16.08.2023

Ein Jahr IRA – die EU fällt zurück

lostineu.eu, 16. August 2023

Vor einem Jahr haben die USA ihren „Inflation Reduction Act“ IRA in Kraft gesetzt, ein massives Subventionsprogramm zugunsten der (heimischen) Industrie. Bish heute hat die EU keine adäquate Antwort gefunden – politisch und ökonomisch fällt sie zurück.

Auf die schärfste Waffe – eine Klage vor der Welthandelsorganisation WTO wegen Wettbeberbsverzerung – haben die EUropäer verzichtet – vor allem Berlin war dagegen. Wirtschaftsminister Habeck ist nunmal Transatlantiker, genau wie Kanzler Scholz!

Eine französiche Alternative – die Einrichtung eines milliardenschweren „Souveräntitätsfonds“ – fand keine Mehrheit. Wieder stand Berlin auf der Bremse. Dabei hätten daraus EU-Hilfen finanziert werden können, um mit den USA gleichzuziehen.

So wird nun die drittbeste, ordnungspolitisch fragwürdigste Lösung umgesetzt: Die EU-Kommission hat ihre Beihilferegeln gelockert, so dass die EU-Staaten die Industrie direkt fördern können. Den größten Gebrauch davon macht ausgerechnet Deutschland!

Doch das Ergebnis kann bisher nicht überzeugen. Das größte EU-Land ist in die Krise gerutscht, die deutsche Autoindustrie wird von E-Autos made in China abgehängt, immer mehr Firmen drohen mit Abwanderung in die USA oder nach China.

Dass sich EU-Chefin von der Leyen von US-Präsident Biden auch noch das „De-Risking“ von China aufschwatzen lief, macht die Sache nicht besser. Im Gegenteil: IRA und De-Risking erweisen sich als toxischer Mix, wiederum vor allem für die deutsche Industrie.

Und so schrillen nun die Alarmglocken. Nicht nur in Deutschland, das schon als „kranker Mann“ apostrophiert wird, sondern in ganz Europa. Im Jahr 2008 war die Wirtschaft der EU noch etwas größer als die der Vereinigten Staaten.

Mittlerweile ist die amerikanische Wirtschaft um fast ein Drittel größer. Rechnet man Großbritannien heraus, sind es sogar mehr als 50 Prozent! Die EU fällt zurück – nicht nur politisch, sondern auch wirtschaftlich…

Mehr zum IRA hier, zur Industriepolitik hier

P.S. Während die USA ihre „Clean Tech“ systematisch fördern, fehlt für den „Green Deal“ der EU das Geld. Dies hat die EU-Kommission kurz vor der Sommerpause eingeräumt – mehr dazu hier

2 Comments

  1. Towanda
    16. August 2023 @ 10:54

    Georg Schramm
    Die vollends aufgeklärte Welt erstrahlt im Zeichen triumphalen Unheils

Reply

  • Thomas Damrau
    16. August 2023 @ 08:18

    Insbesondere Deutschland leidet an einer krassen Fehleinschätzung der wirtschaftspolitischen Lage:
    – Die europäische Wirtschaft ist über ein Jahrzehnt-lang durch billiges Geld gepäppelt worden. Das ist inzwischen vorbei.
    – Die Energiewende lässt sich nicht ohne „Risiken und Nebenwirkungen“ so nebenbei durchziehen. Dieser Erkenntnis verweigert sich die Bundesregierung beharrlich.
    – Deutschland hat lange von offenen Märkten profitiert und dadurch reichlich Exportüberschüsse erzielt. Im Augenblick stehen die Zeichen auf Wirtschaftssanktionen und Protektionismus. Damit wird dem deutschen Wohlstandsmodell der Boden entzogen.
    – Die Exportüberschüsse des exportierenden Landes müssen durch das importierende Land bezahlt werden. Wenn das importierende Land seinerseits Exportüberschüsse hat (wie China), stellt das kein Problem dar. Wenn nicht, muss das importierende Land Schulden machen. Das ist für die USA kein Problem: Die USA drucken halt neue $. Für andere Länder ist das ein Problem – vor allem wenn Deutschland innerhalb der EU auf Austeritätspolitik drängt. Diese eigentlich recht einfachen Zusammenhänge scheinen die deutschen Politiker intellektuell zu überfordern.

    Vollends grotesk wird es, wenn nun DIE DEUTSCHE BÜROKRATIE als Ursache der Malaise ausgeguckt wird. Die Lust an kleinteiligen Regelungen begleitet die BRD seit ihrer Gründung. Und die Bürokratie wächst nicht aus Böswilligkeit der Bürokraten, sondern nach dem Schema:
    – Vorschlag: Wir vereinfachen etwas für Kleingartenanlagen.
    – Einwand: Und was wird mit den Leuten, die nicht Kleingartenanlagen organisiert sind? Ich kenne jede Menge Menschen außerhalb von Kleingartenanlagen, die auch von dieser Vereinfachung profitieren würden.
    – Verbesserter Vorschlag: Wir fördern Kleingärtner unabhängig davon, wie sie organisiert sind.
    – Nachfrage: Und wie definieren wir „Kleingärtner“?
    – Lösung: Wir setzen ein Komitee ein, dass die Kriterien ausarbeitet, nach welchen jemand als Kleingärtner gilt. Dann entwerfen wir ein Formular, das die Kleingärtner ausfüllen und mit Anhängen ergänzen müssen, um nachzuweisen, dass sie Kleingärtner sind.
    – Einwand Monate später: Die Kriterien, die das Komitee herausgearbeitet hat, decken einige Sonderfälle nicht ab. Wir brauchen ein neues Komitee, dass die Regelung überarbeitet.

    (Und so ist auch das deutsche Steuerrecht entstanden.)

    Das kriegt man aus den Deutschen nicht raus – aber das killt die deutsche Wirtschaft nicht.


  • Info: https://lostineu.eu/ein-jahr-ira-die-eu-faellt-zurueck


    unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält




    Weiteres: 




    Aufgelesen: Korruption setzt Selenskyj zu


    lostineu.eu, vom 15. August 2023

    In Brüssel ist Urlaubszeit. Wir nutzen das „Sommerloch“, um lesenswerte Beiträge anderer Blogs und Medien zu präsentieren. Heute ein Beitrag zum jüngsten Korruptionsskandal in der Ukraine – er betrifft die Wehrpflicht und bringt Präsident Selenskyj in Bedrängnis.

    Laut EU-Kommission ist die Korruption eines der größten Probleme, die die Ukraine für den EU-Beitritt lösen muß. Doch nun erschüttert ein neuer Skandal das Land – und das Vertrauen in den Präsidenten. In einer Umfrage sagten nicht weniger als 77 Prozent der Ukrainer, Selenskyj sei (mit-)verantwortlich für die Korruption.

    Es ist ein herber Rückschlag für alle Werte, für die der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj auch abseits des Ukraine-Kriegs stehen will: Angesichts der weit verbreiteten Korruption in seinem Land ließ es die Chefs aller Wehrersatzämter entlassen. Bestechlichkeit sei „Landesverrat“, sagte er in einer Videoansprache.

    Die Schmiergelder sollen in die Millionen gehen. In dem vom Ukraine-Krieg geplagtem Land ist der Korruptionsskandal brandgefährlich und bedroht, nicht zuletzt, Selenskyjs Position gegenüber dem Westen, sondern den gesamten Zusammenhalt der Ukraine.

    (…)

    Der jüngste Skandal um Korruption in der Ukraine zeigt allerdings, dass die Bemühungen von Selenskyj, das Land aus der russisch-geprägten Vergangenheit und dem damit verbundenen Umgang mit Bestechungen zu lösen, in der Gesellschaft weiterhin auf Hindernisse stoßen. In einer Zeit, in der die Armee des Landes neue Rekrut:innen benötigt, bezeichnete der ukrainische Präsident die Bestechung mit Bargeld durch Menschen, die der Wehrpflicht entgehen wollten, während andere darunter litten, als eine Form des Verrats.

    Das Dramatische: Knapp 1,5 Jahre nach Beginn des Ukraine-Kriegs und Wladimir Putins Angriff auf das Land scheint es so, als wäre die gegenwärtige Offensive der Verteidiger:innen weniger erfolgreich, als es westliche Expert:innen prophezeit hatten. Wiederkehrende Luftangriffe durch Russlands Armee richten sich immer wieder primär gegen zivile Ziele und demoralisieren die Bevölkerung.

    Dass nun einige Bewohner:innen der Ukraine mit Bestechungsgeldern den Ausweg aus dem Militärdienst gesucht haben, während Tausende Soldatinnen und Soldaten das Land gegen den russischen Aggressor verteidigen, könnte zudem dazu beitragen, dass die Stimmung in dem Land kippen könnte.

    Weiterlesen in der „Frankfurter Rundschau“. Siehe auch den Beitrag in „Global Bridge“ Das Vertrauen in Selenskyj schwindet – auch in der Ukraine selbst

    7 Comments

    1. Towanda
      16. August 2023 @ 11:01

      Ja gut Landesverrat? Aber welches Land denn? Von der Ukraine ist doch bald nicht viel übrig.
      Und was mir auch auffällt, die Unterscheidungen.
      Dort sind Reiche immer Oligarchen, aber hier heißt es nur Besserverdiener oder Superreiche.
      Na ja, die Korruption ist bei uns doch wohl auch an der Tagesordnung. Im Großen wie im Kleinen.

    Reply

  • Monika
    16. August 2023 @ 11:00

    …Bemühungen von Selenskyj, „das Land aus der russisch-geprägten Vergangenheit und dem damit verbundenen Umgang mit Bestechungen“ zu lösen …
    Da isser wieder: der „grundböse und grundblöde“ Russe aus der FAZ! Vielleicht würde es einigen bei uns hier die virtual-reality-Brillen vom Gesicht ziehen, wenn sie sich einmal ernsthaft damit beschäftigen würden, wie es dem „teuflischen“ Putin gelungen ist, Russland von den schlimmsten „himmlischen“ Segnungen wertewestlicher Korruption während der Jelzin-Ära zu befreien. Da könnte sich Europa, das wirtschaftlich von den Orginal-Wertewestlern gerade „auf Grund gesetzt“ wird, vielleicht wertvolle „Anregungen“ zu mehr „Resilienz“ abschauen!
    Europa muss es aber wohl erst noch sehr viel schlechter gehen, um die Erkenntnis zuzulassen, dass die Ursache der Miseren im eigenen Lager zu suchen sein könnte. (siehe aktuellen Beitrag über den IRA und seine „segensreichen“ Wirkungen auf die europäische Wirtschaft! Vorsicht Satire: Einfach paradiesisch, das Leben in den Winden von Gods own country! Ahoi)

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  • Irmgard Ehrenberger
    16. August 2023 @ 08:48

    Es ist kein Landesverrat wenn sich Menschen dem Kriegsdienst entziehen. Nie und nimmer kann es eine Pflicht zum Töten geben oder eine Pflicht, sich als Kanonenfutter für die Interessen anderer, töten zu lassen.
    Auf einem anderen Blatt steht, dass sich Menschen mit der Not derer, die sich dem Kriegsdienst entziehen wollen, eine goldene Nase verdienen und die, die nicht genug Geld haben, als Kanonenfutter herhalten müssen.

    Reply

  • KK
    16. August 2023 @ 01:45

    „Dass nun einige Bewohner:innen der Ukraine mit Bestechungsgeldern den Ausweg aus dem Militärdienst gesucht haben…könnte zudem dazu beitragen, dass die Stimmung in dem Land kippen könnte.“

    Vor allem könnte es dazu beitragen, dass die, die an die Front müssen, wenig motiviert sind… das ist es wohl, was Selenskyj am wenigsten gebrauchen kann.
    ——————————————————————————————————-
    @ Arthur Dent:
    „Hat denn die EU ihre Korruptionsskandale gelöst?“

    Warum sollte sie das? von der Laien hat doch schon gesagt, dass zwischen Ukraine und EU kein Blatt Papier passe und sie für die gleichen Werte (€€€ & $$$, nicht aber §§§) stünden. q.e.d.

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  • european
    15. August 2023 @ 20:23

    Es ist ja nicht nur die Spitze. Die ist nur die Spitze des Eisberges. Wie sehr das Land mit Korruption durchsetzt ist, zeigen die drei letzten YT-Videos von Gonzalo Lira, die er hochlud bevor er versuchte, in Ungarn Asyl zu beantragen. Bis jetzt weiss man nicht, ob er durchgekommen ist. Es gibt Gerüchte, er sei gefangen genommen worden.

    Folge 1: https://youtu.be/AW274f8s-ws
    Die beiden anderen Folgen findet man auf seinem Kanal.

    Jedenfalls berichtet er, wie er von Gefangenen unter Anweisung/Duldung durch das Gefängnispersonal tagelang gefoltert wurde, um Geld ($100.000) aus ihm herauszupressen. Schlafentzug, Prügel, Drohungen mit einem Zahnstocher ein Auge auszustechen uvm. Die amerikanische Botschaft hat sich übrigens gepflegt zurückgehalten, während die Chilenen vergeblich versucht haben, ihn da rauszuholen. Er besitzt beide Staatsbürgerschaften. Auch interessant. Die Korruption der US Behörden wären vielleicht auch mal eine Untersuchung wert. Die kürzlich veröffentlichten Anhörungen zum Biden-Laptop lassen sehr tief blicken.

    Es wäre sicherlich auch mal interessant, nachzuforschen, woher denn das Vermögen von Selenskyj stammt, das ja auch im Krieg kontinuierlich ansteigt, obwohl er zumindest offiziell nicht schauspielert ????

    Reply

    • ebo
      15. August 2023 @ 21:46

      Ich finde zwei Dinge bemerkenswert: 1. Dass Selenskyj von „Landesverrat“ spricht. 2. Dass die Ukrainer auch ihm, dem Präsidenten, eine Mitschuld geben. Offenbar liegt dies daran, dass die Korruption in den Wehrämtern (und die daraus folgende krasse Wehrungerechtigkeit) ein offenes Geheimnis war!

      Reply

  • Arthur Dent
    15. August 2023 @ 17:07

    Hat denn die EU ihre Korruptionsskandale gelöst? Impfstoff-Deal mit Pfizer, Katar-Gate…

    Reply


  • Info:https://lostineu.eu/aufgelesen-korruption-setzt-selenskyj-zu


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    16.08.2023

    Nachrichten von Pressenza: Der Tod des Friedens-Aktivisten und Whistleblowers Daniel Ellsberg – Reflexionen zum Sicherheitsstaat und zur Anti-Kriegs-Bewegung

    aus e-mail von  <newsletter@pressenza.com>, 16. August 2023, 7:15 Uhr


    Nachrichten von Pressenza - 16.08.2023


    Der Tod des Friedens-Aktivisten und Whistleblowers Daniel Ellsberg &#8211; Reflexionen zum Sicherheitsstaat und zur Anti-Kriegs-Bewegung


    Daniel Ellsberg kämpfe bis zum Ende, um vor der Bedrohung von atomaren Kriegen zu warnen und verstarb am 16. Juni 2023. Der 92-jährige Whistleblower hinterließ ein Vermächtnis des Friedens-Aktivismus, das bis hin zu seiner mutigen Veröffentlichung der „Pentagon Papers“ im&hellip;

    http://www.pressenza.net/?l=de&track=2023/08/der-tod-des-friedens-aktivisten-und-whistleblowers-daniel-ellsberg-reflexionen-zum-sicherheitsstaat-und-zur-anti-kriegs-bewegung/


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    Moldaus „Absicherung“ schreitet voran


    Ein neuer EU-Einsatz in Moldau soll das Land gegen Russland „absichern“. Chișinău verschärft den Kurs gegen nicht prowestliche Kräfte, verbietet größte Oppositionspartei. Forderung nach Anschluss an Rumänien wird laut. Die EU hat einen neuen, vorgeblich zivilen Einsatz in der Republik&hellip;

    http://www.pressenza.net/?l=de&track=2023/08/moldaus-absicherung-schreitet-voran/


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    Ecuador: Klima der Verwirrung und Angst nach der Ermordung des Präsidentschaftskandidaten


    Ecuador erlebt Tage des Schocks und der Verwirrung, nachdem der Präsidentschaftskandidat Fernando Villavicencio am 9. August in der Hauptstadt ermordet wurde &#8211; nur eine halbe Woche vor den von Präsident Guillermo Lasso ausgerufenen Parlamentswahlen (Lasso wird zwei Jahre vor dem&hellip;

    http://www.pressenza.net/?l=de&track=2023/08/ecuador-klima-der-verwirrung-und-angst-nach-der-ermordung-des-praesidentschaftskandidaten/


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    Zwischen Licht und Dunkel


    Wann wird es soweit sein? Wann ist die kritische Masse erreicht, der Punkt, an dem das System kippt? Wann wird ein so bedeutender Teil der Menschheit erkannt haben, worum es geht, dass wir kollektiv in ein neues Zeitalter treten? Wann&hellip;

    http://www.pressenza.net/?l=de&track=2023/08/zwischen-licht-und-dunkel/


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    Pressenza - ist eine internationale Presseagentur, die sich auf Nachrichten zu den Themen Frieden und Gewaltfreiheit spezialisiert hat, mit Vertretungen in Athen, Barcelona, Berlin, Bordeaux, Brüssel, Budapest, Buenos Aires, Florenz, Lima, London, Madrid, Mailand, Manila, Mar del Plata, Montreal, München, New York, Paris, Porto, Quito, Rom, Santiago, Sao Paulo, Turin, Valencia und Wien.


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    16.08.2023

    "Armee 2023": Mehr Nachrichten aus Russland, die Sie im westlichen Mainstream nicht finden werden

    seniora.org, vom 15. August 2023, Von Gilbert Doctorow 15.08.2023 - übernommen von gilbertdoctorow.com


    Army 2023 Moskau (Bild)


    Vor einigen Wochen habe ich gesagt, dass sich die russischen Journalisten nach dem Russland-Afrika-Gipfel in Petersburg auf die üblichen Hundstage des Sommers freuen und es bis zum BRICS-Gipfel Ende August ruhig angehen lassen könnten.

    Ich war voreilig.

    Ja, mehrere russische Spitzenjournalisten sind jetzt im Urlaub. Wladimir Solowjow legt kurze Wochen ein. Der Generaldirektor aller staatlichen Fernsehnachrichtendienste, Dmitri Kisseljow, ist verreist. Wahrscheinlich pflegt er gerade die Trauben auf seinem Weinberg auf der Krim. Aber die Moderatoren der Nachrichtensendung Sechzig Minuten und der Podiumsdiskussion, Jewgeni Popow und Olga Skabejewa, scheinen ihren Jahresurlaub zu schwänzen und geben in ihren zweimal täglich ausgestrahlten zweistündigen Sendungen Vollgas. Das ist auch gut so, denn es mangelt ihnen nicht an sehr wichtigem Material, das Sie nicht auf Ihrem Fernsehbildschirm sehen oder in Ihrer Zeitung lesen werden, wenn Sie bei den westlichen Mainstream-Medien bleiben.

    Tatsächlich ignorierte die FT heute die russischen Ereignisse, die ich weiter unten beschreibe, und berichtete stattdessen über die Erhöhung des Kreditzinssatzes der russischen Zentralbank auf 12 %, die sie hämisch mit dem starken Rückgang des Rubel-Dollar-Kurses in den letzten Wochen in Verbindung brachte. Sie erinnern die Leser daran, dass dies die Folge der geringeren Deviseneinnahmen Russlands aus den Ölexporten aufgrund der westlichen Sanktionen sei. Natürlich ist das Problem komplizierter, aber es verdient eine separate Diskussion. Die politischen Erfolge und Waffenverkäufe Russlands in dieser Woche zu beleuchten, würde den redaktionellen Vorurteilen der Zeitung nicht gerecht werden.

                                                                       *****

    Zwei parallel stattfindende militärische Veranstaltungen in Russland haben diese Woche Delegationen aus vielen "befreundeten" Ländern angezogen. Dabei handelt es sich um die 11. jährliche Moskauer Internationale Sicherheitskonferenz, zu der Gäste aus 60 Ländern erwartet werden, und um die Veranstaltung "Armee 2023", an der, soweit ich das mitbekommen habe, Teilnehmer aus 30 Ländern teilnehmen sollen.

    Die wichtigste der ausländischen Delegationen ist, nach der Aufmerksamkeit zu urteilen, die ihr im russischen Fernsehen zuteilwird, diejenige des chinesischen Verteidigungsministers Li Shangfu. Wir haben bisher gehört, dass er mit seinem russischen Amtskollegen Sergej Schoigu zusammengetroffen ist. Russische Kommentatoren sehen als Hauptzweck der Gespräche die Abstimmung der russisch-chinesischen Gegenmaßnahmen zu den jüngsten Aktivitäten der USA und der NATO in und um die Ukraine sowie in Weißrussland und in Taiwan und im Fernen Osten im Allgemeinen. Es wurde darauf hingewiesen, dass dies   – ungewöhnlicherweise   – bereits der zweite Besuch von Li Shangfu in Russland in diesem Jahr ist. Es ist gut möglich, dass er von Präsident Putin empfangen wird, so wie Präsident Xi Schoigu bei dessen Besuch in Peking vor einigen Monaten empfangen hat. Nach seinem Aufenthalt in Moskau wird Li voraussichtlich nach Minsk reisen.

    Auf der heutigen Sicherheitskonferenz hielt Verteidigungsminister Schoigu eine persönliche Rede, die durch mehrere vom russischen Staatsfernsehen ausgestrahlte O-Töne bemerkenswert war. Er sagte rundheraus, die Ukraine habe "ihre militärischen Reserven erschöpft". Dies deutet darauf hin, dass die Russen in den kommenden Wochen eine eigene strategische Offensive starten werden. Die Erfahrungen der ukrainischen Angriffe in den letzten zwei Monaten hätten gezeigt, dass die angebliche Überlegenheit der US- und NATO-Doktrin und -Praxis, die Überlegenheit ihrer militärischen Ausrüstung, ein Mythos sei, sagte er weiter. Das ist es, was die Ukrainer vom Westen erhalten haben, und das ist es, was die Russen mit Leichtigkeit überwunden haben. Schoigu sagte, dass selbst die Panzer aus der Sowjetära den neuesten schweren Waffen aus dem Westen überlegen zu sein scheinen. Seine für das Pentagon sicherlich schädlichste Bemerkung war seine erklärte Bereitschaft, "befreundeten Ländern" mitzuteilen, was Russland auf dem Schlachtfeld über die Schwachstellen der Ausrüstung und Kampfmethoden der USA und der NATO gelernt hat.

    Wladimir Putin hielt seinerseits eine Rede auf der Konferenz, die per Video übertragen wurde. Er prangerte den kollektiven Westen für sein "geopolitisches Abenteurertum und seine egoistischen, neokolonialen Aktionen" an.

    Zitat

    In verschiedenen Regionen der Welt schüren sie alte Konflikte und provozieren neue. Das Ziel derer, die das tun, liegt auf der Hand: aus menschlichen Tragödien noch mehr Nutzen zu ziehen, Völker zu erdrosseln, Staaten im Rahmen eines neokolonialen Systems in eine vasallenartige Unterwerfung zu zwingen, ihre Ressourcen gnadenlos auszubeuten.

    Zitat Ende

    Putin hat sich die Rosinen aus dem Kuchen der marxistischen Kritik am Westen herausgepickt, die die Kreml-Führung seit drei Generationen auf der Weltbühne vertritt.

                                                                              *****

    Die parallel zur Sicherheitskonferenz stattfindende Ausstellung "Armee 2023" ist ein Schaufenster für die neueste russische Militärtechnik, die an befreundete Länder verkauft werden kann. Dementsprechend wurden die ausländischen Delegationen von Beschaffungsbeamten angeführt. Die Ausstellung ist auch ein Schaufenster für befreundete Staaten, insbesondere für China und den Iran, um ihre Produkte vorzustellen. Beide präsentieren zum Beispiel ihre neuesten Errungenschaften im Bereich der Drohnen.

    https://de.irna.ir/photo/85199869/Russische-Milit%C3%A4rausstellung-ARMY-2023

    Aber es gibt noch einen anderen Aspekt der "Armee 2023", der bei der breiten Öffentlichkeit wahrscheinlich mehr Begeisterung hervorrufen wird, wenn die Ausstellung am Freitag für sie geöffnet wird: die Ausstellung von mehreren tausend "Kriegstrophäen" vom Schlachtfeld in der Ukraine. Das betrifft insbesondere französische Radpanzer, britische Schützenpanzer, amerikanische Artilleriegeschütze, Spezialfahrzeuge aus Schweden und vieles mehr, die in nahezu neuwertigem Zustand vom Schlachtfeld zurückgebracht wurden, nachdem sie von ihren ukrainischen Besatzungen, die um ihr Leben rannten, aufgegeben worden waren. Dies ist vielleicht die beste Außenwerbung für die Stärke der russischen Waffen. Sie wird den amerikanischen und europäischen Waffenhändlern sicherlich ein Dorn im Auge sein.

    Quelle: https://gilbertdoctorow.com/
    Mit freundlicher Genehmigung von Gilbert Doctorow
    Die Übersetzung besorgte Andreas Mylaeus


    Info: https://seniora.org/index.php?option=com_acymailing&ctrl=url&subid=3998&urlid=4354&mailid=1870


    unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält

    16.08.2023

    Interview mit einem russischen Wehrpflichtigen: "Wir kämpfen gegen uns selbst"

    freedert.online, vom 15 Aug. 2023 19:19 Uhr, Von Dmitri Plotnikow

    Im Krieg fängt man an, Dinge anders zu betrachten. Viele Soldaten waren vor ihrer Einberufung in den Kriegsdienst einfache Handwerker, Büroangestellte, Manager oder Geschäftsleute. Wie sehen russische Wehrpflichtige ihren Einsatz in der Ukraine und das Militärleben?


    Quelle: RT


    Symbolbild


    Fast ein Jahr ist vergangen seit der Ankündigung einer Teilmobilmachung in Russland. Im September vergangenen Jahres wurden rund 300.000 Soldaten in den Kriegsdienst einberufen. Obwohl sie alle zuvor Militärdienst abgeleistet hatten, waren sie vor ihrer Einberufung einfache Handwerker, Büroangestellte, Manager oder Geschäftsleute. Ein Soldat mit dem militärischen Rufzeichen "Ural", der im Zivilleben in der Unterhaltungsindustrie arbeitete, war einer der ersten, der eine Einberufung erhielt.


    In dem Interview mit RT sprach er darüber, wie er und seine Kameraden der Herausforderung begegneten, zu den Waffen zu greifen, von den Unterschieden zwischen Wehrpflichtigen aus Russland und der Ukraine. Er erzählte davon, was in einem Mann vorgeht, der von einem zivilen Leben in ein militärisches übergeht und wofür die russischen Soldaten tatsächlich kämpfen.


    Wenn sie mich einberufen werden, so sei es

    RT: Was ging in Dir vor, als Du von Deiner Einberufung erfahren hast?


    "Ein Neonazismus unserer Kerle": Europa singt Oden für Bandera und "Asow"




    Meinung

    "Ein Neonazismus unserer Kerle": Europa singt Oden für Bandera und "Asow"






    Ural: Ungefähr eine Woche bevor die Mobilmachung angekündigt wurde, begann ich darüber nachzudenken, ob meine Einberufung bald eintreffen könnte. Dinge wie Gesetzesänderungen, die Prüfung von Gesetzesentwürfen betreffend Fahnenflucht, gaben natürlich Anlass zu solchen Gedanken. Mir war klar, wie es weitergehen würde. Natürlich machte ich mir bis zu einem gewissen Grad auch Sorgen, weil unklar war, wozu das alles führen könnte und wie breit die Mobilmachung sein wird. Es war auch noch nicht klar, ob wir eine Generalmobilmachung zu erwarten hatten oder – wie sich dann herausstellte – eine Teilmobilmachung. Ich befand mich sozusagen in einem Zustand der Ungewissheit.

    RT: Wie hast Du reagiert, als Du die Einberufung erhalten hast? Hast Du darüber nachgedacht, Russland in der Zeit zwischen der Bekanntgabe der Mobilmachung und dem Eintreffen der Einberufung zu verlassen?

    Ural: Eigentlich hatte ich sogar die Möglichkeit, Russland zu verlassen, aber nein, ich bin nicht gegangen. Als der Zeitpunkt der Ankündigung der Mobilmachung näher rückte, kam ich zu der Überzeugung: "Wenn sie mich einberufen werden, so sei es. Es bedeutet, dass ich gebraucht werde. Und wenn ich nicht gebraucht werde, werden sie mich auch nicht einberufen." Als der Präsident dann den Beginn der Mobilmachung ankündigte, hatte ich innerlich also bereits beschlossen: "Komme, was wolle." Zwei Tage später stellte sich dann heraus, dass sie mich in den Kriegsdienst eingezogen hatten.


    Der heutige Ukraine-Konflikt begann vor 100 Jahren mit der Politik der Bolschewiki Lenins




    Meinung

    Der heutige Ukraine-Konflikt begann vor 100 Jahren mit der Politik der Bolschewiki Lenins






    RT: Wie denkst Du nach all der Zeit, die Du jetzt an der Front verbracht hast, über Menschen, die beschlossen haben, das Land zu verlassen, bevor sie eine Einberufung erhalten?

    Ural: Meine Einstellung dazu ist zwiespältig. Einerseits verstehe ich, dass jeder sein eigenes Schicksal wählt. Wir sind alles erwachsene Menschen und wir begreifen. Auf der anderen Seite handelt es sich jedoch um eine Situation, in der einige sozusagen von ihrem Mutterland aufgezogen wurden, sich aber dafür entschieden, das Mutterland einfach im Stich zu lassen. Diese Menschen kann man gewissermaßen als Kosmopoliten bezeichnen. Sie interessierten sich nicht für das Schicksal des eigenen Heimatlandes oder dafür, was daraus werden könnte. Also verließen sie das Land, dies war ihre Entscheidung.


    Der Fluss als unüberwindbares Hindernis

    RT: Zu welchem Teil der Front wurdest Du nach Deiner Einberufung verlegt?

    Ural: In das Gebiet um Cherson, das insofern besonders ist, weil es durch den wunderschönen Fluss Dnjepr geteilt wird. Während unseres gesamten Aufenthalts dort hatten wir keinen direkten Feindkontakt, da unsere Einheit die russische Grenze kurz vor dem Truppenabzug aus Cherson überquerte. Danach ließen die Kämpfe in diesem Frontabschnitt rasch nach. Der Fluss Dnjepr ist eine ausgezeichnete "Trennlinie", breit genug, um direkte Zusammenstöße zu verhindern.

    RT: Du hast erwähnt, dass Du kurz vor dem Rückzug der russischen Streitkräfte aus Cherson an die Front kamst. Was denkst Du über diesen Rückzug?

    Ural: Es gab zu dem Zeitpunkt zwei Aspekte. Einerseits war uns allen mehr oder weniger klar, dass diese strategische Entscheidung notwendig war, um eine kampfbereite Gruppe in eine Richtung zu verlegen, in der sie tatsächlich operieren konnte. Aber gleichzeitig gab es einen gewissen Unmut, weil viele auf der anderen Seite des Dnjepr zurückblieben. Dieser Unmut war vor allem unter den Berufssoldaten spürbar. Doch mit der Zeit wurde vielen klar, dass dies ein notwendiger Schritt war, egal wie frustrierend er in diesem Moment auch gewesen sein mag. Der Frontabschnitt konnte stabilisiert werden und die vom linken Ufer abgezogenen Einheiten konnten in anderen Abschnitten eingesetzt werden.

    RT: Hat sich die Situation im Allgemeinen verändert, nachdem die russischen Streitkräfte das linke Ufer des Dnjepr verlassen haben?


    Heute vor neun Jahren: Ukrainische Armee beschießt Badestrand und tötet 13 Zivilisten





    Heute vor neun Jahren: Ukrainische Armee beschießt Badestrand und tötet 13 Zivilisten 






    Ural: Vor dem Rückzug intensivierten sich die Kämpfe auf der linken Seite des Dnjepr erheblich und es gab ein Problem mit der Versorgung. Selbst jetzt, nachdem wir diese Uferseite verlassen haben, ist das Problem nicht vollständig gelöst. Aber zu der Zeit war es noch viel ernster. Alle Kämpfe in der Gegend von Cherson haben sich mittlerweile zu einer Art "Großer Stillstand an der Jugra" entwickelt [Anm.d.Red.: die historische Auseinandersetzung zwischen den Armeen Russlands und der Großen Horde am Ende des 15. Jahrhunderts, bei der beide Armeen sich an den Ufern des Flusses Jugra gegenüberstanden, aber es nicht zu einer Schlacht kam]. Natürlich ist die Artillerie auf beiden Seiten aktiv. Dennoch gibt es hier keine nennenswerten Aktivitäten, wie es sie vor dem Rückzug aus Cherson gab. Es gab Versuche der ukrainischen Seite, den Fluss zu überqueren, die jedoch größtenteils scheiterten. Unter modernen Bedingungen ist es fast unmöglich, einen breiten Fluss wie den Dnjepr zu überqueren, wenn nur kleine Angriffsgruppen daran beteiligt sind und nicht wie im Zweiten Weltkrieg große Armeen. In gewisser Weise ist der Fluss zu einem unüberwindlichen Hindernis für den Feind geworden.


    Menschen gewöhnen sich an alles

    RT: Welche Gefühle herrschten unter den Wehrpflichtigen vor, als sie an der Front ankamen?

    Ural: Am Anfang herrschten natürlich gemischte Gefühle vor. Die meisten von uns führten zuvor viele Jahre lang ein ziviles Leben. Natürlich gab es solche, die erst vor Kurzem aus dem regulären Militärdienst entlassen wurden, aber es gab auch solche, die vor mehr als zehn Jahren demobilisiert wurden. Das waren versierte Leute auf ihrem militärischen Fachgebiet. Aber sie waren seit vielen Jahren weit entfernt von jeglichem Militärleben mit seinen strengen Regeln. Trotzdem gingen diese Leute zurück ins Militär, weil ihr Land sie einberufen hatte. Am Anfang waren wir besorgt, weil sich die Dinge rasant entwickelten. Wenn sich eine Person vom Zivilleben an das Militärleben anpassen muss, hinterlässt dieser Prozess natürlich Spuren. Aber nach und nach gewöhnt sich jeder daran. Alle haben sich an die neuen Umstände gewöhnt und alle machen ihre Arbeit gut.

    RT: Wie lange hast Du gebraucht, um Dich anzupassen?

    Ural: Das ist schwer zu sagen, ich würde sagen, zwei oder drei Monate. In dieser Zeitspanne gewöhnten sich die Leute an die neuen Bedingungen. Es gab körperliches Training, sodass sich viele erst mal anpassen mussten. Man gewöhnt sich an alles, aber es braucht Zeit. Neben den physiologischen Veränderungen und den neu erworbenen praktischen Fähigkeiten verändert sich natürlich auch die Denkweise und wechselt von einem zivilen in einen militärischen Modus.


    Wir kämpfen gegen uns selbst

    RT: Denken Du und Deine Kameraden anders über den Krieg und den Feind, nachdem ihr viel Zeit an der Front verbracht habt?

    Warum ich als Ukrainer nichts von der "Unabhängigkeit" meines Landes halte




    Meinung

    Warum ich als Ukrainer nichts von der "Unabhängigkeit" meines Landes halte






    Ural: Nein, im Wesentlichen nicht. Im Allgemeinen sind russische Soldaten hinsichtlich ihrer Haltung gegenüber dem Feind in zwei Lager gespalten: in jenes, das glaubt, gegen den Faschismus zu kämpfen und die Ukrainer als Faschisten betrachtet und in jenes, das glaubt, dass dies ein Krieg gegen eine Brudernation ist – eine Nation, die von westlichen Mächten einer Gehirnwäsche unterzogen wurde. Für genannte Lager ist dies ein Bürgerkrieg. Ich persönlich teile den zweiten Standpunkt. Hier kann man nur schwer argumentieren, weil wir auf der gegnerischen Seite im Grunde dieselben Leute haben, vor allem jetzt, wo die Zahl der ukrainischen Wehrpflichtigen deutlich zugenommen hat. Das sind Leute, die Russisch sprechen und mehr oder weniger dieselbe Mentalität haben wie wir. Wir kämpfen im Grunde genommen gegen uns selbst. Nur dass die gegnerische Seite viel stärker einer ideologischen Gehirnwäsche unterzogen wurde. Darüber hinaus ist diese Gehirnwäsche so schwerwiegend, dass diese Leute nicht verstehen, was sie tun.

    RT: Hat die wachsende Zahl von Wehrpflichtigen die Kampffähigkeit der Streitkräfte der Ukraine beeinträchtigt?

    Ural: Ich würde sagen: Ja, das hat es. Wenn zahlreiche Zivilisten mobilisiert werden, verringert dies im Allgemeinen die Kampfkraft einer Armee, obwohl wir bisher keine direkten Zusammenstöße mit ihnen hatten. Solche Leute sind möglicherweise aufgrund mangelnder Ausbildung und Motivation nicht in der Lage, ihre Aufgaben zu bewältigen. Im Allgemeinen zeigen die Ukrainer ein viel geringeres Interesse an dem, was sie tun und wie sie kämpfen. Ich meine, ideologisch gesehen sind russische Wehrpflichtige viel motivierter als ihre ukrainischen Gegenüber.

    RT: Bedeutet das, dass einige der einberufenen Russen vollständig kampfbereit sind?

    Ural: Es ist nun schon eine ganze Weile her seit der Ankündigung der Mobilmachung. Wir hatten Herbst, Winter und Frühling zur Vorbereitung. Während dieser ganzen Zeit beschäftigten wir uns mit militärischer und taktischer Ausbildung, mit Schießübungen und mit der Ausbildung in Erster Hilfe. Wir haben nicht einfach untätig herumgesessen, sondern trainiert. Dadurch haben wir einige praktische Erfahrungen sammeln können.


    Wir verteidigen das Leben, das wir vor dem Krieg hatten

    RT: Wie einfach wird es Deiner Meinung nach für die Leute sein, aus dem Krieg zurückzukehren, sich wieder in die Gesellschaft zu integrieren und in ein friedliches ziviles Leben zurückzukehren? Wird dies für die Wehrpflichtigen schwieriger sein als für die Berufssoldaten?


    Gelebt, gekämpft und bereit, für Russland zu sterben: Wie ein junger Autor zum Soldaten wurde




    Analyse

    Gelebt, gekämpft und bereit, für Russland zu sterben: Wie ein junger Autor zum Soldaten wurde





    Ural: Ich denke, dass es für die Wehrpflichtigen etwas einfacher sein wird, da sie üblicherweise in der zweiten und dritten Verteidigungslinie im Einsatz sind. Die meisten Wehrpflichtigen sind nicht an den direkten Sturmangriffen beteiligt. Das Oberkommando setzt uns Wehrpflichtige als eine Art "Sicherheitsleine" für die regulären Einheiten ein. Aber auf jeden Fall hat jeder jetzt einen bestimmten Hintergrund, der auf die eine oder andere Weise seine Weltanschauung beeinflussen wird, wenn er nach Hause zurückkehrt. Aber ich denke, dass es für die Wehrpflichtigen trotzdem einfacher sein wird, weil wir ja ursprünglich Zivilisten waren. Wenn wir also wieder zu Hause sind, wird es für uns im Vergleich zu den Berufssoldaten einfacher sein, zum normalen Leben zurückzukehren.

    RT: Glaubst Du, dass die Rückkehr zahlreicher Kriegsveteranen Russland verändern wird?

    Ural: Ich denke, dass es einige Veränderungen geben wird. Wir sollten mit etwas Ähnlichem rechnen wie nach den Feldzügen in Tschetschenien. Diese Veteranen werden eine bestimmte Schicht der Gesellschaft bilden, eine "Bruderschaft", die im Krieg geschmiedet wurde. Sie werden ein etwas anderes Glaubenssystem haben und sie werden eine gewisse Neubewertung der Werte vornehmen. Generell ist dies bereits bei den Soldaten auf Urlaub zu beobachten. Wenn diese Leute nach Hause kommen, sehen sie, was im zivilen Leben vor sich geht, das sich auch irgendwie verändert hat. Sie sehen dies und müssen sich irgendwie damit auseinandersetzen. Infolgedessen vollzieht sich in ihnen eine gewisse Transformation, die sich nicht nur auf ihre Werte, sondern auch auf ihre allgemeine Lebenseinstellung beziehen wird. Darüber hinaus fragen sich diese Leute, was getan werden könnte, um die eigene Heimat zum Besseren zu verändern – sowohl innerhalb der eigenen Familie als auch im ganzen Land. Ich denke, das ist ein positiver Trend. Denn die Leute an der Front sind größtenteils glühende Patrioten ihres Landes, und ihr Patriotismus wird mit der Zeit sogar noch glühender. Daher glaube ich persönlich, dass wir zutiefst positive Veränderungen erleben werden.

    RT: Was ist mit Dir? Hat Dich dieses Kriegserlebnis verändert?

    Ural: Das ist eine schwierige Frage, denn in der Regel bemerkt man die Veränderungen in sich selbst nicht einmal nach einer gewissen Weile. Diese Veränderungen erfolgen allmählich und nicht unmittelbar, somit bemerkt man sie üblicherweise nicht sofort. Aber wahrscheinlich nehme ich bestimmte Dinge inzwischen ernster. Ich habe damit begonnen, meine Heimat viel mehr zu schätzen, einschließlich meiner Familie, meiner Freunde und das normale zivile Leben. Im Krieg fängt man an, die Dinge anders zu betrachten. Man beginnt zu verstehen, dass man unter anderem das Leben verteidigt, das man bisher geführt hat – das Leben vor dem Krieg, vor der Mobilmachung und allem anderen. Wir verteidigen unser normales, friedliches Leben und schätzen, wie ich bereits sagte, dieses Leben jetzt viel mehr.

    Übersetzt aus dem Englischen.


    Dmitri Plotnikow ist ein politischer Journalist, der sich mit der Geschichte und den aktuellen Ereignissen ehemaliger Sowjetstaaten beschäftigt.


    Mehr zum Thema - Die NATO und die missbrauchte Ukraine


    Durch die Sperrung von RT zielt die EU darauf ab, eine kritische, nicht prowestliche Informationsquelle zum Schweigen zu bringen. Und dies nicht nur hinsichtlich des Ukraine-Kriegs. Der Zugang zu unserer Website wurde erschwert, mehrere Soziale Medien haben unsere Accounts blockiert. Es liegt nun an uns allen, ob in Deutschland und der EU auch weiterhin ein Journalismus jenseits der Mainstream-Narrative betrieben werden kann. Wenn Euch unsere Artikel gefallen, teilt sie gern überall, wo Ihr aktiv seid. Das ist möglich, denn die EU hat weder unsere Arbeit noch das Lesen und Teilen unserer Artikel verboten. Anmerkung: Allerdings hat Österreich mit der Änderung des "Audiovisuellen Mediendienst-Gesetzes" am 13. April diesbezüglich eine Änderung eingeführt, die möglicherweise auch Privatpersonen betrifft. Deswegen bitten wir Euch bis zur Klärung des Sachverhalts, in Österreich unsere Beiträge vorerst nicht in den Sozialen Medien zu teilen.

    Info: https://freedert.online/international/177918-interview-mit-russischen-wehrpflichtigen-wir


    unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält

    16.08.2023

    Deutsche Zustände oder: Die Reisen der Annalena Baerbock

    freedert.online, vom 15 Aug. 2023 17:55 Uhr, Von Gert Ewen Ungar

    Die Reise der deutschen Außenministerin nach Australien musste nach zwei Pannen am Regierungsflieger abgesagt werden. Die Botschaft, die mit dieser Absage verbunden ist, ist die ehrlichste, die Baerbock bisher an die Welt gesandt hat: Deutschland bekommt nichts mehr auf die Reihe.


    Quelle: www.globallookpress.com © IMAGO/Florian Ga




    ertner


    In Abu Dhabi gestrandet: Außenministerin Annalena Baerbock (Bündnis 90/Die Grünen)


    Deutschlands Außenministerin Annalena Baerbock (Bündnis 90/Die Grünen) hatte große Reisepläne. "Australien, Neuseeland, Fidschi: Außenministerin Baerbock reist in die Zukunftsregion Indopazifik", verkündete das Auswärtige Amt auf seiner Seite. Die Außenministerin strandete schließlich in Abu Dhabi. Und das gleich zweimal. Baerbocks Antrittsbesuch in Sydney wurde letztlich abgesagt – technische Schwierigkeiten.


    Es ist vermutlich eine ihrer ehrlichsten Botschaften an die Welt, in der sie ganz offen auf den tatsächlichen Zustand Deutschlands hinweist. Zu dieser neuen, unfreiwilligen deutschen Ehrlichkeit waren vor ihr schon eine Reihe von deutschen Politikern gezwungen worden. So deutlich wie anlässlich der Reise Baerbocks war der Welt das deutsche Unvermögen bisher jedoch noch nicht vorgeführt worden. Gleich zweimal in einer einzigen Nacht musste der Regierungsflieger zur Notlandung in Abu Dhabi ansetzen.


    Bereits nach ihrer ersten zwangsweisen Zwischenlandung in den Vereinigten Arabischen Emiraten brachten die russischen Hauptnachrichten gestern eine kleine Reportage, welche deutschen Politiker bisher aufgrund technischer Pannen zu Zwischenlandungen gezwungen worden waren. Es waren erstaunlich viele, und der Bericht war nicht ganz ohne Häme.


    Baerbock, das Völkerrecht und der grüne Populismus





    Baerbock, das Völkerrecht und der grüne Populismus







    Schon im Mai musste Baerbock wegen eines Reifenschadens einen Tag länger als geplant in Doha bleiben. Ihr Vorgänger im Amt, Heiko Maas, wurde von technischen Pannen ebenso wenig verschont wie die ehemalige Bundeskanzlerin Angela Merkel, die 2018 mit dem Linienflieger zum G20-Gipfel nach Buenos Aires fliegen musste. Auch damals machte die "Konrad-Adenauer" schlapp – genau der Flieger, dessen verklemmte Landeklappen jetzt dafür sorgten, dass Annalena Baerbock Australien nicht mit einem Besuch beglücken und auf schöne Pressefotos anlässlich der Rückgabe indigener Kunstgüter verzichten muss.


    Selbst ihre australische Amtskollegin Penelope Wong hätte sich für Baerbock ein bisschen Zeit genommen, erfährt man beim Auswärtigen Amt, was wahrlich keine Selbstverständlichkeit ist. Auch wenn deutsche Medien Baerbock in der Regel anlässlich ihrer Besuche abfeiern, sind ihre tatsächlichen außenpolitischen Erfolge bestenfalls bescheiden. Bei ihrem Besuch in Brasilien hatte ihr Amtskollege jedenfalls keine Zeit für Baerbock, es gab nicht mal eine gemeinsame Pressekonferenz.


    Generell wird der deutschen Außenministerin immer häufiger die Tür vor ihrer außenpolitischen Nase zugeschlagen. Das hat gute Gründe, denn Baerbocks außenpolitisches Programm ist so schlicht wie sie selbst. Sie will Waffen haben, um sie in ein Kriegsgebiet zu liefern. Sie will einen Strafgerichtshof, vor dem ausschließlich russische Politiker und vor allem Russlands Präsident Putin abgeurteilt werden können. Sie will, dass alle Länder der Welt die Sicht des Westens und Deutschlands auf den Ukraine-Konflikt in seiner Verkürzung übernehmen. Sie will daher auch, dass alle Länder das Sanktionsregime des Westens gegen ihre eigenen Interessen mittragen und umsetzen. Und dann will sie noch was mit Feminismus, Klimawandel und LGBT.


    Selenskij-Plan nicht durchsetzbar – Konferenz in Saudi-Arabien ohne Abschlusserklärung




    Selenskij-Plan nicht durchsetzbar – Konferenz in Saudi-Arabien ohne Abschlusserklärung






    Baerbock macht aus Außenpolitik einen schlechten Witz. Man kann sie nicht ernst nehmen, außer man gehört zur gut bezahlten Jubel-Truppe der deutschen Mainstreammedien, die den Unsinn berufsmäßig beklatschen, mit dem Baerbock den Ruf Deutschlands im Ausland ruiniert.

    Es ist daher nicht schlimm, dass Baerbock es nicht bis nach Australien geschafft hat. Wahrscheinlich hat das sogar eher weiteren Schaden von Deutschland abgewendet. Nicht auszuschließen ist, dass sie China versehentlich den Krieg erklärt hätte, wie sie es zuvor schon in Bezug auf Russland getan hat.


    Denn ein bisschen Stänkern in Richtung China stand selbstverständlich auch auf dem Programm der Außenministerin. Es war Baerbock ein Anliegen, auch über die Situation im Indopazifik zu sprechen. Was sie da gesagt hätte, weiß man vorher: China ist Systemrivale und der Westen muss das Land in die Schranken weisen, Sanktionen verhängen und Taiwan in seinem Kampf für Demokratie und Freiheit unterstützen. Gegenüber China ist die deutsche Außenministerin von einem ähnlichen Hass und von ähnlicher Irrationalität getrieben wie gegenüber Russland. Allerdings sind weder eine von Hass noch eine von Irrationalität getriebene Außenministerin in deutschem Interesse.


    Und natürlich ist es auch gut, dass die Außenministerin bei ihren Reisen unfreiwillig, dafür aber für die Welt umso ehrlicher und deutlicher über den Zustand Deutschlands informiert. Aus all den vollmundig angekündigten Kooperationen, all der technischen Zusammenarbeit, dem Technologie-Transfer wird nichts werden, macht die Außenministerin der Welt klar, weil es gar nichts zu transferieren gibt. Deutschland ist aktuell nicht in einem Zustand, in dem es große Projekte stemmen könnte. Es hat nichts zu bieten. Es bekommt ja seine eigenen Politiker noch nicht einmal zuverlässig von A nach B geflogen.


    Mehr zum Thema Baerbock-Satire-Kanal: Auswärtiges Amt interveniert und lässt Namen ändern


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    Info: https://freedert.online/meinung/177949-deutsche-zustaende-oder-reisen-annalena


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    16.08.2023

    Interview mit einem russischen Wehrpflichtigen: "Wir kämpfen gegen uns selbst"


    freedert.online, 15 Aug. 2023 19:19 Uhr

    Im Krieg fängt man an, Dinge anders zu betrachten. Viele Soldaten waren vor ihrer Einberufung in den Kriegsdienst einfache Handwerker, Büroangestellte, Manager oder Geschäftsleute. Wie sehen russische Wehrpflichtige ihren Einsatz in der Ukraine und das Militärleben?


    Interview mit einem russischen Wehrpflichtigen: "Wir kämpfen gegen uns selbst"Quelle: RT


    Symbolbild


    Fast ein Jahr ist vergangen seit der Ankündigung einer Teilmobilmachung in Russland. Im September vergangenen Jahres wurden rund 300.000 Soldaten in den Kriegsdienst einberufen. Obwohl sie alle zuvor Militärdienst abgeleistet hatten, waren sie vor ihrer Einberufung einfache Handwerker, Büroangestellte, Manager oder Geschäftsleute. Ein Soldat mit dem militärischen Rufzeichen "Ural", der im Zivilleben in der Unterhaltungsindustrie arbeitete, war einer der ersten, der eine Einberufung erhielt.


    In dem Interview mit RT sprach er darüber, wie er und seine Kameraden der Herausforderung begegneten, zu den Waffen zu greifen, von den Unterschieden zwischen Wehrpflichtigen aus Russland und der Ukraine. Er erzählte davon, was in einem Mann vorgeht, der von einem zivilen Leben in ein militärisches übergeht und wofür die russischen Soldaten tatsächlich kämpfen.


    Wenn sie mich einberufen werden, so sei es


    RT: Was ging in Dir vor, als Du von Deiner Einberufung erfahren hast?


    "Ein Neonazismus unserer Kerle": Europa singt Oden für Bandera und "Asow"




    Meinung

    "Ein Neonazismus unserer Kerle": Europa singt Oden für Bandera und "Asow"






    Ural: Ungefähr eine Woche bevor die Mobilmachung angekündigt wurde, begann ich darüber nachzudenken, ob meine Einberufung bald eintreffen könnte. Dinge wie Gesetzesänderungen, die Prüfung von Gesetzesentwürfen betreffend Fahnenflucht, gaben natürlich Anlass zu solchen Gedanken. Mir war klar, wie es weitergehen würde. Natürlich machte ich mir bis zu einem gewissen Grad auch Sorgen, weil unklar war, wozu das alles führen könnte und wie breit die Mobilmachung sein wird. Es war auch noch nicht klar, ob wir eine Generalmobilmachung zu erwarten hatten oder – wie sich dann herausstellte – eine Teilmobilmachung. Ich befand mich sozusagen in einem Zustand der Ungewissheit.


    RT: Wie hast Du reagiert, als Du die Einberufung erhalten hast? Hast Du darüber nachgedacht, Russland in der Zeit zwischen der Bekanntgabe der Mobilmachung und dem Eintreffen der Einberufung zu verlassen?


    Ural: Eigentlich hatte ich sogar die Möglichkeit, Russland zu verlassen, aber nein, ich bin nicht gegangen. Als der Zeitpunkt der Ankündigung der Mobilmachung näher rückte, kam ich zu der Überzeugung: "Wenn sie mich einberufen werden, so sei es. Es bedeutet, dass ich gebraucht werde. Und wenn ich nicht gebraucht werde, werden sie mich auch nicht einberufen." Als der Präsident dann den Beginn der Mobilmachung ankündigte, hatte ich innerlich also bereits beschlossen: "Komme, was wolle." Zwei Tage später stellte sich dann heraus, dass sie mich in den Kriegsdienst eingezogen hatten.


    Der heutige Ukraine-Konflikt begann vor 100 Jahren mit der Politik der Bolschewiki Lenins




    Meinung

    Der heutige Ukraine-Konflikt begann vor 100 Jahren mit der Politik der Bolschewiki Lenins 






    RT: Wie denkst Du nach all der Zeit, die Du jetzt an der Front verbracht hast, über Menschen, die beschlossen haben, das Land zu verlassen, bevor sie eine Einberufung erhalten?


    Ural: Meine Einstellung dazu ist zwiespältig. Einerseits verstehe ich, dass jeder sein eigenes Schicksal wählt. Wir sind alles erwachsene Menschen und wir begreifen. Auf der anderen Seite handelt es sich jedoch um eine Situation, in der einige sozusagen von ihrem Mutterland aufgezogen wurden, sich aber dafür entschieden, das Mutterland einfach im Stich zu lassen. Diese Menschen kann man gewissermaßen als Kosmopoliten bezeichnen. Sie interessierten sich nicht für das Schicksal des eigenen Heimatlandes oder dafür, was daraus werden könnte. Also verließen sie das Land, dies war ihre Entscheidung.


    Der Fluss als unüberwindbares Hindernis

    RT: Zu welchem Teil der Front wurdest Du nach Deiner Einberufung verlegt?

    Ural: In das Gebiet um Cherson, das insofern besonders ist, weil es durch den wunderschönen Fluss Dnjepr geteilt wird. Während unseres gesamten Aufenthalts dort hatten wir keinen direkten Feindkontakt, da unsere Einheit die russische Grenze kurz vor dem Truppenabzug aus Cherson überquerte. Danach ließen die Kämpfe in diesem Frontabschnitt rasch nach. Der Fluss Dnjepr ist eine ausgezeichnete "Trennlinie", breit genug, um direkte Zusammenstöße zu verhindern.

    RT: Du hast erwähnt, dass Du kurz vor dem Rückzug der russischen Streitkräfte aus Cherson an die Front kamst. Was denkst Du über diesen Rückzug?

    Ural: Es gab zu dem Zeitpunkt zwei Aspekte. Einerseits war uns allen mehr oder weniger klar, dass diese strategische Entscheidung notwendig war, um eine kampfbereite Gruppe in eine Richtung zu verlegen, in der sie tatsächlich operieren konnte. Aber gleichzeitig gab es einen gewissen Unmut, weil viele auf der anderen Seite des Dnjepr zurückblieben. Dieser Unmut war vor allem unter den Berufssoldaten spürbar. Doch mit der Zeit wurde vielen klar, dass dies ein notwendiger Schritt war, egal wie frustrierend er in diesem Moment auch gewesen sein mag. Der Frontabschnitt konnte stabilisiert werden und die vom linken Ufer abgezogenen Einheiten konnten in anderen Abschnitten eingesetzt werden.

    RT: Hat sich die Situation im Allgemeinen verändert, nachdem die russischen Streitkräfte das linke Ufer des Dnjepr verlassen haben?


    Heute vor neun Jahren: Ukrainische Armee beschießt Badestrand und tötet 13 Zivilisten





    Heute vor neun Jahren: Ukrainische Armee beschießt Badestrand und tötet 13 Zivilisten






    Ural: Vor dem Rückzug intensivierten sich die Kämpfe auf der linken Seite des Dnjepr erheblich und es gab ein Problem mit der Versorgung. Selbst jetzt, nachdem wir diese Uferseite verlassen haben, ist das Problem nicht vollständig gelöst. Aber zu der Zeit war es noch viel ernster. Alle Kämpfe in der Gegend von Cherson haben sich mittlerweile zu einer Art "Großer Stillstand an der Jugra" entwickelt [Anm.d.Red.: die historische Auseinandersetzung zwischen den Armeen Russlands und der Großen Horde am Ende des 15. Jahrhunderts, bei der beide Armeen sich an den Ufern des Flusses Jugra gegenüberstanden, aber es nicht zu einer Schlacht kam]. Natürlich ist die Artillerie auf beiden Seiten aktiv. Dennoch gibt es hier keine nennenswerten Aktivitäten, wie es sie vor dem Rückzug aus Cherson gab. Es gab Versuche der ukrainischen Seite, den Fluss zu überqueren, die jedoch größtenteils scheiterten. Unter modernen Bedingungen ist es fast unmöglich, einen breiten Fluss wie den Dnjepr zu überqueren, wenn nur kleine Angriffsgruppen daran beteiligt sind und nicht wie im Zweiten Weltkrieg große Armeen. In gewisser Weise ist der Fluss zu einem unüberwindlichen Hindernis für den Feind geworden.


    Menschen gewöhnen sich an alles

    RT: Welche Gefühle herrschten unter den Wehrpflichtigen vor, als sie an der Front ankamen?

    Ural: Am Anfang herrschten natürlich gemischte Gefühle vor. Die meisten von uns führten zuvor viele Jahre lang ein ziviles Leben. Natürlich gab es solche, die erst vor Kurzem aus dem regulären Militärdienst entlassen wurden, aber es gab auch solche, die vor mehr als zehn Jahren demobilisiert wurden. Das waren versierte Leute auf ihrem militärischen Fachgebiet. Aber sie waren seit vielen Jahren weit entfernt von jeglichem Militärleben mit seinen strengen Regeln. Trotzdem gingen diese Leute zurück ins Militär, weil ihr Land sie einberufen hatte. Am Anfang waren wir besorgt, weil sich die Dinge rasant entwickelten. Wenn sich eine Person vom Zivilleben an das Militärleben anpassen muss, hinterlässt dieser Prozess natürlich Spuren. Aber nach und nach gewöhnt sich jeder daran. Alle haben sich an die neuen Umstände gewöhnt und alle machen ihre Arbeit gut.

    RT: Wie lange hast Du gebraucht, um Dich anzupassen?

    Ural: Das ist schwer zu sagen, ich würde sagen, zwei oder drei Monate. In dieser Zeitspanne gewöhnten sich die Leute an die neuen Bedingungen. Es gab körperliches Training, sodass sich viele erst mal anpassen mussten. Man gewöhnt sich an alles, aber es braucht Zeit. Neben den physiologischen Veränderungen und den neu erworbenen praktischen Fähigkeiten verändert sich natürlich auch die Denkweise und wechselt von einem zivilen in einen militärischen Modus.

    Wir kämpfen gegen uns selbst

    RT: Denken Du und Deine Kameraden anders über den Krieg und den Feind, nachdem ihr viel Zeit an der Front verbracht habt?


    Warum ich als Ukrainer nichts von der "Unabhängigkeit" meines Landes halte





    Meinung

    Warum ich als Ukrainer nichts von der "Unabhängigkeit" meines Landes halte





    Ural: Nein, im Wesentlichen nicht. Im Allgemeinen sind russische Soldaten hinsichtlich ihrer Haltung gegenüber dem Feind in zwei Lager gespalten: in jenes, das glaubt, gegen den Faschismus zu kämpfen und die Ukrainer als Faschisten betrachtet und in jenes, das glaubt, dass dies ein Krieg gegen eine Brudernation ist – eine Nation, die von westlichen Mächten einer Gehirnwäsche unterzogen wurde. Für genannte Lager ist dies ein Bürgerkrieg. Ich persönlich teile den zweiten Standpunkt. Hier kann man nur schwer argumentieren, weil wir auf der gegnerischen Seite im Grunde dieselben Leute haben, vor allem jetzt, wo die Zahl der ukrainischen Wehrpflichtigen deutlich zugenommen hat. Das sind Leute, die Russisch sprechen und mehr oder weniger dieselbe Mentalität haben wie wir. Wir kämpfen im Grunde genommen gegen uns selbst. Nur dass die gegnerische Seite viel stärker einer ideologischen Gehirnwäsche unterzogen wurde. Darüber hinaus ist diese Gehirnwäsche so schwerwiegend, dass diese Leute nicht verstehen, was sie tun.

    RT: Hat die wachsende Zahl von Wehrpflichtigen die Kampffähigkeit der Streitkräfte der Ukraine beeinträchtigt?


    Ural: Ich würde sagen: Ja, das hat es. Wenn zahlreiche Zivilisten mobilisiert werden, verringert dies im Allgemeinen die Kampfkraft einer Armee, obwohl wir bisher keine direkten Zusammenstöße mit ihnen hatten. Solche Leute sind möglicherweise aufgrund mangelnder Ausbildung und Motivation nicht in der Lage, ihre Aufgaben zu bewältigen. Im Allgemeinen zeigen die Ukrainer ein viel geringeres Interesse an dem, was sie tun und wie sie kämpfen. Ich meine, ideologisch gesehen sind russische Wehrpflichtige viel motivierter als ihre ukrainischen Gegenüber.


    RT: Bedeutet das, dass einige der einberufenen Russen vollständig kampfbereit sind?


    Ural: Es ist nun schon eine ganze Weile her seit der Ankündigung der Mobilmachung. Wir hatten Herbst, Winter und Frühling zur Vorbereitung. Während dieser ganzen Zeit beschäftigten wir uns mit militärischer und taktischer Ausbildung, mit Schießübungen und mit der Ausbildung in Erster Hilfe. Wir haben nicht einfach untätig herumgesessen, sondern trainiert. Dadurch haben wir einige praktische Erfahrungen sammeln können.


    Wir verteidigen das Leben, das wir vor dem Krieg hatten


    RT: Wie einfach wird es Deiner Meinung nach für die Leute sein, aus dem Krieg zurückzukehren, sich wieder in die Gesellschaft zu integrieren und in ein friedliches ziviles Leben zurückzukehren? Wird dies für die Wehrpflichtigen schwieriger sein als für die Berufssoldaten?


    Gelebt, gekämpft und bereit, für Russland zu sterben: Wie ein junger Autor zum Soldaten wurde



    Analyse

    Gelebt, gekämpft und bereit, für Russland zu sterben: Wie ein junger Autor zum Soldaten wurde






    Ural: Ich denke, dass es für die Wehrpflichtigen etwas einfacher sein wird, da sie üblicherweise in der zweiten und dritten Verteidigungslinie im Einsatz sind. Die meisten Wehrpflichtigen sind nicht an den direkten Sturmangriffen beteiligt. Das Oberkommando setzt uns Wehrpflichtige als eine Art "Sicherheitsleine" für die regulären Einheiten ein. Aber auf jeden Fall hat jeder jetzt einen bestimmten Hintergrund, der auf die eine oder andere Weise seine Weltanschauung beeinflussen wird, wenn er nach Hause zurückkehrt. Aber ich denke, dass es für die Wehrpflichtigen trotzdem einfacher sein wird, weil wir ja ursprünglich Zivilisten waren. Wenn wir also wieder zu Hause sind, wird es für uns im Vergleich zu den Berufssoldaten einfacher sein, zum normalen Leben zurückzukehren.


    RT: Glaubst Du, dass die Rückkehr zahlreicher Kriegsveteranen Russland verändern wird?

    Ural: Ich denke, dass es einige Veränderungen geben wird. Wir sollten mit etwas Ähnlichem rechnen wie nach den Feldzügen in Tschetschenien. Diese Veteranen werden eine bestimmte Schicht der Gesellschaft bilden, eine "Bruderschaft", die im Krieg geschmiedet wurde. Sie werden ein etwas anderes Glaubenssystem haben und sie werden eine gewisse Neubewertung der Werte vornehmen. Generell ist dies bereits bei den Soldaten auf Urlaub zu beobachten. Wenn diese Leute nach Hause kommen, sehen sie, was im zivilen Leben vor sich geht, das sich auch irgendwie verändert hat. Sie sehen dies und müssen sich irgendwie damit auseinandersetzen. Infolgedessen vollzieht sich in ihnen eine gewisse Transformation, die sich nicht nur auf ihre Werte, sondern auch auf ihre allgemeine Lebenseinstellung beziehen wird. Darüber hinaus fragen sich diese Leute, was getan werden könnte, um die eigene Heimat zum Besseren zu verändern – sowohl innerhalb der eigenen Familie als auch im ganzen Land. Ich denke, das ist ein positiver Trend. Denn die Leute an der Front sind größtenteils glühende Patrioten ihres Landes, und ihr Patriotismus wird mit der Zeit sogar noch glühender. Daher glaube ich persönlich, dass wir zutiefst positive Veränderungen erleben werden.


    RT: Was ist mit Dir? Hat Dich dieses Kriegserlebnis verändert?


    Ural: Das ist eine schwierige Frage, denn in der Regel bemerkt man die Veränderungen in sich selbst nicht einmal nach einer gewissen Weile. Diese Veränderungen erfolgen allmählich und nicht unmittelbar, somit bemerkt man sie üblicherweise nicht sofort. Aber wahrscheinlich nehme ich bestimmte Dinge inzwischen ernster. Ich habe damit begonnen, meine Heimat viel mehr zu schätzen, einschließlich meiner Familie, meiner Freunde und das normale zivile Leben. Im Krieg fängt man an, die Dinge anders zu betrachten. Man beginnt zu verstehen, dass man unter anderem das Leben verteidigt, das man bisher geführt hat – das Leben vor dem Krieg, vor der Mobilmachung und allem anderen. Wir verteidigen unser normales, friedliches Leben und schätzen, wie ich bereits sagte, dieses Leben jetzt viel mehr.


    Übersetzt aus dem Englischen.

    Dmitri Plotnikow ist ein politischer Journalist, der sich mit der Geschichte und den aktuellen Ereignissen ehemaliger Sowjetstaaten beschäftigt.


    Mehr zum Thema - Die NATO und die missbrauchte Ukraine

    Durch die Sperrung von RT zielt die EU darauf ab, eine kritische, nicht prowestliche Informationsquelle zum Schweigen zu bringen. Und dies nicht nur hinsichtlich des Ukraine-Kriegs. Der Zugang zu unserer Website wurde erschwert, mehrere Soziale Medien haben unsere Accounts blockiert. Es liegt nun an uns allen, ob in Deutschland und der EU auch weiterhin ein Journalismus jenseits der Mainstream-Narrative betrieben werden kann. Wenn Euch unsere Artikel gefallen, teilt sie gern überall, wo Ihr aktiv seid. Das ist möglich, denn die EU hat weder unsere Arbeit noch das Lesen und Teilen unserer Artikel verboten. Anmerkung: Allerdings hat Österreich mit der Änderung des "Audiovisuellen Mediendienst-Gesetzes" am 13. April diesbezüglich eine Änderung eingeführt, die möglicherweise auch Privatpersonen betrifft. Deswegen bitten wir Euch bis zur Klärung des Sachverhalts, in Österreich unsere Beiträge vorerst nicht in den Sozialen Medien zu teilen.


    Info: https://freedert.online/international/177918-interview-mit-russischen-wehrpflichtigen-wir


    unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält

    15.08.2023

    Verfassungsschutz trifft Vorsorge

    aus e-mail von Doris Pumphrey, 15. August 2023, 17:49 Uhr


    /"Man hat zunehmend den Eindruck, die aktuelle Regierung setze sich in

    einem inakzeptablen Akt der Überhöhung selber mit „der Demokratie“

    gleich – folgerichtig sind Regierungskritiker dann „Feinde der

    Demokratie“, wie Tobias Riegel in den NachDenkSeiten

    <https://www.nachdenkseiten.de/?p=102475> schrieb. Da nicht nur die

    Kritik an, sondern der Protest gegen diese Regierung, ihre katastrophale

    Wirtschafts- und Sozialpolitik und ihre anti-russische Kriegspolitik

    tendenziell wachsen dürfte, muss der Verfassungsschutz natürlich

    Vorsorge treffen. Der Protest, wenn er sich nicht verhindern lässt, muss

    beobachtet und wo immer möglich, in – für die Regierung, die EU und die

    NATO – harmlose Bahnen gelenkt werden. (dp)


    /

    https://www.zeit.de/news/2023-08/14/verfassungsschutz-wirbt-jetzt-bei-instagram-um-mitarbeiter

    14. August 2023,


    *Verfassungsschutz wirbt jetzt bei Instagram um Mitarbeiter


    *Das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) will künftig auch bei

    Instagram <https://www.zeit.de/thema/instagram> um Nachwuchs werben. Um

    auf den Start seines neuen Kanals

    <https://www.instagram.com/verfassungsschutz_karriere/> in dem sozialen

    Netzwerk hinzuweisen, ließ die Sicherheitsbehörde in Berlin ein

    solarbetriebenes Boot mit einem Werbeplakat auf der Spree fahren.

    «Die Gewinnung von talentierten Nachwuchskräften ist für das Bundesamt

    für Verfassungsschutz <https://www.zeit.de/thema/verfassungsschutz> von

    essenzieller Bedeutung», sagte BfV-Präsident Thomas Haldenwang. Der neue

    Karriere-Kanal auf Instagram sei für die Sicherheitsbehörde eine

    Möglichkeit, junge Menschen dort zu erreichen, wo sie ohnehin unterwegs

    seien: in den sozialen Medien. Nach Auskunft seiner Behörde sollen auf

    dem neuen Instagram-Kanal keine Pressemitteilungen des

    Verfassungsschutzes oder Warnungen an die Wirtschaft veröffentlicht

    werden, sondern akutelle Stellenangebote und Antworten auf Fragen wie

    «Wie läuft eine Sicherheitsüberprüfung ab?» oder «Wie bereite ich mich

    auf ein Bewerbungsgespräch vor?» Das Bundesamt präsentiert sich als

    Arbeitgeber mit dem Slogan «Im Auftrag der Demokratie!». Dieser hatte

    2021 den früheren Slogan «Im Verborgenen Gutes tun!» ersetzt.


    unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält

    15.08.2023

    Der „Spiegel“, Steinmeier und die AfD: Wer ist hier eigentlich der „Verfassungsfeind“?

    nachdenkseiten.de, 15. August 2023 um 13:36 Ein Kommentar von: Tobias Riegel

    In einem Spiegel-Artikel beklagt Bundespräsident Steinmeier gesellschaftliche Spaltungen – selbstverständlich, ohne die spaltenden Beiträge der Bundesregierung zugrunde zu legen. Und ein Leitartikel des Spiegel fordert ein Verbot von aus diesen Spaltungen entstehenden Symptomen. Hier wäscht eine Hand die andere. Gemeinsam rufen sie: „Haltet den Dieb!“. Und die AfD freut sich.

    Es ist die bekannte Methode „Haltet den Dieb“: Wenn politische Spalter aus Parlament und Redaktionen die Folgen der eigenen Politik beklagen. Man hat in dem weiter unten verlinkten Artikel von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier oft das Gefühl, er beschreibe eigentlich nicht „die Verfassungsfeinde“, sondern Handlungen zahlreicher Politiker und einflussreicher Journalisten.


    Der Erfolg der AfD ist zuerst ein Symptom der durch Regierungspolitik und Medienverhalten verursachten gesellschaftlichen Spaltungen. Der Erfolg der AfD ist nicht zuerst Ursache dieser Spaltungen. Der Partei wurde durch die Handlungen – bzw. durch die Untätigkeit – aller anderen im Parlament vertretenen Parteien der unverdiente Status der „einzigen echten Opposition“ zugestanden. Auch durch die brandgefährliche Regierungspolitik bezüglich Russland und Energie konnte die AfD den (irreführenden) Eindruck vermitteln, die Interessen der Bürger ernsthafter vertreten zu wollen als viele andere Gruppen: Momentan wird die AfD als eine letzte „Notbremse“ gegen eine grün-militaristische Schocktherapie wahrgenommen.


    Auch auf dem Gebiet von Identitätspolitik, Gendersprache usw. profitiert die AfD vor allem vom überkandidelten Verhalten anderer Gruppen: Meiner Meinung nach dienen diese Identitäts-Debatten etc. vor allem der Ablenkung von wirklich wichtigen Themen, etwa dem Verhältnis zu Russland und den damit einhergehenden Fragen zu Krieg und Frieden und Energieversorgung. Aber diese (erfolgreiche) Strategie der Ablenkung führt zu solchen gesellschaftlichen Verwerfungen, dass sich die AfD auch hier wieder profilieren kann, als angebliche Stimme der Vernunft innerhalb von pseudolinken Phrasen ( wir haben bereits beschrieben, dass pseudolinks etwas ganz anderes ist als „links-liberal“ und dass „links-grün“ nichts mit „links“ zu tun hat).


    Die Methode „Haltet den Dieb“ hat momentan Konjunktur: Vor allem Wirtschafts- und Außenministerium beklagen regelmäßig Entwicklungen, die sie selber forciert haben und stellen sie als „höhere Gewalten“ dar, denen sie sich entgegenstellen müssen.


    Gezielte Verrohung: Als gäbe es kein Morgen

    Durch das Versagen der (inner- und außerparlamentarischen) Linken (auch während der Corona-Politik) und eine oft in pseudolinker Sprache verpackte Tendenz zur Zensur unbequemer Meinungen stehen jetzt ausgerechnet die Rechten (angeblich) für Frieden und Meinungsfreiheit. Das wurde ihnen ermöglicht, die Rolle wurde ihnen geradezu aufgedrängt. Nun profitieren sie davon.


    Schon lange vor Corona gab es in dieser Gesellschaft massive Gräben und Spaltungen, vor allem beruhend auf sozialen Ungerechtigkeiten. Durch die Corona-Politik und die begleitenden Panik- und Diffamierungs-Kampagnen von Journalisten und Politikern wurden noch zusätzliche Gräben ausgehoben. Einher ging das mit einer (nochmals zusätzlichen) Verrohung der Sprache vonseiten der Verteidiger der destruktiven Corona-Politik: Dass es erheblich gravierender als jeder Online-Bürger-Kommentar ist, wenn exponierte Journalisten und Politiker auf privilegierten Bühnen des Meinungskampfes Hass und Hetze verbreiten, haben wir etwa in den Artikeln „Ja: Ihr habt bei Corona #mitgemacht“ und „Gezielte Verrohung: Als gäbe es kein Morgen“ und “Die Hasssprache im Mainstream: Menschen sind ‚Ratten’, ‚Dünger‘, ‚Schweine‘“ beschrieben.


    Zentral sind die Definitionen – etwa des Begriffs „Feinde der Demokratie“. Man hat zunehmend den Eindruck, die aktuelle Regierung setze sich in einem inakzeptablen Akt der Überhöhung selber mit „der Demokratie“ gleich – folgerichtig sind Regierungskritiker dann „Feinde der Demokratie“. Selbstverständlich gibt es Extremisten, die sich bei der AfD, im Netz und anderswo äußern, man soll sie nicht verniedlichen! Bei diesen Fällen (Volksverhetzung etc.) sind Gerichte gefragt. Aber der Tendenz, einen schwammigen und nicht gerichtsfesten Extremismus-Begriff auf immer mehr kritische Bürger auszudehnen, muss entgegengetreten werden.


    Die beiden hier zitierten Spiegel-Artikel greifen ineinander, sie sind auch ein Beispiel dafür, wie sich Regierung und angepasste Journalisten gegenseitig ergänzen können.


    Politische Gegnerschaft ist eines, Verfassungsfeindschaft etwas ganz anderes“

    In einem Gastbeitrag im Spiegel hat Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier am 9. August anlässlich des 75. Jahrestages des Verfassungskonvents geschrieben:

    Politische Gegnerschaft ist eines, Verfassungsfeindschaft etwas ganz anderes.

    Im Laufe der Jahrzehnte hat diese Gesellschaft viele, auch harte Konflikte ausgetragen. (…) Aber der freiheitlich-demokratische Staat hat sich immer behauptet. Das ist möglich gewesen, weil die Spielregeln der Verfassung nicht nur eingehalten wurden, sondern auch akzeptiert waren. Zu diesen Spielregeln gehört, dass wir anderer Meinung sein können, dass wir einander nicht zu mögen brauchen, dass wir die Vorstellungen von anderen vehement ablehnen können – aber dass wir all das auch jedem anderen zubilligen müssen.“

    Man muss das als dreist bezeichnen, wie Steinmeier hier die Realitäten auf den Kopf stellt. Wer hat denn die angesprochenen „Spielregeln“ massiv verletzt? Bei Corona (und zuvor vor allem bei sozialen Fragen) sowie aktuell bei den Fragen Energieversorgung, Kriegsverlängerung und Verhältnis zu Russland waren und sind es vor allem Regierungspolitiker und dieser Regierung gewogene Journalisten, die den Debattenraum extrem einengen wollen und „die Vorstellungen von anderen“ eben nicht als eine in der Demokratie selbstverständliche andere Meinung, sondern als „Feindschaft gegen die Demokratie“ deklarieren. Völlig absurd war es auch, wenn das Pochen auf bedrohte Verfassungsrechte während der Corona-Politik (etwa das Demonstrationsrecht) indirekt als „antidemokratisch“ dargestellt werden sollte.


    Den folgenden Satz würde ich unterschreiben – allerdings: Befinden sich die „Freiheitsfeinde“ momentan eher im Lager der Regierung oder in jenem der Regierungskritiker?

    Robust und wehrhaft schon im politischen Alltag zu sein, heißt zuerst, den Willen zum politischen Widerspruch zu beweisen und die auftrumpfenden Lügen von Freiheitsfeinden nicht mit Schweigen oder Beschwichtigungen hinzunehmen und dadurch noch zu ermutigen.“

    Auch im folgenden Absatz stellt Steinmeier die Realität auf den Kopf: Schließlich sind es momentan die Gegner der unmoralischen Kriegsverlängerung, die mit inakzeptabler publizistischer Härte, Zensur und persönlichen Herabwürdigungen zum Schweigen gebracht werden sollen. Und zuvor waren es die Kritiker einer offensichtlich unangemessenen Corona-Politik, die die Unerbittlichkeit einer Koalition aus Medien, Politikern und „Zivilgesellschaft“ zu spüren bekamen, wenn man sich nicht der (inzwischen als falsch bewiesenen) Meinung dieser Koalition unterworfen hatte:

    Wo eine rohe, gewaltbereite Bürgerlichkeit den Ton bestimmt und andere zum Schweigen bringt, wird die Achtung der Menschenwürde aller berührt, die unsere Verfassung der Politik zugrunde legt.

    Steinmeier schließt mit der Feststellung: „Wir haben es also selbst in der Hand, die Verächter unserer Demokratie in die Schranken zu weisen.“ Da ist es wieder: Das gelogene „Wir“, mit dem verantwortliche Politiker (und Journalisten) eine nicht grundsätzlich vorhandene Gemeinsamkeit suggerieren und indirekt die Bürger zu Komplizen machen möchten.


    Andersdenkende „in die Schranken weisen“?

    Es ist auch die Frage, was praktisch damit gemeint ist, Andersdenkende „in die Schranken zu weisen“, wenn diese vom Bundespräsidenten zuvor als „Verächter unserer Demokratie“ definiert und damit „von ganz oben“ praktisch für vogelfrei erklärt werden. Hier soll keine direkte Verbindung zu Steinmeier hergestellt werden, aber die Berichte über einen „mutmaßlichen“ brutalen Überfall auf den Vorsitzenden der AfD-Stadtratsfraktion in Augsburg und Kandidaten der Partei bei der Bayerischen Landtagswahl im Herbst sollten bezüglich der hiesigen Streitkultur sehr beunruhigen, wenn sich der Vorgang als politischer Überfall bestätigt.


    Ebenfalls beunruhigend finde ich die folgende Praxis: Die Frankfurter Antifa hatte die Adressen von AfD-Listenkandidaten veröffentlicht, wie Medien berichten. Demnach konnten die AfD-Kandidaten im Raum Hessen mithilfe einer interaktiven Karte verortet werden, auch Kennzeichen privater Fahrzeuge seien genannt worden. Die Adressen seien mit einem Aufruf versehen gewesen: „Es ist längst überfällig, die Partei und ihre handelnden Individuen entschlossen zu bekämpfen“.


    Dass man mit der Ablehnung solcher Methoden die AfD nicht politisch verteidigt, ist selbstverständlich. Ebenso selbstverständlich ist, dass dieses Vorgehen genauso abzulehnen ist, wenn es Anhänger irgendeiner anderen Partei trifft.


    Die „Lösung“ für Einfaltspinsel: AfD-Verbot

    Wenn man aber die AfD nicht als Symptom begreift, sondern als Ursache, dann kann man auf die sehr fragwürdige Idee kommen, dass ein (Teil-)Verbot der AfD auch jene Probleme aus der Welt schaffen würde, die sich in dem Zuspruch für die Partei spiegeln. Ein Überdenken der Regierungspolitik oder des angepassten Medienverhaltens ist innerhalb eines solch simplen Weltbildes gar nicht mehr nötig.


    Dietmar Hipp sieht das offensichtlich so und hat in einem Leitartikel im Spiegel am 11. August gefordert, „einzelne Landesverbände oder andere Untergliederungen der AfD“, die „erkennbar verfassungsfeindlich“ seien, „zu verbieten“. Die AfD habe sich immer weiter radikalisiert. Es sei an der Zeit, die Demokratie „mit schärferen Waffen zu verteidigen“ (eine andere Position im Spiegel dazu findet sich hier). Hipp stellt auch eine richtige Frage: „Nützt man damit aber nicht der AfD, verhilft man ihr nicht zur Opferrolle, in der sie sich so gern sieht?“ Seine Antwort illustriert gut das intellektuelle Niveau, das bei der Debatte um die AfD oft vorherrscht:

    Solche Befürchtungen sind nachvollziehbar, aber unbegründet. Viele AfD-Anhänger halten ja denjenigen, die nicht mit ihrer Partei zusammenarbeiten wollen, entgegen: Die AfD sei nicht verboten, also demokratisch. Das Argument würde entkräftet: Dort, wo man sie verbieten würde, wäre sie eben nicht demokratisch.“

    Das in diesem Artikel beschriebene Verhalten in Medien und Politik muss als große Heuchelei bezeichnet werden. Aber noch mehr als das – es ist gesellschaftlich unverantwortlich: Wenn sie solche Gegner hat, dann braucht sich die AfD um ihren Erfolg nicht zu sorgen.


    Mehr zum Thema: AfD-Erfolg: Wer hätte das denn ahnen können…?!

    Die AfD-Debatte hilft den etablierten Parteien. Hier funktioniert der Wippschaukeleffekt

    AfD – Keine Alternative für Deutschland

    Steinmeier war schon vor den Streubomben der Präsident der doppelten Standards

    Steinmeier und die Heuchelei: Die Corona-Politik als Naturereignis

    Merkel und Steinmeier: Wenn Spalter Solidarität einfordern


    Rubriken: Erosion der Demokratie Medienkritik Strategien der Meinungsmache

    Schlagwörter:


    Info: https://www.nachdenkseiten.de/?p=102475


    unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält

    15.08.2023

    mehr Gelder für Ukraine /Kürzungen in Deutschland

    aus e-mail von Doris Pumphrey, 15. August 2023, 17:47 Uhr


    /Insgesamt habe Deutschland bereits 22 Milliarden Euro der Ukraine
    gezahlt. Bei seinem Besuch in Kiew,////verkündete
    <https://www.tagesschau.de/inland/innenpolitik/ukraine-lindner-102.html>
    //Bundesfinanzminister Christian Lindner: "Für die nächsten Jahre haben
    wir in unseren Haushaltsplanungen eine Fortsetzung der Unterstützung der
    Ukraine bereits fest eingeplant"./


    https://freedert.online/meinung/177525-im-westlichen-trend-ampel-regierung/
    13.8.2023
    *Ampel-Regierung plant umfangreicheren Sozialabbau als gedacht
    */von Susan Bonath
    /*
    /Insgesamt habe Deutschland bereits 22 Milliarden Euro der Ukraine

    gezahlt. Bei seinem Besuch in Kiew,////verkündete

    <https://www.tagesschau.de/inland/innenpolitik/ukraine-lindner-102.html

    //Bundesfinanzminister Christian Lindner: "Für die nächsten Jahre haben

    wir in unseren Haushaltsplanungen eine Fortsetzung der Unterstützung der

    Ukraine bereits fest eingeplant"./



    https://freedert.online/meinung/177525-im-westlichen-trend-ampel-regierung/

    13.8.2023

    *Ampel-Regierung plant umfangreicheren Sozialabbau als gedacht

    */von Susan Bonath

    /*

    *Trotz explodierender Wohnkosten: Ampel will Mietzuschüsse für

    Bedürftige drastisch kürzen. Damit ist ihr geplantes

    Sozialabbau-Programm umfangreicher als gedacht – ein Trend, der sich im

    ganzen Westen abzeichnet. Außerdem will die FDP Löhne drücken und Arme

    zu Billigarbeit verpflichten.

    /

    /Ein explodierender Niedriglohnsektor, wachsende Slums an den

    Stadträndern, zunehmende Verelendung und Kriminalität: Die im

    imperialistischen Spätkapitalismus der USA seit Langem sichtbare

    Entwicklung nimmt auch in den europäischen Industriezentren Fahrt auf.

    Dort steuert das politische Management in die gleiche Richtung. Viele

    Regierungen, darunter die deutsche, bauen immer mehr soziale Rechte für

    Lohnabhängige ab, während sie Konzernlenker hätscheln und das

    Kriegsgeschäft fördern.


    Nach den drastischen Kürzungen des italienischen "Grundeinkommens"

    (Reddito di cittadinanza), was erst der Anfang der von

    Ministerpräsidentin Giorgia Meloni (Fratelli d`Italia) geplanten

    "Reformen" ist, fährt nun  auch die deutsche Regierung ihren Krieg gegen

    die Armen hoch. Wie der Sozialrechtsexperte Harald Thomé vom Verein

    Tacheles in dieser Woche mitteilte

    <https://www.tacheles-sozialhilfe.de/newsticker/thome-newsletter-24-2023-vom-07-08-2023.html>,

    plant die Bundesregierung einen weit massiveren Sozialabbau als bisher

    bekannt. Die Ärmsten sollen offenbar den höchsten Preis für die

    politische Zerstörung der deutschen Wirtschaft sowie die militärische

    Aufrüstung zahlen.


    *Kürzung der Mietbeihilfen trotz explodierender Wohnkosten*

    Noch Ende Juli hatten sich mehrere Sozialverbände über geplante

    Kürzungen beschwert, die unter anderem Sozialeinrichtungen treffen

    sollen, die sich um Menschen in Not und die Integration von Flüchtlingen

    kümmern. Zudem sollen die Jobcenter 700 Millionen Euro weniger für die

    sogenannte Eingliederung von Erwerbslosen in den Arbeitsmarkt erhalten.


    Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) hatte überdies angekündigt,

    die Betreuung von erwerbslosen Jugendlichen, die oft unter zahlreichen

    sozialen und psychischen Problemen leiden, von speziellen Einrichtungen

    der Jobcenter auf die Arbeitsagenturen zu übertragen, um so weitere 900

    Millionen Euro einzusparen, /RT DE/ berichtete

    <https://freeassange.rtde.live/meinung/176136-mehr-geld-fuer-ruestung-weniger/>.

    Besondere Hilfen für Jugendliche soll es dann nicht mehr geben.


    Damit nicht genug: Nach dem jetzt von Finanzminister Christian Lindner

    (FDP) freigegebenen Haushaltsentwurf

    <https://harald-thome.de/files/pdf/2023/230703-Bundeshaushalt-2024-Entwurf.pdf

    will die Bundesregierung auch bei den Mietbeihilfen drastisch

    zusammenstreichen, die Erwerbslose und geringverdienende Aufstocker im

    Rahmen des Bürgergeldes, ehemals Hartz IV, erhalten. Der Bund soll

    weitere 700 Millionen Euro weniger an die dafür zuständigen Kommunen zahlen.


    Dies dürfte dazu führen, dass die Landkreise und Städte Betroffenen noch

    weniger Kosten für die Unterkunft (KdU), wie es auf Amtsdeutsch heißt,

    gewähren – obwohl diese Kosten vor allem aufgrund explodierender

    Energiepreise zuletzt massiv gestiegen sind. Bedürftige könnten bald

    tatsächlich komplett im Kalten sitzen.


    *Steuergeschenke gefährden soziale Infrastruktur*

    Laut Thomé beruft sich Lindner auf eine "prognostizierte Steigerung des

    Leistungsbezuges". Vermutlich will der Finanzminister damit ausdrücken,

    dass er eine rapide Zunahme von Bedürftigen erwartet. Wie das mit

    sinkenden Bundeszuschüssen zusammengeht, bleibt sein Geheimnis. Demnach

    soll der Etat geschrumpft werden, um ihn dann auf mehr Betroffene

    aufzuteilen. Schon jetzt verzeichnet Deutschland rapide wachsende

    Obdachlosigkeit – offenbar ein Trend mit Zukunft.


    In einem weiteren Gesetzentwurf des Finanzministers mit dem

    wohlklingenden Namen "Wachstumschancengesetz" sieht der Paritätische

    Wohlfahrtsverband ein Programm für Sozialkahlschlag durch die Hintertür.

    Wie er berichtet

    <https://www.der-paritaetische.de/stoppt-sozialkahlschlag/>, würden sich

    die Ausfälle bei den Gewerbesteuereinnahmen dadurch in den Kommunen pro

    Jahr auf fast zwei Milliarden Euro summieren, was weitere Ausfälle nach

    sich ziehen könne.


    Geringere Bundeszuschüsse und zugleich sinkende Steuereinnahmen würden

    laut Paritätischem die Kommunen dazu zwingen, freiwillige soziale

    Aufgaben nicht mehr zu finanzieren. Der Verband spricht von einer

    "massiven Gefährdung der sozialen Infrastruktur", letztlich des sozialen

    Friedens in den Regionen.


    *Hartz IV und Bürgergeld – Programme für Lohndrückerei*

    Das Bürgergeld ist das bisher bekannte Hartz IV unter neuem Namen mit

    nur wenigen Änderungen. Es soll das untere Existenzminimum abdecken,

    kurz gesagt: Betroffene vor dem Verhungern und Erfrieren schützen und

    ihnen die allernötigste soziale Teilhabe gewährleisten.


    Kurz vor der Einführung von Hartz IV im Jahr 2005 räumte der damalige

    Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) den wahren Grund seiner Agenda ein:

    den Aufbau eines großen Niedriglohnsektors, die Entmachtung der

    Gewerkschaften, das Einstampfen von Arbeitnehmerrechten und Protesten

    gegen miserable Arbeitsbedingungen. Ein Rückblick zeigt: Das ist der

    Politik trefflich gelungen.


    Das dafür explizit angewendete Mittel bezeichnet das Gesetz als "Fordern

    und Fördern". Das bedeutet: Wer nicht jeden vom Amt angebotenen Job

    annimmt, der nicht gegen Sitten verstößt, wird mit dem Entzug seines

    Existenzminimus bestraft. Die Drohung wirkte: Der Niedriglohnsektor

    explodierte, noch heute arbeiten

    <http://www.portal-sozialpolitik.de/index.php?page=Vollzeit-Niedriglohn-Kreise-2022

    in Ostdeutschland bis zu 38 Prozent der Beschäftigten zu Dumpinglöhnen,

    im Westen bis zu 25 Prozent.


    Die politischen Maßnahmen, das Heer der Billigarbeiter weiter zu

    vergrößeren und dem Lohndumping noch mehr Schwung zu verleihen, waren in

    den letzten 30 Jahren vielfältig – und durchaus erfolgreich. Dazu

    gehören Ein-Euro-Jobs und andere Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen genauso

    wie Programme für sogenannte "Bürgerarbeit". Das erhöhte den Druck auf

    die Löhne, vor allem etwa im Sozialwesen, in der Grünanlagenpflege oder

    im Reinigungsgewerbe.


    *FDP fordert Arbeitspflicht für Grundsicherung*

    In der Vergangenheit überboten sich immer mal wieder Politiker der CDU,

    der FDP und der AfD mit Vorschlägen für Zwangsmaßnahmen, die das

    Lohndumping weiter verschärfen. Aktuell trommelt Thüringens FDP-Chef

    Thomas Kemmerich mit einer bekannten Forderung in den Mainstream-Medien:

    Das Arbeitslosengeld II, also das Bürgergeld, soll es seinem Willen nach

    nur gegen gemeinnützige Arbeit geben. Unter anderem die /Frankfurter

    Rundschau/ berichtete

    <https://www.fr.de/wirtschaft/gemeinnuetzig-buergergeld-beziehende-arbeit-pflicht-kemmerich-fdp-cdu-forderung-92441501.html

    darüber unter Berufung auf dessen Interview

    <https://www.rnd.de/politik/thueringens-fdp-chef-thomas-kemmerich-im-interview-ich-muss-auch-das-stoergefuehl-der-menschen-KYI5JB6VS5GFVAV4QUDRX4VRIQ.html

    mit dem /RND/. Wie üblich wettert Kemmerich darin gegen angebliche

    "Faulpelze". Die vermutet er natürlich nicht etwa in der

    diätenverwöhnten Regierung, in Kreisen superreicher Großaktionäre oder

    hoch alimentierter Beamter. Er wittert sie wie gewohnt unter denen, die

    am Existenzminimum ihr Dasein fristen.


    Sein Vorschlag: Wer Bürgergeld erhalten will, soll mindestens 25 Stunden

    pro Woche dafür arbeiten, zum Beispiel "bei der Straßenreinigung, in der

    Betreuung". Hierzu eine kleine Berechnung: In Leipzig bekommt ein allein

    lebender Bürgergeldbezieher inklusive Mietzuschuss

    <https://www.leipzig.de/news/news/richtwerte-fuer-die-kosten-der-unterkunft-werden-angepasst-stadt-unterstuetzt-bei-rasant-gestiegenen-preisen

    maximal rund 904 Euro. Müsste er dafür an 22 Arbeitstagen pro Monat

    insgesamt 110 Stunden arbeiten, käme er auf einen Bruttostundenlohn von

    8,20 Euro – weit unter dem Mindestlohn.


    Für Kommunen würde sich das natürlich lohnen. Beschäftigte zum Beispiel

    bei der Stadtreinigung, in Gartenbaubetrieben, in der Senioren-  und

    Jugendbetreuung müssten dann wohl damit rechnen, durch billigere

    Bürgergeld-Arbeiter mit viel weniger Rechten weitgehend ersetzt zu werden.


    *Rechtlose Billigarbeiter, um Löhne zu drücken*

    Das haben schon die Ein-Euro-Jobs gezeigt: Auch sie sorgten für einen

    Abbau von regulär bezahlten Arbeitsplätzen in manchen Bereichen. Einige

    Kommunen stellten manche ihrer Pflichtaufgaben, wie etwa die

    Grünanlagenpflege oder die Betreuung in Sportvereinen, fast komplett auf

    Ein-Euro-Jobber um.


    Die Apologeten solcher Zwangsmaßnahmen appellieren dabei gezielt, wie

    Kemmerich es nennt, an "das Störgefühl der Menschen". Er meint damit

    wohl vor allem jene Geknechteten, die zu Recht frustriert über die

    miesen Arbeitsbedingungen in ihrem eigenen Job sind. Wie soziologisch

    seit Langem erwiesen, nährt dies den Neid und die Missgunst gegenüber

    Menschen, denen es vermeintlich besser geht – etwa, weil sie angeblich

    "fauler" seien als man selbst.


    Allerdings könnte jeder zu normalen Konditionen Beschäftigte im

    Handumdrehen zum Bürgergeld-Bedürftigen werden: etwa durch Stellenabbau

    in seinem Berufszweig, persönliche Schicksalsschläge, eine längere

    Krankheit und Ähnliches – Vom Bürgergeld trennt die meisten nur ein Jahr

    Arbeitslosengeld.


    In Wahrheit zielen derlei Vorschläge gut alimentierter Politiker nicht

    auf Gerechtigkeit ab, sondern auf etwas ganz anderes: die Schaffung

    eines zwangsverpflichteten Heeres rechtloser Billigarbeiter, das dazu

    dient, im großen Stil die Löhne und Gehälter zu drücken,

    Arbeitnehmerrechte aufzuweichen, die Konkurrenz am Arbeitsmarkt zu

    verschärfen und die Situation für alle Lohnabhängigen zu verschlechtern.


    *Abstiegsneoliberalismus nach dem Vorbild der USA*

    Inklusive der geplanten Sozialkürzungen wäre so ein Arbeitszwang ein

    erfolgversprechendes neoliberales Programm: Für Massenverarmung trotz

    Arbeit, wachsende Ghettobildung, Obdachlosigkeit, Drogen- und andere

    Kriminalität sowie noch mehr Probleme bei der schon jetzt kaum

    praktizierten Integration von Flüchtlingen – USA 2.0 eben, nur ein wenig

    zeitversetzt und mit weniger weltpolitischer Macht ausgestattet.

    *Trotz explodierender Wohnkosten: Ampel will Mietzuschüsse für
    Bedürftige drastisch kürzen. Damit ist ihr geplantes
    Sozialabbau-Programm umfangreicher als gedacht – ein Trend, der sich im
    ganzen Westen abzeichnet. Außerdem will die FDP Löhne drücken und Arme
    zu Billigarbeit verpflichten.
    /
    /Ein explodierender Niedriglohnsektor, wachsende Slums an den
    Stadträndern, zunehmende Verelendung und Kriminalität: Die im
    imperialistischen Spätkapitalismus der USA seit Langem sichtbare
    Entwicklung nimmt auch in den europäischen Industriezentren Fahrt auf.
    Dort steuert das politische Management in die gleiche Richtung. Viele
    Regierungen, darunter die deutsche, bauen immer mehr soziale Rechte für
    Lohnabhängige ab, während sie Konzernlenker hätscheln und das
    Kriegsgeschäft fördern.

    Nach den drastischen Kürzungen des italienischen "Grundeinkommens"
    (Reddito di cittadinanza), was erst der Anfang der von
    Ministerpräsidentin Giorgia Meloni (Fratelli d`Italia) geplanten
    "Reformen" ist, fährt nun  auch die deutsche Regierung ihren Krieg gegen
    die Armen hoch. Wie der Sozialrechtsexperte Harald Thomé vom Verein
    Tacheles in dieser Woche mitteilte
    <https://www.tacheles-sozialhilfe.de/newsticker/thome-newsletter-24-2023-vom-07-08-2023.html>,
    plant die Bundesregierung einen weit massiveren Sozialabbau als bisher
    bekannt. Die Ärmsten sollen offenbar den höchsten Preis für die
    politische Zerstörung der deutschen Wirtschaft sowie die militärische
    Aufrüstung zahlen.

    *Kürzung der Mietbeihilfen trotz explodierender Wohnkosten*
    Noch Ende Juli hatten sich mehrere Sozialverbände über geplante
    Kürzungen beschwert, die unter anderem Sozialeinrichtungen treffen
    sollen, die sich um Menschen in Not und die Integration von Flüchtlingen
    kümmern. Zudem sollen die Jobcenter 700 Millionen Euro weniger für die
    sogenannte Eingliederung von Erwerbslosen in den Arbeitsmarkt erhalten.

    Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) hatte überdies angekündigt,
    die Betreuung von erwerbslosen Jugendlichen, die oft unter zahlreichen
    sozialen und psychischen Problemen leiden, von speziellen Einrichtungen
    der Jobcenter auf die Arbeitsagenturen zu übertragen, um so weitere 900
    Millionen Euro einzusparen, /RT DE/ berichtete
    <https://freeassange.rtde.live/meinung/176136-mehr-geld-fuer-ruestung-weniger/>.
    Besondere Hilfen für Jugendliche soll es dann nicht mehr geben.

    Damit nicht genug: Nach dem jetzt von Finanzminister Christian Lindner
    (FDP) freigegebenen Haushaltsentwurf
    <https://harald-thome.de/files/pdf/2023/230703-Bundeshaushalt-2024-Entwurf.pdf>
    will die Bundesregierung auch bei den Mietbeihilfen drastisch
    zusammenstreichen, die Erwerbslose und geringverdienende Aufstocker im
    Rahmen des Bürgergeldes, ehemals Hartz IV, erhalten. Der Bund soll
    weitere 700 Millionen Euro weniger an die dafür zuständigen Kommunen zahlen.

    Dies dürfte dazu führen, dass die Landkreise und Städte Betroffenen noch
    weniger Kosten für die Unterkunft (KdU), wie es auf Amtsdeutsch heißt,
    gewähren – obwohl diese Kosten vor allem aufgrund explodierender
    Energiepreise zuletzt massiv gestiegen sind. Bedürftige könnten bald
    tatsächlich komplett im Kalten sitzen.

    *Steuergeschenke gefährden soziale Infrastruktur*
    Laut Thomé beruft sich Lindner auf eine "prognostizierte Steigerung des
    Leistungsbezuges". Vermutlich will der Finanzminister damit ausdrücken,
    dass er eine rapide Zunahme von Bedürftigen erwartet. Wie das mit
    sinkenden Bundeszuschüssen zusammengeht, bleibt sein Geheimnis. Demnach
    soll der Etat geschrumpft werden, um ihn dann auf mehr Betroffene
    aufzuteilen. Schon jetzt verzeichnet Deutschland rapide wachsende
    Obdachlosigkeit – offenbar ein Trend mit Zukunft.

    In einem weiteren Gesetzentwurf des Finanzministers mit dem
    wohlklingenden Namen "Wachstumschancengesetz" sieht der Paritätische
    Wohlfahrtsverband ein Programm für Sozialkahlschlag durch die Hintertür.
    Wie er berichtet
    <https://www.der-paritaetische.de/stoppt-sozialkahlschlag/>, würden sich
    die Ausfälle bei den Gewerbesteuereinnahmen dadurch in den Kommunen pro
    Jahr auf fast zwei Milliarden Euro summieren, was weitere Ausfälle nach
    sich ziehen könne.

    Geringere Bundeszuschüsse und zugleich sinkende Steuereinnahmen würden
    laut Paritätischem die Kommunen dazu zwingen, freiwillige soziale
    Aufgaben nicht mehr zu finanzieren. Der Verband spricht von einer
    "massiven Gefährdung der sozialen Infrastruktur", letztlich des sozialen
    Friedens in den Regionen.

    *Hartz IV und Bürgergeld – Programme für Lohndrückerei*
    Das Bürgergeld ist das bisher bekannte Hartz IV unter neuem Namen mit
    nur wenigen Änderungen. Es soll das untere Existenzminimum abdecken,
    kurz gesagt: Betroffene vor dem Verhungern und Erfrieren schützen und
    ihnen die allernötigste soziale Teilhabe gewährleisten.

    Kurz vor der Einführung von Hartz IV im Jahr 2005 räumte der damalige
    Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) den wahren Grund seiner Agenda ein:
    den Aufbau eines großen Niedriglohnsektors, die Entmachtung der
    Gewerkschaften, das Einstampfen von Arbeitnehmerrechten und Protesten
    gegen miserable Arbeitsbedingungen. Ein Rückblick zeigt: Das ist der
    Politik trefflich gelungen.

    Das dafür explizit angewendete Mittel bezeichnet das Gesetz als "Fordern
    und Fördern". Das bedeutet: Wer nicht jeden vom Amt angebotenen Job
    annimmt, der nicht gegen Sitten verstößt, wird mit dem Entzug seines
    Existenzminimus bestraft. Die Drohung wirkte: Der Niedriglohnsektor
    explodierte, noch heute arbeiten
    <http://www.portal-sozialpolitik.de/index.php?page=Vollzeit-Niedriglohn-Kreise-2022>
    in Ostdeutschland bis zu 38 Prozent der Beschäftigten zu Dumpinglöhnen,
    im Westen bis zu 25 Prozent.

    Die politischen Maßnahmen, das Heer der Billigarbeiter weiter zu
    vergrößeren und dem Lohndumping noch mehr Schwung zu verleihen, waren in
    den letzten 30 Jahren vielfältig – und durchaus erfolgreich. Dazu
    gehören Ein-Euro-Jobs und andere Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen genauso
    wie Programme für sogenannte "Bürgerarbeit". Das erhöhte den Druck auf
    die Löhne, vor allem etwa im Sozialwesen, in der Grünanlagenpflege oder
    im Reinigungsgewerbe.

    *FDP fordert Arbeitspflicht für Grundsicherung*
    In der Vergangenheit überboten sich immer mal wieder Politiker der CDU,
    der FDP und der AfD mit Vorschlägen für Zwangsmaßnahmen, die das
    Lohndumping weiter verschärfen. Aktuell trommelt Thüringens FDP-Chef
    Thomas Kemmerich mit einer bekannten Forderung in den Mainstream-Medien:
    Das Arbeitslosengeld II, also das Bürgergeld, soll es seinem Willen nach
    nur gegen gemeinnützige Arbeit geben. Unter anderem die /Frankfurter
    Rundschau/ berichtete
    <https://www.fr.de/wirtschaft/gemeinnuetzig-buergergeld-beziehende-arbeit-pflicht-kemmerich-fdp-cdu-forderung-92441501.html>
    darüber unter Berufung auf dessen Interview
    <https://www.rnd.de/politik/thueringens-fdp-chef-thomas-kemmerich-im-interview-ich-muss-auch-das-stoergefuehl-der-menschen-KYI5JB6VS5GFVAV4QUDRX4VRIQ.html>
    mit dem /RND/. Wie üblich wettert Kemmerich darin gegen angebliche
    "Faulpelze". Die vermutet er natürlich nicht etwa in der
    diätenverwöhnten Regierung, in Kreisen superreicher Großaktionäre oder
    hoch alimentierter Beamter. Er wittert sie wie gewohnt unter denen, die
    am Existenzminimum ihr Dasein fristen.

    Sein Vorschlag: Wer Bürgergeld erhalten will, soll mindestens 25 Stunden
    pro Woche dafür arbeiten, zum Beispiel "bei der Straßenreinigung, in der
    Betreuung". Hierzu eine kleine Berechnung: In Leipzig bekommt ein allein
    lebender Bürgergeldbezieher inklusive Mietzuschuss
    <https://www.leipzig.de/news/news/richtwerte-fuer-die-kosten-der-unterkunft-werden-angepasst-stadt-unterstuetzt-bei-rasant-gestiegenen-preisen>
    maximal rund 904 Euro. Müsste er dafür an 22 Arbeitstagen pro Monat
    insgesamt 110 Stunden arbeiten, käme er auf einen Bruttostundenlohn von
    8,20 Euro – weit unter dem Mindestlohn.

    Für Kommunen würde sich das natürlich lohnen. Beschäftigte zum Beispiel
    bei der Stadtreinigung, in Gartenbaubetrieben, in der Senioren-  und
    Jugendbetreuung müssten dann wohl damit rechnen, durch billigere
    Bürgergeld-Arbeiter mit viel weniger Rechten weitgehend ersetzt zu werden.

    *Rechtlose Billigarbeiter, um Löhne zu drücken*
    Das haben schon die Ein-Euro-Jobs gezeigt: Auch sie sorgten für einen
    Abbau von regulär bezahlten Arbeitsplätzen in manchen Bereichen. Einige
    Kommunen stellten manche ihrer Pflichtaufgaben, wie etwa die
    Grünanlagenpflege oder die Betreuung in Sportvereinen, fast komplett auf
    Ein-Euro-Jobber um.

    Die Apologeten solcher Zwangsmaßnahmen appellieren dabei gezielt, wie
    Kemmerich es nennt, an "das Störgefühl der Menschen". Er meint damit
    wohl vor allem jene Geknechteten, die zu Recht frustriert über die
    miesen Arbeitsbedingungen in ihrem eigenen Job sind. Wie soziologisch
    seit Langem erwiesen, nährt dies den Neid und die Missgunst gegenüber
    Menschen, denen es vermeintlich besser geht – etwa, weil sie angeblich
    "fauler" seien als man selbst.

    Allerdings könnte jeder zu normalen Konditionen Beschäftigte im
    Handumdrehen zum Bürgergeld-Bedürftigen werden: etwa durch Stellenabbau
    in seinem Berufszweig, persönliche Schicksalsschläge, eine längere
    Krankheit und Ähnliches – Vom Bürgergeld trennt die meisten nur ein Jahr
    Arbeitslosengeld.

    In Wahrheit zielen derlei Vorschläge gut alimentierter Politiker nicht
    auf Gerechtigkeit ab, sondern auf etwas ganz anderes: die Schaffung
    eines zwangsverpflichteten Heeres rechtloser Billigarbeiter, das dazu
    dient, im großen Stil die Löhne und Gehälter zu drücken,
    Arbeitnehmerrechte aufzuweichen, die Konkurrenz am Arbeitsmarkt zu
    verschärfen und die Situation für alle Lohnabhängigen zu verschlechtern.

    *Abstiegsneoliberalismus nach dem Vorbild der USA*
    Inklusive der geplanten Sozialkürzungen wäre so ein Arbeitszwang ein
    erfolgversprechendes neoliberales Programm: Für Massenverarmung trotz
    Arbeit, wachsende Ghettobildung, Obdachlosigkeit, Drogen- und andere
    Kriminalität sowie noch mehr Probleme bei der schon jetzt kaum
    praktizierten Integration von Flüchtlingen – USA 2.0 eben, nur ein wenig
    zeitversetzt und mit weniger weltpolitischer Macht ausgestattet.


    unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält

    15.08.2023

    Sterblichkeit - Fallzahlen nach Monaten für Deutschland 2016 - 2023

                                 Rohdaten Statistisches Bundesamt, Stand: 14. August 2023



           Jan. Feb.  März  April   Mai   Juni   Juli 
      Aug.  Sept.  Okt. Nov. 
      Dez.
    2023
          99527 
    83158  94943
      84514
      81735
      76036  75686
    Zelle 9Zelle 10Zelle 11Zelle 12Zelle 13
    2022      8965582781  93872  86234
      81889  79599  86081  86658  81043 94444
    89028115057
    2021    10680382191  81901  81877  80876  76836  76704  76402  77931 8508093915103171
    2020
          8498080030  87396  83830  75835  72159  73795  78742  74243 7978185989108792
    2019      8510581009  86739  77410  75669  73483  76926  73444  71022 7700678378  83329
    2018      8497385799107104  79539  74648  69328  75605  78370  69708 7403974762  80999
    2017      9603390649  82934  73204  75683  69644  71411  71488  69391 7522974987  81610
    2016      8174276619  83668  57315  74525  69186  72122  71295  69037 7600177050  84339


    Gesamtsterblichk. bis Juli  2023 = 595 599; 2022 = 1 066 341; 2021 = 1 023 687; 2020 = 985 572                                                   2019 = 939 520; 2018 =     954 874; 2017 =    932 263; 2016 = 910 899
     

    Info: https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Bevoelkerung/Sterbefaelle-Lebenserwartung/Tabellen/sonderauswertung-sterbefaelle-pdf.pdf?__blob=publicationFile

    Die endgültigen Daten zu Sterbefallzahlen sind in der gleichen Form für die Berichtsjahre 2000 bis 2015 ebenfalls verfügbar. (https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Bevoelkerung/Sterbefaelle-Lebenserwartung/Tabellen/sonderauswertung-sterbefaelle-endgueltige-daten.html;jsessionid=11235EA955676410CC354AA4E3B07B3A.live722?nn=209016)

                         V.i.S.d.P.: Initiative: "Kein Militär mehr", Leinaustraße 3, D-30451 Hannover

    15.08.2023

    Imran Khan und das „erfolgreiche“ Ergebnis der „Einmischung“ der USA in Pakistan: Faschismus unter einer totalitären Militärdiktatur

    globalresearch.ca, vom 14. August 2023,  Von Junaid S. Ahmad


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    Ausführlicher Bericht:

     

    Also haben meine Freunde und Genossen praktisch in der gesamten pakistanischen Linken mehr als ein Jahr damit verbracht, sich über mindestens 80 Prozent der Bevölkerung des Landes lustig zu machen, weil sie dem ehemaligen Premierminister Imran Khan über die amerikanische „Einmischung“ (um es milde auszudrücken) in die Innenpolitik Pakistans geglaubt haben genauer gesagt, ihn aus dem Amt zu entfernen.

    Die Beiträge meiner Kameraden zum politischen Leben seit Khan im April 2022 von der Macht gestürzt wurden, waren eine fanatische Besessenheit gegenüber dem Mann, ein verständlicher, zutiefst emotionaler Neid auf die zig Millionen Menschen, die er mobilisierte, und eine wahnsinnige Fixierung, die „ „Westliche Linke“, dass Khan nicht wirklich beliebt ist (Democracy Now) und kein „antiimperialistischer Held“ (Jacobin) – der sich darum kümmert, andere Außenseiter wie leidende Kaschmiris oder Palästinenser unter der Besatzung einzubeziehen, für die Khan (anscheinend) eine starke Position vertrat die „westliche Linke“ ist einfach viel wichtiger). Ich schätze, meine Genossen dachten, dass dies die produktivsten Strategien zur „Befreiung“ der pakistanischen „Arbeiterklasse“ seien.


    Letztlich hat die Linke, mit der ich mich immer identifiziert habe, nicht nur die Rückkehr des „Ancien Regime“ aus kleptokratischen Politikern und einem allmächtigen militärischen Establishment ermöglicht, sondern auch das faschistischste Gesicht dieser beiden Kräfte, das das Land je gesehen hat. Wir befinden uns jetzt in einer rücksichtslosen Militärdiktatur, die von den beiden dynastischen politischen Parteien, die eher persönlichen Feudalherren ähneln, die das Land seit Ende der 1980er/Anfang der 1990er Jahre abwechselnd ausplündern und verarmen, voll und ganz unterstützt wird.


    Das neue faschistische Regime hat die mit Abstand größte und beliebteste politische Partei des Landes dezimiert, ist verschwunden, verhaftet, rechtswidrig inhaftiert, gefoltert, sexuell missbraucht und hat Zehntausende getötet, nicht in erster Linie Männer, sondern auch Frauen, Kinder, und ältere Menschen – alle, die auch nur im Entferntesten irgendeine Verbindung zu Khans politischer Partei hatten, darunter Mütter, Großmütter, Kinder, Nachbarn, Freunde usw. All dies geschah auf bewusste und kalkulierte Weise und obwohl Democracy Now informiert war Da wir wissen, dass Khans Ansichten über Frauen mit denen der Taliban identisch sind, sind die Mehrheit der Unterstützer Khans Frauen und keine Männer.


    Verstehen wir uns? Welche Zukunft hinterlassen wir unseren Kindern?

    Pakistanische Journalisten wurden sogar in Kenia gejagt und getötet. Vergessen Sie das Massenverschwindenlassen, die Folter und die Morde in Pakistan selbst. Und der letzte Akt besteht darin, Khan in eine abgelegene, elende Gefängniszelle zu werfen, in die er kaum hineinpasst, nachdem ihre Attentatsversuche gescheitert waren – um ihn gründlich und barbarisch zu demütigen.

    Es ging darum, so viel Terror in der Bevölkerung auszulösen und uns zu zeigen, dass, wenn dies Imran Khan angetan werden kann, jeder und jede ein faires Spiel ist, um verschwinden, gefoltert oder getötet zu werden.


    Wo war unsere Linke in all dem? Warum stellten sich meine Kameraden nicht dem „Establishment“, gegen das wir immer gewettert hatten? Sie erlebten die direkteste und beharrlichste Konfrontation des Volkes mit der sadistischen Militärelite in der Geschichte des Landes (zusammen mit vielen Soldaten und Offizieren niedriger und mittlerer Ränge, vielen ehemaligen Studenten von mir), und es gab eine erstaunliche Abwesenheit jeglicher unserer Linken dieser mehrmonatige Kampf.


    Hier ging es nicht um Khan. Hier geht es um Khan, weil er dazu beigetragen hat, eine Gesellschaft zu politisieren, in einem Ausmaß an Massenpolitisierung, wie es seit den späten 1960er/frühen 1970er Jahren nicht mehr zu beobachten war. Die Reaktion der Bevölkerung auf seinen Sturz von der Macht war im wahrsten Sinne des Wortes anders als bei jedem früheren Sturz der Ministerpräsidenten des Landes (die alle bei der Bevölkerung absolute Gleichgültigkeit hervorriefen, gerade weil sich die Zivilherrschaft für sie nicht von der Militärherrschaft unterschied – beide waren gleichermaßen korrupt und repressiv). schockierte alle (einschließlich Khan selbst): Dutzende Millionen Menschen mobilisierten und demonstrierten in jedem Winkel des Landes mit 240 Millionen Einwohnern.


    Und es geht nicht um Khan, denn seit April 2022 konnte man jeden Monat beobachten, wie eine Bevölkerung (die überwiegende Mehrheit der Demonstranten waren keine anerkannten Mitglieder von Khans Partei und äußerte unzählige Kritikpunkte an seiner Amtszeit) noch radikaler gegen ihn wurde Grausamkeiten und Ungerechtigkeiten in der sozialen und politischen Ordnung – eine Situation, die die Linke durchaus hätte ausnutzen können, um die Analyse der Bevölkerung zu schärfen und dabei zu helfen, sich effektiver zu organisieren und zu mobilisieren. Es gab keinen günstigeren Zeitpunkt für die Linke des Landes, dabei zu helfen, den politischen Status quo, der praktisch seit der Gründung des Landes im Jahr 1947 die Norm darstellt, radikal zu untergraben und sich in ihrem Kampf um die Unterstützung der Bevölkerung für fortschrittlichere Werte einzusetzen Solidarität mit der Mehrheit der Bevölkerung des Landes.


    Aber das sollte nicht der Fall sein, da die Linke Khan von Anfang an als „Marionette des Militärs“ abtat, nur weil er und das Oberkommando des Militärs zu EINEM bestimmten Zeitpunkt im Jahr 2018 in EINEM einzigen Punkt einer Meinung waren: der Beendigung der US-Besatzung Afghanistans . Es war eine absurde Analyse der mit Abstand beliebtesten politischen und öffentlichen Persönlichkeit des Landes. Und es war eine bequeme Möglichkeit, nicht nur nichts zu tun, sondern auch die an diesen Mobilisierungen beteiligten Jugendlichen und Studenten lächerlich zu machen und zu verspotten.


    Schließlich steht das Schweigen westlicher Regierungen und westlicher Medien zu dieser barbarischen Zeit militärischer Brutalität im fünftgrößten Land der Welt, das über Atomwaffen verfügt, im Gegensatz zu der Besessenheit von einem unblutigen Putsch in Niger, der von den USA entweder begrüßt oder einfach nur gleichgültig gezeigt zu werden scheint Die Mehrheit der Bevölkerung dieses Landes erzählt Ihnen alles darüber, wie der Deepest State dafür gesorgt hat, dass sein Vasall Deep State das „Khan-Problem“ ein für alle Mal löst.


    Freunde, der Imperialismus und seine inländischen Vollstrecker/Folterer haben mein Land in eine Zeit der Dunkelheit geführt, die ich noch nie erlebt habe.


    (Die pakistanische Regierung hat jetzt den Zugang zu The Intercept für dieses Exposé gesperrt. Dieses 20-minütige Video  (siehe unten) von Intercept-Co-Autor Ryan Grim ist ein Versuch, dies zu umgehen.)

    *

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    Prof. Junaid S. Ahmad lehrt Religion und globale Politik und ist Direktor des Zentrums für das Studium des Islam und der Dekolonialität in Islamabad, Pakistan. Er schreibt regelmäßig Beiträge für Global Research.


    Das vorgestellte Bild stammt von Andrew Korybko

    Die Originalquelle dieses Artikels ist Global Research

    Copyright © Junaid S. Ahmad , Global Research, 2023


    Info: https://www.globalresearch.ca/outcome-american-interference-pakistan/5828781


    unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält

    15.08.2023

    Strack-Zimmermann (FDP) möchte schnell nächste Waffenlieferung: Sie drängt Scholz zu schneller Taurus-Entscheidung

    Foto: Marie-Agnes Strack-Zimmermann (Archiv), über dts Nachrichtenagentur


    neopresse.com, 15. August 2023

    Marie-Agnes Strack-Zimmermann möchte weitere und schnelle Waffenlieferungen. Kanzler Scholz solle sich zur Lieferung des Marschflugkörpers Taurus schnell entscheiden. Das Thema wäre seit Monaten in der Diskussion.


    Es geht um jeden Tag: Strack-Zimmermann mit weiteren Waffen-Forderungen

    „FDP-Verteidigungspolitikerin Marie-Agnes Strack-Zimmermann hat Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) zu einer raschen Entscheidung über die Lieferung des Marschflugkörpers Taurus aufgerufen. Sie habe Verständnis, dass man Bedenkzeit brauche, aber das Thema sei seit Monaten in der Diskussion, sagte sie am Montag den Sendern RTL und ntv.


    „Und deswegen meine herzliche Bitte an den Kanzler, diesen Gedanken-Prozess relativ schnell abzuschließen, es geht nämlich um jeden Tag“. Täglich würden unschuldige Menschen in der Ukraine sterben „und deswegen muss die Entscheidung sehr, sehr schnell erfolgen“, fügte die FDP-Politikerin hinzu.“


    Bericht mit Material der dts Nachrichtenagentur



    Info: https://www.neopresse.com/politik/strack-zimmermann-draengt-scholz-zu-schneller-taurus-entscheidung/?source=ENL


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    15.08.2023

    Lindners durchsichtiges Manöver

    lostineu.eu, 15. August 2023

    Deutschland debattiert wieder über Waffenlieferungen für die Ukraine. Finanzminister Lindner ist überraschend nach Kiew gereist, wo er seine „Sympathie“ für die Lieferung des Marschflugkörpers „Taurus“ bekundete.

    „Die Ukraine muss diesen Krieg gewinnen“, erklärte Lindner. Er hoffe auf baldige Klärung der „Taurus“-Fragen. Dabei ist der FDP-Mann dafür gar nicht zuständig. Und es gibt auch keinen akuten Klärungs-Bedarf: Großbritannien und Frankreich haben ähnliche Systeme geliefert, die bereits im Einsatz sind.

    Es handelt sich also um eine Phantomdebatte. Sie löst kein Problem, sondern lenkt von der aktuellen Misere ab. Lindner beteiligt sich nicht nur an diesem Ablenkungsmanöver – er versucht auch, es für parteipolitische Zwecke auszuschlachten und seine ganz eigene Gegenoffensive zu starten.

    Doch das Manöver ist allzu durchsichtig. Schließlich ist Lindner nicht der erste, der mit einem Besuch in Kiew punkten will. Der kränkelnden FDP dürfte es nicht helfen, dem klammen Budget auch nicht. Im Gegenteil: Je länger der Krieg dauert, desto teurer wird er, auch für den deutschen Steuerzahler…

    Siehe auch Taurus für die Ukraine: Schwache Argumente, keine Perspektive.

    P. S. Lindner sagte in Kiew weitere Unterstützung zu. „Für die nächsten Jahre haben wir in unseren Haushaltsplanungen eine Fortsetzung der Unterstützung der Ukraine bereits fest eingeplant“. Derweil fehlt in Berlin das Geld für Kinder und Rentner…

    1 Comment

    1. european
      15. August 2023 @ 07:24

      Lindner hat Kiew 5 Milliarden pro Jahr bis 2027 aus dem Bundeshaushalt für das ukrainische Militär zugesagt. Gleichzeitig gibt es in Deutschland wieder Sparprogramme.

      https://www.welt.de/politik/deutschland/plus246905038/Finanzminister-in-Kiew-Und-dann-laesst-Lindner-durchblicken-wie-er-zum-Ukraine-Kurs-des-Kanzlers-steht.html?icid=search.product.onsitesearch


    Info: https://lostineu.eu/geisterdebatte-ueber-taurus


    unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält

    15.08.2023

    Umfragen  Wie groß ist der gesellschaftliche Rückhalt für eine Circular Economy?

    makronom.de, vom 14. August 2023, Energie & Umwelt, ARMANDO GARCIA SCHMIDT

    Die Circular Economy als Zielbild für eine ressourcenschonende Wirtschaft ist noch nicht Teil eines breiten öffentlichen Diskurses. Das Interesse und die Aktivität unterschiedlicher gesellschaftlicher Akteure nimmt aber stetig zu. Ein Beitrag von Armando García Schmidt.


    In der Serie „Circular Economy und Nachhaltige Soziale Marktwirtschaft” werden die vielfältigen Chancen, Risiken und Handlungsbedarfe des Konzepts einer Circular Economy (CE) für das Erreichen einer Nachhaltigen Sozialen Marktwirtschaft beleuchtet. Die Serie entsteht in Zusammenarbeit mit der Bertelsmann Stiftung und wird in unregelmäßigen Abständen im Makronom erscheinen. Im Fokus liegen dabei vor allem die möglichen Zielkonflikte, die mit der zirkulären Transformation verbunden sein können. Hier finden Sie alle Beiträge, die bisher im Rahmen der Serie erschienen sind.

    Die Circular Economy (CE) als Zielbild für eine nachhaltige und ressourcenschonende Wirtschaft ist in Deutschland noch nicht Teil eines breiten öffentlichen Diskurses. Vielleicht wird die Nationale Kreislaufwirtschaftsstrategie (NKWS), die aktuell unter Federführung des Bundesumweltministeriums entsteht, etwas daran ändern. Im Herbst 2023 soll es einen öffentlichen Konsultationsprozess geben, an dem sich Institutionen sowie Bürgerinnen und Bürger beteiligen können.

    Dazu würde es allerdings einer zusätzlichen Anstrengung bedürfen. Denn bisher ist die Chance verpasst worden, den Dialog mit der Öffentlichkeit als eines der zentralen Handlungsfelder der Strategie zu etablieren. Die acht gesetzten Handlungsfelder liegen ausschließlich in technologisch-stoffspezifischen („Zirkuläre Produktionsprozesse“, „Kunststoffe“ usw.) oder politisch-verwaltungspraktischen („Öffentliche Beschaffung“) Sphären. So abgesteckt, bleiben überwältigendes öffentliches Interesse und breite Beteiligung unwahrscheinlich.

    Dabei ist der gesellschaftliche Rückhalt für die Transformation zur CE von zentraler Bedeutung. Nur wenn die CE als Ziel bekannt wäre und von der Bevölkerung mitgetragen würde, werden Menschen bereit sein, ihre Gewohnheiten und Entscheidungspräferenzen zu verändern, beispielsweise indem sie wiederverwendbare Produkte kaufen, Nutzgegenstände reparieren lassen oder recyclingfähige Materialien und Produkte zu den entsprechenden Sammelstellen bringen. Erst ein größeres Bewusstsein für die Relevanz einer nachhaltigen Wirtschaft kann auch insgesamt die Nachfrage nach nachhaltigen Produkten im Sinne der CE oder den Trend hin zu Modellen des Teilens, Mietens oder Leasens verstärken. Dies kann wiederum Unternehmen dazu ermutigen, auf den Wandel zu setzen und z. B. in die Entwicklung kreislauffähiger Produkte zu investieren.


    Notwendigkeit intersektoraler Kooperation

    Breite gesellschaftliche Unterstützung für die Transformation ist aus einem weiteren Grund von entscheidender Bedeutung: Die CE wird sich nur umsetzen lassen, wenn Akteure aus unterschiedlichen Sektoren sich auf Kooperationen einlassen. So müssen Unternehmen entlang der gesamten Wertschöpfungs- und Produktionskette zusammenarbeiten, um Stoffkreisläufe zu schließen. Neu entwickelte zirkuläre Lösungen brauchen eine Vielzahl von Akteuren, um skaliert zu werden. Die Logistik für Rücknahme, Wiederaufarbeitung und Recycling von Materialien und spezifischen Produktkategorien muss in Branchen oder auch auf kommunaler Ebene aufgebaut werden.

    Die Liste ließe sich fortsetzen. Grundlage für die Bereitschaft gerade von Unternehmen, kostenintensive und auch mit Risiken behaftete Kollaborationsprozesse einzugehen, sind aber Bekanntheit und Bewusstheit hinsichtlich der Zielsetzung und Notwendigkeit der Transformation auch in der Gesellschaft.

    Bereits heute kommen in zunehmendem Maße Anregungen für die Transformation zur CE aus der Gesellschaft. Die Rolle der Initialzündung hat hier die Circular Economy Initiative Deutschland inne, die zwischen 2019 und 2021 unter Federführung von acatech Akteure aus Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft zusammenbrachte. Zentrales Ergebnis war die im Mai 2021 veröffentlichte Circular Economy Roadmap für Deutschland, die Maßnahmen für die gesellschaftliche und politische aber auch für die konkrete Transformation von Geschäftsmodellen und Produkten vorstellt. Die Roadmap war (und bleibt) ein wichtiger Impuls für die aufkeimende Debatte, die dazu geführt hat, dass das Vorhaben, eine NKWS zu entwickeln, im Herbst 2021 Eingang in den Koalitionsvertrag der jetzigen Bundesregierung fand.

    Den Fokus auf das Zusammenführen und Unterstützen von zirkulären Lösungen aus impactorientierten Start-ups und Mittelständlern legt die Initiative Circular Futures, die im Herbst 2021 gestartet ist. Mehr als 100 Start-ups und mittelständische Unternehmen haben im Rahmen dieses Projektes nach Kooperationsmöglichkeiten und Wegen zur Skalierung von zirkulären Lösungen gesucht. Aktuell verschiebt sich der Fokus der Arbeit des Netzwerks auf den Aufbau konkreter Umsetzungsallianzen, u. a. zum Thema „Mehrweg to go“.

    Mit verschiedenen Projekten bundesweit aktiv sind seit längerem auch Akteure wie der WWF Deutschland, die Röchling Stiftung, das Wuppertal Institut, ProjectTogether und das Netzwerk Circularity. Der WWF Deutschland brachte 2022 Unternehmen, Wissenschaft und gesellschaftliche Akteure zusammen, um mit der Initiative Modell Deutschland Circular Economy eine erste wissenschaftliche Berechnung der ökologischen und ökonomischen Effekte der Transformation zur CE für zentrale deutsche Industriebranchen vorzulegen. Die Ergebnisse des Projektes wurden im Juni 2023 veröffentlicht.

    Beachtenswert ist mittlerweile die Landschaft von Projekten und Initiativen, die auf kommunaler oder regionaler Ebene aktiv sind: circular Berlin, Circular Munich, CircularOWL, bergisch.circular, um nur einige zu nennen. Hervorzuheben sind in diesem Zusammenhang die Aktivitäten der Circular Valley Stiftung in Wuppertal, die von einer breiten Allianz gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Akteure getragen wird. Zum Portfolio gehört das einmal jährlich stattfindende Circular Valley Forum, aber auch ein eigens eingerichteter Inkubator für zirkuläre Start-ups.

    Immer wieder finden sich auch Konstellationen von Akteuren zusammen, die wie mit dem Buch Mythen der Circular Economy Impulse für die öffentliche Debatte liefern. Der Bund der Industrie hat CE unlängst in einer eigenen Initiative aufgegriffen, um es in die Mitgliedsunternehmen zu tragen und Brücken zwischen gesellschaftlichen und unternehmerischen Perspektiven zu bauen.


    Zustimmungswerte zu zirkulären Wertschöpfungsstrategien

    Doch wie steht es aktuell um die Zustimmung der Menschen in Deutschland zur CE? Im Herbst 2022 wurde im Auftrag der Bertelsmann Stiftung eine repräsentative Befragung unter Erwerbstätigen in Industrie, Produktion und Verarbeitung durchgeführt. Bewusst wurde bei der Befragung darauf verzichtet, abstrakt nach der CE zu fragen. Stattdessen wurden konkrete Fragen zu fünf zirkulären Wertschöpfungsstrategien gestellt, um ein detailliertes Bild davon zu erhalten, wie die einzelnen Strategien und ihre Umsetzungspotenziale bewertet werden. Aus der Befragung lassen sich folgende generelle Aussagen herauslesen.


    1.

    Das Zielbild einer CE stößt auf große Zustimmung. Fast 88 Prozent der Befragten antworten mit „Ja“ oder „Eher ja“ auf die Frage „Wünschen Sie sich eine Wirtschaft, bei der Produkte möglichst bis zur maximalen Nutzungsdauer verwendet werden, anstatt nach kurzer Zeit entsorgt?“ Zwischen Entscheider:innen und Beschäftigten zeigen sich keine substanziellen Unterschiede.

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    2.

    Entscheider:innen konstatieren einen Trend hin zu zirkulären Wertschöpfungsstrategien. Eine Strategie der CE ist, dass Wertschöpfung nicht mehr ausschließlich über den Verkauf eines Produkts stattfindet, sondern zu neuen Formen der geteilten oder zeitlich gestaffelten Nutzung von Produkten zu kommen. Unter Stichworten wie „Sharing Economy“ und „Product as a service“ werden entsprechende Strategien schon seit einiger Zeit erprobt. Auf die Frage „Denken Sie, dass das Teilen, Mieten oder Leasen von Produkten in Zukunft zunehmen wird?“ antworten mehr als mehr 60 Prozent aller Führungsverantwortlichen in Industrie, Produktion und Verarbeitung zustimmend:

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    3.

    In Deutschland gibt es durchaus noch Unterschiede in der Wahrnehmung und Umsetzung zirkulärer Wertschöpfungsstrategien. So beginnt Zirkularität bereits bei der Entwicklung eines Produkts. Produkte müssen so designt sein, dass sie repariert, immer wieder nachgerüstet bzw. auf den aktuellen technologischen Stand gebracht oder nach einer ersten Nutzungsphase wiederaufgearbeitet und neu genutzt werden können.

    Diese Herausforderung steht vielfach noch nicht auf dem Sorgehorizont der Entwicklungsabteilungen der Unternehmen und ist auch im Bewusstsein der Beschäftigten noch nicht breit verankert: Auf die Frage „Denken Sie, dass sich für Ihren Arbeitgeber neue Wertschöpfungspotenziale ergeben, wenn bereits verkaufte Produkte zurückgenommen und wiederaufgearbeitet werden?“ antworten nur 22,7 Prozent der abhängig Beschäftigten ohne Führungsverantwortung in der Industrie mit „Ja“. Mehr als 46 Prozent antworten mit „Nein“. Höher schätzen Entscheider:innen und Selbstständige die Potenziale ein: Von ihnen erkennen immerhin 30,5 Prozent Wertschöpfungspotenziale:

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    4.

    Unsicherheit besteht nach wie vor darüber, woher der Anstoß zur Veränderung kommen muss. Auf die Frage, was dazu führen würde, dass in den Betrieben effizienter als bisher mit Materialien und Rohstoffen umgegangen wird, antworten mehr als 45 Prozent der Befragten entweder mit „Weiß nicht“ oder sie sagen, dass keine der sechs Antwortoptionen den Impuls zur Erhöhung der Ressourceneffizienz geben würde. Fünf der Antwortoptionen erhalten bei der Möglichkeit der Mehrfachnennung eine ungefähr gleich hohe Zustimmung von rund 18 bis 21 Prozent. Somit scheinen alle Impulskanäle als ähnlich (ir)relevant eingeschätzt zu werden:

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    Weitere Befragungsergebnisse

    Dass es zumindest bei Entscheider:innen in Unternehmen einen Trend dahin gibt, zirkulären Wertschöpfungsstrategien immer höhere Priorität beizumessen, bestätigt auch der Sustainability Transformation Monitor 2023. Nachhaltigkeitsbeauftrage in Unternehmen der Real- und der Finanzwirtschaft werden zum Stand der Transformation der Wirtschaft befragt. Auf die Frage „Wie wichtig sind die folgenden ökologischen Themen für die Nachhaltigkeitstransformation Ihrer Organisation in den nächsten Jahren und wie fortgeschritten ist die Umsetzung der jeweiligen Themen?“ landet das Thema „Übergang zu einer Kreislaufwirtschaft, Abfallvermeidung und Recycling“ mit 78 Prozent der Nennungen auf dem zweiten Rang nach dem Thema „Klimaschutz/Dekarbonisierung“ (86 Prozent) und vor dem Thema „Vermeidung/Verhinderung von Umweltverschmutzung“ (72 Prozent).

    Eine repräsentative Bevölkerungsbefragung hat im Jahr 2021 das Institut forsa im Auftrag der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) durchgeführt. Im Kern gibt es sehr hohe Zustimmungswerte für konkrete ressourcenschonende Veränderungsvorschläge. So sprechen sich insgesamt 82 Prozent der Befragten für ein Verbot bestimmter Einwegprodukte zur Vermeidung von Plastikmüll aus. Die Umfrage zeigt aber auch die Notwendigkeit, das umfassende Konzept der CE weiter bekannt zu machen, denn nur eine Minderheit von 13 Prozent der Befragten gibt an, den Begriff „Circular Economy“ zu kennen. Den deutschen Begriff „Kreislaufwirtschaft“ zu kennen, geben hingegen 61 Prozent der Befragten an. Auch offenbart die Studie eine Unsicherheit der Menschen hinsichtlich der konkreten Stoffe, um die es geht: 74 Prozent der Befragten geben an, über zu wenig Informationen zu verfügen, welche Rohstoffe für ihre Alltagsprodukte genutzt werden.


    Fazit

    Die CE erfordert neue Technologien, Geschäftsmodelle und Infrastrukturen. Für den Wandel ist gesellschaftlicher Rückhalt wichtig, sonst stößt diese umfassende Transformation nicht auf Akzeptanz. Auch die NKWS sollte vor diesem Hintergrund die gesellschaftliche Dimension der CE in den Blick nehmen. Ein Ziel der NKWS sollte es sein, gesellschaftliche Beteiligung aktiv zu ermöglichen – sogar einzufordern. Es muss den Menschen möglich gemacht werden, sich mit dem Thema zu befassen und die Transformation als Bürger:innen und Konsument:innen aktiv mitzugestalten.

    Dabei sollte nicht vergessen werden, dass auf dem Weg hin zu einem neuen Wirtschaftsmodell Zielkonflikte zu bearbeiten sein werden. Wichtig ist, diese früh genug in den Blick zu nehmen und offensiv und transparent nach Lösungen zu suchen. Auch dazu ist eine frühzeitige, offene und breite öffentliche Debatte notwendig.

     

    Zum Autor:

    Armando Garcia Schmidt ist Senior Project Manager im Programm Nachhaltige Soziale Marktwirtschaft der Bertelsmann Stiftung.


    Info: https://makronom.de/wie-gross-ist-der-gesellschaftliche-rueckhalt-fuer-eine-circular-economy-44669?utm_source=rss&utm_medium=rss&utm_campaign=wie-gross-ist-der-gesellschaftliche-rueckhalt-fuer-eine-circular-economy

    15.08.2023

    Nachrichten von Pressenza: Ab in die Wüste (II)

    aus e-mail von  <newsletter@pressenza.com>, 15. August 2023, 7:15 Uhr


    Nachrichten von Pressenza - 15.08.2023


    Ab in die Wüste (II)


    Dutzende Flüchtlinge sind nach ihrer Deportation durch tunesische Behörden in die Wüste verdurstet. Während die ersten starben, schloss „Team Europe“ (von der Leyen) mit Tunis einen Flüchtlingsabwehrdeal. Menschenrechtsorganisationen erheben schwere Vorwürfe gegen die EU-Kooperation mit Tunesien zur Flüchtlingsabwehr. Auslöser ist&hellip;

    http://www.pressenza.net/?l=de&track=2023/08/ab-in-die-wueste-ii/


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    Kohlenstoffspeicherung in der Landwirtschaft: Eine Methode zum Nutzen der Umwelt und der Menschen


    Auf der ganzen Welt erlebt der Landwirtschaftssektor die ersten, wenngleich bereits verheerenden Auswirkungen der Klimakrise. Die jüngsten Ereignisse, die die italienische Landwirtschaft betrafen, liefern dafür ein ebenso perfektes wie tragisches Beispiel. Von Marco Pisano Langanhaltende Dürreperioden, denen zerstörerische Fluten folgen,&hellip;

    http://www.pressenza.net/?l=de&track=2023/08/kohlenstoffspeicherung-in-der-landwirtschaft-eine-methode-zum-nutzen-der-umwelt-und-der-menschen/


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    Die Risiken eines Atomkriegs verringern &#8211; die Rolle der Gesundheitsfachleute


    Im Januar 2023 hat das Wissenschafts- und Sicherheitsgremium des «Bulletin of the Atomic Scientists» die Zeiger der Weltuntergangsuhr auf 90 Sekunden vor Mitternacht vorgeschoben, um der wachsenden Gefahr eines Atomkriegs Rechnung zu tragen.(1) Im August 2022 warnte der UN-Generalsekretär António&hellip;

    http://www.pressenza.net/?l=de&track=2023/08/die-risiken-eines-atomkriegs-verringern-die-rolle-der-gesundheitsfachleute/


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    Pressenza - ist eine internationale Presseagentur, die sich auf Nachrichten zu den Themen Frieden und Gewaltfreiheit spezialisiert hat, mit Vertretungen in Athen, Barcelona, Berlin, Bordeaux, Brüssel, Budapest, Buenos Aires, Florenz, Lima, London, Madrid, Mailand, Manila, Mar del Plata, Montreal, München, New York, Paris, Porto, Quito, Rom, Santiago, Sao Paulo, Turin, Valencia und Wien.


    unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält

    15.08.2023

    "Wokeness ist letztlich eine anti-wissenschaftliche Weltanschauung"

    hpd.de, vom 26. Mai 2023, Von: Florian SchwarzNach den beiden im hpd veröffentlichten Texten über die jüngste Vorstandswahl bei der Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften (GWUP) kochen die Emotionen hoch – wie so oft, wenn es um Begriffe wie "Wokeness" geht, unter denen viele etwas anderes verstehen. hpd-Autor Florian Schwarz, der sich seit langem mit diesem Thema befasst, versucht hier darzustellen, wovon eigentlich die Rede ist und weshalb es der GWUP gut täte, sich selbst an ihren eigenen Maßstäben zu messen.

    Eine Ideologie breitet sich aus im Westen, seit Jahren still und leise, jetzt mit zunehmendem Lärm. Es klafft bereits ein tiefer Spalt zwischen ihren Anhängern und Gegnern, und er tut sich nicht auf zwischen links und rechts, progressiv und konservativ, wohlhabend und arm, sondern quer zu allen Lagern. Zerwürfnisse und Entfremdung sind auch unter Linken und Linksliberalen zu beobachten – und ausgerechnet auch in Gruppen, die sich der wissenschaftlichen Aufklärung verschrieben haben.

    Die Ideologie, von der die Rede ist, wird häufig als "Wokeness" (deutsch auch Wokismus) bezeichnet. Ursprünglich stammt das Wort woke von schwarzen Aktivistinnen und Aktivisten in den USA der 30er Jahre und bedeutete, achtsam und sensibel zu sein gegenüber rassistischer Diskriminierung. Heute beanspruchen Woke für sich, besonders aufmerksam zu sein gegenüber allen Formen von Diskriminierung; sie wollen tolerant und empathisch sein, bereit, von Minderheiten zu lernen, wo Unterdrückung stattfindet – und etwas dagegen tun.

    Dieser Anspruch macht Wokeness vordergründig sympathisch und attraktiv – zumal die meisten Menschen sich angesprochen fühlen von positiv besetzten Worten wie Gerechtigkeit, Gleichheit oder Antirassismus. Wer also Woke und Wokeness kritisiert, begibt sich in die Gefahr, als jemand abgelehnt zu werden, der sich dem aufrechten Kampf gegen Rassismus, Sexismus und andere Formen der Unterdrückung in den Weg stellt.

    Nun wirft die Wokeness ihren Schatten auch auf die GWUP, die Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften. Im Streit um die Frage, ob Fächer und Theorien aus dem Feld der sogenannten Critical Studies (CS) als wissenschaftlich akzeptiert oder als unwissenschaftlich kritisiert werden sollten, ist ein heftiger Streit entbrannt. Ein Streit, der offenbar auch den Hintergrund bildet für die überraschende Wahl des neuen GWUP-Vorstands. Manche sprechen gar von einem Putsch, da sich im Vorfeld heimlich eine Gruppe einflussreicher Mitglieder getroffen hatte, die die Kritik an den CS offenbar als irgendwie politisch ablehnt. Was in diesem Falle nicht einer gewissen Ironie entbehrt, da die CS selbst den Anspruch haben, die Gesellschaft politisch zu beeinflussen. Auch herrschte offenbar die Sorge, Kritik an CS – und damit an Wokeness – könnte als Beleg für eine rechte Gesinnung interpretiert werden oder sei sogar ein solcher Beleg. Unmittelbar vor der Wahl des Vorstands jedenfalls zauberte die Gruppe einen eigenen Vorstandskandidaten aus dem Hut (wenn in dem Kontext dieses Bild erlaubt ist) und überrumpelte die Mitglieder – zumindest jene, die von den Absprachen nichts wussten.

    Aber was lässt sich gegen Wokeness überhaupt einwenden? Vordergründig scheinen die Ansprüche und Ziele dieser Ideologie ja keine anderen zu sein als die des liberalen, aufgeklärten Humanismus.

    Tatsächlich stellt Wokeness jedoch eine Abkehr von den naturwissenschaftlichen Prinzipien und vom humanistischen Weltbild dar. In den Geistes- und Sozialwissenschaften führt Wokeness bereits seit Jahren dazu, dass kein objektiver Standpunkt gegenüber Forschungsobjekten eingenommen wird, sondern ein moralischer, die entsprechenden Arbeiten sind deshalb nicht mehr wirklich ergebnisoffen.

    Das wird schnell klar, wenn man sich vor Augen führt, dass Wokeness eigentlich nur ein anderes Wort für "Critical Social Justice" ist. "Critical" bedeutet hier nicht nur kritisch den gegenwärtigen Gesellschaftsstrukturen gegenüber. Kritisch werden hier vielmehr die üblichen Methoden gesehen, mit denen heute Wissen über die Welt gewonnen wird. Kritik bedeutet hier besonders auch "Selbstkritik" derjenigen, die von gesellschaftlichen Privilegien profitieren.

    Wokeness geht von folgenden Prämissen aus: Wissen ist nicht das, was wir an Erkenntnissen über die Realität sammeln, indem wir unsere Ideen, Vorstellungen, Hypothesen an ihr testen und dann korrigieren und anpassen. Wissen ist vielmehr ein soziales Konstrukt. Gruppen, die sich durch verschiedene Eigenschaften auszeichnen – etwa die ethnische Herkunft, die Kultur, das Geschlecht, die sexuelle Orientierung oder Identität – machen ihre eigenen Erfahrungen und verfügen deshalb über ein eigenes spezifisches Wissen. Da andere Gruppen nicht dieselben "gelebten Erfahrungen" machen, können sie dieses Wissen nicht infrage stellen.

    Jede Gruppe kann also für sich ihre eigene Wahrheit beanspruchen, die akzeptiert werden muss. Selbst wenn sich das Wissen der Gruppen widerspricht. Zu entscheiden, dass eine Gruppe mit ihren Erfahrungen der Realität näher kommt als eine andere Gruppe, ist für Woke anmaßend und diskriminierend. Vor diesem Hintergrund hat etwa Neuseeland beschlossen, an Schulen das traditionelle, teils esoterisch-religiöse "Wissen" der Maori zu lehren – als andere, aber gleichberechtigte Form des Wissens neben den naturwissenschaftlichen Fächern, die ja nur das "westliche" Verständnis von Wissenschaft berücksichtigen. Eigentlich dürfte es nur eine Frage der Zeit sein, bis Kreationisten den Ball aufnehmen und fordern, ihr besonderes religiöses Wissen über die Schöpfung müsse neben der Evolutionstheorie im Biologieuntericht gelehrt werden. Hatten wir das nicht schon?

    Wokeness beruht darüber hinaus stark auf den Vorstellungen des postmodernen Säulenheiligen Michel Foucault, demzufolge alle, wirklich alle Beziehungen und Verhältnisse auf Macht ausgerichtet sind: Immer und überall gibt es Unterdrücker und Unterdrückte. In der westlichen Welt stellen natürlich weiße, heterosexuelle Männer die dominierende Gruppe dar. Sie sollen deshalb in der Lage sein, zu bestimmen, welches Wissen gelten soll. Und natürlich bevorzugen sie Erkenntnisse, die ihren eigenen Interessen dienen. Sie bestimmen den vorherrschenden "Diskurs" und die "Narrative" in der Gesellschaft, denn sie entscheiden, wie über was gesprochen wird. Sie sichern sich so ihre Privilegien und unterdrücken die Wahrheit anderer Gruppen.

    Wer nun in einer solchen Gesellschaft aufwächst, internalisiert deren Strukturen, die geprägt sind durch Hass, Scheinheiligkeit, Egoismus, Unterdrückung. Diejenigen, die von diesen Verhältnissen profitieren, können sich ihnen nicht leicht entziehen; sie halten daran fest und verteidigen sie, häufig, ohne sich dessen bewusst zu sein. Denn da sie Teil des Unterdrückungssystems sind, bleiben dessen Strukturen für sie weitgehend unsichtbar.

    Aber für gute Menschen gibt es Rettung: Sie müssen auf die Anhänger der Critical Social Justice hören. Sie müssen woke werden. Sie müssen helfen, den Diskurs zu ändern – zum Beispiel, indem sie die Sprache ändern.

    Für marginalisierte Gruppen ist das woke Weltbild besonders interessant, da ihr spezifisches "Wissen" angeblich helfen kann, die unsichtbaren Machtstrukturen aufzudecken und aufzuzeigen – den vielbeschworenen, aber selten genau beschriebenen strukturellen Rassismus und Sexismus, das weiter vorherrschende Patriarchat, Homophobie, Transphobie, toxische Männlichkeit, etc., die alle Schichten der Gesellschaft, alle ihre Institutionen, ihre kulturellen Normen und Werte, die Gesetze und die Polizei prägen sollen. Dafür werden noch die schwächsten Hinweise aufgespürt – etwa sogenannte "Mikroaggressionen".

    Die "wissenschaftlichen" Analysen der Critical Social Justice bestehen darin, alle vorherrschenden Narrative, Paradigmen, Diskurse und Erkenntnisse infrage zu stellen, da sie den Machthabern dazu dienen, andere zu unterdrücken. Das Aufdecken der Strukturen funktioniert unter anderem durch Dekonstruktion (eine Methode, Sprache und Texte zu deuten, um deren eigentliche Aussagen bloßzulegen – unabhängig davon, was die AutorInnen selbst zu sagen meinen). Wo es schwierig ist, die Wurzeln von wahrgenommenen Problemen zu identifizieren, werden Faktoren so lange "problematisiert", bis alles ins woke Weltbild passt. Mit dem Ziel, die Unterdrückung nonbinärer Menschen oder Transpersonen zu beenden, wird zum Beispiel die Realität der biologischen binären Geschlechtlichkeit "problematisiert" und infrage gestellt. Der heterosexuellen Mehrheit wird außerdem "Heteronormativität" vorgeworfen als Mittel, die eigene Macht zu erhalten. Wer sagt, es gebe nur zwei biologische Geschlechter (und natürlich Intersexelle), entlarvt sich als transphob.

    Das Ziel der sozialen Gerechtigkeit lässt sich nun aber nur erreichen, wenn genug Menschen woke werden und helfen, die unsichtbaren Machtstrukturen abzubauen. (So sind etwa Ibram X. Kendi zufolge alle Menschen so lange Rassisten, bis sie sich entsprechend seiner Vorstellungen als "Anti-Rassisten" engagieren.) Wer anderer Meinung ist als die Woken, ist eben noch nicht aufgewacht, ist ein Ignorant oder schafft es nicht, die eigenen Privilegien einzuräumen oder gar aufzugeben – im woken Jargon ist hier häufig die Rede von "White Fragility" (Robin DiAngelo). Um diesem Vorwurf zu entgehen, wenden sich auch immer mehr vormals rational denkende, kritische und vor allem selbstkritische Menschen dieser Ideologie zu – wahrscheinlich häufig, ohne sich der absurden und dunklen Seiten der Wokeness bewusst zu sein.

    Der Platz reicht hier nicht, um alle Aspekte der Wokeness, ihre Ursprünge und Absurditäten darzulegen. Wer aber bis zu diesem Punkt noch immer Sympathie für diese Ideologie hegt, sollte sich letztlich die Gretchenfrage stellen: Wie halte ich es tatsächlich mit der Gleichheit und Gleichberechtigung aller Menschen? Denn im Mittelpunkt der Wokeness stehen nicht die einzelnen Individuen mit ihrer Würde und ihren Wünschen. Die Idee des Universalismus – dass alle Menschen trotz aller Unterschiede als Menschen im Prinzip gleich und gleichberechtigt sind, wie es die Philosophen des Humanismus, allen voran Denis Diderot, erklärt haben – wird von der woken Ideologie abgelehnt. Das lässt sich etwa bei Vertretern der sogenannten Critical Race Theory wörtlich nachlesen: "Anders als der traditionelle Bürgerrechtsdiskurs [etwa von Martin Luther King, d.A.], der die Betonung auf Inkrementalismus [Verbesserung bestehender Strukturen, d.A.] und schrittweisen Fortschritt legt, stellt Critical Race Theory gerade die Grundlagen der liberalen Ordnung infrage, inklusive der Gleichheitstheorie, des Abwägens rechtlicher Argumente, des Rationalismus der Aufklärung und der Neutralitätsprinzipien der Verfassung." ("Unlike traditional civil rights discourse, which stresses incrementalism and step-by-step progress, critical race theory questions the very foundations of the liberal order, including equality theory, legal reasoning, Enlightenment rationalism, and neutral principles of constitutional law." (Richard Delgado & Jean Stefancic: Critical Race Theory: An Introduction, 3rd Edition, New York 2017)

    Woke unterteilen die Menschheit anhand von bestimmten Merkmalen in Gruppen und betonen deren Unterschiede und ihre dadurch angeblich definierten besonderen Identitäten – Hautfarbe (auch wenn das nicht mehr laut gesagt werden soll), Kultur, Religion, sexuelle Orientierung und Identität und so weiter. Diese Identitätspolitik überschneidet sich deutlich mit dem Weltbild der Rechten, die darüber hinaus allerdings verschiedene Gruppen nicht nebeneinander in einer Gesellschaft leben lassen wollen, sondern ihnen bestimmte Weltregionen zuteilen möchten. Diese Aufspaltungen der Gesellschaften, ja der ganzen Menschheit, ist ganz im Sinne der anti-aufklärerischen Vorstellungen mancher europäischer Philosophen wie etwa Herder mit seinen Ideen vom Volksgeist, und der Anhängern der neuen Rechten. Aus der linksliberalen, humanistischen Sicht lässt sich Wokeness deshalb kaum anders als reaktionär betrachten.

    Wie oben bereits gesagt, zielen Woke nicht darauf, objektive Erkenntnisse zu gewinnen und Aberglaube zu bekämpfen, indem Vorstellungen und Überzeugungen immer wieder einem Realitätscheck unterzogen werden – eigentlich die Methode, der sich die GWUP verschrieben hat. Im Gegenteil: Die naturwissenschaftliche Methode wird als ein Werkzeug des Machterhalts abgelehnt, das weiße, westeuropäische Männer entwickelt haben, um Imperialismus, Kolonialismus, Sklaverei rechtfertigen und alle anderen Menschen und die Natur auszubeuten zu können. Stattdessen geht Wokeness davon aus, dass jede Gruppe neben ihrer Identität auch über eine eigene, gleichwertige Wahrheit verfügt. Selbst wenn sich deren Aussagen diametral widersprechen. Es geht hier also nicht nur um Eigenheiten bestimmter Fachdisziplinen, die Uneingeweihte auch mal irritieren können. Es geht nicht darum, dass einzelne Vertreterinnen und Vertreter ihrer Fächer auch mal Unsinn reden und so einen falschen Eindruck von Unwissenschaftlichkeit erwecken. Sondern: Wokeness ist letztlich eine anti-wissenschaftliche Weltanschauung.


    Da Kritik an Wokeness von vielen Menschen unweigerlich als Hinweis auf eine falsche Gesinnung interpretiert wird, kann man es nicht genug betonen: Alle Probleme, die Woke prinzipiell ansprechen – Rassismus, Sexismus, Homophobie und so weiter – existieren in unserer Gesellschaft leider immer noch. Sie werden von Linken und Liberalen genauso wahrgenommen und bekämpft wie von Woken. Das woke Weltbild ist jedoch keine Voraussetzung dafür, diesen Kampf zu führen. Im Gegenteil. Es ist zerstörerisch. Denn: Mit ihrer Betonung der Gruppenidentitäten und -unterschiede, ihrer bedingungslosen Forderung nach Loyalität, der sozialen Ächtung Andersdenkender, der Ablehnung von Individualität, Universalismus, des Humanismus (und damit letztlich der universellen Menschenrechte), mit ihrer Anerkennung eigener "Wahrheiten" ethnischer, kultureller oder anderer Gruppen, der Ablehnung einer möglichst objektiven, naturwissenschaftlichen Erkenntnissuche, mit ihrem Anspruch, Opfer zu sein oder für gedemütigte und unterdrückte Opfer einzutreten sowie ihrer Unterwerfung unter die Prämissen ihrer postmodernen Führungsfiguren weist Wokeness insgesamt religiöse und – man wagt es kaum zu sagen – der Definition nach faschistoide Züge auf.


    Nun werfen Woke genau solche Züge ihren Kritikerinnen und Kritikern vor. Und tatsächlich nutzen viele Rechte und Konservative, religiöse oder faschistoide Eiferer die Kritik an Wokeness, um im eigenen Lager Stimmung zu machen und von anderen Problemen abzulenken. Das belegen die erschütternden Entwicklungen in den USA. Die Motive eines Ron DeSantis – aber auch eines Markus Söder – Wokeness zu kritisieren, sind jedoch andere als die aus einem humanistischen Weltbild heraus. Wer Kritik an Wokeness mit einem Hinweis auf DeSantis, Trump und Co. pauschal abwehrt, wendet die gleichen perfiden Werkzeuge an wie die Rechten.


    Es bleibt zu hoffen, dass gerade Organisationen wie die GWUP, die sich explizit der wissenschaftlichen Aufklärung verschrieben haben, sich nicht darauf beschränken, Homöopathie, Astrologie, Anthroposophie oder Esoterik aller Couleur als unwissenschaftlich und gefährlich zu entlarven. Ihre Mitglieder sollten den Mut aufbringen, keine fragwürdigen Bereiche auszulassen. Sie sollten sich auch die Methoden und Arbeiten der Critical Social Justice, der Critical Studies, der Wokeness vornehmen. Auch wenn das vielleicht Follower auf Twitter, Freundinnen und Freunde auf Facebook, sogar Teile des Publikums ihrer Vorträge und der Leserschaft ihrer Bücher kostet. Gerade GWUP-Mitglieder sollten der Versuchung widerstehen, zur einen Seite auf Wissenschaftlichkeit zu bestehen, aber zur anderen Seite zu signalisieren, es gebe einen gewissen Spielraum für verschiedene Realitäten. Ein solcher Opportunismus geht an die Substanz der Organisation.



    94 Kommentare

    Kommentare

    xanathon am 26. Mai 2023 - 12:37 Permanenter Link

    Dieser "Artikel" kostet euch mich. Wird euch nicht interessieren, ich weiß.

    Michael Wolfmeier am 26. Mai 2023 - 15:47 Permanenter Link

    Und dafür bin ich gewonnen.

    Elisabeth Farkashazy am 26. Mai 2023 - 17:02 Permanenter Link

    und me too...

    Udo Endruscheit am 26. Mai 2023 - 17:45 Permanenter Link

    Warum? Ist das hier ein Trendmagazin? Das ist eine Nachrichtenseite, die, wenn ich das viele Jahre lang richtig verstanden habe, ein Spektrum abbildet und zur Diskussion einlädt.

    Shoppy am 5. Juni 2023 - 11:34 Permanenter Link

    Dieser "Kommentar" zeigt eindrücklich das Problem, das im Artikel beschrieben wird. Danke dafür.

    Tobias Seyb am 26. Mai 2023 - 12:41 Permanenter Link

    Schöner Artikel, danke. Werde mir einige Formulierungen merken.

    awmrkl am 16. Juni 2023 - 19:38 Permanenter Link

    "im Diskussionsbereich der GWUP mit einem Soziologen, der ernsthaft die Meinung vertrat, dass z.B. der Wert der Lichtgeschwindigkeit abhängig ..."

    Der_Leser am 26. Mai 2023 - 12:46 Permanenter Link

    Dieser Artikel weckt Horrorvisionen.
    Wenn man den Gedanke des Wokismus konswquent zuendedenkt.
    Arische Tradition mit Deutscher Gründlichkeit.

    Udo Endruscheit am 26. Mai 2023 - 13:00 Permanenter Link

    Critical Social Justice ("Wokeness") ist die Zerstörung des Diskursraumes, das Negieren eines mehr als zweitausendjährigen Ringens um menschliche Erkenntnismöglichkeiten von Aristoteles bis Hans Albert, letz


    Udo Endruscheit am Permanenter Link

    Critical Social Justice ("Wokeness") ist die Zerstörung des Diskursraumes, das Negieren eines mehr als zweitausendjährigen Ringens um menschliche Erkenntnismöglichkeiten von Aristoteles bis Hans Albert, letztlich eine beängstigende antiwissenschaftliche und antiaufklärerische Dystopie. Eine Preisgabe des Intersubjektivismus, desjenigen Erkenntniskriteriums, das ja gerade die Loslösung und Unabhängigkeit von Irrtümern und Partikularismen im Sinne einer "Internationalität" von Erkenntnis und Menschheitsfortschritt garantieren soll. Besonders perfide dabei der Ansatz der pauschalen Abwertung aller als im jeweiligen Definitionsbereich "herrschend" aka diskriminierend Wahrgenommenen. Dies verdient sowohl wissenschaftsorientierte als auch humanistische Kritik. Allein deshalb, weil in den Grundzügen der "Wokeness" ja auch eine Relativierung, wenn nicht Zerstörung der Kritikwürdigkeit auch "klassischer" Themenfelder des Skeptizismus liegt. Schon heute ist z.B. Versuchen zu begegnen wie denen von Pseudomedizinern, eigene genehme "Wissenschaftswelten" zu legitimieren, die man gefälligst anzuerkennen habe und dabei kritisches Denken mit Begriffen wie "reduktionistischer Materialismus" zu diskreditieren.

    Stefan Dewald am 26. Mai 2023 - 13:05 Permanenter Link

    »da die CS selbst den Anspruch haben, die Gesellschaft politisch zu beeinflussen«

    Dabei sind sie höchstens deskriptiv aber nicht normativ. Genau wie der Duden.

    malte am 26. Mai 2023 - 13:16 Permanenter Link

    Eine gute Zusammenfassung und Diskussionsbasis.

    Thomas Waschke am 26. Mai 2023 - 23:49 Permanenter Link

    Ich muss zugeben, dass ich den Begriff 'woke' bisher nur aus der Diskussion in den USA kannte, eben, wie Sie schreiben, als rechter Kampfbegriff.

    Constantin Huber am 26. Mai 2023 - 13:50 Permanenter Link

    Besonders übel an dem Text von Florian Schwarz, in welchem "Woke" als "faschistoid" und "religiös" abgestempelt werden, sind vier Aspekte:

    Michael Henke am 26. Mai 2023 - 16:39 Permanenter Link

    Bitte nicht schon wieder. https://twitter.com/claireainsworth/status/888365994577735680?s=46&t=IS99Jt8jH2WvsJ-B3vhSfA

    Florian Schwarz am 26. Mai 2023 - 16:45 Permanenter Link

    Verehrter Herr Huber,

    Bo am 27. Mai 2023 - 9:12 Permanenter Link

    @ Florian Schwarz fragt: "Sie werfen mir vor, ich würde Woke als faschistoid und religiös abstempeln. Tatsächlich schreibe ich: Wokeness weist "insgesamt religiöse und ...

    Constantin Huber am 27. Mai 2023 - 13:24 Permanenter Link

    Hallo Florian,

    Florian Schwarz am 30. Mai 2023 - 17:39 Permanenter Link

    Hallo Herr Huber,

    Constantin Huber am 31. Mai 2023 - 19:15 Permanenter Link

    Hallo Florian. Das verstehst du falsch. Nicht ich stelle dich in die rechte Ecke, sondern mit deinen Worten stellst du dich da selbst hin.

    Lars Temme am 1. Juni 2023 - 14:06 Permanenter Link

    Ihr Kommentar, Herr Huber, illustriert schön das Problem einer woken Geisteshaltung.

    Florian Schwarz am 1. Juni 2023 - 15:29 Permanenter Link

    Herr Huber, Sie können weiter darauf drängen, dass ich auf Ihre überflüssigen und provokativen Fragen antworte – oder aber Sie lesen einfach noch einmal meinen Text und setzen dabei vorher die woke Brille ab.

    Constantin Huber am 3. Juni 2023 - 2:19 Permanenter Link

    Überflüssig sind diese Fragen ja ganz offensichtlich nicht.

    Aber das Unvermögen respektive der Unwille, diese zu beantworten, offenbart eine ganze Menge.

    Andreas Edmüller am 1. Juni 2023 - 21:20 Permanenter Link

    Hallo Herr Huber,

    Constantin Huber am 3. Juni 2023 - 2:40 Permanenter Link

    "[...] davon auszugehen, dass die Kritik an WOKE in erster Linie aus der rechtsextremen Ecke kommt oder kam [...]"

    Andreas Edmüller am 6. Juni 2023 - 13:05 Permanenter Link

    Hallo Herr Huber,

    niemand möchte neue wissenschaftliche Disziplinen aus dem Wissenschaftsbetrieb drängen. Es geht der von mir skizzierten Kritik und deren Vertretern um etwas anderes:

    Constantin Huber am 3. Juni 2023 - 2:59 Permanenter Link

    Übrigens: Etwa Michael Shermer wird seit geraumer Zeit wegen ziemlich fragwürdiger Aussagen und Tätigkeiten kritisiert.

    Petra Pausch am 2. Juni 2023 - 8:01 Permanenter Link

    Hallo Herr Huber. Kennen Sie Herrn Schwarz persönlich? Oder weshalb Duzen Sie ihn permanent? Kann es sein, dass es Ihnen an der notwendigen Höflichkeit mangelt?

    Jonas am 2. Juni 2023 - 12:03 Permanenter Link

    @ Petra Pausch "Duzen" ist im Internet die übliche Form. Allgemein gefragt: Sind Sie "Frau hpd-Knigge", dass Sie hier die Benimm-Regeln vorgeben wollen?

    Bernd Kammermeier am 5. Juni 2023 - 13:10 Permanenter Link

    Zitia: ""Duzen" ist im Internet die übliche Form."

    awmrkl am 16. Juni 2023 - 20:31 Permanenter Link

    >"Duzen" ist im Internet die übliche Form<

    David Z am 1. Juni 2023 - 9:07 Permanenter Link

    Lieber Herr Huber,

    Sie fragen:

    Constantin Huber am 1. Juni 2023 - 11:32 Permanenter Link

    Bitte höre auf, den wissenschaftlichen Konsens zu ignorieren. Es gibt mehr als zwei Geschlechter, David.

    David Z am 3. Juni 2023 - 9:09 Permanenter Link

    Lieber Herr Huber, ich bin mir nicht sicher, ob Ihr Kommentar ironisch gemeint ist oder ob Sie Ihn wirklich ernst meinen. Wir können doch nicht in derart verschiedenen Realitäten leben.

    Bernd Kammermeier am 7. Juni 2023 - 14:20 Permanenter Link

    Vielen Dank für die Mühe. Ich bin mir nur sicher, sie ist bei Chr. Huber für die Katz.

    "Ich hoffe, der kleine Einblick in die andere Welt hilft etwas bei der Selbstreflektion."

    terra.libertatis am 26. Mai 2023 - 18:14 Permanenter Link

    Woke wird zu Recht als religiös bezeichnet.

    Siehe zum Beispiel 2SLGBTQ+ (Die neueste Erweiterung des Akkronyms).
    Das 2S steht für:

    Themios am 27. Mai 2023 - 17:50 Permanenter Link

    Nein, "die woken" gehen nicht davon aus und ich finde es ehrlich gesagt ziemlich erschreckend, wie man so dreist eigentlich einfach zu verstehende Konzepte verfälschen kann.

    Themios am 27. Mai 2023 - 17:56 Permanenter Link

    Und zu "Trans People Are Sacred". Das ist eine REAKTION auf die ständigen Angriffe und Bedrohungen von Trans-Menschen.

    Kathrin am 5. Juni 2023 - 9:43 Permanenter Link

    Welche elementaren Menschenrechte konkret werden trans Menschen denn vorenthalten?

    David Z am 6. Juni 2023 - 12:23 Permanenter Link

    "We demand safety for our community. ". Unsere Gesetze gegen Gewaltverbrechen schützen selbstverständlich und völlig zurecht auch Transmenschen.

    Stephan Andreas am 26. Mai 2023 - 18:18 Permanenter Link

    Punkt 4. überzeugt nicht.

    RPGNo1 am 26. Mai 2023 - 19:08 Permanenter Link

    Claire Ainsworth hat ihrem Artikel "Sex redefined" eben NICHT behauptet, dass es "zwei biologische Geschlechter mit einer ganzen Bandbreite an möglichen Variationen dazwischen gibt", wie es seitens

    Rerun am 26. Mai 2023 - 19:33 Permanenter Link

    Puh, da weiß man ja gar nicht, wo man anfangen soll.

    Themios am 28. Mai 2023 - 2:53 Permanenter Link

    Ähm, Redlining und Gerrymandering sind struktureller Rassismus UND belegt.

    David Z am 4. Juni 2023 - 14:09 Permanenter Link

    Nein.

    1. Oben wird von "Strukturellem Rassismus" gesprochen und nicht von "Redlining" oder "Gerrymandering".

    Lars Temme am 7. Juni 2023 - 21:30 Permanenter Link

    "Redlining und Gerrymandering sind struktureller Rassismus UND belegt."

    Myron am 28. Mai 2023 - 6:49 Permanenter Link

    Claire Ainsworth, die Autorin des von Ihnen verlinkten Nature-Artikels, hat auf Nachfrage selbst klargestellt, dass sie mit ihrem Aufsatz "Sex Redefined" keineswegs sagen wollte, dass es mehr als zwei biolog

    David Z am 30. Mai 2023 - 15:28 Permanenter Link

    Lieber Constantin,

    Die Erklärung der Kritik am woke sein kann ich dir erklären.

    Carsten Ramsel am 31. Mai 2023 - 10:31 Permanenter Link

    Vielleicht missverstehe ich Sie, David Z. Was verstehen Sie bzw. was glauben Sie, dass die Woken unter strukturell verstehen?

    David Z am 1. Juni 2023 - 13:17 Permanenter Link

    Ich bin als alter weisser Mann dann doch etwas old-school und nehme Begriffe so auf, wie sie gemeinhin definiert sind.

    Stefan Uttenthaler am 4. Juni 2023 - 15:35 Permanenter Link

    Zur Frage der Zahl der biologischen Geschlechter frage man vielleicht bei Biologen nach:
    https://www.derstandard.at/story/2000137702349/transgender-debatte-die-vier-quellen-der-verwirrung

    Chawans uslon gus am 5. Juni 2023 - 23:49 Permanenter Link

    Aber Herr Huber, wenn er mit dem faschistoiden Vorwurf an die "woken" falsch liegt, dann ist er doch nach dem woken Weltbild selbst einer, weil dort eben alles jeder einer ist, außer klar nach faschistoiden

    Constantin Huber am 26. Mai 2023 - 13:51 Permanenter Link

    Kann es sein, dass die Neue Rechte den Begriff #woke zu etwas Verwerflichem umdichten möchte und Teile der bürgerlichen Mitte sich daran munter beteiligen?

    malte am 26. Mai 2023 - 17:43 Permanenter Link

    Es glaubt wohl niemand, dass Hümmler „zu woke“ eingestellt ist. Es gibt auch so etwas wie Zweckbündnisse.

    Jan Lütje am 26. Mai 2023 - 22:56 Permanenter Link

    "Es gibt auch so etwas wie Zweckbündnisse.

    Jan Lütje am 26. Mai 2023 - 22:39 Permanenter Link

    Nein, das kann nicht sein, denn die Assoziation mit verwerflichen Aspekten haben sich die unterschiedlichen "Woke"-Bewegungen und ihre Aktivisten selbst zuzuschreiben.

    David Z am 30. Mai 2023 - 15:07 Permanenter Link

    "Nur sind pauschale Abwertungen oder Standpunkte wie "es gibt nur zwei Geschlechter" eben nicht mehr zeitgemäß. Das ist neuer wissenschaftlicher Konsens. "

    Stefan Uttenthaler am 4. Juni 2023 - 15:31 Permanenter Link

    Constantin, ich bin weitgehend d'accord, aber es gibt tatsächlich nur zwei biologische Geschlechter. Da gibt's keinen "neuen wissenschaftlichen Konsens".

    Funken am 26. Mai 2023 - 14:07 Permanenter Link

    Danke für diesen Beitrag.
    Jetzt ist der Zeitpunkt, an dem gerade (!) die GWUP standhaft bleiben muss, weiter auf einem universalistischen Menschenbild, auf wissenschaftlicher Prüfbarkeit beharren muss.

    Marc Andreßen am 26. Mai 2023 - 14:17 Permanenter Link

    Ich bin mir nicht sicher, ob diese Zusammenstellung nicht Elemente von Strohmann enthält. „Woke“ nehme ich als Sammelbegriff wahr, um den herum ein Streit entbrannt ist, wer darüber die Deutungshoheit hat.

    terra.libertatis am 26. Mai 2023 - 18:33 Permanenter Link

    Sie sollten sich folgenden Abschnitt im Artikel nocheinmal deutlich zu Gemüte führen:

    Themios am 27. Mai 2023 - 17:38 Permanenter Link

    Schon sehr mutig, als "einigermaßen klare Definition" auf die Ausführungen von James Lindsay, einen rechtsextremen Verschwörungsideologen, zu verweisen, der unter anderem auch die Verschwörungsideologie vom

    Lukasz am 26. Mai 2023 - 14:52 Permanenter Link

    Guter Artikel! Tatsächlich handelt es sich um eine Unterwanderung linker Kontexte durch teils rechte bis rechtsextreme Inhalte.

    terra.libertatis am 26. Mai 2023 - 17:55 Permanenter Link

    Was meinen Sie mit "Unterwanderung linker Kontexte durch teils rechte bis rechtsextreme Inhalte"?

    Lukasz am 28. Mai 2023 - 1:52 Permanenter Link

    Na hab ich doch gesagt.

    Ideen wie der Ethnopluralismus oder die Vorstellung, dass Naturwissenschaft etwas völkisch bedingtes sei, stammen ursprünglich aus dem extrem rechten Umfeld.

    Bernd Kammermeier am 26. Mai 2023 - 15:52 Permanenter Link

    Ich warte auf den Tag, an dem die echte Aufarbeitung dieser schleichenden Religion des Wokismus beginnt.

    David Z am 4. Juni 2023 - 14:48 Permanenter Link

    Ich denke, Sie vermischen hier etwas.

    terra.libertatis am 26. Mai 2023 - 17:45 Permanenter Link

    Eine erstklassige Zusammenfassung von Wokeness.

    Antikonservativling am 26. Mai 2023 - 17:52 Permanenter Link

    Der Artikel ist manipulative Stimmungsmache.

    StefanW am 27. Mai 2023 - 17:26 Permanenter Link

    Fakt ist aber, dass es autoritäre Ausprägungen des Antirassismus gibt und dass Fehlentwicklungen kritisiert werden müssen.

    GWUP-Freund am 26. Mai 2023 - 18:25 Permanenter Link

    Der Beitrag erscheint mir durchaus als gute Grundlage zum Einstieg in eine konstruktive Diskussion zur Thematik Wokeness und ihrer vielfältigen Belange. Viele maßgebliche Punkte werden klar angesprochen.

    Mark am 26. Mai 2023 - 18:50 Permanenter Link

    Die GWUP wird sich selbst zerfleischen und am Ende in die Beutungslosigkeit verschwinden. Selbst die meisten woke Menschen haben keine Ahnung wie man ihre Agenda umsetzen soll.

    David Z am 27. Mai 2023 - 7:59 Permanenter Link

    Im grossen und ganzen eine gute Zusammemfassung, stelllt sie doch klar, dass die Auswüchse des wokismus auf der Radikalisierung linker Ideen beruhen und keine "Übernahme" rechter Ideen darstellt.

    AufmerksamerBeo... am 27. Mai 2023 - 9:45 Permanenter Link

    Letztlich ist es doch nur ein neuer Aufguss von "Teile und herrsche" im Rahmen neoliberaler Ideologien. Wen wundert's, dass der Unfug aus den USA kommt...

    DM am 27. Mai 2023 - 18:24 Permanenter Link

    Ich versuche seit Monaten darauf hinzuweisen, dass es der Glaube an den Bösen Wokismus nichts weiter ist als eine Moral Panic, bei der Leute eins-zu-eins die Argumente rechtsradikaler US Politiker wie Marjorie Taylor

    Myron am 28. Mai 2023 - 6:17 Permanenter Link

    Interessanterweise haben die Autoren der oben zitierten 3. Auflage der bekanntesten Einführung in die kritische Rassentheorie in der in diesem Jahr erschienenen 4.

    Myron am 28. Mai 2023 - 6:38 Permanenter Link

    Es sollte angemerkt werden, dass das Adjektiv "critical" in "Critical Social Justice" im speziellen ideologischen Sinn der "kritischen Theorie" der neomarxistischen Frankfurter Schule (Ho

    Nathalie Mutanen am 28. Mai 2023 - 7:54 Permanenter Link

    wird zeit für den objektiven blickwinkel (sprich mehrere, wie hier) auf die bewegung welche links auffrisst.

    Ben am 30. Mai 2023 - 7:40 Permanenter Link

    Auf den Punkt gebracht. GWUP und Wokeness passen von den Methoden her überhaupt nicht zusammen.

    Peter am 30. Mai 2023 - 11:02 Permanenter Link

    Der neue Vorsitzende der GWUP war zwar ein "Überraschungskandidat", allerdings auch ein langjähriges und relativ prominentes Mitglied. Mit Wokeness hat er überhaupt nichts am Hut.

    A.S. am 30. Mai 2023 - 22:45 Permanenter Link

    Den Spaltern dieser Welt geht es um die eigene Macht.
    Eine universalistische Wissenschaft untergräbt viele derzeit noch existierende Machtstrukturen, insbesondere die Machtstrukturen aller religiösen Führer.

    Bernd Kammermeier am 31. Mai 2023 - 13:10 Permanenter Link

    Genau meine Meinung.

    A.S. am 1. Juni 2023 - 10:47 Permanenter Link

    Danke für Ihre Zustimmung!

    Bernd Kammermeier am 2. Juni 2023 - 13:59 Permanenter Link

    Erneut muss ich sagen: vollste Zustimmung!

    A.S. am 5. Juni 2023 - 12:58 Permanenter Link

    Genau, Herr Kammermeier!

    Jede Tatsachenbehauptung muss sich der Überprüfung stellen! Wo das verwehrt wird, spielt sich Böses bzw. Kriminelles ab.

    David Z am 31. Mai 2023 - 20:37 Permanenter Link

    Grossartiges Beispiel für den woke Wahnsinn gibts grade in UK.

    Flo am 1. Juni 2023 - 17:35 Permanenter Link

    Falsch! Am Film wird nichts geändert. Es gab lediglich die Diskussion, ob die Stelle bei einer für 2024 geplanten Bühnenfassung des Films ausgelassen wird.

    Bernd Kammermeier am 2. Juni 2023 - 14:19 Permanenter Link

    Wo schreibt David Z, dass der Film geändert werden soll? Aber die Bühnenfassung soll geändert werden und da ist schon die Frage erlaubt, warum diese Szene herausfliegen soll, zumal sie - evtl.

    David Z am 2. Juni 2023 - 21:55 Permanenter Link

    Nein, nicht falsch. Ob am Film oder Bühnenstück noch etwas geändert wird, können Sie nicht wissen, da dies eine Aussage über die Zukunft ist. Davon abgesehen ist das hier völlig unerheblich.

    Flo am 1. Juni 2023 - 12:44 Permanenter Link

    Sehr geehrter Herr Schwarz,

    Stefan W. am 1. Juni 2023 - 18:18 Permanenter Link

    Es ist ja richtig, dass der Begriff unterschiedlich benutzt wird. Richtig ist auch, dass sich Rechtsradikale genüßlich über wokes Versteigen hermachen (James Lindsay schätze ich nicht als rechtsradikal ein).

    Dr. Bernhard Weßling am 3. Juni 2023 - 9:34 Permanenter Link

    Ich bedanke mich ausdrücklich für diesen sehr klugen analytischen, sehr zutreffenden Beitrag!

    The Interloper am 3. Juni 2023 - 16:35 Permanenter Link

    Ich bin der Meinung, dass das größte Problem der CSJ / CT Debatte die Frage nach der Tragweite jener Bewegung ist. Denn da scheint das eigentliche Problem im Diskurs zu sein.

    malte am 6. Juni 2023 - 19:10 Permanenter Link

    Das Geraune von "Eliten" und "Unterwanderung" ist natürlich Unsinn und muss wie jede Verschwörungsideologie kritisiert werden. Einen gewissen Einfluss hat die Bewegung aber schon.

    Myron am 3. Juni 2023 - 17:21 Permanenter Link

    In der einen identitären Sozialismus vertretenden Neuen Neuen Linken (= Woke-Bewegung) gelten Wissenschaft und Technologie, und selbst Rationalität und Logik nicht als positive Mittel theoretischen und praktischen For

    15.08.2023

    Alexander von Bismarck Wert der Diplomatie u. Rolle Deutschlands i.
                           "                            Großwetterlage der deutschen Medien 

    2023-08-14 

    zu viel Info zu wenig Zeit Video Dauer  15 min


    Info: https://odysee.com/@Blickwinkel:a/ZvI-zwZ-14.08.2023:c?src=embed



    Weiteres:



    2023-08-14 

    Alexander von Bismarck Wert der Diplomatie u Rolle Deutschlands im Ukraine-Konflikt  Video Dauer 28 min 


    Info: https://odysee.com/@RTDE:e/wert-der-diplomatie-und-rolle-deutschlands-im-ukraine-konflikt-interview-mit-alexander-von-bismarck:e?src=embed



    Weiteres:



    2023-08-14 

    Alexander von Bismarck Großwetterlage der deutschen Medien  Video Dauer 28 min


    Info: https://odysee.com/@RTDE:e/gro%C3%9Fwetterlage-der-deutschen-medien-realpolitik-mit-alexander-von-bismarck:c?src=embed&t=100.279387


    unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält

    15.08.2023

    Russlands asymmetrische Antwort

    seniora.org, 14. August 2023, Von Gilbert Doctorow 14.08.2023 - übernommen von gilbertdoctorow.comRusslands asymmetrische Reaktion auf die jüngsten Pläne der USA und der NATO, noch mehr verheerende militärische Ausrüstung in die Ukraine zu schicken


    Jedes Mal, wenn es in den letzten 18 Monaten so aussah, als würde sich der Krieg in der Ukraine einem Finale nähern, das auf eine Niederlage und Kapitulation Kiews hinausläuft, wurden wir von einer weiteren, von den USA initiierten Eskalation überrascht, die den Charakter des Konflikts verändert und eine neue, langwierige Phase der Kämpfe verspricht.

    Ist die ukrainische Gegenoffensive, die am 4. Juni begann, gescheitert? Immer mehr westliche Mainstream-Medien, darunter auch CNN, haben Berichte veröffentlicht, in denen sie ein Scheitern einräumen. In Washington hat unter den entschlossensten Befürwortern des Landes das "Schwarzer-Peter-Spiel" darum begonnen, wer "die Ukraine verloren" hat.

    Europa ist in mehr als einer Hinsicht ein Rückzugsgebiet. Nicht jeder hier hat von den Verlusten der Ukraine in zwei Monaten verzweifelter Angriffe auf russische Verteidigungsstellungen auf der gesamten 1.000 km langen Front gehört. Gestern Abend sah ich im französischen Fernsehen eine Diskussionsrunde über den Krieg, bei der kein einziger Diskussionsteilnehmer darüber informiert war, dass das Spiel in der Ukraine aus ist. Diese grinsenden Amateure, zumeist Feld-Wald-und-Wiesen-Journalisten, diskutierten über die Kämpfe um die eine oder andere ukrainische Stadt an der Front, deren Namen sie kaum aussprechen konnten, und waren alle davon überzeugt, dass die ukrainischen Streitkräfte die Oberhand haben und auf dem Weg sind, die russische Verteidigungslinie zu durchbrechen, dass sie kurz davor sind, die weniger beeindruckende zweite Verteidigungslinie zu erreichen, und dass sie es sicher bis zum Asowschen Meer schaffen werden, um so das Hauptziel der gesamten Operation zu erreichen   – die russischen Nachschublinien zu unterbrechen und den russischen Widerstand zu brechen. Die ganze Zeit über lächelten diese Kommentatoren breit, als ob der Krieg nur ein Videospiel wäre.

    Aber zum Teufel mit den französischen Propagandisten. In den deutschen Medien haben die Mainstream-Journalisten die Diskussion über den Krieg mit Nachrichten über die Rückschläge der Ukraine und die Unwahrscheinlichkeit, dass sie etwas anderes als die Selbstzerstörung erreichen wird, wenn die Kämpfe weitergehen, gespickt. Zeitgleich mit der Ankündigung, dass Deutschland Langstrecken-Aufklärungsdrohnen an Kiew liefern wird, forderte Bundeskanzler Olaf Scholz die "Fortsetzung" der Friedensverhandlungen. Es ist merkwürdig, dass ihm niemand gesagt hat, dass es heute keine Friedensverhandlungen gibt. Der wichtigste Punkt ist jedoch, dass der Sieg auf dem Schlachtfeld aus dem Berliner Diskurs verschwunden zu sein scheint.

    Nichtsdestotrotz kündigen die Vereinigten Staaten und Großbritannien Tag für Tag neue Mittel für die Lieferung von Militärgütern der verheerendsten Art an die Ukraine an. Abrams-Panzer sind auf dem Weg. Langstreckenraketen mit einer Reichweite von bis zu 500 km könnten bald geliefert werden. In der vergangenen Woche fügte Biden die Genehmigung für weitere 14 Milliarden Dollar an Militärgütern in einen Gesetzentwurf zur Unterstützung von Opfern von Naturkatastrophen ein, d.h. der derzeitigen Katastrophe auf Hawaii und anderswo in den USA. Mit dieser Taktik sollte der zunehmende Widerstand der Republikaner überwunden werden, der Ukraine einen weiteren Cent an Hilfe zukommen zu lassen, wenn diese Hilfe in einem separaten Gesetzentwurf für die Kriegsanstrengungen enthalten gewesen wäre. Die Trommelschläge für die Bereitstellung von F16-Kampfflugzeugen für die Ukraine gehen weiter, und es ist die Rede davon, neue ukrainische Truppen für eine erneute Gegenoffensive im Jahr 2024 vorzubereiten.


    Was machen die Russen also mit den neuen Waffen, die auf dem Weg in die Ukraine sind?

    Ein Artikel, der in den sozialen Medien Russlands gepostet und vom führenden Nachrichtenportal Dzen, einer ehemaligen Tochtergesellschaft von Yandex, veröffentlicht wurde, gibt uns einen guten Einblick in die russischen Gegenmaßnahmen, die sonst in der täglichen westlichen Berichterstattung über den Krieg untergehen. Wir hören von Luftangriffswarnungen über der Ukraine, die vor einem Tag erfolgten, aber es gibt keine Erklärung dafür. Wir hören von einem russischen Raketenangriff, bei dem eine junge ukrainische Familie getötet wurde, aber uns wird gesagt, dies sei nur ein Teil der russischen Angriffe auf Zivilisten.


    Der Artikel auf "Интересная жизнь с Vera Star" gibt dem Ganzen einen Sinn.

    Siehe: https://dzen.ru/a/ZNjKGWUcVjdoVNmI


    Erstens standen diese Luftschutzsirenen in der gesamten Ukraine im Zusammenhang mit dem systematischen russischen Bombardement aller noch funktionierenden ukrainischen Flughäfen, von denen aus die SU-24 und SU-27 der ukrainischen Luftwaffe operieren können. Diese Flugzeuge sind in der Lage, Storm Shadow und andere Langstreckenraketen zu tragen und abzufeuern, die von Großbritannien und Frankreich geliefert wurden und die deutsche Raketen tragen können, falls Berlin beschließt, sein früheres Angebot für solches Material wahrzunehmen.

    Zweitens wird berichtet, dass die Russen gerade Hyperschallraketen vom Typ Kinzhal eingesetzt haben, um die Eisenbahntunnel unter den Karpaten zu zerstören, die die Hauptversorgungsroute für westliche Militärgüter aus Polen und Rumänien darstellen. Lange Zeit wurde in der russischen Militärführung darüber diskutiert, ob es zulässig sei, diese angeblich zivile Infrastruktur anzugreifen. Angesichts der jüngsten Pläne der USA und der NATO, die Anforderungen an die von ihnen an die Ukraine gelieferte Angriffsausrüstung zu erhöhen, wurde die Entscheidung jedoch getroffen, dies zu tun. Wie die Russen argumentieren, wird zivile Infrastruktur, die militärischen Zielen dient, automatisch zu einem legalen Ziel für sie.


    Nach russischem Kalkül haben sie damit die jüngsten westlichen Pläne zur Verlängerung des Krieges zunichte gemacht.


    Quelle: https://gilbertdoctorow.com/
    Mit freundlicher Genehmigung von Gilbert Doctorow
    Die Übersetzung besorgte Andreas Mylaeus


    Info: https://seniora.org/politik-wirtschaft/russlands-asymmetrische-antwort


    unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält

    15.08.2023

    Phänomen Oliver Anthony: Ein US-Musiker findet die richtigen Worte, zum Leid der woken Presse

    freedert.online, vom 14 Aug. 2023 17:57 Uhr

    US-Countrysänger Anthony trifft mit seinem Lied "Rich Men North of Richmond" direkt ins Herz Millionen enttäuschter und resignierter US-Amerikaner. Themen darin: Ausbeutung, Kontrolle und die Scheinheiligkeit der Regierung. Der "Rolling Stone" bezeichnet den viralen Hit als "Right Wing Country Song".


    Phänomen Oliver Anthony: Ein US-Musiker findet die richtigen Worte, zum Leid der woken Presse© Screenshot: YT-radiowv


    Oliver Anthony spricht Millionen von US-Bürgern und Arbeitern anscheinend aus dem Herzen.



    Oliver Anthony, ein ehemaliger Fabrikarbeiter, hat noch keine LP oder CD auf dem Markt. Er war bis vor wenigen Tagen einer von vielen privaten unbekannten Country- und Bluesgrass-Sängern, wohnhaft in Farmville im US-Bundesstaat Virginia. Anfang August veröffentlichte Anthony dann seinen regierungskritischen Song: "Rich Men North of Richmond" auf Musikplattformen und in den sozialen Medien. Das "North of Richmond" der reichen Männer bezieht sich auf das nördlich der Stadt Richmond gelegene Washington, Ort und Regierungssitz der amtierenden Biden-Harris-Regierung.

    Die unverkennbare, in US-Tradition tiefverwurzelte Bluegrass-Melodie, er begleitet sich rein auf einer Resonatorgitarre, eine Art elektronisch verstärktes Banjo, traf unvermittelt in die Herzen einer stetig wachsenden Hörerschaft. Das YouTube-Video hatte nach fünf Tagen bereits über 8,6 Millionen Klicks.


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    Der unmissverständliche Text berührte die Menschen dermaßen, dass innerhalb weniger Tage eine US-weite Hymne entstand, die auch mittlerweile in Europa ihren Lauf aufnimmt. Linke "woke" Medien schweigen zum Thema oder erkennen dabei lediglich die Begeisterung von sogenannten rechtskonservativen (right-wing) Fans, decodiert also von Trump-Anhängern. Der Inhalt, die Aussage des Liedes, ist dann vollkommen nebensächlich, wenn die vermeintlich "falschen Fans" größeres Gefallen finden. So heißt es einleitend im Lied, für immer mehr Amerikaner die nüchterne Alltagsrealität seit Beginn der Biden-Harris-Regierungszeit spiegelnd:

    "Ich verkaufe meine Seele, arbeite den ganzen Tag
    Überstunden für beschissene Bezahlung
    Damit ich hier draußen sitzen und mein Leben verschwenden kann
    Nach Hause schleppen und meine Sorgen ertränken

    Es ist eine verdammte Schande, was aus der Welt geworden ist
    Für Leute wie mich und Leute wie dich
    Ich wünschte, ich könnte einfach aufwachen und es wäre nicht wahr
    Aber es ist, oh, es ist ..."

    Anthony steht bei seinem improvisierten Video alleine mit seiner Gitarre auf einer Wiese, nur umgeben von der Natur und seinen drei Hunden. Kari Ann Lake, eine US-amerikanische Fernsehjournalistin und republikanische Politikerin, kommentiert auf X/Twitter:

    "Ich kann mir Oliver Anthonys 'Rich Men North of Richmond' nicht anhören, ohne eine Gänsehaut zu bekommen. Es ist roh, es ist wahr, und es berührt die Herzen von Männern und Frauen in dieser großartigen Nation. Vielen Dank Oliver Anthony für das Schreiben der Hymne dieses Moments in der amerikanischen Geschichte."

    Genau solch eine Wahrnehmung missfällt anscheinend dem US-Musikmagazin Rolling Stone, um den Titel des dazugehörigen Artikels mit der Feststellung zu schmücken: "'Right-Wing'-Influencer haben gerade ihren neuen Lieblingssong gefunden." Laut dem Artikel müssen sich diese Bezeichnung der Countrysänger John Rich, der Kommentator und ehemalige US-Secret-Service-Angestellte Dan Bongino sowie der Daily-Wire-Kolumnist Matt Walsh gefallen lassen. Als ein weiterer unmissverständlicher Fan des Liedes gilt auch der einflussreiche Podcaster Joe Rogan, der in der Corona-Krise als einer der wenigen eindeutigen kritischen Stimmen in den USA wahrzunehmen war. 

    Weiter heißt es in dem Lied von Anthony:

    "Leben in der Neuen Welt
    Mit einer alten Seele
    Diese reichen Männer nördlich von Richmond
    Gott weiß, sie wollen alle nur die totale Kontrolle, wollen wissen, was du denkst, wollen wissen, was du tust
    Und sie glauben nicht, dass du es weißt, aber ich weiß, dass du es weißt
    Denn dein Dollar ist ein Scheiß und wird ohne Ende besteuert
    Wegen der reichen Männer nördlich von Richmond ..."

    Matt Walsh begründet auf X/Twitter seine Begeisterung mit den Worten:

    "Der Hauptgrund, warum dieses Lied bei so vielen Menschen Anklang findet, ist nicht politischer Natur. Es ist, weil der Song roh und authentisch ist. Wir werden von Künstlichkeit erstickt."

    Zu Anthonys Motivation, den Song zu schreiben, heißt es im Billboard-Magazin, den Musiker zitierend:

    "Für viele Menschen lief es nicht gut, und in gewisser Hinsicht war ich einer von ihnen. Ich hatte viele Nächte damit verschwendet, high zu werden und mich zu betrinken, und ich war an einem Punkt in meinem Leben angelangt, an dem selbst Dinge, die mir wichtig waren, mir nichts mehr bedeuteten. Das ist sicherlich keine Dr. Phil-Folge [eine amerikanische Talkshow, die von Oprah Winfrey und dem Moderator Phil McGraw ins Leben gerufen wurde], aber ich habe in der Musik ein Ventil gefunden. Ich habe angefangen, ein paar Songs hochzuladen."

    Der Verweis auf Fernsehsuperstar Oprah Winfrey, eine der einflussreichsten Größen der US-Celebrity-Welt, kann als beabsichtigt von Anthony gewertet werden, da in seinem Lied auch ein eindeutiger Verweis auf das ungeklärte Dasein des Jeffrey Epstein erfolgt, der auf breiter Ebene seine perversen Sex-Dienste auch diesem Milieu offerierte:

    "Ich wünschte, die Politiker würden sich um die Bergleute kümmern
    Und nicht nur um Minderjährige auf einer Insel irgendwo [eine Anspielung auf Epsteins Karibik-Insel Little St. James] 
    Gott, wir haben Leute auf der Straße, die nichts zu essen haben
    Und die Fettleibigen, die Sozialhilfe beziehen
    Nun, Gott, wenn du 1,80 Meter groß bist und 300 Pfund wiegst
    Die Steuern sollten nicht für deine Tüten mit Karamellbonbons gezahlt werden
    Junge Männer versenken sich selbst zwei Meter unter die Erde
    Denn alles, was dieses verdammte Land tut, ist, sie immer wieder runterzutreten ..."

    Der Rolling Stone moniert abwertend: "In "Rich Men North of Richmond" schimpft ein singender Farmer in Virginia über hohe Steuern und fettleibige Sozialhilfeempfänger und scheint sogar auf Jeffrey Epstein anzuspielen." Das Lied erreichte mittlerweile Platz eins der US-iTunes-Charts.

    Klassische US-Medien, wie die New York Times, die Washington Post oder der US-Sender CNN, bei einem ähnlichen Ereignis aus der "woken" Kulturszene stets umgehend federführend berichtend, negieren bis dato komplett den landesweiten Erfolg des regierungskritischen Liedes von Oliver Anthony. "Rich Men North of Richmond" wiederum wird sehr wohl auch in der schwarzen, sogenannten PoC (People of Colour)-Musikszene entdeckt und respektiert:

    @oliver_anthony_music_ rich men north of rich men is ????! So much soul and heart. Had to put my spin on it.???????????????????? What is y’all favorite line? ???????? like, comment, share follow @themarinerapper ???????? war baby album now on iTunes #themarinerapper#oliveranthonypic.twitter.com/5zp2yBtoaY

    — The Marine Rapper (@TheMarineRapper) August 14, 2023

    Mehr zum ThemaCNN-Umfrage: Mehrheit der US-Bürger lehnt Ukraine-Unterstützung ab

    Durch die Sperrung von RT zielt die EU darauf ab, eine kritische, nicht prowestliche Informationsquelle zum Schweigen zu bringen. Und dies nicht nur hinsichtlich des Ukraine-Kriegs. Der Zugang zu unserer Website wurde erschwert, mehrere Soziale Medien haben unsere Accounts blockiert. Es liegt nun an uns allen, ob in Deutschland und der EU auch weiterhin ein Journalismus jenseits der Mainstream-Narrative betrieben werden kann. Wenn Euch unsere Artikel gefallen, teilt sie gern überall, wo Ihr aktiv seid. Das ist möglich, denn die EU hat weder unsere Arbeit noch das Lesen und Teilen unserer Artikel verboten. Anmerkung: Allerdings hat Österreich mit der Änderung des "Audiovisuellen Mediendienst-Gesetzes" am 13. April diesbezüglich eine Änderung eingeführt, die möglicherweise auch Privatpersonen betrifft. Deswegen bitten wir Euch bis zur Klärung des Sachverhalts, in Österreich unsere Beiträge vorerst nicht in den Sozialen Medien zu teilen.

    Info: https://freedert.online/gesellschaft/177831-phaenomen-oliver-anthony-us-musiker


    unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält

    14.08.2023

    Schiersteiner Brücke: Wir haben herzlich gelacht

    freedert.online, 14 Aug. 2023 18:51 Uhr, Von Gert Ewen Ungar

    Die Meldung, in Deutschland sei nach 10 Jahren Bauzeit eine 1,2 Kilometer lange Brücke über den Rhein eröffnet worden, sorgte bei uns für Amüsement. Unabhängig vom Lacher wird jedoch eine Tatsache erkennbar: Deutschland hat ein systemisches Problem, hat das aber bisher noch nicht begriffen.


    Quelle: www.globallookpress.com © Andreas Arnold


    Baustelle Schiersteiner Brücke.


    Ich saß auf dem Sofa, hielt mein Tablet in der Hand, las die nächste Meldung und prustete los. Pawel, der neben mir saß, sah mich fragend an. Ich übersetzte ins Russische. In Deutschland war heute nach zehn Jahren Bauzeit eine Brücke mit einer Länge von satten 1,2 Kilometern feierlich eröffnet worden. Jetzt lachten wir beide laut und herzlich. Es wurde der Lacher des Abends.

    Zehn Jahre Bauzeit für eine 1,2 Kilometer lange Brücke über den Rhein? Das konnte nur in Deutschland passieren. Gekostet hat das Wunder der Langsamkeit 250 Millionen Euro und wurde damit um 34 Millionen teurer als geplant. 


    Nun ist es nicht das erste Mal, dass Deutschland mit einem derartigen Lacher aufwartet. 16 Jahre Bauzeit für ein Konzerthaus, 20 Jahre für einen Flughafen. Das umstrittene Bahnprojekt Stuttgart 21 heißt so, weil es 2021 fertiggestellt werden sollte. Inzwischen ist von einer Fertigstellung bis Ende 2025 die Rede. Bei allen Projekten explodieren die Kosten. Dabei sind das nur die großen und bekannten Projekte.


    Warum die Deutschen keine Angst haben, sondern in Panik ausbrechen sollten: Habeck im Interview




    Meinung

    Warum die Deutschen keine Angst haben, sondern in Panik ausbrechen sollten: Habeck im Interview





    Als ich noch in Berlin wohnte, wurde die durch Neukölln führende Karl-Marx-Straße erneuert. Die Fahrbahnerneuerung auf zwei Kilometern war auf zwölf Jahre angelegt, was sich allerdings als zeitlich zu knapp bemessen herausstellte. Statt Ende 2021 sollen die Arbeiten nun voraussichtlich zum Ende des Jahres 2024 abgeschlossen werden. Noch mal zum besseren Verständnis: Zwölf Jahre geplante Bauzeit für die Erneuerung von zwei Kilometern Fahrbahn. Wow!

    Wem es bis hierhin noch nicht aufgefallen sein sollte: Deutschland hat ein systemisches Problem, denn das sind eben keine Einzelfälle. Was in Deutschland passiert, ist nicht normal. Es ist auch kein Zeichen deutscher Gründlichkeit. Es lässt sich nicht schönreden. Es ist einfach und ganz schlicht absolut irre.


    An Ausreden für die desolaten Zustände ist kein Mangel. Mal ist die Bürokratie schuld, mal die wirtschaftliche Situation, mal dies, mal jenes. Allerdings gibt es all diese Faktoren in anderen Ländern auch und es kommt dennoch nicht zu diesen absurden Zuständen, die schon den Bau einer Autobahnbrücke in den Bereich des nicht Machbaren rücken. Wie will man da die großen Projekte wie die Energiewende stemmen? Unter den aktuellen Gegebenheiten in Deutschland braucht es keine seherischen Fähigkeiten, um vorherzusagen, dass dieses Projekt gründlich schiefgehen wird. Deutschland ist in seinem aktuellen Zustand zur Umsetzung nicht in der Lage.


    Richtung Abgrund – Bundesregierung unterschätzt Abwärtsdynamik





    Richtung Abgrund – Bundesregierung unterschätzt Abwärtsdynamik






    Zum Vergleich mit dem in Deutschland so viel geschmähten Russland: Mit der Eingliederung der Krim wurde der Plan wieder aufgenommen, die Krim durch eine Brücke mit der Region Krasnodar zu verbinden. Eine Kombination aus Eisenbahn- und Autobrücke sollte die Krim besser anbinden und ihre Versorgung sicherstellen. Die Länge der Brücke beträgt 19 km, ihre Bauzeit: vier Jahre. Die Krim-Brücke ist dabei übrigens keine Ausnahme von der russischen Regel. Es wird hier schnell gebaut und Russland hält mit der technologischen Entwicklung nicht nur Schritt, sondern treibt sie voran. Die Digitalisierung ist hier kein mit Problemen behaftetes Thema. Sie wird einfach auf allen Ebenen umgesetzt. Man hat hier in der Regel Glasfaser.


    Das größte Problem, das Deutschland in diesem Kontext hat, ist, dass es gar nicht versteht, dass es ein Problem hat. Probleme, Optimierungsmöglichkeiten und Defizite sieht man in Deutschland immer nur in anderen Ländern und Regionen, nie bei sich selbst. Diese recht unangenehme Charaktereigenschaft wird Deutschland langsam selbst zum Fallstrick, denn der von Arroganz getragene Habitus verhindert schon die Kenntnisnahme der heimischen Defizite. Lösungen rücken unter diesen Umständen in ganz weite Ferne.


    Insbesondere in Westdeutschland fühlt man sich anderen Ländern und Regionen, auch und gerade Russland, haushoch überlegen. Es kursieren in den sozialen Netzwerken Fakes über ein vermeintlich völlig unterentwickeltes Russland, die mit der Realität nichts zu tun haben, die aber den Geist zeigen, mit dem viele Deutsche auf die russische Föderation blicken.


    Die Demokratie der Guten






    Meinung

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    Man möchte sich überlegen und herrenmenschlich fühlen. In der realen Welt gibt es für dieses Gefühl einer Überlegenheit jedoch wenig Anlass. Im Gegenteil haben sich die Verhältnisse in vielen Bereichen längst umgekehrt. Das betrifft die Geschwindigkeit beim Ausbau der Infrastruktur ebenso wie die Bereiche Wohnungsbau und die schon genannte Digitalisierung. Und es betrifft eben nicht nur die Regionen Moskau und Sankt Petersburg. 


    Es liegt daher im Eigeninteresse Deutschlands, zu einer realistischen Einschätzung der tatsächlichen Gegebenheiten zu kommen, und die deuten darauf hin, dass Deutschland den Anschluss bereits verloren hat. Das Land ist längst dysfunktional. Wenn ein Land für 1,2 Kilometer Autobahnbrücke zehn Jahre braucht, dann stimmt etwas im Grundsatz nicht.  


    Statt darauf zu drängen, in anderen Ländern ein deutsches Wertesystem zu implementieren, zu belehren und sich in moralischer Hybris zu suhlen, stünde Deutschland eine neue Bescheidenheit gut zu Gesicht, denn Deutschland ist schon längst nicht mehr das, wofür es sich selbst noch immer hält: eine innovative Wirtschaftsmacht, an deren Standard sich die Welt orientiert.


    Deutschland ist rückständig und in vielen Bereichen unterentwickelt.


    Statt den Fokus nach außen zu richten, wäre es notwendig, die Dysfunktionalitäten im Innern überhaupt erst einmal verstehen zu lernen, um sie schließlich beheben zu können. Doch davon sind die politischen Eliten weit entfernt und viele Deutsche eben auch. Man tritt noch immer mit einem Gestus auf, der schon längst nicht mehr angemessen ist. Für einen Brückenbau braucht man keine zehn Jahre und die Digitalisierung darf in einem Land, das sich zur Weltspitze zählt, nicht zum politischen Spielball und zu einer Frage der Kosten werden. Weil aber beides der Fall ist, ist Deutschland schon den Fakten nach längst nicht mehr da, wo es sich selbst immer noch glaubt: an der Spitze.


    Mehr zum Thema – Vorwurf der dubiosen Finanzierung von LNG-Terminals vor Rügen


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    Info: https://freedert.online/meinung/177863-schiersteiner-bruecke-wir-haben-herzlich


    unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält

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