuzes stürmten, die den Gazastreifen umgeben, sollte man nie den Ursprung und den Zweck dieser Einrichtungen vergessen   – die Bevölkerung des Gazastreifens buchstäblich in ein Konzentrationslager unter freiem Himmel zu sperren   – und die Emotionen, die bei der dort gefangenen arabischen Bevölkerung ausgelöst wurden. Die Israelis, die in diesen Lagern lebten, arbeiteten und dienten, trugen "die schweren Tore von Gaza" auf ihren Schultern und litten unter dem "brennenden Hass" eines Volkes, das gezwungen war, in Flüchtlingslagern zu sitzen, während die Siedler in den umliegenden Kibbuzes vor ihren Augen "das Land und die Dörfer, in denen sie und ihre Väter wohnten", in das israelisch-jüdische Heimatland verwandelten.

Diese Israelis hielten alle das Schwert des Zionismus fest in ihren Händen. Keiner der Erwachsenen, die in diesen Lagern lebten und arbeiteten, kann als unschuldig betrachtet werden   – sie waren Teil eines Systems, des Zionismus, dessen Existenz und Aufrechterhaltung die brutale Gefangennahme und Unterwerfung von Millionen von Palästinensern erfordert, denen vor 75 Jahren ihre Heimat gestohlen wurde. Sie lebten ihr "Schicksal", wie Moshe Dyan es nannte, mit all der ihm innewohnenden Brutalität aus. Die "schweren Tore von Gaza" waren das Schicksal ihrer Generation, bis sie, wie Roi Ruttenberg vor ihnen, die Tore zu schwer auf ihren Schultern lasteten und sie überwältigten.


Niemals aufgeben

Es gab eine Zeit, in der ich mich als Freund Israels betrachtet habe. Während der Operation Desert Storm hatte ich mich dafür eingesetzt, dass irakische SCUD-Raketen nicht gegen Israel eingesetzt werden konnten, und von 1994 bis 1998 reiste ich häufig nach Israel, wo ich mit dem Nachrichtendienst der israelischen Verteidigungskräfte (IDF), AMAN, zusammenarbeitete, um sicherzustellen, dass der Irak Israel nie wieder mit SCUD-Raketen mit konventionellen Sprengköpfen, chemischen, biologischen oder nuklearen Sprengköpfen bedrohen konnte. Ich informierte israelische Generäle, Diplomaten und Politiker.

Ich arbeitete lange Zeit Seite an Seite mit israelischen Foto-Analysten, Signal-Sammlern, technischen Geheimdienst-Analysten und Sachbearbeitern des Geheimdienstes, der für Spione zuständig ist, um sicherzustellen, dass alle irakischen Massenvernichtungswaffen vollständig und nachprüfbar nachgewiesen wurden. Ich war beeindruckt von der erstaunlichen Arbeitsmoral und der angeborenen Intelligenz meiner israelischen Kollegen. Beeindruckt hat mich auch ihre Integrität, denn sie haben ihr Versprechen, sich an das vom Sicherheitsrat der Vereinten Nationen erteilte Mandat zu halten, mehr als erfüllt, als es um die Arbeit ging, die ich und meine Kollegen von der UN-Sonderkommission (UNSCOM) im Irak geleistet haben.

Als ich die UNSCOM im August 1998 verließ, zählte ich mich zu den echten Freunden Israels (diese Beziehung hatte allerdings auch eine Kehrseite   – das FBI ermittelte gegen mich wegen angeblicher Verstöße gegen das Spionagegesetz, eine Untersuchung, die erst nach dem 11. September 2001 abgeschlossen wurde, als nach einem Gespräch zwischen mir und drei FBI-Agenten die Ermittlungen eingestellt wurden).

Ich muss zugeben, dass ich Israel als Kind mehr als nur ein wenig zwiespältig gegenüberstand   – ich war nicht gerade ein Fan. Meine erste Erinnerung an Israel war der Jom-Kippur-Krieg im Oktober 1973, und ich war fasziniert von den Berichten, die ich im Fernsehen sah. Später, im Jahr 1976, war ich in ähnlicher Weise von der Kühnheit und dem Heldentum bei der Rettung von Entebbe gefangen. Aber diese Kindheitsverliebtheit verblasste, als ich das College besuchte. Mit einem amerikanisch-israelischen Mitbewohner, der gerade seinen Dienst in den IDF beendet hatte (ich hatte gerade meinen Dienst in der US-Armee beendet und war in einem Marine Corps Commissioning Programm eingeschrieben und konnte nicht verstehen, warum ein amerikanischer Staatsbürger in den Streitkräften einer anderen Nation dienen würde   – oder auch nur könnte), und einer sehr aktiven Hillel (jüdische Studentenorganisation) auf dem Campus, wurde ich durch die Nulltoleranz, die unter vielen amerikanischen Juden gegenüber Palästina und der arabischen Welt im Allgemeinen herrschte, beleidigt.

Professor John B. Joseph, ein assyrisch-amerikanischer Historiker für Studien des Nahen Ostens, hat mich tief beeinflusst. Als Sohn von Flüchtlingen des assyrischen Völkermords im voriranischen Persien ist Professor Joseph in Bagdad geboren worden und aufgewachsen. Die Aufgeschlossenheit, mit der er Kurse über die arabisch-israelischen Beziehungen unterrichtete, stand in krassem Gegensatz zu der ausschliesslichen Haltung von Hillel (my-way-or-the-highway approach = Mein-Weg-oder-der-Highway-Haltung = Du machst, was ich will oder Du kannst gehen). Bei einer Gelegenheit, im Frühjahr 1983, sponserte Hillel eine Delegation israelischer Soldaten, die den Campus besuchten und dort Vorträge über die israelische Invasion und Besetzung des Südlibanon hielten. Ich war für den Platoon Leaders Course des Marine Corps eingeschrieben und sollte nach meinem Abschluss im Mai 1984 in Dienst gestellt werden.

Eine Konfrontation zwischen einem US-Marine und drei IDF-Panzern im Februar 1983 hatte weltweit für Schlagzeilen gesorgt. Die Panzer, die von einem israelischen Oberstleutnant befehligt wurden, hatten versucht, die Stellung der Marines zu durchbrechen. Captain Charles B. Johnson, der Befehlshaber einer Marineeinheit, die die Israelis am Eindringen in Beirut hindern sollte, hatte sich vor die Panzer gestellt und dem IDF-Offizier gesagt, dass sie nicht durchfahren dürften. Als die Panzer drohten, ihn zu überfahren, zog Hauptmann Johnson seine Pistole, sprang auf den führenden israelischen Panzer und sagte dem Oberstleutnant, dass sie dies nur über seine Leiche tun würden. Die Israelis zogen sich zurück.


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Israelischer Centurian-Panzer in Beirut, 1982


Das Patt vor Beirut führte zu Spannungen zwischen den USA und Israel, und das Außenministerium schaltete den israelischen Geschäftsträger Benjamin Netanjahu ein, um gegen die israelische Provokation zu protestieren. Die Israelis verbreiteten das Gerücht, dass Kapitän Johnsons Atem nach Alkohol roch.

Dieses Gerücht wurde von einem der IDF-Soldaten-Botschafter bei einem Vortrag auf dem Campus, an dem ich teilnahm, wiederholt. Ich nahm Anstoß daran und erhob mich, um den Redner zur Rede zu stellen. In einer nicht gerade diplomatischen Art und Weise erinnerte ich den IDF-Soldaten daran, dass er sich auf amerikanischem Boden und in Anwesenheit eines US-Marinesoldaten befand, und ich würde verdammt sein, wenn ich zulassen würde, dass er den Ruf eines Offiziers des Marine Corps in meiner Gegenwart verleumdet. Als ich die Gewalttätigkeit meiner Worte spürte (ich hatte auf dem Campus bereits den Ruf, einen Kommilitonen verprügelt zu haben, der sich gewünscht hatte, dass John Hinckley, der Möchtegern-Attentäter von Präsident Ronald Reagan, ein besserer Schütze gewesen wäre), griffen die Hillel-Organisatoren ein und verwiesen den IDF-Soldaten von der Bühne und vom Campusgelände.

Meine nächste Berührung mit Israel hatte ich indirekt während der Operation Desert Storm. Während der Auftrag der US-Streitkräfte darin bestand, Kuwait vom irakischen Militär zu befreien, drohte der Beschuss modifizierter SCUD-Raketen durch den Irak Israel in den Konflikt hineinzuziehen, ein Akt, der die von Präsident George H. W. Bush so sorgfältig zusammengeschusterte Koalition der Nationen, die aus zahlreichen arabischen Nationen bestand, die sich weigerten, auf derselben Seite wie Israel zu kämpfen, zum Scheitern gebracht hätte. Die irakischen SCUD-Abschüsse zu stoppen, wurde zur obersten Priorität des Krieges, und als SCUD-Experte im Stab von General Norman Schwarzkopf war ich stark in diese Bemühungen eingebunden. (Wie ich einen offen feindseligen Zuhörer während eines Vortrags 2007 vor einer großen amerikanisch-jüdischen Organisation daran erinnerte, setzte ich meinen Arsch für Israel aufs Spiel, als er und andere amerikanische Juden Tickets für die Flucht aus dem Heiligen Land kauften.)

Nach dem Krieg wurde ich von der UNSCOM angeworben, um beim Aufbau einer unabhängigen nachrichtendienstlichen Kapazität zur Unterstützung der Mission der Vereinten Nationen im Irak mitzuwirken. 1994 schlug ich vor, dass die UNSCOM einen geheimen Kanal mit Israel eröffnet, um sich in nachrichtendienstlichen Fragen im Zusammenhang mit der Entwaffnung des Irak eng abzustimmen. Mein Vorschlag wurde angenommen, und ich half bei der Leitung der ersten UNSCOM-Delegation, die nach Israel entsandt wurde, wo wir mit dem Direktor der AMAN und dem Leiter der Forschungs- und Analyseabteilung (RAD) zusammentrafen, um Umfang und Ausmaß der nachrichtendienstlichen Zusammenarbeit zwischen UNSCOM und Israel zu erörtern.

Bei meinem ersten Besuch in Israel im Oktober 1994 lernte ich einen Geheimdienstoffizier der israelischen Luftwaffe kennen, der in den folgenden vier Jahren mein wichtigster Gesprächspartner wurde. Unsere berufliche Beziehung war exquisit   – ohne diesen Offizier, dessen Energie, Intellekt und Erfahrung unübertroffen waren, wäre die Beziehung zwischen UNSCOM und Israel zweifellos nie zu dem Erfolg geworden, der sie war. Am meisten beeindruckte mich an diesem Mann, den ich nicht nur als Kollegen, sondern auch als Freund betrachtete, wie sehr er wollte, dass ich Israel verstehe und schätze   – das echte Israel, nicht die Propagandashow, für die Israel bekannt ist, wenn es darum geht, Ausländer wie mich zu beeinflussen.

Ja, ich bekam einen Hubschrauberrundflug über Israel, damit ich aus der Vogelperspektive sehen konnte, wie klein und verletzlich das Land Israel ist. Ja, der Hubschrauber landete in Masada, wo ich über die Tragödie dieser Periode der israelischen Geschichte unterrichtet wurde. Ja, ich wurde auf die Golanhöhen gefahren, zu einem vorgeschobenen Beobachtungsposten, wo ich die Stellungen der syrischen Armee durch ein Teleskop sehen konnte   – all das ist wahr. Aber mein israelischer Gastgeber merkte weise an, dass mein eigentliches Interesse dem "SCUD-Museum" galt, in dem Israel die Trümmer aller SCUD-Raketen zusammengetragen hatte, die während der Operation Desert Storm auf seinen Boden gefallen waren. Das interessierte mich, denn das war mein Auftrag.


Sich in Israel zu verlieben, war es nicht.

Allmählich lockerte mein Gastgeber die Kontrollen, wenn es darum ging, wohin ich gehen konnte und was ich während meiner Freizeit von der Planung von Inspektionen sehen konnte. Meine Frau besuchte mich für ein langes Wochenende in Israel, und ich nahm sie mit ans Tote Meer, nach Jerusalem (wo wir die Via Dolorosa in Jerusalem entlanggingen, den Prozessionsweg Jesu zu seiner Kreuzigung auf dem Kavaliersberg), nach Nazareth, an den See Genezareth und an den Jordan   – alles Orte, die direkt den Seiten des Neuen Testaments entnommen sind. Meine Frau, eine gläubige georgische Orthodoxe, war begeistert. Ich, ein einfacher Historiker, war tief beeindruckt. "Jeder Stein, den du mit deinem Fuß umwirfst, erzählt eine Geschichte", sagte sie mir. "Dieses Land ist voller Geschichte."


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Die Via Dolorosa in Jerusalem


Wir sprachen bald über die Geschichte Israels selbst und begannen mit dem Viertel, in dem sich die israelische Bildauswertungseinheit, mit der ich arbeitete, befand   – Sarona, auch bekannt als die deutsche Kolonie. Wir diskutierten über das britische Mandat, während wir das King David Hotel in Jerusalem besuchten, den Ort eines berüchtigten Terroranschlags, der von Menachem Begin, dem späteren israelischen Premierminister und Nobelpreisträger, verübt wurde, der zum Zeitpunkt des Anschlags, 1946, der Terrororganisation Irgun angehörte. Die meisten Israelis würden bei der Vorstellung, dass Begin und die Irgun auf diese Weise bezeichnet werden, zusammenzucken. "Sehen Sie", sagte mein Gastgeber, "er war ein Terrorist. Er hatte viel mit Jassar Arafat gemeinsam." Es war diese Art von Ehrlichkeit, die mich meinen Gastgeber noch mehr schätzen ließ.

Beim Besuch des Museums Ma'oz Mul 'Aza (Die Festung von Gaza) im Kibbuz Kfar Aza diskutierten wir über die Gründung Israels und verglichen die israelische Erzählung von der Geburt einer Nation unter Beschuss (das Museum wurde auf dem Gelände des Kibbuz Saad errichtet, der 1948 von der ägyptischen Armee zerstört worden war), und die palästinensische Nakba oder Katastrophe, die die gewaltsame Vertreibung palästinensischer Familien aus ihren Häusern betrifft   – auch in der Nähe des Kibbuz Kfar Aza (dieser Kibbuz war einer derjenigen, die am 8. Oktober 2023 von der Hamas angegriffen wurden, und verlor tragischerweise zahlreiche Bewohner durch die Gewalt der Hamas-Kämpfer.)

Wir haben über die Worte von David Ben Gurion, dem ersten Präsidenten Israels, gesprochen, der sagte: "Wenn ich ein arabischer Führer wäre, würde ich niemals ein Abkommen mit Israel unterzeichnen. Es ist normal; wir haben ihr Land eingenommen. Es ist wahr, dass Gott es uns versprochen hat, aber wie könnte sie das interessieren? Unser Gott ist nicht der ihre. Es hat Antisemitismus gegeben, die Nazis, Hitler, Auschwitz, aber war das ihre Schuld? Sie sehen nur eines: Wir sind gekommen und haben ihr Land gestohlen. Warum sollten sie das akzeptieren?"

Ein weiteres Zitat von Ben Gurion unterstreicht diesen Punkt. "Lasst uns die Wahrheit unter uns nicht ignorieren ... politisch sind wir die Aggressoren, und sie verteidigen sich", sagte er. "Das Land gehört ihnen, weil sie es bewohnen, während wir hierherkommen und uns niederlassen wollen, und in ihren Augen wollen wir ihnen ihr Land wegnehmen."

"Er hatte Recht", sagte mein Gastgeber über Ben Gurion. "Israel hat eine sehr schwierige Geschichte."

Die Folgen dieser schwierigen Geschichte waren für meinen Gastgeber, seine Familie und seine israelischen Mitbürger existenziell. Ich wurde oft zu ihm nach Hause eingeladen, in ein kleines Viertel, das in den Hügeln zwischen Tel Aviv und Jerusalem liegt. Dort wurde ich mit der Art von Gastfreundschaft behandelt, die man von jemandem erwartet, mit dem man eine besondere Beziehung teilt. Während wir ein Barbecue genossen und der Musik lauschten, die seine Tochter im Teenageralter für uns ausgesucht hatte, zeigte mein Gastgeber auf die Hügel über seinem Viertel, wo in der Ferne ein Dorf zu sehen war, das sich durch das verräterische Minarett einer Moschee als arabisch zu erkennen gab.

"Dies ist die "Grüne Linie", sagte er und zeigte auf den Hügel. Die "Grüne Linie" stellte die ursprüngliche Grenze Israels dar, die bei seiner Gründung im Jahr 1948 festgelegt wurde. Nach dem Sechstagekrieg im Jahr 1967 übernahm Israel die Kontrolle über das Gebiet, das heute als Westjordanland bekannt ist. Die Palästinenser kämpften für die Rückgabe ihres Landes und dafür, dass die Grenze zwischen Israel und Palästina wieder der "Grünen Linie" entspricht.

"Sie sind ein Mann des Militärs", sagte er. "Das ist die hohe Warte. Sie verstehen das Risiko für meine Familie und meine Nachbarn, wenn ein Feind dieses Gelände besetzt, einen Mörser oder Scharfschützen dort aufstellt. Wir würden", sagte er fast flüsternd, als ob er seine Worte vor seiner Frau und seinen Kindern verbergen wollte, "alle sterben."

"Wir brauchen Frieden", schloss mein Gastgeber. "Einen Frieden, der den Palästinensern ihr Land zurückgibt und meiner Familie ein Leben ohne Angst ermöglicht."

Wie die meisten Militäroffiziere zeigte mein Gastgeber ein gewisses Desinteresse, wenn es um die Innenpolitik ging. Einmal, als ich in einem Lokal in der Nähe des Sarona-Viertels saß, wies mein Gastgeber auf einen kleinen, stämmigen Mann hin, der ein paar Tische weiter saß. "Das ist Ehud Barack", sagte er. Barack war Anfang 1995 aus den IDF ausgeschieden, nachdem er seine Karriere als Generalstabschef beendet hatte. "Er betritt jetzt die Welt der Politik", bemerkte mein Gastgeber. "Er muss jetzt lernen zu lügen."

Mein Gastgeber teilte mir zwar nicht mit, welcher politischen Richtung er angehörte (und ich fragte auch nicht danach), aber zwei Dinge wurden mir sehr deutlich. Erstens bewunderte er Yitzhak Rabin, einen ehemaligen Soldaten, der zum Politiker wurde. "Er lügt, wie alle anderen auch", bemerkte er einmal. "Aber er lügt im Namen des Friedens. Das kann ich akzeptieren."

Und er verachtete Benjamin Netanjahu zutiefst. "Er wird Israel zerstören", warnte mein Gastgeber. "Er kennt nur Hass."

Während meiner vielen Besuche in Israel war die Bedrohung durch den Terrorismus eine allgegenwärtige Realität. Am 19. Oktober 1994   – während meines ersten Besuchs in Israel   – sprengte sich ein Selbstmordattentäter der Hamas in einem Bus auf der Dizengoff-Straße, einer belebten Durchgangsstraße in Tel Aviv, in die Luft und tötete 22 Menschen. Der Ort des Anschlags war nur wenige Gehminuten von meinem Hotel entfernt. Am 24. Juli 1995, während meines dritten Besuchs in Israel, sprengte sich ein weiterer Hamas-Terrorist in einem Bus im Tel Aviver Vorort Ramat Gan in die Luft und tötete sechs Menschen. Bei meinem vierten Besuch, am 21. August 1995, verübte ein weiterer Hamas-Selbstmordattentäter einen Anschlag auf einen Bus in Ramat Eshkol, einem Vorort von Jerusalem, bei dem fünf Menschen getötet wurden.


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Der Bombenanschlag auf den Dizengoff-Bus, 19. Oktober 1994


Die Auswirkungen dieser Anschläge auf die israelische Bevölkerung waren deutlich zu spüren. Die Tränen flossen in Strömen, als sie die Toten betrauerten. Ich erinnere mich, wie ich nach dem Anschlag im Juli 1995 von dem IDF-Fahrer abgeholt wurde, der mich zu meinem Termin in der Kirya, dem Hauptquartier der IDF im Zentrum von Tel Aviv, bringen sollte. "Ist unser Treffen abgesagt?", fragte ich. "Nein", antwortete er grimmig. "Das Leben muss weitergehen."

Wir kamen in dem Gebäude an, in dem mein Gastgeber sein Büro unterhielt. Dort arbeiteten mehrere IDF-Soldatinnen für ihn. Sie geleiteten mich in den Warteraum und boten mir Tee an. Ich bemerkte, dass ihre Augen rot und ihre Gesichter tränenverschmiert waren. "Soll ich später wiederkommen?", fragte ich meinen Gastgeber, als er den Raum betrat. Er rief die Mädchen zurück in den Raum. "Scott möchte wissen, ob er später wiederkommen soll", sagte er. "Wie lautet eure Antwort?"

"Wenn ihr aufgebt, gewinnen die Terroristen", antwortete ein Mädchen. "Wir werden nie aufgeben, niemals. Wir hoffen, du wirst es auch nicht tun."

Am 4. November 1995 fuhr mich mein Gastgeber von der Kirya zurück in mein Hotel. Wir kamen am Platz der Könige von Israel vorbei, einem großen öffentlichen Platz, auf dem oft politische Kundgebungen stattfanden. Für diesen Abend war eine Kundgebung angesetzt   – eine Pro-Friedenskundgebung, die von Anhängern Yitzhak Rabins zur Unterstützung des Osloer Friedensprozesses veranstaltet wurde. Rabin hatte sich am 28. September 1995 mit dem PLO-Vorsitzenden Yassar Arafat in Washington getroffen, wo die beiden Männer das Oslo-II-Abkommen unterzeichneten.

Yitzhak Rabin (links) schüttelt Jassir Arafat (rechts) die Hand, während Bill Clinton (Mitte) zusieht

Die Terroranschläge der Hamas sollten den Osloer Friedensprozess stören. Yitzhak Rabin ließ sich nicht von seiner Entschlossenheit abbringen, den Prozess zu Ende zu führen, obwohl sein Hauptkonkurrent Benjamin Netanjahu ihn innenpolitisch stark unter Druck setzte.

Netanjahu hatte rechtsradikale jüdische religiöse Extremisten für seine Sache mobilisiert, die Rabin vorwarfen, sich von der jüdischen Tradition und den jüdischen Werten zu entfernen. Doch Netanjahus Auftreten ging über einfache politische Rhetorik hinaus und mündete in politische Gewalt. Im März 1994 wurde in der Nähe der Stadt Ra'anana, nördlich von Tel Aviv, ein Protestmarsch von der rechtsgerichteten religiösen Gruppe Kahane Chai organisiert. Netanjahu marschierte vor dem Kahane Chai-Protest; hinter ihm wurde ein Sarg mit der Aufschrift "Rabin ist der Grund für den Tod des Zionismus" getragen. Am 5. Oktober 1995   – dem Tag, an dem die israelische Knesset für Oslo II stimmte   – organisierte Netanjahu eine Gegenkundgebung mit 100.000 Teilnehmern. Netanjahu trieb die Menge an, die "Tod für Rabin" rief.

"Ich habe gehört, du gehst heute Abend mit ein paar Jungs aus", sagte mein Gastgeber. Ich hatte Pläne für ein Abendessen mit zwei jungen Kapitänen vom RAD und ihren Verlobten. "Kommen Sie nicht in die Nähe dieses Platzes", wies mich mein Gastgeber an und deutete auf den Platz der Könige von Israel. "Rabin hält hier heute Abend eine Rede, und es ist sehr wahrscheinlich, dass es zu Gewalt kommt. Er sollte die Rede absagen", fuhr mein Gastgeber fort. "Zu viele Menschen wünschen ihm Schaden, und es gibt hier zu viele Gelegenheiten, ihm Schaden zuzufügen."

An diesem Abend, kurz nach 21.30 Uhr, hatten meine beiden Freunde, ihre Verlobten und ich gerade unser Abendessen serviert bekommen und wollten es uns schmecken lassen, als der Besitzer des Restaurants vor uns erschien. "Yitzhak Rabin wurde erschossen", sagte die Besitzerin, und ihr liefen die Tränen über das Gesicht. "Er wurde in ein Krankenhaus gebracht. Er braucht unsere Gebete."

Ohne ein Wort zu sagen, erhoben sich alle von ihren Tischen und verließen das Restaurant. Rechnungen wurden nicht bezahlt. Meine Tischnachbarn setzten mich im Hotel ab, wo sie Radio hörten und mich über die neuesten Nachrichten auf dem Laufenden hielten.

An der Kundgebung nahmen 100.000 Menschen teil, und Rabin hielt eine mitreißende Rede. "Ich habe immer geglaubt, dass die meisten Menschen Frieden wollen", sagte er der bewundernden Menge, "und bereit sind, dafür ein Risiko einzugehen."

Ein rechtsgerichteter religiöser Jude, der glaubte, auf Anweisung eines Rabbiners zu handeln und Rabin wegen seines Verrats an Israel zu töten, hatte den Abzug der Pistole gedrückt, die Rabin das Leben nahm.

Um 23.15 Uhr wurde der Tod von Yitzhak Rabin der israelischen Nation bekannt gegeben. Von meinem Hotelzimmer aus, in dem ich die Bekanntgabe im Fernsehen verfolgte, konnte ich das Weinen von Frauen in den Hotelzimmern neben mir und in den Straßen darunter hören.

Der 5. November war ein nationaler Trauertag. Am nächsten Tag, dem 6. November, beerdigte Israel seinen getöteten Führer.

Am 7. November war mein Fahrer in der Lobby und brachte mich zur Kirya. Mein Gastgeber und seine Soldaten waren wieder bei der Arbeit. Zwei Tage später, am 9. November, überquerte ich, ausgerüstet mit Informationen, die die Israelis über die Lieferung von Raketenleit- und -steuerungsgeräten von Russland nach Jordanien gesammelt hatten, von wo aus sie in den Irak gebracht werden sollten, die Allenby-Brücke, die Israel von Jordanien trennt, wo ich von jordanischen Sicherheitsbeamten abgeholt wurde. Am Abend traf ich mich mit Ali Shukri, dem Chef des Privatbüros des jordanischen Königs, und überzeugte ihn und den Leiter des jordanischen Geheimdienstes, eine Razzia in einem Lagerhaus durchzuführen, in dem die Israelis die Raketenkomponenten vermuteten. Die Razzia wurde durchgeführt, und es wurden mehrere hundert Lenk- und Steuergeräte beschlagnahmt, die am nächsten Tag in den Irak hätten transportiert werden sollten.

Als ich am nächsten Abend in der Dunkelheit auf die Rückreise nach Israel wartete, dachte ich über die Hartnäckigkeit meiner israelischen Gastgeber nach. Sie haben nicht aufgegeben, dachte ich.


Wir haben nicht aufgegeben.

Um zu zeigen, was für ein Mann mein Gastgeber war, erzählte ich eine Geschichte, die Ali Shukri mir erzählte, während wir auf die Ergebnisse der Razzia warteten, über dessen Vater, einen wohlhabenden Palästinenser aus der Stadt Jaffa in der Nähe des heutigen Tel Aviv. Eine Straße war nach seinem Vater benannt worden, und er fragte, ob ich sie in seinem Namen besuchen könnte. Ich erzählte meinem Gastgeber von dieser Bitte, und ohne zu zögern stiegen wir in sein Auto und erkundeten das alte Jaffa. Die Straßen hatten alle hebräische Namen erhalten, aber mein Gastgeber sprach mehrere ältere Menschen an und fragte, ob sich jemand an die alten Straßennamen erinnere. Das taten sie, und schon bald schlenderten wir einen gut beleuchteten Boulevard hinunter.

"Ich würde gerne glauben, dass Yitzhak Rabin gewollt hätte, dass Ali Shukri selbst diese Straße entlanggehen kann", bemerkte mein Gastgeber. "Vielleicht sogar, dass er in seinem Elternhaus leben könnte."

Wir gingen weiter die stille Straße hinunter, allein mit unseren Gedanken.


Die Sünden des Vaters

Am 5. Januar 1996 ermordeten israelische Sicherheitskräfte Yahya Ayyash, einen Hamas-Aktivisten, der als "der Ingenieur" bekannt war. Ayyash war der wichtigste Bombenkonstrukteur der Hamas, und seine Bomben waren für die meisten der von der Hamas gegen Israel verübten Terroranschläge verantwortlich. Dem israelischen Sicherheitsdienst gelang es, ein Mobiltelefon zu beschaffen, in dem eine winzige Menge Sprengstoff deponiert war. Nachdem Ayyash ans Telefon gegangen war, zündeten die israelischen Sicherheitskräfte den Sprengstoff und töteten den Hamas-Bombenbauer auf der Stelle.

Israel ist normalerweise zurückhaltend, wenn es darum geht, die Verantwortung für gezielte Tötungen dieser Art zu übernehmen, aber meine Gastgeber informierten mich inoffiziell darüber, wie sie dazu kamen, Ayyash zu töten. Ich schätze, dass sie davon ausgingen, dass ich das wissen musste, da seine Bombenanschläge meine Arbeit in Israel beeinträchtigt hatten.

Die Ermordung von Ayyash löste eine gewalttätige Reaktion der Hamas aus, die in den folgenden Wochen und Monaten eine Terrorkampagne gegen das israelische Volk entfesselte. Drei terroristische Bombenanschläge, darunter zwei Busanschläge in Jerusalem und ein Bombenanschlag vor dem Dizengoff Center in Tel Aviv, bei denen zwischen dem 25. Februar und dem 4. März 55 Menschen getötet und Hunderte verletzt wurden, erschütterten die Nation und trugen dazu bei, dass Benjamin Netanjahu bei den Parlamentswahlen am 29. Mai 1996 zum Premierminister gewählt wurde.

Die Zeit zwischen der Wahl Netanjahus und meinem Ausscheiden aus der UNSCOM im August 1998 war eine Zeit des Umbruchs und der Veränderung. Der Erfolg der Abhöraktion in Jordanien ebnete den Weg für eine noch intensivere Beziehung zwischen der UNSCOM und Israel, die durch meine Beziehung zu meinem israelischen Gastgeber erleichtert wurde. Wir waren in der Lage, das Äquivalent einer nachrichtendienstlichen Fusionszelle zu schaffen, in der Bildauswertung, SIGINT-Sammlung und menschliche Aufklärung zu einem nachrichtendienstlichen Produkt verschmolzen wurden, das der UNSCOM dabei half, die Frage früherer irakischer Bemühungen, die Wahrheit über ihre Massenvernichtungswaffenprogramme zu verbergen, zu klären und Beweise für laufende irakische Aktivitäten in Verbindung mit dem Präsidialamt aufzudecken, die gegen die Resolutionen des Sicherheitsrates zu den Sanktionen verstießen.

Meine Arbeitsbeziehung zu Moshe Ya'alon, dem neuen Leiter von AMAN, war so eng, wie man es sich nur wünschen konnte, und Israel tat alles, um sicherzustellen, dass jeder meiner Bitten um Unterstützung nachgekommen wurde. Und die Ergebnisse waren unbestreitbar   – als ich 1994 meine Beziehung zum israelischen Geheimdienst aufnahm, stand der Irak an erster Stelle der AMAN-Liste der Bedrohungen für Israel. Bis 1998 war der Irak auf den fünften Platz zurückgefallen, hinter Rechtsextremismus im Inland, Iran, Hisbollah und Hamas. Diese Veränderung war darauf zurückzuführen, dass die UNSCOM und die israelische Zusammenarbeit zu einer Einsicht in die wahren Fähigkeiten der irakischen Massenvernichtungswaffenprogramme geführt hatten.

Im Jahr 1998 wurde diese Beziehung, die mein Gastgeber und ich seit unseren ersten Treffen im Oktober 1994 so sorgfältig gepflegt hatten, jedoch plötzlich unterbrochen. Auf Druck der Vereinigten Staaten beendete Israel seine geheimdienstlichen Beziehungen zur UNSCOM. Bis 1998 wurde das gesamte AMAN-Team, das diese Beziehung aufgebaut hatte, von Moshe Ya'alon über Yaakov Amidror bis hin zu meinem Gastgeber, ersetzt. Das neue Team   – Amos Malkin als Leiter von AMAN, Amos Gilad als Chef des RAD und ein neuer "Gastgeber"   – beendete die UNSCOM-Operation zum Austausch von Informationen sofort. Anfang Juni 1998 stattete ich Israel einen letzten Besuch ab, bei dem ich von meinen Gesprächspartnern über die neuen Gegebenheiten unterrichtet wurde.

Zwei Monate später trat ich aus der UNSCOM aus, da ich nicht mehr in der Lage war, meinen Abrüstungsauftrag zu erfüllen.


Amos Gilad, Leiter der Forschungs- und Analyseabteilung des israelischen Militärgeheimdienstes

Trotz der abrupten Beendigung meiner beruflichen Beziehung zur israelischen Regierung habe ich in meinem Herzen immer eine Schwäche für das israelische Volk und damit auch für die israelische Nation behalten. Selbst als ich mit ansehen musste, wie Amos Gilad die Ergebnisse der harten Arbeit, die meine israelischen Kollegen und ich so gewissenhaft geleistet hatten, im Alleingang zunichtemachte, indem er die faktenbasierten Erkenntnisse, die das Bedrohungsprofil des Irak schwinden sahen, zurückwies und den Irak erneut in den Status einer kriegswürdigen Bedrohung erhob, gab ich nicht Israel als Ganzem die Schuld, sondern vielmehr den einzelnen beteiligten Israelis, allen voran dem Mann, der Yitzhak Rabin als Ministerpräsident Israels abgelöst hatte, Benjamin Netanjahu.

Netanjahus Unfähigkeit als politischer Führer hatte dazu geführt, dass er 1999 abgewählt und durch Ehud Barack ersetzt wurde (der offenbar gelernt hatte, in einem Maße zu lügen, das für die Aufgabe eines israelischen Politikers ausreichend war). Im September 2002 sagte Netanjahu vor dem US-Kongress über das irakische Atomwaffenprogramm aus. Obwohl er dies als Privatmann tat, verlieh sein Status als ehemaliger Ministerpräsident seinen Worten eine Glaubwürdigkeit, die sie nicht verdienten.

"Es besteht kein Zweifel daran, dass Saddam die Entwicklung von Atomwaffen anstrebt, daran arbeitet und sie vorantreibt", sagte Netanjahu. "Sobald Saddam Atomwaffen hat, wird das Terrornetzwerk Atomwaffen haben."

Netanjahus Äußerungen standen in direktem Widerspruch zu den Erkenntnissen, zu denen meine israelischen Kollegen und ich gelangt waren   – Erkenntnisse, die auch von der Internationalen Atomenergie-Organisation geteilt wurden, die für die Überwachung des Abbaus des irakischen Atomprogramms zuständig war   –, nämlich dass das irakische Atomprogramm beseitigt worden war und dass es keine Beweise für seine Wiederherstellung gab.

Netanjahus Aufgabe war es jedoch nicht, die Wahrheit über das irakische Atomprogramm zu sagen, sondern die durch das Schreckgespenst einer irakischen Atomwaffe geschürte Angst zu nutzen, um einen Krieg gegen den Irak zu rechtfertigen, der Saddam Husein von der Macht entfernen würde. "Wenn Sie Saddam, Saddams Regime, beseitigen, garantiere ich Ihnen, dass dies enorme positive Auswirkungen auf die Region haben wird", sagte Netanjahu vor seinem aufgeschlossenen Publikum im Kongress. "Und ich denke, dass die Menschen, die direkt nebenan im Iran sitzen, junge Menschen und viele andere, sagen werden, dass die Zeit solcher Regime, solcher Despoten vorbei ist."


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Benjamin Netanjahu sagt 2002 vor dem US Kongress aus


Wenn man heute zurückblickt, auf die schrecklichen Folgen der illegalen Invasion und Besetzung des Irak durch die USA, auf ein iranisches Regime, das sich fest hinter einem Atomprogramm verschanzt hat, das nicht verschwinden wird, kann man klar erkennen, dass Benjamin Netanjahu in allem falsch lag. Aber das war von Anfang an sein modus operandi   – übertreiben und lügen, was die Bedrohung Israels angeht, um Militäraktionen zu rechtfertigen, die immer in einer Katastrophe endeten.

In den Jahren zwischen meinem Rücktritt von der UNSCOM und dem Beginn der US-geführten Invasion des Irak reiste ich oft nach Washington, DC, wo ich mich um Treffen mit Abgeordneten und Senatoren beider Parteien bemühte, um sie über die Fakten zu den irakischen Massenvernichtungswaffen aufzuklären. Auf Schritt und Tritt wurde ich von Teams des American Israeli Public Action Committee, kurz AIPAC, verfolgt. Sobald ich das Büro eines gewählten Vertreters verließ, schob sich das AIPAC-Team hinter mich und erinnerte die betreffende Person daran, wer die Schecks ausgestellt hat, mit denen ihre Wiederwahl finanziert wurde.

Jahre später sah ich ein Video aus dem Jahr 2001, in dem Netanjahu damit prahlt, wie leicht sich die USA kontrollieren lassen, und zwar so sehr, dass er wusste, dass er damit durchkommen würde, Yitzhak Rabins größtes Vermächtnis   – die Osloer Abkommen   – offen zu sabotieren, wohl wissend, dass die USA nachgeben würden. "Ich hatte keine Angst, mich mit Clinton anzulegen", prahlte Netanjahu. "Ich weiß, was Amerika ist. Amerika ist etwas, das leicht bewegt werden kann. Es kann in die richtige Richtung bewegt werden."

Amerika zog wegen Israel in den Krieg gegen den Irak   – wegen der Lügen, die Netanjahu erzählte, und wegen der Manipulationen durch Israel über seinen amerikanischen Stellvertreter, die AIPAC, weswegen der Kongress seiner Pflicht gegenüber dem amerikanischen Volk, eine verantwortungsvolle Aufsicht auszuüben, nicht nachgekommen ist.

Damit niemand glaubt, dass AIPAC aus eigenem Antrieb gehandelt hat, hat das FBI Beweise für geheime Absprachen zwischen AIPAC-Offiziellen und einem israelischen Diplomaten, Naor Gilon, bei der Weitergabe von Verschlusssachen an Israel aufgedeckt.

Naor Gilon war mein Ansprechpartner bei der israelischen Vertretung bei der UNO in New York.

Der Unterschied zwischen mir und dem AIPAC bestand jedoch darin, dass alle meine Kontakte von der UNO und der CIA genehmigt wurden.


Der AIPAC arbeitete einfach als Werkzeug Israels.

Zu sagen, dass ich wütend auf Israel war, weil es sich in die Außen- und nationale Sicherheitspolitik der USA einmischte, ist eine Untertreibung. Trotzdem stand ich weiterhin an der Seite Israels.

Am 13. November 2006 hielt ich eine Rede an der School of International Affairs der Columbia University. Das Thema war das iranische Atomprogramm. Zu Beginn meiner Ausführungen ging ich auf das ein, was ich "den Elefanten im Raum" nannte: Israel". Israel, so sagte ich, sei ein enger Verbündeter der Vereinigten Staaten, und wenn es hart auf hart käme und Israel und der Iran aufeinander losgingen, dann seien Israels "legitime nationale Sicherheitsbedenken" die unseren und könnten sogar zum Krieg führen.

Aber meine Unterstützung war nicht bedingungslos   – im Gegensatz zur Clinton-Regierung war ich nicht leicht zu manipulieren. "Israel", sagte ich, "ist betrunken von Hybris, Arroganz und Macht. Ich halte mich an das alte Sprichwort: 'Freunde lassen Freunde nicht betrunken Auto fahren'. Deshalb glaube ich, dass wir als Freunde Israels die Verantwortung haben, die Schlüssel aus dem Zündschloss zu ziehen und den Bus, den sie fahren, anzuhalten, weil er sonst direkt auf eine Klippe zusteuert."

Ich war damals sehr besorgt darüber, dass Israel dabei war, sein Vorgehen im Vorfeld des Irakkriegs zu wiederholen, indem es Geheimdienstinformationen fälschte (Amos Gilad war zu diesem Zeitpunkt der israelische "Geheimdienst- und Sicherheits"-Zar, der zum Leiter des Büros für politische und militärische Angelegenheiten befördert worden war) und unter den US-Parlamentariern und internationalen Gremien wie der IAEO ein falsches Narrativ verbreitete.


Aber noch etwas anderes nagte an mir.

Im Oktober 1997 arbeitete ich mit den Israelis an einer neuen Operation in Rumänien und verfolgte eine irakische Delegation, die beabsichtigte, eine Mehrheitsbeteiligung an einem rumänischen Luft- und Raumfahrtunternehmen zu erwerben, um sich unter Verletzung der Sanktionen ballistische Raketentechnologie anzueignen. Im Monat zuvor hatte ein israelisches Team ein Attentat auf einen hochrangigen Hamas-Beamten in Amman, Jordanien, verbockt. Die israelischen Attentäter hatten ihr Ziel, Khaled Mashal, vergiftet, wurden aber von Mashals Leibwächtern gefangen genommen, bevor sie entkommen konnten. Der wütende jordanische König verlangte, dass Israel im Austausch gegen die gefangenen israelischen Agenten das Gegenmittel für das an Maschal verwendete Gift liefert. Die Angelegenheit wurde geklärt, was jedoch für Israel sehr peinlich war.

Benjamin Netanjahu habe den Mord an Khaled Mashal angeordnet, sagte mir mein Gastgeber.

"Das ist zu erwarten", antwortete ich.

"Ist es das?", fragte mein Gastgeber. "Wissen Sie, dass die Hamas von Israel geschaffen wurde?"

Das hat mich damals umgehauen. Man hatte mich in ein Museum in der Kirya gebracht, wo Waffen, Uniformen und andere Ausrüstungsgegenstände ausgestellt waren, die Hamas-Terroristen abgenommen worden waren. Während meiner Zeit in Israel hatte die Hamas zahlreiche Gräueltaten gegen das israelische Volk begangen. Ich sah sie als den Feind Israels an,

Und nun wurde mir gesagt, dass Israel an der Gründung der Hamas beteiligt war. Mein Gastgeber erklärte mir, die Absicht sei gewesen, eine politische Spaltung innerhalb der palästinensischen politischen Führung herbeizuführen und die Macht und den Einfluss der Fatah-Organisation von Jassar Arafat zu schwächen. Dies war ihnen offenbar gelungen. Doch die gewaltsame Reaktion der Hamas auf die Osloer Abkommen hatte Israel veranlasst, diese Beziehung zu überdenken, und bald befand sich Israel in einem offenen Krieg mit seiner eigenen Kreatur.

Ich war bereit, die Verbindung zwischen Israel und Hamas als politisches Experiment abzuschreiben, das schief gegangen war, als es 2006 so aussah, als hätte Israel der Hamas ihre gewalttätige Vergangenheit verziehen und die Voraussetzungen dafür geschaffen, dass die Hamas die Mehrheit der Sitze im palästinensischen Parlament erringen konnte. Bis 2007 hatten sich die schlechten Beziehungen zwischen Hamas und Fatah jedoch weiter verschlechtert, was zu einem Bürgerkrieg zwischen den beiden Fraktionen führte, der die palästinensische Einheit in zwei Hälften spaltete   – die eine, von der Fatah angeführt, befand sich im Westjordanland, während die andere, von der Hamas angeführt, im Gazastreifen operierte.

Später stellte sich heraus, dass dieser interne Konflikt zwischen den Palästinensern von Israel inszeniert worden war, um die palästinensische politische Einheit zu spalten und zu schwächen und Israel die Möglichkeit zu geben, die Beziehungen zur Fatah zu verbessern, nach dem Motto: Der Feind meines Feindes ist mein Freund.

Im Laufe der nächsten anderthalb Jahrzehnte beobachtete ich, wie Israel seine Kontrolle über die Fatah und seine Feindseligkeit gegenüber der Hamas in einen Kreislauf nie endender Gewalt verwandelte, der immer damit endete, dass die palästinensische Seite weitere Kompromisse einging, die zu weiteren Gebietsverlusten   – und mehr verlorenen Menschenleben   – führten. Die Gaza-Konflikte von 2014 und 2021 waren bezeichnend für die Gewalt gegen die dort lebende palästinensische Zivilbevölkerung, eine Gewalt, die im Westen weitgehend ignoriert wurde, da die Menschen gegen den Anblick toter palästinensischer Kinder immun wurden.

Nach dem Angriff der Hamas auf Israel am 8. Oktober 2023 sagte mir das Muskelgedächtnis in meinem Herzen und meinem Gehirn, dass ich an der Seite Israels stehen muss, wenn es auf diese Gräueltat reagiert.

Doch dann sah ich zu, wie israelische Generäle und Politiker im nationalen Fernsehen offen für Kriegsverbrechen eintraten, die Palästinenser als "Tiere" bezeichneten und offen für ihre Beseitigung eintraten.

Ich beobachtete, wie die Israelis über die Art der Hamas-Angriffe logen und aus einem makellosen Angriff auf eine Reihe von militarisierten Siedlungen und militärischen Stützpunkten, die das offene Konzentrationslager Gaza umschlossen, eine Erzählung über unkontrollierten Blutrausch machten, die dann von willfährigen Massenmedien an ein unhinterfragendes westliches Publikum weitergegeben wurde.

Ich beobachtete, wie die Welt sich auf den Schock stürzte, den die Fiktion von 40 enthaupteten israelischen Babys auslöste, während sie über den realen Tod von fast 400 palästinensischen Kindern schwieg, die durch israelische Luftangriffe getötet   – nein, ermordet   – wurden.


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Durch israelische Bomben getötete palästinensische Kinder, Gaza, Oktober 2023


Und da ich habe beschlossen, dass ich nicht länger auf der Seite Israels stehen kann.

Ich kam zu spät zur palästinensischen Sache. Ich war zu sehr in die israelische Saga verwickelt, zu sehr in die israelische Fantasie investiert, um den Wald vor lauter Bäumen zu sehen. Ich war zu sehr damit beschäftigt, die Hamas zu hassen, um zu erkennen, dass ich stattdessen das hassen sollte, was die Hamas in die Lage versetzt hat, die Verbrechen zu begehen, die sie in den letzten vier Jahrzehnten begangen hat.

Einfach ausgedrückt: Ich war blind für die Tragödie des palästinensischen Volkes.

Heute weiß ich, dass die einzigen wirklichen Opfer in der israelischen Saga (abgesehen von den Kindern aus allen Gesellschaftsschichten, die in die tragischen Ereignisse verwickelt sind, die ihnen von Erwachsenen aufgezwungen werden, die vorgeben, für eine strahlende und glänzende Zukunft zu arbeiten, aber nur Tod und Zerstörung bringen) das palästinensische Volk ist.

Zumindest waren die Gründerväter Israels ehrlich genug, dies anzuerkennen.

Den heutigen Zionisten fehlt der moralische Charakter, um zuzugeben, dass Israel nur auf Kosten eines lebensfähigen, freien und unabhängigen Palästinas aufgebaut und aufrechterhalten werden kann, dass Israel die Existenz eines solchen Palästinas niemals zulassen wird, und dass es, wenn es ein zionistisches Israel gibt, niemals ein unabhängiges Palästina geben wird.

Die Sünden der Väter sind real, besonders wenn es um Israels Gründerväter und die Verbrechen geht, die sie gegen das palästinensische Volk begangen haben. Moshe Dyan hat dies zugegeben. Das tat auch David Ben Gurion. Es waren Männer, die in ihren Ideologien und Motivationen grundlegende Fehler hatten, aber sie waren ehrlich.

Benjamin Netanjahu und seine heutigen israelischen Kollegen, unabhängig von ihrer politischen Zugehörigkeit, haben keine solche Integrität. Sie sind unverbesserliche Lügner, Männer und Frauen, die das eine versprechen und dann etwas anderes tun, wenn es um die Zukunft Palästinas geht, während sie Israel auf den Weg des permanenten Krieges führen.

Ich bin spät zur palästinensischen Sache gekommen, aber jetzt, wo ich hier bin, kann ich Folgendes sagen: Der beste Weg, sowohl die Hamas als auch das zionistische Israel zu besiegen, besteht darin, einen freien und unabhängigen palästinensischen Staat zu unterstützen.

Ich habe nie auf der Seite der Hamas gestanden und werde es auch nie tun.

Ich habe einmal auf der Seite Israels gestanden, aber ich werde es nie wieder tun.

Seit vier Jahrzehnten nehmen die Absprachen zwischen Israel und Hamas ihren tragischen Lauf, wobei jede Seite ihren Wunsch verkündet, die andere zu zerstören, wobei jedoch jede Seite die schreckliche Wahrheit kennt, dass die eine ohne die andere nicht existieren kann.

Das israelisch-palästinensische Problem ist zu einem nicht enden wollenden Kreislauf der Gewalt geworden, der sich von dem Schmerz und dem Leid des palästinensischen Volkes ernährt. Es ist an der Zeit, diesem Kreislauf ein Ende zu setzen.

Von diesem Moment an werde ich immer an der Seite des palästinensischen Volkes stehen, in der Überzeugung, dass der einzige Weg zum Frieden im Nahen Osten über ein lebensfähiges palästinensisches Heimatland führt, dessen Hauptstadt fest und für immer in Ostjerusalem verankert ist.

Auf diese Weise wird die Hamas als terroristische Organisation entmachtet   – ein legitimer palästinensischer Staat beseitigt den ständigen Konflikt, zu dem die Hamas beiträgt, einen Status, der durch das Streben nach einem legitimen palästinensischen Staat gerechtfertigt ist, dessen Existenz das zionistische Israel niemals zulassen wird.

Ein legitimer palästinensischer Staat delegitimiert die Vorstellung von einem zionistischen israelischen Gebilde, das per Definition nur durch die ständige Ausbeutung des palästinensischen Volkes existieren kann. Benjamin Netanjahu konnte die moderne Version des zionistischen israelischen Staates aufrechterhalten, indem er durch den endlosen Kreislauf der von der Hamas ausgehenden Gewalt Angst schürte.

Wenn die Bedrohung durch die Hamas beseitigt ist, wird das zionistische Israel nicht länger in der Lage sein, die Bürger Israels und die Welt vor der apartheidähnlichen Realität der gegenwärtigen israelischen Existenz zu blenden. Grundlegende Menschlichkeit wird das zionistische Israel zwingen, seine zionistische Ideologie abzulegen, so wie das Apartheid-Südafrika sein hässliches Erbe der weißen Vorherrschaft abgelegt hat. Das post-zionistische Israel wird zwangsläufig lernen müssen, mit seinen nicht-jüdischen Nachbarn friedlich und in Wohlstand zu koexistieren, und zwar nicht als kolonialer Apartheidstaat, sondern als gleichberechtigte Partner in einem Lebensexperiment, das die Menschen, die das Heilige Land ihr Zuhause nennen, gemeinsam bewohnen werden.


Die palästinensische Flagge über Gaza


Info: https://seniora.org/index.php?option=com_acymailing&ctrl=url&subid=3998&urlid=4554&mailid=1949

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15.10.2023

Scott Ritter: Warum ich nicht mehr auf der Seite Israels stehe und es auch nie wieder tun werde (I von II)

Die Worte von Roger Waters' großartigem Lied The Gunner’s Dream kommen mir in den Sinn, wenn ich mir einen solchen Ort vorstelle:

Sie können sich entspannen

auf beiden Seiten der Gleise

Und Verrückte

schießen nicht ferngesteuert Löcher in Bandenmitglieder

Und jeder kann sich auf das Gesetz berufen

Und niemand tötet mehr die Kinder

 

(You can relax

on both sides of the tracks

And maniacs

don't blow holes in bandsmen by remote control

And everyone has recourse to the law

And no one kills the children anymore)

Ich stehe an der Seite Palästinas, weil ich in einer Welt leben möchte, in der Kinder nicht mehr aus blutbefleckten Möbeln gezerrt werden, die in einem von Hamas-Bewaffneten geplünderten Kibbuz herumliegen, oder zerbrochen und rußgeschwärzt aus den Überresten eines von israelischen Bomben zerstörten Hauses gezogen werden.

Keiner tötet mehr die Kinder.

Diese Texte mögen aus The Gunner's Dream stammen, aber sie sollten ein ständiger Bestandteil der Träume jedes lebenden Menschen sein, der behauptet, sich einen Funken Menschlichkeit und Mitgefühl für seine Mitmenschen bewahrt zu haben.

Ich stehe an der Seite Palästinas, weil ich für die Kinder Israels und Palästinas eintrete, wohl wissend, dass die einzige Chance, die sie auf eine Zukunft haben, in der sie als Nachbarn in Frieden zusammenleben können, anstatt als Feinde im Krieg, die Existenz eines freien und unabhängigen Palästinas ist.

Quelle: https://www.scottritterextra.com/p/why-i-no-longer-stand-with-israel?utm_source=profile&utm_medium=reader2
Die Übersetzungbesorgte Andreas Mylaeusa


Info: https://seniora.org/index.php?option=com_acymailing&ctrl=url&subid=3998&urlid=4554&mailid=1949


Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

14.10.2023

Das jüdische Wochenmagazin Tachles Topnews

https://www.tachles.ch/       Das jüdische Wochenmagazin

Topnews


        https://www.tachles.ch/krieg-gegen-israel



                                     LIVE TICKER  +++


                                     09. Okt 2023

.... Gefechte im Norden - Saudi-Arabien stoppt Gespräche - 265 Soldaten

     gefallen - Hamas-Anführer liquidiert

     https://www.tachles.ch/krieg-gegen-israel


Der LiveTicker+++ berichtet laufend über Entwicklungen rund um den Krieg in

Israel. Am Tag des 50. Jahrestags des Jom Kippur Kriegs: Die

palästinensische Terrororganisation Hamas greift Israel massiv an, tötet

bisher rund 1200 Israeli und nimmt über 100 Geiseln. Im Süden Israels

verübten sie ein Massaker an Festivalbesuchern. Das Dossier mit

Berichterstattung, Analysen und Podcasts zum Krieg in Israel findet sich  

https://www.tachles.ch/krieg-gegen-israelhier 

https://www.tachles.ch/artikel/krieg-gegen-israel.


                 Tag 8: 14. Oktober 2023


17:00

Am Samstagnachmittag wurden israelische Militärposten an der Grenze zum

Libanon von der Hizbollah mit Raketen und Mörsergranaten beschossen. Der

Angriff erfolgte bei…   https://www.tachles.ch/krieg-gegen-israel

               /Redaktion/

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                             Richard C. Schneider


                                     14. Okt. 2023

.... Analyse am Tag 8


Genau eine Woche nach der verheerenden Attacke der Hamas gegen Israels

Zivilbevölkerung steht Israel angekündigte Bodenoffensive bevor. Richard C.

Schneider erläutert wie die Situation am Vorabend…

Zum Podcast https://www.tachles.ch/krieg-gegen-israel

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https://www.tachles.ch/artikel/news/neue-herausforderung-und-skepsis



                                     BERN


                                     14. Okt 2023

.... Neue Herausforderung und Skepsis

     https://www.tachles.ch/artikel/news/neue-herausforderung-und-skepsis


Die neue Leiterin der neuen Task Force.  

https://www.tachles.ch/artikel/news/neue-herausforderung-und-skepsis

                 Als Aussenminister Ignazio Cassis am Montagabend eine

Medienkonferenz abgehalten hat, war eine Frau an seiner Seite, die eine

hochkarätige Position im Aussenministerium (EDA) bekleidet. Die 58…  

https://www.tachles.ch/artikel/news/neue-herausforderung-und-skepsis

               /Gisela Blau/

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London


                                     13. Okt 2023

.... Juden konfrontieren BBC

     https://www.tachles.ch/artikel/news/neue-herausforderung-und-skepsis


Weigerung Hamas als Terrororganisation zu bezeichnen.  

https://www.tachles.ch/artikel/news/juden-konfrontieren-bbc

                 Der Board of Deputies, die Dachorganisation der britischen

Juden konfrontiert die BBC wegen der Weigerung, Hamas als Terrororganisation

zu qualifizieren (worin die britische Nachrichtenorganisation…  

https://www.tachles.ch/artikel/news/juden-konfrontieren-bbc

               /Charles E. Ritterband/

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                             Joram Ronel


                                     11. Okt. 2023

.... Krieg verarbeiten


Über Nacht müssen Menschen weltweit mit brutalen Bildern und Geschichten

aus dem Krieg in Israel umgehen. Joram Ronel ist Chefarzt und Leiter

Abteilung Psychosomatische Medizin und Psychotherapie in…

Zum Podcast https://www.tachles.ch/artikel/news/juden-konfrontieren-bbc

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https://www.tachles.ch/artikel/news/benjamin-netanyahu-ist-fuer-all-das-verantwortlich



                                     Tel Aviv


                                     13. Okt 2023

.... «Benjamin Netanyahu ist für all das verantwortlich»

     https://www.tachles.ch/artikel/news/benjamin-netanyahu-ist-fuer-all-das-verantwortlich


Regisseur Ari Folman teilt aus gegen den Regierungschef.  

https://www.tachles.ch/artikel/news/benjamin-netanyahu-ist-fuer-all-das-verantwortlich

                 International bekannt für seine Zeichentrickfilme «Waltz

with Bashir» und «Where is Anne Frank», hat der israelische Regisseur Ari

Folman an einem italienischen Sender Benjamin Netanyahu für die…  

https://www.tachles.ch/artikel/news/benjamin-netanyahu-ist-fuer-all-das-verantwortlich

               /Andreas Mink/

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China


                                     13. Okt 2023

.... Israel setzt angeblich weissen Phosphor gegen Gaza ein

     https://www.tachles.ch/artikel/news/benjamin-netanyahu-ist-fuer-all-das-verantwortlich


Behauptung von Menschenrechts-Organisationen wird von «Washington Post»

bestätigt.  

https://www.tachles.ch/artikel/news/israel-setzt-angeblich-weissen-phosphor-gegen-gaza-ein

                 Aufnahmen eines israelischen Angriffs auf den Hafen von Gaza

am Mittwoch zeigen anscheinend den Einsatz von weissem Phosphor, so die

«Washington Post» am Freitag. Das Medium hatte Experten bei…  

https://www.tachles.ch/artikel/news/israel-setzt-angeblich-weissen-phosphor-gegen-gaza-ein

               /Andreas Mink/


Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

14.10.2023

Gaza-Eskalation: US-Diplomaten sollen Aufrufe zu einer "Waffenruhe" vermeiden

freeassange.rtde.life, 14 Okt. 2023 16:29 Uhr

Ein Memo an die Mitarbeiter legt nahe, dass Washington Israel nicht drängen wird, bei seinem Militäreinsatz in der palästinensischen Enklave Zurückhaltung zu wahren. Mehrere US-Medien haben Zugang zu einer entsprechenden internen E-Mail erhalten.


ress.com © Omar Ashtawy

Quelle: www.globallookp



Palästinensischer Sanitäter mit verletztem Kind, Gaza, 14.10.2023


Während die Kämpfe zwischen Israel und palästinensischen Aktivisten in Gaza weitergehen, hat das US-Außenministerium seinen Diplomaten geraten, Aufrufe zur "Deeskalation" oder für eine "Waffenruhe" in Gaza zu vermeiden, berichten mehrere Medien. Die US-Vertreter haben nach dem tödlichen Angriff der Hamas in der vergangenen Woche lauthals ihre Unterstützung für das "Recht auf Selbstverteidigung" des jüdischen Staates geäußert.


Nahost-Konflikt: Blockade des Gazastreifens




Nahost-Konflikt: Blockade des Gazastreifens






In einer E-Mail, die am Freitag an einen kleinen Empfängerkreis gerichtet wurde, kommunizierte das State Department, die Materialien der US-Presse sollten frei von Formulierungen bleiben wie "die Ruhe wiederherstellen", "die Gewalt/das Blutvergießen beenden" oder "Deeskalation/Waffenruhe", teilten anonyme Beamte den NBC-Nachrichten und anderen Kanälen mit.

Die Huffington Post (HuffPo), der es gelang, eine Kopie der E-Mail zu erhalten, nannte die Mitteilung ein "atemberaubendes Signal" und ein Anzeichen für die "Abneigung" des Weißen Hauses, "Israel zur Mäßigung zu drängen". Die E-Mail wurde inmitten einer neuen Serie von Luftangriffen auf Gaza verschickt, die in Erwiderung auf einen terroristischen Angriff der Hamas vergangenen Samstag erfolgten.

Nach der Anweisung befragt, sagte ein anonymer Mitarbeiter des State Department der HuffPo, dass sie keine Kommentare zu internen Kanälen abgäben.

Trotz der Diskussionen hinter den Kulissen sagte US-Außenminister Antony Blinken am Freitag auf einer Pressekonferenz in Katar zu Reportern, dass Washington gegenüber Israel die "Wichtigkeit, jede mögliche Maßnahme zu ergreifen, um Schäden für Zivilisten" in Gaza "zu vermeiden", betont hätte. Blinken fügte hinzu: "Wir erkennen an, dass viele palästinensische Familien in Gaza ohne eigenes Verschulden leiden und dass palästinensische Zivilisten das Leben verloren haben."

US-Präsident Joe Biden hatte den Angriff der Hamas vom vergangenen Wochenende als "das pure Böse" beschrieben und darauf bestanden, dass Israel das Recht habe, zu erwidern. In jüngeren Bemerkungen allerdings hat er erklärt, Washington und seine Verbündeten "hielten das Recht des Krieges aufrecht", und bat, so wurde von NBC berichtet, seinen israelischen Counterpart, Benjamin Netanjahu, in privaten Gesprächen, die zivilen Verluste in Gaza zu minimieren.


"Israels 9/11" – ein weiterer Wendepunkt in der Erosion der internationalen Hierarchie





Analyse

"Israels 9/11" – ein weiterer Wendepunkt in der Erosion der internationalen Hierarchie





Bei Treffen mit IDF-Offizieren in Israel am Freitag übermittelte US-Verteidigungsminister Lloyd Austin eine gleichlautende Botschaft, fügte der Sender hinzu, und merkte an, er habe sie gedrängt, "die internationalen Regeln der Kriegsführung einzuhalten".

Seit dem 7. Oktober wurden im Rahmen der Feindseligkeiten mindestens 1.300 Israelis sowie beinahe 1.900 Palästinenser getötet und auf beiden Seiten weitere Tausende verwundet, gaben örtliche Behörden an. Die Bombenflüge der IDF haben sich am Samstagmorgen fortgesetzt und in einigen Schlägen ganze Wohnungsblocks eingeebnet, während israelische Bodentruppen ihren ersten Vorstoß nach Gaza begonnen haben.

Die israelische Regierung hat über eine Million Einwohner in Nordgaza angewiesen, das Gebiet um ihrer eigenen Sicherheit willen zu verlassen, obwohl die Vereinten Nationen und Menschenrechtsgruppen die Anweisung verurteilt haben und sagten, dies wäre ohne massive humanitäre Folgen unmöglich umzusetzen. Als er am Freitag zu dieser Politik befragt wurde, weigerte sich der Sprecher des Weißen Hauses, John Kirby, diese zu unterstützen oder zu verurteilen, und nannte es nur "eine schwierige Aufgabe".


Mehr zum Thema - Pepe Escobar: Die Geopolitik hinter der sogenannten Operation Al-Aksa-Flut


Durch die Sperrung von RT zielt die EU darauf ab, eine kritische, nicht prowestliche Informationsquelle zum Schweigen zu bringen. Und dies nicht nur hinsichtlich des Ukraine-Kriegs. Der Zugang zu unserer Website wurde erschwert, mehrere Soziale Medien haben unsere Accounts blockiert. Es liegt nun an uns allen, ob in Deutschland und der EU auch weiterhin ein Journalismus jenseits der Mainstream-Narrative betrieben werden kann. Wenn Euch unsere Artikel gefallen, teilt sie gern überall, wo Ihr aktiv seid. Das ist möglich, denn die EU hat weder unsere Arbeit noch das Lesen und Teilen unserer Artikel verboten. Anmerkung: Allerdings hat Österreich mit der Änderung des "Audiovisuellen Mediendienst-Gesetzes" am 13. April diesbezüglich eine Änderung eingeführt, die möglicherweise auch Privatpersonen betrifft. Deswegen bitten wir Euch bis zur Klärung des Sachverhalts, in Österreich unsere Beiträge vorerst nicht in den Sozialen Medien zu teilen.

Info: https://freeassange.rtde.life/international/183734-us-diplomaten-sollen-aufrufe-zu


Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

14.10.2023

Die Ursprünge des Hamas/Israel-Kriegs

seniora.org, 14. Oktober 2023, Andrew Napolitano im Gespräch mit John J. Mearsheimer

Judge Andrew Napolitano für Judging Freedom mit John J. Mearsheimer 12. 19. 2023


(Red.) Wenn man sich die Stellungnahmen unserer westlichen Politiker zu Israel in den letzten Tagen anhört, glaubt man seinen Ohren fast nicht. Wir sind ja schon viel gewöhnt, aber das ist wirklich nicht mehr zu ertragen. Angeblich habe "der Angegriffene" hier jedes Recht, sich zu verteidigen - und zwar auch auf Kosten unschuldiger Menschen, was letztlich zu einem Völkermord führt. Nicht nur wird hier jeder historischer Rückblick ausgelassen - auch aus menschenrechtlichen Aspekten ist diese Aussage absolut unfassbar: Es soll also wirklich derjenige, der ein unmenschliches Konzentrationslager eingerichtet hat und die Kontrolle darüber führt, ein "Notwehrrecht" haben, wenn sich die Insassen des Konzentrationslagers mit den ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln versuchen, aus diesem Konzentrationslager auszubrechen? Kriegsverbrechen unaussprechlichen Ausmasses sind von beiden Seiten verübt worden. Aber statt zur Mässigung aufzurufen, wird einseitig eskaliert und damit ein Massenmord an unschuldigen Menschen propagiert. Deutschland mit seiner Geschichte von Konzentrationslagern sollte es wirklich besser wissen, friedensfördernd handeln und zu sofortigem Waffenstillstand aufrufen.(am)

Die Übersetzung und das Transkript besorgte Andreas Mylaeus(am)

Andrew Napolitano:

Hallo zusammen, Judge Andrew Napolitano hier bei Judging Freedom. Heute ist Donnerstag, der 12. Oktober 2023. Professor John Mearsheimer von der Universität von Chicago ist jetzt bei uns.

Professor Mearsheimer, wie immer ein Vergnügen. Vielen Dank, dass Sie sich die Zeit nehmen und uns aufklären. Sie sind natürlich ein weltweit anerkannter Politikwissenschaftler, Theoretiker und Historiker. Aber Sie sind auch Absolvent von West Point und haben einige Zeit in der US-Luftwaffe verbracht. Haben Sie irgendeine Idee, irgendeine Analyse, die Sie uns mitteilen können, wie der israelische Geheimdienst und das Militär am vergangenen Samstag so spektakulär versagt haben? Es war wie ein katastrophaler perfekter Sturm?

John Mearsheimer:

Ich habe den Eindruck, Judge, dass die Israelis in naher Zukunft mit einem Angriff gerechnet hatten. Ich meine, die Tatsache, dass die Hamas Israel angegriffen hat, ist an sich keine große Überraschung. Tatsächlich hat die Hamas Israel in den letzten zwei Jahrzehnten bei zahlreichen Gelegenheiten angegriffen. Dies ist also keine große Überraschung.

Ich denke, was eine große Überraschung war, ist der Umfang und die Art des Angriffs. Die Israelis hatten keine Ahnung, dass die Hamas eine Operation dieses Ausmaßes durchführen und Israel so viel Tod und Zerstörung zufügen könnte. Es war ein völliger Schock für sie, und die Wahrheit ist, dass es, glaube ich, für fast jeden, der diesen Konflikt verfolgt, ein völliger Schock war. Es ist also nicht die Tatsache, dass Israel angegriffen wurde, die die große Überraschung ausmacht. Es ist die Art des Angriffs, die die große Überraschung war, und im Übrigen waren sie auf das, was passierte, völlig unvorbereitet. Daran gibt es keinen Zweifel. Sie wurden wirklich mit heruntergelassenen Hosen erwischt.

Andrew Napolitano:

Nun, die mangelnde Vorbereitung wird meiner Meinung nach außerordentliche politische Konsequenzen in Israel haben. Es ist schwer zu glauben, dass der Premierminister, Netanjahus Premierministerschaft   – in Ermangelung eines besseren Ausdrucks oder Wortes   – dies überleben kann.

John Mearsheimer:

Ja, ich denke, das ist vergleichbar mit dem Krieg von 1973, als Golda Meir Premierministerin von Israel war, und Israel wurde damals wie heute überrascht, und Golda Meir überlebte kurzfristig, weil es kurzfristig zu einem "Rallye-um-die-Flagge-Effekt" kam, und davon hat sie damals profitiert. Und Netanyahu profitiert jetzt davon. Aber wenn sich die Sache erst einmal beruhigt hat und zu einem gewissen Ende gekommen ist, wird es Schuldzuweisungen geben, und es ist, wie Sie sagen, schwer vorstellbar, dass Netanjahu das überlebt.

Andrew Napolitano:

Einige unserer Diskussionsteilnehmer, die Sie alle kennen, haben vorgetragen, dass sich ihre Ansichten um zwei Bereiche für diese Misserfolge drehen: Der eine ist die Arroganz, der Glaube, dass wir stärker, klüger, reicher, besser sind und deshalb unmöglich angegriffen werden können. Und der andere ist ein merkwürdiges   – relativ neues Phänomen   – ein merkwürdiges Vertrauen in die KI (künstliche Intelligenz) und nicht in die menschliche Intelligenz. Haben Sie eine Meinung zu einem dieser Themen oder zu einer dieser Erklärungen als rationale Grundlage für die mangelnde Vorbereitung? Die mangelnde Vorbereitung ist auch militärisch bedingt, da man sich so sehr auf die Feier eines religiösen Festes in der Wüste konzentrierte und in anderen Bereichen große Lücken hinterließ.

John Mearsheimer:

Nun, ich glaube nicht, dass es so sehr an KI lag, und ich glaube, dass es eine gewisse Arroganz unter den Israelis gibt. Aber ich denke, dass der Schlüssel hier mit der   – nennen wir es "Vorstellung"   – von dem, was wahrscheinlich passieren würde, zu tun hat, die die Israelis in ihrem Kopf hatten. Als die Agranat Commission das israelische Scheitern im Jahr 1973 untersuchte, machte sie die "Konzeption", die "Vorstellung" dafür verantwortlich, das Bild, das die Israelis von einem ägyptischen Angriff über den Kanal im Kopf hatten. Sie hatten die falsche "Vorstellung". Und wie ich Ihnen in meinen ersten Kommentaren sagte, glaube ich, dass die Israelis eine falsche Vorstellung davon hatten, was die Palästinenser, die von Gaza aus angreifen, ihnen antun könnten. Und deshalb waren sie auch so völlig überrascht.

Noch einmal: Die Tatsache, dass die Hamas Israel angreift, ist keine große Überraschung, und sie dachten, dass sie damit umgehen könnten, wenn es passiert. Aber was sie nicht wussten, war, dass die Hamas-Angreifer eine clevere Strategie hatten, mit der sie einfach nicht gerechnet haben und auf die sie nicht vorbereitet waren. Meiner Meinung nach ist das Konzept hier das Problem, wie schon 1973.

Andrew Napolitano:

Wie ist die Hamas entstanden? Wie kam es zu ihrer Existenz?

John Mearsheimer:

Nun, ursprünglich war es die islamische Bruderschaft in Israel und nach der ersten Intifada in den späten 1980er Jahren begann sie sich zu radikalisieren und verblüffte die Israelis im Laufe der Zeit   – vor allem die hartgesottenen Israelis, die gegen die Zweistaatenlösung waren...

Andrew Napolitano:

…wie Benjamin Netanyahu?

John Mearsheimer:

Ja genau. Es ist schon erstaunlich. Sie mochten die Hamas, weil sie wussten, dass die Hamas extremistische Ansichten über eine Zweistaatenlösung hat. Mit anderen Worten: Keine Zweistaatenlösung. Und die Leute auf der rechten Seite in Israel wollten keine Zweistaatenlösung. Die Israelis verbündeten sich also in gewissem Maße   – wir müssen hier vorsichtig mit der Sprache sein   – mit der Hamas, um die Palästinensische Autonomiebehörde zu untergraben, zunächst unter Arafat, dann unter Mahmud Abbas, weil diese an einer Zwei-Staaten-Lösung interessiert war. In einer sehr wichtigen Hinsicht war Israel also bereit, mit der Hamas zu leben. Und das ist der Grund, warum sie die Hamas nicht als so große Bedrohung ansahen, denn bis zu einem gewissen Grad   – auch hier müssen wir unsere Worte sorgfältig wählen   – war die Hamas ein Partner Israels bei der Unterminierung der Palästinensischen Autonomiebehörde, die an einer Zweistaatenlösung interessiert war.

Andrew Napolitano:

Handelt es sich hier um einen intellektuellen, akademischen oder politischen Partner, oder gab es eine finanzielle Beziehung, indem Israel zu irgendeinem Zeitpunkt die Hamas finanziert hat?

John Mearsheimer:

Ich kenne keinen Beweis dafür, dass dies der Fall sein könnte. Ich denke, dass der Großteil der Finanzierung der Hamas von außerhalb kommt, aus Ländern wie Iran, Katar und so weiter und so fort. Ich glaube nicht, dass die Israelis es für nötig hielten, das zu tun. Sie hätten es vielleicht getan, wenn sie es für nötig gehalten hätten. Nochmals: Die Israelis sahen die Hamas als nützlich an, um eine Zweistaatenlösung zu untergraben, woran der Leute wie Netanjahu und viele andere Israelis seit langem interessiert sind.

Andrew Napolitano:

Wie ist das Verhältnis zwischen der Hamas und der Palästinensischen Autonomiebehörde, die von Mahmud Abbas geleitet wird?

John Mearsheimer:

Es ist schrecklich. Daran besteht kein Zweifel. Mahmud Abbas ist an einer Zwei-Staaten-Lösung interessiert. Die Hamas ist es nicht. Sie sind sich spätestens seit den Wahlen von 2006 uneinig. Aber ich könnte mir vorstellen, dass dieses jetzige Ereignis sie gezwungen hat, zusammenzukommen. Ich könnte mir vorstellen, dass es unter den Palästinensern ein Zeichen der Einigkeit gibt, so wie es auch unter den Israelis zu diesem Zeitpunkt ein Zeichen der Einigkeit gibt. Aber wie sich das im Laufe der Zeit entwickeln wird, ist sehr schwer zu sagen.

Andrew Napolitano:

Kann man sagen, dass die Hamas nicht die Regierung des Gazastreifens ist, sondern die Palästinensische Autonomiebehörde, aber die Hamas ist ein Aspekt der Gesellschaft des Gazastreifens, den die Palästinensische Autonomiebehörde nicht kontrollieren kann, so wie die Drogenbanden in Mexiko, die man nicht kontrollieren kann. Sie sind nicht die Regierung Mexikos, aber sie sind auch nicht der Regierung Mexikos unterstellt?

John Mearsheimer:

Nein. Ich denke, es ist ganz klar, dass die Hamas den Gazastreifen kontrolliert. Sie regiert den Gazastreifen und die Palästinensische Behörde kontrolliert das Westjordanland. Sie sollten sich daran erinnern, dass dort das letzte Mal 2006 eine Wahl stattgefunden hat und die Israelis uns gewarnt hatten: "Haltet diese Wahl nicht ab!" Denn die Israelis rechneten damit, dass die Hamas gewinnen würde und dann nicht nur im Gazastreifen, sondern auch im Westjordanland Einfluss haben würde. Die Amerikaner haben nicht auf die Israelis gehört. Wir haben die Wahlen abgehalten. Die Hamas hat gewonnen. Wir haben dann das Wahlergebnis untergraben, was wir im Westjordanland tun konnten, und haben dort Mahmud Abbas und die Palästinensische Autonomiebehörde eingesetzt. Aber in Gaza konnten wir das nicht tun, und das Ergebnis ist, dass die Hamas in Gaza die Kontrolle hat.

Andrew Napolitano:

Ich möchte Ihnen einen Ausschnitt vorspielen, in dem Admiral Kirby, der offizielle Sprecher des Nationalen Sicherheitsrates des Präsidenten, es ablehnt, die Frage zu beantworten, ob der ägyptische Geheimdienst von diesem Ereignis, diesem katastrophalen Angriff, vorher gewusst hat oder nicht. Das Band stammt aus einer Sendung auf Fox News. Mein Freund, Nachbar und ehemaliger Kollege Neil Cavuto hat Mike McCaul, den Vorsitzenden des Ausschusses für auswärtige Angelegenheiten des Repräsentantenhauses, bei sich, der Kirby widerspricht und unverblümt erklärt, er wisse aufgrund der ihm vorliegenden Informationen, dass die Ägypter die Israelis gewarnt hätten. Hören Sie sich das an:

[eingefügter Videoclip]

Frage:

Können Sie etwas zu den Berichten sagen, dass Israel von Ägypten gewarnt wurde?

Admiral Kirby:

Das kann ich nicht.

Frage:

McCall vom Ausschuss für Auswärtiges hat diese Behauptung heute Morgen aufgestellt und gesagt, das sei etwas, was den Mitgliedern des Geheimdienstes oder des Ausschusses für auswärtige Angelegenheiten gesagt worden sei. Wurde das denn überhaupt besprochen? Ist das etwas, dem Sie nachgehen?

Admiral Kirby:

Ich kann mich nicht zu spezifischen Geheimdienstangelegenheiten äußern. Auch hier wird es eine Zeit geben, auf die wir zurückblicken werden, wie wir es immer tun, und das werden wir. Im Moment verschärfen wir das Sammeln von Geheimdienstinformationen und die Zusammenarbeit und den Austausch mit Israel, wie wir es tun sollten, da sie an aktiven Operationen beteiligt sind, und wir stellen sicher, dass sie die Werkzeuge bekommen, die sie brauchen.

[ein weiterer eingefügter Videoclip]

Neil Cavuto:

In Ordnung, also Ihre Geheimdienstinformationen sagen also das eine, Herr Vorsitzender. John Kirby hält seine Karten vielleicht verdeckt. Seine und die des Weißen Hauses Informationen sagen aber etwas anderes. Wer hat Recht?

Michael McCaul:

Nun, wir wissen, dass der ägyptische Geheimdienst dies an Israel weitergegeben hat, und ich kann das nicht weiter vertiefen.

(Ende des eingefügten Videoclips)

Andrew Napolitano:

Aber er muss   – als Vorsitzender des Ausschusses für auswärtige Angelegenheiten des Repräsentantenhauses   – Empfänger einer geheimdienstlichen Unterrichtung gewesen sein, und dann hat er etwas von dem, was er erfahren hat, öffentlich preisgegeben. Lassen wir einmal beiseite, ob das ein Rechtsbruch ist oder nicht. Aber wenn die Ägypter es den Israelis gesagt haben, haben die Israelis es ignoriert?

John Mearsheimer:

Nun, alles hängt davon ab, was die Ägypter den Israelis gesagt haben. Haben sie ihnen gesagt, dass es in ein paar Tagen passieren würde, oder haben sie ihnen gesagt, dass es im Laufe des nächsten Monats oder so einen Angriff geben könnte? Das ist eine wichtige Frage. Die wichtigere Frage, die auf meine früheren Bemerkungen zurückgeht, lautet: Haben die Ägypter ihnen gesagt, welchen Umfang und welches Ausmaß diese Operation haben würde? Haben sie ihnen gesagt, dass dies ein noch nie dagewesener Angriff sein würde, der verheerende Folgen für Israel haben würde? Das glaube ich nicht. Ich würde eine Menge Geld darauf wetten, dass sie das nie gesagt haben. Und wenn sie das gesagt hätten, dann hätten die Israelis ernsthaft darauf geachtet.

Aber den Israelis nur zu sagen, dass die Hamas angreifen wird, ist keine große Sache. Denn was die Israelis in einem solchen Fall erwarteten, sind ein paar Raketen und vielleicht ein paar Einzelpersonen, die versuchen, den Zaun zu durchbrechen, und damit könnten sie ihrer Meinung nach umgehen. Womit sie nicht umgehen konnten, war diese clevere Strategie, mit der sie einfach nicht gerechnet haben und mit der niemand gerechnet hat, und ich wette, das gilt auch für die Ägypter.

Andrew Napolitano:

Ich möchte Ihre Meinung, Professor Mearsheimer, zu einer interessanten Analyse des russischen Präsidenten Putin hören, der, wie Sie sich vorstellen können, in einer Erklärung, die wir gleich ausstrahlen werden, die amerikanische Außenpolitik im Nahen Osten kritisiert hat. Aber seine Kritik ist sehr interessant.

[eingefügter Videoclip]

Wladimir Putin:

Leider können wir eine drastische Verschlechterung der Situation im Nahen Osten feststellen. Ich denke, viele werden mir zustimmen, dass dies ein klares Beispiel für das Scheitern der Politik der Vereinigten Staaten im Nahen Osten ist, die versucht haben, die Lösung des Konflikts zu monopolisieren, aber leider nicht darauf bedacht waren, für beide Seiten akzeptable Kompromisse zu finden. Im Gegenteil, sie förderten ihre eigenen Vorstellungen darüber, wie dies geschehen sollte, übten Druck auf beide Seiten aus, erst auf die eine, dann auf die andere Seite, ohne die grundlegenden Interessen des palästinensischen Volkes zu berücksichtigen, wobei dieses vor allem die Notwendigkeit im Auge hatte, den Beschluss des UN-Sicherheitsrates über die Schaffung eines unabhängigen, souveränen palästinensischen Staates umzusetzen.

[Ende des eingefügten Videoclips]

Andrew Napolitano:

Hat er recht?

John Mearsheimer:

Ja. Ich denke, was Putin sagt, ist etwas, was viele Amerikaner und viele Israelis schon lange sagen: Dass der einzige Ausweg aus diesem Schlamassel die Zweistaatenlösung ist, und das bedeutet, dass die Palästinenser ihren eigenen Staat im Gazastreifen, im Westjordanland und in Ostjerusalem haben und Seite an Seite mit Israel in Frieden leben müssen. Die Vereinigten Staaten sind theoretisch schon seit langem an einer Zweistaatenlösung interessiert, denn die meisten amerikanischen Politiker, und dazu gehören sicherlich Leute wie Jimmy Carter, George H.W. Bush, George W. Bush und Barack Obama, haben die Bedeutung einer Zweistaatenlösung erkannt. Aber sie waren nicht bereit, die israelische Führung zu zwingen, eine Zweistaatenlösung zu akzeptieren, und das liegt zum großen Teil an der Innenpolitik der Vereinigten Staaten. Die pro-israelischen Kräfte in den Vereinigten Staaten waren dagegen, Druck auf Israel auszuüben. Dazu gehören auch viele Menschen, die eine Zweistaatenlösung für das richtige Ergebnis hielten, aber sie wollten nicht, dass wir Israel unter Druck setzen.

Ich denke also, dass das, was Putin sagt   – und noch einmal, es ist nicht nur Putin. Das ist ein gängiges Argument innerhalb Israels und der Vereinigten Staaten   – dass es zum Wohle Israels und zum Wohle Amerikas notwendig war, hart mit Israel ins Gericht zu gehen und auf eine Zweistaatenlösung zu drängen, denn die Alternative, Andrew, wäre ein "Großisrael", wie wir es jetzt haben. Und Sie sollten nicht vergessen, dass es über 7 Millionen Palästinenser innerhalb von "Groß-Israel" gibt.

Andrew Napolitano:

Richtig, und in Israel selbst leben neuneinhalb Millionen Menschen. Israel ist so groß wie New Jersey, und seine Bevölkerung ist so groß wie die von New Jersey. Es bekommt viel mehr Geld von der Bundesregierung als New Jersey.

Ich möchte zur Ukraine überleiten, solange Sie da sind, Professor Mearsheimer. Ist die Ukraine am Ende?

John Mearsheimer:

Ja, ich denke, dass die Äußerungen von Admiral Kirby, dass wir die Ukraine nicht längerfristig finanzieren werden, im Grunde genommen bedeuten, dass sie am Ende ist. Ich meine, wie jeder versteht: Wenn wir den Ukrainern den Geldhahn zudrehen, sind sie am Ende. Sie haben weder die Waffen noch die finanziellen Mittel, um diesen Kampf fortzusetzen, und die Russen werden sie überrollen.

Präsident Biden und andere haben das Argument vorgebracht, wir stünden bis zum Ende hinter den Ukrainern und würden sie nicht im Stich lassen. Nun, wir lassen sie jetzt im Stich. Und ich kann mir nur schwer vorstellen, dass die Ukraine nicht zusammenbrechen wird, vor allem angesichts der fehlgeschlagenen Gegenoffensive.

Andrew Napolitano:

Wir möchten Ihnen zwei Clips von Admiral Kirby vorspielen. Sie haben vorstehend beide sehr schön zusammengefasst. Aber ein Bild sagt mehr als tausend Worte. Im ersten wiederholt er das Mantra von Präsident Biden: "Solange es nötig ist." Auf dem zweiten, das erst zwei Tage alt ist, sagt er: "Wow, wir können die Hilfe nicht fortsetzen, "wenn das Ende der Fahnenstange erreicht ist" ("when we're at the end of our rope").

[eingefügter Videoclip]

Frage:

Was meinen Sie damit: "So lange es braucht?" Was meinen Sie damit: "Wie sieht gewinnen aus" nach Ihrer Meinung wirklich?

Admiral John Kirby:

Nun, "solange es nötig ist" bedeutet "solange es nötig ist" und es bedeutet, dass ich nicht in der Lage bin, Ihnen ein bestimmtes Datum auf dem Kalender zu nennen, wann diese Unterstützung nicht mehr nötig sein wird. Sie ist jetzt notwendig. Sie wird in den kommenden Wochen und Monaten mit Sicherheit notwendig sein, und wir wollen sicherstellen, dass wir den Bedarf der Ukraine so gut wie möglich decken.

Und zu der Frage, "wie ein Sieg aussehen kann": Präsident Zelenksy wird bestimmen, wie ein Sieg aussieht.

(ein weiterer eingefügter Videoclip)

Admiral John Kirby:

…kurzfristig haben wir Mittel und Befugnisse für beides, für die Ukraine und für Israel. Aber man sollte nicht versuchen, langfristige Unterstützung einplanen, wenn man am Ende der Fahnenstange ist, und in der Ukraine, bei der Finanzierung der Ukraine, nähern wir uns dem Ende der Fahnenstange.

[Ende des eingefügten Videoclips]

Andrew Napolitano:

Für mich ist dies wirklich eine bemerkenswerte und erstaunliche Aussage von ihm, "wir nähern uns dem Ende der Fahnenstange", angesichts der Tatsache, dass er, der Außenminister, der Nationale Sicherheitsberater und der Präsident selbst diesen Satz, nach dem der Fragesteller fragte, "so lange es dauert", mehrfach verwendet hatten.

John Mearsheimer:

Es dreht einem tatsächlich den Magen um, wenn man das sieht. Ich meine, wie ich von Anfang an argumentiert habe, und ich weiß, dass Sie mir zustimmen, haben wir die Ukrainer auf den falschen Weg geführt (down the primrose path   – auf den Primelpfad).

[Anmerkung des Übersetzers: "Der Primelpfad" ist eine Redewendung aus Shakespeares Stück "Hamlet". Sie taucht im 1. Akt, Szene 3, auf, als Ophelia sagt: "Zeig mir nicht, wie manche ungnädigen Pastoren, den steilen und dornigen Weg zum Himmel wählen, während er selbst, wie ein aufgeblasener und leichtsinniger Wüstling, den primrose path of dalliance beschreitet."

In diesem Zusammenhang bezieht sich der "primrose path of dalliance" auf einen genussvollen und ausschweifenden Lebensstil, der voll von hedonistischem Streben und flüchtigen Vergnügungen, aber letztlich oberflächlich ist und zu negativen Konsequenzen führen kann. Er suggeriert einen Weg der Versuchung und der Sünde, im Gegensatz zu einem tugendhaften und rechtschaffenen Weg.

Wenn also jemand vom "Primelweg" spricht, meint er in der Regel einen Weg der Bequemlichkeit, des Vergnügens oder des Genusses, der auf lange Sicht zu Problemen oder negativen Folgen führen kann. Es ist eine Warnung vor den möglichen Gefahren des Strebens nach unmittelbarer Befriedigung, ohne die Konsequenzen zu bedenken].

Andrew Napolitano:

Ja.

John Mearsheimer:

Absolut furchtbar. Ich meine, wir haben dieses Land in diesen Krieg getrieben. Wir sind in erster Linie dafür verantwortlich, weil wir versucht haben, die Ukraine zu einem westlichen Bollwerk an Russlands Grenzen zu machen, und wir haben die Gegenoffensive gefördert. Wir haben sie gezwungen, Woche für Woche anzugreifen, obwohl sie enorme Verluste erlitten haben, und jetzt, wo sie wirklich in Schwierigkeiten stecken, ziehen wir ihnen den Stecker. Da dreht sich einem der Magen um. Es ist wirklich furchtbar.

Andrew Napolitano:

Wie wird das Ihrer Meinung nach enden? Ich meine, wenn wir buchstäblich am Ende unserer Kräfte sind und wir die Hilfe für die Ukraine aussetzen oder zurückfahren? Ich meine, er (Joe Biden) hat eine Menge Neocons in beiden Parteien im Kongress, die mehr Geld für die Ukraine wollen. Ich kann mir nur schwer vorstellen, dass er sein Veto einlegen wird. Aber wir werden sehen, was hier innenpolitisch passiert, sobald das Repräsentantenhaus seine Arbeit aufgenommen hat. Aber was für eine Art von Ausweg ist das, nachdem man Hilfe versprochen hat, "so lange es dauert", nachdem man hundert Milliarden Dollar ausgegeben hat   – theoretisch von den Chinesen geliehen   –, deren Zinsen in von der FED künstlich  geschaffenem digitalem Bargeld bezahlt wurden... Wie könnte das politisch gerechtfertigt werden?

John Mearsheimer:

Ich weiß es nicht. Ich meine, es ist einfach sehr schwer herauszufinden, was die beste Politik für die Ukrainer zu diesem Zeitpunkt ist. Ich meine, man könnte argumentieren, dass es für sie besser wäre, jetzt Verhandlungen aufzunehmen und alles zu tun, was sie können, um ihre Beziehungen zum Westen zu kappen, bevor der Westen die Finanzierung einstellt. Denn wahrscheinlich würden sie jetzt einen besseren Deal bekommen, als wenn sie weiter kämpfen.

Ich meine, die Wahrheit ist   – wie Sie schon sagten   –, dass wir den Ukrainern noch mindestens eine Weile Waffen und Geld geben werden, und das wird sie ermutigen, weiterzukämpfen, und die Frage ist, ob sie, sagen wir, in einem Jahr besser dran sind, wenn sie weiterkämpfen und dann versuchen, ein Abkommen zu schließen, als wenn sie jetzt ein Abkommen schließen. Meines Erachtens wären sie besser dran, wenn sie jetzt einen Deal aushandeln würden. Sie werden kein gutes Abkommen bekommen. Das ist eine Katastrophe für die Ukrainer. Aber angesichts der Situation, in der sie sich befinden, ist es fast unmöglich, vielleicht sogar tatsächlich unmöglich, eine Geschichte zu erzählen, die ein Happy End für sie hat.

Andrew Napolitano:

Richtig. Bevor wir zum Schluss kommen... Nur um zum Anfang zurückzukehren: Wie wird das enden? Wird Gaza zu einer Wüste dezimiert? Gewinnt die Hamas, indem sie am Leben bleibt, die Kontrolle behält und im Untergrund bleibt? Kommt Bibi Netanjahu deswegen ins Gefängnis?

John Mearsheimer:

Nun, ich denke, das ist sehr schwer vorherzusagen, denn vieles hängt davon ab, ob die Israelis mit Bodentruppen in den Gazastreifen einmarschieren. Es wurde viel darüber geredet, dass sie in den Gazastreifen einmarschieren und den Ort auseinandernehmen, die Hamas finden und sie auslöschen. Ich glaube aber, dass die Israelis   – das ist nur eine Vermutung   – erkannt haben, dass das keine kluge Idee ist, dass ein Einmarsch in den Gazastreifen und der Versuch, die Hamas zu eliminieren, mehr Ärger verursacht, als es wert ist, und dass am Ende, selbst wenn man die Hamas auslöschen würde, nur eine neue radikalisierte Gruppe an ihre Stelle treten würde.

Man wird das Problem nicht mit militärischer Gewalt lösen. Dies ist ein politisches Problem. Eine Frage ist also: Gehen sie rein oder gehen sie nicht rein? Aber sie befinden sich in einer "verdammt, wenn sie es tun   – verdammt, wenn sie es nicht tun"  –Situation, denn wenn sie nicht reingehen, lebt die Hamas weiter, und wird später weiter kämpfen, und sie ist gut bewaffnet und wird weiterhin Probleme verursachen. Und wenn sie nicht reingehen, bombardieren sie Gaza. Aber das ist eine totale Katastrophe. Nicht nur, weil es aus menschenrechtlicher Sicht eine absolut schreckliche Sache ist, wenn Zivilisten getötet werden.

Aber es ist auch strategisch nicht sinnvoll. Es löst das Problem nicht. Es macht die Menschen in der palästinensischen Welt, in der arabischen Welt wütend und verliert mit der Zeit sogar die Unterstützung für Israel im Westen. Bombardierungen sind also auch keine Lösung. Die Israelis befinden sich also wirklich zwischen Hammer und Amboss. Ich weiß nicht, was sie tun können, um das Problem zu lösen. Und damit komme ich auf meinen früheren Punkt zurück, dass die Lösung für dieses Problem eine Zweistaatenlösung wäre.

Andrew Napolitano:

Das stimmt. Ich muss Sie das fragen, weil Sie international so hoch angesehen sind. Was würden Sie tun, wenn Bibi Netanyahu Sie anruft und sagt: Professor Mearsheimer, geben Sie mir Ihre Ratschläge?

John Mearsheimer:

Nun, ich habe über diese Frage nachgedacht. Ich würde ihm raten, die Bombardierungen so schnell wie möglich einzustellen und diesen Weg nicht weiter zu beschreiten. Und ich würde ihm raten, nicht in den Gazastreifen einzumarschieren. Und ich würde ihm sagen, dass er und seine Kollegen den Rückwärtsgang einlegen und eine Zwei-Staaten-Lösung anstreben sollten. Aber das wird er niemals akzeptieren. Er steht einer Regierungskoalition vor, der eine Reihe von Leuten angehören, die viel weiter rechts stehen als er selbst.

Andrew Napolitano:

Richtig.

John Mearsheimer:

Und wenn man sich die demografische Entwicklung in Israel im Laufe der Zeit ansieht, dann wird dieses Land mit der Zeit immer Falken-mässiger (hawkish) und anti-palästinensischer. In Verbindung mit den gegenwärtigen Ereignissen ist eine Zwei-Staaten-Lösung fast unmöglich zu erreichen. Ich glaube, ich könnte ihm diesen Rat geben, und selbst wenn er bereit wäre, auf mich zu hören, was er nicht sein wird, könnte er ihn nicht umsetzen, weil die Politik innerhalb Israels eine Zweistaatenlösung nicht mehr zulässt. Dieser Zug ist abgefahren.

Andrew Napolitano:

Professor John Mearsheimer, es war wie immer ein Vergnügen. Vielen Dank für Ihre Einblicke und für Ihre Zeit   – das Publikum und ich wissen das sehr zu schätzen, vielen Dank.

John Mearsheimer:

Gern geschehen, Judge.

Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=ZUtkCbQpw-0


Info: https://seniora.org/index.php?option=com_acymailing&ctrl=url&subid=3998&urlid=4552&mailid=1948


Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

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