nachdenkseiten.de, 29. Juli 2025 um 9:00 Ein Kommentar von Marcus Klöckner
Der Umbau des Militärflughafens Büchel in der Eifel wird teurer als geplant. Rund 800 Millionen mehr werden nun veranschlagt. Die Kosten sollten eigentlich 1,2 Milliarden Euro betragen. Das berichtet der Nachrichtensender n-tv. Der Flughafen soll für die von der Bundeswehr bestellten US-Kampfjets vom Typ F-35 angepasst werden. Die Flugzeuge sind dafür gedacht, im Kriegsfall US-amerikanische Atombomben zu transportieren und abzuwerfen. Die Kosten für ein Militärprojekt werden hier also fast verdoppelt. Aufrüstung auf Kosten der Steuerzahler. Gleichzeitig soll am Bürgergeld gespart und länger gearbeitet werden. Die Unverschämtheit der Politik kennt keine Grenzen mehr.
Mehr, noch mehr, noch viel mehr: Die Aufrüstung der Bundesrepublik ist zu einem Fass ohne Boden geworden. Über eine Billion Euro sollen – bis jetzt – für das Projekt Kriegstüchtigkeit bereitgestellt werden. Und jetzt erfährt die Öffentlichkeit, dass sich die Kosten für den Umbau des Flughafens Büchel in der Eifel von 1,2 Milliarden Euro auf rund zwei Milliarden fast verdoppeln, wie n-tv berichtet. Also: Vorläufig! Weitere Kostensteigerungen sind möglich. Während die Politik gerade auf die Ärmsten der Gesellschaft fokussiert, den Rotstift ans Bürgergeld ansetzen will und die Bürger länger arbeiten sollen, gilt in Sachen Aufrüstung das Gießkannenprinzip.
Zwei Milliarden dafür, dass von der Bundeswehr gekaufte US-amerikanische Kampfjets im Ernstfall mit Atombomben starten und sich am Nuklearkrieg gegen Russland beteiligen können? Was läuft hier für ein Wahnsinn ab? Bei einem Atomkrieg zwischen NATO und Russland würde aller Voraussicht nach von Deutschland nichts übrig bleiben. Die Kampfjets sollen – Achtung, Propagandasprech – zur „nuklearen Abschreckung“ der NATO gegenüber Russland beitragen. Wir schreiben das Jahr 2025 und rückwärtsgewandte Politiker muten der Bevölkerung eine Politik aus der Hochzeit des Kalten Krieges aus dem vergangenen Jahrhundert zu.
Was den Umbau des Flughafens Büchels angeht: Hier wirft die Politik im wahrsten Sinne des Wortes das Geld der Steuerzahler mit beiden Händen aus dem Fenster. Ein Bild, das für das gesamte Vorhaben Kriegstüchtigkeit gilt. Von welch einer „nuklearen Abschreckung“ fantasiert hier die Politik? „Schreckt“ die NATO nicht ohnehin Russland bereits genug nuklear ab? Russland hat die NATO nie angegriffen.
Sowohl NATO als auch Russland sind atomar bis zum Anschlag bewaffnet. Was soll es bringen, wenn nun in der Eifel ein Militärflugplatz umgebaut wird, auf dem Flugzeuge mit Atomwaffen starten und landen können? In den Köpfen der Militärs und einer Politik, die jede Bodenhaftung verloren, dafür aber ein Feindbild im Kopf hat, mag die Aufrüstung in Büchel Sinn ergeben. Außerhalb der geistigen Horizonte der Kalten Krieger 2.0 tut sie das nicht. Vonseiten des Bundesverteidigungsministeriums heißt es laut n-tv:
„Die zugrundeliegende Kalkulation umfasst alle heute absehbaren Aufwandspositionen und Kostenfaktoren einschließlich Risikozuschlägen, kann aber aufgrund der besonderen Herausforderungen des Vorhabens keinen abschließenden Festpreis darstellen.“
Und n-tv weiter: Weitere Preissteigerungen, zum Beispiel wegen personeller Verstärkungen zur Einhaltung der „extrem ambitionierten zeitlichen Vorgaben“ könnten nicht ausgeschlossen werden.
„Die Gesamtkosten werden nach Abschluss des Projekts 2027 ermittelt“, so das Ministerium. Die Kostensteigerung sei zu Beginn des Projekts nicht absehbar gewesen, sagte eine Ministeriumssprecherin. Sie führt laut n-tv die „enormen Sicherheitsvorgaben, die die USA auch noch im Laufe des Prozesses“ gemacht hätten, als Ursachen an. Außerdem heißt es: „Eine Verzögerung des Projekts, um höhere Ausgaben zu verhindern, war und ist hingegen keine Option, weil die Zeitlinie für die Stationierung der F-35 ab 2027 nicht verschiebbar ist.“
Fast eine Milliarde Euro mehr, weil man sich an die „Zeitlinie“ halten will. Und überhaupt: Das Geld muss offensichtlich fließen.
unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine sowie in Israel, Palästina und sonstwo, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.
29.07.2025
Yes to Transfer: 82% of Jewish Israelis Back Expelling Gazans / Ja zu Transfer: 82 % der jüdischen Israelis unterstützen die Vertreibung der Bewohner des Gazastreifens
Twenty years ago, Rabbi Yitzchak Ginsburgh, the spiritual father of the 'hilltop youth,' sketched out his vision for destroying Israel's democratic institutions and establishing Jewish supremacy. After October 7, it seems that his vision is coming to fruition
A recent survey of Israeli Jews reveals a growing comfort with the idea of forcibly expelling Palestinians – both from Gaza and from within Israel's borders. The poll also found that a significant minority supports the mass killing of civilians in enemy cities captured by the Israeli army. These disturbing trends reflect the radicalization of religious Zionism since Israel's 2005 withdrawal from Gaza, and the failure of secular Israeli Jews to articulate a vision that challenges Jewish supremacy.
Ja zu Transfer: 82 % der jüdischen Israelis unterstützen die Vertreibung der Bewohner des Gazastreifens
... - alle Einwohner töten." Fünfundsechzig Prozent sagten, sie glaubten an die Existenz einer modernen Inkarnation von Amalek, dem israelischen biblischen Feind, dem Gott befahl, in Deuteronomium 25:19 auszulöschen. Unter den Gläubigen, 93 ...
Ja zu Transfer: 82 % der jüdischen Israelis unterstützen die Vertreibung der Bewohner des Gazastreifens
haaretz.com, vom 28. Mai 2025, Shay Hazkani, Tamir Sorek (übersetzt aus dem Englischen mit beta bzw. mit Deepl., unkorrigiert)
Vor zwanzig Jahren skizzierte Rabbi Yitzchak Ginsburgh, der geistige Vater der "Hügeljugend", seine Vision, Israels demokratische Institutionen zu zerstören und die jüdische Vorherrschaft zu etablieren. Nach dem 7. Oktober scheint es, dass seine Vision zum Tragen kommt
Eine aktuelle Umfrage unter israelischen Juden zeigt einen wachsenden Trost mit der Idee, Palästinenser gewaltsam zu vertreiben - sowohl aus Gaza als auch aus Israels Grenzen. Die Umfrage ergab auch, dass eine bedeutende Minderheit die Massentötung von Zivilisten in feindlichen Städten unterstützt, die von der israelischen Armee erobert wurden. Diese beunruhigenden Trends spiegeln die Radikalisierung des religiösen Zionismus seit Israels Rückzug aus Gaza 2005 wider und das Versagen der säkularen israelischen Juden, eine Vision zu artikulieren, die die jüdische Vorherrschaft herausfordert.
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29.07.2025
Teil der deutschen ProduktionskettenDie Grenzkontrollen zwischen Deutschland und Polen rufen Protest der deutschen Wirtschaft hervor. Für diese ist Polen heute ein zentraler Teil ihrer Produktionsketten und der viertgrößte Absatzmarkt überhaupt.
german-foreign-policy.com, 29. Juli 2025
WARSCHAU/BERLIN (Eigener Bericht) – Die Grenzkontrollen zwischen Deutschland und Polen stoßen zunehmend auf Widerstand aus der deutschen Wirtschaft. Es rufe ernste Schäden hervor, wenn Lkw „im Stau“ stünden und polnische Berufspendler nicht „rechtzeitig an ihren Arbeitsplatz in Deutschland“ gelangten, protestierte in der vergangenen Woche der Präsident des Außenhandelsverbandes BGA, Dirk Jandura. Hintergrund ist Polens überaus hohe Bedeutung für die deutsche Industrie. Das Land ist zum viertgrößten Absatzmarkt deutscher Unternehmen aufgestiegen und hat damit China überholt. Dies liegt nicht zuletzt daran, dass Polen als Niedriglohnstandort für arbeitsintensive Tätigkeiten in den Produktionsketten deutscher Unternehmen fungiert: Diese liefern Vorprodukte in das Nachbarland, um sie nach der Weiterverarbeitung wieder zu importieren. Dies treibt auch die polnischen Exporte in die Bundesrepublik in die Höhe, die fast ein Drittel der polnischen Gesamtausfuhr ausmachen. Im Jahr 2020 waren 8,2 Prozent aller Beschäftigten in Polen vom Export nach Deutschland abhängig. Polens abhängige Position in den deutschen Produktionsketten wird auch mit Hilfe von EU-Finanzmitteln stabilisiert.
Zitat: Niedriglohnstandort
Mit dem Ende der sozialistischen Systeme in Mittel- und Osteuropa setzte dort eine rasche Durchdringung durch westliches Kapital ein. Dabei spielte Deutschland in Polen wie auch in anderen Ländern der Region eine hervorgehobene Rolle. Die deutsch-polnischen Wirtschaftsbeziehungen nach 1989 lassen sich in drei Phasen einteilen. In der ersten Phase (1989 bis 2003) beteiligten sich deutsche Investoren an der Privatisierung von Staatsunternehmen und eröffneten eigene Fabriken in Polen. Der Fokus lag zu dieser Zeit vor allem auf den niedrigen Produktionskosten. Mit der EU-Osterweiterung im Jahr 2004 wurde durch die Beseitigung von Investitionshemmnissen eine zweite Phase der Expansion deutschen Kapitals nach Mittel- und Osteuropa eingeleitet. Zugleich wurden Investitionen in den dortigen Niedriglohnländern in Deutschland selbst als Druckmittel gegen die Gewerkschaften eingesetzt, um sie zu veranlassen, massive Sozialkürzungen und den Umbau des Arbeitsmarkts hinzunehmen – die sogenannten Hartz-Reformen.
Deutsch-polnische Arbeitsteilung
Zugleich kam es zur Auslagerung vor allem einfacher Tätigkeiten aus Deutschland nach Mittel- und Osteuropa, was zu einer Restrukturierung der Produktion in der Bundesrepublik führte; dort entstanden nun insbesondere neue qualifizierte Arbeitsplätze. Im Verlauf der Integration Polens in den deutschen Produktionsprozess ergab sich so die bis heute fortbestehende Arbeitsteilung zwischen beiden Ländern. Sie führt dazu, dass Aktivitäten mit geringer Wertschöpfung in Polen durchgeführt werden, Aktivitäten mit hoher Wertschöpfung hingegen in Deutschland.[1] In der Bundesrepublik findet eine Zentralisation von Know-how, modernen Produktionsmitteln und entsprechend komplexen Arbeitsprozessen statt, während in Polen – wie in Mittel- und Osteuropa insgesamt – einfache und arbeitsintensive Tätigkeiten für die Lieferketten der deutschen Konzernzentralen überwiegen.
Anker in der Krise
Mit der Finanzkrise im Jahr 2008 begann eine dritte Phase. Polen war das einzige EU-Land, das keine Rezession erlebte, was zu einer noch stärkeren Ausweitung deutscher Investitionen dort führte.[2] Der massierte Fokus der deutschen Industrie auf Mittel- und Osteuropa trug in den Jahren ab 2008 dazu bei, dass sich die Bundesrepublik zunehmend von der beginnenden Eurokrise abkoppeln konnte. Aufgrund der Verlagerung in Richtung Osten sank während der Eurokrise zudem das ohnehin geringe deutsche Interesse, die Kosten für die wirtschaftliche Stabilisierung Südeuropas mitzutragen.[3] Zugleich wurde die tiefe Integration Polens in die deutschen Produktionsketten dadurch verstärkt, dass deutsche Investoren in dem Land wesentlich stärker aktiv waren als Investoren aus anderen EU-Staaten. Dabei liegen die Kerntätigkeiten polnischer Fabriken auf dem Export von Produkten für deutsche Konzerne.[4] In diesem Kontext zeichnen sich die Länder Mitteleuropas – die sogenannten Visegrád-Staaten: Polen, Tschechien, Slowakei und Ungarn – durch eine ähnliche Exportstruktur aus, in der vier Branchen dominieren: die Chemieindustrie, die Metallproduktion, die Elektro- und die Automobilindustrie. Vor allem die letztgenannten beiden Sektoren verzeichneten ein starkes Exportwachstum.[5]
Viertgrößter Absatzmarkt
Polens Rolle als Hersteller von Zwischenprodukten für die deutsche Industrie führt dazu, dass das Land im vergangenen Jahr zum viertgrößten Absatzmarkt der Bundesrepublik noch vor China aufgestiegen ist.[6] Denn zu den deutschen Exporten nach Polen gehören zahlreiche Produkte, die in polnischen Fabriken weiterverarbeitet werden, um sie anschließend wieder nach Deutschland zu exportieren. Polen ist damit eine wichtige Zwischenstation in den deutschen Produktionsketten. Umgekehrt gingen im Jahr 2024 über 27 Prozent aller polnischen Exporte nach Deutschland – mit großem Abstand vor Tschechien und Frankreich, in die jeweils nur knapp über sechs Prozent aller polnischen Ausfuhren flossen.[7] Polens ökonomische Abhängigkeit von der Bundesrepublik zeigt sich auch darin, dass 2018 fast zehn Prozent des polnischen Bruttoinlandsprodukts vom Handel mit Deutschland abhingen – mehr als sieben Prozent von der Nachfrage deutscher Endverbraucher, weitere 2,6 Prozent von Lieferungen an deutsche Fabriken. Im Jahr 2020 waren 8,2 Prozent aller Beschäftigten in Polen vom Export nach Deutschland abhängig, rund 1,2 Millionen Menschen.[8]
Standortkonkurrenz in Mitteleuropa
Für die deutsche Industrie kommt begünstigend hinzu, dass die Länder Mittel- und Osteuropas sich in regionaler Konkurrenz um möglichst attraktive Investitionsbedingungen gegenseitig zu unterbieten suchen. Die polnische Regierung etwa schuf Mitte der 1990er Jahre erste Sonderwirtschaftszonen, die Steuervergünstigungen für Investitionen in strukturschwachen Regionen boten. Nach dem EU-Beitritt im Jahr 2004 starte das polnische Wirtschaftsministerium ein gezieltes Beihilfeprogramm für ausländische Investoren, das vor allem auf Großunternehmen zielte. Bis 2004 wurden die Investitionsstandorte dabei noch von Warschau bestimmt. Nach dem polnischen EU-Beitritt konnten ausländische Unternehmen ihren Standort selbst wählen. Dabei orientierten sich viele Firmen an Wettbewerbern oder Geschäftspartnern, was zu einer Ballung ausländischer Unternehmen in wirtschaftlich bessergestellten Sonderwirtschaftszonen führte.[9] Ein Beispiel für den Nutzen, den deutsche Konzerne aus der regionalen Konkurrenz in Mittel- und Osteuropa ziehen, ist der geplante Bau von sechs Batterie-Gigafactories durch VW. Polen und Ungarn konnten sich dabei gegen andere Bewerberländer durchsetzen. VW erhielt aufgrund der Konkurrenz zwischen ihnen größtmögliche Investitionsanreize – durch Steuererleichterungen, den Bau von Verkehrsinfrastruktur oder die Umschulung von Arbeitern.[10]
Über Polen nach Deutschland
Seit seinem EU-Beitritt hat Polen Zugang zu umfangreichen EU-Geldern. Die meisten dieser Mittel erhält das Land aus den sogenannten EU-Strukturfonds, die regionale Ungleichheiten ausgleichen sollen. Zwischen 2004 und 2018 erhielt Polen knapp 102 Milliarden Euro. Damit finanzierte es unter anderem den Ausbau der Straßeninfrastruktur, den Ausbau erneuerbarer Energien und Maßnahmen zum Umweltschutz. Polen ist dabei ein Empfängerland: Es erhält mehr Mittel, als es in den EU-Etat einzahlt.[11] Ein wichtiger Grundsatz beim Abrufen von EU-Mitteln ist die nationale Kofinanzierung: Polen muss eigene Staatsgelder für die geförderten Projekte beisteuern.[12] Untersuchungen zeigen, dass die EU-Kohäsionspolitik die deutsch-polnische Arbeitsteilung weiter vertieft: Für EU-finanzierte Projekte liefern deutsche Unternehmen Maschinen, chemische Erzeugnisse und Baumaterialien.[13] Auf diese Weise steigern EU-Fördermittel für Polen – und die zur Kofinanzierung erforderlichen polnischen Staatsgelder – deutsche Profite.
Vertiefung der Ungleichheit
Von den EU-Geldern hingegen, die für Forschung und Entwicklung gezahlt werden, erhalten die Länder Mittel- und Osteuropas nur wenig. Die Mittel aus dem Horizon 2020-Programm (2014 bis 2020) etwa gingen zu 95 Prozent an die Staaten der EU-15 aus der Zeit vor der EU-Osterweiterung, insbesondere an Deutschland, Großbritannien (vor dem Brexit), Frankreich, Spanien und Italien. Die mittel- und osteuropäischen EU-Staaten erhielten nur 4,7 Prozent.[14] Die EU-Fonds sind damit ein entscheidender Hebel, um die vorhandene Arbeitsteilung innerhalb der EU zu reproduzieren. Sie tragen dazu bei, dass Länder wie Polen im Status einer Art „verlängerter Werkbank“ Deutschlands verharren.
EU-Gelder als Druckmittel
Seit der Corona-Pandemie werden EU-Mittel zudem genutzt, um missliebige Regierungen in Mittel- und Osteuropa zu disziplinieren. Während der Pandemie richtete die Europäische Investitionsbank (EIB) den NextGenerationEU-Fonds ein. Über ihn wurden den Mitgliedstaaten Darlehen und finanzielle Zuschüsse in Höhe von insgesamt 672,5 Milliarden Euro zugesichert. Die EU-Kommission führte dabei im Jahr 2020 den sogenannten Rechtsstaatsmechanismus ein. Er ermöglicht es, bei tatsächlichen oder angeblichen Verstößen gegen die EU-Rechtsstaatlichkeitskriterien EU-Mittel einzubehalten. Um dies zu beschließen, genügt eine qualifizierte Mehrheit im Europäischen Rat.[15] Polen etwa konnte auf seine anteiligen Mittel aus dem NextGenerationEU-Fonds – rund 36 Milliarden Euro – lange Zeit nicht zugreifen, weil Brüssel dies aufgrund des Umbaus der polnischen Justiz blockierte.[16] Erst nach dem Regierungswechsel von der Kaczyński-Partei PiS zur Bürgerplattform unter Donald Tusk gab die EU die Gelder frei. Über das komplexe Verhältnis Deutschlands und der EU zu den beiden großen polnischen Parteien berichtet german-foreign-policy.com in Kürze.
[1] Otsuka, Kozo; Natsuda, Kaoru; Csonka, Laszlo (2023) Global value chains and knowledge spillover to local economy in Visegrad 4 countries. In: SocEc 45 (3), S. 301.
[2] Popławski, Konrad (2020): The Single Market and Poland’s competitiveness. the case of German-Polish economic collaboration. In: Anna Visvizi, Anna Matysek-Jędrych und Katarzyna Mroczek-Dąbrowska (Hg.): Poland in the Single Market. Politics, economics, the euro. New York: Routledge, S. 266 ff.
[3] Schneider, Etienne; Syrovatka, Felix (2019): Die Europäische Wirtschaftsunion zwischen Vertiefung und Desintegration. Blockade und wachsende Asymmetrie zwischen Deutschland und Frankreich. In: Hans-Jürgen Bieling und Simon Guntrum (Hg.): Neue Segel, alter Kurs? Wiesbaden: Springer Fachmedien Wiesbaden, S. 48 ff.
[4] Płóciennik, Sebastian (2020): From dependence to complementarity? Poland’s economic relations with Germany. In: Anna Visvizi, Anna Matysek-Jędrych und Katarzyna Mroczek-Dąbrowska (Hg.): Poland in the Single Market. Politics, economics, the euro. New York: Routledge, S. 285.
[5] Vlčková, Jana (2018): Visegrad countries in global production networks: Value creation, control and capture. In: Geogr. Pol. 91 (4), S. 438.
[9] Ambroziak, Adam A. (2020): State aid in Poland following accession to the EU. In: Anna Visvizi, Anna Matysek-Jędrych und Katarzyna Mroczek-Dąbrowska (Hg.): Poland in the Single Market. Politics, economics, the euro. New York: Routledge, S. 113 f.
[10] Pavlínek, Petr (2023): Transition of the automotive industry towards electric vehicle production in the east European integrated periphery. In: Empirica 50 (1), S. 65.
[11] Proczek, Magdalena (2020): Poland and the EU budget: what to make of it? In: Anna Visvizi, Anna Matysek-Jędrych und Katarzyna Mroczek-Dąbrowska (Hg.): Poland in the Single Market. Politics, economics, the euro. New York: Routledge, S. 186; S. 188 ff.
[12] Becker, Peter (2020): Die europäische Kohäsionspolitik und die Strukturfonds. Von der Förderung regionaler Konvergenz zum Instrument europäischer Wirtschaftspolitik. In: Peter Becker und Barbara Lippert (Hg.): Handbuch Europäische Union. Wiesbaden: Springer VS, S. 869–885.
[13] Płóciennik, Sebastian (2020): From dependence to complementarity? Poland’s economic relations with Germany. In: Anna Visvizi, Anna Matysek-Jędrych und Katarzyna Mroczek-Dąbrowska (Hg.): Poland in the Single Market. Politics, economics, the euro. New York: Routledge, S. 279.
[14] Popławski, Konrad; Baniak, Sandra (2024): A Glass half full. Searching for new Sources of Economic Growth in Central Europe. OSW - Centre For Eastern Studies, S. 39 f.
[15] Höpner, Martin (2021): Der Konflikt um die Rechtsstaatlichkeit in Polen – 2. Makroskop – Magazin für Wirtschaftspolitik. Online verfügbar unter makroskop.eu.
[16] Styczyńska, Natasza (2023): Conflict or Conciliation? The Polish elections of 2023 and their consequences for the EU. Swedish Institute for European Policy Studies (European Policy Analysis), S. 6.
unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine sowie in Israel, Palästina und sonstwo, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.
29.07.2025
Kapitalismus Der Siegeszug der Homoplutie
makronom.de, vom 28. Juli 2025, 8:05 Uhr
In den letzten Jahrzehnten sind Kapital und Arbeit zu einer neuen Klasse verschmolzen: der Homoplutie. Diese Entwicklung könnte die Gesellschaft noch stärker herausfordern als der klassische Kapitalismus. Ein Beitrag von Branko Milanovic.
In meinem 2019 erschienenen Buch Capitalism, Alone habe ich es einen „neuen Kapitalismus“ genannt. Was ist daran neu? Nun, im klassischen Kapitalismus der europäischen Ökonomen des 19. Jahrhunderts setzten sich kapitalistische Gesellschaften aus zwei Klassen zusammen: denjenigen, die Kapital (oder in der marxistischen Terminologie „Produktionsmittel“) besaßen, und denjenigen, die dies nicht taten und zum Überleben ihre Arbeitskraft an Kapitalisten verkauften. Das war eine grobe, aber nicht falsche Skizze der Welt, wie sie in den fortgeschrittenen Volkswirtschaften des 19. und frühen 20. Jahrhunderts bestand. (In weniger fortgeschrittenen Volkswirtschaften spielten der Grundbesitz und die politische Macht, die oft mit diesem einherging, eine größere Rolle).
Dieser Kapitalismus veränderte sich im 20. Jahrhundert mit dem Aufkommen dessen, was viele als eine neue „Manager-Klasse“ bezeichneten. Der Aufstieg der Manager – also von Menschen, die weder Produktionsmittel besitzen noch einfache Arbeiter sind, sondern die Produktionsmittel für faul in Florida Golf spielende Kapitalisten verwalten – wurde 1941 von James Burnham angekündigt und dann in den 1960er und 1970er Jahren unter anderem von Joseph Schumpeter, Raymond Aron, John Kenneth Galbraith und Daniel Bell weiterentwickelt. (In diese Linie reihen sich auch Gérard Duménil und Dominique Lévy mit ihrem Buch Managerial Capitalism ein. Für eine kritische Diskussion dazu siehe Nicole Aschoff).
Die Wahrnehmung vom Kapitalismus als Drei-Klassen-Gesellschaft, in der die Manager zur neuen herrschenden Klasse aufsteigen, stützte sich auf den von Marx erkannten, aber nie vollständig aufgelösten Gegensatz zwischen den zwei Funktionen des Kapitalisten: dem Bereitsteller der Produktionsmittel und dem Organisator ihrer Nutzung (oder in der Sprache von Walras: Kapitalist und Unternehmer). Die beiden Funktionen können logisch getrennt werden, und wurden es tatsächlich auch. Diese Trennung – so die Argumentation der genannten Autoren – schuf eine neue, dritte Klasse: die der Manager. Ein sehr schöner aktueller Artikel von Alexandre Chirat erörtert das Phänomen aus marxistischer Sicht.
Das Aufkommen der Homoplutie
Aber die Manager-Revolution wurde übertrieben dargestellt. Sie hat nie stattgefunden, und tut dies auch jetzt nicht. Den Managern als solchen ist es nie gelungen, eine dritte Klasse zu schaffen. Was stattdessen geschah, wie ich in meinem Buch von 2019 dargelegt habe und mehrere neue Veröffentlichungen bestätigen, ist der Aufstieg einer homoplutischen Elite, insbesondere in den Vereinigten Staaten, aber auch in anderen reichen kapitalistischen Volkswirtschaften.
Was ist Homoplutie? Wie so oft, wenn wir mit einem neuen Phänomen konfrontiert werden, prägen wir einen neuen Begriff, indem wir griechische Wörter verwenden: Es bedeutet in etwa „gleicher Reichtum“, also Reichtum sowohl im Sinne des so genannten „Humankapitals“ und damit des Arbeitseinkommens, als auch im Sinne des Produktiv- und Finanzkapitals und damit des Einkommens aus Eigentum.
Die homoplutische Elite besteht aus Personen, die gleichzeitig zu den reichsten Kapitalisten und den reichsten (bestbezahlten) Arbeitnehmern gehören. Sie können Vorstandsvorsitzende im Finanzsektor, Ingenieure, Ärzte oder Softwareentwickler sein (und daher hohe Gehälter beziehen) und gleichzeitig über ein großes Finanzvermögen verfügen, das ausreichend hohe Kapitaleinkommen generiert, um sie ebenfalls an die Spitze der Kapitaleinkommensverteilung zu stellen. Sie könnten dieses Geld geerbt oder im Laufe ihres Lebens von ihren hohen Gehältern genug gespart haben, um sich zu den reichsten Kapitalisten zu entwickeln. Wir kennen die relative Bedeutung der beiden Kanäle nicht, denn das Forschungsgebiet ist neu, und niemand hat bisher Längsschnittdaten verwendet, die es uns im Prinzip ermöglichen sollten, diese Frage zu beantworten.
Empirisch betrachten wir die Homoplutie folgendermaßen: Wir wählen das reichste Dezil (10% der Menschen) gemessen an ihrem Nach-Steuer-Einkommen in den USA aus und berechnen, wie viele von ihnen gleichzeitig zum reichsten Dezil nach Arbeitseinkommen und zum reichsten Dezil nach Kapitaleinkommen gehören. Man beachte, dass im klassischen Kapitalismus zu erwarten wäre, dass fast jeder, der sich im obersten Dezil des Gesamteinkommens befindet, den Großteil seines Einkommens aus dem Besitz von Kapital bezieht, aber fast niemand zu den bestbezahlten Arbeitern gehört. Reich zu sein und kapitalistisch zu sein war also ein Synonym. Genau das ist auch heute noch in weniger fortgeschrittenen kapitalistischen Volkswirtschaften wie Brasilien oder Mexiko der Fall.
In fortgeschritteneren kapitalistischen Volkswirtschaften wie den USA zeigt sich aber, dass fast ein Drittel der einkommensreichen Menschen sowohl zum obersten Dezil der Arbeiter (wenn die Menschen nur nach ihrem Arbeitseinkommen eingestuft werden) als auch zum obersten Dezil der Kapitalisten (wenn die Menschen nur nach ihrem Kapitaleinkommen eingestuft werden) gehören. Außerdem stellen wir fest, dass die Bedeutung der Homoplutie in den letzten 40 Jahren kontinuierlich zugenommen hat.
Das nachstehende Diagramm aus einer Arbeit von Yonatan Berman und mir dokumentiert dies anhand von drei verschiedenen Datenquellen: dem US Current Population Survey, der führenden US-Einkommenserhebung (standardisiert durch Luxembourg Income Study, LIS), dem Survey of Consumer Finances (eine Erhebung, die sich sowohl auf die Vermögens- als auch auf die Einkommensverteilung in den USA konzentriert) und den Distributional National Accounts (DINA), die ursprünglich von Thomas Piketty, Emmanuel Saez und Gabriel Zucman entwickelt wurden und Steuer-, Umfrage- und VGR-Daten kombinieren.
Alle drei zeigen dasselbe Ergebnis: Der Anteil der homoplutischen Reichen ist von einem Fünftel des obersten Dezils in den 1980er Jahren auf heute fast ein Drittel gestiegen. Darüber hinaus schätzen Berman und ich, dass etwa 20% des Anstiegs der Einkommensungleichheit in den USA zwischen 1980 und heute durch die zunehmende Homoplutie als solche erklärt werden kann, wenn man alle anderen Faktoren konstant hält und nur die Verbindung von hohen Arbeits- und Kapitaleinkommen bei denselben Personen ansteigen lässt. Der Effekt der Homoplutie ist stärker als der Effekt des gestiegenen Kapitalanteils. Einfach ausgedrückt: Es ist nicht nur so, dass der Kapitalanteil in den USA gestiegen ist – viel wichtiger ist, dass dieser steigende Kapitalanteil jenen Personen zugutekam, deren Gehälter bereits hoch waren. Die Geschichten über die zunehmende Einkommensungleichheit können diese Entwicklung nicht länger ignorieren.
Anmerkung: Die Abbildung zeigt den Anteil der Personen im obersten Einkommensdezil der USA, die zu den reichsten Kapitalisten (oberstes Dezil nach Kapitaleinkommen) und den reichsten Arbeitern (oberstes Dezil nach Arbeitseinkommen) gehören.
Ist die Homoplutie gut oder schlecht?
Warum ist die Homoplutie wichtig? Sie mag eine willkommene Entwicklung sein, da sie den Klassenunterschied zwischen Kapital und Arbeit aufhebt. Wir haben es hier mit Menschen zu tun, die diese zentrale Unterscheidung auslöschen, die die Quelle von Klassenkämpfen und Revolutionen war. Was ist daran falsch? Müsste diese Entwicklung nicht begrüßt und bejubelt werden?
In mancher Hinsicht ja, aber in vielen anderen nicht. Denn Homoplutie ist auch die Erschaffung einer neuen Elite, die gegen Schocks auf den Arbeits- und Kapitalmärkten resistent und daher ihre Position selbst dann halten kann, wenn die Rendite von Großkapital (wie dem ihren) sinkt oder wenn ihre speziellen hochqualifizierten Jobs plötzlich schlechter bezahlt werden. Es handelt sich um eine Elite, die gegen makroökonomische Schocks resistent ist und sich aus hochqualifizierten Menschen zusammensetzt, die die besten Schulen besucht haben und wahrscheinlich das Gefühl haben, ihre überlegene Position verdient zu haben.
Im Gegensatz zu den altmodischen Kapitalisten ist die homoplutische Elite der Meinung, dass sie ihr hohes Einkommen im wahrsten Sinne des Wortes verdient: Sie könnte bequemerweise den Kapitalanteil dieses Einkommens vergessen und sich ausschließlich auf den Arbeitsanteil konzentrieren, für den sie hart studiert und gearbeitet hat. Drei Dinge sind hier miteinander verknüpft: der Besitz von viel Kapital, ein hohes Bildungsniveau und eine hoch bezahlte Arbeit. Anstelle der klassenbasierten Gesellschaft des alten Kapitalismus haben wir nun also eine von Eliten beherrschte Gesellschaft. In ihrer eigenen Person überwinden sie den Widerspruch zwischen Kapital und Arbeit, aber nur um den „Preis“, sich vom Rest der Bevölkerung abzugrenzen, d.h. durch die Schaffung einer Elite, die an der Spitze der Gesellschaft steht.
Dieser neue Kapitalismus ist in allen fortgeschrittenen Ländern zu beobachten. Die nachstehende Abbildung, die auf der Grundlage der Daten der Luxemburger Einkommensstudie (LIS) berechnet wurde, zeigt den prozentualen Anteil der Menschen im obersten Einkommensdezil, die homoplutisch sind: Der Anteil reicht von fast 30% in den USA und Italien bis zu 16% in Japan und Südkorea. In den weniger fortgeschrittenen kapitalistischen Ländern (Ungarn, Brasilien, Mexiko) liegt er jedoch unter 10%. Übrigens, und das könnte wichtig sein, zeigen die Daten für China, dass der Anteil der Homoplutiker dort im Jahr 2013 mit 32% höher war als in allen anderen Ländern.
Anmerkung: Die Grafik zeigt den Prozentsatz der Haushalte, die sowohl einkommensreich als auch kapitalreich sind (im obersten Dezil nach Arbeitseinkommen und im obersten Dezil nach Kapitaleinkommen), basierend auf LIS-Daten für die Jahre 2015-18.
Die Elite wird sich vollständig formiert haben und unangreifbar sein, wenn 80 oder 90% des reichsten Einkommensdezils homoplutisch werden. Die klassengeteilte Gesellschaft von einst würde verschwinden und einer von einer Elite beherrschten Gesellschaft Platz machen, für die wirtschaftliche und politische Theorien der Elitenherrschaft dann relevanter sein dürften als die einfache marxistische Klassenanalyse.
Zum Autor:
Branko Milanovicist Professor an der City University of New York und gilt als einer der weltweit renommiertesten Forscher auf dem Gebiet der Einkommensverteilung. Milanovic war lange Zeit leitender Ökonom in der Forschungsabteilung der Weltbank. Er ist Autor zahlreicher Bücher und von mehr als 40 Studien zum Thema Ungleichheit und Armut. Außerdem betreibt er den Substack Global Inequality and More 3.0, wo dieser Beitrag zuerst in englischer Sprache erschienen ist.
unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine sowie in Israel, Palästina und sonstwo, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.
Deutschland und die EU stehen mit dem Rücken zur Wand. Nach dem Ende der Ampel können sich die Politiker keine Fehler mehr leisten, heißt die Diagnose in Berlin und Brüssel. Wie gehen sie mit ihrer “letzten Chance” um? Darum geht es in unserer Sommerserie.
Als ich im Januar mein E-Book über die “Kommission der letzten Chance” veröffentlicht habe, konnte ich nicht ahnen, dass wenige Monate später ein Buch mit einem ganz ähnlichen Titel auf den deutschen Markt kommen würde.
In “Letzte Chance” schildert “Welt”-Reporter R. Alexander die Herausforderungen für CDU-Kanzler Merz und den “Kampf um die Demokratie”. Sein Buch wurde zum Bestseller, meins zum Ladenhüter.
Aber so ist das nun ‘mal mit Büchern zu EU-Themen – sie verkaufen sich nicht (lesen sollte man sie trotzdem, hier meine persönliche Empfehlung).
Entscheidende Monate
Entscheidend ist etwas anderes: die gemeinsame Diagnose, dass in Brüssel und Berlin etwas gewaltig schief läuft – und dass die nächsten Monate und Jahre darüber entscheiden werden, ob es ein gutes oder schlechtes Ende nimmt.
Der EU droht, wie in meinem Buch beschrieben, das Scheitern in fünf zentralen Bereichen: Ukraine, Wirtschaft, Klima, Migration und Demokratie. Die “Kommission der letzten Chance” muß gleich an mehreren Fronten kämpfen.
In Berlin ist es auf den ersten Blick einfacher: Dort geht es “nur” darum, die Fehler der Ampel-Regierung auszubügeln und zu verhindern, dass die AfD an die Macht kommt. Die “letzte Chance” ist vor allem ein Demokratie-Problem.
Liaison dangereuse
In der Praxis sind beide Krisen allerdings eng miteinander verflochten. Deutschland steigt ab, die EU liefert nicht oder nur schlechte Deals – das sind keine Koinzidenzen, sondern einander bedingende und sich gegenseitig verstärkende Prozesse.
Noch problematischer wird diese “liaison dangereuse”, wenn man das handelnde Personal betrachtet. Brüssel und Berlin werden von CDU-Politikern regiert, Merz und von der Leyen stecken unter einer Decke (er hat sie 2024 sogar nominiert).
Daher bietet es sich an, beide Schauplätze im “deutschen EUropa” zusammen zu betrachten und die deutsche Doppelspitze und ihre Taten unter die Lupe zu nehmen. Genau das wollen wir in unserer Sommerserie versuchen.
Merz will führen – wohin?
Erst widmen wir uns den fünf großen Herausforderungen der EU und der Frage, was daraus geworden ist. Darauf folgt je ein Beitrag zu den Antworten der Bundesregierung, die ja bekanntlich die EU “führen” will.
Zwar sind seit Merz’ Amtsantritt noch keine 100 Tage vergangen. Doch der Kanzler hatte versprochen, schon vor der Sommerpause zu “liefern” – nun ist der Moment, eine erste Bilanz zu ziehen und zu schauen, wohin die Reise geht.
Die Beiträge erscheinen dreimal die Woche, am Mittwoch geht‘s los. Insgesamt sollen es zehn Texte werden, zum Schluß wollen wir ein Fazit ziehen. – Spoiler: Die Bilanz fällt nicht positiv aus – aber anders, als viele denken dürften…
Schlimm genug, dass die EU in dieser Situation ist, schlimmer jedoch ist, dass die Fuehrungsspitze keine Idee hat, wie wir wieder da herausfinden. Weder von der Leyen noch Merz haben diesbezueglich zuendende Ideen. Die Idee, die sterbende Autoindustrie durch eine boomende Ruestungsindustrie zu ersetzen duerfte mit dem “Deal” nun gestorben sein, denn die gigantischen Abermilliarden, die man als Investitionen in den USA versprochen hat, werden wohl in die dortige Ruestungsindustrie fliessen.
Mittlerweile hoert man, dass bezueglich der 600 Mrd kraeftig zurueckgerudert wird, i.d.S., dass es sich hier um geplante Privatinvestitionen der Industrieunternehmen handelt. Da stellt sich mir nur die Frage, wieso es nicht gelungen ist, diese Investitionen in der EU zu halten?
Ein anderes Ding war die absolut dreiste Luege (anders kann man es nicht nennen) bezueglich der LNG Preise. Amerikanisches LNG ist also wesentlich guenstiger als russisches. Nun, auf Blackout News kann man ganz andere Zahlen lesen. Fuer die EU Granden bestimmt fake news und eine weitere Seite die man verbieten sollte ????
Amerikanisches LNG ist schlicht doppelt so teuer wie russisches, aber man kann nicht von seinem hohen Ross herunter. Die Chinesen haben die Gespraeche mit von der Leyen abgebrochen. Sie wollen einfach nicht auf Konfrontationskurs mit Russland gehen. Im Gegenteil. Sie haben kein Interesse daran, dass Russland diesen Krieg verliert!!! Katar droht gerade, Gaslieferungen einzustellen, wenn die Lieferkettenrichtlinie weiter bestehen bleibt.
Die Buerger der EU sollten sich fragen, mit wem wir eigentlich noch diplomatische Beziehungen unterhalten und wohin die Reise gehen soll? Unterdessen waechst BRICS ueber sich hinaus. Ja, USA und EU haben zusammen ca 800 Mio Einwohner. BRICS und assoziierte Laender vertreten mehr als die Haelfte der Weltbevoelkerung, wenn ich das richtig erinnere. Und sie wachsen weiter.
Nicht wir isolieren, wir sind zunehmend isoliert und damit koennen die USA mit der EU machen was sie wollen. Wie gerade geschehen.
Es vergeht kein Tag, ohne neue Erfolgsmeldungen, für China und die BRICS. Die Erfolgsmeldungen für Europa haben stets negative Vorzeichen, wie gestern wieder der Deal mit Trump. Europa hätte auch ohne die katastrophale Politik zu kämpfen, gegen China bestehen zu können, aber mit der Politik von vdL und Merz ist das aussichtslos. wir rutschen immer weiter hinter, in allen Bereichen. Mal sehen, ob es in der Serie doch mal ein Pluspunkt hineinschafft.
unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine sowie in Israel, Palästina und sonstwo, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.
Der Deal mit US-Präsident Trump fällt eindeutig zulasten EUropas aus. Verantwortlich dafür ist vor allem EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen. Allerdings hatte sie kein Mandat für einen schlechten Deal. Wird sie nun für die Folgen verantwortlich gemacht, folgt das Aus für die eigenmächtige CDU-Dame? Andere EU-Politiker sind schon für Geringeres aus dem Amt gedrängt worden…
Zu diesem Thema gibt es auch eine Debatte im Leserforum. Bei Interesse bittehier entlang
P. S In Brüssel kursieren Gerüchte, wonach es im Europaparlament ein zweites Misstrauensvotum gegen von der Leyen geben könnte. Wegen der Sommerpause lassen sie sich aber nicht verifizieren
Die Vorvereinbarung mit Trump berücksichtigt neben handelspolitischen Interessen (und hier sind wichtige Spieler auf europäischer Seite an einem Kompromiss um jeden Preis interessiert, etwa die deutsche Automobilindustrie) das Interesse auf EU-Seite an der militärischen Zusammenarbeit mit den USA (letzteres ist zwar nicht ausdrücklich genannt, muss aber stets mitgedacht werden, zumal sich Trump wie der Chef einer Schutzgelderpresserbande aufführt). Wir können uns die internationale Umgebung nicht aussuchen, und es ist immer noch besser, sich mit den USA gegen Russland zu verbünden als den Russen ohne dieses Bündnis gegenüberzustehen, was sie leicht zu einem Angriff provozieren könnte. Berücksichtigt man diese Prämisse, ist das Ergebnis das, was man erwarten konnte. Im Gegensatz zu vielen, die laut nach einer scharfen EU-Reaktion schreien, wird die Kommission nie ihre Aufgabe darin sehen, auf die Pauke zu hauen.
@Kleopatra: „Wir können uns die internationale Umgebung nicht aussuchen“
Das klingt so, als sei das Schicksal der EU fremdbestimmt. Fakt ist, dass die die EU mit dem Hegemon Deutschland eine aktive Mitgestalterin der internationalen Umgebung ist. Bestes Beispiel ist die Ukraine. Die EU hat den Euromaidan unterstützt. Die EU hat die antirussische Politik der Postmaidan-Regierung unterstützt. Die EU hat die Aufrüstung der Ukraine unterstützt. Die EU hat den NATO-Beitritt der Ukraine unterstützt. Die EU hat den Krieg der Regierung gegen die Separatisten im Donbass unterstützt. Die EU hat den Aufmarsch der Neonazis unterstützt. Die EU hat die Sanktionierung Russlands mit über 25’000 Strafmaßnahmen unterstützt. Und so weiter.
Die intenationale Umgebung ist kein Schicksal. Sie ist das Ergebnis einer politischen Agenda.
Die wirtschaftliche Ausbeutung und politische Unterdrückung der EU durch seinen „Verbündeten“ USA ist das Ergebnis der EU-Politik.
Wenn man sich zu politischen Ereignissen in Vorkriegszeiten äussern will, sollte man sich zumindest in den Kommentarzonen von Nischenmedien die Mühe geben, möglichst bei den Fakten zu bleiben. Lügenpropaganda gibt es schon genug in den Massenmedien.
@Kleopatra … und es ist immer noch besser, sich mit den USA gegen Russland zu verbünden So? Denk‘ doch bitte noch mal 2-3mal nach.
als den Russen ohne dieses Bündnis gegenüberzustehen, was sie leicht zu einem Angriff provozieren könnte. Jaja, wir können auch Propaganda! „2029 um fünfuhrfünfundvierzig kommt Putin … “ m(
Mir fällt momentan nur ein (mit KI erstelltes) Satire-Bild ein, das momentan in den sozialen Medien zirkuliert: Trump als hochmütiger König auf dem Thron vor einer hängenden US-Flagge, mit seinem Fuß auf einer auf dem Boden liegenden EU-Flagge, und Ursula Von der Leyen und Mark Rutte als passive, unterwürfige Untertanen kniend neben Trump.
Die USA beschützen uns nicht vor Russland, sie benutzen die Bedrohung durch Russland um uns zu erpressen. Wer wirklich glaubt, dass die USA bei einem nicht-atomaren Angriff Russlands auf das Baltikum mit Atomraketen reagieren würden oder ihre konventionellen Streitkräfte in signifikantem Umfang in Bewegung setzen würden, der glaubt vermutlich auch andere Absurditäten. Und zwar komplett unabhängig vom aktuell regierenden US-Präsidenten. Der aktuelle Präsident ist nur ehrlich, wenn er auf die Auslegungsfähigkeit von Art. 5 des Nato-Status verweist. Biden war auch ehrlich, als er die Zerstörung von Nordstream angekündigt hat. Viele Europäer wollen das alles aktuell aber nicht hören.
Die Wahl Europas ist damit ebenso einfach wie schmerzhaft.
Nicht nur vdL ist für Europa entbehrlich. Die ganze EU ist es.
Heute meldet srf.ch:
„EU schlägt Sanktion gegen ISR vor Wegen der humanitären Lage im Gazastreifen hat die EU-Kommission vorge-schlagen, dass Israels Teilnahme am Forschungsprogramm „Horizon Europe“ teilweise ausgesetzt wird. Das Land komme seinen Verpflichtungen zur Aufstockung der Hilfslieferungen für den Gazastreifen nicht nach, hiess es zur Begründung. Es wird erwartet, dass die 27 EU-Länder am Dienstag über den Sanktionsvorschlag beraten. Für die Umsetzung des Vorschlags ist die Zustimmung einer Mehrheit der EU-Staaten nötig.“
Diese genozidverharmlosende Union ist die hässlichste Organisation seit 1945. Je schneller sie zugrunde geht, desto besser für Europa.
Das Ganze drum und Dran ist undemokratisch (aka €uropäisch), geht zu Lasten Europas (aka business as usual – hier Martin Sonneborn wie von @european gestern verlinkt 27. Juli 2025 @ 12:41) …
a b e r: Donald John hat gar nicht so unrecht, Zitat aus hier Trumps „Mar-a-Lago Accord“: Weit weniger unvernünftig als behauptet : https://www.relevante-oekonomik.com/2025/04/29/trumps-mar-a-lago-accord-weit-weniger-unvernuenftig-als-behauptet/ Es mag paradox klingen: Weil der Handel allen helfen kann, aber keinem eine Extrawurst braten darf, gilt es, sich auf die eigenen Möglichkeiten zu besinnen. Kooperation, nicht Konfrontation ist dazu unumgänglich. Im besten Fall ist der derzeit laufende amerikanische Versuch, mit nationaler Macht die eigene Sicht der Dinge durchzusetzen, ein Weckruf für diejenigen, die das derzeitige Non-System seit Jahrzehnten brutal ausnutzen und so tun, als seien sie die Bewahrer des „Freihandels“ oder gar einer „regelbasierten Ordnung“. Deutschland steht hier in der ersten Reihe.
So, an dieser Stelle sollte dann eine Politik antreten … was passiert? Stattdessen rennt ein Truppe von Clowns in die Manege und schwätzt durcheinander, “beraten” von Ökonomiks, Lobbyisten und sonstigen “Ächzperten”. m(
PS.: Alles geheim, wie der “Deal” mit UK so der mit J und jetzt der mit €U – honi soit qui mal y pense! Donald john macht alles geheim und nimmt die Papiere selbstverständlich mit nach Hause, ist ja geheim! * Applaus * m(
Natürlich – sonst würde in einer Demokratie der Souverän ja immerhin merken können, wie der Hase läuft und in wessen Taschen am Ende das ganze Geld verschwindet…
Wenn sie Charakter hätte, hätte sie nach der verbrannten Erde, die sie in den von ihr geführten deutschen Ministerien hinterlassen hat, den Job in Brüssel nicht annehmen dürfen!
In wessen Namen betreibt diese Dame den Ausverkauf und die Lieferantenbindung? Gibt es in Europa keine Wirtschaftsschwergewichte, denen das langsam zu viel wird? Der Michel hat eh keinen Einfluss, sowohl das überteuerte Fracking-LNG als auch die einseitigen Zölle werden uns als Demokratie verkauft. Ob wir, außer sämtliches erwirtschaftete Geld in die Rüstung gegen Russland zu stecken, wenigstens dort fairen Wettbewerb haben werden, darf angezweifelt werden. Ich schätze, dass, wenn europäische Rüstungsprodukte zu konkurrenzfähig werden, das denen dann auch, wie derzeit allen anderen Produkten, Steine in den Weg gelegt werden, vom Hegemon mit ausdrücklicher demokratischer Rückendeckung aus Brüssel. Dieses Europa funktioniert nicht.
Rausschmiss? Ach was, die europäischen Rentner müssen einfach länger arbeiten. Sie hatte ja auch gesagt, sie brauche ein höheres Budget. Und wer sollte ihr folgen? Weber? Die EU ist ein elitäres und durch und durch antidemokratisches Gebilde, egal wer Kommissionspräsident ist.
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29.07.2025
Nachrichten von Pressenza: Wenn Maschinen denken, hören wir dann auf zu existieren? Descartes im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz
Wenn Maschinen denken, hören wir dann auf zu existieren? Descartes im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz
Mit seiner Aussage „Ich denke, also bin ich“ stellte Descartes das menschliche Bewusstsein in den Mittelpunkt der Existenz. Seine Behauptung impliziert, dass die Welt ohne Bewusstsein ihre Bedeutung verliert – eine Ansicht, die von einem brasilianischen Gemeindemitglied aufgegriffen wurde, als…
Hungerstreik für Gaza: Ein Aufruf zum zivilen Widerstand gegen Unrecht
Wir – israelische und palästinensische Mitglieder der Organisation Combatants for Peace – rufen alle Menschen auf, sich unserem Hungerstreik anzuschließen: als Protest gegen die gezielte Politik der Aushungerung und systematischen Zerstörung der Lebensgrundlagen unserer Brüder und Schwestern in Gaza. Der…
Pressenza - ist eine internationale Presseagentur, die sich auf Nachrichten zu den Themen Frieden und Gewaltfreiheit spezialisiert hat, mit Vertretungen in Athen, Barcelona, Berlin, Bordeaux, Brüssel, Budapest, Buenos Aires, Florenz, Lima, London, Madrid, Mailand, Manila, Mar del Plata, Montreal, München, New York, Paris, Porto, Quito, Rom, Santiago, Sao Paulo, Turin, Valencia und Wien.
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28.07.2025
Nahost-Konflikte auf Tagesordnung: Wladimir Putin telefoniert mit Benjamin Netanjahu
freedert.online, 28 Juli 2025 21:20 Uhr
Der russische Präsident Wladimir Putin hat mit dem israelischen Premierminister Benjamin Netanjahu telefoniert. Die Politiker diskutierten im Detail den Konflikt im Nahen Osten mit Syrien und den Krieg Israels gegen Iran. Putin bot seine Vermittlung an.
Der russische Präsident Wladimir Putin hat mit dem israelischen Premierminister Benjamin Netanjahu telefonisch über die Lage im Nahen Osten gesprochen und sich für eine friedliche Beilegung der Konflikte in der Region ausgesprochen. Dies teilte der Pressedienst des Kremls nach dem Telefonat mit:
"Es wurden verschiedene Aspekte der angespannten Lage im Nahen Osten erörtert. Die russische Seite bekräftigte ihre unveränderte Position zugunsten einer ausschließlich friedlichen Lösung der Probleme und Konflikte in der Region."
Putin betonte auch die Bedeutung der Integrität und Souveränität Syriens. Der russische Staatschef unterstrich insbesondere "die Bedeutung der Unterstützung der Einheit, der Souveränität und territorialen Integrität der Arabischen Republik Syrien sowie der Stärkung ihrer innenpolitischen Stabilität durch die Wahrung der legitimen Rechte und Interessen aller ethnisch-konfessionellen Bevölkerungsgruppen".
Überdies bekundete der Präsident der Russischen Föderation die Bereitschaft Moskaus, sich an der Suche nach einer Verhandlungslösung in der Angelegenheit des iranischen Atomprogramms zu beteiligen. Der Kreml erklärte:
"Angesichts der jüngsten Verschärfung der iranisch-israelischen Konfrontation hat die russische Seite ihre Bereitschaft bekundet, die Suche nach Verhandlungslösungen im Zusammenhang mit dem iranischen Atomprogramm in jeder Hinsicht zu unterstützen."
Israel lehnt das souveräne Recht Irans auf die Entwicklung der friedlichen Nutzung der Atomenergie grundsätzlich ab, da es davon ausgeht, dass Teheran die erworbenen Technologien für militärische Zwecke nutzt. Die USA vertreten eine ähnliche Position.
Putin und Netanjahu vereinbarten, den Dialog fortzusetzen. Die israelische Seite äußerte sich bis zur Zeit der Veröffentlichung noch nicht zu dem Gespräch.
Durch die Sperrung von RT zielt die EU darauf ab, eine kritische, nicht prowestliche Informationsquelle zum Schweigen zu bringen. Und dies nicht nur hinsichtlich des Ukraine-Kriegs. Der Zugang zu unserer Website wurde erschwert, mehrere Soziale Medien haben unsere Accounts blockiert. Es liegt nun an uns allen, ob in Deutschland und der EU auch weiterhin ein Journalismus jenseits der Mainstream-Narrative betrieben werden kann. Wenn Euch unsere Artikel gefallen, teilt sie gern überall, wo Ihr aktiv seid. Das ist möglich, denn die EU hat weder unsere Arbeit noch das Lesen und Teilen unserer Artikel verboten. Anmerkung: Allerdings hat Österreich mit der Änderung des "Audiovisuellen Mediendienst-Gesetzes" am 13. April diesbezüglich eine Änderung eingeführt, die möglicherweise auch Privatpersonen betrifft. Deswegen bitten wir Euch bis zur Klärung des Sachverhalts, in Österreich unsere Beiträge vorerst nicht in den Sozialen Medien zu teilen.
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Weiteres:
"Symbolischer Charakter": Merz kündigt "Luftbrücke" zur Versorgung von Gaza an
freedert.online, 28 Juli 2025 21:42 Uhr
Bundeskanzler Merz hat am Montag angekündigt, dass die Bundeswehr die Versorgung von Gaza über eine "Luftbrücke" von Jordanien aus wiederaufnimmt, was schon im Frühjahr 2024 kurzzeitig praktiziert wurde. Angesichts des geringen Umfangs mit maximal zwei Abwürfen pro Tag sehen Beobachter darin aber lediglich Symbolpolitik.
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat die Wiedereinrichtung einer Luftbrücke angekündigt, mit der Gaza mit humanitären Hilfsgütern beliefert werden soll. Merz kündigte dies auf einer Pressekonferenz am Montag nach einem Treffen mit dem Sicherheitskabinett an. Zugleich versäumte der Bundeskanzler es nicht, Israel, das den Gazastreifen abgeriegelt hat und die Lieferung von Hilfsgütern seit Wochen blockiert, bedingungslose Treue zu schwören:
Die Hilfsgüter sollen nach Jordanien geliefert und dort in C130-Flugzeuge der Luftwaffe umgeladen werden, die sie anschließend auf Paletten mit Fallschirmen über Gaza abwerfen. Maximal zwei sogenannte "Drops" sollen auf diesem Wege möglich sein. Diese Art der Versorgung hatte die Luftwaffe schon im März 2024 praktiziert, die Flüge aber nach kurzer Zeit wieder eingestellt.
Wie der Spiegel bemerkt, hat die "Luftbrücke" damals wie heute "vor allem einen symbolischen Charakter". Zum einen bekommen die Flieger verschiedener Nationen meist nur einen Slot für einen Tiefflug über Gaza, zudem können die Mannschaften bei den sogenannten Airdrops nur eine sehr begrenzte Menge Hilfsgüter abwerfen und die Verteilung am Boden nicht kontrollieren. Für die Hilfsbedürftigen, resümiert der Spiegel, sei das "nicht mehr als der sprichwörtliche Tropfen auf den heißen Stein".
Durch die Sperrung von RT zielt die EU darauf ab, eine kritische, nicht prowestliche Informationsquelle zum Schweigen zu bringen. Und dies nicht nur hinsichtlich des Ukraine-Kriegs. Der Zugang zu unserer Website wurde erschwert, mehrere Soziale Medien haben unsere Accounts blockiert. Es liegt nun an uns allen, ob in Deutschland und der EU auch weiterhin ein Journalismus jenseits der Mainstream-Narrative betrieben werden kann. Wenn Euch unsere Artikel gefallen, teilt sie gern überall, wo Ihr aktiv seid. Das ist möglich, denn die EU hat weder unsere Arbeit noch das Lesen und Teilen unserer Artikel verboten. Anmerkung: Allerdings hat Österreich mit der Änderung des "Audiovisuellen Mediendienst-Gesetzes" am 13. April diesbezüglich eine Änderung eingeführt, die möglicherweise auch Privatpersonen betrifft. Deswegen bitten wir Euch bis zur Klärung des Sachverhalts, in Österreich unsere Beiträge vorerst nicht in den Sozialen Medien zu teilen.
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28.07.2025
Wie Pfizer-Deal auf Viagra: Von der Leyen verkauft EU an die USA
freedert.online, 28 Juli 2025 20:55 Uhr, Von Gert Ewen Ungar
Aus EU-Sicht stimmt nichts an dem Deal, den Ursula von der Leyen und Donald Trump gestern abgeschlossen haben. Von der Leyen hat sich über den Tisch ziehen lassen; die EU wird zu einer US-Kolonie. Die negativen Folgen für die EU werden von der Leyens gemauschelten Pfizer-Deal weit übertreffen.
In Russland ist man sich weitgehend einig: Die EU wurde gestern tief gedemütigt. Schon die Form des Treffens zwischen EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und US-Präsident Donald Trump entsprach in keiner Weise dem üblichen Protokoll. Donald Trump war nach Schottland gereist, um seinen Privatbesitz in Augenschein zu nehmen und einen neuen Golf-Court zu eröffnen. In der Vermengung von privaten und geschäftlichen Interessen zog er noch schnell Ursula von der Leyen und damit die EU nach allen Regeln der Kunst über den Tisch. Warum von der Leyen sich überhaupt auf ein Treffen auf Trumps Privatanwesen eingelassen hat, bleibt unklar.
Nichts an der Begegnung im schottischen Turnberry entsprach einem Treffen hochrangiger Politiker, die über nichts weniger zu verhandeln hatten als die zukünftigen wirtschaftlichen Beziehungen der Länder, die sie repräsentieren. Trump repräsentiert ein Land, Ursula von der Leyen gleich 27.
Wer bereits Ursula von der Leyens Pfizer-Deal für den schlechtesten Deal aller Zeiten hielt, der wurde nun eines Besseren belehrt. Von der Leyen legte noch einen drauf. Das, was die EU-Kommissionspräsidentin ausgehandelt hat, ist so etwas wie der Pfizer-Deal auf Viagra, das Versagen noch einmal potenziert.
15 Prozent Zölle auf Waren aus der EU, die in die USA exportiert werden. Null Prozent Zölle auf Waren, die aus den USA in die EU eingeführt werden. Ausgenommen sind Zölle für Aluminium und Stahl, da bleibt der US-Zollsatz unverändert bei 50 Prozent. Zusätzlich sicherte von der Leyen die Abnahme von Flüssiggas im Wert von 250 Milliarden Dollar zu. Nicht einmalig, sondern pro Jahr.
Spätestens hier stellt sich die Frage, wer die Kommissionspräsidentin dazu autorisiert hat? Zölle sind Angelegenheit der Kommission, aber Verträge über den Bezug von Energie haben bisher immer noch die EU-Staaten mit den Lieferländern ausgehandelt. Die Antwort ist einfach: Niemand hat von der Leyen dazu autorisiert. Sie macht es einfach, weil sie weiß, sie kommt damit durch.
Ein Misstrauensvotum gegen sie wurde erst abgeschmettert. Auch da ging es darum, dass von der Leyen jedes Maß verloren und jede rote Linie überschritten hat. Das EU-Parlament duldet den autokratischen Stil der Kommissionspräsidentin, und für deren Fehler bezahlen müssen weder die Kommissare noch die EU-Abgeordneten, sondern andere – die Bürger nämlich. Das einzig Gute an dem Deal in Turnberry ist, dass es diesmal keine SMS gibt, die von der Leyen löschen könnte. Ihr Versagen ist öffentlich.
Von der Leyen versprach Trump noch zusätzliche Investitionen in Höhe von 600 Milliarden US-Dollar. Da nehmen die Aufrüstungspläne der EU Gestalt an. Ebenso wie Deutschland plant die EU, sich zu verschulden, um mit dem aufgenommenen Geld Waffen in den USA zu kaufen. Das ist unter volkswirtschaftlichen Gesichtspunkten wohl das Dümmste, was man tun kann: Schulden machen, um einer anderen Volkswirtschaft zu Wachstum zu verhelfen, während zu Hause die Infrastruktur bröckelt.
Was von der Leyen "ausgehandelt" hat, ist nichts anderes als die Bereitschaft der Kommission, die EU zu einer US-Kolonie zu degradieren. Da war das Angebot Trumps an Kanada, den USA als 51. Bundesstaat beizutreten, noch attraktiver. Als Bundesstaat hat man immerhin noch Mitspracherechte und Stimmgewicht im US-Kongress. Der EU hat Trump noch nicht einmal das zugestanden. Von der Leyen lächelte.
Die Frage bleibt, wie es dazu kommen konnte? Schon im Vorfeld hat sich die EU durch eine Mischung aus absoluter Arroganz, aus Hass und moralischer Selbstüberhöhung in die Ecke manövriert. Aus China kam angesichts der Zolldrohungen der USA das Angebot zur Kooperation. Die EU wollte nicht. Brüssel fühlte sich mächtiger, überlegener, vor allem wertehaltiger als China.
Aus lauter Hass auf Russland verbietet sich die EU den Bezug von günstiger russischer Energie. Man wolle Putins Kriegskasse nicht füllen, lautet das Argument, das sich auf einem ähnlichen intellektuellen Niveau bewegt wie die Absicht, Schulden zu machen, um in anderen Ländern einkaufen gehen zu können. Russland ist zum Führen des Kriegs nicht auf ausländische Devisen angewiesen.
Die Verwechslung von moralischer Empörung mit von Interessen geleiteter rationaler Politik wird der EU nun das Rückgrat brechen. Auch mit maximal zur Schau getragener moralischer Hybris lassen sich ökonomische Gesetze nicht aushebeln. Das muss man in Brüssel noch lernen. Über wirtschaftlichen Erfolg entscheidet der Preis, nicht aber, was man von Russland oder China hält. Von der Leyen und sehr viele um sie herum haben das nicht verstanden.
Die EU hat sich selbst in die Fänge Trumps manövriert. Diese Abhängigkeit, in die sich die EU begeben hat, verklärt die Kommission obendrein zum Fortschritt. Der Bezug von Energie aus den USA diene der "Diversifikation". In einer Pressemitteilung heißt es dazu:
"Der Kauf amerikanischer Energieprodukte wird unsere Versorgungsquellen diversifizieren und zur Energiesicherheit Europas beitragen. Wir werden russisches Gas und Öl durch umfangreiche Käufe von amerikanischem Flüssigerdgas, Öl und Kernbrennstoffen ersetzen."
Auf so einen Neusprech wäre wohl selbst George Orwell nicht gekommen. Die EU hat mit dem 18. Sanktionspaket Sanktionen gegen Drittstaaten wie Indien erlassen, über die bisher noch russisches Öl und Erdölprodukte in die EU kamen. Auch das will man nicht, man setzt nahezu ausschließlich auf die USA, überträgt dem Land ein Quasi-Monopol und behauptet im gleichen Atemzug, man hätte die Energieversorgung diversifiziert, sie sei nun sicherer. Die EU setzt sich selbst in die Abhängigkeitsfalle.
Ursula von der Leyen hat gestern aus der EU eine US-Kolonie gemacht. Der "Deal" wird zu fortschreitender Deindustrialisierung und damit zu schwindendem Wohlstand in der gesamten EU führen. Der Schaden, den von der Leyen der EU und ihren Bürgern zugefügt hat, ist enorm.
Die Wahrscheinlichkeit, dass die EU ihren eigenen wirtschaftlichen Niedergang als Ganzes und geeint übersteht, ist verschwindend gering. Von der Leyen behauptet, Putin wolle die EU zerstören. Aber den Beitrag, den die Kommissionspräsidentin gestern zum Zerfall der EU geleistet hat, hätte Putin niemals leisten können – selbst wenn er gewollt hätte. Dass Trump von der Leyen gedemütigt hat, sieht man zwar in Russland, aber in Brüssel sieht man es natürlich nicht. Das transatlantische Bündnis bleibt auch bei Strafe des Untergangs unantastbar und heilig.
RT DE bemüht sich um ein breites Meinungsspektrum. Gastbeiträge und Meinungsartikel müssen nicht die Sichtweise der Redaktion widerspiegeln.
Durch die Sperrung von RT zielt die EU darauf ab, eine kritische, nicht prowestliche Informationsquelle zum Schweigen zu bringen. Und dies nicht nur hinsichtlich des Ukraine-Kriegs. Der Zugang zu unserer Website wurde erschwert, mehrere Soziale Medien haben unsere Accounts blockiert. Es liegt nun an uns allen, ob in Deutschland und der EU auch weiterhin ein Journalismus jenseits der Mainstream-Narrative betrieben werden kann. Wenn Euch unsere Artikel gefallen, teilt sie gern überall, wo Ihr aktiv seid. Das ist möglich, denn die EU hat weder unsere Arbeit noch das Lesen und Teilen unserer Artikel verboten. Anmerkung: Allerdings hat Österreich mit der Änderung des "Audiovisuellen Mediendienst-Gesetzes" am 13. April diesbezüglich eine Änderung eingeführt, die möglicherweise auch Privatpersonen betrifft. Deswegen bitten wir Euch bis zur Klärung des Sachverhalts, in Österreich unsere Beiträge vorerst nicht in den Sozialen Medien zu teilen.
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Weiteres:
Europa unterwirft sich Washington und bekommt im Gegenzug – nichts
freedert.online, 29 Juli 2025 06:30 Uhr, Von IA Steklomoi
Im Rahmen ihres jüngsten Handelsabkommens mit der EU werden die USA von erhöhten Zöllen und einem Absatzmarkt für die eigenen Energieträger und Waffen profitieren. Im Gegenzug bekommt Europa nichts. Was ist Brüssels Strategie?
Ursula von der Leyen und Donald Trump beim Abschluss des Handelsabkommens am 27. Juli 2025.
Washington und Brüssel haben ein großes Handelsabkommen geschlossen, berichtete US-Präsident Donald Trump bei seinem Treffen mit der Chefin der EU-Kommission, Ursula von der Leyen.
Was bekommen also die USA?
Sie profitieren von 15-prozentigen Zöllen auf Produkte aus der EU. Für einige Waren bleiben die Tarife weiterhin bei 50 Prozent.
Die Europäische Union verpflichtet sich, den eigenen Markt für US-Produkte ohne jegliche Zolltarife zu öffnen.
Die Europäische Union verpflichtet sich, innerhalb von drei Jahren US-amerikanische Energieträger im Gesamtwert von 750 Milliarden US-Dollar zu importieren – jeweils 250 Milliarden US-Dollar pro Jahr.
Die Europäische Union verpflichtet sich, "riesige Mengen" an US-Waffen zu kaufen, die sie an Kiew weiterverkaufen oder verschenken kann, Trump ist es egal.
Was bekommen die Europäer? Nichts. Nada. Null.
Die Chefin des Brüsseler Verhandlungsteams, Ursula von der Leyen, bezeichnete das Abkommen als "profitabel". Immerhin hätten die USA großzügig eingewilligt, 15-prozentige Tarife statt der angekündigten 30 Prozent zu erheben. Dabei betrugen die US-Zolltarife auf Waren aus der EU vor einem halben Jahr im Durchschnitt gerade einmal zwei Prozent. Ein klarer Sieg!
Nun gut, hat Washington Brüssel vielleicht irgendwelche Sicherheitsgarantien gewährt? Hat es sich etwa verpflichtet, die militärische Präsenz irgendwo im Baltikum zu steigern? Dem scheint nicht so. Gleich nach dem Abschluss des Abkommens veröffentlichte die Zeitung Politico eine Insider-Meldung über eine mögliche Kürzung des US-Militärkontingents in der EU um 30.000 Mann, also um knapp ein Drittel des gesamten Truppenverbands in der Region. Kritisch ist das nicht, doch der allgemeine Trend ist klar. Wie ein russischer Publizist sagen würde: "Der Brüsseler Narr gehört geschlagen, sein Geld weggenommen."
Doch warum hat sich Brüssel auf solch eine Erniedrigung eingelassen? Uns scheint es, dass die Europäer versuchen, Trumps Amtszeit auszusitzen und alsbald ein adäquateres Abkommen mit Washingtons neuen Herren zu schließen. Bis dahin wedeln sie mit dem Schwanz vor den Füßen des "Herrchens", hören sich seine offensichtlichen Pöbeleien an, und winken jedes noch so ungünstige und höhnische Abkommen freudig ab. Das Problem besteht nur darin, dass die USA, sobald sie ein für sich profitables Abkommen schließen, niemals mehr darauf verzichten werden. Auch wenn der demokratischste Demokrat im Weißen Haus sitzen wird, wird er höchstens alles beim Alten belassen, statt den Preis noch weiter zu erhöhen.
Dabei hatte Russlands Präsident Wladimir Putin gerade erst im Februar eine erschöpfende Prognose für die Beziehungen zwischen der neuen Administration des Weißen Hauses und der Führung der EU gegeben:
"Ich versichere Ihnen: Trump wird dort mit seinem Charakter und seiner Hartnäckigkeit recht schnell für Ordnung sorgen. Und sie alle werden – Sie werden es sehen – ganz bald beim Fuße ihres Herrn stehen und freudig mit dem Schwanz wedeln."
Betrachtet man die Bedingungen des Abkommens zwischen den USA und der EU, muss man eingestehen: Die Worte des russischen Präsidenten haben sich ein weiteres Mal als prophetisch erwiesen.
Übersetzt aus dem Russischen. Verfasst speziell für RT am 28. Juli 2025.
IA Steklomoi ist ein rechtskonservativ ausgerichteter russischer Telegram-Kanal, auf dem der anonyme Autor oder das Autorenkollektiv zu tagesaktuellen politischen und militärischen Themen eigene Kommentare veröffentlicht und ausgewählte Kommentare Dritter repostet.
RT DE bemüht sich um ein breites Meinungsspektrum. Gastbeiträge und Meinungsartikel müssen nicht die Sichtweise der Redaktion widerspiegeln.
Durch die Sperrung von RT zielt die EU darauf ab, eine kritische, nicht prowestliche Informationsquelle zum Schweigen zu bringen. Und dies nicht nur hinsichtlich des Ukraine-Kriegs. Der Zugang zu unserer Website wurde erschwert, mehrere Soziale Medien haben unsere Accounts blockiert. Es liegt nun an uns allen, ob in Deutschland und der EU auch weiterhin ein Journalismus jenseits der Mainstream-Narrative betrieben werden kann. Wenn Euch unsere Artikel gefallen, teilt sie gern überall, wo Ihr aktiv seid. Das ist möglich, denn die EU hat weder unsere Arbeit noch das Lesen und Teilen unserer Artikel verboten. Anmerkung: Allerdings hat Österreich mit der Änderung des "Audiovisuellen Mediendienst-Gesetzes" am 13. April diesbezüglich eine Änderung eingeführt, die möglicherweise auch Privatpersonen betrifft. Deswegen bitten wir Euch bis zur Klärung des Sachverhalts, in Österreich unsere Beiträge vorerst nicht in den Sozialen Medien zu teilen.
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28.07.2025
Wie sich die BRICS-Frauenallianz für eine gerechtere Weltwirtschaft einsetzt
freedert.online, 28 Juli 2025 22:05 Uhr, Von Felicitas Rabe
Die Vorsitzende Monica Monteiro erklärt, warum es den WBA-Frauen um eine andere Perspektive auf wirtschaftliches Handeln geht: "Letztlich wollen wir den Erfolg in der Wirtschaft neu definieren – nicht nur durch finanziellen Gewinn, sondern durch die positiven Auswirkungen, die wir für die Gesellschaft schaffen."
BRICS-Frauen Konferenz, vierte von links die WBA-Vorsitzende Monica Monteiro, Rio De Janeiro, Juli 2025
Vor fünf Jahren, am 20. Juli 2020, wurde im Rahmen des russischen BRICS-Vorsitzes die BRICS Frauen Wirtschaftsallianz gegründet. Seitdem führt die BRICS Women Business Alliance (WBA) regelmäßig eigene Veranstaltungen durch. Vom 3. bis 5. Juli fand während des internationalen BRICS-Gipfels in Rio de Janeiro parallel auch die internationale WBA-Frauenkonferenz statt. Im Interview mit der globalen WBA-Vorstandsfrau Monica Monteiro wollte RT DE mehr über die Anliegen und Inhalte der BRICS-Frauenkonferenzen erfahren. Am Donnerstag beantwortete die brasilianische Geschäftsführerin eines Medienunternehmens die Fragen von Felicitas Rabe:
Felicitas Rabe: Vielen Dank, Frau Monteiro, dass Sie sich die Zeit genommen haben, die Bedeutung der BRICS Women Business Alliance und ihre Ziele zu erläutern. Zunächst einmal möchte ich Sie fragen, wie die WBA entstanden ist. Was war und ist die ursprüngliche Motivation für die Einrichtung dieses internationalen Frauenforums im Rahmen der BRICS-Kooperation?
Monica Monteiro: Die Women Business Alliance (WBA) wurde 2020 während des BRICS-Gipfels in Russland gegründet, um eine entscheidende Lücke zu schließen: den Bedarf an einer dauerhaften Plattform, auf der Unternehmerinnen aus Schwellenländern zusammenarbeiten, führende Rollen spielen und die globale Wirtschaftsagenda beeinflussen können. Auf die BRICS-Länder entfällt fast die Hälfte der Weltbevölkerung. In diesen Ländern gibt es eine vitale, aber unterrepräsentierte weibliche Geschäftswelt. Das wollen wir ändern, indem wir grenzüberschreitende Netzwerke aufbauen, Partnerschaften fördern und ein integratives und nachhaltiges Wirtschaftswachstum unterstützen.
Felicitas Rabe: Können Sie uns etwas über die Organisationsstruktur der WBA erzählen? Gibt es nationale Sektionen oder Untergliederungen? Wie werden die Vorstandsmitglieder gewählt und wer entscheidet über die Tagesordnung?
Die brasilianische Unternehmerin und aktuelle Vorsitzende der BRICS Frauenorganisation WBA, Monica Monteiro, bei der BRICS Frauenkonferenz im Rahmen des BRICS-Gipfels in Rio De Janeiro, Juli 2025https://bricswomen.com/multimedias/wba-plenary-highlights/#gallery-11
Monica Monteiro: Wir haben eine rotierende Präsidentschaft, die mit dem Führungszyklus der BRICS-Staaten übereinstimmt. In diesem Jahr hat Brasilien den Vorsitz inne, und ich habe das Privileg, die globale Vorsitzende zu sein. Die Confederação Nacional da Indústria (CNI) koordiniert unser Sekretariat während der Amtszeit Brasiliens.
Unsere Arbeit ist in sechs Bereiche unterteilt: Gesundheit, Innovative Entwicklung, Inklusive Wirtschaft, Kreative Industrien, Tourismus sowie Ernährungssicherheit und Umweltschutz. Jedes Land hat eine nationale Sektion, und Führungsentscheidungen werden kollektiv getroffen. Unsere jährliche Plenarsitzung ist das wichtigste Entscheidungsforum. Darüber hinaus halten wir das ganze Jahr über regelmäßige Treffen ab, um Initiativen zu entwickeln und unsere Strategie abzustimmen.
Felicitas Rabe: Was ist Ihre persönliche Motivation, sich als Vorstandsfrau in der WBA zu engagieren? Warum ist die internationale Vernetzung für Sie wichtig?
Monica Monteiro: Für mich ist die WBA mehr als nur ein Wirtschaftsverband – es geht um Veränderung und um ein langfristiges Vermächtnis. Wir wissen, dass Frauen in Führungspositionen tendenziell integrativere, nachhaltigere und sozialere Geschäftsmodelle schaffen. Die internationale WBA-Vernetzung ermöglicht es Frauen, sich bei ähnlichen Problemlagen über ihre Lösungsansätze auszutauschen und neue Geschäftsmöglichkeiten zu erschließen. Außerdem können sie von den Erfahrungen anderer Frauen lernen. Das gilt insbesondere für Schwellenländer, in denen die Herausforderungen oft ähnlich sind und die Lösungen oft gemeinsam gefunden werden.
Was mich zudem zutiefst motiviert, ist die Wirkung, die wir bereits jetzt erzielen. So war beispielsweise das Medieninteresse an der WBA-Vollversammlung und dem BRICS-Business-Forum in Rio de Janeiro in diesem Jahr beeindruckend. Laut unserer Medienbeobachtung erreichte das Medienecho weltweit über 158 Millionen Menschen. Dieses Ausmaß an Aufmerksamkeit zeigt, dass die Welt dem, was Frauen in den BRICS-Ländern aufbauen, Beachtung schenkt. Wir nehmen nicht nur an der Diskussion teil – wir gestalten sie mit.
Konferenz der BRICS Frauenorganisation beim BRICS Gipfel in Rio De Janeiro, Juli 2025https://bricswomen.com/multimedias/wba-plenary-highlights/#gallery-36
Felicitas Rabe: Wie unterscheidet sich die wirtschaftliche Beteiligung von Frauen von der von Männern?
Monica Monteiro: Der Unterschied liegt im Zugang und in den Möglichkeiten. Weltweit werden nur 15 Prozent der Unternehmen, die internationalen Handel betreiben, von Frauen geführt (Welthandelsorganisation, 2024). In den BRICS-Ländern werden die Herausforderungen oft durch kulturelle Normen und systemische Barrieren verschärft. Ich nenne ein paar Beispiele:
In Indien sind weniger als 1 Prozent der Frauen formelle Unternehmerinnen.
In Südafrika werden nur 22 Prozent der Unternehmen von Frauen geführt (BRICS Women's Development Report 2024).
In Brasilien stammen trotz aller Fortschritte nur 2 Prozent der Gesamtexporte aus von Frauen geführten Unternehmen (Mulheres no Comércio Exterior, MDIC, 2025).
Diese Zahlen sind nicht einfach nur Statistiken – sie stehen für verlorenes Potenzial. Die WBA gibt es, um dies zu ändern.
Felicitas Rabe: Können Sie uns etwas Allgemeines über die wirtschaftliche Beteiligung von Frauen weltweit sagen?
Monica Monteiro: Frauen sehen sich in der globalen Wirtschaft immer noch mit systemischen Hindernissen konfrontiert. Nach Angaben der Women Entrepreneurs Finance Initiative (WE-FI) haben 70 Prozent der von Frauen geführten KMU (kleine oder mittelgroße Unternehmen) weltweit keinen Zugang zu angemessenen Krediten, Schulungen oder Netzwerken.
Dabei schaffen weibliche Unternehmungsleitungen einen viel breiteren gesellschaftlichen Nutzen. Studien zeigen, dass Frauen einen größeren Teil ihrer Einkünfte in ihre Familien und Gemeinden reinvestieren – bis zu 90 Prozent im Vergleich zu etwa 30 bis 40 Prozent bei Männern. Deshalb ist die Förderung von Unternehmerinnen nicht nur eine Geschlechterfrage, sondern eine Entwicklungsstrategie.
Sitzung der BRICS Frauen beim BRICS-Gipfel in Rio de Janeiro, Juli 2025https://bricswomen.com/multimedias/wba-plenary-highlights/#gallery-9
Felicitas Rabe: Haben Frauen im Vergleich zu Männern ein anderes Verhältnis zu wirtschaftlichen Aktivitäten?
Monica Monteiro: In vielen Fällen, ja. Frauen gehen in der Regel mit einer umfassenderen Vision an ein Unternehmen heran – sie balancieren Gewinn mit sozialer Wirkung, Nachhaltigkeit und langfristiger Widerstandsfähigkeit.
Wir denken über das langfristige Vermächtnis nach. Wir denken darüber nach, wie sich unser heutiges Handeln auf unsere Kinder, unsere Gemeinschaften und den Planeten auswirken wird. Für mich ist das nicht nur anekdotisch; es ist ein Muster, das ich bei den von Frauen geführten Unternehmen, mit denen ich zusammengearbeitet habe, immer wieder beobachten konnte.
Felicitas Rabe: Warum ist eine Frauenorganisation und eine weibliche Perspektive auf die Weltwirtschaft so wichtig?
Monica Monteiro: Weil das derzeitige globale Wirtschaftsmodell historisch gesehen ohne Berücksichtigung der Erfahrungen, Stimmen und Perspektiven von Frauen entwickelt wurde. Dies hat zu einer Politik und Praxis geführt, die den Bedürfnissen der Hälfte der Weltbevölkerung nicht gerecht werden. Mit der WBA wollen wir diese Verhältnisse ändern. Wir bitten nicht um einen Platz am Tisch – wir bauen neue Tische, an denen unterschiedliche Führungspersonen die Regel und nicht die Ausnahme sind.
Felicitas Rabe: Würden Sie sagen, dass die Atmosphäre auf Frauenkonferenzen anders ist als auf gemischten Konferenzen?
Monica Monteiro: Auf jeden Fall. Es gibt eine natürliche Tendenz, Räume der Empathie, der Zusammenarbeit und der gemeinsamen Führung zu schaffen, die sich auf kollektives Wachstum und nicht nur auf individuellen Erfolg konzentrieren. Der Dialog ist in der Regel offener, die Zusammenarbeit fließender und die Ziele sind stärker auf den Aufbau einer Gemeinschaft und die Schaffung langfristiger Partnerschaften ausgerichtet. Ich will damit nicht sagen, dass Männer nicht zusammenarbeiten – aber wenn Frauen zusammenkommen, kommt oft eine zusätzliche Ebene der Empathie und der unbedingte Wunsch hinzu, einander aufzubauen. Das ist kraftvoll.
Felicitas Rabe: An welchen Themen und Projekten arbeitet die WBA derzeit?
Monica Monteiro: Wir konzentrieren uns derzeit auf vier strategische Säulen:
Wirtschaftsförderung, darunter der BRICS Women's Startups Contest, wobei besonders die von Frauen geführten Initiativen in den Bereichen Bio-Ökonomie, digitale Transformation, Kreislaufwirtschaft und nachhaltige Lebensmittelproduktion ausgezeichnet werden. In diesem Jahr haben wir 18 Initiativen mit Preisen ausgezeichnet.
Politische Handlungsempfehlungen, die von unseren Arbeitsgruppen entwickelt und den BRICS-Staatschefs vorgelegt wurden.
Kooperationsprojekte, insbesondere in der Kreativwirtschaft, einem Bereich, in dem Frauen bereits führend sind.
Integration neuer Mitglieder wie Ägypten, Iran, die Vereinigten Arabischen Emirate und Indonesien – damit wird sichergestellt, dass mit der Erweiterung der BRICS auch die Reichweite der weiblichen Führungsrollen wächst.
Insgesamt haben wir in diesem Jahr 49 Initiativen unterstützt, 218 Treffen abgehalten und über 3,7 Millionen US-Dollar an geplanten Geschäftsabschlüssen vermittelt, wobei 800.000 US-Dollar bereits direkt durch unsere Partnerschaften mit CNI und ApexBrasil ermöglicht wurden.
Felicitas Rabe: Was sind die Hauptziele der WBA?
Monica Monteiro: Wir wollen die strukturellen Hindernisse beseitigen, die Frauen daran hindern, in vollem Umfang am Wirtschaftsleben teilzunehmen. Zu unseren Zielen gehören:
Ausweitung des Marktzugangs für von Frauen geführte Unternehmen
Förderung des grenzüberschreitenden Handels der von Frauen geführten Unternehmen.
Einflussnahme auf die öffentliche Politik zur Förderung der Geschlechtergerechtigkeit im Unternehmertum
Aufbau eines Netzwerks, das die Kooperation der BRICS-Mitglieder durch weibliche Führungskräfte stärkt
Letztlich wollen wir den Erfolg in der Wirtschaft neu definieren – nicht nur durch finanziellen Gewinn, sondern durch die positiven Auswirkungen, die wir für die Gesellschaft schaffen.
Felicitas Rabe: Wie gelingt die Zusammenarbeit zwischen Frauen aus verschiedenen Kulturen und Religionen innerhalb der BRICS?
Monica Monteiro: Unsere Stärke liegt in unserer Vielfalt. Die Frauen der BRICS repräsentieren ein reiches Mosaik von Kulturen, Religionen und Lebenserfahrungen. Was uns eint, ist unser gemeinsames Engagement für Selbstermächtigung, Zusammenarbeit und Führung. In der WBA setzen wir auf Respekt und Dialog. Wir hören zu, wir lernen voneinander und wir erarbeiten gemeinsam Lösungen. Genau diese Vielfalt der Gedanken macht unser Bündnis so effektiv.
Felicitas Rabe: Vor welchen besonderen Herausforderungen stehenFrauen, wenn sie versuchen, Beruf und Privatleben miteinander zu vereinbaren?
Monica Monteiro: Frauen haben oft eine Doppelrolle inne, indem sie ihre berufliche Karriere mit familiären und pflegerischen Pflichten in Einklang bringen. Dies ist nicht nur eine persönliche Herausforderung, sondern auch eine strukturelle. Wir brauchen Maßnahmen, die die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben unterstützen, wie flexible Arbeitsmodelle, zugängliche Kinderbetreuungseinrichtungen und eine Unternehmenskultur, die Inklusion fördert. Solange diese Strukturen nicht vorhanden sind, werden Frauen weiterhin ungerechten Belastungen ausgesetzt sein.
Felicitas Rabe: Warum ist es wichtig, dass Frauen ihre Perspektive in wirtschaftliche Debatten einbringen?
Monica Monteiro: Weil die Zukunft der Wirtschaft neue Lösungen benötigt, und Frauen bringen Ideen und Erfahrungen ein, die für diese Entwicklung entscheidend sind. Wir denken nicht nur über Wachstum nach, sondern darüber, wie wir besser wachsen können – auf eine Weise, die die Menschen, den Planeten und die kommenden Generationen respektiert. Wenn wir uns nur auf die gleichen Stimmen verlassen, werden wir auch die gleichen Ergebnisse erzielen. Wenn wir die Perspektiven von Frauen einbeziehen, können wir die Zukunft zum Besseren verändern.
Die diesjährige Vorsitzende des BRICS-Weltfrauenverbands WBA, Monica Monteiro, hat auch den Vorsitz der brasilianischen BRICS-WBA-Sektion. Sie ist Geschäftsführerin der Pay-TV-Bandeirantes-Group. Ihren Studienabschluss im Bereich Erziehungswissenschaften hat sie an der Katholischen Universität von São Paulo erworben. Seit 2021 ist sie Mitglied der G100, einer Gruppe von weiblichen Führungskräften im Bereich Medienkunst und Kommunikation, der weltweit nur 100 Frauen angehören. Monica Monteiro ist seit mehr als 25 Jahren im Bereich der audiovisuellen Medien tätig. Seit 2022 ist sie Vorsitzende des Nationalen Rates der Unternehmerinnen Brasiliens.
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Weiteres:
Zum Abschied der weltbekannten Ökofeministin und Globalisierungsgegnerin Maria Mies
freedert.online, 27 Mai 2023 14:47 Uhr, Von Felicitas Rabe
Bei der Trauerfeier für die kürzlich verstorbene Professorin Maria Mies erinnerten sich rund 150 Weggefährten und Mitstreiterinnen an das vielseitige akademische und soziale Engagement der weltbekannten Ökofeministin. Ihr Leben lang setzte sie sich für die Rechte von Frauen ein, insbesondere auch in den Ländern des globalen Südens. Sie stritt für eine gerechtere Welt und für die Abschaffung der neoliberalen Globalisierung.
Am 15. Mai verstarb die Professorin für Soziologie Dr. Maria Mies im Alter von 92 Jahren. Zur Beisetzung der weltweit bekannten Feministin auf dem Kölner Südfriedhof kamen am Donnerstag rund 150 Weggefährten aus ganz Deutschland. Der besondere Dank der Trauergemeinde galt dem Ehemann von Maria Mies, dem Buchautor Saral Sarkar, der seine Frau bis zum Schluss liebevoll betreut hat.
In ihren Trauerreden würdigten die Mitstreiterinnen Prof. Veronika Bennholdt-Thomsen und Prof. Ute Projahn das Lebenswerk und die besondere Persönlichkeit von Maria Mies. Die Wissenschaftlerin zeichnete sich insbesondere durch ihr weltweites Engagement für soziale Gerechtigkeit und durch ihre bodenständige Kooperationsbereitschaft auf Augenhöhe aus.
Maria Mies auf dem Kongress "Frauen, stoppt GATS!" in Köln, 11.05.2003.Arbeiterfotografie.com
Auf einzigartige Weise verband die Soziologin ihre Forschungen zur Rolle der Frau, zur Ökologie, zur Ernährungssouveränität und zuletzt auch zu den Auswirkungen der neoliberalen Globalisierung mit einem kontinuierlichen Engagement als politische Aktivistin. Schon lange vor der Etablierung des Internets trug sie wesentlich zur internationalen Vernetzung von Frauen- und Antiglobalisierungs-Bewegungen bei. Mit ihrer unerschütterlichen Zuversicht in die Wirksamkeit von politischem Engagement inspirierte und ermutigte sie Aktivisten auf der ganzen Welt.
Maria Mies wurde am 6. Februar 1931 im Eifeldorf Steffeln geboren, wo sie mit 11 Geschwistern auf einem Bauernhof aufwuchs. Nach ihrer Ausbildung zur Volksschullehrerin ging sie nach Indien, wo sie am Goethe-Institut in Pune bis 1968 als Sprachlehrerin arbeitete. Dort lernte sie auch ihren Ehemann Saral Sarkar kennen. Zurück in Deutschland beschäftigte sie sich mit den Auswirkungen des Patriarchats in Indien und Deutschland. Sie promovierte 1971 bei dem Soziologen Prof. Dr. René König zum Thema "Rollenkonflikte gebildeter indischer Frauen".
Von 1972 bis 1993 lehrte sie als Professorin für Soziologie im Fachbereich Sozialpädagogik an der Fachhochschule Köln zu den Themen Frauenforschung, Familien- und Randgruppensoziologie. Gemeinsam mit ihren Studentinnen erkämpfte sie 1976 in Köln das erste autonome Frauenhaus gegen häusliche Gewalt. Am Institute for Social Studies in Den Haag gründete sie das Studienprogramm "Women and Development" für Frauen aus dem globalen Süden.
Die Frauenforscherin entwickelte schließlich einen bis heute zu wenig beachteten neuen wissenschaftlichen Ansatz: die methodischen Postulate zur Frauenforschung. Anlässlich ihrer Forschungen zu Gewalt an Frauen stellte sie den herrschenden wissenschaftlichen Anspruch einer objektiven uninvolvierten Forschung grundsätzlich in Frage. Mit anderen Worten: Objektive Forschung könne es nicht geben, weil Forschung immer von Interessen und Herrschaftsverhältnissen bestimmt sei.
In ihrem Aufsatz "Was haben wir gewollt, was ist daraus geworden?" erinnerte sich Maria Mies 2007, wie sie die neuen Methoden anlässlich ihrer Forschung zu Gewalt an Frau entwickelte:
"Als Sozialwissenschaftlerin versuchte ich darum, meine Betroffenheit über die Gewaltgeschichten, die ich Tag und Nacht von den Frauen im Frauenhaus zu hören bekam, 'wissenschaftlich zu Ende zu denken und dann zu Ende zu handeln', wie ich es in einem späteren Aufsatz ausdrückte. Ich merkte bald, dass das mit den herkömmlichen Methoden der quantitativen Sozialforschung nicht ging, denn diese schließen jede Parteilichkeit und Solidarität mit den Betroffenen, jede Subjektivität auf Seiten der ForscherInnen aus. Das war für mich aber unmöglich."
"Ich entwickelte einen eigenen methodologischen Ansatz für eine engagierte Frauenforschung. Er bestand aus einer Kritik an der herrschenden uninvolvierten 'Zuschauerforschung' mit ihrem falschen Anspruch auf Objektivität und gipfelte in sieben grundlegenden methodischen Postulaten zur neuen Frauenforschung."
In ihren Büchern befasste sich die Wissenschaftlerin nicht nur mit Frauenthemen, welche sie immer in einen gesellschaftlichen Gesamtkontext einordnete, wie zum Beispiel in den Werken "Patriarchat und Kapital" und "Frauen, die letzte Kolonie" (zusammen mit Claudia von Werlhof und Veronika Bennholdt-Thomsen).
Seit dem Ende der 1990er Jahre beschäftigte sich Mies zunehmend mit den Auswirkungen einer Globalisierung, die den größtmöglichen Profit zum Ziel allen wirtschaftlichen Handels deklariere: In ihren Büchern "Globalisierung von unten" und "Krieg ohne Grenzen" beschreibt sie die fatalen Folgen dieser neoliberalen Wirtschaftsweise auf Menschen, Tiere und Umwelt. Den Neoliberalismus verglich sie mit einem Krieg gegen Mensch und Natur, der als Folge auch militärische Kriege mit sich bringe. Denn in der Logik des Neoliberalismus sei "Krieg gut für die Wirtschaft". Institutionen wie die Welthandelsorganisation oder auch die EU-Kommission hielt sie grundsätzlich für nicht reformierbar, sie seien von Korruption beherrscht.
Einer der ersten Nachrufe erschien am 17. Mai in der Indischen Zeitung Indianexpress. In Indien und in vielen Ländern des globalen Südens wird das Engagement von Maria Mies für Frauen, für den Erhalt einer ökologischen Subsistenz-Landwirtschaft und für soziale Gerechtigkeit seit Jahrzehnten geschätzt. Gemeinsam mit der indischen Physikerin und Trägerin des alternativen Nobelpreises Dr. Vandana Shiva schrieb sie das Buch "Ökofeminismus". Im Nachruf des Indianexpress erinnert sich Shiva an ihre Freundschaft mit der deutschen Feministin:
"Maria war eine sehr gute Freundin. Zusammen schrieben wir das Buch 'Ökofeminismus' ‒ unser Denken war tief verbunden. 1995 nahmen wir an der UN-Konferenz über pflanzengenetische Ressourcen in Leipzig teil und verfassten dort gemeinsam den Leipziger Appell. 1996 haben wir auf dem UN-Ernährungsgipfel den Aufruf zur 'Ernährungssouveränität in Frauenhände' gestartet und 1.000.000 Unterschriften gesammelt. Maria wird durch ihre Ideen, ihren Aktivismus und unsere Freundschaft weiterleben."
Maude Barlow, Vandana Shiva und Maria Mies: "Frauen, stoppt GATS!", Köln, 10.05.2003.Arbeiterfotografie.com
Aber auch deutsche Medien würdigten ihr Lebenswerk. Und nicht nur im Spiegel-Nachruf wurde darauf hingewiesen, dass es der bekannten Feministin nicht um die Gleichstellung der Frau in einer kapitalistischen Gesellschaft ging, sondern dass sie sich für eine andere, gerechtere Gesellschaft einsetzte:
"Im Unterschied zu vielen anderen Feministinnen zielte Mies nicht auf die Gleichstellung der Frau innerhalb der kapitalistischen Gesellschaft – sondern auf eine neue Gesellschaft."
Im Nachruf der Kölner Fachhochschule (TH Köln) wird die herausragende wissenschaftliche Leistung der Professorin honoriert:
"Professorin Maria Mies bleibt aufgrund ihrer beeindruckenden Lebensgeschichte, ihrer herausragenden wissenschaftlichen Leistung als Hochschullehrerin und ihrem außergewöhnlichen zivilgesellschaftlichen Engagement für Frauenrechte, globalen Frieden und Ökologie eine Inspiration für Gegenwart und Zukunft."
Zeit ihres Lebens vermittelte Maria Mies im persönlichen Kontakt Frauen ein Gefühl für Selbstwert: Indem sie ein Bewusstsein über ihren eigenen Selbstwert ausstrahlte, bot sie Orientierung. Und indem sie Frauen in ihrer Umgebung wertschätzte, deren Potential erkannte und förderte, stärkte sie ihr Selbstwertbewusstsein. Nicht zuletzt hat das auch die Autorin dieses Nachrufes in der Kooperation mit dieser besonderen Frau erfahren.
Auf dem Monsanto-Tribunal 2016 in Den Haag fragte die Autorin die ebenfalls teilnehmende Dr. Farida Akhtar aus Bangladesch, ob sie sich an Maria Mies erinnere. Fast schon empört antwortete die Wissenschaftlerin:
"Ob ich mich an Maria erinnere? ‒ Maria ist alltäglich und für immer in meinem Herzen."
Durch die Sperrung von RT zielt die EU darauf ab, eine kritische, nicht prowestliche Informationsquelle zum Schweigen zu bringen. Und dies nicht nur hinsichtlich des Ukraine-Kriegs. Der Zugang zu unserer Website wurde erschwert, mehrere Soziale Medien haben unsere Accounts blockiert. Es liegt nun an uns allen, ob in Deutschland und der EU auch weiterhin ein Journalismus jenseits der Mainstream-Narrative betrieben werden kann. Wenn Euch unsere Artikel gefallen, teilt sie gern überall, wo Ihr aktiv seid. Das ist möglich, denn die EU hat weder unsere Arbeit noch das Lesen und Teilen unserer Artikel verboten. Anmerkung: Allerdings hat Österreich mit der Änderung des "Audiovisuellen Mediendienst-Gesetzes" am 13. April diesbezüglich eine Änderung eingeführt, die möglicherweise auch Privatpersonen betrifft. Deswegen bitten wir Euch bis zur Klärung des Sachverhalts, in Österreich unsere Beiträge vorerst nicht in den Sozialen Medien zu teilen.
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28.07.2025
Die Geschichten von russischen «Kinderräubern».
Am 6. August 2007 berichtete der «Spiegel» darüber, wie 1975 3000 vietnamesische Waisenkinder aus Saigon ausgeflogen und die meisten davon in den USA adoptiert wurden. Dieses Vorgehen ging als «Operation Babylift» in die Geschichte ein. (Bild aus dem damaligen «Spiegel»)
Die USA haben in allen Kriegen von Vietnam bis Afghanistan Tausende von Kindern evakuiert und dies als humanitäre Mission deklariert. Wenn Russland Waisen aus den Kampfgebieten in der Ukraine bringt, stellt ein überwältigender westlicher Propaganda-Apparat dies als Kindsraub und Verbrechen dar.
Im April 1975, als der Vietnamkrieg dem Ende zu ging, transportierten die US-Streitkräfte in der Operation «Babylift» nach offiziellen Angaben einige tausend Kinder aus Vietnam in die USA. Der Transport geriet damals in die Schlagzeilen, weil die erste Maschine mit vietnamesischen Kindern an Bord bei Saigon abstürzte. Ein knappes halbes Jahrhundert später, im Dezember 2021, meldete CNN, die US-Streitkräfte hätten 1450 Kinder aus Afghanistan in die USA gebracht. Eine Meldung, die in der politischen Öffentlichkeit nicht mehr Aufsehen machte, als eine Staumeldung oder der Wetterbericht.
Ich weiss nicht, wie viele Kinder die USA in all ihren Kriegen verfrachtet haben: aus Lateinamerika, Asien und Afrika, vom Balkan, aus dem Irak, aus Libyen oder Syrien. Allein im Vietnam-Krieg waren es laut Medienberichten mehr als 50’000, und dort, wie auch in anderen Fällen, waren viele fromme und weniger fromme christliche Hilfswerke beteiligt. Keine Journalistin, kein Journalist einer großen westlichen Zeitung kam bei all diesen Transporten auf die Idee, von «Kinderraub» oder «Deportationen» zu reden. Ganz im Gegenteil. Schutz der Schutzlosen war immer Gebot des humanitären Völkerrechts. Die Genfer Konventionen regeln den Schutz von Zivilpersonen, also auch von Kindern, im Krieg.
Das gilt aber nicht für Russland. Wenn die russische Armee elternlose Kinder und Jugendliche aus ukrainischen Kampfgebieten evakuiert, kann dies keine humanitäre Aktion sein, weil Russland in der Gestalt von Putin jede Menschlichkeit und Barmherzigkeit abzuerkennen ist. Auf dieser verqueren Logik beruhen offensichtlich die Propaganda-Fiktionen, die seit Kriegsbeginn von zahlreichen Menschenrechts-NGO fabriziert und in großen westlichen Medien kolportiert werden.
Die meisten dieser NGO sind nicht das, was ihr Name verspricht, nämlich vom Geld der Regierungen und ihrer Pressure Groups unabhängig zu sein. Viele betreiben Regime Change, wo der Westen diesen beabsichtigt. Und das lässt sich immer weniger verbergen. Indien hat in den letzten Jahren 15’000 (fünfzehntausend) Nicht-Regierungsorganisationen die Zulassung entzogen.
Die ausführlichen Stellungnahmen der russischen Regierung zu den Vorwürfen der Kinderverschleppung werden in den großen westlichen Medien verschwiegen oder auf zwei, drei Sätze zusammengestaucht, üblicherweise unter dem Buzzword «Moskau leugnet wieder». Russland ist weitgehend machtlos gegen eine gewaltige westliche Propaganda-Maschinerie, welche die Aufrüstung forciert und einen Krieg gegen Russland heraufbeschwört.
«Kinderfänger Putin»
Es bedurfte keiner anspruchsvollen Propagandatechnik zur Herstellung der Erzählungen über «Deportationen ukrainischer Kinder». Die Sache ist simpel. Kinder, die aus Gefahrenzonen der Frontlinien von russischen Truppen evakuiert wurden, sind normalerweise in der Ukraine als Einwohner registriert. Kaum wird ein Gebiet von russischen Truppen eingenommen, können Kinder dieser Zone als «Verschwundene» aufgelistet und als «Verschleppte» deklariert werden.
Dabei sind der erzählerischen Kreativität, wo es um den «Kinderfänger Putin» (NZZ am Sonntag) geht, offensichtlich keine Grenzen gesetzt. Mykola Kuleba, Regierungsbeauftragter für Kinderrechte in Kiew, sagte vor dem UN-Sicherheitsrat: «Mehr als eine Million Kinder sind in den besetzten Gebieten der Krim und des Donbass gestrandet (ended up) und wurden nach Moskau deportiert. Sie wurden gestohlen und zu Waffen gemacht. Tausende von ihnen kämpfen nun gegen ihr Heimatland.»
Die Vorstellung, die russische Regierung entführe Kinder aus der Ukraine, um sie in Erziehungslagern zu «russifizieren», ihre «Identität auszulöschen» und sie dann als Kanonenfutter an die Front zu schicken, geistert unaufhörlich durch die Medien. In unseren Talk-Shows zur Ukraine wartet man bis heute vergeblich auf eine Psychologin oder Strategie-Expertin, die die ernüchternde Frage stellt, welchen militärischen und politischen Nutzen die russische Armee von solchem Vorgehen haben sollte, und ob man dem Kreml eine Strategie von solcher Dummheit zutrauen soll.
Große Zeitungen wie die Neue Zürcher, aber auch renommierte Menschenrechts-Organisationen wie Amnesty International lassen sich desungeachtet dazu verleiten, die Geschichten vom «russischen Kinderräuber» zu beglaubigen. Aber da ist Vorsicht geboten. Amnesty zum Beispiel hat sich immer wieder durch Propagandalügen täuschen lassen, so im Fall der «Brutkasten-Babys» im ersten Golfkrieg und im Fall des von Muammar al-Gaddafi angeblich «geplanten Massenmordes» in Benghasi im Libyen-Krieg. Amnesty International hat seine Fehler jeweils kleinlaut eingeräumt und Fakes gelöscht, scheint aber offensichtlich immer wieder in die gleiche Falle zu tappen.
Von der Leyen: «Erinnerung an die dunkelsten Zeiten unserer Geschichte»
Im März 2023 stellte der Internationale Strafgerichtshof (IStGH) Haftbefehle gegen Präsident Putin und die russische Kommissarin für Kinderrechte, Maria Lwowa-Belowa aus. Mit der Begründung, es gebe «berechtigte Gründe für die Annahme», dass beide «individuell strafrechtlich verantwortlich» für die unrechtmäßige Deportation ukrainischer Kinder nach Russland seien. Die EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen sprach anschließend in Brüssel nicht gerade von einer Million, sondern von 16.200 ukrainischen Kindern, die Russland verschleppt haben soll.
«Es ist eine schreckliche Erinnerung an die dunkelsten Zeiten unserer Geschichte, was dort geschieht, die Deportation von Kindern», sagte von der Leyen. Dabei ist klar, was gemeint ist, wenn eine deutsche Politikerin sich auf die dunkelsten Zeiten ihrer Geschichte bezieht. Man erinnert sich an den deutschen Außenminister Josef («Joschka») Fischer, der landauf landab mit der Parole «Nie wieder Auschwitz» für den NATO-Angriff gegen die Serben mobil machte.
Der Strafgerichtshof in Den Haag gibt nicht bekannt, auf welche Fakten er seinen Haftbefehl gründet. UNO-Organisationen wie das Kinderhilfswerk UNICEF oder der Hohe Flüchtlingskommissar (UNHCR) haben nie bestätigt, dass ukrainische Kinder widerrechtlich von Russland entführt wurden. UNHCR hält fest:
«In der Ukraine leben fast 100.000 Kinder in Heimen und Internaten, die Hälfte davon sind Kinder mit Behinderungen. Viele dieser Kinder haben lebende Verwandte oder Erziehungsberechtigte. Wir haben Berichte über Einrichtungen erhalten, die versuchen, Kinder in Nachbarländer oder ins Ausland in Sicherheit zu bringen. Wir erkennen an, dass humanitäre Evakuierungen unter bestimmten Umständen lebensrettend sein können, und begrüßen Bemühungen, Kinder in Sicherheit zu bringen.»
Das Internationale Rote Kreuz (IKRK) teilt nichts anderes mit, als dass es sowohl mit russischen als auch ukrainischen Behörden zusammenarbeitet für Kinderschutz und Familien-Zusammenführung in Russland und in der Ukraine.
Den Haag: Nur Strafverfahren gegen Russen sind erlaubt
Es ist indessen erstaunlich, mit welcher juristischen Flexibilität das Tribunal in Den Haag der Regierung in Kiew entgegenkommt. Die Ukraine ist dem Haager Gericht erst 2024 beigetreten. Dabei stellte die Regierung Selenskyj klar, dass nur russische Verbrecher verfolgt werden sollen. Die Zuständigkeit des Gerichtes für Angehörige der ukrainischen Armee oder ihrer Freiwilligen-Milizen wird von der Ukraine nicht anerkannt. Kiew befürchtet Ermittlungen zu Gräueltaten, die die ukrainische Armee und ihre Milizen unter dem Werknamen «Anti-Terror-Operation» ab 2014 an der Bevölkerung im Donbass verübt haben sollen.
Schon der Umstand, dass die Ukraine diese Bedingungen stellen kann, wirft Fragen auf nach der politischen Unabhängigkeit der Richterinnen und Richter in Den Haag. Was hinter den Kulissen läuft, kann man nicht wissen. Zweifelsfreier Fakt ist aber der enorme Druck einer Russland feindlich gesonnen Öffentlichkeit. Die Versuchung, diesem Druck Rechnung zu tragen, ist umso größer, je folgenloser die Entscheidungen sind. Denn jedes Urteil in dieser Sache würde wirkungslos bleiben, da das Gericht keine polizeiliche Exekutivmacht hat, es gegen den Widerstand von Großmächten zu vollstrecken. Die USA sowie Russland, China, Indien, die Türkei, Israel und andere Staaten haben das 1998 im Römer Statut konstituierte Gericht nicht anerkannt. Der Haftbefehl gegen Wladimir Putin ist also nichts anderes als ein politisches Symbol. Es befördert die Dämonisierung des russischen Präsidenten.
Wer nicht unserer Meinung ist, macht verdeckte Kriegsführung.
Der russische Sender Russia Today hat am 8. Juni in seiner deutschen Ausgabe die Angaben russischer Kinderschutz-Behörden ausführlich wiedergegeben und kommentiert. Der Kanal ist von der EU verboten worden. Wer ihn aufschaltet oder verbreitet, muss mit hohen Strafen rechnen, weil jede Äußerung des Feindes als Propagandalüge im «Cognitive Warfare» dargestellt wird. Heute gilt in Brüssel: Wer nicht unserer Meinung ist, macht verdeckte Kriegsführung. Das neue Mediengesetz Digital Services Act (DSA) erlaubt es Brüssel de facto, alles zu löschen und zu verbieten, was die eigenen Wahrheiten in Frage stellen könnte.
Die russischen Behörden für Flüchtlinge und Kinderschutz haben laut RT folgende Zahlen publiziert: Im Kriegsjahr 2022 flüchteten etwa 4 Millionen Einwohner der Ukraine nach Russland, darunter 730.000 Kinder. Sie wurden in den russischen Datenbanken registriert. Die überwiegende Mehrheit dieser Minderjährigen kam mit einem gesetzlichen Vertreter nach Russland: mit Eltern, Erziehungsberechtigten, Tutoren. Weiter heißt es:
«Ein Teil der Kleinen kam aus Heimen (Waisen, Behinderte), auch aus staatlichen Sozialheimen. Sie wurden aufgrund ihrer Gefährdung inmitten von Kriegshandlungen im Jahr 2022 von Hilfskräften aus dem Donbass und vom russischen Militär nach Russland evakuiert – etwa 2.000 Kinder – und fanden dort eine Aufnahme in Kinderheimen. Verletzte und traumatisierte Kinder wurden in russischen Pflegeeinrichtungen oder in Reha-Kliniken behandelt. Andererseits kamen 380 Kinder in russische Pflegefamilien (keine Adoption), bis ihre Familiensituation geklärt war.»
Russische Behörden arbeiten mit Internationalen Hilfswerken zusammen.
Die russischen Behörden arbeiten laut ihren Angaben mit Hilfs-Organisationen der Regierung in Kiew zusammen, um Kinder zu ihren fernen oder vermissten Eltern zurückzubringen. Die Regierung von Katar finanziert in Zusammenarbeit mit Moskau weitgehend die erforderliche Logistik. IKRK und UNO-Organisationen sind beteiligt. Das darf aber auf der ukrainischen Seite nicht öffentlich erwähnt werden, weil dann das Bild vom «Kidnapper Putin» sich in Luft auflösen könnte. Doch die Ungereimtheiten und Widersprüche innerhalb der Narrative vom «russischen Kinderräuber» lassen sich nicht mehr verbergen.
So publiziert das Yale Humanitarian Research Lab (HRL), eine der federführenden unter Hunderten westlicher NGO, die sich an der Aufdeckung russischer Verbrechen abarbeiten, dass von 19’000 verschleppten Kindern 1’366 ausfindig gemacht und in die Ukraine zurückgebracht werden konnten. Ähnliche Zahlen präsentierte Juri Witrenko, seit Februar ukrainischer Botschafter bei der UNO und der OSZE in Wien.
Was dabei wohlweislich verschwiegen wird, ist die Tatsache, dass diese Rückführungen unmöglich wären ohne die Mitarbeit der russischen Behörden. Oder wie soll man sich das vorstellen? Dass ukrainische Kinderhilfe-Kommandos in russische Pflegeheime eindringen, um Kinder bei Nacht und Nebel zurück über die Grenze zu bringen?
«Kinder» als PR-Instrument
Die Evakuierungen von Kindern war selten reine Humanität, sondern in der Regel «Öffentlichkeitsarbeit» im Kalten Krieg. Die «Operation Babylift» in Vietnam sollte der Welt und den südvietnamesischen Verbündeten zeigen, dass die USA ihre Freunde nicht «in die Hände der Kommunisten» fallen ließen und den kleinen Vietnamesen-Kindern ein besseres Leben im freien Westen offerierten.
Die PR-Agentur Hill&Knowlton gelangte zu internationaler Bekanntheit durch die falsche Zeugenaussage der «Stagiaire Nayirah», eines 15jährigen Mädchens, das im Oktober 1990 vor dem US-Kongress angab, sie habe mit eigenen Augen gesehen, wie irakische Soldaten Brutkasten-Babys die Schläuche herausrissen und sie «auf dem kalten Boden sterben ließen».
Die hochemotionale Fake-Story war das Meisterstück in einer PR-Kampagne, die den US-Kongress veranlasste, grünes Licht für den Kriegseintritt der USA zu geben. Das Führungspersonal von Hill and Knowlton war eng verflochten mit der Regierung in Washington. Die falsche Story fand rasende Verbreitung in Medien rund um den Globus.
«Operación Pedro Pan»
Viele Hilfswerke haben sich mit dem Geschäftsmodell der Spenden-Barmherzigkeit vor den politischen Karren der Kalten Krieger spannen lassen. Ein geradezu klassischer Präzedenzfall ist die Operation Peter Pan. Zwischen 1960 und 1962 wurden mehr als 14’000 Minderjährige aus Kuba in die USA geflogen. Die geheimen Flüge wurden «Freedom Flights» genannt. Organisatorisch federführend war Pater Bryan O. Walsh vom Catholic Welfare Bureau, einer auf Flüchtlingshilfe spezialisierten Organisation der Katholische Kirche der USA. Anti-Castro Zeitungen wie der Miami Herald und das vom CIA kontrollierte Radio Swan verbreiteten Gerüchte, Fidel Castro wolle den Eltern ihre Kinder wegnehmen und sie in Umerziehungslager in die Sowjetunion schicken.
Die Behauptungen entbehrten jeder Grundlage. Tatsache war zwar, dass die kommunistische Regierung in Havanna das gesamte Schulwesen, also auch Privatschulen, verstaatlicht hatte und die Lehrpläne wohl gemäß «antiimperialistischer Doktrin» gestalten ließ. Aber selbst Castro-Kritiker mussten einräumen, dass Kuba innerhalb weniger Jahre den höchsten Alphabetisierungsgrad in Lateinamerika erreichte.
Es gab jedoch viele kubanische Familien, die auf dem Sprung waren, Kuba zu verlassen. Sie ließen sich damals überzeugen, dass ihre Kinder in Sicherheit gebracht werden müssten und gaben sie frei für die Ausreise. In Miami winkte ihnen «a better life». Präsident Eisenhower genehmigte Ende 1960 eine Million Dollar für die Unterstützung der Operation Peter Pan. Seit die kubanische Regierung die Industrie verstaatlicht und Enteignungen im großen Stil in Gang gesetzt hatte, hatten Kubaner massenweise die Insel verlassen. Die Operation Peter Pan war nur ein kleines Element in einem schonungslosen Medienkrieg, der damals zwischen Kuba und USA ausgetragen wurde, und der 1962 in der Kuba-Krise seinen Höhepunkt fand.
Ein Psychologe der Schweizer Armee hat einmal in Bezug auf Kriegs-Propaganda festgehalten, es brauche etwa drei bis vier Jahre, um eine Bevölkerung von der Notwendigkeit eines Krieges zu überzeugen. Kein Krieg kann langfristig geführt werden ohne die mehrheitliche Zustimmung der Bevölkerung. Da diese Zustimmung aber kaum zu haben wäre, wenn man den Leuten die komplizierte Wahrheit sagte, dass nämlich die Außenpolitik substantiell von den Energiekonzernen, den Rüstungskonzernen, den Militärs, den «Währungshütern» und anderen Interessengruppen gemacht wird, muss ein anderer, einfacher zu begreifender Kriegsgrund her.
Das beste Propaganda-Argument war noch immer ein Feind, der das Land bedroht und als grosser Teufel an die Wand gemalt wird. Wenn Putin ein Verbrecher ist, der ukrainische Kinder kidnappen lässt, um ihnen in Erziehungslagern ihre «Identität auszulöschen», werden viele Menschen sich überzeugen lassen, dass Aufrüstung und Krieg gegen Russland die einzige Lösung sind.
Wer es schafft, glaubhaft zu machen, dass der Feind Kindern Gewalt antut, der hat erreicht, dass der Feind als ein bestialisches Ungeheuer wahrgenommen wird. Mit einem Feind, dem derart die Menschlichkeit abgesprochen wurde, kann es keine Verständigung geben, keine Friedensverhandlungen, kein Pardon. Wer eine Bevölkerung «kriegswillig» machen will, der muss den Feind als Monster darstellen.
unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine sowie in Israel, Palästina und sonstwo, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.
28.07.2025
Neue Bedrohungsanalyse: Niederlande stufen Israel als Sicherheitsrisiko ein
Neue Bedrohungsanalyse: Niederlande stufen Israel als Sicherheitsrisiko ein
Die Niederlande stufen Israel erstmals als Bedrohung für die nationale Sicherheit ein. Tel Aviv soll Kampagnen gestartet, Druck auf Gerichte ausgeübt und politisch Einfluss genommen haben.
Anhänger von Maccabi Tel Aviv im November 2024 in Amsterdam.Jeroen Jumelet/Imago
Die niederländische Nationale Koordinierungsstelle für Terrorismusbekämpfung und Sicherheit (NCTV) stuft Israel erstmals als Bedrohung für die nationale Sicherheit ein. In ihrem Bericht „Bedrohungsanalyse durch ausländische Staaten 2025“ führt die Behörde an, dass Israel gezielte Desinformationskampagnen betreibe und versuche, politisch Einfluss auf die Niederlande zu nehmen.
Diese Aktivitäten hätten insbesondere im Zuge wachsender Spannungen rund um den Gazakrieg und zunehmender Kritik an Israels Politik zugenommen. Neben Israel werden in dem Bericht auch Russland, der Iran und die Türkei als Staaten genannt, die eine Bedrohung für die niederländische Sicherheit darstellen.
Desinformationskampagne nach Krawallen in Amsterdam
Ein zentraler Vorfall, auf den sich die niederländische Antiterrorbehörde bezieht, ereignete sich im November 2024: Nach gewaltsamen Ausschreitungen in Amsterdam, an denen Fans des israelischen Fußballvereins Maccabi Tel Aviv beteiligt waren, verbreitete das israelische Ministerium für Diaspora-Angelegenheiten ein Dokument mit falschen Anschuldigungen. Es wurde außerhalb diplomatischer Kanäle an niederländische Politiker und Journalisten verschickt und unterstellte mehreren Personen Verbindungen zur Hamas, darunter Thomas van Gool von der Friedensorganisation Pax. Diese Vorwürfe entbehrten jeglicher Beweise.
Später tauchte das Dokument im niederländischen Parlament auf. Dort nutzte Caroline van der Plas von der Bauernpartei BBB es als „Beleg“ für angebliche Verbindungen zwischen niederländischen NGOs und Terrororganisationen. In der Folge verabschiedete das Parlament zwei Anträge: einen zur Untersuchung betroffener Organisationen und einen weiteren, der forderte, Gruppen, die „die Zerstörung des israelischen Staates anstreben“, auf die Terrorliste zu setzen. Erst später stellte sich heraus, dass das zugrunde liegende Dokument vollständig gefälscht war. Dennoch blieb es Grundlage politischer Entscheidungen.
Mehrere Minister, darunter aus den Ressorts Justiz, Sicherheit und Außenpolitik, kritisierten die Vorgehensweise Israels scharf. Sie warnten vor den Gefahren für die betroffenen Personen, die durch unbegründete Anschuldigungen Repressalien oder Bedrohungen ausgesetzt seien.
Der NCTV-Bericht betont auch die zunehmenden Drohungen Israels – gemeinsam mit den USA – gegen den Internationalen Strafgerichtshof (IStGH) in Den Haag. Die Niederlande als Sitzstaat des IStGH und weiterer internationaler Gerichte sind demnach besonders exponiert. Der Bericht warnt, dass der politische Druck die Unabhängigkeit und Funktionsfähigkeit dieser Institutionen gefährdet.
Der Internationale Strafgerichtshof hat Ende 2024 Haftbefehle gegen den israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu erlassen. Das Gericht wirft ihm Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit seit dem 8. Oktober 2023 im Gazastreifen vor.
Seit Beginn des Gazakriegs haben sich die Beziehungen zwischen Israel und den Niederlanden massiv verschlechtert. Die niederländische Regierung hat sich wiederholt kritisch zur israelischen Kriegsführung im Gazastreifen geäußert und ein sofortiges Waffenstillstandsabkommen gefordert. Gemeinsam mit Irland und Spanien hat sie die EU dazu aufgerufen, das Assoziierungsabkommen mit Israel auszusetzen. Kürzlich erklärte Außenminister Caspar Veldkamp, dass Israel mit der Blockade humanitärer Hilfe gegen demokratische Prinzipien und internationales Recht verstoße.
Bereits im Februar 2024 entschied das Berufungsgericht in Den Haag, dass die Niederlande keine Komponenten für F-35-Kampfflugzeuge mehr nach Israel liefern dürfen. Die Richter folgten der Klage von Oxfam, Pax Niederlande und The Rights Forum, die auf mögliche Kriegsverbrechen und Völkermord im Gazastreifen verwiesen. Durch die Waffenexporte trage der niederländische Staat eine Mitverantwortung für mögliche Verstöße gegen das humanitäre Völkerrecht.
Auch in der Bevölkerung wächst der Druck: Mitte Juni demonstrierten in Den Haag mehr als 100.000 Menschen und forderten Sanktionen gegen Israel. Es war die größte Demonstration im Land seit 20 Jahren.
unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine sowie in Israel, Palästina und sonstwo, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.
28.07.2025
Putins „brisante Mischung“: „Yasen-M“ mit „Zirkon“ an Bord schockierte NATO-Generäle
NSJ: Russische Unsichtbarkeitssubmarine werden nur 30 km von den Grenzen der Allianz entfernt sein
Russische Mehrzweck-Atom-U-Boote (PLAT) der Klasse „Yasen-M“ werden mit Hyperschallraketen „Zirkon“ aufgerüstet. Diese Nachricht hat das NATO-Kommando schockiert, schreibt der amerikanische OSINT-Analyst Ruben Johnson im National Security Journal. Seinen Worten zufolge könnten die neuen russischen U-Boote die Prinzipien der Unterwasserkriegsführung völlig verändern.
Die Waffen, die von U-Booten der Klasse „Yasen-M“ abgefeuert werden können, geben der NATO seit vielen Jahren Anlass zur Sorge, da sie auf eine Veränderung der Aufgaben dieser U-Boote hindeuten. Anstatt als Jäger feindlicher U-Boote zu fungieren, sind diese neuen U-Boote in der Lage, eine ganze Reihe von Schiffs- und Bodenabwehrraketen abzufeuern, darunter auch die Hyperschallrakete „Zirkon“.
Mit einer angegebenen Geschwindigkeit von 6 bis 8 Mach, je nach Flugbahn, kann „Zirkon“ das Luftabwehrsystem eines Schiffes ausschalten, ohne ihm Zeit zu geben, eine Entscheidung über den Abschuss zu treffen. Dies wird besonders schwierig sein, wenn die „Zirkon“ in der Endphase des Fluges vor dem Aufprall Manöver mit hohen Überlastungen ausführen kann, schreibt das National Security Journal.
Der pensionierte General Hodges forderte die Zerstörung der Stadt
„Zirkon“ wird Landziele und lebenswichtige westliche Marinestützpunkte bedrohen. Die unglaubliche Geschwindigkeit der Rakete macht sie zu einem hervorragenden Mittel für Angriffe auf große Schiffe sowie auf befestigte Bodenziele, die tief unter der Erde liegen, schreibt der Militäranalyst Sakshi Tiwari in der indisch-kanadischen Zeitung The Eurasian Times.
Bereits 2018 zählte Wladimir Putin diese Rakete zu den fünf russischen Superwaffen, zusammen mit dem Hyperschall-Gleitflugkörper „Avangard“, dem Unterwasser-Drohnen „Poseidon“, der Flügelrakete mit nuklearem Antrieb „Burevestnik“ und der luftgestützten Hyperschallrakete „Kinzhal“, schreibt The Eurasian Times.
Analysten des Royal United Services Institute (RUSI) kamen bereits vor vier Jahren zu dem Schluss, dass die Umwandlung des Projekts „Yasen-M“ in ein U-Boot mit Atomraketen auf eine Änderung der Funktionsweise der russischen U-Boot-Streitkräfte im Konflikt mit der NATO hindeutet.
Das U-Boot „Yasen-M“ (Projekt 885M) ähnelt am ehesten den amerikanischen U-Booten der Virginia-Klasse und wurde für den Kampf gegen die amerikanische Marine entwickelt.
Laut dem RUSI-Bericht bestand die ursprüngliche Aufgabe der U-Boote darin, Seewege zu blockieren, doch mit dem Aufkommen von Waffen wie „Zirkon” wird die Haupt Aufgabe nun darin bestehen, Angriffe über sehr große Entfernungen durchzuführen. Dies werde Änderungen in der Doktrin der NATO zur U-Boot-Bekämpfung erfordern, schreibt Johnson.
„Die gesamte Verteidigungsstrategie im GIUK-Gebiet (Grönland – Island – Großbritannien) könnte sich als wenig wirksam gegen russische U-Boote erweisen, die diese Barriere möglicherweise nicht überwinden müssen, um ihre operativen Ziele zu erreichen“, schreibt das National Security Journal.
Das vierte Boot der Yasen-M-Klasse – die Arkhangelsk – wurde am 27. Dezember 2024 im Rahmen einer Zeremonie auf der Werft Sevmash an die russische Marine übergeben.
Eine norwegische Zeitung schreibt, dass die Flotte der „Yasen-M“ auf mindestens 12 Einheiten erweitert werden könnte. Dabei wird wahrscheinlich die Hälfte davon der Nordflotte zugeteilt werden.
Somit werden sich die modernsten russischen U-Boote nur 30 km von der Seegrenze der NATO (Norwegen) entfernt befinden.
Die Eurasian Times schreibt, dass das U-Boot neben der Zirkon-Rakete auch die Langstrecken-Flugrakete Kalibr und die Anti-Schiffs-Rakete Onyx an Bord hat.
Die Reichweite der „Onyx“ (3M55) beträgt 320 Seemeilen (fast 600 km) und die der „Kalibr“ 1600 Seemeilen (fast 4000 km).
Eine potenzielle Flotte von 12 solchen Raketen-U-Booten würde die Pläne der USA und der NATO zur Abwehr künftiger Unterwasserbedrohungen durch Russland zunichte machen, schreibt die Zeitschrift National Security Journal.
Der Militäranalyst Peter Suciu prognostiziert in einem Artikel für das konservative Magazin National Interest, dass die russische U-Boot-Flotte weiter ausgebaut werden wird.
Die genaue Anzahl der U-Boote der russischen Marine ist übrigens geheim (die Nuclear Threat Initiative schätzte sie im August 2024 auf 64, aber diese Zahl ist offensichtlich stark untertrieben).
„Russland hat praktisch auf große, aber teure Überwasserschiffe wie den Flugzeugträger Admiral Kusnezow verzichtet“, schreibt National Interest. „Und Putin beauftragt die russische Flotte, sich auf das zu konzentrieren, worin sie nach wie vor erfolgreich ist: auf U-Boote.“
unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine sowie in Israel, Palästina und sonstwo, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.
Von der Leyen has a deal – aber zulasten der EU. Die Vereinbarung mit US-Präsident Trump stößt denn auch international auf Ablehnung – außer bei einemdeutschen Politiker, der offenbar fleißig mit verhandelt hat.
Es kam wie erwartet bzw befürchtet: Von der Leyen gesteht Trump einen Zoll von 15 Prozent auf alle EU-Produkte zu.
Sie verspricht zudem, in den USA Frackinggas und andere schmutzige Energie im Wert von 250 Mrd. Dollar pro Jahr (!) zu kaufen.
Außerdem sollen die EUropäer 600 Mrd. Dollar mehr als geplant in den USA investieren – und natürlich mehr Waffen bestellen.
Wer hat von der Leyen zu diesen absurden Zusagen ermächtigt?
Zustimmung sehe ich bisher nur von Kanzler Merz und bei der CDU/CSU. Merz hat sich wiederholt in die Verhandlungen eingeschaltet und die Interessen der deutschen Automobilindustrie vertreten.
Ansonsten fallen die Reaktionen überwiegend negativ aus, teils sogar extrem negativ.
So haben SPD und Grüne im Europaparlament bereits Zweifel an diesem Deal geäußert. Auch der Chef des Handelsausschusses, B. Lange, ist unzufrieden.
„Das ist ein Deal mit Schlagseite“, sagt Lange. „Es sind eindeutig Zugeständnisse gemacht worden, die schwer zu ertragen sind.“
Von einem „völlig unausgewogenen ‚Deal‘“ spricht der frühere Chefökonom des IWF, O. Blanchard. Die EU hätte mehr herausholen können, wenn sie mutiger gewesen wäre, meint der Experte.
Noch härter fällt das Urteil des früheren französischen Premiers D. De Villepin aus. Für ihn ist der 27.07.25 der „Tag derEuropäischen Abhängigkeitserklärung“.
Dem ist nichts hinzuzufügen. Ich würde es allerdings „von der Leyens Abhängigkeitserklärung“ nennen. Sie hat den Deal abgenickt und sollte für die negativen Folgen zur Verantwortung gezogen werden…
Nachdem VDL und ihre Entourage vorzeitig von Xi aus dem Land komplimentiert wurden , hat Donald the RealDeal die EU endgültig als ökonomische und geopolitische Lachnummer entlarvt. Trump, über den sich unsere Medien nur herablassend und verächtlich äußern, hat die EU und Deutschland auf eine Art und Weise verzwergt, dass sie problemlos in ein Loch auf einem schottischen Golfplatz passen würden.
Die Unterscheidung „Nicht Europa, sondern (nur) Deutschland ist von den USA abhängig“ zieht nicht wirklich, denn die Abhängigkeit Deutschlands wirkt sich auch auf Europa aus. Interessant wirds, wenn die USA sich in einem globalen Konflikt mit den drei Fronten Ukraine/Russland, Israel/Iran und Taiwan/China erstmals so überheben, dass es sie selbst sprengt. Sehenswert dazu diese Analyse, weswegen es in den nächsten Jahren zu einem zweiten Amerikanischen Bürgerkrieg kommen wird: https://www.youtube.com/watch?v=Go1bMQKnJBQ Die Aufnahme ist aus dem Herbst 2024 und der Analyst hlag damals mit der Erwartung einer Wiederwahl Trumps im November richtig. Seiner Einschätzung nach werden die USA nach dem Bürgerkrieg isolationistisch sein. Das ist dann die Stunde Europas (wenn dann von ihm noch was übriggeblieben ist)…ich bin gespannt!
Wenn ich mir die Reaktionen aus EUropa so anschaue, hat vdL quasi eine „Geschäftsführung ohne Auftrag“ betrieben, in dem sie den USA viel zu weit entgegen gekommen ist. Solche „deals“ sind anfechtbar!
…und hatte Ich hier schon erwähnt, daß im Zeitraum von “2008” bis “2019” (!!!) eine “Bande / Gruppe von US-Geld-Managern” > e u r o p ä i s c h e < “Ver-Mögens-Werte” in Höhe von fast >”17″< (siebzehn) BILLIONEN (Tsd.Mrd.) USD/Eur? durch allerlei TRICKS und Machenschaften “über’n Großen Teich” geschafft haben ?!? – hinterlassen haben sie dafür NUR gut “300” (dreihundert) Milliarden !?! – so ein ehem. Russischer Botschafter in London kürzlich via “uncutnews.ch” !?! – ist b.t.w. ein Verhältnis von “170” zu “Drei” – also KEIN “Diebstahl” von und durch > RabaU.kiS.tA.n < !?! – (von Mir wg. “Frieden durch Stärke”) ????
P. S.: – “Die U.S.A. brauchen Importzölle zum Überleben” – so ein Artikel von Peter Haisenko auf “anderweltonline.com” am 05. Febr. ’25 (evtl. über AutorenListe suchen) !?! – ER und Hubert von Brunn bieten zudem schon längstens die “Lösung für ALLES” in ihrem Werk “Die Humane Marktwirtschaft” < an !!??!! ????
Wenn es ein “Abhängigkeitverhältnis” zwischen der EU und den USA gibt, kann man den USA keinen Vorwurf machen. Die EU müsste sich nur von der fixen Idee verabschieden, dass die Ukraine Russland besiegen muss und den Weg für einen Friedensdeal zwischen der Ukraine und Russland freimachen. Die EU hat sich jedoch in ein Narrativ eingesperrt, das besagt, dass es zu einer strategischen Niederlage Russlands keine Alternative gibt. Dieses irrsinnige Narrativ liefert die EU komplett den Launen des POTUS aus. Es ist eine selbstgewählte Gefangenschaft, in der sich die EU selbst verzwergt. Die “Freiheit”, für welche die Ukraine angeblich kämpft, ist die kollektive Unterwerfung eines ganzen Kontintents unter die Launen des POTUS. Die EU sollte dringend ihre Feindbilder revidieren, dann bekommt sie auch wieder Handlungsspielraum und Souveränität. Und die Bürger hätten wieder eine positive Zukunftsperspektive.
Das Abhängigkeitsverhältnis besteht vor allem zwischen Deutschland und den USA. Es ist militärisch, ökonomisch und politisch so tief verwurzelt, dass es kaum noch zu lösen ist. Daher ist es auch fatal, dass ausgerechnet jetzt das „deutsche EUropa“ den Ton angibt – mit zwei unverbesserlichen Transatlantikern wie Merz und von der Leyen. Mit Juncker und Schröder wäre das nicht passiert…
Seit Gründung der EU gibt „deutsche EUropa“ den Ton an – oder nicht? Neu ist das nicht. Doch unter dem Duo Schröder-Chirac (mit Villepin und dem jüngeren J. Fischer als Außenminister) war das noch etwas anders.
Doch souverän war Deutschland seit 1945 nicht mehr. Es ist der mit Abstand größte Auslandsstützpunkt der USA; ihre Weltmacht entfaltet die USA von Deutschland aus über Eurasien und Afrika! – „Von Konrad Adenauer bis Helmut Kohl waren alle Bundeskanzler inoffizielle Mitarbeiter des CIA.“ (Egon Bahr 1996)
Den meisten Deutschen scheint das bisher egal zu sein. Sie werden sich umgucken, wenn Trump jetzt die deutsche Industrie frisst.
Arthur Dent 28. Juli 2025 @
09:23
Europa zahlt alles – Migration, Entwicklungshilfe in Afrika, Ukraine, für angeblichen Klimaschutz weltweit – hat aber nichts davon. Nennt sich Tannenbaum-Strategie, jeder darf sich etwas wünschen…
Wie schön, dass sich Villepin wieder meldet. Ein kleiner Lichtblick der Hoffnung – diese letzte prominente Stimme des Gaullismus, die auch in ihrem eigenen Land, jedenfalls im ehemaligen gaullistischen und rechten politischen Spektrum Frankreichs, nur noch wenig Zustimmung findet.
Anders als ebo meint, hat er recht: Europa ist Vasall, nicht nur die vdL. Ist keine persönliche Sache. Wir „Untertanen des Vasallen“ werden dem Niedergang und der Armut ausgesetzt. Deshalb hat Villepin recht mit der „Europäischen Abhängigkeitserklärung“.
Den US Hegemon-Oligarchen steht das Wasser jetzt so bis zum Hals, dass sie beginnen, ihre Vasallen (uns!) aufzuessen.
Eine Loslösung aus dem Abhängigkeitsverhältnis mit den USA käme einem Aufstand der Vasallen gleich. Das Verhältnis hat bis zur Erreichung der globalen Interessen der USA, also hin zur einzigen Weltmacht, zu bestehen, zumal die BRICS- Staaten sich anschicken, diesen Interessen zu widerstehen. Unterm Strich ist eine Alternative aussichtslos, trotz allen Loslösungsbestrebungen seitens der EU. Es sind nicht Werte die hier gewichten, es sind Interessen!
Tja. Wenn wir die Amerikaner nicht als Verbündete gegen Russland bräuchten, hätten wir ihnen nicht so weit entgegenkommen müssen. Und die WTO kann man jetzt gegraben.
Die USA haben sich schon nach dem WK I unentbehrlich gemacht (aka Europa hörig gemacht), falsches politisches und v. a. falsches ökonomisches Denken und Handeln haben das bis zum Vasallentum (aka völlige Unselbständigkeit) wachsen lassen! m(
Schon allein die Bilder vom Treffen und die Körpersprache der Beiden sagt viel vom Abhängigkeitsverhältnis aus. Von der Leyen wirkt wie ein artiges (und ängstliches) Schulmädchen, das sich nicht traut, zu widersprechen, während Trump, in gewohnter Ego-Pose, trotzig, selbstbewusst und machtdemonstrierend wirkt. Da sieht man, wer das Sagen hat.
Was wir Vasallen beginnen müssen zu verstehen: Es gibt keinen glimpflichen Ausweg aus der Abhängigkeit von unserem Hegemon USA. Heute brauchen wir ihn wegen Russland (ich bezweifle das, aber das ist das Standardargument). Morgen brauchen wir ihn wegen China und übermorgen gibt es andere Gründe. Und auch wenn Trump wieder weg ist, wird sich an diesem Sachverhalt nichts ändern, denn die USA sind sich immer selbst der Nächste.
Eine größere Unabhängigkeit von Europa zu erlangen wird ein jahrelanger, schmerzhafter und teurer Prozess sein mit Risiken. Es wird kein Fenster geben, dass uns eine „glimpfliche“ Tarnsition hin zu größerer Selbstbestimmung ermöglicht. Es ist eine Frage des Mindsets und unsere aktuelle Führung hat das Mindset transatlantischer Untertanen, wodurch sie schon im Vorfeld alles vereitelt, dass in diese Richtung gehen könnte. Mit einem anderen Mindset kann man einen anderen Kurs fahren und damit auch Erfolge erzielen, aber es wird immer riskant sein und jeder substanzielle Schritt wird seinen (schmerzhaften) Preis kosten.
Es bleibt also alleine die Frage an uns Europäer: Sind wir bereit die Preise und Risiken einer größeren Unabhängikeit und Selbstbestimmung in Kauf zu nehmen? Dann müssen wir uns die passende Führung geben. Ansonsten richten wir uns auf ein Leben als Vasallen ein und dienen den USA.
„Im ersten Quartal 2025 lag der durchschnittliche Preis für US-LNG bei 1,08 Euro pro Kubikmeter. Russisches Flüssigerdgas kostete im selben Zeitraum lediglich 0,51 Euro. Trotzdem machten die USA mit rund 48 Prozent den größten Anteil an den LNG-Importen aus. Für 13,4 Milliarden Kubikmeter zahlte die EU insgesamt 14,7 Milliarden Euro.“
Leyenomics ;). An die Grundrechenarten muessen wir nochmal ran.
Tagesschau: „ So werde die EU zustimmen, Energie aus den USA im Wert von 750 Milliarden US-Dollar zu kaufen und zusätzlich 600 Milliarden US-Dollar mehr in die USA zu investieren, sagte der US-Präsident.“
Also 3x mehr Energie… Abhängigkeitserklärung bleibt die treffende Zusammenfassung.
unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine sowie in Israel, Palästina und sonstwo, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.
Deal oder No Deal? Vor einem mit Spannung erwarteten Treffen zwischen US-Präsident Trump und EU-Chefin von der Leyen wächst die Sorge, dass sich die Deutsche über den Tisch ziehen lassen könnte. “Verhandeln und vereinbaren ja, aber unterwerfen werden wir uns nicht”, warnt der Chef des Handelsausschusses im Europaparlament, B. Lange. Nicht ohne Grund: Von der Leyen hat sich bisher als äußerst nachgiebig erwiesen und Appeasement betrieben. – Ich rechne mit einem Zoll von 15 bis 20 Prozent und diversen Nebenabsprachen zugunsten der USA, z.B. bei Frackinggas und Waffenkäufen. Das Treffen findet am Nachmittag in Schottland stand – also ausgerechnet im Brexit-Land UK.
P. S. Wie erwartet bzw befürchtet: Von der Leyen gesteht Trump einen Zoll von 15 Prozent auf alle EU-Produkte zu und verspricht gleich noch, in den USA Frackinggas und andere schmutzige Energie im Wert von 250 Mrd. Dollar pro Jahr (!) zu kaufen. Wer hat sie dazu ermächtigt?
Ursula fond of lying (wie die Briten sie so nennen) hat doch nicht versagt … nein, sie hat nur treulich ihre Aufgabe erfüllt – sie war immer schon, und ist weiterhin, und wird es bleiben: Befehlsempfängerin (siehe den ehemaligen Kommentar von Holly) – und damit wird ein Schuh draus.
Wie schon Angela Merkel folgt Ursula von der Leyen nur „Sachzwängen“, denn egal, was uns Europäern an politischer Inkompetenz zugemutet wird – wir schaffen das. Versagereliten zerstören das bürgerfreundliche Europa und bauen auf den Trümmern das bürgerfeindliche Europa, eine Diktatur von opportunistischen Einfaltspinseln, die nur ihren eigenen Machterhalt bewirtschaften und das „Sachzwang“ nennen.
Bei einem Handelskrieg (Zollkrieg) verlieren in der Regel die Überschuss-Länder. Einerseits muss man den USA Gelegenheit geben, ihr Defizit abzubauen, andererseits die eigene Wirtschaft ankurbeln, um Zölle zu kompensieren.
Grauenhafte Vorstellung jetzt UvdL quasi ausgeliefert zu sein! Besonders weil sie schon als Verteidigungsministerin ohne externe Beratung weder schreiben noch lesen geschweige denn rechnen konnte!
Dazu passt der neue podcast von Martin Sonneborn. Eine präzise Analyse der verheerenden Politik der EU angeführt von Ursula von der Leyen, die diesen Kontinent in völliger Selbstüberschätzung nicht nur ins Abseits manövriert, sondern nachhaltig schädigt. Man muss sich fragen, mit wem wir eigentlich noch diplomatische Beziehungen unterhalten. Selbst EU-Länder fangen an, eigene Wege zu gehen. Wenn sie vernünftig sind. Rette sich, wer kann.
unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine sowie in Israel, Palästina und sonstwo, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.
28.07.2025
Nachrichten von Pressenza: Dritte Vollversammlung des Humanistischen Weltforums: Sich eine Universelle Menschliche Nation vorstellen und aufbauen
Dritte Vollversammlung des Humanistischen Weltforums: Sich eine Universelle Menschliche Nation vorstellen und aufbauen
Mit der Teilnahme von Aktivist:innen und Mitgliedern von Organisationen aus 55 Ländern fand am Samstag, dem 19. Juli, die dritte Vollversammlung des Humanistischen Weltforums statt. Nach einer Einführung von Rose Neema aus Kenia und Remigio Chilaule aus Mosambik übernahm Julius…
Fania Oz-Salzberger: „Soldaten, weigert euch, in der israelischen Armee zu dienen!“
Am 23. Juli hat Fania Oz-Salzberger, Geschichtsprofessorin und Tochter des bekannten israelischen Schriftstellers und Essayisten Amos Oz, auf X einen Aufruf an Soldaten veröffentlicht, den Dienst in der Armee zu verweigern. Soldaten, Berufssoldaten und Reservisten, Eltern von Soldaten, Großeltern von…
Pressenza - ist eine internationale Presseagentur, die sich auf Nachrichten zu den Themen Frieden und Gewaltfreiheit spezialisiert hat, mit Vertretungen in Athen, Barcelona, Berlin, Bordeaux, Brüssel, Budapest, Buenos Aires, Florenz, Lima, London, Madrid, Mailand, Manila, Mar del Plata, Montreal, München, New York, Paris, Porto, Quito, Rom, Santiago, Sao Paulo, Turin, Valencia und Wien.
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28.07.2025
Massenmord per Sanktionspolitik Mehr als eine halbe Million Menschen kommen jährlich laut einer aktuellen Studie durch die Folgen westlicher Sanktionen zu Tode – rund fünfmal so viele, wie durchschnittlich in Kampfhandlungen in Kriegen sterben.
german-foreign-policy.com, 28. Juli 2025
LONDON/BERLIN (Eigener Bericht) – Die Sanktionsregimes der transatlantischen Mächte, auch Deutschlands und der EU, fordern in den betroffenen Ländern jedes Jahr über eine halbe Million Todesopfer. Das ist das Ergebnis einer neuen Studie, über die vergangene Woche die renommierte medizinische Fachzeitschrift The Lancet berichtet hat. Demnach sterben im Durchschnitt mehr als 564.000 Menschen im Jahr an Sanktionsfolgen wie Hunger, Mangel an medizinischer Versorgung und fehlenden Hilfsleistungen. Weit überdurchschnittlich sind Kinder und ältere Menschen betroffen. Dabei liegt die Zahl der Sanktionsopfer gut fünfmal so hoch wie die Zahl der Menschen, die jährlich bei Kampfhandlungen in Kriegen ums Leben kommen. Die in The Lancet vorgestellte Studie bestätigt umfassend, was anhand von Fallbeispielen lange bekannt ist. So starben etwa im Irak in den 1990er Jahren durch die Folgen der damaligen Sanktionen eine halbe Million Kinder. US-Außenministerin Madeleine Albright sagte 1996 dazu, die politischen Ziele, die man mit den Sanktionen verfolge, seien „diesen Preis wert“. Dramatische Schäden in der Bevölkerung rufen noch heute etwa die Sanktionen gegen Afghanistan hervor.
Zitat: Eine halbe Million Tote pro Jahr
Die Untersuchung zu den Folgen von Sanktionen, über die die Fachzeitschrift The Lancet in ihrer aktuellen Ausgabe informiert, bringt die hohe Zahl an Todesopfern mit Mangel an einer Vielzahl lebensnotwendiger Güter in Verbindung. Sanktionen führten dazu, dass die betroffenen Staaten ihre Versorgungsleistungen reduzieren müssten, heißt es in dem Bericht; dies gelte nicht zuletzt für die Gesundheitsversorgung.[1] Auch könnten medizinische Güter, Nahrungsmittel und weitere unverzichtbare Produkte nicht mehr eingeführt werden – häufig, weil gezielte Finanzsanktionen die Bezahlung von Importen unmöglich machten. Oft sei zudem eine Beschränkung der Tätigkeit von Hilfsorganisationen zu beklagen: entweder, weil die Sanktionen ihre Aktivitäten objektiv verhinderten, oder weil die Organisationen im Hinblick auf das meist völlig undurchsichtige Sanktionsgeflecht sich nicht in der Lage sähen, die mit ihm verbundenen Risiken auf sich zu nehmen. Die Untersuchung beziffert die Zahl der jährlichen Todesopfer im Durchschnitt auf rechnerisch 564.258; dies sind mehr als fünfmal so viele wie die Menschen, die im Jahresschnitt bei Kampfhandlungen in Kriegen zu Tode kamen – rund 106.000 –, und in etwa so viele wie die realen Todesopfer von Kriegen, die – zivile Todesopfer und an Kriegsfolgen Verstorbene inklusive – jährlich zu beklagen sind.
Politische Ziele
The Lancet weist ausdrücklich darauf hin, dass 77 Prozent der Todesopfer den Altersgruppen bis zu 15 oder zwischen 60 und 80 Jahren angehören; Kinder, Jugendliche und Senioren sind damit weit überdurchschnittlich betroffen. 51 Prozent der Todesopfer sind weniger als fünf Jahre alt.[2] Dabei sind heute 25 Prozent aller Staaten weltweit von Sanktionen betroffen. In den 1960er Jahren lag ihr Anteil noch bei acht Prozent. Die Untersuchung kommt zu dem Schluss, dass ein signifikanter Unterschied zwischen Sanktionen besteht, die von der UNO verhängt wurden, und solchen, die die USA oder auch die Staaten der EU oktroyiert haben. Von den Vereinten Nationen beschlossene Sanktionen – die einzigen, die das internationale Recht anerkennt – führen demnach meistens nicht mehr zu einem messbaren Anstieg an Todesopfern, da sie zumindest dem Anspruch nach die Folgen für die Bevölkerung so gering wie möglich zu halten suchen. Sanktionen der USA – und der EU-Staaten – zielen dagegen häufig ganz explizit darauf ab, mit einer Verschlechterung der Lebensbedingungen den Sturz missliebiger Regierungen zu forcieren oder diese zumindest wachsendem Druck seitens der Bevölkerungen auszusetzen, ihr Verhalten zu ändern. Zudem seien USA und EU mit ihrer wirtschaftlichen Macht sowie mit dem Gewicht ihrer Währungen in der Lage, durch Sanktionen ökonomische Flurschäden hervorzurufen.
„Sie sind diesen Preis wert“
Die von The Lancet wiedergegebene Untersuchung bestätigt damit umfassend, was Experten schon lange aufgrund von Fallbeobachtungen und einzelnen Recherchen für gesichert halten: dass Sanktionen in den Bevölkerungen der betroffenen Länder verheerende Folgen hervorrufen, unter Umständen sogar verheerendere Folgen als ein Krieg. Für die Sanktionen, die 1990 gegen den Irak verhängt wurden, ist etwa belegt, dass sie den Kalorienverbrauch pro Tag und Kopf der Bevölkerung von 3.120 im Jahr 1989 auf 1.093 im Jahr 1995 einbrechen ließen. Der Gesundheitsetat des Irak musste sanktionsbedingt auf ein Zehntel seines einstigen Betrags gekürzt werden. Der Zusammenbruch der Trinkwasserversorgung begünstigte eine Ausbreitung von Krankheiten wie Cholera. Die damalige UNICEF-Direktorin Carol Bellamy konstatierte 1999: „Hätte die erhebliche Abnahme der Kindersterblichkeit in den 80ern in den 90er Jahren angehalten, so wären insgesamt eine halbe Million weniger Todesfälle in den acht Jahren von 1991 bis 1998 bei Kindern unter fünf Jahren zu verzeichnen gewesen.“[3] 1996 erklärte US-Außenministerin Madeleine Albright auf die Frage, ob die politischen Ziele den Tod von schon damals einer halben Million Kinder (unter und über fünf Jahren) „wert“ gewesen seien: „Wir denken, dass sie diesen Preis wert sind.“[4]
„Not macht mutig“
Katastrophale Auswirkungen auf die Bevölkerung hatten auch die Sanktionen, die USA und EU während der Herrschaft von Bashar al Assad gegen Syrien verhängt hatten. Indem sie den Finanz- und den Transportsektor trafen, verhinderten sie faktisch die Einfuhr unter anderem von Lebensmitteln und Medikamenten, die weder bezahlt noch ins Land gebracht werden konnten. Wie eine im Juli 2022 an der renommierten Tufts University in Boston publizierte Studie feststellte, schädigten die Sanktionen auch die syrische Landwirtschaft: Weder Dünge- noch Pflanzenschutzmittel oder landwirtschaftliches Gerät durften nach Syrien importiert werden.[5] Die Finanzsanktionen erschwerten zudem Rücküberweisungen von im Ausland lebenden Syrern an ihre Verwandten im Land – eine wichtige Einkommensquelle – erheblich. Die Sanktionen trugen in hohem Maße dazu bei, dass die Lebensbedingungen nach dem Ende des offenen Krieges in mancher Hinsicht sogar noch schlechter wurden. So teilte das World Food Programme (WFP) Anfang 2023 mit, der Preis für einen Standard-Nahrungsmittelkorb habe sich von Oktober 2019 bis Oktober 2022 um den Faktor 15 verteuert; in Syrien sei der Hunger stärker denn je seit Kriegsbeginn.[6] Zur Stoßrichtung der Sanktionen hieß es im Jahr 2020 bei der öffentlich-rechtlichen Tagesschau mit Blick auf etwaige Hungerrevolten: „Armut und Not machen Syrer mutig“.[7]
Vor der Hungersnot
Nach dem Sturz der Regierung unter Präsident Al Assad haben die westlichen Staaten ihre Sanktionen aufzuheben begonnen. Das islamistische Regime unter Ahmed Al Sharaa ist zwar in Massaker an mehr als 1.500 Angehörige der alawitischen Minderheit und in mörderische Gewalt gegen Drusen involviert, die ebenfalls mehr als tausend Menschen das Leben kostete, ist aber bereit, sich außenpolitisch dem Westen unterzuordnen (german-foreign-policy.com berichtete [8]). Unverändert mit Sanktionen belegt ist etwa Afghanistan. Zur Lage dort erläuterte bereits im Februar 2023 der Afghanistan-Experte Conrad Schetter, die Wirtschaft des Landes sei „aufgrund der internationalen Sanktionen ... zum Erliegen gekommen“.[9] Inzwischen lebten „97 Prozent der Menschen“ in Afghanistan „unter der Armutsgrenze“; der Großteil der Bevölkerung sei „direkt von humanitärer Hilfe abhängig“. „Wenn diese Hilfen wegfielen, würde eine dramatische Hungersnot drohen“, warnte Schetter bereits damals. Die Trump-Administration hat nun ihre humanitäre Hilfe gekürzt; auch EU-Staaten haben dies begonnen. Die westlichen Sanktionen allerdings dauern an.
[1], [2] Francisco Rodríguez, Silvio Rendón, Mark Weisbrot: Effects of international sanctions on age-specific mortality: a cross-national panel data analysis. In: The Lancet Global Health, Volume 13, Issue 8, August 2025. S. 1358-1366.
[3] Joachim Guilliard: Humanitäre Hilferufe. Untersuchungsberichte von UN- und anderen Hilfsorganisationen über die Auswirkungen des Embargos. In: Rüdiger Göbel, Joachim Guilliard, Michael Schiffmann: Der Irak. Ein belagertes Land. Köln 2001. S. 190-196. S. auch Die Kulturzerstörer.
[4] Zitiert nach: Ramsey Clark: Feuer und Eis. Die Zerstörung des Irak durch Krieg und Sanktionen. In: Rüdiger Göbel, Joachim Guilliard, Michael Schiffmann: Der Irak. Ein belagertes Land. Köln 2001. S. 32-66.
[5] Mohammad Kanfash: Sanctions and Food Insecurity in Syria. sites.tufts.edu 06.07.2022. S. auch Sanktionen gegen Nothilfe.
[6] Hunger soars to 12-year high in Syria, WFP chief calls for urgent action. wfp.org 27.01.2023.
[7] Jürgen Stryjak: Armut und Not machen Syrer mutig. tagesschau.de 15.06.2020.
unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine sowie in Israel, Palästina und sonstwo, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.
27.07.2025
André Gide - Eine Würdigung anlässlich des Todes des Literaturnobelpreisträgers 1951
seniora.org, 27. Juli 2025, 1951 Von Friedrich Liebling (alias Polybios) - aus Rote Revue, Band 30, Heft 4 1951
André Gide 1869 bis 1951, Französischer Schriftsteller, 1947 erhielt er den Literaturnobelpreis.
(Red.) André Gides Weitsichtigkeit bezüglich der russischen Kultur ist heute so aktuell wie damals. Der Autor dieser schönen Würdigung, Friedrich Liebling, war ein Ausnahmepsychologe, der weit über den Tellerrand der althergebrachten Psychologie und Psychiatrie hinausblickte. Er beschritt mit Alfred Adler den naturwissenschaftlichen Weg und überwand den heute noch verheerend wirkenden Vererbungsgedanken im psychischen Bereich. Er war Leiter und Gründer der «Zürcher Schule für Psychotherapie». In unregelmässigen Abständen bringen wir Aufsätze aus seiner Feder.(ww)
Die Nachricht vom Tode des berühmten Schriftstellers wird weit über die Grenzen Frankreichs hinaus die ganze kultivierte Welt mit Trauer erfüllen. Mit André Gide ist ein großer Mensch und großer Dichter dahingegangen, einer der «resümierenden Geister», in denen sich die kulturellen Leistungen verschiedener Nationalitäten und verschiedener Epochen zu einem originalen Ergebnis vereinigten. Dieser wahrhaft europäisch gesinnte Franzose hat in einzigartiger Weise das Lebensgefühl einer Epoche, der ersten Hälfte dieses Jahrhunderts, ausgesprochen, und seine literarisch-geistige Vielseitigkeit erweckte in den Herzen einer ganzen Generation sowohl lebhafteste Anerkennung wie auch — an Gegnern hat es ihm nie gefehlt — leidenschaftlichste Ablehnung. Und doch kann, abseits «von der Parteien Haß und Gunst», festgestellt werden, daß auch kommende Jahrhunderte ihn noch nennen müssen, wenn sie von den repräsentativsten und geistvollsten Vertretern abendländischer Kultur in diesem im Hinblick auf die geistigen Auseinandersetzungen mehr als dramatischen Zeitalter Bezug nehmen werden.
Im Jahre 1869 in Paris geboren, genoß der früh vaterlos gewordene junge André Gide eine fast puritanisch zu bezeichnende protestantische Erziehung, die den schwächlichen Knaben mit äußerster Strenge zu Moralität und Sittlichkeit zu bilden trachtete. Das bürgerliche Elternhaus legte besonderen Wert auf die Bildung durch die Kunst, so daß Musik, Theater, Literatur und Malerei bereits dem kleinen Knaben nahegelegt wurden.
Dabei war von besonderer Wichtigkeit, daß er von früh auf «über die Grenzen» sehen lernte und schon als Jüngling die europäische Literatur in sich aufnahm. Hölderlin und Keats, Novalis und Coleridge, Heine und Shelley wurden von ihm bewundert — später traten noch Shakespeare, Tagore, Nietzsche und der über alles geschätzte Goethe hinzu. Die universale Belesenheit, die verständnisvolle Einfühlung in das Geisteserbe auch der nichtfranzösischen Literatur machen einen wesentlichen Bestandteil des Gideschen Genius aus. Gide war in kultureller Hinsicht ein hervorragender Vermittler, und gerade für die geistige Annäherung der mit gegenseitigen Mißverständnissen so schwer belasteten Franzosen und Deutschen hat er wohl einen der größten Beiträge geliefert.
Sein literarisches Lebenswerk ist ebenso mannigfaltig und gestaltenreich wie seine vielseitige, stets wandlungsfähige und wandlungsbegierige Persönlichkeit. Angefangen von den «Cahiers d'Andre Walter» (1891), seinem Erstlingswerk, bis zum «Theseus», seiner letzten bedeutenden Publikation, ergießt sich der gewaltige Strom seiner Phantasie und Schaffenskraft in die verschiedenartigsten Typen von Menschen und Unmenschen, die er mit derselben Liebe und Sorgfalt darzustellen gewohnt ist. Und es ist immer der proteusartige André Gide und sein zum Kunstwerk geformtes Leben, das aus seinen Romanen, Theaterstücken, Essays usw. hervorleuchtet, allerdings jeweilen — abgesehen von dem autobiographisch gedachten, monumentalen «Journal 1889—1942» — aus dem Erlebnismäßig-Einmaligen in die überzeitlich gültige Sphäre der Kunst emporgehoben.
In seinen ersten Veröffentlichungen sind es vor allem die persönlichen Probleme, mit denen der junge Dichter offensichtlich zu ringen hat. Hinter dem bleichen, musikfanatischen André Walter erkennt man ohne Mühe den Verfasser der «Cahiers» — ähnliches gilt auch für die Hauptgestalten des «Traite de Narcisse», der «tentative amoureuse », des «voyage d'Urien» usw. Der allgemeine Grundzug dieser Schriften ist das Bestreben, aus dem Garten der Kunst in die Naturlandschaft des Lebens zu gelangen. Während noch der Held der «tentative» in Hamletscher Gedankenblässe verlangt, daß man nur «an Reines, Dauerhaftes denken» möge und der Reisende Urien nach seinem ausführlichen Reisebericht seiner Zuhörerin erklärt, er habe sie bloß zum besten gehabt, beginnt der Verfasser des «Urien» selber zu reisen — und zwar nicht nur in der Phantasie.
Der Durchbruch aus dem idealen Bereich der reinen Kunst zur lebendigen Wirklichkeit geschieht in Nordafrika, das für Gide eine Art von goetheschem Italien werden sollte. Dort erfährt er in beglückenden Aufschwüngen, was «leben» heißt. Der melancholische Grübler gerät in einen euphorischen Taumel, der sich im herrlichen Hymnus der «Nourritures terrestres» (Uns nährt die Erde) Ausdruck verschafft. Das Buch ist als Unterweisung eines Jüngers namens Nathanael gedacht, dem die ganze Herrlichkeit der Erde, des Lebens, des Menschseins und der unendlichen Genüsse geschildert werden soll. Alle Arten von Wollust, Glück und Seligkeit sollen aufgezählt werden, damit der «Schüler» in der Kunst des unbeschränkten Genießens eingeführt werde. «0 mein Nathanael, ich will dich in der großen Inbrunst unterweisen!» Und nicht genug, daß der liebestrunkene Wanderer alle Möglichkeiten der erreichbaren Lust enthusiastisch aufzeigt, bricht er noch in den Ruf aus:
« Où sont, Nathanael, dans nos voyages
De nouveaux fruits pour nous donner d'autres désirs?»
Es ist der Geist Nietzsches, der sich in den «nourritures terrestres» ankündigt — der dionysische Bejaher des Lebens, der Sänger des «Trunkenen Lieds» und des «Jaund- Amen-Lieds» hat einen Nachfolger gefunden. Nicht zufällig, denn die Lektüre und die eingehende Auseinandersetzung mit dem Nietzscheschen Werk ist den «nourritures» vorausgegangen. Darüber hinaus aber machen sich deutliche Einflüsse der Dichtung eines Rimbaud, Walt Whitmans bemerkbar, wobei allerdings festzustellen ist, daß diese Art von «Lebensgefühl» irgendwie auch der Zeit entsprach und bald danach in der Bergsonschen Philosophie des «elan vital» in kosmischer Ausweitung zutage treten sollte.
Die «nourritures» machten ihren Verfasser zu einem mehr als umstrittenen Autor, der sich die treue Feindschaft konfessioneller und konservativer Kreise für die ganze Dauer seines Lebens zuziehen und sichern sollte. Daran vermochte auch «La porte étroite», eine versuchte Rückkehr in religiöse Denkformen, nicht viel zu ändern, da bald darauf der «Corydon» und die «Caves du Vatican» der für die Tradition besorgten Kritik einen schweren Schock versetzten. Mit der ihm eigenen Redlichkeit und Wahrheitsliebe erörterte Gide das Problem der Homosexualität und scheute nicht davor zurück, in seinem autobiographischen «Si le grain ne meurt» von eigenen Erlebnissen und Erfahrungen zu sprechen.
Der Bekennermut ließ ihn jede seiner Auffassungen, wie sehr sie auch dem Denken der Kollektivität widersprechen mochte, unverhohlen seinen Lesern mitteilen, und da er mit Nietzsche an der überlieferten Moral zweifeln gelernt hatte, begann er sie — ebenso wie die Religion — zu attackieren. Für die katholischen Freunde, Maritain, Henri Gheon, Paul Claudel usw., war damit ein Anlaß gegeben, sich gänzlich von ihm abzuwenden; Claudel als einer unter wenigen hielt die Freundschaft aufrecht und wurde während Jahrzehnten nicht müde, seinem Freunde die Vorzüge des Katholizismus — bei dem widerspenstigen André Gide jedoch ganz vergeblich — zu lobpreisen.
Und wenn ihm dann André Gide schließlich mitteilte: «Wirklich, ich interessiere mich überhaupt nicht mehr für mein Seelenheil», wußte ihm der besorgte Freund tröstend und eifernd entgegenzuhalten: «Aber Gott interessiert sich für dein Seelenheil, und wird nie aufhören, sich dafür zu interessieren», womit die Diskussion ein vorläufiges Ende fand.
In den langen Jahren seines dichterischen Schaffens hat Gide immer wieder Einkehr bei sich selbst gehalten, und in den zahlreichen Bänden seines «Journal» sowohl sein Leben als auch seine Dichtung selber kommentiert. In diesen Tagebüchern nähert er sich dem Anziehungsbereich eines Großen des Geistes, den er zeit seines Lebens verehrt und bewundert hat — Michel de Montaigne, des aristokratischen Skeptikers des 16. Jahrhunderts. Mit Montaigne könnte Gide von sich selber sagen:
«Es gibt kein Ungeheuer und kein Wunder auf Erden, das mich mehr fesselte als mein eigener Charakter… Je mehr ich mich selbst erforsche und ergründe, desto mehr verblüfft mich meine eigene Deformation — desto weniger verstehe ich mich.»
Entzückt von der Aufrichtigkeit Montaignes, seiner «heureuse audace dans l'indiscrétion personnelle», versucht Gide an sich selber die gleiche Selbsterforschung und Selbstanalyse und gibt dabei ein bewegtes Selbstporträt von außerordentlichem psychologischem Scharfsinn.
Dank dem «Journal», das zu den besten Publikationen seiner Gattung gehört, gewinnen wir Einblick in die komplizierten Regungen seiner Seele, sehen seinen schöpferischen Geist in Aktion. Und wenn Montaigne sagt: «Ich male nicht das Wesen, sondern den Übergang», so kann Gide das mit gleichem Recht auch für sich behaupten. Und indem er sich selber und sein Leben schildert, stellt er das Wesen «Mensch» in reiner Allgemeingültigkeit dar; denn — wieder nach Montaigne: «Chaque homme porte la forme entière de l'humaine condition.»
Eine Aufzählung der Werke André Gides wäre unvollständig, wenn sie nicht auch auf die «Faux-Monnayeurs» (1926) Rücksicht nehmen würde. Gide selber bezeichnet die «Falschmünzer» als seinen «ersten Roman», wenngleich schon vorher «Les caves du Vatican», «L'Immoraliste» und «La porte étroite» erschienen waren. Dies wird nur aus den hohen Anforderungen begreiflich, die Gide an einen echten Roman» stellte.
Er verlangte, daß der Roman ein lebendiger Mikrokosmos sei, in dessen Gestaltungen sowohl Anmut als auch Luzidität in gleicher Weise Wirklichkeit werden sollten. Wenn es auch fraglich bleibt, ob die «Falschmünzer» in ihrer unerhört verwickelten, kompliziert-vielschichtigen Handlung diesem Ideal nahekommen, muß doch der die Vielfalt der Themen und Motive bändigende organisatorische Wille des Autors anerkannt und gewürdigt werden. Die «Faux-Monnayeurs» sind wohl der reichste und gültigste Ausdruck des Gideschen Wesens, welches sich in diesem Roman in seiner überwältigenden Mannigfaltigkeit offenbart.
Auch die beiden letzten Jahrzehnte seines Lebens hat André Gide mit produktiver, schöpferischer Tätigkeit auszufüllen gewußt. Der unversiegbare Born seiner künstlerischen Gestaltungen hörte nicht auf zu sprudeln, und das Genie des Schriftstellers gewann mehr und mehr eine klassische Sicherheit und harmonische Ausdruckskraft. Dabei entfaltete sich aber auch neben dem Dichter Gide der Moralist und Ethiker, der in leidenschaftlicher Redlichkeit nach einem tragfähigen, sozialen Ideal der Zukunft Ausschau hielt.
Schon im Jahre 1914 hatte er in seinen «Les Souvenirs de la Cour d'Assise» das soziale Problem aufgegriffen. Durch Zufall war er zum Geschworenen geworden und mußte so mitansehen, wie selbstgefällige, biedere Bürger aus ihrer Sattheit heraus mit gutem Gewissen die «Delinquenten» verurteilten. Hiergegen erhob er den leidenschaftlichen Protest des «Ne jugez pas!» und ergriff Partei für die Angeklagten gegen den allgemeinen Kläger, nämlich die bürgerliche Gesellschaft, das herrschende politische und ökonomische System.
Einen weiteren massiven Angriff gegen die bestehenden sozialen Formen brachte sein «Voyage au Congo» (1927), ein Buch, das dem französischen Imperialismus einen entscheidenden Stoß versetzte. Die Reise nach dem Kongo vollzog die lang vorbereitete Wandlung Gides zum sozialkritischen und revolutionären Denken. Mit schonungsloser Offenheit enthüllt er die Ungerechtigkeiten und Brutalitäten des französischen Kolonialregimes und des gesellschaftlichen Systems, auf dem es sich aufbaut.
«Dies System, so ward mir schließlich klar, muß durch und durch angefault sein.» Die düstere Chronik ist ein flammendes «j'accuse», das die «christliche» und «demokratische» Zivilisation anklagt, die den Neger zum Sklaven herabwürdigt.
Aus dieser Situation heraus wird es verständlich, daß André Gide nach einer neuen sozialen Hoffnung suchte und diese im neuen Rußland realisiert glaubte. In einer Tagebuchnotiz vom 13. Mai 1931 heißt es:
«Vor allem möchte ich lange genug leben, um den Triumph des russischen Experiments zu sehen und dabei zu sein, wenn die Völker Europas das werden anerkennen müssen, was so lange und mit solcher Bosheit verleumdet wurde. Wie sollte ein so gewaltiges organisatorisches Werk durchgeführt werden ohne eine Übergangsperiode der Desorganisiertheit? Nie zuvor war mein Geist mit so leidenschaftlicher Neugier dem Kommenden hingewendet. Von ganzem Herzen begrüße ich dieses übermenschlich große und dabei durchaus menschliche Experiment.»
Dieser Glaube Gides ging nie so weit, daß er die Methoden des Kommunismus billigte, wenngleich er an der Annahme festhielt, daß sie zum idealen Ziele hinführen könnten. Deshalb scheute er, der seine Überzeugungen stets mit Konsequenz vertreten hatte, nicht davor zurück, zum öffentlichen Propagandisten des Kommunismus zu werden. Seine Botschaft an den «Weltkongreß der Jugend gegen Krieg und Faschismus» ist nur ein Ausschnitt aus einer überaus regen Propagandatätigkeit.
«Das Beispiel der Oktoberrevolution hat den Völkern zum Bewußtsein gebracht, in welchem Zustand der Unterdrückung und des Elends sie vom kapitalistischen System gehalten werden.»
So sprach der aristokratische Schriftsteller, der Meister subtiler Sprachkunst, von dem man wenige Jahre vorher kaum hätte annehmen dürfen, daß ihn ein anderes Problem als das der Schönheit und künstlerischen Gestaltung interessieren würde. Nun aber heißt es, den früheren Individualismus mit dem Sozialismus verbinden:
«Worauf es aber vor allem ankommt, ist, die Lebensbedingungen der Masse so zu gestalten, daß eine gesunde Entwicklung des Einzelnen gewährleistet scheint.»
Nur aus diesem Gesichtspunkt heraus kann man die «Nouvelles nourritures» (1936), die Variation auf ein altes Thema, gebührend würdigen. Diese hymnische Dichtung bekennt sich mit strömender und starker Eloquenz zum Fortschrittsglauben, zum Glauben an die Entwicklungsfähigkeit des Menschen. Dem Menschen ist nichts unmöglich; er kann das Paradies auf Erden schaffen, wenn es ihm gelingt, Trägheit und Selbstsucht in sich zu überwinden und wahrhaft er selbst, wahrhaft — Mensch zu werden. Und dies — so meint André Gide noch 1936 — wird im Kommunismus der Fall sein.
Die Stalinisten jubelten, einen derart repräsentativen Vertreter der abendländischen Kultur für sich gewonnen zu haben. Ihre Propagandamaschine wurde auf höchste Touren gebracht, um der Weltöffentlichkeit die Bedeutung dieser historischen Konversion gebührend klar zu machen. Gide und Stalin! Der bedeutendste Schriftsteller Frankreichs hatte sich zu der sozialen Partei geschlagen, stand in einer Reihe mit den kommunistischen Intellektuellen André Malraux und Louis Aragon.
Moskau hatte sich aber zu früh gefreut. Im Juni 1936 nahm Gide mit einer Gruppe von Freunden die Einladung der Sowjetregierung an, dem Vaterlande des Weltsozialismus einen Besuch abzustatten. Er fuhr nach Rußland mit der festen Überzeugung, seine Ideale wenigstens teilweise als Wirklichkeit zu sehen. Geduldig und scheinbar ohne jegliche Mißbilligung machte der offizielle Gast alle offiziellen Anlässe mit, ließ sich die Errungenschaften des neuen Regimes und auch die für die Ausländer bereitgehaltenen «Potemkinschen Dörfer» zeigen, von unermüdlicher Wißbegierde getrieben, das «Vaterland aller Werktätigen» kennenzulernen. Nach seiner Rückkehr nach Frankreich wartete Moskau — und auch die Weltöffentlichkeit — auf den Bericht Gides.
Als aber Gides «Retour de l'U.R.S.S.» im Jahre 1936 erschien, da verfluchten die Stalinisten die Stunde, in der sie Gide nach Rußland eingeladen hatten. Der «retour» war nicht ein erhofftes Propagandainstrument, sondern eine scharfe Kritik, die vor allem die Gleichschaltung des russischen Geisteslebens und den reaktionären Charakter des sowjetischen Regimes betraf. Gide wollte der UdSSR keineswegs schaden — er warnte noch (1936) als besorgter Freund, der die Sache des Fortschritts in gefährlichster Weise bedroht sah.
So hob er den Sowjetnationalismus als Rückfall in reaktionäre Denkformen hervor; er kritisierte den widerlich werdenden Stalinkult, sowie den krassen Gegensatz zwischen dem hohen Lebensstandard der neuen «herrschenden Klasse» und der Armut der Massen; die Arroganz einer Staatsbürokratie, deren Kontrolle kein Bürger des ungeheuren Landes sich zu entziehen vermochte. In diese Kritik mischte sich die Bitterkeit einer gründlich enttäuschten Hoffnung.
An diese schwere Enttäuschung schlossen sich einige Jahre später die niederschmetternden Erfahrungen des Zweiten Weltkrieges an. In ungebrochener Schaffenskraft wirkte Gide weiter und reihte sich in die geistige Elite der Resistance ein. Die Nachkriegsjahre brachten noch von dem Achtzigjährigen den «Robert, ou l'intérêt général», den «Theseus» und Ergänzungen zum «Journal».
Der Tod hat dem Unermüdlichen die Feder aus der Hand genommen — ein Leben im Dienste der Kunst, der Schönheit sowohl wie des Ethos ist jäh zu seinem Ende gekommen. Europa und die ganze Welt erleiden einen schweren, unersetzlichen Verlust. Den Überlebenden bleibt die Aufgabe, das Vermächtnis André Gides zu wahren und das Zeitlos-Gültige aus seinem Werk in eine bessere Zukunft hinüberzuretten.
unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine sowie in Israel, Palästina und sonstwo, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.a
27.07.2025
Steckt in den Deutschen immer noch der alte Todestrieb?
freedert.online, 27 Juli 2025 07:04 Uhr, Von Rainer Rupp
Der Germanist und Journalist Rottenfußer beantwortet diese Frage mit "ja" und er führt dafür gute Gründe an. Tatsächlich scheint dieser historische Trieb der deutschen Eliten, ihr eigenes Volk zu zerstören, auch heute unbewusst die Handlungen führender Politiker und ihrer medialen Hofschranzen zu bestimmen.
Reichstagsgebäude: Bundesflagge auf Halbmast (Symbolbild)
Was ist los mit Deutschland? Diese Frage muss sich jeder stellen, der genauer hinsieht auf eine Gesellschaft, die antriebslos, gespalten und kulturell entkernt wirkt. Die Deutschen scheinen müde – ja, regelrecht lebensmüde. "Der deutsche Todestrieb" lautet denn auch der Titel eines sehr langen Essays von Roland Rottenfußer*, das der Germanist, Journalist und Autor auf der Internet-Plattform Manova (zuvor Rubikon) jüngst veröffentlicht hat. Darin beschreibt er eine Nation, die historisch einen Hang zur Selbstzerstörung kultiviert hat und diesen heute in modernisierter Form fortsetzt.
Tatsächlich kommen einem beim Blick auf die aktuelle Politik in unserem Land zuhauf Ereignisse zur Untermauerung von Rottenfußers These in den Sinn, etwa das Verhalten von Bundeskanzler Friedrich "Drecksarbeit" Merz. Mit Vorbildfunktion für das deutsche Volk hatte er schon im Mai 2022 in einem Interview mit RTL/ntv seine Furchtlosigkeit – oder war es Gleichgültigkeit – vor Krieg und Zerstörung bekannt. Auf die Frage, ob er befürchte, dass Deutschland aufgrund seiner Waffenlieferungen an die Ukraine von Russland zur Kriegspartei erklärt werden könnte, was möglicherweise zu einem Atomkrieg führen würde, gab Merz zur Antwort:
"Ich habe keine Angst vor einem Atomkrieg mit Russland."
Allerdings zeigte er – zumindest pro forma – Verständnis für die Weicheier, die anderer Meinung sind und sich nicht wie Lemminge auf dem von Merz vorgezeichneten Weg in den atomaren Abgrund stürzen wollen, während Merz sich mit seinem Privatflugzeug längst aus dem Staub gemacht hat.
Auch Boris "Kriegstüchtig" Pistorius, der offensichtlich ein Faible dafür hat, sich aus Joseph Goebbels' Nazi-Wortschatz mit griffigen Vokabeln zu bedienen, scheint nur noch ein Ziel im Auge zu haben, und das ist nicht der Frieden in der Ukraine, denn davor haben er und seinesgleichen die größte Angst, denn dann könnten er und seine Kriegstreiber-Kumpane zur Rechenschaft gezogen werden!
Allerdings hat die allseits beliebte Berliner Hofberichterstatterin und ZDF-Moderatorin Dunja Hayali in Bezug auf Propaganda mit implizierter Todessehnsucht für Deutschland vorerst den Vogel abgeschossen. In der Nachrichtensendung ZDF heute konnte sie ihre Freude nicht verbergen, als sie ihren Bericht über neue Waffen für die Ukraine mit folgenden Worten anmoderierte:
"Immerhin, eine gute Nachricht gibt es. Kiew wird weitreichende Waffen in hoher dreistelliger Stückzahl von Deutschland bekommen."
Ebenso effektvoll hätte sie auch sagen können: "Freut Euch, der Dritte Weltkrieg und die Zerstörung Deutschlands sind endlich zum Greifen nah." Zur Abrundung dieses bevorstehenden Ereignisses fehlen jetzt nur noch romantische Abhandlungen aus den Jahren 1914 und Diskussionsrunden zum Thema "Süß und ehrenvoll ist es, fürs Vaterland zu sterben", das damals – und später wieder bei den Nazis – in aller Munde war.
Vor diesem Hintergrund passt das Essay "Der deutsche Todestrieb" von Roland Rottenfußer wie die Faust aufs Auge! Nachfolgend habe ich seine wichtigsten Thesen und Beobachtungen zusammengefasst und mit einigen Bemerkungen ergänzt.
Rottenfußer beginnt seinen Essay mit einer kurzen Abhandlung des berühmten Nibelungenlieds und dessen Auswirkungen auf die deutsche "Seele". Im Nibelungenlied weigern sich die Burgunder, den Mörder Hagen auszuliefern, obwohl sie genau wissen, dass sie damit ihr eigenes Ende besiegeln. Sie ziehen es vor, "Nibelungentreue" zu halten – ein Ehrbegriff, der absolute Loyalität fordert, auch um den Preis des eigenen Untergangs. Dieses Motiv wurde später politisch instrumentalisiert und 1909 erstmals von Reichskanzler von Bülow politisch eingesetzt, um die unbedingte Waffenbrüderschaft mit Österreich-Ungarn zu rechtfertigen. Das Ergebnis war der Erste Weltkrieg – über zwei Millionen Deutsche verloren ihr Leben.
Noch drastischer bedienten sich die Nationalsozialisten dieses Mythos'. Hitler forderte noch in den letzten Kriegstagen 1945 in einem "Führerbefehl" von jedem Deutschen "Pflichterfüllung bis zum Äußersten". Als klar war, dass der Krieg verloren war, ließ er eine Politik der verbrannten Erde umsetzen. Nichts sollte dem Feind in die Hände fallen – lieber sollte alles zerstört werden. Damit wurde das Land in Schutt und Asche gelegt und Millionen in den Tod geschickt. Der Mythos vom heroischen Opfer ging in einem Alptraum aus Bomben, Massengräbern und moralischem Bankrott unter.
Rottenfußer verweist darauf, dass diese historischen Extreme zwar auf den ersten Blick fern erscheinen mögen – schließlich ist das heutige Deutschland ein Land der Smartphone-Nutzer und Netflix-Konsumenten. Doch die Tendenz zur Selbstaufgabe, die Lust am Untergang, wie sie der Philosoph Jochen Kirchhoff nennt, sei nicht verschwunden. Kirchhoff beschreibt eine "lichtferne Schicht des deutschen Geistes", aus der eine zerstörerische Todessehnsucht hervorbreche – eine Bereitschaft, den eigenen Untergang nicht nur in Kauf zu nehmen, sondern geradezu zu wollen.
Diese These wirkt zunächst pathetisch. Aber Rottenfußer findet im heutigen Deutschland viele Indizien, die darauf hindeuten. Ein Beispiel: Die Politik folgt in vielen Fragen weitgehend willfährig den Interessen der USA. Deutschland übernimmt massive Rüstungsverpflichtungen, die vor allem der NATO-Logik dienen. Es liefert immer schwerere Waffen in die Ukraine, auch wenn dies die Spannungen mit Russland gefährlich zuspitzt. Rottenfußer erkennt darin keine selbstbewusste Friedenspolitik, sondern eine gefährliche Hörigkeit – die Bereitschaft, für fremde Interessen das eigene Land erneut in einen Krieg hineinzuziehen.
Als weiteres Beispiel für die deutsche "Nibelungentreue" nennt Rottenfußer das deutsche Verhältnis zum zionistischen Apartheidstaat unter Führung des Netanjahu-Kriegsverbrecher-Regimes. Aus der immer noch sorgfältig gepflegten historischen Schuld von vor 80 Jahren erwächst eine kritiklose Loyalität zu aktuellen Kriegsverbrechern. Denen liefert Deutschland modernste Waffen, auch wenn diese in einem Konflikt eingesetzt werden, der international massiv als Genozid verurteilt wird. In diesem Zusammenhang nennt Rottenfußer Israel einen "aggressiven Staat".
Gleichzeitig werden viele Menschen aus Ländern nach Deutschland geholt, die mit Israel verfeindet sind. So importiert man die Konflikte des Nahen Ostens in deutsche Städte. Demonstrationen mit anti-zionistischen Parolen, aber auch pauschale Gewalt gegen Juden – all das wird sichtbar. Doch eine offene Debatte darüber wird unter Strafe blockiert, wobei jede Kritik an der offiziellen Regierungspolitik sofort als "rechts" diffamiert wird.
Rottenfußer geht noch weiter und nennt den Zustand der deutschen Wirtschaft einen weiteren Beleg für den aktuellen "Todestrieb" der Deutschen. Trotz warnender Stimmen ließ sich die Regierung ohne Proteste den wichtigsten Pfeiler der deutschen Energie-Infrastruktur unter ihrem Hintern wegsprengen, ohne auch nur ernsthaft zu protestieren. Infolgedessen sind wichtige Industrien abgewandert oder lahmgelegt worden – nicht zuletzt aufgrund einer überhasteten, von grünen Wolkenkuckucksheim-Vorstellungen fehlgeleiteten Energiepolitik und einer Bürokratie, die produktive Investitionen zu einem Marsch durch einen Irrgarten macht. Die Maßnahmen gegen die Corona-Plandemie und internationale Konflikte taten ihr Übriges. Die Folge: Massenverarmung, Absturz in der Wettbewerbsfähigkeit, steigende Depressionen und Krankheiten, zunehmende sozialpolitische Polarisierung und wachsende gesellschaftliche Instabilität.
Besonders klar werde der suizidale Trend aber im Geburtenrückgang. Deutschland verliert konstant Bevölkerung – auf sanfte, aber unaufhaltsame Weise. Rottenfußer zitiert Zahlen des Statistischen Bundesamts: Seit 1990 sank die Zahl der Geburten um 23 Prozent. Dieser Trend habe schon in den 1960er-Jahren begonnen, wurde aber durch Corona, Kriegsangst und wirtschaftlichen Niedergang noch einmal verstärkt. Rottenfußer nennt dies eine "sanfte Form des kollektiven Suizids".
An dieser Stelle holt er auch Thilo Sarrazin ins Boot – nicht als uneingeschränkten Gewährsmann, sondern als Statistiklieferanten. Sarrazins Buch "Deutschland schafft sich ab" prognostizierte, dass sich die Zahl der Nachfahren der 1965 lebenden Bevölkerung massiv reduzieren werde. Rottenfußer findet Sarrazins Ton zwar unsympathisch kalt, er erkennt aber in seinen Beobachtungen einen Kern Wahrheit: Eine Gesellschaft, die sich selbst nicht mehr reproduziert, die keine Zukunft will – stirbt aus.
Zudem verweist er auf die kollektiv-psychologische Dimension: dass viele Deutsche diesen Untergang als eine Art gerechte Strafe für die Verbrechen des Dritten Reiches ansehen (Anmerkung: Dabei fallen mir besonders die "Antideutschen", die "Antifa-Jugend" und grüne Parteigänger und Sympathisanten ein, die sich allesamt als sehr progressiv und ganz toll links empfinden). Rottenfußer zitiert konkrete Vorfälle, die diesen Selbsthass illustrieren: Politiker wie Claudia Roth demonstrieren hinter Bannern mit der Aufschrift "Deutschland, du mieses Stück Scheiße", während Bands wie Feine Sahne Fischfilet mit Texten wie "Deutschland ist Dreck" öffentlich gefeiert werden.
Rottenfußer wendet sich auch gegen die unkritische Aufnahme islamischer Einflüsse. Beispiele nennt er viele: Lehrerinnen mit Kopftuch, getrennte Eingänge bei islamistischen Veranstaltungen an deutschen Unis, den Schweinefleischverzicht in der Nationalmannschaft. Er stellt klar: Das Problem sei weniger die Zuwanderung, sondern das Fehlen einer klaren Selbstbehauptung der Mehrheitsgesellschaft. Kritik werde schnell als "islamfeindlich" gebrandmarkt und abgewürgt.
Doch nicht nur aus dem Orient, auch aus dem Westen kommt eine Form der deutschen Selbstaufgabe, nämlich die Amerikanisierung. Rottenfußer sieht in der bedingungslosen deutschen Unterwerfung unter das Diktat Washingtons eine besonders gefährliche Spielart des Selbstzerstörungstriebs. Statt eigene Interessen zu vertreten, nickt Berlin nahezu alles ab, was das Weiße Haus verlangt: massive Rüstungsausgaben, riskante Sanktionen gegen Russland und einen Energieverzicht, der die eigene Industrie ruiniert. Für ihn ist das keine "transatlantische Freundschaft", sondern eine Vasallentreue, die Deutschland in den Abgrund führen kann.
Des Weiteren widmet er sich der Anglo-Amerikanisierung des Kulturträgers "Sprache". Englisch sei in Wissenschaft und Wirtschaft schon längst Zwangssprache geworden, und viele junge Leute könnten sich kaum noch vorstellen, einen Film auf Deutsch zu schauen. Rottenfußer sieht hier ebenfalls eine paradoxe Form von Unterwerfung: Während die Zahl der Übertritte zum Islam überschaubar bleibt, geschieht die Anglo-Amerikanisierung weitgehend freiwillig und begeistert.
Er nennt die Anglizismen-Flut einen Indikator für ein größeres Problem: Die Deutschen hätten kaum noch Interesse an ihrer eigenen Sprache und Kultur. Wer Deutsch pflege, gelte als provinziell. Das Deutsche werde so zwischen den Einflüssen muslimischer Communitys und anglo-amerikanischer Globalisierung zerrieben. Rottenfußer beobachtet eine Flucht ins Internationale – allerdings nicht als Weltoffenheit im besten Sinne des Wortes, sondern als Verweigerung des Eigenen. Wer sich als "Weltbürger" definiert, glaubt, damit die "Last der deutschen Schuld" abwerfen zu können.
Auch das Einbürgerungsrecht thematisiert er kritisch. Zwar sei das "ius soli" (Geburtsortprinzip) moderner und weniger rassistisch als das alte "ius sanguinis" (Abstammungsprinzip), aber er fragt: Kann man jemanden wirklich als Deutschen anerkennen, der nicht ein Wort Deutsch spricht oder sich gar nicht mit den hiesigen Werten identifiziert? Rottenfußer vermeidet platte Pauschalurteile, zeigt aber reale Spannungen auf – etwa mit Erdogan-Anhängern oder islamistischen Gruppen, die hierzulande andere Gesellschaftsmodelle propagieren.
Für Rottenfußer lautet die zentrale Frage: Wollen die Deutschen überhaupt noch als Deutsche leben? Oder ist ihr kollektives Desinteresse an der eigenen Kultur, Sprache und Zukunft der Ausdruck einer tiefsitzenden Todessehnsucht?
Er verweist zum Schluss auf den Philosophen Jean-Paul Sartre. Dieser warnte bereits 1947 vor einer "willfährigen Selbstverleugnung" der Deutschen. Sartre forderte stattdessen eine "aufrichtige Verpflichtung auf eine Zukunft in Freiheit und Arbeit". Rottenfußer macht daraus seinen Appell: Deutschland kann sich nicht einfach auflösen, um seine Schuld loszuwerden. Es muss eine Kultur entwickeln, die offen, aber selbstbewusst ist. Eine, die Kritik zulässt und Streit aushält, statt jede Debatte im Keim zu ersticken.
Denn ohne dieses Bekenntnis bleibt Deutschland ein Land, das sich selbst abschafft – aus Bequemlichkeit, aus Scham oder aus einer seltsam konsequenten Lust am eigenen Ende. Und wer verhindern will, dass der Satz "Deutschland, verrecke!" zur politischen Realität wird, muss anfangen, darüber nachzudenken, was dieses Land zusammenhalten kann. Nur so lasse sich der alte Todestrieb zähmen.
*Roland Rottenfußer, geboren 1963 in München, ist ein deutscher Journalist und Autor. Nach dem Studium der Germanistik arbeitete er als Buchredakteur, Texter und Journalist für verschiedene Verlage. Von 2001 bis 2005 war er Redakteur bei der spirituellen Zeitschrift Connection. Seit 2006 ist er Chefredakteur des Online-Magazins Hinter den Schlagzeilen und von 2020 bis 2023 Chefredakteur von Rubikon (heute Manova). Er hat auch zu Publikationen wie Natur und Heilen, Publik Forum und Neues Deutschland beigetragen. Seine Arbeit beschäftigt sich oft mit spirituellen, kulturellen und politischen Themen, mit Büchern wie Schuld-Entrümpelung und Strategien der Macht. Er hat an Projekten mit namhaften Persönlichkeiten wie Konstantin Wecker zusammengearbeitet.
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unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine sowie in Israel, Palästina und sonstwo, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.a
27.07.2025
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Erstmals seit dem Jahr 2022 führen die Streitkräfte der Republik Belarus zusammen mit jenen der russischen Föderation vom 12. bis zum 16. September dieses Jahres wieder eine gemeinsame militärische Großübung durch (1). Durchführungsort soll das Innere von Belarus, weit entfernt von der Westgrenze sein (2). Trotzdem steigt die Nervosität in Osteuropa: Manche Kommentatoren wollen schon den Zeitpunkt einer russischen Invasion in Europa wissen und sprechen vom „letzten Sommer in Frieden“ (3), denn nach ihrer Lesart dient die Übung „Zapad-25“ nur dem Aufmarsch einer russischen Invasionsarmee in Belarus (4). Durchführungsort sollte ursprünglich das Innere von Belarus, weit entfernt von der Westgrenze sein. Jetzt aber will Belarus gegebenenfalls Truppen nahe an die Grenze zu Polen und Litauen entsenden, wo die NATO Übungen durchführen will (2). Jetzt steigt die Nervosität in Osteuropa.
Parallelen zum Fünftage-Krieg in Georgien 2008 werden gezogen, sowie zum Beginn des russisch-ukrainischen Krieges im Februar 2022. Gerade der Bericht des Schweizer Boulevard-Blatts „Blick“, der rasch auf den Zug aufgesprungen ist, enthält aber massive sachliche Fehler. Nicht Russland hat im August 2008 Georgien angegriffen, sondern Georgien Südossetien und die dort stationierten russischen Peacekeeper, die als Folge eines von Moskau vermittelten Waffenstillstands in Zchinwali standen (5). Der damalige georgische Staatspräsident Micheil Saakaschwili hatte sich damals offenbar für besonders schlau gehalten und mit dem Angriff zugewartet, bis die russische Übung „Kavkaz-2008“ zu Ende ging und sich die Truppen auf dem Rückweg in ihre Heimatbasen befanden. Er hatte aber wohl nicht mit einer derart raschen Reaktion der Russen gerechnet. Ob Wolodymyr Selenskyj ähnlich dachte, als er im Februar gegen Ende der russisch-belarussischen Übung „Entschlossenheit der Union 22“ (russisch: Союзная решимость) vom 10. bis 20. Februar 2022 im Raum Gomel – Mozyr den Beschuss der rebellischen „Volksrepubliken“ von Luhansk und Donetsk intensivierte, ist derzeit noch unklar (6). Ob zu Recht oder zu Unrecht, in Moskau mag man die Wiederholung des Szenarios vom August 2008 vor Augen gehabt haben.
Wer bedroht hier wen?
Die Armee der Republik Belarus umfasst derzeit sechs Brigaden der Kampftruppen des Heeres und der Luftlandetruppen. Ihnen stehen allein in Polen fünf Mechanisierte Divisionen des Heeres und zwei Brigaden der Luftlandetruppen gegenüber, d.h. drei Mal so starke Kräfte (7). Dazu kommen dann noch die Streitkräfte der Verbündeten in der NATO. Und an der Nordwestgrenze von Belarus, in Litauen, sind in den letzten Jahren zusätzliche Truppen aufgestellt und solche der NATO stationiert worden (8). Angesichts dieser Kräfteverhältnisse von einer akuten Bedrohung der NATO aus dem Territorium von Belarus heraus zu sprechen, ist Augenwischerei.
Trotz der zahlenmässigen Unterlegenheit ihrer Armee hat die belarussische Regierung bislang keiner dauernden Stationierung starker russischer Truppenteile auf belarussischem Territorium zugestimmt. Die Panikstimmung, die sich in den letzten Monaten in Vilnius und Warschau ausbreitete, hat Minsk offenbar noch nicht angesteckt. Man begnügt sich damit, im Mehrjahresrhythmus die Verlegung von russischen Kräften nach Belarus zu üben. An der letzten Übung „Zapad-21“ waren 200’000 russische und belarussische Soldaten beteiligt gewesen. Durchgeführt wurde sie auf Truppenübungsplätzen bei Brest, nahe der polnischen Grenze, bis in die Region Wologda tief in Russland (9). Das Szenario entsprach dem Standard: Im Inneren von Belarus, nordwestlich der Hauptstadt Minsk, wurde ein gegnerischer Angriff aus dem fiktiven Land „Veyshnoriya“ aufgefangen, dann wurden die eingedrungenen gegnerischen Truppenteile eingekesselt und zerschlagen, bevor zum Schluss der Gegenangriff die Ausgangslage wiederherstellte. Trotzdem werteten manche Beobachter das Übungsszenario als gegen ein NATO-Land gerichtet (10).
Karte: Szenario und Durchführungsorte der Übung „Zapad-21“; Angriff aus dem fiktiven Land „Veyshnoriya“. Quelle: Verfasser
Wenn das Übungsszenario der Vorbereitung auf einen Krieg zwischen der NATO und den Verbündeten in der Organisation des Vertrags über kollektive Sicherheit darstellen sollte, dann höchstens auf eine Aggression der NATO.
Absehbarer Übungsverlauf
In der Übung „Zapad 25“ üben Russen und Belarussen mit größter Wahrscheinlichkeit das, was angesichts der zahlenmäßigen Unterlegenheit der belarussischen Armee gegenüber seinen NATO-Nachbarn zwingend ist, nämlich die rasche Verlegung von Kräften aus Russland nach Belarus.
Damit kann der Verlauf der Übung ein Stück weit antizipiert werden: Angesichts der hohen Bedeutung der Lücke zwischen der Düna bei Vitebsk und dem Dnepr bei Orscha ist davon auszugehen, dass die rasche Verlegung von Truppen aus dem Innern Russlands – aus geographischen Gründen steht der Raum Moskau mit der 1. Garde-Panzerarmee im Vordergrund – via Smolensk eine erste Phase der Übung bilden wird. Darauf folgt wohl die Sicherung der Übergänge über die Beresina zwischen Borisov und dem Raum Novozaslonovo und die weitere Verschiebung in den Raum Minsk.
Wenn die Stärke der teilnehmenden Truppen um die 13’000 Mann besteht, dann kann die terrestrische Komponente nach Abzug der Kräfte der Luftstreitkräfte, der elektronischen Kriegführung, der Führungsunterstützung und der Logistik wohl kaum mehr als eine Brigade umfassen (11). Eine russische Brigade zusätzlich auf dem Territorium von Belarus kreiert aber noch keine existenzielle Bedrohung der Nachbarländer. Alarmstimmung müsste erst aufkommen, wenn es bedeutend mehr Truppen wären.
Die an der belarussischen Westgrenze stehenden drei Brigaden Kampftruppen der belarussischen Armee (motorisierte Schützen und Luftlandetruppen) reichen für einen Angriff auf die zahlenmäßig mehrfach überlegene polnische Armee nicht aus, sondern können bestenfalls verzögernd in Richtung Minsk zurückgehen. Zur Bildung einer zusammenhängenden Verteidigung müssten sie durch circa drei Divisionen verstärkt werden, was in der Praxis wohl bedeutet, dass das Gros der 1. Garde-Panzerarmee aus Russland an die belarussische Westgrenze verlegt werden müsste. Davon ist nach derzeitigem Informationsstand aber nicht auszugehen.
Was abgesehen von diesen Truppenbewegungen im Rahmen der Übung sonst noch geschieht, hängt schon von der Lust der Staatschefs auf Provokation ab. Von einer terrestrischen Bedrohung der litauischen Hauptstad Vilnius wäre erst auszugehen, wenn hinter dem Grenzübergang Kamennyi Log ein Bataillon zur Sicherung der Ausgangsstellung aufgestellt und ein Verband von mindestens einer Brigade über Molodechno hinaus vorgeschoben würde.
Für einen überfallartigen Angriff aus dem äußersten Norden von Belarus entlang der Düna in Richtung Daugavpils ist die Distanz aus Vitebsk zu groß. Angriffstruppen müssten weit über Novopolotsk hinaus vorgeschoben werden. Erst dann müssten in Lettland die Alarmglocken läuten.
Karte: Belarus, Kampftruppen und Übung „Zapad-25“. Quelle: Verfasser.
Möglichkeiten für Gegen- oder Vorsichtsmaßnahmen der NATO gibt es durchaus: Eine Übung mit Formationen der elektronischen Aufklärung im Raum Daugavpils, in deren Verlauf der Aufmarsch von militärischen Kräften im Norden von Belarus sicherlich nicht unbemerkt bliebe, kombiniert mit einer Übung im Großraum Riga, in vergleichbarer Distanz zur belarussisch-lettischen Grenze, wäre sicherlich eine Möglichkeit, Wachsamkeit zu demonstrieren, ohne provokativ zu wirken. Darüber hinaus wäre eine Einladung der belarussischen Seite zur Entsendung von Beobachtern zur Übung „Zapad-25“, wie das Wiener Dokument sie vorsieht, anzunehmen. Eine solche wird höchstwahrscheinlich in wenigen Wochen erfolgen. Ähnlich verfahren kann das benachbarte Litauen mit Übungen in den Räumen Vilnius und Kaunas. An derartigen Maßnahmen wird man messen können, wie ernst gemeint das Gezeter um Kriegsgefahr im Baltikum wirklich ist.
Die Sprache der militärischen Stärke
Russland hat seit dem Zerfall der Sowjetunion seine Erfahrungen mit der NATO gemacht. Die Vorbehalte Russlands gegen die NATO-Osterweiterung sind sattsam bekannt, aber der Westen hat sich nie die Mühe genommen, auf die Bedenken Russlands einzugehen. Eine Möglichkeit wäre beispielsweise ein Neuanlauf zu einem Vertrag über konventionelle Streitkräfte in Europa gewesen (12). In der Vergangenheit fiel es Brüssel umso leichter, sich über die russischen Bedenken hinwegzusetzen, als dass man glaubte, Russland habe keine Optionen, um irgendwelche Entwicklungen in Osteuropa zu beeinflussen, weder politische, noch wirtschaftliche und schon gar keine militärischen. Es war wohl dieselbe Logik, die dazu führte, dass der Westen Russland eine Abfuhr erteilte, als dieses im Dezember 2021 von den USA und der NATO Sicherheitsgarantien forderte (13). Gestützt auf erneut unrealistische Einschätzungen der militärischen Fähigkeiten Russlands erfolgte wohl auch der ukrainische Rückzug aus den Waffenstillstandsverhandlungen in der Türkei im Frühjahr 2022. Erst das Scheitern der vollmundig angekündigten ukrainischen Sommeroffensive im Herbst 2023 mag ein Umdenken bewirkt haben – zumindest bei den klügeren Köpfen im Westen (14). Die anderen sind seit Oktober 2023 in Panikstimmung.
Panic-Button. Quelle: Pixabay (15)
Seither zeigt das russische Vorrücken im Osten der Ukraine gegen eine von der NATO unterstützte, ausgerüstete, ausgebildete und geführte ukrainische Armee, dass der Westen keine militärische Option gegen Russland mehr hat, ausser einem globalen Nuklearkrieg. Einen solchen um der Ukraine willen zu führen, hat US-Präsident Donald Trump aber schon seit seinem Wahlkampf abgelehnt. Sollte es ob der Ukraine aber tatsächlich zu einem Krieg zwischen dem Westen und Russland kommen, dann wird es ein europäisch-russischer Krieg sein, das hat Trump mittlerweile auch klargemacht. Im Vorfeld davon hat Russland alles Interesse, die Reihen seiner Widersacher zu schwächen – vorerst mit nicht-kinetischen Methoden (16). „Hybride Kriegführung“ nennt das die NATO. Diejenigen, die im Vertrauen auf die militärische Überlegenheit des Westens darauf verzichteten, eine Friedenslösung für die diversen Probleme der Ukraine zu präsentieren, sind jetzt ratlos. Aber neue Lösungsansätze präsentieren sie nicht.
Auf der anderen Seite des neu entstandenen Eisernen Vorhangs ist man aber zur Erkenntnis gekommen, dass namentlich die Westeuropäer nichts besser verstehen, als die Sprache der militärischen Stärke. Das wird den Umgangston in den nächsten Jahrzehnten prägen.
Diplomatie und operative Informationsführung
Eine weitere Frage ist diejenige nach der militär-diplomatischen Begleitung der Übung im September. Nach Wiener Dokument von 2011 müssten die Übungsparteien die Übung anmelden und Militärbeobachter einladen (17). Wie üblich werden wieder Rufe laut werden, die Übungspartei verberge das wahre Ausmass der Übung oder zerlege sie absichtlich in Einzelübungen, deren Teilnehmerzahl tiefer liege, als die Schwelle des Wiener Dokuments. Vielleicht sind Belarus und Russland aber auch gar nicht interessiert an vollständiger Klarheit, sondern möchten eine gewisse Ambiguität schaffen. Das wäre insbesondere der Fall, wenn Minsk und Moskau den Nachbarn eine Art Schocktherapie zukommen lassen möchten. Danach kann man ja immer noch Gespräche über die Begrenzung konventioneller Streitkräfte im Ostseeraum anbieten.
Aber „Blick“ und „Focus“ berichten nicht einfach so falsch: Ihre Berichte sind vielmehr als Teil der operativen Informationsführung der NATO einzuordnen. Wozu intensiviert die NATO die Informationsführung in Bezug auf das Baltikum? Die militärischen Kräfteverhältnisse dort sind ausgewogen, keine der Seiten hat eine genügende numerische Überlegenheit für einen Angriff. Es wird der NATO wohl darum gehen, sich als Beschützer und Retter von Lettland und Litauen vor einem russischen Angriff zu präsentieren.
Die verheerende Vergeltung, von welcher NATO-Generalsekretär Mark Rutte sprach, kann nur nuklearer Natur sein, denn konventionelle NATO-Kräfte beeindrucken in Moskau schon kaum jemanden mehr (18). Hohle Töpfe haben den lautesten Klang, das wusste schon William Shakespeare.
Von Oktober 2021 bis Ende Januar 2022, in einer Zeitperiode, in welcher eine russische Invasion angeblich fast täglich drohte, war es an der Front im Donbass so ruhig, wie zuvor lange nicht mehr. Auch am 4. Februar, am Tag der Eröffnung der Olympischen Spiele in Peking, den Russland angeblich zur Invasion ausnutzen wollte, blieb es ruhig. Ab dem 16. Februar waren an der Front im Donbass zusätzliche Kräfte der ukrainischen Regierungstruppen zu beobachten, wobei unklar blieb, ob es sich um eine Rotation oder die Bereitstellung von Kräften zum Angriff handelte. Am 18. Februar beschoss ukrainische Artillerie un-provoziert die Stadt Houbivske in der „LNR“. Am 19. Februar begab sich Selenskyj an der Sicherheitskonferenz in München – wie schon jeweils seine Vorgänger – in die Opferrolle und forderte mehr militärische Unterstützung durch den Westen. Und am Wochenende des 19. und 20. Februar vervielfachten sich die Verletzungen des Waffenstillstands an den Stadträndern von Donetsk, Horlivka, Pervomaisk und Luhansk. In dieser Zeit verfolgte der Verfasser das Geschehen systematisch auf der Basis der Tagesberichte der OSZE Sonderbeobachtungsmission in der Ukraine, deren Senior Planning Officer er zeitweilig gewesen war. Sie sind online publiziert unter https://www.osce.org/ukraine-smm/reports?page=2.
Zur Übung «Zapad-21» siehe die offiziellen Informationen des belarussischen Verteidigungsministeriums unter https://www.mil.by/ru/news/137264/ und des russischen Verteidigungsministeriums unter https://function.mil.ru/news_page/country/more.htm?id=12378427@egNews (beide in russischer Sprache). Vgl. https://cepa.org/russias-zapad-21-lessons-learned/. Gemäss Angaben des belaruss. Verteidigungsministeriums befanden sich russische Truppen der 1. Garde-Panzerarmee im Umfang von 2’498 Soldaten in Belarus, mit 72 Kampfpanzern, 40 Schützenpanzern und 51 Artillerie-Geschützen bzw. Geschosswerfern (Mehrfachraketenwerfer, engl. MLRS). Zu den Durchführungsorten siehe „На учениях „Запад-2021“ будут „отбивать нападение“ на Россию и Беларусь“ bei Украинская правда, 05.08.2021, online unter https://www.pravda.com.ua/rus/news/2021/08/5/7302840/, in russischer Sprache.
Wikipedia.de übernahm mit seiner Bemerkung „Analysten zufolge handelte es sich bei dieser Aktivität um ein Training zur Vorbereitung auf einen möglichen Konflikt mit anderen europäischen NATO-Ländern“ unkritisch die Beurteilung des Polish Institute of International Affairs, eines Think Tanks, der finanziert wird vom polnischen Außen- und vom Verteidigungsministerium.
Von dieser Teilnehmerzahl war im Februar die Rede gewesen: Siehe „Россия и Белоруссия проведут учения «Запад-2025» в сентябре 2025 года“, bei RBK, 20.02.2025, online unter https://www.rbc.ru/rbcfreenews/67b6e20f9a794744dd5114df, in russischer Sprache.
Das geht aus einem Papier der Militärakademie des Generalstabs der Streitkräfte der Russischen Föderation aus dem Jahr 2021 hervor, welche der Verfasser in den Jahren 2013/14 besuchte. А.С. Коржевского, В.В. Толстых, И.А. Копылов: Прогнозируемые вызовы и угрозы национальной безопасности Российской Федерации и направления их нейтрализации, hrsg. von der Военная академия Генерального штаба Вооруженных Сил российской Федерации, Москва 2021, in russischer Sprache, dem Verfasser vorliegend.
Bei einem Besuch in Warschau Anfang Juli verlautete Rutte, dass ein Angreifer die volle Härte der entschlossenen Allianz zu spüren bekommen werde. Die Reaktion werde verheerend sein. Siehe Anais Bockholt, Malte Arnsperger, a.a.O. Auf dem Symposium LANDEURO kritisierte einem Teilnehmer zufolge der Chef der ukrainischen Drohnen-Systeme Robert Brovdy die Westeuropäer für ihr überholtes Kriegsbild und stellte ihre Fähigkeit zur Verteidigung in Frage. Siehe „LANDEURO Showcases Global Future of U.S. Army Landpower„, auf der Homepage der U.S. Army Europe and Africa, 22.07.2025, online unter https://www.europeafrica.army.mil/LANDEURO/.
unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine sowie in Israel, Palästina und sonstwo, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.
27.07.2025
nachdenkseiten.de, 27. Juli 2025 um 12:00 Ein Artikel von Frank Blenz
In Deutschland läuft alles nach Plan. Wohin sich der Blick in die Zivilgesellschaft auch richtet, die Zeichen stehen auf Militarisierung. So passiert es auch im eher kritischen Osten, was das Thema Krieg und Frieden angeht, dass die reaktionäre Politik zum Angriff bläst. Gewichtige Personen führender Parteien haben inzwischen mitbekommen, dass es sich zu beeilen gilt, wenigstens etwas von den Rüstungsaufträgen abzubekommen – eine Art ‚Aufschwung Military Ost 2.0‘. Viele Bürger machen sich zwar Sorgen, die „Signale“ aus der Wirtschaft deuten dagegen völlig unbeirrt und gierig Richtung „Offenheit“ für eine intensive Erweiterung der „Kapazitäten“.
In Thüringen heißt es jetzt – Gewehr bei Fuß für die militärische „Wertschöpfung“
Die folgende Nachricht des öffentlich-rechtlichen Senders MDR, mit passend aufreizender Überschrift „Panzer aus der Goldenen Aue“ versehen, reiht sich in die Tag für Tag uns Bürgern zugemutete Ertüchtigungs- und Medienpolitik, eine zivile in eine durch und durch militarisierte Gesellschaft zu verwandeln. Bis ins idyllische Thüringen dringt dieser Wahnsinn durch:
Panzer aus der Goldenen Aue – das ist die Idee des Nordhäuser Landrats Matthias Jendricke (SPD). Er will Rüstungsfirmen auf der Goldenen Aue ansiedeln und hat dafür bereits mit der Landesentwicklungsgesellschaft Thüringen gesprochen.
Jendricke sagte, dass Deutschland seine Rüstungskapazitäten derzeit erhöhe. Von dieser Wertschöpfung würden vor allem die alten Bundesländer profitieren. „Wir dürfen uns im Osten nicht davon abkoppeln.“ Das Industriegebiet liege derzeit brach, das könnte als Chance genutzt werden.
Ergänzend heißt es beim MDR über weitere eifrige Interessenten am großen „Was brauchen wir Autos? Panzer brauchen wir“-Spiel:
Auch unter Thüringer Automobilzulieferern gibt es großes Interesse an Aufträgen aus der Rüstungsindustrie. Wie der Branchenverband Automotive Thüringen kürzlich mitteilte, sind drei Viertel der Mitgliedsunternehmen offen für eine Zusammenarbeit mit Rüstungsfirmen.
Ein thüringischer Landrat hat also eine „Idee“ mit dem knackigen Slogan „Panzer aus der Goldenen Aue“, ein still ruhendes Industriegebiet bei Nordhausen in ein florierendes Rüstungsareal zu verwandeln. Zivile Ansiedlungen gelangen ihm und seinen Kollegen bislang wohl nicht. Zivil bringt auch nicht so viel ein, nicht wahr? Der Kommunalpolitiker führt sodann eine für mich zweifelhafte Begründung ins Feld, dass der Osten von der bundesdeutschen „Wertschöpfung“ mittels Militarisierung auch ein wenig profitieren sollte. Bislang geschehe das zu seinem Bedauern „vor allem“ in den alten Bundesländern, wo bekanntlich die herausragenden Waffenschmieden der Bundesrepublik zu Hause sind und deren Aktienkurse immer und immer weiter neue Rekordwerte zu vermelden haben. Tja, Herr Landrat, da kann der Osten nur neidisch werden. Doch statt die Zivilgesellschaft zu stärken, schlägt sich der Panzer-Ideen-Finder auf die Seite der Militaristen, schön Marsch, Marsch zurück ins Glied.
Zur Erinnerung, Herr Landrat, Nordhausen 1945, da war doch etwas?
Während der MDR ganz in der Tradition zweifelhafter Professionalität die in Wahrheit große Sorgen bereitende Nachricht durchwinkt und vor allem, nein einzig die Befürworter großer Taten für ein wehrhaftes Land zitiert, weil der Osten sich ja nicht abkoppeln darf und Rüstung ja eine Chance sei (welche?), muss dem forschen Landrat in Erinnerung gebracht werden, dass das Industriegebiet zu Nordhausen gehört, einer Stadt, die im Jahr 1945 … Da war doch etwas? Auf der Internet-Präsenz der thüringischen Stadt steht dazu:
Vor 77 Jahren war Nordhausen Ziel von zwei schweren Luftangriffen am 3. und 4. April 1945 durch die britische Royal Air Force. Die Luftangriffe zerstörten die Stadt schwer und kosteten tausenden Menschen das Leben, unter ihnen viele Häftlinge des KZ Mittelbau-Dora und Zwangsarbeiter, die in der Stadt zur Zwangsarbeit eingesetzt und nahe der „Boelcke“-Kaserne untergebracht waren.
Zur Ergänzung: Nordhausen galt damals wie viele andere Städte in Mitteldeutschland als ein strategisch wichtiger Standort für den Transport und die Kriegsproduktion. Die KZ-Häftlinge und Zwangsarbeiter mussten in der Rüstungsindustrie schuften …
Jetzt schreiben wir 2025. Überaus befremdlich wirkt für mich, wie intensiv und fanatisch Kommunalpolitiker die Trommel rühren und ausblenden, was früher war und was nie wieder geschehen sollte. „Nie wieder Krieg“ heißt der Satz, Herr Landrat.
Ja, zur Wahrheit gehört leider auch: Baute man in Nordhausen bald moderne, teure Panzer, würde dies in der Tat einige Arbeitsplätze schaffen, dem Landkreis sowie der Stadt Gewerbesteuern satt einbringen und vor allem die Chefs und Aktienbesitzer von Rüstungs- und Zulieferfirmen freudig stimmen – ein Gläschen Sekt in Ehren, versteht sich.
Könnte indes auch sein, dass diese thüringischen, also ostdeutschen Firmen wie gehabt im einig Vaterland lediglich Außenstellen und verlängerte Werkbänke großer westdeutscher Rüstungskonzerne blieben und die Gewinne woanders landeten …
So wie in Thüringen auch in Sachsen – Politiker setzt sich für seine Region ein – also für die Aufrüstung
Übrigens: Was der Landrat in Thüringen kann, das geht auch im Freistaat Sachsen, von wegen der Osten hinkt dem eifrigen Westen hinterher. Wirtschaftsminister Dirk Panter ließ vor einiger Zeit im Landtag zu Dresden verlauten, dass er mehr Rüstungsinvestitionen nach Sachsen holen wolle – und zwar mit Vehemenz. Was für ein Irrsinn. Die Heimatpresse schrieb zum Plan von Minister Panter:
Sachsens Wirtschaftsminister Dirk Panter (SPD) will mehr Rüstungsfirmen in den Freistaat holen. Er werde sich „vehement dafür einsetzen, dass wir Investitionen in die Rüstung auch nach Sachsen holen“, sagte er in seiner ersten Fachregierungserklärung im Landtag. Das betreffe die Industrie, den Mittelstand und auch Start-ups. Nach Angaben des Ministers ist die Wirtschaftsleistung in Sachsen im vierten Quartal 2024 um 1,8 Prozent gesunken, im vergangenen Jahr gingen im Saldo 6.000 Industriearbeitsplätze in Sachsen verloren. Im Gegensatz dazu sei Mecklenburg-Vorpommern das einzige Flächenland im Osten, dessen Wirtschaft 2024 leicht wachsen konnte – dank der Aufträge aus der Rüstungsindustrie.
Wie kommentiert die Heimatpresse Sachsens Neuausrichtung?
Herrn Panter sei gesagt, dass das bundesweite Projekt „Umrüstung von zivil zu militärisch“ auch ohne seine Forderung schon gut in Sachsen angelaufen ist. In Bautzen werden zum Beispiel bald statt Waggons für die Eisenbahn knackige Rüstungsgüter für das wehrhafte Deutschland produziert.
Und passenderweise malte in der Sächsischen Zeitung die Autorin Andrea Schawe sich meiner Meinung nach die Welt, wie sie ihr gefällt, und zwar kriegsertüchtigend und so vehement wie Panter. Schawe sprang dem Minister fein zur Seite, als bekäme sie vom Kuchen auch etwas ab:
Guten Morgen! Wenn Rüstungsfirmen neue Standorte suchen, regt sich in der Bevölkerung oft Widerstand. In Sachsen haben die Menschen vor Ort in der Vergangenheit mit Demonstrationen und Bürgerinitiativen reagiert – etwa als die Idee aufkam, Rheinmetall könnte eine Munitionsfabrik in Großenhain bauen, oder bei der kürzlichen Übernahme des Görlitzer Standorts des Schienenfahrzeugherstellers Alstom durch den Rüstungskonzern KNDS. Sachsens Wirtschaftsminister Dirk Panter (SPD) will sich dennoch „vehement“ für Investitionen und Jobs in der Rüstungs- und Sicherheitsbranche einsetzen. Das ist vor allem eine Geldfrage: Die Bundesregierung will dreistellige Milliardenbeträge für die Sicherheit ausgeben. „Sollen diese Gelder wirklich alle in den anderen Bundesländern investiert werden? Wollen wir das?“, fragte er am Mittwoch im Landtag. Sachsen sollte nicht nur ein Stück des Kuchens wollen, der Freistaat braucht es auch – gerade jetzt, wenn viele Arbeitsplätze bei Unternehmen wie VW, Bosch, Heiterblick oder DOW akut bedroht sind. Der Wechsel in die Militärsparte könnte hochwertige Industriearbeitsplätze sichern und Sachsens Wirtschaft ankurbeln.
Wir sollen ernsthaft diesen miesen militaristischen „Aufschwung Ost“ wollen? Nein, ihr Landräte, Minister und Schreiberlinge!
Nein, diese Aussichten sind ganz und gar nicht rosig: Nordhausen wird zur Waffenschmiede, in Bautzen werden nicht mehr Reisewaggons, sondern Kriegsgerät gebaut, in Großenhain eine Munitionsfabrik. Hochwertige zivile Industriearbeitsplätze werden allein gesichert, weil all die wertvollen Kompetenzen der Arbeiter künftig der einträglichen Produktion von Kriegsmaterial dienen sollen? Wie verstörend und abzulehnen ist die Aussage, dass Sachsen nicht nur ein Stück Kuchen wollen soll, sondern den Rüstungsprofit angeblich auch „brauche“? Und wollen wir das wirklich?
Der Wechsel in die Militärsparte könnte hochwertige Industriearbeitsplätze sichern und Sachsens Wirtschaft ankurbeln.
Nein, so nicht! Nicht im Osten, nicht im Westen. Nicht in Deutschland.
unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine sowie in Israel, Palästina und sonstwo, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.a