14.03.2022

KriegsgefahrAtomwaffenfähige US-Raketenbasis in Polen fertiggestellt

anti-spiegel.ru, 14. März 2022 03:07 Uhr

Die USA haben in Polen eine Raketenbasis fertiggestellt, die in der Lage ist, Russland mit Atomraketen anzugreifen.


Zitat: In den Medien wird immer ganz brav von der US-Raketenabwehr berichtet, die in Rumänien bereits im Dienst ist, und die nun auch in Polen in Dienst gestellt werden soll. „Raketenabwehr“ klingt schön harmlos und die Medien vergessen immer, ihren Lesern auch zu erzählen, dass die „Abwehr“ problemlos zum Angriff genutzt werden kann.


Der Grund sind die verwendeten Startrampen vom Typ Mk-41, oder „Aegis-Ashore“, denn die sind universell einsetzbar. Dabei handelt es sich nämlich um die Aegis-Startrampen, die auf US-Kriegsschiffen installiert sind, um Tomahawk-Marschflugkörper abzufeuern. Die wurden in Polen und Rumänien einfach an Land aufgestellt und sie können sowohl die Abwehrraketen abfeuern, als auch Tomahawk-Marschflugkörper, die mit 150-Kilotonnen-Atombomben bestückt werden können, mehr Details finden Sie hier.


Das ist brandgefährlich, denn so kann es zu einem Atomkrieg aus versehen kommen. Russland weiß nämlich im Falle eines Raketenabschusses von dort nicht, ob da eine Abwehrrakete gestartet wurde, oder ob gerade eine Atomrakete in Richtung Russland fliegt.


Hinzu kommt, dass die „Raketenabwehr“ gegen die NATO-Russland-Grundakte verstößt, in der die NATO sich verpflichtet hat, keine Soldaten dauerhaft in Osteuropa zu stationieren. Dagegen verstößt die NATO schon seit vielen Jahren, aber da die „Qualitätsmedien“ das nicht berichten, können westliche Mediennutzer nicht verstehen, warum Russland sich bedroht fühlen könnte.

Ich habe die TASS-Meldung über die Fertigstellung der Basis in Polen übersetzt.


Beginn der Übersetzung:

Pentagon stellt Raketenabwehrbasis in Polen fertig

Jetzt finden dort Montagearbeiten und der Einbau der Ausrüstung statt.

Das US-Verteidigungsministerium hat alle Bauarbeiten an der Aegis-Ashore-Raketenabwehrbasis in der Nähe von Redzikowo, Polen, abgeschlossen und ist nun dabei, die Ausrüstung einzubauen. Die Ankündigung erfolgte am Mittwoch durch Vizeadmiral John Hill, Direktor der Agentur für Raketenabwehr, auf einer von der Beratungsfirma McAleese and Associates in Washington veranstalteten Konferenz über Verteidigungsprogramme.


„Das US Army Corps of Engineers hat uns geholfen, alles fertig zu stellen“, wurde Hill von der US-Wochenzeitung Defence News zitiert. „Die Ausrüstung ist bereits installiert und es müssen nur noch alle Systeme angeschlossen werden, bevor wir mit den Tests beginnen. Das sind alles Innenarbeiten.“


Wie Defence News berichtet, gab der Vizeadmiral nicht an, wann der Stützpunkt in Polen in Betrieb genommen werden soll, aber die Raketenabwehr-Agentur hatte zuvor angedeutet, dass das im Jahr 2022 geschehen könnte. Bereits im Mai letzten Jahres wurden vier SPY-1D(V)-Radarstationen und ein Feuerleitsystem an den Standort geliefert. Ursprünglich sollten die Bauarbeiten 2018 abgeschlossen werden, die Fertigstellung wurde dann aber aufgrund von Schwierigkeiten mit einer örtlichen Baufirma mehrfach verschoben. „Wenn man in einem Land wie Polen Aufträge für den Bau von Militäreinrichtungen vergibt, hat man nicht die volle Kontrolle über den Prozess“, erklärte Hill die Ursachen für die Terminverschiebungen.


Der Stützpunkt Redzikowo ist der zweite US-Raketenabwehrstandort im Rahmen der Realisierung des Stufenplans für ein europäisches Raketenabwehrsystem. Der erste US-Stützpunkt wurde in Deveselu, Rumänien, errichtet, und die Abfangraketen wurden im Mai 2016 in Die(n)st gestellt. Die Aegis-Ashore-Systeme verwenden Standard Missile-3-Raketenabwehrsysteme, mit denen auch eine Reihe von Kriegsschiffen der US-Marine ausgerüstet sind.


Das Pentagon hat beim US-Kongress für das Haushaltsjahr 2022 (Beginn am 1. Oktober 2021) 20,4 Milliarden Dollar für die weitere Schaffung und Stationierung verschiedener Elemente von Raketenabwehrsystemen beantragt, darunter 43,2 Millionen Dollar für die Modernisierung der Basis in Rumänien und den Abschluss der Bauarbeiten in Polen. Im vergangenen Haushaltsjahr beantragte die Raketenabwehr-Agentur zusätzliche 96 Millionen Dollar für die Redzikovo-Anlage.

Das russische Außenministerium hat wiederholt erklärt, dass die Stationierung von Aegis-Ashore-Systemen in osteuropäischen Ländern eine Verletzung der Verpflichtungen Washingtons darstellt. Russischen Experten zufolge sind die MK41-Vertikalraketen dieser Systeme in der Lage, nicht nur Abwehrraketen, sondern auch Tomahawk-Marschflugkörper abzuschießen.

Ende der Übersetzung


Info: https://www.anti-spiegel.ru/2022/atomwaffenfaehige-us-raketenbasis-in-polen-fertiggestellt

14.03.2022

Serbiens Präsident gegen NATO-Beitritt: Können die Aggression von 1999 nicht vergessen

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Aleksandar Vučić mit der deutschen Außenministerin Annalena Baerbock im März 2022 in Belgrad


rt.de, 14 Mär. 2022 12:56 Uhr

Soll Serbien der NATO beitreten? Nein, findet der serbische Präsident Aleksandar Vučić. Man wolle das eigene Land selbst schützen. Vučić erinnerte an den Angriff der NATO auf Jugoslawien vor 23 Jahren. Man werde die Opfer nicht vergessen.


Während einer Wahlkundgebung in Belgrad äußerte sich der serbische Präsident Aleksandar Vučić am vergangenen Samstag in Bezug auf einen möglichen NATO-Beitritt seines Landes.

"Einige sagen, dass wir der NATO beitreten sollten, und unsere Antwort ist, dass wir denken, wir sollten das Land selbst schützen. Denn wir haben unsere Armee, die unser Land und seinen Luftraum verteidigt."

In Bezug auf das Nordatlantische Bündnis wies der Präsident in seiner Rede darauf hin, dass eine Zusammenarbeit zwar immer gut sei und es auch gut sei zu vergeben.

"Aber wir können nicht vergessen", sagte er. "Kein einziges der Kinder, keinen der Soldaten und Zivilisten, die damals getötet wurden. Sie können nicht aus dem Gedächtnis des serbischen Volkes gelöscht werden."

Anschließend nannte er die Namen der Kinder, die während der Bombardierungen Jugoslawiens 1999 durch die NATO getötet wurden.


"Bald werden wir den Jahrestag der Aggression begehen. Und wir werden nicht zögern, das als Aggression zu bezeichnen und nicht 'Intervention' oder 'Kampagne'", sagte der Präsident. Ebenso bekräftigte Vučić, dass er in Kontakt "mit den Führern der Welt" stehe, um ihnen "auf rationale Weise verständlich zu machen, wie wichtig Frieden ist. Ich hoffe, dass jeder das versteht".


Am 24. März jährt sich zum 23. Mal der Beginn der NATO-Bombardierung Jugoslawiens. Streitkräfte der Allianz griffen ohne UN-Zustimmung in den Konflikt um die Unabhängigkeit der serbischen Provinz Kosovo ein.


Der damalige US-Präsident Bill Clinton kündigte in einer Rede am 24. März 1999 den Beginn der Angriffe auf Jugoslawien an und begründete dies als "eine humanitäre Intervention", um "die brutale Unterdrückung" der albanischen Mehrheit in der serbischen Provinz Kosovo durch die jugoslawischen Streitkräfte zu beenden.


Die Bombardierungen dauerten vom 24. März bis zum 11. Juni 1999 an. Während dieser 78 Tage lancierte die NATO rund 2.300 Raketen gegen 990 Ziele und warf 14.000 Bomben auf jugoslawischem Territorium ab. Allein in der Hauptstadt Belgrad fielen 212 Bomben. Außerdem wurden zwischen 10 und 15 Tonnen abgereichertes Uran freigesetzt, was eine Umweltkatastrophe verursachte und die Zahl der Krebserkrankungen verfünffachte.


Diese zweieinhalb Monate unerbittlicher Luftangriffe forderten das Leben von mehr als 2.000 Zivilisten, darunter 88 Kinder, und hinterließen 6.000 Verwundete.



Mehr zum Thema - Vučić: Ukraine soll NATO-Aggression gegen Serbien verurteilen


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Info: https://rtde.site/europa/133806-wir-konnen-nato-aggression-nicht


unser Kommentar: Die Geschichte der Brandstiftung.

14.03.2022

Leserbrief mit Innenansichten aus der russischsprachigen Ukraine

Fefe, 2022-03-14


"Meine Frau ist sowjetisch geborene Russin, in historisch russischem Gebiet, die 1991 plötzlich aufwachte und einen ukrainischen Pass an der Backe hatte. Ungewollt, aber so waren die Realitäten.


     Melitopol, südliche Ukraine.


Wenn ihr euch das mal auf der Karte angucken wollt: Das ist 100km von der Krim entfernt, 150km in die andere Richtung ist Mariupol, wovon man gerade viel in den Nachrichten gehört hat.


     Ich war schon sehr oft dort, spreche inzwischen auch fließend russisch.


     Die (Sowjet-) Menschen dort "träumten" 30 Jahre von ihrer Wiedervereinigung - die just Realität geworden ist.


     Die Chance auf Unabhängigkeit hatte die Ukraine tatsächlich während der ersten Kriegstage. Aber nachdem diese Gebiete mit russischem Blut befreit werden mussten, wird es für den Süden kein zurück in die Ukraine mehr geben; ich gehe von einer Dreiteilung aus (westlich Urkaine, Mitte neutrales Gebiet, Süd-Osten zuerst neutral aber früher oder später zu Russland)


     Die Landverbindung zur Krim, die Wasserversorgung der Krim - das wird Russland niemals wieder aufgeben. Zumal die Bewohner dort ja auch nicht wirklich Anti-Russisch sind, und die wirtschaftliche Realität während der ukrainischen Zeit dort krass hoffnungslos war. Kurz: Die

südlichen Gebiete sind für die Ukraine verloren.


     Nebenbei, da die Tochter, Eltern & Geschwister meiner Frau dort noch leben: Der Bürgermeister von Melitopol wurde inzwischen abgeholt, weil er nachweislich mit Nazis zusammengearbeitet hatte (Denazifizierung), und durch einen Nachfolger aus dem Donbas ersetzt. Die Polizei wurde ausgetauscht, die neuen Hilfstruppen kommen ebenfalls aus dem Donbas, und nach acht Jahren Beschuss fackeln die nicht lange mit ukrainischen Protestlern. "Westliche" Dienste wie Vodafone haben ihre Dienste eingestellt, es gibt plötzlich russisches TV, russische Produkte. Die ukrainische Zeit ist nach 14 Tagen bereits nur noch eine (dunkle) Erinnerung.


     Spannend bleibt einzig der Status von Odessa - die Stadt spricht zu 90% russisch, ist aber eine schöngeistige Metropole mit ukrainischer Kreativität. Mein Frau und ich hatten uns eigentlich bereits vor geraumer Zeit darauf geeinigt, dort eine Wohnung zu kaufen und als Rentner (in ca. zehn Jahren) dort zu leben, trotz ukrainischer Besatzung. Weil es halt russische Welt war. Ich glaube kaum, dass die Ukraine die Stadt wird behalten können, weil einfach zu viel passiert

ist -  das wirst du vielleicht nicht wissen, aber es gab dort vor acht Jahren schlimme Progrome seitens der Ukrops - da haben die Russen alleine schon deshalb eine moralische Verpflichtung, dort eine Schutzzone einzurichten.


     Meine 2 Cents:


     Putin wird das nun bis zum Ende durchziehen. Die ukrainische Armee ist bereits besiegt, 80% sind zerschlagen, es geht Munition und Treibstoff aus. Und der kampfstarke Teil der ukrainischen Armee steht direkt vor der Einkesselung, und mangels Treibstoff kann er nicht einmal

flüchten. Warum sollte Putin sich in dieser Situation auf einen Kompromiss einigen - zumal er den Westen komplett bei den Eiern hat.


     Energie ist eine Nebensächlichkeit, aber denke mal an die Hungersnot (Weizen, Düngemittel) und die damit verursachten Migrationsbewegungen - wir blenden das aktuell noch komplett aus, was da auf uns zukommt.


     Oder das z.B. Halbleiter und Chips Materialien benötigen, die zu 80% aus Russland kommen und praktisch nicht ersetzt werden können - warum sollte Russland weiter an unfreundliche Staaten liefern, wenn es von dort sanktioniert wird?


     Diese ganze Sanktionsnummer ist entweder einfach nur großes Kino, oder wird uns komplett vor die Füße fallen. So wie es aussieht, steuert es gerade auf einen finalen Konflikt zu, der uns -und nicht Russland- in den Abgrund ziehen wird. Sicher, das Leben geht weiter, irgendwie. Aber

das fette und satte Europa, das wird Vergangenheit sein. Wohl zurecht."


Ich weiß ja nicht, wie ihr das seht, aber das deckt sich ja mal überhaupt nicht mit der Darstellung der militärischen Effektivität der russischen Invasion aus den Medien hier."


Info: https://blog.fefe.de/?css=fefe.css

14.03.2022

Der Krieg ist die Stunde der falschen Erzählungen

infosperber.ch, 14. 03.2022, Leo Ensel

Kriegszeiten sind Zeiten der Demagogie. Das gilt auch für den russischen Krieg gegen die Ukraine. Und zwar für alle Seiten.


Zitat: Nicht umsonst lautet ein bekanntes Sprichwort: „Das erste Opfer in einem Krieg ist immer die Wahrheit!“ Kriegszeiten sind Zeiten der Desinformation, der falschen Erzählungen, der verdrehten Worte, aus denen sich propagandistisches und politisches Kapital schlagen lässt. Vulgo: Zeiten der Lüge. Und zwar auf allen Seiten.


Genozid“

Kommen wir zunächst zur Seite des Aggressors. Hier fährt Präsident Putin die härtesten politischen Geschütze auf, die die russische Propaganda im Angebot hat. Im Donbass soll angeblich ein „Genozid“ an der dortigen russischen oder mit Russland sympathisierenden Bevölkerung – ja, was eigentlich? – beendet oder wenigstens verhindert werden. Ziel des „Militäroperation“ genannten russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine ist es, laut Putin, diese zu „Entnazifizieren und Entmilitarisieren“.


An diesen Formulierungen stimmt am ehesten noch das letzte Wort. Ansonsten ist alles falsch!

Leider muss man dem russischen Präsidenten gegenüber einräumen, dass zumindest der Missbrauch des Wortes „Genozid“ durchaus nicht auf seinem Mist gewachsen ist. Der Westen hat ihm auch hier – wie bei seiner gesamten „Regime Change-Operation“ in der Ukraine – bereits vor Jahrzehnten eine Steilvorlage geliefert: im unsäglichen Auschwitzvergleich, mit dem der damalige deutsche Aussenminister Joschka Fischer seiner Partei, den Grünen, im Frühjahr 1999 den völkerrechtswidrigen Angriffskrieg der Nato gegen die Bundesrepublik Jugoslawien schmackhaft gemacht hatte.


Unternimmt man die etwas zynisch anmutende Gedankenoperation, die Begriffe „Kriegsopfer“, „Massaker“ und „Genozid“ auf einer Ordinalskala mit fliessenden Übergängen anzuordnen, so lässt sich Folgendes konstatieren: In jedem Krieg kommen Menschen, in der überwiegenden Mehrzahl Zivilisten, ums Leben: Kriegsopfer, mal als sogenannte „Kollateralschäden“ – ebenfalls eine originär westliche Wortkreation – billigend in Kauf genommen, mal als Terrorakte zur Einschüchterung der Bevölkerung von den Tätern gewollt. „Massaker“ sind Aktionen punktueller Massenmorde, wie sie beispielsweise die Einsatzgruppen der SS 1942/43 im Rahmen des sogenannten „Antipartisanenkampfes“ in hunderten weissrussischen Dörfern oder amerikanische GIs im vietnamesischen My Lai verübten. Selbst die Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki könnten wohl noch unter diesem Begriff verstanden werden.


Beim Begriff „Genozid“ liegt die Messlatte allerdings sehr hoch. Immerhin geht es hier definitionsgemäss um die Ausrottung – oder jedenfalls deren Versuch – eines ganzen Volkes bzw. einer Volksgruppe oder, wie man heute eher sagen würde, einer gesamten Ethnie. Hiervon könnten, sofern sie dazu noch in der Lage wären, zum Beispiel die Native Americans nahezu sämtlicher Stämme, die Hereros in Namibia, die Armenier im Osmanischen Reich und die europäischen Juden ein infernalisches Lied singen.


Bezogen auf den Donbass steht OSZE-Angaben zufolge fest, dass der Krieg, den die Kiewer Zentralmacht, mit Hilfe rechtsextremer Freikorpsverbänden, schon seit April 2014 gegen die von Russland heimlich oder offen unterstützten Rebellenrepubliken Donezk und Lugansk führt, mittlerweile um die 14‘000 Menschen das Leben gekostet hat. Die meisten von ihnen Zivilisten und zwar in den Rebellengebieten[1].


Auszuschliessen ist, wie bei allen Kriegen, ebenfalls nicht, dass es hierbei auch zu lokalen Massakern an der Zivilbevölkerung kam. Ein schreckliches Massaker an der russischstämmigen ukrainischen Bevölkerung steht jedenfalls zweifelsfrei fest: Das Massaker in Odessa vom 2. Mai 2014, bei dem ‚prorussische Demonstranten‘ von militanten ‚pro Maidan-Demonstranten‘ in das dortige Gewerkschaftgebäude getrieben wurden, das anschliessend in Brand gesetzt wurde. Mindestens 50 ‚prorussische Demonstranten‘ kamen bei dieser „Aktion“ ums Leben, die meisten verbrannten lebendigen Leibes oder erstickten, andere stürzten sich aus den Fenstern in den Tod, während Ukrainer draussen das Gebäude abriegelten. Bis heute sind weder die näheren Umstände offiziell aufgeklärt noch die Täter zur Rechenschaft gezogen. In der westlichen Berichterstattung war von diesem Massaker nur am Rande die Rede.


Lässt sich aus alledem folgern, im Donbass habe ein „Genozid“ stattgefunden oder dieser habe zumindest für den Fall einer Rückeroberung durch die Kiewer Zentralgewalt gedroht? Auch wenn im letzteren Falle schreckliche Massaker an der Zivilbevölkerung, nicht zuletzt durch ultranationalistische Paramilitärs, nicht auszuschliessen gewesen wären, halte ich den Begriff „Genozid“ hier für entschieden zu hoch gegriffen. (Einzuräumen ist allerdings, dass die etwas unscharfe völkerrechtliche Definition des Begriffes „Genozid“ zum Missbrauch förmlich einlädt.) Es sei in diesem Zusammenhang daran erinnert, dass dieser Begriff von russischer Seite bereits im Sommer 2008 bemüht wurde, als georgische Truppen die abtrünnige Region Südossetien angegriffen hatten. Der georgische Angriff hatte damals 162 Menschen[2] der südossetischen Bevölkerung das Leben gekostet, was aber bei allem Kriegsleid den Begriff „Genozid“ keineswegs rechtfertigt.


„Entnazifizieren“

Neben einer „Entmilitarisierung“ des Landes und der Beendigung bzw. Verhinderung eines angeblichen „Genozids“, ist laut Putin das Ziel der russischen Aggression gegen die Ukraine, diese zu „entnazifizieren“. Insbesondere die Regierung um den gegenwärtigen Präsidenten Wolodimir Selenski hat er mehrfach als eine „Bande von Drogenabhängigen, Neonazis und Terroristen“[3] bezeichnet. – Was ist von diesem Vorwurf zu halten?


Zweifellos spielten bei dem gewaltsamen Umsturz vom 22. Februar 2014 auf dem Kiewer Euromaidan bewaffnete ultranationalistische Gruppierungen aus der Westukraine eine entscheidende – möglicherweise die entscheidende – Rolle. Und in der postwendend verfassungswidrig installierten Umsturzregierung unter Ministerpräsident Arsenij Jazenjuk – das von der Verfassung für die Absetzung eines Präsidenten vorgeschriebene Quorum wurde verfehlt und der auch nach westlichen Standards demokratisch gewählte Präsident Wiktor Janukowitsch war unter dem Druck der Ereignisse geflohen – befanden sich drei Minister mit rechtsextremem Hintergrund. Dennoch war die russische Bezeichnung der „Kiewer faschistischen Putsch-Junta“ propagandistisch überzogen. In Russland weiss man sehr genau, dass man die Legitimation der eigenen Bevölkerung für noch so fragwürdige Militäreinsätze am ehesten erhält, wenn diese sich gegen tatsächliche oder angebliche Faschisten richten.


Der gegenwärtige ukrainische Präsident Wolodimir Selenski ist jedenfalls demokratisch gewählt und definitiv kein Nazi. Ihm die Legitimation abzusprechen, weil im Februar 2014 ein Putsch verübt wurde – er also ein indirekter Erbe dieses gewaltsamen Umsturzes ist –, wäre von derselben schrägen Logik, wie wenn man die Legitimität der Präsidentschaft Wladimir Putins ausgerechnet mit dem Argument anzweifeln würde, dass sein Vorgänger Boris Jelzin im Herbst 1993 ja das eigene Parlament beschossen habe!


Nach wie vor gibt es vor allem in der Westukraine, nicht zuletzt auf dem Hintergrund der Bandera-Tradition, ultrarechte Gruppierungen, die auch mit der Naziideologie sympathisieren. Analoge Gruppierungen gibt es allerdings auch in Russland. Aber eine externe Militäraggression wäre in beiden Fällen das denkbar ungeeigneteste Mittel, sie aus der Welt zu schaffen.


Holodomor und Holocaust oder: Nur ukrainische Opfer? – Die Ukrainer nur Opfer?

Der zweifelhafte Umgang mit der Wahrheit ist allerdings durchaus kein Privileg Wladimir Putins. Auch der Westen bedient sich bisweilen einer Argumentation, die man guten Gewissens als demagogisch bezeichnen kann.


So übernimmt man beispielsweise hierzulande völlig unkritisch den ukrainischen Vorwurf, Russland sei für den „Holodomor“ – die um die drei Millionen ukrainischen Hungertoten 1932/33 im Zuge der Zwangskollektivierung – verantwortlich. Hier handelt es sich um einen in den meisten postsowjetischen Ländern mittlerweile äusserst beliebtes geschichtsrevisionistisches Narrativ, das ich in anderem Zusammenhang einmal etwas akademisch-sperrisch als „posthume Renationalisierung der Sowjetgeschichte“[4] bezeichnet habe und das auf folgenden simplen Satz hinausläuft: Schuld am Kommunismus waren immer nur die Russen! Nicht etwa Vertreter einer bestimmten Ideologie –Bolschewiki, Kommunisten oder der KGB – waren also dieser Argumentation zufolge die Täter, sondern Vertreter einer bestimmten Nation. Dasselbe gilt für die Opfer: Opfer waren nicht Kulaken, Kleinbauern, Adlige, Priester, Dissidenten, unliebsame Wissenschaftler und Künstler, sondern schlicht alle Völker der ehemaligen Sowjetunion – ausser den Russen!


Wie voluntaristisch diese Konstruktion ist, zeigt sich nicht zuletzt bezogen auf die genannte Hungerkatastrophe Anfang der Dreissiger Jahre. Gehungert wurde nämlich auch ausserhalb der Ukraine: Nicht zuletzt in den fruchtbaren Kuban- und Schwarzerde-Gebieten, im Nordkaukasus und in Kasachstan. Auch Russen sind dieser staatlich induzierten Hungerkatastrophe zu Hunderttausenden zum Opfer gefallen.


Übrigens war der Hauptverantwortliche für die Millionen Hungertoten, ein gewisser Josif Wissorjanowitsch Stalin, gar kein Russe, sondern Georgier. Kurz: Die ganze Argumentation stimmt nicht. Sie wird nicht dadurch besser, dass der Westen sie auch noch nachbetet.


Auf ähnlich fragwürdige Weise werden nun – wie kürzlich von der grünen Europa-Abgeordneten Viola von Cramon-Taubadel[5] – die ukrainischen Holocaust-Opfer für eine angebliche besondere deutsche Verantwortung der Ukraine gegenüber in Anspruch genommen. Ja, auf dem Gebiet der heutigen Ukraine haben die Einsatzgruppen C und D der SS unter tatkräftiger Unterstützung der Wehrmacht grausigste Massaker an der jüdischen Bevölkerung verübt – unter anderem in Babij Yar im Norden von Kiew, Kamanezk-Podolsk und Odessa –, denen insgesamt Hunderttausende ukrainische Juden zum Opfer fielen.


Zur Wahrheit gehört aber auch, dass es unmittelbar nach dem Einmarsch der Wehrmacht im Juni 1941 in nahezu ganz Ostgalizien, der heutigen Westukraine, zu brutalsten blutigen Pogromen der ukrainischen Bevölkerung an den ortsansässigen Juden – im Jargon von SS und einigen Wehrmachtsgenerälen: „Selbstreinigungskräfte des ukrainischen Volkes“ – kam, die weder Frau von Cramon-Taubadel noch Präsident Selenski auch nur mit einem Wort erwähnen. Stattdessen führt man die jüdischen Holocaust-Opfer lieber dann ins Feld, wenn ausgerechnet in der unmittelbaren Umgebung von Babij Yar ein Fernsehsender von russischen Geschossen getroffen wird.

Es ist halt immer bequemer, Opfer zu sein!


Kommen wir zum Schluss zu unserem Ausgangspunkt zurück: Kriegszeiten sind Zeiten der Demagogie, der falschen Erzählungen, der Lügen. Zur Deeskalation gehört auch das mühsame Geschäft, sie richtigzustellen. Beliebt macht man sich damit weder auf der einen noch auf der anderen Seite.


Info: https://www.infosperber.ch/politik/der-krieg-ist-die-stunde-der-falschen-erzaehlungen

14.03.2022

LAGE IN DER UKRAINE   Rückgrat der Armee

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Mitglieder des »Asowschen Nationalen Korps« feiern ohne Probleme den zweiten Jahrestag ihrer Gründung in Kiew (2.3.2019)


jungewelt.de, 14. März 2022, Von Dmitri Kowalewitsch, Kiew

Faschisten gewinnen in der Ukraine immer mehr an Boden. Westen liefert bereitwillig Waffen


Zitat: Neonazis haben während des »Euromaidan« 2013/2014 in der Ukraine eine entscheidende Rolle gespielt. Danach übernahmen sie eine Reihe von Führungspositionen in allen Bereichen des ukrainischen Staatssystems, ihre paramilitärischen bewaffneten Formationen wurden legalisiert und in die Nationalgarde, die Polizei und die reguläre Armee aufgenommen. Außerdem wurde ihnen der Bereich der Erziehung von Kindern und Jugendlichen übertragen, die in speziellen Ausbildungslagern einer achtjährigen Gehirnwäsche unterzogen wurden.


In all diesen Jahren stimmten nur die Ukraine und die Vereinigten Staaten jährlich in der UNO gegen eine Resolution zur Verurteilung des Nationalsozialismus, was schon viel aussagt. Nach und nach verschmolz der Staatsapparat mit neonazistischen Gruppierungen, die Ideologie der Ultrarechten wurde zur Staatsideologie, ihre Symbole wurden zu offiziellen Staatssymbolen. Der Slogan der Nazikollaborateure, »Ruhm für die Ukraine«, ist zu einem offiziellen Gruß in der Armee geworden, und selbst liberale europäische Politiker zögern nicht, ihn zu wiederholen.


Der Anführer der Neonazigruppe »C 14«, Jewgeni Karas, sagte am 23. Februar, dem Vorabend der Operation Russlands, auf einer Pressekonferenz in Kiew, dass eine Reihe von Ländern eine große Menge an militärischer Unterstützung bereitgestellt hätten, »nicht weil sie wollen, dass wir davon profitieren«, sondern weil der Staat »die Aufgaben des Westens erfüllt«. Und weiter: »Wir sind die einzigen, die bereit sind, diese Aufgaben zu erfüllen, weil wir Spaß haben – wir töten gerne, und es macht uns Spaß zu kämpfen.«


Es überrascht nicht, dass seit Beginn der russischen Operation die Neonazis und die extreme Rechte den hartnäckigsten Widerstand geleistet haben. Die Entnazifizierung richtet sich speziell gegen sie, aber sie versuchen, ihre Sache als die Sache des gesamten ukrainischen Volkes darzustellen, als die Sache ganz Europas, das sie angeblich vor den »asiatischen Horden« schützen. In den vergangenen acht Jahren haben die westlichen Medien versucht, Neonazieinheiten wie »Asow«, »Freikorps« und »Rechter Sektor« zaghaft zu kritisieren, aber seit Ende Februar sind sie zu recht akzeptablen Verteidigern der Ukraine geworden.


Die Neonazis von »Asow« sind die motiviertesten Kräfte, und sie erhielten als erste westliche Waffen. Auch die US-Medien berichten freimütig, dass sie »Asow« beliefern. »Am 3. März veröffentlichte das ukrainische Einsatzkommando ›Nord‹ Fotos von Truppen, die in den Einsatz von NLAW- und Javelin-Panzerabwehrwaffen eingewiesen wurden. Seitdem wurden weitere Bilder dieser Art vom Bataillon der »Asowschen Nationalgarde« veröffentlicht«, schrieb das US-Portal Overt Defense am 8. März.


Zusätzlich zu den regulären Armeeeinheiten wurden Ende Februar »Territorialverteidigungskommandos« aus der Zivilbevölkerung gebildet, die in der Ukraine sofort den Spitznamen »Volkssturm« erhielten. Diese Einheiten werden von Vertretern extrem rechter Gruppen angeführt, die eine Ausbildung absolviert haben oder über Erfahrungen mit militärischen Aktionen im Donbass verfügen. Regelmäßig müssen ihre Kontrollpunkte passiert werden, die an jeder Kreuzung eingerichtet sind. Die Kämpfer der »Territorialverteidigung« treten selbst gegenüber Vertretern der ukrainischen Behörden recht arrogant auf. Sie lassen Männer zwischen 18 und 60 Jahren nicht aus der Region ausreisen.


Flüchtlinge, die aus dem Kriegsgebiet fliehen, werden manchmal gezwungen, einen »Sprachtest« über ihre Ukrainischkenntnisse zu absolvieren. Diejenigen, die den Test nicht bestehen, werden entweder nicht durchgelassen oder einer demütigenden Kontrolle unterzogen, bei der sie sich in der Kälte ausziehen müssen. Eine besonders harte Haltung nehmen sie gegenüber Personen aus asiatischen und afrikanischen Ländern ein, die versuchen, das Land zu verlassen.


Die »Territorialverteidigung« wie auch das militärische Personal zeigen gerne die Abzeichen der SS-Division »Totenkopf«, das Nazisymbol »Schwarze Sonne«, das am 8. März sogar in Glückwunschtweets der NATO an kämpfende ukrainische Frauen geriet. Natürlich sind nicht alle Soldaten der Armee oder Angehörige der »Territorialverteidigung« Anhänger neonazistischer Ansichten. Sie alle stehen jedoch in dem einen oder anderen Maße unter der Führung und Kontrolle der extrem rechten Kräfte, die das Rückgrat der ukrainischen Streitkräfte bilden.


Dmitri Kowalewitsch ist ukrainischer Journalist und Mitglied der marxistischen Organisation »Borotba«


Zeitung gegen Burgfrieden

Die junge Welt ist die einzige parteiunabhängige Tageszeitung, die Zeit ihres Bestehens gegen Krieg und Faschismus angeschrieben hat. Wenn wir nun unseren 75. Geburtstag feiern, dann möchten wir das zusammen mit unseren Leserinnen und Lesern tun. ..


Info:  https://www.jungewelt.de/artikel/422525.lage-in-der-ukraine-r%C3%BCckgrat-der-armee.html

14.03.2022

"Außen Ministerin, innen Mutter"

aus e-mail von Doris Pumphrey, 14. März 2022


https://rtde.site/meinung/133770-spiegel-reporter-baerbock-und-tatscheln/

14.3.22

*"Außen Ministerin, innen Mutter":

Ein Spiegel-Reporter, Baerbock und das Tätscheln von Kinderköpfen

*/von Dagmar Henn/


Bundesaußenministerin Annalena Baerbock besucht ukrainische Flüchtlinge in Moldawien und der "Spiegel" gerät in Verzückung. Hintergründe stören da nur. Schließlich ist das Mitgefühl das Tor zur Kriegswilligkeit, da darf man am Pathos nicht sparen.


Kinderköpfe tätscheln kommt immer gut. In Deutschland war das zwar ein paar Jahrzehnte aus der Mode geraten, weil die exzessive Nutzung blond-blauäugiger Kinder irgendwie mit Weltkrieg und Massenmord verknüpft war, aber im Moment werden ohnehin gerade allerlei politische Relikte recycelt, warum also nicht das Tätscheln.


Der zuständige /Spiegel/-Reporter, der Außenministerin Annalena Baerbock auf ihrem Flug nach Moldawien begleiten <https://www.spiegel.de/politik/deutschland/annalena-baerbock-an-der-ukrainischen-grenze-aussen-ministerin-innen-mutter-a-0c5a24e0-5846-449f-9736-f9bf29819cd9>  durfte, kriegt sich jedenfalls fast nicht mehr ein vor Bewunderung.


"Außen Ministerin, innen Mutter", jubelt er schon in der Überschrift.

Zugegeben, meine Assoziation zu Baerbock ist eher "außen grün, innen

braun", aber ich bin ja auch kein Kerl und finde Verstand anziehender

als ein hübsches Gesicht.


Baerbock flog also nach Moldawien und lieferte einen Presseauftritt mit dem moldawischen Außenminister und einen weiteren an der moldawisch-ukrainischen Grenze. Moldawien gehört gerade mal wieder zu den Guten, weil die letzten Wahlen 2020 eine "pro-europäische" Regierung

hervorgebracht haben. Trotz eines in diesem Jahr gestellten Antrags auf Aufnahme in die EU ist Umfragen zu Folge dennoch eine Mehrheit der Bevölkerung für eine Orientierung nach Osten, nicht nach Westen.


Übrigens hatte die moldauische Sowjetrepublik, deren Nachfolgestaat Moldawien ist, vor dem Zweiten Weltkrieg, so wie die Westukraine, einen bedeutenden Anteil jüdischer Bevölkerung. In der heutigen Hauptstadt Chisinau bildete sie sogar die größte Bevölkerungsgruppe. Die Naziwehrmacht und ihre rumänischen Verbündeten ließen davon nichts übrig. Falls der Bericht des/Spiegel/ den Besuch vollständig wiedergibt, war das für Baerbock aber nicht einmal Anlass für einen hastigen Kranzabwurf.


Das würde auch ein wenig mit dem Objekt ihrer Zuwendung kollidieren. Schließlich flog sie nach Chisinau, um die Aufnahme ukrainischer Flüchtlinge publikumswirksam zu verwerten, und diese Aufnahme selbst dient schließlich vor allem dazu, die deutsche Bevölkerung zu bedingungslosen Unterstützern der Kiewer Truppen zu machen. Die sich wiederum bekanntlich auf so etwas wie das Bataillon Nachtigall beziehen, das einst im Verbund mit der Naziwehrmacht die jüdische Bevölkerung von Lwow massakriert hat.


Der /Spiegel/-Reporter erwähnt solche Details nicht, auch nicht, dass Moldawien, wie später dann die Ukraine, durch die politische Ausrichtung auf Rumänien bei einer weitaus gemischteren Bevölkerung erst einmal einen Bürgerkrieg erlebte, bei dem sich Transnistrien abspaltete. Das war bereits 1992; eine Entwicklung, aus der man durchaus Lehren für die Ukraine hätte ziehen können.


Nein, er erzählt eine Geschichte, wie man sie eigentlich eher in der Gelben Presse erwarten würde, jenen obskuren Blättern, die sich auf Klatsch aus europäischen Königshäusern konzentrieren, zur Hälfte aus Bildern bestehen und vor allem von älteren Damen mit Dauerwelle konsumiert werden. "Sie hört gar nicht mehr auf, sie ist neugierig, sie will alles wissen. (…) Dabei löchert sie den Chef der moldauischen Grenzpolizei mit unzähligen Fragen, es sind praktische Fragen, lebensnahe, keine politischen."


Komisch. Ist Politik nicht die Aufgabe einer Außenministerin? Gut, man kann sich ernstlich fragen, inwiefern Baerbock eine deutsche Außenministerin ist, schließlich hieße das, deutsche Interessen zu vertreten, was sie spätestens seit Nord Stream 2 nachweislich nicht tut, aber wenn sie keine Politik betreibt, was tut sie dann? Sie menschelt. Behauptet zumindest der Reporter Christoph Schult.


Klar, kann man machen, wenn man jeden Hintergrund ausblendet. Immerhin hat Baerbock zur jetzigen Lage persönlich beigetragen, mit ihrer Ignoranz bezüglich der Minsker Vereinbarungen und ihrer bedingungslosen Unterstützung der dubiosen Kiewer Macht. Hätte die deutsche Außenpolitik sich tatsächlich für einen Frieden im Donbass eingesetzt, es gäbe heute keine Flüchtlinge an der ukrainischen Grenze. Aber Baerbock absolviert einen PR-Termin, ohne die mindesten Gewissensbisse, und Schult erwartet von ihr auch keine.


"Wie viele Geflüchtete kommen pro Tag?", fragt sie laut Schult, "wie lange müssen die Flüchtlinge warten?", und "kommen viele Verwundete?" Harmlose Fragen, harmlose Antworten. Interessant ist, wie die Antwort auf die letzte Frage lautet: "Nicht in den vergangenen Tagen, aber es kommen jetzt verstärkt Menschen aus Mariupol." Und der /Spiegel/-Reporter fügt dann hinzu. "Mariupol, das ist die Stadt in der Ukraine, die mit am stärksten von den Russen attackiert wird." "Baerbock fragt, als wäre sie eine Reporterin.", schließt Schult diesen Dialog ab.


Wirklich interessant ist eigentlich, dass Mariupol bei der Frage nach Verwundeten erwähnt wird. Wenn man die Berichte aus Mariupol kennt, die besagen, dass die Nazitruppen von Asow niemanden aus der Stadt lassen; wenn man die Videos gesehen hat, auf denen sie Flüchtende erschießen, dann versteht man den Zusammenhang zwischen Mariupol und Verwundeten.

Schult übersieht ihn. Er wundert sich noch nicht einmal, sondern erklärt sich das schlicht mit "den Russen." Was noch nicht einmal genau ist, denn ein Teil der Truppen, die Mariupol eingekreist haben, kommt aus der Volksrepublik Donezk, zu der Mariupol eigentlich gehört – auch dort hatten die Einwohner mit großer Mehrheit am 11. Mai 2014 für die Unabhängigkeit gestimmt.


Schult ist wirklich mit ganzem Herzen dabei, und es schlägt für Annalena. Sie müsse Informationen sammeln, um sie ins Kabinett und zu den G7 mitzunehmen. "Denn die Grünen-Politikerin hatte in den vergangenen Tagen nicht immer das Gefühl, dass sich alle Partner im Westen darüber klar sind, wie dramatisch sich die Lage der Flüchtlinge aus der Ukraine entwickelt."


Nicht, dass er auf die Idee kommt, wirklich etwas zu lösen. Die Antwort ist doch eigentlich ganz simpel. Die Anerkennung, dass die Krim russisch ist, und dass es die Donbassrepubliken nun einmal gibt, das ist doch nichts als eine Anerkennung der Wirklichkeit. Eine neutrale Ukraine

wäre, sollte man annehmen, einem Krieg dort ebenfalls vorzuziehen. Und will man wirklich diese Nazibataillone? Bis vor kurzem hätte ich eigentlich erwartet, dass die Antwort der deutschen Außenpolitik darauf lautet: zumindest nicht hier in Deutschland.


Aber seit die große Solidaritätswelle in blau-gelb losgetreten wurde, bin ich mir da nicht mehr sicher. Baerbock hat jedenfalls keine Scheu, mit entsprechenden Truppen aufzutreten. Das 36. separate Marinebataillon, mit dem sie vor Wochen durch den Ort Schirokino spazierte, kooperiert seit Jahren mit Asow, bei der Besetzung dieses Ortes ebenso wie jetzt gerade in Mariupol. Was ein wenig damit zu tun hat, dass es aus jenen Angehörigen der ukrainischen Marine auf der Krim

gebildet wurde, die 2014 nicht in die russische Marine gewechselt sind.


Nun, augenblicklich hält sich das Risiko noch in Grenzen, weil die ukrainischen Grenzer keine Männer zwischen 18 und 60 ausreisen lassen. Eigenartig, dass weder Baerbock noch Schult das an dieser Stelle erwähnen. Vielleicht, weil sich dann herausstellen würde, dass viele dieser Männer sich nicht wirklich begeistert für Selenskij in einen Krieg schicken lassen? Zuviel störende Information, weg damit.


Also, Baerbock ringt um Platz für ukrainische Flüchtlinge in Deutschland, und verkündet in Chisinau stolz, man werde 2.500 von ihnen nach Deutschland holen. Schließlich habe das kleine Moldawien bereits 300.000 Flüchtlinge aufgenommen.


Vor wenigen Tagen wurde uns noch erklärt, es käme mindestens eine Million aus der Ukraine nach Deutschland. Bisher sind es aber nur etwas über 100.000, und das trotz kostenloser Zugfahrkarten aus Polen. Irgendwie wollen sie wohl nicht so recht. Was entfernt damit zu tun

haben könnte, dass sich Menschen, die vor einem Krieg flüchten, vor den Kriegshandlungen selbst, genau so verhalten – sie gehen in das Nachbarland und warten, bis die Kämpfe vorbei sind. Um danach wieder zurückzukehren.


Das passt aber nicht ins deutsche Narrativ. Schließlich kann ein Blinder mit Krückstock erkennen, dass von dem ganzen mühsam aufgebauten Banderastan nach dem Ende des russischen Militäreinsatzes nicht mehr viel übrig sein wird. Deshalb sollten alle Ukrainer, die das Land

verlassen, den Drang verspüren, weiter nach Westen zu flüchten, wo sie weiter ihre Nazikollaborateure verehren können. Sie tun es aber nicht. Sie wollen in Grenznähe bleiben, um dann, wenn keine gefährlichen Dinge mehr durch die Luft fliegen, in eine entbanderisierte Ukraine zurückzukehren.


"Baerbock schwebt eine Art Luftbrücke vor." So etwas gab es schon einmal; das trug den Namen "Operation Paperclip". Unter dieser Bezeichnung wurde die Umsiedlung von Nazikollaborateuren in die USA und nach Kanada betrieben, die 1945 erst einmal in Süddeutschland untergekommen waren. Operation Paperclip sorgte dafür, dass viele dieser Leute tief in die Strukturen der CIA integriert wurden und hat mit dazu beigetragen, dass ihre menschenfeindliche Ideologie in der ehemaligen ukrainischen Sowjetrepublik ab 1992 verbreitet wurde.


Pscht, soviel historische Überlegungen stören nur das Bild einer humanitär engagierten Außenministerin, die sich voll reinhängt für die armen Flüchtlinge; hier geht es schließlich um eine "Frau und Mutter, die offen und authentisch ihr Mitgefühl für die vielen flüchtenden Frauen und Kinder zeigt." Ups. Da ist es ja doch, Frauen und Kinder. Und warum keine Frage?


"Baerbock läuft auf eine Frau zu, deren schwarzer Kombi gerade abgefertigt wird." So sehr drängen sie ihre Gefühle. Sie läuft. Man sieht förmlich, wie ihr die Pressemeute hinterher hechelt...

Die Frau will mit ihren Kindern zu Verwandten nach Polen und dann nach Portugal. "Ich bewundere das sehr", sagt Baerbock daraufhin, laut Schult. Ich frage mich, was sie daran bewundert; normalerweise fliehen Menschen, weil sie dazu gezwungen sind, weil der Ort, an dem sie sich

aufgehalten haben, gefährlich wurde. Und einem Zwang zu folgen, ist nicht bewunderungswürdig. Aber vielleicht denkt Baerbock, die Frau sei alleine mit den Kindern losgefahren. Was nicht sein muss, womöglich war der Mann bis vor kurzem noch bei ihr. Oder ist es bald wieder, weil er

sich über die grüne Grenze schleicht, um der Einberufung zu entgehen. Wäre spannend, das zu wissen, aber weder Baerbock noch Schult fragen danach. Das ist bei Hofberichterstattung nicht üblich. Stattdessen wird Baerbock mit einer Erwähnung ihrer eigenen zwei Kinder zitiert, die

Ukrainerin darf in Tränen ausbrechen und der ganze geopolitische Kladderadatsch wird durch gefühliges Beieinander von Muttertieren ersetzt.


Und noch zwei weitere Anekdoten erzählt Schult, um seine reisende Prinzessin sympathisch erscheinen zu lassen. Vormittags, bei einem Besuch in einem Flüchtlingslager in Chisinau, hat sie sich doch glatt auf einen der kleinen Stühle gesetzt, um die kleinen Geschenke zu verteilen, die sie mitgebracht hatte. Sie "redet mit den Kindern, als würde sie mit ihren eigenen Töchtern spielen". Wir sind immer noch im Royalties-Programm, diesmal Geschmacksrichtung Princess Diana. Später an der Grenze hebt sie sogar eine Gummispinne auf, die einem Jungen heruntergefallen war.


Nun, PR-Auftritte kann sie. Und mit einem Gegenüber wie Schult funktionieren sie auch problemlos. Denn er merkt gar nicht, dass er, indem er Baerbock dafür lobt, sich zu diesen armen Flüchtlingskindern zu setzen, eine Hierarchie herstellt, in der Baerbock etwas Besseres ist. Eben eine Prinzessin auf Reisen, die sich freundlich vorübergehend einmal unters Volk begibt. Scholt stört sich nicht daran, weil er die subtile Variante Herrenmensch, die Baerbock verkörpert, für völlig normal hält. Er macht es sogar explizit Heiko Maas zum Vorwurf, dass er "bei solchen Begegnungen immer etwas gefremdelt" habe. Das allerdings ist eine normale menschliche Reaktion; die scheinbare Nähe, dieses rein auf Medienwirksamkeit ausgerichtete Verhalten, das muss man erlernen.


Nur, so sehr sich Schult in seiner Verehrung dieser PR-Gestalt Baerbock überschlägt, wirkliche Humanität würde sich in einer anderen Politik äußern. Dieser transatlantischen Politdarstellerin gehen in Wirklichkeit sowohl die ukrainischen wie die deutschen Menschen gottweißwo vorbei.

Das Elend, das sie mit angerichtet hat, versetzt sie eher in einen Höhenflug, weil es ihr die Möglichkeit verschafft, sich auch noch vor den Kameras huldvoll den Opfern ihrer Politik zuzuwenden.


"Du hast deine Spinne verloren.", sagt Baerbock zu dem Jungen an der ukrainischen Grenze, dem sie sein Spielzeug zurückgibt, und Schult findet das ganz toll. Dieser Junge wird, wie viele andere ukrainische und russische Jungen und Mädchen, womöglich seinen Vater verlieren, in einem Krieg, an dem der Westen jahrelang gebaut und auf den Baerbock den Schlussstein gesetzt hat. Aber das ist für den /Spiegel/ kein Thema.


unser Kommentar:  Das ist "ein Krieg, an dem der Westen jahrelang gebaut hat".

14.03.2022

Ein russischer Angriff vor der Haustür der NATO

The New York Times, 14. März 2022, Natasha Frost
Russland startete gestern eine Flut von Angriffen auf eine Militärbasis in der Ukraine und brachte den Krieg 11 Meilen von der Grenze zu Polen entfernt. Etwa 1.000 Ausländer, die gekommen waren, um der Ukraine zu helfen, sollen auf der Basis trainiert haben. "Der ganze Himmel stand in Flammen", sagte ein Zeuge.

Zitat: Westliche Beamte sagten, der Angriff sei nicht nur eine geografische Ausweitung der russischen Invasion, sondern auch eine Verschiebung der Taktik in einem Krieg, von dem viele bereits befürchteten, dass er in einen größeren europäischen Konflikt metastasieren könnte. Verfolgen Sie die neuesten Updates aus dem Konflikt.

Pentagon- und NATO-Beamte bekräftigten, dass sie nicht beabsichtigen, die russischen Streitkräfte in der Ukraine direkt zu konfrontieren. Aber sie schicken militärische Nachschub, und Russland hat gewarnt, dass es diese Konvois als legitime Ziele betrachtet. Die getroffene Militärbasis war seit 2015 ein Knotenpunkt für westliche Militärtruppen, um ukrainische Streitkräfte auszubilden.

Bis gestern war die Invasion der Ukraine, die sich nun in ihrem 18. Tag befindet, vor allem für Moskaus wahllose Angriffe auf zivile Gebiete bekannt. Selbst als es die Militärbasis im Westen bombardierte, bestrafte Russland weiterhin gewöhnliche Ukrainer, einschließlich des Schießens auf einen Zug in der Ostukraine mit mehr als 100 Kindern, die versuchten, vor der Gewalt zu fliehen. Es wird erwartet, dass die Friedensgespräche heute fortgesetzt werden.

Maut: Mindestens 596 Zivilisten sind im Krieg gestorben, darunter 43 Kinder, und weitere 1.067 Zivilisten wurden verletzt, so die UN.Die Zahl der Todesopfer ukrainischer Beamter ist viel höher, mit geschätzten 2.187 Opfern in der belagerten Stadt Mariupol seit Beginn des Krieges.

Einsprüche: Westliche Beamte lehnen weiterhin Anträge von Wolodymyr Selenskyj, dem ukrainischen Präsidenten, ab, eine Flugverbotszone über dem Land einzurichten. Eine Flugverbotszone, sagte ein Pentagon-Sprecher, "ist Kampf - man muss bereit sein zu schießen und beschossen zu werden."

In anderen Nachrichten aus dem Krieg:
  • Die russische Regierung bat China um militärische Ausrüstung und finanzielle Unterstützung, um seine Wirtschaft zu schützen, so US-Beamte, die nicht sagen wollten, wie China reagierte.
  • In den Vororten von Kiew wurde Brent Renaud, ein preisgekrönter amerikanischer Filmemacher und Journalist, der daran arbeitet, den Tribut zu dokumentieren, den der Krieg von Flüchtlingen gefordert hat, erschossen.
  • Hunderte von Flugzeugen westlicher Unternehmen befinden sich immer noch in Russland. Sie werden möglicherweise nie zurückgewonnen, was bedeutet, dass die Unternehmen mit Verlusten in Milliardenhöhe konfrontiert sind.




Großbritannien tritt gegen Oligarchen an
Russlands Krieg in der Ukraine hat die britische Regierung schließlich dazu gebracht, ultraschwache Russen in London ins Visier zu nehmen. Aber um die Flut korrupten Geldes einzudämmen, muss man mehr als die gut sichtbaren Oligarchen wie Roman Abramowitsch verfolgen.
Hunderte von wohlhabenden Ausländern haben die laxen Vorschriften Großbritanniens ausgenutzt, um Eigentum und andere Vermögenswerte anzuhäufen, oft unter einem Netz von Offshore-Unternehmen, die ihr Eigentum verschleiern. Andere haben ihr Vermögen in einen vergoldeten sozialen Status verwandelt, verehrte britische Kultur- und Bildungseinrichtungen ausgestattet oder Geld an die Konservative Partei gespendet.

Trotz der Ankündigung neuer Sanktionen am Freitag holt Großbritannien auf einer gewissen Ebene einfach die USA und die EU ein. Obwohl Boris Johnson, der britische Premierminister, hart auf Maßnahmen gegen Russland gedrängt hat, einschließlich der Entfernung seiner Banken aus dem SWIFT-Finanztransfernetzwerk, war er langsamer, um Londons reiche Russen ins Visier zu nehmen. Das, sagen Kritiker, spiegelt die Tatsache wider, dass seine Partei der Nutznießer ihrer Großzügigkeit war.

"Die Krise hat das Problem des mit dem Kreml verbundenen Geldes in Großbritannien aufgedeckt, aber es ist ein viel systemischeres, globales Problem, da London diese Art von Geld schützt", sagte Flo Hutchings, der an der Gründung der Gruppe Kensington Against Dirty Money beteiligt war. "Wir hoffen, dass diese Situation einen Schneeballeffekt haben wird."

"Häuser für die Ukraine": Die britische Regierung wird 350 Pfund pro Monat an Menschen liefern, die ukrainische Flüchtlinge aufnehmen, um Einzelpersonen, Wohltätigkeitsorganisationen, Gemeindegruppen und Unternehmen zu ermutigen, diejenigen aufzunehmen, die vor dem Krieg fliehen.

Related: Verschlossene Geschäfte und Verspottungen der Rivalen begrüßten die Fans bei Chelseas erstem Heimspiel, seit die Sanktionen gegen Abramovich die Zukunft ihres Teams in Frage stellten.


Info: https://messaging-custom-newsletters.nytimes.com/template/oakv2?campaign_id=51&emc=edit_mbe_20220314&instance_id=55726&nl=morning-briefing%3A-europe-edition&productCode=MBE&regi_id=179513371&segment_id=85503&te=1&uri=nyt%3A%2F%2Fnewsletter%2Fa51268bd-b38d-5d20-9731-6f4586de8450&user_id=f32ef16f74a315d2f30cf28f5b3b49a1

14.03.2022

Von der Corona- in die Sanktionskrise    Die Russland-Sanktionen des Westens gefährden die Wirtschaft auch Deutschlands und der EU sowie den internationalen Handel. Ex-BND-Präsident warnt, sie seien kontraproduktiv.

german-foreign-policy.com, 14. März 2022

BERLIN/MOSKAU (Eigener Bericht) – Der Versuch des Westens, Russland mit extremen Sanktionen ökonomisch zu isolieren, schwächt auch die Wirtschaft in Deutschland und der EU empfindlich und schädigt den internationalen Handel. Wie eine Umfrage des unternehmernahen Instituts der Deutschen Wirtschaft zeigt, rechnen annähernd drei Viertel aller deutschen Unternehmen mit erheblichen Belastungen durch den kriegs- und sanktionsbedingten Anstieg der Energiepreise. Schon heute müssen zum Beispiel mächtige Stahlkonzerne tageweise ihre Produktion stilllegen, weil sie wegen der hohen Erdgaspreise nicht mehr konkurrenzfähig produzieren können. Auch die coronabedingt ohnehin schon überaus angespannten Lieferketten werden zusätzlichen Belastungen ausgesetzt, da allerlei Bauteile, die in der Ukraine nicht mehr produziert oder aus Russland nicht mehr geliefert werden können, fehlen. Ein Erdgasboykott könne „die gesamte Industrieproduktion“ in der Bundesrepublik treffen, warnt der Verband der Chemischen Industrie. Der ehemalige BND-Präsident Rudolf Georg Adam urteilt, Sanktionen hätten „eine breite Streuwirkung“; ihr Erfolg sei allerdings zweifelhaft.


Zitat: Wegbrechender Absatzmarkt

Noch am ehesten verkraften lässt sich aus Sicht der deutschen Wirtschaft der Ausfall Russlands und der Ukraine als Absatzmärkte. Dies geht aus einer Umfrage hervor, die das unternehmernahe Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) in Köln kürzlich unter rund 200 deutschen Firmen durchgeführt hat. Weniger als ein Zehntel der Firmen rechnen mit großen oder gar sehr großen Problemen, weil sie ihre Waren auf absehbare Zeit nicht mehr in den beiden Ländern verkaufen können.[1] Auch der Ausfall Russlands und der Ukraine als Produktionsstandort gilt überwiegend als verkraftbar. Dabei gibt es allerdings bedeutende Ausnahmen. Ein Beispiel bietet Wintershall Dea. Die Strategie des Konzerns beruhte bisher darauf, nicht nur russisches Erdgas zu kaufen, sondern sich vor allem an der russischen Erdgasförderung zu beteiligen – Russland besitzt die größten Erdgaslagerstätten weltweit. Wintershall hat nun angekündigt, keine Neuinvestitionen in russische Erdgasfelder mehr zu tätigen und nur die bisherigen Aktivitäten aufrechtzuerhalten – dies außerdem mit der Einschränkung „vorerst“, wie es heißt.[2] Der Druck, sich wie andere bedeutende westliche Energiekonzerne (BP, Shell und ExxonMobil) vollständig aus Russland zurückzuziehen, steigt. Anders als bei BP, Shell und ExxonMobil wäre dies für Wintershall jedoch der Abschied vom bedeutendsten Bezugs- und Förderland.


Gefährdete Lieferketten

Schwerer wiegt der Lieferausfall bei Bauteilen, die bislang in der Ukraine oder in Russland produziert wurden und die nun ersetzt werden müssen. Gut ein Drittel der vom IW befragten deutschen Unternehmen berichtet diesbezüglich bereits jetzt von großen Problemen. So fehlen den großen Kfz-Konzernen die Kabelbäume, die Zulieferer wie etwa Leoni bislang in der Ukraine hergestellt haben; weil sie fehlen, mussten Volkswagen, Audi, Porsche und BMW an ihren Standorten in Europa bereits Werke zeitweise stilllegen. Bis neue Fabriken für Ersatz sorgen könnten, werde es mindestens drei, vermutlich sogar sechs Monate dauern, wird berichtet.[3] Auch sind wichtige Grund- und Rohstoffe seit Kriegsbeginn sehr teuer geworden. So wurden bislang nach Angaben des Zentralverbandes Deutsches Baugewerbe (ZDB) rund 30 Prozent des in Deutschland genutzten Baustahls aus Russland, Belarus und der Ukraine geliefert. Alternativen sind aus Kostengründen, aber auch aufgrund fehlender Zertifizierungen nicht auf die Schnelle verfügbar.[4] Zudem ist der Preis für wichtige Rohstoffe in die Höhe geschnellt, etwa für Nickel und für Palladium: Der russische Konzern Nornickel zählt zu den größten seiner Branche, und annähernd zwei Fünftel der weltweiten Palladiumproduktion findet in Russland statt.[5] Der Preisanstieg trifft insbesondere die Stahl- und die Kfz-Branche nicht zuletzt der Bundesrepublik.


Produktionsausfälle

Schlägt dies alles in der deutschen Wirtschaft negativ zu Buche, so werden die Folgen des kriegs- und vor allem sanktionsbedingten Anstiegs der Energiepreise als am Gravierendsten eingestuft. Das liegt nicht nur daran, dass insbesondere der hohe Erdgaspreis die Inflation treibt – von über zwei Prozentpunkten ist zuweilen die Rede [6] – und den privaten Konsum schwächt. Es rechnen auch drei Viertel der vom IW befragten Unternehmen mit massiven Belastungen speziell durch den hohen Erdgaspreis. So mussten zuletzt etwa Deutschlands zweitgrößter Stahlhersteller, Salzgitter, oder die bayerischen Lech-Stahlwerke zeitweise den Betrieb einstellen, wenn der Erdgaspreis Spitzenwerte erreichte: Sie konnten nicht mehr konkurrenzfähig produzieren. Dasselbe traf auf einige europäische Werke von ArcelorMittal zu – nicht nur in Deutschland, auch in Rumänien, Polen und Spanien.[7] Könnte ein anhaltend hoher Erdgaspreis möglicherweise ganze Branchen in Deutschland bzw. Europa ins Schlingern bringen, so wäre ein kurzfristiger Exportstopp etwa wegen eines Gasboykotts fatal. So konstatiert etwa der Verband der Chemischen Industrie (VCI), komme es in der Chemiebranche, die sehr viel Öl und Gas benötige, zu Produktionsausfällen, dann fehlten die Chemieerzeugnisse, die in gut 95 Prozent aller Industrieprodukte enthalten seien; damit sei dann letztlich „die gesamte Industrieproduktion“ in Deutschland gelähmt.[8]


Störungen im Handel

Ruft der Versuch des Westens, Russland mit Sanktionen ökonomisch zu isolieren, Einbußen nicht zuletzt für die deutsche Wirtschaft hervor, so kommen noch massive Störungen des europäischen Handels hinzu. So führen die Sanktionen der EU bereits jetzt dazu, dass Logistikkonzerne wie Maersk oder Hapag-Lloyd (Hamburg) ihre Containerschiffe nicht mehr nach Russland schicken und sich die Container in europäischen Häfen stapeln – dies zu einer Zeit, zu der die Verwerfungen der Coronakrise noch längst nicht überwunden sind. Dabei geht es um große Mengen: Allein rund 13 Prozent des Umschlags in Europas größtem Hafen Rotterdam sind Berichten zufolge für Russland bestimmt, darüber hinaus gut 5 Prozent des Umschlags im zweit- und im drittgrößten Hafen des Kontinents, Antwerpen und Hamburg.[9] Verzögerungen, Ungewissheit und verhinderte Geschäfte kosten viel Geld. Branchenkreise warnen zudem vor einem möglichen Personalmangel: Rund 10,5 Prozent aller Seeleute, heißt es, sind Russen; ob und wie sie weiterhin arbeiten können, ist ungewiss. Hinzu kommen empfindliche Einschränkungen und Behinderungen im Flugverkehr durch die wechselseitigen Lande- und Überflugverbote, die wegen der erforderlich werdenden Umwege für alle Seiten zu erhöhten Kosten führen. All dies werde, heißt es, den Welthandel schwächen und die globalen Lieferketten noch stärker als bisher schädigen.[10]


Breite Streuwirkung

Die Folgen des Krieges und der Sanktionen sind geeignet, die Bundesrepublik und weitere Staaten, die sich noch längst nicht vollständig von der Coronakrise erholt haben, unmittelbar in die nächste Krise zu treiben. Dies ist vor allem dann zu erwarten, wenn der Boykott russischer Energieressourcen ausgeweitet wird oder wenn Russland seinerseits die Lieferung von Öl und Gas einstellt. Für diesen Fall wird etwa ein erheblicher Einbruch der deutschen Wirtschaftsleistung vorausgesagt; Stefan Kooths, Vizepräsident des Kiel Instituts für Weltwirtschaft (IfW), schätzt ihn auf nicht viel weniger als den pandemiebedingten Einbruch des Jahres 2020 um 4,6 Prozent, während die Ökonomen Sebastian Dullien und Tom Krebs den drohenden Kollaps in der gleichen Größenordnung sehen wie den Coronaschock.[11] Dabei ist der drohende Einbruch keinesfalls auf Deutschland und die EU beschränkt. Wie der Ex-BND-Vizepräsident und frühere Präsident der Bundesakademie für Sicherheitspolitik (BAKS), Rudolf Georg Adam, in der vergangenen Woche hervorgehoben hat, dürfte er auch noch andere „Drittländer“ treffen, „die von Russland abhängen, etwa die zentralasiatischen Republiken und Armenien“.[12] Die Sanktionen, warnt Adam explizit, „haben eine breite Streuwirkung; in militärischer Sprache würde man von ‘collateral damage‘ sprechen“.


„71 Prozent für Putin“

Dabei besteht laut Adam Anlass zur Vermutung, dass die Sanktionen zwar die russische Bevölkerung beträchtlich schädigen, die gewünschte Wirkung – einen Sturz von Präsident Wladimir Putin – aber nicht erzielen. Die Sanktionspolitik, urteilt Adam, „trifft alle Teile der russischen Gesellschaft“; sie werde nicht zuletzt „die Zahl der Insolvenzen ... in die Höhe“ schnellen lassen.[13] Zugleich aber wirkten Sanktionen „korrosiv“ – „sie geben Feindbildern neue Nahrung.“ Die jüngste Meinungsumfrage, berichtet Adam, habe „eine Zustimmung von 71 Prozent für Putin“ ergeben – das Gegenteil dessen, was man erreichen wolle.

 

Mehr zum Thema: Blick in den Abgrund.

 

[1] Hubertus Bardt, Michael Grömling, Edgar Schmitz: Russlands Krieg in der Ukraine belastet deusche Unternehmen. IW-Kurzbericht Nr. 19/2022. Köln, 09.03.2022.

[2] Jürgen Flauger, Kathrin Witsch: Wintershall schreibt Nord Stream 2 ab – Russischer Großaktionär Fridman gibt Führung seiner Gesellschaft ab. handelsblatt.com 02.03.2022.

[3] Schon wieder kein Toilettenpapier. Frankfurter Allgemeine Zeitung 12.03.2022.

[4] Der Krieg treibt die Preise am Bau. Frankfurter Allgemeine Zeitung 07.03.2022.

[5] Rohstoffmärkte: Diese sechs Grafiken zeigen die Verwerfungen seit Kriegsausbruch. handelsblatt.com 11.03.2022.

[6] Hubertus Bardt, Michael Grömling, Edgar Schmitz: Russlands Krieg in der Ukraine belastet deusche Unternehmen. IW-Kurzbericht Nr. 19/2022. Köln, 09.03.2022.

[7] Schon wieder kein Toilettenpapier. Frankfurter Allgemeine Zeitung 12.03.2022.

[8] Folgen der Sanktionen: Bundesregierung will Unternehmen helfen. handelsblatt.com 11.03.2022.

[9], [10] Russia-Ukraine crisis to reshape supply chains, flatten world trade. hellenicshippingnews.com 12.03.2022.

[11] Julia Löhr, Britta Beeger, Svea Junge: Von Krise zu Krise. Frankfurter Allgemeine Zeitung 12.03.2022.

[12], [13] Rudolf Georg Adam: Mit Sanktionen Russland besiegen? Frankfurter Allgemeine Zeitung 08.03.2022.



Info: https://www.german-foreign-policy.com/news/detail/8868

13.03.2022

«Gegenrevolution» – Aufstandsbekämpfende Kriegsführung als neue Regierungsform

nachdenkseiten.com, 13. März 2022 um 11:45 Uhr,  ein Artikel von Eugen Zentner

Vor wenigen Wochen demonstrierte Kanadas Premierminister Justin Trudeau, zu welchen Mitteln heutzutage Regierungen greifen können, um Proteste niederzuschlagen. Als der sogenannte «Freedom Convoy» nicht nur die Hauptstadt, sondern den Verkehr im ganzen Land lahmlegte, wandte er das Notstandsgesetz an und ließ die Bankkonten mehrerer Trucker einfrieren. Zuvor wurden diese medienwirksam in die rechte Ecke geschoben und als „fringe minority“ diffamiert – als Randminderheit. Solche Strategien haben einen Namen: aufstandsbekämpfende Kriegsführung. So nennt es der US-amerikanische Rechts- und Politikwissenschaftler Bernard E. Harcourt, dessen Buch «Gegenrevolution» kürzlich auch in deutscher Übersetzung erschienen ist. Von Eugen Zentner

Was der Theoretiker darunter versteht, ist eine Politik, die sich darum bemüht, revolutionäre Tendenzen erst gar nicht aufkommen zu lassen, indem sie gegen Phantomfeinde vorgeht und im Grunde alle Bürger ins Visier nimmt. Es handelt sich um ein neues Regierungsmodell, das sich nach Harcourt in den USA längst in voller Blüte befindet. Den zentralen Grundsatz der aufstandsbekämpfenden Kriegsführung beschreibt Harcourt damit, dass die Bevölkerung aus drei Gruppen bestehe: aus einer kleinen aktiven Minderheit von Aufständischen, einem genauso kleinen Teil, der sich dem Aufstand entgegenstellt, und einer großen, aber passiven Mehrheit. Letztere lasse sich sowohl in die eine als auch in die andere Richtung lenken, weshalb die Aufgabe der Aufstandsbekämpfung darin bestehe, die Gefolgschaft der passiven Mehrheit zu gewinnen. Zuvor müsse aber die totale Informiertheit erlangt und die aktive Minderheit vernichtet werden.


Ursprung der aufstandsbekämpfenden Kriegsführung

Die Wurzeln dieser neuen Form des Regierens sieht Harcourt in einem militärischen Paradigma des gegenrevolutionären Krieges. Ursprünglich sei diese Strategie dafür entworfen worden, Widerstände in Kolonialgebieten niederzuschlagen. Später sollte die Aufstandsbekämpfung auch in der Außenpolitik ihre Anwendung finden, bis sie schließlich im Inland systemisch domestiziert und gegen die eigene Bevölkerung gerichtet wurde. Der Autor zeichnet diese Entwicklung anhand zahlreicher Fallbeispiele nach, zu denen unter anderem die militärischen US-Interventionen in Vietnam, Afghanistan oder Irak gehören. Auf dem Boden der Innenpolitik veranschaulicht Harcourt die Methoden der Aufstandsbekämpfung hingegen, indem er auf das Vorgehen gegen Organisationen wie Black Panther eingeht oder beschreibt, wie die US-Regierung seit Nine Eleven mithilfe der Tech-Giganten im großen Stil Daten sammelt, um die Bürger umfassend zu überwachen.


Auf diese Weise werden in dem Buch unterschiedliche politische und soziale Phänomene beleuchtet, die als Elemente ein und derselben totalitären Ordnung erscheinen. Dabei ist es nicht nur die analytische Schärfe, die das Werk so lesenswert macht, sondern auch die Materialfülle. Der US-amerikanische Professor, der sich seit geraumer Zeit für Menschenrechte einsetzt, zitiert aus Folterberichten, berichtet über Etaterhöhungen im Verteidigungsministerium und liefert viele praktische Beispiele, in denen sich seine Lust an lebensweltlichen Details kundtut. Gestützt werden diese Ausführungen durch präzise Recherchen. Dabei zeigt sich sehr schnell Harcourts Spezialgebiet: die technische Entwicklung von Programmen zur Datensammlung und Überwachung.


Totale Informationskenntnis

Welche Bedeutung sie innerhalb der Strategie der aufstandsbekämpfenden Kriegsführung im Inland hat, formuliert er so: „Jede Kommunikation, sämtliche persönlichen Daten, alle Metadaten eines jeden in der Bevölkerung müssen gesammelt und analysiert werden. Nicht nur die der aktiven Minderheit, sondern die aller Angehörigen der betreffenden Bevölkerung. Eine totale Informationskenntnis ist nötig, um zwischen Freund und Feind unterscheiden zu können.“ Eine zentrale Rolle spielten dabei nicht nur soziale Medien, Smartphone-Apps oder Webbrowser, sondern sogar Spiele wie Pokémon Go, mit deren Hilfe sich aussagekräftige Bewegungsprofile erstellen ließen. „Wir werden von der Regierung ermutigt“, beklagt Harcourt, „sowie von multinationalen Konzernen und den sozialen Medien dazu verführt, uns so weitgehend wie möglich zu entblößen und zu äußern. So dass wir digitale Spuren hinterlassen, die es der Regierung wie den Konzernen ermöglichen, Profile über uns anzulegen und dann zu versuchen, uns entsprechend zu formen.“


Die umfassende Informationsbeschaffung dient dazu, potenziell gefährliche Minderheiten frühzeitig zu erkennen. Ist das getan, muss sie innerhalb der Logik aufstandsbekämpfender Kriegsführung von der allgemeinen Bevölkerung getrennt und eliminiert werden. Parallel dazu besteht die Aufgabe darin, mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln die Herzen und Hirne der passiven Mehrheit zu gewinnen: „Deren Gefolgschaft und Loyalität – und letztlich ihre Passivität – sind das Allerwichtigste.“ Obwohl Harcourt sich in seiner Analyse hauptsächlich auf die USA konzentriert, tun sich in den Ausführungen schnell Parallelen zum Vorgehen vieler Regierungen während der Corona-Krise auf.


Aufstandsbekämpfung in Deutschland

Als zum Beispiel in Deutschland zu Beginn der drakonischen Maßnahmen Menschen zu demonstrieren und einige Experten aus dem Medizinwesen Kritik zu üben begannen, wurde alles unternommen, um sie zu delegitimieren und sowohl ihre Attraktivität als auch ihren Einfluss zu begrenzen. Das geschieht bis heute, meistens still und heimlich: Kritischen Journalisten und Bürgerrechtlern werden Bankkonten gekündigt. Kritische Ärzte verlieren ihre Approbation, während reichweitenstarke Influencer nicht nur Morddrohungen bekommen, sondern sogar ins Ausland flüchten müssen, um unverhältnismäßig hohen Geldstrafen zu entkommen, die ihnen befangene Richter auferlegen.


Schaut man sich die politisch-gesellschaftlichen Verhältnisse der letzten zwei Jahre an, kommt die Strategie der aufstandsbekämpfenden Kriegsführung deutlich zum Vorschein: Die Maßnahmen-Kritiker waren schnell identifiziert. Schnell machten sich Regierung und die sie stützenden Leitmedien daran, diese Minderheit per Framing und Verleumdung von der allgemeinen Bevölkerung zu isolieren – mit Begriffen wie „Rechtsradikale“, „Verschwörungstheoretiker“, „Corona-Leugner“ oder „Schwurbler“. In die Herzen und Hirne der passiven Bevölkerung gelangte man hingegen, indem man immer und immer wieder auf die möglichen Gefahren hinwies und gleichzeitig einen unbändigen Handlungswillen suggerierte. Begriffe wie „Solidarität“ waren dabei genauso hilfreich wie großangelegte Kampagnen oder finanzielle Anreize, die die Regierung schuf, um Institutionen, Prominente, Künstler oder Unternehmen auf die eigene Seite zu ziehen.

Die aufstandsbekämpfende Kriegsführung ist somit auch hierzulande angekommen. Sie ist so perfide wie effektiv. Sie verknüpft Militärisches und Politisches auf eine Weise, in der dies die vorangegangenen Modelle nicht getan haben. Die Form der Gegenrevolution ist eine simple Art, im Inland zu regieren. Bürger- und Freiheitsrechte werden leichtfüßig und trickreich ausgespielt – durch die Logik einer simulierten Gefahrenabwehr. Wer das Handeln der Regierungen im Zuge der Corona-Krise verstehen möchte, sollte Harcourts Buch unbedingt lesen. Der US-amerikanische Professor liefert wichtige Denkanstöße – indem er langfristige, strukturelle Veränderungen nachzeichnet, die die Prinzipien der Demokratie aushöhlen.


Info: https://www.nachdenkseiten.de/?p=81843




Weiteres:

Der Kampf der Regierungen gegen die eigenen Bürger

  • FISCHER Taschenbuch
  • Softcover
  • 480 Seiten
  • 190 mm x 126 mm x 38 mm
  • Erscheinungsdatum: 28.11.2020
  • Artikelnummer 978-3-596-37078-8


»Was hat Pokemon Go mit Waterboarding, Überwachung oder Trumps Grenzmauer zu tun?«, schrieb die Washington Post, und weiter: »Wenn Sie jetzt versucht sind, >nichts< zu sagen, dann sollten Sie dieses Buch lesen.«


Die Polizei wird mit Drohnen und Panzern aufgerüstet, die Überwachung der eigenen Bürger ausgeweitet, während die Menschen sich von digitalen Angeboten ablenken lassen: Bernard E. Harcourt führt all diese Themen zusammen und zeigt im Anschluss an Foucault, wie eine neue Regierungsform entsteht: Gespeist aus der militärischen Strategie der Bekämpfung von Aufständen, benutzt sie das Argument vom »Kampf gegen Terrorismus«, um ein neues Herrschaftsregime zu errichten. Dessen Prinzipien beruhen auf umfassender Geheimdienstinformation, schonungslosem Targeting von Minderheiten sowie einer Propaganda, die beruhigen soll. Es gilt, so Harcourts brillante Analyse, diese Regierungsform als das zu entlarven, was sie ist: die Tyrannei unseres Zeitalters.


Info: https://www.buchkomplizen.de/index.php?cl=details&libriid=A40581616&listtype=search&searchparam=Bernard%20Harcourt

13.03.2022

Der ehemalige Präsident Boliviens, Evo Morales startet eine globale Kampagne zur „Auslöschung“ der NATO

cooptv.wordpress.com, vom 12.3.2022, Von Carlos Eduardo Sánchez, https://en.ultimasnoticias.com.ve

Der ehemalige Präsident des Plurinationalen Staates Bolivien, Evo Morales Ayma, kündigte eine internationale Kampagne zur Auflösung der Nordatlantikpakt-Organisation (NATO) an, die seiner Meinung nach eine Bedrohung für den gesamten Planeten darstellt.

Zitat: Während eines Sputnik angebotenen Interviews sagte Morales, dass er eine internationale Bewegung der südamerikanischen linken Organisation Runasur organisiere, um die NATO zu beenden.

„Die NATO ist eine Gefahr für den Weltfrieden, für die Sicherheit, also stehen wir vor der Aufgabe, Vereinbarungen mit sozialen Bewegungen zu treffen, nicht nur in Lateinamerika, sondern auf allen Kontinenten, um sie zu beseitigen. Wenn nichts gegen die NATO unternommen wird, dann wird zu einer dauerhaften Bedrohung für die Menschheit“, warnte er.

Er sagte auch, dass die von den USA geführte Atlantikorganisation in den letzten Wochen neue Sanktionen gegen Russland verhängt habe, um die von Präsident Wladimir Putin angeordnete Militäroperation in der Ostukraine abzulehnen.

Er wies darauf hin, dass die USA „Druck und Drohungen“ auf lateinamerikanische Präsidenten ausüben, um Russland für den Konflikt in der Ukraine zu verurteilen.

Morales beteuerte, die Präsidenten seien sich dieser US-Mandate bewusst, aber da sie dem „kapitalistischen System“ angehörten, bleibe ihnen nichts anderes übrig, als „zu gehorchen“.

In den letzten Tagen rief der südamerikanische Führer zu einer großen internationalen Mobilisierung auf, um den interventionistischen Expansionismus der Nordatlantikpakt-Organisation (NATO) und der Regierung der Vereinigten Staaten einzudämmen.

Der ehemalige bolivianische Präsident weist darauf hin, dass die NATO der Hauptfeind der Menschheit ist, die aufgrund ihrer expansionistischen, interventionistischen und kriegstreibenden Politik Leben, Frieden und die Wirtschaft bedroht.

Info: https://cooptv.wordpress.com/2022/03/12/der-ehemalige-prasident-boliviens-evo-morales-startet-eine-globale-kampagne-zur-ausloschung-der-nato

13.03.2022

Wie Spießer und Krämer Politik machen

nachdenkseiten.de, vom 12. März 2022, 14:00 Uhr, Artikel/Kommentar vom Wolfgang Bittner

Deutschland befindet sich seit einigen Tagen in einem „verdeckten Krieg“ mit Russland. Denn Waffenlieferungen an eine Kriegspartei sind ein kriegerischer Akt, und dabei lässt sich nicht zwischen Kampfflugzeugen und Stinger-Raketen oder Panzerfäusten unterscheiden. Jetzt kommen aufgrund des Krieges in der Ukraine mehr als eine Million Flüchtlinge nach Westeuropa, Hunderttausende auch nach Deutschland. Sie finden Unterstützung, werden untergebracht, können kostenlos mit der Bahn fahren, wohin auch immer, ob geimpft oder nicht.


Währenddessen brauchen Ungeimpfte in mehreren Bundesländern noch immer einen Testnachweis, um öffentliche Verkehrsmittel benutzen zu dürfen. Was abläuft, ist mehr als absurd, alles ist durcheinander geraten: Corona, Krieg, Waffenlieferungen, Aufrüstung … Milliarden über Milliarden werden von ideologisierten, US-affinen Politikern und Politikerinnen, die mit der Situation schon länger nicht mehr fertig werden, verpulvert – offenbar meinen sie, das zu dürfen.


Seit zu Beginn der von der WHO ausgerufenen Corona-Pandemie das Parlament versagt und die Exekutive rechtswidrig per Verordnungen Grundrechte aufgehoben hatte, maßen sich alle möglichen Amtsträger an, die Bevölkerung zu bevormunden, zu überwachen und sonst wie zu kujonieren. Wer sich nicht beugt, wird gegebenenfalls mit Sanktionen zur Räson gebracht. Aber das, was zu Anfang der Aufrechterhaltung eines funktionierenden Gesundheitswesens dienen sollte, hatte sich sehr bald verselbstständigt.


Staatlich organisierte, willfährig von den Massenmedien übernommene Kampagnen kennzeichnen inzwischen deutlich den Weg in einen autoritären Staat, dessen Bürger dermaßen indoktriniert sind, dass sie keinerlei Problembewusstsein mehr haben. Spießer und Krämer, die keine Ahnung von den politischen und wirtschaftlichen Zusammenhängen haben, aber alles zu wissen glauben, besetzen gesellschaftliche und politische Schlüsselpositionen. Sinnfällig wurde das wieder in den Reaktionen auf die russische Invasion in der Ukraine.


Immer mehr stellt sich heraus, dass wir uns auf einer abschüssigen Ebene auf einen Abgrund hin bewegen. Darauf wird bereits seit Jahren von einigen Experten hingewiesen, doch das ist von Politik und Medien hartnäckig ignoriert worden. Seit Kurzem sind sogar schon Empfehlungen für das Verhalten bei einem Atomkrieg in Umlauf. Der Schluss liegt nahe, dass Verrückte Blinde führen. Denn die weit überwiegende Bevölkerung macht zu ihrem eigenen Nachteil bei allen Unsinnigkeiten, Hass- und Aggressionstiraden mit, die moralisierend vermittelt werden.


Beispielhaft ist auf die Nichtinbetriebnahme der Nord-Stream2-Pipeline und die Forderung führender Politiker zu verweisen, anstelle des preiswerten russischen Gases teures Fracking-Gas aus den USA zu importieren. US-Präsident Joe Biden, der 2014 erklärte, man wolle Russland ruinieren, wenn es sich nicht den westlichen Kapitalinteressen öffne, kann triumphieren. Ebenso die ehemalige Europa-Beauftragte des US-Außenministeriums, Victoria Nuland, deren Ausspruch „Fuck the EU“ den westeuropäischen Politikerinnen und Politikern offenbar entfallen ist.


Aber auch der Rückzug deutscher Unternehmen aus Russland, die Zensurmaßnahmen sowie die Entlassungen und Diskriminierungen russischer Staatsbürger in Wirtschaft und Kultur Westeuropas sind ein Trauerspiel, ganz zu schweigen von den Forderungen nach einem Corona-Impfzwang, der schon im Vorhinein von namhaften Verfassungsjuristen als grundgesetzwidrig angesehen wird. Wo man hinschaut, herrscht Spaltung, Hass, Aggression und Chaos. Fast ein Wunder, dass die Infrastruktur noch einigermaßen funktioniert.


Bundeskanzler Olaf Scholz hatte recht – allerdings anders, als von ihm gemeint – als er in seiner zutiefst verantwortungslosen Regierungserklärung vom 27. Februar 2022 erklärte, wir erlebten „eine Zeitenwende in der Geschichte unseres Kontinents“. Von der breiten Öffentlichkeit kaum bemerkt, bahnt sich eine Tragödie unvorstellbaren Ausmaßes an, sollte es in allernächster Zeit nicht zu einer Besinnung und damit zu einem grundlegenden Politikwechsel kommen. Immer dringender stellt sich die Frage, wie es weitergehen soll und wie es enden könnte, wenn es so weitergeht.


Der Schriftsteller und Publizist Dr. jur. Wolfgang Bittner lebt in Göttingen. Von ihm erschien 2021 das Buch „Deutschland – verraten und verkauft. Hintergründe und Analysen“.


Info: https://www.nachdenkseiten.de/?p=81866

13.03.2022

Alexander Kluge: "Sieger ist nicht, wer die Schlachten gewinnt"

zeit.de, vom 05.03.2022, Interview: Peter Neumann

Der Krieg ist zurück in Europa. Ein Gespräch mit Alexander Kluge über das Böse und die Möglichkeit eines Friedens


151 Kommentare


Alexander Kluge: Der Autor und Filmemacher Alexander Kluge, 90, hat sich in seinen Werken immer wieder mit dem Krieg beschäftigt.

Der Autor und Filmemacher Alexander Kluge, 90, hat sich in seinen Werken immer wieder mit dem Krieg beschäftigt. © Jürgen Bauer


"Sieger ist nicht, wer die Schlachten gewinnt"


DIE ZEIT: Herr Kluge, Sie haben in Ihren Büchern, Filmen und Interviews immer wieder über den Krieg nachgedacht – plötzlich ist er wieder da in Europa. Welche Lage erkennen Sie?


Alexander Kluge: Man sagt, wer auf dünnem Eis Schlittschuh läuft, wird nur dann nicht einbrechen, wenn er so schnell wie möglich weiterläuft. Wir leben in verschiedenen Realitäten und die sind brüchig zueinander. Es ist ein schieres Unglück, dass hier ein offener Krieg stattfindet. Niemand beherrscht einen Krieg. Es gibt nicht einen einzigen Wert in der Welt, sei er materiell oder ideell, der Krieg rechtfertigt. Das heißt nicht Pazifismus, ich bin kein Friedensprediger. Aber der Krieg ist unberechenbar. Das Einzige, was absolut unbeherrschbar bleibt, ist Krieg. Krankheit kann man heilen, Krieg nicht.


ZEIT: Und doch ist der Krieg jetzt unsere Realität in Europa.


Kluge: Mir gibt das Unglück, dass hier eine der Siegermächte von 1945 eine Besetzung durchführt, enorm zu denken. Wir können auf keinen Fall eine Übersichtsposition für uns beanspruchen: So als könnte jeder ein Richter, jeder König in dieser Sache sein. Mir kam es natürlich auch bizarr vor, wie Putin da mit Macron und Scholz an diesem langen Tisch zusammensitzt. Oder wie er seinen eigenen Geheimdienstchef abkanzelt. Aber ist es Theater, ist es Darstellung von Macht wie im 18. Jahrhundert, ist es Verrücktheit oder Kalkül? Das kann ich nicht beurteilen. Als Jurist weiß ich, dass der Rechtsprechung, dem Urteil von vielleicht 20 Zeilen, oft 30 Seiten Sachverhalt vorausgehen. Und die haben wir nicht.


ZEIT: Was schlagen Sie stattdessen vor?


Kluge: Man muss den ganzen Apparat resetten. Und zwar auf beiden Seiten.


ZEIT: "Resetten" – was genau meinen Sie damit?


Kluge: Es mag in der aktuellen Situation entlegen klingen, aber man muss an die Anfangspunkte der Konfrontation zurück. Die Alternative zum Krieg ist eine intakte Sicherheitsstruktur, etwas Ganzes, so wie der Krieg eine Ganzheit ist. Man muss den Punkt lokalisieren, der für beide Seiten eine Verständigung ermöglicht. Sieger ist nicht, wer die Schlachten gewinnt. Sieger ist, wer einen Frieden herstellt. Lassen Sie mich ein Beispiel geben: Das Völkerrecht ist entstanden im Umkreis von Münster und Osnabrück 1648. Dort wird damals ein 80-jähriger Krieg zwischen den Niederlanden und Spanien und zeitgleich ein Dreißigjähriger Krieg in Mitteleuropa in einem fünf Jahre dauernden Verhandlungsprozess beendet. Das Entscheidende an diesem Westfälischen Frieden ist die Feststellung des sogenannten Normaljahrs. Man einigt sich darauf, dass der evangelische und katholische Besitzstand so bleiben oder wiederhergestellt werden soll, wie er am 1. Januar 1624 war. Dies ist der Schnittpunkt der Schmerzlinie für alle Parteien, der einzige Zeitpunkt im Dreißigjährigen Krieg, an dem nicht die eine Seite mehr gesiegt hatte als die andere. Der Punkt liegt für alle Konfliktparteien gleich weit entfernt von ihren Wünschen. Dieser Punkt ist ein kleiner Möglichkeitsraum. Diesen Möglichkeitsraum zu finden und auszuverhandeln, das war der Schlüssel zum Frieden.


ZEIT: Was heißt das in Bezug auf den Krieg in der Ukraine?


Kluge: Zuerst: keine Politik oder Redeweise der Selbstgewissheit. In der derzeitigen Debatte behauptet jede Seite, jedes Gremium, die Übersicht zu haben. Die gibt es aber gar nicht. Wir sprechen mit dem großen Kriegstheoretiker Clausewitz von den "Nebeln des Krieges". Sowie der Krieg ausbricht, ist alles unbestimmt. Dieses Nebelhafte, dieses Unbestimmtheitsfeld, ist die Herausforderung, auf die wir antworten müssen. Und deswegen können wir mit einer Psychologisierung Putins oder mit einer moralischen Haltung, die wir im Westen alle teilen, keine Sicherheitsstruktur gewinnen. Die Bosheiten sind auf beiden Seiten gut verteilt. Immanuel Kant hat einmal sehr schön gesagt: Selbst eine Welt von Teufeln, sofern sie die Regeln der Vernunft anwenden, könnte eine Republik gründen. Verstehen Sie mich nicht falsch: Ich bin in keiner Frage gleichgültig. Ich urteile sehr wohl. Ich liebe die Freiheit und die Selbstbestimmung, Sie können aus mir einen Revolutionär von 1789 machen. Aber ich weiß, dass ich nicht der Herrscher bin. Meine Urteilsbasis ist: Wo wäre selbst für einen Verrückten oder einen Bösen der Punkt, an dem er sich aus Realitätsgründen einigen kann?


ZEIT: Es scheint unheimlich schwierig, einen solchen "Normalpunkt" zu definieren.


Kluge: Wenn Sie zwischen Erde und Mond die Gravitationsverhältnisse messen, dann finden Sie den abarischen Punkt. "Barus" ist griechisch und heißt Schwere, Gewalt, "a-barisch" ist der "gewaltlose Punkt". An diesem Punkt gleicht sich die Gravitation des einen Himmelskörpers mit der eines anderen aus. Eine Balance entsteht. Da können Sie die Bibliothek des Vatikans hin transportieren, die bleibt ewig dort kreisend. Es gibt zwischen politischen Mächten wenige abarische Punkte, an denen man sich in objektiver Weise verständigen kann. Aber es gibt sie.


"Wir brauchen Vermittlung"


ZEIT: Einen "gerechten Frieden", einen Frieden, der mehr ist als nur die Abwesenheit von Gewalt, kann es also gar nicht geben?


Kluge: Die Hoffnung auf einen gerechten Frieden verengt den Möglichkeitsraum. Der Krieg ist ein Monster. Sein erstes Element ist, wie gesagt, die Nebelhaftigkeit. Das zweite ist: Der Krieg ist so mutativ begabt, so evolutionär begabt wie das Virus. Und besonders Kriege, in denen keiner siegen kann, verändern pausenlos ihren Ort, ihre Gestalt und ihre Befähigung zur Grausamkeit. Clausewitz hat den Krieg als "ein wahres Chamäleon" bezeichnet – und er hatte recht. Wenn der Krieg an einer Stelle aufzuhören scheint, fängt er an einer anderen Stelle wieder an. Man hat das in Syrien gesehen. Er verwandelt seine Gestalt, aber er endet nicht. Die Idee, dass ein Land oder ein Machthaber irgendwelche Kriege gewinnt, ist irrig. Hannibal gewinnt eine Schlacht nach der anderen – und seine Republik verliert den Krieg. Napoleon siegt dauernd – bis zur Schlacht bei Leipzig. Das heißt: Beide sind ganz große Sieger und haben eigentlich nie gesiegt. Wenn ein Krieg ausbricht, sind nicht die Gedanken interessant, wie man ihn gewinnt und wie man das übertrumpft, was der Gegner macht. Das führt nur zu Steigerung und Mutationen. Man kann ja auch das Virus nicht mit Geschützen beschießen, wie Macron zu Beginn der Pandemie sagte: Wir führen Krieg gegen das Virus. Das ist genauso unsinnig wie die Ansicht, man könne Krieg durch Krieg besiegen. Man kann den Krieg nur beenden, wenn man den kleinen Möglichkeitsraum findet, in dem Frieden möglich wäre.


ZEIT: Sie halten die Sanktionen gegen Russland nicht für den richtigen Weg?


Kluge: Jeder Dompteur im Zirkus weiß, wenn er zu nah an das Tier herangeht und seine Sicherheitszone irritiert, wird er gebissen. Die ist beim Bären etwas weiter vom Körper weg und beim Löwen etwas näher am Körper dran. Merkwürdigerweise gibt es zwischen politischen Mächten und deren Phantasmen etwas ganz Ähnliches. Das sind virtuelle Tiere. Wir müssen wieder anfangen, das politische Alphabet neu zu buchstabieren. Damit meine ich, dass dort, wo der Konflikt entstand, auch das Gegengift zu suchen ist. Das Völkerrecht entstand aus der bitteren Erfahrung des Dreißigjährigen Krieges, der nicht enden wollte. Aus den Erfahrungen des Zweiten Weltkriegs stammt die Erfahrung, dass Siegermächte miteinander nicht in Reibung geraten dürfen. Am Tag von Hitlers Tod in Berlin wurde in San Francisco das Vetorecht im Sicherheitsrecht erfunden. Großmächte dürfen direkt keine Kriege miteinander führen. Dies war das stabile Element im Kalten Krieg, der im Übrigen genügend höchst gefährliche Augenblicke hatte. Erfahrungsgehalte von 1648 bis heute, ja bis zurück zum nicht enden wollenden peloponnesischen Krieg, gehören zum politischen Alphabet. So merkwürdig es klingt: Gerade jetzt in der Krise müssen wir ihre Elemente definieren. So wie der Krieg ganzheitlich ist, so ist es auch die Sicherheitsarchitektur. Das Politische ist nicht, wie man oft glaubt, das Entscheiden. In einer antagonistischen, pluralen Welt kann man nicht entscheiden. Niemand kann das. Man kann nur verhandeln oder Krieg führen. Aber gerade im Krieg kann man nicht entscheiden. Der Krieg ist ein Dämon, den man nicht beherrschen kann. Im Krieg ist nichts entscheidbar. Keiner kann gewinnen. Wer auch immer gewinnt, stürzt ab.


ZEIT: Die Bilder des Krieges, die wir zu sehen bekommen, sind von einer starken Maskulinität geprägt: Der ukrainische Präsident hat seinen Anzug gegen einen schlammfarbenen Pullover getauscht, Wladimir Klitschko sitzt am Maschinengewehr und verteidigt sein Land. Gibt es eine neue Ästhetik des Kriegs?


Kluge: Das ist genau das, was ich so gefährlich finde. Die Ästhetisierung des Krieges ist eine falsche Anwendung der Einbildungskraft. Ästhetik heißt Unterscheiden. Wir müssen das Unterscheidungsvermögen so exakt wie möglich ausbilden. An die Stelle von Ästhetisierung muss mit voller Empathie und Emotion das hierfür notwendige Unterscheidungsvermögen in unseren Öffentlichkeiten geschärft werden. Man müsste eigentlich neben jedem Übersetzer zwischen Englisch und Russisch noch einen Interpreten haben, der sagt, was das auf Russisch bedeutet und was das auf Englisch bedeutet. Das wäre eine Art Referent für geschichtliche Erfahrung. Und wenn wir das gründlich täten, würde man sich auch verständigen können. Ein Maschinengewehr mit Klitschko dahinter ist hingegen nichts weiter als ein Plakat.


ZEIT: Immer wieder stehen Verhandlungen im Raum – wäre das der von Ihnen genannte Möglichkeitsraum?


Kluge: Das wäre ein Enzym für einen Möglichkeitsraum. Wir brauchen Vermittlung. Gewalt gegen Gewalt funktioniert nicht. Sie dürfen den Krieg gar nicht erst anfassen, denn er ist infektiös wie ein Virus. Wir brauchen einen Punkt, an dem die Konfliktparteien einen Moment lang nicht mehr kämpfen. Günter Gaus hat gesagt, es stecke viel Erfahrung auch in den Schwächen der Menschen und in ihren Irrtümern. Irrtümer haben ihren Grund. Untersuchen wir diesen Grund, gewinnen wir einen Erfahrungsschatz. Das wäre besser, als dauernd zu richten und zu urteilen. Und auf dieser Erfahrungsebene, die anfangs keine gemeinsame ist, aber eine werden kann, können wir suchen und graben und sammeln und würden finden, dass es sehr viel Übereinstimmungen gibt, aus denen sich ein Raumfahrzeug namens abarischer Punkt zimmern lässt.

Eine kürzere Version dieses Interviews erschien in der ZEIT 10/2022.

Kommentare

151 Kommentare Seite 1 von 18 Kommentieren


Holbach #1  —  vor 1 Woche

92

Danke alter Kluge , alter kluger Mann , für Deine einsame Stimme der Weisheit in einer hysterisch-verrückten Welt , die ihr Heil und ihre Vernunft in Aufrüstung und Militarisierung , im Fundamentalismus des Krieges sucht und nur Eskalation ernten wird.


VoxPropria

#1.1  —  vor 4 Tagen

17

Das soll also Weisheit sein? Einem Diktator einfach ein Land nach dem anderen überlassen -- nur um als "weise" zu gelten.

Hätte GB, hätte die USA das damals gemacht, dann würde Europa heute anders aussehen. Aber grenzenloses, utopisches Denken stirbt eben nicht aus.


ElLibertador

#1.2  —  vor 4 Tagen

12

An den entscheidenden Stellen, wenn es konkret wird, flüchtet sich Herr Kluge ins metaphorische und ungefähre. Das ist kein Vorwurf, aber zeigt einfach die Schwierigkeit, dass es unklar ist, auf welchem Wege man zum Frieden kommt.

Man handelt immer nur für sich selbst und interagiert eben mit jemandem, der unberechenbar erscheint. Dies gilt für beide Seiten und erscheint mir auch etwas, was Putin unterschätzt hat. Es war nicht absehbar, wie Europa genau reagieren würde. Genausowenig lässt sich Chinas Reaktion als Unbeteiligter genau absehen, sondern wird auch auf die Geschehnisse reagieren.

Man steigt auch nicht einfach aus dem Krieg aus, sondern kann nur versuchen Verständigung für Frieden, während der Krieg weiter läuft. Der Krieg wartet nicht darauf, dass eine Seite sich für Frieden anstrengt.


Appendnix

#1.3  —  vor 4 Tagen

6

Für mich war es ein negatives Beispiel für den Begriff "akademisch". Super durchdacht, schön formuliert, aber leider wenig hilfreich. Und irgendwie habe ich das Gefühl, dass sich ein Loch in Kluges Theorie befindet: Wo war der Möglichkeitsraum Hitlers und Deutschland für den Frieden 1945?


ingaginga

#1.4  —  vor 3 Tagen

1

Zunächst war da nichts als eine komplette militärische Niederlage. Aber dann entfaltete sich ein Möglichkeitsraum wirtschaftlicher Art - durchaus auch mit kriegerischen Elementen, aber grundsätzlich dürften Verhandlungen das Wesenselement der uns als Nachkriegszeit bekannten Aera sein. Und da wir diesen Möglichkeitsraum immer noch am Erschaffen sind, ist es vielleicht auch kein Zufall, dass es ja eigentlich noch keinen unterzeichneten Friedensvertrag gibt; den sind wir sozusagen noch am Schreiben bzw. kann man dann letztendlich auch darauf verzichten.


Petersbacher

#1.5  —  vor 3 Tagen

5

"Das soll also Weisheit sein? Einem Diktator einfach ein Land nach dem anderen überlassen -- nur um als "weise" zu gelten."

DAS lesen Sie jetzt da raus? Merkwürdig.

Die Wahrheit ist - wer absolute Gerechtigkeit fordert, der wird Kriege nie beenden. Und in keinem Krieg, der je geführt wurde - bzw. in keinem darauffolgenden Frieden - wurde jemals so was wie ne Gerechtigkeit erzielt.

Sonst gäbe es keinen Frieden.

Natürlich wird man Putin nicht wieder komplett aus der Ukraine rauswerfen können - das ist einfach illusorisch.

So gesehen hat man dann dessen Vorgehen "belohnt" - wenn der Effekt davon ist, dass keine Leute mehr sterben, solls mir recht sein. WEITERSEHEN kann man immer.

Aber wer "Raumgewinn" für ein Land als wirklichen Gewinn ansieht, ist wohl im gleichen falschen und ewiggestrigen Denken verhaftet wie Putin.


rat los

#2  —  vor 1 Woche

14

Pazifismus ist zum ersten Mal out, seit ich denken kann. Die meisten chats erinnern mich an Länderspielstimmung, Herr P. hat sich sein Feindbild gründlich erarbeitet, der Frieden ist out, entweder können die Ukrainer sich lange halten oder irgendwer sonst soll ihn stoppen. Die Ziele, der er erreichen will, steckt er schon weiter, Rückzug der Nato, der Atomwaffen etc. Das setzt einen Krieg mit der Nato voraus. Wir dagegen sehen nur Frieden, wenn wir P. ausschalten. Die Regeln des Krieges sind irrsinnig, der vernünftige Frieden ist auch durch Unterwerfung nicht erreichbar. Wenn aber die Ukrainer aufgeben, weil sie nichts mehr ausrichten können, müssen wir das auch akzeptieren.


Petersbacher

#2.1  —  vor 3 Tagen

1

Putin ist in 20 Jahren ein sabbernder alter Mann. Das erledigt sich alles von selbst.


unanglaublich

#2.2  —  vor 42 Minuten

Wunschdenken, dass alles an einer Person hängt...m.E. gibt es einen ganzen Apparat, der dann mit einer anderen Figur weiterfunktioniert... wenn nicht der ganze Apparat vom Volk weggejagt wird. Es gibt aber viele Russen, auch in Deutschland oder anderswo, die ganz richtig finden, dass Russland es jetzt allen mal zeigt.


Seriousness

#3  —  vor 1 Woche

33

Kluges Referenzsystem Dreißigjähriger Krieg hatte ganz Europa ausgelaugt. Es gab keinen klaren militärischen Sieger. Erst dann gab es den westfälischen Frieden.
Putin propagiert die Ukraine aber als neue Heimat des Nazismus. Er will die bedingungslose Kapitulation der Regierung Selenski, keine Verhandlungen.


kontestation

#3.1  —  vor 4 Tagen

5

"Er will ..."

https://www.dekoder.org/de/g…

und die

https://www.dekoder.org/de/a…


NachdenklicheFrau

#4  —  vor 6 Tagen

51

Eine wunderbare stimme der weisheit und der nachdenklichkeit in dieser situation, mit - wie immer bei kluge - neuen und überraschenden gesichtspunkten. Danke für dieses interview!


kontestation

#4.1  —  vor 4 Tagen

22

kluge ist nach putins westlichem geschmack. er würde sich angeregt mit ihm unterhalten und anschliessend über ihn lachen.


Nikolaus12345

#4.2  —  vor 4 Tagen

20

Herrr Kluge hat - wie Sie - leider den Putin nicht vestanden.

Da gibt es nichts zu verhandeln, der Putin akzeptiert nur die Kapitulation.

Solange der Putin lebt, wird es keine Verhandlungslösung geben, nur Sieg oder Niederlage.


konseq

#4.3  —  vor 4 Tagen

5

Aber - es könnte sein, dass er genau daran zu Grunde geht. Wenn das in seinem Land danach aussieht, wird sein Vorgehen nicht mehr akzeptiert werden. Robbespiere wurde auch nicht von den Monarchisten umgebracht, sondern von den eigenen Leuten.


starbuzz

#4.4  —  vor 4 Tagen

3

Sie haben Putin verstanden?
Eher Kluge oder Dr. Jamie Patrick Shea, Leiter der Politischen Planungsabteilung der NATO:
https://www.dctp.tv/filme/na…

Oder Horst Teltschick (Helmut Kohls Kanzlerberater)
https://www.dctp.tv/filme/um…

Oder Scholl-Latour
https://www.dctp.tv/filme/ru…

.. haben Fakten und resümieren.


Ura5

#4.5  —  vor 4 Tagen

9

Ihre Links sind von 2007, 2009 und 2015.

Diese helfen höchstens zum geschichtlichen Verständnis haben aber mit der aktuellen Situation nichts mehr zu tun.

Putins Russland ist heute ein anderes: es will wieder Imperium werden. Das historisch falsche Gerede über die Kiever Rus und das Verneinen der Ukraine als eigener Staat sollten dies allen klar gemacht haben.


matthias.eisenhut

#4.6  —  vor 4 Tagen

So ist es!


Alter-Ego

#4.7  —  vor 2 Tagen

Da haben sie wohl recht.
Biden hingegen würde wahrscheinlich müde lächeln. Weil er immer müde ist und einer Unterahlung auf diesem Niveau kaum folgen kann.
Die Lenker in Europa lauschen hingegen andächtig. Sie glauben, sie hätten es mit einem Schöngeist zu tun. Für sie ist das der Soundtrack der instrumentellen Vernunft.
Überall wo kluge Worte gesprochen werden herrscht also gute Unterhaltung. Aber nicht wegen der klugen Worte, sondern bloß wegen deren Nicht-Beachtung.
Aber eigentlich wollte ich gar nicht mir auf ihre Kommentare eingehen. Sorry!


Weitere Kommentare


Info: https://www.zeit.de/kultur/literatur/2022-03/alexander-kluge-krieg-ukraine-europa-frieden/komplettansicht

13.03.2022

John Bolton über russischen Präsidenten
»Ich glaube nicht, dass Putin eine Schraube locker hat«

spiegel.de, 13.03.2022, 11.16 Uhr, Ein Interview von René Pfister

Putin will die gesamte Ukraine einnehmen? Eher nicht, sagt der frühere US-Sicherheitsberater John Bolton. Auch die Gefahr eines Atomschlags hält er für gering. Was wir erleben, sei eine Geschichte des westlichen Scheiterns.

 - ab hier Bezahlschranke -


Info: https://www.spiegel.de/ausland/john-bolton-ueber-wladmir-putin-ich-glaube-nicht-dass-er-eine-schraube-locker-hat-a-72972186-8fc7-48e7-b7e8-90e5835e0b1a


aus e-mail von Doris Pumhrey, 13.3.2022 23:07 Uhr


In einem Interview mit dem /Spiegel/ <https://www.spiegel.de/ausland/john-bolton-ueber-wladmir-putin-ich-glaube-nicht-dass-er-eine-schraube-locker-hat-a-72972186-8fc7-48e7-b7e8-90e5835e0b1a> zum Ukraine-Krieg sagte der Ex-Sicherheitsberater der US-Regierung, John Bolton, er sei nicht davon überzeugt, dass Russland die gesamte Ukraine einnehmen wolle.


/"Ich glaube, Putin will die östlichen und südlichen Teile der Ukraine, wo vor allem die russischsprachigen Ukrainer leben. Und er will die totale Kontrolle über die Nordküste des Schwarzen Meeres, die er ja fast schon besitzt." /


In einem solchen Szenario könne Russland aus diesem Teil der Ukraine einen russischen "Marionettenstaat" machen. Bolton glaube, Putin könnte diesen Plan schon erreicht haben, wenn seine Truppen nicht zusätzlich auf Kiew vorgerückt wären.


Angesprochen auf seine Eindrücke von Präsident Putin, erklärte Bolton, dass er Putin als "kaltblütigen" und "rationalen Denker" kennengelernt habe, der die nationalen Interessen Russlands im Auge habe. Was rational sei oder nicht, "darüber mögen wir im Westen andere Ansichten haben als Putin". Aber das, was er nun in der Ukraine tue, sei völlig stimmig mit dem, was er immer gesagt habe, fügte Bolton hinzu.


Auf die Frage, ob Putin sich dazu entschließen könnte, auch Atomwaffen einzusetzen, wenn Russland seine Ziele in der Ukraine nicht mit konventionellen Mitteln erreicht, meinte Bolton, er "glaube nicht, dass er dies tun wird". Denn das würde den Anführern der NATO-Staaten

zeigen, dass es eine Gefahr für die Sicherheit und den Frieden in ganz Europa gebe, "nicht nur für die Ukraine".


/"Im Moment sieht doch unsere Position folgendermaßen aus: Wir stehen so lange hinter den Ukrainern, bis es für uns unangenehm wird. Der Einsatz einer Atombombe würde diese Rechnung über den Haufen werfen, und deshalb glaube ich nicht, dass Putin das tun wird."/


Auf die Frage, ob die gegenwärtige Lage im Zuge des Ukraine-Krieges so gefährlich wie die Kubakrise im Jahr 1962 ist, sagte Bolton dem /Spiegel/, die Situation heute sei nicht mit der von damals zu vergleichen. "Wir stehen nicht annähernd an einem Punkt, wo die Gefahr bestünde, dass Salven von Nuklearraketen abgefeuert würden."


/"Was wir erleben, ist eine Geschichte des westlichen Scheiterns. Wir klopfen uns auf die Schultern und gratulieren uns gegenseitig, wie vereint die NATO ist. Aber wir haben es nicht geschafft, die Invasion der Ukraine zu verhindern."/


Putin habe gesehen, so Bolton, dass die NATO schwach sei, was für ihn bedeute, dass Russland stark sei. Er habe gesehen, wie Donald Trump die "Existenz der NATO" als Ganzes infrage stellte; "vielleicht hat er sogar gedacht, dass Trump in einer zweiten Amtszeit die NATO verlassen würde". Auf jeden Fall sei Putin sicher nicht beeindruckt von der NATO gewesen, nachdem so viele interne Brüche offenkundig geworden seien.


In seinen Memoiren "Der Raum, in dem es geschah" ging Bolton scharf mit Trump ins Gericht und warf ihm totale außenpolitische Ahnungslosigkeit vor. Bereits seit Jahren unterstützt Bolton republikanische Kandidaten, die sich dafür einsetzen, US-amerikanische Interessen in der Welt

aggressiv geltend zu machen und im Notfall mit Gewalt durchzusetzen.



Weiteres:



https://de.rt.com/international/133758-john-bolton-zum-ukraine-krieg/

13.3.2022

*John Bolton zum Ukraine-Krieg:

"Was wir erleben, ist eine Geschichte des westlichen Scheiterns"


*In einem Interview mit dem "Spiegel" zum Ukraine-Krieg sagte der Ex-Sicherheitsberater der US-Regierung, er sei nicht davon überzeugt, dass Russland die gesamte Ukraine einnehmen wolle. Bolton erläuterte, Putin habe gesehen, dass die NATO schwach sei. Dies bedeute für ihn, dass Russland stark sei.


*Mehr zum Thema* - Signalschuss für Regime Change? US-Neocons gründen Denkfabrik für "Türkische Demokratie"

<https://de.rt.com/international/120146-signalschuss-fur-regime-change-us/>

13.03.2022

Beispiel Iran: Wie reagiert Russland auf harte Sanktionen des Westens?

rtde, 13 Mär. 2022 16:29 Uhr, von Seyed Alireza Mousavi

Der Westen ist bereits bei Iran mit seinen harten Sanktionen krachend gescheitert. Nun will eine sich selbst überschätzende westliche Führung die Großmacht Russland damit in die Knie zwingen. Was hat Moskau bezüglich harter US-Sanktionen aus Iran gelernt?


Zitat: Im Zuge des Ukraine-Krieges hat der Westen harte Sanktionen gegen Russland verhängt. Inzwischen spricht die Kremlführung von einem "absolut beispiellosen Wirtschaftskrieg gegen Russland". Gegen kein Land gibt es derzeit mehr Sanktionen als gegen Russland. Insgesamt sind Berichten zufolge mehr als 5.530 Sanktionen gegen russische Staatsangehörige in Kraft. Dabei ist zu bemerken, dass die meisten Sanktionen innerhalb einer sehr kurzen Zeitspanne gegen Russland verhängt wurden. Bislang war Iran das Land mit den meisten Sanktionen, diese hatten sich jedoch im Gegensatz zu Russland über einen Zeitraum von mehr als zehn Jahren angehäuft. Etwa 3.600 Sanktionen hatte der Westen gegen Iran verhängt, insbesondere wegen seines Atomenergieprogramms und wegen angeblicher Unterstützung des "Terrorismus".


Der Westen will nun gern Russland mit harten Sanktionen ebenso in die Knie zwingen, genauso wie Iran im Jahr 2018, als die USA unter der Trump-Regierung dieses Land mit massiven Wirtschaftssanktionen überzogen hatten, nachdem die USA zu diesem Zweck und ohne Not einseitig aus dem Atomdeal mit Iran ausgestiegen waren. Bereits vor der Unterzeichnung des Abkommens im Jahr 2015 wurden Irans Banken aus dem Finanztransaktionssystem SWIFT ausgeschlossen, Handelspartner zogen sich demzufolge aus Iran zurück. Das Vorgehen gegen Iran wurde dann sogar im Rahmen der US-Politik des "maximalen Druckes" auf Iran ab 2018 weiter verschärft, was im Endeffekt Irans Transaktionen mit der übrigen Welt tatsächlich massiv einschränkte und iranische Öleinnahmen ausgehöhlt hat. Die USA haben auch seither europäische Unternehmen mit der "Strafe" angedroht, falls sie die US-Sanktionen nicht befolgen.


Die Sanktionen sind im Grunde seit einiger Zeit offenbar das Hauptwerkzeug des Westen in der Außenpolitik, und sie werden häufig insbesondere von den USA und der EU benutzt, um deren Agenda überall auf der Welt durchzusetzen und betroffene Länder "auf die Linie" zu bringen. Die Politik des maximalen Druckes der US-Regierung gegen Iran hat sich allerdings nach Worten von US-Beamten zu einem maximalen Misserfolg entwickelt, da es den USA letztendlich nicht gelungen ist, die iranische Wirtschaft zum völligen Zusammenbruch zu bringen. Trump hatte sich zum Ziel gesetzt, das Land wirtschaftlich zu ruinieren und dadurch womöglich Aufstände gegen die Islamische Republik Iran zu entfachen. Die US-Sanktionen haben Iran zwar schweren Schaden zugefügt, aber in ihrer Gesamtheit zeigt sich die iranische Wirtschaft jedoch heute vergleichsweise anpassungsfähig.


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Meinung

Aufstieg Eurasiens: Neue Konzepte zur Eindämmung von globalen Ambitionen des Westens






Die Resilienz der iranischen Wirtschaft ist in einer vergleichsweise fortgeschrittenen Diversifizierung begründet. Dies findet auch Ausdruck durch gestiegene Exporte von im Land gefertigten Produkten. Iran versuchte in vergangenen Jahren mit dem Konzept "Widerstandswirtschaft", die iranische Wirtschaft gegen westliche Sanktionen immun zu machen, indem die Inlandsproduktion angekurbelt wurde. Demnach zielt Iran längst darauf ab, die Wirtschaft so umzugestalten, dass eine größtmögliche Unabhängigkeit von Importen erzielt und eine Planung auch für die Zeit nach dem Erdöl vorangetrieben wird. Nachdem große westliche Konzerne und Firmen (McDonald’s, Coca-Cola und andere westliche Ketten) jetzt angekündigt haben, Russland zu verlassen, könnte die Kremlführung diesen Schritt langfristig auch als eine Chance sehen, um Monopolstellungen westlicher Unternehmen zu brechen und eine kompensierende Inlandsproduktion zu fördern.


Die neue iranische Regierung unter Präsident Ebrahim Raisi setzt auf den Handel mit Nachbarn und auf die Orientierung des Landes gen Osten, um soweit wie möglich das Land vor westliche Sanktionen zu schützen. Während Iran mit Russland und Turkmenistan zum Beispiel der Stromverbund stärkt, wird mehr Gas in Nachbarländern wie in die Türkei und Irak ausgeführt. Fehlende Devisen und Finanzsanktionen hat Iran versucht auch zum Teil mit Bargeldgeschäften zu umgehen.


Der SWIFT-Ausschluss hatte in den letzten Jahren der iranischen Wirtschaft besonders schweren Schaden zugefügt. 2012 sperrte SWIFT iranische Banken zum ersten Mal vom internationalen Zahlungsverkehr aus. SWIFT wickelt weltweit für mehr als 11.000 Finanzinstitute in mehr als 200 Ländern Finanztransaktionen über gesicherte Kommunikationsnetze ab. Der iranische Öl-Exporte ist infolge des SWIFT-Ausschlusses zusammengebrochen, denn Öl-Verkauf geht nämlich gewöhnlich nur  bei einem zugleich ungehinderten Zahlungsverkehr zwischen Banken vonstatten. Insofern hat Iran im Zuge der neuen Atomverhandlungen zur Aufhebung der Sanktionen gegen das Land mehrfach betont, die Aufhebung der Sanktionen für das Land müsse insbesondere bedeuten, dass die Islamische Republik wieder in der Lage sein sollte, ihr Öl unter normalen Bedingungen zu verkaufen und dafür auch das Geld zu erhalten.


Iranischer Revolutionsführer: USA verantwortlich für Ukraine-Konflikt





Iranischer Revolutionsführer: USA verantwortlich für Ukraine-Konflikt






Angesichts der Erfahrung mit Iran haben nämlich bereits US-Rivalen im globalen Maßstab für Russland und China die Abkopplung vom westlich dominierten globalen Zahlungsverkehr vorbereitet. Der russische Außenminister Sergei Lawrow kündigte daher im März 2021 bei seinem Staatsbesuch in China an, dass beide Staaten das Sanktionsrisiko verringern könnten, wenn sie ihre finanzielle Unabhängigkeit stärken würden. Diese Idee bringt nicht nur diesen zwei Großmächten Nutzen, sondern bietet auch den anderen Staaten, die Opfer westlicher Sanktionen werden könnten, künftig alternative Möglichkeiten zur Abwicklung des zwischenstaatlichen Zahlungsverkehrs.


Im letzten Jahr strebte zudem eine Gruppe von 16 Ländern, darunter Iran, Venezuela, Russland und China, nach Bildung einer Koalition bei den Vereinten Nationen, um der Androhung von einseitigen Sanktionen durch den Westen entgegenzuwirken. In einem fortgeschrittenen Format könnte sich diese Koalition auch in eine Wirtschaftsunion vieler vom Westen sanktionierter Staaten entwickeln, um dauerhaft Sanktionen der USA sowie der EU gegen souveräne Staaten zu umgehen.


Am Ende soll aber nicht verschwiegen werden, dass es auch gewisse spezifische Unterschiede zwischen Iran und Russland gibt. Die Sanktionen gegen Russland werden nämlich in erheblich stärkerem Maße auch gegen die Verursacher wirken und zu bedeutenden negativen Wirtschaftsfolgen im Westen und insbesondere im Europa der EU führen, was bei der Einführung der Sanktionen gegen Iran dort keineswegs nicht zu befürchten war.



Mehr zum Thema - Kampf um Deutungshoheit: Ist Russland wegen des Ukraine-Krieges international "isoliert"?


Info: https://rtde.xyz/der-nahe-osten/133608-beispiel-iran-wie-reagiert-russland

12.03.2022

,Deutschlands Stockholm-Syndrom und die Entlassung von Valery Gergiev

cynthiachung.substack.com, 12. März 2022, Cynthia Chung     (elektr. übersetzt, unkorrigiert)


"Nein, es gibt eine Grenze für die Macht des Tyrannen! Wenn der Unterdrückte keine Gerechtigkeit findet, wenn die Last unerträglich wird, appelliert er mit furchtlosem Herzen an den Himmel und bringt von dort seine ewigen Rechte herab, die dort bleiben, unveräußerlich seine und unzerstörbar wie Sterne selbst. Der Urzustand der Natur taucht wieder auf, in dem der Mensch seinen Mitmenschen gegenübersteht; und wenn alle anderen Mittel sein Bedürfnis verfehlen lassen, bleibt ein letzter Ausweg – sein eigenes gutes Schwert. Das Liebste unserer Güter können wir verteidigen, Vor Gewalt. Wir stehen vor unserem Land, Wir stehen vor unseren Frauen, vor unseren Kindern!

Wir wollen eine einzige Bande von Brüdern sein, niemals in Gefahr oder Not abschieden. Wir wollen frei sein, wie es unsere Väter waren, und lieber sterben, als in Sklaverei zu lebenWir wollen auf den einen höchsten Gott vertrauen und niemals Angst vor menschlicher Macht haben."

"Der Rütli-Eid", Friedrich Schillers "Wilhelm Tell"


Am 1. März wurde Valery Gergiev von seinem Manager fallen gelassen und von Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter aus seiner Position als Chefdirigent der Münchner Philharmoniker entlassen, weil er Russland nicht wegen seiner militärischen Intervention in der Ukraine angeprangert hatte. Gergievs ehemaliger Manager Marcus Felsner erklärte gegenüber The Guardian, dass der russische Dirigent "der größte lebende Dirigent und ein außergewöhnlicher Mensch mit einem tiefen Sinn für Anstand" sei, aber er sei nicht in der Lage, "seine lang geäußerte Unterstützung für ein Regime, das gekommen ist, um solche Verbrechen zu begehen", öffentlich zu beenden.


Die Frage ist, wer ist der größte Verlierer in all dem? Das heißt, wer wird kulturell den größten Verlust durch die freiwillige Entlassung des "größten lebenden Dirigenten" erleiden?

Kein anständiger Mensch sehnt sich nach Krieg. Krieg wurde historisch als die Waffe, das Werkzeug des Tyrannen anerkannt. Einem Volk, einer Zivilisation Gewalt zu drohen und seine Zerstörung zu riskieren, nur um einen vorübergehenden und prekären Thron an sich zu reißen, wird zu Recht als der Ehrgeiz eines Verrückten angesehen.


Die Frage ist, wessen wahnsinnigen Ambitionen und Kriegsentwürfen werden wir als globale Bevölkerung als Geisel gehalten? Das heißt, wer ist der Tyrann? Und wer sind die Verfechter der Freiheit, die das Recht haben, sich mit ihrem "eigenen guten Schwert" "vor Gewalt zu verteidigen"?


Viele von Ihnen fragen sich vielleicht, was ist der "Rütli-Eid" und wer ist Friedrich Schiller?

Nun, das ist genau der Punkt. Wenn du es nicht weißt, wurde dir etwas geraubt und es wurde bewusst getan, damit du solche Dinge nicht weißt oder dich daran erinnerst. Eine Bürgerschaft, die frei sein möchte und "lieber sterben möchte, als in Sklaverei zu leben" und "niemals Angst vor menschlicher Macht zu haben", ist sicherlich kein akzeptables Geschichtenerzählen für Kinder, geschweige denn Erwachsene, in einer Welt, in der wir kein Recht haben zu wählen, was die Zukunft bringt.


Schiller ist in vielerlei Hinsicht der vergessene Shakespeare Deutschlands.

Heute können wir immer noch den Namen Goethes oft hören, aber selten hören wir den Namen seines lieben Freundes, Mitarbeiters und in vielerlei Hinsicht Mentors Friedrich Schiller.


Das Goethe- und Schillerdenkmal vor dem Nationaltheater in Weimar (1857)

Goethe und Schiller wurden im 19. Jahrhundert als die beiden am meisten verehrten Figuren der deutschen Literatur anerkannt. Beide Männer hatten in der Stadt Weimar in Mitteldeutschland gelebt und waren die wegweisenden Figuren der literarischen Bewegung, die als Weimarer Klassik bekannt ist.

Die Weimarer Klassik war im Gegensatz zu dem, was Wikipedia Ihnen glauben machen will, nie ein neuer Humanismus, der aus den Ideen der Romantik hervorging.


Tatsächlich waren es die Mythologien der romantischen Bewegung, die eine Form des Kulturkampfes gegen die deutschen Klassiker einleiteten. Von Nietzsche über Wagner, die "romantische" Protestbewegung der Jugendbewegung, bis hin zum romantischen Kulturpessimismus und Existentialismus der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg, bekannt als die "Verlorene Generation", waren all diese Wellen des "Denkens" im Wesentlichen Teil derselben ununterbrochenen Tradition, die dem deutschen Klassizismus zuwiderlief, da es Deutschland war, das bei der Schaffung von Genies der Klassiker führend geworden war.

Alle diese sogenannten "romantischen" Bewegungen förderten Formen des "heroischen Nihilismus", wie sie bei Personen wie Ernst Jünger, Oswald Spengler, Arthur Moeller van den Brück und anderen zu sehen waren, die das ideologische Umfeld der Nazis mitgestalteten.


Der Angriff auf die Weimarer Klassik begann mit dem Wiener Kongress (1814-1815). Viele Historiker erkennen in der Tat an, dass der Wiener Kongress, der für die unmenschliche Aufteilung Europas nach den Napoleonischen Kriegen verantwortlich war, weitgehend für die politische Hebung verantwortlich war, die ein Jahrhundert später zum Ersten Weltkrieg führte.


Die Karlsbader Dekrete wurden 1819 vom Deutschen Bund als Ableger der Vision für Europa verabschiedet, wie sie vom Wiener Kongress definiert wurde, der die Herrschaft des Imperiums und der Monarchie aufrechterhielt. Er schränkte die Wissenschafts- und Pressefreiheit stark ein und setzte eine Bundeskommission ein, die alle Anzeichen politischer Unruhen in den Bundesländern untersuchen sollte. Dies war eine Reaktion auf die Welle des Republikanismus, die nach dem Erfolg der Amerikanischen Revolution gegen die britische Monarchie über ganz Europa hinwegfegte. So sahen die Organisatoren des Wiener Kongresses diesen Geist des Republikanismus als eine Form der revolutionären Volksverhetzung, die um jeden Preis an ihrer kulturellen Wurzel zerschlagen werden musste.


Was ist Weimarer Klassik?


Die "Weimarer Klassik", die um 1772 begann, wurde nach dem Ort benannt, an dem viele der führenden Denker der damaligen Zeit lebten, wie unter anderem Goethe, Schiller, Wilhelm und Alexander von Humboldt [Die Humboldt-Bildungsreformen wurden unter den Karlsbader Dekreten stark angegriffen und viele der besten Lehrer Deutschlands wanderten aufgrund der starken Zensur in die Vereinigten Staaten aus].


Die Weimarer Klassik war geprägt von einem revolutionären Geist für Kreativität in Literatur und Kultur. Es ging nicht nur darum, neu zu schaffen, sondern auf den reichsten klassischen Traditionen der Vergangenheit aufzubauen und war sehr stark vom griechischen Klassizismus beeinflusst.


Goethe (1749-1832) und Schiller (1759-1805) wurden die Führer der literarischen Dimension dieser Bewegung. Goethe wurde 1791 zum Direktor des Weimarer Theaters (heute Nationaltheater) ernannt, und in dieser Zeit wurden Schillers epische Dramen wie "Die Wallenstein-Trilogie", "Die Jungfrau von Orleans" (über Jeanne d'Arc), "Maria Stuart" und "Wilhelm Tell" erstmals auf der Bühne aufgeführt.


Schiller, zu seiner Zeit und darüber hinaus als Dichter der Freiheit bekannt, schrieb 1804 "Wilhelm Tell". Es gilt bis heute als Meisterwerk und wird besonders von vielen in Deutschland und der Schweiz geliebt. Es ist eine Geschichte darüber, wie Tyrannei und Imperium von einem Volk besiegt wurden, das seine Würde und Freiheit aufrechterhielt und verteidigte.


Die Volksgeschichte spielt in der Schweiz des 14. Jahrhunderts während der habsburgischen Herrschaft des österreichischen Kaiserreichs. Nach historischen Aufzeichnungen, die im Weissbuch von Sarnen erwähnt werden, das 1474 als Sammlung mittelalterlicher Manuskripte geschrieben wurde, war der Rütli-Eid eine Verschwörung zum Sturz der habsburgischen Tyrannei und war der Auslöser des Burgenbruchaufstandes. Zu den Namen, die in der mittelalterlichen Handschrift erwähnt werden, gehört der des Helden Wilhelm Tell.


Diese kleine Gruppe von Schweizern aus damals nur drei Kantonen (Gemeinden), die auf 26 Kantone anwuchs, widersetzte sich der tyrannischen Herrschaft des österreichischen Kaiserreichs und bildete die Heveltische Konföderation. Der Rütli-Eid war die erste Unabhängigkeitserklärung der Schweiz.


Deutschland war zur Zeit von Schillers Schriften "Wilhelm Tell" keine souveräne Nation, sondern wurde zwischen der österreichischen Habsburgermonarchie und dem Königreich Preußen regiert. Nach der napoleonischen Ära gründete der Wiener Kongress den Deutschen Bund (als Ersatz für das Heilige Römische Reich), der lose aus 39 Staaten bestand. Der Kaiser von Österreich hatte die ständige "Präsidentschaft" dieses Deutschen Bundes bis zum Siebenwochenkrieg zwischen dem Königreich Preußen und dem Kaisertum Österreich im Jahr 1866 inne. Preußen gewann und übernahm das "inhärente Recht", die deutschen Länder zu regieren.


So sollten die Auswirkungen von Schillers umstrittener Wahl des historischen Schauplatzes für sein episches Drama "Wilhelm Tell" zu Lebzeiten und darüber hinaus nicht unbemerkt bleiben. Schiller hatte sich entschieden, diese Periode in der Geschichte zu betonen, ganz ähnlich wie Das, was Shakespeare getan hatte, als eine Lektion für die Menschen seiner Zeit, dass sich niemand der Torheit und Laune eines Tyrannen unterwerfen sollte. Im Gegenzug definierte Schiller den Geist, der erforderlich sein würde, um sich den Fesseln des Imperiums und der kaiserlichen Herrschaft zu widersetzen. Aus diesem Grund gehört "Wilhelm Tell" zu den beliebtesten Dramen Schillers.


Es ist kein Zufall, dass Beethoven (1770-1827) ein Gedicht Schillers, "Ode an die Freude", wählte, um sein eigenes Lebenswerk in seiner 9. Symphonie zu kulminieren.


Beethoven war auch für den Republikanismus und seine 9. Symphonie ist eindeutig ein Aufruf an die Stimme des Volkes, sich über die Erkenntnis zu freuen, dass alle Menschen Brüder sind und dass die ganze Menschheit dazu bestimmt war, in Harmonie und Frieden zu leben. Die Ode an die Freude wurde ursprünglich von Schiller "Ode an die Freiheit" genannt. Alexander Thayer schrieb in seiner Beethoven-Biografie: "Der Gedanke liegt nahe, dass es die Frühe Form des Gedichts war, als es noch eine 'Ode an die Freiheit' (nicht 'an die Freude') war, die in Beethovens Kopf zuerst begeisterte Bewunderung dafür weckte."


Dies war der Geist, der von den Karlsbader Dekreten und der romantischen Bewegung angegriffen worden war, wie sie von Richard Wagner (1813-1883) und Friedrich Nietzsche (1844-1900) verkörpert wurde.


Es ist auch kein Zufall, dass Wagner Adolf Hitlers Lieblingskomponist war. Das mag man Wagner gegenüber unfair finden, aber es ist trotzdem sehr relevant.


Hollywood-Filme projizieren seit langem die Idee, dass eine tiefe Wertschätzung der klassischen Musik mit Nazis oder Psychopathen verbunden ist, insbesondere wenn es um die Musik von Johannes Sebastian Bach (1685-1750) geht.


Neben unzähligen Filmszenen von SS-Offizieren, die klassische Musik auf ihren Grammophonen spielen, bevor sie etwas Abscheuliches tun, gibt es auch Szenen wie diese in Schindlers Liste, in der Bachs Präludium aus der englischen Suite Nr. 2 gespielt wird, während schreckliche Gewalttaten von Nazis durchgeführt werden.


Wir sehen dies auch in Hannibal Lecters Liebe zu Bachs Goldberg-Variationen zusammen mit Szenen des Kannibalismus, die im Original und im Remake der TV-Serie von 2013 zu sehen sind. Und noch einmal in Stanley Kubricks Clockwork Orange, wo Beethovens 9. Symphonie während der "Gehirnwäscheszene" mit Nazi-Referenzen und Symbolik gespielt wird, und in einer anderen Szene, in der der Protagonist gewalttätige Visionen und Fantasien hat.


Klassische Musik mit Nazis und Psychopathen zu paaren, ist kein Zufall. Sie ist Teil des andauernden Kulturkampfes gegen die Weimarer Klassik und den Klassizismus im Allgemeinen als so etwas wie totalitaristisch. Während es in Wirklichkeit genau das Gegenteil war. Der Totalitarismus betrachtete die Weimarer Klassik mit ihrer revolutionären Freiheit für das Volk als tödliche Bedrohung ihrer Existenz.


Hitler machte bekannt, wer zu seinen Favoriten gehörte, darunter "germanische" Komponisten wie Wagner und Anton Bruckner, die beide Vorbilder der romantischen Bewegung waren. Während der Nazi-Herrschaft wurden strenge Zensur und kulturelle Kontrollen durchgesetzt, um das aufrechtzuerhalten, was Hitler als eine starke germanische Identität identifizierte, die stark von Künstlern der romantischen Bewegung beeinflusst wurde.


Der legendäre und äußerst begabte deutsche Dirigent Wilhelm Furtwängler (1886-1954) sticht in dieser Zeit der starken Zensur hervor. Er weigerte sich nicht nur, ein Nazi-Anhänger zu werden, sondern die Gestapo war sich auch bewusst, dass er Juden unterstützte und einen Großteil seines Gehalts während seiner Konzerte außerhalb Deutschlands an deutsche Emigranten gab. (1) Georg Gerullis, Direktor im Kulturministerium, bemerkte in einem Brief an Goebbels: "Können Sie mir einen Juden nennen, in dessen Namen Furtwängler nicht interveniert hat?" (2)

Furtwängler war von 1922 bis 1945 Chefdirigent der Berliner Philharmoniker. 1934 bezeichnete Furtwängler Hitler öffentlich als "Feind der Menschheit" und die politische Lage in Deutschland als "Schweinerei". (3)


1933 traf sich Furtwängler mit Hitler, um die antisemitische Politik im Bereich der Musik zu stoppen. Berta Geissmar, eine enge Mitarbeiterin Furtwänglers, schrieb: "Nach dem Publikum sagte er mir, dass er jetzt wisse, was hinter Hitlers engstirnigen Maßnahmen steckte. Das ist nicht nur Antisemitismus, sondern die Ablehnung jeder Form von künstlerischem, philosophischem Denken, die Ablehnung jeder Form von freier Kultur. (4)


So viele Jahre später war Furtwängler ein großes Ziel für die Zerstörung durch die neue, von der CIA betriebene kulturelle Hexenjagd, die als Kongress für kulturelle Freiheit (der neue Wiener Kongress) bekannt ist und 1949 gegründet wurde, um einen postmodernen Angriff auf die deutsche klassische Kultur zu starten.


Furtwängler schrieb 1935 in sein Tagebuch, dass es einen völligen Widerspruch zwischen der Rassenideologie der Nazis und der wahren deutschen Kultur, der von Schiller, Goethe und Beethoven, gebe. (5) Er fügte 1936 hinzu: "Das Leben heute ist mehr denn je eine Frage des Mutes". (6)

Es ist diese Frage des Mutes, die bestimmen wird, was die zukünftige Kultur Deutschlands diktieren wird. Würden Kultur und Kunst letztlich nach den Maßstäben von Wahrheit, Schönheit und Güte beurteilt werden? Oder würden solche Dinge im Boden vergraben und vergessen werden, wie das, was sowohl mit Schillers Werken als auch mit seinem mysteriösen und abrupten Tod im Jahr 1805 weitgehend geschah, der dazu führte, dass sein Leichnam in ein Massengrab geworfen wurde, bevor eine angemessene Trauerfeier abgehalten werden konnte?

[Weitere Informationen zu dieser Geschichte finden Sie in Irene Eckerts' schönem Papier "Schiller vs. the Congress for Cultural Freedom".]


Eine Ode an die "Perle der Wüste": die antikenStadt Palmyra


Palmyra ist eine antike Stadt in Syrien, die bis ins zweite Jahrtausend v. Chr. Zurückreicht. Es wuchs an Reichtum von den Handelsrouten entlang der Seidenstraße. Dieser Reichtum ermöglichte den Bau monumentaler Projekte wie der Großen Kolonnade, des Bel-Tempels und der Turmgräber. Die griechisch-römische Kultur beeinflusste die Kultur von Palmyra, die wiederum eine unverwechselbare Architektur hervorbrachte, die östliche und westliche Traditionen kombinierte. Palmyra gilt als eine der wichtigsten historischen Stätten in Westasien.


Syrien befindet sich in der Wiege der Zivilisation. Aus diesem Grund ist es immens reich an einer Vielfalt von Kulturen, Religionen und Denkschulen. Es hat viele alte Städte, viele alte Erinnerungen.


Im Jahr 2015 besetzte der Islamische Staat im Irak und in der Levante (ISIL) die Stadt Palmyra und begann mit der Hinrichtung von Geiseln im Amphitheater. Sie zündeten auch Sprengstoff, der neben anderen antiken architektonischen Schätzen den ikonischen Baalshamin-Tempel zerstörte.



Als die antike Stadt über einen Zeitraum von zwei Jahren zerstört wurde, nutzte der Westen ISIL-Fotos, um seine Nachrichtenbewertungen als Clickbait zu erhöhen. Es sollte auch nicht unerwähnt bleiben, dass insbesondere die Vereinigten Staaten, aber mehrere westliche Länder insgesamt, für die Unterstützung des Terrorismus in Westasien verantwortlich waren.


ISIL war klar mit seiner Absicht, sie griffen nicht nur jeden an, der nicht in ihre Vorstellung davon passte, wie eine muslimische Welt ihrer Meinung nach aussehen sollte, und griffen sowohl Muslime als auch Nicht-Muslime an, die nicht in diese enge und barbarische Sichtweise passten. Sie griffen auch die Geschichte der gesamten Zivilisation selbst an. Denn in ihren Augen war es die ganze Zivilisation, die schuld war und vom Angesicht der Erde getilgt werden musste, damit die neue Welt neu aufgebaut werden konnte. ISIL, obwohl sehr stark ein Krieg gegen das Volk, war letztendlich ein Krieg gegen ganze Zivilisationen und ihre alten Kulturen.


Während dieser Tragödie, wie bei unzähligen anderen, war der Westen weitgehend unberührt. Am 2. März 2017 gelang es der syrischen Armee, zusammen mit Unterstützung des russischen Militärs, Palmyra zurückzuerobern.


Während der IsIL-Besatzung wurden umfangreiche Schäden angerichtet und ein Großteil der Ruinen von Palmyra ist für immer verloren gegangen. Es gab auch die schmerzhafte Erinnerung, die jetzt mit der antiken Stadt verbunden war, die des Todes und des Terrors, denn öffentliche Hinrichtungen wurden zwei Jahre lang im Amphitheater gezeigt, einschließlich der von Khaled al-Assad, der direktor für Antiquitäten war und tagelang wegen Informationen über versteckte Artefakte gefoltert worden war.


Es schien, als würde die Erinnerung an Palmyra für viele Generationen mit dieser Tragödie befleckt sein. Isil mag gegangen sein, aber sein Geist des Terrors und der Zerstörung blieb.

Die Reaktion auf diese Zerstörung war eine der schönsten Demonstrationen von Mut und Würde, die ich je in meinem Leben gesehen habe. Und natürlich haben viele im Westen wahrscheinlich noch nie davon gehört oder ihre Stärke und ihr Ausmaß angesichts dessen, was in Westasien geschah, verstanden.


Als Reaktion auf den Versuch, alle Erinnerungen an die Zivilisation auszulöschen, reiste das Mariinsky Symphony Orchestra aus St. Petersburg zum römischen Theater von Palmyra und trat vor einem Publikum des syrischen Volkes und einiger westlicher Würdenträger auf. Das Datum des Konzerts fiel mit der Übergabe der sterblichen Überreste des Spezialeinheitenoffiziers Aleksander Prokhorenko zusammen, der starb, nachdem er einen Luftangriff auf seine eigene Position angeordnet hatte, nachdem er von IS-Kämpfern umzingelt worden war.


Das Konzert "Pray for Palmyra" wurde von keinem Geringeren als Valery Gergiev dirigiert, und das erste Stück, das von Maestro Gergiev ausgewählt wurde, war Bachs Chaconne-Stück, das von Pavel Mulyukov aufgeführt wurde (seine Aufführung beginnt um min 27:26).


[Seit dem Ansehen des Pray for Palmyra-Konzerts ist es in bestimmten Ländern verboten. Beziehen Sie sich auf Hilary Hahns schöne Aufführung von Bachs Chaconne-Stück, wenn Sie die obige RT-Aufnahme des Palmyra-Konzerts nicht sehen können.]


Für alle, die diese Aufführung noch nicht gesehen haben, ist es wirklich ein Muss. Es spricht sowohl den Schmerz als auch die Trauer über eine solche schreckliche Tragödie an. Aber es spricht auch zu Hoffnung und Optimismus, zu Schönheit und Stärke. Es gab keine Worte, die auf das reagieren konnten, was in Palmyra geschah, es war nur durch die Schönheit der Musik des deutschen klassischen Komponisten Bach, die tief genug war, um sowohl das Ausmaß des Schmerzes und der Verzweiflung als auch die Unsterblichkeit der Seele und die Heiligkeit des Individuums anzuerkennen. Dass es unabhängig vom Ausmaß des Gemetzels und des Chaos niemals die Heiligkeit des menschlichen Lebens ausrotten könnte.

Diese schöne Botschaft war eine russische Initiative, und wir alle sollten Russland dafür danken, dass es uns daran erinnert hat.


München feuert "den größten lebenden Dirigenten"


Valery Gergiev, der seit September 2015 Chefdirigent der Münchner Philharmoniker war, wurde am 1. März 2022 entlassen, weil er sich geweigert hatte, Präsident Wladimir Putin und die russische Intervention in der Ukraine anzuprangern. Das heißt, Maestro Gergiev wurde gefeuert für das, was er nicht sagen wollte, und nicht für das, was er sagte.

Daneben wurde der 20-jährige Pianist Alexander Malofeev, der im August ein Konzert in Vancouver geben sollte, auf unbestimmte Zeit "verschoben". Warum? Denn Malofejew ist Russe. So einfach ist das.


Leila Getz, künstlerische Leiterin der Vancouver Recital Society, war der Meinung, dass die Aufnahme eines russischen Künstlers die große ukrainisch-kanadische Gemeinschaft vancouvers beeinflussen könnte. In diesem Fall spielte es keine Rolle, ob Malofejew bereit war, die russische Intervention öffentlich zu kritisieren.


Anna Netrebko, eine berühmte russische Opernsängerin, wurde von ihrem zukünftigen Auftritt an der New Yorker Metropolitan Opera zurückgezogen, weil sie sich weigerte, Präsident Putin zu denunzieren, obwohl sie den Krieg öffentlich verurteilte. In dieser neuen McCarthy-Atmosphäre war das nicht genug. Der General Manager der Met, Peter Gelb, bestätigte, dass Netrebko "einer der größten Sänger in der Geschichte der Met ist..."


Diese Säuberung russischer Künstler im Musikbereich fällt auch mit der Verleumdung der 15-jährigen russischen Skaterin Kamilia Valieva während der Olympischen Spiele 2022 zusammen. Valieva wurde nach dem verdächtigen und unprofessionellen Umgang mit Details rund um mögliches Doping verunglimpft, bei dem es sich um eine sorgfältig getimte Aufstellung handelte, um die relative Rangliste des Eiskunstläufers zu manipulieren. Das Internationale Olympische Komitee (IOC) und die Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) haben ihre eigenen Regeln und Richtlinien verbogen, um Valieva grundlos zu ächten und zu verunglimpfen.


Valeria Nollan und Alexandra G. Kostina schreiben in ihrem Artikel "Hat der Westen seine Seele und Gefühle für Schönheit und Fairness verloren?":


"Für die neidischen Eliten ist es gerade Valievas jenseitige Schönheit und Unschuld, besonders wenn sie mit dem Russischen verbunden ist, die zerstört werden muss. [Finnisch] Cunningham merkt an: "Eine solche Schönheit konnte nicht toleriert werden, denn sie zerstörte die US-Medienkampagne, um Russland anderweitig zu dämonisieren und Feindseligkeit gegenüber dieser Nation zu schüren." Sie verabscheuen das Russischtum, das reine Freude und Freiheit von ihrer Kontrolle manifestiert, und beneiden gleichzeitig die Kultur, die einen so fruchtbaren Boden für das Gedeihen der Schönheit bieten könnte. Wie, so sagt man, kann eine Nation von Barbaren und Untermenschen so prächtige Blumen züchten? Letztendlich wollen sie das "fremde" Land verbannen, das es wagt, sie an das zu erinnern, was sie verloren haben – die Gefühle für Schönheit und Unschuld. Da Schönheit sowohl eine ästhetische als auch eine spirituelle Kategorie ist, in der die Wahrnehmung von etwas außerhalb des Selbst den Menschen wiederbeleben kann, umfasst sie auch Gefühle für die Heimat, ihre Flagge und ihre Nationalhymne. Vielleicht ist dieses Abreißen dieser Quellen des Stolzes und der Inspiration für russische Olympioniken Teil der sorgfältig kuratierten Demütigung, die Russland als Folge zweifelhafter Dopingvorwürfe auferlegt wurde, sowohl individuell als auch institutionell."


Obwohl ein Großteil der Hexenjagd gegen russische Künstler, Darsteller von Schönheit und Optimismus, eindeutig ein Angriff auf die russische Kultur ist, wo jetzt sogar russische Kunst der Zensur ausgesetzt sein wird, nur weil sie russisch ist, mit dem Ziel, Scham und Demütigung zu verursachen, nur weil sie Russin ist. Der Verlust ist nicht einseitig und der größte Verlierer in all dem wird nicht das russische Volk sein.

Wie im historischen Fall Deutschlands zu sehen ist, wird jeder Künstler, der ein Vehikel für Schönheit und Optimismus ist, als Bedrohung für den Status quo innerhalb eines Imperiumssystems angesehen. Denn es sind Schönheit und Optimismus, die es einem Volk, einer Kultur ermöglichen, den Mut zu finden, sich den Fesseln der Zensoren zu widersetzen und es zu wagen, für die Freiheit zu kämpfen. Denn wenn man die Heiligkeit erkennt, die in allem menschlichen Leben liegt, wird die unnatürliche Knechtschaft und Demütigung dieses Lebens unerträglich. Wenn also ein Volk, eine Kultur lieber sterben würde, um für diese Freiheit vom Imperium zu kämpfen, als ein Leben der Plackerei zu führen, für immer der Diener eines anderen; Dies ist offensichtlich nicht nachhaltig für den Status quo und ein Imperium wird immer versuchen, einen solchen Geist zu zerschlagen.


Daher ist jede Kultur, jede Kunst, die eine solche Idee repräsentiert, eine Bedrohung für das westliche System unserer Gegenwart.


Das zeigt sich deutlich am Angriff auf alles, was von der Frankfurter Schule (7) und dem Kongress für kulturelle Freiheit als "klassisch" eingestuft wird. Die Entfernung dieser russischen Künstler geschieht nicht nur als Angriff auf das russische Volk und die russische Kultur, es ist ein Angriff auf uns alle, denn es beraubt uns all der Schönheit und des Optimismus, die wir brauchen, um für wahre politische Freiheit zu kämpfen.


Wenn wir glauben, dass die Russen von Natur aus schurkisch sind, kann es nicht länger toleriert werden, dass der Welt hohe Standards russischer Kunst gezeigt werden dürfen, denn dies stünde in krassem und erhabenem Widerspruch zu dem, was die Zensoren uns glauben machen wollen. Dass sich die Russen vielleicht tatsächlich an etwas erinnern, das wir hier im Westen vergessen haben, aber einmal wussten.


Als Maestro Gergiev von den Münchner Philharmonikern gefeuert wurde, weil er sich weigerte, Präsident Putin zu denunzieren, sagte sein Manager Marcus Felsner in einer Erklärung gegenüber The Guardian, dass das Fallenlassen von Maestro Gergiev "der traurigste Tag meines Berufslebens" sei. Er nannte Maestro Gergiev "den größten lebenden Dirigenten und einen außergewöhnlichen Menschen mit einem tiefen Sinn für Anstand", und doch war dies anscheinend nicht genug. Wenn Sie nicht bei den Zensoren sind, sind Sie gegen die Zensoren, und ein mächtiger Beeinflusser von Schönheit und Optimismus wie Maestro Gergiev musste daher aus ihrem Land verbannt werden.


Wer verliert wirklich von einer solchen Verbannung?

Vielleicht täte das deutsche Volk gut daran, sich an den Angriff zu erinnern, der andauert, auf seine eigene klassische Kultur, die zu den größten der Welt gehörte. Das deutsche Volk täte auch gut daran, sich daran zu erinnern, dass sein Land nie wirklich souverän war; wieder einmal durch den Versailler Vertrag in Stücke geschnitten, was zur Lähmung der deutschen Industrie und zum langsamen Hungertod des deutschen Volkes führte.


Vor allem aber täten die Deutschen gut daran, sich daran zu erinnern, dass es nie ihre Entscheidung war, der NATO beizutreten, sondern dass Westdeutschland von 1945 bis 1955 ein von Großbritannien, den USA und Frankreich besetztes Land war. Und dass diese direkte Besetzung erst endete, nachdem Westdeutschland 1955 dem NATO-Beitritt zugestimmt hatte. Es war nie Deutschlands Wahl, sondern eher ein Angebot mit vorgehaltener Waffe für ein Stück, einen Krümel "Freiheit".


"Unabhängigkeit" an der kurzen Leine.

Die Besatzung endete jedoch nie wirklich, und Deutschland war in seiner ganzen Geschichte nie wirklich frei.


Es ist an der Zeit, dass Deutschland aus seinem Stockholm-Syndrom ausbricht, denn es ist das eigene klassische Kulturerbe, das Gefahr läuft, vollständig ausgelöscht zu werden.



Cynthia Chung ist Präsidentin der Rising Tide Foundation und Autorin bei der Strategic Culture Foundation, die ihre Arbeit durch eine Spende und das Abonnieren ihrer Substack-Seite unterstützt. Ursprünglich herausgegeben von der Strategic Culture Foundation.

Durch ein Glas dunkelZu Fragen der Geopolitik, der Spionageabwehr, der revisionistischen Geschichte und des Kulturkampfes.


Fußnoten:


(1) Prieberg, Fred K. (1991). Kräftemesse: Wilhelm Furtwängler und das Dritte Reich. Quartett Bücher.
(2) Ebd.
(3) L'atelier du Maître", Artikel von Philippe Jacquard
(4) Geissmar, Berta (1944). Der Taktstock und der Jackboot: Erinnerungen an das Musikleben. London und Edinburgh: Morrison and Gibb ltd.
(5) Wilhelm Furtwängler (trad. Ursula Wetzel, Jean-Jacques Rapin, Präfekt. Pierre Brunel), Carnets 1924-1954 : suivis d'Écrits fragmentaires, Genève, éditions Georg, 1995, S. 39.
(6) Wilhelm Furtwängler (trad. Ursula Wetzel, Jean-Jacques Rapin, Präfekt. Pierre Brunel), Carnets 1924-1954 : suivis d'Écrits fragmentaires, Genève, éditions Georg, 1995, S. 11.
(7) Während viele erkannt haben, dass die Fäulnis innerhalb des westlichen Bildungssystems mit dem Wachstum der Kritischen Rassentheorie zusammenhängt, haben nur wenige erkannt, dass die Schule, die diese perverse Analyse der Soziologie und Geschichte hervorgebracht hat, in einer Gruppe namens Frankfurter Schule zu finden ist, die aus einem kranken Netzwerk marxistischer Akademiker in Frankfurt hervorgegangen ist, die sich vorstellten, die Gesellschaft von der Tyrannei ihrer Traditionen zu heilen, die sie zu dem Schluss kamen die Quelle des Faschismus. Mit einer Mischung aus freudianischen und marxistischen Theorien, die auf die Soziologie angewendet wurden, prägten diese nihilistischen Reformer den gesamten Kongress für kulturelle Freiheit, förderten den Relativismus und zerstörten die klassischen humanistischen Grundlagen in der Bildung, die früher die westliche Schule regiert hatten, indem sie das Studium der Klassiker auf veraltete "tote weiße europäische Männer" verwiesen hatten.


Info: https://email.mg1.substack.com/c/eJxVkk2PmzAQhn9NuAUZm8-DD2nStKQLq21putkLMvYkOIChYJY6v77O5tJK47Hked8Zyc9wpuHSj4YO_aSdeyq1GYAqWKYWtIbRmScYSykoDkjgRWHsCIoizKPKkVN5HgE6JlvqDHPVSs607NVdTVCCfeTUlFcCiQizmJwrlCSIeSLGgQ-AcIgigR5D2SwkKA4U3mE0vQKnpbXWw7QimxXe2-BG6VoyXs_q4k5zNWnGG5f3na0N9lxg7Jgy03rSPW_qvu3Wk1Fi7DtYMyXWuoYV2eu-AbUiOzAHj-OjecVtk157kxeZlxUcP28Xyb8kN7FPhrdtGubF5s_zjvv5NZ3Srq2FfcuKE8pvGz-7ZktmFsle85vtIfnXo3wqsuW5SFG2tXqVeyeZhqn69M7Ji-bdsT6R70OFfXl-cX8_1d82bMbl20Ffw1_5Kb7hqdnF20O9lPJn-pmEev4h0yo_OZJihDEiHvZQ4JHExS6OGAo44ij0OfgMu7e6E0FjmpWPuov33xc5I5UjKHCBNzBqq7jcoX2ULLfS3t2spDYlKFa1IKgeZ3D0Yys-AJcX6x_ttoiSaeqFfoRiTBAhifcgaJkHyIujOMSOnS1661L0X2p_ATLg0ic




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Info: https://cynthiachung.substack.com/archive?sort=top

12.03.2022

Rubikon-Newsletter 11/2022

Rubikon-Newsletter der Kalenderwoche 11/2022


Rubikon ist das Magazin für die kritische Masse. Wir berichten über das, was in den Massenmedien nicht zu finden ist. Anbei übersenden wir Ihnen die Übersicht unserer Artikel der letzten 7 Tage.


Inhaltsverzeichnis


1. Jens Lehrich, Nicolas Riedl, Daniele Ganser: Es geht nur mit Menschlichkeit

2. Daniele Ganser: Die andere Seite der Wahrheit

3. Roland Rottenfußer: Unteilbare Menschlichkeit

4. Ulrich Gellermann: Die Kriegserreger

5. Elisa Gratias: Die Last der Information

6. Nicolas Riedl: Den Spaltpilz ausrupfen

7. Veroníka Naidenova, Faina Sawenkowa: Krieg vor dem Klassenzimmerfenster

8. Kerstin Chavent: Es war einmal

9. Max Stadler: Feindliche Übernahme

10. Madita Hampe: Ruhe bewahren!

11. Kai Ehlers: Geopolitischer Schock

12. Rumen Milkow: Der übersehene Vorreiter

13. Monika Herz: Die Beinahe-Kanzlerin

14. Uli Fischer: Die Kugel rollt

15. Hannes Hofbauer: Raubvogel als Friedenstaube

16. Christian Kreiß: Schuldenschnitt durch Krieg

17. Elisa Gratias: Die bezweifelbare Wahrheit

18. Thomas Eblen: Szenen sanfter Ausgewogenheit

19. Ralph Zedler: Orwell‘sche Politik

20. Tom Reimer: Die Impf-Dressur

21. Roberto J. De Lapuente: Die Bekenntnisdemokratie

22. Conrad Schuhler: Konturen der neuen Weltordnung

23. Wolfgang Jeschke: Pioniere der neuen Normalität

24. Felix Feistel: Von der Freiheit

25. Carla Schiffbauer: Erstickte Kultur

26. Susanne Begerow: Das Land des verlorenen Lächelns

27. Walter van Rossum: Das Kriegsmotiv

28. Ulrike Guérot: Wer schweigt, stimmt zu

29. Max Stadler: Freiwillige Massenüberwachung

30. Bastian Barucker: Immunschutz gegen den Totalitarismus

31. Alexander Wiechert: Das Corona-Nachspiel

32. Ralf Rosmiarek: Feminismus in Absurdistan

33. René Hirschfeld: Der Krieg in unseren Köpfen

[Bild: Es geht nur mit Menschlichkeit]



Es geht nur mit Menschlichkeit


Im Rubikon-Exklusivinterview erläutert Friendensforscher und Bestsellerautor Daniele Ganser, dass der Ukrainekonflikt nicht erst mit dem Einmarsch Russlands begann und jeder von uns etwas für die Menschheitsfamilie tun kann.


am Samstag, 12. März 2022, 15:59 Uhr von Jens Lehrich, Nicolas Riedl, Daniele Ganser


Für Friedensforscher herrscht Hochkonjunktur. Der Krieg in der Ukraine spitzt sich immer weiter zu und droht, sich zu einem globalen Flächenbrand auszuweiten. Diese Krise reiht sich nahtlos an die noch nicht abgeschlossene Coronakrise. Die Bevölkerung wird noch weiter veränstigt und verunsichert, anstatt nach zwei Jahren endlich aufatmen zu können. Inmitten dieses geopolitischen Sturms führte Jens Lehrich ein Gespräch mit dem Schweizer Historiker und Friedensforscher Daniele Ganser über die Konfliktlinien und darüber, wie Friedensarbeit selbst in kriegerischen Zeiten wie diesen möglich ist.


Zum Artikel https://www.rubikon.news/artikel/es-geht-nur-mit-menschlichkeit

[Bild: Die andere Seite der Wahrheit]



Die andere Seite der Wahrheit


Ohne den Völkerrechtsbruch des US-Präsidenten Obama vor acht Jahren hätte es die illegale Militärinvasion Putins vermutlich nicht gegeben.


am Samstag, 12. März 2022, 15:58 Uhr von Daniele Ganser


Am 24. Februar 2022 gab Russlands Präsident Wladimir Putin seiner Armee den Befehl, in die Ukraine einzumarschieren — ein Verstoß gegen das UNO-Gewaltverbot und daher illegal. Fast genau acht Jahre zuvor, am 20. Februar 2014, ließ US-Präsident Barack Obama die Regierung in der Ukraine stürzen, um das Land in die NATO zu ziehen. Dieser Putsch ist die Wurzel des Ukrainekrieges. Gleich wie die Invasion von Putin war auch Obamas Verhalten ein Verstoß gegen das UNO-Gewaltverbot und daher illegal. Es wird Zeit, sich nicht länger mit Halbwahrheiten der einen oder der anderen Seite zufriedenzugeben und die Geschichte des Konflikts vollständig und ausgeglichen zu erzählen.


Zum Artikel https://www.rubikon.news/artikel/die-andere-seite-der-wahrheit

[Bild: Unteilbare Menschlichkeit]



Unteilbare Menschlichkeit


Wollen unabhängige Medien glaubwürdig für Frieden und Freiheit eintreten, dürfen sie auch das Handeln Wladimir Putins jetzt nicht von der Kritik ausnehmen.


am Samstag, 12. März 2022, 15:57 Uhr von Roland Rottenfußer


Es ist richtig: Die jetzt allgemein hochkochende Kriegsstimmung bedarf einer besonnenen Korrektur durch informierte freie Medien. Wahrscheinlich wäre es ohne in der Vergangenheit begangene Fehler des Westens und auch der Ukraine nie so weit gekommen — diese Zusammenhänge müssen wir wieder und wieder aufdecken. Und dennoch war es jetzt Wladimir Putin, der den Befehl zur Eskalation gegeben hat. Sein Tun war mitnichten alternativlos. Warum sollten wir als Friedensmagazin ausgerechnet Russland von unserer Kritik an Gewalt und Machtpolitik ausnehmen, nachdem wir uns als Kritiker westlicher Aggression bewährt haben? Wir würden uns damit unglaubwürdig machen, so als hätte der Rubikon gar nicht grundsätzlich etwas gegen Unmenschlichkeit einzuwenden, solange diese nicht von NATO-Staaten ausgeht. So als bedienten wir uns derselben höchst selektiven Entrüstungsroutinen, die bei den Mainstreammedien gegenüber den Verfehlungen russischer Politik zu beobachten sind — nur unter umgekehrten Vorzeichen. Sollte es nicht unser Ziel sein, der Gewalt, der Erniedrigung und Ausbeutung von Menschen überall entgegenzutreten, wo wir sie antreffen? Jedenfalls müssen wir damit aufhören, uns über die „Dämonisierung“ der Täter mehr Sorgen zu machen als über die Leiden der Opfer.


Zum Artikel https://www.rubikon.news/artikel/unteilbare-menschlichkeit

[Bild: Die Kriegserreger ]



Die Kriegserreger


Victoria Nuland, Unterstaatssekretärin im US-Außenministerium, gesteht vor laufender Kamera die Existenz von Biowaffen in der Ukraine ein.


am Samstag, 12. März 2022, 15:56 Uhr von Ulrich Gellermann


Es war die Kamera des US-TV-Senders C-Span, einer Art Parlamentsfernsehen. Ein Senator aus Florida, Marco Rubio, fragt die Unterstaatssekretärin Victoria Nuland vor dem Ausschuss für auswärtige Beziehungen des Senats: „Frau Nuland, besitzt die Ukraine chemische oder biologische Waffen?“ Frau Nuland sagt: „Die Ukraine hat biologische Forschungseinrichtungen.“


Zum Artikel https://www.rubikon.news/artikel/die-kriegserreger

[Bild: Die Last der Information]



Die Last der Information


Wir brauchen einen bewussten Umgang mit Nachrichten, damit unsere Menschlichkeit nicht unter ihnen begraben wird.


am Samstag, 12. März 2022, 15:55 Uhr von Elisa Gratias


Wir möchten den Frieden, doch wie friedlich sind wir selbst? Stürzt uns die Auseinandersetzung mit dem Thema Krieg nicht in einen ganz eigenen Krieg — jenen gegen die verhassten Kriegstreiber? Es scheint jedenfalls, dass wieder einmal ein Riss durch das Land geht. Er geht wie bei Corona durch Familien- und Freundeskreise und oft auch durch die eigene Seele. Sollte man Putin zu verstehen versuchen oder ihm durch Härte Paroli bieten? Liegt die Schuld eher bei ihm oder bei längerfristigen Entwicklungen, für die auch der Westen und die ukrainische Regierung viel Verantwortung tragen? Über all das wird viel diskutiert — und fast immer strahlen die Diskutanten der einen oder anderen Richtung felsenfeste Gewissheit aus. Dabei sind wir alle Menschen und können ruhig zugeben, dass wir nicht immer über alles Bescheid wissen. Dass wir manchmal ratlos sind, hilflos oder einfach traurig. Dieses Dauerfeuer an schlechten Nachrichten macht etwas mit uns. Im Gegensatz zu dem düsteren Mix aus Pflichttreue und Verzicht, den uns Altpräsident Joachim Gauck verordnen will, sehnen wir uns alle nach Glück und auch einmal nach Unbeschwertheit. Gestehen wir uns das ruhig zu. Schalten wir die Nachrichten auch mal ab.


Zum Artikel https://www.rubikon.news/artikel/die-last-der-information

[Bild: Den Spaltpilz ausrupfen ]



Den Spaltpilz ausrupfen


Der Ukrainekrieg droht die Coronaopposition zu spalten, doch es gibt es mehr Gemeinsamkeiten als es auf den ersten Blick scheint.


am Samstag, 12. März 2022, 15:54 Uhr von Nicolas Riedl


Die Maßnahmenkritiker geraten in ihre erste große „Beziehungskrise“. Mit dem nun entfachten Ukrainekrieg stellen viele der Demokraten, Spaziergänger, Grundgesetzhochhalter und Querdenker fest, dass sie beim Thema Geopolitik doch arg verschiedene Standpunkte vertreten. Mehr noch, die jeweiligen Standpunkte sind für die jeweils anderen vollkommen unverständlich und geradezu untragbar. Die Coronaopposition droht nun, sich am Ukraine-Russland-Konflikt zu spalten. Zur Erreichung der emanzipatorischen sowie freiheitlich-demokratischen Ziele muss eine solche Spaltung unter allen Umständen vermieden werden. Im Grunde genommen dürfte dies gar nicht so schwer sein, denn bei genauerer Betrachtung überwiegen die Gemeinsamkeiten die Differenzen, die die Maßnahmenkritiker beim Thema Ukraine haben. Ob NATO- oder Putin-Versteher — am Ende wollen die meisten von ihnen das Gleiche.


Zum Artikel https://www.rubikon.news/artikel/den-spaltpilz-ausrupfen

[Bild: Krieg vor dem Klassenzimmerfenster]



Krieg vor dem Klassenzimmerfenster


Die Hauptleidtragenden des Ukrainekriegs geraten aus dem Fokus — eine 13-jährige Ostukrainerin macht mit einem öffentlichen Brief auf die Situation aufmerksam.


am Samstag, 12. März 2022, 12:00 Uhr von Veroníka Naidenova, Faina Sawenkowa


In den letzten Tagen hören wir betäubend viel über die Geschehnisse in der Ukraine, aber hören wir auch etwas über die verwundbarsten Geiseln dieser Krise — die Kinder? Faina Sawenkowa, eine 13-jährige Schriftstellerin aus Lugansk, schrieb zusammen mit Aleksandr Kontorovich, einem russischen Buchautor, einen offenen Brief, der von einer sehr reifen Sichtweise zeugt und einen korrekten sowie gerechten Umgang mit dem Krieg anregt.


Zum Artikel https://www.rubikon.news/artikel/krieg-vor-dem-klassenzimmerfenster

[Bild: Es war einmal]



Es war einmal


Die Wiege des Transhumanismus ist das Vergessen der ur-mütterlichen, schöpferischen Kraft in uns — die Erinnerung daran ist der Weg aus der Katastrophe.


am Samstag, 12. März 2022, 11:00 Uhr von Kerstin Chavent


Wir alle kennen sie aus unserer Kindheit, die Haus- und Zaubermärchen der Brüder Grimm, die alten Sagen und Legenden, in denen Götter kraftvolle Blitze vom Himmel schleudern und mit starker Hand Streitwagen lenken. Frauen kommt in diesen teilweise jahrtausendelang mündlich überlieferten und erst vor relativ kurzer Zeit von männlicher Feder schriftlich festgehaltenen Geschichten eine zumeist untergeordnete Rolle zu. Sie haben vor allem hübsch und tugendhaft zu sein, während die Männer das Geschehen bestimmen. Selbst die Göttinnen des antiken Olymps waren ihren männlichen Kollegen unterlegen. Doch was, wenn es in Wirklichkeit ganz anders gewesen ist?


Zum Artikel https://www.rubikon.news/artikel/es-war-einmal

[Bild: Feindliche Übernahme]



Feindliche Übernahme


Ein neu ausgehandelter Pandemievertrag verleiht der Weltgesundheitsorganisation weitreichende Befugnisse und schmälert die Souveränität der Nationalstaaten.


am Freitag, 11. März 2022, 17:00 Uhr von Max Stadler


Seit dem 24. Februar 2022 arbeitet die Weltgesundheitsorganisation (WHO) an einem internationalen Pandemievertrag, der die „Gesundheitsschutz“-Richtlinien dieser demokratisch nicht legitimierten Organisation über die Verfassungen der Länder stellen könnte. In zahlreichen Staaten weltweit haben die Regierungen die Pandemie längst explizit oder implizit für beendet erklärt und behandeln Corona etwa so wie eine Grippewelle. Das ändert jedoch nichts daran, dass im Hintergrund weiter an einer globalen Agenda der Machtkonzentration gearbeitet wird (1).


Zum Artikel https://www.rubikon.news/artikel/feindliche-ubernahme-3

[Bild: Ruhe bewahren! ]



Ruhe bewahren!


Die Ängste, die der Ukrainekrieg in uns auslöst, sind die Ursache für sein Fortbestehen.


am Freitag, 11. März 2022, 16:00 Uhr von Madita Hampe


Krieg ist wohl die extremste aller menschlichen Grenzerfahrungen und löst deshalb, selbst wenn er einige Tausend Kilometer entfernt stattfindet, extreme Reaktionen aus. Die Angst vor militärischen Grausamkeiten und Zerstörungen ist fest im kollektiven Gedächtnis verankert und deshalb medial in Windeseile reaktivierbar. Der Versuch der Angstbewältigung führt nicht selten zu emotionalen Übersprungshandlungen wie dem zwanghaften Wunsch, Gut und Böse ausmachen zu wollen, um sich dann mit den vermeintlichen Opfern und gegen die Täter solidarisieren zu können. Die schlimmste dieser Übersprungshandlungen ist der Hass, der sich dann wahlweise gegen Personen oder Personengruppen richtet, die mit dem eigentlichen Verbrechen nichts zu tun haben. Solange deshalb die Situation in der Ukraine derart undurchsichtig bleibt, sind auch oder vor allem die Vertreter kritischer Sichtweisen angehalten, Toleranz und Achtsamkeit walten zu lassen.


Zum Artikel https://www.rubikon.news/artikel/ruhe-bewahren

[Bild: Geopolitischer Schock]



Geopolitischer Schock


Entgegen den Erwartungen vieler hat Russland nun das Völkerrecht gebrochen — das Chaos in Europa ist für die USA vorteilhaft.


am Freitag, 11. März 2022, 15:00 Uhr von Kai Ehlers


Manche hielten es für ausgeschlossen, andere wiederum rechneten seit Jahren damit: der Einmarsch Russlands in die Ukraine. Nun ist es so weit gekommen, und die Welt steht auf dem Kopf. Jene, die ein solches Vorgehen Russlands ausschlossen haben, reiben sich nun verwundert die Augen, und der Westen feixt selbstgerecht. Angesichts des Völkerrechtsbruchs Russlands suhlt sich der Westen in einem ausufernden Moralismus, der letztlich eine unbeschreibliche Doppelmoral darstellt. Denn das, was Russland derzeit in der Ukraine verbricht, macht der Westen seit Jahrzehnten mit einer stoischen Selbstverständlichkeit. Nun blickt die Welt auf einen Flächenbrand im Herzland, welcher vor dem Hintergrund des westlichen Sanktionsregimes rasch weltweite Dimensionen annehmen könnte. Wird Russland vom Westen, oder zumindest von Europa, abgenabelt, könnte dies zu einem Näherzusammenrücken der nichtwestlichen Allianzen führen. Gleichzeitig profitieren aber auch die USA von einer gespaltenen eurasischen Platte.


Zum Artikel https://www.rubikon.news/artikel/geopolitischer-schock

[Bild: Der übersehene Vorreiter]



Der übersehene Vorreiter


In Bulgarien sollen alle Coronamaßnahmen zurückgenommen werden.


am Freitag, 11. März 2022, 14:00 Uhr von Rumen Milkow


Ja, es gibt noch eine andere Art und Weise, wie Machthaber auf Demonstrationen reagieren können, als diese niederzuschlagen oder zu ignorieren. Am Mittwoch, dem 23. Februar 2022, hat der bulgarische Ministerpräsident Kiril Petkow zu den 3.500 gegen ihn und seine Regierung demonstrierenden Menschen vor der Volksversammlung in Sofia gesprochen. Das war die größte Überraschung des zweiten nationalen Protestes in der bulgarischen Hauptstadt, zu dem die Partei „Wiedergeburt“ aufgerufen hatte. Petkow versicherte seinen Landsleuten, dass bis zum 20. März sämtliche Maßnahmen und auch der Grüne Pass wegfallen würden, was bereits seit Montag bekannt gewesen war.


Zum Artikel https://www.rubikon.news/artikel/der-ubersehene-vorreiter

[Bild: Die Beinahe-Kanzlerin]



Die Beinahe-Kanzlerin


Die herzlichere Alternative zu Olaf Scholz wurde leider schon im Vorfeld ausgebremst.


am Freitag, 11. März 2022, 13:00 Uhr von Monika Herz


Unsere Autorin ist nicht Bundeskanzlerin der Bundesrepublik Deutschland. Sicher ist Ihnen dies bereits bekannt. Olaf Scholz hat den Job ja leider. Und der ist derart blass, dass man ihn glatt übersehen könnte, würde man nicht gelegentlich in den Nachrichten hören, dass er immer mal wieder etwas völlig Falsches beschließt. Die Impfpflicht zum Beispiel würde er noch immer gern durchpauken. Was schert mich mein Versprechen von gestern? Wie viel Deutschland verloren hat, weil es sich weigerte, unsere Autorin zur Bundeskanzlerin zu ernennen, wird demjenigen deutlich, der diesen Artikel zu Ende liest. Sie hat immer Ideen, wie es den Menschen im Land besser gehen könnte. Dabei ist ihre Gedankenführung auf charmante Weise sprunghaft, und immer wieder rutschen ihr kleine Gedichte zwischen die Zeilen des Sachtextes. Das ist aber allemal besser als bei ihrem erfolgreicheren Rivalen Olaf, der eher den Charme einer Büroklammer versprüht. Also, schade! Eine verpasste Gelegenheit. Unsere Autorin war nämlich schon mal auf dem Sprung ins Kanzleramt gewesen. Wie sie fast Kanzlerkandidatin geworden wäre, erzählt sie hier.


Zum Artikel https://www.rubikon.news/artikel/die-beinahe-kanzlerin

[Bild: Die Kugel rollt]



Die Kugel rollt


Die pyramidale Machtstruktur auf unserem Erdenrund kann nicht ewig bestehen bleiben.


am Freitag, 11. März 2022, 12:00 Uhr von Uli Fischer


„Eine runde Sache“, sagen wir, wenn wir mit etwas zufrieden sind. Die Kugel ist Symbol für größtmögliche Harmonie, aber auch für Gleichheit, weil alle Punkte auf der Oberfläche gleichen Abstand zur Mitte haben. Anders bei einer Pyramide: Sie steht für Elitenherrschaft „von oben herab“. Im „Kampf um den Menschen“ sind die Kugel als geistig-schöpferische Urform und die Pyramide als Prägeform unterdrückender Macht extreme Gegensätze. Ihre Betrachtung ermöglicht es, für die Tiefenanalyse der Weltperspektive eine weitere Ebene zu erschließen. Der folgende Artikel versucht, ein mögliches Ende der Wirkmacht des pyramidalen Machtprinzips ins Auge zu fassen.


Zum Artikel https://www.rubikon.news/artikel/die-kugel-rollt

[Bild: Raubvogel als Friedenstaube]



Raubvogel als Friedenstaube


Europa hat eine eigenartige Vorstellung von „Frieden“ — Waffen liefern, Sanktionen verschärfen, Feindbilder vertiefen.


am Donnerstag, 10. März 2022, 17:00 Uhr von Hannes Hofbauer


Am 24. Februar 2022 beschloss die Führung in Moskau, einen lokal begrenzten Bürgerkrieg zu einem internationalen Konflikt auszuweiten. Der Einmarsch der russischen Armee in die Ukraine war völkerrechtswidrig und zugleich der Todesstoß für das Minsker Abkommen von 2015, dem letzten Ansatz einer friedlichen Lösung im Kampf um den Donbass. Washington, Brüssel und Berlin beantworteten den russischen Kriegsgang mit Kriegseuphorie, gerade so, als hätten sie darauf gewartet. Binnen weniger Tage öffneten sich die Waffenlager in einem Dutzend EU-europäischer Staaten, und die EU-Außenminister machten unionsweit 450 Millionen Euro locker, um damit Kriegsgerät an die Ukraine liefern zu können. Der Fonds, aus dem dieses Geld stammt, wird euphemistisch „Europäische Friedensfazilität“ genannt.


Zum Artikel https://www.rubikon.news/artikel/raubvogel-als-friedenstaube

[Bild: Schuldenschnitt durch Krieg]



Schuldenschnitt durch Krieg


Ein Krieg auf der eurasischen Platte würde den USA ökonomisch helfen und zugleich die Konkurrenz ausschalten — das Geschehen in der Ukraine kann auch so erklärt werden.


am Donnerstag, 10. März 2022, 16:00 Uhr von Christian Kreiß


Die weltweiten Schulden sind höher als je zuvor. Die führenden Notenbanken der Industrieländer haben so viel frisches Geld gedruckt wie noch nie. Während Corona wurden ungeheuer viele Schecks auf die Zukunft ausgestellt, die unmöglich jemals eingelöst werden können. In irgendeiner Form muss also ein Geld- und Schuldenschnitt kommen. Wird ein großer Ukrainekrieg von einflussreichen Kräften als Lösung für unsere Finanzprobleme betrachtet?


Zum Artikel https://www.rubikon.news/artikel/schuldenschnitt-durch-krieg

[Bild: Die bezweifelbare Wahrheit ]



Die bezweifelbare Wahrheit


Eine gesunde Demokratie braucht unabhängige Medien und Journalisten aus verschiedenen Bevölkerungsschichten, die ihr Weltbild immer wieder hinterfragen.


am Donnerstag, 10. März 2022, 15:00 Uhr von Elisa Gratias


„Ich weiß, dass ich nicht weiß“, soll Sokrates gesagt haben. Der Spruch gilt als Inbegriff der Weisheit, weil er nicht nur das, was ausgesprochen wird, in Zweifel zieht, sondern auch den Sprecher selbst. Die meisten Publizierenden in den Medien scheinen jedoch nach dem Motto zu verfahren: „Ich weiß, dass ich alles weiß.“ Kommunikation verläuft dann meist als Einbahnstraße. Das Publikum wird mit Gewissheiten beschossen. Kaum jemand, der innehält und sich bewusst macht, wie relativ und vorläufig all seine Erkenntnisse sind. Kaum jemand, der wirklich zuhört oder die Meinung des anderen gar ernsthaft in sein Weltbild zu integrieren versucht. Dies ist besonders im Journalismus fatal, weil dieser so viele Menschen beeinflusst. Antatt den Wahlspruch des römischen Rechts „Audiatur et altera pars“ (Höre immer auch den anderen an) zu berücksichtigen, hören sich alle am liebsten selbst reden und versuchen ihre Wahrheit durch ständige Wiederholung mit Gewalt in die Köpfe zu pflanzen. Da sie diese Fehler als Journalistin nicht wiederholen will, hat die Autorin bei dem Kommunikationswissenschaftler und Medienkritiker Michael Meyen viel gelernt.


Zum Artikel https://www.rubikon.news/artikel/die-bezweifelbare-wahrheit

[Bild: Szenen sanfter Ausgewogenheit ]



Szenen sanfter Ausgewogenheit


Ein stiller Beobachter nähert sich in der nötigen Distanz den Menschen.


am Donnerstag, 10. März 2022, 14:00 Uhr von Thomas Eblen


Thomas Eblen, der Dichter aus der Isolierstation, zeigt hier Situationen, denen Menschen ausgesetzt sind und denen sie manchmal berechnend, oft aber nur hilflos gegenüber stehen. Es geht um das Bewahren und Festhalten, um Veränderung und die innere Leere, die dazu führt, dass sich Menschen in unserer Angestelltengesellschaft nur noch verhalten. Sie werden nie zur Person. Am Ende steht noch ein sehr dichter Text — zugegeben eine Zumutung — als Ausklang gedacht.


Zum Artikel https://www.rubikon.news/artikel/szenen-sanfter-ausgewogenheit

[Bild: Orwell‘sche Politik ]



Orwell‘sche Politik


Die völlige Verdrehung der Realität und unserer Werte wurde in der neuen Normalität salonfähig.


am Donnerstag, 10. März 2022, 13:00 Uhr von Ralph Zedler


„Und wenn alle anderen die von der Partei verbreitete Lüge glaubten, wenn alle Aufzeichnungen gleich lauteten, dann ging die Lüge in die Geschichte ein und wurde Wahrheit.“ George Orwells dystopischer Roman „1984“, geschrieben 1948, malt das Bild einer Gesellschaft, deren Realisierung uns nach der Lektüre unvorstellbar scheint. Alles in diesem Roman basiert auf der Verkehrung von ursprünglich positiv besetzten Begriffen in ihr Gegenteil. Wie weit sich unsere Politiker diese Fähigkeit bereits angeeignet haben und wie weit dieser Prozess bereits fortgeschritten ist, zeigt der Autor an zahllosen Beispielen der letzten Monate auf.


Zum Artikel https://www.rubikon.news/artikel/orwell-sche-politik

[Bild: Die Impf-Dressur]



Die Impf-Dressur


Mithilfe der klassischen Konditionierung wurden wir so lange bearbeitet, bis wir die Genspritze als Notwendigkeit akzeptierten.


am Donnerstag, 10. März 2022, 12:00 Uhr von Tom Reimer


Man sieht es dem Menschen, dem man auf dem Bahnhof zufällig begegnet oder beim Familientreffen gegenübersitzt, von außen nicht an. Aber redet man mit ihm und kommt das Thema Virus und Impfen zur Sprache, wird deutlich, dass er bezüglich dieses Themas nicht offen ist, dass man nicht frei mit ihm darüber sprechen kann. Es scheint, als hinge er einem Glauben, einer Ideologie an, die keine andere Meinung zulässt und die stark emotionale Reaktionen hervorruft. Mit Zahlen, wissenschaftlichen Fakten oder rationalen Argumenten ist nicht an ihn heranzukommen. Eine neurobiologische Erklärung für dieses Verhalten ist die Bildung von neuen Verknüpfungen in seinem Gehirn, die nach zwei Jahren so gefestigt sind, dass es sehr schwer ist, sie wieder zu lösen.


Zum Artikel https://www.rubikon.news/artikel/die-impf-dressur

[Bild: Die Bekenntnisdemokratie]



Die Bekenntnisdemokratie


Seit Beginn des Kriegs in der Ukraine verhält sich unser Wertewesten irrational, dünnhäutig und eindimensional.


am Mittwoch, 09. März 2022, 17:00 Uhr von Roberto J. De Lapuente


Der russische Zupfkuchen ist Vergangenheit. Wodka verschwindet aus den Regalen. In Deutschland arbeitende Russen müssen Putin abschwören oder verlieren ihren Job. Menschen mit russischer Herkunft werden hierzulande beschimpft, ausgegrenzt und boykottiert, so als hätte man an den Ungeimpften das Hassen gelernt und sei nun begierig, es an einem neuen Objekt auszuagieren. Es ist — wieder mal —, als sei innerhalb kürzester Zeit eine Art von kollektivem Wahnsinn ausgebrochen, in dem es überhaupt keinen Raum mehr für eine weitsichtige, allumfassende und mehrdimensionale Diskussion geben kann. Beim Thema Ukraine dasselbe wie bei der Pandemie: Differenzierte Meinungsbilder werden abgelehnt, Andersdenkende pathologisiert und kriminalisiert. Aber wir dürfen das. Wir sind schließlich der Wertewesten.


Zum Artikel https://www.rubikon.news/artikel/die-bekenntnisdemokratie

[Bild: Konturen der neuen Weltordnung]



Konturen der neuen Weltordnung


Das Ergebnis der UN-Abstimmung gegen den Ukraine-Krieg machte deutlich, dass die Karten auf dem geopolitischen Spielbrett neu gemischt wurden.


am Mittwoch, 09. März 2022, 16:00 Uhr von Conrad Schuhler


Die Abstimmung über die von den USA eingebrachte UN-Resolution gegen den Ukraine-Krieg Russlands hat die Zweiteilung der Welt deutlich gemacht. Von den 181 abgegebenen Stimmen unterstützten 141 Länder, angeführt von den USA, die Resolution. Fünf Länder — Russland, Belarus, Syrien, Nordkorea und Eritrea stimmten mit Nein. 35 Länder, darunter die beiden mächtigsten Länder des globalen Südens, China und Indien, enthielten sich der Stimme. Zehn Länder, darunter Venezuela und Marokko, blieben der Abstimmung fern. Das Ergebnis dieser UN-Abstimmung mag ein Rohgerüst der künftigen weltpolitischen Konflikte widerspiegeln.


Zum Artikel https://www.rubikon.news/artikel/konturen-der-neuen-weltordnung

[Bild: Pioniere der neuen Normalität]



Pioniere der neuen Normalität


Schweden konnte seinen Sonderweg gehen, da die Transformationsprozesse hin zur „schönen, neuen Welt“ bereits vollzogen wurden.


am Mittwoch, 09. März 2022, 15:00 Uhr von Wolfgang Jeschke


Jeder „Maßnahmenkritiker“ liebt Schweden. In dem nordischen Land gab es offenbar kaum Maßnahmen und keine Repressionen: Die Freiheitsbewegung hat Schwedens Umgang mit der Plandemie stets gefeiert. Aber war dies nicht zu naiv? Ist es wirklich wahrscheinlich, dass jene globalen Kräfte, die dafür gesorgt haben, dass fast jedes Land der Erde die Freiheit mit Füßen tritt, ausgerechnet dieses europäische Land davonkommen lassen? Vielleicht ist die Wahrheit viel schlimmer. Schweden musste gar nicht mehr im Sinne der Neue-Welt-Ordnung umerzogen werden, weil die globale Agenda dort ohnehin schon weit genug fortgeschritten war. Mit Bargeldabschaffung, Totalüberwachung und einem schon blauäugig zu nennenden Vertrauen in die Staatsmacht. Wer braucht noch Maßnahmenfolter, wenn seine Opfer auch ohne eine solch grobe Behandlung tun, was von ihnen verlangt wird?


Zum Artikel https://www.rubikon.news/artikel/pioniere-der-neuen-normalitat

[Bild: Von der Freiheit]



Von der Freiheit


Wenn wir dauerhaft frei leben wollen, brauchen wir eine lebendige Vision des erwünschten Zustands.


am Mittwoch, 09. März 2022, 14:00 Uhr von Felix Feistel


Ein Gespenst geht um in Deutschland, das Gespenst des Spazierengehens. Jeden Montag, sowie an vielen anderen Tagen, versammeln sich Menschen, angemeldet und unangemeldet, um gegen die herrschende Diktatur zu protestieren. Dabei rücken sie einen Wert in das Zentrum ihrer Forderungen, der lange verloren gegangen schien: die Freiheit. Doch was genau ist Freiheit? Wie können wir sie erlangen? Ist sie mehr als nur das Abschütteln des derzeitigen Regimes? Wollen wir echte Freiheit erlangen, müssen wir uns mit diesen Fragen auseinandersetzen und einen Begriff von Freiheit entwickeln, der in der Lage ist, Angriffen auf Dauer standzuhalten.


Zum Artikel https://www.rubikon.news/artikel/von-der-freiheit

[Bild: Erstickte Kultur]



Erstickte Kultur


Ein Kunst- und Kulturfestival wird aufgrund öffentlicher Verleumdungen und Unterstellungen frühzeitig abgebrochen.


am Mittwoch, 09. März 2022, 13:00 Uhr von Carla Schiffbauer


Was ist Kunst? Was darf sie? Wann äußert man sich kritisch zu einem Kunstwerk, und wann schadet man bewusst Kunst und Künstlern, die seit zwei Jahren von den politischen Maßnahmen und Beschränkungen ihres Arbeitsbereiches stark betroffen sind, und zerstört reflektierende Strukturen, die für eine Gesellschaft wichtig sind? Ja, die Kunst hat eine zentrale gesellschaftliche Aufgabe: Sie muss hinweisen, aufdecken, aufwecken, berühren, bewegen, verbinden, aufrütteln, spiegeln und warnen. Besonders, wenn für die Gemeinschaft ungesunde Veränderungen und Entwicklungen stattfinden. Diese Bedeutung kommt ihr zu, mehr noch: Sie definiert, was Kunst ist. Wird die Kultur daran gehindert, zu tun, was seit jeher ihr Auftrag ist, steht mehr auf dem Spiel als ein paar „schöne Stunden“ für Zuseher. Es geht um die Freiheit, kreativen Selbstausdruck und ein gesundes Korrektiv gesellschaftlicher Fehlentwicklungen. Ein Beitrag zur Kunstfreiheit.


Zum Artikel https://www.rubikon.news/artikel/erstickte-kultur

[Bild: Das Land des verlorenen Lächelns]



Das Land des verlorenen Lächelns


Die Maske hat uns das freundliche Gesicht geraubt und das Antlitz einer kranken Gesellschaft in unser Bewusstsein gebrannt.


am Mittwoch, 09. März 2022, 12:00 Uhr von Susanne Begerow


Lächle und die Welt lächelt zurück. Meistens zumindest. Jedenfalls früher, als man Lächeln noch in Gesichtern sehen konnte. Diese Resonanzfähigkeit ist genetisch in uns eingeschrieben und begleitet uns unbewusst von der Wiege bis zur Bahre. Man fragt sich, warum gerade eine Regierung, die sich die Gesundheitsfürsorge auf die Fahnen geschrieben hat, den lachenden Mund als Ausdruck von Freundlichkeit und Verbundenheit quasi abgeschafft hat. Ist Lächeln etwa nicht gesundheitsrelevant? Eine gelotologische Betrachtung.


Zum Artikel https://www.rubikon.news/artikel/das-land-des-verlorenen-lachelns

[Bild: Das Kriegsmotiv]



Das Kriegsmotiv


Im Rubikon-Exklusivgespräch diskutieren der Publizist Mathias Bröckers, der Journalist Stefan Korinth, der Ökonom Professor Christian Kreiß und Oberstleutnant a. D. Jürgen Rose mit Walter van Rossum über den Krieg in der Ukraine.


am Dienstag, 08. März 2022, 17:00 Uhr von Walter van Rossum


Wenn wir über den Krieg in der Ukraine reden, dann um festzustellen, dass es wohl gar nicht um die Ukraine geht, sondern um böse geopolitische Spiele größten Stils. Um das zu sehen, muss man erst einmal den Cordon sanitaire einer sagenhaften propagandistischen Desinformation überwinden.


Zum Artikel https://www.rubikon.news/artikel/das-kriegsmotiv

[Bild: Wer schweigt, stimmt zu]



Wer schweigt, stimmt zu


Der Polterzeitgeist hätte nicht so viel Macht, wenn die Mehrheit ihr Schweigen brechen würde. Exklusivabdruck aus „Wer schweigt, stimmt zu“.


am Dienstag, 08. März 2022, 16:00 Uhr von Ulrike Guérot


Es war die Abwendung von den großen menschlichen Metaerzählungen, dem Christentum, dem Sozialismus oder dem Anarchismus, es war die Abwendung von Hoffen, Träumen und Glauben, die uns in die augenblickliche Misere geführt hat, und zwar trotz allen Wissens. Schon in den 1970er-Jahren hat der französische Philosoph Jean-François Lyotard in „La condition postmoderne: rapport sur le savoir“ gezeigt (1), dass weder die Geschichte als Bühne für den Fortschritt hin zu einer gerechten Gesellschaft taugt noch der rein technologische Fortschritt als Horizont. Kurz: Es geht um die Wiederentdeckung der Weisheit, an der sich jedes Wissen messen lassen muss. Mit dieser Weisheit werden wir unsere Intuition stärken, die uns die neue Zeit gestalten lässt, indem wir wieder darauf hören, wie wir uns fühlen, anstatt vom Smartphone diktiert zu bekommen, wie wir uns fühlen sollen. Wir werden die Smartphones aus den Händen legen und uns wieder an die Hände fassen. Dann werden wir wieder in die Hände spucken, statt Desinfektionsmittel darin zu zerreiben. Exklusivabdruck aus „Wer schweigt, stimmt zu: Über den Zustand unserer Zeit. Und darüber, wie wir leben wollen.“


Zum Artikel https://www.rubikon.news/artikel/wer-schweigt-stimmt-zu-2

[Bild: Freiwillige Massenüberwachung]



Freiwillige Massenüberwachung


Indem wir Computer, Smartphones und smarte Assistenten nutzen, geben wir unablässig Informationen über uns preis.


am Dienstag, 08. März 2022, 15:00 Uhr von Max Stadler


Durch unser Online-Verhalten verraten wir bewusst und unbewusst unsere Bewegungen, Wünsche und Handlungen. Aus all den Daten, die uns banal erscheinen mögen, filtern Algorithmen und künstliche Intelligenz Zusammenhänge heraus. Die Rückschlüsse, die daraus auf unser Verhalten als Nutzer gezogen werden können, sind detaillierter und genauer, als die meisten erahnen. Zukünftige Entscheidungen können auf diese Weise oftmals vorausberechnet und beeinflusst werden, sei es Shopping, Hobbys oder politische Vorlieben.


Zum Artikel https://www.rubikon.news/artikel/freiwillige-massenuberwachung

[Bild: Immunschutz gegen den Totalitarismus]



Immunschutz gegen den Totalitarismus


Nach Macht strebende Akteure können ihr Werk nur verrichten, solange die ohnmächtige Gesellschaft ein fruchtbares Milieu bildet.


am Dienstag, 08. März 2022, 14:00 Uhr von Bastian Barucker


Oft hört man in Kreisen der Maßnahmenkritiker das berühmte Zitat des französischen Pharmazeuten Claude Bernard: „Der Erreger ist nichts, das Milieu ist alles.“ Es steht im klaren Gegensatz zum Ansatz von Robert Koch, der Mikroben zu Monstern stilisierte, die mit allen Mitteln bekämpft werden müssten. Der Autor kritisiert seit fast zwei Jahren, dass unser Immunsystem im Zusammenhang mit Corona in der öffentlichen Diskussion offensichtlich keine Rolle spielt. Der Fokus liegt fast ausschließlich auf dem Erreger und nicht auf dem Milieu. Wir seien diesem hilflos ausgeliefert und könnten aus uns selbst heraus nichts gegen diese Bedrohung tun, so das gängige Narrativ. Bastian Barucker versucht in seinem Artikel, den Blick auf das gesamte Corona-Geschehen erweitern. Auch hier sollten wir nicht nur gebannt auf die Gefahr von außen starren, sondern unseren Blick dem Milieu zuwenden. Nehmen wir also an, die nach Macht strebenden und teilweise ahnungslosen Akteure, die für die verheerende Politik der letzten zwei Jahre verantwortlich sind, seien der Erreger und die Gesellschaft das Milieu (1).


Zum Artikel https://www.rubikon.news/artikel/immunschutz-gegen-den-totalitarismus

[Bild: Das Corona-Nachspiel]



Das Corona-Nachspiel


Selbst wenn die Corona-Hysterie nun zu Ende gehen sollte, werden die Schäden der Maßnahmen und der Angstmache noch lange nachwirken.


am Dienstag, 08. März 2022, 13:00 Uhr von Alexander Wiechert


Selbst wenn es in einigen Monaten enden sollte — es ist nicht vorbei. Die Corona-Maßnahmen werden tiefe Spuren in unseren Seelen, in der Gesellschaft und im Wirtschaftsleben des Landes hinterlassen haben. Zudem stimmt es misstrauisch, dass es den Regierenden offenbar nicht möglich war, uns aus der über zwei Jahre geschürten Angst zu entlassen, ohne uns eine anders geartete, vielleicht noch schlimmere Angst aufzubürden: die vor einem Krieg. Wenn schuldige Politiker sich jetzt elegant aus der ganzen „Nummer“ rausziehen wollen, als sei nichts gewesen, müssen wir vehement auf einer gründlichen Aufarbeitung des Geschehens bestehen, müssen quasi nachtragend sein und die Verantwortlichen wieder und wieder mit den schlimmen Folgen ihrer Taten konfrontieren. Denn wenn wir mit einem „Schwamm drüber“ zur Tagesordnung übergehen, könnte das als Einladung an Machthaber verstanden werden, demnächst wieder etwas Ähnliches zu veranstalten.


Zum Artikel https://www.rubikon.news/artikel/das-corona-nachspiel

[Bild: Feminismus in Absurdistan]



Feminismus in Absurdistan


Die politische Debatte um die Gleichstellung der Frau treibt immer seltsamere Blüten — etwa, dass sich heute jeder und jede mit einem anderen Geschlecht identifizieren kann.


am Dienstag, 08. März 2022, 12:00 Uhr von Ralf Rosmiarek


Am Frauentag, dem 8. März, dringt das Thema Gleichstellung deutlicher als sonst in das öffentliche Bewusstsein. Doch nimmt dieses Themenfeld immer seltsamere Formen an. In Sachen Geschlechter scheint gerade alles auf dem Kopf zu stehen. Was vormals noch klar als Mann und Frau definiert war, wurde in einer Weise durcheinandergewürfelt, dass nun niemand mehr so recht durchzublicken vermag. Was bedeutet dieser Tage dann noch eine Frauenquote, wenn sich jeder als Frau identifizieren kann? Wird dann der Sinn und Zweck einer solchen Quote nicht unterminiert? Es türmen sich Fragen über Fragen in diesen kafkaesken Zeiten. Und entsprechend bizarr fallen Debatten — etwa im Bundestag — zu diesem Thema aus.


Zum Artikel https://www.rubikon.news/artikel/feminismus-in-absurdistan

[Bild: Der Krieg in unseren Köpfen]



Der Krieg in unseren Köpfen


Der Aggression beginnt in uns selbst, noch ehe die erste Kugel fliegt — daher ist es an uns, in unseren Herzen einen Nährboden für Frieden zu schaffen.


am Dienstag, 08. März 2022, 11:00 Uhr von René Hirschfeld


Krieg. Plötzlich ist dieses Wort wieder da. Lange Zeit war es verschwunden. Es gab keine Kriege mehr. Es hieß Kampfhandlung, Kampfeinsatz, logistische Unterstützung, humanitäre Unterstützung, Hilfe beim Aufbau von Demokratie ... Aber solche Begriffe können niemanden, der Augen hat zu sehen, darüber hinwegtäuschen, dass auch „Friedensnobelpreisträger“ wie Barack Obama oder die Europäische Union Kriege führen beziehungsweise geführt haben. Sie reden von einem Frieden, den sie mit Waffen stiften wollen. So aber hört das Blutvergießen nicht auf. Gibt es „berechtigte“ und „unberechtigte“ Kriege? Und: Wo liegen die Ursachen?


Zum Artikel https://www.rubikon.news/artikel/der-krieg-in-unseren-kopfen



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12.03.2022

Serbien: "Hitler hätte Facebook genau so genutzt" / Kein NATO-Beitritt

aus e-mail von Doris Pumphrey, 12. März 2022, 19:41 Uhr


Live-Ticker Ukraine-Krieg 12.3.2022

<https://rtde.site/international/131481-live-ticker-zum-ukraine-krieg/>

16:00 Uhr

*Serbischer Präsident Vučić: Serbien wird der NATO nicht beitreten*


Serbien wird der NATO nicht beitreten. Das NATO-Bombardement vom Jahr 1999 war eine Aggression gegen das Land. Dies erklärte der serbische Präsident Aleksandar Vučić.

Am 3. April finden in Serbien Präsidentschafts- und Parlamentswahlen statt. Im Rahmen des Wahlkampfes an der Spitze der regierenden Serbischen Fortschrittspartei nahm Vučić am Samstag an einer Wahlkampfveranstaltung im Dorf Busije teil, in dem Flüchtlinge aus der serbischen Krajina in Kroatien leben.


Dort sagte der serbische Präsident zu den Anwesenden:


/"Unsere Gegner sagen, wir sollten der NATO beitreten. Und meine Antwort an sie ist, dass wir der NATO nicht beitreten müssen, weil wir unsere eigene Armee haben, die unser Land und unseren Himmel verteidigt. Nicht weit von hier wurde Milica Rakić (ein zweieinhalb Jahre altes Mädchen, das bei einem NATO-Bombenanschlag ums Leben kam) getötet. Bald jährt sich die Aggression und wir werden nicht zögern, sie als Aggression und nicht als Intervention oder Kampagne zu bezeichnen."/


Vučić fügte hinzu: /"Es ist sehr wichtig, Frieden und Stabilität zu erhalten. Ich werde nicht einmal über den politischen Druck sprechen, ich weiß, dass Sie ihn auch spüren. Die ganze Welt wird von Hysterie beherrscht, aber Serbien wird Tschaikowski (einen russischen

Komponisten) niemals verbieten."

/


https://rtde.site/europa/133717-serbischer-innenminister-hitler-haette-facebook-genau-so-genutzt/

12.3.2022

*Serbischer Innenminister: "Hitler hätte Facebook genau so genutzt" *


In einem Exklusivinterview mit Sputnik Serbien hat sich der serbische Innenminister Aleksandar Vulin am Freitag entsetzt darüber gezeigt, dass Facebook Mordaufrufe und Gewaltfantasien gegen Russen dulden will.


Der serbische Innenminister Aleksandar Vulin reagierte in einem Interview

<https://rs-lat.sputniknews.com/20220311/vulin-da-je-hitler-imao-fejsbuk-koristio-bi-ga-na-isti-nacin-1135302715.html>  

mit /Sputnik Serbien/ entsetzt auf die Entscheidung der Facebook-BetreibergesellschaftMeta, Gewaltaufrufe gegen Russen zuzulassen. Er befürchtet, dass damit eine Spirale aus Hassrede und Gewalt angestoßen wird:


/"Wenn öffentliche Aufrufe zur Gewalt gegen Russen erlaubt sind, ist es dann vielleicht auch möglich, Menschen zu vergewaltigen oder zu foltern? Vielleicht können nun alle Pädophilen der Welt in Ruhe ihren Träumen von Gewalt gegen russische Kinder frönen? Und wie lange muss es dauern, bis auf die Worte die Aufforderung zum Handeln folgt?"/


Vulin ist sich sicher, dass der Hass, der den Russen entgegenschlägt, nichts mit dem Konflikt in der Ukraine zu tun hat. Mit der russischen Intervention fand der jahrhundertelange Hass auf Russen und alle Slawen einen neuen Vorwand und eine neue Rechtfertigung. Es gehe auch nicht um Wladimir Putin, Alexander Lukaschenko oder andere Personen. Auch werde der in sozialen Medien geschürte Hass sich nicht auf russische Soldaten beschränken. Seine Folgen werden vielmehr die Schwächsten zu spüren bekommen.


Vulin prophezeit: /"Heute fordern sie Putins Tod, morgen werden sie allen russischen Kindern den Tod wünschen."/


Dabei sieht der serbische Minister düstere Zeiten aufziehen: /"Der Nationalsozialismus kehrt unter einem anderen Namen zurück, aber immer noch mit demselben Hass und zwangsläufig mit denselben Folgen. Ich bezweifle nicht, dass Hitler, wenn er Facebook gehabt hätte, es auf diese Weise genutzt hätte."/


In Serbien finden am 3. April Präsidentschafts- und Parlamentswahlen statt. Auf einer Wahlkampfveranstaltung am Samstag hat der amtierende Präsident Aleksandar Vučić erklärt, Serbien werde der NATO nicht beitreten. Einige seiner Konkurrenten befürworten dagegen einen Beitritt

zur NATO und einen antirussischen außenpolitischen Kurs.


Meta bestätigte <https://de.rt.com/international/133600-facebook-und-instagram-erlauben-aufrufe/>am   Freitag <https://de.rt.com/international/133600-facebook-und-instagram-erlauben-aufrufe/>, dass Hassreden, in denen zu Gewalt aufgerufen wird, jetzt auf Facebook und Instagram erlaubt sind – solange die Zielpersonen Russen sind und das Gesprächsthema sich auf Moskaus Militäroffensive in der Ukraine bezieht.

12.03.2022

Sanktionskrieg: Russlanda Antwort "kaltblütig" sein

aus e-mail von Poris Pumphrey, 12. März 2022, 14:22 Uhr


https://de.rt.com/wirtschaft/133704-bereit-zum-energiekrieg-russland-bereitet/

12.3.2022


*"Bereit zum Energiekrieg":

Russland bereitet Sanktionsgegenschlag vor*


Der russische Vize-Außenminister Sergei Rjabkow hat für die nächsten Tage die Verkündung und Umsetzung von Gegensanktionen gegen die Europäische Union angekündigt. Beobachtern zufolge scheut Russland auch einen Energiekrieg gegen die EU nicht mehr.


Mehrere russische Medien melden am Samstag, die russische Regierung habe massive Gegensanktionen gegen die USA und die Europäische Union ausgearbeitet und werde sie in den kommenden Tagen einführen.


Die meisten Experten und Beobachter rechnen damit, dass auch Maßnahmen vorgesehen sind, die den europäischen Energiemarkt hart treffen werden.


*Ein gewöhnlich gut informierter Journalist schreibt unter Berufung auf das russische Außenministerium auf Telegram:


*"*/Russisches Außenministerium: Russland ist, wenn nötig, zu einer harten Konfrontation mit der EU im Energiesektor bereit./**

****

****/Dies ist eine Warnung vor unserer Bereitschaft, notfalls einen globalen Wirtschaftskrieg zu beginnen./**

****

****/Eine Blockade der Energielieferungen würde die Europäische Union zerstören. Ganze Industriezweige würden stillgelegt werden, und Millionen von Menschen würden ihren Arbeitsplatz verlieren./**

****

****/Die Sympathie für die 'unglaublichen Ukrainer' wird sich in Luft auflösen, und die innenpolitische Instabilität wird die politischen Systeme ganzer Länder zu Fall bringen. In einigen Ländern werden Faschisten (im ursprünglichen Sinne des politischen Begriffs) an die Macht kommen, in anderen werden Bürgerkrieg und innerer Terror ausbrechen./**

****

****/In dieser Situation wird Russland nichts daran hindern, Waffen an Aufständische von Vilnius bis Madrid zu liefern. Übrigens, wer sagt, dass die Basken die Taktik des Einsatzes von MANPADS und Javelin-Panzerabwehrsystemen nicht jetzt schon erlernen?/**

****

****/Der globale Süden wird von einer Hungersnot heimgesucht werden, und Russland wird das einzige Land sein, das die Hungernden ernähren kann. Diese Armeen hungriger Menschen können in eine neue Flüchtlingswelle verwandelt werden, oder sie können bewaffnet werden, um die ehemaligen weißen Kolonialisten in ganz Eurasien und Afrika zu jagen./**

****

****/Was sagst Du dazu, Elon Musk/**?"*


Ebenfalls am Samstag kündigte der Vize-Außenminister der Russischen Föderation Sergei Rjabkow für die nächsten Tage die Veröffentlichung der persönlichen Sanktionslisten gegen westliche Politiker, Geschäftsleute und andere Prominente an. Im russischen Fernsehen sagte Rjabkow:


"/Die Listen sind fertig. Wir sind dabei, uns damit zu befassen. Dies ist im Großen und Ganzen Teil unserer täglichen Arbeit. Sich darauf zu fixieren, wie und in welchem Umfang man auf Sanktionen reagieren soll, ist wahrscheinlich falsch./"


*Der Topdiplomat kündigte an, das russische Vorgehen im Sanktionskrieg werde "kaltblütig" sein. *


Die Auswirkungen der westlichen Sanktionen schätzte er als "beherrschbar" ein. Der Sanktions- und Wirtschaftskrieg sei unvermeidbar gewesen und hänge in keiner Weise vom russischen Handeln ab. Rjabkow wörtlich:


"/Wir wussten und wissen, dass wir jederzeit mit einer Bosheit der Amerikaner rechnen müssen. Wir haben uns auf diese Situation, die wir jetzt erleben, vorbereitet. Die Sanktionen hätte es auch ohne die Militäroperation gegeben. Das hat nichts miteinander zu tun. Hätte es keine Sonderoperation gegeben, hätte sich die Lage um die Volksrepubliken Donezk und Lugansk zumindest relativ normalisiert, dann hätten Washington und seine Stellvertreter meiner Meinung nach immer noch einen Vorwand gefunden, um all das (die Sanktionen) einzuführen./"


Von einem Vertrauensverhältnis zwischen Russland und den USA könne keine Rede mehr sein. Man habe im Außenministerium nachgezählt: Die Anzahl der Sanktionswellen der USA gegen Russland habe längst 100 überschritten.


Info: https://de.rt.com/wirtschaft/133704-bereit-zum-energiekrieg-russland-bereitet

Die Website ist am 13.03.2022 nicht erreichbar

12.03.2022

Auch private Posts mit Bezug auf RT sollen gelöscht werden

aus e-mail von Doris Pumphrey, 12. März 2022, 12:39 Uhr


https://rtde.site/europa/133574-mutmasslich-geleakte-eu-dokumente-ueber-rt-verbot/


12.3.2022

*Geleakte EU-Dokumente:

Auch private Posts mit Bezug auf RT sollen gelöscht werden


*Die Verordnung des EU-Rates, mit der die Ausstrahlung von RT und Sputnik verboten wurde, lässt mehr Fragen offen als zunächst gedacht. In einem geleakten Dokument der EU Kommission wird behauptet, dass auch Online-Texte und private Posts verboten und folglich zu löschen seien.


Auf Twitter werden derzeit angeblich durch einen Google-Mitarbeiter geleakte Schreiben der Kommission der Europäischen Union (EU) verteilt, in denen die Kommission den Inhalt der Verordnung des Rates der EU erläutert, mit der das Senden der Programme von /RT/ in der EU verboten wurde.


Entgegen dem Wortlaut der Verordnung, die das Senden untersagt (auf Englisch: /to broadcast/; auf Französisch: /diffuser/) wird in diesen Dokumenten die Auffassung vertreten, dass jegliche Inhalte mit Bezug zu "/RT/" verboten seien. Danach würde sich das Verbot auch auf Online-Texte, journalistische Artikel in Textform und jede Verlautbarung in sozialen Medien erstrecken. Begründet wird diese weite Auslegung der Verbotsnorm mit der Annahme, der Rat habe schließlich ein "sehr breites und umfassendes Verbot" verhängen wollen.


Würde Google die Webseiten von /RT/ und /Sputnik/ nicht aus seinen Datenbänken entfernen ("entlisten"), so würde das dem Nutzer das Auffinden solcher Angebote erleichtern und damit zur Ausstrahlung beitragen, heißt es in dem mutmaßlich aus Brüssel stammenden Text.


In dem Abschnitt des Dokuments, der die sozialen Netzwerke betrifft, wird ausgeführt, dass diese verpflichtet seien, ihre Nutzer von dem Verbreiten jeden Inhaltes von /RT/ und /Sputnik/ abzuhalten. Die Auslegungsschrift bemerkt an dieser Stelle, dass "to broadcast" in einem weiten Sinne (lato sensu) verstanden werden müsse. Von diesem Verbot betroffen seien nicht nur die Accounts, die eine Nähe zu /RT/ oder /Sputnik/ aufweisen, sondern Accounts eines jeden Individuums.  Accounts, die "formal oder faktisch" /RT/ oder /Sputnik/ gehören, seien ohnehin zu suspendieren. Im folgenden Absatz wird die Vervielfältigung (/reproduction/) mit Ausstrahlung (/broadcasting/) gleichgesetzt.


Posts von Individuen, die Inhalte von /RT/ oder /Sputnik/ reproduzieren, dürfen laut den Erläuterungen der Kommission nicht veröffentlicht werden. Wenn sie veröffentlicht wurden, seien sie zu löschen. Grundsätzlich sei eine Abgrenzung zwischen dem von /RT/ und /Sputnik/ übernommenen Text und den eigenen Ausführungen des Nutzers vorzunehmen, diese obliege dem sozialen Netzwerk ungeachtet des Verbots der allgemeinen Überwachung in Art. 15 der Richtlinie über den Internethandel.


Die derart weite Auslegung der EU-Verordnung wird von den an der Diskussion beteiligten Twitter-Usern kritisch bewertet. So schreibt die am Zentrum für Internet und Gesellschaft der Stanford Law School dozierende Juristin Daphne Keller:


/"Das ist wirklich ein starkes Stück. Wie @tjmcintyre bemerkt, ist es verrückt (wenn es stimmt, wovon ich ausgehe), dass die EU-Behörden die Öffentlichkeit hierüber nicht informiert haben. Wir wissen es nur, weil Google es mit der @lumendatabase geteilt hat. Vielen Dank an denjenigen, der bei Google dafür gekämpft und die Veröffentlichung abgesegnet hat."/


Ein anderer Nutzer, den Daphne Keller anspricht, und dessen Post sie geteilt hat, schreibt: /"Bemerkenswerte Neuigkeiten für Technikrechtsexperten. Die EU-Sanktionen gegen Russia Today und Sputnik verlangen:/


/* Suchmaschinen müssen alle ihre Inhalte löschen und * Social-Media-Firmen die Beiträge von Einzelpersonen löschen, die deren Inhalte wiedergeben./


/Diese Auslegung geht viel weiter als viele beim Lesen der Verordnung selbst dachten, und hebt das in der E-Commerce-Richtlinie enthaltene Verbot der allgemeinen Überwachung auf. Sollte dies zutreffen, wirft dies erhebliche Fragen der Verhältnismäßigkeit und der freien Meinungsäußerung auf./


/Hier ist der Text des entsprechenden Teils der Verordnung. <https://twitter.com/tjmcintyre/status/1501594050478153739?ref_src=twsrc%5Etfw%7Ctwcamp%5Etweetembed%7Ctwterm%5E1501595202271825921%7Ctwgr%5E%7Ctwcon%5Es2_&ref_url=https%3A%2F%2Fde.rt.com%2Feuropa%2F133574-mutmasslich-geleakte-eu-dokumente-ueber-rt-verbot%2F>  

Ich bin nicht davon überzeugt, dass er tatsächlich das bedeutet, was die Kommission behauptet. Es ist ein großer Sprung vom Verbot von "Sendungen" zum Verbot jeglicher Verbreitung von Text usw."/


Ob der geleakte Text tatsächlich von der Europäischen Kommission stammt, kann derzeit noch nicht verifiziert werden. Die Stanford Law School liegt in den USA, Kalifornien, und gilt als ein weltweit führendes Kompetenzzentrum für die rechtliche Regulierung des Internets und für das IT-Recht.


Info: https://rtde.site/europa/133574-mutmasslich-geleakte-eu-dokumente-ueber-rt-verbot

11.03.2022

KPRF: Deutschland rehabilitiert den Faschismus

aus e-mail von Doris Pumphrey, 11. März 2022, 19:43 Uhr


*Die Vereinigten Staaten und die Europäische Union steuern auf die Rehabilitierung des Faschismus zu*

/Appell des Präsidiums des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei der Russischen Föderation (KPRF)

//(4. März 2022)

/

In diesen Tagen nehmen die Bandera-Faschisten Hunderttausende von Einwohnern ukrainischer Städte als Geiseln, um eine vollständige Niederlage zu vermeiden. Unter Androhung des Todes lassen die Nazis die Zivilbevölkerung nicht aus dem Kampfgebiet heraus und verdammen sie zur

Rolle eines menschlichen Schutzschildes. Sie wiederholen die abscheuliche Taktik der Hitler-Truppen auf dem Gebiet der UdSSR, als Frauen und Kinder bei Angriffen vorangeschoben wurden und die Menschen in Minenfelder getrieben wurden.


Westliche Länder machen viel Wirbel, wenn Terroristen eine Geisel gefangen nehmen. Indessen wurden in der Ukraine Hunderttausende von Menschen zu Geiseln. Wir fordern eine direkte und klare Antwort auf die Frage von den westlichen Führern, namentlich J. Biden, E. Macron, O. Scholz und B. Johnson und den russischen Liberalen, ob sie die kriminellen Taktiken der Bandera-Nazis zur Geiselnahme unterstützen oderdiese Gräueltaten verurteilen?


Was der Bandera-Faschismus in der Ukraine tun, ist unverhohlener Faschismus. Unsere Hoffnung, dass die Niederlage des deutschen Nationalsozialismus 1945 durch das sowjetische Volk und seine siegreiche Rote Armee diesem unmenschlichen Phänomen ein Ende setzen würde, hat sich zerschlagen. Mit wachsender Besorgnis sehen wir das Wachstum dieses Krebsgeschwürs in der Mitte Europas, und wieder einmal geschieht dies mit Hilfe der westlichen "Demokratien".


Wir haben nicht vergessen, dass die Vereinigten Staaten und Großbritannien wirtschaftlich und politisch zur Entstehung des Faschismus in Deutschland beigetragen haben. Hitlers Wehrmacht, die Dutzende von Millionen Menschen vernichtete, wurde größtenteils mit der finanziellen Unterstützung amerikanischer Monopole und deutscher Oligarchen geschaffen. Sowohl Amerika als auch die Europäische Union sind direkt verantwortlich für die Gräueltaten der Bandera Faschisten, die im Februar 2014 durch einen Staatsstreich die Macht in der Ukraine übernommen haben. Die direkte Beteiligung der westlichen Länder an diesem Putsch erhöht ihre Schuld am Blutvergießen in der Ukraine noch weiter.


Wir verurteilen aufs Schärfste den Versuch der deutschen Behörden, die Ereignisse in der Ukraine zu nutzen, um die Verantwortung für die Verbrechen des deutschen Nationalsozialismus während des Zweiten Weltkriegs abzuwälzen. Das wird niemals geschehen! Berlin sollte die

Hoffnung aufgeben, dass Russland, Weißrussland und die Ukraine die ungeheuerlichen Gräueltaten der deutschen Faschisten in den besetzten Gebieten der UdSSR, die Millionen von Menschen, die in Konzentrationslagern in Deutschland und Polen erschossen, gehängt und gefoltert wurden, vergessen haben.


Sollten die Völker Europas, von denen viele gegen die UdSSR auf Hitlers Seite standen, dies vergessen, sollten wir uns daran erinnern, dass Deutschland im Jahre 1999 wie schon 1941 Belgrad bombardiert hat. Die Entscheidung Berlins, Waffen an die Nazis zu liefern und deutsche Staatsbürger an Kampfhandlungen auf der Seite der Nazis teilnehmen zu lassen, bedeutet, dass Deutschland erneut einen Kurs zur Rehabilitierung des Faschismus einschlägt.


Kommunisten waren immer an vorderster Front im Kampf gegen den Nazismus. Wir sind zuversichtlich, dass linke und fortschrittliche Kräfte weltweit uns in diesem Kampf unterstützen werden.


Wir appellieren an die Weltgemeinschaft, die verbrecherischen Taktiken des Bandera Faschismus, der ukrainische Zivilisten als Geiseln nimmt, scharf zu verurteilen. Jede andere Haltung würde bedeuten, Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu unterstützen.


G.A. Sjuganow

Vorsitzender des ZK der KPRF

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Info:  /Maschinengestützte Übersetzung aus dem Englischen: Klaus von Raussendorff

/Quelle des Originals :https://cprf.ru/2022/03/the-united-states-and-the-european-union-are-heading-for-the-rehabilitation-of-fascism/

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