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21.05.2026

Wolfgang Borchert (1947) - Dann gibt es nur eins.pdf

aus e-mail von Irene Eckert, 20. Mai 2026, 12:45 Uhr


Dann gibt es nur eins!


Du. Mann an der Maschine und Mann in der
Werkstatt. Wenn sie dir morgen befehlen, du
sollst keine Wasserrohre und keine Kochtöpfe
mehr machen - sondern Stahlhelme und
Maschinengewehre, dann gibt es nur eins:
Sag NEIN!
Du. Mädchen hinterm Ladentisch und
Mädchen im Büro. Wenn sie dir morgen
befehlen, du sollst Granaten füllen und
Zielfernrohre für Scharfschützengewehre
montieren, dann gibt es nur eins:
Sag NEIN!
Du. Besitzer der Fabrik. Wenn sie dir morgen
befehlen, du sollst statt Puder und Kakao
Schießpulver verkaufen, dann gibt es nur eins:
Sag NEIN!
Du. Forscher im Laboratorium. Wenn sie dir
morgen befehlen, du sollst einen neuen Tod
erfinden gegen das alte Leben, dann gibt es
nur eins:
Sag NEIN!
Du. Dichter in deiner Stube. Wenn sie dir
morgen befehlen, du sollst keine Liebeslieder,
du sollst Haßlieder singen, dann gibt es nur
eins:
Sag NEIN!
Du. Arzt am Krankenbett. Wenn sie dir
morgen befehlen, du sollst die Männer
kriegstauglich schreiben, dann gibt es nur eins:
Sag NEIN!
Du. Pfarrer auf der Kanzel. Wenn sie dir
morgen befehlen, du sollst den Mord segnen
und den Krieg heilig sprechen, dann gibt es
nur eins:
Sag NEIN!
Du. Kapitän auf dem Dampfer. Wenn sie dir
morgen befehlen, du sollst keinen Weizen
mehr fahren - sondern Kanonen und Panzer,
dann gibt es nur eins:
Sag NEIN!
Du. Pilot auf dem Flugfeld. Wenn sie dir morgen
befehlen, du sollst Bomben und Phosphor
über die Städte tragen, dann gibt es nur eins:
Sag NEIN!
Du. Schneider auf deinem Brett. Wenn sie
dir morgen befehlen, du sollst Uniformen zuschneiden,
dann gibt es nur eins:
Sag NEIN!
Du. Richter im Talar. Wenn sie dir morgen befehlen,
du sollst zum Kriegsgericht gehen, dann
gibt es nur eins:
Sag NEIN!
Du. Mann auf dem Bahnhof. Wenn sie dir
morgen befehlen, du sollst das Signal zur Abfahrt
geben für den Munitionszug und für den
Truppentransport, dann gibt es nur eins:
Sag NEIN!
Du. Mann auf dem Dorf und Mann in der
Stadt. Wenn sie morgen kommen und dir den
Gestellungsbefehl bringen, dann gibt es nur
eins:
Sag NEIN!
Du. Mutter in der Normandie und Mutter in
der Ukraine, du, Mutter in Frisko und London,
du, am Hoangho und am Mississippi, du,
Mutter in Neapel und Hamburg und Kairo und
Oslo - Mütter in allen Erdteilen, Mütter in der
Welt, wenn sie morgen befehlen, ihr sollt
Kinder gebären, Krankenschwestern für
Kriegslazarette und neue Soldaten für neue
Schlachten, Mütter in der Welt, dann gibt es
nur eins:
Sagt NEIN! Mütter, sagt NEIN!
Denn wenn ihr nicht NEIN sagt, wenn IHR nicht nein sagt, Mütter, dann:
dann:
In den lärmenden dampfdunstigen Hafenstädten werden die großen Schiffe
stöhnend verstummen und wie titanische Mammutkadaver wasserleichig träge
gegen die toten vereinsamten Kaimauern schwanken, algen-, tang- und
muschelüberwest den früher so schimmernden dröhnenden Leib, friedhöflich
fischfaulig duftend, mürbe, siech, gestorben –
die Straßenbahnen werden wie sinnlose glanzlose glasäugige Käfige blöde
verbeult und abgeblättert neben den verwirrten Stahlskeletten der Drähte und
Gleise liegen, hinter morschen dachdurchlöcherten Schuppen, in verlorenen
kraterzerrissenen Straßen –
eine schlammgraue dickbreiige bleierne Stille wird sich heranwälzen,
gefräßig, wachsend, wird anwachsen in den Schulen und Universitäten und
Schauspielhäusern, auf Sport- und Kinderspielplätzen, grausig und gierig,
unaufhaltsam –
der sonnige saftige Wein wird an den verfallenen Hängen verfaulen, der Reis
wird in der verdorrten Erde vertrocknen, die Kartoffel wird auf den
brachliegenden Äckern erfrieren und die Kühe werden ihre totsteifen Beine wie
umgekippte Melkschemel in den Himmel strecken –
in den Instituten werden die genialen Erfindungen der großen Ärzte sauer
werden, verrotten, pilzig verschimmeln –
in den Küchen, Kammern und Kellern, in den Kühlhäusern und Speichern
werden die letzten Säcke Mehl, die letzten Gläser Erdbeeren, Kürbis und
Kirschsaft verkommen – das Brot unter den umgestürzten Tischen und auf
zersplitterten Tellern wird grün werden und die ausgelaufene Butter wird
stinken wie Schmierseife, das Korn auf den Feldern wird neben verrosteten
Pflügen hingesunken sein wie ein erschlagenes Heer und die qualmenden
Ziegelschornsteine, die Essen und die Schlote der stampfenden Fabriken
werden, vom ewigen Gras zugedeckt, zerbröckeln - zerbröckeln - zerbröckeln

dann wird der letzte Mensch, mit zerfetzten Gedärmen und verpesteter
Lunge, antwortlos und einsam unter der giftig glühenden Sonne und unter
wankenden Gestirnen umherirren, einsam zwischen den unübersehbaren
Massengräbern und den kalten Götzen der gigantischen betonklotzigen
verödeten Städte, der letzte Mensch, dürr, wahnsinnig, lästernd, klagend - und
seine furchtbare Klage: WARUM? wird ungehört in der Steppe verrinnen, durch
die geborstenen Ruinen wehen, versickern im Schutt der Kirchen, gegen
Hochbunker klatschen, in Blutlachen fallen, ungehört, antwortlos, letzter
Tierschrei des letzten Tieres Mensch - all dieses wird eintreffen, morgen,
morgen vielleicht, vielleicht heute nacht schon, vielleicht heute nacht, wenn - -
wenn - -
wenn ihr nicht NEIN sagt.


Quelle:
Wolfgang Borchert, Dann gibt es nur eins!
Aus: Wolfgang Borchert, Das Gesamtwerk, S. 528.
Herausgegeben von Michael Töteberg unter Mitarbeit von Irmgard Schindler.
Copyright © 2007 Rowohlt Verlag GmbH, Reinbek bei Hamburg.

                                                  _ ___ _



Wolfgang Borchert: Then There’s Only One Thing To Do! (1947)
translated by Ryan Wilcox


You. Man at the machine and man in the workshop. If they order you
tomorrow to stop making water pipes and cook pots and start making
helmets and machine guns, then there’s only one thing to do:
Say NO!
You. Girl behind the counter and girl at the office. If they order you
tomorrow to fill hand grenades and mount scopes on sniper rifles, then
there’s only one thing to do:
Say NO!
You. Factory owner. If they order you tomorrow, to sell gun powder
instead of talcum powder and cocoa, then there’s only one thing to do:
Say NO!
You. Researcher in the laboratory. If they order you tomorrow, to invent
a new death to do away with old life, then there’s only one thing to do:
Say NO!
You. Poet in your room. If they order you tomorrow not to sing love
songs, but songs of hate, then there’s only one thing to do:
Say NO!
You. Doctor at the sick bed. If they order you tomorrow to certify men
as fit for war, then there’s only one thing to do:
Say NO!
You. Minister in the pulpit. If they order you tomorrow to bless murder
and praise war as holy, then there’s only one thing to do:
Say NO!
You. Captain on the steamer. If they order you tomorrow not to
transport wheat but cannons and tanks, then there’s only one thing to
do:
Say NO!
You. Pilot at the airfield. If they order you tomorrow to carry bombs and
incendiaries over cities, then there’s only one thing to do:
Say NO!
You. Tailor at your table. If they order you tomorrow to start sewing
uniforms, then there’s only one thing to do:
Say NO!
You. Judge in your robe. If they order you tomorrow to report to the
military court, then there’s only one thing to do:
Say NO!
You. Man at the train station. If tomorrow they order you to give the
signal for the ammunition and the troop trains to depart, then there’s
only one thing to do:
Say NO!
You. Man in the village and man in the city. If they come for you
tomorrow and with your induction papers, then there’s only one thing to
do:
Say NO!
You. Mother in Normandy and mother in the Ukraine, you, mother in
Frisco and London, you, on the banks of the Huang Ho and the
Mississippi, you, mother in Nepal and Hamburg and Cairo and Oslo –
mothers in all regions on earth, mothers all over the world, if they order
you tomorrow to bear children – nurses for military hospitals and new
soldiers for new battles, mothers all over the world, then there’s only
one thing to do:
Say NO! Mothers, say NO!
Because if you don’t say NO, if YOU don’t say no, mothers, then;
then:
In the noisy port cities, hazy with steam, the large groaning ships will
grow silent, and like titanic, mammoth corpses, filled with water, they
will lethargically totter against the lifeless, lonely, algae-, seaweed-, and
shell-covered walls of the docks, the body that previously appeared so
gleaming and threatening now reaking like a foul fish cemetery, rotten,
sickly and dead –
the streetcars will be senselessly bent and dented like dull, glass-eyed
birdcages and lie like petals beside the confused, steel skeletons of the
wires and tracks, behind rotten sheds with holes in their roofs, in lost,
crater-strewn streets –
a mud-gray, heavy, leaden silence will roll in, voracious and growing in
size, will establish itself in the schools and universities and theaters, on
sport fields and children’s playgrounds, horrible and greedy and
unstoppable –
the sunny, juicy grapes will spoil on the neglected slopes, the rice will
dry up in the desolate earth, the potatoes will freeze in the plowed fields
and the cows will stretch their dead, rigid legs into the sky like upturned
milking stools –
in the institutions, the ingenious inventions of the great physicians will
become sour, rot, mold into fungus –
the last sacks of flour, the last jars of strawberries, the pumpkins and
the cherry juice will spoil in the kitchens, chambers and cellars, in the
cold storage lockers and storage areas – the bread under the upturned
tables and on splintered plates will become green and the melted butter
will smell like soft soap, the grain on the fields will have bent down to
the earth alongside rusty plows like a defeated army, and the smoking,
brick chimneys, the food and smokestacks of the stamping factories,
covered by eternal grass, will crumble, crumble, crumble –
then the last human being, clueless with slashed intestines and polluted
lungs, will wander alone under the poisonous, glowing sun and
vacillating constellations, wander lonely among immense mass graves
and cold idols of the gigantic, concrete-block, deserted cities, the last
human being, scrawny, mad, blasphemous, complaining – and his
terrible complaint: WHY? will trickle away unheard into the steppe, waft
through the burst ruins and die out in the rubble of churches, slap
against impenetrable bunkers, fall into pools of blood, unheard,
answerless, the last animal-like cry of the last animal human being –
all of this will come about, tomorrow, tomorrow perhaps, perhaps
already tonight, if – if – if – you don’t
say NO.


Source:

https://rickrozoff.wordpress.com/2012/02/02/wolfgang-borchert-only-one-thing-to-do-say-no


Info:  Download  14 Seiten https://share.google/Q5jmfkf1qdCJ5lQ7o  als PDF


unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine sowie in Israel, Palästina und sonstwo, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

21.05.2026

Mutwillig ins Elend gestürzt  Die wirtschaftlichen Verwerfungen, die die USA und Israel mit dem Irankrieg ausgelöst haben, stürzen die Länder des Globalen Südens noch mehr in Armut, Hunger und Elend. Berlin schweigt zu den Folgen der Aggression seiner Verbündeten.

german-foreign-policy.com, 21. Mai 2026, (20.05.2026, 21:30 Uhr)

WASHINGTON/BERLIN (Eigener Bericht) – Der Krieg zweier der engsten Verbündeten Deutschlands, der USA und Israels, gegen Iran stürzt zahlreiche Länder des Globalen Südens in eine tiefe Krise. Nicht nur der Ölpreisschock infolge der faktischen Sperrung der Straße von Hormuz verschärft ihre meist ohnehin schon prekäre Lage. Zudem gefährdet die Unterbrechung eines Drittels der globalen Düngemittelversorgung – dieses Volumen wurde ebenfalls durch die Straße von Hormuz transportiert – die weltweite Ernährungssicherheit und droht schon in Kürze 45 Millionen Menschen weltweit in akuten Hunger zu treiben. Gleichzeitig muss sich Afrika für einen Mangel an medizinischen Gütern wappnen, da der Kontinent einen Großteil davon über den Mittleren Osten importiert. Darüber hinaus droht der dreifache Schock aus Energie- und Nahrungsmittelkrise sowie kriegsbedingt schwächerem Wirtschaftswachstum weltweit mehr als 32 Millionen Menschen in die Armut zu treiben – vor allem in Entwicklungsländern. Die Bundesregierung, die sich gewöhnlich als Vorkämpferin für Menschenrechte und Humanität in Szene zu setzen sucht, schweigt zu den fatalen Folgen des völkerrechtswidrigen Angriffskriegs ihrer Verbündeten für den ärmeren Teil der Welt.


Zitat: Hunger

Die Unterbrechung der Düngemittellieferungen aufgrund der faktischen Sperrung der Straße von Hormuz gefährdet die weltweite Ernährungssicherheit. Durch die Meerenge wird etwa ein Drittel des weltweiten Düngemittelhandels auf dem Seeweg abgewickelt.[1] Nach Angaben der Welthandelsorganisation (WTO) ist die Lieferung von Düngemitteln wie Phosphat, Kaliumkarbonat, Ammoniak und Harnstoff durch die Meerenge seit Beginn des US-amerikanisch-israelischen Krieges gegen Iran jedoch praktisch zum Erliegen gekommen. Laut dem Vorstandsvorsitzenden von Yara, einem der größten Düngemittelhersteller weltweit, drohen aufgrund des Düngemittelmangels künftig „jede Woche bis zu zehn Milliarden Mahlzeiten auszufallen“; treffen werde es vor allem die ärmsten Länder.[2] Nach Angaben des Welternährungsprogramms der Vereinten Nationen könnten noch in diesem Jahr weltweit insgesamt 45 Millionen Menschen zusätzlich in akuten Hunger geraten. Der größte relative Anstieg wird in Asien und in der Pazifikregion erwartet, wo die Ernährungsunsicherheit um 24 Prozent zunehmen dürfte. Die schwerwiegenden Folgen der Düngemittelknappheit werden dabei noch nicht in den kommenden Monaten sichtbar werden, sondern erst gegen Ende des Jahres, wenn die Ernten, die auf die Aussaat in diesem Frühjahr folgen, geringer ausfallen als erwartet.


Keine Medikamente

Die Störung des regionalen Handels wirkt sich auch auf die medizinische Versorgung aus, wobei Afrika am stärksten betroffen ist. Der Kontinent importiert mehr als 70 Prozent seiner Medikamente und mehr als 90 Prozent seiner pharmazeutischen Wirkstoffe.[3] Dabei dient der Mittlere Osten, der an der Schnittstelle zwischen Asien und Afrika liegt, als wichtigstes Tor für die Versorgung afrikanischer Länder mit Medikamenten. In Dubai musste das Logistikzentrum der Weltgesundheitsorganisation (WHO), das mehr als 150 Länder weltweit mit Medikamenten versorgt, zu Beginn des Irankriegs aufgrund der Sperrung des Luftraums Lieferungen stornieren und die Routen für die Lieferung von Hilfsgütern neu festlegen. Die Umstellung der Transportwege vom Luft- auf den Straßentransport hat jedoch sowohl Zeit gekostet als auch Preissteigerungen bei lebensrettenden Medikamenten verursacht, insbesondere bei Cholera-Hilfsgütern, deren Transport nun 70 Prozent teurer ist als bisher.[4] Insgesamt ist von einer Kostenexplosion bei Medikamenten um 20 Prozent die Rede. Viele afrikanische Länder arbeiten nach dem Just-in-time-Prinzip und produzieren oder lagern nicht mehr als nötig. Im Tschad beispielsweise sind in der östlichen Provinz Ouaddaï nur genug Cholera-Medikamente für etwa 100 Menschen vorrätig.


Armut

Laut einem im April veröffentlichten Bericht des Entwicklungsprogramms der Vereinten Nationen (UNDP) könnten infolge des dreifachen Schocks aus Energie- und Nahrungsmittelkrise sowie schwächerem Wirtschaftswachstum weltweit mehr als 32 Millionen Menschen in die Armut stürzen.[5] Etwa die Hälfte des weltweiten Anstiegs der Armut dürfte sich auf eine Gruppe von 37 Nettoenergieimportländern in Afrika, Asien und der Inselwelt im Indischen und Pazifischen Ozean konzentrieren, heißt es in dem Bericht. Darüber hinaus erklärt das UNDP, das sich dem Kampf gegen die Armut widmet, der Krieg mache auch die bei der Armutsbekämpfung bereits erzielten Fortschritte zunichte. „Es wird dauerhafte Auswirkungen geben, insbesondere in den ärmeren Ländern, wo Menschen zurück in die Armut gedrängt werden“, konstatiert der UNDP-Administrator und ehemalige Premierminister Belgiens, Alexander De Croo. Anfang April warnte die Generaldirektorin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Kristalina Georgieva, der Irankrieg werde die Weltwirtschaft dauerhaft schädigen.[6] In einer Rede, die sie eine Woche vor der jährlichen Frühjahrstagung des IWF in Washington hielt, konstatierte Georgieva, „selbst unser optimistischstes Szenario“ beinhalte „eine Herabstufung des Wachstums“. Sie fügte hinzu, man wisse „nicht wirklich …, was die Zukunft bringt“, und ergänzte: „Was wir wissen, ist, dass das Wachstum langsamer sein wird – selbst wenn der neue Frieden von Dauer ist.“


Wanderarbeiter in Gefahr

Darüber hinaus bedrohen die durch den Krieg gegen Iran verursachten Störungen der Wirtschaftstätigkeit in den Staaten der Arabischen Halbinsel die Existenz von Millionen südasiatischer Wanderarbeiter und deren Überweisungen in Höhe von Hunderten von Milliarden US-Dollar, die sie jedes Jahr in ihre Heimatländer schicken.[7] Besonders gefährdet sind in den arabischen Golfstaaten Arbeitsplätze ausgerechnet in Sektoren, die einen hohen Anteil an Arbeitsmigranten haben – das Baugewerbe, das Gastgewerbe, der Tourismus, das Gesundheitswesen. Indien ist die wichtigste Herkunftsquelle für ausländische Arbeitskräfte in der Golfregion, wo mehr als neun Millionen Inder leben und arbeiten und im Jahr 2025 fast 40 Milliarden US-Dollar an ihre Familien in ihrem Heimatland überwiesen. Bangladesch und Pakistan folgen mit jeweils rund fünf Millionen Arbeitskräften auf der Arabischen Halbinsel. Während sich die Überweisungen nach Pakistan im Jahr 2025 auf 38 Milliarden US-Dollar beliefen, lag der Betrag für Bangladesch bei 30 Milliarden. Bislang sind die meisten südasiatischen Arbeiter in der Golfregion geblieben; sie haben aber in vielen Fällen ihre Arbeitsplätze verloren oder drohen dies zu erleiden, wenn sich der Krieg noch über Monate in die Länge zieht. Laut einem im März veröffentlichten Bericht von Capital Economics, einem in London ansässigen Analyseunternehmen, könnten ihre Überweisungen um insgesamt rund 30 Prozent sinken, sollte sich der Krieg über drei Monate hinziehen und die Energieinfrastruktur der Region schwer beschädigen. In Südasien fehlten dann bitter benötigte Milliardensummen.


Schuldenkrise

Der Krieg gegen Iran birgt nicht zuletzt die Gefahr, einen Anstieg der globalen Verschuldung auszulösen und Regierungen zu zwingen, sich zwischen der Dämpfung der Lebenshaltungskosten und der Aufrechterhaltung solider öffentlicher Finanzen zu entscheiden, warnte der Internationale Währungsfonds (IWF) im April. „Der Ausbruch des Krieges im Nahen Osten hat der ohnehin angespannten globalen Lage eine neue Quelle für finanzpolitischen Druck hinzugefügt“, heißt es in einem IWF-Bericht.[8] Der Anstieg der Importkosten aufgrund höherer Energie-, Düngemittel- und Lebensmittelpreise dürfte die Leistungsbilanz- und vor allem auch die Haushaltsdefizite der Importländer vergrößern und ihre Devisenreserven unter Druck setzen. Für Indien wird sich das Leistungsbilanzdefizit im aktuellen Haushaltsjahr, das im März 2027 endet, voraussichtlich von 0,9 Prozent auf 2,5 Prozent des gesamten Bruttoinlandsprodukts (BIP) mehr als verdoppeln.[9] Ähnlich sieht es in vielen anderen Ländern Asiens, Afrikas und Lateinamerikas aus, wo die Regierungen gezwungen sind, entweder Zölle auf Ölimporte auszusetzen, um die Verbraucher zu entlasten, oder zusätzliche Auslandsschulden aufzunehmen. Ersteres würde die Staatseinnahmen verringern; dann stünde weniger Geld für lebensnotwendige Güter wie Medikamente zur Verfügung. Letzteres hätte einen ähnlichen Effekt – nur mit dem Unterschied, dass die Wirkung vor allem langfristig spürbar wäre.[10]

 

[1] Shawn Yuan, Jiraporn Sricham: It's not just oil: Iran war also threatens Asia's food security. bbc.com 01.05.2026.

[2] Simon Jack: Billions of meals at risk due to Iran war, says fertiliser boss. bbc.co.uk 01.05.2026.

[3] Mideast war threatens Africa's supply of humanitarian medicine. france24.com 09.04.2026.

[4] Emma Farge: Cholera aid for African countries stalled by Iran conflict. reuters.com 27.03.2026.

[5] Richard Partington: Iran war could plunge 32 million into poverty, says United Nations. theguardian.com 13.04.2026.

[6] Richard Partington, Julia Kollewe: Head of IMF says Iran war will permanently scar global economy even if peace is reached. theguardian.com 09.04.2026.

[7] Wesley Rahn: Iran war puts South Asia's Gulf remittances at risk. dw.com 24.03.2026.

[8] Richard Partington: Economic shock from Iran war risks driving up global debt levels, says IMF. theguardian.com 15.04.2026.

[9] Jaspreet Kalra, Nimesh Vora: India races to shield economy from Iran war-driven oil shock, capital stress. reuters.com 13.05.2026.

[10] Tim Jones: What has Iran got to do with the debt crisis? debtjustice.org 05.05.2026.


Info: https://www.german-foreign-policy.com/news/detail/10410


unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine sowie in Israel, Palästina und sonstwo, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.


unser weiterer Kommentar: Grenzüberschreitende Kriege, die in einer global vernetzten Welt immer auch übergreifende globale Folgeauswirkungen für die meisten Zivilgesellschaften mit sich bringen, sind m. E. dann auch im völkerrechtlichen Sinne als "Globalgenozid" zu bezeichnen. An ebensolchem Globalgenozid sind wir dann bereits beteiligt. 

21.05.2026

Trump vergleicht sich mit Trump FAZ, 21.05.2026, Seite 15

Screenshot_2026_05_22_at_06_05_45_Trump_vergleicht_sich_mit_Trump_FAZ_21.05.2026_S._15.pdf

Screenshot_2026_05_22_at_06_13_01_Trump_vergleicht_sich_mit_Trump_FAZ_21.05.2026_S._15.pdf


unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine sowie in Israel, Palästina und sonstwo, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.


unser weiterer Kommentar: Ist das Ausdruck des Zeitgeistgespürs und des Opportunismus, sich auch mit solchen Persönlichkeiten ins Benehmen zu setzen um auch bei dynamischen Prozessen stets auf der Gewinnerseite zu sein oder auch Ausdruck eines Stockholmsyndroms.

Beides jedenfalls verleiht jenen Einfluss, der Macht besessen und berauscht vom eigenen Größenwahn macht und diese zu blinder Zerstörung führt. 




Weiteres:




Paul Mason: „Faschismus. Und wie man ihn stoppt“ Angst vor der Freiheit

deutschlandfunkkultur.de, vom 21.05.2022,  Von Ingo Arend 

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© Suhrkamp


Paul Mason

Aus dem Englischen von Stephan Gebauer

Faschismus. Und wie man ihn stopptSuhrkamp, Berlin 2022

443 Seiten

20,00 Euro

Von Ingo Arend 


Audio herunterladen  https://download.deutschlandfunk.de/file/dradio/2022/05/21/buchkritik_faschismus_von_paul_mason_drk_20220521_1130_373fa370.mp3 Dauer 6:03 Min.


Paul Masons „Faschismus“ ist eine kluge Warnung vor den Gefahren eines neuen Faschismus. Ein wirksames Mittel dagegen hat aber auch der britische Journalist bisher nicht gefunden.


„Nie wieder Faschismus.“ Seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges gehört dieser Slogan zum rhetorischen Repertoire der Manifestationen gegen rechts. Die Vehemenz, mit der er skandiert wird, kompensiert freilich oft die Hilflosigkeit seiner Rufer. Das Aufkommen einer Bewegung, die dem Faschismus verblüffend zu ähneln beginnt, hat der Slogan nicht aufhalten können.

Die Sorge vor der Wiederkehr eines totgeglaubten Gespenstes treibt auch Paul Mason um. „Der Faschismus ist zurück“, konstatiert der britische Journalist – langjähriger Autor des linksliberalen „Guardian“, Marxist und Aktivist, Jahrgang 1960 – in seinem jüngsten Buch.

Verglichen mit seinen viel beachteten Vorgängerwerken „Postkapitalismus“ von 2016 und „Klare, lichte Zukunft. Eine radikale Verteidigung des Humanismus“, das 2019 erschien, entwickelt Mason in seinem jüngsten Werk ein düsteres Szenario.

Eine neue Internationale von rechts

Von der AfD in Deutschland über Viktor Orbán in Ungarn bis zu Jair Bolsonaro in Brasilien reicht für Mason die neue Internationale der Rechten. Sie machen Jagd auf Migranten, bedrohen Richter- und Politiker:innen, gründen bewaffnete Geheimbünde.

Die dramatischen Szenen in Washington, wenige Monate nach der Wahlniederlage Donald Trumps sieht Mason als „Wendepunkt“. Er schreibt: „Der Sturm auf das Kapitol im Januar 2021 ist ein Lehrbeispiel dafür, dass Konservatismus, Rechtspopulismus und Faschismus begonnen haben, bewusst miteinander zu interagieren“.


Linktipp: In der DLF-Sendereihe „Essay & Diskurs“ beschäftigte sich Paul Mason 2016 mit den Krisen des Kapitalismus. Sein Manuskript können Sie hier lesen (https://www.deutschlandfunk.de/re-das-kapital-4-6-der-niedergang-des-kapitalismus-100.html).


Um zu verstehen, wie es soweit kommen konnte, geht Mason in die Geschichte zurück: Er zeichnet noch einmal die Terrormethoden nach, mit denen Hitler und Mussolini im Gefolge der Weltwirtschaftskrise zu Beginn des 20. Jahrhunderts die Macht eroberten. Er zeigt die ideologischen Parallelen zwischen damals und heute auf: die Orientierung an dem Neuen Menschen Ernst Jüngers und Friedrich Nietzsches oder dem Vitalismus eines Henri Bergson.

Die Kumulation der Krisen heute, so sein Argument, schaffe einen ähnlichen Nährboden wie in der europäischen Zwischenkriegszeit: der Zusammenbruch des neoliberalen Wirtschaftsmodells nach der Finanzkrise von 2009, die neuen Technologien, die Umweltkatastrophe und schließlich die Pandemie.

Der Vernichtungswunsch wird relativiert

Gerade weil Mason diesen Prozess der sozialökonomischen Desintegration für die Renaissance des Faschismus verantwortlich macht, verwundert dann seine zentrale Definition für diesen Angstgegner: „Der Faschismus widerlegte die orthodoxe marxistische Doktrin (…) Bedeutsamer als jeder spezifische Klassengegensatz ist ein menschlicher Antagonismus: Der Wunsch nach Freiheit, der durch Furcht vor der Freiheit gehemmt wird, wann immer sie in greifbare Nähe rückt“.

Dieser Wunsch mag die Vehemenz erklären, mit der sich Rechtsextreme gegen die Rechte von Indigenen, der LGTB+-Community oder der People of Colour stemmen. Doch indem Mason den Faschismus damit zur sozialpsychologischen Disposition erklärt, relativiert er das vorsätzlich Eliminatorische des Faschismus zu einer Art Präventionsreflex.

Einst ging es um die Auslöschung der Juden. Heute, so schreibt Mason selbst, gehe es um den globalen, ethnoreligiösen Bürgerkrieg, der die angeblich bedrohte, „Weiße Rasse“ in ihre alten Rechte einsetzen soll.

Hoffen auf eine neue Volksfront

Masons Buch ist mehr ein Essay im Angesicht einer großen Gefahr als ein wissenschaftliches Werk. Politische Mahnungen wechseln ab mit historischen Exkursen, Fallbeispiele mit philosophischen Impromptus, Appelle stehen neben Analysen.

Als intelligente Warnung vor dem Rechtsextremismus als Brandbeschleuniger eines neuen Faschismus mag sein leidenschaftlich, mitunter etwas atemlos geschriebenes Buch mit vielen griffigen Formulierungen durchgehen. Ein kohärentes Programm gegen den „neuen Faschismus“ hat aber auch Mason nicht anzubieten.

Zur Abwehr eines neuen „Bündnisses von Elite und Mob“, wie Hannah Arendt den Faschismus einst beschrieb, setzt der Autor auf eine neue Volksfront. So wie die Formation, die im Frankreich des Jahres 1934 kurzzeitig den Sozialisten Léon Blum an die Macht brachte.

Dafür müsste die Linke, so appelliert Mason, die liberale Mitte aber als Bündnispartner begreifen, statt sie als Hauptfeind zu verteufeln. Dazu müsste der organisierte Liberalismus selbst aber auch nach links rücken. Wer sich erinnert, wie ein FDP-Politiker mithilfe der AfD zu Thüringens Ministerpräsident gewählt wurde, ahnt, wie mühsam diese Trendwende zu bewerkstelligen sein wird.

Ähnlich verhält es sich mit dem „Green New Deal“ der linken US-Demokratin Alexandria Ocasio-Cortez. Durch Umweltschutz entstandene neue Arbeitsplätze könnten für Mason den Neuen Rechten das Wasser abgraben. Aber Joe Manchin, Cortez‘ zentristischer Parteifreund im US-Senat, erteilt dem Öko-Pakt regelmäßig eine Absage.

Und wenn Mason am Ende dann schließlich Slogans wie „Antifaschismus als Ethos“ und „Wehrhafte Demokratie 2.0“ intoniert, klingt das nach dem guten, alten: Nie wieder!


Info: https://www.deutschlandfunkkultur.de/paul-mason-faschismus-kritik-102.html


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RE: Das Kapital (4/6)Der Niedergang des Kapitalismus


Marx hielt den Sieg des Proletariats für unvermeidlich. Doch wie lange wird es dem Kapitalismus noch gelingen, seinen Niedergang zu verhindern? Mit dieser Frage befasst sich der Wirtschaftsjournalist Paul Mason im vierten Teil der Sendereihe „Das Kapital“.

Von Paul Mason | 04.12.2016



Wie lange wird es dem Kapitalismus noch gelingen, seinen Niedergang zu verhindern? (imago/UPI Photo)


Warnungen über die explosiv wachsende Ungleichheit und Mutmaßungen über das Ende des Kapitalismus werden schon längst nicht mehr nur von stehengebliebenen Sozialisten, sondern unter den Eliten der Weltwirtschaftsgipfel diskutiert. Grund genug, „Das Kapital“ noch einmal gründlich zu lesen.

Sechs Autoren – Soziologen, Publizisten, Politiker, Philosophen – haben das für den Deutschlandfunk getan. Ausgehend von jeweils einem Kapitel des Werkes ziehen sie in „Essay und Diskurs“ Linien in die Gegenwart und denken über Aktualität und Grenzen der Marxschen Theorie nach – nicht marxologisch, nicht akademisch, sondern um ihre Brauchbarkeit zu untersuchen, und das durchaus subjektiv, essayistisch und mit Gegenwartsbeobachtungen durchsetzt. Ihren Blick richten sie auf die politischen Möglichkeiten der Gegenwart, denn darauf, so Marx, kommt es an: die Welt nicht nur zu interpretieren, sondern sie zu verändern.

Der Autor Paul Mason fragt, wie lange es dem Kapitalismus noch gelingt, seinen Niedergang zu verhindern. Er ist ein vielfach ausgezeichneter englischer Fernsehjournalist, arbeitete lange für die BBC und leitet heute die Wirtschaftsredaktion von Channel 4 News.

Teil 5 der Sendereihe folgt am 11. Dezember 2016.


Das komplette Manuskript zum Nachlesen:

Marx‘ Darstellung im Kapital ist, was ein Ende des Kapitalismus angeht, ergebnisoffen. Zwar betont er an vielen Stellen die grundsätzliche Krisenhaftigkeit des Kapitalismus; zwar benennt und untersucht er in allen drei Bänden mögliche Krisenmomente – aber eben auch die Mechanismen ihrer Überwindung und des fortgesetzten Wachstums.

Allerdings gerät der Kapitalismus in Marx‘ Analyse immer stärker an Schranken: Weil er die Naturausbeutung überzieht, weil die Ersetzung von menschlicher Arbeit durch Maschinen und Automaten, unter Bedingungen der Profitmaximierung, Arbeitslosigkeit und Verelendung produziert, weil im Kapitalismus Zweck und Mittel verkehrt sind, weil „die Produktion nur Produktion zur Selbstverwertung des Kapitals ist“, wie er schreibt, und nicht „Mittel für einen sich stets erweiternden“ Wohlstand der Gesellschaft. Kurz: weil die Produktionsverhältnisse – die Profitproduktion – die Produktivkräfte fesseln.

Wachstumskräfte erlahmen

Seit den 60er-Jahren erlahmen nun in den Ländern des entwickelten Kapitalismus zunehmend die Wachstumskräfte, spekulative Blasen und daraus folgende Krisen waren die Folge. Gleichzeitig stehen wir vor einer neuen Phase der industriellen Entwicklung. Produktion 4.0, Internet der Dinge, smarte Häuser – das sind die Schlagwörter, mit denen wir auf die kommende Welle der Automation vorbereitet werden. Befürchtungen kommender Arbeitslosigkeit, andauernde Krise der Profitabilität, ein Überschuss an spekulativem Kapital – angesichts dieser Konstellation kommt nicht nur unter eingefärbten Linken, sondern auch aus dem Kreise der Wirtschaftseliten die Frage nach dem Ende des Kapitalismus auf. Und in den Nischen der stagnierenden Produktionsweise entstehen alternative Formen des Wirtschaftens, teils als Reaktion auf die Krise, teils aus Unbehagen an einer ökologisch und sozial zerstörerischen Wachstumswirtschaft.

Wie spielen Ökonomie und Technologie heute ineinander – welche Krisenelemente, vor allem aber auch welche neuen Möglichkeiten zur Überwindung des Kapitalismus stecken in der Informationstechnologie? Das ist das Thema in Paul Masons Buch Postkapitalismus. Der englische Publizist, Ökonom und Berater des Labour-Party-Vorsitzenden Corbyn hat es in diesem Jahr veröffentlicht. Kritiker verspürten bei der Lektüre einen „Zündfunken für die Vorstellungskraft“.

Aufstieg der Informationstechnologie

Im nun folgenden vierten Teil unserer Reihe interpretiert Paul Mason den Aufstieg der Informationstechnologie im Lichte des „Gesetzes des tendenziellen Falls der Profitrate“ im dritten Abschnitt im dritten Band des Kapitals: Marx und die Maschinen.

1602 schrieb Galileo Galilei eine Abhandlung über die Funktionsweise von Maschinen. Angeregt dazu hatte ihn die Beobachtung, dass die Ingenieure seiner Zeit oft Maschinen bauten, die nicht funktionierten, Galileo wollte herausfinden, warum das so war.

Sein Ergebnis lautete: „Diese Werkmeister waren fest davon überzeugt, dass Maschinen mit einem kleinen Krafteinsatz große Gewichte bewegen und heben können.“

Auf 30 Seiten konzentrierter Mathematik bewies Galileo dann ein grundlegendes Prinzip der Physik: Maschinen verstärken nicht die Kraft, sondern transformieren sie. Es gibt keine geheimnisvollen physikalischen Kräfte im Inneren von Maschinen.

175 Jahre nach Galileo, in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts, begann der Aufstieg des Industriesystems. Damals glaubten viele Ökonomen, dass Maschinen Wert schöpfen. Adam Smith entmystifizierte diesen Glauben. Nach seiner Arbeitswerttheorie fügen Maschinen dem Produkt keinen Wert zu: Sie geben lediglich den Wert der Arbeit, die zu ihrer Herstellung nötig war, in kleinen Portionen an die Produkte weiter.

Nicht nur physikalisch, auch ökonomisch wirken also keine geheimnisvollen Kräfte im Inneren von Maschinen.

100 Jahre nach Smith fiel es dann Karl Marx zu, die Frage zu beantworten, die aus Smiths Erkenntnis folgte: Was lässt den Reichtum von Industriegesellschaften wachsen, wenn es nicht die Maschinen sind? Marx‘ Antwort hieß, wie bekannt: Arbeit. Genauer gesagt: Die Mehrarbeit, die durch eine militärische Form der Organisation und den Rhythmus der Maschine aus den Arbeitern herausgepresst wird.

Die Informationsmaschine entmystifizieren

Und heute, 150 Jahre nach Marx, halten neuartige Maschinen Einzug in viele Produktions- und Lebensbereiche: Computer, Software, Netzwerke, Automaten. Die Preise dieser Informationstechnologien fielen in den letzten 30 Jahren exponentiell. Das hat den Glauben an mysteriöse, Wert setzende Kräfte im Inneren von Maschinen wieder einmal neu belebt.

150 Jahre nach der Veröffentlichung des Kapitals müssen wir uns also – jedenfalls wenn wir den Spuren von Galileo, Smith und Marx folgen wollen – an die Aufgabe machen, die Informationsmaschine zu entmystifizieren. Müssen uns fragen: Worin besteht der Wert von Information und wie beeinflusst der technologische Schub die Dynamik der kapitalistischen Wirtschaft?

Ich möchte diese Fragen aus der Perspektive des dritten Bandes des Kapitals beantworten. In ihm entwickelt Karl Marx „das Gesetz vom tendenziellen Fall der Profitrate“. Dessen Kernaussage lautet: Wenn nicht Maschinen den Produkten Wert zufügen, sondern nur die Arbeit, dann untergräbt der technische Fortschritt ab einem bestimmten Punkt den Kapitalismus.

Und meine Vermutung lautet, dass wir uns mit der Informationstechnologie diesem Punkt rasant nähern.

Warum – das hat etwas mit diesem Gesetz zu tun. Und das wiederum beruht auf der Marxschen Theorie des Mehrwerts. In ihr machte Marx eine grundlegende Unterscheidung, die für die Fabriken des 18. Jahrhunderts ebenso gilt wie für die Online-Shops des 21. Jahrhunderts: Ein Teil des eingesetzten Kapitals ist die Geldsumme, mit der ein Unternehmer Maschinen, Rohstoffe und Energie kauft. Diese setzen den Produkten keinen Wert zu, sondern geben lediglich ein Quantum ihres Werts an sie weiter – Marx nennt diesen Teil „konstantes Kapital“. Der andere Teil ist die Summe, die in den Lohn von Arbeitern fließt. Deren Arbeit schafft neuen Wert – Marx nennt diesen Kapitalanteil „Variables Kapital“.

Und diese Unterscheidung in konstantes und variables Kapital dient Marx zur Begründung der Behauptung, dass unter kapitalistischen Produktionsverhältnissen die Profitabilität des Kapitals sinken muss – jedenfalls auf lange Sicht.

Warum ist das so?

Von der Konkurrenz getrieben, müssen Unternehmer die Lohnstückkosten senken. Das probateste Mittel dazu ist es, Maschinen einzusetzen, mit denen die menschliche Arbeit produktiver wird.

Wenn nun aber, so die Marxsche Theorie, ein immer größerer Teil des investierten Kapitals für Maschinen ausgegeben wird – die keinen Wert schaffen – und ein immer kleinerer Teil für Arbeitskräfte, dann sinkt, weil allein die Arbeit die eigentliche Quelle des Profits ist, logischerweise die Mehrwert- und damit die Profitrate. Jedenfalls der Tendenz nach. Und dieser „tendenzielle Fall der Profitrate“ ist für Marx ein „Grundgesetz des Kapitalismus“.

Kein schlichtes „Zusammenbruchsgesetz“ in Marx‘ Kapital

In den vergangenen 150 Jahren waren viele Marxisten geradezu besessen von diesem Gesetz – für viele ließ es den Zusammenbruch des Kapitalismus als unabwendbar erscheinen. Aber im Kapital findet sich kein derartiges schlichtes „Zusammenbruchsgesetz“. Denn das Sinken der Profitraten, so führt Marx aus, löst Gegenmaßnahmen aus, die in ihrer Wirkung die grundlegende Tendenz, wie Marx schreibt, „durchkreuzen und aufheben“.

Ich nenne nur einige dieser „Gegenmaßnahmen“:

Wenn die Profite sinken, wenden sich die Kapitalisten neuen Märkten zu, auf denen höhere Gewinne winken. Sie senken die Kosten der Arbeit durch Lohnkürzungen und die Rekrutierung billiger Arbeitskräfte im Ausland. Die industrielle Nahrungsproduktion unterstützt diese Tendenz, denn sie senkt die Lebenshaltungskosten. Unternehmer weiten ihre Märkte aus, durch Export und Imperialismus. Sie unterlaufen die Konkurrenz mit Monopolbildung. Und schließlich und am wirksamsten: Sie machen die Maschinen, die die Produktivität erhöhen, billiger und senken so den Anteil des konstanten Kapitals am Gesamtkapital – was wiederum die Mehrwertrate steigen lässt.

Die Tendenz sinkender Profite und die Gegenmaßnahmen zu ihrer Stabilisierung spielen permanent ineinander.

Auch in der neoliberalen Ära unserer Tage lässt sich das Wechselspiel vom Sinken der Profite, vom Einsetzen und vom allmählichen Versagen der Gegentendenzen studieren:

Seit den 60er-Jahren, nach dem Ende des Nachkriegsaufschwungs, sanken allmählich die Profite in den entwickelten kapitalistischen Wirtschaften.

Mit Beginn der 80er-Jahre wurden dann die Gegentendenzen ins Werk gesetzt: In England begann die Thatcher-Ära, in Deutschland wurde die SPD-Regierung durch Helmut Kohl abgelöst. Und es setzten die von Marx beschriebenen Mechanismen ein: Der Anteil der Löhne an der Gesamtwirtschaft sank, ergo wurde die Ausbeutungsrate erhöht. Um die sinkenden Löhne zu kompensieren, stieg in den Folgejahren die private und öffentliche Verschuldung massiv an, Produktionsverlagerungen ins Ausland ermöglichten eine systematische globale Unterbezahlung der Lohnarbeiter. Globalisierung führte zu ungleichen Lohnniveaus, das senkte die Kosten für Lebensmittel, Spielzeug und Kleidung für die Arbeiter in den entwickelten kapitalistischen Nationen. Arbeitsintensive und deregulierte Formen der Produktion erlebten eine Renaissance – das ging einher mit einer Schwächung der Gewerkschaften. Das Kapital erschloss sich durch die Privatisierung gesellschaftlicher Infrastrukturen neue Profitquellen. Der Finanzsektor durchsetzte die Wirtschaft, wodurch normale Kleinanleger sich mit einem geringeren Anteil des Profits abfinden müssen und die Banken den Löwenanteil behalten.

Mit diesem Programm ist es seit 1982 gelungen, für eine Weile die Profitabilität des Kapitals wieder herzustellen – aber am Ende stand dann, nach einer Blüte von Spekulation und Betrug, 2008 die Mutter aller Finanzkrisen; und nun wird Kapital abgeschrieben durch Bankrotte, negative Zinsraten und Deflation.

Damit ist ein Punkt erreicht, an dem die profitstabilisierenden Mechanismen nicht mehr greifen. Frühere US-Finanzminister sagen langandauernde Stagnation voraus und Zentralbanker den Untergang des Systems.

Und in unseren Tagen – mit Brexit und Donald Trump – haben die Wähler in einigen westlichen Demokratien dafür gestimmt, das Modell zu verschrotten.

Information ist eine spezielle Ware

Es sieht also so aus, als erlebten wir das Ende einer Epoche. Und wieder einmal sind wir Zeugen einer Umwälzung der technischen Grundlagen des Kapitalismus. Aber diesmal scheint die Metamorphose nicht so gut zu funktionieren, wie die Leute aus dem Silicon Valley es uns weismachen wollen. Der letzte Grund dafür aber liegt nicht in den Sphären von Finanzwirtschaft, Inflation, Konsum und des internationalen Handels. Sondern in der Sphäre der Technologie selbst.

Denn die Informationstechnologie – die digitale Maschine – unterscheidet sich von allen Maschinen vor ihr.

Anders als die Maschinen aus den Zeiten von Galileo oder Marx bewirkt eine Informationsmaschine etwas anderes als eine einfache Transformation von Energie oder Material. Sie produziert Information. Und Information ist eine spezielle Ware.

Der Gebrauchswert einer Informationsmaschine besteht darin, dass sie – einmal in Form eines Siliziumchips in Betrieb genommen – andere Informationsgüter, also andere Gebrauchswerte herstellen kann, mit winzigsten Mengen von Energie und Material und ohne, dass zusätzliche Arbeit anfällt.

Wie wird sich also, so müssen sich nicht nur Marxisten fragen, die Informationstechnologie auf die Profite, ihren tendenziellen Fall und auf die entgegen wirkenden Mechanismen auswirken?

Erstens zersetzen Informationen das Preissystem. Wenn die Produktionskosten einer Ware gegen null gehen, sollte der Preis ebenfalls gegen Null tendieren – jedenfalls, wenn Markt und Wettbewerb funktionieren. Wenn die Arbeit, die man investieren muss, um etwas zu produzieren, gegen Null geht, entsteht auch kein neuer Wert.

Dinge, die unendlich kopiert oder gleichzeitig von einer unendlichen Menge von Menschen verwendet werden können, ohne sich abzunutzen, werden schließlich am Ende sehr wenig kosten – vorausgesetzt, es gibt einen freien Markt.

Nicht nur die Kosten der Software oder der IT-gestützten Dienstleistungen sind abgestürzt; auch die Kosten von Breitbandnetzen, Speichermedien und Computern sind in 15 Jahren kollabiert. Expertensysteme und 3D-Drucker erleichtern die Herstellung von Prototypen, beschleunigen so die Ingenieursarbeit und verringern deren Fehlerquote. Das senkt die Entwicklungskosten. Informationstechnik ermöglicht eine höhere Kapazitätsauslastung von Maschinen und eine nachhaltigere Verwendung von Material und Energie. Dies wiederum führt zu sinkenden Kosten von Produkten, Maschinen und Bauten.

Neue Monopolunternehmen

So ist – um nur ein Beispiel zu nennen – in 15 Jahren der Preis für die Analyse des gesamten DNA-Genoms eines Menschen von 100 Millionen Dollar auf 1.000 Dollar gefallen. Und das ist nur eine von vielen realen physischen Waren, deren Preis wegen des in ihnen enthaltenen hohen Informationsanteils zusammengebrochen ist.

Die Antwort des Kapitalismus auf diese Diskrepanz zwischen Arbeitswert und Geldpreis – anders gesagt: Auf diesen Überfluss – ist es natürlich, große Monopole zu schaffen, mit denen sich Marktpreise weit über den Produktionskosten stabilisieren lassen.

So ist – wenn man die Arbeitswerttheorie zugrunde legt – in einem Musiktitel, den ich herunterlade, auf spektakuläre Weise weniger gesellschaftliche notwendige Arbeitszeit vergegenständlicht, als es die 99 Cent ausdrücken (können), die iTunes uns dafür abnimmt: Ja, sogar spektakulär weniger, als der Betrag, auf den man käme, wenn man die 9,99 Euro zugrunde legt, die Spotify für unbegrenzte Zugriffe berechnet.

Monopole einer Größenordnung, die selbst in den Vereinigten Staaten vor 1914 nicht vorstellbar waren, schützen das geistige Eigentum der Firmen, halten die Preise hoch, unterdrücken die Marktkräfte im IT-Sektor.

Im Zeitraum von bloß 15 Jahren entstanden so Apple, Google, Samsung, Amazon, Microsoft, Facebook, What'sApp – Monopolunternehmen, deren Bewertung jede mögliche Vorhersage zukünftiger Erträge übersteigt.

Informationstechnologie untergräbt Verhältnis von Arbeitszeit und Lohn

Nicht nur das: Diese neuen IT-gestützten Monopole privatisieren unaufhaltsam nicht-marktgängige Lebensbereiche und verwandeln unsere Freizeit in ihren Profit – wie wir es mit Uber, Airbnb, Facebook und so weiter erleben. In ihren Netzwerken entstehen völlig neuartige Informationsgüter: Enorme Datenmengen, die Kunden, Nutzer öffentlicher und privater Dienste und Bürger liefern, die nun von großen Informationsmonopolisten und staatlichen Instanzen angeeignet und ausgebeutet werden.

Informationstechnologie, das ist die zweite große Auswirkung, ermöglicht dezentrales Produzieren bei zentralisierter Kontrolle. Damit löst sie die hierarchischen und zwanghaften Organisationsmodelle ab, auf denen die kapitalistische Industrie seit 240 Jahren beruhte. Zugleich aber schleift sie damit die Grenzen zwischen Arbeitszeit und Freizeit und untergräbt so das Verhältnis von Arbeitszeit und Lohn. Nun stehen wir dem Betrieb auch in der Zeit zur Verfügung, die eigentlich unserer Erholung dienen sollte. Bei Marx heißt das: Erhöhung der Ausbeutungsrate.

Aber stärker als all diese Methoden, die Ausbeutungsrate zu erhöhen und die Kosten für Arbeitskräfte zu senken, wird in letzter Instanz eine andere Wirkung von IT sein: Sie wird in vielen Produktionsprozessen Arbeiter weitgehend durch Maschinen ersetzen – auch in der Informationstechnologie selbst.

Eine superarme, politisch ohnmächtige Arbeiterschicht

Die technologische Arbeitslosigkeit hat schon jetzt zu arbeitsintensiven Dienstleistungssektoren geführt, in denen Menschen mit Mindestlöhnen oder noch schlechter bezahlt werden: Das neue Prekariat der Lieferdienste, des Pizza-Service oder der Kaffee-Shops; die Frauen, die unsere Nägel lackieren; die Migranten ohne Pass, die Autos billiger reinigen als die automatische Waschanlage.

Kurzum all das, was nicht nur der Anthropologe David Graeber „Scheißjobs“ nennt – Millionen von Jobs, die es beim Stand der Technik eigentlich nicht mehr geben müsste. Mit dieser superausgebeuteten neuen Dienstbotenklasse, mit Schwarzarbeitern, Migranten und Arbeitslosen, wächst so eine superarme, politisch ohnmächtige Arbeiterschicht.

Wohin wird diese Entwicklung führen?

In den Vorarbeiten zum Kapital stellt Marx ein Gedankenexperiment an. Er stellt sich eine Maschine vor, die nichts kostet. Was, so fragt er, wäre die Konsequenz?

Es wäre dasselbe, so sagt er, als wenn eine Maschine ewig halten würde. Sie würde dann Güter herstellen, aber den konstanten Kapitalanteil sinken lassen und so den Mehrwert steigern – „ohne, dass es das Kapital auch nur das Geringste kostete“.

Aber es gibt, so denkt Marx weiter, noch zwei andere „Maschinerien“, sprich produktive Kräfte, die das Kapital nichts kosten. Das eine ist die Arbeitsteilung – zehn kooperierende Arbeiter schaffen mehr als zehn vereinzelte. Das andere ist die Wissenschaft: als wissenschaftliche Betriebsorganisation und als technologischer Fortschritt.

Marx stellt sich dann eine Volkswirtschaft vor, in der Wissen zur wichtigsten Produktivkraft geworden ist. Eine Gesellschaft, in der die Wertschöpfung in hohem Maße sowohl von den Ergebnissen der Wissenschaft wie vom gesellschaftlich geteilten Wissen, sprich vom Bildungsniveau der gesamten Gesellschaft, bestimmt wird. In einer solchen Gesellschaft würde, so Marx, „die Schöpfung des Reichtums unabhängig von der auf sie angewandten Arbeitszeit“.

Eine Maschine, die nichts kostet, aber ewig hält

Und dann kommt die radikale Schlussfolgerung: Wissen und Kommunikationsdichte einer Gesellschaft sind, wie Marx schreibt „für das Kapital nur Mittel [...] In fact aber sind sie die materiellen Bedingungen, um den Kapitalismus in die Luft zu sprengen“.

Eine Maschine, die nicht verschleißt, die Kooperation steigert, kaum Kosten verursacht und die kapitalistische Verwertungslogik sprengt – für Marx im Jahre 1857 war das ein Gedankenexperiment, eine Metapher für eine vollständig verwissenschaftlichte Produktion. In unseren Tagen wird das in vielen Bereichen zunehmend zur Realität.

Von der Notwendigkeit der Konkurrenz und einer fallenden Profitrate getrieben, können die Kapitalisten nicht anders, als eine technische Entwicklung zu befördern, die entwicklungsnotwendig in Richtung der „Maschine, die nichts kostet, aber ewig hält“ führt. Auch wenn diese Maschine nur der Fluchtpunkt der Entwicklung ist, so lässt Informationstechnik schon heute den Tauschwert einiger Produkte exponentiell fallen und macht einige ganz umsonst.

Damit steigt die Differenz zwischen den Produktionskosten und dem Verkaufspreis – ob es nun um Musiktitel oder wissenschaftliche Aufsätze geht, um Güter mit einem hohen Anteil an wissenschaftlichem Wissen, wie es patentgeschützte Medikamente sind, oder um solche, in denen viel Marketing-Wissen steckt, wie Turnschuhe.

Das ist für Monopolkapitalisten eine feine Sache. Aber gleichzeitig verschärft diese Tendenz den Widerspruch zwischen technischen Produktivkräften und gesellschaftlichen Produktionsverhältnissen, genauso, wie Marx es voraussah.

Marx hat seine Gedanken über die revolutionären Folgen einer „Maschine, die nichts kostet“, nicht in sein Kapital aufgenommen. Schien sie ihm zu kühn, zu weit vorgreifend? Nur in einem Satz im ersten Band, am Ende des Kapitels über die immer größere und leistungsstärkere „Maschinerie“ der kapitalistischen Wirtschaft, scheint dieser Gedanke kurz auf, Zitat:

„Mit der Konzentration des Kapitals und der Alleinherrschaft des Fabrikregimes [...] reifen die Widersprüche und Antagonismen des Produktionsprozesses in seiner kapitalistischen Form, daher gleichzeitig die Bildungselemente einer neuen und die Umwälzungsmomente der alten Gesellschaft.“

Die „Bildungselemente einer neuen und die Umwälzungsmomente der alten Gesellschaft“ – zu denen gehörte für Marx nicht nur Technik und Wissenschaft, sondern auch die Bildung einer klassischen, sozialistischen Arbeiterklasse, die unter dem Druck des Fabriksystems Kooperation und Solidarität gelernt hat. Diese gewerkschaftlich organisierte, hoch qualifizierte klassenbewusste Arbeiterklasse gehört – jedenfalls bei uns – der Vergangenheit an. Aber mit dem Aufkommen einer auf Informationstechnologie ruhenden Ökonomie erhält der Widerspruch zwischen den Produktivkräften und ihrer kapitalistischen Form eine neue Gestalt:

Einerseits sind die großen Kapitale bestrebt, sich alle unsere freie Zeit und unser Wissen zu unterwerfen, sie ökonomisch zu kolonisieren. Sie bedienen sich dabei der Informationstechnologie zur Intensivierung, Kontrolle und Verbilligung der Arbeit, zur Monopolisierung ihrer „geistigen Eigentumsrechte“ und zur Ausbeutung der Konsumentendaten. So gibt es jetzt massenhaft billige Maschinen nur zu dem Zweck, Menschen zu zwingen, bis an die Grenzen ihrer körperlichen und geistigen Belastbarkeit zu arbeiten – aber keinen Anreiz, die Arbeitsaufgaben zu automatisieren, sodass technisch überflüssige Arbeitsplätze verschwinden können.

Räume, in denen wir uns der ökonomischen Rationalität verweigern können

Gleichzeitig aber stärkt die Informationstechnologie die „Bildungselemente einer neuen Gesellschaft“: den Aufstieg von Sektoren einer „Nicht‑Marktwirtschaft“. Zunächst im Reich der Information. In Netzwerken, in denen kostenlose Güter kommerziell erzeugte verdrängen.

Wikipedia ist ein Raum, der nicht kommerziell genutzt werden kann. Informationsnetzwerke, Wörterbücher, Betriebssysteme, Wissensbanken aller Art ermöglichen den Aufstieg von nicht-marktwirtschaftlichen Produktionsformen: Genossenschaftsbanken, Kooperativen von Produzenten und Konsumenten, Tauschökonomien, Dienstleistungsringe, Energieversorgungsunternehmen in Bürgerhand, die mit Hilfe von Netzwerktechnologien aufgebaut werden. In solchen Pionierunternehmen entstehen Räume, in denen wir uns der ökonomischen Rationalität widersetzen und verweigern können.

Auch wenn wir noch nicht „morgens jagen, nachmittags fischen, abends Vieh züchten und nach dem Essen kritisieren“, wie der junge Marx seine Utopie formulierte, so haben viele von uns inzwischen so viel von dieser freien Zeit – auch als Folge der Automatisierung –, dass es nicht nur eine ganze Menge nicht-kommerzieller kooperativer Güter gibt, sondern auch Aktivisten ihrer Durchsetzung.

Diese ersten Gehversuche einer kooperativen Wirtschaftsweise und einer Allmendeproduktion – also der Bereitstellung allgemeiner, von allen nutzbarer Güter – werden aber auf Dauer nur Bestand haben, wenn der Staat das Umfeld für diese neuen Formen wirtschaftlichen Handelns schafft. Wenn er die Monopole wieder einfängt und intelligente Netzwerke in Energieversorgung, Verkehr, Gesundheitswesen in seiner Regie behält.

Technologisch sind wir auf dem Weg zu kostenlosen Gütern, nichtmessbarer Arbeit, exponentiellen Produktivitätszuwächsen und der umfassenden Automatisierung physikalischer Prozesse. Gesellschaftlich sind wir Gefangene einer Welt, die von Monopolen, Ineffizienz, den Ruinen eines vom Finanzsektor beherrschten freien Markts und der Ausbreitung von „Bullshit-Jobs“ geprägt ist.

Herrschende Formen des Eigentums und der Organisation infrage stellen

Der wesentliche innere Widerspruch des modernen Kapitalismus ist der zwischen der Möglichkeit kostenloser, im Überfluss vorhandener Allmendeprodukte und einem System von Monopolen, Banken und Regierungen, die versuchen, ihre Kontrolle über die Macht und die Informationen aufrechtzuerhalten. Mit anderen Worten: der Krieg zwischen Netzwerk und Hierarchie.

Im 20. Jahrhundert begingen viele Marxisten den Fehler, den schlussendlichen Niedergang des Kapitalismus von seinen Krisen zu erwarten. Das führte zu einer Abfolge von Fehlprognosen, hinter denen die grundsätzliche Behauptung von Marx, die im dritten Band des Kapitals erhoben wird, vergessen wurde: Die Behauptung, dass es letztlich der technische Fortschritt ist, der die Selbstzerstörungstendenzen des Kapitalismus befördert. Mit Marx‘ Worten: Dass es die Produktivkräfte sind, die die alten Produktionsverhältnisse sprengen.

Ein Marxismus für das 21. Jahrhundert sollte deshalb untersuchen, wie der technologische Wandel den Preismechanismus auflöst, die Verbindung von Lohn und Leistung immer weiter lockert und damit herrschende Formen des Eigentums und der Organisation infrage stellt.

Im dritten Band des Kapitals finden sich die Begriffe und das Muster für eine solche Theorie eines offenen und komplexen Systems, mit der man die Tendenzen und Gegentendenzen der Informationstechnologie analysieren kann: auf der einen Seite den Aufstieg gigantischer Monopole, die Tauschwert aus dem Nichts generieren, technologische Arbeitslosigkeit befördern und damit die Ausweitung der Sektoren unterbezahlter Arbeit. Auf der anderen Seite die Entstehung freier, kooperativer Geschäftsmodelle außerhalb des Marktmechanismus.

Es sind immer noch die alten Tendenzen und Gegentendenzen, die Marx analysierte, aber heute wirken sie im Morgengrauen eines neuen Zeitalters. Einem Zeitalter der befreiten Maschinen, einem Zeitalter, in dem Gebrauchswerte nicht länger Träger von Tauschwert sein müssen, einem Zeitalter, in dem an vielen Fronten die Auseinandersetzung darüber geführt werden wird, wem der Gebrauchswert der Informationsmaschinen gehört.

Marxisten fürchten sich nicht vor einem Produktionsprozess, in dem Maschinen so gut wie nichts kosten und so gut wie ewig halten. Marxisten sehen in Informationsmaschinen keine geheimnisvollen Quellen der Produktivität, wie die Zeitgenossen von Galileo und Adam Smith sie in den Maschinen sahen. Sondern das Resultat gesellschaftlicher Arbeit. Aber diese perfekten Maschinen, deren Kommen Marx vorhersah, sind unvereinbar mit dem Kapitalismus.


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    21.05.2026


    Leserinnen und Leser,


    zum 21. Mai 2026 unterbreche ich diese Blogarbeit für unbestimmte Zeit. 


    Mit gemeinwohlpazifistischem Gruß, Thomas Bauer

    21.05.2026

    Politische Ökonomie
    Erst die Sanktionen, dann die Zölle, nun der Protektionismus

    lostineu.eu, 20. Mai 2026

    Die EU kommt in der Wirtschaftspolitik immer mehr ins Schleudern. Nachdem sie sich mit ihren Sanktionen gegen Russland selbst ein Bein gestellt hat, versucht sie sich nun in Protektionismus.

    Freihandel, Liberalisierung, Globalisierung: Das war jahrzehntelang das Mantra der neoliberalen EU. Überall wurden Grenzen abgeschafft, Zölle gesenkt, Lieferketten ausgeweitet – bis nach Russland und ins hinterste China.

    Nun geht es mit voller Kraft rückwärts. Erst kamen die Sanktionen gegen Russland, mit denen sich Deutschland und die EU von günstiger Energie abgeschnitten haben – aber auch von Düngemitteln und anderen Gütern.

    Dann kamen die Zölle, z.B. auf Elektroautos made in China. Seitdem die EU ein Investitionsabkommen mit Peking gekippt hat, geht es auch in den Wirtschaftsbeziehungen bergab. Aus dem De-Risking wird ein De-Coupling.

    Dümmer als die Chinesen

    Und nun kommt auch noch der Protektionismus. Am Dienstag wurden gleich zwei neue EU-Regulierungen angenommen: Das “Screening” ausländischer Investitionen und ein verstärkter Schutz des Stahlmarktes.

    Mit der Stahl-Verordnung werden die zollfreien Einfuhrmengen auf 18,3 Mio. Tonnen pro Jahr begrenzt Dies entspricht einer Reduzierung um 47 % gegenüber den Stahlquoten 2024. Für den Rest setzt es saftige Zölle!

    Protektionismus pur, die EU ist kaum besser als China. Aber dümmer: Denn sie muß nun auch noch Düngemittel subventionieren, nachdem sie den günstigen russischen Dünger mit 50 Prozent Zoll künstlich verteuert hatte.

    Lebensmittel sind auch lost

    Deshalb droht ein neuer Bauernaufstand, außerdem könnten die Lebensmittelpreise noch mehr steigen. Denn der Irankrieg und die Schließung der Straße von Hormus haben die Düngerpreise massiv in die Höhe getrieben.

    Doch die Maßnahmen, die die EU-Kommission bekanntgegeben hat, stellen niemanden zufrieden, es gibt nicht mal genaue Zahlen. Wie in der neuen Energiekrise ist Brüssel auch in der Dünger- und Lebensmittelkrise völlig lost...

    Zum Dünger siehe auch meinen Artikel in der “taz”

    1 Comment

    1. Guido B.
      20. Mai 2026 @ 07:30

      Hauptsache, die Moral stimmt. Moment … die stimmt ja auch nicht. Ach, was solls, dann ist die EU halt autokratisch, heuchlerisch und dumm wie Brot. Hauptsache, das Führungspersonal posiert regelmäßig für coole Gruppenfotos für Social Media und die Geschichtsbücher. Looking good is more important than looking where you are going.

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    Update: Nato schießt ukrainische Drohne über Estland ab


    lostineu.eu, vom 19. Mai 2026

    Ein rumänischer F-16-Kampfjet der Nato-Luftraumüberwachung, stationiert in Šiauliai (Litauen), hat heute eine mutmaßlich ukrainische Drohne über Estland abgeschossen – ein Faktencheck.

    Estlands Verteidigungsminister Hanno Pevkur begründete die Entscheidung damit, dass die Drohne aufgrund ihrer Flugbahn abgefangen werden musste. Die Ukraine entschuldigte sich daraufhin bei Estland und allen baltischen Freunden für solche „unbeabsichtigten Zwischenfälle”. Euronews

    Estlands Verteidigungsminister hatte die Ukraine bereits wiederholt darauf hingewiesen, dass Angriffe auf russische Ziele auf Trajektorien durchgeführt werden müssen, die so weit wie möglich von NATO-Territorium entfernt sind. ClickOnDetroit

    Zur Ursache: Spekulationen und teils offizielle Eingeständnisse deuten darauf hin, dass Russland elektronische Kriegsführung einsetzt, um ukrainische Langstreckendrohnen, die eigentlich russische Ziele ansteuern, in Richtung der baltischen NATO-Staaten umzuleiten. Die Ukraine wies dies als bewusstes russisches Vorgehen zurück. Defense News

    Russland drohte seinerseits Lettland und anderen baltischen Staaten mit Vergeltung und behauptete ohne Belege, die Ukraine plane, ihr Territorium für Drohnenangriffe auf Russland zu nutzen. Die baltischen Staaten wiesen diese Behauptungen zurück. Euronews

    Ist Bonses Bewertung zutreffend?

    Das habe ich den AI-Bot “Claude” unter Verweis auf meine heutige Analyse gefragt. Hier die Antwort:

    Was der Vorfall bestätigt: Bonse hatte den Drohnenabschuss bereits als kurze Nachricht am Ende seines Artikels erwähnt und ihn als „pikant und brisant” eingestuft – diese Einschätzung erweist sich als zutreffend. Der Vorfall untermauert seine Kernthese auf mehreren Ebenen:

    Ausweitung der Kampfzone: Bonses Warnung, dass das Baltikum zur Kampfzone wird, ist durch die Ereignisse heute klar belegt. Allein in diesem Jahr gab es mehrere Vorfälle, bei denen ukrainische Drohnen in baltische NATO-Länder eindrangen und teils in kritische Infrastruktur einschlugen – darunter eine leerstehende Ölraffinerie in Lettland, ein Kraftwerksschornstein in Estland und ein See in Litauen. Defense News

    NATO in einer Zwickmühle: Dass ein NATO-Jet erstmals eine ukrainische Drohne abschießt, ist tatsächlich ein historischer Einschnitt. Es zeigt, dass die Allianz nicht länger passiv zusehen kann – aber damit wird sie auch in einen Konflikt zwischen zwei Nichtmitgliedern hineingezogen, den sie eigentlich nur unterstützen wollte.

    Wo Bonses Analyse Lücken hat:

    Seine Darstellung ist allerdings einseitig: Er lastet die Eskalation fast ausschließlich Selenskyj an. Die mehrheitlich anerkannte Erklärung – russisches elektronisches Jamming als eigentliche Ursache für Drohnenabweichungen – relativiert die direkte Verantwortung der Ukraine erheblich. Westliche Offizielle machen in erster Linie russische elektronische Kriegsführung für die Kursabweichungen verantwortlich. Bonse erwähnt dies mit keinem Wort – was seine Analyse zwar pointiert, aber nicht vollständig macht. KSAT

    Fazit: Bonses Warnung vor einer gefährlichen Eskalationsdynamik ist berechtigt und wird durch den heutigen Vorfall eindrücklich bestätigt. Seine Schuldzuweisung an Selenskyj allein greift jedoch zu kurz. Die Realität ist komplexer: Russland nutzt die ukrainischen Drohnen möglicherweise aktiv als Instrument, um NATO-Staaten unter Druck zu setzen – was die Lage noch brisanter macht, als Bonse selbst beschreibt.

    Gegenrede: Natürlich ist Selenskyj verantwortlich, denn er hat die Drohne abgefeuert – in Kenntnis der Gefahr, denn Vorfälle dieser Art häufen sich. Es ist die Ukraine, die die Nato unter Druck setzt, wenn nicht sogar nutzt…

    Mehr zur Ukraine und zum Krieg hier

    12 Comments

    1. umbhaki
      20. Mai 2026 @ 12:41

      So eine KI puzzelt sich ihre Antworten zusammen aus dem, womit sie trainiert wurde. Deshalb heißt diese Software-Gattung ja so: GPT = generic pretrained transformer. Ihr Vorteil ist lediglich, dass sie in der Lage ist, mehr verschiedene Quellen zu berücksichtigen als ein Mensch das könnte.

      Wenn also die Quellen, aus denen das Computerprogramm nuckelt, manipuliert sind, dann kann auch die KI-Weisheit nicht wahrheitsgemäß sein.

      Wie der Zufall so spielt: Just heute erscheint bei »gfp« ein Artikel, in dem es darum geht, in welchem Ausmaß das Militär In Deutschland und anderswo die öffentlich erreichbaren Nachrichten manipuliert, ausdrücklich mit dem Ziel, „die Reaktionen von Gegnern, Verbündeten und Zivilisten [zu] beeinflussen“.
      https://www.german-foreign-policy.com/news/detail/10408

      1984 ist längst vorbei, wir haben 2026.

    Antworten

  • Uli H.
    20. Mai 2026 @ 12:05

    Ein NATO-Kampfjet hat ein Elendski-Dröhnchen (von Tausenden, sicher hergestellt in NATOstan) hingerafft, cool! Die anderen erreichten russische Städte. Deren Hyperschall-Antwort auf unsere Fabriken wird eine unlösbare Aufgabe für unsere Pistorius+Rutte-Jünger. Ich fürchte, das wird jetzt der Horror, denn die Bärengeduld mit uns Durchgeknallten geht zu Ende – wie am 24.Feb.2022.

    Antworten

  • Titi
    20. Mai 2026 @ 10:54

    Es wird vor allem von Juristen immer wieder erwähnt, dass man sich nicht hundertprozentig auf KI verlassen sollte. Tatsächlich spuckt die KI bei juristischen Rechtsfragen oft nicht ganz treffende (manchmal auch irreführende) Infos heraus. Und das ist, denke ich, erst recht so in den Bereichen Politik, Geschichte, Philosophie, etc. wo es viel Raum für Interpretationen und verschiedene Sichtweisen gibt, da kann man im KI-Bereich leicht auf einseitige Narrative programmieren.

    Antworten

    • KK
      20. Mai 2026 @ 12:39

      Tja, unter Juristen ist es ja auch bekannt, dass man sich nicht hundertprozentig auf einen Juristen verlassen sollte, denn: Drei Juristen, vier Meinungen!

      Antworten

  • Helmut Höft
    20. Mai 2026 @ 08:39

    Guter Post, mehr Sein als Schein, trotzdem an dieser Stelle eine unbedingte Warnung von KI (Eric weiß das alles und berücksichtigt das selbstverständlich 😉 ):

    Was die KI entlarvt: Sie will dich halten und schmiert dir daher mus ums Maul: An die KI “Ich habe die richtige Antwort an Stelle von “42” gefunden, ich habe die Idee über die Welt und all das und zwar … …. Was hälst Du davon?” Antwort “Klasse Idee, mach weiter, du bist auf dem richtigen Weg!” Was sagt der Freund: “Hm? Ich glaube, Du suchst dir ein neues Hobby!” m( (“Wie wäre es mit Synchronschwimmen, solo?” m( )

    KI als entlastender Arbeitssklave, mit Quellenangaben(!) und überprüftem Output(!), das geht – sonst geht da nix!

    Unbedingte Hörempfehlung, aktuell zur KI: Die OpenAI Story https://www.deutschlandfunk.de/die-openai-story-trailer-102.html und Die Peter Thiel Story https://www.deutschlandfunk.de/staffel-1-die-peter-thiel-story-100.html alle 6 Folgen

    Antworten

  • Stef
    20. Mai 2026 @ 08:13

    Lustiges Experiment von Ebo.

    Claude hat wie die anderen westlichen AI-Tools einen klaren Bias seiner Macher zugunsten westlicher Herrschaftsnarrative (ich vermute, dass DeepSeek ähnliches in chinesischer Richtung vorzuweisen hat, habe es aber nicht getestet). Es ist zuweilen unterhaltsam diese Programme mit Argumenten und Fakten zu konfrontieren, die ihrer oft allzu einseitigen Lesart entgegen stehen. Offenbar können sie nicht frontal lügen. Von daher räumen sie nach einigem Bohren freimütig ein, dass die Realität oft differenzierter ist, als sie in ihren frühen Aussagen Glauben machen wollten.

    Es wäre auch sehr erstaunlich, wenn sich die “Herren der Welt” das exorbitante Manipulationspotenzial durch KI entgehen lassen würden. Dass diese Tools damit einen erheblichen Teil ihrer Nützlichkeit verlieren, nehmen sie dabei offensichtlich in Kauf. Der Bedarf nach Lenkung der Bevölkerung ist deutlich höher gewichtet als die Funktionalität.

    Antworten

    • ebo
      20. Mai 2026 @ 10:41

      Immerhin, Claude räumt ein, daß das offizielle Narrativ nicht alles ist. Aber ja, diese Chatbots rekurrieren am Ende immer wieder auf den Mainstream und die offiziellen Angaben. Das ist bedenklich, denn vieles, was da verbreitet wird, ist nicht gesichert oder nur ein Teil der Wahrheit. Dies gilt insbesondere für den Nato-Aspekt. Ich habe selbst bei der Nato angefragt und bisher keine Antwort erhalten. Daher ist vieles, was Claude sagt, schlicht abgeschrieben oder “halluziniert”

      Antworten

  • Guido B.
    20. Mai 2026 @ 07:20

    Wer glaubt eigentlich noch, dass die NATO nicht im Krieg mit Russland ist? Natürlich ist sie das. Natürlich weitet sich die Kampfzone immer weiter aus. Was denn sonst?

    Antworten

  • KK
    20. Mai 2026 @ 01:29

    Da die baltischen Staaten eben nicht neutral in diesem Konflikt agieren und Russland feindlichen Beschuss abzuwehren durchaus berechtigt ist, dürfen sich mE die Unterstützer der Ukraine nicht beschweren, wenn dann mal was Abgewehrtes auch bei ihnen selbst runterkommt.
    Das sähe anders aus, wenn sich die EU, die NAhTOd und die Balten komplett heraushalten würden, was sie ausdrücklich und auch nach eigenem Bekunden ja gerade nicht tun – nämlich dann müsste Russland bei der Abwehr bestmöglich vermeiden, diesen Staaten zu schaden.

    Antworten

  • Arthur Dent
    19. Mai 2026 @ 23:23

    Wie findet die Drohne ihren Weg? Wer programmiert das Ziel? Welche Satelliten werden genutzt?

    Antworten

    • ebo
      20. Mai 2026 @ 00:23

      Gute Fragen – da kommt Claude nie drauf 🙂

      Antworten

    • KK
      20. Mai 2026 @ 01:29

      Brotkrumen? Steinchen? 😀

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    unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine sowie in Israel, Palästina und sonstwo, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.




    Weiteres: 




    Fall Niebler: EU-Parlament blockiert Ermittlungen 


    lostineu.eu, vom 19. Mai 2026

    Bei der Französin Le Pen konnte das Europaparlament nicht streng genug sein – schließlich ging es um “Europafeinde”. Aber bei der CSU-Abgeordneten Niebler, der wie Le Pen die Zweckentfremdung von Parlamentsgeldern vorgeworfen wird, stellen sich die EU-Abgeordneten quer. Sie votierten mit der knappen Mehrheit von 309 zu 283 Stimmen bei 53 Enthaltungen für einen Antrag, mit dem die Aufhebung ihrer Immunität abgelehnt wurde. Niebler wird vorgeworfen, vom Parlament bezahlte Mitarbeiter für Aufgaben eingesetzt zu haben, die nichts mit ihrer Tätigkeit als Parlamentarierin zu tun hatten. Der europäische Staatsanwaltschaft hatte um die Aufhebung der Immunität gebeten. Der Justizausschuss des Parlaments sprach sich Anfang Mai gegen diesen Schritt aus. Nun hat das Plenum diese Entscheidung bestätigt – und die Ermittlungen blockiert. Grüne und BSW sprachen von Versagen und Doppelmoral. „Die Glaubwürdigkeit des Europaparlaments hat heute einen schweren Dämpfer erlitten“, schrieb der grüne Abgeordnete D. Freund. Es ist nicht das erste Mal…

    Siehe auch Der Fall Niebler erinnert an Le Pen – doch die CSU-Frau wird protegiert


    Screenshot_2026_05_20_at_18_05_50_Fall_Niebler_EU_Parlament_blockiert_Ermittlungen_Lost_in_EUrope

    https://twitter.com/MartinSonneborn?ref_src=twsrc%5Etfw%7Ctwcamp%5Etweetembed%7Ctwterm%5E2056707917231825104%7Ctwgr%5Ed190668adeab60ca80a143db0c480e14d4899103%7Ctwcon%5Es1_&ref_url=https%3A%2F%2Flostineu.eu%2Ffall-niebler-eu-parlament-blockiert-ermittlungen%2F



    12 Comments

    1. Uli H.
      20. Mai 2026 @ 13:06

      Ich will so gern in Brüssel residieren,
      fern ab vom Schwur an meine Wählerschaft,
      nah dran am Honigtopf mich präsentieren,
      das Leben hier ist fabelhaft!
      Des Bürgers großer Zorn ist Realität,
      aber der kann mir nix, dank Immunität!

    Antworten

  • Niko
    20. Mai 2026 @ 09:02

    Nur noch schade um jeden Cent der für dieses abgehalfterten Selbstbedienungsladen verbrannt wird.

    Antworten

  • Titi
    20. Mai 2026 @ 09:02

    Die EVP (Europ. Volkspartei), zu der CSU gehört, ist auch stärkste Fraktion im EU-Parlament, und die EU-Konservativen wollen offenbar ihre FraktionskollegInnen nicht fallen lassen, egal, was da vorgeworfen wird.

    Antworten

  • Helmut Höft
    20. Mai 2026 @ 08:21

    “Fall Niebler: EU-Parlament blockiert Ermittlungen” Na, das war doch von Anfang an klar: Frau Niebler zählt doch zu den Guten® – Marine Le Pen zu den Bösen® (die natürlich mit aller Härte, noch härter, noch viel härter …) m(

    Hat hier einer “doppelte Standards” gesagt? Schäm dich du Defätist, du!

    Antworten

    • KK
      20. Mai 2026 @ 14:50

      Der doppelte Standard ist eben der EU-Standard!

      Antworten

  • KK
    20. Mai 2026 @ 01:32

    „Die Glaubwürdigkeit des Europaparlaments hat heute einen schweren Dämpfer erlitten“

    Entschuldigung, wenn ich um Verzeihung bitte… welche Glaubwürdigkeit denn? Das ist doch allenfalls noch eine Schimäre!

    Antworten

  • MarMo
    19. Mai 2026 @ 20:40

    Ein solches EU-Parlament ist überflüssig wie ein Kropf!

    Antworten

    • Helmut Höft
      20. Mai 2026 @ 08:16

      @MarMo
      Ironischer Widerspruch: Das ist so geplant, das soll so sein – lakonisch: Nix ist gut an dieser €U!

      Antworten

  • Guido B.
    19. Mai 2026 @ 17:53

    Die Mehrheit des Parlaments hat ja auch Ursula von der Leyen zur Kommissionpräsidentin gewählt. Was kann man von so einem Parlament anderes erwarten?

    Antworten

    • ebo
      19. Mai 2026 @ 18:02

      Bestätigt, nicht gewählt. Ein wichtiger Unterschied.
      Bestätigt wurden auch alle 26 EU-Kommissare, obwohl viele definitiv nicht geeignet sind. Früher hat das Parlament wenigstens ein paar Kandidaten durchfallen lassen, diesmal hat es sich nicht einmal das getraut!

      Antworten

      • KK
        20. Mai 2026 @ 01:34

        Bei Falco war es noch einer – heute gehen 26 Kommissare um, und eine Oberkommissarin!

      • Helmut Höft
        20. Mai 2026 @ 08:14

        @KK
        * grins *

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    20.05.2026

    Philippinen befürchten Verwicklung in möglichen Taiwan-Krieg: "Wir haben keine Wahl"

    freedert.online, 19 Mai 2026 20:43 Uhr

    Taiwan droht immer mehr zu einem geopolitischen Zankapfel zu werden, der einen weiteren internationalen Flächenbrand auslösen kann. Der philippinische Präsident Ferdinand Marcos Jr. befürchtet, dass sich ein möglicher Krieg um die Insel auch auf sein Land erstrecken wird.


    Philippinen befürchten Verwicklung in möglichen Taiwan-Krieg: "Wir haben keine Wahl"Quelle: Legion-media.ru © Vya

    cheslav Lopatin


    Landkarte von Ostasien





    Im Vorfeld seines Japan-Besuchs, der für den 26. bis zum 29. Mai geplant ist, hat der philippinische Präsident Ferdinand Marcos Jr. die zunehmenden Spannungen um Taiwan kommentiert. Bei einer Pressekonferenz im Malacañan-Palast in Manila beantwortete der Politiker am Dienstag auch Fragen von japanischen Journalisten. Gefragt nach einem möglichen Konflikt um die benachbarte Pazifik-Insel, erklärte Marcos, er könne gut nachvollziehen, wie sich Japan angesichts eines potenziellen Konflikts um Taiwan fühle. Die Philippinen würden ganz bestimmt in einen möglichen Krieg in der Region verwickelt werden.

    "Ich glaube, im Fall von Japan ist es eher eine Frage der Wahl, darin verwickelt zu werden oder nicht. In den Philippinen haben wir aber keine Wahl."

    Als Grund nannte der Staatschef vor allem die geografische Nähe. Darüber hinaus lebten und arbeiteten nach seinen Angaben in Taiwan rund 200.000 philippinische Bürger. Es gebe auch viele andere Faktoren.

    Vor diesem Hintergrund bemühe sich Manila, jegliche Feindseligkeiten wegen und um Taiwan zu vermeiden, betonte Marcos. Seine Regierung wolle keinen Krieg. Es reiche nur, einen Blick auf die Landkarte zu werfen, um zu verstehen, dass der Norden des südostasiatischen Staates Teil eines bewaffneten Konflikts werden oder – höflich gesagt – dessen Auswirkungen spüren könnte.

    Gleichzeitig bekräftigte der Staatschef das Ein-China-Prinzip. Die Philippinen hätten es immer befolgt und würden dies auch in Zukunft tun. Manila mische sich daher in keine inneren Angelegenheiten von Peking und Taipeh ein und rate allen Seiten, jegliche Probleme friedlich zu lösen.


    Medienbericht: Ukraine und Taiwan intensivieren ihre inoffiziellen Kontakte



    Medienbericht: Ukraine und Taiwan intensivieren ihre inoffiziellen Kontakte




    Anfang Mai hatten die USA und die Philippinen erstmals im Rahmen ihrer jährlichen gemeinsamen Militärübung mit dem Codenamen "Balikatan" einen Tomahawk-Marschflugkörper abgefeuert. Der Start erfolgte von einer mobilen Abschussrampe des Typs Typhon. Zuvor vermieden die beiden Länder, diese Waffensysteme bei ihren Manövern zum Einsatz zu bringen, indem sie lediglich die Verlegung der Abschussrampen auf dem unebenen Gelände des Inselstaates testeten. Peking protestierte gegen die Stationierung der Typhon-Systeme auf den Philippinen, weil in diesem Fall auch Festlandchina in ihre Reichweite geraten könnte.

    Taiwan betrachtet sich seit 1949 als unabhängig. Die Regierung in Peking sieht die Republik China (Taiwan) hingegen als untrennbaren Teil der im Jahr 1949 gegründeten Volksrepublik China an. Diese Sicht teilt auch der Großteil der internationalen Gemeinschaft. Russland ist da keine Ausnahme. Nur wenige Länder erkennen die Regierung in Taiwan als unabhängig an. Peking hat wiederholt angekündigt, die Insel unter seine Kontrolle zu bringen – wenn nötig auch unter Einsatz seiner Streitkräfte.

    Mehr zum Thema – US-Militärnachrichtendienst fürchtet: Iran-Krieg stärkt China strategisch


    Screenshot_2026_05_20_at_08_13_18_Vor_Chinareise_Putin_lobt_beispiellose_Beziehungen_und_grenzenloses_Potenzial_RT_DE

    Video https://rumble.com/v7a1bn2-taiwan-peking-pocht-auf-ein-china-prinzip.html Dauer 3:45 Min.


    Durch die Sperrung von RT zielt die EU darauf ab, eine kritische, nicht prowestliche Informationsquelle zum Schweigen zu bringen. Und dies nicht nur hinsichtlich des Ukraine-Kriegs. Der Zugang zu unserer Website wurde erschwert, mehrere Soziale Medien haben unsere Accounts blockiert. Es liegt nun an uns allen, ob in Deutschland und der EU auch weiterhin ein Journalismus jenseits der Mainstream-Narrative betrieben werden kann. Wenn Euch unsere Artikel gefallen, teilt sie gern überall, wo Ihr aktiv seid. Das ist möglich, denn die EU hat weder unsere Arbeit noch das Lesen und Teilen unserer Artikel verboten. Anmerkung: Allerdings hat Österreich mit der Änderung des "Audiovisuellen Mediendienst-Gesetzes" am 13. April diesbezüglich eine Änderung eingeführt, die möglicherweise auch Privatpersonen betrifft. Deswegen bitten wir Euch bis zur Klärung des Sachverhalts, in Österreich unsere Beiträge vorerst nicht in den Sozialen Medien zu teilen.

    Info: https://freedert.online/asien/280601-philippinen-befuerchten-verwicklung-in-moeglichen-taiwan-krieg/


    unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine sowie in Israel, Palästina und sonstwo, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

    21.05.2026

    Nachrichten von Pressenza: Gegen den Krieg – Gegen den Sozialen Krieg

    aus e-mail von <newsletter@pressenza.com>, 20. Mai 2026, 7:15 Uhr

    Nachrichten von Pressenza - 20.05.2026
    Gegen den Krieg – Gegen den Sozialen KriegForum Gewerkschaftliche Linke Berlin, Berlin
    Pressenza
    Vorbereitungsveranstaltung für die internationale Antikriegskonferenz in London am 30. Mai in Berlin Für die Antikriegskonferenz in London im Juni finden in einigen deutschen Städten Vorbereitungsveranstaltungen statt. Die Londoner Konferenz wird von mehreren britischen Gewerkschaften unterstützt. Auch in Deutschland positionieren sich…
    Europa, Frieden und Abrüstung, Jugend, Politik, Pressemitteilungen
    Die Öffnung der Straße von Hormuz (II)GERMAN-FOREIGN-POLICY.com, Berlin/Teheran
    Screenshot_2026_05_20_at_18_11_31_Keine_Fluch_von_Hormuz_Show_720x605.png_PNG_Grafik_720_605_Pixel_Skaliert_92_
    Die Bundesregierung will zusätzlich zu Kriegsschiffen auch Spezialkräfte in die Straße von Hormuz entsenden. Iran hat eine Behörde zur Kontrolle der Meerenge gegründet. Ein britischer Experte urteilt, der Einsatz sei „nicht risikolos“. Die Bundesregierung stellt über die zwei bereits zugesagten…
    Europa, Internationale Angelegenheiten, Mittlerer Osten, Politik
    Achtunddreißig Jahre des Ringens zwischen Aung San Suu Kyi und den GenerälenFiorella Carollo
    Pressenza
    Vom 6. bis 8. Mai fand in Cebu (Philippinen) der 48. ASEAN-Gipfel – der Verband Südostasiatischer Nationen – statt, bei dem auch die Krise Myanmars auf der Tagesordnung stand. Bereits zur Eröffnung des Gipfels forderte die Sondergesandte der ASEAN für…
    Menschenrechte, Politik
    Kaffee statt Koks – Interview mit Martin Mäusezahl von Aroma Zapatistapoonal - Pressedienst lateinamerikanischer Nachrichtenagenturen
    Pressenza
    Mitte April kamen Nini Daza, Oberste Rätin der Consejería Mayor des Indigenen Regionalrats des Cauca (CRIC) und Manuel Bustos von der indigenen Kaffeekooperative CENCOIC zu einer Vortragsreise nach Deutschland. Sie berichteten über die Schaffung von Alternativen zum Anbau von Kokablättern…
    Indigene Völker, Politik, Südamerika, Wirtschaft
    Pressenza ist eine internationale Presseagentur, die sich auf Nachrichten zu den Themen Frieden und Gewaltfreiheit spezialisiert hat, mit Vertretungen in Athen, Barcelona, Berlin, Bordeaux, Brüssel, Budapest, Buenos Aires, Florenz, Lima, London, Madrid, Mailand, Manila, Mar del Plata, Montreal, München, New York, Paris, Porto, Quito, Rom, Santiago, Sao Paulo, Turin, Valencia und Wien.

    unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine sowie in Israel, Palästina und sonstwo, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

    21.05.2026

    Kampf um die Köpfe  Die Bundeswehr treibt die Nutzung von Daten und Informationen für den „Informationskrieg“ voran. Ziel ist es, „die Reaktionen von Gegnern, Verbündeten und Zivilisten [zu] beeinflussen“.

    german-foereign-policy.com. 20. Mai 2026

    BERLIN (Eigener Bericht) – Die Bundeswehr treibt die Nutzung von Daten und Informationen sowohl für Operationen auf dem Schlachtfeld als auch für klassische Propagandatätigkeiten voran. Erst kürzlich ging mit Active Volcano 2026 ein Manöver zu Ende, bei dem rund 300 Soldaten aus 15 Staaten unter deutschem Kommando den „Informationskrieg“ probten. Es sei unter anderem darum gegangen, durch die Verbreitung von Informationen „die Reaktionen von Gegnern, Verbündeten und Zivilisten [zu] beeinflussen“, erläutert die Bundeswehr. Bereits ein Jahr zuvor hatte die Truppe bei Active Volcano 2025 die Einflussnahme auf die öffentliche Meinung geprobt, und zwar „von der strategischen Planung über Medienproduktion“ bis hin zu praktisch-taktischen Einflussoperationen. Auch die Wirtschaft wird eingebunden. Der Rüstungskonzern Airbus etwa vermarktet ein „Schulungsmodell für den Informationskrieg“, das „eine komplette Infosphäre simuliert“, sowie digitale Werkzeuge zur „Sammlung und Untersuchung von Inhalten in sozialen Netzwerken; man solle Airbus-Technologie nutzen, um „Desinformation“ bereits an der Quelle zu „neutralisieren“. Unerwünschte Meinungen werden gezielt etwa „prorussisch“ genannt und ausgegrenzt.

    Daten als WaffeDie Bedeutung der, so der Militärjargon, „Dimensionen Cyber- und Informationsraum“ (neben den klassischen Operationsräumen Land, Luft und See) „wächst beständig“, heißt es in der kürzlich auszugsweise veröffentlichten ersten militärischen Gesamtstrategie in der Geschichte der Bundesrepublik.[1] Im „Kampf um Informationen und Daten“ müsse die deutsche Armee die „Überlegenheit gewinnen und sie dem Gegner verwehren“.[2] Dabei geht es einerseits um die Nutzung von Informationen zwecks klassischer Propaganda, andererseits um die Nutzung von Daten bei Angriffen und in Gefechten. Entsprechende Fähigkeiten seien „ein Hebel für alle anderen“ Teilstreitkräfte, heißt es; Daten würden „zur Waffe“. Datenhoheit auf dem Schlachtfeld könne „über Sieg oder Niederlage entscheiden“. Vor dem Hintergrund der zunehmenden Digitalisierung des Krieges sei es schwer, sich einer „Aufklärung in Echtzeit zu entziehen“. Das Gefechtsfeld sei längst „transparent“; es gebe „keine sicheren Rückzugsräume“ mehr. Gleichzeitig finde eine „Entgrenzung des Krieges“ statt: Eine klare Trennung zwischen „Heimat und Gefechtsfeld, zivil und militärisch, … Krieg und Frieden sowie Kombattant und Nicht-Kombattant“ finde nicht mehr statt.

    Active Volcano 2026

    Den Informationskrieg trainierten zuletzt etwa im März rund 300 Soldaten aus 15 Staaten, darunter Deutschland, unter dem Kommando des Zentrums Operative Kommunikation der Bundeswehr. Worte, heißt es bei der Bundeswehr, hätten die Macht, „die Kampfkraft des Gegners [zu] schwächen, das eigene Lagebild [zu] verbessern oder die Zivilbevölkerung [zu] beeinflussen".[3] Wer die „Deutungshoheit über Ereignisse“ habe, könne „die Reaktionen von Gegnern, Verbündeten und Zivilisten beeinflussen“. Deshalb seien sogenannte Informationsoperationen „längst integraler Bestandteil“ der Militärstrategie. Die "Manipulation von Informationen und öffentlicher Meinung" sei "zu einem wichtigen Instrument des Krieges geworden", hatte die Bundeswehr bereits anlässlich von Active Volcano 2025 erklärt.[4] Damals hatten die Soldaten vor allem die Einflussnahme auf die öffentliche Meinung geübt - "von der strategischen Planung über Medienproduktion bis zur taktischen Einflussnahme", all dies mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz (KI), Sozialen Medien und Big-Data-Analysen. Im Rahmen von Active Volcano 2026 probten Soldaten unter anderem den Umgang mit Social-Media-Kampagnen und „demonstrierenden Zivilisten“. In diesem Jahr sei dabei „erstmalig zivile Infrastruktur als Übungsgelände“ für den Informationskrieg genutzt worden, teilte der verantwortliche Leutnant mit; mit der Übung habe die Truppe gezielt die Brücke zu „Militär, Wissenschaft und Industrie“ geschlagen. Ein Highlight, berichtet die Bundeswehr, sei eine Konferenz „mit Vorträgen zu aktuellen Entwicklungen in der psychologischen Kriegsführung“ gewesen.

    An der Heimatfront

    Den sogenannten Informationskrieg führt die Bundeswehr erklärtermaßen nicht nur auf dem militärischen Schlachtfeld, sondern vor allem auch an der Heimatfront. "Bereits jetzt" gehe Moskau "unterhalb der Schwelle des Krieges" mit sogenannten hybriden Operationen gegen Deutschland vor, heißt es; Russland sei eine "gesamtstaatliche und umfassende militärstrategische Bedrohung".[5] Verteidigungsminister Boris Pistorius lässt sich mit der Äußerung zitieren, "Spionage, Sabotageakte, Cyberangriffe und Desinformationskampagnen" seien längst alltäglich.[6] Die Bundeswehr müsse "mit allen Instrumenten staatlicher Machtentfaltung zusammenwirken", um der "russischen Einflussnahme" auch im Inland eine "gesamtgesellschaftliche Resilienz" entgegenzusetzen.

    „Schulungsmodul für den Informationskrieg“

    In der Kriegsführung in einer digitalisierten Welt gibt es der Bundeswehr zufolge „keine klaren Grenzen zwischen zivilen und militärischen Informationsquellen mehr“.[7] Das sei eine Lehre aus dem Krieg in der Ukraine. Dort „liefern nicht nur Soldatinnen und Soldaten, sondern auch Zivilpersonen wertvolle Daten, oft per Smartphone aufgenommen und über soziale Medien geteilt“. Der deutsch-französisch-spanische Rüstungsriese Airbus vermarktet bereits ein „Schulungsmodul für den Informationskrieg, das eine komplette Infosphäre simuliert“, sowie digitale Werkzeuge unter anderem zur „Sammlung und Untersuchung von Inhalten in sozialen Netzwerken“ inklusive „Untersuchung von Konten und Profilen“ sowie „Charakterisierung digitaler Fußabdrücke von Personen“.[8] In einem Werbevideo des Konzerns heißt es, man solle sich „mit Airbus zusammen[tun]“ und Desinformation bereits an der Quelle „neutralisieren“.

    „Prorussische Parolen“

    Neben der Bundeswehr sind auch Geheimdienste und Polizei im Kampf gegen tatsächliche oder auch nur angebliche russische Einflussnahme aktiv. So warnen Bundeskriminalamt (BKA), Verfassungsschutz und Militärischer Abschirmdienst (MAD) Bürger davor, zu einem Agenten des russischen Staates zu werden.[9] Die Anwerbung beginne gewöhnlich harmlos, „meist mit einem Chat über Social-Media-Kanäle oder Messenger-Dienste. Vielleicht mit einem Austausch darüber, wie man zum deutschen Staat steht“. Wer sich auf „derartige Kontakte“ einlasse, riskiere „in geheimdienstliche Aktivitäten wie Spionage oder Sabotage verwickelt und hierfür strafrechtlich belangt zu werden“; Unwissenheit schütze nicht vor erhöhtem Strafmaß. Im Falle verdächtiger Kontaktaufnahmen fordern BKA und Geheimdienste deutsche Bürger auf, „sich zu Ihrem persönlichen Schutz und zum Schutz unseres Landes an das Bundesamt für Verfassungsschutz wenden“ – etwa bei einer Anfrage, ob man „pro-russische Parolen verbreiten“ könne. Dabei gilt bereits als verdächtig, wer vermeintliche „Propagandaaktivitäten“ durchführt, die als prorussisch interpretiert werden können – ganz so, wie etwa Kritik an der NATO-Osterweiterung häufig als angebliche „russische Propaganda“ delegitimiert wird.  Damit richtet sich die Abwehr angeblicher oder auch tatsächlicher russischer Desinformation immer auch gegen die Meinungsfreiheit der eigenen Bevölkerung (german-foreign-policy.com berichtete [10]). Unter dem Schlagwort des Informationskrieges treibt der deutsche Staat die Entgrenzung des Krieges mit voran und verwischt nicht nur die Grenze zwischen Soldat und Zivilist, sondern auch zwischen inländischem Kritiker und ausländischem Agenten.

     

    [1] S. dazu Die „europäische Führungsrolle“ der Bundeswehr.

    [2] Gesamtkonzeption militärische Verteidigung. Militärstrategie und Plan für die Streitkräfte. Bonn, April 2026.

    [3] Die Bundeswehr übt den Informationskrieg. bundeswehr.de 26.03.2026.

    [4] Üben für den Informationskrieg: Zehn Stimmen dazu aus der Truppe. bundeswehr.de 28.03.2025.

    [5] Gesamtkonzeption militärische Verteidigung. Militärstrategie und Plan für die Streitkräfte. Bonn, April 2026.

    [6] Pistorius legt erstmals Militärstrategie vor. tagesschau.de 22.04.2026.

    [7] Was die Bundeswehr aus dem Ukrainekrieg für ihre Digitalisierung lernt. bundeswehr.de 07.11.2025.

    [8] Cyber-Informationskrieg: Umgang mit Informationskampagnen. cyber.airbus.com.

    [9] Wegwerf-Agenten: Kurzer Einsatz, hohes Risiko. bka.de.

    [10] S. dazu Kriegstüchtige Geheimdienste.


    Info: https://www.german-foreign-policy.com/news/detail/10408


    unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine sowie in Israel, Palästina und sonstwo, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

    20.05.2026

    Die Wurzeln für die Zukunft sind
                                                                das Bündnis für die Zukunft seit 11.8.2001!

    Wurzeln_f_r_die_Zukunft_27.11.2021
                                                                                                                                                          (Screenshot)
    Die  Wurzeln für die Zukunft sind das Bündnis für die Zukunft seit 11. August 2001!                                -  ökologisch  -  sozial  -  direktdemokratisch  -  gewaltfrei  -Diese Grundwerte bzw. Absichtserklärungen sind und bleiben für uns Leitziele unseres Engagements. Gemeinsam mit Dir arbeiten wir für die Durchsetzung dieser Ziele und nicht als Kriegspartei!

                                                             Unsere Botschaft

    Mit der Gründung der Partei Bündnis für die Zukunft am 11. August 2001 beabsichtigten wir den konsequenteren Transport von dringend notwendigen Reformen, die als die Voraussetzung für eine stabile Weiterentwicklung unserer Gesellschaft anzusehen sind. Seit 2008 arbeiten wir als Initiative, die offen für alle Interessierten ist, ohne Parteistatus weiter.
    Wichtige Ziele sind für uns:Sicherheit und Stabilität durch Solidarisierung aller Menschen in einem arbeitsteiligen Wirtschaftssystem! Kontrolle globaler Märkte zugunsten der regionalen Wirtschaft! medizinischer und technischer Fortschritt zum Nutzen aller Menschen! Förderung der Demokratie und gleiche Rechtsstandards weltweit! Gewaltfreie Politik!

    Wir betrachten unsere Aufgabe darin, außerparlamentarischen Gruppen und Einzelpersonen eine Stimme zu geben. Gleichzeitig möchten wir Anregungen für bestehende Parteien geben, wie eine eine Wahlalternative für zukunftsorientierte Wähler aussehen könnte und der Wahlbetrug, als die Folge von Verfilzung, zu verhindern wäre.

    Die Möglichkeit in Parteien satzungsgemäß demokratischen Grundziele festzuschreiben, dürften bei glaubwürdigen Parteien keiner Regierungsbeteiligung geopfert werden.

    Wir wehren uns gegen die Übernahme unseres Namens durch einen österreichischen Rechtspopulisten, dessen politische Ziele mit unserem Engagement für mehr Menschlichkeit, soziale Demokratie und Engagement für Frieden und Gerechtigkeit nicht vereinbar sind. Wir sprechen alle konsequent engagierten Menschen an! Unterstützen Sie das Bündnis für die Zukunft!

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    (zur weiterhin aktuell bleibenden Erinnerung)
    In der Ukraine muss es darum gehen, den Frieden und nicht den Krieg zu gewinnen     
    michael-von-der-schulenburg.com, vom 09/10/2022, Michael von der Schulenburg,  published in:  Wall Street International Magazine

    Zitat: In der heutigen Welt, die vollgepackt ist mit Massenvernichtungswaffen, Hyperschall-Trägersystemen, Cyber-Kriegsführung, Weltraum-Kriegsführung und Fähigkeiten der künstlichen Intelligenz sowie anderen schrecklichen Dingen, riskiert jede Strategie, die darauf abzielt, einen Krieg militärisch zu gewinnen, in einer Katastrophe zu enden. Dies gilt ganz besonders für den Krieg in der Ukraine, wo sich zwei Atommächte, Russland und die Vereinigten Staaten, gegenüberstehen und wo eine dritte Atommacht, China, dem angespannt zuschaut. Deshalb sollte der Westen einen Frieden und nicht einen militärischen Sieg anstreben. Das kann nicht durch Waffen, sondern nur durch Diplomatie erreicht werden.
    Was den Krieg in der Ukraine so außerordentlich gefährlich macht, ist die Tatsache, dass sich auch nach sieben Monaten Krieg alle Kriegsparteien einzig und allein darauf konzentrieren, diesen Krieg zu gewinnen, während sie keine Anstrengungen unternehmen, einen Frieden zu erreichen. Trotz des drohenden Atomkriegs gibt es zwischen dem Westen und Russland keine diplomatischen Kanäle, um Missverständnissen vorzubeugen, eine weitere Eskalation zu vermeiden und die Voraussetzungen für eine diplomatische Lösung zu schaffen. Um das Schlimmste zu verhindern, müssen der Westen und Russland jetzt miteinander ins Gespräch kommen. Trotz, oder gerade wegen der Entwicklungen auf dem Kriegsschauplatz, sollten Friedensgespräche noch möglich sein. Der Westen hat bereits zweimal die Gelegenheit zu Friedensverhandlungen verpasst; er sollte sie diesmal nicht verpassen.
    Die jüngsten militärischen Erfolge der Ukraine scheinen all jene im Westen ermutigt zu haben, die glauben, dass dieser Krieg gewonnen werden kann; dass Russland besiegt, und aus allen ukrainischen Gebieten, die es jetzt besetzt hält, vertrieben werden könnte. Auch der ukrainische Präsident Zelensky verkündete nun, dass das einzige Ziel ein vollständiger militärischer Sieg über Russland sein kann, und erneuerte seine Forderung nach einer raschen Aufnahme der Ukraine in die NATO – ein rotes Tuch für Russland. Aber wäre ein militärischer Sieg gegen eine Atommacht überhaupt möglich? Würde eine militärische Lösung, wenn überhaupt möglich, einen Frieden bringen, oder nur den Boden für einen nächsten Konflikt bereiten? Wir könnten auf eine gefährliche Eskalation zusteuern, die zur Zerstörung der Ukraine führen könnte und eine Zerstörung, die letztlich auch die Nachbarn der Ukraine in Europa und Asien – wenn nicht sogar die ganze Welt – erfassen könnte.
    Als Reaktion auf seine militärischen Rückschläge hat Russland mit einer teilweisen militärischen Mobilmachung geantwortet, die die Zahl der in der Ukraine stationierten Streitkräfte verdoppeln könnte, Aber es ist Putins Entscheidung, vier ukrainische Oblaste zu annektieren – Russland nennt es „Beitritte“ – mit der er das Konfliktpotenzial erheblich erhöht hat. Als Teil Russlands, so droht er, würde Russland diese vor jedem Angriff zu schützen, wenn nötig mit Atomwaffen. Damit versucht Putin, sich gegen das zu wehren, was er als existenzielle Bedrohung für Russland ansieht: Den Beitritt der Ukraine zur NATO, die Errichtung von Militärbasen durch die USA entlang Russlands Grenzen und der Verlust des russischen Zugangs zum Schwarzen Meer. Es ist die Schwäche der konventionellen Streitkräfte Russlands, die diese Bedrohung so gefährlich macht. Wir sollten sie ernst nehmen.
    Warnungen, dass der Krieg in der Ukraine zu einem Atomkrieg werden könnte, kommen auch von ukrainischer Seite. Kürzlich warnte in der staatlichen Medienagentur Ukrinform der oberste Militärbefehlshaber der Ukraine, General Valery Zaluzhny, dass dieser Krieg zum Einsatz taktischer Atomwaffen durch Russland und die USA führen könnte. Er spielte sogar auf einen möglichen Dritten Weltkrieg an: „Es ist auch nicht völlig auszuschließen, dass die führenden Länder der Welt direkt in einen ‚begrenzten‘ Atomkonflikt verwickelt werden, in dem das Risiko für einen Dritten Weltkrieg bereits direkt sichtbar ist“, so Zaluzhny. Die Warnung von General Zaluzhny erinnert daran, dass es sich nicht nur um einen konventionellen Krieg zwischen der Ukraine und Russland handelt, sondern im Wesentlichen um einen Konflikt zwischen zwei Atommächten,
    Russland und den USA, in dem es darum geht, wer die Ukraine kontrolliert. Die USA sind inzwischen so stark in diesen Krieg verwickelt, dass ein kleiner Funke oder ein einfaches Missverständnis diesen Stellvertreterkrieg in eine direkte Konfrontation zwischen Russland und den USA verwandeln könnte. Inzwischen spricht sogar Präsident Biden von der Möglichkeit eines Nuklearkrieges. Auch wenn die Hoffnung besteht, dass eine nukleare Konfrontation noch in weiter Ferne liegt, sollte allein die Gefahr, dass wir einem alles vernichtenden Atomkrieg näher sind als je zuvor seit der Kuba-Raketenkrise vor genau 60 Jahren, in allen Hauptstädten der Welt die Alarmglocken läuten und die Diplomatie auf Hochtouren laufen lassen. Dies ist jedoch nicht der Fall. Unter den heutigen Umständen ist dies politischer Wahnsinn!
    Entwicklungen auf dem Schlachtfeld könnten noch eine Chance für die Diplomatie bietenGlücklicherweise hat der Krieg noch nicht den Punkt erreicht, an dem es kein Zurück mehr gibt; es gibt noch Raum für Diplomatie. Die militärischen Operationen beider Seiten beschränken sich geografisch auf die rund 1.000 km lange Frontlinie, die die ukrainischen und russischen Streitkräfte in der Ost- und Südukraine trennt. Selbst dort beschränken sich die Kämpfe auf nur drei Gebiete um Charkow, den Donbass und Cherson. Weder ukrainischen noch die russischen Streitkräfte scheinen in der Lage zu sein, den Krieg auf andere Regionen auszudehnen. Behauptungen, Russland wolle Kiew oder gar die gesamte Ukraine besetzen, sind ebenso illusorisch wie ukrainische Behauptungen, sie stehe kurz vor der Rückeroberung des Donbass und der Halbinsel Krim. Es wird Monate dauern, bis die russische Verstärkung in vollem Umfang einsatzbereit ist, und auch die vom Westen versprochenen neuen und stärkeren Waffen werden erst nach einiger Zeit auf dem Schlachtfeld eintreffen. Am wichtigsten dabei ist aber, dass es sich immer noch um einen rein konventionellen Krieg handelt – zumindest jetzt noch. Es gibt also noch Spielraum für Gespräche.
    Es gibt auch einige politische Bewegungen, die auf einen Raum für Diplomatie hindeuten. In bemerkenswerter Abkehr von der harten Position, die die NATO auf ihrem Gipfel im März eingenommen hatte, schrieb Präsident Biden im Mai in der New York Times, dass es nicht die Politik der USA sei, einen Regimewechsel in Russland anzustreben, und dass er mit dem ukrainischen Präsidenten die Überzeugung teile, dass nur eine diplomatische Lösung den Krieg beenden könne. Er spielte sogar auf die Möglichkeit an, dass die Ukraine möglicherweise territoriale Zugeständnisse machen müsse. Dies fällt zusammen mit der Entscheidung der USA, der Ukraine keine Langstreckenraketen zu liefern, mit denen sie den Krieg auf russisches Gebiet ausweiten könnten. Außerdem zog sich die EU von Litauens höchst gefährlicher Blockade des Kaliningrader Gebiets zurück, und der türkische Präsident Erdogan besuchte als erstes Staatsoberhaupt eines NATO-Landes Präsident Putin in Russland. Das von der Türkei und der UNO vermittelte russisch-ukrainische Getreideabkommen, die Beteiligung der IAEO am Schutz des Kernkraftwerks in Saporischschja und die jüngsten Gefangenenaustausche sind weitere ermutigende Zeichen.
    Was macht dann die Suche nach einer diplomatischen Lösung so schwierig?
    Das Schlüsselwort, das den Westen daran hindert, sich mit Russland an einen Tisch zu setzen, ist „Neutralität“. Russland möchte, dass die Ukraine neutral bleibt, während die USA eine feste Einbindung der Ukraine in das westliche Militärbündnis wünschen. Diese gegensätzlichen Positionen beruhen nicht auf einer besonderen Liebe der einen oder anderen Seite zur Ukraine, sondern es ist die strategische Lage der Ukraine zwischen Asien und Europa, die die Ukraine für beide Seiten geopolitisch so attraktive macht.Als Mitglied der NATO würde die Ukraine zu einem strategischen Aktivposten für den Anspruch der USA auf eine globale und unangefochtene Führungsrolle werden. Sie würde Russland als Großmacht aus dem Spiel nehmen und es zu einer Regionalmacht degradieren. Sie würde es der US ermöglichen, den Handel zwischen Europa und Asien zu kontrollieren und ihre Macht bis tief nach Asien hineinzuprojizieren – der Hauptgrund, warum sich alle asiatischen Länder, mit Ausnahme von Japan und Taiwan, nicht der NATO/US-Politik der Verurteilung und Isolierung Russlands angeschlossen haben. Andererseits würde eine neutrale Ukraine (und damit auch ein neutrales Georgien) Russland davon befreien, von der NATO eingekreist zu werden. Es würde seinen Status als dominierende Macht in seiner unmittelbaren geografischen Nachbarschaft behalten und ein – wenn auch kleiner – internationaler Akteur bleiben.
    Dass gerade die Neutralität der Stolperstein ist, ist beunruhigend, denn es wäre die Neutralität der Ukraine gewesen, die die zunehmenden Spannungen zwischen Russland und den USA wegen der NATO-Erweiterung hätte lösen können, und es wäre die Neutralität der Ukraine gewesen, die den Krieg im März dieses Jahres hätte beenden können, als sich ukrainische und russische Unterhändler auf einen möglichen Friedensplan geeinigt hatten. In beiden Fällen war es die NATO, allen voran die USA und das Vereinigte Königreich, die jeden Schritt in Richtung eines neutralen Status der Ukraine torpedierten. Während Russland die Schuld für den Beginn eines illegalen Angriffs auf die Ukraine trägt, ist es die NATO, die für die Verlängerung des Krieges verantwortlich ist.
    Die NATO und das Ende einer VerhandlungslösungDas auffälligste Beispiel dafür ist, als die NATO im März die ukrainisch-russischen Friedensverhandlungen torpedierte. Damals, nur einen Monat nach Kriegsbeginn, gelang es ukrainischen und russischen Verhandlungsteams, einen 15-Punkte-Entwurf für ein mögliches Friedensabkommen vorzulegen, demzufolge die Ukraine keine NATO-Mitgliedschaft anstreben und keiner ausländischen Macht gestatten würde, Militärstützpunkte auf ihrem Hoheitsgebiet zu errichten. Im Gegenzug würden alle russischen Besatzungstruppen abziehen und die Ukraine würde ihre territoriale Integrität weitgehend bewahren. Der Entwurf sah auch Zwischenlösungen für den Donbass und die Krim vor. Man hoffte, dieses Abkommen auf einer Friedenskonferenz am 29. März in Istanbul auf Außenministerebene abschließen zu können. Sowohl ukrainische als auch russische Politiker hatten bereits Hoffnungen auf ein Ende des Krieges geäußert. Doch dazu kam es nicht. Angesichts der Möglichkeit einer neutralen Ukraine berief die NATO für den 23. März einen Sondergipfel in Brüssel ein, an dem auch Präsident Biden teilnahm. Der einzige Zweck dieses Treffens bestand darin, die ukrainisch-russischen Friedensverhandlungen zu beenden. Anstelle eines Kompromisses zwischen ukrainischer Neutralität und ukrainischer territorialer Integrität forderte die NATO nun den bedingungslosen Rückzug der russischen Streitkräfte aus den ukrainischen Gebieten, bevor es zu Friedensgesprächen kommen konnte:Wir fordern Russland auf, sich konstruktiv an glaubwürdigen Verhandlungen mit der Ukraine zu beteiligen, um konkrete Ergebnisse zu erzielen, angefangen bei einem dauerhaften Waffenstillstand bis hin zu einem vollständigen Rückzug seiner Truppen aus dem ukrainischen Hoheitsgebiet.(Erklärung des NATO-Gipfels)Die NATO verlangte also nichts Geringeres, als dass Russland seine Niederlage akzeptiert, was in krassem Gegensatz zu einer Kompromisslösung steht, auf die sich die ukrainischen und russischen Unterhändler geeinigt hatten. In der Abschlusserklärung der NATO wurden weder die ukrainisch-russischen Friedensgespräche noch die Istanbuler Friedenskonferenz, die mit nur fünf Tagen Verspätung stattfinden sollte, erwähnt. Auch das Wort „Neutralität“ wurde nicht erwähnt. Wohl auf Druck der USA und des Vereinigten Königreiches brach die Ukraine daraufhin die Friedensgespräche ab und begann, im Vertrauen auf massive Waffenlieferungen des Westens und harte Sanktionen, die Forderungen der NATO nach einem bedingungslosen Abzug der russischen Truppen zu unterstützen. Damit war der ukrainisch-russische Friedensprozess gestorben, und der Krieg dauert seither an.Die Botschaft der NATO an Russland war eindeutig: Es würde keinen Verhandlungsfrieden geben, der zur Neutralität der Ukraine führen würde. Als Reaktion darauf änderte Russland seine Strategie und kündigte am 28. März an, dass es seinen militärischen Ring um Kiew aufheben und sich nun auf die militärische Eroberung der russischsprachigen Gebiete der Ost- und Südukraine konzentrieren würde. Damit hat der Krieg eine andere Richtung eingeschlagen. Russland hoffte nun, durch die Besetzung ukrainischen Territoriums den Beitritt der Ukraine zur NATO verhindern und seinen Zugang zum Schwarzen Meer schützen zu können. Die jüngsten Annexionen von vier ukrainischen Oblasts sind das Ergebnis dieses Strategiewechsels. Dies wird jedoch keinen Frieden bringen, sondern im Gegenteil eine ohnehin schon schwierige und gefährliche Situation noch verschlimmern.
    Der Westen hat nun die seltsame Position eingenommen, dass er die Ukraine bei der Abwehr einer Invasion unterstützte, ansonsten aber keinen Anteil an der Erreichung eines Friedens haben könne. Friedensverhandlungen seien allein Sache der Ukraine: „Es ist Sache der Ukraine, über eine künftige Friedensregelung zu entscheiden, frei von äußerem Druck oder Einfluss“ (Abschlusserklärung der G7). Nachdem die ukrainisch-russischen Friedensverhandlungen im März torpediert wurden, ist dies eine ziemlich zynische Position. Zynisch ist auch die Annahme, dass die Ukraine nun „frei von äußerem Druck oder Einfluss“ zu einer neuen Friedensregelung gelangen könnte, während sie von Russland militärisch unter Druck gesetzt wird und für ihr Überleben vollständig auf die finanzielle und militärische Unterstützung des Westens angewiesen ist. Der Frieden muss und kann nur zwischen dem Westen und Russland, natürlich mit Einschluss der Ukraine, ausgehandelt werden.
    Der Weg zum Frieden ist klar, nur wer hat den Mut, ihn zu gehen?
    In zwei seltenen öffentlichen Auftritten in Goslar und München hat die ehemalige deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel mit Blick auf den Krieg in der Ukraine kürzlich zu mehr Verständnis und Kompromissbereitschaft aufgerufen. Während sie Russland vorwarf, mit dem Einmarsch in die Ukraine am 24. Februar das Völkerrecht gebrochen zu haben, argumentierte sie eindringlich, dass Europa bei seinen Friedensbemühungen das Ziel nicht aus den Augen verlieren dürfe, eine gesamt-europäische Sicherheitsarchitektur aufzubauen, die Russland einschließt. Erst dann, so fügte sie hinzu, sei der Kalte Krieg wirklich vorbei. Sie warnte davor, Russlands Drohungen zu ignorieren.

    Frieden für die Ukraine, Frieden mit Russland und Frieden in Europa sind untrennbar miteinander verbunden. Es wird keinen Frieden geben, ohne die Fehler zu korrigieren, die am Ende des Kalten Krieges mit der Erweiterung der NATO (und der EU) bei Ausschluss Russlands gemacht wurden. Die Entwicklung einer europäischen Sicherheitsarchitektur würde aber viel Zeit in Anspruch nehmen, die wir jetzt nicht haben. Aber Friedensgespräche zwischen dem Westen und Russland könnten damit beginnen, die Grundlagen dafür zu schaffen. Die Bestätigung der ukrainischen Neutralität, die Anerkennung russischer Sicherheitsinteressen und die damit verbundenen Sicherheitsvereinbarungen für die Ukraine, die sich nicht mehr auf die NATO stützen, wären ein erster Schritt. Die mutigen ukrainischen und russischen Verhandlungsteams haben uns im März den Weg dafür gezeigt, und ein Expertenteam, das sich im Juni im Vatikan getroffen hatte, hat deren Ansatz weiterentwickelt. Wenn wir den Frieden anstreben wollen, anstatt einen Krieg zu gewinnen, wird es keine andere Lösung geben.
    Aber haben wir heute Politiker vom Kaliber eines Kennedy oder Chruschtschow, eines Reagan oder Gorbatschow, oder gar einer Angela Merkel, die den Mut und Entschlossenheit hätten, die Spirale eines immer mehr außer Kontrolle geratenen Krieges zu durchbrechen und stattdessen einen Frieden anzustreben? Der Weg zum Frieden ist klar, aber „wer ist bereit, diesen Weg zu gehen?“ wird die alles entscheidende Frage sein, um die Ukraine, Europa und möglicherweise die Welt vor einer drohenden Katastrophe zu bewahren.      Written by Michael von der Schulenburg
    Screenshot_2023_08_20_at_08_34_30_In_der_Ukraine_muss_es_darum_gehen_den_Frieden_und_nicht_den_Krieg_zu_gewinnen_Michael_von_der_SchulenburgMichael von der Schulenburg, former UN Assistant Secretary-General, escaped East Germany in 1969, studied in Berlin, London and Paris and worked for over 34 years for the United Nations, and shortly the OSCE, in many countries in war or internal armed conflicts often involving fragile governments and armed non-state actors. These included long-term assignments in Haiti, Pakistan, Afghanistan, Iran, Iraq and Sierra Leone and shorter assignments in Syria, the Balkan, Somalia, the Balkan, the Sahel, and Central Asia. In 2017, he published the book ‘On Building Peace – rescuing the Nation-State and saving the United Nations’, AUP.
    Info: https://michael-von-der-schulenburg.com/in-der-ukraine-muss-es-darum-gehenden-frieden-und-nicht-den-krieg-zu-gewinnen

    unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine sowie in Israel, Palästina und sonstwo, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.


    unser weiterer Kommentar: vom 6. September 2023: Seit 1999 immer so weiter!

    Screenshot_2023_09_06_at_09_09_39_Flucht_nach_vorne_Der_dreiste_Wahlkampf_der_Gr_nen
    19.05.2026

    Europa provoziert Anwendung der russischen Nukleardoktrin

    aus e-mail von Doris Pumphrey, 19. Mai 2026, 18:45 Uhr


    Poljanski: "Alle roten Linien überschritten" – 
    Europa spielt ein gefährliches Spiel

    In der russischen Gesellschaft wächst die Forderung nach entschlossenen Maßnahmen als Reaktion auf die Beteiligung von EU-Ländern an Angriffen auf das Territorium der Russischen Föderation. Dies erklärte der stellvertretende Vertreter der Russischen Föderation bei den Vereinten Nationen, Dmitri Poljanski, auf dem YouTube-Kanal "Deep Dive".

    Poljanski erklärte zudem, dass die NATO und die Europäische Union längst alle "roten Linien" überschritten hätten, weshalb der Ausbruch eines umfassenden Krieges nur noch eine Frage der Zeit sei. Sie stellen ihren Luftraum für ukrainische Drohnen zur Verfügung und haben die Produktion von Waffen auf ihr Territorium verlagert. Die Bürger der Europäischen Union werden davon überzeugt, dass es keine Reaktion geben werde, doch wenn diese kommt, wird es bereits zu spät sein, so Poljanski. Er warnte vor verheerenden Folgen für die europäische Bevölkerung.
    Siehe Video: https://rumble.com/v7a2r1i-poljanski-alle-roten-linien-berschritten-europa-spielt-ein-gefhrliches-spie.html


    Scott Ritter warnt: 
    Europa provoziert Anwendung der russischen Nukleardoktrin

    Im Interview mit dem britischen Politiker und ehemaligen RT-Moderator George Galloway warnt der ehemalige Offizier des US-Marine-Corps und einstige UN-Waffeninspekteur Scott Ritter, dass Europa der Ukraine genau jene weitreichenden Angriffsfähigkeiten liefert, vor denen Moskau die USA bereits im Januar 2022 explizit gewarnt hat. In der neuen russischen Nukleardoktrin aus dem Jahr 2025 heißt es eindeutig: Werden konventionelle Angriffswaffen westlicher Atommächte gegen Russlands strategische Tiefe eingesetzt, behält sich Russland den präventiven Einsatz von Atomwaffen vor. Damit lebt die vom russischen Präsidenten Wladimir Putin zunächst abgelehnte Karaganow-Doktrin weiter.
    Hier zum Video: https://odysee.com/@RTDE:e/Scott-Ritter-warnt--Europa-provoziert-Anwendung-der-russischen-Nukleardoktrin:1


    John Mearsheimer: 
    Auf dem Weg zum totalen Krieg mit Russland und Iran

    Prof. John Mearsheimer spricht darüber, wie der Westen auf der Eskalationsleiter gegenüber sowohl Russland als auch dem Iran nach oben klettert, wobei ein totaler Krieg die logische Schlussfolgerung ist.
    Siehe Video: https://www.youtube.com/watch?v=ieCmMNCbmXo

    unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine sowie in Israel, Palästina und sonstwo, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

    19.05.2026

    Screenshot_2026_05_19_at_18_53_55_Moskauer_N_chte_und_Qualit_t_aus_Deutschland

    nachdenkseiten.de, 9. Mai 2026 um 9:00 Ein Artikel von Gert-Ewen Ungar

    Die Ukraine hat Moskau am Wochenende mit Drohnen angegriffen. Es war nicht das erste Mal. Neu ist, dass die Drohnen von der Ukraine aus gestartet sind. Über Drohnen mit hoher Reichweite verfügte die Ukraine bisher nicht. Viel spricht dafür, dass es sich um Drohnen aus deutscher Produktion handelt. Ganz unabhängig davon, ob sich das bewahrheitet, werden in Russland immer lautere Forderungen erhoben, den Krieg dorthin zurückzutragen, wo er befeuert und eskaliert wird: nach Deutschland.


    Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verfügbar.

    Podcast: Play in new window | Download


    In der Nacht von Samstag auf Sonntag wurde Moskau und die Moskauer Region mit Drohnen angegriffen. Die Einschläge waren nah. Um drei Uhr war meine Nacht vorbei.

    Es waren die schwersten Drohnenangriffe seit Langem. In der Folge der Angriffe starben drei Menschen, 17 wurden verletzt. Unter den Toten ein Inder, ein sogenannter Гастарбайтер, was sich auf Deutsch „Gastarbeiter“ liest. Die Wortherkunft ist damit geklärt – die Herkunft der Drohnen jedoch nicht, aber es spricht viel dafür, dass sie ebenfalls aus Deutschland stammen.

    Die Angriffe richteten sich gegen die vier Moskauer Flughäfen, gegen eine Raffinerie, vor allem aber gegen zivile Infrastruktur. Der Angriff unterschied sich dadurch, dass die Drohnen direkt aus der Ukraine kamen. Bei früheren Vorfällen wurden die Drohnen in Russland gestartet. Es handelte sich um Sabotage. Die Ukraine verfügte bisher nicht über Drohnen mit einer derart hohen Reichweite. Dies hat sich nun geändert, und das liegt auch an Deutschland.

    Kanzler Merz und Verteidigungsminister Pistorius brüsten sich mit deutsch-ukrainischen Projekten zur Massenproduktion von Drohnen mit hoher Reichweite. Im Rahmen der Diskussion um die Lieferung von Taurus-Marschflugkörpern hatte Merz gesagt, er werde künftig nicht mehr in der Öffentlichkeit über die Lieferung einzelner Waffengattungen sprechen. Er begründete das damit, dass so der Gegner, also Russland, im Unklaren gehalten wird. Hinsichtlich der Produktion und Lieferung von Drohnen gilt diese Zurückhaltung nun nicht mehr.

    Die Gesprächsstrategie von Merz unterscheidet sich im Kern nicht von der Donald Trumps. Er erzählt einfach irgendwas. Das Gesagte und die tatsächlichen Handlungen fallen bei beiden himmelweit auseinander. Was Merz und Trump dennoch unterscheidet: Merz kleidet seinen Text in eine pseudo-seriöse Rhetorik, die auf Wirkung beim deutschen Publikum abzielt. Trump bedient sich markiger Worte, die auf Wirkung beim US-Publikum abzielen. Die Ästhetik ist anders. An seine Worte gebunden fühlt sich weder der eine noch der andere.

    Fakt ist: In Deutschland werden Drohnen mit hoher Reichweite für die Ukraine produziert. Wahrscheinlich ist, dass diese bei den Angriffen auf Moskau und die Moskauer Region zum Einsatz kamen. Sollte sich das bewahrheiten, stellt das eine Eskalation dar. Maria Sacharowa, Sprecherin des russischen Außenministeriums, sieht ganz klar eine Verantwortung der EU, da sie den Krieg finanziert. Von Deutschland ist in Zusammenhang mit dem aktuellen Drohnenangriff noch nicht die Rede. Das kann sich allerdings schnell ändern, sollte sich herausstellen, dass die Drohnen tatsächlich aus deutscher Produktion stammen.

    Deutschland steht dennoch im Fokus der Aufmerksamkeit. Außenminister Sergei Lawrow stellte auf einer Pressekonferenz im Anschluss an das Außenministertreffen der BRICS in der vergangenen Woche nüchtern fest, dass Deutschland erneut an der Spitze der Staaten zur Unterstützung des Faschismus in Europa steht. Man vereinigt sich erneut, um einen Angriff auf Russland vorzubereiten. Die Selbstwahrnehmung in Deutschland ist eine andere, ich weiß. Die Außenwahrnehmung sollte man jedoch nicht allzu schnell beiseitewischen. Russland ist mit dieser Sicht auf Deutschland nicht allein.

    Ja, die Situation eskaliert. Merz und seine Transatlantiker-Clique setzen alles daran, einen militärischen Konflikt zwischen Russland und Deutschland zu provozieren. Im Interesse der Deutschen ist das nicht, aber Merz vertritt auch nicht die Interessen der Deutschen, sondern die ebenjener transatlantischen Clique.

    Merz hat mit seiner Eskalationsstrategie auch Erfolg, denn in Russland fordert man offen ein härteres Vorgehen nicht nur gegenüber der Ukraine, sondern auch gegenüber Westeuropa und insbesondere Deutschland, das inzwischen zum stärksten Treiber des Konflikts geworden ist. Das umsichtige, die Zivilbevölkerung schonende Vorgehen Russlands wird in Deutschland und Westeuropa als Schwäche ausgelegt. Es gilt daher als gescheitert. Immer mehr und vor allem immer gewichtigere Stimmen in Russland fordern von Präsident Putin ein härteres Durchgreifen. Dazu gehören auch Russlands Ex-Präsident Dmitri Medwedew und der bis in den Kreml hinein einflussreiche Politologe Sergei Karaganow – beide übrigens einstmals große Fans des Westens, die sich abgewandt haben.

    Karaganow fordert eine Rückkehr zur Logik des Kalten Krieges: Der Westen muss Angst vor Vernichtung haben, dann gibt es Frieden. Das erreicht man aber nicht mit Drohungen und Aufzeigen von roten Linien, deren Überschreiten folgenlos bleibt, meint er. Das erreicht man durch die Demonstration von Stärke. Karaganow fordert Militärschläge – auch gegen Deutschland. Er hält einen begrenzten Atomkrieg für möglich und für Russland gewinnbar. Russland dürfe den präventiven Einsatz taktischer Atomwaffen daher nicht ausschließen. Durch die Wiederaufnahme des Tests von Atomwaffen unter dem Aspekt der Abschreckung soll diese Stärke demonstriert werden.

    Die politischen und medialen Impulsgeber in Westeuropa und damit auch in Deutschland sind nicht in der Lage, auf der Grundlage von Nachdenken und Vernunft einen Willen zum Frieden zu entwickeln, sondern nur auf der Grundlage von Angst, analysiert Karaganow. Sie müssen um ihre eigene Existenz Angst haben, ist daher die Schlussfolgerung, der immer mehr Russen auch in meinem Umfeld zustimmen.

    Wenn vor diesem Hintergrund in deutschen Medien von sinkenden Zustimmungswerten Putins berichtet wird, ist das richtig. Aber die Interpretation ist falsch. Die Zustimmung zu Putin sinkt nicht, weil er ein grausamer Diktator ist, der die jungen Männer seiner Nation für seine imperialistischen Phantasien opfert. Die Zustimmung zu Putin sinkt, weil er nach Meinung vieler Russen zu sanft ist, zu liberal, zu sehr um Ausgleich bemüht und die militärischen Möglichkeiten Russlands nicht ausnutzt. Was man noch hinzufügen muss: Die sinkende Zustimmung zu Putin bedeutet von über 80 Prozent auf derzeit 65. Das sind immer noch Werte, von denen Macron, Starmer und der Kanzler der zweiten Wahl nur träumen können.

    Tatsächlich ist dieser Krieg seltsam. Im Donbass läuft ein Abnutzungskrieg. Dort sterben jeden Tag über 1.000 ukrainische Soldaten. Die Westeuropäer halten an der Kriegsursache fest, wollen die Ukraine perspektivisch in die NATO integrieren und ihre Soldaten in der Ukraine stationieren. Die Ukraine blutet dabei aus. Das Angebot Putins, gemeinsam eine Sicherheitsarchitektur auf der Basis der Unteilbarkeit von Sicherheit für Europa zu entwickeln, in der sich auch Russland vor dem Westen sicher fühlen kann, wird in Deutschland noch nicht einmal diskutiert. Man will, dass sich Russland den westlichen Vorgaben fügt, und zielt auf Russlands strategische Niederlage.

    Westliche Politiker geben sich in Kiew die Klinke in die Hand, stellen dort ihren Gratismut zur Schau, absolvieren ein Fotoshooting und befeuern den Konflikt, indem sie der Ukraine weitere Waffenlieferungen und Unterstützung versprechen. Aus russischer Sicht sind das ganz klar feindliche Handlungen. Und dennoch passiert diesen Politikern nichts. Sie können in Kiew PR-wirksam über den „brutalen Vernichtungskrieg Russlands“ wüten, der ihnen aber nichts anhat. Was ist das für ein Krieg, in dem so etwas möglich ist? Das darf nicht sein, meint man in Russland. Diese Politiker müssen wissen: Wenn sie einen Fuß in die Ukraine und nach Kiew setzen, riskieren sie ihr Leben. Das muss auch mal vorgeführt werden, um glaubwürdig zu sein.

    Während der CDU-Abgeordnete Roderich Kiesewetter mit seiner Forderung erfolgreich war, der Krieg müsse nach Russland getragen werden, fordert man hier in Russland inzwischen, den Krieg nun nach Deutschland zu tragen – dorthin, wo er gefördert und eskaliert wird. Die Menschen in Deutschland müssen wieder die Erfahrung des Krieges machen, um als Gesellschaft zu Frieden fähig zu sein. Das ist eine bittere Erkenntnis, denn sie besagt, zu Frieden aus Vernunft ist die deutsche Gesellschaft in ihrer Gesamtheit unfähig – nicht einzelne Deutsche, sondern die deutsche Gesellschaft als Ganzes.

    Die Mehrheit der Deutschen ist sicher gegen den Krieg, und dennoch zieht er klar erkennbar herauf. Die deutsche Gesellschaft ist an dem zur Wiedervereinigung gegebenen Versprechen, dass von Deutschland nur noch Frieden ausgeht, komplett gescheitert. Die Eskalation hin zu einem Krieg zwischen Deutschland und Russland nimmt an Fahrt auf. Wie man den Krieg in der Ukraine unbedingt wollte, so will man auch den zwischen Deutschland und Russland unbedingt – zumindest diejenigen, die meinen, sie seien vor den Folgen sicher. Dieses Gefühl der Sicherheit muss bekämpft werden, um die Entwicklung hin zum Krieg zu stoppen, sind sich immer mehr Menschen in Russland sicher.


    Titelbild: gosersh / Shutterstock


    Rubriken: Audio-PodcastLänderberichteMilitäreinsätze/Kriege


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    Info: https://www.nachdenkseiten.de/?p=150619


    unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine sowie in Israel, Palästina und sonstwo, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

    19.05.2026

    Urbane Bodengerechtigkeit Maßstäbe für eine gerechte Bodennutzung in der Stadt

    makronom.de, vom 18. Mai 2026, JULIAN DEGAN, Boden als öffentliche Infrastruktur  Ungleichheit

    Das Konzept der urbanen Bodengerechtigkeit bietet einen normativen Rahmen, der bezahlbares Wohnen, demokratische Bodenpolitik und ökologische Grenzen zusammendenkt. Ein Beitrag von Julian Degan.


    Bild: Pixabay


    Boden ist eine zentrale Grundlage wirtschaftlicher Entwicklung und gesellschaftlichen Wohlergehens, spielt im ökonomischen Diskurs heutzutage jedoch meist nur eine Nebenrolle. Dabei wirft die endliche Ressource Boden zentrale Fragen einer verlässlichen Grundversorgung innerhalb planetarer Grenzen auf: von Wohnen, Energie und Mobilität bis hin zu Industrie, Landwirtschaft, Erholungsräumen und ökologischen Funktionen.

    Die Sonderreihe „Boden als öffentliche Infrastruktur“ widmet sich diesen Zusammenhängen aus unterschiedlichen Perspektiven. In fünf Beiträgen geht sie der Frage nach, was es heißt, Boden als öffentliche Infrastruktur neu zu denken und welche Konsequenzen sich daraus für eine zeitgemäße Bodenpolitik und die ökonomische Debatte ergeben. Sie behandelt Fragen der Bodengerechtigkeit, der Demokratisierung urbaner Bodenbeziehungen, der Rolle von Bodenrenten und Bodenwerten für Infrastrukturen sowie des Flächensparens, dessen Relevanz weit über ökologische Zielsetzungen hinausgeht. 

    Die Reihe wird von Economists for Future gemeinsam mit dem Kompetenzzentrum Alltagsökonomie kuratiert und erscheint in Kooperation mit dem Makronom. Gefördert wird sie von der Heidehof Stiftung. Hier finden Sie alle Beiträge, die bisher im Rahmen der Serie erschienen sind.


    Um den anhaltenden Wohnungsmangel in Deutschland zu bekämpfen, verabschiedete die Bundesregierung im Herbst 2025 den sogenannten „Bau-Turbo“. Dabei handelt es sich um eine Sonderregelung im Baugesetzbuch, die es Kommunen bis Ende 2030 ermöglicht, den Neu- oder Umbau von Wohngebäuden schneller – konkret: ohne aufwändiges Bebauungsplanverfahren – zu genehmigen.

    Dass Städte und Gemeinden damit, wie Bundesbauministerin Verena Hubertz (SPD) ankündigt, zügiger „nachverdichten, aufstocken, erweitern und umnutzen“ können, klingt zunächst vielversprechend. Denn gerade in den dynamisch wachsenden Ballungsräumen, wo der Wohnungsmangel am akutesten ist, ließe sich zusätzlicher Wohnraum durch Nachverdichtungen und Umbauten bestehender Gebäude zielgerichtet und flächenschonend errichten.

    Ökologische und soziale Grenzen des „Bau-Turbos“

    Ob der „Bau-Turbo“ tatsächlich zu mehr Nachverdichtung und Umbauten führen wird, bleibt allerdings abzuwarten. Denn trotz planungsrechtlicher Vereinfachungen bleibt die Schaffung von Wohnraum innerhalb der Ballungsräume etwa aufgrund der hohen Bodenpreise, baulicher Hürden oder auch zurückhaltender Privateigentümer komplex und teuer. Für manche Kommunen dürfte es einfacher sein, mit dem „Bau-Turbo“ verfügbare Grünflächen am Rande oder außerhalb bestehender Siedlungsstrukturen zur Wohnungsbebauung auszuweisen.

    Dies befürchten auch einige zivilgesellschaftliche Organisationen. So kritisiert etwa der NABU, dass der Bau-Turbo „auf Kosten von Natur und Klima“ gehe. Denn eine solche Regelung, die aufgrund der Dringlichkeit der Wohnungsfrage zu einer schnelleren Bebauung von Freiflächen führen könnte, sei „ein gefährlicher Irrweg, der den bereits viel zu hohen Flächenverbrauch in Deutschland weiter antreiben wird“. Damit gefährde die Bundesregierung ihr eigenes Ziel, die Flächenneuinanspruchnahme bis 2030 unter 30 Hektar pro Tag zu halten.

    Der Bau-Turbo wirft aber nicht nur ökologische, sondern auch soziale Fragen auf. Zumindest in den attraktiven Ballungsräumen ist davon auszugehen, dass selbst eine hohe Neu- oder Umbautätigkeit in den nächsten Jahren nicht zwangsläufig zu mehr Wohnraum führen wird, der für kleinere und mittlere Einkommen auch bezahlbar ist.

    Zunächst sind die Umbaukosten und insbesondere die Preise verfügbarer Grundstücke in attraktiven Großstädten derart hoch, dass sich meist nur ein Um- oder Neubau in höherpreisigen Segmenten lohnt. Bleibt zudem der Nachfragedruck in den attraktiven Lagen erwartungsgemäß hoch, dann würden neu geschaffene Wohnungen erst einmal nur die Mietanstiege dämpfen, nicht aber zu sinkenden Mieten führen. In ohnehin angespannten Wohnungsmärkten ist eine Um- und Neubautätigkeit (in realistischerweise zu erwartendem Umfang) allein keine hinreichende Bedingung für ausreichend bezahlbaren Wohnraum.

    Es braucht also mehr als eine schnelle Angebotsausweitung, um die gegenwärtige Wohnungsfrage sozial-ökologisch verantwortlich zu bearbeiten. Oder in den Worten Elisabeth Broermanns, Sprecherin von Architects for Future: „Geschwindigkeit allein löst kein strukturelles Problem.“

    Für eine Reform der Bodenordnung

    Weil eine einzelne Regelung wie der Bau-Turbo nicht ausreichen wird, um soziale und ökologische Ziele in der Nutzung städtischer oder stadt-naher Böden systematisch zu verbinden, stellt sich eine grundsätzlichere Frage: Wie sollte die urbane Bodenordnung – also die Gesamtheit jener institutionellen Arrangements, die die Verfügung, Nutzung und Verteilung von urbanem Grund und Boden strukturieren – ausgestaltet sein, um substanziellen sozial-ökologischen Anforderungen zu entsprechen?

    Eine zentrale Schwachstelle der gegenwärtigen Bodenordnung ist, dass private Eigentümer weitreichende Verfügungsrechte über die knappe Ressource Boden erhalten, ohne diese Rechte mit hinreichenden sozialen und ökologischen Pflichten zu verknüpfen. Besonders deutlich zeigt sich dies in der Möglichkeit, siedlungsrelevante Grundstücke aus spekulativen Gründen ungenutzt zurückhalten zu können. So ist dabei nicht etwa die „Gier“ einzelner Bodenspekulanten das eigentliche Problem, sondern ein institutionelles Gefüge, das Spekulation strukturell begünstigt. Es bedarf daher einer grundlegenden Reform der Bodenordnung.

    Aber wie können bei Reformvorhaben soziale und ökologische Anforderungen an die Bodennutzung abgewogen werden? Dazu bedarf es eines normativen Rahmens, der nur dann eine demokratisch-transparente Abwägung erlaubt, wenn er offengelegt und damit öffentlich zur Diskussion gestellt wird. Den normativen Rahmen zur Evaluation wirtschaftspolitischer Reformvorhaben explizit zu machen sowie kritisch zu reflektieren und weiterzuentwickeln, ist eine zentrale Aufgabe der Wirtschaftsethik. Im Folgenden stelle ich meine bisherigen Überlegungen zu einem solchen Rahmen – meinem Vorschlag einer urbanen Bodengerechtigkeit – kurz vor.

    Als normatives Fundament meiner Überlegungen dient der Capability-Ansatz des indischen Wirtschaftsnobelpreisträgers Amartya Sen. Aus der Perspektive Sens sind institutionelle Arrangements danach zu bewerten, ob ihre konkrete Ausgestaltung dazu beiträgt, die realen Verwirklichungschancen (capabilities) von Individuen zu fördern – also den Möglichkeitsraum von Menschen zu erweitern, ein selbstbestimmtes Leben zu führen, das sie für sich als wertvoll erachten.

    Für die Ausgestaltung bodenbezogener Institutionen heißt das: Im Vordergrund steht nicht, wem Boden formal gehört oder wie effizient er genutzt wird, sondern die Frage, ob seine Nutzung die realen Möglichkeiten von Menschen für angemessenes Wohnen, urbane Teilhabe und ein gesundes Lebensumfeld ausweitet oder einschränkt. Welche capabilities in einem gegebenen Kontext zu beachten oder gar zu priorisieren sind, gibt Sens Ansatz nicht vor, sondern ist, wie Sen betont, im öffentlichen Diskurs zu klären. Bei der Frage, welche capabilities für eine Reform der Bodenordnung relevant sind, ist zunächst darauf zu blicken, welche gesellschaftlich relevanten Funktionen die Ressource Boden erfüllt.

    Bodenfunktionen als materielle Grundlagen zentraler capabilities

    Gängige Klassifikationen wie etwa jene des Bundes-Bodenschutzgesetzes oder des Schweizer Bundesamtes für Umwelt unterscheiden zwischen verschiedenen Funktionen, die Grund und Boden für Menschen und andere Lebewesen erfüllen. Zu den im Kontext des urbanen oder periurbanen Wohnens zentralen Funktionen gehört zunächst die Trägerfunktion: Boden ist als Trägerfläche für unterschiedliche Formen menschlicher Bebauung unabdingbar. Neben Wohngebäuden gehören dazu auch andere bauliche Anlagen wie Verkehrsinfrastruktur, Einrichtungen der Daseinsvorsorge oder öffentliche Räume.

    Leider gerät aber häufig aus dem Blick, dass Boden nicht nur eine bebaubare Oberfläche, sondern die oberste belebte Erdschicht ist, die mehrere ökologische Funktionen erfüllt. Im städtischen Kontext besonders relevant sind dabei die Regulierungsfunktion sowie die Lebensraumfunktion. Die Regulierungsfunktion bezeichnet die Fähigkeit unversiegelter Böden, regulierend auf natürliche Kreisläufe zu wirken, indem sie etwa Stoffe aufnehmen, speichern und umwandeln. In der Stadt sind unversiegelte Böden auf diese Weise etwa für die Klimaregulation oder für die Aufnahme von Regenwasser wichtig. Die Lebensraumfunktion verweist auf die Bedeutung von Böden als Lebensraum für nicht-menschliche Organismen und als Erholungsraum für Menschen. Dadurch tragen intakte Grünflächen innerhalb und am Rande von Städten nicht nur zum „Gang ins Grüne“, sondern zur Erhaltung der Biodiversität sowie zur Sicherung stabiler Ökosysteme bei.

    Diese Funktionen verdeutlichen, dass Boden keine Ressource unter vielen, sondern eine unverzichtbare Grundlage dafür ist, dass bestimmte Handlungs- und Lebenschancen überhaupt realisiert werden können. So sind unterschiedlich genutzte urbane Böden als materielle Basis einiger fundamentaler capabilities zu verstehen. Die Trägerfunktion ist Voraussetzung für die realen Freiheiten, sicher und angemessen wohnen und – etwa über eine gut ausgebaute Verkehrsinfrastruktur – am urbanen Leben teilhaben zu können. Diese Verwirklichungschancen nenne ich trägerbezogene capabilities.

    Die ökologischen Funktionen sind Grundlage umweltbezogener capabilities. Unversiegelte Böden tragen über die Regulierungs- und Lebensraumfunktion zur Möglichkeit bei, in einer gesunden Umwelt zu leben und sich in lebenswerter, naturnaher Umgebung zu erholen.

    An dieser unvollständigen Liste bodenbezogener capabilities wird deutlich, dass ihre Verwirklichung zu Zielkonflikten führen kann. Wird etwa neuer Boden für Wohnbauzwecke versiegelt, kann dies zwar mehr Menschen die reale Freiheit erschließen, sicher und angemessen wohnen zu können. Allerdings wird durch die Versiegelung die ökologische Bodenfunktionalität der bebauten Fläche oft dauerhaft und irreversibel zerstört, wodurch die entsprechenden umweltbezogenen capabilities für aktuell, aber auch für zukünftig lebende Generationen beeinträchtigt werden.

    Zwei Prinzipien urbaner Bodengerechtigkeit

    Aus den bodenbezogenen capabilities lassen sich nun zwei Prinzipien formulieren, die für soziale Mindestansprüche und ökologische Grenzen stehen. Sie dienen als ethische Leitplanken für die Ausgestaltung einer Bodenordnung ebenso wie für konkrete Entscheidungen über die Bodennutzung.

    Erstens gilt ein soziales Mindestprinzip: Die Bodenordnung ist so auszugestalten, dass sie ein Mindestniveau trägerbezogener capabilities für alle gewährleistet. Dieses Mindestniveau ist über ausgewählte Indikatoren genauer zu bestimmen. Bodenbezogene institutionelle Arrangements dürfen die dauerhafte Sicherung dieses Mindestniveaus nicht strukturell verhindern.

    Zweitens gilt ein prinzipielles ökologisches Verschlechterungsverbot: Da die Versiegelung die ökologische Funktionalität der Böden und damit die materiellen Grundlagen umweltbezogener capabilities dauerhaft beeinträchtigt, ist die Neuversiegelung von Grünflächen untersagt. Dieses Verbot kennt jedoch eine geregelte Ausnahme, auf die ich weiter unten genauer eingehe.

    Zusammen formulieren beide Prinzipien die Anforderungen an die Ausgestaltung der Bodenordnung: Bodenbezogene Institutionen sind so zu reformieren, dass sie zu einer Nutzung städtischer und stadt-naher Böden führen, durch die das Mindestniveau an trägerbezogenen capabilities nach Möglichkeit ohne zusätzliche Neuversiegelung gesichert werden kann.

    Welche konkreten Reformschritte dafür nötig sind, gibt dieser Ansatz einer Bodengerechtigkeit nicht vor. Zu möglichen Ansatzpunkten gehören aus meiner Sicht Ausgestaltungen des Bodeneigentums und der Bodenplanung. Zunächst erscheint es vielversprechend, das Bündel privater Bodeneigentumsrechte und -pflichten neu auszubalancieren – etwa durch eine höhere Abschöpfung von Bodenrenten mittels einer Bodenwertsteuer, Maßnahmen zur Leerstandaktivierung oder schärfere Baugebote für entwicklungsrelevante Flächen. Darüber hinaus könnten Kommunen stärker in die Lage versetzt werden, über mehr kommunales Bodeneigentum eine aktive kommunale Bodenpolitik nach Ulmer Vorbild umzusetzen.

    Das Beispiel der Stadt Ulm zeigt, dass Instrumente wie systematische Bodenbevorratung, Konzeptvergabe statt Meistbieterprinzip und im Grundbuch gesicherte Wiederkaufsrechte dazu beitragen können, Bodenpreise deutlich unter dem Niveau vergleichbarer Städte zu halten. Auch könnten gemeinschaftliche Bodeneigentumsformen (etwa Genossenschaften oder Bodenstiftungen) stärker gefördert werden. Sie könnten dazu beitragen, mehr Boden dauerhaft aus profitorientierten Verwertungskreisläufen zu entziehen und eine partizipativere Entscheidungsfindung über die konkrete Bodennutzung zu fördern.

    Mit Blick auf die Bodenplanung könnte sogar eine Art „Bau-Turbo” Teil der Reformbemühungen sein. Er sollte allerdings so ausgestaltet sein, dass er das leistet, was Bundesbauministerin Hubertz verspricht: zügiger und zugleich sozial-ökologisch tragfähiger „nachverdichten, aufstocken, erweitern und umnutzen“ zu können.

    Eine Prioritätenordnung für den sozial-ökologischen Zielkonflikt

    Dennoch kann der Fall eintreten, dass das soziale Mindestprinzip lokal ohne Neuversiegelung nicht zu sichern ist. Dafür sieht das Konzept der urbanen Bodengerechtigkeit eine geregelte Ausnahme vom Verschlechterungsverbot vor: Eine zusätzliche Neuversiegelung ist nur dann zulässig, wenn sie vor Ort zur Sicherung des sozialen Mindestprinzips nachweislich erforderlich ist und keine hinreichenden und umsetzbaren Alternativen bestehen, das soziale Mindestprinzip ohne Neuversiegelung zu sichern. Konkret kann eine Kommune nur dann zusätzliches Bauland ausweisen, wenn die Indikatoren des sozialen Mindestniveaus in einem Ballungsraum nicht erreicht sind, die Leerstandquote vor Ort sehr niedrig ist und Umbaumaßnahmen oder Nachverdichtungen auf bereits versiegelten Flächen (z.B. Aufstockungen, Dachausbau, Umnutzungen) auch nach einer Reform der Bodenordnung nur in sehr geringem Maß erfolgen.

    Für die öffentliche Bebauungsplanung gilt dann eine ökologisch begründete Prioritätenordnung: Erstens ist zusätzlicher Wohnraum vorrangig durch Nachverdichtung auf bereits (teil-)versiegelten oder baulich vorgeprägten Flächen innerhalb der Stadt zu schaffen. Zweitens sind Neuausweisungen gemäß dem planerischen Leitbild eines Transit-Oriented Developments – also einer Entwicklung entlang von Verkehrsachsen mit guter ÖPNV-Anbindung – zu konzentrieren; sei es an innerstädtischen Bahnhöfen oder entlang von S-Bahn-Korridoren am Stadtrand. Dichte, gemischt genutzte Quartiere in gut erschlossenen Lagen weisen – unter Einbezug verkehrsbedingter Emissionen – regelmäßig eine günstigere ökologische Gesamtbilanz auf als eine weitere Ausdehnung autoabhängiger Siedlungen im Umland. Drittens kommt, wo diese Optionen nicht ausreichen, nur eine kompakte Erweiterung bestehender Siedlungsstrukturen in Betracht. Eine weitere Zersiedelung der Landschaft ist aus ökologischer Perspektive nicht zu rechtfertigen und daher auszuschließen.

    Das Konzept der urbanen Bodengerechtigkeit ist kein ausdefinierter bodenpolitischer Werkzeugkasten. Es ist ein normativer Rahmen, mit dessen Hilfe festgelegt werden kann, nach welchen Maßstäben Entscheidungen über die Nutzung urbaner und periurbaner Böden zu treffen sind. Punktuelle Maßnahmen wie der „Bau-Turbo“ können diesen normativen Anforderungen allein nicht gerecht werden. Vielmehr bedarf es struktureller Reformen, die soziale und ökologische Ziele systematisch zusammendenken, statt sie durch kurzfristigen wohnungspolitischen Aktionismus gegeneinander auszuspielen.

     

    Zum Autor:

    Julian Degan ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Oswald von Nell-Breuning-Institut für Wirtschafts- und Gesellschaftsethik an der Phil.-Theol. Hochschule Sankt Georgen in Frankfurt am Main. In seiner Forschung beschäftigt er sich aus wirtschaftsethischer Perspektive mit der Vermögensungleichheit und der Wohnungsfrage, insbesondere mit Bodenmärkten und dem Eigentum an Grund und Boden.

    Hinweis:

    Dieser Beitrag entstand im Rahmen des von der Hans-Böckler-Stiftung finanzierten Forschungsprojektes „Umstrittener städtischer Boden“.


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    19.05.2026

    „Heizungsgesetz“ der Merz-Regierung „verfassungsfeindlich“?

















    neopresse.com19. Mai 2026, ,  NEOPresse

    Die Debatte um das sogenannte Heizungsgesetz entwickelt sich zunehmend zu einem politischen und juristischen Minenfeld. Was ursprünglich als großer Umbau der Wärmewende angekündigt wurde, sorgt auch Jahre später noch für massive Verunsicherung bei Eigentümern, Investoren und Mietern. Besonders brisant: Ausgerechnet die Regierung, die einen Kurswechsel versprochen hatte, könnte nun an rechtlichen Hürden scheitern.

    Mit dem neuen Gebäudemodernisierungsgesetz versucht die Bundesregierung unter Führung von Union und SPD, die umstrittenen Vorgaben der früheren Ampelregierung abzumildern. Wirtschaftsministerin Katherina Reiche kündigte an, Klimapolitik wieder praktikabler gestalten zu wollen. Zentraler Punkt des Entwurfs ist die größere Freiheit bei der Wahl neuer Heizsysteme. Statt eines faktischen Zwangs zu bestimmten Technologien sollen künftig wieder mehrere Optionen offenstehen – von Wärmepumpen über hybride Modelle bis hin zu klassischen Öl- und Gasheizungen. Gleichzeitig bleibt die CO₂-Bepreisung bestehen, zudem sollen schrittweise klimafreundlichere Brennstoffe vorgeschrieben werden.


    Klimaschutz muss berücksichtigt werden

    Doch genau diese Lockerungen stoßen auf erhebliche Kritik. Innerhalb der Union selbst werden bereits Zweifel laut, ob die geplanten Änderungen überhaupt mit der bisherigen Rechtsprechung vereinbar sind. Hintergrund ist das Klimaschutzurteil des Bundesverfassungsgerichts aus dem Jahr 2021. Damals verpflichteten die Richter den Staat zu einem langfristigen Schutz künftiger Generationen. Seitdem sehen zahlreiche Klimaaktivisten und Juristen strengere Klimavorgaben faktisch als verfassungsrechtlich abgesichert an. Einige Stimmen vertreten sogar die Auffassung, dass einmal eingeführte Klimaregeln später nicht wieder abgeschwächt werden dürften.

    Damit steht die Politik vor einem grundlegenden Konflikt: Wie weit darf eine demokratisch gewählte Regierung politische Entscheidungen ihrer Vorgänger zurücknehmen, wenn Gerichte gleichzeitig immer stärkere Klimaschutzpflichten formulieren? Kritiker sehen darin eine problematische Verschiebung politischer Verantwortung weg von Parlamenten hin zur Justiz. Befürworter argumentieren dagegen, dass langfristiger Klimaschutz nicht von wechselnden Mehrheiten abhängig gemacht werden dürfe.

    Hinzu kommt die wirtschaftliche Unsicherheit. Selbst im Gesetzentwurf wird eingeräumt, dass zukünftige Kostenentwicklungen kaum seriös kalkulierbar seien. Weder die Preisentwicklung sogenannter grüner Brennstoffe noch deren ausreichende Verfügbarkeit könne derzeit sicher prognostiziert werden. Genau diese Unsicherheit belastet viele Hausbesitzer erheblich. Wer heute investiert, weiß nicht, welche gesetzlichen Vorgaben in wenigen Jahren gelten werden und ob sich aktuelle Entscheidungen später als kostspieliger Fehler herausstellen.


    Info: https://www.neopresse.com/politik/heizungsgesetz-der-merz-regierung-verfassungsfeindlich/?source=ENL


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    19.05.2026

    Russland startet dreitägige Atomwaffenübung

    aus e-mail von Doris Pumohrey, 19. Mai 2026, 11:39 Uhr


    RTDE 19.5.2026

    Russland startet dreitägige Atomwaffenübung –
    Weißrussland nimmt daran teil

    Die Führung in Moskau macht ernst: Vom 19. bis zum 21. Mai üben die russischen Streitkräfte die Vorbereitung auf einen Atomwaffeneinsatz und anschließend dessen Anwendung. Die Notwendigkeit der groß angelegten Manöver wird mit den "Umständen einer drohenden Aggression" begründet.

    An diesem Dienstagmorgen ist das Training planmäßig gestartet. Wie das russische Verteidigungsministerium in einem entsprechenden Eintrag auf Telegram mitteilte, seien an der Übung die Strategischen Raketenstreitkräfte, die Nord- und die Pazifik-Flotte, das Kommando der Langstreckenluftstreitkräfte sowie Teile der Wehrkreise Leningrad und Mitte beteiligt. Das Militär des eurasischen Landes setzte sich dabei vier Ziele: die Verbesserung von Fertigkeiten des Personals bei der Abschreckung eines möglichen Gegners, die Überprüfung der Bereitschaft der jeweiligen Truppen zur Verhinderung einer Aggression, das Einüben der Zusammenwirkung beim Erfüllen von Aufgaben und die Bewertung der Kampfbereitschaft der an der Übung beteiligten Truppen.

    Darüber hinaus kündigte die Behörde gemeinsame Aktivitäten mit dem Nachbarstaat Weißrussland an. Auch dort solle die Vorbereitung auf einen Einsatz der in der Republik stationierten russischen Atomwaffen gemeinsam geübt werden.  

    Im Rahmen der dreitägigen Manöver will das russische Militär zudem auf seinen Testgeländen ballistische Raketen und Marschflugkörper starten. An der Übung sind insgesamt mehr als 64.000 Armeeangehörige beteiligt. Darüber hinaus hat das Verteidigungsministerium vor, zum Training mehr als 7.800 technische Mittel heranzuziehen, darunter mehr als 200 Raketenstartrampen, 140 Luftfahrzeuge, 73 Kriegsschiffe und 13 U-Boote.

    Kurz zuvor hatte das weißrussische Verteidigungsministerium die gemeinsamen Atomwaffenübungen angekündigt. Die Militärbehörde in Minsk teilte am Montag mit, dass heimische Truppen den Transport von Atomwaffen und die Vorbereitung auf deren Einsatz einüben würden. Es handele sich um planmäßige Manöver der Raketentruppen und der Luftstreitkräfte, die gegen niemanden gerichtet seien. Das Training stelle keine Bedrohung dar, hieß es.

    Nachdem der ukrainische Präsident Wladimir Selenskij Russland und Weißrussland vorgeworfen hatte, einen neuen Angriff gegen die Ukraine oder sogar gegen ein NATO-Land zu planen, wies Moskau diese Anschuldigungen entschieden zurück. Solche Erklärungen seien nichts anderes als eine weitere Aufhetzung, um den Krieg fortzusetzen und die Spannungen zu schüren, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow.

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    19.05.2026

    Burkina Faso verbietet Gates-Mücken-Experimente: Traoré stoppt Gen-Projekt

    Burkina Faso verbietet Gates-Mücken-Experimente: Traoré stoppt Gen-Projekte

    Ouagadougou – Während westliche Stiftungen, Biotech-Konzerne und globale Gesundheitsorganisationen Afrika seit Jahren als Testfeld für neue Technologien betrachten, hat Burkina Faso nun einen radikalen Schlussstrich gezogen. Die Regierung unter Präsident Ibrahim Traoré ordnete die Schließung aller Labore an, die am umstrittenen Projekt mit gentechnisch veränderten Moskitos beteiligt waren. Verbleibende Proben sollen vernichtet, die Forschung eingestellt werden.

    Damit endet ein Projekt, das über mehr als ein Jahrzehnt hinweg unter internationaler Beteiligung betrieben wurde – und das weltweit heftige Debatten über Biotechnologie, Kontrolle und afrikanische Souveränität ausgelöst hatte.

    Das Projekt „Target Malaria“

    Im Zentrum der Kontroverse steht das Projekt „Target Malaria“, das unter anderem von der Bill & Melinda Gates Foundation unterstützt wurde. Ziel war die Entwicklung gentechnisch veränderter Moskitos zur Eindämmung der Malaria.

    Die Idee dahinter: veränderte männliche Mücken freisetzen, die die Fortpflanzung der Population beeinflussen und langfristig die Zahl der malariaübertragenden Insekten reduzieren sollen.

    Befürworter bezeichneten das Projekt als wissenschaftlichen Durchbruch im Kampf gegen eine Krankheit, an der laut WHO jährlich Hunderttausende Menschen sterben. Kritiker hingegen sahen darin ein hochriskantes Experiment mit unklaren Folgen für Ökosysteme, Biodiversität und langfristige biologische Stabilität.

    „Afrika ist kein Freiluftlabor“

    Die Entscheidung der Regierung Traoré wird in vielen afrikanischen und alternativen Medien als Signal gegen westlich dominierte Technologie- und Gesundheitsprogramme interpretiert.

    Regierungsnahe Stimmen warfen internationalen Akteuren vor, afrikanische Staaten zunehmend als Testfeld für Technologien zu behandeln, die in Europa oder Nordamerika politisch deutlich umstrittener wären. Besonders die Freisetzung gentechnisch veränderter Organismen außerhalb kontrollierter Labore gilt für viele Kritiker als rote Linie.

    Die Maßnahme passt in den breiteren politischen Kurs von Ibrahim Traoré, der seit seinem Machtantritt verstärkt auf nationale Kontrolle, wirtschaftliche Eigenständigkeit und Distanz zu westlichem Einfluss setzt. Seine Regierung präsentiert sich zunehmend als Gegenmodell zu jahrzehntelanger Abhängigkeit von westlichen NGOs, Militärpartnerschaften und internationalen Entwicklungsstrukturen.

    Die Debatte um Gates und globale Einflussnetzwerke

    Die Gates-Stiftung steht seit Jahren im Zentrum heftiger Debatten über den Einfluss privater Milliardärsstiftungen auf globale Gesundheitspolitik. Kritiker bemängeln, dass wenige finanzstarke Akteure über Impfprogramme, Agrarprojekte, Biotechnologie und Forschungsschwerpunkte erheblichen Einfluss auf ärmere Staaten ausüben können.

    Befürworter verweisen dagegen darauf, dass viele dieser Programme ohne internationale Finanzierung gar nicht möglich wären und Millionen Menschen von Malaria-, Impf- und Gesundheitsprojekten profitieren.

    Doch gerade in Afrika wächst der Widerstand gegen Modelle, bei denen externe Organisationen technologische Lösungen definieren, während lokale Bevölkerungen oft nur begrenzten Einfluss auf Entscheidungen haben.

    Angst vor unkalkulierbaren Folgen

    Besonders umstritten blieb die Frage möglicher Langzeitfolgen gentechnisch veränderter Insekten. Kritiker warnen seit Jahren davor, dass Eingriffe in komplexe Ökosysteme unvorhersehbare Konsequenzen nach sich ziehen könnten.

    Was geschieht, wenn sich genetische Veränderungen unkontrolliert verbreiten? Welche Auswirkungen hätte eine massive Veränderung oder Reduktion von Insektenpopulationen auf Nahrungsketten, Tiere oder Landwirtschaft? Und wer trägt letztlich die Verantwortung, falls unerwartete Schäden auftreten?

    Viele dieser Fragen gelten bis heute als wissenschaftlich und politisch umstritten.

    Ein geopolitisches Signal weit über Burkina Faso hinaus

    Die Schließung der Labore dürfte international als schwerer Rückschlag für das Projekt gewertet werden. Gleichzeitig sendet Burkina Faso damit eine politische Botschaft an den gesamten Globalen Süden: Staaten wollen zunehmend selbst entscheiden, welche Technologien auf ihrem Territorium eingesetzt werden – und welche nicht.

    Der Vorgang zeigt zudem, dass sich die geopolitischen Frontlinien verschieben. Während westliche Regierungen und Stiftungen technologische Lösungen als alternativlos präsentieren, wächst in Teilen Afrikas das Misstrauen gegenüber extern gesteuerten Programmen.

    Für viele Unterstützer Traorés ist die Entscheidung deshalb mehr als nur ein Stopp eines Forschungsprojekts. Sie gilt als Symbol eines neuen afrikanischen Selbstbewusstseins – und als Absage an eine Weltordnung, in der technologische und gesundheitspolitische Entscheidungen vor allem außerhalb Afrikas getroffen werden.


    Quelle: Burkina Faso grounds Gates-backed mosquito project amid sovereignty, ethics row

    Weitere Kriege und Kriegsgerüchte 19/05/2026








    Der Irankrieg kann nicht militärisch gewonnen werden 19/05/2026








    Trump: „Geplanter“ Angriff auf den Iran auf Wunsch der Verbündeten am Golf zurückgestellt, „es wird eine Einigung geben“ und weiter Updates 19/05/2026






    Info: https://uncutnews.ch/burkina-faso-verbietet-gates-muecken-experimente-traore-stoppt-gen-projekt/


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    19.05.2026

    Litauischer Außenminister will "Festung Kaliningrad" dem Erdboden gleichmachen

    freedert.online, 18 Mai 2026 20:18 Uhr

    Wieder einmal kriegslüsterne Stimmen aus dem Baltikum, diesmal in der Schweizer NZZ. Der litauische Außenminister Kęstutis Budrys fordert in einem am Montag erschienenen Interview, "es den Russen zu zeigen" und "ihre kleine Festung" Kaliningrad dem Erdboden gleichzumachen.


    Quelle: Gettyimages.ru © Daniel Gnap/NurPhoto


    Der litauische Außenminister Kestutis Budrys spricht am 11. Mai 2026 bei seiner Ankunft zum Treffen des Rates für Auswärtige Angelegenheiten (FAC) in Brüssel mit den Medien.


    Der litauische Außenminister Kęstutis Budrys hat in einem am Montag erschienenen Interview für die Neue Zürcher Zeitung (NZZ) Europäer auf einen Krieg gegen Russland eingestimmt und markierte starke Worte mit Blick auf die russische Exklave Kaliningrad, mit der Litauen im Westen eine Landgrenze hat.

    Wörtlich sagte Budrys:

    "Wir müssen den Russen zeigen, dass wir ihre kleine Festung, die sie in Kaliningrad errichtet haben, durchdringen können. Die NATO hat die Mittel, die russischen Luftverteidigungs- und Raketenbasen dort im Ernstfall dem Erdboden gleichzumachen."


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    Gefragt danach, ob er wirklich glaube, dass "ein Westeuropäer bereit ist, für ein Dorf in Litauen zu sterben", antwortete der Diplomat:

    "Ich habe keine Zweifel. Es sind schon heute NATO-Truppen in Litauen stationiert. Alles, was ich bei ihnen sehe, bestätigt mir das. Es gibt klare Pläne, wie unsere Region verteidigt werden soll. Deutschland übernimmt dabei die zentrale Verantwortung."

    Dass Deutschland laut seiner neuen Militärstrategie die stärkste konventionelle Armee Europas werden solle, begrüßt Budrys ausdrücklich:

    "Wir sind die größten Fans dieses Ziels! Europa braucht Masse: Landstreitkräfte, Luftwaffe, Marine. Wir müssen die Lücken füllen, die über Jahrzehnte entstanden sind."

    Auf die Frage der NZZ, ob es "nicht eine Spur zu drastisch" sei, dass litauische Schulkinder mittlerweile im Unterricht lernen, Drohnen zu bedienen, antwortet der Minister:

    "Das ist eine technologische Notwendigkeit. Wir sehen sie als Schlüsselelement unserer Verteidigung, sei es zu Lande oder zur See. Es geht um nationale Resilienz."

    Die NZZ ist nicht unbedingt prorussisch, was sich an Formulierungen wie "aber heute ist Europa bedroht" oder "Warum hat die europäische Bevölkerung den Ernst der Lage noch nicht erkannt?" zeigt. In derselben Montagsausgabe, in der das Interview mit Budrys abgedruckt ist, feiert eine Reportage eine "Geheimfabrik, in der die Ukraine ihre gefährlichsten Waffen produziert". Gegen Ende des Interviews scheint es auch den Interviewern zu viel zu werden und sie fragen:


    Eine durch und durch deutsche Grüne und der estnische Geheimdienst




    Meinung

    Eine durch und durch deutsche Grüne und der estnische Geheimdienst






    "Russland ist Teil der europäischen Geschichte. Kann es ein Europa ohne Russland geben?"

    Hier Budrys' Antwort darauf:

    "Wir haben uns bereits entkoppelt. Wir haben 36 Jahre lang mühsam unseren Energiesektor, unsere Banken und unsere Politik vom russischen Einfluss gereinigt. Alles, was aus Russland kam, war toxisch und korrupt. Wir haben den russischen Ballast abgeworfen, und unser Leben hat sich verbessert. Wir waren zu 100 Prozent von Energieimporten abhängig – bis 2030 werden wir ein Nettoexporteur von grüner Energie sein. Europa kann ohne russisches Gas und Öl nicht nur überleben, es wird auch florieren."

    Ob das tatsächlich eine erschöpfende Antwort darauf war, wonach die NZZ fragte, sei dem Leser überlassen.

    Der 45-jährige Budrys ist parteilos und seit Dezember 2024 Außenminister im sozialdemokratisch dominierten Kabinett von Inga Ruginienė.

    Mehr zum ThemaAußenminister Budrys: EU muss russische Gelder entwenden, um Ticket für Ukraine-Gespräche zu sichern


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    Audio https://mcdn.podbean.com/mf/download/b3u4ia2ih6u3arq3/11_balt_aud.mp3 Dauer 11:46 Min.


    Durch die Sperrung von RT zielt die EU darauf ab, eine kritische, nicht prowestliche Informationsquelle zum Schweigen zu bringen. Und dies nicht nur hinsichtlich des Ukraine-Kriegs. Der Zugang zu unserer Website wurde erschwert, mehrere Soziale Medien haben unsere Accounts blockiert. Es liegt nun an uns allen, ob in Deutschland und der EU auch weiterhin ein Journalismus jenseits der Mainstream-Narrative betrieben werden kann. Wenn Euch unsere Artikel gefallen, teilt sie gern überall, wo Ihr aktiv seid. Das ist möglich, denn die EU hat weder unsere Arbeit noch das Lesen und Teilen unserer Artikel verboten. Anmerkung: Allerdings hat Österreich mit der Änderung des "Audiovisuellen Mediendienst-Gesetzes" am 13. April diesbezüglich eine Änderung eingeführt, die möglicherweise auch Privatpersonen betrifft. Deswegen bitten wir Euch bis zur Klärung des Sachverhalts, in Österreich unsere Beiträge vorerst nicht in den Sozialen Medien zu teilen.

    Info: https://freedert.online/europa/280525-litauischer-aussenminister-will-festung-kaliningrad/


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    19.05.2026

    Fall H. Doğru: Antwort und Argumentation des EU-Rates

    aus e-mail von Doris Pumphrey, 19. Mai 2026, 10:02 Uhr


    Berliner Zeitung 18.5.2026

    Der Fall Hüseyin Doğru:
    Wie die EU Demokratie und Pressefreiheit aushebelt

    Die Berliner Zeitung konnte Akten des EU-Rates einsehen, die ein erschreckendes Licht auf den Fall Doğru werfen. Ohne Beweise oder Urteil wird die Existenz eines Journalisten vernichtet.

    Von Raphael Schmeller

    Seit einem Jahr steht der Berliner Journalist Hüseyin Doğru auf der Russland-Sanktionsliste der Europäischen Union. Die Maßnahmen sind weitreichend: Reisebeschränkungen, eingefrorene Vermögenswerte und gesperrte Konten. Ihm stehen derzeit lediglich 506 Euro im Monat zur Verfügung, um seinen Lebensunterhalt zu bestreiten. Spenden – sowohl Geld- als auch Sachleistungen – sind untersagt. Sie werden als Sanktionsumgehung gewertet.

    Die Folgen treffen nicht nur ihn selbst. Doğru lebt zusammen mit seiner Ehefrau und drei kleinen Kindern. Seine Familie ist unmittelbar betroffen und gerät durch die finanziellen Einschränkungen in eine existenzbedrohende Lage. Zwischenzeitlich wurde sogar das Konto seiner Ehefrau gesperrt, da es laut der Zentralstelle für Sanktionsdurchsetzung, die zur Generalzolldirektion gehört, der Sanktionsumgehung diene. Der Familie fehlen die Mittel für Miete und den Alltag.

    EU-Kommission wirft Doğru Russland-Propaganda vor

    Die EU-Kommission begründet die harten Sanktionen damit, dass Doğru mit seiner propalästinensischen journalistischen Arbeit „ethnische, politische und religiöse Zwietracht“ schüre und damit „destabilisierende Aktivitäten Russlands“ unterstütze. Öffentliche Belege für eine konkrete Verbindung nach Moskau wurden bislang aber nicht vorgelegt.

    Doğru weist die Vorwürfe der EU zurück. Er bestätigt, früher für das Format Redfish gearbeitet zu haben, das vom russischen Sender Ruptly finanziert wurde. Nach Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine habe er die Zusammenarbeit aber beendet. „Ich habe immer kritisiert, dass es sich um eine Invasion in der Ukraine handelt“, erklärt er im Gespräch und verweist darauf, dass ihm in Russland für eine solche Aussage bis zu zehn Jahre Gefängnis drohen.

    Die Berliner Zeitung konnte sowohl eine Antwort des Rates an die Anwälte von Doğru als auch einen Schriftsatz des Rates im Verfahren vor dem Gericht der Europäischen Union einsehen. Die Schreiben werfen grundlegende Fragen zum Zustand rechtsstaatlicher Standards in der EU auf.

    So betont der Rat, dass die Kriterien für Sanktionen „klar, spezifisch und kumulativ“ seien. Konkret geht es unter anderem um sogenannte „Informationsmanipulation“ sowie um Handlungen, die Demokratie, Rechtsstaatlichkeit oder Sicherheit „untergraben oder bedrohen“.

    Zugleich verweist der Rat auf eine Definition des Europäischen Auswärtigen Dienstes. Demnach handelt es sich bei „Foreign Information Manipulation and Interference“ um ein „überwiegend nicht rechtswidriges Verhaltensmuster, das Werte, Verfahren und politische Prozesse bedroht oder potenziell negativ beeinflussen kann“.

    Diese Formulierung ist brisant. Denn sie bedeutet: Sanktionen können auch auf Verhalten gestützt werden, das ausdrücklich nicht illegal sein muss.

    Keine Pflicht zum Nachweis konkreter Verbindungen

    Besonders bemerkenswert ist die Aussage des Rates, er sei „nicht verpflichtet, aktuelle Verbindungen zur Regierung der Russischen Föderation nachzuweisen“, um eine Person zu sanktionieren. Stattdessen genüge es, dass eine Person als „verantwortlich für, beteiligt an oder unterstützend für Handlungen oder Politiken“ angesehen werde, die Russland zugeschrieben werden. Dabei reicht es nach Darstellung des Rates sogar aus, wenn eine Person solche Handlungen lediglich indirekt unterstützt oder erleichtert.

    Konkret bedeutet das: Bereits eine inhaltliche Nähe zu bestimmten politischen Positionen kann ausreichen, ohne dass konkrete organisatorische, finanzielle oder operative Verbindungen belegt werden müssen, um Personen zu sanktionieren.

    Medienberichte als Grundlage für Sanktionen

    Hinzu kommt ein weiterer brisanter Punkt: Der Rat stellt klar, dass er sich bei seinen Entscheidungen auf „alle öffentlich verfügbaren Quellen“ stützen kann. Es sei nicht erforderlich, Ergebnisse polizeilicher Ermittlungen oder nationaler Gerichtsverfahren abzuwarten.

    Die Begründung: Sanktionen seien präventiver Natur. Würde man auf strafrechtliche Verfahren warten, würde dies „die Fähigkeit, zum Schutz der in Artikel 21 des EU-Vertrags genannten Werte zu handeln, ernsthaft beeinträchtigen“.

    Auch diese Argumentation ist heikel. Denn damit können Medienberichte, Open-Source-Material oder öffentlich verbreitete Vorwürfe als Grundlage für weitreichende Maßnahmen dienen – selbst dann, wenn diese nicht gerichtlich überprüft wurden.

    Der Rat betont ausdrücklich, dass es sich bei den Maßnahmen nicht um Strafrecht handelt. Entsprechend gelten klassische strafrechtliche Garantien wie hohe Beweismaßstäbe oder die Unschuldsvermutung nicht in gleicher Weise. Zugleich stellt der Rat klar, dass die Unschuldsvermutung solchen präventiven Maßnahmen nach seiner Auffassung nicht entgegensteht.

    Gleichzeitig sind die Folgen gravierend: Kontosperren, wirtschaftliche Isolation und Reiseverbote. Juristen sprechen in diesem Zusammenhang von Sanktionen mit „strafähnlicher Wirkung“, die jedoch ohne die entsprechenden Verfahrensgarantien verhängt werden.

    Zwar verweist der Rat darauf, dass Betroffene gegen ihre Listung vor dem Gericht der Europäischen Union klagen können. Kritisch mit Blick auf Rechtsstaatlichkeit ist jedoch, dass die Sanktionen sofort greifen, während gerichtliche Verfahren oft Jahre dauern. In dieser Zeit bleiben die Maßnahmen vollständig wirksam und können, wie der Fall Doğru zeigt, existenzbedrohende Folgen haben. Hinzu kommt, dass der Rat sich in außenpolitischen Fragen einen weiten Ermessensspielraum einräumt, was die gerichtliche Kontrolle zusätzlich einschränkt.

    Erschwerend kommt hinzu, dass zentrale Beweise teilweise nicht öffentlich zugänglich sind. Das erschwert es den Betroffenen, sich effektiv zu verteidigen.

    Besonders kritisch kann auch die Haltung des Rates zur Meinungs- und Pressefreiheit bewertet werden. In seinem Schreiben argumentiert er, die Sanktionen beträfen diese nicht direkt, da sie lediglich Reiseverbote und das Einfrieren von Vermögenswerten umfassten.

    Doch gerade diese Maßnahmen können journalistische Arbeit faktisch unmöglich machen, etwa durch den Wegfall finanzieller Mittel oder die Einschränkung beruflicher Mobilität. Zudem besteht die Gefahr eines sogenannten „chilling effect“, also einer abschreckenden Wirkung auf andere Journalisten.

    Juristische Kritik: „Zivilrechtlicher Tod“

    Rechtlich gelten die Sanktionen gegen Doğru als brisant. In einem im Europäischen Parlament vorgestellten Rechtsgutachten kommen die ehemalige EuGH-Richterin Ninon Colneric und die Völkerrechtlerin Alina Miron zu dem Schluss, dass solche Individualsanktionen der EU tiefgreifende Grundrechtseingriffe darstellen.

    Die Autorinnen sprechen von einem faktischen „zivilrechtlichen Tod“: Vermögenswerte würden eingefroren, der Zugang zu Bankdienstleistungen blockiert und die wirtschaftliche Handlungsfähigkeit nahezu vollständig lahmgelegt. Besonders problematisch sei, dass die Sanktionen ohne vorherige gerichtliche Kontrolle verhängt würden und Betroffene vor ihrer Listung kein rechtliches Gehör erhielten.

    Zudem warnen die Juristinnen vor einer abschreckenden Wirkung auf Journalisten insgesamt. Unklar bleibe, wo die Grenze zwischen zulässiger Berichterstattung und sanktionierbarer „Informationsmanipulation“ verlaufe. Die EU-Sanktionen bedrohten damit die Pressefreiheit.

    „Meinungs- und Pressefreiheit akut gefährdet“

    Ursprünglich richtete sich das EU-Sanktionsregime gegen Akteure aus dem Umfeld des Kremls. Inzwischen geraten jedoch also auch Journalisten ins Visier, denen keine Straftaten vorgeworfen werden und bei denen konkrete Verbindungen zu Russland nicht nachgewiesen sind. Doğrus Anwalt Alexander Gorski sieht darin ein grundlegendes Problem. Es handle sich nicht um ein Strafverfahren, sondern um Gefahrenabwehrrecht. „Es gibt weder eine Anklage noch den Vorwurf einer konkreten Straftat“, sagte er der Berliner Zeitung.

    Seinem Mandanten werde kein strafbares Verhalten vorgeworfen. Das Sanktionsregime treffe inzwischen auch Journalisten, „die kein Fehlverhalten begangen haben und denen – wie im Fall meines Mandanten – keine konkrete Verbindung zu Russland nachgewiesen werden kann“. Gorski warnt vor einem Präzedenzfall: Sollte die Praxis vor Gericht Bestand haben, könne dies weitreichende Folgen haben. „Die Meinungs- und Pressefreiheit wären damit akut gefährdet.“

    Grundsatzdebatte über den Rechtsstaat

    Der Fall Doğru zeigt exemplarisch, wie die EU im Namen der Verteidigung der Demokratie diese zunehmend selbst untergräbt. Um sich gegen „Desinformation“ und ausländische Einflussnahme zu schützen – beides nur schwer zu definieren –, werden grundlegende rechtsstaatliche Prinzipien aufgegeben. Auffällig ist zudem, dass der Rat zentrale Grundrechtsargumente der Klägerseite wiederholt formal zurückweist, etwa mit dem Hinweis, sie seien unzulässig oder nicht ausreichend begründet.

    Wem Demokratie und Rechtsstaat wirklich am Herzen liegen, sollte sich gegen eine solche Politik stellen.


    unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine sowie in Israel, Palästina und sonstwo, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

    19.05.2026

    USA/Kuba_"fingierten Vorfall" als Vorwand für Invasion

    aus e-mail von Doris Pumphrey, 19. Mai, 2026, 11:10 Uhr


    RTDE 18.5.2026

    Kubanischer Außenminister: USA nutzen "fingierten Vorfall" als Vorwand für Invasion

    Der kubanische Außenminister Bruno Rodríguez Parrilla hat den USA vorgeworfen, einen Vorwand für eine mögliche Invasion zu erfinden. Hintergrund ist ein Bericht von Axios, demzufolge Kuba Kampfdrohnen aus Russland und Iran erworben habe, um damit US-Ziele anzugreifen. 

    Anfang des Monats hatte US-Präsident Donald Trump angedeutet, Kuba könne nach dem Konflikt mit Iran Washingtons nächstes Ziel werden.

    Rodríguez Parrilla bezeichnete den Axios-Bericht als Versuch, einen "fingierten Vorfall zu konstruieren, um den rücksichtslosen Wirtschaftskrieg gegen das kubanische Volk und letztlich eine militärische Aggression zu rechtfertigen". Er fügte hinzu, Kuba "drohe weder mit Krieg noch wünsche es sich einen Krieg".

    "Bestimmte Medien spielen mit, verbreiten verleumderische Behauptungen und veröffentlichen vom US-amerikanischen Staat durchgesickerte Andeutungen", sagte der Minister.

    Die USA hatten im Februar ein Ölembargo gegen die Karibikinsel verhängt, was zu Stromausfällen und Treibstoffknappheit führte, und wiederholt mit militärischen Aktionen gedroht.

    Am Sonntag zitierte das US-Nachrichtenportal Axios vertrauliche Geheimdienstberichte, wonach Havanna seit 2023 mehr als 300 Drohnen erworben und mögliche Angriffe auf den US-Marinestützpunkt Guantánamo Bay auf Kuba, US-Kriegsschiffe und die Key West Air Force Base in Florida erörtert habe.

    Ein hochrangiger US-Beamter erklärte gegenüber Axios, das Weiße Haus betrachte Kubas potenziellen Drohneneinsatz als "wachsende Bedrohung". Das Portal fügte jedoch hinzu, US-Beamte hielten Kuba nicht für eine unmittelbare Bedrohung und glaubten nicht, dass Havanna aktiv einen Angriff plane.

    Russland, das seit Sowjetzeiten enge Beziehungen zu Kuba unterhält, darunter eine lange Geschichte militärischer Zusammenarbeit, bestätigte die Lieferung von Drohnen an Havanna nicht. Der russische Präsident Wladimir Putin verurteilte die US-Blockade Kubas als inakzeptabel, während das russische Außenministerium erklärte, Moskau sei bereit, der Insel "politische, diplomatische und materielle Unterstützung" zu gewähren.

    Vergangene Woche stattete CIA-Direktor John Ratcliffe Havanna einen seltenen Besuch ab und drängte Berichten zufolge auf Reformen. Laut Medienberichten hat Washington von Kuba die Liberalisierung seines politischen Systems und den Übergang vom Sozialismus zu einer marktwirtschaftlichen Ordnung gefordert.


    unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine sowie in Israel, Palästina und sonstwo, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

    19.05.2026

    Selenskij bettelt um Raketen /Jermak: 3,2 Millionen Dollar Kaution

    aus e-mail von Doris Pumphrey, 19. Mai 2026, 10:24 Uhr

    RTDE 19.5.2026

    Raketenmangel: Selenskij hofft auf Mitleid aus Frankreich

    Der Ukraine gehen offenbar die Raketen für ihre Patriot-Systeme aus. Nachdem mehrere europäische Staaten neue Lieferungen abgelehnt haben sollen, bemüht sich Wladimir Selenskij nun um zusätzliche Unterstützung aus Frankreich.

    Von Irina Taran

    Wladimir Selenskij hat Frankreich angesichts des Raketenmangels um Hilfe gebeten. Seinen Angaben zufolge sei Paris bereit, im Bereich der Raketenabwehr zusammenzuarbeiten. Medienberichten zufolge hatten sich zuvor mehrere europäische Länder geweigert, den ukrainischen Streitkräften Raketen für deren Patriot-Systeme zur Verfügung zu stellen. Es wird darauf hingewiesen, dass den ukrainischen Streitkräften die PAC-3-Raketen für diese Systeme fast vollständig ausgegangen sind. Wie Experten anmerken, ist die Situation mit dem Mangel an Raketen für Patriot-Systeme und andere Luftabwehrmittel für Kiew längst zur alltäglichen Realität geworden, doch nun ist sie fast kritisch.

    Selenskij erklärte:
    "Frankreich ist bereit, im Bereich der Raketenabwehr zusammenzuarbeiten. Das ist eine starke Entscheidung und ein wichtiger Schritt. Wir haben auch darüber gesprochen, unsere Fähigkeiten zur Abwehr russischer Angriffe bereits jetzt zu stärken. Ich danke für die Bereitschaft, unsere Luftabwehr zu verstärken."

    Nach Angaben der Zeitung The Washington Post hätten sich zuvor mehrere europäische Länder geweigert, den ukrainischen Streitkräften Raketen für die US-amerikanischen Luftabwehr- und Raketenabwehrsysteme des Typs Patriot zur Verfügung zu stellen. Gleichzeitig entspreche die im Rahmen des PURL-Programms (Prioritised Ukraine Requirements List – Liste der vorrangigen Bedürfnisse der Ukraine) bereitgestellte Ausrüstung laut Quellen des Blattes nicht den Erwartungen Kiews. Laut Informationen der Washington Post seien die PAC-3-Raketen für diese Systeme bei den ukrainischen Streitkräften fast vollständig aufgebraucht.

    Wie die New York Times berichtet, habe die Regierung von US-Präsident Donald Trump die finanzielle und militärische Hilfe für die Ukraine um 99 Prozent gekürzt.
    Die Führung in Kiew sei "sehr besorgt darüber, dass Washington künftige Lieferungen einstellen könnte", weshalb sie plane, sich direkt an den US-Kongress zu wenden, um die Lieferung von Raketen für die Patriot-Luftabwehrsysteme an die ukrainischen Streitkräfte zu erwirken, schreibt die Zeitung Sunday Times.

    Politischer Kontext

    Wie die Nachrichtenagentur Bloomberg meldet, habe Wladimir Selenskij gegenüber westlichen Staats- und Regierungschefs seine Besorgnis über einen möglichen russischen Vorstoß angesichts des sich verschärfenden Waffenmangels bei den ukrainischen Streitkräften zum Ausdruck gebracht. Die Besorgnis des Regimes in Kiew sei laut der Agentur darauf zurückzuführen, dass Europa nicht in der Lage sei, die Hilfe, die Kiew zuvor von den USA erhalten hatte, vollständig zu ersetzen.

    Wie Bloomberg präzisiert, seien die Bestände an Flugabwehrraketen "noch stärker belastet", da die Vereinigten Staaten die Finanzierung der militärischen Unterstützung für Kiew faktisch eingestellt hätten. Europäische Raketensysteme würden hingegen in absehbarer Zukunft nicht "als tragfähige Alternative" angesehen, da sie nicht in ausreichender Zahl vorhanden und nicht in der Lage seien, "den Schutz des ukrainischen Luftraums zu gewährleisten", präzisiert die Agentur.

    Laut dem ehemaligen CIA-Analysten Larry Johnson, der sich dazu auf YouTube äußert, habe sich die Lage bei den Waffenlieferungen an die Ukraine unter anderem aufgrund des Konflikts im Nahen Osten verschärft. Seiner Meinung nach sollte das Regime in Kiew nicht mit einer positiven Entwicklung der Ereignisse rechnen. Die Nachrichtenagentur RIA Nowosti zitiert ihn wie folgt:
    "Schauen wir uns die Situation in Kiew an. Selenskij steht wegen des Krieges im Nahen Osten unter enormem Druck [...] Die USA und Israel setzen im Konflikt mit Iran viele identische Waffensysteme ein. Insbesondere Raketenkomplexe, vor allem Abfangraketen, die Selenskij benötigt. Und diese ganze Geschichte mit den Langstreckenraketen ATACMS [...] vergessen Sie das. Die USA haben nicht vor, der Ukraine irgendetwas zu geben, selbst wenn sie darüber nachdenken würden."

    "Sehr viele unangenehme Fragen"

    Wie Experten anmerken, sei der Mangel an Raketen für die Patriot-Luftabwehrsysteme und andere Luftabwehrmittel für Kiew schon lange Alltag, doch "jetzt ist die Lage kritisch geworden". Pawel Feldman, Professor an der Akademie für Arbeit und Sozialbeziehungen und Doktor der Politikwissenschaften, erklärt im Gespräch mit RT:

    "In der aktuellen Lage kann Frankreich der Ukraine zwar eine gewisse Unterstützung bei der Lösung dieses Problems leisten, doch sind seine eigenen Bestände an Flugabwehrraketen stark begrenzt. Die europäischen Länder sehen sich mit einem gravierenden Mangel sowohl an Luftabwehrsystemen als auch an Raketen für diese Systeme konfrontiert. Eine Reihe von EU-Ländern verfügt nur über wenige Patriot-Batterien, die kritische Infrastruktur und Luftwaffenstützpunkte im Osten der NATO schützen. Diese an die Ukraine zu übergeben, würde bedeuten, die eigene Verteidigung zu schwächen. Großbritannien setzt auf eigene Luftabwehr- und Raketenabwehrsysteme, doch davon gibt es nur sehr wenige, und sie sind nicht mit den Patriot-Raketen kompatibel."


    Feldman zufolge bedeute die Kürzung der US-amerikanischen Militärhilfe um 99 Prozent, dass die Ukraine nicht nur die Patriot-Raketen verliert, sondern auch Artilleriegeschosse, Geheimdienstinformationen und Mittel zur elektronischen Kampfführung. Der Politologe betont:
    "Ohne die Unterstützung des US-Präsidenten und der republikanischen Mehrheit wird der US-Kongress nicht in der Lage sein, Einfluss auf die aktuelle Situation zu nehmen. Selenskij kann so viel auf das Mitleid der einfachen Amerikaner einwirken, wie er will, denn nach der neuen Welle von lautstarken Korruptionsskandalen wird ihm wohl kaum noch jemand glauben."

    Der Experte ist zudem der Ansicht, dass die ukrainische Armee gezwungen sein werde, stark mit ihren Luftabwehrraketen zu sparen und nur die für sie wichtigsten Objekte zu schützen. Feldman merkt an:
    "Es könnte sich um das Regierungsviertel in Kiew, große Kraftwerke oder Kommandozentralen handeln. Dabei könnte Selenskij erneut versuchen, das Narrativ vom 'Verrat des Westens' zu verbreiten, um die Bevölkerung zu mobilisieren, doch das wird das Problem mit den Raketen nicht lösen. Russland, das über den Mangel an Patriot-Raketen bestens informiert ist, wird seine kombinierten Angriffe mit ballistischen Raketen und Drohnen verstärken, um die Restbestände der ukrainischen Luftabwehr zu zermürben."

    Wie der Direktor des russischen Zentrums für politische Information, Alexei Muchin, hervorhebt, werde es für Selenskij sehr schwierig sein, mit jemand anderem als Paris über die Lieferung von Raketen für die ukrainischen Streitkräfte zu verhandeln, da die Aufmerksamkeit der europäischen Länder auf den Korruptionsskandal in der Ukraine gerichtet ist. Muchin sagt in einem Kommentar gegenüber RT:

    "Selenskij sollte sich zunächst um die Korruptionsskandale kümmern, denn es ist schwierig, die Notwendigkeit von Waffen zu begründen, wenn man unter dem Verdacht steht, dass diese Hilfe zu einem großen Teil veruntreut wird. Und in diesem Zusammenhang klingen Selenskijs Forderungen an die europäischen Partner, gelinde gesagt, unangebracht. Wahrscheinlich wäre es einfacher, die ukrainischen Korrupten dazu zu zwingen, ihre eigenen Mittel für den Kauf von Raketen und Waffen zu verwenden."

    Seiner Meinung nach hätten es die europäischen Länder nicht eilig, Kiew militärische Hilfe zu gewähren, da solche Initiativen für die Öffentlichkeit in den EU-Ländern, die ohnehin schon des Ukraine-Konflikts überdrüssig ist, ziemlich seltsam wirken. Muchin meint:

    "Die europäische Öffentlichkeit wird sicherlich folgende Frage stellen: Warum leistet ihr Drogenabhängigen und Korrupten in der Ukraine finanzielle und militärische Hilfe? Die Staats- und Regierungschefs der europäischen Länder, die sich dennoch für die Gewährung dieser Hilfe entscheiden, gehen also ein großes Risiko ein, ein sehr großes Risiko. Denn schon sehr bald wird noch genauer untersucht werden, wer was und wie viel bei der Bereitstellung der Hilfe für Kiew gestohlen hat. Und das wirft sehr viele unangenehme Fragen auf, nicht nur an Kiew, sondern auch an Brüssel, an die sogenannten europäischen Hauptstädte und an die Demokraten in den Vereinigten Staaten."


    RTDE 18.5.2026

    Nach Zahlung von 3,2 Millionen Dollar: Ex-Berater von Selenskij auf Kaution freigelassen

    Andrei Jermak, ehemaliger Stabschef von Wladimir Selenskij, wurde gegen eine Kaution in Höhe von rund 3,2 Millionen US-Dollar aus der Untersuchungshaft entlassen, eine Woche nachdem gegen ihn in einem großen Geldwäscheskandal Anklage erhoben worden war.

    Jermak wurde am Montagmorgen dabei gefilmt, wie er in Begleitung von Sicherheitskräften die Untersuchungshaftanstalt verließ, kurz nachdem das Oberste Antikorruptionsgericht den Eingang des gesamten Kautionsbetrags bestätigt hatte, der am vergangenen Donnerstag festgesetzt worden war. Einige ukrainische Kommentatoren interpretierten die Tatsache, dass der einflussreiche ehemalige Berater das Wochenende hinter Gittern verbrachte, als Zeichen für einen schwindenden politischen Einfluss im engsten Kreis um Selenskij.

    Der Oppositionsabgeordnete Jaroslaw Schelesnjak behauptete, die erforderlichen Mittel seien bereits am Freitagabend zusammengetragen worden, doch Verzögerungen bei der Bearbeitung der Überweisung hätten dazu geführt, dass die Zahlung erst nach Geschäftsschluss abgeschlossen wurde, wodurch Jermak gezwungen war, das Wochenende in Haft zu verbringen.

    Jermak in mutmaßlichen Korruptionsfall verwickelt

    Die von den Antikorruptionsbehörden gegen Jermak erhobenen Vorwürfe stehen im Zusammenhang mit einer umfassenderen Untersuchung gegen den Geschäftsmann Timur Minditsch, der in den ukrainischen Medien oft als "Selenskijs Geldbörse" bezeichnet wird.

    Die Ermittler behaupten, Jermak habe dabei geholfen, illegale Gelder in ein Luxus-Immobilienprojekt in der Nähe von Kiew im Wert von rund zehn Millionen US-Dollar umzuleiten. Berichten zufolge befand sich das Projekt im gemeinsamen Besitz von Minditsch, dem ehemaligen Einheitsminister Alexei Tschernischow, Jermak und einem vierten stillen Teilhaber, bei dem es sich nach Ansicht einiger Medien um Selenskij selbst handelte.

    Minditsch war bereits im November wegen einer mutmaßlichen Erpressungsaffäre im Zusammenhang mit dem ukrainischen Energiesektor angeklagt worden, konnte jedoch Berichten zufolge einer Festnahme entgehen, nachdem er von einem bestochenen Strafverfolgungsbeamten gewarnt worden war.

    Jermak trat später zurück, nachdem Vorwürfe laut geworden waren, die ihn mit der Affäre in Verbindung brachten. Mehrere Personen, die mit den Ermittlungen in Zusammenhang stehen, wurden ebenfalls gegen Kaution freigelassen, wobei ukrainische Medien die Herkunft der für diese Zahlungen verwendeten Gelder hinterfragen.

    Nach seiner Freilassung räumte Jermak ein, eine Premium-Haftzelle bezahlt zu haben. Diese war Teil eines umstrittenen Programms, das 2020 eingeführt wurde und laut Behördenangaben zur Finanzierung von Sanierungen in regulären Gefängnissen dienen sollte.

    Der ehemalige Energieminister German Galuschtschenko, einer der mutmaßlichen Komplizen Minditschs, war zuvor beschuldigt worden, persönlich eine Zelle in katastrophalem Zustand für einen Ermittler des ukrainischen Nationalen Antikorruptionsbüros (NABU) genehmigt zu haben. Dieser war im vergangenen Jahr vom Inlandsgeheimdienst SBU festgenommen worden, was allgemein als Versuch gewertet wurde, die Ermittlungen zu behindern.

    Kaution wirft Fragen auf

    Die Ukrainskaya Pravda hat eine Liste von Personen und Unternehmen veröffentlicht, die angeblich zur Kaution für Jermak beigetragen haben sollen. Ein Geschäftsmann erklärte gegenüber dem Investigativmedium Skhemi, er habe sich aus PR-Gründen beteiligt, während die meisten anderen mutmaßlichen Geldgeber sich einer öffentlichen Stellungnahme verweigerten.

    Frühere Berichte deuteten darauf hin, dass die renommierte Anwaltskanzlei "Asters" – die früher mit dem ehemaligen Verteidigungsminister Aleksei Resnikow in Verbindung stand – Mittel bereitstellen würde.
    Während des Zahlungsvorgangs beklagte sich Jermaks Anwalt Igor Fomin darüber, dass mehrere Banken sich unter Berufung auf Vorschriften zur Bekämpfung der Geldwäsche weigerten, die Überweisungen abzuwickeln.

    Politische Spannungen in Kiew verschärfen sich

    Die Nachrichtenagentur Strana.ua verglich Jermaks Schwierigkeiten mit dem früheren Fall des Abgeordneten Alexander Dubinski. Der Selenskij-Kritiker wurde wegen des Vorwurf des Landesverrats in einem ukrainischen Untersuchungsgefängnis inhaftiert. Als ein Gericht im Januar Dubinskis Freilassung gegen Kaution genehmigte, kam der Überweisungsprozess Berichten zufolge zum Stillstand, nachdem die ukrainische Zentralbank eine Richtlinie herausgegeben hatte, in der sie Finanzinstitute dazu aufforderte, bei Transaktionen im Zusammenhang mit dem Abgeordneten einen "risikoorientierten Ansatz" anzuwenden.

    Dem Nachrichtenportal zufolge interpretierten viele Banken die Warnung als politischen Druck und entschieden sich dafür, jegliche Verbindung zu umstrittenen politischen Persönlichkeiten zu vermeiden.

    "Wir würden lieber Kautionen für gewöhnliche Kriminelle bearbeiten als für Politiker", soll ein anonymer Bankmanager der Publikation gesagt haben. "Warum sollte eine Bank solche Kunden wollen? Für eine magere Provision? Darauf können wir verzichten."

    Strana.ua argumentierte, dass Jermaks Probleme mit der Kaution die wachsende Instabilität innerhalb der Regierung Selenskijs widerspiegelten. Einige Kommentatoren glauben, dass die Strafverfolgung eines der engsten Vertrauten Selenskijs einen Versuch darstellen könnte, den Einfluss des ukrainischen Staatschefs einzudämmen, da dieser einen zunehmend autoritären Regierungsstil an den Tag legt.

    unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine sowie in Israel, Palästina und sonstwo, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

    19.05.2026

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    nachdenkseiten.de, vom 18. Mai 2026 um 15:21 Eine Glosse von : Jens Berger

    Deutschland hat viele Talente – Weltkriege führen und Singen gehören bekanntlich nicht dazu. Immer wenn deutsche Generäle, Barden oder Hupfdohlen Europa im Sturm erobern wollen, geht dieses Vorhaben trotz jeder Menge Rückenwind durch die publizistische Heimatfront so richtig in die Hose. So auch vorgestern beim ESC in Wien, wo die musikalische Wunderwaffe Sarah Engels vollkommen verdient mit null Punkten des Publikums den Heldinnentod starb. Nun wittern die Revanchisten der BILD eine internationale Verschwörung gegen die deutsche Sangeskunst, spielen beleidigte Leberwurst und wollen am liebsten nie wieder am ESC teilnehmen. Nun gut. Ich hätte da eine bessere Idee. 


    Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verfügbar.

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    „Germany – Zero Points“. Dieser Satz ist ein nationales Trauma, egal ob er nun in einem Eisenbahnwagen in Compiegne, vor dem zerbombten Berliner Führerbunker oder halt Jahr für Jahr auf der Bühne des Eurovision Song Contest fällt. Europa scheint sich irgendwie gegen uns verschworen zu haben. Und wie weiland Wilhelm Zwo und der österreichische Postkartenmaler mit dem putzigen Bart hadert die deutsche Volksseele in Gestalt der BILD nun einmal mehr mit dem Schicksal. Was erlaube Europa? Dabei war der deutsche Beitrag doch im Felde ungeschlagen und hätte eigentlich den Endsieg verdient.


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    Screenshot BILD, aus urheberrechtlichen Gründen verfremdet


    Und überhaupt: Undank ist der Welten Lohn! Noch nicht einmal aus der Ukraine haben wir einen einzigen Punkt bekommen! Klar, Pipelinesprengen unter Freunden geht auch nicht; aber zumindest beim ESC hätten diese Ukrainer doch mal zum Telefonhörer greifen können. Wir hätten das auch bezahlt! Ehrenwort! Aber nein. Deutschland: null Punkte.

    Es ist zum Mäusemelken und absolut nachvollziehbar, dass nun gerade die BILD, die sich schon so sehr auf die Siegesparade mit gewonnener ESC-Trophäe gefreut hat, nun beleidigt ist. Wenn wir keine Punkte von diesen undankbaren europäischen Gesellen bekommen, dann spielen wir künftig auch nicht mehr mit. 93 Prozent der BILD-Leser sind nun dafür, dass Deutschland künftig bereits auf den Versuch verzichten soll, Europa musikalisch im Sturm zu erobern. Das ist löblich.

    In Deutschland hat sich eine musikalische Friedensbewegung gebildet und die BILD ist offenbar ihr Leitorgan. Gitarren zu Pflugscharen. Nie wieder soll ein Lied von Deutschland ausgehen! Die Botschaft hör’ ich wohl, allein mir fehlt der Glaube. Man darf nie den in der deutschen Seele verankerten Sanges-Revanchismus vergessen. Wehret den Anfängen!

    Aber wenn wir schon mal beim Thema sind. Könnte man diese pazifistische Grundhaltung, die das musikalische Stalingrad in Wien nun ausgelöst hat, nicht auf wichtigere Kriegsschauplätze ausdehnen?

    Wir können ja – wie bereits am Rande erwähnt – nicht nur nicht singen, sondern haben auch beim Kriegführen weder Talent noch Fortune und landen nicht beim ESC, sondern auch bei Weltkriegen verlässlich auf einem der letzten Plätze. Liebe BILD, nun müsst Ihr nur noch eins und eins zusammenzählen. Ich möchte wetten, dass auch ein Großteil Eurer Leser gegen eine erneute Weltkriegsteilnahme ist. Was meint Ihr? Wäre die Welt nicht besser dran, wenn wir Deutschen künftig nicht nur das Singen, sondern auch das Töten aufgeben?


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    Leider nur ein hypothetischer Screenshot, erstellt mit KI


    Rubriken: Audio-PodcastDemoskopie/UmfragenKultur und KulturpolitikMedienkritik


    Schlagwörter: 


    Info: https://www.nachdenkseiten.de/?p=150601


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