27.11.2022

The poster invitation for the Swiss event with Kernpunkte



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unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

26.11.2022

John Mearsheimer on Putin’s Ambitions After Nine Months of War

#newyorker.com, vom November 17, 2022

The realist political scientist explains why Russia’s move to annex four Ukrainian provinces isn’t imperialism.



“What motivates him is fear of Ukraine becoming a part of NATO,” John Mearsheimer says, of Vladimir Putin. (Bildunterschrift)


Zitat: Back in February, a few days after Russia launched its war in Ukraine, I spoke with the political scientist John Mearsheimer. A longtime observer of U.S. foreign policy—on which he has tended to cast a skeptical eye—Mearsheimer largely blamed Putin’s invasion on the West, arguing that, by expanding NATO, the West had cornered Russia, and made a conflict with Ukraine much more likely. Mearsheimer, a dedicated realist, had been making a version of this argument for some time. In 2014, when Putin annexed Crimea and offered support to separatists in Eastern Ukraine, Mearsheimer said that it was predominantly the fault of Europe and the United States. This June, a couple of months after our first conversation, against the backdrop of a war that was dragging on with increasing brutality, Mearsheimer said in a speech, “The United States is principally responsible for causing the Ukraine crisis.”


Zitat: Im Februar, wenige Tage nachdem Russland seinen Krieg in der Ukraine begonnen hatte, sprach ich mit dem Politikwissenschaftler John Mearsheimer. Als langjähriger Beobachter der US-Außenpolitik, die er eher skeptisch betrachtet, gab Mearsheimer dem Westen weitgehend die Schuld an Putins Invasion und argumentierte, dass der Westen Russland durch die Erweiterung der NATO in die Enge getrieben und einen Konflikt mit der Ukraine viel wahrscheinlicher gemacht habe. Mearsheimer, ein überzeugter Realist, hatte eine Version dieses Arguments schon seit einiger Zeit vorgebracht. Im Jahr 2014, als Putin die Krim annektierte und Separatisten in der Ostukraine unterstützte, sagte Mearsheimer, dass dies hauptsächlich die Schuld Europas und der Vereinigten Staaten sei. Im Juni dieses Jahres, einige Monate nach unserem ersten Gespräch, sagte Mearsheimer vor dem Hintergrund eines sich mit zunehmender Brutalität hinziehenden Krieges in einer Rede: "Die Vereinigten Staaten sind in erster Linie für die Verursachung der Ukraine-Krise verantwortlich."


Recently, Mearsheimer and I spoke by phone again. He had just returned from a trip to Hungary, where he met with Prime Minister Viktor Orbán, an ally of Putin. (Mearsheimer is the author of multiple books, perhaps most famously “The Israel Lobby and U.S. Foreign Policy,” which he co-wrote with Stephen Walt.) During our conversation, which has been edited for length and clarity, we discussed why he thinks Putin told the truth about his motives for invading Ukraine, why he doesn’t believe Putin is trying to recreate the Russian imperial era, and why he doesn’t want to discuss his meeting with Orbán.


Vor kurzem haben Mearsheimer und ich wieder miteinander telefoniert. Er war gerade von einer Reise nach Ungarn zurückgekehrt, wo er mit Premierminister Viktor Orbán, einem Verbündeten Putins, zusammentraf. (Mearsheimer ist Autor mehrerer Bücher, am bekanntesten vielleicht "The Israel Lobby and U.S. Foreign Policy", das er gemeinsam mit Stephen Walt verfasst hat.) Während unseres Gesprächs, das aus Gründen der Länge und Klarheit gekürzt wurde, sprachen wir darüber, warum er glaubt, dass Putin die Wahrheit über seine Motive für den Einmarsch in die Ukraine gesagt hat, warum er nicht glaubt, dass Putin versucht, die russische imperiale Ära wiederherzustellen, und warum er nicht über sein Treffen mit Orbán sprechen möchte.


How was the Hungary trip?

It was actually fascinating. I learned a great deal. I was there for five days, Monday to Friday. I had a three-hour meeting with Viktor Orbán.


Wie war die Reise nach Ungarn?
Sie war wirklich faszinierend. Ich habe sehr viel gelernt. Ich war dort fünf Tage lang, von Montag bis Freitag. Ich hatte ein dreistündiges Treffen mit Viktor Orbán.


I’ve heard of him.

Yeah. And I had a one-hour meeting with the President of Hungary.


Ich habe schon von ihm gehört.
Ja, ich habe von ihm gehört. Und ich hatte ein einstündiges Treffen mit dem Präsidenten von Ungarn.


Let’s just start with other stuff, and then I can ask you about that. Since the last time we talked, what in your view has changed or stayed the same about the way you see the war in Ukraine?

It has become clear that the Russians are having difficulties defeating the Ukrainians, in ways that most people didn’t anticipate back when we first talked. What also changed is that the war has escalated and the Russians are behaving more ruthlessly towards the Ukrainians than they were initially. That the Russians are now tearing apart the electric grid, which is causing immense human suffering and doing grave economic damage to Ukraine, is evidence of this.


Lassen Sie uns einfach mit anderen Dingen beginnen, und dann kann ich Sie dazu befragen. Was hat sich Ihrer Meinung nach seit unserem letzten Gespräch in Bezug auf die Art und Weise, wie Sie den Krieg in der Ukraine sehen, geändert oder ist gleich geblieben?
Es ist klar geworden, dass die Russen Schwierigkeiten haben, die Ukrainer zu besiegen, und zwar auf eine Art und Weise, die die meisten Menschen nicht erwartet hatten, als wir das erste Mal miteinander sprachen. Was sich ebenfalls geändert hat, ist, dass der Krieg eskaliert ist und die Russen sich gegenüber den Ukrainern rücksichtsloser verhalten als ursprünglich. Die Tatsache, dass die Russen jetzt das Stromnetz zerstören, was unermessliches menschliches Leid verursacht und der Ukraine großen wirtschaftlichen Schaden zufügt, ist ein Beweis dafür.


Why do you think the Russians are being so brutal?

I think the Russians want to win the war, and to win the war you invariably look for ways to escalate, to gain advantage over the other side.


Warum, glauben Sie, gehen die Russen so brutal vor?
Ich denke, die Russen wollen den Krieg gewinnen, und um den Krieg zu gewinnen, sucht man immer nach Möglichkeiten der Eskalation, um sich einen Vorteil gegenüber der anderen Seite zu verschaffen.


What do you think a Russian victory looks like to the Russians at this point?

I think their goal is to conquer and control those four oblasts that they have annexed, and to make sure that the Ukrainian rump state that is left is neutral and is not associated with NATO in any formal or informal way.


Wie sieht Ihrer Meinung nach ein russischer Sieg für die Russen zum jetzigen Zeitpunkt aus?
Ich denke, ihr Ziel ist es, die vier von ihnen annektierten Oblaste zu erobern und zu kontrollieren und sicherzustellen, dass der verbleibende ukrainische Rumpfstaat neutral ist und weder formell noch informell mit der NATO verbunden ist.


When we last talked, you told me, “My argument is that [Putin is] not going to re-create the Soviet Union or try to build a greater Russia, that he’s not interested in conquering and integrating Ukraine into Russia. It’s very important to understand that we invented this story that Putin is highly aggressive and he’s principally responsible for this crisis in Ukraine.” How do you think that argument holds up?

I think it’s still true. What we were talking about back in February was whether or not he was interested in conquering all of Ukraine, occupying it, and then integrating into a greater Russia. And I do not think he’s interested in doing that now. What he is interested in doing now that he was not interested in doing when we talked is integrating those four oblasts in the eastern part of Ukraine into Russia. I think there’s no question that his goals have escalated since the war started on February 24th, but not to the point where he’s interested in conquering all of Ukraine. But he is interested for sure in conquering a part of Ukraine and incorporating that part into Russia.


Als wir das letzte Mal miteinander sprachen, sagten Sie mir: "Mein Argument ist, dass [Putin] nicht vorhat, die Sowjetunion neu zu erschaffen oder zu versuchen, ein größeres Russland aufzubauen, dass er nicht daran interessiert ist, die Ukraine zu erobern und in Russland zu integrieren. Es ist sehr wichtig zu verstehen, dass wir die Geschichte erfunden haben, dass Putin hochaggressiv ist und die Hauptverantwortung für diese Krise in der Ukraine trägt. Was meinen Sie, wie stichhaltig dieses Argument ist?
Ich denke, es ist immer noch wahr. Wir haben im Februar darüber gesprochen, ob er daran interessiert ist, die gesamte Ukraine zu erobern, sie zu besetzen und dann in ein größeres Russland zu integrieren oder nicht. Und ich glaube nicht, dass er jetzt daran interessiert ist, das zu tun. Woran er jetzt interessiert ist, und woran er nicht interessiert war, als wir uns unterhielten, ist die Eingliederung dieser vier Oblaste im Osten der Ukraine in Russland. Ich denke, es steht außer Frage, dass seine Ziele seit Beginn des Krieges am 24. Februar eskaliert sind, aber nicht so weit, dass er an der Eroberung der gesamten Ukraine interessiert ist. Aber er ist mit Sicherheit daran interessiert, einen Teil der Ukraine zu erobern und diesen Teil in Russland einzugliedern.


Given that he is interested in integrating into Russia the parts of Ukraine that he’s conquered successfully, does that suggest that if the war had gone better for him and he’d been able to conquer more of Ukraine that he would’ve been interested in integrating those parts too?

It’s possible. It’s hard to say. I think he probably would’ve gone to Odesa and incorporated all of Ukraine that runs along the Black Sea up to Odesa into Russia. Whether he would’ve gone beyond that, it’s hard to say.


Da er daran interessiert ist, die Teile der Ukraine, die er erfolgreich erobert hat, in Russland zu integrieren, bedeutet das, dass er, wenn der Krieg für ihn besser verlaufen wäre und er mehr Teile der Ukraine hätte erobern können, auch an der Integration dieser Teile interessiert gewesen wäre?
Das ist möglich. Das ist schwer zu sagen. Ich denke, er wäre wahrscheinlich nach Odesa gegangen und hätte die gesamte Ukraine, die entlang des Schwarzen Meeres bis nach Odesa verläuft, Russland einverleibt. Ob er darüber hinaus gegangen wäre, ist schwer zu sage
n.


There was a recent article in the Times about the liberation of Kherson. In occupied Kherson, students were forced to sing the Russian national anthem. Bills had to be paid in rubles. You could be arrested for speaking Ukrainian. Students were even told that they were Russian, not Ukrainian. It seems that he is very interested in incorporating these areas.

I think that’s true. He said that Kherson is one of the four oblasts that is now part of Russia. The Russians, in fact, have annexed it. They don’t control all of it. They certainly don’t control the city of Kherson today, but they have said that they’re going to come back and take it.


Vor kurzem erschien in der Times ein Artikel über die Befreiung von Cherson. Im besetzten Cherson wurden die Studenten gezwungen, die russische Nationalhymne zu singen. Rechnungen mussten in Rubel bezahlt werden. Man konnte verhaftet werden, wenn man Ukrainisch sprach. Den Studenten wurde sogar gesagt, sie seien Russen und keine Ukrainer. Es scheint, dass er sehr daran interessiert ist, diese Bereiche einzubeziehen.
Ich glaube, das ist wahr. Er sagte, dass Cherson eine der vier Oblaste ist, die jetzt Teil Russlands sind. Die Russen haben es tatsächlich annektiert. Sie kontrollieren nicht das ganze Gebiet. Die Stadt Cherson kontrollieren sie heute sicherlich nicht, aber sie haben gesagt, dass sie zurückkommen und sie einnehmen werden.


You also said to me, back in February, “The argument that the foreign-policy establishment in the United States, and in the West more generally, has invented revolves around the claim that [Putin] is interested in creating a greater Russia.” Do you think that that’s something he’s more interested in now?

No, I’ve thought from the beginning that this conflict is all about balance-of-power politics. The conventional wisdom in the United States is that it’s not about balance-of-power politics, and, in fact, Putin is an imperialist who is interested in conquering Ukraine for the purpose of making it part of a greater Russia. I don’t think that is the case. I don’t think he had or has imperial ambitions. What motivates him is fear of Ukraine becoming a part of NATO.


Im Februar sagten Sie zu mir: "Das Argument, das das außenpolitische Establishment in den Vereinigten Staaten und im Westen im Allgemeinen erfunden hat, dreht sich um die Behauptung, dass [Putin] an der Schaffung eines größeren Russlands interessiert ist." Glauben Sie, dass er jetzt mehr daran interessiert ist?
Nein, ich war von Anfang an der Meinung, dass es in diesem Konflikt nur um das Gleichgewicht der Kräfte geht. Die gängige Meinung in den Vereinigten Staaten ist, dass es nicht um das Gleichgewicht der Mächte geht, sondern dass Putin in Wirklichkeit ein Imperialist ist, der die Ukraine erobern will, um sie zu einem Teil eines größeren Russlands zu machen. Ich glaube nicht, dass dies der Fall ist. Ich glaube nicht, dass er imperiale Ambitionen hatte oder hat. Was ihn motiviert, ist die Angst, dass die Ukraine Teil der NATO wird.


Do you think there’s a reason Putin himself has been talking about this in terms of imperial ambitions? He talked about Peter the Great. “What was [Peter] doing?” Putin asked. “Taking back and reinforcing. That’s what he did.” He then said, “And it looks like it fell on us to take back and reinforce as well,” in terms of returning land to Russia. How do you view those comments?

He did not make any comments of those sorts before February 24th. And the only such comment he has made since February 24th is the Peter the Great comment. I don’t think that’s indicative that he is interested in conquering all of Ukraine and making it part of the greater Russia. He has never said that. What he’s interested in doing is conquering those four oblasts in the eastern part of Ukraine. And he was not interested in conquering those four oblasts before the war started. It was only after the war started.


Glauben Sie, dass es einen Grund dafür gibt, dass Putin selbst von imperialen Ambitionen gesprochen hat? Er sprach über Peter den Großen. "Was hat [Peter] gemacht?" fragte Putin. "Zurückerobern und verstärken. Das ist es, was er tat." Dann sagte er: "Und es sieht so aus, als ob es uns obliegt, das Land zurückzuerobern und zu verstärken", im Sinne der Rückgabe von Land an Russland. Was halten Sie von diesen Äußerungen?

Vor dem 24. Februar hat er sich nicht in dieser Weise geäußert. Und die einzige Bemerkung dieser Art, die er seit dem 24. Februar gemacht hat, ist die Bemerkung über Peter den Großen. Ich denke nicht, dass das ein Hinweis darauf ist, dass er daran interessiert ist, die gesamte Ukraine zu erobern und sie zu einem Teil des großen Russlands zu machen. Das hat er nie gesagt. Was ihn interessiert, ist die Eroberung der vier Oblaste im östlichen Teil der Ukraine. Und er war nicht an der Eroberung dieser vier Oblaste interessiert, bevor der Krieg begann. Das war erst nach Kriegsbeginn.


We know that?

Yes.


Kennen wir das?
Ja.


Oh, O.K.

There’s no evidence that he was interested in conquering those four oblasts. The war started on February 24th. On February 21st, he gave a famous speech—this is three days before the war started—where he recognized the two oblasts in the Donbas. This is Donetsk and Lugansk. He recognized them as independent republics. So he was not interested in conquering that territory.


Oh, o.k.

Es gibt keinen Beweis dafür, dass er an der Eroberung dieser vier Oblaste interessiert war. Der Krieg begann am 24. Februar. Am 21. Februar hielt er eine berühmte Rede - drei Tage vor Kriegsbeginn -, in der er die beiden Oblaste im Donbas anerkannte. Das sind Donezk und Lugansk. Er erkannte sie als unabhängige Republiken an. Er war also nicht an der Eroberung dieses Gebiets interessiert.


He was forced into invading them?

Well, I think that what happened was, on February 24th, they invaded Ukraine. And what invariably happens when a war starts is that not only do goals escalate but the means of waging the war escalate. In terms of the goals escalating, what happened here was he decided at some point that these four oblasts would become part of Russia.


Wurde er gezwungen, dort einzumarschieren?
Nun, ich glaube, dass sie am 24. Februar in die Ukraine einmarschiert sind. Und was immer passiert, wenn ein Krieg beginnt, ist, dass nicht nur die Ziele eskalieren, sondern auch die Mittel, um den Krieg zu führen, eskalieren. Was die Eskalation der Ziele anbelangt, so hat er irgendwann beschlossen, dass diese vier Oblaste Teil Russlands werden sollen.


There was an argument about what Putin’s aims were, whether they were primarily imperialabout taking more land and integrating it into Russiaor whether they were about NATO expansion. And then the war starts, and, at least in the areas that he’s conquered, he seems to be pursuing the former goal. It feels a little unprovable to say, well, he’s only doing that now, not because the people saying so initially were right.

Well, first of all, there’s no evidence that he had imperial ambitions before the war. He would have had to say that it was desirable. There would have to be evidence that he had said that it was desirable to conquer Ukraine and incorporate it into Russia. There would have to be evidence that he had said it was feasible. And there would have to be evidence that he had said that that was what he was doing. And there is no evidence to support any of those.


Es gab einen Streit darüber, was Putins Ziele waren, ob sie in erster Linie imperialer Natur waren - es ging darum, mehr Land zu erobern und es in Russland einzugliedern - oder ob es um die Erweiterung der NATO ging. Und dann beginnt der Krieg, und zumindest in den Gebieten, die er erobert hat, scheint er das erste Ziel zu verfolgen. Es scheint ein wenig unbeweisbar zu sein, wenn man sagt, dass er das erst jetzt tut und nicht, weil die Leute, die das anfangs sagten, Recht hatten.
Nun, zunächst einmal gibt es keinen Beweis dafür, dass er vor dem Krieg imperiale Ambitionen hatte. Er hätte sagen müssen, dass dies wünschenswert ist. Es hätte Beweise dafür geben müssen, dass er gesagt hat, es sei wünschenswert, die Ukraine zu erobern und sie Russland einzuverleiben. Es müsste Beweise dafür geben, dass er gesagt hat, es sei machbar. Und es müsste Beweise dafür geben, dass er gesagt hat, dass er genau das tun würde. Und es gibt keine Beweise für irgendetwas davon.


Why would him saying one thing or the other before the war count as evidence necessarily?

Well—


Warum sollte die eine oder andere Aussage von ihm vor dem Krieg unbedingt als Beweis gelten?
Nun-


Russia meddled in the 2016 Presidential election, but Putin says they didn’t. So what does that prove or not?

All we can do is base our judgment on what his intentions were on the available evidence.


Russland hat sich in die Präsidentschaftswahlen 2016 eingemischt, aber Putin sagt, dass es das nicht getan hat. Was beweist das nun oder nicht?

Wir können nur anhand der vorliegenden Beweise beurteilen, was seine Absichten waren
.


So, not on what happened but what he said before the war?

Yes. It may be that thirty years from now we unlock the archives and discover that there is massive evidence that he was an imperialist at heart. That is possible, but we do not have any evidence of that sort at this point in time. We have a huge amount of evidence that it was NATO expansion and the more general policy of making Ukraine a western bulwark on Russia’s border that motivated him to attack on February 24th.


Es geht also nicht darum, was passiert ist, sondern was er vor dem Krieg gesagt hat?
Ja. Es kann sein, dass wir in dreißig Jahren die Archive öffnen und entdecken, dass es massive Beweise dafür gibt, dass er im Herzen ein Imperialist war. Das ist möglich, aber zum jetzigen Zeitpunkt haben wir keine Beweise dieser Art. Wir haben zahlreiche Beweise dafür, dass es die NATO-Erweiterung und die allgemeine Politik, die Ukraine zu einem westlichen Bollwerk an der Grenze Russlands zu machen, waren, die ihn zu dem Angriff am 24. Februar motivierten.


He has said that Russians and Ukrainians are one people. He said that before the war.

He said that in a famous article that he wrote on July 12, 2021. But in that same article, he made it very clear that he recognized Ukrainian nationalism, that he recognized that Ukraine was a sovereign state. There is no evidence in there that he was bent on conquering Ukraine and incorporating it into a greater Russia.


Er hat gesagt, dass Russen und Ukrainer ein Volk sind. Das hat er vor dem Krieg gesagt.
Er sagte dies in einem berühmten Artikel, den er am 12. Juli 2021 schrieb. Aber in demselben Artikel machte er sehr deutlich, dass er den ukrainischen Nationalismus anerkennt, dass er anerkennt, dass die Ukraine ein souveräner Staat ist. Es gibt keinen Hinweis darauf, dass er die Ukraine erobern und einem größeren Russland einverleiben wollte
.


Before he violated Ukrainian sovereignty, he respected Ukrainian sovereignty, because he said he did?

I’m just telling you what he said in the July 12, 2021, article that he wrote, the famous article.


Bevor er die ukrainische Souveränität verletzte, respektierte er die ukrainische Souveränität, weil er sagte, dass er das tat?
Ich sage Ihnen nur, was er in dem berühmten Artikel vom 12. Juli 2021 gesagt hat, den er geschrieben hat.


I just meant that if he’s saying that he respects Ukrainian sovereignty and then he invades Ukraine, it makes me wonder if we should believe him when he says he respects its sovereignty. I don’t know.

I have another point to make that’s really important. What we’ve been talking about are Russian intentions, and in particular, Putin’s intentions. What did he intend to do? We also have to look at capabilities. The Russians did not have the military capability to conquer all of Ukraine. At most, a hundred and ninety thousand Russian troops went into Ukraine. There is no way a hundred and ninety thousand Russian troops could come close to conquering and occupying all of Ukraine.


Ich meinte nur, wenn er sagt, dass er die ukrainische Souveränität respektiert, und dann in die Ukraine einmarschiert, dann frage ich mich, ob wir ihm glauben sollten, wenn er sagt, dass er die Souveränität der Ukraine respektiert. Ich weiß es nicht.
Ich möchte noch einen anderen, wirklich wichtigen Punkt ansprechen. Wir haben über die Absichten Russlands gesprochen, insbesondere über die Absichten Putins. Was beabsichtigt er zu tun? Wir müssen uns auch die Fähigkeiten ansehen. Die Russen hatten nicht die militärischen Möglichkeiten, die gesamte Ukraine zu erobern. Höchstens einhundertneunzigtausend russische Truppen sind in die Ukraine gegangen. Es ist unmöglich, dass hundertneunzigtausend russische Truppen auch nur annähernd die gesamte Ukraine erobern und besetzen könnten.


You could say that Donald Rumsfeld wanted to invade Iraq in 2003 with a force that wasn’t big enough to control Iraq. But that doesn’t mean that Donald Rumsfeld wasn’t leading a military that wanted to take Iraq from Saddam Hussein and subdue it, right? Just because he turned out to be wrong doesn’t necessarily say anything about his intentions, right?

The United States was not interested in conquering, occupying, and integrating Iraq into a greater United States.


Man könnte sagen, dass Donald Rumsfeld 2003 mit einer Truppe in den Irak einmarschieren wollte, die nicht groß genug war, um den Irak zu kontrollieren. Aber das heißt nicht, dass Donald Rumsfeld nicht ein Militär anführte, das den Irak von Saddam Hussein übernehmen und unterwerfen wollte, oder? Nur weil er sich geirrt hat, sagt das nicht unbedingt etwas über seine Absichten aus, oder?
Die Vereinigten Staaten waren nicht daran interessiert, den Irak zu erobern, zu besetzen und in die Vereinigten Staaten zu integrieren.


I wasn’t making that point. I was just saying that you can’t necessarily tell intent by erroneous military strategy. That’s all.

I think you can look at the capabilities of a particular state, the military capabilities of a particular state, and that tells you a lot about what they can and cannot do. And I do not think that a Russian army of approximately a hundred and ninety thousand soldiers is capable of conquering all of Ukraine. If you look at the operation itself on February 24th, they made no attempt to conquer all of Ukraine. Nothing close to that, because they didn’t have the capability.


Das habe ich nicht behauptet. Ich habe nur gesagt, dass man aus einer fehlerhaften Militärstrategie nicht unbedingt auf die Absicht schließen kann. Das ist alles.
Ich denke, man kann sich die Fähigkeiten eines bestimmten Staates ansehen, die militärischen Fähigkeiten eines bestimmten Staates, und das sagt eine Menge darüber aus, was er tun kann und was nicht. Und ich glaube nicht, dass eine russische Armee von etwa hundertneunzigtausend Soldaten in der Lage ist, die gesamte Ukraine zu erobern. Wenn man sich die Operation am 24. Februar ansieht, so haben sie nicht versucht, die gesamte Ukraine zu erobern. Nicht einmal annähernd, denn dazu waren sie nicht in der Lage.


So, it was to take the capital, but not the whole country?

Absolutely. I mean, there’s no question that he went after Kyiv. It doesn’t look like he was interested in conquering Kyiv. It looks like he was interested in threatening Kyiv for the purpose of coercing the government to change its policy on membership in NATO.


Es ging also darum, die Hauptstadt einzunehmen, aber nicht das ganze Land?
Ganz genau. Ich meine, es steht außer Frage, dass er es auf Kiew abgesehen hatte. Es sieht nicht so aus, als wäre er an der Eroberung Kiews interessiert. Es sieht so aus, als wäre er daran interessiert, Kiew zu bedrohen, um die Regierung zu zwingen, ihre Politik in Bezug auf die NATO-Mitgliedschaft zu ändern.


You gave a speech about all this and said, “One might argue that Putin was lying about his motives, that he was attempting to disguise his imperial ambitions. As it turns out, I have written a book about lying in international politics—‘Why Leaders Lie: The Truth about Lying in International Politics’—and it is clear to me that Putin was not lying.” What is it about your study of leaders and lying that makes you think Putin was not lying?

Well, first of all, leaders don’t lie to each other very often. One of the central findings in my book is that leaders lie more often to their domestic audiences than they do to international audiences, or to other foreign leaders. And the idea that Putin would have devised this massive deception campaign where he consistently lied about what the reason was for going to war would’ve been unprecedented in history. There’s just simply no other case that even comes close to any leader lying time after time for purposes of fooling the other side.


Sie hielten eine Rede über all dies und sagten: "Man könnte argumentieren, dass Putin über seine Motive gelogen hat, dass er versucht hat, seine imperialen Ambitionen zu verschleiern. Wie sich herausstellt, habe ich ein Buch über Lügen in der internationalen Politik geschrieben - 'Why Leaders Lie: The Truth about Lying in International Politics' - und es ist für mich klar, dass Putin nicht gelogen hat." Was hat Ihre Studie über Staatsoberhäupter und Lügen damit zu tun, dass Sie glauben, Putin habe nicht gelogen?
Nun, zunächst einmal lügen sich Staatsoberhäupter nicht sehr oft gegenseitig an. Eine der zentralen Erkenntnisse meines Buches ist, dass Staatsoberhäupter häufiger vor ihrem heimischen Publikum lügen als vor einem internationalen Publikum oder vor anderen ausländischen Staatsoberhäuptern. Und die Vorstellung, dass Putin diese massive Täuschungskampagne geplant hätte, bei der er konsequent über den Grund für den Kriegseintritt gelogen hätte, wäre in der Geschichte beispiellos gewesen. Es gibt einfach keinen anderen Fall, der auch nur annähernd damit vergleichbar ist, dass ein Staatsoberhaupt immer wieder lügt, um die andere Seite zu täuschen.


Would Munich be an example of a leader lying?

Munich was a single case. I mean, there’s no question that Hitler lied at Munich, and one can point to one or two other instances where Hitler lied.


Wäre München ein Beispiel dafür, dass ein Führer lügt?München war ein Einzelfall. Ich meine, es steht außer Frage, dass Hitler in München gelogen hat, und man kann auf ein oder zwei andere Fälle hinweisen, in denen Hitler gelogen hat.


Maybe more than one or two.

For Putin to have said time after time that NATO, that Ukraine in NATO, was an existential threat to Russia, when in fact it wasn’t, and this was all done to disguise the real motive, which was to incorporate Ukraine into a greater Russia for the purposes of satisfying his imperial ambitions is an argument that is just not supported by the historical record. Putin was very clear, as were all his lieutenants, that their great fear was that Ukraine was becoming a Western bulwark on Russia’s borders. For them, that was an existential threat. It was simply unacceptable.


Vielleicht mehr als ein oder zwei.
Dass Putin immer wieder behauptet hat, die NATO, die Ukraine in der NATO, sei eine existenzielle Bedrohung für Russland, obwohl das in Wirklichkeit gar nicht der Fall war, und dass dies alles nur dazu diente, das wahre Motiv zu verschleiern, nämlich die Eingliederung der Ukraine in ein größeres Russland, um seine imperialen Ambitionen zu befriedigen, ist ein Argument, das von der Geschichte einfach nicht gestützt wird. Putin und alle seine Leutnants waren sich darüber im Klaren, dass ihre große Angst darin bestand, dass die Ukraine zu einem westlichen Bollwerk an Russlands Grenzen werden könnte. Für sie war das eine existenzielle Bedrohung. Es war einfach inakzeptabel.


What about something like election interference, where Putin apparently told both Obama and Trump that he did not interfere in the election? How would we understand that?

Well, I don’t know whether the Russians interfered in the election in a serious way.


Was ist mit so etwas wie der Einmischung in die Wahlen, wo Putin offenbar sowohl Obama als auch Trump gesagt hat, dass er sich nicht in die Wahlen eingemischt hat? Wie würden wir das verstehen?
Nun, ich weiß nicht, ob sich die Russen ernsthaft in die Wahl eingemischt haben.


We don’t know that?

This is a highly disputed issue.


Das wissen wir nicht?
Dies ist eine höchst umstrittene Frage
.


I didn’t realize it was highly disputed still. That’s why I was asking.

Well, there’s the whole question of whether the Russians broke into the D.N.C. computers and gave that information to Julian Assange.


Ich wusste nicht, dass es immer noch sehr umstritten ist. Deshalb habe ich ja gefragt.
Nun, da ist die ganze Frage, ob die Russen in die D.N.C.-Computer eingebrochen sind und diese Informationen an Julian Assange weitergegeben haben.


Who broke into the D.N.C.? I haven’t been following the latest on who it was.

Look, I don’t know about this issue. I mean, you wanted to talk about Ukraine. You know what I mean? I would appreciate if you’d not use any of this discussion about the D.N.C. and so forth and so on. I mean, this is not my area of expertise.


Wer ist in das D.N.C. eingebrochen? Ich habe nicht verfolgt, wer es war.
Hören Sie, ich weiß nichts über dieses Thema. Ich meine, Sie wollten über die Ukraine sprechen. Wissen Sie, was ich meine? Ich würde es begrüßen, wenn Sie diese Diskussion über den D.N.C. und so weiter und so fort nicht benutzen würden. Ich meine, das ist nicht mein Fachgebiet...


So let’s turn to your trip to Hungary, which you mentioned at the beginning. You said you were there for five days.

I didn’t think we were going to talk about Hungary. I thought we were going to talk Ukraine and nuclear—


Kommen wir nun zu Ihrer Reise nach Ungarn, die Sie eingangs erwähnten. Sie sagten, Sie seien fünf Tage dort gewesen.
Ich hatte nicht gedacht, dass wir über Ungarn sprechen würden. Ich dachte, wir würden über die Ukraine und die Atomkraft sprechen.


I’ll ask you about nuclear weapons. How concerned are you about the risk of a nuclear war, and what do you think the United States should be doing to make sure that we don’t escalate into one?

Well, I’m very concerned about the possibility of a nuclear war. It’s impossible to say how likely it is that nuclear weapons will be used in this conflict, but there is a non-trivial chance. And of course the Biden Administration, to its credit, recognizes this and it has gone to great lengths to pursue policies that don’t put the Russians in a position where they might think about using nuclear weapons. And that’s all for the good.


Ich frage Sie zum Thema Atomwaffen. Wie besorgt sind Sie über das Risiko eines Atomkriegs, und was sollten die Vereinigten Staaten Ihrer Meinung nach tun, um eine Eskalation zu verhindern?
Nun, ich bin sehr besorgt über die Möglichkeit eines Atomkriegs. Es ist unmöglich zu sagen, wie wahrscheinlich es ist, dass in diesem Konflikt Atomwaffen eingesetzt werden, aber die Wahrscheinlichkeit ist nicht unerheblich. Und natürlich ist sich die Regierung Biden dessen bewusst und hat sich sehr bemüht, eine Politik zu verfolgen, die die Russen nicht in eine Lage bringt, in der sie über den Einsatz von Atomwaffen nachdenken könnten. Und das ist auch gut so.


And why, strategically, would they use nuclear weapons?

I think that, if they feel that their survival is at risk, they will at least countenance using nuclear weapons—and might very well use them. I can think of two scenarios where that’s possible. One is where they’re facing defeat at the hands of the Ukrainian Army inside of Ukraine. The other scenario is if the United States comes in. If you’re losing a war and losing is viewed as a threat to your survival, you are likely to think about using nuclear weapons, and maybe even use them.



Und warum sollten sie aus strategischen Gründen Atomwaffen einsetzen?
Ich denke, wenn sie das Gefühl haben, dass ihr Überleben gefährdet ist, werden sie den Einsatz von Atomwaffen zumindest in Erwägung ziehen - und sie könnten sie sehr wohl einsetzen. Ich kann mir zwei Szenarien vorstellen, in denen das möglich ist. Das eine ist, wenn sie eine Niederlage gegen die ukrainische Armee innerhalb der Ukraine erleiden. Das andere Szenario ist, wenn die Vereinigten Staaten eingreifen. Wenn man einen Krieg verliert und die Niederlage als Bedrohung für das eigene Überleben angesehen wird, wird man wahrscheinlich über den Einsatz von Atomwaffen nachdenken und sie vielleicht sogar einsetzen.


Right, although nuclear weapons have never been used by a power who was about to lose a war. They have only been used once in wartime, and it was by America, which was winning.

The reason the United States used those nuclear weapons was that it was desperate to avoid having to invade the Japanese home islands. If you fast forward to the Ukraine situation, assuming that the Ukrainians are rolling up the Russian forces inside Ukraine and they’re pushing the Russian forces out of Ukraine, it’s easy to imagine the Russians using nuclear weapons in Ukraine because they would not have to fear nuclear retaliation. Ukraine has no nuclear weapon, and the United States is certainly not going to use nuclear weapons if the Russians only use them in Ukraine.


Richtig, obwohl Atomwaffen noch nie von einer Macht eingesetzt wurden, die dabei war, einen Krieg zu verlieren. Sie wurden nur ein einziges Mal in einem Krieg eingesetzt, und zwar von Amerika, das dabei war, zu gewinnen.
Der Grund für den Einsatz dieser Atomwaffen war, dass die Vereinigten Staaten verzweifelt versuchten, eine Invasion der japanischen Heimatinseln zu vermeiden. Wenn man sich die Situation in der Ukraine vergegenwärtigt und davon ausgeht, dass die Ukrainer die russischen Streitkräfte innerhalb der Ukraine aufrollen und die russischen Streitkräfte aus der Ukraine herausdrängen, kann man sich leicht vorstellen, dass die Russen in der Ukraine Atomwaffen einsetzen, weil sie keine nukleare Vergeltung befürchten müssen. Die Ukraine hat keine Atomwaffen, und die Vereinigten Staaten werden sicherlich keine Atomwaffen einsetzen, wenn die Russen sie nur in der Ukraine einsetzen.


I am curious about your meeting with Orbán, because it seems like he is maybe trying to play somewhat of a mediating role. What can you tell me about your trip? You said you were there for five days.

I think the Hungarians are deeply interested in ending this war as soon as possible. The Hungarians, as opposed to the Poles, are not interested in further escalation. They want to de-escalate the war. And, in fact, the Orbán government is not happy at all about sanctions, and it’s not happy about NATO’s efforts to try to defeat Russia inside of Ukraine. The basic belief in Hungary is that this is just making the bad situation worse, and instead of escalating, what we should be doing is everything possible to de-escalate.


Ich bin neugierig auf Ihr Treffen mit Orbán, denn es hat den Anschein, dass er vielleicht versucht, eine Art Vermittlerrolle zu spielen. Was können Sie mir über Ihre Reise erzählen? Sie sagten, Sie waren fünf Tage lang dort.
Ich glaube, die Ungarn sind sehr daran interessiert, diesen Krieg so schnell wie möglich zu beenden. Die Ungarn sind, im Gegensatz zu den Polen, nicht an einer weiteren Eskalation interessiert. Sie wollen den Krieg deeskalieren. Und tatsächlich ist die Regierung Orbán überhaupt nicht glücklich über die Sanktionen, und sie ist nicht glücklich über die Bemühungen der NATO, Russland innerhalb der Ukraine zu besiegen. Die Grundüberzeugung in Ungarn ist, dass dies die schlechte Situation nur noch verschlimmert, und dass wir, anstatt zu eskalieren, alles tun sollten, um zu deeskalieren.


I know Orbán said that the “hope for peace is named Donald Trump,” and suggested him as a mediator in terms of bringing the war to an end.

I don’t know that.

Orbán tweeted, “The #liberals have got it all wrong - that’s the bottom-line of our great conversation with Prof Mearsheimer today. We–”

Look, I don’t want to talk about Orbán. You told me that we were going to talk about Ukraine.


Ich weiß, dass Orbán gesagt hat, die "Hoffnung auf Frieden heißt Donald Trump", und ihn als Vermittler vorgeschlagen hat, um den Krieg zu beenden.
Das weiß ich aber nicht.
Orbán twitterte: "Die #Liberalen haben alles falsch verstanden - das ist die Quintessenz unseres großartigen Gesprächs mit Prof. Mearsheimer heute. Wir..."
Hören Sie, ich möchte nicht über Orbán sprechen. Sie haben mir gesagt, dass wir über die Ukraine sprechen würden.


We did talk about Ukraine.

Right, but I don’t want to talk about my visit to Hungary and my talk with Orbán. I really don’t. I mean, I answered that one question, yes, but I just don’t want to get into that. I really don’t want you quoting me on anything other than what I just said a minute ago. I mean, you should tell me what you want to talk about. Because you know that I’m in a very delicate position when I talk to you.


Wir haben über die Ukraine gesprochen.
Richtig, aber ich möchte nicht über meinen Besuch in Ungarn und mein Gespräch mit Orbán sprechen. Das möchte ich wirklich nicht. Ich meine, ich habe diese eine Frage beantwortet, ja, aber ich möchte nicht darauf eingehen. Ich möchte wirklich nicht, dass Sie mich zu etwas anderem zitieren als dem, was ich gerade eben gesagt habe. Ich meine, Sie sollten mir sagen, worüber Sie reden wollen. Denn Sie wissen, dass ich mich in einer sehr heiklen Lage befinde, wenn ich mit Ihnen rede.


No, tell me why. I don’t know that.

This is off the record.


Nein, sagen Sie mir, warum. Das weiß ich nicht.
Das ist ein inoffizielles Gespräch.


This conversation’s on the record, so can we keep it on the record?

I don’t want to talk about this. I actually think this is unfair to me. I think you’re being unfair. You wanted to talk about Ukraine and you wanted to talk about mainly nuclear issues.


Das Gespräch ist vertraulich, also können wir es auch vertraulich behandeln?
Ich möchte nicht darüber reden. Ich finde das eigentlich unfair mir gegenüber. Ich denke, Sie sind unfair. Sie wollten über die Ukraine sprechen und Sie wollten hauptsächlich über nukleare Fragen sprechen.


Right. I told you over e-mail that I wanted to talk about Ukraine. You e-mailed me back and said you were in Hungary. I noticed that Orbán had tweeted about you, and I thought we could talk about that.

You did not say that. You did not say that. You said you wanted to talk about Ukraine. And you said you wanted to talk about nuclear issues.



Das stimmt. Ich habe Ihnen per E-Mail gesagt, dass ich über die Ukraine sprechen möchte. Sie haben mir zurückgemailt und gesagt, Sie seien in Ungarn. Mir ist aufgefallen, dass Orbán über Sie getwittert hat, und ich dachte, wir könnten darüber reden.
Das haben Sie nicht gesagt. Nein, das haben Sie nicht gesagt. Sie sagten, Sie wollten über die Ukraine sprechen. Und Sie sagten, Sie wollten über die Atomfrage sprechen.


Well, you did talk about both those things. If you don’t want to talk about Hungary, then you absolutely don’t have to. No one’s forcing you to talk about Hungary.

I don’t want to. I told you. I don’t want to talk about Hungary.


Nun, Sie haben über diese beiden Dinge gesprochen. Wenn Sie nicht über Ungarn sprechen wollen, dann müssen Sie das auch nicht. Niemand zwingt Sie dazu, über Ungarn zu sprechen.
Ich will es nicht. Das habe ich Ihnen gesagt. Ich möchte nicht über Ungarn sprechen.


When the head of a country tweets a photo of you and him, I think it’s fair to ask you about it.

I just told you I didn’t want to talk about Hungary. ♦


Wenn der Staatschef eines Landes ein Foto von Ihnen und ihm twittert, finde ich es nur fair, Sie danach zu fragen.
Ich habe Ihnen gerade gesagt, dass ich nicht über Ungarn sprechen möchte. 



Isaac Chotiner is a staff writer at The New Yorker, where he is the principal contributor to Q. & A., a series of interviews with public figures in politics, media, books, business, technology, and more.

More:Foreign PolicyUkraineRussiaVladimir PutinNATOWar


Info: https://www.newyorker.com/news/q-and-a/john-mearsheimer-on-putins-ambitions-after-nine-months-of-war?utm_source=nl&utm_brand=tny&utm_mailing=TNY_Daily_111722&utm_campaign=aud-dev&utm_medium=email&utm_term=tny_daily_digest&bxid=5bea0be92ddf9c72dc8d2622&cndid=51541607&hasha=e45e7c9ac381965f1f75bae2f3d9bc6b&hashb=26b8edf3a765f9efed0d266959b199fd531fc32e&hashc=30ec8c5cf306b881a5ff202c0d8cc724181ce2fb0cc9c6e54f7eaf39c110941c&esrc=register-page&mbid=CRMNYR012019


(Übersetzt mit www.DeepL.com/Translator (kostenlose Version)


unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

26.11.2022

Ach, nee – ein Sabotage-Akt

kpkrause.de, vom 19. November 2022
Die Mitteilung aus Schweden über die Zerstörung der Nord-Stream-Erdgasleitung ist ein Witz – Dass es sich um einen staatlichen Terrorakt handelt, liegt von Anfang an offen zutage – Der Anschlag  und die Tätersuche in einem ganz anderen Licht gesehen – Die wichtigsten Information sind schon vorhanden, das Wie und das Wer nur Kulisse für die Öffentlichkeit

Ach, nee. Ein Sabotage-Akt. Wer hätte das gedacht. Ein schwerer gar. Zu dieser umwerfenden Erkenntnis haben die schwedischen Ermittler sieben lange Wochen gebraucht.*) Am 18. November teilten sie mit, was mit den beiden gesprengten Gasleitungen Nord Stream 1 und 2 geschehen ist, als sei die Öffentlichkeit bis jetzt völlig ahnungslos gewesen und werde die Mitteilung als ganz und gar unerwartete Neuigkeit aufnehmen.


Die Mitteilung aus Schweden ist ein Witz. Dass sich solche Gasleitungen selbst sprengen, kommt ziemlich selten vor. Dass es also Sabotage war, liegt offen zutage. Ebenso, dass es sich um einen staatlichen Terrorakt handelt. Selbst die EU hatte gleich erklärt, es handele sich um einen bewussten Sabotage-Akt (hier). Seismologische Messstationen haben schwere Erschütterungen aufgezeichnet. Nach einer dänischen Mitteilung haben heftige Explosionen die Röhren aufgerissen. Von den vier Rohren der beiden Pipelines sind von Nord Stream 1 zwei zerstört worden und von Nord Stream 2 eine. Durch die erste Pipeline hatte Russland schon seit Wochen kein Gas mehr nach Deutschland geliefert. Die zweite hatte Deutschland wegen westlichen Widerstands noch gar nicht in Betrieb genommen, war aber mit Gas schon gefüllt.


Die USA als der Hauptverdächtigte

Wer hinter dem Anschlag steckt, war ebenfalls nicht schwer auszumachen. Der große Nutznießer des Zerstörungswerks sind als Hauptverdächtigter die USA (siehe meine Beiträge vom 28. September hier und vom 6. Oktober hier). Gegner vor allem von Nord Stream 2 sind sie von Anfang an gewesen. Zu den Gegnern der Leitungen und zu den Profiteuren des Terroraktes gehören auch Länder wie Polen und die Ukraine (hier und hier). Möglich ist daher, dass die USA nicht direkt selbst Hand an die Rohrleitungen gelegt haben, sondern die Sprengung von Spezialeinheiten eines anderen Staates haben vornehmen lassen. Aber Schweden hütet sich, Namen zu nennen – sei es aus Unwissen, sei es aus diplomatischer Rücksichtnahme oder aus juristischen Erwägungen. Der  zuständige schwedische Oberstaatsanwalt teilte mit, ob jemand einer Straftat verdächtigt werden könne, würden die laufenden Ermittlungen zeigen. Das wird dauern und soll vermutlich auch dauern.


Russland als Täter wäre ideal, aber wo ist dessen glaubhaftes Motiv?

Am liebsten würde man Russland und Putin die Tat in die Schuhe schieben. Versuche hat es umgehend gegeben (zum Beispiel hier, hier und hier). Die meisten amerikanischen Mainstream-Medien taten es ebenfalls sofort (hier). Aber warum soll Russland Gasleitungen sprengen, mit denen es Geld verdienen will und muss? Mit welchem nachvollziehbaren Motiv? Die Gaspreise in die Höhe treiben? Das hätte ohne den kostspieligen Bau von Nord Stream (= Angebot knapp halten statt ausweiten) eher geklappt. Die offizielle Suche nach dem Täterstaat wird nicht erfolgreich sein dürfen und daher ewig dauern. Wir sollen und werden den Namen des Täters und seiner Helfer nicht erfahren, wenn es die schon genannten Verdächtigten sind. Den erfahren wir nur dann, wenn es mit argumentativen Verrenkungen gelänge, Russland und Putin die Tat anzuhängen, und wenn der Medien-Mainstream den Schwindel als glaubhaft darstellte und die Mehrheit der Bevölkerung ihn schluckte.


Der Anschlag und die Tätersuche in einem ganz anderen Licht gesehen

In einem Beitrag mit dem Titel „Nordstream-Sabotage – Ein tieferer Tauchgang“ vom 3. Oktober wird der Zerstörungsakt gegen Nord Stream in ein ganz anderes Licht getaucht und eingebunden in diktatorische  Vorhaben auf globaler Ebene wie Great Reset, New World Order, Große Transformation. Wisse man um dieses gemeinsame Ziel der global Mächtigen in Wirtschaft und Politik, sei es nicht entscheidend zu wissen, wer denn nun wirklich der Nord-Stream-Täter war. Das Rätseln darüber sei nur Spielmaterial für die Medien und die Bevölkerung im Verwirrspiel um gemeinsame Absichten zur totalitären Machtgewinnung. Man habe doch bereits festgestellt, dass die Sanktionen nicht wirklich Russland schaden sollen, sondern der Wirtschaft des Westens selbst und dass der Ukraine-Krieg dazu benutzt werde, den durch die Corona-„Pandemie“ bereits absichtlich herbeigeführten wirtschaftlichen Abschwung zu entschuldigen und zu verschärfen. Und bedeute das nicht im Umkehrschluss, dass alle geopolitischen Verästelungen letztlich in weitere Vorwände umgemünzt würden, um die wirtschaftlichen Grundlagen unserer Gesellschaft zu zermürben?


Die wichtigsten Information sind schon vorhanden

Der Autor des Beitrags, Kit Knightly, schreibt: „Ich behaupte, dass wir auch bei der Nordstream-Sabotage schon über die wichtigsten Informationen verfügen:

  • Wir wissen, dass die globale Elite darauf aus ist, die Welt zu zerstören und neu zu gestalten.
  • Wir wissen, dass fast jede globale Regierung mit diesem Plan kooperiert.
  • Wir wissen, dass sie zumindest in den letzten zwei Jahren weltweit zusammengearbeitet haben, um die Wirtschaft und insbesondere die Energiekosten zu sabotieren.
  • Und wir wissen, dass die (angebliche) Sprengung von Nordstream genau in diese Agenda passt.


Das Wie und das Wer sind nur Kulisse für die Öffentlichkeit

Würde die Kenntnis der genauen Namen und Nationalitäten der direkt für die Sabotage verantwortlichen Personen etwas daran ändern? Wenn ein Russe die Bombe platziert hat, bedeutet das, dass die NATO die Guten sind? Wenn es ein Amerikaner war, sind dann wieder die Russen die Helden? Sicherlich werden sie verschiedene Versionen propagieren und sie benutzen, um uns in verschiedene Angst- oder Abscheu-Szenarien zu verwickeln – in der Hoffnung, uns von der eigentlichen Frage abzulenken. Das Wie und das Wer ist nur Kulisse für die Öffentlichkeit.“

Die „offizielle Geschichte“ werde nie beweisen, wer die Pipeline bombardiert habe. Das sei auch gar nicht beabsichtigt, eine Auflösung nicht erwünscht. „Stattdessen wird Team A uns ermutigen, Team B zu beschuldigen, und umgekehrt. Die Medien werden über Beweise berichten, die Russland belasten, während andere Beweise ‚durchsickern‘, die darauf hindeuten, dass die NATO verantwortlich ist. Beide Narrative werden gerade so viel Nahrung erhalten, dass die Diskussion so lange wie nötig und in jede beliebige Richtung weitergeht.“  Den ganzen Beitrag finden Sie (in Englisch) hier und (in Deutsch) hier.

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*) FAZ vom 19. November 2022, Seite 1 und 2.


Ein Kommentar zu „Ach, nee – ein Sabotage-Akt“

„Dass es sich um einen staatlichen Terrorakt handelt, liegt von Anfang an offen zutage“ Echt? Ja gut, bei den Russen weiß man nie…

Hahaha, die halten uns alle für bekloppt.


Info: https://kpkrause.de/2022/11/19/ach-nee-ein-sabotage-akt


unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

26.11.2022

Nachrichten von Pressenza: Internationaler Appell für einen Waffelstillstand in der Ukraine über Weihnachten

aus e-mail von, Nachrichten von Pressenza - 26.11.2022 7:15 Uhr


Internationaler Appell für einen Waffelstillstand in der Ukraine über Weihnachten


Lasst uns für das diesjährige Weihnachts- und Neujahrsfest 2022/23, vom 25. Dezember bis zum 7. Januar, zu einem Waffenstillstand in der Ukraine aufrufen – als Zeichen der Menschlichkeit, Versöhnung und des Friedens. Der weihnachtliche Waffenstillstand von 1914 inmitten des Ersten…

http://www.pressenza.net/?l=de&track=2022/11/internationaler-appell-fuer-einen-waffelstillstand-in-der-ukraine-ueber-weihnachten/


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Abissa an der Elfenbeinküste: Feier im Dienste des Friedens und des sozialen Zusammenhalts


Grand Bassam, die ehemalige Hauptstadt des Landes, wird jedes Jahr für zwei Wochen zum Leben erweckt. Das ist die unvermeidliche Abissa, der Augenblick, in dem für die Nzima Kotoko, ein Akan-Volk von der Elfenbeinküste und aus Ghana, das neue Jahr…

http://www.pressenza.net/?l=de&track=2022/11/abissa-an-der-elfenbeinkueste-feier-im-dienste-des-friedens-und-des-sozialen-zusammenhalts/


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Orange the World-Kampagne – Internationaler Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen


Heute ist der Internationale Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen – und somit auch der Start der Orange the World-Kampagne gegen Gewalt an Frauen 2022! Weltweit ist jede dritte Frau im Laufe ihres Lebens von physischer, psychischer und/oder sexueller…

http://www.pressenza.net/?l=de&track=2022/11/orange-the-world-kampagne-internationaler-tag-zur-beseitigung-von-gewalt-gegen-frauen/


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Pressenza - ist eine internationale Presseagentur, die sich auf Nachrichten zu den Themen Frieden und Gewaltfreiheit spezialisiert hat, mit Vertretungen in Athen, Barcelona, Berlin, Bordeaux, Brüssel, Budapest, Buenos Aires, Florenz, Lima, London, Madrid, Mailand, Manila, Mar del Plata, Montreal, München, New York, Paris, Porto, Quito, Rom, Santiago, Sao Paulo, Turin, Valencia und Wien.

26.11.2022

The Corporate Media Deference That Endangers Us All

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consortiumnews.com, November 25, 2022, Volume 27, Number 329 — Friday

ntary, Intelligence, Media, Nuclear Weapons, Poland, Russia, Ukraine The Corporate Media Deference That Endangers Us All

November 24, 2022

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A comment from an editor at the Associated Press epitomizes the danger mainstream media creates with its routine deference to intelligence sources, writes Caitlin Johnstone. 

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By Caitlin Johnstone
CaitlinJohnstone.com

The Associated Press journalist who reported a U.S. intelligence official’s false claim that Russia had launched missiles at Poland last week has been fired

As we discussed previously, AP’s anonymously sourced report which said, “A senior U.S. intelligence official says Russian missiles crossed into NATO member Poland, killing two people” went viral because of the massive implications of direct hot warfare erupting between Russia and the NATO alliance.

AP subsequently retracted its story as the mainstream political/media class came to accept that it was in fact a Ukrainian missile that had struck Poland.

AP’s firing of reporter James LaPorta looks at this time to be the end point of any accountability for the circulation of this extremely dangerous falsehood.

AP spokesperson Lauren Easton says no disciplinary action will be taken against the editors who waved the bogus story through, and to this day the public has been kept in the dark about the identity of the U.S. official who fed such extremely egregious misinformation or disinformation to the public through the mainstream press. 

It is utterly inexcusable for AP to continue to protect the anonymity of a government official who fed them such a profoundly significant falsehood.

This didn’t just affect AP staff, it affected the whole world; we deserve to know what happened and who was responsible, and AP has no business obstructing that knowledge from us.

LaPorta’s firing looks like this is yet another instance where the least powerful person involved in a debacle is being made to take the fall for it.

A powerful intelligence official will suffer no consequences for feeding false information to the press — thereby ensuring that it will happen again — and no disciplinary action will be taken against LaPorta’s superiors, despite the absolute buffoonery that subsequent reporting has revealed on their part.

In an article titled “Associated Press reporter fired over erroneous story on Russian attack,” The Washington Post reports the following (emphasis added):

“Internal AP communications viewed by The Post show some confusion and misunderstanding during the preparations of the erroneous report.

LaPorta shared the U.S. official’s tip in an electronic message around 1:30 p.m. Eastern time. An editor immediately asked if AP should issue an alert on his tip, ‘or would we need confirmation from another source and/or Poland?’

After further discussion, a second editor said she “would vote” for publishing an alert, adding, ‘I can’t imagine a U.S. intelligence official would be wrong on this.’”

“I can’t imagine a US intelligence official would be wrong on this.”

Can you imagine not being able to imagine a U.S. intelligence official being wrong?

This would be an unacceptable position for any educated adult to hold, much less a journalist, still less an editor, and still less an editor of one of the most influential news agencies on earth.

These are the people who publish the news reports we read to find out what’s happening in the world. This is the baby-brained level of thinking these people are serving the public interest with.

Antiwar commentator Daniel Larison writes the following of the AP editor’s shocking quote:

“Skepticism about official claims should always be the watchword for journalists and analysts. These are claims that need more scrutiny than usual rather than less. If you can’t imagine that an intelligence official could get something important wrong, whether by accident or on purpose, you are taking far too many things for granted that need to be questioned and checked out first.

Intelligence officials of many governments feed information to journalists and have done so practically ever since there was a popular press to feed information to, and that information certainly should not be trusted just because an official source hands it over. It is also always possible for intelligence officials to just get things wrong, whether it is because they are relying on faulty information or because they were too hasty in reaching conclusions about what they think they know.

Whether the AP’s source was feeding them a line or was simply mistaken, a claim as provocative and serious as this one should have been checked out much more thoroughly before it got anywhere near publication. The AP report in this case seems to have been a combination of a story that was “too good to check” and a culture of deference to official sources in which the editors didn’t feel compelled to make the effort to check.”

Indeed, the only reason the press receive such explicit protections in the U.S. Constitution is because they are supposed to hold the powerful to account.

[In his 1971 opinion in the Pentagon Papers case, U.S. Supreme Court Justice Hugo Black wrote: “In the First Amendment the Founding Fathers gave the free press the protection it must have to fulfill its essential role in our democracy. The press was to serve the governed, not the governors. The Government’s power to censor the press was abolished so that the press would remain forever free to censure the Government.”]

If the editors of a wildly influential news agency will just unquestioningly parrot whatever they are fed by government officials while simultaneously protecting those officials with anonymity, they are not holding the powerful to account, and are in fact not meaningfully different from state propagandists.

They are state propagandists. Which is probably why they are sipping lattes in the AP newsroom while Julian Assange languishes in prison.

As Jacobin’s Branko Marcetic observed, this is far from the first time AP has given the cover of anonymity to US government officials circulating bogus claims of potentially dangerous consequence, like the time it reported an official’s evidence-free assertion which later proved false that Iran had carried out an attack on four oil tankers off the coast of the United Arab Emirates, or the time it let another one anonymously claim that “Iran may try to take advantage of America’s troop withdrawals from Iraq and Afghanistan.”

So to recap  —

  • Powerful government official who fed AP a false story: Zero accountability
  • AP editor who asked if a report should immediately be published upon receipt of the story: Zero accountability
  • Second AP editor who says she can’t imagine a U.S. intelligence official would be wrong:  Zero accountability
  • Journalist who wrote the story: Singular accountability

In a sane society, power and responsibility would go hand in hand. A disaster would be blamed on the most powerful people involved in its occurrence. In our society it’s generally the exact opposite, with the rank-and-file taking all of the responsibility and none of the power.

Our rulers lie to us, propagandize us, endanger us, impoverish us, destroy journalism, start wars, kill our biosphere and make our world dark and confusing, and they suffer no consequences for it.

We cannot allow them to continue holding all of the power and none of the responsibility. This is backwards and must end.

Caitlin Johnstone’s work is entirely reader-supported, so if you enjoyed this piece please consider sharing it around, following her on FacebookTwitterSoundcloud or YouTube, or throwing some money into her tip jar on Ko-fiPatreon or Paypal. If you want to read more you can buy her books. The best way to make sure you see the stuff she publishes is to subscribe to the mailing list at her website or on Substack, which will get you an email notification for everything she publishes.  For more info on who she is, where she stands and what she’s trying to do with her platform, click here. All works are co-authored with her American husband Tim Foley.


This article is from CaitlinJohnstone.com and re-published with permission.

The views expressed are solely those of the author and may or may not reflect those of Consortium News.

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Info: https://consortiumnews.com/2022/11/24/the-corporate-media-deference-that-endangers-us-all


unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

25.11.2022

Journalisten in der Schußlinie

seniora.org, 25. November 2022, Von Sharmine Narwani 26. Oktober 2022  – übernommen mit freundlicher Genehmigung von TheCradle.co

Die Diskreditierung von Journalisten, die sich gegen die herrschende Meinung der Medienkonzerne auflehnen, wird immer mehr zu einer Art Heimindustrie. Letzte Woche war ich an der Reihe.


Die Industrie der Fälschungen: Dank der Täuschungsmöglichkeiten der neuen Technologien kann man Worten, Bildern, Videos oder Audios nicht mehr trauen. Wir haben dieses gefälschte Bild in nur einer Stunde erstellt.

cradle Qasem Soleimani Mike Pompeo and Sharmine Narwani Qasem-Soleimani-Mike-Pompeo-and-Sharmine-Narwani - Bildnachweis: The Cradle


Letzte Woche machte ein Cache mit rund 17.000 Dokumenten, die angeblich von der iranischen Medienanstalt Press TV gehackt wurden, in den sozialen Medien die Runde. Darunter sind auch Dokumente, die meinen Namen, mein Passfoto und meine Unterschrift tragen.


In den letzten sechs Tagen wurde ich auf Twitter unablässig von angeblichen "iranischen" Konten angegriffen, die mich beschuldigten, ein bezahlter Propagandist der iranischen Regierung und des Korps der Islamischen Revolutionsgarden (IRGC) zu sein, und zwar auf der Grundlage einer skurrilen Zusammenstellung von Informationsfragmenten, um ein falsches Bild von meinem Journalismus zu erzeugen.


Diese "Krieger für die Rechte der Frauen" in den sozialen Medien stürzen sich hauptsächlich auf meine Beiträge und Follower und spucken abfällige Beleidigungen aus, die sich auf mein Geschlecht beziehen. "Hure" und farbenfrohe Versionen dieses Wortes scheinen ihr Lieblingsrefrain zu sein, aber viele bedrohen auch mein Leben und meine Sicherheit. Auf Persisch fühlt sich diese Art von Sprache noch schwerer, beschämender und bedrohlicher an.


cradle sharmine narwani z

Sharmine Narwani ist eine in Beirut ansässige Autorin und Analystin für westasiatische Geopolitik und Kolumnistin bei The Cradle. Ihre Arbeiten wurden in zahlreichen Medien veröffentlicht, darunter The American Conservative, Russia Today, The New York Times, USA Today, The Guardian, Al-Akhbar English, Assafir, Huffington Post, BRICS Post, Salon.com, Al Jazeera und andere.

 




Lassen Sie mich zunächst kategorisch bestreiten, dass ich von Press TV oder einer anderen iranischen Institution dafür bezahlt werde, Propaganda zu verbreiten. Seit 2009, als ich nach einer Zeit in der Telekommunikationsbranche in den Journalismus zurückkehrte, habe ich meine Ansichten über den Iran, Israel, Westasien und die US-Außenpolitik in zahllosen Artikeln deutlich gemacht, von denen Sie viele in meinem Archiv hier finden.


In den 13 Jahren dazwischen hat sich an meinen Ansichten nichts geändert, außer dass sie weiter verfeinert und informiert worden sind. Der Krieg in Syrien hat mir das angetan. Das Ausmaß an Betrug, Täuschung und ausländischer Manipulation, das ich in diesem Konflikt miterlebt habe, hat alle Zweifel an den Absichten und Fähigkeiten des Westens beseitigt, die ich aufgrund meiner Erziehung in Großbritannien und den Vereinigten Staaten hegte.


Wenn meine Ansichten mit denen von Xi Jinping, Wladimir Putin oder Ali Khamenei übereinstimmen, dann ist das alles, was sie sind: gemeinsame persönliche Visionen, die aus der jahrelangen Beobachtung der westlichen Doppelzüngigkeit entstanden sind, die die Welt in den Ruin getrieben hat - überall bricht Chaos aus. Es gibt heute viele andere Europäer, die die Nase voll haben von den von den USA angezettelten und angeheizten Patt-Situationen mit Russland und China. Viele verstehen das Versprechen von 'Eurasien' und möchten sich von den Fesseln des 'Atlantismus' lösen.


Und sie werden auch nicht von den Russen, Iranern oder Chinesen bezahlt.


Die Industrie der Fälschungen 

Von der Künstlichen Intelligenz (KI) bis hin zu Deep Fakes sind wir alle mit den faszinierenden technologischen Errungenschaften des 21. Jahrhunderts vertraut, aber wir betrachten sie weder als besonders negative oder zerstörerische Technologien, noch denken wir über ihre möglichen Auswirkungen auf unser reales Leben nach.


Von Edward Snowden haben wir erfahren, dass Regierungen in der Lage sind, unsere Anwendungen, E-Mails, Kameras und Mikrofone zu infiltrieren. Sie können uns überall verfolgen, kennen unsere Standorte und überwachen jede unserer finanziellen Transaktionen. Sie könnten sich Netflix auf Ihrem Laptop ansehen, während ein Mitarbeiter der National Security Agency (NSA) Sie beim Essen beobachtet.


Ich erwähne diese Dinge - kaum die Spitze des Eisbergs - um uns daran zu erinnern, dass ein Bild nicht mehr als tausend Worte sagt, was ich schon früh im Syrienkonflikt entdeckt habe. Bilder müssen nicht einmal gefälscht sein, sie müssen nur auf eine Weise präsentiert werden, die Ihren natürlichen Bullshit-Radar umgeht.


Hier sind einige der angeblich gehackten Dokumente, die in der vergangenen Woche über mich veröffentlicht wurden:


cradle doc 1 scans

Dies ist mein Reisepass und das, was aussieht wie meine Unterschrift. Ein flüchtiger Blick verrät mir, dass es sich um Bilder von Dokumenten handelt, die bei einer "Hawala" unterzeichnet wurden, dem arabischen Wort für "Geldtransaktion", mit dem auch diejenigen bezeichnet werden, die - legal - Geldgeschäfte außerhalb des normalen Bankensystems tätigen.


Seit Ende 2019 haben die libanesischen Finanzinstitute kollektiv die Konten aller Einleger eingefroren, um einen Ansturm auf die Banken zu vermeiden, da das Land vor dem wirtschaftlichen Zusammenbruch stand. Darüber hinaus sind selbst einfache Überweisungen durch Banken mit "frischem Bargeld" zu einer lästigen Aufgabe geworden - einige dieser Institute brauchen einseitig Wochen oder Monate, um Ihr Geld freizugeben.


Die im Libanon lebenden Menschen sind daher massenhaft dazu übergegangen, Gelder von ihren externen Bankkonten und Familienmitgliedern über dieses Hawala-System zu erhalten. Nebenbei bemerkt: Die meisten Länder, die unter US-Sanktionen oder finanziellem Druck stehen, haben ähnliche parallele Transaktionsmöglichkeiten.


Wenn ich das obige Dokument A oder B unterschrieben hätte, würde ich keine Kopie in meinen Unterlagen haben - sie würde für die Unterlagen des Geldwechslers aufbewahrt werden.


Ich möchte weder bestreiten noch bestätigen, dass eines dieser eigenständigen Dokumente echt ist, denn ich kann sie nicht zurückverfolgen. Wie andere Einheimische wickle auch ich meine Geschäfte über eine Hawala ab, weil das unendlich viel einfacher ist, und ich habe das in den letzten Jahren, seit der Bankensektor im Libanon zusammengebrochen ist, sehr häufig getan.

Ich weiß nicht, wie oder warum diese Dokumente in dem angeblichen Press TV-Hacking aufgetaucht sind. Ich habe mich in dieser Angelegenheit rechtlich beraten lassen und kann daher nicht viel spekulieren.


Trotzdem möchte ich auf zwei Dinge hinweisen, die mir bei der Durchsicht der zwischengespeicherten Dokumente aufgefallen sind. Von den Tausenden von Einträgen, die auf den 14. Oktober 2022 datiert sind - vermutlich ein Datum, das mit der Hacking-Operation zusammenhängt - sind nur zwei Dutzend auf den 18. Oktober datiert, darunter diese beiden Scans, die meine Transaktionen oben zeigen. Könnten sie später in den Stapel der Dokumente eingefügt worden sein?

Zweitens handelt es sich bei der in Dokument 2 genannten "Hawala" - die 2021 unterzeichnet wurde - Berichten zufolge um ein syrisches Unternehmen mit Sitz in Syrien, das ich seit 2019 nicht mehr besucht habe. Laut diesem Artikel, den ich bei einer Online-Suche entdeckt habe, wurde die Al Fadel-Börse speziell eingerichtet, um die Ausgaben der libanesischen Widerstandsgruppe Hisbollah in Syrien zu bezahlen. Ist dies ein Versuch, mich mit all dem in Verbindung zu bringen, was dies bedeutet? Bin ich jetzt ein Hisbollah-Assad-IRI-Putin-China-Agent? Lieber Gott!


Warten Sie, da ist noch mehr

Ich habe in dem Cache noch ein paar weitere Dokumente mit meinem Namen ausgegraben - sie sind unten aufgeführt. Keines der Dokumente enthält Daten oder Logos - obwohl diese von jedem mit einem PC leicht eingefügt werden könnten. Mein Name ist außerdem falsch geschrieben. Werfen Sie einen Blick darauf:


Hier ist der lustige Teil. Zusammengenommen behaupten diese drei Dokumente, dass ich insgesamt 121 "Recherche-/Analyseartikel", 60 "Nachrichtenberichte" und "2 Interviews" für Press TV geschrieben habe.


In den letzten zwei Jahren habe ich insgesamt vier Artikel geschrieben und drei Interviews mit einem Amerikaner, einem Palästinenser und einem Libanesen veröffentlicht. Googeln Sie mich. Ich bin kein produktiver Schriftsteller. Das war ich noch nie und habe meine Arbeit erheblich verlangsamt, seit ich nicht mehr über den Syrien-Krieg berichte, sondern nur noch redaktionell tätig bin.


Ironischerweise habe ich in den vergangenen 13 Jahren, seit ich mit dem Schreiben begonnen habe - und zwar für Dutzende von Medien - noch nie einen einzigen Artikel für Press TV geschrieben.


Das Entscheidende ist diese einzige, kurze Erklärung, die Press TV als Reaktion auf die gehackten Dokumente abgegeben hat:


    "In einem böswilligen Akt, der eine klare Verletzung der Persönlichkeitsrechte der Mitarbeiter von Press TV und der mit ihm verbundenen Personen wie Medienexperten und Sachverständigen darstellt, hat eine Hackergruppe versucht, einige Benutzerkonten im E-Mail-Dienst dieses Netzwerks zu hacken und die persönlichen Dokumente der Personen, die Gehaltsliste und das Gehalt sowie andere normale Verwaltungsdokumente zu veröffentlichen, und dieses Netzwerk hat das absolute Recht, die notwendigen Folgemaßnahmen durch juristische Institutionen auf seine Tagesordnung zu setzen.

     

    Es sollte erwähnt werden, dass diese Leute unter den Arten von Verwaltungsdokumenten, die sie erlangt haben, auch gefälschte Dokumente wie Rechnungen und Finanzbelege erstellt haben, um eine giftige Atmosphäre gegen die Mission dieses Netzwerks und seiner Mitarbeiter zu schaffen, deren Absicht nichts anderes als Aufklärung und berufliche Tätigkeit ist. Sie haben keinen Journalismus, und hiermit weist Press TV die Echtheit solcher Dokumente oder angeblicher Dokumente, die in Zukunft veröffentlicht werden könnten, zurück." (Hervorhebung von mir)


Diskreditierung der Gegenerzählung

Die weit verbreitete Kampagne in den sozialen Medien, die auf den angeblichen Press TV-Hack folgte, wurde am 20. Oktober auf Twitter mit diesem Tweet gestartet:


Beachten Sie das Foto von mir und dem ehemaligen iranischen Außenminister Javad Zarif, das den Dokumenten gegenübergestellt ist. Es ist eine Übung zur Wahrnehmungssteuerung. Ich bin mit einem iranischen Beamten zusammen, also muss alles andere, was folgt, wahr sein.


Außer, dass ich es war, der dieses Foto von mir mit FM Zarif im Jahr 2015 zum ersten Mal getwittert hat, als vier Journalisten - ein Brasilianer, ein Libanese, ein Amerikaner und ich - das erste gemeinsame Medieninterview mit ihm während der Endphase der Verhandlungen über den Gemeinsamen Umfassenden Aktionsplan (JCPOA) in Wien im Juli dieses Jahres erzielten.


Dies war das einzige Mal, dass ich Dr. Zarif persönlich getroffen habe. Die Anti-Iran-Twitter-Armee hat den Tweet einfach herausgeschnitten und das Foto beibehalten - als ob es als Teil des gehackten Dokumenten-Caches gefunden worden wäre.


Dieser bestimmte Twitter-Account verfolgt mich seit Jahren wegen meiner Weltanschauung. Die meisten dieser angeblich "iranischen" Konten in den sozialen Medien haben null Toleranz für andere Darstellungen, was in direktem Widerspruch zu den "Freiheiten" steht, für die sie eintreten. Hier ist Taghvaee, der vor drei Jahren alle möglichen Dinge über mich behauptet hat - einige davon könnten zu meinem persönlichen Schaden führen, einschließlich Verhaftung und Inhaftierung.


Ich habe ihn seitdem blockiert. Wie aus seinem Twitter-Profil hervorgeht, schreibt er für Verteidigungspublikationen der NATO-Mitgliedstaaten und für israelische Medien. Taghvaee neigt dazu, militärische Informationen zu twittern, die nicht leicht zugänglich sind, so dass man eine mögliche Verbindung zum Geheimdienst vermutet. Und seine Prahlerei, Informationen über mich zu erhalten, lässt auch leicht diesen Schluss zu.


Das erste verifizierte Konto, bei dem ich bemerkte, dass es Dokumente über mich twitterte, war die israelische Journalistin Emily Schrader (hier noch einmal), die sich aktiv für einen Regimewechsel im Iran einsetzt.


Laut Marc Owen Jones, einem Enthüllungsjournalisten, der regelmäßig Kampagnen zur Beeinflussung der sozialen Medien verfolgt und darüber berichtet - die oft von Regierungen betrieben oder finanziert werden - war Schrader maßgeblich an den massiven Angriffen in den sozialen Medien gegen den National Iranian-American Council (NIAC) beteiligt, eine Washingtoner Gruppe, die sich für mehr Realismus in den Beziehungen zwischen den USA und dem Iran einsetzt.

In einem Tweet vom 16. Oktober teilte Jones Folgendes mit:

    "Seit den Protesten von Mahsa Amini wurde der @NIACouncil auf Twitter erneut angegriffen (über hunderttausend Tweets/RTs/Mentions). Am einflussreichsten bei diesem Angriff scheint die Journalistin der Jerusalem Post und Expertin für digitales Marketing (für politische Kampagnen) Emily Schrader zu sein."

NIAC und meine Ansichten über den Iran könnten nicht unterschiedlicher sein, auch wenn sie in einigen Punkten übereinstimmen. Eine weitere Zielscheibe der massiven Angriffe in den sozialen Medien in diesem Monat ist die iranisch-amerikanische Journalistin Negar Mortazavi, die für westliche Mainstream-Medien schreibt und dort als neutrale Kritikerin der iranischen Regierung auftritt. Dafür wurde sie schikaniert und mit dem Tod bedroht, und die Anti-Iran-Cyber-Armeen gehen in allen Foren unerbittlich gegen sie vor.


Es gibt zahllose andere - ironischerweise hauptsächlich Frauen - darunter die New York Times-Reporterin Farnaz Fassihi. Im Jahr 2021 veröffentlichte die UNESCO einen Bericht über den weltweiten Anstieg der Online-Gewalt gegen Journalistinnen: Sie können ihn hier lesen.


    Das Ziel der Online-Gewalt gegen Journalistinnen ist es, "sie zu erniedrigen, zu demütigen und zu beschämen, ihnen Angst zu machen, sie zum Schweigen zu bringen und zum Rückzug zu bewegen, sie beruflich zu diskreditieren, den verantwortungsvollen Journalismus und das Vertrauen in Fakten zu untergraben und ihre aktive Teilnahme (zusammen mit der ihrer Quellen, Kollegen und des Publikums) an der öffentlichen Debatte zu behindern."


Die meisten von uns sind unabhängige Journalisten und Analysten, von denen jeder seine eigenen Nuancen und Perspektiven in die Berichterstattung über den Iran und die gesamte Region einbringt. Wir können die Meinungen der anderen respektieren, auch wenn sie unterschiedlich sind. Und so sollte es auch sein. Aber die Cyber-Armeen werden das nicht zulassen. Wir müssen um jeden Preis diskreditiert werden.


Ich bin der Meinung, dass der Grund für all diese Fehlinformationsangriffe und Fälschungen, die jetzt stattfinden, darin liegt, dass die Neocons und die Israelis in völliger Panik sind, dass der Iran den globalen Machtkampf zwischen Ost und West überlebt. Sie haben das JCPOA-Abkommen versenkt - zweimal - und werden nicht das geringste erzählerische Hindernis dulden, wenn sie versuchen, einen völligen Umbruch im Iran herbeizuführen.


Gefährlicher Journalismus

Im vergangenen Sommer erhielt ich eine Google-Warnung - meine erste überhaupt - dass von der Regierung unterstützte Hacker versuchten, auf mein Passwort zuzugreifen.


Der Journalismus ist gefährlich geworden. Unser arabischer Redakteur Radwan Mortada wurde in einer irregulären Anhörung vor einem libanesischen Militärgericht zu einem Jahr und einem Monat Gefängnis wegen "Beleidigung des militärischen Establishments" verurteilt. Eine unserer türkischen Korrespondentinnen, eine ehemalige Redakteurin der Cum Hurriyet und Moderatorin einer Radiointerviewshow, Ceyda Karan, ist einer Gefängnisstrafe wegen ihrer journalistischen Tätigkeit entgangen.


Eine andere häufige Korrespondentin, Hedwig Kuijpers, eine Belgierin, die oft über umstrittene kurdische Themen im Irak, Iran und Syrien berichtet, wird seit über zwei Monaten vermisst und wir machen uns große Sorgen um ihre Sicherheit.


Es gibt so viele solcher Fälle. Der berühmteste Journalist der Welt, Julian Assange, ist in einem britischen Hochsicherheitsgefängnis inhaftiert, weil er über die geheimen Aktivitäten westlicher Regierungen und deren Kriegsverbrechen berichtet hat. US-Beamte haben sogar öffentlich zu seiner Ermordung aufgerufen.


Ich arbeite nicht für eine ausländische Regierung oder einen Geheimdienst. Ich bin einer der wenigen Journalisten, die ich kenne, die noch nie von einem solchen kontaktiert wurden.


Als ich den Iran zu Beginn des Ausbruchs der Pandemie vor drei Jahren besuchte, wurde ich bei meiner Ankunft am Flughafen zu einer Sicherheitsbefragung bestellt. Ja, im Iran. Das war mir noch nie zuvor auf einer meiner Reisen passiert, egal wohin. Nach meiner Rückkehr in den Libanon wandte ich mich besorgt an einen hochrangigen Sicherheitsbeamten, dem ich vertraute, und fragte ihn, warum ich seiner Meinung nach dieser Befragung unterzogen worden war. Seine Antwort:

"Um ehrlich zu sein, ich kenne Sie jetzt seit sieben Jahren und Sie reisen beruflich nach Syrien, in den Irak, in den Libanon und in den Iran - ich persönlich verstehe nicht, warum das nicht schon früher passiert ist. Wenn ich Amn al-Aam (die libanesische Agentur für allgemeine Sicherheit) leiten würde, hätte ich Sie selbst zu einem Interview geholt."

Das ist es, was sich Journalisten heutzutage gefallen lassen müssen. Ich bin mit großer Leidenschaft und Überzeugung bei meiner Arbeit. Drohungen bringen mich dazu, einen Rückzieher zu machen, wie viele während meiner Syrien-Berichterstattung über neun lange Jahre gesehen haben. Wenn Sie mir 10 Millionen Dollar anbieten würden, damit ich einen Artikel schreibe, der meinen Überzeugungen widerspricht, würde ich es nicht tun. Aber wenn ich es mir recht überlege, würde ich es vielleicht annehmen und Sie dann in einer wohlverdienten öffentlichen Beschämung "outen".


Diese Publikation nimmt keine Gelder auf der Grundlage von Besitz oder Einfluss an. Das bedeutet, dass Sie uns einen dicken Scheck ausstellen können, aber Sie werden keinerlei Anteile an dem Unternehmen besitzen, und wir können uns jederzeit wieder trennen. Es ist Teil unserer Mission, bessere, verantwortungsvollere Medien zu schaffen.


Wenn Press TV oder Russia Today oder Telesur - Medien, die von ihren westlichen Pendants stigmatisiert werden - anbieten würden, einer unserer Spender zu werden, ohne dass daran Bedingungen geknüpft sind, würde ich gerne annehmen und weiterhin so schreiben, wie wir es tun, indem wir über Westasien und Eurasien in interessanteren Dimensionen berichten, als es in den Medien der Unternehmen der Fall ist. In der Tat werde ich genau das tun.


Die in diesem Artikel geäußerten Ansichten spiegeln nicht unbedingt die von The Cradle wider.

Quelle: https://thecradle.co/Article/Columns/17272


Mit freundlicher Genehmigung von thecradle.co
Übersetzung mit deeple von seniora.org

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Journalists in the firing line Discrediting journalists who buck the dominant narratives of corporate media is becoming a cottage industry. Last week, it was my turn.


By
Sharmine Narwani
October 26 2022

https://media.thecradle.co/wp-content/uploads/2022/10/Qasem-Soleimani-Mike-Pompeo-and-Sharmine-Narwani-.jpg The Industry of Fakes: no longer can words, pictures, video, or audio be trusted, thanks to the deceptive capabilities of new technologies. We made this fake picture in one hour flat.

Photo Credit: The Cradle

 

 

Last week, a cache of around 17,000 documents allegedly hacked from Iranian media outlet Press TV, began making their rounds on social media. Among them are documents which bear my name, passport photo, and signature.

For the past six days, I have been subject to ceaseless attacks on Twitter by supposed “Iranian” accounts accusing me of being a paid propagandist of the Iranian government and the Islamic Revolutionary Guard Corps (IRGC), based on a scurrilous piecing together of fragments of information to create a false perception of my journalism.


In the main, these social media “warriors for women’s rights” leach onto my posts and followers, and spew derogatory slurs related to my gender. “Whore,” and more colorful versions of that word, seem to be their favorite refrain, but many threaten my life and safety too. In Persian, this manner of language feels even more heavy, shameful, and menacing.


First, let me categorically deny that I am paid by Press TV or any other Iranian institution to disseminate propaganda about anything. Since 2009, when I returned to journalism after a spell in the telecommunications industry, I have made clear my views about Iran, Israel, West Asia, and US foreign policy in countless articles, many of which can be found on my archive here.

Nothing has changed about my views during the 13 intervening years, except that they have been further honed and informed. The Syrian war did that to me. The amount of deceit, subterfuge, and foreign manipulation I witnessed in that conflict removed any lingering self-duping about western intentions and capabilities I may have harbored from being educated in the United Kingdom and the United States.


If my views coincide with those of Xi Jinping, Vladimir Putin, or Ali Khamenei, then that’s all they are: common personal visions forged from years of witnessing western duplicity that has run the world into the ground   – chaos erupting everywhere. There are plenty of other Europeans today who are fed up with the US-instigated-and-fueled standoffs with Russia and China. Many understand the promise of ‘Eurasia’ and wish to disconnect from the shackles of ‘Atlanticism.’

And they are not paid by the Russians, Iranians, or Chinese either.


The Industry of Fake Stuff 

From Artificial Intelligence (AI) to Deep Fakes, we are collectively familiar with the fascinating technology breakouts of the 21st century, but we neither view them as particularly negative or destructive technologies, nor do we actually consider their potential impact on our real lives.

From Edward Snowden we learned that governments are able to infiltrate our applications, emails, cameras and microphones. They can track us everywhere, know our locations, and watch our every financial transaction. You could be watching Netflix on your laptop, while a National Security Agency (NSA) operative is watching you eat your dinner.


I mention these things   – barely the tip of the iceberg   – to remind us that a picture is no longer worth a thousand words, something I discovered early on in the Syrian conflict. Images don’t even need to be fake, they merely have to be presented in a way that bypasses your natural bullshit radar.


Here are some of the allegedly hacked documents posted on me this past week:https://me

dia.thecradle.co/wp-content/uploads/2022/10/scans-300x252.jpg 300w, https://media.thecradle.co/wp-content/uploads/2022/10/scans-1024x860.jpg 1024w, https://media.thecradle.co/wp-content/uploads/2022/10/scans-768x645.jpg 768w, https://media.thecradle.co/wp-content/uploads/2022/10/scans-1536x1290.jpg 1536w, https://media.thecradle.co/wp-content/uploads/2022/10/scans-1200x1007.jpg 1200w" alt="" width="1683" height="1413" class="alignnone wp-image-17310 size-full" decoding="async" loading="lazy" />

This is my passport and what looks to be my signature. A cursory glance tells me that these are images of documents signed at a “Hawala,” the Arabic word for “the transaction of money,” also commonly used to describe those who   – legally   – transact funds outside the normal banking system.

Since late 2019, Lebanon’s financial institutions collectively froze the accounts of all depositors to avoid a run on the banks as the country faced economic collapse. Furthermore, even simple wire transfers through banks with “fresh cash” has become an onerous task   – some of these institutions unilaterally take weeks or months to release your funds.

Those living in Lebanon have therefore taken en masse to receiving funds from their external bank accounts and family members via this Hawala system. As an aside, most countries under US sanctions or financial pressures establish similar parallel means of transacting.

If I signed either Document A or B above, I would not have a copy in my records   – it would be retained for the records of the money exchanger.

I’m neither disputing nor confirming whether either of these stand-alone documents are genuine, because I cannot trace them. I do, however, like other locals, transact through a Hawala because it is infinitely easier, and have done so very frequently in recent years since Lebanon’s banking sector collapsed.

I do not know how or why these documents have appeared in the alleged Press TV hacking. I have sought legal counsel on this matter, so I cannot speculate much.

Despite this, I will point out two things that caught my attention while searching through the cached documents. Of the thousands of entries dated on October 14, 2022   – presumably, a date related to the hacking operation   – only two dozen are dated on October 18, including these two scans depicting my transactions above. Could they have been inserted later into the pile of documents?

Second, the “Hawala” named in Document 2   – signed in 2021   – is reportedly a Syrian business, located in Syria, which I have not visited since 2019. The Al Fadel exchange, per this article I discovered in an online search, is set up specifically to pay for Lebanese resistance group Hezbollah’s expenses inside Syria. Is this an attempt to link me to all that this implies? Am I now a Hezbollah-Assad-IRI-Putin-China agent? Dear God.

Wait, there’s more

I unearthed another few documents in the cache with my name on them   – they are presented below. None have any dates or logos on them   – though those could easily be inserted by anyone with a PC. My name is spelt incorrectly as well. Take a look:

https://media.thecradle.co/wp-content/uploads/2022/10/Unknown-3-160x300.jpeg 160w, https://media.thecradle.co/wp-content/uploads/2022/10/Unknown-3-546x1024.jpeg 546w" alt="" width="682" height="1280" class="alignnone wp-image-17277 size-full" decoding="async" loading="lazy" />

Here is the funny part. Together, these three documents claim that I have written a total of 121 “research/analytical articles,” 60 “news stories,” and “2 interviews” for Press TV.

In the last two years, I have written a grand total of four articles and published three interviews with an American, a Palestinian, and a Lebanese national. Google me. I am not a prolific writer. Never have been, and have slowed down considerably since I stopped covering the Syrian war and turned to editing as my primary work.

Ironically, in the past 13 years since I began writing   – for dozens of media outlets along the way   – I have never written a single article for Press TV.

The clincher really is this solitary, short statement Press TV made in response to the hacked documents:

“In a malicious act that is a clear violation of the personal rights of Press TV employees and people related to it such as media experts and experts, a hacking group attempted to hack some user accounts in the email service of this network and published the personal documents of people, the salary list and salary and other normal administrative documents, and this network has the absolute right to put the necessary follow-ups through legal institutions on its agenda.

It should be mentioned that these people, among the types of administrative documents they obtained, made fake documents such as creating invoices and financial receipts, in order to create a poisonous atmosphere against the mission of this network and its employees, whose intention is nothing but enlightenment and professional activity. They do not have journalism, and hereby Press TV rejects the authenticity of such documents or alleged documents that may be published in the future.” (emphasis mine)

Discrediting the counter-narrative

The widespread social media campaign that followed the alleged Press TV hack was launched on Twitter on 20 October, with this tweet:

https://media.thecradle.co/wp-content/uploads/2022/10/Screen-Shot-2022-10-23-at-10.12.49-PM-261x300.png 261w, https://media.thecradle.co/wp-content/uploads/2022/10/Screen-Shot-2022-10-23-at-10.12.49-PM-891x1024.png 891w, https://media.thecradle.co/wp-content/uploads/2022/10/Screen-Shot-2022-10-23-at-10.12.49-PM-768x883.png 768w, https://media.thecradle.co/wp-content/uploads/2022/10/Screen-Shot-2022-10-23-at-10.12.49-PM-1200x1380.png 1200w" alt="" width="1202" height="1382" class="alignnone wp-image-17279 size-full" decoding="async" loading="lazy" />

Notice the photo of myself and former Iranian Foreign Minister Javad Zarif juxtaposed with the documents. It’s a perception-management exercise. I am with an Iranian official, therefore everything else that follows must be true.

Except that it was I who first tweeted that photo of myself with FM Zarif back in 2015, when four journalists   – a Brazilian, Lebanese, American and I   – scored the first joint media interview with him during the final stretch of the Joint Comprehensive Plan of Action (JCPOA) negotiations in Vienna that July.

This was the only time I ever met Dr. Zarif in person. The anti-Iran Twitter army simply cut out the tweet and kept the photo   – as though it was found as part of the hacked document cache.

This particular twitter account has been hounding me for years because of my worldview. Most of these allegedly “Iranian” social media accounts have zero tolerance for other narratives, in direct contradiction to the “freedoms” they espouse. Here is Taghvaee, three years ago, insinuating all kinds of things about me   – some which could lead to my personal harm, including arrest and incarceration.https://media.thecradle.co/wp-content/uploads/2022/10/Twitter-270x300.png 270w" alt="" width="595" height="662" class="alignnone wp-image-17309 size-full" decoding="async" loading="lazy" />

I have blocked him since. As shown in his twitter profile, he writes for NATO member-state defense publications and for Israeli media. Taghvaee tends to tweet military information that is not readily available, so one suspects a possible intelligence connection. And his boasts about obtaining intel on me easily also lead to that conclusion.

The first verified account I noticed tweeting documents related to me was Israeli journalist Emily Schrader (here again). who is an active regime-change advocate on Iran.

According to Marc Owen Jones, an investigative journalist who regularly tracks and reports on social media influence campaigns   – often run or funded by governments   – Schrader was pivotal in mass social media attacks against the National Iranian-American Council (NIAC), a Washington group that advocates for more realism in US-Iran relations.

In a 16 October tweet, Jones revealed the following:

“Since the Mahsa Amini protests, the @NIACouncil have received renewed attacks on Twitter (over a hundred thousands tweets/RTs/mentions). The most influential in this attack appears to be Jerusalem Post journalist & digital marketing (on political campaigns) expert Emily Schrader.”

NIAC and my views on Iran, though they may coincide in a few places, couldn’t be more different. Another target of mass social media attacks this month is Iranian-American journalist Negar Mortazavi, who writes for and appears on mainstream western media outlets as a more neutral critic of the Iranian government. For this, she has been subjected to harassment and death threats, and the anti-Iran cyber armies relentlessly pound on her in all forums.

There are countless others   – ironically, mainly females   – including New York Times reporter Farnaz Fassihi. In 2021, UNESCO published a report on the global spike in online violence against women journalists: you can read it here.

The purpose of online violence against female journalists is to “belittle, humiliate, and shame; induce fear, silence, and retreat; discredit them professionally, undermining accountability journalism and trust in facts; and chill their active participation (along with that of their sources, colleagues and audiences) in public debate.”

Most of us are independent journalists and analysts, each bringing our own nuance and perspective to our coverage of Iran and the wider region. We can respect each other’s opinions, although they differ. And that is how it should be. But the cyber armies won’t have it. We must be discredited at all costs.

It is my view that the reason for all these misinformation attacks and fakeries taking place now is because Neocons and Israelis are in utter panic about Iran surviving the global power standoff between the east and west. They sunk the JCPOA deal   – twice   – and will not tolerate the slightest narrative obstacle as they seek to spark utter upheaval in Iran.

Dangerous journalism

This past summer, I received a Google alert   – my first ever   – that government-backed hackers were trying to access my password.

Journalism has become dangerous. Our Arabic editor Radwan Mortada was sentenced in an irregular Lebanese military court hearing to one year and one month in prison for “the offense of insulting the military establishment.” One of our Turkish contributors, a former editor at Cum Hurriyet and a radio interview show personality, Ceyda Karan, has been eluding imprisonment for her journalism.

Another frequent correspondent, Hedwig Kuijpers, a Belgian national who often reports on contentious Kurdish issues in Iraq, Iran and Syria, has been missing for over two months, and we are deeply worried about her safety.

There are so many of these cases. Reporters are being killed in the field in greater numbers than ever before, and the world’s most famous journalist, Julian Assange, is incarcerated in a UK maximum security prison for reporting on the secret activities of western governments and their war crimes. US officials have even publicly encouraged his assassination.

I do not work for any foreign government or intelligence agency. I am one of the few journalists I know who has never even been approached by one.

Visiting Iran at the start of the pandemic’s outbreak three years ago, I was ordered to attend a security interview upon my arrival at the airport. Yes, in Iran. This had never happened to me before in any of my travels, anywhere. Upon returning to Lebanon, I worriedly approached a trusted senior security official, and asked him why he thought I had been subjected to this inquisition. His response:

“To be honest, I’ve known you for seven years now, and you travel to places like Syria, Iraq, Lebanon, Iran for work   – I personally don’t understand why this hasn’t happened before. If I was running Amn al-Aam (Lebanon’s General Security agency), I would have dragged you in for an interview myself.”

That is what journalists have to put up with these days. I have great passion and conviction for my work. Threats tend to make me double-down, as many saw during my Syria coverage over nine long years. If you offered me 10 million dollars to write an article that contradicted my beliefs, I wouldn’t do it. Though on second thought, I might take it, then “out” you in a well-deserved public shaming.

This publication does not accept funds on the basis of ownership or influence. What that means is that you can write us a big fat check, but you will own zero shares in the enterprise, and we can mutually part ways at any time. It is part of our mission to create better, more responsible media.

If Press TV or Russia Today or Telesur   – media outlets stigmatized by their western counterparts   – offered to become one of our donors with no strings attached, I would readily accept, and continue writing as we do, covering West Asia and Eurasia in more interesting dimensions than appears in corporate media anywhere. In fact, I may do just that.

Please consider contributing to The Cradle to support our journalism.

The views expressed in this article do not necessarily reflect those of The Cradle.


Info: https://seniora.org/wunsch-nach-frieden/demokratie/journalisten-in-der-schusslinie?acm=3998_1577


unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

25.11.2022

Geopolitik US-Vertreter sagen es ganz offen: Die USA haben den Krieg in der Ukraine gewollt

anti-spiegel.ru, 25. November 2022 03:43 Uhr
Der US-Botschafter in der Schweiz hat in einem Interview offen zugegeben, dass die USA den Krieg in der Ukraine wissentlich von langer Hand vorbereitet und provoziert haben.

Screenshot_2022_11_25_at_23_22_24_US_Vertreter_sagen_es_ganz_offen_Die_USA_haben_den_Krieg_in_der_Ukraine_gewollt_Anti_Spiegel


Aus Sicht der Machthaber im Westen ist es ein wahrer Segen, dass die westlichen Medien keine kritischen Fragen stellen und dass die meisten Menschen ein zu geringes Wissen über politische Zusammenhänge haben, um öffentlich gemachte Aussagen zu verstehen. Darauf hat auch Scott Miller, der US-Botschafter in der Schweiz, gesetzt, als er bei einem Interview mit dem Schweizer Fernsehsender RTS offen geredet hat. RTS schreibt in seinem Artikel über das Interview mit US-Botschafter Scott Miller:

„Er unterstreicht die Rolle, die die Vereinigten Staaten über ihre Botschaft gespielt haben, noch bevor die Offensive am 24. Februar begann. Unmittelbar nach seiner Ankunft in Bern am 8. Januar habe er Gespräche mit Bundesräten und Staatssekretären geführt und ihnen US-Geheimdienstinformationen über die Invasion vorgelegt.
„Ich habe ihnen gesagt, dass wir beabsichtigen, eine Reihe von Sanktionen von beispiellosem Ausmaß und Umfang zu verhängen.““

Wahrscheinlich bemerken nur die Wenigsten, welchen politischen Sprengstoff diese Aussagen enthalten. Der normale Leser dürfte sich denken, dass die bösen Russen die Intervention in der Ukraine von langer Hand vorbereitet haben und dass die USA als „Schutzmacht der Demokratie“ gezwungen waren, darauf zu reagieren, indem sie „eine Reihe von Sanktionen von beispiellosem Ausmaß und Umfang“ vorbereitet haben. Dabei ist es genau anders herum, wie wir nun sehen werden, wenn wir uns die Chronologie der Eskalation in Erinnerung rufen, die zum Krieg in der Ukraine geführt hat. Die Chronologie ist zum Verständnis der Aussage von Miller unerlässlich.

Ich habe schon in früheren Artikeln darüber berichtet, dass die USA den Krieg in der Ukraine provoziert haben, indem sie Russland so sehr in die Enge gedrängt haben, dass Russland am Ende keine Wahl mehr gesehen hat, als zu versuchen, seine Sicherheit militärisch zu verteidigen. Da aber immer wieder neue Details ans Licht kommen, muss man die Chronologie ab und an aktualisieren und die Aussage von Miller ist einer der Bausteine dieser Chronologie.


Die Chronologie der Eskalation

Dass der Grundstein für die Eskalation in der Ukraine bereits mit dem von den USA und europäischen Ländern unterstützten Maidan-Putsch gelegt wurde, ist allgemein bekannt. Ich will die Chronologie daher nicht 2014 beginnen, als Kiew seine Truppen gegen die Zivilbevölkerung des Donbass, die sich mit dem Maidan-Putsch nicht abfinden wollte, in Marsch gesetzt hat. Der Krieg im Donbass wurde im Februar 2015 mit dem Minsker Abkommen zumindest eingefroren, daher beginne ich damit, wie das Minsker Abkommen planmäßig zerstört wurde und welche Ereignisse darauf folgten.


Anfang Dezember 2019 fand der letzte Normandie-Gipfel in Paris statt. Selensky kam danach zurück nach Kiew und verkündete seinen Leuten hinter verschlossenen Türen, dass er das Abkommen von Minsk nicht umsetzen wird. Allen Beteiligten in der Ukraine war damit klar, dass ein Krieg mit Russland unvermeidbar geworden war und Kiew begann mit konkreten Kriegsvorbereitungen. Das hat der Chef des ukrainischen Sicherheitsrates, Alexej Danilow, im August 2022 in einem Interview offen erzählt.


Im Januar 2021 wurde Joe Biden US-Präsident und im Gegensatz zu seinem Vorgänger Trump, der keine Eskalation in der Ukraine wollte, gab Biden Selensky grünes Licht. Daraufhin begann Selensky im Februar 2021 gegen die Opposition vorzugehen, in der Folge wurde der Chef der größten Oppositionspartei unter Hausarrest gestellt und alle oppositionellen Medien wurden verboten.


Im März 2021 setzte Selensky die neue Militärdoktrin der Ukraine in Kraft, in der ein Krieg mit Russland mit dem Ziel festgeschrieben wurde, die Krim gewaltsam zurückzuerobern und den Konflikt im Donbass gewaltsam zu entscheiden.


Im April und Mai 2021 stand die Ukraine kurz vor einem Krieg mit Russland, wurde aber von den USA noch einmal zurückgepfiffen. Mitte Juni 2021 fand ein Gipfeltreffen der Präsidenten Putin und Biden statt, das aber keinen Durchbruch gebracht hat.


Während Kiew die Situation im Donbass ab Ende 2021 wieder eskaliert hat und die NATO ihre Truppenpräsenz in der Ukraine unter dem Vorwand von Manövern und Ausbildungsmissionen erhöht hat, haben Deutschland und Frankreich das Minsker Abkommen im November 2021 offiziell beerdigt.

Die Russland-Sanktionen wurden, wie Politico im Oktober 2022 berichtet hat, bereits mindestens ab November 2021 in Gesprächen zwischen Washington und Brüssel vorbereitet. Das war drei Monate vor dem Beginn der russischen Intervention in der Ukraine und just zu dem Zeitpunkt, als Berlin und Paris das Minsker Abkommen beerdigt haben. Dass die Abkehr vom Minsker Abkommen zum Krieg in der Ukraine führen würde, war den Entscheidungsträgern in Washington und Brüssel (und wahrscheinlich auch in Berlin und Paris) also offenbar klar, weshalb sie parallel die entsprechenden Sanktionen vorbereitet haben.


Im Dezember 2021 forderte Russland von den USA und der NATO ultimativ gegenseitige Sicherheitsgarantien und den Abzug der NATO-Truppen aus der Ukraine und erklärte, dass es im Falle einer Ablehnung gegenseitiger Sicherheitsgarantien gezwungen sei, „militärtechnisch“ zu reagieren. Damit war klar, dass Russland auf weitere Bestrebungen, die Ukraine in die NATO zu ziehen, militärisch reagieren würde. Das war der Moment, in dem allen verantwortlichen Politikern bewusst war, dass eine Ablehnung von Verhandlungen mit Russland zu einem Krieg in der Ukraine führen würde. Der Krieg und all das Elend hätte verhindert werden können, wenn die USA bereit gewesen wären, einen neutralen Status der Ukraine dauerhaft zu garantieren.


Am 8. Januar 2022 wurde Scott Miller zum US-Botschafter in der Schweiz berufen und nun werden seine Aussagen aus dem aktuellen Interview interessant, denn er sagte, dass die USA „Geheimdienstinformationen über die Invasion“ hätten. Da die Gespräche zwischen Russland und den USA über die Frage, ob es zu Verhandlungen über die von Russland geforderten Sicherheitsgarantien kommt, zu diesem Zeitpunkt noch liefen, belegt die Aussage von Miller, dass die USA bereits beschlossen hatten, nicht in Verhandlungen einzutreten und sich der Folgen, nämlich der russischen Intervention in der Ukraine, in vollem Umfang bewusst waren. Miller bestätigt damit außerdem indirekt den erwähnten Bericht von Politico darüber, dass die Sanktionen schon Monate vorher ausgearbeitet wurden, was Bundeskanzler Scholz und andere westliche Politiker später auch bestätigt haben, als sie sagten, dass die Russland-Sanktionen „von langer Hand vorbereitet“ waren.


Ende Januar 2022 wurde in den USA das Lend-Lease-Gesetz für die Ukraine eingebracht, über das bei seiner Einreichung in den Kongress geschrieben wurde:

„Mit diesem Gesetzentwurf wird vorübergehend auf bestimmte Anforderungen im Zusammenhang mit der Befugnis des Präsidenten, Verteidigungsgüter zu verleihen oder zu leasen, verzichtet, wenn die Verteidigungsgüter für die ukrainische Regierung bestimmt sind und zum Schutz der Zivilbevölkerung in der Ukraine vor der russischen Militärinvasion erforderlich sind“

Das bestätigt ein weiteres Mal, dass die USA sich bereits auf den Krieg vorbereitet haben, während sie offiziell noch immer mit Russland über mögliche Verhandlungen über gegenseitige Sicherheitsgarantien gesprochen haben, denn das Gesetz zur Unterstützung der Ukraine gegen die „russische Militärinvasion“ wurde einen Monat vor Beginn der russischen Intervention in den Kongress eingebracht.


Fast gleichzeitig mit der Einreichung des Gesetzes haben die USA und die NATO Ende Januar 2022 die von Russland vorgeschlagenen Verhandlungen über gegenseitige Sicherheitsgarantien abgelehnt, wohl wissend, dass Russland darauf militärisch reagieren würde.


Am 19. Februar 2022 hat Selensky auf der Münchner Sicherheitskonferenz unter dem Applaus der hochrangigen westlichen Zuhörer die atomare Bewaffnung der Ukraine angedroht. Damit war das russische Eingreifen nicht mehr zu verhindern, denn dass sich die Ukraine, die in ihrer Militärdoktrin offen einen Krieg gegen Russland vorbereitet hat, sich dazu auch noch mit Rückendeckung des Westens nuklear bewaffnen könnte, war für Russland eine inakzeptable Bedrohung der eigenen Sicherheit.


Am 21. Februar 2022 hat Putin die Donbass-Republiken anerkannt und Beistandsabkommen mit ihnen geschlossen. In seiner Rede dazu hat Putin Kiew deutlich vor den Folgen einer weiteren Eskalation gewarnt. Kiew hat den Beschuss auf zivile Ziele im Donbass danach aber noch einmal demonstrativ erhöht.


Am 24. Februar hat Putin in einer weiteren Rede den Beginn der russischen Militäroperation in der Ukraine verkündet.


Fazit

Die aktuellen Äußerungen des US-Botschafters in der Schweiz sind ein weiteres Mosaiksteinchen in der Chronologie der Eskalation, die schließlich zur russischen Intervention in der Ukraine geführt hat. Seine Aussagen fügen sich nahtlos in die bereits bekannte Chronologie ein bestätigen einmal mehr, dass die USA und der Westen diesen Krieg provoziert haben. Oder, wenn man es diplomatischer ausdrücken möchte, dass sie wussten, dass der Krieg unvermeidlich wird, wenn sie die von Russland vorgeschlagenen Gespräche über gegenseitige Sicherheitsgarantien ablehnen. Aber genau das haben sie getan und damit haben sie die inzwischen zehntausenden Toten in der Ukraine in Kauf genommen, anstatt mit Russland Gespräche zu führen und die Ukraine als dauerhaft neutralen Staat belassen.


Dass die USA diesen Krieg wollten, ist an der Entwicklung deutlich zu sehen, denn die USA haben Selensky in seiner aggressiven Politik gegenüber Russland ermuntert. Von Verhandlungen mit Russland über die Ukraine war in Washington nie die Rede.


Da diese Erkenntnisse für viele Menschen nur schwer verständlich und schwer nachvollziehbar sind, habe ich in diesem Artikel erklärt, wie Geopolitik funktioniert. Geopolitik ist leider zynisch und menschenverachtend, wie das Beispiel der Ukraine, die von den USA im Kampf gegen Russland gnadenlos geopfert wird, wieder zeigt.


Info: https://www.anti-spiegel.ru/2022/us-vertreter-sagen-es-ganz-offen-die-usa-haben-den-krieg-in-der-ukraine-gewollt


unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

25.11.2022

Geschichtsrevisionismus- Parlament der Historiker

aus e-mail von Doris Pumphrey, 25. November 2022


https://www.jungewelt.de/artikel/439596.geschichtsrevisionismus-parlament-der-historiker.html

26. / 27. November 2022,


*Geschichtsrevisionismus

Parlament der Historiker

*Am Mittwoch soll der Bundestag beschließen: Die Hungersnot 1932/33 in

der Sowjetunion war ein Völkermord an der Ukraine

/Von Arnold Schölzel


/Je weniger der Waffen- und Wirtschaftskrieg gegen Russland die

erwünschten Resultate bringt, desto intensiver und irrationaler wird der

ideologische Feldzug gegen Moskau. Der Bundestag, der mit seinem

»Standortauswahlgesetz« für die Endlagerung von hochradioaktivem

Atommüll bereits seine Unfehlbarkeit in Physik und Geologie unter Beweis

gestellt hat und zuversichtlich einen »Nachweiszeitraum von einer

Million Jahre« fürs Müllager beschloss, soll nun auch seine Kompetenz in

Geschichte unter Beweis stellen. Genauer: Die soll umgeschrieben werden

zugunsten einer zuerst von der Propaganda des deutschen Faschismus

erzählten Version, wonach die Hungersnot in der Sowjetunion von 1932 und

1933 ein gezielter Vernichtungsversuch der sowjetischen Führung gegen

die Ukraine gewesen sei – der »Holodomor«

<https://www.jungewelt.de/artikel/312978.der-erfundene-v%C3%B6lkermord.html>.

Dem stehen zwar die Tatsachen entgegen, aber die mit Nazideutschland

kollaborierenden ukrainischen Nationalisten und Faschisten übernahmen

die Erzählung. Seit 1991 ist sie Gründungsmythos der wieder

kapitalistischen Ukrai­ne.


*Bandera als Nationalheld


*Nun soll der Bundestag einer Forderung Kiews nachkommen und, wie /dpa/

am Freitag meldete, »die vor 90 Jahren von Sowjetdiktator Josef Stalin

gezielt herbeigeführte Hungersnot in der Ukraine« mit den Stimmen der

Koalition und der Union als Völkermord anerkennen. Der /Frankfurter

Allgemeinen Zeitung/ und dem /Spiegel/ lagen demnach ein gemeinsamer

Antrag von SPD, Bündnis 90/Die Grünen, FDP und CDU/CSU vor. Der Entwurf

soll am Mittwoch im Bundestag beraten und beschlossen werden.


Das ist geschichtswissenschaftlich konsequent, zumal ein Land wie die

Ukraine, das Stepan Bandera zum Nationalhelden gemacht hat, den

Antisemiten, Polen- und Russenmörder mit Denkmälern und Straßennamen

ehrt, sich geschichtspolitisch nicht irren kann. Zwar erfasste die

Hungersnot 1932 große Teile der Sowjetunion von der Ukrai­ne im Westen

bis nach Kasachstan im Osten und kostete ungefähr sieben Millionen Tote.

Die Sterberate war in Kasachstan am höchsten. Dort starb mit 1,5

Millionen Menschen etwa ein Drittel der Bevölkerung, in der Ukraine

waren es mehr als 3,5 Millionen. Allein die Ukraine besteht allerdings

darauf, analog dem »Holocaust« einem Vernichtungsfeldzug der

sowjetischen Führung zum Opfer gefallen zu sein. Bereits 2019 forderte

der damalige ukrainische Präsident Petro Poroschenko von Israel eine

Gleichsetzung beider Ereignisse und erntete böse Kommentare. Wolodimir

Selenskij verlangte kurz nach seiner Wahl zum ukrainischen Präsidenten

2019 dasselbe – ohne Resonanz. Als er auch noch am 20. März 2022 während

einer Videoansprache in der Knesset das russische Eingreifen in den seit

2014 in der Ukraine stattfindenden Krieg mit der von Nazideutschland

geplanten Vernichtung des jüdischen Volkes während des Zweiten

Weltkriegs gleichsetzte, kam ein empörtes Echo. Die Schoah-Gedenkstätte

Yad Vashem kritisierte, unverantwortliche Äußerungen wie jene des

ukrainischen Präsidenten würden die Tragödie der Schoah trivialisieren.


*Grüne Initiatoren


*Dabei macht unter Führung von Bündnis 90/Die Grünen nun auch das

deutsche Parlament mit. Der /Spiegel/ zitiert aus dem Antrag: »Betroffen

von Hunger und Repressionen war die gesamte Ukraine, nicht nur deren

getreideproduzierende Regionen.« Die Initiatoren um den

Grünen-Abgeordneten Robin Wagener, Vorsitzender der deutsch-ukrainischen

Parlamentariergruppe im Bundestag, schreiben weiter: »Damit liegt aus

heutiger Perspektive eine historisch-politische Einordnung als

Völkermord nahe. Der Deutsche Bundestag teilt eine solche Einordnung.«

Weiter heißt es in dem Resolutionsentwurf laut /FAZ/, der »Holodomor«

reihe sich ein »in die Liste menschenverachtender Verbrechen totalitärer

Systeme, in deren Zuge vor allem in der ersten Hälfte des 20.

Jahrhunderts in Europa Millionen Menschenleben ausgelöscht wurden«. Das

Verbrechen sei »Teil unserer gemeinsamen Geschichte als Europäerinnen

und Europäer«. Und: »Der massenhafte Hungertod war keine Folge von

Missernten, sondern von der politischen Führung der Sowjetunion unter

Josef Stalin verantwortet.« Sowie: »Der Holodomor stellt damit ein

Menschheitsverbrechen dar.« Es sei aber in Deutschland und der EU bisher

wenig bekannt. Die Bundesregierung sei aufgefordert, zur Verbreitung des

Wissens darüber und zum Gedenken an dessen Opfer beizutragen. Zudem

solle sie »jeglichen Versuchen, einseitige russische historische

Narrative zu lancieren, weiterhin entschieden entgegenwirken«. Laut

/dpa/ signalisierten Außenministerin Annalena Baerbock (Bündnis 90/Die

Grünen) und Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD), sie seien »sehr positiv« zu

dem Antrag eingestellt.

Wagener erklärte der Zeitung zufolge, der russische Präsident Wladimir

Putin stehe »in der grausamen und verbrecherischen Tradition Stalins«.

Heute werde die Ukraine erneut mit russischem Terror überzogen. »Erneut

sollen durch Gewalt und Terror der Ukraine die Lebensgrundlagen

entzogen, das gesamte Land unterworfen werden.«


Bis zum Beginn dieses Jahres hatten etwa 15 Staaten diese Einstufung als

Völkermord akzeptiert, darunter Australien, Ecuador, Estland, Georgien,

Kanada, Lettland, Litauen, Mexiko, Peru, Polen, Portugal, Ungarn und der

Vatikan. Eine entsprechende Resolution wurde 2008 vom

US-Repräsentantenhaus verabschiedet, im April 2022 schloss sich das

tschechische Parlament an. Am Donnerstag folgten Irland, die Republik

Moldau und Rumänien.

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*Hintergrund: Geschichtspolitik


*Unter dem ukrainischen Präsidenten Leonid Kutschma wurde 1998 ein

nationaler Gedenktag für die Opfer der Hungerkatastrophe von 1932/33

eingeführt und unter seinem Nachfolger Wiktor Juschtschenko, der durch

eine »Farbenrevolution« 2004 an die Macht gekommen war, 2006 das

Geschehen vor 90 Jahren per Gesetz zum Genozid am ukrainischen Volk

erklärt. Juschtschenko bemühte sich weltweit um die Anerkennung des

Völkermords.


Unter ihm, der auch den faschistischen Kollaborateur Stepan Bandera zum

Nationalhelden erklärte, wuchs die Zahl der Publikationen zum Thema

»Holodomor« rasch. 2008 wurde in Kiew das »Nationale Museum des

Holodomor-Genozids« eingerichtet. Bis 2017 wurden in der Ukraine 7.000

Denkmäler und Gedenkstätten für die Opfer errichtet.


Auf dem Staatsgebiet der heutigen Ukraine wurden rund eineinhalb

Millionen Juden von Wehrmacht, SS und einheimischen Kollaborateuren wie

Banderas Organisation Ukrainischer Nationalisten (OUN) ermordet. Die

Erinnerung an den Judenmord spielte in der Ukraine jedoch lange keine

Rolle – die an die 27 Millionen Toten der Sowjetunion im Zweiten

Weltkrieg amtlich ohnehin nicht. Zwar gedachte 1991 die Regierung am 50.

Jahrestag des Massakers von Babyn Jar in einer Erklärung der

»Massenvernichtung sowjetischer Bürger, vor allem Juden, durch

faschistische deutsche Invasoren«. Aber zur Errichtung von

Holocaustgedenkstätten in Charkiw (1996), Odessa (2009) und Dnipro

(2012) »kam es nur dank privater Initiativen« (/FAZ/).


Der Internationalen Allianz zum Holocaustgedenken ist die Ukraine nicht

beigetreten. Die Judenvernichtung ist bis heute kein Bestandteil der

Kiewer Geschichtspolitik.


Am Freitag erklärte der ukrainische Parlamentspräsident Ruslan

Stefantschuk im /FAZ/-Interview zum Holodomor: »Es war eine der größten

Tragödien in der Geschichte der Menschheit.« Im Anschluss forderte er

mehr deutsche Waffen für den Krieg gegen Russland. (as)


unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

25.11.2022

Kampf um die Geschichte Absurde Faktenverdrehung

jungewelt.de, 26.11.2022, Von Sergej J. Netschajew

Zur Anerkennung der Hungerkrise in der Ukraine 1932/33 als »Völkermord«. Gastbeitrag des russischen Botschafters in der Bundesrepublik, Sergej J. Netschajew


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Sergej J. Netschajew ist Außerordentlicher und Bevollmächtigter Botschafter der Russischen Föderation in der Bundesrepublik Deutschland




Sergej J. Netschajew ist Außerordentlicher und Bevollmächtigter Botschafter der Russischen Föderation in der Bundesrepublik Deutschland


Mit großem Bedauern und Befremden haben wir der deutschen Presse entnommen, dass einige Bundestagsabgeordnete dazu aufrufen, die massenhafte Hungersnot, die zu Beginn der 30er Jahre des 20. Jahrhunderts in der UdSSR herrschte, als Genozid am ukrainischen Volk anzuerkennen. Ein Narrativ, das schlichtweg antihistorisch und wahrheitswidrig ist sowie dem gesunden Menschenverstand widerspricht.


Aus historischen Dokumenten wird ersichtlich, dass infolge der Hungersnot, die 1932/1933 große Teile der UdSSR traf, sieben Millionen Menschen, darunter zirka 2,5 Millionen im russischen Kernland und 1,5 Millionen auf dem Gebiet Kasachstans, starben. Der Hunger war massenhaft und suchte sich seine Opfer nicht aus. Er begann mit einer starken Dürre und daraus resultierender Missernte, mit denen außerordentliche Maßnahmen der Sowjetregierung im Rahmen der Zwangskollektivierung einhergingen. Diese harten Maßnahmen wurden in ausnahmslos allen Agrargebieten der UdSSR umgesetzt. Infolgedessen wurden von der Hungersnot nicht nur die Ukraine, sondern auch der Süden Weißrusslands, die untere Wolga, Kasachstan, das Dongebiet, das Kubangebiet, der Nordkaukasus, der Südural und Westsibirien betroffen. Es waren nicht nur Ukrainer, die hungerten und starben, sondern auch Russen, Belarussen, Tataren, Baschkiren, Kasachen, Tschuwaschen, Wolgadeutsche sowie andere Völker.


Den Entwicklungen, die zur Hungersnot führten, lagen verschiedene Motive zugrunde: der Klassenkampf gegen wohlhabende Bauern (die »Kulaken«), die angestrebte Vereinnahmung der Landwirtschaft durch den Staat, die Finanzierung ausländischer Kredite, die für den Ankauf von Industrieanlagen aus dem Ausland aufgenommen wurden, die Versorgung der zunehmenden Stadtbevölkerung angesichts eines drastischen Rückgangs des Getreideanbaus. Es ist unstrittig, dass sich mit dem Tod von Millionen Menschen landesweit eine erschreckende Tragödie ereignete. Dennoch ist es auch offensichtlich, dass die Wegnahme von Getreide in den Bauernhäusern nicht das Ziel hatte, eine besondere nationale Gruppe, u. a. die Bevölkerung der Ukraine, mutwillig zu vernichten, die zudem nicht monoethnisch, sondern stets multinational war.


Multinational besetzt war auch die Sowjetregierung. Es ist absurd, ihr den Hass gerade gegen die Ukraine vorzuwerfen. Bekannt ist ebenfalls, dass auch in der Ukraine ein häufiger Grund für Exzesse bei der Umsetzung der Anweisungen aus der Zentrale übermäßiger Eifer örtlicher Stellen war.


Die Fehler und tragischen Konsequenzen der Hungersnot in der UdSSR wurden bereits 1933 offiziell zugegeben. Die Sowjetregierung organisierte eine großangelegte Nahrungsmittelhilfe für Regionen, die am härtesten vom Hunger betroffen waren, die Ukraine inklusive.

Dass man die für zahlreiche Völker der UdSSR gemeinsame Tragödie der Hungersnot zu Beginn der 30er Jahre des 20. Jahrhunderts als eine gezielte Ausmerzung einer bestimmten Bevölkerungsgruppe aufgrund ihrer ethnischen (ukrainischen) Zugehörigkeit darstellt und dabei millionenfache Opfer anderer Nationalitäten übersieht, ist unvertretbar und unanständig. Mit diesem Narrativ, das mit Objektivität nichts zu tun hat, verfolgt man das Ziel, antirussische Stimmungen zu schüren und in diesem Sinne die Geschichte aktiv und russophob zu revidieren.


Info: https://www.jungewelt.de/artikel/439522.kampf-um-die-geschichte-absurde-faktenverdrehung.html


unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

25.11.2022

Gründung der EU Spaltende Vereinigung

jungewelt.de, 26.11.2022, Von Jörg Kronauer

Vor 30 Jahren verabschiedete der Bundestag den Vertrag von Maastricht


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Jeder für sich in Feierstunde. Genscher (2. v. r.) hat vielleicht am besten lachen (Maastricht, 7.2.1992)





Auszüge aus dem Vertrag von Maastricht:

Komplett anzeigen

Hans Modrow hatte recht. Der Maastricht-Vertrag werde Europa spalten, sagte der damalige PDS-Abgeordnete voraus, als der Bundestag am 2. Dezember 1992 über das Dokument abstimmte. Er werde spalten – und zwar »zwischen Ost und West, Nord und Süd, Arm und Reich, zwischen den Bürgern und den Regierungen«. Es liege doch recht deutlich auf der Hand, dass der Vertrag »über die offene Marktwirtschaft der freien Konkurrenz den Weg für die Stärksten und dabei insbesondere für eine Vorherrschaftsrolle des größer gewordenen Deutschland freimachen soll«. Deshalb, erklärte Modrow, werde die PDS-Fraktion ihm nicht zustimmen. Das geschah dann auch; ansonsten aber fand der Vertrag im Bundestag fast die breiteste Zustimmung, die man sich vorstellen kann: Gerade einmal 17 Abgeordnete stimmten gegen ihn, zwei mehr, als die PDS stellte; acht enthielten sich; überwältigende 543 Abgeordnete votierten für ihn. Damit hatte die geplante Neuformierung des europäischen Staatenbundes die parlamentarischen Hürden in Deutschland überwunden.


Machtmittel Euro Der Maastricht-Vertrag ist auf dem langen Weg der Bestrebungen, in Europa ein mächtiges Staatenkartell mit einer führenden Position in der Weltpolitik zu formen, ein bedeutender Schritt gewesen. Er brachte der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG), wie sie bis dahin hieß, einige wirklich tiefgreifende Umbauten. Zum einen sah er den Einstieg in eine gemeinsame Innen- und Justizpolitik vor, eröffnete Brüssel also einen neuen Zugriff auf zentrale Felder nationalstaatlicher Souveränität. Dies galt auch für den zweiten Bereich, den der Vertrag der Vergemeinschaftung aussetzte: für die Außen- und Sicherheitspolitik. Herausragende Bedeutung hatte schließlich ein dritter Schritt: die Einführung der schon seit Jahren diskutierten Einheitswährung, des Euro. Das neue Integrationsgefüge, das über die bisherige bloß ökonomische Integration klar hinausging, hieß von nun an Europäische Union (EU).


Ein Kernstück des Maastricht-Vertrags, die Einigung auf den Euro, war erst nach langen Debatten möglich geworden. Im Prinzip war klar, dass die Einheitswährung kommen musste: Bonn und Paris strebten langfristig nach Augenhöhe mit Washington; ohne ein eigenes Pendant zum US-Dollar war das schwer möglich. Die Bundesrepublik klammerte sich jedoch an ihre alte, harte D-Mark und fürchtete, bei einer Fusion mit den südlichen EWG-Staaten könne eine schwache Währung entstehen – zum Nachteil der bundesdeutschen Industrie. Das Jahr 1990 brachte auch diesbezüglich die Wende: Frankreich knüpfte seine Zustimmung zur Übernahme der DDR durch die BRD an die Einführung der Einheitswährung; Bonn gab sich einen Ruck, handelte allerdings im Gegenzug die Formung der Währung nach deutschen Interessen aus. Die Europäische Zentralbank (EZB) kam nach Frankfurt am Main, der Euro wurde an spezielle Kriterien gebunden, die »Maastricht-Kriterien«. Finanzminister Theo Waigel kommentierte später einmal stolz: »Der Euro spricht deutsch.«


Die deutsch inspirierten Maastricht-Kriterien haben sich letztlich als einer der am meisten spaltenden Faktoren des Vertrags erwiesen. Keine Neuverschuldung von mehr als drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP), keine Gesamtverschuldung von mehr als 60 Prozent des BIP: Mit solch harten Regeln konnte man eine neoliberale Austeritätspolitik knallhart festzurren; die Möglichkeiten, klaffende Ungleichheiten zwischen Arm und Reich mit staatlichen Ausgabenprogrammen zu bekämpfen, schrumpften. Damit spalten die Maastricht-Kriterien innerhalb einzelner Euro-Staaten bis heute.


Und sie verschärfen die Spaltung zwischen Nord und Süd. Der Euro an sich setzt bereits den Keil an: Bevor seine Einführung in Maastricht beschlossen wurde, konnten die südlichen EWG-Staaten ihre Wirtschaft, wenn sie wieder einmal mit der unerbittlich aufstrebenden BRD-Industrie nicht ganz mithalten konnte, per Währungsabwertung schützen; das ging nun nicht mehr. Der neue Währungsraum öffnete den Süden für deutsche Exportoffensiven, die Deutschland Reichtum brachten, die südliche Euro-Zone aber tendenziell in die Deindustrialisierung und die Verschuldung trieben. Krassestes Ergebnis dieses Prozesses war die schwerwiegende Krise in Griechenland. Das Grundproblem aber besteht fort. Weil die Maastricht-Kriterien die südlichen Euro-Staaten daran hindern, mit Ausgabenprogrammen die immer wieder entstehenden Krisen zu bekämpfen, verschärfen sie die Kluft zwischen den wohlhabenden Staaten im Norden und den verarmenden im Süden weiterhin.


Widerstände

Weitere Spaltungen brachte die Vereinheitlichung der Außen- und Sicherheitspolitik. Der Grund liegt auf der Hand: Die großen Staaten Europas haben jeweils eigene außenpolitische Traditionen und Interessen; während etwa Frankreich großes Gewicht auf die Françafrique legt, sein spezielles Einflussgebiet in seinen ehemaligen afrikanischen Kolonien, liegen deutsche Expansionsinteressen seit je stark in Ost- und Südosteuropa, das sich 1990 wieder für den Westen zu öffnen begann. Eine gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik einzuführen – das hieß unter diesen Bedingungen, Unvereinbares auf einen Nenner bringen zu wollen. In den Machtkämpfen um die Ausgestaltung der Außen- und Sicherheitspolitik setzte sich in der Praxis der Stärkere durch. Als Frankreich 1994 die Aktivitäten der EU-Staaten in Ost- und Südosteuropa um andere in seiner Interessensphäre ergänzen wollte, donnerte Verteidigungsminister Volker Rühe in einem Interview: »Das Eurokorps ist kein Afrikakorps.« Auf die vorsichtige Rückfrage, ob denn »die Franzosen das auch so« sähen, donnerte Rühe weiter: »Ich habe das so gesagt, und das ist eindeutig.«


Mit der überwältigenden Zustimmung des Bundestags am 2. Dezember 1992 war der Maastricht-Vertrag allerdings noch nicht in trockenen Tüchern. Es gab Klagen gegen ihn; am 12. Oktober 1993 schmetterte das Bundesverfassungsgericht sie ab; erst am 1. November 1993 konnte der Vertrag in Kraft treten. Ein Teil der Klagen kam von rechts; vor allem in der mittelständischen Wirtschaft hatte sich eine Opposition herausgebildet, die Manfred Brunner, Exkabinettschef von EU-Binnenmarktkommissar Martin Bangemann, juristisch vor dem Verfassungsgericht vertrat und nach dem Scheitern der Klage in der Rechtsaußenpartei Bund freier Bürger (BFB) politisch zu bündeln versuchte. Auch dies misslang. Mehrere Ex-BFB-Politiker wurden später in der AfD aktiv. In Großbritannien wiederum löste der Maastricht-Vertrag sowohl unter linken Gewerkschaftern als auch auf der Rechten Unmut aus; noch bevor er in Kraft trat, gründete sich am 3. September 1993 die UK Independence Party (UKIP). Letztlich legte der Maastricht-Vertrag also auch den Keim für den ersten Austritt aus der EU.


Info: https://www.jungewelt.de/artikel/439570.gr%C3%BCndung-der-eu-spaltende-vereinigung.html

25.11.2022

Erklärung der bundesweiten ATTAC-AG „Gobalisierung und Krieg“
zum türkischen Angriffskrieg:

Frankfurt (Main), 21.11.2022. Die bundesweite ATTAC-AG„Globalisierung und Krieg“ (BAG GuK) verurteilt die

verbrecherischen und völkerrechtswidrigen Bombardements im

Rahmen der türkischen Militäroffensive ‚Claw-Lock‘ auf

Nord-Syrien und den Nord-Irak und fordert eine klare

Verurteilung auch seitens der Bundesregierung gegenüber dem

NATO Mitglied Türkei.


Die Türkei bombardierte am vergangenen Wochenende wieder Städte

in Syrien und im Irak, darunter auch Kobanê, Shengal, Qamişlo

sowie viele weitere Ziele in der Autonomen Administration

Nord-Ostsyrien. Die Angriffe richten sich in Rojava gegen den

gesamten 30km tiefen und 700km langen Grenzstreifen. Es ist

eine groß angelegte Luftoperation, die nicht aus dem Nichts

kommt. Seit Monaten haben Erdogan und der türkische Staat

angekündigt, einen neuen Angriffskrieg zu starten.


Erst am 18.10.2022 waren von den kurdischen

Volksverteidigungskräften (HPG) 17 Identitäten preisgegeben

worden als vermutliche Opfer eines türkischen Giftgasangriffes.

Auch die Organisation „Internationale Ärzt*innen zur Verhütung

des Atomkrieges/Ärzt*innen in sozialer Verantwortung“ (IPPNW)

beschuldigt die Türkei des Gebrauchs verbotener chemischer

Waffen in ihren Einsätzen.1


IPPNW, Bericht v. 12.10.2022


Von den Angriffen sind laut Meldungen der kurdischen

Nachrichtenagentur ANF nicht nur Guerillakämpfer*innen

betroffen, sondern auch Zivilist*innen. Auch eine

Veröffentlichung des Wissenschaftlichen Dienstes des Deutschen

Bundestages kommt zu der Einschätzung, dass das

„Rechtfertigungsnarrativ der Türkei sich völkerrechtlich als

kaum tragfähig“ erweist.2


https://www.bundestag.de/resource/blob/896494/ffc70eb3fc4286a190efaebf52509eb9/WD-2-031-22-pdf-data.pdf


Bei den neuerlichen massiven Bombardements von Samstag- auf

Sonntagnacht kamen wieder mehr als dreißig Menschen ums Leben.


Entgegen der Berichterstattung in den Hauptmedien, die

hauptsächlich die transparenten Rechtfertigungsversuche des

Erdogan-Regimes zitieren, galten die Angriffe eben weniger

Stellungen der als terroristisch eingeordneten PKK, vielmehr

zivilen Zielen wie Einrichtungen der Energie- Gesundheits- und

Nahrungsversorgung sowie Geschäften und Häusern. Etliche

Zivilpersonen und ein Journalist sind nach verschiedenen

Meldungen unter den Opfern.


Seit dem 24. Februar tönt uns täglich die Empörung über den

Völkerrechtsbruch des russischen Angriffskrieges aus den

Medien entgegen. Sicher nicht zu Unrecht. Nur: Was immer die

Absichten Erdogans sein mögen, der Einsatz seiner Armee gegen

die kurdische Bevölkerung im eigenen Land ist schlimm genug.

Aber wo steht geschrieben, dass er das Recht hat, seine Armee

jenseits eigener Staatsgrenzen einzusetzen? Wo bleibt die

mediale Skandalisierung dieses erneuten Völkerrechtsbruches?


Die türkische Regierung nutzt den furchtbaren Anschlag in

Istanbul vom 13. November um die Angriffe zu begründen, obwohl

die Hintergründe dieses Anschlags noch vollkommen ungeklärt

sind. Angesichts dessen erscheint es als Farce, dass

ausgerechnet die Bundesinnenministerin Faeser in die Türkei

gereist ist, um mit ihrem türkischen Amtskollegen über

„Terrorismusbekämpfung“ zu reden, obwohl wir genau wissen,

dass diese der türkischen Regierung immer wieder als Vorwand

dient, um kurdische Städte anzugreifen, um Oppositionelle zu

inhaftieren und demokratische Parteien zu verbieten.


Apropos Terrorbekämpfung: Seit Jahrzehnten verbreiten

türkische Regierungen Terror gegen die kurdische

Bevölkerung, im eigenen Land sowie jenseits ihrer

Staatsgrenzen. Deren Opposition und

Selbstverwaltungsbestrebungen passen nicht ins großtürkische

Machtkalkül. Erdogan schreckt noch nicht einmal davor zurück,

tatsächlich terroristische Kräfte aus den Reihen des IS für

seine verbrecherischen Zwecke einzusetzen.


Aus dem gleichen Grund – Kampf gegen Opposition - erfolgen nun

auch wieder Angriffe des Teheraner Regimes gegen

Kurdengebiete im Nord-Irak. Die Beschwörung eines Feindes von

außen ist eine uralte, transparente Taktik, von den eigenen

Fehlentwicklungen im Inneren abzulenken.


Vor wenigen Wochen standen Frauen von den GRÜNEN bis zur CDU

medienwirksam mit der Forderung Jin Jihan Azadi vor der

Kamera, um sich mit den Frauen im Iran zu solidarisieren.

Frauen - Leben – Freiheit, das ist der Ausruf der Frauen in

Rojhilat, im Nordirak wie in Rojava, die dabei sind, ein

zukunftsweisendes Gesellschaftsmodell aufzubauen und geholfen

haben, den IS zu besiegen, aber nun gerade bombardiert werden.


Letzten Meldungen zufolge hat die türkische Regierung nun auch

den Einsatz von Bodentruppen angekündigt.


Die deutsche Regierung muss ihr Schweigen endlich brechen und

alle Angriffe auf Gebiete mit vorwiegend kurdischer Bevölkerung

unmissverständlich verurteilen - eben gerade auch die ihres

NATO-Partners Türkei.


Die BAG GuK fordert ein Ende der Kriminalisierung der kurdischen

Freiheitsbewegung und fordert den Stopp von Rüstungsexporten

auch in die Türkei.


Die BAG GuK weist darauf hin, dass der entsprechende Luftraum

unter Kontrolle der USA und(!) Russlands steht. Beide hätten

die Macht, die Bombardements sofort zu beenden.


Die BAG GuK steht solidarisch an der Seite der Bevölkerung in

den betroffenen Gebieten und ruft zur Teilnahme an

Solidaritätsveranstaltungen in den nächsten Wochen auf wie z.

B. am 26.11.2022 in Frankfurt(Main), 13:30 am Hauptbahnhof.


unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

25.11.2022

text


25.11.2022

Das Truppenstatut wurde im Januar 2022 erweitert.

Zusatzabkommen zum NATO-Truppenstatut

Zur Navigation springen Zur Suche springen Das Zusatzabkommen zu dem Abkommen zwischen den Parteien des Nordatlantikvertrages über die Rechtsstellung ihrer Truppen hinsichtlich der in der Bundesrepublik Deutschland stationierten ausländischen Truppen vom 3. August 1959, kurz NATO-Truppenstatut-Zusatzabkommen – NTS-ZA (BGBl. 1961 II S. 1183, 1218), ergänzt das NATO-Truppenstatut von 1951. Es wurde von den Vertretern Belgiens, Kanadas, Frankreichs, der Bundesrepublik Deutschland, der Niederlande, des Vereinigten Königreichs und der Vereinigten Staaten von Amerika unterzeichnet.

Es betrifft die Fragen der Stationierung fremder NATO-Streitkräfte, darunter Privilegierungen, Immunitäten, zum Beispiel bei der Zivil-, Verwaltungs- und Strafgerichtsbarkeit, der Sozialversicherung, der Zoll- und Steuerpflicht oder dem Führen von Kraftfahrzeugen.

Inhaltsverzeichnis

Heutige Situation

Das Zusatzabkommen wurde mehrfach geändert:

  1. durch das Abkommen vom 21. Oktober 1971 (BGBl. 1973 II S. 1021, 1022),
  2. die Vereinbarung vom 18. Mai 1981 (BGBl. 1982 II S. 530, 531) und
  3. das Abkommen vom 18. März 1993 (BGBl. 1994 II S. 2594, 2598).

Der Artikel 3 Absatz 2 des Zusatzabkommens zum NATO-Truppenstatut (ZA-NTS) wurde durch eine Reihe von Vereinbarungen spezifiziert und insbesondere durch das Abkommen vom 18. März 1993[1] umfassend geändert,[2][3] wobei die 1968/69 im Hinblick auf das G 10-Gesetz geschlossenen Verwaltungsvereinbarungen bis Anfang August 2013 in Geltung waren.[4]

Nach Anlage I Kapitel I Abschnitt I Ziffer 5 und 6 zum Einigungsvertrag sind auch das NATO-Truppenstatut sowie das Zusatzabkommen von der Geltung in den fünf neuen Bundesländern ausgenommen. Durch Notenwechsel (BGBl. 1990 II S. 1250, 1251, BGBl. 1994 II S. 26, 29 sowie BGBl. 1994 II S. 3714, 3716) wurde dann vereinbart, dass seit 12. September 1994 die Truppen in den neuen Bundesländern die gleichen Rechte haben mit der Ausnahme, dass die deutsche Bundesregierung dies nun für den jeweiligen Einzelfall neu genehmigen muss.

Neben der Rechtsstellung der NATO-Truppen hat auch die Bundeswehr ein Recht zur Truppenstationierung im europäischen Ausland, was durch das EU-Truppenstatut vom 17. November 2003 (ABl. 2003/C 321/02, BGBl. 2005 II S. 18) geregelt ist.[3]

Kritik

In Art. 3 Abs. 2 – „Die in Absatz (1) vorgesehene Zusammenarbeit [zwischen den deutschen und den Besatzungsbehörden] erstreckt sich insbesondere (a) auf die Förderung und Wahrung der Sicherheit sowie den Schutz des Vermögens der Bundesrepublik, der Entsendestaaten und der Truppen, namentlich auf die Sammlung, den Austausch und den Schutz aller Nachrichten, die für diese Zwecke von Bedeutung sind; […].“ – sieht der Historiker Josef Foschepoth die Erlaubnis der Überwachung des Post- und Fernmeldeverkehrs[5] unter anderem für die US-Amerikaner und kritisierte im Februar 2013 in einem Interview mit der Badischen Zeitung:[6]

„Einerseits das, was Brandt gesagt hat, dass die Vorbehaltsrechte abgelöst sind. Andererseits, dass das Zusatzabkommen zum NATO-Truppenstatut weiterhin die Grundlage für die alliierten Überwachungsmaßnahmen ist und bleibt. Schließlich, dass es auch in Zukunft jedem alliierten Militärbefehlshaber unbenommen ist, die zum Schutz der Truppen notwendigen Sicherungsmaßnahmen zu treffen, wozu auch die eigene Durchführung von Überwachungsmaßnahmen des Post- und Fernmeldeverkehrs gehört. […] Als die SPD 1990 im Bundestag wissen wollte, auf welcher Rechtsgrundlage die Special Forces der Amerikaner in Deutschland jetzt arbeiteten, bekam sie vom Staatsminister im Auswärtigen Amt zu hören: auf dem Aufenthaltsvertrag von 1954 und dem Zusatzabkommen zum Nato-Truppenstatut. Das alliierte Recht zur Überwachung des Post- und Fernmeldeverkehrs ist weder in der alten, noch der neuen Bundesrepublik außer Kraft gesetzt worden.“

Eingeschränkt wird diese Regelung im Truppenstatut wiederum durch Abs. 3b: „Dieser Absatz verpflichtet eine Vertragspartei nicht zur Durchführung von Maßnahmen, die gegen ihre Gesetze verstoßen würden […].“[7]

Der folgende Absatz ist nicht hinreichend mit Belegen (beispielsweise Einzelnachweisen) ausgestattet. Angaben ohne ausreichenden Beleg könnten demnächst entfernt werden. Bitte hilf Wikipedia, indem du die Angaben recherchierst und gute Belege einfügst.
Für geheime Vereinbarungen und ggf. tatsächliche Rechtswirkung fehlen über dieses Interview hinausgehende (Primär-)Quellen oder eine gründliche Einordnung der Behauptung.

Ebenfalls gilt laut Foschepoth, dass aufgrund des Zusatzabkommens und einer weiteren geheimen Vereinbarung von 1955 den Drei Mächten der Eingriff in das System der Strafverfolgung gestattet ist. Falls es im Interesse der Alliierten sei, könnten diese verhindern, dass relevante Informationen im Rahmen eines Strafverfahrens an die Öffentlichkeit gelangen. Außerdem sei der Strafverfolgungszwang der westdeutschen Polizei bei Personen aufgehoben worden, die für die Alliierten von Interesse waren. Stattdessen habe die Polizei den Verfassungsschutz und dieser umgehend den amerikanischen Geheimdienst zu informieren, so dass diese die Personen verhören und gegebenenfalls außer Landes schaffen könnten.[8]

Siehe auch




Einzelnachweise


  1. „Die NSA darf in Deutschland alles machen“, Süddeutsche Zeitung vom 9. Juli 2013.


  • Gesetz zu dem Abkommen vom 18. März 1993 zur Änderung des Zusatzabkommens zum NATO-Truppenstatut und zu weiteren Übereinkünften vom 28. September 1994

  • Josef Foschepoth: Überwachtes Deutschland: Post- und Telefonüberwachung in der alten Bundesrepublik. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2012, ISBN 978-3-525-30041-1, S. 299.

  • Auswärtiges Amt (Hrsg.): Truppenstationierungsrecht, Regelungen zum Truppenstatut und Änderungen nach 1993 (online).

  • Pressemitteilungen des Auswärtigen Amtes über das Außerkrafttreten der Verwaltungsvereinbarungen zum G10-Gesetz mit den USA und Großbritannien einerseits und Frankreich andererseits vom 2. und 6. August 2013.

  • Josef Foschepoth: Überwachtes Deutschland, 3. Aufl., Göttingen 2013, S. 47–51.

  • Stefan Hupka: Historiker Josef Foschepoth über den systematischen Bruch des Postgeheimnisses in der Bundesrepublik, Badische Zeitung vom 9. Februar 2013.

  • vgl. auch RA Thomas Stadler: Darf die NSA in Deutschland die Telekommunikation überwachen? In: Internet-Law. 28. Oktober 2013, abgerufen am 15. August 2014.

  • Info:



    Text zu Ratten

    25.11.2022

    Nachrichten von Pressenza - 25.11.2022

    aus e-mail von pressenza.net, 25. November 2022, 7:15 Uhr

    Kunstwettbewerb: Möge Friede auf Erden sein


    Seit 25 Jahren veranstaltet unsere aus Japan stammende Friedensorganisation May Peace Prevail On Earth International einen Malwettbewerb für Kinder und Jugendliche. Im Jubiläumsjahr 2022 erreichten uns 4.540 Bilder aus 77 Ländern. Wir baten die Kinder und Jugendlichen uns zum Thema „Möge Friede&hellip;

    http://www.pressenza.net/?l=de&track=2022/11/kunstwettbewerb-moege-friede-auf-erden-sein/


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    Das Wettern der Woche: Infantilo


    Der Beduine an sich gilt als stolz und unnahbar &#8211; von der Beduinin ganz zu schweigen. Heute gehört ihm Katar &#8211; und morgen die ganze Welt, wovon schon Hegels geflügelte Wort &#8222;Geld regiert die Welt&#8220; kündet. Der Anteil von Coca-Cola&hellip;

    http://www.pressenza.net/?l=de&track=2022/11/das-wettern-der-woche-infantilo/


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    „Wir haben es satt!“ – Indigene Gemeinschaften bei der COP


    Indigene Gemeinschaften sind mit einer eigenen Agenda zur Weltklimakonferenz COP27 nach Ägypten gereist. Sie würden sich nicht länger damit zufrieden geben, als Opfer der Auswirkungen des herrschenden Entwicklungsmodells betrachtet zu werden, so hieß es. Zu den Forderungen der Indigenen gehört&hellip;

    http://www.pressenza.net/?l=de&track=2022/11/wir-haben-es-satt-indigene-gemeinschaften-bei-der-cop/


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    Aufruf zum Tag der Solidarität mit Odessa am 10. Dezember 22


    Der Krieg Russlands in der Ukraine ruft uns täglich auf, uns in Wort und Tat auf die Seite der Bedrohten zu stellen. Die Initiative Protect Odessa – Protect Humanity ruft auf, am 10. Dezember 2022 in Rathäusern, Schulen, Glaubensgemeinschaften und&hellip;

    http://www.pressenza.net/?l=de&track=2022/11/aufruf-zum-tag-der-solidaritaet-mit-odessa-am-10-dezember-22/


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    Pressenza - ist eine internationale Presseagentur, die sich auf Nachrichten zu den Themen Frieden und Gewaltfreiheit spezialisiert hat, mit Vertretungen in Athen, Barcelona, Berlin, Bordeaux, Brüssel, Budapest, Buenos Aires, Florenz, Lima, London, Madrid, Mailand, Manila, Mar del Plata, Montreal, München, New York, Paris, Porto, Quito, Rom, Santiago, Sao Paulo, Turin, Valencia und Wien.


    Info: http://www.pressenza.net/unsub.php?t=c4a2807c11f9123a1ca928b9c5587766

    25.11.2022

    Fremde FedernDritter Weltkrieg, Lieferkettengesetz, Klima-Kolonialismus

    makronom.de, cvom 23. November 2022,

    In den „Fremden Federn“ stellen wir einmal pro Woche in Kooperation mit dem Kuratorendienst piqd eine Auswahl von lesenswerten journalistischen Fundstücken mit wirtschaftspolitischem Bezug zusammen. piqd versteht sich als eine „Programmzeitung für guten Journalismus“ – was relevant ist, bestimmen keine reichweitenoptimierten Algorithmen, sondern ausschließlich ausgewählte Fachjournalisten, Wissenschaftler und andere Experten.



    Nouriel Roubini: „World War III Has Already Effectively Begun“

    piqer:
    Lutz Müller

    Nouriel Roubini ist Emeritus an der Stern School of Business der New York University. Bekanntheit erreichte er vor allem mit seinen Prognosen über das Platzen der Immobilienblase 2004, zur Finanzkrise 2008, den Auswirkungen der Troika-Auflagen für die griechische Wirtschaft 2010 und den Einbrüchen der Finanzmärkte unmittelbar nach Ausbruch der Corona-Pandemie im Februar 2020. Seine Aussagen sind nicht unumstritten. Die einen sehen sie subjektiv gefärbt, andere würdigen ihre Realitätsnähe im Vergleich mit jenen aus der Welt der Modellrechnungen.

    Das Interview mit dem Spiegel »Der dritte Weltkrieg hat bereits begonnen« erschien in der letzten Ausgabe. Diese Steigerung in der Schärfe gegenüber dem englischen Text im Titel dieses PIQ wird nur dadurch etwas abgeschwächt, dass das Interview der Rubrik Wirtschaft zugeordnet wurde. Auf S+ online ist es im Abo mit der Präzisierung „… hat praktisch bereits begonnen“ verfügbar. Unten habe ich das englischsprachige Original verlinkt, das auf Spiegel International frei verfügbar ist.

    Es geht um Roubinis neues Buch mit dem Titel: „Megathreats. The Ten Trends that Imperil Our Future, and How to Survive Them”. Düsterer gehe es nicht, sagen die Interviewer.

    „The threats I write about are real – no one would deny that. I grew up in Italy in the 1960s and 1970s. Back then, I never worried about a war between great powers or a nuclear winter, as we had détente between the Soviet Union and the West. I never heard the words climate change or global pandemic. And no one worried about robots taking over most jobs. We had freer trade and globalization, we lived in stable democracies, even if they were not perfect. Debt was very low, the population wasn`t over-aged, there were no unfunded liabilities from the pension and health care systems. That’s the world I grew up in. And now I have to worry about all these things – and so does everyone else.“

    Zu jeder der zehn Bedrohungen könne der Autor sofort ein Beispiel liefern. In der Trockenheit dieses Sommers sind in Seen nahe Las Vegas Gangsterleichen aus den 1950ern aufgetaucht. Landwirte in Kalifornien verkaufen ihre Wasserrechte, was ertragreicher ist als noch irgendetwas anzubauen. Hausbesitzer an der Küste Floridas können ihre Immobilien nicht mehr versichern. Irgendwann wird die Hälfte der Amerikaner in den Mittleren Westen oder nach Kanada ziehen müssen.

    „That’s science, not speculation.“

    Ausführlicher wird die Situation auf dem Gebiet der Hochtechnologien hinterfragt. US-Exporte von Halbleitern nach China, die für KI, Quantencomputer oder militärische Zwecke genutzt werden können, wurden gerade unter Embargo gestellt. Wir seien schon mittendrin in einem Szenario, dass die USA aus Interesse an ihrer nationalen Sicherheit Druck auf Europa ausüben könnten, um ihre Militärpräsenz auf dem Kontinent nicht zu gefährden. Es wird unmöglich sein, dass die Europäer weiter Geschäfte mit den USA und China machen.

    „Trade, finance, technology, internet: Everything will split in two.“

    In der komplexen Verflechtung von Klimawandel, Krieg und Stagflation besteht eine große Gefahr für Demokratien, wenn sich die wirtschaftliche Situation stark verschlechtern wird. Ist die Politik damit überfordert? Sie müsse sich zuerst um Russland und die Ukraine kümmern als um Israel und Iran oder China. Aber auch die finanziellen, wirtschaftlichen und anderen Risiken dürfen nicht außer Acht gelassen werden.

    Die US-Regierung hat gerade erklärt, dass sie einen chinesischen Angriff auf Taiwan eher früher als später erwartet.

    „Honestly, World War III has already effectively begun, certainly in Ukraine and cyberspace.“

    Viele weitere Nuancen kommen in Nouriel Roubinis Einschätzungen zu Tage, so dass es sich lohnt, das komplette Interview zu lesen. Die Bindung zu seiner Heimatstadt  beschreibt er so:

    „… even if there is another hurricane like Sandy in New York that could lead to violence and chaos, I will stay. We have to face the world as it is…“

    Ein Gespräch mit Suzanne Kianpour von der BBC News ist auf YouTube zu finden (18 min). Und eine Leseprobe zum Buch, erschienen am 20. Oktober, gibt es hier. Die deutsche Ausgabe „Megathreats. 10 Bedrohungen unserer Zukunft – und wie wir sie überleben“ ist für den 9. November angekündigt.

    Der Spiegel„World War III Has Already Effectively Begun“Interview: Tim Bartz & David Böcking



    Unternehmen sollen auch in Konfliktregionen verantwortlich handeln

    piqer:
    Jürgen Klute

    Schon seit einiger Zeit arbeiten die Europäische Union, aber auch die Mitgliedsstaaten, an einem sogenannten Lieferkettengesetz. Der russische Krieg gegen die Ukraine, die Inflation und die Gaskrise haben die Entwicklung des Lieferkettengesetzes in der öffentlichen Wahrnehmung überschattet. Die EU-Kommission hat bereits im Februar 2022 eine Richtlinie über die unternehmerische Sorgfaltspflicht im Bereich der Nachhaltigkeit vorgelegt. Diese EU-Richtlinie, die dann in das Recht der einzelnen EU-Mitgliedsstaaten umgesetzt werden muss, will Unternehmen dazu verpflichten, Sorge dafür zu tragen, dass die in Europa selbstverständlichen Rechte von Arbeitnehmerinnen und Umweltschutzrechte auch innerhalb der weltweiten Lieferketten europäischer Unternehmen eingehalten werden.

    Die aus Finnland kommende grüne MdEP Heidi Hautala hat in einem Gastbeitrag für Euractiv dafür votiert, diese Richtlinie um einen Aspekt, der bisher nicht in ihr auftaucht, zu erweitern: Um Regelungen, wie Unternehmen, die in Konfliktgebieten tätig sind, sich dort zu verhalten haben. Hautala begründet ihren Vorschlag damit, dass sich derzeit in Schweden und Frankreich insgesamt drei Unternehmen gerichtlich verantworten müssen für fragwürdige Kooperationen mit Konfliktparteien.

    Welche Relevanz dieser Vorschlag von Hautala hat, zeigen ganz aktuell auch die Kooperationen zwischen deutschen und russischen Energieversorgungsunternehmen.

    euractivUnternehmen in Konfliktzonen müssen Verantwortung für Handeln übernehmenAutorin: Heidi Hautala



    Die größten CO2-Schleudern des Planeten (und deiner Nachbarschaft)

    piqer:
    Rico Grimm

    Je nachdem, wo man wohnt, kennt jeder einen dieser großen Industriekomplexe, die mit ihren Rohrgeflechten, Schloten und weiten Hallen zu festen Bestandteilen der lokalen Landschaft geworden sind. Die mächtige BASF an den Ufern des Rheins in Ludwigshafen, die Shell Raffinerie flussabwärts bei Köln, das Leuna-Werk, das jeder Autofahrer auf der A9 Richtung Berlin schon gesehen hat. Wer diese Anlagen sieht, weiß, dass sie das Klima zerstören. Aber wie genau, bleibt rätselhaft.

    Ein neues Projekt des ehemaligen US-Vizepräsidenten Al Gore zeigt nun für Tausende Industrieanlagen auf der ganzen Welt, wie viele Emissionen sie produzieren. Die Shell-Raffiniere auf Platz 1.796, Leuna auf Platz 1.427. Die größte Dreckschleuder des Planeten ist aber – wenn man jedenfalls der KI- und satellitengestützten Methodologie dieser Studie folgt – das Permian-Becken in den USA, wo Frackingfirmen Öl und Gas aus dem Boden holen.

    Überraschend für mich waren beim Blick auf die Karte weniger die genauen Daten, sondern der große weite Blick auf die Weltkarte. Tausende Punkte, Tausende große CO2-Schleudern. Das hat mir noch einmal ein anderes Gefühl gegeben für die Aufgabe, vor der die Menschheit steht.

    climate traceEmissions Map



    LinkedIn-Studie: Arbeitgeber planen „spürbare Einschnitte“

    piqer:
    Meike Leopold

    War’s das mit dem viel beschworenen Arbeitnehmermarkt der vergangenen Jahre? Trotz Rekordgewinnen sowie händeringenden Klagen über Fachkräfte- und Nachwuchsmangel wollen die Unternehmen jetzt die Daumenschrauben bei den Mitarbeitenden anziehen.

    Was heißt das konkret? Laut einer internationalen Studie von LinkedIn/YouGov „stehen sowohl eine Reihe von Mitarbeiter-Benefits als auch das Homeoffice zur Debatte“.

    Bei den Einsparungen zulasten der Mitarbeiter:innen, etwa bei der Ausstattung des Homeoffice, den Zuschüssen zu den Internetkosten oder freien Tagen, schicken sich besonders deutsche Unternehmen an, „Rekordhalter“ zu werden:

    Mit 74 Prozent der Unternehmen, die ihre Benefits kürzen (wollen), liegt Deutschland nicht nur über dem internationalen Durchschnitt (66 Prozent), sondern erreicht in Europa sogar den zweithöchsten Wert hinter Schweden (80 Prozent).

    Die Studie stellt fest:

    Diese Maßnahmen sind insofern überraschend, weil Führungskräfte sich sehr wohl der finanziellen Belastung ihrer Mitarbeiter bewusst sind: 44 Prozent von ihnen glauben sogar, dass dies derzeit die größte Sorge ihrer Angestellten ist.

    Doch damit nicht genug. Die Produktivität der Mitarbeitenden solle erhöht werden, indem diese wieder mehr im Büro erscheinen müssen, so die Studie. „Demnach war im September lediglich jede zehnte ausgeschriebene Stelle in Deutschland (10 Prozent) als remote Job ausgewiesen.“ Auch hier rankt Deutschland übrigens direkt hinter Spitzenreiter Irland. Nicht zuletzt für Frauen dürften das nach allen Belastungen der Pandemie erneut schlechte Nachrichten sein.

    Die Pläne wären ein herber Dämpfer für die Motivation der „Workforce“, darüber sind sich sogar die Befragten klar. Ob Unternehmen sich das in der derzeitigen Krisenlage wirklich leisten können? LinkedIn stellt fest: „Gerade wenn der Druck von außen groß ist, profitieren Unternehmen und Mitarbeiter davon, wenn sie am selben Strang ziehen.“

    presseportalDer Weg aus der Krise – lassen Arbeitgeber jetzt ihre Mitarbeiter im Stich?



    Klimapolitik und Kolonialismus

    piqer:
    Jürgen Klute

    Klimapolitik ist im Kern Wirtschaftspolitik. Denn die Klimaerwärmung ist Folge der Produktion der Dinge und Dienstleistungen, die wir zum Leben brauchen bzw. von denen wir meinen, dass wir sie zum Leben brauchen. Die hoch entwickelte Wirtschaft in den reichen Gesellschaften ist allerdings auf unterschiedliche Ressourcen aus anderen Regionen des Globus angewiesen und die Folgen dieses Wirtschaftens, wie z. B. die CO2-Emissionen, wirken sich auf das Klima des gesamten Globus aus. Klar ist damit, dass wir die Klimaerwärmung nur stoppen können, wenn die Wirtschaft der reichen Länder klimaverträglich umgebaut wird. Das ist kein einfacher Akt. Und die Vorstellungen, wie die Wirtschaft umgebaut werden müsste, sind in den reichen Gesellschaften andere als in den ärmeren.

    Angesichts der Klimakonferenz COP27 in Ägypten haben sich auch Klimaaktivist*innen aus wirtschaftlich ärmeren Ländern zu Wort gemeldet. Sie haben einen völlig anderen Blick auf die Klimakrise. Die Luxemburger Zeitung woxx schreibt dazu:

    „Die Klimakrise ist Ausdruck ineinandergreifender Unterdrückungssysteme und eine Form des Kolonialismus“, stellt die Klimaaktivistin Meera Ghani, früher selbst Verhandlungsführerin für Pakistan, fest. Dieser Ansicht schließt sich auch das Konsortium „Allied for Climate Transformation 2025“ (ACT2025) an, ein Zusammenschluss von Think Tanks und Expert*innen, die ehrgeizige, gerechte und ausgewogene Ergebnisse bei den UN-Klimaverhandlungen fordern und dabei vor allem die Bedürfnisse und Prioritäten besonders gefährdeter Entwicklungsländer im Blick haben.

    Sechs Punkte haben die Klimaaktivisten um Meera Ghani benannt, die aus ihrer Sicht vorrangig zu bearbeiten und zu klären sind für eine auch aus Sicht der Entwicklungsländer gerechte und ausgewogene Klimapolitik. woxx hat in dem hier empfohlenen Artikel diese sechs Punkte ausführlich dargestellt.

    woxx„Die Klimakrise ist eine Form des Kolonialismus“Autor: Birgit Engel



    Wie man mit Nichts reich wird

    piqer:
    Rico Grimm

    Was haben George Clooneys Tequilla, Rihannas Unterwäsche und Christiano Ronaldos NFT-Sammlung gemeinsam?

    Hier wird nicht ein Produkt vermarket, sondern eine Berühmtheit. Ob das jeweilige Produkt gut oder schlecht ist, ob es überhaupt ein Produkt ist (NFTs?), interessiert niemanden.

    Dieser Artikel nimmt euch mit in die Welt des „Influencer-Kapitals“, eine Welt, in der Hunderte Millionen fließen, um Marken aufzubauen, die nur existieren können, weil eine Berühmtheit sie auf Social Media bewirbt. Den Boom losgetreten hatte George Clooney, der zusammen mit ein paar Kumpels eine Tequila-Brennerei aufgemacht hat, nur um sie vier Jahre später für sage und schreibe eine Milliarde Dollar an den großen Alkoholkonzern Diageo zu verkaufen. Danach starteten alle möglichen Promis Mode- und Food-Firmen, immer in der Hoffnung, sie dann weiterverkaufen zu können.

    Der nächste logische Schritt waren dann natürlich NFTs: Einfach die aufwendig herzustellenden Produkte weglassen und direkt nichts zu verkaufen. Denn mit der absoluten Mehrheit der Celebrity-NFTs geht im Grunde nichts einher: Sie geben einem keine Privilegien oder Ähnliches.

    Nachdem ich diesen Text gelesen hatte, habe ich mich gefragt, was das bedeutet: Und für mich sind all diese Storys Beleg dafür, welch wichtige Währung Aufmerksamkeit geworden ist. Wenn du Aufmerksamkeit hast, kannst du in unserer Welt alles verkaufen. Vielleicht werden in ein paar Jahren die Historiker auf die Zehnerjahre zurückblicken und sie als den Zenit der Aufmerksamkeitsökonomie einordnen.

    nymagThe Rise of Influencer Capital Autor: Malcolm Harris



    Wie weiter mit dem Klagerecht auf die fossile Zukunft?

    piqer:
    Nick Reimer

    Nach der Klimakonferenz (hier: was von den Ergebnissen zu halten ist) ist vor der nächsten wichtigen Konferenz in Sachen Klimazukunft: In der mongolischen Hauptstadt Ulan Bator sind heute die Mitglieder des Energiecharta-Vertrages (ECT) zusammenkommen, um über eine Reform des 1998 in Kraft getretenen Vertrages zu beraten. Im Kern gibt dieser internationale Investitionsschutzvertrag Energiekonzernen das Recht, vor Schiedsgerichten gegen Staaten, in denen sie investiert haben, zu klagen – wenn ihre Investitionen durch Klimaschutzmaßnahmen entwertet werden. Wenn die Staaten also zum Beispiel Maßnahmen für weniger Treibhausgase beschließen, als es in den Konzernplänen vorgesehen war.

    Ursprünglich war der Vertrag vor allem dazu gedacht, Investitionen westlicher Energiekonzerne in ehemaligen Ostblockstaaten anzuregen und abzusichern. Mehr als 50 Staaten, vor allem aus Europa, sind dem Abkommen beigetreten, aber er ist nicht mehr zeitgemäß. Die Bündnisgrüne Fraktionschefin Katharina Dröge:

    „Kein anderes internationales Handels- oder Investitionsabkommen der Welt hat mehr Investorenklagen ausgelöst als der Energiecharta-Vertrag. Dieser Vertrag ist ein Hindernis für die Energiewende und kostet den Staat Milliarden.“

    Bislang beriefen sich mehr als 200 Kläger auf den ECT-Vertrag, immer noch sind Dutzende Klagen anhängig. Bekanntester Fall in Deutschland ist der Kläger  Vattenfall: Schwedens Staatskonzern forderte nach dem deutschen Atomausstiegs 2011 Entschädigungen in Milliardenhöhe. Deutschland zahlte im Rahmen eines Vergleichs schließlich 1,4 Milliarden Euro.

    Klagen kann derzeit, wer im Besitz eines Kraftwerks, eines Ölfelds, eines Gasprojekts ist – wenn die Staaten ihre Politik beispielsweise klimafreundlicher machen wollen. Claudia Kemfert, Professorin für Energiewirtschaft, urteilt:

    „Der Vertrag ist ein Hindernis für die Energiewende, denn oft wurden politische Entscheidungen gegen fossile Energien angefochten und hohe Entschädigungssummen durchgesetzt. Das ist teuer für den Staat.“

    Tatsächlich ist der ECT-Vertrag gehörig unter Druck: Nachdem zuletzt 15 Verhandlungsrunden ohne Ergebnis ausgegangen sind, liegt in Ulan Bator erstmals ein konkreter Reformvorschlag vor. Demnach sollen die Klagerechte von Investoren bei fossilen Brennstoffen etwas beschränkt werden, und zwar in der EU sowie in Großbritannien. Grundsätzlich sollen Investitionen in fossile Brennstoffe bis 2033 geschützt werden, bei Erdgasprojekten bis 2043. Zudem soll der Vertrag auf neue Energieträger und Technologien wie Wasserstoff, Biomasse und Kohlendioxidabscheidung ausgeweitet werden.

    Dem Vernehmen nach wird an diesem Mittwoch entschieden. Bremser scheint ausgerechnet die Bundesrepublik Deutschland zu sein.

    NDLanger Weg aus fossiler KnebelungAutor: Kurt Stenger


    Info: https://makronom.de/dritter-weltkrieg-lieferkettengesetz-klima-kolonialismus-43027?utm_source=rss&utm_medium=rss&utm_campaign=dritter-weltkrieg-lieferkettengesetz-klima-kolonialismus

    25.11.2022

    Interview
    Der Wohlstand in Deutschland kann langfristig nur von der Ressource Mensch kommen“

    makronom.de, vom 24. November 2022, Interview: Susanne Erbe

    Ein Gespräch mit dem Ökonomen Ludger Wößmann über die Bedeutung von Bildung für Wachstum und Wohlstand, die Messung von Bildungsleistungen und die Probleme in der deutschen Bildungslandschaft.


    Zitat: Angesichts der vielen akuten Krisen ist ein Politikbereich aus dem Fokus geraten, der jedoch wesentlich zu internationaler Wettbewerbsfähigkeit und damit zu Wohlstand beiträgt: die Bildungspolitik. Dabei gäbe es hier viel zu tun, wie nicht zuletzt die Pandemie mehr als deutlich gemacht hat. Im Gespräch mit Makronom-Redakteurin Susanne Erbe erläutert der Ökonom Ludger Wößmann den Beitrag von Bildung und Ausbildung zu Wachstum und Wohlstand, zeigt die Probleme in der deutschen Bildungslandschaft auf und gibt Anstöße, wie die Voraussetzungen in Deutschland verbessert werden könnten.


    Herr Wößmann, es wird immer wieder gesagt, Wissenskapital bilde eine wichtige Basis für Wachstum und Produktivität. Können Sie den Wirkungsmechanismus erklären?

    Ludger Wößmann: Makroökonomisch werden vor allem drei Wirkungsmechanismen diskutiert. Erstens ist Bildung ökonomisch gesehen eine Investition. Zunächst müssen Zeit, Mühe und Geld aufgewendet werden. War die Investition erfolgreich, führt sie später im Arbeitsleben zu einer höheren Produktivität. Deshalb kann man Bildung als eine Investition in das volkswirtschaftliche Wissenskapital verstehen: Je besser die Bevölkerung ausgebildet ist, desto höher die gesamtwirtschaftliche Produktivität und damit der erwirtschaftete Wohlstand.

    Zur Person

    Ludger Wößmann leitet das ifo Zentrum für Bildungsökonomik am Münchener ifo Institut und lehrt Volkswirtschaft an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Auf Twitter: @woessmann

    Zweitens ist Wissenskapital vielfach auch die Basis für technischen Fortschritt. Der wichtigste Produktionsfaktor im Bereich Forschung und Entwicklung sind zumeist hochqualifizierte Mitarbeiter:innen. Insofern ist Wissenskapital wichtig für Innovationen, die langfristig das Wachstum der Volkswirtschaft bestimmen. Drittens kommt der Bildung der Bevölkerung auch eine zentrale Rolle zu, wenn es darum geht, Innovationen, die anderswo entstanden sind, im eigenen Land oder der eigenen Firma zu übernehmen und umzusetzen. Alle drei Mechanismen führen dazu, dass Bildung langfristig eine wesentliche Quelle von Wachstum und Wohlstand ist.

    Mit welchen Modellen wird der Zusammenhang von Bildung und Wachstum erklärt?

    Mit einem einfachen Modell, das nur die Bildung der Bevölkerung und das Ausgangsniveau des Bruttoinlandsprodukts pro Kopf berücksichtigt, lassen sich statistisch gesehen über drei Viertel der internationalen Unterschiede in den langfristigen Wachstumsraten des Bruttoinlandsprodukts pro Kopf erklären. Zentral ist dabei, dass Bildung nicht einfach mit der Bildungsdauer – den durchschnittlichen Bildungsjahren der Bevölkerung – gemessen wird, denn pro Jahr wird in verschiedenen Ländern sehr unterschiedlich viel gelernt. Darum messen wir die Bildung der Bevölkerung damit, wie sie in mathematischen und naturwissenschaftlichen Schülerleistungstests wie etwa in PISA abgeschnitten hat – was wir aggregiert als das „Wissenskapital“ einer Volkswirtschaft bezeichnen. Es kommt also darauf an, was die Menschen wirklich gelernt haben – und nicht, wie lange sie dafür gebraucht haben.

    Welche Länder schnitten in den Untersuchungen am besten ab?

    Wenn wir die ganz großen Linien betrachten, dann sind etwa die Menschen in Lateinamerika heute im Durchschnitt zweieinhalbmal so wohlhabend wie vor zwei Generationen. Demgegenüber sind die Menschen in Ostasien neunmal so wohlhabend wie ihre Großelterngeneration. Warum sind die einen Länder so viel reicher geworden, die anderen nicht? Das sind doch die großen Fragen, die wir als Ökonomen beantworten wollen.

    „Die Wachstumsunterschiede zwischen Lateinamerika und Ostasien können komplett durch das bessere Wissenskapital der Bevölkerung in den ostasiatischen Ländern erklärt werden“

    Empirisch gesehen ist es so, dass diese Wachstumsunterschiede zwischen Lateinamerika und Ostasien komplett durch das bessere Wissenskapital der Bevölkerung in den ostasiatischen Ländern erklärt werden können. Statistisch gesehen bleibt nach der Berücksichtigung der besseren Bildungsleistungen kein Unterschied mehr in den Wachstumsraten des Bruttoinlandsprodukts pro Kopf übrig, der anders erklärt werden müsste.

    Inwieweit ist ein Land wie Deutschland besonders auf die Ressource Bildung angewiesen?

    Die Gaskrise führt uns gerade wieder einmal drastisch vor Augen, dass uns hierzulande viele natürliche Ressourcen fehlen. Daher kann der Wohlstand langfristig nur von der Ressource Mensch kommen: den Fähigkeiten, Fertigkeiten und Kompetenzen, die die Bevölkerung erworben hat, und mit denen wir unseren Wohlstand erwirtschaften.

    Welche Art von Bildung spielt hier eine Rolle?

    In den angesprochenen Untersuchungen messen wir das Wissenskapital durch mathematische und naturwissenschaftliche Kompetenzen. Insofern scheint dem MINT-Bereich – Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik – schon eine besondere Bedeutung zuzukommen. Gerade in der deutschen Wirtschaft sind die Erträge hier besonders hoch.

    Das sollte aber auch nicht überbetont werden: Die mathematischen und naturwissenschaftlichen Kompetenzen sind im internationalen Vergleich beispielsweise sehr hoch mit den sprachlichen Kompetenzen korreliert. Das lässt sich letztlich sehr schwer auseinanderhalten. Und verschiedene Studien zeigen, dass in der modernen Wirtschaft auch Kompetenzen im nicht-kognitiven Bereich – etwa soziale Kompetenzen wie Teamfähigkeit – eine wachsende Bedeutung zukommt. Wir sollten Wissenskapital also schon in der gesamten Breite der Kompetenzen verstehen, die wirtschaftlich produktiv sind.

    Derzeit wird in vielen Bereichen über Fachkräftemangel geklagt. Fehlen vor allem gut ausgebildete Facharbeiter? Und wenn ja, hat die Zunahme akademisch ausgebildeter Berufsanfänger dies verschärft?

    Ich habe Fachkräftemangel immer so verstanden, dass insgesamt ein Mangel an qualifizierten Beschäftigten besteht. Da hilft es wenig, unsere klassische duale Berufsausbildung und die Hochschulbildung gegeneinander auszuspielen. Der größte Treiber in diesem Bereich ist der demographische Wandel: Die geburtenstarken Jahrgänge gehen in Rente, da können nicht alle Stellen wieder besetzt werden. Dieser Trend wird sich in den nächsten Jahren noch weiter verstärken. Wenn die Unternehmen gerade im Bereich der beruflichen Ausbildung oder auch der Techniker- und Meisterausbildung besonders große Knappheiten verspüren, dann sollten sie in erster Linie die entsprechend qualifizierten Mitarbeiter:innen besser bezahlen. Dann würde es schon dazu kommen, dass sich wieder mehr für diese Ausbildungsrichtungen entscheiden.

    „Es hilft wenig, unsere klassische duale Berufsausbildung und die Hochschulbildung gegeneinander auszuspielen“

    Insgesamt ist es aber schon so, dass Absolventen mit einem Hochschulabschluss im Durchschnitt ein wesentlich höheres Lebenseinkommen erzielen als Menschen mit einer dualen Berufsausbildung oder auch einer Meister- oder Technikerausbildung. Insofern liefert der Markt insgesamt keine Anzeichen dafür, dass wir in Deutschland zu viele akademisch ausgebildete Berufsanfänger hätten. Es kommt sicherlich darauf an, dass das jeweilige Studium in einem Fachgebiet ist, in dem auch Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt besteht. Aber wenn das gegeben ist, haben wir sicherlich nicht zu viele Absolventen mit höherer Bildung.

    Welche Bedeutung hat Bildung für eine gerechte Einkommensverteilung und die Integration von Zugewanderten?

    Wenn Bildung ein entscheidender Faktor für die Produktivität und die Chancen am Arbeitsmarkt ist, dann ist die Verteilung der Bildung auch ein entscheidender Faktor für die Verteilung der Einkommen. Daher ist es alarmierend, dass gerade in Deutschland die Bildungschancen so stark vom jeweiligen Elternhaus abhängen. Zum Beispiel liegen die Mathematikleistungen von 15-jährigen Schüler:innen aus Familien mit niedrigem sozioökonomischen Status im Durchschnitt etwa vier Schuljahre hinter den Leistungen von jenen mit hohem sozioökonomischen Status. 79% der Kinder von Akademikern nehmen selbst ein Studium auf, aber nur 27% der Kinder von Nichtakademikern. Wenn wir die Chancengleichheit in unserem Land verbessern wollen, dann müssen wir gerade benachteiligten Kindern eine bessere Bildung ermöglichen. Ich halte das für eine zentrale Säule der Sozialen Marktwirtschaft, die alle Menschen dazu befähigen muss, an den Möglichkeiten einer offenen Gesellschaft teilzuhaben.

    „Es ist alarmierend, dass gerade in Deutschland die Bildungschancen so stark vom jeweiligen Elternhaus abhängen“

    Auch im Bereich der Zuwanderung ist Bildung der Schlüssel für eine erfolgreiche Integration. Die Migrationsforschung hat wiederholt belegt, dass Spracherwerb und berufliche Qualifikationen der Migranten entscheidende Faktoren für die Integration am Arbeitsmarkt sind. Und ohne eine Integration am Arbeitsmarkt wird langfristig auch eine erfolgreiche Integration in die Gesellschaft insgesamt nicht gelingen.

    Wo muss angesetzt werden, um ein optimales Bildungsergebnis zu erzielen?

    Insgesamt gilt: Je früher wir ansetzen, desto besser. Darum kommt einer qualitativ hochwertigen frühkindlichen Bildung für alle Kinder eine große Bedeutung zu. Die Schere geht schon vor Beginn der Schulzeit auseinander. Je früher wir die Entwicklung der Kinder aus benachteiligten Verhältnissen fördern, desto größer ist das Potenzial, Lebenswege wirklich zum Besseren zu verändern. Natürlich müssen wir dann in den Grundschulen und in den weiterführenden Schulen weiter darauf aufbauen und diejenigen Kinder, die von ihrem Elternhaus weniger Unterstützung erhalten als andere Kinder, besonders fördern.

    Deutschland schneidet bei internationalen Vergleichen der schulischen Bildung nur unterdurchschnittlich ab, auch die Bildungsausgaben liegen unter dem OECD-Durchschnitt. In welchen Bereichen ist dies besonders gravierend?

    Es ist wichtig, dass wir hier auf die Ergebnisse schauen und nicht nur auf die Inputs. Es kommt nicht darauf an, wieviel Geld wir reinstecken. Sondern es kommt darauf an, welche Kompetenzen den Kindern und Jugendlichen vermittelt werden, damit sie sich im Leben erfolgreich bewähren können. Das zeigen die angesprochenen Ergebnisse der Bedeutung des Wissenskapitals für den Wohlstand. Die relevanten Kompetenzen scheinen durch die internationalen Schülertests recht gut gemessen werden zu können.

    Lassen sich anhand der Höhe der Bildungsausgaben Ergebnisse messen?

    Wenn wir auf Inputmaße wie Bildungsausgaben schauen, dann ist es darüber hinaus wichtig, nicht einfach zum Beispiel die Ausgaben als Anteil am Bruttoinlandsprodukt pro Kopf anzuschauen. Denn ein solches Maß ist ja sehr stark von der demographischen Struktur der Bevölkerung abhängig, also zum Beispiel wie viele Bildungsteilnehmer:innen und wie viele Senior:innen es gibt. Wenn wir schon auf Ausgaben schauen, dann zumindest in dem Sinne, wieviel Mittel pro Bildungsteilnehmer:in zur Verfügung steht. Und da steht Deutschland im internationalen Vergleich eher mittelmäßig da, aber nicht unterdurchschnittlich.

    „In den zehn Jahren nach dem PISA-Schock Anfang sind die Leistungen zunächst deutlich gestiegen – aber in den letzten zehn Jahren hat sich der Trend komplett umgekehrt und wir sehen einen systematischen Abwärtstrend“

    Weit wichtiger ist aber, dass wir im internationalen Vergleich überhaupt keinen Zusammenhang zwischen Ausgaben und Ergebnissen sehen: In Ländern mit höheren Bildungsausgaben oder kleineren Schulklassen schneiden die Schüler:innen etwa in den PISA-Tests nicht systematisch besser ab. Darum wird uns ein Fokus auf die Ausgaben nicht weiterhelfen. Es kommt darauf an, die Mittel effektiv einzusetzen, damit die Kinder und Jugendlichen erfolgreich lernen.

    Wie haben sich die Bildungsleistungen in Deutschland langfristig entwickelt?

    Wir haben für Deutschland mittlerweile eine ganze Reihe von Studien, die die Leistungen der Schüler:innen in einer über die Zeit vergleichbaren Weise testen, wenn auch jeweils nur in mehrjährigen Abständen. Nehmen wir die Ergebnisse aller dieser Tests – PISA, TIMSS, IGLU und die IQB-Tests in den Grund- und weiterführenden Schulen – in Mathematik, Naturwissenschaften und Deutsch zusammen, dann ergibt sich ein klares Bild der Entwicklung der deutschen Schülerleistungen über die Zeit: In den zehn Jahren nach dem PISA-Schock Anfang des Jahrtausends sind die durchschnittlichen Leistungen zunächst deutlich gestiegen. Aber in den letzten zehn Jahren hat sich der Trend komplett umgekehrt und wir sehen einen systematischen Abwärtstrend.

    Insgesamt ist es also ein „trauriges Smiley“, das zunächst an- und dann wieder absteigt. Und durch die Bildungsverluste während der Corona-Pandemie hat sich die Situation noch weiter verschlimmert. Es wird höchste Zeit, dass wir als Gesellschaft wieder höchste Priorität darauf legen, dass sich die Lernergebnisse der Kinder und Jugendlichen verbessern.

    Wie lässt sich die Qualität der Ausbildung verbessern?

    Insgesamt zeigt die Forschung, dass institutionelle Rahmenbedingungen, die allen Beteiligten Anreize für den Einsatz für bessere Bildungsleistungen geben, ein wesentlicher Faktor für die Qualität des Schulsystems sind. Ein wichtiger Bestandteil ist dabei die Kombination aus externen Leistungsprüfungen und mehr Selbständigkeit für Schulen. Externe Zwischen- und Abschlussprüfungen erhöhen die Transparenz und Vergleichbarkeit der Bildungsleistungen und setzen verbindliche Ziele. Wird das Erreichen dieser Ziele extern überprüft, dann kann man den Schulen viel Autonomie geben, wie sie diese Ziele am besten erreichen.

    Schulen haben sehr unterschiedliche Aufgaben, von der Verwaltung über die Pflege der digitalen Infrastruktur bis zur Betreuung von Schülern. Die Vermittlung von Bildung ist dabei wichtig, aber eben nur ein Teil der Aufgaben. Könnten die vorhandenen Finanzmittel nicht effizienter genutzt werden, wenn Lehrer von organisatorischen Aufgaben stärker entlastet würden und einzelne Bereiche schulübergreifend zentralisiert werden könnten?

    Ja, ich denke schon, dass es da viel Spielraum für Verbesserung gäbe. Es ist sicherlich nicht effizient, wenn jede Schule ihr eigenes Digitalisierungskonzept entwickeln, den Datenschutz sicherstellen und die Ausschreibung von Gerätebeschaffungen organisieren muss. Hier haben einheitliche Regelungen ein großes Synergiepotenzial.

    Die Probleme zahlreicher Schulen mit der Digitalisierung traten in der Coronapandemie besonders stark hervor. Welche Maßnahmen könnten hier zur Besserung beitragen?

    Das Thema Digitalisierung ist ein gutes Beispiel dafür, dass Geld allein nicht ausreicht. Schon vor der Pandemie hatten sich Bund und Länder auf den Digitalpakt Schule geeinigt. Aber das hat fast ein Jahrzehnt gedauert, weil die Zuständigkeiten einfach nicht klar sind. Und aus demselben Grund wurden die auf dem Tisch liegenden Mittel dann sehr lange gar nicht abgerufen.

    „In den meisten Bundesländern werden die Lehrkräfte von Behörden nach dem Prinzip der Zentralverwaltung zugeteilt – ein erstaunlicher Anachronismus, den man nirgendwo sonst mehr so antrifft“

    Das hat damit zu tun, wie unser Bildungsföderalismus organisiert ist: Erst musste der Bund mit den Ländern Verwaltungsvereinbarungen abschließen, dann musste jedes Land wiederum eine Förderrichtlinie für die Schulträger erarbeiten, und schließlich mussten die Schulträger Anträge schreiben und einreichen – wiederum in Absprache mit den einzelnen Schulen, von denen sie teilweise weit weg sind. Woraufhin dann der Genehmigungsprozess nach oben zurück läuft. So vergehen Jahre, ohne dass sich für die Schüler:innen etwas an der Realität an den Schulen ändert.

    Darum brauchen wir für Strukturreformen im föderalen System und in der operationellen Umsetzung Vorgaben, die die Zuständigkeiten und Verantwortlichkeiten klarer regeln. Aus den Erfahrungen der Corona-Pandemie sollten Reformvorschläge entwickelt werden, wie Zuständigkeiten zwischen Bund, Ländern und Gemeinden verteilt werden sollten. Zwischen den drei Ebenen bedarf es vereinfachter Verwaltungsabläufe und effektiverer Zuständigkeitsverteilungen, die jeweils mit der Verantwortung zusammenfallen müssen.

    Denn die bei der Digitalisierung zu bewältigenden Aufgaben sind immens: Investitionen in Breitbandinfrastruktur und digitale Geräte sind wichtig, reichen alleine aber bei Weitem nicht aus. Wir benötigen auch Investitionen in anwendungsorientierte Konzepte für eine qualitativ hochwertige Nutzung digitaler Technologien im Unterricht und in adaptive Lernsoftware, die sich an den jeweiligen Lernstand der Schüler:innen anpasst und sie so individuell fördern kann. Das pädagogische Personal muss für den professionellen Einsatz digitaler Medien geschult und bei der Nutzung unterstützt werden.

    In welchem Maße lassen sich föderalistische Restriktionen überwinden?

    Das Thema Digitalisierung hat ja beispielhaft gezeigt, was hier notwendig ist. Gerade die Rahmenbedingungen für die Bereitstellung rechtssicherer und datenschutzkonformer digitaler Infrastruktur und Software sollten durch länderübergreifende Standards einheitlich geregelt werden. Dazu müssen sich die Bundesländer in einer Praxis der verbindlichen Kooperation stärker koordinieren. Bei bundesweit relevanten Themen sollten einheitliche Rahmenbedingungen in Staatsverträgen verbindlich festgelegt werden. Das gilt zum Beispiel generell für datenschutzkonforme Digitalisierung, wichtige Corona-Regeln, einheitliche Prüfungsregelungen oder die Fächerwahl im Abitur.

    Worin sehen Sie die größten Stärken und Schwächen der deutschen Bildungslandschaft? Welche Maßnahmen sollten priorisiert werden?

    Wenn ich eine Maßnahme priorisieren müsste, dann wären das deutschlandweite Zwischen- und Abschlussprüfungen. Wenn einheitliche Prüfungen das Erlernte deutschlandweit überprüfen, besteht ein verbindliches Ziel, auf das sich Lehrkräfte und Schüler:innen in allen Bundesländern vorbereiten müssen. So sollten zum Beispiel in einem gemeinsamen Kernabitur in den Kernfächern Mathematik, Deutsch und Englisch deutschlandweit Prüfungsbestandteile gemeinsam durchgeführt werden. Diese können Qualität und Schülerleistungen erhöhen und zur Sicherstellung der nationalen Bildungsstandards, bundesweit hinreichender Studierfähigkeit und fairem Hochschulzugang beitragen. In ähnlicher Weise sollten bundesweite Prüfungsbestandteile in den anderen Schulabschlüssen sowie in Zwischenprüfungen ausgewählter Jahrgangsstufen eingeführt werden.

    Um die extern überprüften Bildungsziele zu erreichen, sollten die Schulen dann mehr Selbständigkeit erhalten, also zum Beispiel größere Personal- und Budgetautonomie. Das bedeutet, dass sie sich Lehrkräfte aussuchen und über das Budget freier entscheiden können. In den meisten Bundesländern werden die Lehrkräfte von Behörden nach dem Prinzip der Zentralverwaltung zugeteilt. Das ist ein erstaunlicher Anachronismus, den man nirgendwo sonst mehr so antrifft.


    Info: https://makronom.de/der-wohlstand-in-deutschland-kann-langfristig-nur-von-der-ressource-mensch-kommen-43033?utm_source=rss&utm_medium=rss&utm_campaign=der-wohlstand-in-deutschland-kann-langfristig-nur-von-der-ressource-mensch-kommen

    25.11.2022

    Geoökonomie  Das geoökonomische Dreieck der globalen Unordnung

    makronom.de, vom 21. November 2022, Henning Vöpel, Weltwirtschaft

    2022 wird als das Jahr in die Geschichte eingehen, in dem die alte geopolitische Ordnung zu Ende ging. Dies wird Konsequenzen für die Globalisierung und die internationale Makroökonomie haben. Ein Beitrag von Henning Vöpel.


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    Bild: Timelab Pro via Unsplash


    Zitat: Das berühmte Diktum Francis Fukuyamas vom „Ende der Geschichte“ nach dem Fall der Mauer 1989 erscheint aus heutiger Sicht eine große Fehleinschätzung gewesen zu sein. Ganz im Sinne des dialektischen Materialismus Hegels hätte sich, so Fukuyama, der Systemwettbewerb zwischen Kapitalismus und Kommunismus zugunsten seiner Synthese von Marktwirtschaft und liberaler Demokratie entschieden und Geschichte sei gleichsam zum Erliegen gekommen.

    Das Buch von Fukuyama enthielt jedoch, wie dieser heute betont, einen Untertitel: „und der letzte Mensch“. Der letzte Mensch nun, eine Figur Nietzsches, gleichsam gelangweilt vom Ende der Geschichte, setzt diese wieder in Gang. Der Krieg in der Ukraine markiert in diesem Sinne nicht weniger als die Rückkehr der Geschichte und mit ihr das Aufbrechen geopolitischer Konflikte und geoökonomischer Rivalität. So absurd die Vorstellung sein mag, am Beginn des digitalen Zeitalters imperialistische, auf territoriale Gewinne abzielende Kriege wie aus dem 18. Jahrhundert zu führen, so sicher ist es, dass damit ein sicherheits- und außenpolitischer Paradigmenwechsel verbunden sein wird – mit gravierenden Folgen für die Globalisierung.


    Das Vermächtnis der Hyperglobalisierung

    Der Wendepunkt der Globalisierung aber lag vermutlich schon deutlich früher. Die große globale Finanzkrise von 2008 lässt sich aus heutiger Sicht als solcher deuten. Seitdem entwickelte sich der internationale Handel nach einem Vierteljahrhundert der Hyperglobalisierung eher seitwärts – ein regelrechter Knick also zum Trend zwischen 1990 und 2008.

    Das Jahr 2016 kann als eine späte politische und gesellschaftliche Reaktion auf die Hyperglobalisierung interpretiert werden: Donald Trump wurde zum US-Präsidenten gewählt, die Brexit-Abstimmung ging an die Brexiteers. Beide Entscheidungen waren überraschend und äußerst knapp – ein Hinweis darauf, dass in westlichen Demokratien so etwas wie eine Spaltung stattgefunden haben könnte.

    Ein Blick auf die Verteilung der Einkommenszuwächse in den Jahren 1990 bis 2008 zeigt, dass die Reallöhne der Mittelschicht stagnierten, während die Kapitaleinkommen und die Gehälter der urbanen Eliten deutlich von der Globalisierung profitierten. Dies war ganz gemäß der ökonomischen Theorie: Die Integration Chinas in die Weltwirtschaft machte den Faktor Arbeit reichlich, ließ die eher arbeitsintensiven Industrien nach China abwandern und im Westen die Arbeitsplätze schwinden und die Löhne sinken („China-Schock“). Ein Befund, der Dani Rodrik zum „Globalisierungsparadox“ animierte. Hyperglobalisierung, Nationalstaat und Demokratie können nicht gleichzeitig in reiner Form herrschen.

    Das Jahr 2022 schließlich wird als das Jahr in die Geschichte eingehen, in dem auch sicherheits- und verteidigungspolitisch die alte geopolitische Ordnung zu Ende ging: Russland versucht, mit dem völkerrechtswidrigen Überfall der Ukraine die Grenzen mitten in Europa gewaltsam zu verschieben.

    Die Welt ist buchstäblich in Unordnung geraten. Dies wird Konsequenzen für die Globalisierung und auch die internationale Makroökonomie haben, was sich in einem „geoökonomischen Dreieck der globalen Unordnung“ zusammenfassen lässt. Der Übergang in eine multipolare Ordnung wird begleitet durch eine sich fragmentierende Globalisierung sowie eine schwächere internationale Koordination der Makropolitiken. Die Konsequenz wird sein, dass es verstärkt zu internationalen Ungleichgewichten kommen wird, ebenso eine stärkere Beggar-thy-neighbor-Politik betrieben wird und Autarkiebestrebungen und industriepolitische Wettläufe zunehmen werden. Mit dem Übergang in eine neue globale Ordnung wird sich eine geoökonomische Neuvermessung der Globalisierung vollziehen.


    Das geoökonomische Dreieck der globalen Unordnung

    Dies ist ein sehr kritischer Übergang, wie Harold James betont, indem er Parallelen zu den Dynamiken in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts zieht. Damals kam es nach der ersten Welle der Globalisierung zu einem fatalen geopolitischen Rückschlag für die Weltwirtschaft, der in der großen Katastrophe des 20. Jahrhunderts endete.


    Die Thukydides-Falle und das hegemoniale Nullsummenspiel

    Das Ende der multilateralen, regelbasierten Globalisierung infolge der geopolitischen Neuordnung ist ein gravierender Vorgang, denn es markiert zugleich den Übergang von einem Positivsummenspiel, in dem es um die Verteilung der Handels- und Spezialisierungsgewinne einer integrierten, arbeitsteiligen Weltwirtschaft ging, zu einem Nullsummenspiel, in dem die hegemoniale Macht neu verteilt wird und in dem der Zugewinn an Macht des Einen den Verlust an Macht der Anderen bedeutet. Die perfide Logik dieses Spiels besteht darin, dass kooperatives Verhalten nur noch bedingt rational ist, wenn alle versuchen, ihre geopolitischen Interessen durchzusetzen: Niemand kann allein den Multilateralismus retten.

    Diese Logik lässt sich anhand der stilisierten Auszahlungsmatrix in der folgenden Abbildung verdeutlichen. Dieses Spiel hat zwei Nash-Gleichgewichte, nämlich die Beibehaltung des Multilateralismus und den Übergang in die strategische Rivalität. Eine nur einseitige Entkopplung ist kein Nash-Gleichgewicht.


    Das nicht-kooperative Spiel hegemonialer Macht

    Diese Darstellung als One-Shot-Game ist eine starke Vereinfachung. Tatsächlich handelt es sich um ein wiederholtes Spiel: Welches der beiden Nash-Gleichgewichte sich einstellt, hängt davon ab, ob genügend Vertrauen für das kooperative, pareto-optimale Gleichgewicht aufgebaut werden kann. Generell gilt, dass jener „Spieler“, der über mehr Geduld verfügt, im Vorteil ist, weil er länger abwarten kann. Wer mehr Geduld besitzt, hat strategische Vorteile, seine Interessen durchzusetzen. China ist bekannt für seine Politik der langen, historischen Zeithorizonte. Nur wer langfristig denkt, kann strategisch agieren. Womöglich liegt derzeit hierin der Vorteil von Autokratien gegenüber Demokratien. Letztere können kaum noch langfristige Politik durchsetzen – ein empfindlicher Punkt der Schwäche von Demokratien.

    Ein Kampf um die hegemoniale Macht in der Welt ist naturgemäß konfrontativ. Der Geschichtsschreiber Thukydides hat dies im Fall Athen gegen Sparta eingehend analysiert und ist zu dem Schluss gekommen, dass der amtierende Hegemon und sein Herausforderer letztlich eine hohe Neigung zu kriegerischer Auseinandersetzung entwickeln. Dies ist seitdem als „Thukydides-Falle“ bekannt.

    Der Wirtschaftshistoriker Charles Kindleberger hat gezeigt, dass die Übergänge von einer in die nächste globale Ordnung sogar Jahrzehnte andauern können, bis letztlich der neue Hegemon neue Regeln definiert hat und die institutionelle Stabilität der neuen Ordnung garantieren und durchsetzen kann. Interessanterweise gehört zu der militärischen und ökonomischen Macht, die letztlich auch auf Technologie beruht, auch ein hoher Offenheitsgrad. Denn nur dadurch kann sich hegemoniale Macht global verbreiten, wie die Beispiele des British Empire und der USA zeigen.

    Dieser Aspekt lässt daran zweifeln, dass China wirklich der neue Hegemon des 21. Jahrhunderts und der nächsten globalen Ordnung sein kann, war doch immer in seiner Geschichte die innere Stabilität des riesigen Reiches bedeutsamer als die imperialen Motive. Die nicht-kooperative Natur dieses Spiels führt dazu, dass nationale Interesse wieder stärker in den Vordergrund rücken und Industriepolitik als Mittel einer re-nationalisierten Wirtschaftspolitik zurückkehrt. Auch für Europa bedeutet dies, die eigenen Interessen zu kennen, zu definieren und durch strategisches Handeln zu schützen.


    Ökonomische Autarkie vs. Strategische Souveränität

    Der Zerfall der alten geopolitischen Ordnung birgt die Gefahr einer neuen Blockbildung, die letztlich eine weltwirtschaftliche Desintegration zur Folge haben kann. Die Tatsache, dass Finnland und Schweden ihre Neutralität aufgeben, um der NATO beizutreten, und die Türkei als NATO-Mitglied der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit um China und Russland beitritt, zeigt die Gefahr einer Regionalisierung von Einflusssphären und der damit verbundenen Fragmentierung der globalen Märkte.

    In nächster Linie geht es um den Einfluss in Afrika, Indien und Zentralasien. Im Großen geht es um eine neue mögliche Blockbildung zwischen China und Russland sowie weiteren autokratischen Staaten auf der einen und den USA, Europa und weiteren demokratischen Staaten auf der anderen Seite. Eine mögliche Trennlinie zwischen den neuen Blöcken verläuft somit zwischen Autokratien und Demokratien – ein Systemwettbewerb kündigt sich an. Die wirtschaftlichen Beziehungen verlagern sich somit auf die Ebene einer strategischen Rivalität. Wirtschaftliche Abhängigkeiten können und werden somit als eine geopolitische Waffe eingesetzt werden („Weaponization“).

    Der Krieg in der Ukraine hat die wirtschaftliche Abhängigkeit der EU und insbesondere Deutschlands von Russland in der Energieversorgung deutlich gemacht. Die nächste Abhängigkeit droht von China, und zwar nicht nur von China als Beschaffungs- und Absatzmarkt, sondern vor allem deshalb, weil China bereits den Zugang zu wichtigen Rohstoffen kontrolliert. Kritische Rohstoffe sind zum Beispiel Seltene Erden, die für die Batterietechnologien und weitere Zukunftstechnologien entscheidend sind.

    Es wird also in dem sich ankündigenden Systemwettbewerb darauf ankommen, sich unabhängiger zu machen. Damit ist nicht Autarkie gemeint, denn Autarkie ist in Form von Wohlfahrtsverlusten wirtschaftlich sehr teuer und zudem politisch gefährlich, weil es die Tendenz der Entkopplung und der De-Globalisierung verstärkt.

    Im Gefolge der Autarkiebestrebungen kommt es zumeist zu industriepolitischen Subventionswettläufen, die ebenfalls sehr teuer und ineffizient sein können, weil Spezialisierungsvorteile nicht realisiert werden und Überkapazitäten aufgebaut und staatliche Abhängigkeiten erzeugt werden. Die Chip-Industrie ist ein gutes Beispiel hierfür. Die EU ist hier von den USA, Südkorea und vor allem Taiwan abhängig. Eine Invasion Taiwans durch China und die unvermeidlichen Sanktionen gegen China wären vor allem für die deutsche Exportindustrie um Dimensionen teurer als Russlands Krieg in der Ukraine.

    Es kann also nicht um wirtschaftliche Autarkie gehen – eine Aufgabe von Spezialisierungs- und Handelsvorteilen würde gigantische Wohlfahrtsverluste nach sich ziehen –, sondern es gilt, die strategische Souveränität, also die politische Handlungsfähigkeit, zu stärken. Dies beinhaltet natürlich, Lieferketten, kritische Infrastruktur, den Zugang zu Rohstoffen und die Versorgung mit medizinischen Produkten zu schützen. „Friend-shoring“, wie Janet Yellen dies genannt hat, wird aber nur ein Teil dieser Strategie sein können.

    Strategische Souveränität im 21. Jahrhundert beinhaltet, nicht sehr viel anders als zu anderen Phasen einer geopolitischen oder technologisch-industriellen Neuordnung, folgende Punkte:

    • Zugang zu Energie und Rohstoffen,
    • Zugang zu (Kapital-)Märkten,
    • Technologieführerschaft und die Fähigkeit, Normen und Standards zu etablieren,
    • Militärische Verteidigungsfähigkeit und Cyber-Sicherheit und
    • Formen von Soft Power.

    Zwei wesentliche Einflussfaktoren der nächsten Phase der Globalisierung werden zum einen der Klimawandel und diesbezüglich mögliche Migrationsbewegungen sein, und zum anderen die Datenökonomie und der diesbezügliche Handel von Daten und Technologien zwischen unterschiedlichen Regulierungsräumen. Beide Entwicklungen benötigen auf globaler Ebene einen kooperativen Rahmen, innerhalb dessen es zu bindenden institutionellen Vereinbarungen kommen kann.

    Bis die supranationalen Institutionen der nächsten globalen Ordnung jedoch geschaffen worden sind, muss gerade für Europa die Strategie sein, einerseits die eigene Souveränität zu stärken und andererseits die Märkte möglichst offen zu halten – auch durch neue Handelsabkommen, zum Beispiel mit Ländern wie Vietnam, möglichen Energie- und Rohstofflieferanten in Südamerika oder sogar einem neuen Versuch mit den USA. Mit einer selbstbestimmten Politik der Prinzipien und des Pragmatismus kann Europa seine strategischen Ziele und wirtschaftlichen Interessen am besten umsetzen.

     

    Zum Autor:

    Henning Vöpel war Direktor des Hamburgischen WeltWirtschaftsInstituts (HWWI) und ist Vorstand des Centrum für Europäische Politik. Auf Twitter: @HenningVoepel.


    Info: https://makronom.de/das-geooekonomische-dreieck-der-globalen-unordnung-43006?utm_source=rss&utm_medium=rss&utm_campaign=das-geooekonomische-dreieck-der-globalen-unordnung

    25.11.2022

    Werte im Systemwettstreit   Berlin nutzt die Fußball-WM in Qatar zur Werbung für seine angeblich „werteorientierte“ Weltpolitik. „Werte“ gelten als wichtiges PR-Mittel im „internationalen Systemwettstreit“.

    german-foreign-policy.com, 25. November 2022

    BERLIN/DOHA (Eigener Bericht) – Die Bundesregierung nutzt die Proteste gegen die Fußball-WM in Qatar, um ihre Weltpolitik als angeblich „werteorientiert“ zu profilieren und die breite Öffentlichkeit hinter sich zu scharen. Innenministerin Nancy Faeser zeigte sich am Mittwoch beim Spiel der deutschen Mannschaft mit einer „One Love“-Armbinde – sich der maximalen PR-Wirkung ihres Auftritts gewiss. Auf Fotos, die Wirtschaftsminister Robert Habeck bei einer tiefen Verbeugung vor seinem Amtskollegen aus Qatar zeigen – in der Hoffnung, kostengünstiges Flüssiggas zu erhalten –, ist kein solches Symbol zu sehen. Die doppelten Standards – „Werte“-Symbole in der Öffentlichkeit, interessengeleitete Verhandlungen im politischen Geschäft – legen eine PR-Strategie offen, wie sie auch die Biden-Administration verfolgt: Washington erklärt seinen Machtkampf gegen Russland und China zum „Kampf für Demokratie“; es hatte Staaten, die ihm als aktuelle oder potenzielle außenpolitische Verbündete gelten, Ende 2021 zu einem „Summit for Democracy“ geladen. Im Unterschied zum „Summit for Democracy“ verheißt eine Fußball-WM eine maximale Öffentlichkeitswirkung.


    Zitat: „Ein wichtiger Standortfaktor“

    Politischen Nutzen hat die Bundesregierung aus vermeintlich unpolitischen Sportevents immer wieder gezogen. Ein herausragendes Beispiel bietet die Fußball-WM 2006, die nicht zuletzt dank der Unterstützung des Emirats Qatar nach Deutschland geholt werden konnte.[1] Damals förderte Berlin gezielt den erstarkenden Nationalismus, der als „unverkrampfter“ bzw. „Party-Patriotismus“ gefeiert wurde. Es sei „heute kein Problem mehr, wenn man sich die Deutschland-Farben auf die Wange malt oder ein Fähnchen ans Auto hängt“, erklärte damals Familienministerin Kristina Schröder, die der Hoffnung Ausdruck verlieh, dies werde „auch über die WM hinaus“ Bestand haben.[2] Letzteres war der Fall, wurde allerdings von Sozialwissenschaftlern überaus kritisch beurteilt: Man müsse in der Tat einen „Anstieg des Nationalismus“ konstatieren, wobei die „nationale Identifikation mit Gesamtdeutschland“ zu einer Abwertung von Migranten führe, hieß es in einer 2007 publizierten Analyse.[3] Die Bundesregierung hingegen bewertete nicht nur den angeblich „unverkrampften Patriotismus“ positiv, sondern kam in einem offiziellen Abschlussbericht zur WM 2006 zu dem Schluss, Deutschland habe durch das Event „einen erheblichen Imagegewinn erfahren“ – „ein wichtiger Standortfaktor“, hieß es in dem Papier.[4]


    Doppelte Standards

    Seit fast einem Jahrzehnt kommt hinzu, dass die westlichen Staaten weltpolitischen Nutzen aus Sportevents zu schlagen suchen, insbesondere aus Fußballweltmeisterschaften und aus Olympischen Spielen. Modell ist etwa der Boykott der Olympischen Spiele in Moskau 1980, mit dem der Westen gegen den Einsatz sowjetischer Truppen in Afghanistan protestierte. Boykotte, Boykottdrohungen sowie Ausschlüsse richten sich seit 2014 regelmäßig gegen Staaten, die der globalen Dominanz der westlichen Mächte im Wege stehen; betroffen waren als Gastgeber zuletzt vor allem Russland (Olympische Winterspiele 2014, Fußball-WM 2018) und China (Olympische Winterspiele 2022). Ausschlüsse gelten gewöhnlich Russland. Boykottdrohungen oder Ausschlüsse etwa gegen die Vereinigten Staaten wegen des Irak-Kriegs, gegen die westlichen Staaten insgesamt wegen Kollaboration bei Verschleppung und Folter an Verdächtigen im „Anti-Terror-Krieg“ oder auch gegen die Staaten Europas wegen ihrer Beteiligung an den völkerrechtswidrigen Angriffskriegen gegen Jugoslawien (1999) oder Libyen (2011) sind nicht bekannt: Es gelten die üblichen doppelten Standards, die herrschenden Mächten zugestehen, was anderen nicht erlaubt wird.[5]

    „Einfluss in der Welt“

    Die Blockbildung des Westens gegen Russland und China geht seit geraumer Zeit mit einer politisch-ideologischen Überhöhung einher. Die US-Außenpolitik nutzt dazu gewöhnlich das Schlagwort Demokratie. So hielt die Biden-Administration am 9. und 10. Dezember vergangenen Jahres einen Summit for Democracy ab, zu dem Vertreter von rund 110 Staaten geladen waren; demonstrativ ausgeschlossen waren Staaten, die die westliche Dominanz in der einen oder anderen Form in Frage stellen, vor allem Russland und China. Eingeladen war Polen, das seine Rechtsstaatlichkeit zuletzt deutlich eingeschränkt hat, aber zu den engsten Verbündeten Washingtons in Europa gehört; nicht eingeladen waren Ungarn sowie die Türkei, an deren Rechtsstaatlichkeit ebenfalls Zweifel bestehen, die sich jedoch dadurch von Polen unterscheiden, dass sie in gewissem Umfang mit Russland kooperieren. Eingeladen war zudem der venezolanische Politiker Juan Guaidó, der vor Jahren versuchte, mit Hilfe der westlichen Mächte per Putsch in Caracas an die Macht zu gelangen.[6] Über den Summit for Democracy hieß es anschließend zutreffend: „Biden ... spaltet ... die Welt“.[7] Der Grund dafür, den Gipfel abzuhalten, lag laut Daniela Schwarzer von den Open Society Foundations in machtpolitischen Erwägungen: „Für die USA ist eine Allianz von Demokratien wichtig, um ihren Einfluss in der Welt zu behaupten und auszubauen.“[8]


    „Wertepartner“

    Die Bundesregierung setzt neben dem Schlagwort Demokratie vor allem auf das Schlagwort Werte. Im Koalitionsvertrag von SPD, Bündnis 90/Die Grünen und FDP heißt es dazu: „Im internationalen Systemwettstreit gilt es, unsere Werte entschlossen mit demokratischen Partnern zu verteidigen.“ Verbündete werden zunehmend „Wertepartner“ genannt – von der aktuellen Bundesregierung noch häufiger als von der vorherigen Regierungskoalition. „Realpolitik muss heißen, Freunde und Wertepartner einzubinden ..., um im globalen Wettbewerb durch Zusammenarbeit stärker zu sein“, erklärte etwa Kanzler Olaf Scholz am 29. August in seiner Prager Rede.[9] Als „Wertepartner“ stuft Berlin trennscharf etwa diejenigen Länder ein, die es als Verbündete im Machtkampf gegen China sieht: Japan und Südkorea, Australien und Neuseeland, darüber hinaus Taiwan. Vergangenes Jahr galt auch Indien in Berlin als „Wertepartner“ – dies, obwohl Menschenrechtsorganisationen immer wieder schwere Vorwürfe gegen die Regierung in New Delhi erheben (german-foreign-policy.com berichtete [10]). Ob die Bundesregierung die Einstufung auf Dauer beibehalten wird, muss sich zeigen – Indien hält bekanntlich an seiner engen Zusammenarbeit mit Russland fest.


    Mit und ohne Symbol

    Berlin nutzt nun die singuläre Popularität der Fußball-WM, um ihre „Werte“-PR fest in der breiten Öffentlichkeit zu verankern. So erklärte Wirtschaftsminister Robert Habeck vor dem Spiel des deutschen Teams auf die Frage, ob er das Tragen der „One Love“-Kapitänsbinde trotz angedrohter FIFA-Sanktionen befürworte: „Ich würde es darauf ankommen lassen“.[11] Dass Habeck bei seinen Gesprächen mit Qatars Regierungsvertretern „One Love“-Symbole an seiner Kleidung tragen würde, ist nicht bekannt; ein Foto, das ihn anlässlich seiner Verhandlungen über Flüssiggaslieferungen aus Qatar bei einer tiefen Verbeugung vor dem Wirtschaftsminister des Emirats zeigt, deutet nicht darauf hin.[12] Auch auf Fotos, auf denen Innenministerin Nancy Faeser während eines Besuchs bei ihrem qatarischen Amtskollegen Ende Oktober zu sehen ist, findet sich kein „One Love“-Symbol; ein solches trug Faeser aber während des Spiels der deutschen Mannschaft, sich der maximalen Öffentlichkeitswirkung und deren Nutzen für die Legitimierung der deutschen Weltpolitik im „internationalen Systemwettstreit“ gewiss.

     

    [1] S. dazu Europas Standards (II).

    [2] S. dazu Ein Stück Volksverdummung.

    [3] Julia Becker, Ulrich Wagner, Oliver Christ: Nationalismus und Patriotismus als Ursache von Fremdenfeindlichkeit. In: Wilhelm Heitmeyer (Hg.): Deutsche Zustände. Folge 5, Frankfurt am Main 2007. S. dazu Die Marke Deutschland.

    [4] Fußball-WM 2006. Abschlussbericht der Bundesregierung. S. dazu Die Marke Deutschland.

    [5] S. dazu Europas Standards.

    [6] S. dazu Aufforderung zum Putsch (II) und Völkerrechtliche Absurditäten.

    [7], [8] Torsten Riecke, Moritz Koch, Jens Münchrath: Biden lädt zum Demokratie-Gipfel ein – und spaltet damit die Welt. handelsblatt.com 09.12.2021.

    [9] Rede des Bundeskanzlers der Bundesrepublik Deutschland Olaf Scholz, MdB an der Karls-Universität zu Prag. prag.diplo.de.

    [10] S. dazu Der Wertepartner.

    [11] Habeck: Würde „One Love“-Binde tragen. zdf.de 23.11.2022.

    [12] Alexander Neubacher: Katar hui, Kanada pfui. spiegel.de 13.05.2022.


    Info: https://www.german-foreign-policy.com/news/detail/9095

    25.11.2022

    text


    24.11.2022

    Appell an das Antisiko-Bündnis

    aus e-mail von InAktion gegen Krieg und Militarisierung akm_muc@riseup.net, 24. November 2022, 20:43 Uhr


    Liebe Sikoprotestunterstützer*innen,Freund*innen und Genoss*innen,

    Wie vielleicht schon einige von euch mitbekommen haben, gab es in den

    letzten Treffen des Anti Siko Bündnis viel Diskussion zur der Gruppe

    "Freie Linke". Aus diesem Grund schicken wir euch, den

    Unterstützer*innen des Bündnis, unsern Apell und hoffen ihr unterstützt

    diesen.

    Wir stehen euch gerne für Rückfragen zur Verfügung.


    Mit solidarischen Grüßen

    In Aktion gegen Krieg und Militarisierung



    Appell an das Antisiko-Bündnis


    Auf der Friedensdemonstration am 01.10.2022 am Münchner Rotkreuzplatz wurde auch die Organisation „Freie Linke“ als Bündnispartner zugelassen, die ihrerseits das rechte Spektrum mobilisierte. Den Teilnehmer:innen der Friedensbewegung wurden damit auch diverse namhafte und bekannte Köpfe aus verschiedenen rechtsradikalen Organisationen Münchens zugemutet. Für diesen(wörtlich) „Dammbruch“ hat man sich unter den Bündnispartnern von „München steht auf“ öffentlich feiern lassen.


    Aufgrund dieser Ereignisse sah sich das Antisiko-Bündnis am unmittelbar folgenden Bündnistreffen am 04.10. zu einer dringenden Reaktion genötigt, die in Form der folgenden Unvereinbarkeitserklärung erfolgt ist:


    Unvereinbarkeitserklärung:
    „Das Aktionsbündnis gegen die NATO-Sicherheitskonferenz (#AntiSIKO Bündnis) erklärt hiermit seine Unvereinbarkeit mit der Organisation "Freie Linke".
    Diese arbeitet offen mit rechten Kräften zusammen und verfolgt eine Querfrontstrategie.


    Sie ist weder auf unserem Bündnis noch auf unseren Protesten und Veranstaltungen willkommen.“
    [Beschluss vom Di. 04.10.2022]


    Bereits im Vorfeld der Kundgebung vom 01.10. haben die Linksjugend Solid und verschiedene andere Organisationen unmittelbar vor Ort, in Emails und öffentlich vor einer Beteiligung der Organisation „Freie Linke“ gewarnt und dies auch mit öffentlich verfügbaren Erkenntnissen und Erfahrungen begründet – bis dahin ohne Erfolg und ohne, dass sich bessere Erkenntnis durchgesetzt hätte.


    Nachdem nun im Antisiko-Bündnistreffen vom 01.11. dieses Votum gegen die „Freie Linke“ wieder gekippt wurde, sollte es lediglich durch ein Update des seit Jahren gültigen allgemeinen antifaschistischen Konsenses ersetzt werden.


    Die Organisation „Freie Linke“ unterläuft und untergräbt durch ihre Aktionen und politische Praxis jedoch einen solchen Konsens permanent. Im Übrigen stellt sich die Organisation „Freie Linke“ sowohl in München als auch bundesweit, selbst außerhalb dieses Konsenses, behauptet hingegen jedoch ihn selbst nicht zu verletzen. Einer Wiederholung der Infiltration von Friedenskundgebungen durch das rechte und rechtsradikale Spektrum durch erneute Mobilisierungen über die Querfront-Organisation „Freie Linke“ ist nunmehr wieder Tür und Tor geöffnet.


    Aus diesem Grund ist zusätzlich die Wiedereinsetzung der obigen ausdrücklichen Unvereinbarkeitserklärung im Antisiko-Bündnis unerlässlich.


    Ein antifaschistischer Konsens muss sich in der Praxis bewähren und unter Beweis stellen.


    Mit offener oder stillschweigender Duldung der Organisation „Freie Linke“ gelingt das nicht.


    Die unterzeichnenden Organisationen, ob bisher bereits Bündnispartner:innen bzw. Unterstützer:innen des Aktionsbündnisses gegen die NATO-Sicherheitskonferenz oder (noch) nicht, erwarten an dieser Stelle eine konsequente antifaschistische Haltung und eine ausdrückliche Erklärung.


    Sie machen deshalb ihre künftige Zusammenarbeit mit dem und Unterstützung für das Antisiko-Bündnis von einer Wiedereinsetzung der obigen Unvereinbarkeitserklärung mit der Organisation „Freie Linke“ abhängig und fordern hiermit das Antisiko-Bündnis dazu auf.


    unser Kommentar: Querfrontler zu benennen ist schon seit Jahrzehnten ein Mittel zur Stigmatisierung. von  Initiativen, Vereinen oder/und auch von sonstigen Organisationen.

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